Kategorie-Archiv: Buchmesse Frankfurt

Deutscher Buchpreis 2022: 202 Romane von 124 Verlagen eingereicht

Jury des Deutschen Buchpreises 2022 v.l.n.r.: Selma Wels, Uli Ormanns, Erich Klein, Miriam Zeh, Frank Menden, Isabelle Vonlanthen, Jan Wiele. Foto: vntr.media
Jury des Deutschen Buchpreises 2022 v.l.n.r.: Selma Wels, Uli Ormanns, Erich Klein, Miriam Zeh, Frank Menden, Isabelle Vonlanthen, Jan Wiele. Foto: vntr.media

Rekorde beim Deutschen Buchpreis 2022: Das dritte Jahr in Folge steigt die Zahl der Einreichungen auf einen bisherigen Höchstwert: 124 deutschsprachige Verlage schickten insgesamt 202 Titel ins Rennen um den Roman des Jahres. Das sind 5 Titel mehr als im Rekordjahr 2021. 83 Verlage sitzen in Deutschland, 22 in der Schweiz, 19 in Österreich und einer in Luxemburg.

Von den eingereichten Titeln stammen 121 aus dem aktuellen Frühjahrsprogramm, 69 weitere kommen im Herbst auf den Markt. 12 Titel sind bereits im vergangenen Herbst erschienen. Jeder Verlag konnte maximal zwei Titel einreichen, die zwischen Oktober 2021 und dem 20. September 2022 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind bzw. erscheinen. Darüber hinaus konnten bis zu fünf weitere Titel empfohlen werden. Auf der Empfehlungsliste landeten dieses Jahr 124 Romane – 12 mehr als im Vorjahr. Aus der Liste können die Juror*innen Titel für den Auswahlprozess anfordern.

Bei ihrer ersten gemeinsamen Jurysitzung wählten die Jurymitglieder Miriam Zeh (Deutschlandfunk Kultur) zu ihrer Jurysprecherin. Der Jury gehören außerdem an: Erich Klein (freier Kritiker, Wien), Frank Menden (stories! Die Buchhandlung, Hamburg), Uli Ormanns (Agnes Buchhandlung, Köln), Isabelle Vonlanthen (Literaturhaus Zürich), Selma Wels (Kuratorin und Moderatorin, Frankfurt) und Jan Wiele (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Die Jury entscheidet über den Roman des Jahres in einem mehrstufigen Auswahlverfahren. Am 23. August 2022 gibt sie die 20 nominierten Titel bekannt. Aus dieser Longlist wählen die Juror*innen sechs Titel für die Shortlist, die am 20. September 2022 veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung, am 17. Oktober 2022, erfahren die sechs Autor*innen, wer von ihnen den Deutschen Buchpreis gewonnen hat.

Der Deutsche Buchpreis wird von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vergeben. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weiterer Partner ist die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Informationen zum Deutschen Buchpreis 2022 können Interessierte unter www.deutscher-buchpreis.de abrufen.

Der Hashtag zum Deutschen Buchpreis 2022: #dbp22

Tsitsi Dangarembga mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2021 ausgezeichnet

Die simbabwische Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga ist heute mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Die Verleihung fand vor rund 400 geladenen Gästen in der Frankfurter Paulskirche statt. Die Laudatio hielt die kenianische Germanistin und Soziologin Auma Obama.

In ihrer Dankesrede analysierte Tsitsi Dangarembga, wie die innerhalb imperialer Strukturen ausgeübte physische, psychologische, politische, ökonomische, metaphysische und genozidale Gewalt sukzessive dazu geführt habe, dass wir heute in einem System lebten, das als „No-Win-Situation“ beschrieben werden müsse: „Das heißt, dass der Westen mit all seiner Technologie, seinen Überzeugungen und seiner Praxis auf vielfachen weiterhin praktizierten Formen der Gewalt aufgebaut ist, die er in den Rest der Welt exportiert hat und die jetzt in postkolonialen Staaten so eifrig praktiziert werden wie zuvor in imperialen und kolonialen Staaten. […] Es ist wohl bekannt, dass Gewalt weitere Gewalt erzeugt, und das sehen wir heute auf der ganzen Welt, auch in den Heimatstaaten des Imperiums.“

Die aktuellen gesellschaftlichen Denkmuster böten offensichtlich keinen Lösungsansatz – im Gegenteil: Weltweit gelehrte Disziplinen wie Marketing und Betriebswirtschaft, Politik und Werbung hätten zum Inhalt, eine Population anhand einer Reihe demografischer Merkmale zu segmentierten und anschließend zu manipulieren, um finanziellen, politischen, sozialen oder anders gearteten Profit zu maximieren: „Ein System, das auf Profit basiert, […] ist ein System der Ausbeutung. Ein System, das einerseits Konzentration und andererseits ein Defizit erzeugt, ist ein System des Ungleichgewichts. So ein System ist notwendigerweise instabil und deshalb auch nicht nachhaltig. Wie ist es möglich, dass wir in ein instabiles, nicht nachhaltiges System investieren, das uns zwangsläufig in den Untergang führt?“

Tsitsi Dangarembga sagte weiter: „Die Lösung ist, ethnisch determinierte und andere hierarchische Denkweisen abzuschaffen, die auf demografischen Merkmalen wie sozialem und biologischem Geschlecht, Religion, Nationalität, Klassenzugehörigkeit und jedweden anderen Merkmalen beruhen, die in der gesamten Geschichte und überall auf der Welt die Bausteine des Imperiums waren und noch immer sind. […] Was wir tun können, ist, unsere Denkmuster zu verändern, Wort für Wort, bewusst und beständig, und daran festzuhalten, bis wir Ergebnisse sehen in der Weise, wie wir Dinge tun und welche Folgen sich daraus ergeben.“

Mit der Hoffnung, dass ein solcher Paradigmenwechsel möglich ist, schloss die Preisträgerin ihre Rede: „Unsere Entscheidung, was und wie wir denken, ist letztlich eine Entscheidung zwischen Gewalt oder Frieden fördernden Inhalten und Narrativen. Dass jemand wie ich, der in nicht so ferner Vergangenheit aufgrund von demografischen Kriterien im schlimmsten Fall als nicht denkend, im besten Fall als nicht auf eine wertvolle Weise denkend und deshalb auf nicht wertvolle Weise existierend kategorisiert wurde, heute diesen Preis erhält, bezeugt die Fähig-keit für Wandel, die wir Menschen haben.“

Auma Obama lobte in ihrer Laudatio Tsitsi Dangarembgas steten Antrieb, Verantwortung zu übernehmen und die Welt zum Guten zu verändern. Allen Hürden zum Trotz kämpfe sie tagtäglich voller Mut für diejenigen ohne eigene Stimme und für die Meinungsfreiheit: „Bestimmt hättest du manchmal am liebsten aufgegeben, Tsitsi, und der Versuchung nachgegeben, einfach ein normales, gewöhnliches Leben zu führen. Warum sich mühsam Gehör verschaffen, wenn man auch irgendwie so durchkommt? Warum unbedingt ein Forum für mehr Gerechtigkeit schaffen? Das Leben wäre sehr viel einfacher gewesen, für dich, für uns, wenn wir das gekonnt hätten. Aber du bist nicht gewöhnlich.“

Auch der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann zog den Hut vor Dangarembgas Engagement für das Recht auf Selbstbestimmung und gegen die Dominanz weißer Menschen: „Sie akzeptieren nicht, dass Menschen aufgrund von Geschlecht oder Rasse unterdrückt werden – oder weil Kolonialismus wie ein Echo aus der Vergangenheit unsere Gegenwart bestimmt. […] Sie fordern Gleichberechtigung. Sie stehen auf für Pressefreiheit, für den Kampf gegen Korruption – selbst wenn Machthaber, wie vergangenes Jahr, Sie mit Inhaftierung einzuschüchtern versuchen. Diese Haltung, die sich durch Ihre Romane, Dramen und Filme zieht, macht Sie zu einem Vorbild.“

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins, stellte die Wirkung der Texte der Preisträgerin in den Fokus ihrer Ansprache und würdigte die Einblicke, die den Leser*innen hierdurch gewährt würden: „Danke, dass Sie mich an Tambus Seite gestellt haben, dass ich eins mit ihr werden durfte, dass ich Tambudzais Ausweglosigkeit begreifen konnte, aber auch jeden Versuch, wieder aufzustehen. Sie, haben es geschafft, uns eine Gesellschaft so nahe zu bringen, dass sie uns zwar nicht restlos verständlich wird, wir sie aber auf uns beziehen können, auf uns und unsere eigenen Unzulänglichkeiten.“

Seit 1950 vergibt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Preisträger waren unter anderem Sebastião Salgado, Albert Schweitzer, Astrid Lindgren, Václav Havel, Jürgen Habermas, Susan Sontag, Liao Yiwu, Navid Kermani, Margaret Atwood, Aleida und Jan Assmann und im vergangenen Jahr Amartya Sen. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

73. Frankfurter Buchmesse: Neustart der Buchbranche, Wiedersehensfreude und Kontroverse um die Grenzen der Meinungsfreiheit

Gratulation für Mut und Kreativität der Veranstalter, die 73. Frankfurter Buchmesse (20.-24. Oktober 2021) trotz ungewisser Pandemie-Lage erstmals seit 2019 wieder als Präsenzveranstaltung gewagt zu haben. Damit setzten sie ein wichtiges Zeichen für die Kulturbranche in Zeiten von Corona. Flankiert durch ein ausgeklügeltes Hygiene- und Sicherheitskonzept, konnte sich das Fach- und das Privatpublikum unter dem Motto “Re:connect” wieder sicher begegnen. Immerhin kamen – trotz des europaweiten Orkans mit Zug- und Flugausfällen am Buchmessen-Donnerstag – bereits gut 36.000 Fachbesucher*innen aus 105 Ländern und 37.500 private Leser*innen aus 85 Ländern zur Frankfurter Buchmesse 2021. Sie ist die erste große Präsenzveranstaltungen der internationalen Buchbranche seit Ausbruch der Pandemie. Insgesamt 2013 Unternehmen aus 80 Ländern präsentierten sich in den Hallen, im LitAg, an den neuen Workstations oder als digitale Aussteller*innen im Netz. Insgesamt 2.500 Medienvertreter*innen aus 39 Ländern waren für die diesjährige Frankfurter Buchmesse akkreditiert.

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse: „Die 73. Frankfurter Buchmesse markiert nach 18 Monaten einen Neubeginn und hat angesichts der weltweit geltenden Reisebeschränkungen unsere Erwartungen weit übertroffen. Dies zeigt, wie resilient und kreativ unsere Branche ist. Viele Aussteller*innen und Fachbesucher*innen äußerten sich sehr zufrieden über die Qualität der Gespräche. Man konnte die Wiedersehensfreude in den Hallen förmlich spüren. Mit unserem digitalen Fachprogramm haben wir eine Brücke zu Teilnehmer*innen geschlagen, die in diesem Jahr nicht reisen konnten.“

Vom Dienstag, 19. Oktober, bis Sonntag, 24. Oktober, nutzten 130.000 User*innen die Angebote auf buchmesse.de. Der Livestream zum digitalen Fachprogramm “Frankfurt Studio: Inside Publishing” (27 Sessions) wurde allein auf der Website der Frankfurter Buchmesse über 15.500-mal in 97 Ländern eingeschaltet. Das deutschsprachige Live-Programm für das Privatpublikum im “Frankfurt Studio Festival” in Kooperation mit Buchjournal (34 Sessions) wurde bis zum Sonntagmittag bereits über 5.200-mal eingeschaltet. Die ARD-Buchmessenbühne zeigte 46 Stunden Programm im Livestream und das Frankfurt Studio sendete 44,5 Stunden. Das physische BOOKFEST city-Programm kommt auf insgesamt 85,5 Stunden. Zusätzlich konnte ein Großteil des Live-Programms beider Livestreams auch über Facebook und YouTube verfolgt werden. Die Inhalte stehen im November auf buchmesse.de in einer Mediathek zur Verfügung.

Auch das  physische Buchfest OPEN BOOKS des Kulturamtes der Stadt Frankfurt mit insgesamt 105 Veranstaltungen und Live-Events, auf denen 140 Autor*innen ihre neuen Bücher vorstellten, war mit 6500 Besuchern sehr gut besucht. Wer pandemiebedingt keinen Platz mehr bekommen konnte, konnte etliche Veranstaltungen daheim streamen.

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: „Die Frankfurter Buchmesse war geprägt von Wiedersehensfreude und Aufbruchsstimmung. Die Branche geht gestärkt aus der Pandemie hervor und hat die Messetage für die persönliche Begegnung, den Austausch über wichtige Branchenthemen und den Ausbau von Geschäftskontakten genutzt. Unterstützt durch ein breites digitales Angebot hat das Buch so eine weithin sichtbare Bühne bekommen. In aufgewühlten Zeiten standen auch wichtige gesellschaftliche Themen auf der Agenda. Dabei hat sich auch gezeigt, dass es gesellschaftliche Debatten gibt, die wir intensiv weiterführen müssen und werden – so etwa die zur Bekämpfung von Rassismus oder die zum Umgang mit extremen politischen Positionen in unserer Gesellschaft und auf Buchmessen.“

Besonders eindrücklich hat sich in den letzten Tagen gezeigt, wie sehr die Frankfurter Buchmesse die aktuellen gesellschaftlichen Debatten widerspiegelt und verstärkt. In über 100 Veranstaltungen auf dem Blauen Sofa, der ARD-Buchmessenbühne, im Forum Bildung äußerten sich Podiumsteilnehmer*innen aus vielen Disziplinen zu Themen wie Anti-Rassismus und Anti-Diskriminierung, Gendern und Meinungsfreiheit.

Der Boykottaufruf einer Autorin auf Grund der Präsenz eines Verlages der „Neuen Rechten“, hat die Netz-Community aufgebracht die Öffentlichkeit gespalten: Wo kann ein Veranstalter wie die Frankfurter Buchmesse die Grenze ziehen, welche Verlage zugelassen werden? Wo endet die Meinungsfreiheit, wo beginnt Zensur?

Die Politikerin Aminata Touré und Managerin Janina Kugel haben sich entschieden, ihre geplanten Auftritte trotz des Boykottaufrufs im Netz wahrzunehmen und die Messe für sich und ihre Positionen zu nutzen. Sie trafen sich mit der Journalistin Jagoda Marinić im Rahmen der Reihe “SHEROES – Streiterinnen für die Zukunft” auf der ARD-Buchmessenbühne. Zum Thema “Boykott oder Ausschluss? Wie umgehen mit rechten Verlagen auf Buchmessen” fand am Messesonntag ein Panel mit Mirrianne Mahn (GRÜNE), Referentin für Diversitätsentwicklung der Stadt Frankfurt sowie dem Schriftsteller Per Leo statt.

„Wir bedauern zutiefst, dass Autor*innen ihren Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse abgesagt haben. Wir haben mit unseren Partnern ein umfangreiches diverses Programm zusammengestellt, um viele Perspektiven aufzuzeigen. Die Stimmen dieser Autor*innen haben gefehlt. Mit ihrer Anwesenheit hätten sie ein Zeichen gesetzt, so wie das in der Vergangenheit zum Beispiel Salman Rushdie oder Chimamanda Ngozi Adichie getan haben und in diesem Jahr unsere diesjährige Friedenspreisträgerin Tsitsi Dangarembga oder deren Laudatorin Auma Obama, und viele andere“, sagte Juergen Boos.

Er führte aus: „Internationale Buchmessen leben von der Vielfalt der Meinungen und Inhalte sowie vom Austausch auf Augenhöhe. Inzwischen gibt es regelmäßig die Forderung nach Zensur und Ausschluss bestimmter Inhalte und Unternehmen – so auch in diesem Jahr. Für die Buchmesse gelten seit jeher zwei Grundsätze: Die Meinungsfreiheit darf nicht über die vom Staat gezogenen Grenzen hinaus eingeschränkt werden – das heißt für die Zulassung von Ausstellern in dubio pro libertate, und die Sicherheit der Teilnehmer*innen muss jederzeit maximal gewährleistet werden, so dass jede und jeder Einzelne sich frei und sicher fühlen kann, die Messe zu besuchen. Als Veranstalter der größten internationalen Buchmesse verwahren wir uns mit aller Schärfe gegen die Instrumentalisierung unserer Veranstaltungen. Die Freiheit des Wortes ist für uns nicht verhandelbar.“

Das Wochenendprogramm präsentierte Mona Ameziane, Volker Klüpfel & Michael Kobr, Ralf König, Janina Kugel, Daniel Schreiber, Aminata Touré, Elif Shafak (live zugeschaltet), Nicole Seifert und Sönke Wortmann auf der ARD-Buchmessenbühne; Dany Laferrière und Asfa-Wossen Asserate auf dem „Blauen Sofa“; Samira El Ouassil, Anastasia Zampounidis, Ulrike Folkerts, Rebecca Gablé, Florian Illies und Marc Elsberg im Frankfurt Studio Festival; Johanna Adorján, Peter Licht und Terézia Mora im detektor.fm-Podcaststudio.

Unter der Motto „Singular Plurality – Singulier Pluriel“ präsentierte Kanada, der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2021, seine einzigartige Vielfalt. „Wir sind stolz darauf, dass wir die Gelegenheit hatten, unsere Literatur, Kunst und Kultur mit unseren deutschen Freunden und dem Rest der Welt zu teilen. Kanada ist ein Land mit vielen verschiedenen Stimmen, und wir sind uns sicher, dass unser Ehrengastauftritt diese Singular Plurality unseres Landes in den Fokus gerückt hat – die einzigartige Vielfalt, in der wir unsere Unterschiede annehmen und feiern. Mit dem Abschluss unserer zwei Ehrengastjahre beenden wir nun dieses unerwartet lange Kapitel der Frankfurter Buchmesse, und können es kaum erwarten zu sehen, was Spanien im nächsten Jahr für uns bereithält“, resümiert S. E. Steven Guilbeault, Minister für kanadisches Kulturerbe, den außergewöhnlichen Ehrengastauftritt Kanadas.

Der Kanadische Pavillon wurde am Dienstagabend (19. Oktober 2021) offiziell von der kanadischen Generalgouverneurin, Ihrer Exzellenz Mary May Simon eröffnet: Besucher*innen erwartete ein Parcours durch eine Installation, die mit den Elementen kanadischer Landschaft spielte. Der Pavillon, zu dem es in diesem Jahr erstmalig auch ein virtuelles Pendant gab, führte die Kreativität und Vielfalt der kanadischen Literatur- und Kulturszene vor Augen. Insgesamt 60 kanadischen Autor*innen und Illustrator*innen gestalteten das kanadische Literaturprogramm – darunter acht herausragende Literat*innen, die Kanada in diesem Jahr vor Ort in Frankfurt vertreten werden: Michael Crummey, Michel Jean, Dany Laferrière, Catherine Mavrikakis, Paul Seesequasis, Vivek Shraya, Kim Thúy und Nancy Vo. Neben Lesungen und interaktiven Formaten dieser acht Künstler*innen auf dem Messegelände haben über 50 Autor*innen an einer Vielzahl virtueller Veranstaltungen teilgenommen; dies beinhaltete auch virtuelle Auftritte von Margaret Atwood und Joséphine Bacon bei der Eröffnungsfeier. Die „Books on … Canada“ Ausstellung im Ehrengast-Pavillon zeigt knapp 400 Neuerscheinungen zu Kanada aus 165 Verlagen.

In einer feierlichen Zeremonie mit dem Buchmessedirektor Juergen Boos übergab Caroline Fortin, Vorsitzende des Ehrengastkomitees CanadaFBM2020/21, die GastRolle an Maria José Gálvez, Generaldirektorin Books and Reading Promotion der spanischen Regierung.

Alle Gespräche, die an den Messetagen auf der ARD-Buchmessenbühne stattgefunden haben, sind in der ARD-Mediathek auch im Nachhinein verfügbar. Alle detektor.fm-Gespräche sind ebenfalls weiterhin als Podcast abrufbar und auch auf dem YouTube-Kanal der Frankfurter Buchmesse finden sich zahlreiche Inhalte der Messewoche für die Rückschau.

OPEN BOOKS 2021 erneuter Publikumsmagnet

Am Sonntag, den 21. Oktober, ging OPEN BOOKS, das Lesefest der Stadt zur Frankfurter Buchmesse, nach fünf erfolgreichen Tagen zu Ende. Gute Stimmung, viel Freude bei den Mitwirkenden und glückliche Besucher*innen machten das Festival zu einem großen Erfolg.

OPEN BOOKS setzte auch in diesem Jahr wieder auf Live-Events und stellte auf 105 Veranstaltungen insgesamt 140 Autor*innen mit ihren neuen Büchern vor. Die Besucherzahl beläuft sich auf 6.500. Das Programm setzte sich aus den besten Neuerscheinungen des Herbstes in den Sparten Belletristik, Sachbuch, Lyrik, Comic und Kinderbuch zusammen, die zahlreiche Verlage aus dem deutschsprachigen Raum zur Präsentation im Rahmen von OPEN BOOKS vorgeschlagen hatten. Lesungsorte waren erneut Räume rund um den Römer und in der neuen Altstadt. Die feierliche Eröffnung von OPEN BOOKS mit dem ersten Auftritt der frisch gekürten Buchpreisträgerin Antje Rávik Strubel sowie OPEN BOOKS Kids zum Wochenende wurden im großen Saal der Deutschen Nationalbibliothek abgehalten. Der Eintritt war frei, es mussten allerdings vorher Tickets gebucht werden.

Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig dankt allen Beteiligten: „OPEN BOOKS ist ein fester Bestandteil der Buchmessenwoche und zieht Buch-Begeisterte aus der gesamten Rhein Main-Region an. Die Menschen sind auch in diesem Jahr zu den Veranstaltungen geströmt. Ich bin daher insbesondere den deutschsprachigen Verlagen dankbar, dass sie sich mit ihrer Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse 2021 zum Standort Frankfurt bekannt haben. Die Buchmesse ist das Epizentrum der Buch- und Literaturstadt Frankfurt und die Stadt bietet ihr mit OPEN BOOKS eine weitere Bühne rund um den Römer und in der neuen Altstadt.“

 

2021 wurde das zehnjährige Jubiläum der Kooperation von OPEN BOOKS mit dem Blauen Sofa zur Eröffnung des Lesefestes gefeiert. Weitere Kooperationen fanden statt mit dem Schweizer Buchpreis, dem SWR, der Frankfurter Rundschau und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels sowie dem Lyriknetzwerk „Teil der Bewegung“. Das erste Mal war die Frankfurter Allgemeine Zentrum Rhein-Main mit einer eigenen Veranstaltung zu Gast. Sie hatte Alice Brauner mit ihrem Buch „Also dann in Berlin …“ in die Volksbühne eingeladen „OPEN BOOKS hatte auch in diesem Jahr ein großartiges Publikum, das hochkonzentriert und mit spürbarer Begeisterung den Lesungen folgte. Die 110 Veranstaltungen waren nahezu ausgebucht und wir sind sehr glücklich über das große Interesse, das sich auch in langen Schlangen vor den Signiertischen manifestierte. Die Büchertische des lokalen Buchhandels freuten sich über viele verkaufte Bücher. Der ‚Frankfurt-Abend´ in der Volksbühne bildete einen stimmungsvollen Abschluss des Lesefestes und wird sicher zu einer Tradition“, so Dr. Sonja Vandenrath, die OPEN BOOKS verantwortet.

In diesem Jahr wurde OPEN BOOKS durch den Deutschen Literaturfonds mit seinem Programm Neustart Kultur großzügig gefördert. Medienpartner waren das Journal Frankfurt und hr2 kultur. Die Büchertische wurden von Frankfurter unabhängigen Buchhandlungen gestellt.

Eine fulminante Eröffnung mit der Buchpreisträgerin Antje Ravik Strubel und den weiteren Gästen, Sasha Marianna Salzmann, Gert Loschütz und Per Leo, in der Deutschen Nationalbibliothek verhieß einen guten Start. ‚Literatur im Römer‘ am Buchmessen-Mittwoch und -Donnerstag bildete wie immer einen Höhepunkt des Programms von OPEN BOOKS. Große Resonanz erfuhren auch die Auftritte v on Wolf Biermann, Peter Wohlleben, Sarah Biasini, Julia Franck, Herfried Münkler, Florian Ilies, Dilek Güngor, Richard Powers, Sönke Wortmann, Heinz Rudolf Kunze, PeterLicht, Alice Brauner sowie der diesjährigen Friedenspreisträgerin Tsitsi Dangarembbga bei „Zwischen Zeilen“. Die Lyriklesungen und das von Jakob Hoffmann kuratierte ComicProgramm fand ebenfalls begeisterte Zuschauer*innen. Auch das Kinderprogramm von OPEN BOOKS Kids, das am Sonntag Nachmittag zu Ende ging, wurde begeistert angenommen. Von den ursprünglich geplanten 115 Veranstaltungen mussten 10 abgesagt werden. Drei davon, und zwar die mit Matthias Nawrat, Ciani-Sophia Hoeder und Katharina Hoppe, als Ausdruck ihrer Solidarität mit Jasmina Kuhnke, die aus Protest gegen rechte Verlage auf der Buchmesse ihre Teilnahme zurückgezogen hatten.

Frankfurter Buchmesse: „Die Buchbranche hat den Stresstest Corona bestanden, braucht aber faire Rahmenbedingungen“

© Foto Diether v Goddenthow
© Foto Diether v Goddenthow

Eröffnung der Frankfurter Buchmesse 2021 / Buch fest in der Gesellschaft verankert / Stabile Umsätze in der Pandemie / Vertragsfreiheit für E-Book-Leihe in Bibliotheken muss erhalten bleiben

Die Buchbranche zeigt sich zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse optimistisch und voller Tatendrang: „Wir haben mit der Pandemie einen der größten Stresstests der Geschichte souverän bestanden. Verlage, Buchhandlungen und die Buchlogistik haben mit großem Einsatz und Nähe zu den Kund*innen sichergestellt, dass Bücher auch in herausfordernden Zeiten zu den Menschen kamen“, sagte Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, heute bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse.

In der Krise habe sich gezeigt, wie fest das Buch in der Gesellschaft verankert sei. Schmidt-Friderichs: „Social distancing wurde nicht zu Distanz zum Buch. Die Menschen haben die Zeit in den eigenen vier Wänden genutzt, um öfter zu lesen. Das Buch erfüllt in herausfordernden Zeiten wichtige Bedürfnisse: Es gibt Antworten auf drängende Fragen – fundiert und in überschaubarem, abgeschlossenem Format. Es weitet den Blick, es eröffnet neue Welten und zeigt uns andere Lebensentwürfe. Es bietet Denkanstöße, gibt Mut und Hoffnung.“

So konnte die Branche das Jahr 2020 mit stabilen Umsätzen abschließen. Auch der Blick auf 2021 stimmt zuversichtlich: Über alle Vertriebswege hinweg hat der Umsatz auf dem Buchmarkt mit Ende der KW 40 (10. Oktober) das Vor-Corona-Niveau eingeholt und liegt 0,7 Prozent über dem Umsatz des Vergleichszeitraums 2019. Somit stehen die Chancen auf ein positives Jahresergebnis gut.

Nach eineinhalb herausfordernden Jahren stünden überall die Zeichen auf Neustart. Die Buchbranche könne die Gesellschaft auf diesem Weg unterstützen und bei der Lösung wichtiger Fragen helfen: „Gelingt es uns, wirksam gegen den menschengemachten Klimawandel vorzugehen? Wie können wir unsere Innenstädte wieder zu lebendigen Orten machen? Welche Lösungen finden wir angesichts bedenklicher politischer Entwicklungen und Einschränkungen der Meinungsfreiheit um uns herum? Schaffen wir mehr Gleichberechtigung für Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Herkunft? Alle diese Fragen werden auch in Büchern verhandelt“, so Schmidt-Friderichs.

„Bibliotheken dürfen keine steuerfinanzierte Kostenlos-Plattform für E-Books werden“
Eine entscheidende Frage für die Zukunft der Buchbranche sei die nach der Entwicklung des Urheberrechts. Dieses sei in den vergangenen Jahren zunehmend eingeschränkt worden. Aktuell müsse die Buchbranche befürchten, dass sich die Rahmenbedingungen bei der E-Book-Leihe für sie drastisch verschlechtern. Der Bundesrat hat gefordert, dass Verlage den Bibliotheken künftig alle E-Books ab dem Erscheinungstag für die Ausleihe zur Verfügung stellen müssen. Es bestehe die große Sorge, dass die künftige Bundesregierung diesen Vorschlag aufgreift. Bislang haben Verlage und Autor*innen die Freiheit, einige wenige Bücher erst nach einem gewissen Zeitfenster in die kostenlose Ausleihe zu geben, um sich die ausschlaggebenden Erlöse durch Verkäufe innerhalb der ersten zwölf Monate zu sichern. Wenn Leser*innen ab Markteinführung eines Buchs bereits kostenlos auf die Leihvariante als E-Book zugreifen können, bricht Verlagen und Autor*innen diese kommerzielle Erlösmöglichkeit weg. Während bereits fast die Hälfte des E-Book-Konsums auf Bibliotheken entfällt, machen Verlage schon jetzt nur 6 Prozent ihres E-Book-Umsatzes damit.

Schmidt-Friderichs: „Wir setzen uns für den Erhalt der Vertragsfreiheit bei der E-Book-Leihe in Bibliotheken ein. Autor*innen und Verlage, also diejenigen, die davon – und dafür leben – müssen das auch in Zukunft können. Es kann nicht sein, dass der Staat aus Bibliotheken eine mit Steuergeldern finanzierte E-Book-Plattform mit Kostenlosangebot macht. Ich unterstütze daher mit Nachdruck den Appell der Initiative ,Fair Lesen‘, zu der sich aktuell Autor*innen, Verlage und Buchhandlungen zusammengeschlossen haben. Sie wollen aufzeigen, dass gesetzliche Regelungen wie die einer Zwangslizenz für die E-Book-Ausleihe in Bibliotheken den Buchmarkt gefährden und wichtige Erlösquellen für Autor*innen, Verlage und den Buchhandel zerstören.“

Antje Rávik Strubel erhält den Deutschen Buchpreis 2021 für ihren Roman „Blaue Frau“

Die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2021 ist Antje Rávik Strubel. Sie erhält die Auszeichnung für ihren Roman „Blaue Frau“ (S. Fischer). Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, gratuliert und überreicht der Gewinnerin die Preisurkunde.
Die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2021 ist Antje Rávik Strubel. Sie erhält die Auszeichnung für ihren Roman „Blaue Frau“ (S. Fischer). Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, gratuliert und überreicht der Gewinnerin die Preisurkunde.

 

Die Begründung der Jury:
„Mit existenzieller Wucht und poetischer Präzision schildert Antje Rávik Strubel die Flucht einer jungen Frau vor ihren Erinnerungen an eine Vergewaltigung. Schicht um Schicht legt der aufwühlende Roman das Geschehene frei. Die Geschichte einer weiblichen Selbstermächtigung weitet sich zu einer Reflexion über rivalisierende Erinnerungskulturen in Ost- und Westeuropa und Machtgefälle zwischen den Geschlechtern.

Antje Rávik Strubel © Foto Diether v Goddenthow
Antje Rávik Strubel © Foto Diether v Goddenthow

In einer tastenden Erzählbewegung gelingt es Antje Rávik Strubel, das eigentlich Unaussprechliche einer traumatischen Erfahrung zur Sprache zu bringen. Im Dialog mit der mythischen Figur der Blauen Frau verdichtet die Erzählerin ihre eingreifende Poetik: Literatur als fragile Gegenmacht, die sich Unrecht und Gewalt aller Verzweiflung zum Trotz entgegenstellt.“

Der Jury für den Deutschen Buchpreis 2021 gehören an: Knut Cordsen (Kulturredakteur, Bayerischer Rundfunk), Bettina Fischer (Leiterin Literaturhaus Köln), Anja Johannsen (Leiterin Literarisches Zentrum Göttingen), Richard Kämmerlings (Literarischer Korrespondent, Die Welt), Sandra Kegel (Ressortleiterin Feuilleton, Frankfurter Allgemeine Zeitung), Beate Scherzer (Buchhändlerin, Proust Wörter + Töne) und Anne-Catherine Simon (Feuilleton-Redakteurin, Die Presse).

„Der Deutsche Buchpreis schafft Aufmerksamkeit für die aktuelle deutschsprachige Literatur – auch in herausfordernden Zeiten. Die gute Nachricht ist: Menschen lesen wieder mehr Bücher, das Bedürfnis nach neuen Perspektiven und Geschichten ist in der Pandemie gewachsen. Über eine Vielzahl an Kanälen hat der Deutsche Buchpreis den Romanen des Jahres eine Bühne geboten und das Gespräch über die Fragen, die sie verhandeln, befördert. Die Verleihung des Preises heute wird das Gespräch weiter anfachen. Ich danke der unabhängigen Jury, den Förderern und Partnern, ohne die der Preis nicht möglich wäre, sowie den teilnehmenden Verlagen und Autor*innen“, sagt Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Für die Auszeichnung waren außerdem nominiert:
Norbert Gstrein: Der zweite Jakob (Carl Hanser), Monika Helfer: Vati (Carl Hanser), Christian Kracht: Eurotrash (Kiepenheuer & Witsch), Thomas Kunst: Zandschower Klinken (Suhrkamp) und Mithu Sanyal: Identitti (Carl Hanser).

Antje Rávik Strubel erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalist*innen erhalten jeweils 2.500 Euro. Die Preisträgerin wurde in mehreren Auswahlstufen ermittelt. Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 230 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2020 und dem 21. September 2021 erschienen sind. Aus diesen Romanen wurde eine 20 Titel umfassende Longlist zusammengestellt. Daraus haben die Juror*innen sechs Titel für die Shortlist gewählt.

Mit dem Deutschen Buchpreis 2021 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Unter dem Hashtag #buchpreisbloggen stellen 20 Literaturblogger*innen die nominierten Titel 2021 vor. Die Rezensionen werden unter www.deutscher-buchpreis-blog.de veröffentlicht und über die Social-Media-Kanäle des Deutschen Buchpreises geteilt. Auf der Webseite und den Social-Media-Kanälen des Deutschen Buchpreises vermitteln zudem Videoporträts einen Eindruck von den nominierten Werken und ihren Autor*innen.

Weitere Informationen und Termine der Preisträgerin können abgerufen werden unter: www.deutscher-buchpreis.de

OPEN BOOKS, Literatur im Römer und OPEN BOOKS KIDS – Das Lesefest der Stadt Frankfurt zur Buchmesse bei freiem Eintritt vom 19. bis 23. Oktober

Logo-e1599671063355-450x250OPEN BOOKS, das große Lesefest der Stadt Frankfurt zur Buchmesse, findet 2021 vom 19. bis 23. Oktober statt: Bei 112 Veranstaltungen stellen 150 Autorinnen und Autoren aus Deutschland und der Welt ihre neuen Bücher des Herbstes an 11 Veranstaltungsorten vor. U.a. sind Sarah Biasini, Richard Powers, Julia Franck, Eva Menasse, Daniela Krien, Heinz Rudolf Kunze, Jenny Erpenbeck, Herfried Münkler, Johanna Adorján, Peter Wohlleben, Sigrid Nunez, Sasha Marianna Salzmann, Ralph Bollmann und Kim Thúy zu Gast.

Wie immer werden die wichtigsten Neuerscheinungen des Herbstes im Bereich der deutschsprachigen Belletristik und Lyrik, des Sachbuches, der Graphic Novels und der internationalen Literatur präsentiert. 70 Verlagshäuser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nutzen die Möglichkeit, ihre Novitäten einem breiten Publikum vorzustellen. Das Kulturamt Frankfurt am Main ist Veranstalter von OPEN BOOKS und trifft eine Auswahl aus den Vorschlägen der Verlage.

Nach dem großen Zuspruch im vergangenen Jahr unter Corona-Bedingungen setzt OPEN BOOKS auch in diesem Jahr auf Präsenzveranstaltungen mit Publikum bei freiem Eintritt – selbstverständlich unter Berücksichtigung der geltenden Verordnungen und Empfehlungen zum Infektionsschutz. Um möglichst vielen Interessierten den Besuch der Veranstaltungen zu ermöglichen, findet das Lesefest, das traditionell rund um den Frankfurter Römerberg und in der neuen Altstadt ausgerichtet wird, auch in ausgewählten Räumen in der Innenstadt aus.

Dr. Sonja Vandenrath, Fachbereichsleiterin Literatur im Kulturamt Frankfurt am Main u. verantwortliche Organisatorin des Lesefests OPEN BOOKS und Dr. Ina Hartwig, Kultur- und Wissenschaftsdezernentin der Stadt Frankfurt, präsentierten in der Evangelischen Akademie das OPEN BOOKS –Programm 2021. © Foto Alexander Paul Englert
Dr. Sonja Vandenrath, Fachbereichsleiterin Literatur im Kulturamt Frankfurt am Main u. verantwortliche Organisatorin des Lesefests OPEN BOOKS und Dr. Ina Hartwig, Kultur- und Wissenschaftsdezernentin der Stadt Frankfurt, präsentierten in der Evangelischen Akademie das OPEN BOOKS –Programm 2021. © Foto Alexander Paul Englert

Die Kultur- und Wissenschaftsdezernentin der Stadt Frankfurt, Dr. Ina Hartwig, stellt fest: „OPEN BOOKS findet auch in diesem Jahr mit über 100 Buchvorstellungen vor Publikum statt. Das ist eine wichtige Botschaft, die von der Buch- und Literaturstadt Frankfurt an die Buchbranche, aber auch an die breite Öffentlichkeit ausgeht. Mit dem Lesefest schaffen wir auch in diesem Jahr Räume für neue Bücher aller Sparten und bieten Orte der Begegnung von Autorinnen und Autoren mit ihren Lesern. Dies alles verdichtet an wenigen Tagen und mit einem breiten Angebot, in dem für jeden Geschmack und jede Altersklasse etwas dabei ist. Mit OPEN BOOKS bekennen wir uns als Stadt Frankfurt zur Buchkultur, die einen unverzichtbaren Platz in der Ausverhandlung gesellschaftlicher Prozesse innehat. Das Lesefest steht fest an der Seite der Frankfurter Buchmesse, die das Gravitationszentrum der Buch- und Literaturstadt Frankfurt bildet.“

Dr. Sonja Vandenrath, die das Lesefest OPEN BOOKS verantwortet, ergänzt: „OPEN BOOKS ist mehr denn je ein Gemeinschaftswerk: Deshalb danke ich den Verlagen, die bei uns ihre Autor*innen des Herbstes vorstellen, ebenso wie den vielen neuen Partnern, die wir in den letzten Jahren dazu gewonnen haben. Dazu gehört seit zehn Jahren das Blaue Sofa, mit dem wir gemeinsam das Lesefest eröffnen. Seitdem sind eine große Anzahl neuer Kooperationspartner, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit seiner Reihe ‚Zwischen Zeilen‘, hinzugekommen. So entstehen Synergieeffekte, die das Programm bereichern. OPEN BOOKS aber bleibt das Lesefest der offenen Türen im Herzen der Buch- und Literaturstadt Frankfurt.“

Zur Eröffnung von OPEN BOOKS 2021 findet im großen Saal der Deutschen Nationalbibliothek der erste öffentliche Auftritt des/der am Abend zuvor gekürten Preisträgers/in des Deutschen Buchpreises statt. Die Eröffnung wird in Zusammenarbeit von Bertelsmann, ZDF und Deutschlandfunk Kultur gemeinsam mit der Stadt Frankfurt und der Deutschen Nationalbibliothek durchgeführt.

Das Blaue Sofa von Bertelsmann, ZDF, Deutschlandfunk Kultur und 3sat kommt bereits zum zehnten Mal zu Open Books und gehört damit zu den verlässlichsten Partnern des Frankfurter Lesefestes.

Die Premiere am 11. Oktober 2011 begann mit einem wahren Tusch: Zu Gast waren der damalige Friedenspreisträger Boualem Sansal, das erste Supermodel Veruschka von Lehndorff, die dänische Autorin Janne Teller, Steinunn Sigurðardóttir aus dem damaligen Gastland Island sowie Eugen Ruge, der Gewinner des Deutschen Buchpreises 2011. Damit wollten die Partner des Blauen Sofas und die Stadt Frankfurt eine literarische Brücke zwischen der Literarturstadt und der Buchmesse bauen. In den vergangenen zehn Jahren wirkten insgesamt 49 bekannte Autorinnen und Autoren an dieser Literatur-Gala mit, darunter Christian Berkel, John Burnside, Leon de Winter, Didier Eribon, Ken Follett, Joachim Gauck, Wladimir Klitschko, Connie Palmen, Martin Walser sowie die Frankfurter Schriftsteller Eva Demski und Bodo Kirchhoff. Eine Konstante über den Zeitraum bildet der erste öffentliche Auftritt der/des Gewinners/in des Deutschen Buchpreises nach der montäglichen Preisverleihung im Frankfurter Römer.

Im Jubiläumsjahr werden wieder die oder der Buchpreisträger/in 2021 den Abend eröffnen. Außerdem sprechen Sasha Marianna Salzmann („Im Menschen muss alles herrlich sein“, Suhrkamp), Gert Loschütz („Besichtigung eines Unglücks“, Schöffling & Co.) und Per Leo (“Tränen ohne Trauer“, Klett-Cotta) über ihre Novitäten. Die Gespräche werden moderiert von Wiebke Porombka und René Aguigah (Deutschlandfunk Kultur), Cécile Schortmann (3sat) und Sonja Vandenrath, der Literaturreferentin der Stadt Frankfurt.

PK-OPEN-BOOKS-2021_Alexander-Paul-EnglertAuch in diesem Jahr sind Kinderbücher ein wichtiger Teil des städtischen Lesefestes. Am 23. und 24. Oktober stellt OPEN BOOKS KIDS in Zusammenarbeit mit der Deutschen Nationalbibliothek eine Auswahl der Neuerscheinungen für Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren vor. Bei acht Lesungen präsentieren Philipp Waechter, Fee Krämer, Alex Rühle, Sven Gerhardt, Lena Hach, Martin Muser, Mara Andeck mit Phine Wolff sowie Markus Orths ihre Bücher.

Erneut finden drei Veranstaltungen der Reihe „Zwischen Zeilen“ des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der St. Katharinenkirche statt: Von Mittwoch, 20. Oktober bis Freitag, 22. Oktober, jeweils um 18 Uhr, werden Texte gelesen, deren Existenz keine Selbstverständlichkeit darstellt, weil autoritäre Gesellschaftssysteme, Umweltkatastrophen, Armut, Krieg, Flucht oder repressive Strukturen ihr Entstehen erschweren. Im Rahmen von OPEN BOOKS lesen Sulaiman Addonia, Tsitsi Dangarembga, John von Düffel, Jenny Erpenbeck, Felicitas Hoppe, Hasnain Kazim, Moritz Rinke, Sasha Marianna Salzmann und Najem Wali als eine Art Solidaritätsbekundung aus den Werken ihrer Kolleginnen und Kollegen und tragen dazu bei, deren Stimmen hörbar zu machen. Jeder Abend widmet sich einem besonderen Thema: Liebe woanders, selbstbestimmte Fremdheit und Zeitenwende.

Literatur im Römer ist die älteste literarische Großveranstaltung und ein Publikumsliebling seit Beginn. In Kooperation mit hr2-kultur präsentiert das Kulturamt Frankfurt in den Römerhallen die wichtigsten deutschsprachigen Romane des Herbstes. Am Messe-Mittwoch sind Henning Ahrens, Tomi Garder, Felicitas Hoppe, Eva Menasse, Peter Stamm, Natascha Wodin, Katharina Volckmer und Ulf Erdmann Ziegler zu Gast, am Donnerstag kommen John von Düffel, Jenny Erpenbeck, Julia Franck, Franz Hohler, Sven Regener, Sasha Marianna Salzmann, Ferdinand Schmalz und Edgar Selge. Die Gespräche führen am Mittwoch Insa Wilke und Gerwig Epkes, am Donnerstag moderieren Cécile Schortmann und Martin Maria Schwarz.

Platzkarten sind für alle Veranstaltungen erforderlich und auf www.openbooks-frankfurt.de oder über FrankfurtTicket (www.frankfurtticket.de, T. 069-1340400) buchbar. Der Eintritt ist bis auf die Eröffnungsveranstaltung (19.10.2021) und Teil der Bewegung (23.10.2021) frei. Je Ticket fällt eine Servicegebühr in Höhe von 1,20 € an, die direkt bei der Buchung gezahlt wird. Für die Veranstaltungen von OPEN BOOKS KIDS fallen keine Buchungsgebühren an, ein kostenfreies Platzticket ist aber für jeden Gast notwendig. Die Eröffnungsveranstaltung, beide Literatur im Römer-Veranstaltungen und einige weitere Termine sind bereits ausgebucht.

  • Eröffnung OPEN BOOKS mit dem Blauen Sofa: Dienstag, 19. Oktober, 20 Uhr
  • OPEN BOOKS Mittwoch bis Samstag, jeweils 16 bis 21 Uhr, einige wenige Veranstaltungen enden gegen 21.30 Uhr
  • OPEN BOOKS KIDS Samstag, 23. Oktober, 12 bis 16 Uhr sowie Sonntag, 24. Oktober, 10.30 bis 17.30 Uhr
  • Literatur im Römer Mittwoch, 20. Oktober und Donnerstag, 21. Oktober, 20 bis 22 Uhr

OPEN BOOKS ist eine Kooperation des Kulturamts Frankfurt am Main mit deutschsprachigen Verlagen und den Veranstaltungsorten und wird gefördert im Rahmen von Neustart Kultur der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds e.V.

www.openbooks-frankfurt.de
#OPENBOOKS2021

BOOKFEST city 2021: 57 Veranstaltungen in 19 Locations U.a. mit Aminata Touré, Harald Lesch, Bernhard Hoëcker und Lea Kaib

Header-Bookfest-city-neutral-450Seit 2017 treffen sich Kulturbegeisterte zur Messe – auch, um in Frankfurter Bars, Hotels und Kulturinstitutionen gemeinsam das BOOKFEST city zu feiern. In diesem Jahr finden wieder viele Events über alle fünf Messetage hinweg (vom 20. bis 24. Oktober 2021) in zahlreichen Locations in ganz Frankfurt statt.

5 Tage, 57 Veranstaltungen, 80 Autoren, Lyriker, Übersetzer, Illustratoren und Moderatoren, 11 Buchhandlungen und Kulturinstitutionen, 26 Verlage und 19 Locations – das ist das BOOKFEST city 2021 in Zahlen.

Die Besucher erwartet ein Programm voller Literatur, Inspiration und spannender Begegnungen: Caroline Rosalis (20. Oktober, 19.00 Uhr) und Svenja Flaßpöhler (21. Oktober, 19.00 Uhr) präsentieren in der Bar Das Herz jeweils ihre Sachbücher Das Leben keiner Frau und Sensibel; Andreas und Benjamin Lebert führen in der Matthäuskirche (23. Oktober, 18.00 Uhr) gemeinsam ein heiteres Gespräch über ihre Vater-Sohn-Beziehung (Mit dir); Grünen-Politikerin und Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Aminata Touré, spricht in der Deutschen Nationalbibliothek (22. Oktober, 19.30 Uhr) über Wir können mehr sein: Die Macht der Vielfalt; Bestseller-Autorin Gaby Hauptmann präsentiert im Leonardo Hotel (22. Oktober, 20.00 Uhr) ihren neuen Roman Unsere allerbeste Zeit; ZDF-Moderator Harald Lesch vermittelt anschaulich Wissen zu Erneuerbare Energien zum Verstehen und Mitreden (20. Oktober, 19.30 Uhr) und Lea Kaib stellt im Walden ihr Debüt Love with Pride vor (23. Oktober, 17.00 Uhr).

Weitere Gäste des BOOKFEST city sind u.a. Lioba Albus mit Älter werde ich später (21. Oktober, 21.00 Uhr), Florence Brokowski-Shekete mit Mist, die versteht mich ja! (21. Oktober, 19.30 Uhr), Safiye Can mit Poesie und Pandemie (22. Oktober, 21.00 Uhr), Nkechi Madubuko mit Erziehung zur Vielfalt (21. Oktober, 18.00 Uhr), Judith Poznan mit Prima Aussicht (21. Oktober, 21.00 Uhr), Dirk Rossmann mit Der Zorn des Oktopus (23. Oktober, 18.00 Uhr), Arno Strobel mit Sharing (20. Oktober, 19.00 Uhr) und Willi Weber mit Benzin im Blut (22. Oktober, 19.00 Uhr).

Auch auf internationaler Ebene hat das BOOKFEST 2021 viel zu bieten: Der georgische Autor Aka Morchiladze kommt ins Roomers (21. Oktober, 17.00 Uhr); Im Instituto Cervantes findet der Abend Literatur öffnet Horizonte – Drei mutige Europäerinnen im Gespräch mit Dacia Maraini, Rosa Montero und Nastassja Martin statt (22. Oktober, 19.30 Uhr); Der Tscheche Marek Toman liest aus seinem Roman Lob des Opportunismus (23. Oktober, 19.00 Uhr); Die slowenischen Lyrikerinnen Miljana Cunta, Anja Zag Golob und Ana Pepelnik kommen im YokYok zusammen (22. Oktober, 19.00 Uhr) und im Frankfurter Hof findet ein literarischer Abend mit den ungarischen Lyrikerinnen Anne-Marie Kenessey, Anna Terék und Kinga Tóth statt (23. Oktober, 19.00 Uhr).

Ebenso liegt in diesem Jahr auch wieder ein großer Fokus auf Veranstaltungen für Kinder- und Jugendliche: Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels eröffnen mit Was macht Püüüp? den Kindern eine Welt voller Geräusche, Töne und Laute (23. Oktober, 11.00 Uhr); Auf der Volksbühne treten Julia Dippel mit Belial (24. Oktober, 14.00 Uhr) und Ulrich Hub mit Lahme Ente, blindes Huhn (24. Oktober, 11.00 Uhr) auf; Das Gallustheater präsentiert die oder den Gewinner des Deutschen Jugendbuchpreis 2021 (23. Oktober, 14.00 Uhr); Außerdem kommen Ayse Bosse mit Pembo (22. Oktober, 14.00 Uhr), Stefan Gemmel mit Die Yetis sind los (22. Oktober, 16.00 Uhr), Silke Schellhammer mit ihrer Bestsellerreihe School of Talents (23. Oktober, 14.00 Uhr) und zwei Nominierte des Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis 2021 in das Struwwelpetermuseum (21. Oktober, 16.00 Uhr).

Die Veranstaltungen sind – mit wenigen Ausnahmen – kostenfrei. Die Gesundheit der Besucher*innen und Mitwirkenden des BOOKFEST city hat oberste Priorität. Alle Locations erfüllen die Schutzverordnung des Landes Hessen; es gelten die jeweiligen Sicherheits-Bestimmungen vor Ort.

Die Vorab-Registrierungslinks sowie eine Programmübersicht mit allen Terminen stehen auf bookfest.de.

Shortlistabend der Nominierten für den Deutschen Buchpreis 2021 im Literaturhaus Frankfurt

Auch in diesem Jahr wird zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Buchpreis der Roman des Jahres in deutscher Sprache gekürt.  Fünf von sechs Autorinnen und Autoren der Shortlist (v.l.i.): Antje Rávik Strubel „Blaue Frau“ , Norbert Gstrein „Der zweite Jakob“ , Monika Helfer „Vati“ , Mithu Sanyal  „Identitti“  und Thomas Kunst „Zandschower Klinken“  © Foto Diether v. Goddenthow
Auch in diesem Jahr wird zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Buchpreis der Roman des Jahres in deutscher Sprache gekürt. Fünf von sechs Autorinnen und Autoren der Shortlist (v.l.i.): Antje Rávik Strubel „Blaue Frau“ , Norbert Gstrein „Der zweite Jakob“ , Monika Helfer „Vati“ , Mithu Sanyal „Identitti“ und Thomas Kunst „Zandschower Klinken“ © Foto Diether v. Goddenthow

Bereits zum 14. Mal präsentierten am 1. Oktober 2021 das Kulturamt Frankfurt am Main und das Literaturhaus Frankfurt die Nominierten der Shortlist des Deutschen Buchpreises in Kooperation mit der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die den Preis zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse vergibt. Fünf der sechs Finalistinnen und Finalisten, die in diesem Jahr in der Endauswahl für den deutschsprachigen Roman des Jahres stehen, wurden in Lesungen und Gesprächen von Eva-Maria Magel (F.A.Z.), Christoph Schröder (freier Kritiker) und Bianca Schwarz (hr2-kultur) vorgestellt.

Gemeinsam mit „Open Books-Organisatorin“ Dr. Sonja Vandenrath, Fachbereichsleiterin Literatur im Kulturamt Frankfurt am Main, und Alexander Skipis, Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, begrüßte Hauke Hückstädt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt, auch im Namen des Netzwerkes der deutschsprachigen Literaturhäuser die Gäste im erstmals wieder voll besetzen Saal des Literaturhauses sowie vor den Bildschirmen daheim.

Alexander-Skipis, Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. © Foto Diether v. Goddenthow
Alexander-Skipis, Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. © Foto Diether v. Goddenthow

Das eigentliche Anliegen der Buchbranche sei, so Alexander Skipis, „mit dem, was wir tun, einen wesentlichen Beitrag für eine freie, demokratische, fröhliche und tolerante Gesellschaft zu leisten.“ Das sei der Kern der Buchbranche, weswegen man sich besonders gefreut habe, dass nach der pandemiebedingten Schließung die Buchhandlungen als erste wieder öffnen durften, weil die Politik, die Ministerpräsidenten-Konferenz mit der Bundeskanzlerin, erkannt haben, „dass Kultur nämlich nicht ein Sahnehäubchen ist, mit dem wir uns beschäftigen, wenn’s uns gutgeht. Sondern, dass Kultur ein wesentlicher Teil unseres Lebens ist. Darüber freue ich mich sehr, und das ist auch das Ziel, was wir mit diesem Preis letztendlich verfolgen“, betonte Skipis, und dankte dem Partner des Deutschen Buchpreises, der Deutschen Bankstiftung, für ihr nachhaltiges gesellschaftliches Engagement.

Die nominierten Werke zum Deutschen Buchpreis 2021

 „Vati“ von Monika Helfer

Monika Helfer  im Gespräch mit Moderator Christoph Schroeder. © Foto Diether v. Goddenthow
Monika Helfer im Gespräch mit Moderator Christoph Schroeder. © Foto Diether v. Goddenthow

Als erste im Reigen der fünf Nominierten befragte Christoph Schröder Monika Helfer, ob „Vati“, 2021 erschienen bei Carl Hanser München, eine Fortsetzung ihres Bestellers „Die Bagage“ sei. „Nein“, so Helfer, „eher ein weiteres Puzzle in einer großen Familiengeschichte: Als ich die Bagage fertig geschrieben hatte“, fragte sie sich:“was passiert mit diesen vielen Leuten, die ich da nur so leicht beschrieben habe, und dann ist mir Vati eingefallen, und der hat’s einfach verdient, dass ich über ihn schreibe“, so die Autorin, die lange gewartet hatte, überhaupt über ihre Familie zu schreiben,“ bis die Leute gestorben sind, um sie nicht zu kränken“. Ihr Mann, der bekannte österreichische Autor und Hörspielsprecher Michael Köhlmeier, habe ihr „ geraten über meine Familie zu schreiben“. Es sei ja unglaublich, „was da in Deiner Bagage alles passiert ist“. Ich habe dann „immer wieder kleine Sachen geschrieben, und als dann alle im Grab gelegen sind, gesagt:‘ komm jetzt fang ich an!‘“. Ihre Tante,fast 100, habe sich zuerst geweigert zu erzählen, „und dann hat sie im Übermut – ich glaube auch erfunden – erzählt und erzählt.“

Monika Helfer © Foto Diether v. Goddenthow
Monika Helfer © Foto Diether v. Goddenthow

Hieraus und aus vielen weiteren Recherchen entstand „Vati“: Es ist die Geschichte ihres in ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsenen. kriegstraumatisierten Vaters mit  Beinprothese. Es ist die Geschichte  eines Außenseiters, eines Abwesenden, eines Witwers, eines Pensionärs und eines Bibliomanen, der seine Bücher mehr als seine Kinder liebt. Und es ist das Psychogramm eines innerlich zerrissenen Mannes, der Glück nicht halten kann, der die Existenz seiner Familie auf‘s Spiel setzt, als er aus der Bibliothek des Kriegsopfer-Erholungsheims,  in dem er arbeitet, Bücher stiehlt. Als die Mutter starb, verließ Vati ohne Vorwarnung und Angabe irgendeiner Adresse seine Kinder. Er  verschwand  für immer.

„Meine  Schwester hat mir  häufig vorgeworfen: ‘Du übertreibst!‘“.  Aber sie habe ihr entgegnet, „da steht Roman drüber“. Jeder habe seine Wahrheit, „und ich habe einfach meine Wahrheit dargelegt, und die Lücken mit Fiktionen ausgefüllt“, so Helfer.

Kommentar der Jury: „Kein Wort zuviel findet sich in Monika Helfers Roman „Vati“, eine Annäherung an das Leben des Vaters der Autorin. Eine Recherche über die Möglichkeit, Leben zu erzählen und Herkunft zu begreifen – die auch die Initiation einer Autorin beschreibt.(…)“

„Zandschower Klinken“ von Thomas Kunst

Thomas Kunst- im Gespräch mit Eva-Maria-Magel (FAZ) © Foto Diether v. Goddenthow
Thomas Kunst- im Gespräch mit Eva-Maria-Magel (FAZ) © Foto Diether v. Goddenthow

Thomas Kunsts Werk „Zandschower Klinken“, 2021 erschienen bei Suhrkamp Berlin, zieht Leser mit seiner rhythmischen, mitunter bis an die Grenze des Lesbaren, genial gedrechselten Sprache magisch in ihren Bann. Seine Paradoxien, Metaphern und Absurditäten am laufenden Band eröffnen immer wieder neue Perspektiven.  Thomas Kunsts „Zandschower Klinken“  erinnere sie an George Taboris Gedanken, wonach Leben einen Anfang, eine Mitte und ein Ende habe, nur nicht in dieser Reihenfolge, so Eva-Maria Magel.

Thomas Kunst © Foto Diether v. Goddenthow
Thomas Kunst © Foto Diether v. Goddenthow

Thomas Kunst schreibt nicht in einer bestimmten Reihenfolge: „Ich habe beim Schreiben kein Konzept, keinen Plan. Mein Ideal an Literatur ist, dass sie nicht nacherzählbar sein darf“. Die „größte Lust für mich  besteht darin, nicht zu wissen, was am nächsten Tag geschrieben wird.“ Leser können  bei Kunst praktisch nicht erahnen, was im nächsten  Moment passiert,  wohin Bengt Claasen, der Hauptprotagonist, sie auf seine Schicksals- Reise mitnimmt. Bengt sitzt im Auto, sein ganzes Hab und Gut im Kofferraum, fest entschlossen, nochmal von vorne anzufangen, und zwar an dem Ort, wo das Halsband seiner verstorbenen Hündin vom Armaturenbrett seines Wagens zum dritten Mal herunterfällt. So fährt Bengt Claasen ganz langsam und vorsichtig, wie es nur geht,  um möglichst weit weg zu kommen, und landet schließlich in Zandschow, einem Nest im äußersten Norden mit einem Feuerlöschteich im Zentrum. Schnell stellt er fest: Die Bewohner des Orts rund um „Getränke-Wolf“ folgen einem strengen Wochenplan, donnerstags werden zum Beispiel zwanzig Plastikschwäne auf dem Teich ausgesetzt, und sie feiern an ihrer „Lagune“ Festspiele unter künstlichen Palmen. Überhaupt: Mit den prekären Verhältnissen mitten in der Pampa finden sich die Menschen hier nicht mehr ab. Ihr Zandschow ist Sansibar, hier kann man arm sein, aber trotzdem paradiesisch leben, in viel Verrücktheit.

Kommentar der Jury: Politisch aufgeladen, bricht es zugleich mit jeder Diskursschwere, weil es sich im Spiel mit Wirklichkeit und Sprache keine Grenzen aufzwingen lässt. Eine bittere, märchenhaft verschlüsselte Familiengeschichte kontrapunktiert den Ausstieg in die Utopie, und dennoch: Dieses Buch lässt einen freier atmen.

„Blaue Frau“ von Antje Rávik Strubel

Antje Rávik Strubel im Gespräch mit Moderatorin-Bianca-Schwarz-(hr2) © Foto Diether v. Goddenthow
Antje Rávik Strubel im Gespräch mit Moderatorin-Bianca-Schwarz-(hr2) © Foto Diether v. Goddenthow

Antje Rávik Strubels Roman „Blaue Frau“, 2021 erschienen bei S. Fischer Frankfurt, ist eine Anklage gegen toxische Männlichkeit, eine  „Harvey-Weinstein-Geschichte“?, wie Maike Albath am 12.08.2021 in der Süddeutschen Zeitung  kommentierte. Adina wuchs „als letzter Teenager ihres Dorfs im tschechischen Riesengebirge auf und sehnte sich schon als Kind in die Ferne. Bei einem Sprachkurs in Berlin lernt sie die Fotografin Rickie kennen, die ihr ein Praktikum in einem neu entstehenden Kulturhaus in der Uckermark vermittelt.“  Dort wird sie brutal vergewaltigt, was ihr aber keiner glaubt. Das führe dann in der Folge dazu, so hr2-Moderatorin Bianca Schwarz,  „dass sie quasi in der Bewegung erstarrt, was erst einmal sonderbar klinge. Aber es sei ihr Körper, der fliehe über drei Grenzen,  durch halb Europa bis eben nach Helsinki. „Es  ist ihr Inneres, was nicht fliehen kann, was erstarrt an dieser Gewalterfahrung. Und ich finde, Ihr Buch erzeugt von Anfang an einen ganz schönen Sog. Man muss dauernd weiterlesen. Ich glaube, das liegt auch am Gegensatz, den Sie am Anfang schon aufbauen: Da gibt es einerseits  ganz detaillierte, intensive, alle Sinne ansprechende Beobachtungen der Außenwelt. Und im Gegensatz dazu gibt es eben diese Adina, die sich selbst verloren hat, die sich nicht fühlen kann, die man auch als Leser fürs Erste nicht scharf stellen kann. Dieser Kontrast zwischen  Schärfe und Unschärfe, das ist etwas, was sich durch dieses Buch zieht. Das ist so wichtig“, analysiert Bianca Schwarz treffend.

Antje Rávik Strubel  © Foto Diether v. Goddenthow
Antje Rávik Strubel © Foto Diether v. Goddenthow

In der Tat, so die Autorin: Adina sei nach dem Vorfall, der sie zutiefst traumatisierte  aus der Uckermark geflohen. „Sie weiß nicht wohin und ihre einzige Vorstellung ist: Im Norden ist es dunkel, da wirst du nicht gesehen. Deshalb flieht sie in den Norden. Die Situation, in der sie da in dieser Wohnung strandet, ist eine, wo sie eigentlich versucht, ihr Sprechen wiederzufinden, und versucht, sich selbst wieder näher zu kommen“, so Strubel. Adina hat eigentlich vor, eine Aussage zu machen. „Sie will eigentlich vor Gericht gehen und Gerechtigkeit erwirken, was sich aber als nicht so einfach herausstellt“, so Strubel. Denn im Hotel, in dem Adina schwarzarbeitet, begegnet sie dem estnischen Professor Leonides, Abgeordneter der EU, der sich in sie verliebt. Während er sich für die Menschenrechte stark macht, sucht Adina einen Ausweg aus dem inneren Exil.
Der Roman von Antje Rávik Strubel, „Blaue Frau“, erzählt von den ungleichen Voraussetzungen der Liebe, den Abgründen Europas und davon, wie wir das Ungeheuerliche zur Normalität machen.

Kommentar der Jury: Ein Ost-West Roman, ein Europaroman, eine Geschichte über Machtmissbrauch, meisterhaft in der Verflechtung der Handlungsstränge und in der atmosphärischen Darstellung finnischer Landschaft. Eine Figur mit mythischen Zügen – die blaue Frau – verbindet das Erzählte mit der Ebene der Erzählerin und macht so den Roman auch zum Roman über das Schreiben selbst.

„Der zweite Jakob“ von Norbert Gstrein

Norbert Gstrein im Gespräch mit Christoph Schroeder (freier Kritiker)  © Foto Diether v. Goddenthow
Norbert Gstrein im Gespräch mit Christoph Schroeder (freier Kritiker) © Foto Diether v. Goddenthow

In Norbert Gstreins zehntem Roman „Der zweite Jakob“, 2021 erschienen bei Carl Hanser, geht es um die Frage, die wir uns vielleicht alle schon einmal gestellt haben und die dem Ich-Erzähler Jakob Tochter Luzie stellt: „Was ist das Schlimmste, das du je getan hast?“ Und es geht um Identität. Dies habe der Autor „raffiniert komponiert“ in seinem Werk, „das zum Ende hin sehr rührend wird“, so Christian Schröder.

Norbert Gstrein © Foto Diether v. Goddenthow
Norbert Gstrein © Foto Diether v. Goddenthow

Jakob, ein erfolgreicher Schauspieler kurz vor seinem 60. Geburtstag und spezialisiert auf dunkle Rollen, auch auf Frauenmörderrollen,  sabotiert die Beschreibung seiner Vita durch einen fremden Biografen, weil er nicht, wie Gstrein sagt, auf seine Herkunft „zurückdefiniert“ werden möchte. So beginnt Jakob seine Lebensgeschichte selbst zu erzählen. Tochter Luzie, bei den Treffen ihres Vater mit dem Biographen anwesend, erhält die geschönte Fassung von Vaters Biografie-Manuskript und ist entsetzt über „die  bestürzende Harmlosigkeit des Ganzen“. Sie drängt den Vater dazu, sich darauf einzulassen, ihr die Frage zu beantworten, „was das Schlimmste sei, das er  in seinem Leben getan  habe?“ Zunächst versucht Jakob, sich ausweichend heraus zu reden, etwa, dass er nicht bei Luzies Geburt dabei und in ihren  ersten Jahren viel weg war; dass er und seine von ihm getrennt lebende Frau Luzie in ein Internat nach England fortgegeben haben usw.  Aber das ist nicht, was Luzie meint.  Neugierig von den mitgehörten Gesprächen ihres Vaters mit dem Biographen, will sie wissen, ob Jakob  jemanden umgebracht oder ihn so weit getrieben hast, dass er sich selbst das Leben genommen hat.
Einmal angefangen, gewinnt die  Geschichte an  Dynamik und lässt r Jacob  zu einem unheimlichen Erzähler werden, der sich im Kontext einer Serie ungeklärter Frauenmorde während eines Filmdrehs  an der mexikanisch-amerikanischen Grenze selbst verdächtigt macht.

Gstrein versichert jedoch: In seinem Werk „stehen Künstler nicht über dem Gesetz“; im Gegenteil handele es sich um einen hochmoralischen Roman, der zwar darstelle wie etwas möglich sein könne, aber das Gegenteil aufzeige.

Kommentar der Jury: Auf meisterhafte Weise demonstriert der Roman, wie sich die Komplexität eines Lebens, das geprägt ist von Scheitern, Scham und Schuld, einem simplen Plot verweigert. Mit „Der zweite Jakob“ hat Norbert Gstrein seine virtuose Erzählkunst noch einmal auf eine höhere Stufe gehoben.

„Identitti“ von Mithu Sanyal

Mithu Sanyal im Gespräch mit  Eva Maria Magel-FAZ © Foto Diether v. Goddenthow
Mithu Sanyal im Gespräch mit Eva Maria Magel-FAZ © Foto Diether v. Goddenthow

Mithu Sanyai, als Letzte im Shortlist-Reigen von Eva-Maria Magel vorgestellt, bringt den Inhalt ihres 2021 bei Carl Hanser, München, erschienenen Romans „Identitti“ gleich zu Beginn auf den Punkt: „Es geht um Identität, Politik und Brüste, also um Sexualität“. Die Hauptfigur Nivedita, Studentin an der Düsseldorfer Uni bloggt  unter verschiedenen Namen (Identitti, Mixed-Race, Wonderwoman), und deckt einen riesigen Skandal auf: Starprofessorin Saraswatis indische Herkunft ist fake. Prof. Dr. Saraswati, die sich nach der hinduistischen Göttin Saraswati benannt und fälschlich als Inderin ausgegeben hat, ist „weiss“! Das ist insofern ein Super-Gau, da sich die Main-stream konforme Professorin für Postcolonial Studies in Düsseldorf als ‚Person of Colour‘ beschrieb, und  als Übergöttin aller Debatten über Identität gefeiert wurde.  Nun beginnt eine Jagd nach „echter“ Zugehörigkeit. Während das Netz Saraswati hetzt und Demos ihre Entlassung fordern, stellt ihre Studentin Nivedita ihr intimste Fragen.

Mithu Sanyal © Foto Diether v. Goddenthow
Mithu Sanyal © Foto Diether v. Goddenthow

Mithu Sanyals  erfrischendes und  höchst unterhaltsames  Werk „Identitti“ ist bei aller Hintergründigkeit vor allem auch ein lustvolles Buch, welches mit dem  grandiosen Satz beginnt:

„Das letzte Mal, dass ich mit dem Teufel sprach, war er nackt, sichtlich sexuell erregt und eine Frau. So viel zu sozialen Gewissheiten: Wenn man sich nicht einmal darauf verlassen kann, dass der Teufel ein Mann ist, kann man direkt jede Form von Identität ablegen wie ein altes T-Shirt!“ (Mithu Sanyal. Identitti, München 2021, S.9)

Kommentar der Jury: Identitti ist eine Quadratur des Kreises: ein enorm vergnüglicher, hochenergetischer Diskursroman, bei dessen Lektüre viel zu lernen ist und der dabei grandios unterhält.(…) Ohne jeden Hang zum Denunzieren zeigt der Roman die verschiedenen, unversöhnlich scheinenden Positionen – in Dialogen, Blogeinträgen, fiktiven Tweets realer Zeitgenoss*innen – und so gelingt es ihr, gerade in den verfahrensten Debatten wieder unbändige Freude am Austausch und der Beweglichkeit im Kopf zu entfachen.

Weitere Informationen zum Deutschen Buchpreis

Die 73. Frankfurter Buchmesse im Zeichen des Wiedersehens – 1500 Unternehmen aus über 70 Ländern stellen in Frankfurt aus

© Foto Diether v. Goddenthow
© Foto Diether v. Goddenthow

Zur 73. Frankfurter Buchmesse vom 20. bis 24. Oktober 2021 trifft sich das internationale Verlagswesen unter dem Motto „Re:connect – Welcome back to Frankfurt“. Bislang zugesagt haben  1500 Aussteller*innen aus über 70 Ländern und rund 200 Autor*innen machen die Frankfurter Buchmesse wieder zum Handelsplatz für Inhalte und zu einem Fest für Bücher. „Im Mittelpunkt der diesjährigen Frankfurter Buchmesse steht das Wiedersehen mit Kolleg*innen und Autor*innen aus der ganzen Welt. In der Pandemie hat sich das Medium Buch weltweit als besonders resilient und beliebt erwiesen. Wer die Komplexität unserer Zeit verstehen möchte, schätzt die Kreativität und Expertise der Autor*innen und die verlegerische Sorgfalt, mit der Bücher hergestellt werden. Literatur verbindet Leser*innen überall auf der Welt. In diesem Jahr bündelt die Frankfurter Buchmesse wieder das globale Branchengeschehen in einer Woche – und selbstverständlich lässt sich das Programm von überall auf der Welt live mitverfolgen“, sagt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse.

Frankfurter Buchmesse – mit Sicherheit
Oberste Priorität ist es, den Messebesuch für alle Teilnehmer*innen sicher zu gestalten. Das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt hat für die Durchführung der Frankfurter Buchmesse eine Sondergenehmigung erteilt: 25.000 Besucher*innen dürfen an jedem Messetag auf das Gelände. Der Zugang zum Messegelände ist nur mit personalisierten Tickets und nach der 3G-Regelung möglich. Der Einlass wird erst nach Überprüfung der entsprechenden Zugangsvoraussetzungen gewährt. Messebesucher*innen müssen nachweisen können, dass sie vollständig geimpft, genesen oder negativ auf Covid19 getestet sind. „Um den Messebesuch so sicher wie möglich zu machen, haben wir in enger Abstimmung mit der Messe Frankfurt und den Behörden der Stadt Frankfurt eine Reihe von Maßnahmen entwickelt, welche lückenlos ineinandergreifen und das Miteinander auf dem Messegelände regeln“, so Gabi Rauch-Kneer, Geschäftsleitung Messemanagement. Informationen zum Hygienekonzept finden sich immer aktualisiert unter buchmesse.de/mit-sicherheit-2021.

Ehrengast Kanada: Singular Plurality – Singulier Pluriel

Margaret Atwood wird virtuell auftreten. Archivfoto Lesegala 2019 © Foto Diether v Goddenthow
Margaret Atwood wird virtuell auftreten. Archivfoto Lesegala 2019 © Foto Diether v Goddenthow

Auf der heutigen Pressekonferenz gab Canada FBM2021 zusammen mit seinen Partnern eine literarische Delegation von fast 60 kanadischen Autor*innen und Illustrator*innen bekannt – darunter neun herausragende Autor*innen, die Kanada in diesem Jahr vor Ort auf der Weltbühne in Frankfurt vertreten werden: Michael Crummey, Michel Jean, Dany Laferrière, Canisia Lubrin, Catherine Mavrikakis, Paul Seesequasis, Vivek Shraya, Kim Thúy und Nancy Vo. Neben Lesungen und interaktiven Formaten dieser neun Künstler*innen auf dem Messegelände werden über 50 Autor*innen an einer Vielzahl virtueller Veranstaltungen teilnehmen; dies beinhaltet auch virtuelle Auftritte von Margaret Atwood und Joséphine Bacon bei der Eröffnungsfeier. Neben der Ankündigung der Autorendelegation hat Kanada einige Highlights aus dem literarischen Programm im Ehrengastpavillon präsentiert – dieses bildet nicht nur die Größe des Gastlandes, sondern auch seine kulturelle, sprachliche und traditionelle Vielfalt ab. Unter dem Motto Singular Plurality werden die Themen „Sprache und Kultur“, „Indigene, politische und soziale Fragen“, „Raum und Territorien“, „Kinder- und Jugendliteratur“, „Frauen in der Literatur“, „LGBTQ2-Perspektiven“ und „Umwelt“ behandelt.

Am 20. Oktober präsentiert der Ehrengast die „Canada Night“ in der Festhalle – ein Abend mit literarischen Diskussionsrunden, an denen Autor*innen und Illustrator*innen sowohl virtuell aus der Ferne als auch vor Ort auf der Bühne teilnehmen werden. Künstlerische Live-Darbietungen machen dieses besondere Ereignis zu einem unvergesslichen Erlebnis. Während der Messewoche wird Kanada darüber hinaus in ganz Frankfurt sein Kulturprogramm präsentieren – darunter Projektionen, interaktive Aktivitäten und Illuminationen, die Kanadas Singular Plurality hervorheben.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Buchmesse wird Kanada die Welt auch in einem virtuellen Ehrengastpavillon willkommen heißen. Entwickelt und zum Leben erweckt wurde dieser von dem in Toronto ansässigen Unternehmen Majestic Media, unter der konzeptionellen Leitung von Gonzalo Soldi, Kreativdirektor und Mitbegründer von mirari. Der virtuelle Pavillon stellt ein Gemeinschaftsprojekt dar, das die kanadische Literatur zusammen mit dem digitalen Know-how der kanadischen Kreativ- und Technologiebranche präsentiert. buchmesse.de/themen-programm/ehrengast-kanada.

logo-ard-buehnenprogramm„Wie wollen wir leben?“ Themenschwerpunkte auf ARD-Buchmessenbühne und bei ARTE
Unter dem Motto „Wie wollen wir leben? Unsere Bühne für die Zukunft“ finden an allen Messetagen auf der ARD-Buchmessenbühne in der Festhalle 75 prominent besetzte Veranstaltungen zu Themen wie Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Diversität, Wohnen und Arbeiten sowie Bildung und Digitalisierung statt. Auftreten werden Alina Bronsky, Bülent Ceylan, Jenny Erpenbeck, Elke Heidenreich, Julia Franck, Prof. Dietrich Grönemeyer, Carolin Kebekus, Mai Thi Nguyen-Kim, Edgar Selge u.v.a.

Auch ARTE greift dieses zentrale Thema in einer Dokumentation auf und lädt unterschiedliche Protagonist*innen ein, gemeinsam eine Vision zu entwickeln. Sie werden nicht nur diskutieren; vielmehr ist das Ziel, innerhalb von acht Stunden und auf engstem Raum, abgeschieden an Bord der Backschaft, einem Schiff mit viel Patina, eine Publikation zu erarbeiten. Die Teilnehmenden kommen aus den Bereichen Kunst, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Innovation und Bildung. ARTE begleitet sie und den Entstehungsprozess in der Sendung „Wie wollen wir leben?“ (Ausstrahlung am 23. Oktober 2021, um 23.10 Uhr, im Rahmen des Programmschwerpunkts zur Frankfurter Buchmesse). Das entstandene Manifest wird auf der Eröffnungspressekonferenz der Frankfurter Buchmesse (19. Oktober 2021) vorgestellt. Mit dabei sind: Dmitry Glukhovsky, Katharina Grosse, Francis Kéré, Raul Krauthausen, Mithu Sanyal und Daniel Schreiber.

Am bekannten Standort in Halle 3.1 werden die wichtigsten Autor*innen des Bücherherbstes auf dem Blauen Sofa Platz nehmen. Das Programm in der Buchmessenwoche wird erneut von den Partnern Bertelsmann, ZDF, Deutschlandfunk Kultur und 3sat kuratiert. BRIGITTE, DER SPIEGEL, Dudenverlag, Frankfurter Allgemeine Zeitung, STERN CRIME, Süddeutsche Zeitung sowie DIE ZEIT bieten ebenfalls Programmpunkte an. Im Oktober feiert ein hybrides Format Premiere, das die Frankfurter Buchmesse gemeinsam mit dem Buchjournal entwickelt hat: Das Frankfurt Studio Festival. Hier haben Verlage die Möglichkeit, ihre Autor*innen zu platzieren und ihre Neuerscheinungen ins Gespräch zu bringen. Die hybride Veranstaltung wird per Livestream sowohl auf die Social-Media-Kanäle und Webseiten der Frankfurter Buchmesse, als auch auf die Webseite des Buchjournal gestreamt und anschließend zum Abruf bereitgestellt.

Header-Bookfest-city-neutral160Besucher*innen erwarten darüber hinaus Veranstaltungen zu gesellschaftlichen Debatten sowie aktuellen Branchenthemen beim BOOKFEST city in der Innenstadt. Mehr als 50 Events über alle fünf Messetage hinweg sind in zahlreichen Locations in ganz Frankfurt geplant. Mit u.a. Ayse Bosse, Gaby Hauptmann, Bernhard Hoëcker, Harald Lesch und Aminata Touré. Mehr Informationen unter buchmesse.de/themen-programm/publikumsprogramm.

Logo-open-books-160Open Books, das städtische Lesefest zur Buchmesse, findet auch 2021 vor Publikum statt. Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentieren ihre Neuerscheinungen des Herbstes im Sachbuch, der deutschsprachigen und der internationalen Belletristik. Zu erleben sind des Weiteren eine Diskussion zur SWR-Bestenliste, die Nominierten des Schweizer Buchpreises und das Blaue Sofa mit der Auftaktveranstaltung in der Deutschen Nationalbibliothek sowie ein Krimiabend. Der Römer öffnet seine Pforten für den traditionsreichen Lesemarathon „Literatur im Römer“ am Buchmesse-Mittwoch und –Donnerstag. Am Wochenende stellt OPEN BOOKS KIDS auch in diesem Jahr neue Kinderbücher vor. Die Veranstaltungsorte der rund 100 Lesungen von OPEN BOOKS liegen wie immer rund um Römer und in der neuen Altstadt. Das städtische Lesefest wird in diesem Jahr im Rahmen von NEUSTART KULTUR gefördert. Mehr Informationen unter openbooks-frankfurt.de.

Digitales Fachprogramm im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse
Ein rein digitales Fachprogramm in englischer Sprache findet erstmals im Vorfeld der Buchmessewoche vom 11. bis 15. Oktober 2021 statt. Es beinhaltet die Formate „Frankfurt Conference 2021“, „Frankfurt Studio: Inside Publishing“, „Masterclasses – Von den Besten lernen“ und „The Hof – mehr als nur Networking“. Mehr Informationen unter buchmesse.de/themen-programm/fachprogramm.