Kategorie-Archiv: Ehrengast Pavillon der Buchmesse

Kanada verschiebt den physischen Gastlandauftritt auf 2021 Starker digitaler Auftritt Kanadas in 2020 / Alle weiteren Ehrengastauftritte verschieben sich ebenfalls um ein Jahr

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Nach gegenwärtigem Planungsstand wird es eine abgespeckte Form der Frankfurter Buchmesse (14.-18. Oktober 2020) geben. So wird auf die große traditionelle Eröffnungsveranstaltung mit ansonsten bis zu 2000 geladenen Gästen sicherheitshalber verzichtet werden. Das eigentliche Zentrum der Buchmesse 2020 wird im alten Kongress-Centrum liegen, wo Publikums-Veranstaltungen wie beispielsweise Podiumsdiskussionen mit ausreichend Sicherheitsabstand stattfinden können.
Die physische Messe soll jeweils auf einer Etage in den Hallen 3, 4 und 5 stattfinden, wobei die Gänge mit 8 Metern Breite Besuchern genügend Raum zur Einhaltung des Sicherheitsabstands garantieren.

Der Deutsche Buchpreis wird in diesem Jahr ebenfalls ohne Gäste direkt live aus dem Kaisersaal des Frankfurter Römers gesendet werden.

Der für 2020 geplante physische Ehrengastauftritt Kanadas auf der Frankfurter Buchmesse (14.-18. Oktober 2020) wird komplett auf 2021 verschoben. Aufgrund der durch die globale COVID-19-Pandemie veränderten Rahmenbedingungen bat das Komitee des kanadischen Ehrengastauftritts unter der Federführung des kanadischen Kulturministeriums, den Auftritt um ein Jahr verschieben zu dürfen. Diesem Wunsch entsprachen die Gastländer der Frankfurter Buchmesse der darauffolgenden Jahre, Spanien, Slowenien und Italien, indem sie ebenfalls einer Verschiebung um jeweils ein Jahr zustimmten.

Ahornsirup als süße kleine Botschaft des ursprünglichen Ehrengastlandes Kanadas. Nun wird geprüft, ob der Gastlandauftritt womöglich auf 2021 verschoben werden kann / soll. © Foto: Diether v. Goddenthow
Ahornsirup als süße kleine Botschaft des ursprünglichen Ehrengastlandes Kanadas. Nun wird geprüft, ob der Gastlandauftritt womöglich auf 2021 verschoben werden kann / soll. © Foto: Diether v. Goddenthow

Mit dem kanadischen Kulturministerium und seinen Partnern wurde eine starke virtuelle Präsenz von kanadischen Autor*innen und Verleger*innen im Rahmen der digitalen Frankfurter Buchmesse 2020 verabredet.

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse
„Wir möchten den Gastland-Komitees und den zuständigen Regierungen in Spanien, Slowenien und Italien danken, dass sie sich aus Solidarität mit Kanada bereit erklärt haben, ihre Ehrengastauftritte in Frankfurt um ein Jahr zu verschieben, damit Kanada seine Literatur und Kultur unter bestmöglichen Bedingungen auf der Frankfurter Buchmesse 2021 präsentieren kann. Auch den Verlegerverbänden dieser Länder gebührt unser großer Dank. Zugleich freuen wir uns auf die digitalen Formate, die unsere kanadischen Partner auf der Frankfurter Buchmesse 2020 vorstellen werden. In diesem Jahr stehen wir alle vor großen Herausforderungen und erleben eine geeinte internationale Buchwelt, die für einander einsteht. Diese Kooperation zwischen den offiziellen Ehrengastländern ist eines der vielen Beispiele dafür.“

Michelle Müntefering, Staatsministerin im Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland
„Die Ehrengäste geben der Frankfurter Buchmesse Jahr für Jahr ein unverwechselbares Gesicht und laden ein zu einem Dialog mit der Welt. Das macht die Buchmesse zu einem Leuchtturm der internationalen kulturellen Zusammenarbeit. Mit ihrer Bereitschaft, ihren Gastland-Aufritt um jeweils ein Jahr zu verschieben, beweisen Kanada, Spanien, Slowenien und Italien Solidarität. Darauf kommt es gerade jetzt in der Krise besonders an.“

Der ehrenwerte Steven Guilbeault, Minister für kanadisches Kulturerbe
„Mit der heutigen Ankündigung kann Kanada nun die zahlreichen Vorteile, die einem Ehrengastland auf der Frankfurter Buchmesse zuteil werden, in vollem Umfang nutzen. Wir möchten Spanien, Slowenien und Italien dafür danken, dass sie sich bereit erklärt haben, ihre eigenen Pläne als Ehrengäste anzupassen, um unserer Bitte nachzukommen. Danke auch an die Frankfurter Buchmesse, die uns bei der Verwirklichung dieser Pläne geholfen hat. Unser virtuelles Programm für 2020 wird ein Vorgeschmack auf das für 2021 geplante Programmpaket sein. Wir freuen uns darauf, der Welt zu zeigen, was der Oktober dieses Jahr alles bereithält!“

S.E. Stéphane Dion, Botschafter von Kanada in Deutschland und Sonderbeauftragter für die Europäische Union und Europa
„Ich bin sehr dankbar, dass wir als Reaktion auf die aktuelle Pandemie und in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse eine Vereinbarung mit unseren spanischen, slowenischen und italienischen Freunden getroffen haben, unsere jeweilige Präsenz als Ehrengast um ein Jahr zu verschieben. Kanada nimmt 2020 gerne an der Buchmesse mit einer starken virtuellen Präsenz teil, und wir werden mehr denn je bereit sein, 2021 ein stolzer Ehrengast zu sein.
Auf der Frankfurter Buchmesse und in ganz Deutschland werden die einzigartigen Geschichten kanadischer Autor*innen, Illustrator*innen und Künstler*innen aller Disziplinen Kanadas Stimmenvielfalt auf lebendige Weise darstellen. Unsere Präsenz als Ehrengast wird nicht nur zu neuen und breiteren Geschäftsbeziehungen führen, sondern auch zu einem tieferen Verständnis von Kanadas literarischen und künstlerischen Landschaften. Unsere Präsenz wird diejenigen in Deutschland und überall auf der Welt erfreuen, die unsere Werke und unsere Kulturschaffenden besser kennenlernen wollen.“

Caroline Fortin, Direktorin CanadaFBM2020
„Canada FBM2020 freut sich, die Ehrengast-Präsentation Kanadas auf der Frankfurter Buchmesse um ein Jahr verschieben zu können. Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir alle Initiativen unterstützen, die zur Förderung unserer Autor*innen und Illustrator*innen beitragen. Wir möchten sicherstellen, dass Übersetzungen aus dem Kanadischen in Deutschland und auf der ganzen Welt ein großes Publikum finden.“

José Manuel Rodríguez Uribes, Minister für Kultur und Sport, Spanien
„In diesen außergewöhnlichen Zeiten können wir mit Sicherheit sagen, dass der Beschluss des spanischen Ministeriums für Kultur, den Ehrengastauftritt in Frankfurt auf 2022 zu verschieben, nicht nur der spanischen Buchbranche zugute kommt, sondern auch (gemeinsam mit Slowenien und Italien) die internationale Kooperation und Solidarität fördert und die Verlagsindustrie nach der Pandemie stärkt. Nach Rücksprache mit den spanischen Verlagen und Autoren zu diesem Schritt, sind wir fest davon überzeugt, dass diese Regelung unserem Auftritt 2022 zu noch mehr Erfolg verhelfen wird.“

Dr. Vasko Simoniti, Kulturminister, Slowenien
„Nach reiflicher Überlegung haben wir uns entschieden, Sloweniens Ehrengastauftritt bei der Frankfurter Buchmesse, wie vom Direktor der Frankfurter Buchmesse Juergen Boos vorgeschlagen, von 2022 auf 2023 zu verlegen. Wir sind uns bewusst über die Bedeutung dieses Auftritts für die slowenische Literatur und die allgemeine Wahrnehmung unseres Landes, und werden ihn mit großem Engagement und großer Hingabe gestalten. Obwohl die Verschiebung gewiss einige Anpassungen mit sich bringt, glauben wir, dass der Geist von Kooperation und gegenseitiger Unterstützung uns allen auf der Welt durch die schwierigen Zeiten der COVID-19-Pandemie helfen wird. Wir begrüßen die mit den Organisatoren der Frankfurter Buchmesse und den anderen Ehrengastländern erzielte Einigung und freuen uns sehr auf den Gastlandauftritt Sloweniens 2023.“

Dario Franceschini, Minister für Kulturgüter und Tourismus, Italien
„Es war für uns kein Leichtes, den Auftritt Italiens als Ehrengast von 2023 auf 2024 zu verlegen. Wir akzeptierten die Verschiebung durch die Frankfurter Buchmesse allerdings in einem Geist der Solidarität mit Kanada und der gegenseitigen Unterstützung mit Spanien und Slowenien, den uns vorausgehenden Gastländern für 2022 und 2023, mit denen wir uns zu einem einzigartigen europäischen „Trio“ zusammengefunden haben. Italien wird auch an der diesjährigen Messe teilhaben, die aufgrund der Pandemie anders als gewohnt abläuft, aber dennoch, jetzt zum Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, ein prägendes Ereignis für die europäische Kulturszene sein wird. Dank der digitalen Ausstellungsmöglichkeiten wird sich Frankfurt zur Buchmesse auch in diesem Jahr wieder als die Welthauptstadt der Ideen erweisen. Und gerade in Zeiten des Umbruchs wie unseren müssen alle Kulturen der Welt dieselbe Sprache sprechen: die der Menschlichkeit.”

Die Termine der Frankfurter Buchmesse 2021-2024

20.-24. Oktober 2021: Frankfurter Buchmesse – Ehrengast Kanada
19.-23. Oktober 2022: Frankfurter Buchmesse – Ehrengast Spanien
18.-22. Oktober 2023: Frankfurter Buchmesse – Ehrengast Slowenien
16.-20. Oktober 2024: Frankfurter Buchmesse – Ehrengast Italien

Ehrengast Norwegen überreicht die GastRolle an Kanada – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2020

Gastland Norwegen Stand auf der Buchmesse.  © Foto: Diether v Goddenthow
Gastland Norwegen Stand auf der Buchmesse. © Foto: Diether v Goddenthow

Auf Wiedersehen Norwegen, willkommen Kanada!
Feierliche Zeremonie mit dem norwegischen Autor Erlend Loe und der kanadischen Autorin Margaret Atwood

Nachdem die Besucherinnen und Besucher der diesjährigen Frankfurter Buchmesse über 100 norwegische Autorinnen und Autoren erleben konnten, fand am Nachmittag des Messesonntags das festliche Ende des Ehrengastauftrittes Norwegens im Gastland-Pavillon statt. In einer feierlichen Zeremonie mit dem Buchmessedirektor Juergen Boos übergab Margit Walsø, Direktorin von NORLA – Norwegian Literature Abroad, die GastRolle an Caroline Fortin, Vorsitzende des Ehrengastkomitees CanadaFBM2020. Das eigens dafür geschaffene Kunstobjekt der Frankfurter Buchmesse wird in jedem Jahr um einen literarischen Beitrag des nachfolgenden Gastlandes erweitert.

Norwegen hatte im vergangenen Jahr das Gedicht „Das ist der Traum“ von Olav H. Hauge (1908 – 1994) gewählt. Im Jahr 2016 wählten die Leserinnen und Zuschauer des norwegischen Senders NRK dieses Gedicht zum bedeutendsten norwegischen Gedicht aller Zeiten. Norwegens Motto als Ehrengast – „Der Traum in uns“ – basiert auf dem Gedicht des beliebten Dichters:

Det er den draumen
Deter den draumen me ber på
at noko vedunderleg skal skje,
at det må skje –
at tidi skal opna seg,
at hjartaskal opna seg,
at dører skal opna seg,
at berget skal opna seg,
at kjeldor skal springa –
at draumen skal opna seg,
at me ei morgonstund skal glida inn
på ein våg me ikkje har visst um.

Das ist der Traum
Das ist der Traum, den wir tragen,
daß etwas Wunderbares geschieht,
geschehen muß –
daß die Zeit sich öffnet,
daß das Herz sich öffnet,
daß Türen sich öffnen,
daß der Berg sich öffnet,
daß Quellen springen –
daß der Traum sich öffnet,
daß wir in einer Morgenstunde gleiten
in eine Bucht, um die wir nicht wußten.

Übersetzung von „Das ist der Traum“ („Det er den draumen“, in Dropar i austavind, Noregs boklag 1966) ins Deutsche von Klaus Anders.

Kanada schrieb sich nun mit einem Gedicht von Georgette Leblanc in die Rolle ein:

J’sons
De parenté à parenté à parenté
All my relations

C’est ici le lieu du poème
Et nos yeux sont remplis de paysages vivants
We should know, we are the dreamers.
X, we are responsible
For Beauty.

Je prends la glace par les hanches
Je sais ce que je fais malgré ma jeunesse
His mother talks in pictures
Language, too, is a natural phenomenon.

Ej parle le pissenlit, le corbeau, et une miette de goemon
Creative activity of all kinds becomes possible
Energy is no longer suppressed
Il y a toujours une vie à faire
ou à refaire
De parenté à parenté à parenté

Gedicht von Georgette Leblanc, mit Auszügen verschiedener Autoren

I am, are*
From relation to relation to relation
All my relations

Here is the place of the poem
And our eyes are awash with the living
We should know, we are the dreamers.
X, we are responsible
For Beauty.

I take ice by the thighs
I know what I am doing, regardless of my youth
His mother talks in pictures
Language, too, is a natural phenomenon.

I speak dandelion, crow, some seaweed
Creative activity of all kinds becomes possible
Energy is no longer suppressed
There is always a life to create
or recreate
From relation to relation to relation

English translation by Georgette Leblanc

Ich bin, sind
Von Verwandten zu Verwandten zu Verwandten
All my relations, alle verbunden

Hier ist der Ort des Gedichts
Unsere Augen erfüllt von lebendigen Landschaften
Wir sollten es wissen, wir sind die Träumenden
X, wir sind verantwortlich
Für Schönheit

Ich packe das Eis bei den Hüften
Ich weiß, was ich tue, trotz meiner Jugend
Seine Mutter spricht in Bildern
Auch Sprache ist ein Naturphänomen
Ich kann nur Löwenzahn, Rabe und ein paar Brocken Alge
Kreative Aktivität aller Art wird möglich
Energie wird nicht länger unterdrückt
Man kann immer etwas aus seinem Leben machen
Etwas Altes oder Neues
Von Verwandten zu Verwandten zu Verwandten

Deutsche Übersetzung von Sonja Finck

Auf wiedersehen Norwegen!

Zuvor fand ein literarisches Gespräch mit dem norwegischen Autor Erlend Loe und der kanadischen Autorin Margaret Atwood statt. Durch die Veranstaltung führte der Autor und Moderator Thomas Böhm.

Die Direktorin von NORLA, Margit Walsø, blickte auf einen gelungenen Gastlandauftritt zurück:

„Bereits vor der Messe war uns klar, dass wir 510 Bücher über Norwegen oder aus dem Norwegischen übersetzte Titel hier präsentieren können. Und wir wussten, dass es knapp 1000 Veranstaltungen mit norwegischen Autorinnen und Autoren sowie Künstlerinnen und Künstler im deutschsprachigen Raum gegeben hat. Aber der Publikumsandrang auf der Buchmesse übertraf alle unsere Erwartungen, und war natürlich auch eine große Freude für die 100 mitreisenden Autorinnen und Autoren, die hier aufgetreten sind: So ist es uns gelungen, auf der Buchmesse die Literatur in den Mittelpunkt zu stellen.“

Impressionen auf die ins Unendliche zielenden Wandspiegelungen im norwegischen Pavillon.© Foto: Diether v Goddenthow
Impressionen auf die ins Unendliche zielenden Wandspiegelungen im norwegischen Pavillon.© Foto: Diether v Goddenthow

Halldór Guðmundsson, der Projektleiter des norwegischen Gastlandauftrittes, fügte hinzu, dass Norwegen nicht zuletzt auf Nachhaltigkeit setzt, und zwar durch die Zusammenarbeit mit dem deutschen Buchhandel: „Wir haben viele deutsche Buchhändlerinnen und Buchhändler nach Norwegen eingeladen. In hunderten von deutschen Buchhandlungen fanden dieses Jahr norwegische Lesungen statt, und auch im November setzen wir das Programm fort. Jetzt nach der GastRollen-Übergabe, wenn der norwegischen Pavillon zusammengepackt wird, ist es auch schön zu wissen, dass die 23 Phantasiebüchertische, die den Haupteil der Ausstellung ausmachten, in Buchhandlungen in Deutschland weiterleben werden – als Symbol dieser schönen Zusammenarbeit.“

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse: „Norwegens Ehrengastauftritt hat uns gezeigt, wie Träume in Erfüllung gehen können: Im Mittelpunkt stand die Begegnung mit Autorinnen und Autoren, deren Werke in Deutschland und weltweit Millionen von Leserinnen und Leser begeistern. Innerhalb eines Jahres sind 510 Neuerscheinungen von norwegischen Autorinnen und Autoren sowie Titel über Norwegen in 217 deutschsprachigen Verlagen erschienen – diese Zahl spricht für einen überaus erfolgreichen Auftritt. Mit seinen Beiträgen zu den Schwerpunkten der diesjährigen Buchmesse, Meinungsfreiheit und Nachhaltigkeit, setzte Norwegen wichtige Akzente. Den Projektverantwortlichen Margit Walsø, Halldór Guðmundsson und dem Team von Norla ist es gelungen, der norwegischen Literatur eine große Bühne zu bereiten. Unter dem Motto „Singular Plurality, Singulier Pluriel“ wird Kanada, Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2020 (10.-14. Oktober 2020), seine literarische Vielfalt erlebbar machen – darauf freue ich mich schon ganz besonders. Schon in diesem Jahr lud Kanada uns ein, junge literarische Talente zu entdecken; mit Margaret Atwood war eine der wichtigsten Vertreterinnen der kanadischen Literatur bei uns.“

Kanada ante portas

Kleine Fläschchen Ahorn-Sirup waren  ein süßer Gruß des Ehrengastlandes Kanda 2020 bei der Vorfeldpressekonferenz. © Foto: Diether v Goddenthow.
Kleine Fläschchen Ahorn-Sirup waren ein süßer Gruß des Ehrengastlandes Kanda 2020 bei der Vorfeldpressekonferenz. © Foto: Diether v Goddenthow.

Caroline Fortin, Vorsitzende des Ehrengastkomitees CanadaFBM2020, sagte: „Kanada ist eklektisch und vielfältig. Unsere Unterschiede sind in ein buntes Geflecht verwoben, das eine Nation zeigt, die wächst und danach strebt, an allen Fronten voranzukommen, und dabei eine lebendige und kreative Branche schafft. Dies spiegelt die heutige kanadische Literatur wider, die mehr denn je vor neuen Stimmen und Perspektiven strotzt, und ein breites Publikum erreicht. Daher wird die kanadische Literatur der Star unseres Gastlandauftrittes 2020 sein, und aufstrebende Schriftsteller sowie hochgelobte und renommierte Autoren präsentieren. Kanada wird kraftvolle Texte aus allen literarischen Genres von französischen, englischen und einheimischen Stimmen zeigen. Gleichzeitig werden wir die unzähligen Geschichten verkünden, die unser Land repräsentieren – unsere SINGULAR PLURALITY/ SINGULIER PLURIEL.“

Storytellin in Times of Change – Crossover Folk and Flute Ensemble – Norwegische Musik im Museum Wiesbaden anlässlich Sohlbergausstellung u. Buchmesse

Das norwegische Flötenensemble mit Solistin  Marin Stallemo Bakke, die das traditionelle norwegische Volksmusikinstrument Hardingfele spielt. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Das norwegische Flötenensemble mit Solistin Marin Stallemo Bakke, die das traditionelle norwegische Volksmusikinstrument Hardingfele spielt. © Foto: Diether v Goddenthow

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Mittsommernacht. Harald Sohlberg. Ein norwegischer Landschaftsmaler“ und als Beitrag des Ehrengastlandes Norwegen anlässlich der diesjährigen Frankfurter Buchmesse spielte das Norwegische Flötenensemble (Norwegian Flute Ensemble), ergänzt von Flöstinnen aus dem Rhein-Main-Gebiet und von der Violinistin Marin S. Bakke auf einer Hardanger Fidel, am 13.Oktober vormittags im Museum Wiesbaden klassische und folkloristische Stücke norwegischer Komponisten.

Solistin war Marin Stallemo Bakke, die das traditionelle norwegische Volksmusikinstrument Hardingfele spielte. Marin Stallemo Bakke wurde schon früh in das Young Musicians Program der Universität Agder aufgenommen und hat kürzlich ihr Studium an der norwegischen Musikakademie in Oslo als klassische Geigerin abgeschlossen. Neben ihrer Orchester- und Solotätigkeit spezialisierte sie sich auf Volksmusik und trat als Hardingfele-Solistin mit mehreren professionellen Symphonieorchestern in Norwegen auf.

Das Norwegische Flötenensemble wurde 2008 auf Anregung von Prof. Jørn Schau gegründet und ist das einzige Ensemble dieser Art in Norwegen. In Originalbesetzung vereint das Ensemble Flötenstudierende und -profis der Universität Agder, Kristiansand, Norwegen. Das norwegische Flötenensemble tritt regelmäßig bei Internationalen Festivals auf. Die Anzahl der Ausführenden variiert zwischen 6 und 24. Eines der Hauptziele des Ensembles besteht darin, norwegische Komponisten und Komponistinnen zu ermutigen, Werke für unterschiedliche Flöten zu schreiben (von Piccolo bis Kontrabaß Flöte) und so das Repertoire für Flötenensembles weiter auszubauen. Das Ensemble hat bereits 4 CDs aufgenommen. Einige der aufgenommenen Werke norwegischer Komponisten sind dem Ensemble gewidmet.

Information zur Ausstellung „Mittsommer. Harald Sohlberg. Ein norwegischer Landschaftsmaler“

HANNAH RYGGEN GEWEBTE MANIFESTE vom 26. SEPTEMBER 2019 – 12. JANUAR 2020 in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

Hannah Ryggen: Fischen im Schuldenmeer von 1933, so aktuell wie damals. Es ist eine ihrer ersten Arbeiten, in denen Ryggen das Leid der Menschen in der Weltwirtschaftskrise, die 1929 ihren Anfang in den USA nahm, schildert. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Hannah Ryggen: Fischen im Schuldenmeer von 1933, so aktuell wie damals. Es ist eine ihrer ersten Arbeiten, in denen Ryggen das Leid der Menschen in der Weltwirtschaftskrise, die 1929 ihren Anfang in den USA nahm, schildert. © Foto: Diether v Goddenthow

Anlässlich des norwegischen Ehrengastauftritts auf der Frankfurter Buchmesse 2019 widmet die Schirn Frankfurt  der schwedisch-norwegischen Künstlerin Hannah Ryggen (1894–1970) vom 26. September 2019 bis zum 12. Januar 2020 eine große Einzelausstellung  und ermöglicht somit dem Publikum in Deutschland erstmals einen umfassenden Einblick in ihr Œuvre. Von einem kleinen autarken Bauernhof an der Westküste Norwegens aus schuf sie mit ihren monumentalen Wandteppichen ein eindrucksvolles, politisch inspiriertes Werk. Sie lancierte bildliche Angriffe auf Hitler, Franco und Mussolini und setzte sich damit deutlich vernehmbar für die Opfer von Faschismus und Nationalsozialismus ein.

In den rund 25 gezeigten Tapisserien greift Ryggen grundlegende Themen des Menschseins und des Lebens in der Gesellschaft auf: die Gräueltaten des Krieges, Machtmissbrauch, die Abhängigkeit von der Natur und die Verbindungen zu Familie und Mitmenschen. Viele der Werke befassen sich mit den Ereignissen und politischen Auseinandersetzungen im Europa der 1930er- und 1940er-Jahre und spiegeln zugleich die sozialistischen Überzeugungen der Künstlerin.

Die Ausstellung präsentiert Ryggens monumentale Tapisserien und stellt die Künstlerin auch als Vertreterin einer anderen Art von Moderne vor – einer Moderne, in der sich Elemente aus Volkskunst und Mythologie mit politischen Anliegen und Themen des alltäglichen Lebens mischen. Dabei erkundete Ryggen ein ganz neues Spektrum von Motiven und verwendete ein traditionelles Medium für ein neuartiges Ziel: der Öffentlichkeit mit Wandteppichen, die von Ort zu Ort bewegt werden können, ihre starken politischen Botschaften mitzuteilen. In einer Gegenwart, die von zunehmender Ungleichheit, Nationalismus und Populismus geprägt ist, erscheint ihr kompromissloses Werk von erschütternder Aktualität und führt die Notwendigkeit vor Augen, für die Prinzipien des Humanismus einzustehen. Die Schirn versammelt Werke der Künstlerin aus dem Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum, dem Nationalen Museum für Kunsthandwerk und Design in Trondheim, welches die wichtigste Sammlung von Ryggens Werken besitzt, sowie aus weiteren norwegischen und schwedischen Museen und Institutionen, u. a. dem KODE –Kunstmuseen und Komponistenhäuser in Bergen, dem Büro der norwegischen Ministerpräsidentin in Oslo, der DNB Art Collection, der Telenor Art Collection, dem Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design, Oslo, dem Trondheim kunstmuseum, dem Röhsska Museum für Design und Kunsthandwerk in Göteborg, dem Malmö Konstmuseum und dem Stadtmuseum Stockholm.

Die Ausstellung „Hannah Ryggen. Gewebte Manifeste“ wird gefördert von NORLA – Norwegian Literature Abroad und der Sparebankstiftelsen DNB.

„Hannah Ryggens monumentale Bildteppiche können wir als gewebte Manifeste ihrer künstlerischen und politischen Überzeugungen lesen, für die sie ihr Leben lang eintrat. Mit ihrem Werk zeigte die Künstlerin Haltung und positionierte sich in ihrem Selbstverständnis als Weltbürgerin immer wieder zu aktuellen politischen Ereignissen. Es ist ihre humanistische Einstellung und es sind ihre Themen, warum uns Hannah Ryggens Kunst heute wieder besonders aktuell und relevant erscheint“, sagt Dr. Philipp Demandt, Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt.

"Blut im Gras" schuf Hannah Ryggen im 73. Lebensjahr als erschütternder eindringlicher Protest gegen den Vietnamkrieg.  ©  Foto: Diether  v Goddenthow
„Blut im Gras“ schuf Hannah Ryggen im 73. Lebensjahr als erschütternder eindringlicher Protest gegen den Vietnamkrieg. © Foto: Diether v Goddenthow

Dr. Marit Paasche und Esther Schlicht, die Kuratorinnen der Ausstellung, erläutern: „Jüngst erfährt das einzigartige Œuvre von Hannah Ryggen neue Beachtung im Kontext der zeitgenössischen Kunst, nicht zuletzt waren einige ihrer Arbeiten 2012 auf der dOCUMENTA (13) zu sehen.  Zu Lebzeiten wurden ihre Bildteppiche in wichtigen Kunstausstellungen in Europa und den USA präsentiert, nach 1970 aber mehr und mehr dem Kunsthandwerk zugeordnet und fanden daher nie wirklich Eingang in den kunsthistorischen Kanon. Ryggen selbst verstand ihre Werke stets als freie Kunst. Indem sie aktuelle politische Ereignisse in ihren Motivkreis miteinbezog, gab sie dem Bildteppich als Medium eine gänzlich neue Rolle. Doch nicht allein dies macht ihr Werk so besonders. Ryggen entwickelte ihre ganz eigene Bildsprache, die Fiktion, Wirklichkeit und Mythen kombiniert, und sie verband unterschiedliche Bildtraditionen mit ungewöhnlicher Leichtigkeit.“

THEMEN UND WERKE DER AUSSTELLUNG – EINE AUSWAHL
Die Ausstellung der Schirn präsentiert Hannah Ryggens monumentale Bildteppiche, in denen sie sich Zeit ihres Lebens zu gesellschaftlichen Fragen positionierte: zu Machtpolitik und internationalen Konflikten, zum Nationalsozialismus und Faschismus in Europa sowie zur Rolle der Kunst und zur Stellung der Frau in der Gesellschaft.

Eindrücklich verband Ryggen in ihrem Werk das Persönliche mit dem Politischen. Zu Beginn der Ausstellung sind zwei frühe Tapisserien zu sehen, die wesentliche Aspekte der Weltanschauung der Künstlerin spiegeln: das Prinzip der Selbstversorgung und die Gleichstellung aller Menschen. Fiske ved gjeldens hav (Fischen im Schuldenmeer, 1933) thematisiert die ausweglose Situation der Arbeiter, Kleinbauern und Fischer zur Zeit der Wirtschaftskrise in Norwegen, von der auch die Familie Ryggen betroffen war. In Vi og våre dyr (Wir und unsere Tiere, 1934) schildert Ryggen, die mit ihrem Mann, dem Maler Hans Ryggen, und ihrer Tochter Mona auf einem kleinen autarken Bauernhof in Ørlandet bei Trondheim lebte, den Alltag im engen Verbund mit Tier und Natur.

Im Zentrum der Präsentation stehen Ryggens antifaschistische und pazifistische Werke. Sowohl die Anzahl als auch die großen Formate dieser Arbeiten zeugen von der immensen Schaffenskraft, mit der die belesene und gut informierte Künstlerin nationale und internationale politische Ereignisse verhandelte. Als öffentliche Kommentare konzipiert, waren diese Tapisserien von politischer Brisanz. Mit Etiopia (Äthiopien, 1935) prangerte Ryggen Italiens Invasion in Äthiopien an. Als eine ihrer ersten international ausgestellen Arbeiten wurde sie im Norwegischen Pavillon auf der Weltausstellung 1937 in Paris in unmittelbarer Nähe von Pablo Picassos Guernica gezeigt – allerdings zensiert, da man fürchtete, die italienische Staatsmacht zu beleidigen. Auch während der nationalsozialistischen Besatzung Norwegens webte die Künstlerin ungeachtet der damit verbundenen Gefahr deutliche Stellungnahmen zum Zeitgeschehen. 6. oktober 1942 (6. Oktober 1942, 1943) erinnert eindrücklich an die „Versöhnungsopfer“ während der Besatzungszeit und zeigt u. a. links in verhöhnender Darstellung Adolf Hitler, in der Mitte Winston Churchill und auf der rechten Seite eine imaginierte Flucht der Familie Ryggen. In vielen ihrer Arbeiten setzte Ryggen dem Widerstand politisch Verfolgter ein Denkmal, etwa der 1938 hingerichteten deutschen Antifaschistin Liselotte Herrmann. Die Schirn zeigt auch Drømmedød (Tod der Träume, 1936), in dem die Künstlerin den Fall des wegen Landesverrats angeklagten deutschen Friedensnobelpreisträgers Carl von Ossietzky behandelt, der als politisches Symbol die norwegische Öffentlichkeit spaltete. Die Arbeit Grini (1945) widmete sie ihrem Mann Hans Ryggen, der im Mai 1944 von den Nationalsozialisten verhaftet wurde und im Gefangenenlager Grini bei Oslo inhaftiert war. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg positionierte sich Ryggen weiterhin zum Zeitgeschehen und äußerte sich etwa mit Henders bruk (Der Gebrauch der Hände, 1949), Atomsen (Herr Atom, 1951) oder Jul Kvale (1956) zum umstrittenen NATO-Beitritt Norwegens und zur  atomaren Aufrüstung der Weltmächte. Noch mit 72 Jahren webte sie aus Protest gegen die Kriegsführung in Vietnam Blod i gresset (Blut im Gras, 1966) und benutzte für das blutrote Gittermuster zum ersten Mal künstliche Farbe. Ein besonderes Augenmerk der Ausstellung liegt auf dem frauenpolitischen Engagement Ryggens. Immer wieder reflektierte sie in ihrem Werk die Rolle der Frau in einer männlich dominierten Gesellschaft. Das großformatige Triptychon Ugift mor (Unverheiratete Mutter, 1937) widmet sich den Lebensumständen alleinerziehender Mütter, während Gullammet Iselin (Das goldene Lamm Iselin, 1935) das vielschichtige Verhältnis zwischen Schönheit und Macht behandelt. Die Schirn zeigt auch Mors hjerte (Mutterherz, 1947), eine persönliche Arbeit über die Mutterschaft und die spannungsvolle Beziehung zu ihrer an Epilepsie leidenden Tochter Mona. Die eindringliche Mutter-Kind-Schilderung ist eine Pionierarbeit in der Darstellung eines dezidiert weiblichen Erfahrungshorizonts.

Ausstellungsimpression - Im Hintergrund  Hannah Ryggens  großer Wandteppich "Wir leben auf einem Stern" von 1958. Das für ein  Regierungshochhaus in Oslo geschaffene Werk zieht ein Fazit zu für Ryggen grundlegenden Fragen: Wie geht der Mensch mit Zeit und Liebe um und welche Rolle sollte die Kunst in unseren Beziehungen zu anderen und zur Welt spielen. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ausstellungsimpression – Im Hintergrund Hannah Ryggens großer Wandteppich „Wir leben auf einem Stern“ von 1958. Das für ein Regierungshochhaus in Oslo geschaffene Werk zieht ein Fazit zu für Ryggen grundlegenden Fragen: Wie geht der Mensch mit Zeit und Liebe um und welche Rolle sollte die Kunst in unseren Beziehungen zu anderen und zur Welt spielen. © Foto: Diether v Goddenthow

Den Abschluss bildet Hannah Ryggens ikonisches Werk Vi lever på en stjerne (Wir leben auf einem Stern, 1958), eine Auftragsarbeit für den Eingangsbereich des Regierungshochhauses Høyblokka in Oslo. Ein halbes Jahr benötigte Ryggen, um die Wolle für das großformatige Werk zu färben, weitere 13 Monate webte sie daran. Auf dem Bildteppich entfaltete sie eine philosophische Betrachtung des menschlichen Daseins sowie der zentralen Stellung von Kunst und Liebe als persönlichen und politischen Kräften. Am 22. Juli 2011 wurde dieser Teppich bei dem Bombenanschlag des rechtsextremistischen Terroristen Anders Behring Breivik auf das Regierungsgebäude beschädigt. Wie eine Narbe erinnert heute der restaurierte Riss am unteren rechten Bildrand an diesen Angriff auf die Demokratie.

KATALOG HANNAH RYGGEN.GEWEBTE MANIFESTE, herausgegeben von Marit Paasche und Esther Schlicht. Mit einem Vorwort von Philipp Demandt, Texten von Marit Paasche und Marie Luise Knott, einem Interview von Esther Schlicht mit Ingar Dragset, einer Biografie und Chronologie von Johanna Laub sowie detaillierten Ansichten der Werke. Deutsche und englische Ausgabe, je 136 Seiten, ca. 100 Abb., 24,5 x 29 cm (Hochformat), Prestel Verlag, ISBN 978-3- 7913-6969-3, 29 € (SCHIRN), 42 € (Buchhandel)

HANNAH RYGGEN GEWEBTE MANIFESTE vom  26. September 2019 – 12. Januar 2020

Ort
SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT,
Römerberg,
60311 Frankfurt
www.schirn.de

DIE AUSSTELLUNG WIRD GEFÖRDERT VON NORLA und der Sparebankstiftelsen DNB.
NORLA ist der Veranstalter des norwegischen Ehrengastauftritts der Frankfurter Buchmesse 2019, die Ausstellung ist Teil des norwegischen Kulturprogramms des Ehrengastauftritts.

Museum Angewandte Kunst wird zum House of Norway – Kunst, Design, Kunsthandwerk und Architektur des Ehrengastlandes der Frankfurter Buchmesse

Das Museum Angewandte Kunst Frankfurt wird vom 10.Oktober bis bis 26. Januar 2019 nach  Idee und Konzept von Prof. Matthias Wagner K, und Sabine Schirdewahn zum House of Norway  © Foto: Diether v Goddenthow
Das Museum Angewandte Kunst Frankfurt wird vom 10.Oktober bis bis 26. Januar 2019 nach Idee und Konzept von Prof. Matthias Wagner K, und Sabine Schirdewahn zum House of Norway © Foto: Diether v Goddenthow

Mit HOUSE OF NORWAY widmet das Museum Angewandte Kunst seine gesamte Ausstellungsfläche Norwegen, dem Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2019.
Die Ausstellung versammelt und mischt herausragende Positionen  aus Kunst, Design, Kunsthandwerk und Architektur, um Konstellationen entstehen zu lassen, die überraschen und zu einem neuen Sehen einladen.

Sie lässt sich wie eine Reise der besonderen Art lesen: mit erstmaligen und wiederkehrenden Begegnungen, Momenten des Erstaunens und Innehaltens, mit Neuentdeckungen dort, wo einem bereits etwas bekannt und vertraut erschien. Eine Reise durch ein Land, das von unterschiedlichen Landschaften, Klimazonen und Bevölkerungsdichten geprägt ist: Der Süden und Westen unterscheidet sich mit seinen Küstengebieten, Seenlandschaften und Wäldern entschieden von der Schneetundra der Finnmark im Norden oder den arktischen Gefilden im Nordosten; das Leben in Oslo und den anderen wenigen Großstädten ist ein anderes als das in den ländlichen Gebieten. Entsprechend unterschiedlich sind nicht nur die Lebenswirklichkeiten der Menschen an den jeweiligen Orten, sondern auch die Anregungen für künstlerisches und gestalterisches Schaffen.

Per Heimly Sápmi-Portraits von 1972 © Foto: Diether v Goddenthow
Per Heimly Sápmi-Portraits von 1972 © Foto: Diether v Goddenthow

Und so hält auch die Existenz einer indigenen Volksgruppe, deren Kulturraum, Sápmi, sich über Norwegen, Schweden, Finnland und Teile Russlands erstreckt, andere Themen für Künstler*innen und Gestalter*innen bereit, als die von tiefen Taleinschnitten und dunklen Wäldern bestimmten Landschaften in der Telemark – was wiederum zu anderen Ausdrucksformen und den Werken zugeschriebenen Bedeutungen führt.

Die offene thematische Präsentation vereint Werke von zeitgenössischen Künstler*innen wie Frank Ekeberg, Kari Steihaug oder Ingrid Torvund mit den noch nie zuvor ausgestellten lyrischen Text-Zeichnungen des weltweit bekannten Künstlers Edvard Munch. Einblicke in die Kunst und Kultur der Sámi geben ein Gastspiel des Sámi National Theatre Beaivváš ; hinzu kommen Werke der in Deutschland erstmals auf der documenta 14 in Kassel vertretenen samischen Künstler*innen Britta Marakatt-Labba, Máret Ánne Sara und Hans Ragnar Mathisen, aber auch die von Kunsthandwerkern wie Sune Enoksson oder Jørn Are Keskitalo. Begegnen wird man auch wichtigen norwegischen Gestalter*innen wie Regine Juhls, Torbjørn Kvasbø, Peter Opsvik, Grete Prytz Kittelsen und Tone Vigeland. Beispiele aus der Architektur, etwa von Sverre Fehn oder Peter Zumthor, aus dem Bereich des Social Design sowie zeitgenössische Impulse aus Mode und neuer nordischer Küche stehen für eine kreative Auseinandersetzung mit einer Welt im Wandel.

Nordisches Design - Kollektionen von Edda Gimnes.© Foto: Diether v Goddenthow
Nordisches Design – Kollektionen von Edda Gimnes.© Foto: Diether v Goddenthow

Neben Werken von 47 künstlerischen und gestalterischen Positionen, präsentiert die Ausstellung 24 auswählbare Kurzfilme aus Norwegen. Die Auswahl, kuratiert von Sabine Schirdewahn, macht mit ihren Themen die individuellen Reflexionen der Künstler*innen und Gestalter*innen in Beziehung zu den objektiven, sozialen, ökologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen vorstellbar, die zum Entstehen ihrer Werke geführt haben könnten. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen, kulinarischen Veranstaltungen und ein Vermittlungsprogramm, bestehend aus Workshops und öffentlichen Führungen für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, runden das Ausstellungsprogramm ab. Das Vermittlungsprogramm wird gefördert durch die Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Edvard Munch
Ein Highlight der Ausstellung bilden die zuvor noch nie einer Öffentlichkeit präsentierten Zeichnungen mit ihren lyrischen Prosatexten des Künstlers Edvard Munch aus der Sammlung des Munchmuseet in Oslo. Diese Textzeichnungen sind Teil einer mit festen Buchdeckeln zusammengehaltenen Sammlung von 81 Blättern mit handschriftlichen Notizen und Anmerkungen, Skizzen, Holzschnitten und Zeichnungen ohne Text. Sie sind vermutlich im Zeitraum von 1930 bis 1935 entstanden, die Datierungen einzelner grafischer Blätter und Zeichnungen ohne Text liegen in den 1890er Jahren. Da diese Sammlung erst vor zweieinhalb Jahren gesichtet wurde, steckt deren wissenschaftliche Aufarbeitung noch in den Anfängen. Gleichwohl deutet vieles darauf hin, dass dieses „Skizzenbuch“, das sich von allen anderen Skizzenbüchern Munchs unterscheidet, als Vorlage für ein von ih m geplantes Buch gedacht war, in dem er die verschiedenen bekannten literarischen und visuellen Versionen von Werken aus seiner Schaffenszeit zusammenfassen wollte.

Aktuelle Kunst des Nordens

 Ingrid Torvund Ohne Titel. © Foto: Diether v Goddenthow
Ingrid Torvund Ohne Titel. © Foto: Diether v Goddenthow

Im Bereich der bildenden Künste zeigt die Ausstellung vor allem zeitgenössische Werke, in denen wie im Fall Munchs der persönliche Bezug zu und die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und Heimat im Mittelpunkt stehen. Hierzu zählt z.B. die Filmtrilogie Under Earth von Ingrid Torvund, die in Zusammenarbeit mit Jonas Mailand zwischen 2009 und 2019 entstanden ist. Die meisten Dreharbeiten fanden in Kviteseid in der Provinz Telemark statt, wo die Künstlerin aufgewachsen ist. Die dunklen Waldlandschaften der Telemark sind bekannt für ihre folkloristischen Erzählungen, bei denen heidnische und christliche Symbole Seite an Seite existieren: Drachen, Engel, Kreuze, Dämonen, Trolle und sprechende Tiere. Ihre Filme, Bilder und Skulpturen entführen in den Kosmos eines mystischen, rätselhaften Universums.

Máret Ánne Sara, einer zahlreicher samischer Künstlerinnen u.a. mit ihrer "Lassoinstallation" vertreten. © Foto: Diether v Goddenthow
Máret Ánne Sara, einer zahlreicher samischer Künstlerinnen u.a. mit ihrer „Lassoinstallation“ vertreten. © Foto: Diether v Goddenthow

Einen weiteren wichtigen Fokus der gezeigten zeitgenössischen Kunst bilden Werke von Künstler*innen, die der indigenen Volksgruppe der Sámi angehören. Die Künstler*innen, die spätestens seit ihrer Einladung zur documenta 14 in Athen und Kassel im Jahr 2017 weltweite Anerkennung erfahren, setzen sich in ihren Werken mit individuellen und kollektiven Erfahrungen mit Traditionen, Glaubensvorstellungen, Diskriminierung sowie Fremd -und Selbstbestimmung auseinander.

Britta Marakatt-Labba verweist mit der Stickarbeit Movement zusammen mit Skizzen und einer Videoadaption ihrer Arbeit Historien auf die Traditionen und Geschichte der Sámi in der norwegischen Finnmark.

Das Lasso als Symbol der Reduzierung von Rentierherden 

"Lasso"-Installation Gielastuvvon (deutsch: Gefangen) von Máret Ánne. © Foto: Diether v Goddenthow
„Lasso“-Installation Gielastuvvon (deutsch: Gefangen) von Máret Ánne. © Foto: Diether v Goddenthow

Die Installation Gielastuvvon (deutsch: Gefangen) von Máret Ánne Sara besteht aus Lassos, die üblicherweise von Rentierhirten eingesetzt werden. Im Ausstellungsraum hängen sie wie Galgen von der Decke. Die Künstlerin bezieht sich damit auf die jüngsten Reglementierungen der norwegischen Behörden in Bezug auf Weideflächen und die Größe von Rentierherden. Die Einschränkungen stellen eine Bedrohung der Existenzgrundlage vieler Sámi dar – insbesondere in Bezug auf die jüngere Generation.

Improvisierte temporäre Bauten

Temporäre Bauten.  © Foto: Diether v Goddenthow
Temporäre Bauten. © Foto: Diether v Goddenthow

Auch die Arbeiten von Joar Nango sind stark von seiner Heimatstadt Alta am Ende des Altafjords und seiner samischen Identität geprägt. Mit dem Kollektiv FFB untersucht er Gegensätze und Widersprüche in der zeitgenössischen Architektur, um sich mit Fragen indigener Identität zu beschäftigen. Dabei entstehen ortsspezifische Installationen an der Schnittstelle zwischen Kunst und Architektur – improvisierte temporäre Bauten, die auf die ehemals weitgehend nomadische Lebensweise der Sámi verweisen und als Bühnen für verschiedene Interventionen dienen. Neben Dokumentationen und Ausschnitten aus der Arbeit Meahccetrošša/Matatu, präsentiert die Ausstellung seinen Film Indigenuity Manifesto (2016). Der Film und das Wortspiel im Titel sind dem Erfindungsgeist indigener Kultur in Architektur, Gestaltung und Alltag gewidmet.

Nordisches Design

Nordisches Design für Möbel, Gebrauchsgegenstände, Bekleidung usw. © Foto: Diether v Goddenthow
Nordisches Design für Möbel, Gebrauchsgegenstände, Bekleidung usw. © Foto: Diether v Goddenthow

Auch die Auswahl von Designer*innen verweist auf vielfältige Weise auf die enge Beziehung zur abwechslungsreichen Landschaft und Geschichte Norwegens. Während die Entwürfe dänischer Gestalter wie Arne Jacobsen oder Hans J. Wegner sowie des Finnen Alvar Aalto nach dem zweiten Weltkrieg zu Gestaltungsikonen avancierten und bis heute für skandinavisches Design stehen, blieb das gleiche Maß an Erfolg bei norwegischen Entwürfen aus derselben Zeit aus. Gerade dieser Umstand eröffnet jedoch einer jüngeren Generation norwegischer Gestalter*innen ein offenes Gestaltungsfeld. Das zeigt sich an ihren Entwürfen an der Schnittstelle von Design, Handwerk und Kunst, die sich nicht auf formale Schlichtheit und Funktionalität reduzieren lassen, sondern deutlich machen, dass Gestaltung auch verspielt, humorvoll und laut sein darf.

Die hier getroffene Auswahl reicht von Möbelentwürfen der 1950er und 1960er Jahre von Hans Brattrud und Torbjørn Afdal und Birger Dahl bis hin zu Peter Opsviks skulpturalem Stuhl Globusgarten aus dem Jahr 1985 und dem 2019 für Fjordfiesta von Andreas Engesvik entworfenen Schreibtisch Alto. Man findet in der Ausstellung polychrome Glasskulpturen von Kjersti Johannessen neben den geometrischen Keramiken von Guri Sandvik oder die experimentelle Schuhmode Elisabeth Thorsens neben den expressiven und farbenfrohen Halsketten von Liv Blåvarp. Der von den kargen Vegetationsformen – Moosen und Flechten – in der Finnmark inspirierte Silberschmuck von Regine Juhls aus den 1970er Jahren wird den Schmuckarbeiten von Grete Prytz Kittelsen aus den späten 1950er J ahren gegenübergestellt. Die visuell ansprechenden Grafikprint-Kreationen der in London lebenden Modedesignerin Edda Gimnes werden kontrastiert mit einem schlichten Filzkleid von Marit Eken Kalager, das von Damenwollkleidern und nationalen Kostümen inspiriert ist, die sie an ihre Kindheit erinnern.

Traditionelles samisches Kunsthandwerk, Duodji

Samische Schamanentrommel. © Foto: Diether v Goddenthow
Samische Schamanentrommel. © Foto: Diether v Goddenthow

In der Ausstellung finden sich an verschiedenen Stellen Werke traditionellen samischen Kunsthandwerks, Duodji: Messer und Broschen, eine Schamanentrommel sowie hölzerne Trinkgefäße. Die nur minimalen gestalterischen Unterschiede zwischen historischen und zeitgenössischen Objekten verweisen auf ein ausgeprägtes Traditionsbewusstsein der Gestalter*innen, in der die Verwendung von natürlichen Materialien von zentraler Bedeutung ist.

Nordische Architektur

Maßstabgetreues, begehbares Modell eines Eck Ausschnitts von Sverre Fehns ikonischer Villa Norrköping (1963/64) © Foto: Diether v Goddenthow
Maßstabgetreues, begehbares Modell eines Eck Ausschnitts von Sverre Fehns ikonischer Villa Norrköping (1963/64) © Foto: Diether v Goddenthow

Völlig gegensätzliche Architekturauffassungen zeigen sich bei Sverre Fehn, dem samischen Architekten und Künstler Joar Nango sowie im Steilneset Memorial von Peter Zumthor und Louise Bourgeois. Mit dem einflussreichsten norwegischen Architekten des 20. Jahrhunderts, Sverre Fehn (1924–2009), begegnet man einem wichtigen Beispiel der norwegischen Architektur der Moderne. Der Pritzker-Preisträger ist u.a. für den nordischen Pavillon im Giardini des Biennale-Geländes in Venedig bekannt. Im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main können Besucher*innen in ein maßstabgetreues Modell eines Eck – Ausschnitts seiner ikonischen Villa Norrköping (1963/64) eintreten, dessen Raumanordnung sich auf die Villa La Rotonda von Andrea Palladio (1508–80) bezieht. Das heute noch bewohnte Familienhaus gibt dem nordischen Dualismus von Hell und Dunkel, Mitternachtssonne und Polarnacht eine architektonische Form: Während die Wohn- und Schlafbereiche in fensterlosen Backsteinkuben liegen, sind die verbindenden Ecken komplett verglast.

Das Hexenmahnmal

Fotografien von Ken Schluchtman dokumentieren eindrucksvoll das Steilneset Memorial (2011) des Schweizer Architekten Peter Zumthor. Das Hexenmahnmal steht für einen aktuellen Zugang zur Architektur und verdeutlicht abermals das Wechselspiel zwischen Form, Geschichte und Landschaft. Das Monument befindet sich im äußersten Nordosten Norwegens am Rand des Inselortes Vardø in der Barentsee und ist den 91 Opfern  der Hexenverbrennungen im 17. Jahrhundert gewidmet. Die Gedenkstätte besteht aus zwei Gebäudeteilen: Eine 125 Meter lange Holz- und Segeltuch Konstruktion, die an die Form eines traditionellen norwegischen Fischtrockengestells erinnert und ein 10 x 10 m großer quadratischer Pavillon, der etwas abgerückt steht.

Louise Bourgeois Hexenmahnmal.  © Foto: Diether v Goddenthow
Louise Bourgeois Hexenmahnmal. © Foto: Diether v Goddenthow

In dem Pavillon des Mahnmals befindet sich die letzte große öffentliche Arbeit der französisch-US-amerikanischen Bildhauerin Louise Bourgeois aus dem Jahr 2010: ein von einem runden, fast 1 Mete r hohen Betonzylinder umschlossener eiserner Stuhl, aus dessen Sitz permanent fünf Gasflammen züngeln. Sieben ovale Spiegel an fünf Meter hohen Stahlmasten bilden einen Kreis um die Feuerstelle, wie Richter um das Opfer.

JOHAN TURI – Sámi National Theatre Beaivváš

Das Sámi National Theatre Beaivváš (SNTB) aus Kautokeino bei der Probe. Die Aufführungen finden statt im 3 OG des Museum Angewandte Kunst. © Foto: Diether v Goddenthow
Das Sámi National Theatre Beaivváš (SNTB) aus Kautokeino bei der Probe. Die Aufführungen finden statt im 3 OG des Museum Angewandte Kunst. © Foto: Diether v Goddenthow

Zu den Highlights des Ausstellungsprogramms gehört ein mehrwöchiges Gastspiel des Sámi National Theatre Beaivváš (SNTB) aus Kautokeino. In einer eigens dafür konzipierten Bühnenlandschaft innerhalb der Ausstellung werden sie vom 12. Oktober bis 9. November insgesamt 24 Aufführungen des Stückes JOHAN TURI in samischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln darbieten. Das Theaterstück hatte in Oslo 2017 seine Weltpremiere und wird nun erstmals außerhalb von Norwegen zu sehen sein. Außerhalb der Aufführungstermine, kann man die Bühnenarchitektur begehen. Sie wird rundherum ergänzt durch Fotografien des samischen Fotografen Per Heimly, der über Jahre hinweg die ältere Generation von samischen Einwohner*innen in der Finnmark in ihren traditionellen Trachten porträtiert hat.

Möbel für Zuhause und den öffentlichen Raum Im Foyer des Museums befindet sich während der gesamten Laufzeit der Ausstellung ein Concept Store der Möbelplattform Northern, die sich auf aktuelle und neu in Szene gesetzte Entwürfe aus Skandinavien spezialisiert hat. In Frankfurt präsentieren Sie eine Auswahl an norwegischen Designobjekten und Büchern. Zwar kann man die Stücke nicht direkt in dem Store kaufen, aber QR-Codes leiten auf eine Online-Plattform, wo die Stücke direkt nach Hause bestellt werden können. Der Bereich des Social Designs wird mit großzügigen Leihgaben von Vestre abgerundet. Die Außenmöbel, die für den urbanen öffentlichen Raum geschaffen wurden, laden im Foyer und rund um das Museum zum Verweilen ein.

Plakat- und Mediengestaltung

© Museum Angewandte Kunst
© Museum Angewandte Kunst

Die begleitenden Printmedien zur Ausstellung wurden zusammen mit Student*innen der Hochschule für Gestaltung in Offenbach entwickelt. Die Illustrationen haben die Studierenden inspiriert von Werken aus der Ausstellung entworfen. Die gewählte Typografie Viksjø von Designer Frode Helland soll hier besondere Erwähnung finden, weil die einzelnen Buchstaben von dem brutalistischen Y-förmigen Regierungsbau des Architekten Erling Viksjø in Oslo abgeleitet wurden. Das Gebäude war eines von zwei Angriffszielen der zusammenhängenden terroristischen Anschläge des norwegischen Rechtsextremisten Anders Behring Breivik gegen norwegische Regierungsangestellte in Oslo und gegen Jugendliche in einem Feriencamp auf der norwegischen Insel Utøya am 22. Juli 2011, denen 77 Menschen zum Opfer fielen. Der nachfolgende drohende Abriss des Gebäudes im Jahr 2014 veranlasste den Designer Frode Helland zur Entwickelung der Schrift, die versucht ethische Prinzipien brutalistischer Architektur in Schriftformen zu übersetzen. Die Erlöse der Lizenzgebühren kommen einer Initiative zur Erhaltung des Viksjø-Gebäudes zu.

HOUSE OF NORWAY – eine Ausstellung mit Werken von:

Torbjørn Afdal, Heidi Bjørgan, Liv Blåvarp, Inger Blix Kvammen, Hans Brattrud, Birger Dahl, FFB (Joar Nango, Eystein Talleraas, Håvard Arnhoff), Frank Ekeberg, Marit Eken Kalager, Andreas Engesvik, Sune Enoksson, Nikolaus Fankki, Sverre Fehn, Svein Flygari Johansen, Edda Gimnes, Sidsel Hanum, Per Heimly, Kjersti Johannessen, Willy Johansson, Regine Juhls, Jørn Are Keskitalo, Torbjørn Kvasbø, Petteri Laiti, Matt Lambert, Håvard Lars en, Jonas Mailand, Britta Marakatt-Labba, Kari Mølstad, Edvard Munch, Peter Opsvik, Synnøve Persen, Grete Prytz Kittelsen, Hans Ragnar Mathisen (KEVISELIE), Johan Rist, Sámi National Theatre Beaivváš (SNTB), Guri Sandvik, Máret Ánne Sara, Ken Schluchtmann (Peter Zumthor, Louise Bourgeois), Martin Solem, Kari Steihaug, Elisabeth Thorsen, Ingrid Torvund, Manuel Vadillo Benitez, Paolo Venini, Tone Vigeland und Jan Eric Wold Skevik.

Ort:
House of Norway vom 10.Oktober bis bis 26. Januar 2019
Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt

Information
T +49 69 212 31286
F +49 69 212 30703
info.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de
www.museumangewandtekunst.de

Öffnungszeiten
Di, Do-So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr

Eintritt
12 Euro, ermäßigt 6 Euro
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Studierende der Goethe-Universität Frankfurt, der Städelschule und der HfG Offenbach frei

Norwegisches CROSSOVER FOLK AND FLUTE Ensemble spielt anlässlich der Ausstellung „Mittsommernacht“ am 13.10. im Museum Wiesbaden

STORYTELLING IN TIMES OF CHANGE – CROSSOVER FOLK AND FLUTE ENSEMBLE
Konzertreihe anlässlich der Ausstellung „Mittsommernacht“ – Harald Sohlberg: Ein norwegischer Landschaftsmaler.

Das Norwegische Flötenensemble wurde 2008 auf Anregung von Prof. Jørn Schau gegründet und ist das einzige Ensemble dieser Art in Norwegen. In Originalbesetzung vereint das Ensemble Flöten studierende und -profis der Universität Agder, Kristiansand, Norwegen. Im Rahmen der Buchmesse 2019 Ehrengastland Norwegen wird das Norwegian Flute Ensemble von Flötistinnen und Flötisten aus dem Rhein-Main-Gebiet ergänzt. Solistin ist Marin Stallemo Bakke, die das traditionelle norwegische Volksmusikinstrument Hardingfele spielt.

Weitere Veranstaltungen rund um die Ausstellung finden Sie in unserem Veranstaltungskalender: https://museum-wiesbaden.de/kalender

Zeitgenössische Fotografie aus Norwegen zum Wesen und Wirken des Lichts im FOTOGRAFIE FORUM FRANKFURT

Ausstellungs-Impression. © Foto: Diether v Goddenthow
Ausstellungs-Impression. © Foto: Diether v Goddenthow

Im Rahmen des diesjährigen Ehrengastes Norwegen auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse zeigt das Fotografie Forum
Frankfurt (FFF) vom 3.Oktober 2019 bis 12. Januar 2019 zeitgenössische Fotografie aus Norwegen zum Wesen und Wirken des Lichtes.
Gezeigt werden Arbeiten unter dem Titel ETHEREAL. PHOTOGRAPHIC ART FROM NORWAY von A K Dolven, Dag Alveng und Linn Pedersen.

Mit Fotografie, Video und Installation widmen sich die beiden Künstlerinnen und der Künstler extremen Lichtqualitäten, die die mystische Atmosphäre ihres Heimatlandes Norwegen und ihr eigenes Lebensgefühl prägen.

Dag Alveng (*1953) porträtiert Menschen und sommerliche Landschaften; stets mit im Bild, das Hochsommerlicht. Irritierend zeitlos sind A K Dolvens (*1953) surreale Video-Reflexionen des Polarlichts. Mit einer begehbaren Camera Obscura führt Linn Pedersen (*1982) das Auge des Betrachters dem Lichtstrahl entgegen – und schafft frische Perspektiven auf ihre eigenen Licht-Bilder.

FOTOGRAFIE FORUM FRANKFURT
BRAUBACHSTR. 30-32
60311 FRANKFURT
http://www.fffrankfurt.org

Öffnungszeiten: Di–So 11-18 Uhr, MI 11–20 Uhr, Mo geschlossen

In norwegischen Landschaften Hunting high and low – Sonderausstellung im Deutschen Architekturmuseum anlässlich der Frankfurter Buchmesse

Ausstellungs-Impression ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ausstellungs-Impression © Foto: Diether v Goddenthow

Anlässlich des Ehrengastland-Auftrittes auf der Frankfurter Buchmesse 2019 widmet sich das Deutsche Architekturmuseum (DAM) der zeitgenössischen Architektur Norwegens.

Diese Ausstellung über norwegische Architektur basiert auf der Buchreihe asBuilt. Zu den zeitgenössischen Bauten, die durch die Arbeiten einiger Altmeister der Moderne ergänzt werden, gehören kleine Infrastrukturprojekte für die Norwegischen Landschaftsrouten, ein Wasserkraftwerk im Gebirge, Einfamilienhäuser in fast unberührter Natur und in Kulturlandschaften sowie öffentliche Gebäude in Städten. Die Bauwerke liegen in sehr unterschiedlichen Landesteilen. Sie illustrieren die häufig weit verstreute Bebauung Norwegens in entlegenen Gegenden, die von einer aktiven Regionalpolitik gezielt gefördert und einer starken Ölwirtschaft finanziell möglich gemacht wird.

Im südlichen Teil der Ausstellung liegen alle bisher erschienenen 21 asBuilt-Bände aus. Ziel der Buchreihe ist es, die Arbeitsweise der Architekten detailliert darzustellen und so gebaute Erfahrungen auszutauschen. Jedes Bauwerk wird mit mindestens einem weiteren Medium –Modell, Film, Fotografien oder Zeichnungen – vorgestellt. Sechs Gebäude wurden extra für diese Ausstellung gefilmt, die Filme werden im Haus im Haus und an dessen Außenwände projiziert. Die Filme machen die Bauten räumlich erfahrbar und enthüllen die Verbindung zwischen Gebäude und umliegender Landschaft sowie zwischen Licht und Material.

Ausstellungs-Impression ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ausstellungs-Impression © Foto: Diether v Goddenthow

Die Projekte knüpfen an eine nordische Architekturtradition an, deren bekanntester Exponent der Pritzker-Preisträger Sverre Fehn ist, und führen sie fort. Diese Architektur zeichnet sich durch eine taktile Materialverwendung und die Umsetzung räumlicher Erfahrbarkeit aus, die nicht nur eng mit dem Kontext verbunden ist.

Gleichzeitig treten die Architekten in die Fußstapfen von Norwegens tausendjähriger Holzbautradition. Auf diese Weise schließt die norwegische Baukunst an das Thema des klimasensiblen und ökologischen Bauens an. Diese Entwicklung wird durch die Stadtentwicklung in den großen Städten heute auf die Probe gestellt. So sehen Sie an der Nordwand, mit Ausblick auf den Main, ein Bild des Osloer Stadtteils Bjørvika, das einen neuen Aspekt der norwegischen Architektur zeigt: die städtische Verdichtung. Dort werden auch Bauten gezeigt, die Gegenstand künftiger asBuilt Publikationen sein werden. Die Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums (DAM) entstand in Zusammenarbeit mit: Norwegen als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2019, Norwegian Literature Abroad (NORLA), Norwegische Botschaft, Oslo School of Architecture and Design (AHO) und Verlag Pax Forlag.

BEGLEITPROGRAMM
Das Begleitprogramm zur Ausstellung konzentriert sich auf die norwegische Architektur zwischen Land
und Urbanität.

Mi, 18. September 2019, 19 Uhr
HUNTING LOW
Vorträge und Diskussion mit:
KNUT HJELTNES, Knut Hjeltnes Sivilarkitekter
JETTE HOPP, Snøhetta
KNUT WOLD, Künstler und Kunstkurator für Public Roads, the National Tourist Routes, Norway
DAM Auditorium, €5 \ €2,50 ermäßigt

Die Veranstaltung widmet sich Projekten mit dem Fokus „HUNTING LOW“: Projekte wie das Weekend House Straume (Knut Hjeltnes), die Sørum Farm (Are Vesterlid / Knut Wold) und das Outdoor Care Retreat (Snøhetta) zeigen auf hervorragende Weise, wie die architektonischen Qualitäten mittels Licht, Proportionen und Material Gebäude und Kunst die Naturlandschaften ergänzen.

Mi 23. Oktober 2019, 19 Uhr
HUNTING HIGH
Vorträge und Diskussion mit:
GRO BONESMO, Spacegroup EINAR JARMUND, Jarmund/Vigsnæs Arkitekter ANDREAS VAA BERMANN (tbc), Leiter des Stadtbauamts, Oslo DAM Auditorium, €5 \ €2,50 ermäßigt

Der Abend steht ganz im Zeichen von „HUNTING HIGH“ und gibt Einblick in die Entstehung urbaner Projekte in Oslo sowie die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen der Stadt.
Das Begleitprogramm findet teilweise in englischer Sprache statt.

Fr, 18. Oktober 2019, 11 Uhr
TOUR ZUR FRANKFURTER BUCHMESSE, u.a. Treffen mit den Ausstellungsarchitekten des norwegischen Pavillons und verschiedener Architekturverlage.
Treffpunkt am »Hammering Man«, Ludwig-Erhard-Anlage 1, Dauer: ca. 2,5 Std, € 25/ Teilnehmer inkl. Messeeintritt

Zur Buchmesse: HOUSE OF NORWAY 11. Oktober 2019 bis 26. Januar 2020 im Museum Angewandte Kunst Frankfurt – Mehrwöchiges Gastspiel – Deutschlandpremiere


Ab Herbst 2019 widmet das Museum Angewandte Kunst seine gesamte Ausstellungsfläche Norwegen, dem Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2019. Als HOUSE OF NORWAY versammelt es herausragende Positionen aus Kunst, Design, Kunsthandwerk und Architektur. Ein Highlight der Schau bilden noch nie gezeigte grafische Arbeiten von Edvard Munch. Zu entdecken gibt es außerdem Werke von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern wie Frank Ekeberg, Svein Flygari Johansen, Per Heimly, Kari Steihaug oder Ingrid Torvund. Einblicke in die Kunst und Kultur der Sámi geben ein Gastspiel des Sámi National Theatre Beaivváš sowie künstlerische Positionen etwa von Jørn Are Keskitalo, Britta Marakatt-Labba oder Máret Ánne Sara. Begegnen wird man auch wichtigen norwegischen Gestalterinnen und Gestaltern wie Regine Juhls, Torbjørn Kvasbø, Peter Opsvik, Grete Prytz Kittelsen und Tone Vigeland. Beispiele aus der Architektur, etwa von Sverre Fehn oder Joar Nango, aus dem Bereich des Social Design sowie zeitgenössische Impulse aus Mode  und neuer nordischer Küche stehen für eine kreative Auseinandersetzung mit einer Welt im Wandel.

Im Rahmen von Der Traum in uns – Norwegen Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2019. Die Ausstellung wird gefördert von NORLA, Norwegian Literature Abroad, von Visit Norway, der Tourismusabteilung von Innovation Norway, und dem Möbelproduzenten Vestre. Sie entstand in Kooperation mit dem Munch Museum (Oslo), dem Nordnorsk Kunstmuseum (Tromsø), Norwegian Crafts, dem Sámi National Theatre Beaivváš (Kautokeino), dem Sámi University College (Kautokeino), dem Sámi Center for Contemporary Art (Karasjok), dem Riddo Duottar Museat (Karasjok), dem Kunstnerforbundet (Oslo), dem Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum (Trondheim) und vielen anderen.

Idee und Konzept: Sabine Schirdewahn, Prof. Matthias Wagner K
Kurator: Prof. Matthias Wagner K

Ort
Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt am Main
Information
info.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de
www.museumangewandtekunst.de

Öffnungszeiten
Di, Do-So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr

Deutschland-Premiere:

Das Sámi National Theatre Beaivváš (SNTB) feiert im Museum Angewandte Kunst die Deutschlandpremiere von Johan TuriGeschrieben von Harald Gaski & Gunnar Gjengset 24 Aufführungen zwischen dem 12. Oktober und 9. November 2019

Mit der Ausstellung HOUSE OF NORWAY feiert das Museum Angewandte Kunst die außerordentliche Vielfalt norwegischer Kunst und Kultur. Zu den Highlights des Ausstellungsprogramms gehört ein mehrwöchiges Gastspiel des Sámi National Theatre
Beaivváš (SNTB) aus Kautokeino. In einer eigens dafür konzipierten Bühnenlandschaft innerhalb der Ausstellung werden sie insgesamt 24 Aufführungen ihres Stückes JOHAN TURI in samischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln darbieten. Das Theaterstück hatte in Oslo 2017 seine Weltpremiere und wird nun erstmals außerhalb von Norwegen zu sehen sein.

Das Bühnendrama basiert auf der Biografie des Rentierhalters Johan Turi (1854–1936), der heute als erster samischer Schriftsteller gilt. Ausgangspunkt der Geschichte ist sein lange gehegter Traum, ein Buch zu veröffentlichen, das von den Lebensumständen der Sámi erzählt und die norwegischen Behörden und Unternehmen dazu bewegen soll, ihre restriktive Haltung gegenüber dem indigenen Volk zu ändern. In einem Zug, der Skandinavien durchquert, trifft Turi auf den Geschäftsmann Hjalmar Lundbohm aus Kiruna und auf die dänische Künstlerin und Anthropologin Emilie Demant. Werden diese schicksalhaften Begegnungen ihm dabei helfen, seinen Traum zu verwirklichen? Das Stück handelt von der Entstehung eines Buches, aber vor allem von Träumen, Verlockungen, Zweifeln, Verführung und Gewissensbissen.

Johan Turi, geboren 1854 in Guovdageaidnu (Kautokeino), Norwegen, war ein samischer Rentierhalter und versierter Wolfsjäger. In den 1870er Jahren zog er mit seiner Rentierherde und Familie nach Kiruna im Norden Schwedens. Dort veröffentlichte er 1910 sein erstes Buch in nordsamischer Sprache: Muitalus sámiid birra. Darin beschreibt Johan Turi das Leben der Sámi und ihre Überlebenstechniken, ihre Medizin, ihr Naturverständnis und Bräuche. Das Buch wurde 1912 ins Deutsche, später in die schwedische, englische, ungarische, japanische, italienische und finnische Sprache übersetzt. Johan Turi gilt als erster Sámi Schriftsteller. Er starb 1936 in Jukkasjärvi, Schweden.

Das Sámi National Theatre Beaivváš (SNTB)
Das Sámi National Theatre Beaivváš (SNTB) ist ein Theater mit Sitz in Guovdageaidnu (Kautokeino) in der Finnmark Norwegens, das es sich zur Aufgabe macht, seine Stücke in verschiedenen Sámi Sprachen aufzuführen. Es gastiert in Sámigebieten in Norwegen, Schweden und Finnland sowie außerhalb der nordischen Länder, um die sámische Kultur international erfahrbar zu machen. Das SNTB zielt darauf ab, als Theater ohne Grenzen zu agieren. Es will alte kulturelle Quellen aktivieren und neue bilden, um zum besseren Verständnis verschiedener Kulturen beizutragen.

Bühnensprache: Nord-Sámi. Mit deutschen und englischen Untertiteln.
Dauer: ca. 1 Stunde
Preis: 18 Euro, 9 Euro ermäßigt
Ticketvorverkauf: www.museen-ticket.de/Museum-Angewandte-Kunst

Aufführungstermine
Samstag, 12. Oktober, 19 Uhr
Samstag, 12. Oktober, 21 Uhr
Sonntag, 13. Oktober, 19 Uhr
Sonntag, 13. Oktober, 21 Uhr
Donnerstag, 17. Oktober, 19 Uhr
Freitag, 18. Oktober, 19 Uhr
Freitag, 18. Oktober, 21 Uhr
Samstag, 19. Oktober, 19 Uhr
Samstag, 19. Oktober, 21 Uhr
Donnerstag, 24. Oktober, 19 Uhr
Freitag, 25. Oktober, 19 Uhr
Freitag, 25. Oktober, 21 Uhr
Samstag, 26. Oktober, 19 Uhr
Samstag, 26. Oktober, 21 Uhr
Donnerstag, 31. Oktober, 19 Uhr
Freitag, 1. November, 19 Uhr
Freitag, 1. November, 21 Uhr
Samstag, 2. November, 19 Uhr
Samstag, 2. November, 21 Uhr
Donnerstag, 7. November, 19 Uhr
Freitag, 8. November, 19 Uhr
Freitag, 8. November, 21 Uhr
Samstag, 9. November, 19 Uhr
Samstag, 9. November, 21 Uhr

Regie: Frank Jørstad
Dramaturgie: Frank Jørstad & Kristian Lykkeslet Strømskag
Schauspieler*innen: Iŋgor Ántte Áilu Gaup, Ingá Márjá Sarre, Egil Keskitalo
Bühnen-/Kostümbild: Even Børsum, Stoorstålka
Lichtdesign: Øystein Heitmann
Komponist: Johan Eriksson Degerlund
„Eallin lállá“: Áilloš
„Finnes det en kvinne“: Lars Lillo-Stenberg
Requisiten: Ole Thomas D. Nilut
Kostüme: Ann Majbritt Eriksen
Bühnentechnik: Bernt Roger Somby, Gerlinde Thiessen, Bernt Morten Bongo
Künstlerischer Leiter: Rolf Degerlund
Produzent: Leif Isak E. Nilut

Ort
Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt am Main
Information
info.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de
www.museumangewandtekunst.de

Öffnungszeiten
Di, Do-So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr

Norwegen-Ehrengast-Programm zur Frankfurter Buchmesse

„Mittsommer“ – Norwegens berühmtester Landschaftsmaler, Harald Sohlberg, erstmals auf EU-Festland im Museum Wiesbaden ab 12. Juli – in Kooperation zur Buchmesse Frankfurt

1996 wählten die Norweger "Winternacht" zu ihrem beliebtestem Bild. Fast 15 Jahre lang hat Harald Sohlberg an seinem 1915 fertiggestellten Meisterwerk gemalt. Erst als sich 1917 eine Farblithografie von „Winternacht“ bestens verkaufte, nahm das Osloer Nationalmuseum das einst von ihr abgelehnte Werk als Geschenk eines privaten Erwerbers an. Sohlberg hat  auch mit diesem Bild die Seele der Norweger getroffen: Ein außergewöhnliches Werk, welches das erste Mal überhaupt vom Osloer Nationalmuseum verliehen wurde und den Höhepunkt der Wiesbadener Ausstellung "Mittsommer" darstellt. © Foto: Diether v. Goddenthow
1996 wählten die Norweger „Winternacht“ zu ihrem beliebtesten Bild. Fast 15 Jahre lang hat Harald Sohlberg an seinem 1914 fertiggestellten Meisterwerk gemalt. Erst als sich 1917 eine Farblithografie von „Winternacht“ bestens verkaufte, nahm das Osloer Nationalmuseum das einst von ihr abgelehnte Werk als Geschenk eines privaten Erwerbers an. Sohlberg hat auch mit diesem Bild die Seele der Norweger getroffen: Ein außergewöhnliches Werk, welches das erste Mal überhaupt vom Osloer Nationalmuseum verliehen wurde und den Höhepunkt der Wiesbadener Ausstellung „Mittsommer“ darstellt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Volker Bouffier zeigt das Museum Wiesbaden mit der Sommerausstellung „Mittsommernacht: Harald Sohlberg – Ein norwegischer Landschaftsmaler“ in enger Kooperation mit dem Nationalmuseum Oslo die erste Retrospektive des norwegischen Künstlers Harald Sohlberg (1869–1935) auf dem europäischen Festland. Anlass ist der 150. Geburtstag des Malers sowie unter anderem eine Kooperation mit NORLA, Norwegian Literature Abroad im Rahmen des Gastlandauftritts auf der diesjährigen  Frankfurter Buchmesse (siehe unten). Harald Sohlberg gehört neben Edvard Munch (1863–1914) und Nikolai Astrup (1880–1928) zu den wichtigsten Künstlern Norwegens an der Schwelle zur Moderne. Sein Hauptwerk „Winternacht in Rondane“ gilt als ikonisch und wurde nach Erwerbung des Nationalmuseums im Jahr 1918 noch nie verliehen. Das Gemälde in Wiesbaden zu präsentieren ist außergewöhnlich und zählt zu den rund 70 ausgestellten, und aus internationalen Sammlungen zusammengetragenen Werken. In sechs thematischen Räumen wird Sohlbergs Entwicklung vom 12. Juli bis 27. Oktober 2019 repräsentativ abgebildet, von seinen frühsten Arbeiten als 20-Jähriger bis zu seinem letzten Lebensjahr.

Harald Sohlbergs „Sommernacht“, 1899, zeigt den kurzen Moment des nordischen Mittsommers am 21. Juni mit Blumen, deren Blüten sich nicht schließen und mit einen offenen Blick von der Terrasse aus in die Ferne als symbolische Fragestellung nach menschlicher Identität, Existenz und Entwicklung. Das „Existenzielle“ ist sein Grundthema. Anders als bei Edvard Munch und Caspar David Friedrich bleiben Sohlbergs Bilder menschenleer und beschränken sich eher auf Wege oder Wegmarken und auf Metaphern. © Foto: Diether v. Goddenthow
Harald Sohlbergs „Sommernacht“, 1899, zeigt den kurzen Moment des nordischen Mittsommers am 21. Juni mit Blumen, deren Blüten sich nicht schließen und mit einen offenen Blick von der Terrasse aus in die Ferne als symbolische Fragestellung nach menschlicher Identität, Existenz und Entwicklung. Das „Existenzielle“ ist sein Grundthema. Anders als bei Edvard Munch und Caspar David Friedrich bleiben Sohlbergs Bilder menschenleer und beschränken sich eher auf Wege oder Wegmarken und auf Metaphern. © Foto: Diether v. Goddenthow

Harald Sohlberg kam 1869 als Sohn eines Pelzhändlers in Kristiania (Oslo) zur Welt. Seine künstlerischen Wurzeln liegen in der Dekorations- und Theatermalerei. Er lernte unter Wilhelm Krogh und nahm Unterricht an der Königlichen Kunst- und Handwerksschule in Kristiania. Nach nur vier Jahren wandte er sich jedoch von der klassischen Handwerkerlehre ab, um sich vollständig auf eine Karriere als Künstler zu konzentrieren. Sohlberg bereiste Ende des 19. Jahrhunderts Kopenhagen (1891), Paris (1895) und Weimar (1896/97). Insbesondere der mehrmalige Besuch an der Kunstschule Weimar und das Umfeld um Arnold Böcklin (1827-1901) spiegeln sich in seinem künstlerischen Interesse an der Kunstrichtung Symbolismus wieder sowie auch die romantischen Werke Caspar David Friedrichs (1774–1840) Einfluss auf sein Schaffen nahmen. Einen eigenen Stil erarbeitete der Norweger kurz vor der Jahrhundertwende, nachdem er bei Künstlern wie Eilif Peterssen, Eik Werenskiold oder Harriert Backer Techniken und Malstile auslotete und seine Arbeit an dem Gemälde „Abendrot“ ihm zum Durchbruch auf der Suche nach einem eigenen Stil verhalf. Seine Kunst erfährt in den Folgejahren durch internationale Ausstellungsbeteiligungen, darunter Helsinki, Rom, Wien, New York, London und Barcelona Anerkennung. 1935 verstirbt der Künstler im Alter von 66 Jahren nach langer Krankheit.

Ausstellungsimpression - Blick auf Harald Sohlbergs "Landstrasse II", 1916. Öl. aus Privatbesitz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungsimpression – Blick auf Harald Sohlbergs „Landstrasse II“, 1916. Öl. aus Privatbesitz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die oft menschenleeren Landschaften Sohlbergs stehen künstlerisch zwischen der traditionellen Landschaftsmalerei und der Moderne. In ihnen verbinden sich Elemente der Romantik, des Symbolismus und der Neuen Sachlichkeit. Die Gemälde zeigen Städteszenen, lichtdurchflutete Landschaften, Bauten und nur vereinzelt Menschen. Unter den grafischen Arbeiten befinden sich Studien für Gemälde aber auch Experimente mit welchen Sohlberg neue Techniken erprobte. Ferner machte sich der Landschaftsmaler das Medium der Fotografie zu nutzen, arbeitete unter freiem Himmel und suchte unentdeckte Orte und Szenerien in seiner Heimat. Das Besondere am Œuvre des Künstlers ist die Sichtbarkeit der innigen Beziehungen, die er zu den eingefangenen Motiven aufbaut, und in seinen Bildern atmosphärisch aufzuladen wusste. Sohlberg bannt Lichtstimmungen wie kaum ein anderer auf die Leinwand. Auch das Spirituelle und Themen wie Sehnsucht, Leben, Tod und Paradiesvorstellungen sind in Sohlbergs Landschaften verankert. Er ergründet verborgene Verbindungen zwischen der äußerlich wahrnehmbaren Welt und den inneren Befindlichkeit des Menschen. Sein Hauptwerk „Winternacht in den Bergen“ 1914 vereint Romantik, Jugendstil und Symbolismus. In einem Schneefeld kurz unterhalb des höchsten Gipfels Høgronden ist unauffällig eine Kreuzform dargestellt. Sie befindet sich auf der gleichen Höhe wie der helle Stern, der im Zentrum der Komposition leuchtet. In dieser Verbindung von christlichem Symbol und Stern wird der spirituell überzeitliche Anspruch des Werks offensichtlich. Das Bild wurde in den 1990er-Jahren zum beliebtesten Gemälde Norwegens gewählt. Wiederholt beschäftigen ihn die Gebirgslandschaft von Rondane oder die Minenstadt Røros. Die atmosphärische Beschaffenheit der skandinavischen Landschaft wird durch gezielte Interpretationen des Ortes festgehalten. Die Landschaften wirken monumental, oft sind Vordergründe detailgetreu ausgearbeitet während die Landschaft im Hintergrund in vereinzelten groben Flächen dargestellt wird.

„Ich habe alle meine Fähigkeiten mobilisiert, um diese schwierige Aufgabe zu lösen: Die Details, das Monumentale und die großen dekorativen Effekte, zu einer Gesamtheit zu kombinieren, wie ich es am persönlichsten sehe und fühle. Dies ist der zentrale Punkt in meiner Kunst.“ Harald Sohlberg.

Ausstellungsimpression . © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungsimpression . © Foto: Diether v. Goddenthow

„Mittsommernacht: Harald Sohlberg – Ein norwegischer Landschaftsmaler“ (12. Juli – 27. Oktober 2019) zeigt 56 Gemälde und zehn Zeichnungen Sohlbergs auf einer Ausstellungsfläche von rund 400 qm. In sechs Ausstellungskapiteln verfolgt die Retrospektive den Werdegang des Landschaftsmalers. Die ersten Räume widmen sich den künstlerischen Anfängen des Malers. Frühe Hauptwerke aus den Jahren 1896 bis 1905 sind Thema des zweiten Ausstellungsraums. Im dritten Raum stehen Zeichnungen und Experimente zwischen 1889 und 1898 auf Sohlbergs Suche nach einem eigenen Stil im Fokus. Der heutigen UNESCO Weltkulturerbestadt Røros ist mit Werken der 1902er- bis 1905er-Jahre ein eigener Raum gewidmet. Der folgende Ausstellungsbereich zeigt Landschaften aus Gullikstad, Kerringvik, Ranviken und Sagen(1906-1911). Die letzte Station der Ausstellung präsentiert das Rondane-Gebirge mit Arbeiten zwischen 1899-1915 sowie das Spätwerk des Künstlers bis 1932.

unendlichelandschaften2Zur Ausstellung ist der Katalog „Harald Sohlberg – Unendliche Landschaften“ im Hirmer Verlag (ISBN: 978-3-7774-3206-9, 25,– Euro) sowie das Kinderbuch „Der Maler und sein Hund. Eine Erzählung über Harald Sohlberg“ im Nasjonalmuseet (ISBN: 978-82-8154-133-7; 12,– Euro) erschienen.

Die Ausstellung ist in enger Kooperation mit dem Nasjonalmuseet Oslo und der Dulwich Picture Gallery, London entstanden. Gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain und die Sparebankstiftelsen DnB.

Im Rahmen der Buchmesse 2019 Ehrengastland Norwegen finden in Kooperation mit NORLA, Norwegian Literature Abroad die Konzerte „EXPLORING AND ADVENTURES – Norway and the Sea“ (22.09.2019, 11 Uhr, Vortragssaal Museum Wiesbaden) und „STORY TELLING IN TIMES OF CHANGE – Crossover Folk and Flute Ensemble“ (13.10.2019, 11 Uhr, Vortragssaal Museum Wiesbaden) statt. Darüber hinaus widmet die FilmBühne Caligari Wiesbaden der Schau eine Filmreihe mit Schwerpunkt Norwegen.

2 Konzerte im Rahmen der Harald Sohlberg Ausstellung im Museum Wiesbaden:

Datum: 22.09.2019, Museum Wiesbaden, Konzertsaal, Matinee, 11h
EXPLORING AND ADVENTURES – Norway and the Sea
Trio Sørlandet
Veronika Keber, Flöte
Aldo Hodja, Violoncello
Lars Fredrik Nystad, Klavier

Programm:
Philippe Gaubert, 3 Water Colours
Trygve Madsen, Divertimento for fløyte, cello og klaver, op. 152 (Uraufführung)
George Crumb, Vox Balanae – Gesang der Wale

Das Trio Sørlandet hat sich an der Universitetet i Agder in Kristiansand zusammengefunden. In dem Ensemble begegnen sich drei Musiker unterschiedlicher Nationalitäten: die deutsche Flötistin Veronika Keber, der albanische aus Tirana stammende Cellist Aldo Hodja und der norwegische Pianist Lars Fredrik Nystad.

Gemeinsam widmen sich die Mitglieder des Trios hauptsächlich der Kammermusikliteratur der Romantik und der Moderne. Im aktuellen Programm stellt das Ensemble unter anderem eine Uraufführung eines norwegischen Werks (Trio op. 152 des zeitgenössischen norwegischen Komponisten Trygve Madsen) sowie ein wegweisendes Werk für diese Besetzung vor: Vox Balaenae von George Crumb, das Prof. Cordula Hacke, die viele Jahre mit dem Komponisten zusammenarbeitete und die die Mitwirkung der UiA Ensembles bei der diesjährigen Ehrengastland Reihe initiierte, mit dem Trio einstudiert hat.

Alle drei Ensemblemitglieder haben Erfahrung in der Kammermusik und konzertieren in unterschiedlichen Besetzungen.
Die Flötistin Veronika Keber ist Mitglied im Wiesbadener Ensemble „I Giocosi“ und ist an verschiedenen Schulen und Projekten im Rhein-Main-Gebiet als Instrumentalpädagogin tätig.
Der junge Cellist Aldo Hodja ist Teilnehmer und erster Preisträger zahlreicher Wettbewerbe und in verschiedenen Orchestern und als Solist aktiv.
Vielfach ausgezeichnet und Teilnehmer zahlreicher internationaler Wettbewerbe ist auch der Pianist des Trios, Lars Fredrik Nystad, der 2012 sein Debut als Solist mit dem Philharmonischen Orchester Bergen gab. Sein Klaviertrio gewann 2014 den ersten Preis des Kammermusikwettbewerbs der Norwegischen Musikakademie.

Im Rahmen der Buchmesse 2019 Ehrengastland Norwegen
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Datum: 13.10.2019, Museum Wiesbaden, Konzertsaal, Matinee, 11h

STORYTELLING IN TIMES OF CHANGE – Crossover Folk and Flute Ensemble

Norwegian Flute Ensemble
Marin Stallemo Bakke, Hardingfele

Das Norwegische Flötenensemble wurde 2008 auf Anregung von Prof. Jørn Schau gegründet und ist das einzige Ensemble dieser Art in Norwegen. In Originalbesetzung vereint das Ensemble Flöten-studierende und -profis der Universität Agder, Kristiansand, Norwegen. Das norwegische Flötenensemble tritt regelmäßig bei Internationalen Festivals auf. Die Anzahl der Ausführenden variiert zwischen 6 und 24. Eines der Hauptziele des Ensembles besteht darin, norwegische Komponisten und Komponistinnen zu ermutigen, Werke für unterschiedliche Flöten zu schreiben (von Piccolo bis Kontrabaß Flöte) und so das Repertoire für Flötenensembles weiter auszubauen. Das Ensemble hat bereits 4 CDs aufgenommen. Einige der aufgenommenen Werke norwegischer Komponisten sind dem Ensemble gewidmet.

Im Rahmen der Buchmesse 2019 Ehrengastland Norwegen wird das Norwegian Flute Ensemble von Flötistinnen und Flötisten aus dem Rhein-Main-Gebiet ergänzt. Solistin ist Marin Stallemo Bakke, die das traditionelle norwegische Volksmusikinstrument Hardingfele spielt. Marin Stallemo Bakke wurde schon früh in das Young Musicians Program der Universität Agder aufgenommen und hat kürzlich ihr Studium an der norwegischen Musikakademie in Oslo als klassische Geigerin abgeschlossen. Neben ihrer Orchester- und Solotätigkeit spezialisiert sie sich auf Volksmusik und tritt als Hardingfele-Solistin mit mehreren professionellen Symphonieorchestern in Norwegen auf.

Daten Biografie Harald Sohlberg

Harald Sohlberg (1869 - 1935), Selbstporträt um 1896, Öl auf Leinwand. © Foto: Diether v. Goddenthow
Harald Sohlberg (1869 – 1935), Selbstporträt um 1896, Öl auf Leinwand. © Foto: Diether v. Goddenthow

1869
Harald Oskar Sohlberg wird am 29. November in Kristiania (Oslo) als achtes von zwölf Kindern geboren. Vater Johann Sohlberg ist Pelzhändler.

1885
Lehrling beim Dekorateur- und Malermeister Wilhelm Krogh und Schüler der Königlichen Kunst- und Handwerksschule in Kristiania.

1889
Schließt die Handwerksausbildung ab, verbleibt aber bis Ende 1890 in der Akt-Klasse der
Kunst- und Handwerksschule und konzentriert sich fortan auf seine Karriere als Künstler.

1890
Schüler des Malers Sven Jorgensen in Slagen (Provinz Vestfold).

1891
Verbringt den Winter und Frühling auf dem Hof Rotnes (Provinz Nittedal), wo er ohne Anleitung arbeitet. Sommeraufenthalt mit Thorvald Erichsen in Gausdal (Provinz Oppland). Im Herbst Arbeit unter Anleitung bei Eilif Peterssen und Erik Werenskiold, bevor er im Dezember nach Kopenhagen reist.

1892
Januar bis Mai Schüler bei Kristian Zahrtmann in Kopenhagen. Wehrpflicht in der Festung Oscarsborg (Drobak). Künstlerisches Debüt mit zwei Zeichnungen auf der Schwarz-Weiß-Ausstellung in der Galerie Tostrupgarden in Kristiania.

1893
Verbringt den Sommer mit seinen Eltern auf der Insel Nordre Langoy im Bunnefjorden (bei Kristiania), bis 1897 jeden Sommer. Eröffnet sein eigenes Atelier in Kristiania.

1894
Das Gemälde Abendrot wird von Eilif Peterssen auf der Staatlichen Kunstausstellung gekauft, der es an die Nationalgalerie weiterverkauft. Vier Monate lang Schüler in der Malereischule von Harriet Backer und Eilif Peterssen.

1895
Reist im Herbst mit 1500 Kronen, die er von der Stiftung A. C. Houens legat erhalten hat, nach Paris.

1896/97
Weitere finanzielle Mittel aus A. C. Houens legat. Reist im Dezember nach Weimar, wo er an der Kunstschule Weimar Schüler von dem norwegischen Portrait- und Genremaler Frithjof Smith wird.

1898
Der Kunstverein Trondheim kauft das Gemälde Studie aus einem Arbeiterviertel in Oslo, das 1901 auf der internationalen Kunstausstellung in München gezeigt wird (und das beim Rücktransport bei einer Explosion auf dem Dampfschiff »Kong Alf« zerstört wird).

1899
Zu Ostern im Rondane-Gebirge. Sommernacht wird auf der Herbstausstellung gezeigt und von der Nationalgalerie angekauft.

1900
Verlegt seinen Wohnsitz ins Rondane-Gebirge und wohnt dort an verschiedenen Orten, um an den Entwürfen zu Winternacht in den Bergen zu arbeiten.

1901
Harald Sohlberg und Lilli Hennum heiraten.

1902
Zieht nach Røros um. Der erste Sohn Harald wird geboren. Die Mutter Johanne und der Bruder Einar sterben.

1903
Sohn Einar wird geboren.

1904
Zieht von Røros aus 4 bis 5 Kilometer nach Norden auf den Hof Gullikstad.

1905
Zieht in die Tostrups Gate in Kristiania. Sohn Dag wird geboren. Sohlberg bekommt das Henrichsens Stipendium.

1906
Reist mithilfe des Stipendiums über Amsterdam – Haag – Haarlem – Antwerpen – Brüssel nach Paris. In Paris ist er in Gesellschaft mit Jens Thiis und dem Maler Ludvig Karsten. Den Sommer verbringt er in Slagen bei Asgardstrand am Kristianiafjord (Oslofjord).

1907
Von Januar bis Mai reist er über Hamburg und München nach Venedig. Ein Haus an der Küste wird bei der Biennale ausgestellt. Reist über Verona, Burano und Hamburg nach Norwegen zurück. Aufenthalt in Kjerringvik im Bezirk Vestfold.

1908
Reist nach Kopenhagen, um eine Ausstellung zur englischen Malerei zu besuchen.

1909
Der Kunstsammler Rasmus Meyer bestellt bei Sohlberg drei Gemälde. Der Vater Johan stirbt.

1910
Zieht nach Skovly in Nordberg/Vestre Aker vor den Toren von Kristiania.

1911
Erneut Aufenthalt im Rondane-Gebirge, wo er zeichnet und fotografiert. Stellt bei der norwegischen Ausstellung in Helsinki und bei der Esposizione Internazionale di Roma aus.

1912
Stellt beim Künstlerbund Hagen in Wien und bei der Wanderausstellung The Scandinavian Exhibition in den American Art Galleries in New York aus. Die Ausstellung wurde dann 1913 in der Albright Gallery in Buffalo, im Kunstmuseum von Toledo, im Art Institute of Chicago und schließlich im Boston Museum gezeigt. Verbringt den Sommer in Hoxtvedt in As südöstlich von Kristiania, bis einschließlich 1916 jeden Sommer. Die Tochter Kari wird geboren.

1913
Zieht in sein Arbeitszimmer in der neuen Frauenklinik in Kristiania, wo er an Winternacht in Rondane arbeitet. Zahlreiche grafische Arbeiten.

1914
Nimmt u.a. mit Winternacht in Rondane an der Jubiläumsausstellung (100-jähriges Verfassungsjubiläum in Norwegen) in Kristiania teil. Die Nationalgalerie spricht sich gegen einen Kauf des Werkes aus.

1915
Nimmt an der Weltausstellung in San Francisco teil und wird mit der Ehrenmedaille ausgezeichnet. Ist auf der norwegischen Ausstellung im Schloss Charlottenborg in Kopenhagen vertreten.

1916
Malt Motive aus der Gegend um As im Bezirk Akershus und arbeitet an der Farblithografie Winternacht in Rondane.

1917
Den Sommer verbringt die Familie in Hvalstad/Asker, während Sohlberg versucht, die Farblithografie Winternacht in Rondane fertigzustellen, die er dann aber erst im folgenden Jahr beendet.

1918
Winternacht in Rondane geht als Schenkung von Jorgen Breder Stang an die Nationalgalerie.

1919
Erkrankung an der Spanischen Grippe.

1920
Reist im Sommer nach Varvagen bei Helgeroa im Bezirk Vestfold, wo er bis einschließlich 1923 jeden Sommer verbringt. Wird wegen Gallensteinen operiert.

1921–1923
Verbringt die Sommer in Helgeroa und arbeitet an mehreren Bildern. Erkrankt an Nierensteinen.

1924
Verbringt den Sommer in Kristiania und fertigt Studien der Festung Akershus an.

1925
Verbringt den Sommer in Tingelstad, Gemeinde Hadeland, wo er das große Gemälde Historische Landschaft malt.

1928
Verbringt den Sommer in der Provinz Hedmark, wo er auch arbeitet. Nimmt an der Exhibition of Norwegian Art in London teil.

1929
Aufenthalt in Stockholm. Nimmt an der Weltausstellung in Barcelona teil und wird mit dem Diplom Ersten Ranges ausgezeichnet.

1930
Sommer in Narsnes bei Slemmestad, Gemeinde Royken, Buskerud. Hier verbringt er von da ab und bis 1932 jeden Sommer.

1932
Wird als Kandidat für ein staatliches norwegisches Künstlergehalt vorgeschlagen, doch der Antrag wird vom Parlament abgelehnt. Als Protest erteilt der Künstlerverband Sohlberg für ein Jahr ein Künstlergehalt.

1935
Drei Monate vor seinem Tod durch Rückenmarkkrebs wird ihm vom norwegischen Parlament das staatliche Künstlergehalt gewährt. Harald Sohlberg stirbt am 19. Juni. Seine Witwe Lilli sorgt in unermüdlicher Arbeit dafür, den künstlerischen Ruf von Sohlberg aufrechtzuerhalten.

1936
Große Gedenkausstellung im Kunstnernes Hus in Oslo. Andere größere Ausstellungen gab es 1971 im Kunstverein Oslo, 1985 im Trondheim Kunstforening, 1986 in der Galleri K in Oslo und 1991 im Henie Onstad Kunstsenter bei Oslo.