Kategorie-Archiv: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Große Landesausstellung: Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa vom 9.9.2020 bis 18. April 2021 im Landesmuseum Mainz

Die Ausstellung "Die Kaiser und die Säulen der Macht" geht unter anderem den Fragen nach, wie Karl der Große oder Friedrich Barbarossa auf den Kaiserthron kamen, welche Netzwerke und Lobbyisten es im Mittelalter gab und warum die Religion am Rhein über viele Jahrhunderte eine zentrale Bedeutung bei den großen Herrschafts-Dynastien, den Karolingern, Ottonen, Saliern und Staufern spielte? © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen der Macht“ geht unter anderem den Fragen nach, wie Karl der Große oder Friedrich Barbarossa auf den Kaiserthron kamen, welche Netzwerke und Lobbyisten es im Mittelalter gab und warum die Religion am Rhein über viele Jahrhunderte eine zentrale Bedeutung bei den großen Herrschafts-Dynastien, den Karolingern, Ottonen, Saliern und Staufern spielte? © Foto: Diether v. Goddenthow

Kulturhistorische Ausstellung der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) vom 9. September 2020 bis zum 18. April 2021 im Landesmuseum Mainz

Es ist eine Ausstellung der Superlative mit einzigartigen Exponaten, die es in dieser Zusammenstellung noch nie zu sehen gab und auf Jahrzehnte nicht mehr zu sehen geben wird – wie etwa die weltberühmte Heidelberger Liederhandschrift Codex Manesse, eine der kostbarsten Handschriften des Mittelalters, die noch wenige Tage vor der Eröffnung in einer speziell angefertigten Transportkiste unter Polizeischutz von Heidelberg nach Mainz geleitet werden musste.

Reichskrone aus dem 10. Jahrhundert. Bügel und Stirnkreuz wurden später ergänzt, das Kreuz wahrscheinlich unter Heinrich II. Hier eine Nachbildung von J. Weilland Goldschmiedekunst, Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Reichskrone aus dem 10. Jahrhundert. Bügel und Stirnkreuz wurden später ergänzt, das Kreuz wahrscheinlich unter Heinrich II. Hier eine Nachbildung von J. Weilland Goldschmiedekunst, Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow

In der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“ werden in den kommenden rund sieben Monaten auf rund 1.200 m² Ausstellungsfläche etwa 300 Exponate im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) gezeigt, darunter außergewöhnliche Leihgaben international renommierter Museen – unter anderem das Armreliquiar Karls des Großen aus dem Louvre, der Cappenberger Barbarossakopf aus der kath. Kirchengemeinde St. Johannes, das prachtvolle Adelheidkreuz aus der Abtei St. Paul in Österreich oder die Mainzer Goldene Bulle aus Wien, die nach über zwei Jahrhunderten an ihren Ursprungsort zurückkehrt.

Der Thron des Kaisers, Goslar,ca. 1060 - 1080, aus Bronze. Ist neben dem Aachener der einzig original erhaltene mittelalterliche Kaiserthron. Diesen hatte Kaiser Wilhelm I. zur Eröffnung des ersten deutschen Reichstags 1871 extra nach Berlin transportieren lassen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der Thron des Kaisers, Goslar,ca. 1060 – 1080, aus Bronze. Ist neben dem Aachener der einzig original erhaltene mittelalterliche Kaiserthron. Diesen hatte Kaiser Wilhelm I. zur Eröffnung des ersten deutschen Reichstags 1871 extra nach Berlin transportieren lassen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Und es ist eine Ausstellung, für die es wohl kaum einen besseren Ort geben könnte, wie die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer ausführte, die am Abend als Schirmherrin die große Landesausstellung im Mainzer Landesmuseum eröffnen wird: „Rheinland-Pfalz hat nicht nur ein außergewöhnlich reiches kulturelles Erbe mit einer hochspannenden Geschichte der kulturellen Vielfalt. Es ist gerade im Mittelalter über Jahrhunderte hinweg die zentrale Herrschaftsbasis der großen Dynastien gewesen, angefangen bei den Karolingern und Ottonen über die Salier bis zu den Staufern. Wir wollen diese Geschichte lebendig vermitteln und möglichst vielen näherbringen.“

„Mit der Kaiserausstellung profilieren wir Rheinland-Pfalz weiter als Land großer historischer Ausstellungen. Mainz folgt damit den Ausstellungen zu antiken Themen und Karl Marx, die wir in den vergangenen Jahren in Trier präsentierten. Wir ergänzen so unser großes kulturelles Erbe mit einer wissenschaftlichen und didaktischen Aufbereitung, wie zur Herrschaft der mittelalterlichen Kaiser in unserem Land“, so Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf anlässlich der Pressekonferenz am 8. September.

Ausstellungs-Impression "Die Kaiser und die Säulen der Macht" © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungs-Impression „Die Kaiser und die Säulen der Macht“ © Foto: Diether v. Goddenthow

Dabei widmet sich die Ausstellung nicht allein den berühmten Kaisern „Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“, sondern beleuchtet erstmals das dynamische Beziehungsgeflecht, in dem über einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten Kaiser, Kaiserinnen und Könige, Fürsten und Feldherren, Ritter und Reichsfürsten, Bürger und Städte miteinander verwoben waren. Sie wagt einen Blick hinter die Kulissen und vermittelt ein differenziertes Bild vom Kaisertum im Mittelalter. Dabei werden die Techniken der Macht hinter den Herrschenden sichtbar, aber auch die Brüchigkeit des Kaisertums erkennbar – das oft eher ein „Game of Thrones“ mit wechselnden Protagonisten war als glanzvolle Herrschaft.

Ausstellungs-Impression "Die Kaiser und die Säulen der Macht" © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungs-Impression „Die Kaiser und die Säulen der Macht“ © Foto: Diether v. Goddenthow

„Wir wissen, dass die vom Papst gesalbten Kaiser nicht unumstritten mit absoluter Macht über ihr Reich herrschten, vielmehr bewegten sie sich in einem spannungsvollen Machtgefüge mit Bischöfen, Fürsten, Rittern und Städten“, erklärt der wissenschaftliche Leiter der Ausstellung, Prof. Dr. Bernd Schneidmüller, der vor zwei Jahren die Aufgabe von Prof. Stefan Weinfurter übernommen hatte. Weinfurter, einer der renommiertesten Mittelalterexperten in Deutschland, war mitten in den Vorbereitungen der Ausstellung plötzlich verstorben.

Adelheidkreuz/Reichskreuz Rodolfs von Rheinfelden.© Foto: Diether v. Goddenthow
Adelheidkreuz/Reichskreuz Rodolfs von Rheinfelden.© Foto: Diether v. Goddenthow

Die Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“ ist ein Projekt der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle Geschichte und kulturelles Erbe an der Universität Heidelberg und der Bassermann-Stiftung an den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim.

„Unverzichtbare Grundlage für die Kaiser und Könige im Mittelalter war die Herrschaft über den Raum am Rhein“, ergänzt Schneidmüller. Während Dynastien wechselten und sich die Netzwerke ihrer Macht verschoben, war die Region zwischen Aachen und Basel, zwischen Metz und Frankfurt a.M. über Jahrhunderte hinweg die politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrallandschaft Europas. „Hier formte sich im Mittelalter eine Schwerpunktlandschaft fränkischer, deutscher und europäischer Geschichte. Hier befand sich ein wichtiges Zentrum der Kaiser und Fürsten, der Grafen und Herren, der städtischen Bürger und der jüdischen Gemeinschaften. Hier entfalteten sich bedeutende geistliche Herrschaften, geprägt von Erzbischöfen, Bischöfen oder Äbten. Und hier entstand eine Bühne der vielen Mitspieler mit prägender Wirkung auf die föderalen Strukturen in Deutschland“, so Schneidmüller.

Ausstellungs-Impression "Die Kaiser und die Säulen der Macht" © Foto: Diether v. Goddenthow
Ausstellungs-Impression „Die Kaiser und die Säulen der Macht“ © Foto: Diether v. Goddenthow

„Im Hintergrund der Kaiserherrlichkeit spielten die jüdischen Gemeinden eine herausragende Rolle. In Speyer, Worms und Mainz entstanden im Mittelalter die einflussreichen, europaweit vernetzten jüdischen SchUM-Gemeinden, die bis heute als ´Wiege des aschkenasischen Judentums´ gelten“, erklärt Dr. Stefanie Hahn vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, die gemeinsam mit Thomas Metz von der GDKE die Gesamtverantwortung für die Ausstellung trägt. Während der Ausstellungdauer könnte die Entscheidung fallen, ob die SchUM-Stätten zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt werden.

Armreliquiar Karls des Großen, Maasländisch - 1165-1173. Eichenholz, Silberblech, Bronze, Email. Paris Musée du Louvre In diesem Reliquienkasten befindet sich ein Armknochen Karls des Großen. Das Armeliquiar wurde im Zuge seiner Heiligsprechung  1165 für die Aachener Pfalzkrapell angefertigt. Für Friedrich I. Barbarossa galt Karl der Große als Verkörperung des kaiserlichen Ideals, an das er anknüpfen wollte. © Foto: Diether v. Goddenthow
Armreliquiar Karls des Großen, Maasländisch – 1165-1173. Eichenholz, Silberblech, Bronze, Email. Paris Musée du Louvre In diesem Reliquienkasten befindet sich ein Armknochen Karls des Großen. Das Armeliquiar wurde im Zuge seiner Heiligsprechung 1165 für die Aachener Pfalzkrapell angefertigt. Für Friedrich I. Barbarossa galt Karl der Große als Verkörperung des kaiserlichen Ideals, an das er anknüpfen wollte. © Foto: Diether v. Goddenthow

Fest steht, dass es gerade in Rheinland-Pfalz eine einzigartige Dichte und Qualität von atmosphärisch fesselnden, steinernen Zeugen historischer Ereignisse und Entwicklungen gibt. Dazu zählen sowohl die Dome und Pfalzen, die unzähligen Klöster und Burgen, aber auch die jüdischen Monumente in Speyer, Worms und Mainz.

Cappenberger Barbarossakopf, Selm, Kath. Kirchengemeinde St. Johannes. © Foto: Diether v. Goddenthow
Cappenberger Barbarossakopf, Selm, Kath. Kirchengemeinde St. Johannes. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Die große Landesausstellung bietet somit auch die Chance, bedeutende Objekte hier aus der Region, aber auch neu entdeckte und bislang unbekannte Funde sowie einzelne, zum Teil fast in Vergessenheit geratene Exponate mit einzubinden und damit erstmals in einen ganz besonderen und neuen Fokus zu rücken, wie etwa die sensationelle Bronzetür, die einst im Kloster Sankt Alban eingesetzt gewesen sein soll,“ so Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE.

„Mit der Kaiser-Ausstellung knüpfen wir an die Reihe der großen europäischen Mittelalterausstellungen an und ich bin sehr stolz darauf, dass wir über die gesamte Laufzeit hinweg so viele einzigartige Exponate zeigen können. Manche Objekte werden aus konservatorischen Gründen nur einige Wochen zu sehen sein, dafür werden andere spektakuläre Leihgaben nachrücken, sodass es sich lohnt, die Ausstellung mehrfach zu besuchen“, freut sich die Direktorin des Landesmuseums Mainz, Dr. Birgit Heide.

Entstehung des Rittertums im 11. Jahrhundert. Darstellung der Ritterideale. Die Idee des christlichen Rittertums verbindet hohe Adlige, freie Herren und unfreie Dienstmannen. Besonders Letztere werden als Spezialisten für Krieg, Verwaltung und Diplomatie zu wichtigen Stützen der Kaiser. Ihre hoch gelegenen Burgen dominieren die Landschaft und sind steinere Zeugnisse ihrer bedeutenden Stellung. © Foto: Diether v. Goddenthow
Entstehung des Rittertums im 11. Jahrhundert. Darstellung der Ritterideale. Die Idee des christlichen Rittertums verbindet hohe Adlige, freie Herren und unfreie Dienstmannen. Besonders Letztere werden als Spezialisten für Krieg, Verwaltung und Diplomatie zu wichtigen Stützen der Kaiser. Ihre hoch gelegenen Burgen dominieren die Landschaft und sind steinere Zeugnisse ihrer bedeutenden Stellung. © Foto: Diether v. Goddenthow

Bis heute sind die Spuren, die die großen Dynastien hinterlassen haben, an vielen Stellen im gesamten Bundesland Rheinland-Pfalz sichtbar. So ist die Landesausstellung der ideale Ausgangspunkt für eine Reise ins Mittelalter. Eingebettet in das „Kaiserjahr 2020“, das bis zum 31. Oktober 2021 verlängert wurde, bindet die GDKE das ganze Land und seine Nachbarregionen mit ein, denn kein anderes Bundesland hat so viele Originalschauplätze zu bieten wie Rheinland-Pfalz. Wer die Ausstellung besucht, kann anschließend zu den korrespondierenden Orten fahren und dort Geschichten und Geschichte in ganz eigenen Präsentationen hautnah miterleben.

Ergänzt wird die große Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ im Landesmuseum Mainz durch ein umfangreiches Rahmenprogramm, das einerseits an den authentischen Orten stattfindet, das aber auch Vorträge, Workshops, Führungen, begleitende Ausstellungen und weitere Aktivitäten anbietet.

Die Kurfürsten als "Säulen des Reichs". Sieben Kurfürsten, drei geistliche und vier weltliche, stehen an der Spitze des Reichs. Sie allein wählen den König und übernehmen eigenständig Verantwortung für das Reich. Vier Kurfürsten stammen aus dem Raum am Rhein: die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier sowie der Pfalzgraf bei Rhein. Aus dem Osten kommen der König von Böhmen, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg. Die Mainzer Bürgerschaft lässt Anfang des 14. Jahrhunderts neben dem heiligen Martin und dem König auch die sieben Kurfürsten als lebensgroße Figuren am Giebel des städtischen Kaufhauses anbringen. Als das Kaufhaus Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen wird, gelangen die hier ausgestellten Figuren in die Sammlungen der Stadt Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Die Kurfürsten als „Säulen des Reichs“. Sieben Kurfürsten, drei geistliche und vier weltliche, stehen an der Spitze des Reichs. Sie allein wählen den König und übernehmen eigenständig Verantwortung für das Reich. Vier Kurfürsten stammen aus dem Raum am Rhein: die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier sowie der Pfalzgraf bei Rhein. Aus dem Osten kommen der König von Böhmen, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg. Die Mainzer Bürgerschaft lässt Anfang des 14. Jahrhunderts neben dem heiligen Martin und dem König auch die sieben Kurfürsten als lebensgroße Figuren am Giebel des städtischen Kaufhauses anbringen. Als das Kaufhaus Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen wird, gelangen die hier ausgestellten Figuren in die Sammlungen der Stadt Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Bitte beachten Sie, dass aufgrund aktueller Ereignisse Veranstaltungen auch kurzfristig entfallen oder verschoben werden könnten. Infos dazu, Aktualisierungen und ggf. weitere Veranstaltungen auch zu den Korrespondenzorten finden Sie online unter www.landesmuseum-mainz.de und www.kaiser2020.de

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Archäologische Blicke ins mittelalterliche Mainz – Landesarchäologie präsentiert Fundstücke aus der historischen Blütezeit der Stadt

Die Präsentation „Aus dem Schatten der Antike – Moguntia Metropolis Germaniae“ ist bis 21. April 2021 im Rahmen der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ (ab 9. September im Landesmuseum Mainz) zu sehen.© Agentur Bonewitz
Die Präsentation „Aus dem Schatten der Antike – Moguntia Metropolis Germaniae“ ist bis 21. April 2021 im Rahmen der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ (ab 9. September im Landesmuseum Mainz) zu sehen.© Agentur Bonewitz

In vier Wochen startet im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) die große Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“. Bevor die Mittelalter-Schau ihre Pforten für Besucherinnen und Besucher öffnet, zeigt die Direktion Landesarchäologie im Vorfeld eindrückliche Fundstücke, die allesamt in Mainz entdeckt wurden und aus der dazu passenden Epoche stammen. Die Präsentation trägt den Titel „Aus dem Schatten der Antike – Moguntia Metropolis Germaniae“ und ist ab sofort im Isis- und Mater Magna-Heiligtum in der Römerpassage zu begutachten. Die kleine Fundschau lenkt den Blick anhand von kleinen Objekten des Alltags bis hin zu einzelnen besonderen Fundstücken auf die historische Blütezeit von Mainz. „Ich freue mich sehr, dass wir nun auch einige Funde präsentieren können, die wir bei unseren vielen Grabungen in den vergangenen Jahren entdeckt haben“, so Dr. Marion Witteyer, Leiterin der Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Mainz. „Wir haben viele neue Erkenntnisse gewonnen, die uns mehr über die innerstädtische Struktur vor allem im Spätmittelalter verraten“.

In der Präsentation sind erstmals sogenannte Phasenpläne zu sehen, die die neuen Grabungsergebnisse der vergangenen Jahre beinhalten. Diese Pläne stellen die flächige Siedlungsentwicklung innerhalb der römischen Stadtmauer dar. Die auf einem Bildschirm gezeigten Pläne werden ergänzt durch Grabungsbilder, historische Gemälde und Fotos. Zu den erstmals in der Öffentlichkeit gezeigten Funden gehört auch der Grabstein eines im 11. Jh. verstorbenen Mitglieds der Jüdischen Gemeinde Mainz, dessen gemauerte Grabstätte eine bislang nicht bekannte Form jüdischen Bestattungsbrauchtums zu erkennen gibt. Der Großteil der Funde stammt aus dem Gebiet der heutigen Altstadt, allerdings sind auch zwei Neufunde päpstlicher Bullen aus kürzlich abgeschlossenen Grabungen in der Neustadt vertreten – zumal es in Mainz insgesamt nur wenige Exemplare gibt.

Der Präsentationsort des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in der Römerpassage ist ein authentischer mittelalterlicher Ort, der zudem die Weiternutzung römischer Siedlungsruinen bis in die karolingische Zeit belegt.

Die Präsentation „Aus dem Schatten der Antike – Moguntia Metropolis Germaniae“ ist bis 21. April 2021 im Rahmen der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ (ab 9. September im Landesmuseum Mainz) zu sehen.

Sarkophag und Epitaph im Landesmuseum Mainz eingetroffen – Wertvolle Objekte aus Lorsch werden in Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ gezeigt

Der Pilastersarkophag. © Staatliche Schlösser und Gärten Hessen
Der Pilastersarkophag. © Staatliche Schlösser und Gärten Hessen

Sie stammen aus dem 9. Jahrhundert, sind herausragende Zeugnisse der karolingischen Epoche und haben heute erstmals die historischen Mauern des Klosters Lorsch in Hessen verlassen: ein Pilastersarkophag, in dem 876 der ostfränkische König Ludwig der Deutsche, Enkel Karls des Großen, beigesetzt worden sein soll, sowie das Epitaph eines Klosterlehrers mit einer poetischen lateinischen Inschrift.

Beide Objekte sind heute Morgen aus dem Schaudepot Zehntscheune im Kloster Lorsch in Richtung Mainz abtransportiert worden. Dort bereichern sie die große Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“, die ab 9. September 2020 im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) startet. „Der Sarkophag und das Epitaph passen hervorragend in das Konzept unserer Mittelalter-Schau. Wir sind den Kolleginnen und Kollegen von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen daher sehr dankbar, dass wir diese Leihgaben in unserer Landesausstellung zeigen dürfen“, freut sich Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE. „Wir kooperieren immer sehr gerne mit unseren rheinland-pfälzischen KollegInnen von der Generaldirektion Kulturelles Erbe“, bestätigt Kirsten Worms, Direktorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (SG). „Unser gemeinsamer Kulturraum macht an den heutigen Ländergrenzen nicht halt. Daher freue mich sehr, dass wir mit unseren Leihgaben das große Ausstellungsprojekt im Mainzer Landesmuseum unterstützen können“, so Worms weiter.

Der Sarkophag ist im Landesmuseum Mainz eingetroffen. © Agentur Bonewitz
Der Sarkophag ist im Landesmuseum Mainz eingetroffen.
© Agentur Bonewitz

Der Sarkophag aus hellem Sandstein wurde um 1800 zusammen mit anderen Sarkophagen auf dem Lorscher Klostergelände gefunden. Der kurmainzische Oberforstmeister Carl Freiherr von Hausen – Lorsch stand damals unter Kurmainzer Herrschaft – hatte dort nach Schätzen graben lassen. Alle anderen Sarkophage, die dabei entdeckt wurden, sind bis heute verschollen. Im abgebrochenen Ostchor der Basilika stieß man vermutlich auf eine verschüttete Gruft, die zuletzt der Mainzer Domvikar Georg Helwich Anfang des 17. Jahrhunderts in noch intaktem Zustand besichtigt und beschrieben hatte. Laut eigenen Angaben hat Helwich dort die Gräber der Könige gesehen, allerdings konnte er nicht feststellen, welcher König in welchem Sarkophag bestattet war – allen Särgen fehlte eine Inschrift. Nach zeitgenössischen Berichten lagen im Sarkophag, der bei der Bergung zerbrach, die Reste eines männlichen Toten, der in ein kostbares Gewand gehüllt war und Stiefel und Sporen trug. Diese Beigaben sind verschollen. Der Sarkophag wurde fortan in der karolingischen Torhalle aufbewahrt, wo Historikern später auffiel, dass sein Dekor Parallelen zur Bauzier der Torhalle aufwies. Dies nährte die Vermutung, dass es sich bei dem Sarkophag um die letzte Ruhestätte der prominentesten Persönlichkeit handeln könnte, die je im Kloster beigesetzt wurde: den ostfränkischen König Ludwig den Deutschen, der am 28. August 876 in Frankfurt gestorben war und schon einen Tag später in Lorsch begraben wurde.

Das Epitaph eines Lorscher Klosterlehrers © Staatliche Schlösser und Gärten Hessen
Das Epitaph eines Lorscher Klosterlehrers © Staatliche Schlösser und Gärten Hessen

Bei dem Epitaph handelt es sich um eine steinerne Tafel mit sorgfältig eingemeißelter Grabinschrift, es ist das einzige aus der Karolingerzeit bekannte inschriftliche Denkmal für einen Klosterlehrer. Der textliche Bezug auf den spätantiken Schulautor Prudentius verdeutlicht die Stellung des Klosters Lorsch als karolingisches Bildungszentrum. Die Capitalis-Buchstaben der Inschrift sind Ausdruck des karolingischen Klassizismus. Das Epitaph ist ein Beispiel für die unter Karl dem Großen angestrebte vereinheitlichte Schrift. Dr. Hermann Schefers, Leiter der Welterbestätte, vermutet: „Vielleicht war es ein Schüler, der seinem Klosterlehrer nicht nur ein Denkmal seines unermüdlichen pädagogischen Eifers setzte, sondern auch zeigen wollte, was er bei ihm in Latein gelernt hatte: Der Text ist im anspruchsvollen Versmaß eines leoninischen Hexameters formuliert. Und wir erfahren außerdem, dass Unterrichten auch vor über tausend Jahren kein leichtes Geschäft war.“

Für Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseums Mainz, ergänzen die beiden Objekte ideal die ohnehin mit einzigartigen Exponaten bestückte Ausstellung: „Diese steinernen Zeugen unterstreichen die zentrale Bedeutung der Karolinger als eine der prägendsten Herrscherdynastien des Mittelalters – der Sarkophag steht dabei stellvertretend für die enorme Bedeutung des Klosters Lorsch, während das Epitaph einen wunderbaren und amüsanten Einblick in das Leben einer Klosterschule gewährt und damit auch ein Beispiel karolingerzeitlicher Bildungspolitik ist.“

Die Leihgaben sind ab 9. September in der Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ zu sehen. Die Landesausstellung – unter der Schirmherrschaft der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer – beleuchtet erstmals das dynamische Beziehungsgeflecht, in dem über einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten Kaiser und Könige, Fürsten und Feldherren, Ritter und Reichsfürsten, Bürger und Städte miteinander verwoben waren. Sie wagt einen Blick hinter die Kulissen und vermittelt ein differenziertes Bild vom Kaisertum im Mittelalter.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49-51
55116 Mainz

Mittelalter erleben und mitmachen – Abwechslungsreiches Aktiv-Ferien-Programm für Familien im Innenhof des Landesmuseums Mainz

© GDKE Rheinland-Pfalz – Landesmuseum Mainz (Foto: Ursula Rudischer)
© GDKE Rheinland-Pfalz – Landesmuseum Mainz (Foto: Ursula Rudischer)

Abwechslungsreiches Aktiv-Ferien-Programm für Familien im Innenhof des Landesmuseums Mainz

Die Kunst des Jonglierens üben, von einem Bogenmeister lernen oder das Mittelalter-Diplom erwerben – begleitend zur aktuellen Mitmach-Ausstellung „Ritter, Bauer, Edeldame. Erlebe das Mittelalter mit Händen und Füßen“ im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) können Familien mit Kindern an ausgewählten Wochenende im Juli und August im schönen Innenhof des Landesmuseums Mainz an den Mittelalter-Erlebnistagen teilnehmen und eine Mitmach-Aktion ausprobieren. Das abwechslungsreiche Angebot findet jeweils samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr statt. Auf alle Teilnehmer wartet zudem eine kleine Überraschung.

Das Wochenende am 1. und 2. August steht ganz im Zeichen der mittelalterlichen Künste. Eine Schreibwerkstatt, Handschriftenkunde und mittelalterliche Instrumente, wie etwa der Dudelsack oder das Krummhorn, stehen auf dem Programm. Auch Tanzrunden und Gesang sowie mittelalterliche Benimmregeln laden zum Mitmachen ein.

Am 8. und 9. August statten ein Kinderschmied und eine Ledermeisterin dem Innenhof des Landesmuseums Mainz einen Besuch ab. Zum Abschluss der Mittelalter-Erlebnistage am 15. und 16. August dreht sich noch einmal alles rund um Küche, Gewürze und Kräuterkunde.

Zwischendurch gibt es ausreichend Gelegenheit, die interaktive Sonderausstellung im Landesmuseum Mainz „Ritter, Bauer, Edeldame. Erlebe das Mittelalter mit Händen und Füßen“ zu besuchen.

Aufgeteilt in sieben Themenbereiche (die Edeldame, die Händlerin, der Ritter, der Mönch, der Spielmann, der Bauer und der Handwerker) bietet die Mitmach-Ausstellung einen ganz besonderen Spaß für mehrere Generationen (für Kinder ab 6 Jahren) mit spielerischen Aufgaben, die alleine oder in Kleingruppen gemeistert werden können.

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Große Bleiche 49-51
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Neue Erkenntnisse zu mittelalterlichen Burgen – Vortrag zur pfälzischen Burgenlandschaft im Landesmuseum Mainz

Burg Trifels bei Annweiler, die im Mittelalter fast zwei Jahrhunderte lang den Status einer Reichsburg hatte. GDKE Foto: Trifels-
Burg Trifels bei Annweiler, die im Mittelalter fast zwei Jahrhunderte lang den Status einer Reichsburg hatte. GDKE Foto: Trifels-

Vortrag „Die pfälzische Burgenlandschaft – Vorläufer und Herrschaftssitze rund um die Burg Trifels“ im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE)

Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel, ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention, die wohl bekannteste Burg der Pfalz und sie beherbergt Nachbildungen der berühmten Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reiches: Die Burg Trifels bei Annweiler, die im Mittelalter fast zwei Jahrhunderte lang den Status einer Reichsburg hatte.

Gerade die südliche Pfalz gilt als eines der Kerngebiete der salischen und staufischen Herrschaft. Spätestens seit dem 11. Jahrhundert nutzten die Salier und Staufer Burgen, um ihre Herrschaft zu festigen. In einem gemeinsamen Vortrag, am 11. August um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz, beleuchten die Archäologin Bettina Hünerfauth M.A. und die Direktorin Burgen Schlösser Altertümer der GDKE, Dr. Angela Kaiser-Lahme, das abwechslungsreiche Thema „Die pfälzische Burgenlandschaft – Vorläufer und Herrschaftssitze rund um die Burg Trifels“. Zugleich wird damit die Vortragsreihe im Rahmen der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“ wieder aufgenommen, die durch die Folgen der Corona-Pandemie unterbrochen werden musste.

In den letzten fünf Jahren wurden viele der in rheinland-pfälzischem Besitz befindlichen Burgruinen in der Südpfalz saniert und sowohl von der Bauforschung als auch archäologisch untersucht, dies führte zu einer Vielzahl von neuen Erkenntnissen zum Burgenbau und der Erschließung dieser Region, die nunmehr vorgestellt werden können.

Die Höhenrücken im Pfälzer Wald wurden übrigens nicht erst mit den mittelalterlichen Burganlagen besiedelt. Häufig lassen sich Vorgängerbesiedlungen und -anlagen ausmachen, die weit zurückreichen – zum Teil sogar in die Steinzeit / Neolithikum. Exemplarisch werden an diesem Vortragsabend auch einige Siedlungsstellen präsentiert.

Der Besuch des Vortrags ist nur nach vorheriger Anmeldung über anmeldung@gdke.rlp.de möglich. Es gelten die gültigen Hygienevorschriften. Der Vortrag findet im Plenarsaal im Landesmuseum statt. Der Eintritt ist frei.

Da die Teilnehmerzahl im Plenarsaal auf 75 begrenzt ist, werden die Anmeldungen in der Reihenfolge ihres Eingangs berücksichtigt. Daher bittet das Landesmuseum um eine frühzeitige und verbindliche Anmeldung.

Landesmuseum Mainz,
Große Bleiche 49-51
Mainz
www.landesmuseum-mainz.de

Führung zu verschwundenen Kirchen und Klöster in Mainz

Viele Kirchen und Klöster prägten das Erscheinungsbild von Mainz seit dem frühen Mittelalter, sind heute aber zum Teil aus dem Stadtbild verschwunden, wie etwa das Jakobsbergkloster auf dem Gelände der Zitadelle, in dem ein für die Stadt folgenreicher Mord geschah. Zu einer ungewöhnlichen Stadtführung um „verschwundene Kirchen und Klöster“ in Mainz lädt daher die Landesarchäologie Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) am 1. August um 15 Uhr herzlich ein, die sie gemeinsam mit dem Gästeführerverband Mainz e.V. durchführt. Treffpunkt ist am Schillerplatz (Fastnachtsbrunnen), eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme kostet 10 Euro pro Person, Dauer zwei Stunden. Weitere Termine sind für den 5. September und 3. Oktober geplant.

Die Führung findet während des „Kaiserjahres 2020“ als Teil des Rahmenprogramms auf dem Weg zur großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ statt, die im September im Landesmuseum Mainz eröffnet wird.

„Wir wollen in diesem und im kommenden Jahr noch eine ganze Reihe von Geschichtsspaziergängen anbieten“, erklärt Dr. Marion Witteyer, Leiterin der Landesarchäologie Mainz, „um einerseits das Bewusstsein für die Bedeutung der Stadt Mainz im Mittelalter zu stärken, aber auch um hier vor Ort auf eine Art Spurensuche zu gehen“. Die mit zahlreichen Türmen und Toren versehene Stadtmauer verlieh Mainz einen imposanten wie wehrhaften Charakter. Vor allem die rheinseitige Mauer prägte das Stadtbild für alle auf dem Fluss Reisenden.

Die Stadtführungen werden von studierten Historikern und Architekten des Mainzer Gästeführerverbandes durchgeführt. „Wir freuen uns sehr über die Kooperation“, ergänzt die Vorsitzende Dr. Judith König „und werden die Führungen mit Kartenmaterial und Bildern, aber auch mit interessanten Hintergrundgeschichten und Anekdoten anreichern“.

Auf Wunsch sind auch individuelle Führungen für pauschal 100 Euro möglich. Ab 10 Personen werden für jede*n weitere*n Teilnehmer*in 5 Euro zusätzlich berechnet. Buchungen können per E-Mail über kontakt@mainz-stadtfuehrungen.de oder telefonisch unter 0162 4025823 vereinbart werden.

Beim Jupiter! – vergnügliche Führung mit Römerin Aurelia im Landesmuseum Mainz

Dr. Judith König als Römerin Aurelia neben der Kleinen Jupitersäule.bringt Steine zum Sprechen Foto: GDKE RLP LMM, Kristina Péró
Dr. Judith König als Römerin Aurelia neben der Kleinen Jupitersäule.bringt Steine zum Sprechen
Foto: GDKE RLP LMM, Kristina Péró

Die Steinhalle des Landesmuseums Mainz beherbergt eine ganze Fülle von wunderbaren Steinzeugnissen zur Geschichte und Kultur des römischen Mainz und Rheinhessens. Grund genug, die steinernen Zeugen zum Sprechen zu bringen. Dr. Judith König, Vorsitzende des Gästeführerverbands Mainz, hat dafür eine unterhaltsame Kostüm-Führung für Sonntag, 19. Juli um 11 Uhr, und für den 21. Juli um 18 Uhr, entwickelt. Weitere Termine siehe unten.

Eine vergnügliche Stunde lang plaudert sie als Römerin Aurelia, zugleich Frau des Römischen Statthalters in Mogontiacum, wie Mainz in der Römerzeit hieß, über all das, was ihr beim Betrachten der Grabsteine in der Steinhalle des Landesmuseums gerade so einfällt: Seeungeheuer, Haussklaven, gedämpfte Flamingos oder Furunkel. Scheinbar nebenbei beschreibt und erklärt sie viele interessante Details auf den Steinen, die dem beiläufigen Betrachter sonst sicherlich verborgen geblieben wären. Mühelos lässt sie so die bedeutsame Steinsammlung lebendig werden und nimmt die Besucher mit in das Leben von Mogontiacum, das eine der bedeutendsten Garnisonen im Nordwesten des Römischen Reichs war sowie die Hauptstadt der römischen Provinz Obergermanien (Germania superior), die sich vom Neuwieder Becken im Norden bis zum Genfer See im Süden und bis Burgund im Südwesten erstreckte.

Aufgrund der aktuellen Corona-Auflagen können derzeit nur Führungen in Kleingruppen mit neun Personen angeboten werden. Daher bittet das Landesmuseum um eine frühzeitige und verbindliche Anmeldung unter anmeldung.muspaed@gdke.rlp.de oder telefonisch unter 06131 – 28 57 143. Es gelten die gültigen Hygienevorschriften.

Für die Führungen wird zum Museumseintritt ein Aufschlag von 2 Euro berechnet.

Weitere Kostüm-Führungstermine an den Sonntagen jeweils um 11 Uhr (26.7., 2.8., 9.8., 16.8., 23.8., 30.8., 6.9., 4.10., 1.11 und 6.12.) sowie Dienstag um 18 Uhr (4.8., 18.8. und 1.9.).

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49-51
55116 Mainz

Mittelalter erleben und mitmachen – ab 18. Juli abwechslungsreiches Aktiv-Ferien-Programm für Familien im Innenhof des Landesmuseums Mainz

Impression der parallelen Mitmach-Ausstellung „Ritter, Bauer, Edeldame. Erlebe das Mittelalter mit Händen und Füßen“  vom 5. Juni 2020 bis 18. April 2021 im Landesmuseum Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression der parallelen Mitmach-Ausstellung „Ritter, Bauer, Edeldame. Erlebe das Mittelalter mit Händen und Füßen“ vom 5. Juni 2020 bis 18. April 2021 im Landesmuseum Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Kunst des Jonglierens üben, von einem Bogenmeister lernen oder das Mittelalter-Diplom erwerben – begleitend zur aktuellen Mitmach-Ausstellung „Ritter, Bauer, Edeldame. Erlebe das Mittelalter mit Händen und Füßen“ im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) können Familien mit Kindern an fünf Wochenende im Juli und August im schönen Innenhof des Landesmuseums Mainz an den Mittelalter-Erlebnistagen teilnehmen und eine Mitmach-Aktion ausprobieren. Das abwechslungsreiche Angebot findet jeweils samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr statt. Auf alle Teilnehmer wartet zudem eine kleine Überraschung.

Los geht’s am 18. und 19. Juli unter dem Titel „Die Gaukler und die Gauklerschule“ hier dürfen Kinder und AnfängerInnen mit hilfreicher Unterstützung mit Bällen, Pois und Diabolos jonglieren. Am 25. und 26. Juli verwandelt sich der Innenhof in eine Bogenschießbahn und die berühmte Märchenerzählerin „Fabulix“ wird wunderschöne, alte Märchen für Groß und Klein vorlesen.

Impression der parallelen Mitmach-Ausstellung „Ritter, Bauer, Edeldame. Erlebe das Mittelalter mit Händen und Füßen“  vom 5. Juni 2020 bis 18. April 2021 im Landesmuseum Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression der parallelen Mitmach-Ausstellung „Ritter, Bauer, Edeldame. Erlebe das Mittelalter mit Händen und Füßen“ vom 5. Juni 2020 bis 18. April 2021 im Landesmuseum Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Das Wochenende am 1. und 2. August steht ganz im Zeichen der mittelalterlichen Künste. Eine Schreibwerkstatt, Handschriftenkunde und mittelalterliche Instrumente, wie etwa der Dudelsack oder das Krummhorn, stehen auf dem Programm. Auch Tanzrunden und Gesang sowie mittelalterliche Benimmregeln laden zum Mitmachen ein.

Am 8. und 9. August statten ein Kinderschmied und eine Ledermeisterin dem Innenhof des Landesmuseums Mainz einen Besuch ab. Zum Abschluss der Mittelalter-Erlebnistage am 15. und 16. August dreht sich noch einmal alles rund um Küche, Gewürze und Kräuterkunde.

Zwischendurch gibt es ausreichend Gelegenheit, die interaktive Sonderausstellung im Landesmuseum Mainz „Ritter, Bauer, Edeldame. Erlebe das Mittelalter mit Händen und Füßen“ zu besuchen.

Touchscreen zur Simulation, ein Schwert zu schmieden, an einem der zahlreichen  multimedialen Bedienstationen der Mitmach-Ausstellung „Ritter, Bauer, Edeldame. Erlebe das Mittelalter mit Händen und Füßen“  vom 5. Juni 2020 bis 18. April 2021 im Landesmuseum Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Touchscreen zur Simulation, ein Schwert zu schmieden, an einem der zahlreichen multimedialen Bedienstationen der Mitmach-Ausstellung „Ritter, Bauer, Edeldame. Erlebe das Mittelalter mit Händen und Füßen“ vom 5. Juni 2020 bis 18. April 2021 im Landesmuseum Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Aufgeteilt in sieben Themenbereiche (die Edeldame, die Händlerin, der Ritter, der Mönch, der Spielmann, der Bauer und der Handwerker) bietet die Mitmach-Ausstellung einen ganz besonderen Spaß für mehrere Generationen (für Kinder ab 6 Jahren) mit spielerischen Aufgaben, die alleine oder in Kleingruppen gemeistert werden können.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49-51
55116 Mainz

Ferienworkshop „Mittelalter Handwerkskunst“ im Landesmuseum Mainz

Mittelalterliche Handwerkskunst erleben. Holzbearbeitung © ATZ
Mittelalterliche Handwerkskunst erleben. Holzbearbeitung © ATZ

In den Sommerferien bietet das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) in der ersten Ferienwoche gleich zwei Programmpunkte für Kinder an. Im Workshop „Mittelalterliche Handwerkskunst“ bekommen die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer interessante Einblicke in das Alltagseben der Menschen im Mittelalter und erweitern dabei ihre praktischen Fertigkeiten. So erlernen sie den sicheren Umgang mit Holz und Metall, werden aber auch alle Besonderheiten der mittelalterlichen Küche erfahren. Am Freitagnachmittag sind Eltern und Geschwister eingeladen, diese Fortschritte gemeinsam mitzuerleben. Selbstverständlich bleibt genügend Zeit fürs Entdecken der Mitmach-Ausstellung „Ritter, Bauer, Edeldame“ übrig! Das Programm richtet sich an Kinder zwischen 10 und 14 Jahren. Die mehrtägigen Kurse sind nur als Paket buchbar. Weitere Informationen und Anmeldung unter anmeldung.muspaed@gdke.rlp.de und 06131/2857-143 (an Werktagen, zwischen 9 und 13 Uhr).

Gemeinsam mit den anderen Mainzer Museen veranstaltet das Landesmuseum Mainz außerdem eine Woche unter dem Motto „Jeden Tag ein neues Museum“. So können Kinder zwischen sechs und zehn Jahren neue Maltechniken ausprobieren, Wasser- und Tierwelten erkunden oder mittelalterliche Objekte entdecken. Die Workshops finden täglich wechselnd jeweils von 9 bis 13 Uhr in einem anderen Museum statt. Kinder mit Ferienkarte erhalten außerdem während der gesamten Ferien freien Eintritt im Landesmuseum Mainz.

Landesmuseum Mainz,
Große Bleiche 49-51.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Prachtband über Kirchenfürst, Erzkanzler und Bauherr Willigis im Mainzer Landesmuseum präsentiert

(v.li.) Buchautor Matthias Dietz-Lenssen, Verleger Michael Bonewitz, Museumsdirektorin Dr. Birgit Heide, Chefin v. Dienst im Bonewitz-Verlag Karolina Wojnicka und Herausgeber und Mäzen Stefan Schmitz präsentieren den wunderbaren ersten Band einer neuen Reihe „Willigis. Kirchenfürst – Erzkanzler – Bauherr im Atrium des Mainzer Landesmuseum. © Foto: Diether v. Goddenthow
(v.li.) Buchautor Matthias Dietz-Lenssen, Verleger Michael Bonewitz, Museumsdirektorin Dr. Birgit Heide, Chefin v. Dienst im Bonewitz-Verlag Karolina Wojnicka und Herausgeber und Mäzen Stefan Schmitz präsentieren den wunderbaren ersten Band einer neuen Reihe „Willigis. Kirchenfürst – Erzkanzler – Bauherr im Atrium des Mainzer Landesmuseum. © Foto: Diether v. Goddenthow

 

Als vor gut einem Jahr der renommierte Mainzer Autor und Publizist Dr. phil. Matthias Dietz-Lenssen in seinem Bekanntenkreis fragte, „was weißt oder verbindest du eigentlich mit Willigis?“, wurden immer nur zwei Dinge genannt, nämlich der Dom und das Mainzer Rad. Also viel zu wenig für eine Persönlichkeit wie Erzbischof Willigis, einer, der wie kaum ein anderer die Entwicklung der Stadt Mainz in ihrer 2000-jährigen Geschichte so stark geprägt hat. Erzbischof Willigis war Stellvertreter des Papstes, Erzkanzler und mächtigster Kirchenfürst nördlich der Alpen. Er war Berater von Kaisern und Kaiserinnen sowie Baumeister des Mainzer Doms und der Kirche St. Stephan.

Dr.-Matthias-Dietz-Lenssen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr.-Matthias-Dietz-Lenssen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Es gäbe aber kaum Literatur, die das Leben eines der größten Mainzer zusammenhängend und angemessen abbildeten. Dies gab den Anstoß, „über einen Mann zu schreiben, der über 1000 Jahre tot ist“, so der Autor heute im Mainzer Landesmuseums bei der Präsentation des druckfrischen Prachtbands „Willigis Kirchenfürst – Erzkanzler – Bauherr“, erschienen im Mainzer Verlag Bonewitz.
Mit diesem ersten großformatigen Band über Erzbischof Willigis würdigt der Verlag Bonewitz, mit Mäzen Stefan Schmitz als Herausgeber, den Idealtyp eines Reichsbischofs. Auf 200 Seiten mit rund 100 Bildern und Illustrationen erzählt der Autor anhand 100ter Quellen das Leben und Wirken von Willigis neu und spannend. In den 36 Jahren seiner Amtszeit beeinflusste Willigis nicht nur die Entwicklung von Mainz und der Region grundlegend, sondern auch die Entwicklung der gesamten Kirchenprovinz und des Heiligen Römischen Reiches. „Willigis gelang es, Mainz zur zweitmächtigsten Metropole der Christenheit nach Rom zu formen“, so Dietz-Lenssen, „je mehr ich mich bei meinen Recherchen zu diesem Buch mit seiner Person und seiner Geschichte beschäftigt habe, umso beeindruckter war ich – vor allem, wenn man seine Wirkung bedenkt, die nun schon über 1000 Jahre anhält.“

„Ich freue mich sehr über dieses wunderbare Buch“, so der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, von dem das Geleitwort stammt. Das Buch schlage zugleich eine Brücke in die Welt des Mittelalters „und macht Willigis, sein Umfeld und seine Zeit für eine breite Leserschaft zugänglich.“

Herausgeber Stefan-Schmitz.© Foto: Diether v. Goddenthow
Herausgeber Stefan-Schmitz.© Foto: Diether v. Goddenthow

Herausgeber und Mäzen Stefan Schmitz: „Wir wollten für ein breites Publikum ein Buch schaffen, was gekauft und gern gelesen wird. Kein wissenschaftliches Werk für Bibliotheken, sondern ein Buch, das Freude macht und die Leute animiert, sich mit Willigis auseinanderzusetzen. Das ist uns jetzt gelungen“, lobt Herausgeber Schmitz den Autor und das ganze Verlags-Team für diese herausragende Publikation. Als Lektor konnte der Historiker und ehemalige Kulturdezernent der Stadt Mainz, Peter Krawietz, gewonnen werden.

Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseum Main.© Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseum Main.© Foto: Diether v. Goddenthow

Museums-Direktorin Dr. Birgit Heide ist sehr davon angetan, dass das Werk zur großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen der Macht“ (vom 9. September 2020 bis 18. April 2021) erschienen ist, da „in unserer Ausstellung dieser Person auch noch mal ein ganz eigener Beitrag gegeben wird, und damit die Bedeutung dieser Persönlichkeit gewürdigt wird.“ Denn es gebe kaum eine Person, die mehr Funktionen in sich vereinte: „Er war sowohl Vertreter des Kaisers hier im Reich gewesen, er war zeitweise sogar der Regent des Reiches gewesen, und er war gleichzeitig der Stellvertreter des Papstes.“ Es gab im Mittelalter keine Persönlichkeit, die jemals diese Macht in einer Person vereinigen konnte- Deswegen „freue ich mich besonders, dass dieses Buch zu dieser Person heute hier vorgestellt wird. Weil sie eben auch eine ganz zentrale Person unserer Landesausstellung wird“.
Aber anders als bei „normalen“ Ausstellungen „üblich“, würden nicht nur die einzelnen Kaiser und Kaiserinnen an sich präsentiert. Dargestellt würden auch die Netzwerke und wechselnden Netzwerke dieser Kaiser, so die Museumsdirektorin. Denn kein Kaiser konnte von sich aus alleine herrschen. Gerade im 10. /11. Jahrhundert spielten die Bischöfe / Erzbischöfe eine ganz zentrale Rolle, wobei Willigis derjenige sei, „der diese Rolle im Grunde genommen markiert hat“, so Dr. Heide.
Entsprechend seiner Bedeutung sei Willigis und den Ottonischen Kaisern ein ganzes Kapitel in der kommenden „Kaiser-Ausstellung“ im Landesmuseum Mainz gewidmet. Es passe daher „unglaublich gut, dass wir heute diese Publikation dazubringen können“, so Dr. Heide.

Verleger Michael Bonewitz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Verleger Michael Bonewitz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Für den Verleger Michael Bonewitz schließt sich mit dem Erscheinen des Buchs zugleich eine Lücke in der Geschichtsliteratur der Stadt: „Es ist in dieser Form der erste großformatige Band über einen der größten und bedeutendsten Söhne der Stadt. Danken möchte ich vor allem Stefan Schmitz, der als Mainzer Mäzen und als bekennender Bücherfreund das Erscheinen dieser Publikation erst möglich gemacht hat. Danken möchte ich natürlich auch dem Autor, der sich einmal mehr akribisch durch die Quellen gelesen und gearbeitet hat und nicht zuletzt Peter Krawietz, den ich persönlich als Geschichtslehrer schätzen gelernt habe und der uns dank seines Wissens und seiner beachtlichen Bibliothek viel mehr als ein Lektor war.“

(Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst )

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Willigis_Buch_Umschlag_tiny-wMatthias Dietz-Lenssen: Willigis. Kirchenfürst – Erzkanzler – Bauherr. Herausgegeben von Stefan Schmitz. Verlag Bonewitz, Mainz-Bodenheim 2020. 200 Seiten mit rund 100 Abbildungen. 24,90 Euro. ISBN 978-3-9818438-5-9.
Erhältlich im Buchhandel oder im online-Shop unter https://www.bonewitz.de