Kategorie-Archiv: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

„Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente“ ab 25.09.21 im Mainzer Landesmuseum

Max Slevogt und Zahnarztfreund Josef Grünberg haben so zum abendlichen Zeitvertreib nicht nur  auf Leder gedruckt und mit Porzellanplatten experimentiert, sondern  auch mit hochgiftiger Flußsäure geätzt. Ihr "Labor" nannten sie liebevoll "Hexenküche", zu der auch die beiden  Künstler-Freunde Emil Orlig und Bernhard Pankok gehörten. © Foto Diether v Goddenthow
Max Slevogt und Zahnarztfreund Josef Grünberg haben so zum abendlichen Zeitvertreib nicht nur auf Leder gedruckt und mit Porzellanplatten experimentiert, sondern auch mit hochgiftiger Flußsäure geätzt. Ihr „Labor“ nannten sie liebevoll „Hexenküche“, zu der auch die beiden Künstler-Freunde Emil Orlig und Bernhard Pankok gehörten. © Foto Diether v Goddenthow

Mit der Sonderausstellung „Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente“, vom 25. September 2021 bis 9.Januar 2022, gelingt dem Mainzer Landesmuseum, gestützt durch sein Slevogt-Forschungszentrum, eine völlig unbekannte Seite des großen deutschen Impressionisten erstmals öffentlich zu machen: Experimente wie Glasätzungen mit der hochgiftigen Flusssäure, Drucke auf Leder und Seide, Druckplatten aus Porzellan oder Speckstein usw. sowie den bislang unveröffentlichten Briefwechsel zwischen Slevogt und seinem Berliner Zahnarztfreund Josef Grünberg, der treibenden Kraft der alchemistisch-anmutenden Berliner Künstlergruppe „SPOG“, die sie auch „Hexenküche“ nannten. Hier konnten sich die zwei Freunde während der Wintermonate, wenn Slevogt  seinen  pfälzischen Gutshof verließ und in der Spree-Metropole Quartier nahm, gemeinsam mit den Künstler-Kollegen Emil Orlig und Bernhard Pankok kreativ – oftmals in weinseliger Heiterkeit – austoben. Aus den Anfangsbuchstaben der Künstler-Namen war Anfang der 1920er Jahre die Bezeichnung der privaten Künstlergruppe „SPOG“ entstanden. Geschaffen wurde dabei ein bizarres gemeinschaftliches Werk, welches vielleicht nie für die Öffentlichkeit bestimmt war, und das jetzt im Landesmuseum Premiere feiert:  Neben umfangreichen Schriftwechsel insgesamt 140 Druckgrafiken, 18 Druckalben /Mappen, 25 bis 30 Zeichnungen sowie im Teil II der Ausstellung 15 berühmte Gemälde.- Diese sind Leihgaben der landeseigenen Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben (Rheinland-Pfalz), die zurzeit renoviert wird.

Impression der Sonderausstellung „Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente“, vom 25. September 2021 bis 9.Januar 2022 im Landesmuseum Mainz. © Foto Diether v Goddenthow
Impression der Sonderausstellung „Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente“, vom 25. September 2021 bis 9.Januar 2022 im Landesmuseum Mainz. © Foto Diether v Goddenthow

Eröffnet hat die „Hexenküche“ Innenminister Roger Lewentz gemeinsam mit Dr. Heike Otto, Generaldirektorin der GDKE,  Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseum Mainz und Dr. Karoline Feulner, Leiterin des Slevogt-Forschungszentrums und Kuratorin der von ihr initiierten und in mehrjähriger Arbeit vorbereiteten Ausstellung.

„Im Rahmen der neuen Ausstellung erleben wir eine ganz neue Seite des bekannten rheinland-pfälzischen Künstlers Max Slevogt. Neben seinen zahlreichen Drucken wird den Besucherinnen und Besuchern auch der mitunter humoristische Briefwechsel zwischen Max Slevogt und seinem vertrauten Freund Dr. Josef Grünberg zugänglich gemacht. Dabei würdigen wir zugleich die herausragenden und einzigartigen Bestände des Landes Rheinland-Pfalz, denn alle Exponate stammen aus den landeseigenen Beständen und werden überwiegend erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert“, so der für das kulturelle Erbe des Landes zuständige Innenminister Roger Lewentz anlässlich der Ausstellungseröffnung.

(v.l.n.r.): Dr. Heike Otto, Generaldirektorin der GDKE, Kuratorin Dr. Karoline Feulner, Leiterin des Slevogt-Forschungszentrums, Innenminister Roger Lewentz u. Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseum Mainz  betrachten einen Teil der in Vitrinen präsentierten  Original-Briefdokumente beim Eröffnungs-Rundgang.  © Foto Diether v Goddenthow
(v.l.n.r.): Dr. Heike Otto, Generaldirektorin der GDKE, Kuratorin Dr. Karoline Feulner, Leiterin des Slevogt-Forschungszentrums, Innenminister Roger Lewentz u. Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseum Mainz betrachten einen Teil der in Vitrinen präsentierten Original-Briefdokumente beim Eröffnungs-Rundgang. © Foto Diether v Goddenthow

Ausgangspunkt der Sonderausstellung, sind rund 40 Briefe und Postkarten von Max Slevogt an seinen engen Freund, Dr. Josef Grünberg. Diese beginnen mit dem ersten Brief, der im Ausstellungsjahr vor 100 Jahren, also 1921, verfasst wurde und endet 1931. Diese Sammlung wurde vor über 25 Jahren vom Land Rheinland-Pfalz für das Landesmuseum Mainz erworben. „Für die Ausstellung wurden diese Briefe und Postkarten, die fast durchgehend mit aufwendigen humorvollen Randzeichnungen von Slevogt versehen sind, erstmals transkribiert, wissenschaftlich bearbeitet und in einer kommentierten Briefedition im begleitenden Ausstellungskatalog veröffentlicht“, erklärt die Direktorin des Landesmuseum Mainz, Dr. Birgit Heide. Die Transkriptionen erfolgten dankenswerterweise durch Frau Dr. Eva Wolf aus Saarbrücken.

Die grundlegende Forschung dazu und die wissenschaftliche Bearbeitung liefen über das im Landesmuseum Mainz angesiedelte Max Slevogt-Forschungszentrum. „Darauf sind wir besonders stolz“, so die Generaldirektorin der GDKE, Dr. Heike Otto, „denn einmal mehr konnten wir hier eine Forschungslücke schließen, deren spannende Ergebnisse nun erstmals in einer Ausstellung gewürdigt werden. Und natürlich werden wir die Slevogt-Forschung weiterverfolgen. Wir planen langfristig sogar die Erstellung eines Catalogue raisonné, also eines längst überfälligen Gesamtverzeichnisses aller Werke von Slevogt.“

Druckgrafische Experimente  der Künstlergruppe SPOG stehen im Vordergrund

Max Slevogt. Zwei Männer und eine Frau im Gespräch (1920 - 1928). Punztechnik bei der die Löcher nicht einzeln mit einem Hammer, sondern - revolutionär - mit einer Maschine in die Kupferplatter getrieben wurden. Hier Büttenpapier, zwei Zustände gezeigt. Sammlung GDKE, Landesmuseum Mainz. © Foto Heike  v Goddenthow
Max Slevogt. Zwei Männer und eine Frau im Gespräch (1920 – 1928). Punztechnik bei der die Löcher nicht einzeln mit einem Hammer, sondern – revolutionär – mit einer Maschine in die Kupferplatter getrieben wurden. Hier Büttenpapier, zwei Zustände gezeigt. Sammlung GDKE, Landesmuseum Mainz. © Foto Heike v Goddenthow

Neben vielen privaten und politischen Ereignissen, die in der Korrespondenz thematisiert werden, stehen bei den Aktivitäten der Künstlergruppe SPOG vor allem die druckgrafischen Experimente im Vordergrund. „Wir zeigen in der Ausstellung die heute noch erhaltenen einzigartigen Druckplatten wie etwa Glasklischees, Zinkplatten und Radierplatten sowie die umfassenden künstlerischen Ergebnisse dieser Experimente auf verschiedenen Papieren, von Seide bis hin zu Leder“, erläutert Dr. Karoline Feulner, Kuratorin und Initiatorin, bei ihrer inhaltlichen Einführung in die Schau. Sie ätzten beispielsweise auch Milchglas, Kristallglas und Porzellan in verschiedenen Dicken und Größen bis zu einer Stärke von gut zwei Zentimetern, welches sie eigens aus der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Berlin bestellten, so Feulner fortfahrend.

Max Slevogt. Reiter 1922, Druckplatte aus Gips Tänzerin   u. Reiterkampf 1922 DP glasiertes Porzellan, Tiger 1923, DP aus Speckstein auf einen Blick. © Foto Heike v Goddenthow
Max Slevogt. Reiter 1922, Druckplatte aus Gips Tänzerin
u. Reiterkampf 1922 DP glasiertes Porzellan, Tiger 1923, DP aus Speckstein auf einen Blick. © Foto Heike v Goddenthow

Zudem prägte man kleine Silberplaketten aus Silberfolie, deren Negative mithilfe einer Metalllegierung aus Quecksilber auf Gips oder Speckstein hergestellt wurden. Bei der Verwendung von Leder, wie man beispielsweise bei den Lederstrumpf-Druck-Experimenten sehen kann, so die Kuratorin, wurde die Kontur tief als eine Art Relief eingeprägt. Aber auch mit traditionellen Drucktechniken wie der Radierung oder der Lithografie wurde experimentiert, bzw. überlegt, wie man diese verbessern könnte. So verfolgten die Künstlergruppe Ideen, die mühsam zu bearbeitenden Kupferdruckplatten durch ein anderes Material, beispielsweise Gips oder Speckstein und bei Lithografien die schweren Lithografiesteine durch kleine dünne Zink- und Aluminiumplatten zu ersetzen, und zwar an beliebig unterschiedlichen Motiven, erläutert Dr. Feulner.

Kuratorin Dr. Karoline Feulner, Leiterin des Slevogt-Forschungszentrums, vor ihrer Lieblingsradierung  von Max Slevogt auf Büttenpapier  "Zwei Tanzende Schweine"  (1920 - 1928), Sammlung GDKE, Landesmuseum Mainz. © Foto Diether v Goddenthow
Kuratorin Dr. Karoline Feulner, Leiterin des Slevogt-Forschungszentrums, vor ihrer Lieblingsradierung von Max Slevogt auf Büttenpapier „Zwei Tanzende Schweine“ (1920 – 1928), Sammlung GDKE, Landesmuseum Mainz. © Foto Diether v Goddenthow

Es kaum zu glauben und eigentlich unfassbar, aber: „Zu diesem Thema, zu dieser Künstlergruppe, genannt SPOG, wurde bisher noch nie eine Ausstellung ausgerichtet, selbst die Arbeiten wurden zeitlebens nie öffentlich gezeigt, publiziert oder verbreitet. Also es sind Arbeiten, die diese vier Künstlerfreunde zusammen hergestellt haben, wirklich privat und die Arbeiten verblieben dann in den jeweiligen Nachlässen“, ist Dr. Feulner über das Ergebnis jahrelanger Forschungsarbeit selbst ein wenig erstaunt, und freut sich, dass es nun erstmals gelungen ist, diese wichtige Lücke im Schaffenswerk von Max Slevogt zu schließen.

Weltweit umfangreichste Slevogt-Sammlung 

Impression der Sonderausstellung „Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente“, vom 25. September 2021 bis 9.Januar 2022 im Landesmuseum Mainz. Hier Teil II der Ausstellung mit 15 berühmten impressionistischen Gemälden Max Slevogts.- Leihgaben aus der landeseigenen Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben (Rheinland-Pfalz), die zurzeit renoviert wird © Foto Diether v Goddenthow
Impression der Sonderausstellung „Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente“, vom 25. September 2021 bis 9.Januar 2022 im Landesmuseum Mainz. Hier Teil II der Ausstellung mit 15 berühmten impressionistischen Gemälden Max Slevogts.- Leihgaben aus der landeseigenen Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben (Rheinland-Pfalz), die zurzeit renoviert wird © Foto Diether v Goddenthow

Max Slevogt zählt neben Lovis Corinth (1858 – 1925) und Max Liebermann (1847 – 1935) zu den bedeutendsten deutschen Impressionisten und ist der wichtigste und international bekannteste Künstler des Landes, der in Rheinland-Pfalz seine Wahlheimat fand. Er ist sozusagen unser Haus- und Hofmaler, freut sich Museumsdirektorin Dr. Birgit Heide. Uns war es bei dieser Ausstellung Hexenküche auch besonders wichtig, der allgemeinen Öffentlichkeit Einblicke in die Forschungsergebnisse zu geben und  neue Blickwinkel auf den Maler zu werfen, und damit auch den unbekannten Slevogt zeigen zu können, so die Museumsdirektorin, und fügt hinzu: Max Slevogt ist so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal unseres Museums.

Das Mainzer Landesmuseum verfügt weltweit über die größte Slevogt-Sammlung. 1971 hatte das Land den künstlerischen Nachlass von 121 Gemälden direkt von den Erben erworben und die Max Slevogt-Galerie auf Schloss Villa Ludwigshöhe ins Leben gerufen hat. 2011 folgte der Ankauf des schriftlichen Nachlasses (ca. 3.700 Autographen oder maschinenschriftliche Dokumente, verwahrt in der Landesbibliothek Speyer/LBZ) und jüngst 2014 wurde der sogenannte grafische Nachlass mit ca. 2.000 Handzeichnungen und 4.000 Blatt Druckgrafiken erworben.

Die Exponate dieser Ausstellung stammen aus dem grafischen Nachlass Slevogts, der 2014 vom Land Rheinland-Pfalz mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur sowie der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz erworben wurde. Der grafische Nachlass von Max Slevogt befindet sich im Eigentum der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur. Als Dauerleihgabe im Landesmuseum Mainz wird er von diesem betreut und wissenschaftlich bearbeitet. Zudem besitzt die Graphische Sammlung des Landesmuseums Mainz auch die Grafiksammlung von Josef Grünberg, die ca. 470 Blatt umfasst – mit zahlreichen persönlichen Widmungen von Slevogt, die die enge Freundschaft der beiden einzigartig dokumentiert.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49 – 51
55116 Mainz
Telefon 06131 2857 0
Fax 06131 2857 288
landesmuseum-mainz@gdke.rlp.de
https://landesmuseum-mainz.de/

St. Johannis war St. Martin – neue Aspekte zur Baugeschichte zum Alten Dom von Mainz – Landesmuseum Mainz mit Online-Vortrag von Dr. Guido Faccani

Kaum eine archäologische Entdeckung hat die Mainzer Bevölkerung und die wissenschaftliche Fachwelt in den letzten Jahren so in Atem gehalten wie jene in der Johanniskirche. Nach der Entdeckung des Grabes von Erzbischof Erkanbald im Juni 2019 geht die Fachwelt davon aus, dass der Bau tatsächlich der „Alte Dom“, mehr noch die erste Kathedrale von Mainz und damit eine der ältesten ehemaligen Bischofskirchen nördlich der Alpen ist. Der „Alte Dom“ diente als Krönungsort für die Könige Heinrich II. (1002) und Konrad II. (1024).

Über den aktuellen Stand der archäologischen Forschungen in der mittelalterlichen Kirche und vor allem über das mögliche Ende der Ausgrabungsarbeiten referiert Dr. Guido Faccani, der die wissenschaftliche Forschungsleitung in St. Johannis innehat, bei einem Online-Vortrag „Das Ende ist nah – zu Fortgang und Stand der Grabungen in St. Johannis, der ersten Kathedrale von Mainz“ am 12. Oktober um 18.00 Uhr. Der Vortrag findet im Rahmen des Kaiserjahres der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz statt, das bis zum 31. Oktober 2021 verlängert wurde.

Als Experte für Kunstgeschichte und sakrale Bauten der Spätantike und des frühen Mittelalters skizziert Faccani dabei die archäologischen und bauforscherischen Untersuchungen. Inzwischen konzentrieren sich die archäologischen Arbeiten auf die Stellen, die statisch gesichert werden mussten. Dabei ergaben sich Einblicke in die Konstruktion des Westchores mit überraschenden Resultaten. Aber auch die frühe Baugeschichte erfuhr unerwarteten Zuwachs an Befunden. Hinweise auf Vorgängerbauten der ersten Kirche traten zutage und die Gestalt der Kirchenanlage des 5./6. Jahrhunderts ist um zwei wichtige Hypothesen reicher.

Da die Teilnehmerzahl zu diesem hochinteressanten Online-Vortrag begrenzt ist, wird um schriftliche Anmeldung bis zum 11. Oktober, 12 Uhr, per E-Mail gebeten, unter anmeldung@gdke.rlp.de. Die Platzvergabe erfolgt in der Reihenfolge der Anmeldungen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Der Zugangslink wird den Teilnehmenden nach Anmeldeschluss per E-Mail zugeschickt.

Mit dem Beitrag von Dr. Guido Faccani endet die Vortragsreihe, die vor rund drei Jahren begann und sich mit ganz unterschiedlichen Themenbereichen rund um das Kaiserjahr und die Mittelalter-Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ befasst hat. „Ich bin wirklich begeistert, dass die Vortragsreihe über diesen langen Zeitraum hinweg, bis zuletzt und trotz Corona, ungebrochenes Interesse gefunden hat,“ freut sich die Direktorin des Landesmuseums Mainz, Dr. Birgit Heide.

Das Mainzer Landesmuseum wird nächstes Jahr als Begleitprogramm der Trierer Ausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“ eine kleine Ausstellung zur Spätantike zeigen sowie mehrere Vorträge zum Thema anbieten. Die neue Vortragsreihe beginnt bereits im Januar 2022 mit einem Auftaktvortrag von Dr. Marcus Reuter, dem Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier. Die Ausstellung selbst ist für Mitte des Jahres geplant.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49 – 51
55116 Mainz
Telefon 06131 2857 0
Fax 06131 2857 288
landesmuseum-mainz@gdke.rlp.de
https://landesmuseum-mainz.de/

Landesmuseum Mainz eröffnet digitales Forschungslabor

3D-rekonstruierte Mainzansicht  um 1200 © 2020, AI MAINZ/GDKE
3D-rekonstruierte Mainzansicht um 1200 © 2020, AI MAINZ/GDKE

Hightech zum Anfassen mit analogen 3-D-Modellen, digitalen 3-D Rekonstruktionen und interaktiven Touchscreens / Labor zeigt historische Stadtentwicklung von Mainz, Worms und Speyer um 800 und um 1250

Am Montag wurde im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) das erste hybride Forschungslabor eröffnet. Besucherinnen und Besucher können künftig die historische Stadtentwicklung am Beispiel der Städte Mainz, Worms und Speyer in den Zeitphasen um 800 und um 1250 n. Chr. auf unterschiedliche Weise nacherleben. Für die Zeitreise in die Vergangenheit stehen unter anderem digitale 3D-Rekonstruktionen, analoge 3D-Modelle der Städte und interaktive Touchscreens zur Verfügung.

„Rheinland-Pfalz ist ein Land mit bedeutsamer Historie und uralter Siedlungsgeschichte, sogar weit über das Mittelalter hinaus. Und die Stadtentwicklung ist damals wie heute ein hochaktuelles Thema. Ich ermuntere die Besucherinnen und Besucher des Mainzer Landesmuseums, in die mittelalterliche Vergangenheit unserer historisch so bedeutenden rheinland-pfälzischen Städte einzutauchen. Man begreift dabei sehr schnell, dass die Entwicklung funktionaler und lebenswerter Städte zu allen Zeiten eine große Herausforderung war“, so der für Kommunalentwicklung und Kulturelles Erbe zuständige rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz.

Das Labor wurde im Landesmuseum Mainz in Zusammenarbeit mit dem Architekturinstitut der Hochschule Mainz (AI MAINZ) und der Fachrichtung Mediendesign – Fachbereich Gestaltung der Hochschule Mainz mit finanzieller Unterstützung der GDKE, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), der Sparkasse Rhein-Nahe und J. Molitor Immobilien GmbH realisiert.

„Wir haben die wunderbar animierten Filmsequenzen ja bereits in der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ gezeigt und sie haben sich sehr schnell zu einem medialen Publikumsrenner entwickelt“, so die Generaldirektorin der GDKE, Dr. Heike Otto. „Umso mehr freut es mich, dass wir nun das Ganze in einem Forschungslabor erleben können, das viele Menschen, da bin ich mir sicher, begeistern wird.“

Einblick ins Forschungslabor: © DUHL 2021, Foto: Olaf Hirschberg
Einblick ins Forschungslabor: © DUHL 2021, Foto: Olaf Hirschberg

Bei der Erstellung der Stadtmodelle wurden die Ergebnisse archäologischer Ausgrabungen, Erkenntnisse der Baudenkmalpflege und der Bauforschung, Schrift- und Bildquellen sowie alte Stadtpläne berücksichtigt. Dabei ergänzen sich die Quellengattungen in einigen Fällen. So zeigt beispielsweise der älteste Mainzer Stadtplan aus dem 16. Jahrhundert den bereits aus einer Schriftquelle des 10. Jahrhunderts bekannten breiten Grüngürtel innerhalb des Stadtmauerrings. Weitere Informationen wurden durch Analogieschlüsse mit anderen, besser erforschten Gebieten gewonnen. Ein Teil der Bebauung wurde hypothetisch ergänzt.

„Die digitale 3D-Rekonstruktion als Forschungsmethode zur historischen Stadtforschung bietet die Möglichkeit, den Wissensstand zu erfassen und eine hypothetische Visualisierung vergangener Stadträume und Bauwerke vorzuschlagen“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Piotr Kuroczyński. Er ist Professor für angewandte Informatik und Visualisierung im Bauwesen und Leiter vom AI MAINZ und hat bei der Erstellung der digitalen Stadtmodelle und beim Aufbau des Forschungslabors sehr eng mit Prof. Olaf Hirschberg von der Fachrichtung Mediendesign – Fachbereich Gestaltung der Hochschule Mainz zusammengearbeitet. „Es war für uns alle eine faszinierende Reise in die Vergangenheit, die wir uns sowohl mit klassischen als auch partizipativen Methoden erschlossen haben, um möglichst vielen interessierten Menschen einen lebendigen Zugang in die Entwicklung mittelalterlicher Städte zu ermöglichen“, so Hirschberg.

„Das digitale Forschungslabor ist ein großer Gewinn für das Landesmuseum Mainz“, freut sich die Direktorin, Dr. Birgit Heide, „wir bieten zum einen Hightech zum Anfassen mit analogen 3-D-Modellen, digitalen 3-D Rekonstruktionen und interaktiven Touchscreens, und zum anderen geben wir einen tiefen Einblick in die Forschungsmethodik, in die Möglichkeiten der digitalen Dokumentation und in die Vielfalt der Vermittlung.“

Über die digitalen 3D-Modelle ist es zudem gelungen, unterschiedliche Zugänge zum kulturellen Erbe zu eröffnen. Neben den reinen Filmanimationen oder der Verknüpfung zur MainzApp mit Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen wurden die digitalen Datensätze über 3D-Drucker auch wieder rematerialisiert. Dank interaktiver Projektionen können vielfältige Inhalte, wie der Bezug zum heutigen Mainz bzw. die Hervorhebung von Objekten oder der Topografie, anschaulich dargestellt werden.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49 – 51
55116 Mainz
Telefon 06131 2857 0
Fax 06131 2857 288
landesmuseum-mainz@gdke.rlp.de
https://landesmuseum-mainz.de/

Der Strich der Liebhaber – Mainzer Ansichten um 1800 – Schwerpunktthema in der Graphischen Sammlung des Landesmuseums / Neue Hängung bis 1. November

Dom und heutiger Liebfrauenplatz von Osten um 1814. Bernhard Hundshagen. © GDKE
Dom und heutiger Liebfrauenplatz von Osten um 1814. Bernhard Hundshagen. © GDKE

In vielen Museen führen sie ein verborgenes Dasein. Der Forschung sind sie oft unbekannt und an Informationen über die Schöpfer dieser Werke kommt man nicht selten nur über Umwege. Sich selbst bezeichneten sie als „Dilettanten“, was sich aus dem Italienischen für „etwas aus Freude machen“ ableitet. Manche ihrer künstlerischen Ergebnisse sind beachtliche Kunstwerke. Das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) widmet ihnen unter dem Titel „Der Strich der Liebhaber“ ein Schwerpunktthema in der Graphischen Sammlung, die nun bis 1. November Mainzer Stadt-Ansichten um 1800 zeigt. Zu sehen sind 35 Zeichnungen und Aquarelle, die vor gut 200 Jahren entstanden sind. Sie wurden eigens für diese Präsentation aus dem Bestand der Graphischen Sammlung des Landesmuseums ausgewählt.

Zum Hintergrund: Das Mainzer Stadtbild war um 1800 einem starken Wandel unterworfen. Zum einen ging es darum, die ruinierten Gebäude der Beschießung von 1793 zu beseitigen oder wiederherzustellen. Zum anderen musste die Stadt auf die neuen Herausforderungen als Wirtschaftsstandort reagieren. Die säkularisierten Kloster- und Stiftskirchen wichen innerhalb der Stadt größeren Platz- und Straßenanlagen. Auch vor den Wällen gelegene Sakralgebäude wurden auf Abriss versteigert und verschwanden so vollständig, dass ihr einstiger Standort heute oft kaum bestimmt werden kann. Bemerkenswerterweise waren es vor allem sogenannte Dilettanten, die den städtebaulichen Umbruch mit Stift und Feder festhielten und damit an untergegangene Baudenkmäler erinnern.

Allen voran: Franz Reichsgraf von Kesselstatt, dessen Ansichten der alten „Aurea Moguntia“ immer wieder nachgedruckt wurden. Er selbst veranlasste schon die Reproduktion einiger seiner in Wasserfarben ausgeführten Blätter – wir zeigen selbstverständlich die Originale.

Der Wiesbadener (!) Jurist und Bibliothekar Bernhard Hundeshagen schuf zwei großformatige Ansichten des Doms und dessen Umgebung, die bis heute wichtige Aufschlüsse für Bauforschung und Denkmalpflege geben. Darüber hinaus belebt er die Domplätze mit unzähligen Figuren, die Einblick in das öffentliche Alltagsleben zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewähren.

Der spätere Arzt Johann Caspar Dillenius wagte sich bereits in seinen Jugendjahren an anspruchsvolle Architekturdarstellungen, die denen erfahrener Berufskünstler kaum nachstehen.

Karl August von Klein ist der vielseitigste der hier vertretenen Amateure. Lexika führen ihn als „Komponist, Maler und Autor“. Mit seinem Panorama der Stadt vom Turm der Stephanskirche aus gewährt er den Überblick über fast die gesamte Stadt.

Ausgewählte Blätter der Berufskünstler Caspar und Georg Schneider treten in Dialog mit den Arbeiten ihrer dilettierenden Zeitgenossen.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49 – 51
55116 Mainz
Telefon 06131 2857 0
Fax 06131 2857 288
landesmuseum-mainz@gdke.rlp.de
https://landesmuseum-mainz.de/

Mit römischem Erbe in die Gegenwart Neue Vortragsreihe „Forum Romanum“ ab 2. September im Landesmuseum Mainz / Nachtvorlesungen zum Kulturellen Erbe

 „Römische Kosmetik für Römische Schönheiten" © Foto Diether v. Goddenthow
„Römische Kosmetik für Römische Schönheiten“ © Foto Diether v. Goddenthow

„Forum Romanum“ heißt die neue Vortragsreihe, die am 2. September um 20 Uhr im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) startet. In Anlehnung an die Nachtvorlesungen in der Unimedizin, die über 17 Jahre erfolgreich medizinische Themen der interessierten Öffentlichkeit nähergebracht haben, will Ideengeber Prof. Dr. Christian Vahl ein neues Format zur Vermittlung des kulturellen Erbes etablieren. „Viele Fragen, die unsere heutige Gesellschaft prägen, waren auch schon in der römischen Kultur präsent“, so Vahl, „vor allem führten sie zum Teil zu faszinierenden Lösungen“, verspricht er.

Zum Auftakt ranken sich vier 20-minütige Kurzvorträge um das Thema „Schönheit und ihr Preis“. Dabei wird über „Römische Kosmetik für Römische Schönheiten“, über „Mode, Schönheit und Bewegung“, über „Funktionserhalt oder Schönheit im Gesicht“ oder über „Die weibliche Brust zwischen Skalpell und Erotik“ gesprochen. „Die Vorträge sollen neugierig machen, aber durchaus auch Grenzen ausloten“, ergänzt Vahl. Vortragende sind bei der Premiere neben Vahl selbst: Dr. Maren Haertel, Prof. Annette Hasenburg und Prof. Bilal Al Nawas samt Team.

„Ich freue mich sehr auf das Forum Romanum“, ergänzt die Generaldirektorin der GDKE, Dr. Heike Otto, „weil sich so viel damit verbinden lässt, unser römisches Erbe, die Steinhalle als Veranstaltungsort und der Brückenschlag in unsere Gegenwart“. Die Veranstaltungsreihe, die zunächst im September mit vier Staffeln jeweils donnerstags um 20 Uhr anläuft, soll dem Gedanken des „Forum Romanum“ (Römischer Marktplatz) entsprechend nicht nur aus Vorträgen bestehen, sondern Raum für Diskussionen bieten. „Die Themen versprechen an sich schon reichlich Diskussionsstoff“, bekennt die Direktorin des Landesmuseums Mainz, Dr. Birgit Heide, „und ich bin zuversichtlich, dass wir damit interessante Bezüge zwischen der Antike und unserer Gegenwart herstellen“. Kooperationspartner sind, neben der GDKE mit dem Landesmuseum Mainz, die Initiative Römisches Mainz (IRM) sowie die von Christian Vahl ins Leben gerufene „unsichtbare Römergarde“: „Wir nehmen das Thema sehr ernst, wollen aber auch aufzeigen, dass es durchaus verspielte Komponenten gibt,“ so Vahl.

Im Rahmen des „Forum Romanum“ sind die Zuhörenden eingeladen, mit den Referenten in einen regen Austausch zu treten, um so die diversen Themen weiter zu vertiefen und zu ergänzen. Der Eintritt ist frei.

Aufgrund der aktuellen Corona-Auflagen bittet das Landesmuseum um eine frühzeitige und verbindliche Anmeldung unter anmeldung@gdke.rlp.de. Es gelten die gültigen Hygienevorschriften, zudem die 3-G Regel, wonach alle Museums-Besucherinnen und -Besucher nachweisen müssen, dass sie geimpft, genesen bzw. getestet sind. Entsprechend der gesetzlichen Vorgaben ist aktuell nur eine begrenzte Personenanzahl erlaubt. Bei eventuellen Beeinträchtigungen hierdurch danken wir für Ihr Verständnis.

Bitte beachten Sie, dass aufgrund aktueller Ereignisse Veranstaltungen auch kurzfristig entfallen oder verschoben werden können. Wichtige Änderungen und aktuelle Hinweise finden Sie unter www.Landesmuseum-Mainz.de.

Die nächsten Themen beim „Forum Romanum“: Am 9.9. „Heizungsanlagen und Bäder“, am 16.9. „Speisen, Genießen, Gewicht“ und am 23.9. „Wohnen, Leben mit Pflanzen“. Details zu den Vortragenden folgen.

Landesmuseum Mainz,
Große Bleiche 49-51.
55116 Mainz
Telefon 06131 2857 0
anmeldung@gdke.rlp.de

Landesmuseum Mainz zeigt „Vom Gefäß zur freien Form – Keramik im 20. Jahrhundert“ – Exponate aus sieben Jahrtausenden – vom 14.8.21 bis 23.01.2022

Besucher werden empfangen mit Keramik aus dem Altneolithikum bei der Sonderausstellung Vom Gefäß zur freien Form – Keramik im 20. Jahrhundert im Landesmuseum Mainz der GDKE. © Foto Diether v. Goddenthow
Besucher werden empfangen mit Keramik aus dem Altneolithikum bei der Sonderausstellung Vom Gefäß zur freien Form – Keramik im 20. Jahrhundert im Landesmuseum Mainz der GDKE. © Foto Diether v. Goddenthow

Ein altneolitischer Kumpf, 6. Jahrtausend vor Chr., empfängt die Besucher der einzigartigen Keramik-Ausstellung „Vom Gefäß zur freien Form – Keramik im 20. Jahrhundert“, die vom 14.08.2021 bis 23.01.2022 im Landesmuseum Mainz gezeigt wird.
kumpf-altneolithischer160--(c)-diether-v-goddenthow-jpgDas kleine gebrannte Ton-Gefäß mit bauchiger Form und Rundboden aus den Anfängen der Jungsteinzeit bringt einmal mehr in Erinnerung, dass Ton – der Urstoff der Kunst – einer der ältesten Werkstoffe der Menschheit überhaupt ist. So wundert es nicht, dass in vielen Mythen gar die ersten Menschen von einem Gott aus Lehm geformt werden.

Obgleich keramische Objekte fragil und empfindlich sind, gehören sie dennoch oft zu den besten Zeugnissen längst vergangener Kulturen. Ton-Objekte und ihre Scherben können bei der Einordnung in Kulturstufen oder Zuordnung in Epochen dienen. Das gilt aber nur für Objekte oder auf ihnen angebrachten Verzierungen, die, wie z.B. die Bandkeramik, mit dem Ende einer bestimmten kulturellen Epoche wieder verschwinden oder in andere Formen übergehen. Übergänge sind  oftmals fließend, wobei sich bewährte Grundformen, nach C.G. Jung bestimmte  Archetypen, zeitlos und länderübergreifend bis heute praktisch erhalten haben.

In der Ausstellung wird einmal mehr deutlich, dass künstlerische Keramik, ausgehend von historischen Vorläufern teils auf Traditionen beruft, sich weiterentwickelte und schließlich emanzipierte. © Foto Diether v. Goddenthow
In der Ausstellung wird einmal mehr deutlich, dass künstlerische Keramik, ausgehend von historischen Vorläufern teils auf Traditionen beruft, sich weiterentwickelte und schließlich emanzipierte. © Foto Diether v. Goddenthow

Dies können Besucher jetzt im Mainzer Landesmuseum anhand der exemplarisch gekonnt nebeneinander arrangierten Keramik-Exponaten aus sieben Jahrtausenden besonders gut nachvollziehen. „Die modernen Gefäße werden älteren gegenübergestellt und ermöglichen einen neuen Blickwinkel, etwa, dass Formen, aber auch Herstellungsweisen sich mitunter gar nicht so groß unterscheiden von alten traditionellen  Herstellungsweisen“, erläutert Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseum beim Presserundgang. Selbst der Jugendstil, der sonst mit lästigen Traditionen breche, wähle die Silhouette der antiken Amphore oder der chinesischen Balustervase noch einmal zur Grundlage seiner künstlerischen Gefäße. Glasuren und Dekore hingegen seien, Experimentierfelder der Moderne, so Dr. Ingrid Vetter, Leiterin der SammlungHinder/Reimers aus Schloss Villa Ludwigshöhe, und Kuratorin der Ausstellung.

Ausgewählte Stücke der „Landessammlung Hinder/Reimers“– seit 1993 im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz –, eine der bedeutendsten Sammlungen moderner Keramik in Deutschland. © Foto Diether v. Goddenthow
Ausgewählte Stücke der „Landessammlung Hinder/Reimers“– seit 1993 im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz –, eine der bedeutendsten Sammlungen moderner Keramik in Deutschland. © Foto Diether v. Goddenthow

Allerdings, so Dr. Vetter, habe es Mitte des 20. Jahrhunderts einen radikalen Schnitt, einen erklärten Bruch mit der Tradition gegeben. Nicht mehr das Töpferhandwerk und schon gar nicht das luxuriöse Porzellan der Manufakturen des 18. Jahrhunderts  inspirierten junge Keramikkünstler. Sondern sie entdecken den Ton als Medium für den künstlerischen Ausdruck.

Alte handwerkliche Techniken werden hinterfragt, neue erprobt, verworfen oder perfektioniert. Vasen werden zu Objekten und lösen sich schließlich von jedem Funktionszwang.
Während der Hochphase der abstrakten Kunst in den 1960er Jahren erreicht diese „Studiokeramik“ (im Unterschied zur Manufakturware, aber auch zum traditionellen Töpferbetrieb) die Sammlerkreise, die auf Kunstmessen, der documenta, oder der Biennale von Venedig zu finden sind.

Heinz H. Engler: Prototyp der Bauscher-Systemkeramik. © Foto Diether v. Goddenthow
Heinz H. Engler: Prototyp der Bauscher-Systemkeramik. © Foto Diether v. Goddenthow

Dabei spiele in  Deutschland Jakob Wilhelm Hinder (1901–1976) eine wichtige Rolle: Er machte junge Keramiker  mit der internationalen Avantgarde bekannt und ermutigte sie, ihren eigenen Weg zu gehen“, so die Kuratorin. Ein besonderes Exponat sei auch Heinz H. Englers Vorläufer-Prototyp für die späteren „Bauscher-Kannen“. Der Designer entwarf ein erstes Stapelsystem für Tassen, Teller und Kannen für die Hotelgastronomie. Damit revolutionierte er den Markt für gastronomisches Geschirr. Das System B1100, so die Bezeichnung, wurde 1959 zum meistgekauften Geschirrsystem der Welt.

„Mit der Ausstellung gehen wir aber bis in unser Produktionsjahr 2021 hinein“, so Gernot Frankhäuser, Ko-Kurator und Museologe  im Landesmuseum Mainz. Seiner Anregung ist es zu verdanken, dass  Besucher in der Ausstellung auch Keramik-Exponate aus dem 3D-Drucker bestaunen können.

Fabian Schmid (Entwicklung und Entwurf) - zwei Vasen der Serie Surface (r.), Vaser der Serie Skin, Entwürfe 2017, 3D-Keramik-Druck Majolika-Ton) - Fertigstellung mit Glasur erfolgte in Handarbeit.  © Foto Diether v. Goddenthow
Fabian Schmid (Entwicklung und Entwurf) – zwei Vasen der Serie Surface (r.), Vaser der Serie Skin, Entwürfe 2017, 3D-Keramik-Druck Majolika-Ton) – Fertigstellung mit Glasur erfolgte in Handarbeit. © Foto Diether v. Goddenthow

Seit Jahren werde experimentiert mit verschiedenen Materialien, auch mit Keramik, weil Keramik insbesondere im medizinischen Bereich, etwa für Prothesenherstellung, ein ganz wichtiger Werkstoff sei, so Frankhäuser. „Wir zeigen drei Projekte, die im 3D-Drucker mit Majolika-Ton hergestellt worden sind. Der Erfinder, beziehungsweise der Perfektionierer dieser Technik ist Fabian Schmid aus Welzheim (Schwabenland). Er hat 2018 die Vervollständigung dieser 3D-Keramikdruck-Technik als Abschlussarbeit in der Hochschule Karlsruhe zusammen mit der Staatlichen Majolika Manufaktur Karlsruhe entwickelt. Inzwischen ist das einer der Verkaufsschlager der Majolika-Manufaktur. „Vielleicht ist das auch nur ein Trend jetzt mal. Aber es ist  wirklich eine Weiterentwicklung des Manufakturwesens“, so Gernot Frankhäuser.

(Diether v. Goddenthow)

Weitere Infos zur Sonderausstellung:
Vom Gefäß zur freien Form – Keramik im 20. Jahrhundert
14. August 2021 – 23. Januar 2022

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49 – 51
55116 Mainz
Telefon 06131 2857 0
Fax 06131 2857 288
landesmuseum-mainz@gdke.rlp.de
https://landesmuseum-mainz.de/

Neue Römische Zeugnisse am Mainzer Zollhafen sollen künftig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden

Römische Zeugnisse präsentiert in der  Wandvitrine in der Kantine des Rheinkontors. Foto: GDKE/Bonewitz
Römische Zeugnisse präsentiert in der Wandvitrine in der Kantine des Rheinkontors. Foto: GDKE/Bonewitz

Lewentz, GDKE und LBBW stellen Überraschungsfunde vor
„Eigentlich haben wir in dem Bereich des Zollhafens gar keine archäologischen Relikte erwartet“, bekennt Dr. Marion Witteyer von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE). Dass es am Ende nicht nur Überraschungsfunde gab, sondern auch neue Erkenntnisse über die römische Besiedlung im Bereich der heutigen Mainzer Neustadt ist für die Leiterin der Außenstelle Mainz der Landesarchäologie umso erstaunlicher.

Entdeckt wurden die römischer Siedlungsreste während des Baugrubenaushubs für das Rheinkontor-Gebäude der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die die Grabungsarbeiten der Landesarchäologen von Anfang an unterstützt haben. „Für uns war es eine Selbstverständlichkeit, das römische Erbe, das uns so zufällig in der Baugrube über den Weg lief, nicht nur erkunden zu lassen, sondern auch so weit wie möglich zu bewahren und zu präsentieren“, ergänzt Peter Hähner, Regionalvorstand LBBW Region Nord/West. So stiftete die LBBW für einen Teil der Überraschungsfunde sowohl eine Wandvitrine in der Kantine des Rheinkontors als auch eine Außenvitrine im Innenhof des Gebäudekomplexes.

Das Ergebnis löste auch bei Innenminister Roger Lewentz Begeisterung aus, dessen Ministerium für die Generaldirektion Kulturelles Erbe zuständig ist: „Es freut mich besonders, dass wir mit dieser neuen römischen Fundstätte eine Brücke schlagen von der Stadtentwicklung der Antike zur Stadtentwicklung des heutigen Zollhafenareals. Ich möchte allen Beteiligten herzlich danken, dass diese unverhofften römischen Zeugnisse nicht nur sichtbar sind, sondern künftig auch der Öffentlichkeit zugänglich sein werden“. Auch die Generaldirektorin der GDKE, Dr. Heike Otto, freut sich über die Aufarbeitung der Funde: „Es ist unser Selbstverständnis, dass wir unser gemeinsames kulturelles Erbe schützen, sichern, erforschen und pflegen, am Schönsten ist es natürlich, wenn wir das auch zeigen können, und den Menschen, die hier leben, die Ergebnisse unserer Arbeiten so anschaulich vermitteln.“

Wunderbar erhaltene Delphinfigur ist nur ein Beispiel der zahlreichen eindrucksvollen Exponate.   Foto: GDKE/Bonewitz
Wunderbar erhaltene Delphinfigur ist nur ein Beispiel der zahlreichen eindrucksvollen Exponate. Foto: GDKE/Bonewitz

Die römischen Relikte am Rheinkontor machen deutlich, dass es hier von der Römerzeit bis in die Spätantike eine intensive Bebauung gab. Die ältesten Siedlungsspuren datieren etwa in die Zeit des Legionslagers auf dem Kästrich (um 13/12 v. Chr.). „Man sieht, das schöne Wohnen am Wasser war zu allen Zeiten sehr beliebt“, schmunzelt Dr. Witteyer. Nachteilig waren dagegen der oft nasse Untergrund sowie mögliche Überschwemmungen und Hochwasser.

Ein sehr anschauliches Beispiel für die Bemühung bebaubares Land zu gewinnen, hat die Landesarchäologie Mainz nun am Rheinkontor dokumentiert. Zur Fundamentierung eines Gebäudekomplexes hatte man ausgediente Amphoren verwendet. Die leeren Behälter lagen dicht nebeneinander gepackt und sollten verhindern, dass aufsteigende Feuchtigkeit in das darüber errichtete Mauerwerk eindrang. Solche Amphorendepots waren schon früher in der Neustadt beobachtet worden, aber erst jetzt ließ sich ihre Funktion sicher deuten. Es handelt sich um eine aus dem Mittelmeergebiet bekannte Bauweise, die an großen Flüssen wie dem Po oder an der Rhône angewandt wurde. Bemerkenswert ist, dass dieses Verfahren in Mainz anscheinend bevorzugt hier zum Einsatz kam, während im römischen Siedlungsgebiet der heutigen Altstadt offenbar hölzerne Pfahlgründungen als Unterbau für Fundamente gewählt wurden.

„Der ergrabene Siedlungsausschnitt entspricht einem Mischgebiet aus Wohnen und Handwerk“, ergänzt Witteyer. Besondere Ausstattungselemente deuten auf ein gehobenes Wohnniveau, wofür auch die Qualität verschiedener Fundgegenstände spricht. Einige sind in den Vitrinen ausgestellt. Darunter Fragmente einer lebensgroßen Gesichtsmaske. Wobei es sich bei den Tonmasken nicht um Schauspielerrequisiten handelt, sie wurden vielmehr in häuslichem wie militärischem Kontext als Zeichen von Kultiviertheit und zur Abwehr von Unheil an Säulengängen aufgehängt.

Gefunden wurde auch ein Gewichtsstein, ein seltenes Zeugnis römischen Wirtschaftslebens. Auf dessen Oberfläche wurde die Zahl XXV als Gewichtsangabe eingeritzt, entsprechend 25 römischen Pfund (ca. 8,2 kg). Bemerkenswert ist das verwendete Gesteinsmaterial, das vermutlich aus dem Raum Belgien stammt.

Einem ganz anderen Kontext ist das kleine bauchige Henkelgefäß zuzuordnen, das als Behälter für Weihrauch oder alternativ für Puder gedeutet wird. Innerhalb der Gruppe dieser Gefäße fällt das Mainzer Exemplar durch seine besondere Verzierung auf. Nicht alle römischen Relikte lassen sich direkt zuordnen: So bleibt ungewiss, zu was die am Zollhafen gefundene Delphinfigur gehörte. Wurde sie etwa als schmückender Aufsatz an einem Gerät oder Möbelstück verwendet oder diente sie als Zierrat am Kasten eines Reisewagens? Raum für Forschung bleibt in jedem Fall noch genug.

(Michael Bonewitz)

Die spektakuläre Mittelalter-Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ geht im Landesmuseum Mainz zu Ende

© Foto Diether v. Goddenthow
© Foto Diether v. Goddenthow

Trotz der durch Corona bedingten Einschränkungen zieht die große Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“, die am 13. Juni zu Ende ging, eine durchweg positive Bilanz. „Wir sind gemessen an der aktuellen Situation sehr zufrieden. Die Mitwirkenden haben nicht nur die Landesausstellung überhaupt ermöglicht, sie haben sie auch unter diesen schwierigen Bedingungen samt Besuchsbeschränkungen und Lockdown am Laufen gehalten“, so Innenminister Roger Lewentz beim Rückblick auf die Kaiserschau der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), die im Landesmuseum Mainz gezeigt wurde. Nicht nur die Exponate seien hochkarätig, auch die Leistung der externen und internen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr als bemerkenswert.

Von sieben auf neun Monate wurde die Ausstellung noch verlängert und dennoch war sie lediglich an 78 Tagen dem hochinteressierten Publikum zugänglich. Und obwohl auch die Personenanzahl pro Raum stark eingeschränkt werden musste, kamen am Ende über 21.000 Besucherinnen und Besucher ins Landesmuseum Mainz, um sich an der außergewöhnlichen Zeitreise durchs Mittelalter zu begeistern.

Codes Manesse  © Foto GDKE/Agentur Bonewitz
Codes Manesse © Foto GDKE/Agentur Bonewitz

Ob die weltberühmte Heidelberger Liederhandschrift Codex Manesse, eine der kostbarsten Handschriften des Mittelalters, die zu Beginn der Ausstellung zu sehen war, oder eine der prachtvollsten Urkunden, die aus dem frühen Mittelalter erhalten ist, die außergewöhnliche Heiratsurkunde der Theophanu, die zum Schluss die Schau bereicherte. „Wir hatten hier eine Ausstellung der Superlative mit einzigartigen Exponaten, die es in dieser Zusammenstellung noch nie zu sehen gab und auf Jahrzehnte nicht mehr zu sehen geben wird. Diese Exponate einmal hier bei uns in Mainz im Original sehen zu können, war ein absolut einmaliges und ganz besonderes Erlebnis“, ergänzt die Direktorin des Landesmuseums Mainz, Dr. Birgit Heide.

Auf über 1000 m² Ausstellungsfläche wurden rund 300 Exponate von 81 Leihgebern aus dem In- und Ausland gezeigt, darunter außergewöhnliche Stücke international renommierter Museen – unter anderem das Armreliquiar Karls des Großen aus dem Louvre, die beiden Steinreliefs von Friedrich I. Barbarossa und seiner Gemahlin Beatrix aus Mailand und das beeindruckende Adelheidkreuz aus der Abtei St. Paul in Österreich. Oder eben das erstmals ausgestellte Exemplar der „Mainzer Goldenen Bulle“ aus Wien, das nach über zwei Jahrhunderten zumindest vorübergehend an ihren Ursprungsort zurückkehren konnte.

„Rheinland-Pfalz hat nicht nur ein außergewöhnlich reiches kulturelles Erbe mit einer hochspannenden Geschichte der kulturellen Vielfalt. Es ist gerade im Mittelalter über Jahrhunderte hinweg die zentrale Herrschaftsbasis der großen Dynastien gewesen, angefangen bei den Karolingern und Ottonen über die Salier bis zu den Staufern. Am Ende ist es uns tatsächlich gelungen, auch dank der vielen Online-Angebote, die Geschichte der Ausstellung lebendig zu vermitteln und vielen näherzubringen“, zieht die neue Generaldirektorin der GDKE, Dr. Heike Otto, ihr ganz persönliches Fazit.

 © Foto Diether v. Goddenthow
© Foto Diether v. Goddenthow

Für Prof. Dr. Bernd Schneidmüller, den wissenschaftlichen Leiter der Ausstellung, war es in vielerlei Hinsicht eine ganz besondere und auch sehr emotionale Aufgabe: „Ich möchte gerade auch am Ende der Ausstellung an den Ideengeber Stefan Weinfurter erinnern, der mitten in den Vorbereitungen plötzlich verstorben ist. Es war sein Projekt und mein Wunsch, es in seinem Sinne umzusetzen, umso glücklicher bin ich, dass es sowohl bei den Medien als auch beim Publikum auf ein so überwältigendes Echo gestoßen ist.“

Eingebettet war die Landesausstellung in das „Kaiserjahr 2020“, das nun noch bis zum 31. Oktober 2021 verlängert wurde, und das ganze Land und seine Nachbarregionen mit einbezieht, denn kein anderes Bundesland hat so viele Originalschauplätze zu bieten wie Rheinland-Pfalz. Glücklicherweise bleibt die Landesausstellung nicht nur an den korrespondierenden Orten erhalten, sondern auch im Internet mit einer Fülle ganz unterschiedlicher Angebote. Ob mit der „Entdeckungsreise Mittelalter“, der digitalisierten Online-Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ oder dank spannender Video-Kurzführungen zu den Highlights der Landesausstellung – das Mittelalter ist auch die kommenden Monate auf www.Kaiser2020.de nur wenige Mausklicks entfernt. Überaus erfolgreich erwies sich auch der Ausstellungskatalog, der zweimal nachgedruckt und mit rund 10.000 verkauften Exemplaren ein echter Publikumsrenner wurde.

Während die Kaiserschau im Landesmuseum Mainz ihre Pforten schließt, arbeitet die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz schon mit Hochdruck an der nächsten großen Landesausstellung, die am 25. Juni 2022 im Rheinischen Landesmuseum Trier eröffnet werden soll: „Der Untergang des Römischen Reiches“.

Auf 1 000 m² Ausstellungsfläche widmet sich die Sonderausstellung den „dunklen“ Jahrhunderten der römischen Geschichte. Mit internationalen Spitzenexponaten soll die Geschichte des Römischen Reiches vom 3. bis 5. Jahrhundert n. Chr. zum Leben erweckt werden und aufzeigen, welche historischen Ereignisse und Prozesse zum Niedergang des römischen Staates führten. „Auch die spektakuläre Römerschau wird wieder das ganze Land Rheinland-Pfalz mit einbinden, das so viel an historischen Originalschauplätzen zu bieten hat“, schaut Minister Roger Lewentz nach vorne.

(Michael Bonewitz)

Rheinland-Pfalz: SchUM Artist in Residence nimmt Fahrt auf

(lvb) Weltweite Resonanz auf neues Projektstipendium / hochkarätige interdisziplinäre Jury bestellt

Das neue, gemeinsame Programm der Städte Speyer, Worms und Mainz SchUM Artist in Residence lädt internationale Künstlerinnen und Künstler aller Sparten ein, in einer der drei Städte ein Projekt zu realisieren, das sich mit der reichen jüdischen Tradition des jüdischen Gemeindebunds „SchUM“ über aktuelle künstlerische Ideen befasst und neue Sichtweisen auf das spirituelle und materielle Erbe eröffnet. Hintergrund ist die Bewerbung der SchUM-Stätten um die Anerkennung als UNESCO Weltkulturerbe, über die voraussichtlich Ende Juli 2021 entschieden wird.

Die Ausschreibung des Programms wurde mittlerweile über zahlreiche internationale Kulturverbände, weltweit tätige Stiftungen, multikulturelle Institutionen und diplomatische Vertretungen verschickt und stieß auf großes Interesse. Erste Reaktionen und Anfragen trafen bereits aus aller Welt ein. Das Team um die SchUM-Koordinatoren von Speyer, Worms und Mainz sowie den künstlerischen Leiter erwartet vielversprechende Bewerbungen.

Um die Vielfalt der angesprochenen künstlerischen Ausdrucksformen zu repräsentieren, wurde jetzt eine hochkarätige Jury berufen, deren Mitglieder die Bereiche bildende Kunst, Literatur, Theater, Musik und Architektur vertreten, zugleich aber auch einen spartenübergreifenden Zugang sicherstellen und über internationale Erfahrungen verfügen.

Die Jury 2021 besteht aus Dorothee Baer-Bogenschütz, Nora Gomringer, Manuel Herz, Sebastian Sternal und Feridun Zaimoglu. Ende Juli wird das Gremium entscheiden, welche Künstler:innen in den SchUM-Städten Projekte realisieren können.

Information zu SchUM:
www.schumstaedte.de

Die Jurymitglieder:

Dorothee Baer-Bogenschütz, geboren in Frankfurt am Main, ist Kunsthistorikerin und Journalistin. Sie arbeitet als freie Autorin und Kunstkritikerin für Kunstmagazine und Tageszeitungen, darunter die „KUNSTZEITUNG“, „DIE ZEIT“, die F. A.Z. und die „Jüdische Allgemeine“. Zahlreiche Beiträge in Kunstbüchern und Katalogen, daneben Vorträge, Moderationen, Jurytätigkeiten und Mitarbeit an Fernsehsendungen. Mitglied im Beirat der Kunstmesse „art KARLSRUHE“. Erfahrungen in Israel machte sie als Volonteer in einem Kibbuz und später bei journalistischen Recherchen.

NORA GOMRINGER, Schriftstellerin, wurde 1980 in Neunkirchen/Saar geboren. Studium der Amerikanistik, Germanistik und Kunstgeschichte in Bamberg. Seit 2010 leitet sie dort das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia. Bisher liegen neun Lyrikbände und zwei Essaybände sowie zahlreiche Einzelveröffentlichungen von ihr vor. 2021 wurde Nora Gomringer mit der Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. https://nora-gomringer.de

MANUEL HERZ, geboren 1969 in Düsseldorf, ist Architekt mit Büros in Basel und Köln. Lehraufträge in London, Rotterdam, Cambridge und Zürich. Seit 2015 Professor für Urban Studies an der Universität Basel. Mehrere Veröffentlichungen zur sozialen Funktion von Architektur. Unter seinen internationalen Bauten wurde insbesondere die 2010 eröffnete Neue Synagoge in der Mainzer Neustadt bekannt und mit dem Deutschen Fassadenpreis ausgezeichnet. http://www.manuelherz.com

SEBASTIAN STERNAL, geboren 1983 in Mainz, ist Pianist und Komponist des Modern Jazz. Er studierte in Köln und Paris, lehrt Jazz-Theorie an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln und leitet die Jazzabteilung an der Musikhochschule Mainz. Sternal erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den WDR-Jazzpreis, den Preis der deutschen Schallplattenkritik, den Neuen Deutschen Jazzpreis und zweimal den ECHO JAZZ. http://sebastiansternal.com

FERIDUN ZAIMOGLU wurde 1964 im türkischen Bolu geboren und kam ein Jahr später mit seinen Eltern nach Deutschland. Nach dem Abitur brach Zaimoglu ein Medizinstudium ab und ist seit Ende der 1980er Jahre als freier Schriftsteller und bildender Künstler in Kiel tätig. Journalistische Tätigkeit für Zeitungen und Zeitschriften. Bekannt wurde er 1995 mit „Kanak Sprak“, seitdem zahlreiche Buchveröffentlichungen und Preise. Zaimoglu war 2015 Mainzer Stadtschreiber und Autor für die Nibelungen-Festspiele.

Als künstlerischer Leiter ohne Stimmrecht fungiert:

GÜNTER MINAS, Publizist und Kurator, geboren 1953 in Flensburg, seit 1987 in Mainz. Nach dem Studium der Psychologie und der Kunstgeschichte sowie kurzer wissenschaftlicher Tätigkeit in Braunschweig seit 1982 freiberufliche Arbeit als Journalist, Autor und Organisator von Kulturveranstaltungen in den Sparten Kunst, Film, Theater, Musik und Literatur. 1989 bis 2016 Programmberater von internationalen Filmfestivals. Minas ist Träger der Gutenbergplakette der Landeshauptsstadt Mainz. www.Minas-Mainz.de

Kontakt und Information
Dr. David Maier, Kulturkoordinator Stadt Worms:
david.maier@worms.de

Künstlerische Leitung:
Minas: minas@t-online.de
Tel. +49-173-3271039

Information zu SchUM:
www.schumstaedte.de

Zusatztermine für „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ im Landesmuseum Mainz

Die nun auch online zu besichtigende Ausstellung "Die Kaiser und die Säulen der Macht" geht unter anderem den Fragen nach, wie Karl der Große oder Friedrich Barbarossa auf den Kaiserthron kamen, welche Netzwerke und Lobbyisten es im Mittelalter gab und warum die Religion am Rhein über viele Jahrhunderte eine zentrale Bedeutung bei den großen Herrschafts-Dynastien, den Karolingern, Ottonen, Saliern und Staufern spielte? © Foto: Diether v. Goddenthow
 Zusatztermine und mehr Besucher pro Zeitfenster für die Mittelalter-Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ im Landesmuseum Mainz © Foto: Diether v. Goddenthow

„Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) verlängert die Öffnungszeiten am 10., 11. und 12. Juni bis 22 Uhr

„Wir hatten es uns gewünscht, sind aber doch überwältigt“, bekennt die Direktorin des Landesmuseums Mainz, Dr. Birgit Heide, denn die Landesausstellung erlebte die letzten Tage einen wahren Besucheransturm. Dabei wurden die Öffnungszeiten für die verbleibende Laufzeit bereits auf sieben Tage erweitert, dazu täglich von 10 bis 20 Uhr. „Kurzfristig konnten wir es nun gemeinsam mit allen Beteiligten möglich machen, für die letzten Tage noch eine Sonderschicht einzulegen.“ So wird das Landesmuseum Mainz am 10., 11. und 12. Juni die Öffnungszeiten sogar bis 22 Uhr verlängern. Letzter Besichtigungstag ist der 13. Juni, an dem die Landesausstellung dann endgültig ihre Pforten schließen wird. Dank der neuen Corona-Verordnung und durch die Genehmigung der Stadt Mainz wurde die zulässige Besucherzahl pro Zeitfenster verdoppelt, sodass nun auch wieder mehr Tickets für alle Zugangszeiten buchbar sind.

Auf über 1000 m² Ausstellungsfläche werden rund 300 Exponate gezeigt, darunter außergewöhnliche Leihgaben international renommierter Museen – unter anderem das Armreliquiar Karls des Großen aus dem Louvre, den sogenannten Quadrigastoff aus Aachen, ein wunderbares Beispiel byzantinischen Seidengewebes, und die Krone aus Essen.

Neben der Kaiserausstellung ist auch die Mitmach-Ausstellung „Ritter, Bauer, Edeldame“ täglich bis 17 Uhr zugänglich, die speziell für Kinder ab fünf Jahren und ihre Familien konzipiert wurde und noch bis 22. August zu sehen ist. Kinder können übrigens nur in Begleitung von Erwachsenen die Ausstellung besuchen.

Ein Besuch des Landesmuseums Mainz ist aktuell ausschließlich unter den derzeitigen Vorgaben der Corona-Bekämpfungsverordnung möglich, demnach gelten bei einer pro Raum reduzierten Personenzahl die üblichen Hygiene- und Abstandsvorschriften, zudem ist eine Kontaktdatenerfassung erforderlich. Tickets können nur mit einer Terminreservierung gebucht werden, am besten das Online-Buchungssystem der Homepage www.Kaiser2020.de nutzen oder per Voranmeldung: Telefon 06131 2016 450 (Mo.-Fr. von 9 bis 16 Uhr erreichbar) oder anmeldung(at)gdke.rlp.de

Bitte beachten Sie, dass aufgrund aktueller Ereignisse Termine auch kurzfristig entfallen oder verschoben werden könnten. Infos und Aktualisierungen auch zum Online-Angebot und zu den Korrespondenzorten finden Sie unter www.landesmuseum-mainz.de und www.kaiser2020.de.

(Michael Bonewitz)

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49-51