Kategorie-Archiv: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Als das Industrie-Design zur Massenproduktion erfunden wurde – Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“ ab 15.09.2019 im Landesmuseum Mainz

Landesmuseum Mainz feiert 100 Jahre Bauhaus. ©  Foto: Diether  v Goddenthow Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“ startet am 15. September.
Landesmuseum Mainz feiert 100 Jahre Bauhaus. © Foto: Diether v Goddenthow
Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“ startet am 15. September.

Die Ausstellung „bauhaus – form und reform“, die am 15.09.2019 bis zum 19. Januar 2020 im Landesmuseum Mainz ihre Pforten öffnet, schließt eine wichtig Lücke: Denn erstmals wird anhand ausgewählter Gebrauchsgüter „Dinge des Alltags“ die Entwicklung von kunsthandwerklicher und handwerklicher Herstellung hin zur bauhaus-intendierten industriellen Fertigung und Massenproduktion gezeigt.

Wer „Bauhaus“ verstehen möchte, kommt an der Mainzer Ausstellung „bauhaus – form und reform – von der reformbewegung des kunstgewerbes zum wohnen mit ikonen“ nicht vorbei. Denn selten wird vor dem Hintergrund der vielfältigen handwerklichen Wurzeln so unideologisch dargestellt, was Bauhaus im Kern war und bewirkt hat, nämlich eine kollektiv angelegte Lebensstil- und Geschmacksumschulung zum schnörkellosen, effizienten Nützlichkeits-Design (Industrie-Design) mit Auswirkungen in alle Bereiche des Lebens, Wohnens und der Kunst. Erst diese extreme  Vereinfachung (Kreis, Quadrat und Pyramide), Normung und Standardisierung von Produkten und die Möglichkeit ihrer Zerlegung in Einzelteile erlaubte eine preiswertere Industrie- und Retorten-Produktion von Alltagsgegenständen bis hin zum Hausbau (Plattenbau). Die  handwerkliche und kunsthandwerkliche Herstellung von Produkten wurde zusehends abgelöst, der Prozess dauert an bis heute, wo wir gleichzeitig das Aussterben alter Handwerke beklagen. Ob diese Walter Gropius letztlich wirklich so gewollt hatte und ob es ihm tatsächlich gelungen war, „die Kunst von der Industrialisierung zu emanzipieren und das Kunsthandwerk wiederzubeleben“ muss jeder Besucher für sich selbst entscheiden.

Die Ausstellung beleuchtet, worauf Bauhaus aufgebaut hat und zeigt so auch ausgesuchte Objekte nach Entwürfen von Henry van de Velde, „Sezessions-Schreibtisch“, 1899. Heinrich Ludwig Rohde (1683–1755), Schreibsekretär; sowie andere Highlights der Handwerkskunst, bevor Besucher die allmähliche Vereinfachung der "Dinge des Alltags" erleben können. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Die Ausstellung beleuchtet, worauf Bauhaus aufgebaut hat und zeigt so auch ausgesuchte Objekte nach Entwürfen von Henry van de Velde, „Sezessions-Schreibtisch“, 1899. Heinrich Ludwig Rohde (1683–1755), Schreibsekretär; sowie andere Highlights der Handwerkskunst, bevor Besucher die allmähliche Vereinfachung der „Dinge des Alltags“ erleben können. © Foto: Diether v Goddenthow

Unabhängig dieser Frage entwickelte sich die 1919 von Walter Gropius als Kunstschule in Weimar gegründete Bildungsstätte zu einer der einflussreichsten Gestaltungs- und Umdenkungs-Schmieden des 20. Jahrhunderts weltweit. „Ohne das Bauhaus wäre unser Verständnis von moderner Architektur und modernem Design heute ein  anderes“, ist sich Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE, sicher, „zugleich steht das Bauhaus als Bewegung auch im Zeichen des Weimarer Reformgedankens. Die Ausstellung berücksichtigt sowohl den handwerklich-künstlerischen Aspekt als auch die gesellschaftlichen Hintergründe gleichermaßen“.

Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseums Mainz, ergänzt: „Wir zeigen, dass das Bauhaus weitaus mehr ist als geradlinige Formen und zeitloses Design. Die Ausstellung nähert sich dem Phänomen und der Wirkung des Bauhauses unter kultur-, zeit- und sozialgeschichtlichen Gesichtspunkten – und betritt damit zugleich Neuland in der Vermittlung der Thematik“, so Heide.

Ziel der Ausstellung im Landesmuseum Mainz ist es, die Bauhaus-Idee anhand von Alltagsgegenständen nach Entwürfen von Bauhaus-Meistern und -Schülern vorzustellen. In nur 14 Jahren – nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten löste sie sich 1933 zur Wahrung ihrer Ideale selbst auf – erlangte die legendäre Kunstgewerbeschule mit ihrer stilbildenden und reduzierten Formensprache eine solch enorme Bedeutung, dass der Begriff Bauhaus bis heute häufig mit der Moderne in Architektur, Design und Alltagsdingen gleichgesetzt wird. Klare Linien, rechte Winkel, Verzicht auf Ornamente, Funktionalität und serielle Fertigung sind die wesentlichen Merkmale, die mit der Marke Bauhaus verbunden sind. Vor allem die Massenproduktion von Alltagsgegenständen, die mit der Anpassung der Formen an die industrielle Fertigung möglich wurde, greift einen wichtigen Reformgedanken der Weimarer Zeit auf: die Lebensumstände von Menschen in der Industriegesellschaft zu verbessern.

Ein Herzstück des Bauhauses war die Herstellung von prototypischen Gebrauchsgegenständen für die serienmäßige industrielle Massenproduktion, hier symbolisch zu betrachten an entwickelten Gießformen für Ton- und Prozellanwaren für die Geschirrerstellung. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Ein Herzstück des Bauhauses war die Herstellung von prototypischen Gebrauchsgegenständen für die serienmäßige industrielle Massenproduktion, hier symbolisch zu betrachten an entwickelten Gießformen für Ton- und Porzellanwaren für die Geschirrerstellung. © Foto: Diether v Goddenthow

Die Ausstellung „bauhaus – form und reform“ präsentiert rund 150 Exponate aus verschiedenen Bauhauswerkstätten, darunter Hausrat, Möbel, Lampen sowie theoretische Schriften und Werbung aus der Zeit von 1900 bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Sonderschau zeigt zunächst die Entwicklung zur Bauhaus-Idee ausgehend vom Gedankengut des Deutschen Werkbundes und stellt diverse Handwerksbetriebe aus dem Mainzer Raum und dem heutigen Rheinland-Pfalz vor, die bereits im späten 18. Jahrhundert begannen, auf Manufakturarbeit umzusteigen und zu Vorreitern der industriellen Massenproduktion wurden. In der Ausstellung lässt sich die Entwicklung der Bauhaus-Idee von den Vorläufern bis zu ihrer Realisierung und ihrer Nachwirkung bis in die Gegenwart nachvollziehen. Die Besucherinnen und Besucher können den Wandel vom Handwerk bis zum Industriedesign miterleben und mehr über die Reformbewegung des Kunstgewerbes erfahren, die seit 1900 auch zu einer Reform des gesellschaftlichen Zusammenlebens wurde. „Die Ausstellung bietet darüber hinaus zum ersten Mal Gelegenheit, nicht nur das führende Mainzer Handwerk zu thematisieren, sondern auch die Position der Mainzer Kunstgewerbeschule in der Reformbewegung darzustellen“, erläutert Dr. Eva Brachert, die die Ausstellung gemeinsam mit Gernot Frankhäuser und dem Privatsammler Sebastian Jacobi kuratiert hat.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Werkstätten und Ateliers des Bauhauses – dort, wo sich alle Reformgedanken bündelten und Entwürfe für konkrete Massenprodukte entstanden sind. Die funktionale Gestaltung von Alltagsgegenständen aus Bereichen wie Tischlerei, Metallverarbeitung oder Keramikwerkstatt steht sinnbildlich für ein modernes, neues Leben nach dem Ersten Weltkrieg. Verschiedene prototypische Entwürfe aus den Bauhaus-Werkstätten wurden von unterschiedlichen industriellen Produzenten hergestellt und vermarktet. So zeigt die Ausstellung, dass sich die Bauhaus-Idee in einem zeitlosen Design ausdrückt, das alle Entwürfe miteinander verbindet. Dieses Design wird zum Ausdruck eines modernen Lebensstils, der in den 1920er-Jahren entsteht und sich heute als ein liberaler und weltoffener Stil fest in der modernen Gesellschaft etabliert hat.

Wunderbares zeitloses Bauhaus-Design. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Wunderbares zeitloses Bauhaus-Design. © Foto: Diether v Goddenthow

Rheinland-Pfälzische Privatsammlungen mit dem Schwerpunkt Bauhaus und zahlreiche Museen stellen Leihgaben zur Verfügung, ohne die eine Realisierung der Ausstellungsidee nicht möglich gewesen wäre. Hauptleihgeber der Ausstellung ist die Sammlung Sebastian Jacobi aus Bad Ems, der 36 Objekte aus dem Bauhaus-Umfeld beisteuert.
„bauhaus – form und reform. Von der Reformbewegung zum Wohnen mit Ikonen“ ist vom 15. September 2019 bis 19. Januar 2020 im Landesmuseum Mainz zu sehen.
Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz – Wir machen Geschichte lebendig

 

Rahmenprogramm

Die Sonderausstellung „bauhaus – form und reform. von der reformbewegung zum wohnen mit ikonen“ wird begleitet von einem vielfältigen Rahmenprogramm – bestehend aus Führungen, Vorträgen, Fahrradtouren zu modernen Bauten in Mainz, Familienangeboten sowie After Work-Events wie einer Bauhaus-Filmnacht und Workshops mit Designern, Handwerkern und Künstlern.

führungen

Den Auftakt des Rahmenprogramms bildet eine öffentliche Führung durch die Sonderausstellung am 17. September um 18 Uhr, die nochmals am 5. und 26. November sowie am 10. und 17. Dezember und im neuen Jahr am 7. Januar angeboten wird (Kosten: Museumseintritt plus 2 Euro). Zudem vertiefen weitere Führungen einzelne Aspekte des Bauhauses: Am 19. Oktober steht um 17 Uhr das Thema „Dreimal klingeln zu Gast im Landesmuseum – eine Führung zum (bildungs)bürgerlichen bauhaus“ auf dem Programm (Eintritt frei; nähere Infos zu dem Format unter www.dreimalklingeln.de); Gernot Frankhäuser referiert am 10. November um 11 Uhr über „Neue Europäische Grafik – Die Bauhaus-Mappen“ und führt am 3. Dezember durch die Kabinettausstellung „Köpfe der 20er Jahre“. Darüber hinaus bietet das Landesmuseum Mainz Sammlerführungen für Familien und Erwachsene mit Sebastian Jacobi an (Die Termine: 19. Oktober, 30. November, 14. Dezember, 11. Januar 2020, jeweils um 15 Uhr (Kosten: Museumseintritt plus 2 Euro; Anmeldung unter anmeldung.muspaed@gdke.rlp.de). Spannende Einblicke versprechen zudem die Kuratorenführungen mit Dr. Eva Brachert am 27. Oktober und 24. November,

jeweils um 15 Uhr (Kosten: Museumseintritt plus 2 Euro; Anmeldung unter anmeldung.muspaed@gdke.rlp.de). Bei der Finissage am 19. Januar stehen ab 11 Uhr stündlich nochmals fünf Kurzführungen auf dem Programm (Eintritt frei).

vorträge

Das Rahmenprogramm hält auch drei spannende Vorträge bereit. Am 24. September spricht Dr. Benjamin Rux vom Lindenau-Museum um 18 Uhr über „Neue Europäische Grafik – Die bauhaus-Mappen“. Katharina Brellochs und Br. Stephan Oppermann OSB widmen sich am 15. Oktober um 18 Uhr dem bauhaus-Keramiker Theodor Bogler. Am 12. November ebenfalls um 18 Uhr beschäftigt sich Dr. Uta Schmitt aus Heidelberg mit dem Thema „Carl Flieger – vom Absolventen der Mainzer Kunstgewerbeschule zum bauhaus-Architekten“. Der Eintritt zu den drei Vorträgen ist frei.

fahrradtouren

Ein bisschen Bewegung gepaart mit kultureller Bildung versprechen die „fahrradtouren zu den bauten der moderne in mainz“ mit Dr. Frithjof Schwartz. Die Radler treffen sich am 21. September, 5. und 12. Oktober jeweils um 13 Uhr am Landesmuseum. Tickets gibt es über gaestefuehrung@mainzplus.com, telefonisch unter 06131-242827 oder im Landesmuseum. Alle Teilnehmer müssen ihr eigenen Fahrrad und einen Helm mitbringen. Der Besuch der Ausstellung ist im Preis inbegriffen.

familienprogramme

Selber gucken und selber machen lautet die Devise bei den drei Angeboten für Kinder und Familien. Am 22. September steht das beliebte Format „Kunst gucken – Die Kinderführung“ unter dem Motto „bauhaus für dich“ (Beginn: 15 Uhr). „bauhaus für alle“ heißt es am 6. Oktober beim Familiensonntag. Los geht es um 14.30 Uhr (Kosten: 1 Euro pro Person). Zudem hält das Familienprogramm noch die Veranstaltung „bauhaus für uns“ im Rahmen der Reihe „Offenes Atelier – die Mitmachwerkstatt“ am 9. November um 14 Uhr (Kosten: Museumseintritt plus 1 Euro) bereit.

after work – am ende der arbeitswoche ins museum

Abgerundet wird das Rahmenprogramm durch verschiedene Events am Ende einer Woche. Den Auftakt bildet die „film.ab.bauhaus“-Filmnacht am 20. September von 17 bis 22 Uhr. Bei Workshops mit Designern, Handwerkern und Künstlern können die Teilnehmer entdecken, wo das bauhaus in unserem Alltag auftaucht. Die Veranstaltung „mein bauhaus“ beginnt am 2. November um 17 Uhr. Spannende „blicke hinter die kulissen“ verspricht Filmemacher Utz Kastenholz, der am 29. November erläutert, wie er dem Phänomen Bauhaus in Rheinland-Pfalz auf die Spur kam. Im Rahmen der Veranstaltung wird es anschließend weihnachtlich, wenn der bauhaus-adventskalender-weihnachtsbaum mit Poesie und Prosa begrüßt wird. Beginn ist um 17 Uhr. Unter dem Motto „was bauhaus isst“ demonstriert Dr. Frithjof Schwartz am 10. Januar 2020 ab 17 Uhr an Toastern und anderen Haushaltsgeräten die Entwicklung des deutschen Ingenieurdesigns zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Beginn ist um 17 Uhr. An allen Abenden werden Kurzführungen durch die bauhaus-Ausstellung angeboten. Munkepunkes Bowlen- und Sektbar hat zu allen Terminen geöffnet. Es gilt der normale Museumseintritt, Getränke müssen extra bezahlt werden.

Anmeldung zu allen after work-Veranstaltungen unter anmeldung.muspaed@gdke.rlp.de

 

Katalog zur Ausstellung
unbedingt empfehlenswert zur Begleitung, Nacharbeit, aber auch zum Verschenken:

bauhaus – form und reform
von der reformbewegung zum wohnen mit ikonen
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.)
bearbeitet von Eva Brachert
192 Seiten, 154 Abbildungen
20 x 21 cm, gebunden
Erschienen im E.A. Seemann Henschel Verlag Leipzig
Museumsausgabe 25,00 Euro
ISBN: 978-3-86502-426-8

Walter Gropius gründete 1919 in Weimar die Hochschule für Kunst und Architektur, an der das Bauhaus-Design entstand. Der Katalog zur Sonderausstellung „bauhaus – form und reform“ zeigt, welche Vorläufer es gab und wie die Entwicklung der legendären Kunstgewerbeschule verlief. In der Publikation werden sowohl Alltagsgegenstände der bekannten deutschen Produktdesigner Wilhelm Wagenfeld und Marianne Brandt, als auch Objekte von Architekten und Designern wie dem Belgier Henry van de Velde oder dem Deutschen Egon Eiermann präsentiert.
Der Katalog enthält darüber hinaus Essays, die den Ursprung der Bauhaus-Idee skizzieren und weiterverfolgen bis zu den Wohn-Ikonen der Gegenwart. So werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Gestaltungsideen der vergangenen 100 Jahre in dem Bildband dargestellt, der auch als Begleitbuch in der Ausstellung gedacht ist.
Mit Objekten u. a. von: Alvar Aalto, Peter Behrens, Theodor Bogler, Marianne Brandt, Christian Dell, Erich Dieckmann, Egon Eiermann, Marguerite Friedlaender, Walter Gropius, Otto Lindig, Gerhard Marcks, Ludwig Mies van der Rohe, Oskar Schlemmer, Henry van de Velde, Wilhelm Wagenfeld.

Landesmuseum Mainz: Das Reisekönigtum des Mittelalters und seine Paläste – ausgewählte Herrschaftsorte des 8. bis 12. Jahrhunderts am Beispiel Ingelheims

© GDKE Rheinland-Pfalz – Landesmuseum Mainz (Foto: Ursula Rudischer)
© GDKE Rheinland-Pfalz – Landesmuseum Mainz (Foto: Ursula Rudischer)

Mobilität gehört zu den wichtigsten Themen unserer Zeit, aber auch schon im Früh- und Hochmittelalter waren Kaiser und Könige erstaunlich mobil. Sie reisten viel, richteten Hoftage aus, veranstalteten Reichsversammlungen sowie Synoden und wählten sich dafür Orte der Macht aus, die dem politischen Geschäft eine oft beeindruckende Bühne gaben. So entstanden in ihrem Herrschaftsraum – der gerade im heutigen Rheinland-Pfalz sein Zentrum hatte – Pfalzen und Königshöfe, auf denen sich die Herrscher samt Hof und Entourage bevorzugt aufhielten.

Der Mittelalter-Archäologe Holger Grewe beleuchtet in einem Vortrag „Der charismatische Ort. Das Reisekönigtum des Mittelalters und seine Paläste“ am 27. August um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) ausgewählte Herrschaftsorte des 8. bis 12. Jahrhunderts und zeichnet am Beispiel Ingelheims nach, wie diese Paläste genutzt wurden: von den Reichsversammlungen Ludwigs des Frommen über die Festtags-Pfalz der Ottonen bis zum Gefängnis für den entmachteten Kaiser Heinrich IV.

Seit der Karolingerzeit wurden speziell für das Reisekönigtum überall im Land prachtvoll ausgestattete Paläste gebaut, die sich durch kostbaren Bauschmuck oder durch technische Innovationen zu gewaltigen Herrschaftszeichen entwickelten. Gerade die Kaiserpfalz in Ingelheim, die – dank Überlieferungsglück – eine lange Forschungsgeschichte hat, gewährt aufgrund neuer archäologischer Entdeckungen in den letzten 15 Jahren besonders anschaulich einen Blick ins Mittelalter.

Mit diesem hochinteressanten Thema setzt die GDKE – rund ein Jahr vor Beginn der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“ – ihre breit angelegte Vortragsreihe fort.

Der Vortrag beginnt am Dienstag, 27. August, um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz. Der Eintritt ist frei.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49-51

Die nächsten Vorträge dieser Reihe:
Dienstag, 10.9.19, 18 Uhr: „Auf den Schultern von Riesen“
Dienstag, 22.10.19, 18 Uhr: Aufstieg aus Ruinen?
Mo/Di, 4./5.11.19: Tagung „Frauen in den mittelalterlichen Städten am Rhein“
Montag, 4.11.19, 18 Uhr: Rollen und Handlungsspielräume
Dienstag, 19.11.19, 18 Uhr: Niedergang des Kaisertums?

Capella Antiqua Bambergensis mit den Solisten: Jule Bauer und David Mayoral

Capella Antiqua Bambergensis Foto: © by CAB-Artis-2019, Foto: Ellen Schmaus
Capella Antiqua Bambergensis Foto: © by CAB-Artis-2019, Foto: Ellen Schmaus

Im kommenden Jahr bieten das „Kaiserjahr 2020“ und die große Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen der Macht“ im Landesmuseum überraschende Einblicke ins Mittelalter am Rhein. Ein Jahr vor der Eröffnung präsentiert die Capella Antiqua Bambergensis zusammen mit ihren Solisten Jule Bauer (Schlüsselfiedel und Gesang) und David Mayoral (Percussion) am 22. September 2019 um 17 Uhr in der historischen Karmeliterkirche in Mainz ein außergewöhnliches Konzerterlebnis unter dem Titel „Löwenherz, Vogelweide und Frauenlob – eine musikalische Reise ins Mittelalter“.

Er war der charismatische König, wagemutige Ritter und ist einer der berühmtesten Gefangenen der Weltgeschichte: Richard Löwenherz. Gefangen genommen in der Nähe von Wien und auf der Reichsburg Trifels festgehalten, forderte Kaiser Heinrich VI. das höchste Lösegeld der europäischen Geschichte.

Walter von der Vogelweide lobten Kaiser und Könige wiederum für seine Dichtungen und Kompositionen. Er war der hervorragendste Lyriker des deutschen Mittelalters, sein „Palästinalied“ machte ihn vor nahezu 1000 Jahren weltberühmt und unsterblich.

Und schließlich der Mainzer Minnesänger Frauenlob, der sich für den besten Sänger seiner Zeit hielt und unzähligen Frauen das Herz brach.

800 Jahre später spannt die Capella Antiqua Bambergensis einen klangreichen musikalischen Bogen zwischen Orient und Okzident. Die Zeit der Kreuzfahrer, der sagenhaften Geschichte(n) von Richard Löwenherz und Walter von der Vogelweide öffnen den Konzertbesuchern faszinierende Einblicke in längst vergangene Tage. Sowohl das „Palästinalied“ von Walter von der Vogelweide, als auch das Lied „Ja nus hons pris“, das Richard Löwenherz in seiner Gefangenschaft auf der Reichsburg Trifels komponiert haben soll, zählen zu den bekanntesten Musikwerken des Mittelalters. Natürlich ist auch dem berühmten Mainzer Minnesänger Frauenlob eine Geschichte gewidmet.

Die Capella Antiqua Bambergensis (Andreas, Anke, Wolfgang und Thomas Spindler) lässt auf ihren Konzerten über 50 mittelalterliche Instrumente erklingen. Dabei wird auf größtmögliche Authentizität der Instrumente Wert gelegt, die zu einem guten Teil aus der Werkstatt des Capella-Mitglieds und Instrumentenbaumeisters Andreas Spindler stammen.

Das Ensemble aus Schloß Wernsdorf wurde mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik und dem deutschen Medienpreis Leopold ausgezeichnet.

David Mayoral (Percussionist bei Jordi Savall, Hesperion XXI und dem Ensemble „l’arpeggiata“) ist einer der weltweit meist beschäftigten Instrumentalisten. Mehrere Monate im Jahr ist er auf allen Kontinenten dieser Erde unterwegs und verleiht den verschiedenen Ensembles und Musikprojekten die er begleitet seine ganz besondere Note. Gerade seine Vorliebe für die arabische Percussion und indische Rhythmen schafft seinen unverwechselbaren Groove und seine Klangvielfalt

Jule Bauer (Gesang, Nykelharfe/Schlüsselfiedel) ist eine Virtuosin auf der Schlüsselfiedel und verzaubert mit ihrer wundervollen Stimme. Sie lässt die andalusischen Cantigas ebenso virtuos erklingen, wie arabische Weisen aus dem Morgenland. Ihr großer Verdienst ist es, dass die mittelalterliche Schlüsselfiedel in Deutschland wieder als historisches Musikinstrument bekannt und geliebt wird.

Sonntag 22. September – 17 Uhr
Mainz – Historische Karmeliter Klosterkirche,  Karmeliterstr .7

Karten und Informationen unter: www.igl.uni-mainz.de
und Tourist Service Center Mainz

Das Reisekönigtum des Mittelalters und seine Paläste – Mittelalter-Archäologe hält Vortrag im Landesmuseum Mainz

reisekoenigtum250Mobilität gehört zu den wichtigsten Themen unserer Zeit, aber auch schon im Früh- und Hochmittelalter waren Kaiser und Könige erstaunlich mobil. Sie reisten viel, richteten Hoftage aus, veranstalteten Reichsversammlungen sowie Synoden und wählten sich dafür Orte der Macht aus, die dem politischen Geschäft eine oft beeindruckende Bühne gaben. So entstanden in ihrem Herrschaftsraum – der gerade im heutigen Rheinland-Pfalz sein Zentrum hatte – Pfalzen und Königshöfe, auf denen sich die Herrscher samt Hof und Entourage bevorzugt aufhielten.

Der Mittelalter-Archäologe Holger Grewe beleuchtet in einem Vortrag „Der charismatische Ort. Das Reisekönigtum des Mittelalters und seine Paläste“ am 27. August um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) ausgewählte Herrschaftsorte des 8. bis 12. Jahrhunderts und zeichnet am Beispiel Ingelheims nach, wie diese Paläste genutzt wurden: von den Reichsversammlungen Ludwigs des Frommen über die Festtags-Pfalz der Ottonen bis zum Gefängnis für den entmachteten Kaiser Heinrich IV.

Seit der Karolingerzeit wurden speziell für das Reisekönigtum überall im Land prachtvoll ausgestattete Paläste gebaut, die sich durch kostbaren Bauschmuck oder durch technische Innovationen zu gewaltigen Herrschaftszeichen entwickelten. Gerade die Kaiserpfalz in Ingelheim, die – dank Überlieferungsglück – eine lange Forschungsgeschichte hat, gewährt aufgrund neuer archäologischer Entdeckungen in den letzten 15 Jahren besonders anschaulich einen Blick ins Mittelalter.

Mit diesem hochinteressanten Thema setzt die GDKE – rund ein Jahr vor Beginn der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“ – ihre breit angelegte Vortragsreihe fort.

Der Vortrag beginnt am Dienstag, 27. August, um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz. Der Eintritt ist frei.

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Emy Roeder-Ausstellung um eine Woche verlängert Die große Retrospektive der Bildhauerin läuft noch bis 11. August / Freier Eintritt bei Finissage

Emy Roeder „Wasservögel“ © Agentur Bonewitz
Emy Roeder „Wasservögel“ © Agentur Bonewitz

Das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) hat die Laufzeit der aktuellen Sonderausstellung „Emy Roeder. Das Kosmische allen Seins“ um eine Woche verlängert. Alle Besucherinnen und Besucher haben somit noch bis 11. August Gelegenheit, die eindrucksvollen Skulpturen und Zeichnungen der Bildhauerin, die in Mainz ihr Spätwerk schuf, zu begutachten. Zum Abschluss der beliebten Sonderausstellung steht am 11. August von 11 bis 17 Uhr eine Finissage auf dem Programm. Der Eintritt in das Museum ist an diesem Tag kostenfrei.

Emy Roeder gilt als eine der profiliertesten Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts und war eng mit der Stadt Mainz verbunden. Sie schuf überwiegend kleine Tierskulpturen und umrissbetonte Zeichnungen von Porträts, weiblichen Akten sowie Gewandfiguren. Ihre Kunst zeichnet sich vor allem durch eine figürliche Bildsprache aus, die sie anhand nur weniger Themen in bemerkenswerter Konsequenz entwickelte.

Neben den Skulpturen legt die Sonderschau ein besonderes Gewicht auf die Zeichnungen Emy Roeders, welche die Künstlerin nicht nur zur Annäherung an das in der Plastik umzusetzende Motiv nutzte, sondern als eigenständige Kunstwerke auffasste. Die Ausstellung stellt gleiche Motive in Plastik und Grafik gegenüber und verdeutlicht so eindrucksvoll Roeders akribische Analyse des Verhältnisses von plastischem Volumen, Fläche und Linie. Gleichzeitig wird so ihre stilistische Entwicklung hin zu einer immer stärker grafisch geprägten Skulptur nachvollziehbar, an deren Ende Figuren stehen, die wie Linien in den Raum gezeichnet scheinen.

Emy Roeders Lebensweg, der in der Ausstellung zusammen mit ihrem Werk chronologisch dargestellt wird, ist eng mit der Stadt Mainz verbunden. Als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, weilte sie in Florenz. Nachdem das NS-Regime ihre Skulptur „Die Schwangere“, mit der sie 1920 den Preis der Preußischen Akademie der Künste erhalten hatte und die 1921 von der Kunsthalle Karlsruhe erworben worden war, als „entartet“ brandmarkten, blieb Roeder zunächst in Italien. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte sie 1949 nach Deutschland zurück und begann an der Landeskunstschule in Mainz zu arbeiten, an der sie bis 1953 lehrte. Eine erste Einzelausstellung, die in mehreren deutschen Städten gezeigt wurde, machte das Werk der vergessenen Künstlerin in ihrer Heimat wieder bekannt. So wurden Plastiken von ihr auch auf der 1. documenta 1955 dem Publikum präsentiert. Öffentliche Ankäufe und Aufträge zeugen von ihrem beträchtlichen Renommee und ermöglichten ihr ein unabhängiges Dasein. Emy Roeder nutzte ihre Unabhängigkeit: Noch im hohen Alter von über siebzig Jahren unternahm sie Reisen nach Tripolis, Kairo und Marokko, wo sie die Vorbilder für die schlanken, überirdisch wirkenden Frauengestalten ihres Spätwerks fand. Emy Roeder starb 1971 in Mainz.

Die Sonderausstellung „Emy Roeder. Das Kosmische allen Seins“ läuft noch bis 11. August. Sie umfasst etwa 70 Skulpturen und ebenso viele Zeichnungen. Der größte Teil der Objekte stammt aus dem Nachlass der Künstlerin aus dem Museum im Kulturspeicher Würzburg, das zugleich Kooperationspartner der Ausstellung ist. Komplettiert wird die Schau von Leihgaben bedeutender Frühwerke sowie einigen Arbeiten aus der Graphischen Sammlung des Landesmuseums.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49-51
55116 Mainz

Rückkehr an den Rhein? Von den „Sachsenkaisern“ zu den Saliern

© GDKE Rheinland-Pfalz – Landesmuseum Mainz (Foto: Ursula Rudischer)
© GDKE Rheinland-Pfalz – Landesmuseum Mainz (Foto: Ursula Rudischer)

Prof. Dr. Ludger Körntgen, Mittelalter-Experte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, hält Auftaktvortrag zur Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ im Landesmuseum Mainz.

Während im Mittelalter ganze Dynastien ihre Throne vererbten, eroberten, erkämpften, erstritten oder verloren, gab es über all die Jahrhunderte eine entscheidende Konstante: das Zentrum der Macht entlang des Rheins. In seinem Vortrag „Rückkehr an den Rhein? Von den „Sachsenkaisern“ zu den Saliern“ am 23. Juli im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) geht Prof. Dr. Ludger Körntgen, Mittelalter-Experte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Frage nach, was die unterschiedliche regionale Verortung der Herrscher für die räumliche Entwicklung der Königsherrschaft und besonders für den mittelrheinischen Raum bedeutete.

Denn obwohl mehr als 100 Jahre lang – es war die Zeit von 919 bis 1024 nach Christus – die Könige und Kaiser aus der Familie der Ottonen über das europäische Mittelalter herrschten und obwohl ihr angestammter Besitz zum größten Teil in Sachsen lag und eher in Magdeburg verortet wird, zog es sie doch immer wieder in das Zentrum der Macht entlang des Rheins.

In Worms wurde Otto II. zum König gewählt – er war es, der Willigis, seinen engen Vertrauten, zum Bischof von Mainz erhob, der damit auch Erzkanzler im Reich wurde. Ottos Ehefrau Theophanu agierte elf Jahre lang als Mitkaiserin des römisch-deutschen Reiches an der Seite ihres Ehemannes; nach dessen Tod führte sie sieben Jahre lang die Regentschaft für ihren Sohn Otto III. Sie war, unterstützt von Willigis, eine der einflussreichsten Herrscherinnen des Mittelalters. Mit Heinrich II. endete allerdings die Ottonendynastie und die Königwürde ging an die Salier über. Es war Konrad II., der im Jahr 1024 zum ersten Salierkönig gewählt wurde und dessen Familie vor allem am Rhein begütert war. In jenem Raum, in dem die „größte Kraft des Reiches“ lag, wie der Chronist Otto von Freising schon im 12. Jahrhundert feststellte.

Der Vortrag „Rückkehr an den Rhein? Von den „Sachsenkaisern“ zu den Saliern“ ist zugleich eingebettet in die große Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“, die 2020 im Landesmuseum Mainz gezeigt wird. Die GDKE hat dazu hochrangige Experten/-innen und sachkundige Kenner/-innen für eine Vortragsreihe gewinnen können. Sie bieten anschaulich, umfassend und aus unterschiedlichen Perspektiven bereits im Vorfeld interessante Einblicke in das große Thema Mittelalter und einzelne Aspekte der Ausstellung. Die GDKE lädt hiermit herzlich ein, sich auf die Spuren der Kaiser und ihrer Herrschaftssysteme zu begeben.

Der Vortrag beginnt am Dienstag, 23. Juli, um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz. Der Eintritt ist frei.

Landesmuseum Mainz,
Große Bleiche 49-51.

Im Landesmuseum Mainz können Kunstliebhaber ihr eigenes Gemälde malen

Heinz Prüstel, ohne Titel © GDKE Rheinland-Pfalz – Landesmuseum Mainz (Foto: Ellen Löchner)Landesmuseum
Heinz Prüstel, ohne Titel © GDKE Rheinland-Pfalz – Landesmuseum Mainz (Foto: Ellen Löchner)Landesmuseum

Veranstaltung „Cool to color“ findet am 18. Juni statt / parallel dazu ist Weinsalon im Innenhof zu Gast

Selbst tätig zu werden, ist einer der Schlüssel zum Spaß an der Kunst. Wer schon immer mal sein eigenes Gemälde malen wollte, der kann das am 18. Juni im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) tun. Bei der Veranstaltung „Cool to color“ können Kunstliebhaber unter Anleitung der Mainzer Malerin Patricia Hell ein großformatiges Werk schaffen, das sie mit nach Hause nehmen können. Patricia Hell ist versiert im Umgang mit Öl- und Acrylfarbe, Mal – und Zeichenwerkzeugen aller Art – und im Hinsehen, das sie in Zeichnungen seit vielen Jahren humorvoll und treffend protokolliert (www.patriciahell.de).

Als Inspiration dient allen Malbegeisterten ein Werk von Heinz Prüstel. Das 1953 erschaffene Gemälde bringt Formen und Farben im eleganten Zusammenspiel zur Geltung. Das auf den ersten Blick recht schlicht wirkende Werk ohne Titel präsentiert bei näherem Hinsehen die grundlegenden Gestaltungsmittel Linie, Fläche und Farbe im ausgewogenen Kräftespiel. Hinsehen, Zeichnen und auf der großen Leinwand die eigene Umsetzung finden – das erwartet die Teilnehmer bei dem rund dreistündigen Mal-Event „Cool to color“, das am Dienstag, 18. Juni, um 18 Uhr beginnt. Parallel dazu ist der Mainzer Weinsalon zu Gast im Innenhof. Die Teilnahme an „Cool to color“ kostet € 35,- inklusive allen Materials, der Wein ist darin nicht enthalten. Eine Anmeldung ist erforderlich unter anmeldung.muspaed@gdke.rlp.de.

Diaspora-Architektur: Die Bauten der SchUM-Gemeinden im christlichen Umfeld

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Vortrag im Landesmuseum Mainz von Professor Untermann über die Bauten der jüdischen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz

Einen hochinteressanten Einblick in die Baugeschichte der Monumente und Friedhöfe der jüdischen Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz bietet Dr. Matthias Untermann, Professor für Mittelalterliche Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg, am 4. Juni 2019 in seinem Vortrag über die „Diaspora-Architektur: Die Bauten der SchUM-Gemeinden im christlichen Umfeld“. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE).

Synagogen, Frauenschulen und Mikwen (rituelle Bäder) der mittelalterlichen jüdischen Gemeinden waren, so Untermann, hochbedeutende, richtungsweisende Bauwerke der jüdischen Religion in Mitteleuropa. Sie entstanden in den wichtigsten Bischofsstädten am Rhein, zeitgleich mit den Kathedralen, Kirchen und Klöstern der christlichen Mehrheitsgesellschaft. Sowohl die Bauweise als auch die Bauformen der jüdischen Gemeindebauten entsprechen den Erfordernissen der Religion, sie zeigen aber auch deutlich, dass ihre Auftraggeber in die städtische Gesellschaft und damit in das christliche Umfeld integriert waren.

Die jüdischen Gemeinden hatten damals eine hohe Bedeutung und repräsentierten eine der wichtigen und potenten Bevölkerungsgruppen der aufstrebenden Städte in Speyer, Worms und Mainz. Teilweise wurden sie gewaltsam verfolgt, standen aber auch immer wieder unter dem Schutz der bischöflichen Stadtherren. Ihre Bauten sind anschauliche, einzigartige Zeugnisse dieser spannungsreichen Diaspora-Situation, die die Erinnerung an den Verlust des Tempels in Jerusalem wach hielt und zugleich die Teilhabe an der mittelalterlichen Stadtgesellschaft zum Ausdruck brachte. Professor Untermann geht in seinem Vortrag auch auf den UNESCO-Welterbeantrag „Die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz“ ein, der aktuell unter Federführung des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur (MWWK) in einer Arbeitsgruppe aus Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE), Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Universitäten sowie dem SchUM-Verein e.V. und in Abstimmung mit den Städten und der Jüdischen Gemeinde Mainz erarbeitet wird.

Der Vortrag „Diaspora-Architektur: Die Bauten der SchUM-Gemeinden im christlichen Umfeld“ ist zugleich eingebettet in die breit angelegte Vortragreihe zur großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“, die 2020 im Landesmuseum Mainz gezeigt wird. Die GDKE hat dazu hochrangige Experten/-innen und sachkundige Kenner/-innen für eine Vortragsreihe gewinnen können. Sie bieten anschaulich, umfassend und aus unterschiedlichen Perspektiven bereits im Vorfeld interessante Einblicke in das große Thema Mittelalter und einzelne Aspekte der Ausstellung. Die GDKE lädt hiermit herzlich ein, sich auf die Spuren der Kaiser und ihrer Herrschaftssysteme zu begeben.

Der Vortrag beginnt am Dienstag, 4. Juni, um 18 Uhr im Landesmuseum Mainz. Der Eintritt ist frei.

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49-51.

Zukunft lebendiger Traditionen – Landesmuseum Mainz beteiligt sich am internationalen Museumstag

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Mit einem abwechslungsreichen Programm aus Führungen und Angeboten für Kinder präsentiert sich das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) beim internationalen Museumstag am 19. Mai. Unter dem Motto „Museen – Zukunft lebendiger Traditionen“ stellt die Kulturinstitution in der Großen Bleiche Schwerpunkte ihrer Arbeit vor und wirft zugleich einen Blick in eine lebendige Zukunft.

Um 11 Uhr führt Dr. Karoline Feulner durch die aktuelle Sonderausstellung „Emy Roeder – Das Kosmische allen Seins“. Die Kuratorin beleuchtet dabei die künstlerischen, zeitgeschichtlichen und gesellschaftlichen Aspekte von Emy Roeders Leben und Werk. Um 13 Uhr erläutert Restauratorin Manuela Fürstenau am Beispiel von Cranach und seiner Werkstatt, wie man mittels Infrarot-Untersuchung die Künstlerhand bestimmt. Um 15 Uhr macht Ursula Wallbrecher die Besucher mit dem „Who is who“ des 19. Jahrhunderts bekannt: Veit, Brentano, von Arnim …

Von 11 – 16 Uhr gibt es zeitgleich zwei praxisorientierte Angebote für Kinder: Glashündchen Kelti, das Maskottchen des Landesmuseums, steht Modell für Schlüsselanhänger aus Salzteig. Außerdem entstehen unter dem Motto „Das kann nicht weg, das wird noch Kunst!“ im Upcycling-Camp kleine Kunstwerke aus Tetrapacks.

Der Eintritt ist, wie in jedem Jahr am Internationalen Museumstag, frei und alle Angebote sind kostenlos.

Der internationale Museumstag findet seit 1978 statt. Seit 1992 wird der Aktionstag von einem jährlich wechselnden Motto begleitet. Der Internationale Museumstag möchte auf das breite Spektrum der Museumsarbeit und die thematische Vielfalt der Museen in aller Welt aufmerksam machen.

Landesmuseum Mainz

„Heilige Paläste“ für Kaiser und Könige? Vortrag im Landesmuseum Mainz am 14. Mai

Adlerfibel © GDKE Rheinland-Pfalz – Landesmuseum Mainz. Foto: Ursula Rudischer
Adlerfibel © GDKE Rheinland-Pfalz – Landesmuseum Mainz. Foto: Ursula Rudischer

Wie heilig waren die Herrscherpaläste der Kaiser und Könige im Mittelalter? Dieser Frage geht Prof. Dr. Matthias Müller von der Johannes Gutenberg-Universität in seinem Vortrag am 14. Mai um 18.30 Uhr im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) nach. Unter dem Titel „Heilige Paläste“ für Kaiser und Könige? stellt der Experte für mittelalterliche Kunstgeschichte unterschiedliche Quellen aus der Karolingerzeit vor, die durchaus Hinweise dazu liefern, dass zu dieser Zeit Herrschaftspaläste als heilige Orte verstanden wurden. So wird die Aachener Pfalz Karls des Großen ebenso als heiliger Palast („sacrum palatium“) bezeichnet wie der Frankfurter Königshof. Anders verhält es sich für die Epoche des hohen und späten Mittelalters. Aus dieser Zeit existieren keine schriftlichen Belege, die diese Annahme stützen. Wie Prof. Dr. Müller darlegen wird, gibt es allerdings bildliche Darstellungen aus der französischen Kunst des späten Mittelalters, in denen die Auffassung von einer sakralen Qualität irdischer Paläste weitergeführt wird.

„Heilige Paläste“ für Kaiser und Könige? mit dem Untertitel „Zum Weiterleben des karolingischen „sacrum palatium“ in der französischen Buchmalerei und Tapisseriekunst um 1400“ ist Teil der Vortragsreihe zur großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“, die 2020 im Landesmuseum Mainz gezeigt wird. Die GDKE hat dazu hochrangige Experten und sachkundige Kenner gewinnen können. Sie bieten anschaulich, umfassend und aus unterschiedlichen Perspektiven bereits im Vorfeld spannende Einblicke in die Konzeption und die Themenfelder der Ausstellung. Die GDKE lädt hiermit herzlich auf eine faszinierende Zeitreise ins Mittelalter ein.

Der Vortrag beginnt am Dienstag, 14. Mai, um 18.30 Uhr im Landesmuseum Mainz. Der Eintritt ist frei.