Kategorie-Archiv: Staatskanzlei Rheinland-Pfalz

Verfassungsfest 18. Mai 2024: Land Rheinland-Pfalz feiert die Demokratie – Landtag öffnet seine Pforten

Verfassungsfest 2023 © Foto Diether von Goddenthow
Verfassungsfest 2023 © Foto Diether von Goddenthow

Der Landtag Rheinland-Pfalz öffnet am 18. Mai 2024 wieder seine Türen und feiert die Demokratie. Im Rahmen des Verfassungsfests wird an diesem Tag im und rund um das Mainzer Deutschhaus am Rhein ein vielfältiges Programm für alle Altersgruppen angeboten.

„Gemeinsam feiern wir diesen Festtag der Demokratie und erinnern daran, dass die Bürgerinnen und Bürger von Rheinland-Pfalz am 18. Mai 1947 der Verfassung des nach dem Zweiten Weltkrieg neu geschaffenen Landes zugestimmt haben“, sagte Landtagspräsident Hendrik Hering. „Gerne öffnen wir auch in diesem Jahr wieder die Tore des Landtags, um allen Interessierten einen Einblick in die Arbeits- und Funktionsweisen der Werkstatt unserer Demokratie zu bieten, zum Mitgestalten zu motivieren und für die Demokratie zu begeistern“, lädt Landtagspräsident Hendrik Hering herzlich ein. Insbesondere in diesen Zeiten sei es wichtig, sich bewusst zu machen, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit sei, sie aber Freiheit, Frieden und Wohlstand sichere. Sie lebe vor allem vom Mitmachen und „sich einmischen“. Auch das Büro des Landtagspräsidenten kann inspiziert werden und in einem der Ausschussräume wird exemplarisch der Ablauf einer Ausschusssitzung erklärt.

Führungen, Musik und Lesungen
Die Besucherinnen und Besucher erwartet im und am Landtag ein buntes Programm aus Informationen, Ausstellungen, Kultur und Politik für die ganze Familie. Es besteht die Gelegenheit, den Plenarsaal zu besichtigen, an Führungen durch das Deutschhaus teilzunehmen sowie ein abwechslungsreiches musikalisches Angebot zu erleben. Die Big Band des Polizeipräsidiums Ludwigshafen und die Brass-Band BRASSERS, die USAREUR-AF Band and Chorus sowie Anny Ogrezeanu, Sieger der Casting-Show „The Voice of Germany“ 2022“, bieten ein vielseitiges musikalisches Programm auf der Bühne im Innenhof des Landtags. Im Plenarsaal unterhält die musikalische Lesung „Democracy is Coming, Motzki liest, Maier singt, Schärf spielt Cohen und Dylan”. Ein Stand der Bürgerbeauftragten des Landes Rheinland-Pfalz und der Beauftragten für die Landespolizei informiert über deren Tätigkeit.

Der Landtag als Arbeitgeber
Der Landtag präsentiert sich unter dem Motto „Wir begeistern für die Demokratie“ als Arbeitgeber und gibt Einblicke in die vielfältigen spannenden Tätigkeitsbereiche. Ebenso werden die unterschiedlichen Bildungsangebote des Landtags im Rahmen seiner „Demokratie-Offensive“ vorgestellt wie beispielsweise Bildungsprojekte für Schulen und Berufsschulen, aber auch Projekte zur Demokratiegeschichte sowie zu Erinnerungskultur und Gedenkarbeit.

Besonders willkommen sind an diesem Tag auch die Jüngsten: Julian Janssen, auch bekannt als „Checker Julian“ auf KiKA, erklärt den jungen Gästen das Parlament. Darüber hinaus gibt es Lesungen aus dem Pixi-Buch „Im Landtag ist was los“ sowie Kinderschminken.

Kulturelles aus Partnerregionen
Vertreten sind auch die Partnerregionen von Rheinland-Pfalz Burgund-Franche-Comté, Oppeln und Mittelböhmen. Diese informieren nicht nur über ihre kulturellen und touristischen Highlights, sondern bieten auch ihre speziellen kulinarischen Genüsse an. Für das leibliche Wohl sorgt das Landtagsrestaurant in Kooperation mit einem Stand der Weinraumwohnung, dem Eisstand N’EIS, einem Stand der Kaffeerösterei Müller sowie die Landfrauen aus Mainz-Finthen.

Weitere aktuelle Informationen, das Programm sowie ein Lageplan findet sich demnächst auf der Website des Landtags unter www.landtag.rlp.de.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer eröffnet rheinland-pfälzischen Kultursommer 2024 auf der Feste Ehrenbreitenstein

Kultursommer Rheinland-Pfalz. Impression von den Historienspielen auf der Festung Ehrenbreitstein (Archivfoto), wieder am 9./11. u. 12. Mai 2024. © Foto Diether von Goddenthow
Kultursommer Rheinland-Pfalz. Impression von den Historienspielen auf der Festung Ehrenbreitstein (Archivfoto), wieder am 9./11. u. 12. Mai 2024. © Foto Diether von Goddenthow

Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Kulturstaatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck haben heute gemeinsam mit dem Koblenzer Oberbürgermeister David Langner im Kulturzentrum Festung Ehrenbreitstein den Kultursommer Rheinland-Pfalz offiziell eröffnet. Die Veranstaltungen der 33. Saison stehen unter dem Motto „Kompass Europa: Sterne des Südens“ und beenden damit den Zyklus, in dem auf die Kulturen der europäischen Nachbarländer in allen Himmelrichtungen geblickt wurde. „Es ist so wichtig, sich gegenseitig intensiver kennen und eben auch besser verstehen zu lernen, damit wir die europäische Idee jeden Tag mit Leben füllen“, betonte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Bereits zum zweiten Mal ist auch in diesem Jahr die Bürgerinitiative „Pulse of Europe“ bei der Kultursommer-Eröffnung vertreten. Ministerpräsidentin Malu Dreyer weiß das zu schätzen: „Sie machen zum einen deutlich, dass wir viele unserer Probleme nur gemeinsam lösen können, zum anderen aber auch, welches Geschenk dieses Europa für uns alle ist!“ Gleichzeitig betonte sie die Bedeutung der Kommunen für die konkreten Entscheidungen vor Ort: „Deshalb sollte jeder und jede die Möglichkeit nutzen, am 9. Juni sowohl an den Europawahlen als auch an den Kommunalwahlen teilzunehmen!“

Preußische Kanonade. Sa. + So. mit Exerzieren & Musketensalven © Foto Diether von Goddenthow
Preußische Kanonade. Sa. + So. mit Exerzieren & Musketensalven © Foto Diether von Goddenthow

Kulturstaatssekretär Jürgen Hardeck bekräftigte: „Der Kultursommer ist und bleibt das Schaufenster der freien Kulturszene!“

Zwei Tage lang bringen Künstlerinnen und Künstler jetzt den Süden Europas auf die Festung Ehrenbreitstein. Es erklingen Lieder aus Italien und Griechenland ebenso wie Alphornklänge; Flamenco und Artistik aus Spanien laden zum Staunen ein. Straßentheater und Brassbands sind unterwegs – und vor allem am Sonntag gibt es besondere Angebote für das junge Publikum, unter anderem mit deutsch-italienischem Kindertheater.

Oberbürgermeister Langner freute sich über den Auftakt des Kultursommers in seiner Heimatstadt: „Wir freuen uns, dass in Koblenz bereits zum dritten Mal der Kultursommer eröffnet wird. Unsere Stadt liegt und sieht sich im Zentrum Europas, viele Nationalitäten beeinflussten und beeinflussen das Leben in dieser Stadt – gerade auch im kulturellen Bereich. So ist Koblenz zu dem geworden, was es ist: lebenswert und vielfältig. Daher freuen wir uns besonders, gastgebende Stadt in diesem Jahr sein zu dürfen.“

RömerTage in der RömerWelt, wieder am 4.-5. Mai 2024 © Foto Diether von Goddenthow
RömerTage in der RömerWelt, wieder am 4.-5. Mai 2024 © Foto Diether von Goddenthow

„Für mich ist das Besondere am Kultursommer Rheinland-Pfalz, dass er hochwertige Festivals und vielfältige Kulturprojekte auch in den ländlichen Räumen ermöglicht. Zudem gibt er vielen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen, mit ihren Ideen und ihrer Kreativität“, so die Ministerpräsidentin. Damit vereint der Kultursommer Rheinland-Pfalz jedes Jahr von Mai bis Oktober über 200 Kulturprojekte aller Sparten und damit mehrere tausend Einzelveranstaltungen im ganzen Land unter seinem Dach, von den Nibelungenfestspielen in Worms bis zu Rock the Forest in Rengsdorf/Westerwald, von Ausstellungen in Schönecken/Eifel bis zu Musik des Mittelalters in der Pfalz.

Das Programm zum Eröffnungswochenende gibt es unter: www.kultursommer-eroeffnung.de

Informationen zum gesamten Kultursommer Rheinland-Pfalz von Mai bis Oktober im ganzen Land sind unter www.kultursommer.de zu finden.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer dankt ehrenamtlichen Helden und Heldinnen des Alltags beim Bürgerempfang

Ministerpräsidentin Malu Dreyer empfing heute über 350 junge Menschen in der Staatskanzlei, um ihnen für ihr vorbildhaftes ehrenamtliches Engagement zu danken. © Foto Diether von Goddenthow
Ministerpräsidentin Malu Dreyer empfing heute über 350 junge Menschen in der Staatskanzlei, um ihnen für ihr vorbildhaftes ehrenamtliches Engagement zu danken. © Foto Diether von Goddenthow

 

Einmal im Jahr öffnet die Staatskanzlei ihre Türen für ehrenamtlich Engagierte. Diesmal stehen vor allem junge Menschen im Mittelpunkt, die sich in den vielfältigen Bereichen des Ehrenamts einsetzen. „Das großartige Engagement der vielen jungen Menschen, die heute gekommen sind, erfüllt mich mit Stolz und Wertschätzung. Ich sehe hier heute ganz viel Kraft und Aufbruchsgeist. Das macht Rheinland-Pfalz zu einem tollen Bundesland, in dem es Spaß macht zu leben und in dem es die Aussicht auf eine gute Zukunft gibt“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer beim Bürgerempfang in der Staatskanzlei.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer, © Foto Diether von Goddenthow
Ministerpräsidentin Malu Dreyer, © Foto Diether von Goddenthow

„Ihr Engagement macht Sie zu Helden und Heldinnen des Alltags von heute und von morgen. Sie alle eint, dass Sie sich als junge Menschen für die gemeinsame Sache engagieren; für das, was uns alle angeht. Sie mischen mit Begeisterung und klugen, neuen Ideen mit. Was Sie bewegen, bringt uns nach vorne! Sie alle engagieren sich in ganz unterschiedlichen Bereichen. Sei es in Jugendparlamenten, Rettungsdiensten, Hilfsorganisationen, Unternehmensvertretungen, Sportvereinen und in vielen anderen Organisationen, Initiativen und Aktionen. Ihr Engagement ist vielfältig und Ihre Ideen und Taten formen unser Jetzt und unsere Zukunft. Durch Ihr Tun und Wirken machen Sie einen Unterschied im Leben anderer und einen Unterschied in unserem Land“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

„Mit Ihrem Engagement sind Sie in mehrfacher Hinsicht nicht allein: Meine Landesregierung steht hinter Ihnen und hört auf Ihre Stimmen. Wir sind davon überzeugt, dass Sie die Zukunft mit Ihrer Meinung positiv prägen können. Ich stehe mit voller Überzeugung für das Wählen ab 16 Jahren und ich werde nicht müde, weiter dafür zu kämpfen, dass Wählen ab 16 auch bei der Landtags- und Bundestagswahl möglich wird. Wählen ist ein Grundrecht und das steht jungen Menschen zu. Mit dem Wahlrecht ab 16 stärken wir unsere Demokratie und dies ist ein Gewinn für uns alle“, so die Ministerpräsidentin.

Einmal im Sessel der Ministerpräsidentin sitzen, einmal so tun als ob - Viel Spaß hatten die Jugendlichen bei der Erkundung der Staatskanzlei. © Foto Diether von Goddenthow
Einmal im Sessel der Ministerpräsidentin sitzen, einmal so tun als ob – Viel Spaß hatten die Jugendlichen bei der Erkundung der Staatskanzlei. © Foto Diether von Goddenthow

Was jetzt entschieden werde, stelle die Weichen für zukünftige Generationen. Wenn man gutes Leben in Rheinland-Pfalz zukunftsfest machen wolle, brauche es die Perspektive der jungen Generation – sei es beim Klimaschutz, bei der Digitalisierung oder bei der Gesundheitsversorgung. „Ich bin froh, dass bei den Wahlen zum Europäischen Parlament schon alle Bürger und Bürgerinnen ab 16 mitentscheiden dürfen. Bitte ermutigen Sie jede und jeden, am 9. Juni wählen zu gehen und setzen auch Sie Ihre Stimme ein. #use your vote oder #Nutze Deine Stimme ist das Motto für die Europawahl. Wenn viele junge Menschen wählen, zeigen sie gemeinsam, dass sie die Richtung mitbestimmen wollen und dass sie die Kraft haben, zu entscheiden, ob wir ein offenes weltzugewandtes Europa haben oder ein Europa, in dem Grenzen mehr zählen als Freiheit und Freundschaft“, erklärte die Ministerpräsidentin.

„Alle, die sich für unser Gemeinwohl und unsere demokratische, offene Gesellschaft engagieren, stärken die Gemeinschaft und setzen damit ein Fundament gegen alle Versuche, unsere Gesellschaft zu spalten. Lassen Sie uns gemeinsam gegen Fake News antreten, indem wir jede noch so kleine Grenzüberschreitung benennen, indem wir uns zusammenschließen,“ betonte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Rheinland-Pfalz sei ein Land des Zusammenhalts und des Engagements und dies sei die beste Grundlage, um ein starkes Demokratie-Land zu sein. Die Landesregierung stehe dem Ehrenamt als aktive Förderin zur Seite und wolle gute Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehöre unter anderem die Einführung der Ehrenamtskarte.

Abschließend bedankte sich die Ministerpräsidentin bei allen, die sich in Rheinland-Pfalz engagieren: „Wir brauchen Menschen wie Sie, die anpacken, dranbleiben und die Welt bewegen, die im Jetzt und im Heute leben und das Morgen sehen. Nochmal ganz herzlichen Dank und ein lautes Weiter-So für Sie und Ihr Engagiert-Sein!“

Impression aus dem Medienraum, wo sich die jungen Leute über Möglichkeiten von KI erkundigen konnten. © Foto Diether von Goddenthow
Impression aus dem Medienraum, wo sich die jungen Leute über Möglichkeiten von KI erkundigen konnten. © Foto Diether von Goddenthow

Während des gesamten Empfangs wurde den Gästen ein vielfältiges Programm geboten. Nach der Begrüßungsansprache haben die Ehrenamtlichen Gelegenheit für ein Foto und ein Gespräch mit der Ministerpräsidentin. Darüber hinaus konnten sie die Staatskanzlei erkunden und ihre Fragen an die Mitarbeitenden richten. Dazu stehen alle Räume, vom Stresemannsaal bis zum Kabinettssaal, dem Weinkeller und dem Büro der Ministerpräsidentin, offen.

Wirtschaftsforum 2024: Freiheitliche Demokratie ist wichtiges Fundament für die Zukunft unserer Wirtschaft

Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Sprecherin des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) © Foto Jutta Ziegler
Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Sprecherin des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) © Foto Jutta Ziegler

Die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V. und Boehringer Ingelheim Deutschland haben gemeinsam mit der Mainzer Wissenschaftsallianz zum Wirtschaftsforum 2024 eingeladen. Am Abend kamen in Ingelheim mehr als 250 Gäste zusammen, um Teil des jährlichen Wirtschaftsausblicks zu sein.

„Nach einigen Krisenjahren sind die wirtschaftliche Lage und auch die Stimmung in der Gesellschaft weiterhin angespannt. Es gibt aber trotz aller Herausforderungen auch einiges, was mich zuversichtlich stimmt. Das sind zum Beispiel die vielen Menschen und Organisationen, die seit vielen Wochen mit voller Überzeugung und sehr gut sichtbar für unsere Demokratie einstehen. Das ist die Tatsache, dass viele Unternehmen ihre Zukunft hier bei uns im Land sehen und sich für Rheinland-Pfalz als einen starken und zukunftsfähigen Standort einsetzen“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Viele rheinland-pfälzische Unternehmen seien nicht nur wichtige Arbeitgeber, sondern auch überregional beachtete Innovationstreiber. Es sei der Landesregierung daher wichtig, im guten Dialog mit der Wirtschaft zu sein und gemeinsam zukunftsfähige Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln. Die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V. biete seit mehr als 30 Jahren viele interessante Möglichkeiten für diesen konstruktiven und innovativen Austausch.

Talkrunde auf dem ZIRP-Wirtschaftsforum mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Dr. Fridtjof Traulsen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Boehringer Ingelheim Deutschland GmbH, Stefan Schneider, Senior Advisor für Deutschland und Europa und Susanne Kayser, Public Value Managerin ZDF, und Prof. Dr. Nicole Deitelhoff. © Foto Jutta Ziegler
Talkrunde auf dem ZIRP-Wirtschaftsforum mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Dr. Fridtjof Traulsen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Boehringer Ingelheim Deutschland GmbH, Stefan Schneider, Senior Advisor für Deutschland und Europa und Susanne Kayser, Public Value Managerin ZDF, und Prof. Dr. Nicole Deitelhoff. © Foto Jutta Ziegler

Im Fokus des diesjährigen Wirtschaftsforums stand neben dem Blick auf die konjunkturelle Entwicklung das Thema „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“. Wesentliche Grundlage für ein gutes Leben und auch für ein gutes Wirtschaften sei die freiheitliche Demokratie, hob Ministerpräsidentin Dreyer im Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft und Medien hervor. Rheinland-pfälzische Unternehmen seien für dringend benötigte internationale Fachkräfte zweifellos weniger attraktiv, wenn Deutschland als demokratie- und fremdenfeindlich gelte. Das Stärken von Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt sei damit zurecht auch für die Wirtschaft ein wichtiges Thema. „Im Superwahljahr 2024 stehen wir an einem wichtigen Scheideweg. Es geht um die Zukunft unserer Gesellschaft und unseres Zusammenlebens. Deshalb ist es wichtig, dass wir heute mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen auf die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Ereignisse und Entwicklungen des Jahres schauen und auf das, was wir alle in unseren jeweiligen Verantwortungsbereichen tun können beziehungsweise tun müssen“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Dr. Fridtjof Traulsen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Boehringer Ingelheim Deutschland GmbH, eröffnete die Veranstaltung. Traulsen betonte: „Respekt, Vertrauen und Empathie sind fest in unserem Leitbild verankert, sie sind der Kompass für unser Miteinander und grundlegende Werte, auch für mich persönlich. Bei Boehringer Ingelheim stehen wir ein für Offenheit und Vielfalt. Innovationen gelingen am besten dort, wo sich alle Mitarbeitenden frei entfalten können. Neue Ideen entstehen im Miteinander vieler kluger Köpfe, fast immer auch in internationalen Teams mit ganz vielfältigen kulturellen Hintergründen. Wir haben die Wahl und die demokratischen Rechte, diese Werte aktiv zu schützen. Nur mit gemeinsamen Grundwerten können wir zusammen wachsen. Das ist seit jeher unsere Überzeugung.“

In seiner Konjunkturprognose für 2024 beleuchtete Stefan Schneider, Senior Advisor für Deutschland und Europa, Deutsche Bank Research unterschiedliche Einflussfaktoren auf die deutsche Wirtschaft. So sollte zum Beispiel die Wirkung einiger der Belastungsfaktoren, die die deutsche Wirtschaft aktuell auf Rezessionsniveau abbremsen, wie Inflation und Zinsen, im Sommer nachlassen. Stützende Impulse seitens der Weltwirtschaft könnten dagegen mit den herannahenden US-Wahlen wieder in den Hintergrund treten.

Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Sprecherin des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), sprach über „Zusammenhalt und Demokratie“. Sie machte deutlich, wie Zusammenhalt aus Konflikt entstehen kann, sprach über die Notwendigkeit von Streitkultur und Streiträumen und was jeder und jede Einzelne zu einer guten Streitkultur beitragen kann. Deitelhoff führte aus: „Um die Demokratie kämpfen heißt sich nicht länger abzuwenden: Die Konflikte annehmen und sie mit demokratischer Haltung zu führen.“

Über den Beitrag und Nutzen, den Medien für die Gesellschaft erbringen können, um das Gemeinwohl zu fördern, sprach am Beispiel des ZDF Susanne Kayser, Public Value Managerin ZDF.

Die 1992 gegründete Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V. ist ein einzigartiges und hochrangiges Netzwerk aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur. Im gemeinsamen Engagement von etwa 100 unterschiedlichen Persönlichkeiten, Unternehmen und Institutionen stärkt die ZIRP das Land Rheinland-Pfalz als internationalen Wirtschaftsstandort, als attraktiven Raum zum Leben und Arbeiten sowie als Ort lebendiger Kultur. Dabei gibt die ZIRP Impulse zu wichtigen Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Fachkräftesicherung, Wissenstransfer und Stadtentwicklung, oder auch gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.zirp.de.

Carl Zuckmayer-Medaille 2024 an Schriftsteller und Schauspieler Matthias Brandt verliehen

Ministerpräsidentin Malu Dreyer ehrt Matthias Brandt mit der Carl Zuckmayer Medaille im Mainzer Staatstheater - © Foto: Diether von Goddenthow
Ministerpräsidentin Malu Dreyer ehrt Matthias Brandt mit der Carl Zuckmayer Medaille im Mainzer Staatstheater – © Foto: Diether von Goddenthow

Wir kennen Matthias Brandt insbesondere als Kommissar Hanns von Meuffels aus dem Polizeiruf oder jüngst als Martin aus dem ARD-Silvester-Special „Kurzschluss“. Dass Matthias Brandt auch ein hervorragender Schriftsteller ist, Hörbücher einliest und als musikalischer Wortkünstler mit eigenen Bühnenprogrammen unterwegs ist, ist weniger geläufig. Für seine Verdienste um die deutsche Sprache hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer den Schauspieler und Schriftsteller Matthias Brandt am 18. Januar 2024 bei der Feierstunde im Mainzer Staatstheater vor 800 Gästen aus Kultur, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft mit der Carl-Zuckmayer-Medaille 2024, der höchsten Kulturauszeichnung des Landes Rheinland-Pfalz, ausgezeichnet.  

Ministerpräsidentin Malu Dreyer. © Foto: Heike  von Goddenthow
Ministerpräsidentin Malu Dreyer. © Foto: Heike von Goddenthow

Die Ministerpräsidentin würdigte Matthias Brandt bei der Preisverleihung als herausragenden Künstler, der die Vielfältigkeit des Lebens mit seinen Worten und seiner Schauspielkunst zum Leuchten bringe. „Das Menschliche bekommt durch seine Kunst die ganz große Bühne. Als brillanter Schauspieler, als feinsinniger Schriftsteller und als hochmusikalischer Wortkünstler setzt Matthias Brandt wichtige gesellschaftliche Themen. Er bringt die Sprache zum Klingen und folgt dabei seinem eigenen Rhythmus. Er zeigt uns, wie man eine Botschaft vermittelt und Menschen berührt, ohne laut oder schrill zu sein“, sagte die Ministerpräsidentin.

„Jeder und Jede, der sich mit der Kunst von Matthias Brandt beschäftigt, spürt, wie aufrichtig er an den Menschen interessiert ist und wie unvoreingenommen er die Welt um ihn herum beobachtet. Die Zuckmayer-Fans unter uns wissen, dass genau darin das Verbindende zwischen ihm und Carl Zuckmayer liegt. Auch der rheinhessische Dramatiker lenkte durch seine Stücke unseren Blick auf den Menschen in einem bestimmten System“, so die Ministerpräsidentin.

Matthias Brandt spreche mit seinen Augen und den Pausen zwischen seinen Sätzen. Er vermöge es wie wenige andere, seiner Stimme eine Klangfarbe zu geben, die unter die Haut gehe. Genauso wie die gesellschaftlichen Themen und die Personen, die er mit seiner Schauspielkunst in den Mittelpunkt rücke. „Es ist mir eine große Ehre, ihm die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz zu verleihen“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Talk

Moderatorin und Sängerin Carlotta Hein. Schauspielerin am  Staatstheater Mainz. © Foto: Diether von Goddenthow
Moderatorin und Sängerin Carlotta Hein. Schauspielerin am Staatstheater Mainz. © Foto: Diether von Goddenthow

Carlotta Hein, Schauspielerin am Mainzer Staatstheater, eröffnete den Abend mit dem wunderbar interpretierten Song“These days” von Nico, führte pointiert durch‘s Programm und den Talk mit Malu Dreyer und Matthias Brandt über die Bedeutung von Sprache, Schauspiel und – tagesaktuell – über die Gefahren von Rechts. Dabei sagte die Ministerpräsidentin: „Heute, wo in Mainz und in ganz Deutschland Demonstrationen gegen Rechtsextremismus stattfinden, möchte ich ganz klar aussprechen: Stoppt die Brandstifter, stoppt die Feinde der Demokratie. In einer Zeit, in der Rechtsextremisten ganz offen die Menschenwürde und das demokratische Gleichheitsversprechen in Frage stellen, ist es mir ein besonderes Anliegen, an alle zu appellieren, die eigene Stimme für Demokratie und Menschlichkeit zu nutzen. Es ist gut, dass es Künstler wie Matthias Brandt gibt, die der Menschlichkeit eine eigene Sprache schenken“, so Malu Dreyer. Auch der Preisträger bekundete seine Solidarität mit den Demonstrantinnen und Demonstranten. Eine große Mehrheit der Bevölkerung will mit Rechtsradikalen nichts zu tun haben und diese Mehrheit zeigt das jetzt auch. Deswegen ist es großartig, dass Mainz heute auf die Straße geht“, sagte Matthias Brandt.

Carlotta Hein im Gespräch mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Matthias Brandt. © Foto: Heike  von Goddenthow
Carlotta Hein im Gespräch mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Matthias Brandt. © Foto: Heike von Goddenthow

Carlotta Hein las im Anschluss daran aus Matthias Brandts Werk »Raumpatrouille« eine herrlich absurde Geschichte über den 7jährigen Jungen, der bei Vorbereitungen einer Zauber-Performance für die Familie während pyrotechnischen Erstversuche mit Streichhölzern an einer Gardine zu seinem Erstaunen einen Zimmerbrand auslöste, und in seiner ihn lähmenden Erschütterung darüber in allerletzter Minute von seiner Mutter gerettet wurde.

Helge Malchow – Brandts Geschichten  zeigen  die Brüchigkeit und tiefe Unsicherheit der menschlichen Existenz auf

Laudator Helge Malchow vom Verlag Kiepenheuer & Witsch, langjähriger Wegbegleiter, Freund und Lektor der Bestseller „Blackbird“ und „Raumpatrouille“ © Foto: Heike  von Goddenthow
Laudator Helge Malchow vom Verlag Kiepenheuer & Witsch, langjähriger Wegbegleiter, Freund und Lektor der Bestseller „Blackbird“ und „Raumpatrouille“ © Foto: Heike von Goddenthow

„Matthias Brands Grenzgänge zwischen diesen beiden Welten ‚Schauspieler‘ und ‚Schriftsteller‘“ seien „schwindelerregend und dauerten schon ein Leben lang“, unterstrich Helge Malchow, Brandts früherer Verleger, Wegbegleiter und Lektor vom Verlag Kiepenheuer & Witsch, in seiner Laudatio. Brandts beide Werke „Raumpatrouille“ ( 2016) und „Blackbird“ (2019) wurden zu Bestsellern.

„Raumpatrouille“ ist ein berührender, wunderbarer Geschichtenband, „atmosphärisch genau, durch die Augen eines Kindes erzählt, dessen Vater gerade Bundeskanzler ist“, aus einer Zeit, „die für uns heute Vergangenheit ist“, der „frühen 1970er Jahre der alten Bundesrepublik, als in den Straßenbahnen noch die letzten Kriegsversehrten saßen, und an den Bushaltestellen der Polizeistationen die ersten RAF-Fahndungsplakate hingen“, als die Hauptstadt noch „unsere kleine am Rhein war“, und „in der ZDF-Hitparade ‚Mami Blue‘ von Ricky Shayne den Song der Jugend vorgab und die Zukunft ein romantisches Versprechen war, nicht nur wegen der Mondlandung im Juli 1969“, so Helge Malchow. Als Beispiel las er aus Brandts Band die Geschichte „Alles anders“. In dieser imaginiert der 10jährige Kanzlersohn unter anderem, wie er seinem Lieblings-Wachmann in einem unbemerkten Moment die Dienstpistole entwendet, um diesem bei Rückkehr vom Toilettengang einen gehörigen Schreck einzujagen. Aber plötzlich bohrt sich ein absurder Gedanke in den Kindskopf: „Was, wenn ich wirklich schoss“, „danach“, heißt es, „würde alles anders sein“.

Mit diesem Moment, so Malchow, „plötzlich würde alles anders sein“ habe „die Geschichte ein geheimes Thema gesetzt, das alle 14 Erzählungen des Bandes bis zum Schluss durchzieht“. Es gibt die Welt der gepflegten Ordnung, der Schutzräume in der Familie. „Und dann“, so Malchow,“ gibt es einen Moment, in dem plötzlich alles anders sein könnte: Ganz anders, indem eine Katastrophe denkbar wird, indem etwas die Ordnung der Welt durchbricht.“ Es sei, wie es der slowenische Philosoph Slavoj Žižek einmal nannte, so der Laudator, „der Einbruch des Realen in die Realität“. DSCF1234-raumpatroulie-matthias-brandt-250-(c)-diether-von-goddenthowDieser Moment könne, so Malchow, in den Erzählungen unterschiedlichste Gestalt annehmen: „eine Krankheit, eine Gewalttat auf dem Schulhof, ein Fahrradunfall des Vaters, eine brutale Fußballniederlage oder ein veritabler Zimmerbrand“. Brandt lässt den Jungen sagen: „Dieser Moment war der schrecklichste, den ich bisher erlebt hatte. Er war viel angsteinflößender als das Feuer. Denn es bröckelte jene Gewissheit, die das Fundament meines bisherigen Lebens gewesen war.“

Wie auch bei anderen großen Erzählern von Franz Kafka bis Heinrich Böll ereigneten sich in Brandts Geschichten unerwartete Erschütterungen, etwa Erlebnisse von Abschied, Schmerz, Ängsten, Aufbruch oder Liebe, „durch die eine unwiederbringliche Wandlung“ eintrete, „und uns auf die Brüchigkeit und tiefe Unsicherheit der menschlichen Existenz“ verwiesen, so Malchow.

Die kunstvolle erzählerische Doppelbelichtung aus unmittelbarem Erleben und Gegenwartsblick in allen seinen Erzählungen erlaube es Matthias Brandt im Übrigen, so Malchow, „diese zugleich zu einer Meditation über sein Lebensthema zu machen, das ihn vermutlich bis in seinen Schauspielerberuf getragen hat.“ Wenn der Junge in der titelgebenden Erzählung zum Astronauten werde, in einer anderen zu einem Zauberkünstler, zum Feuerwehrhauptmann, zum Briefträger oder zum Fußball-Torwart, lebe er „in einer Welt des Dazwischen. Er ist er selbst, und er ist es nicht“, und darin, so Malchow, erlebten wir „hier eine tiefe Sehnsucht nach Identitätswechseln, nach zweiten oder dritten Lebenswegen, um sich dem Verhängnis der Eindeutigkeit zwischen Geburt und Tod zu entziehen.“ Brandt, dessen Widerwille gegen Demagogie, und Alleswisser und Selbstbeweihräucherung sich ebenfalls wie ein roter Faden durch sein Werk ziehe, schenke uns eine Idee von Freiheit, „die uns auch als Erwachsenen stärkt“. Brandt Romane wären „ein Trainingsprogramm gegen Besserwisserei und für die hohe Kunst der Neugier“, übrigens auch gegen die Verschiedenheiten sogenannter Identitätspolitik, in der immer schon alle alles wissen, und alles feststeht: Wer sind die Opfer, wer sind die Täter“, so der Laudator“.

DSCF1235-blackbird---matthias-brandt-250-(c)-diether-von-goddenthowMatthias Brandts Romandebüt „Blackbird“ (2019), in dem Helge Malchow Parallelen zu J.D. Salingers „Fänger im Roggen“ erkennt, ist eine ergreifende turbulente Coming-of-Age-Geschichte eines 15jährigen, eine Lebensreise mit all den Umbrüchen in der Pubertät. Sie lässt uns „durch die Sprache, durch das Erzählen das Vergehen der Zeit spüren, „dem wir alle unterworfen sind“. Der Zeitfluss ist aber auch „der Strom, den wir Leben nennen, und der uns selbst als Leser rebellisch werden lässt“. J.D. Salingers habe in seinem Leben nur wenige Bücher – einen Roman und zwei kleinbändige Erzählungen – veröffentlich; da wäre „eine kleine Lücke, die Matthias Brandt noch füllen“ könne, „wenn es sich ergebe“, ermunterte Helge Malchow abschließend seinen Freund.

Dank des Preisträgers – zwischen Lampenfieber und die Lust am Sichzeigen

Matthias Brandt: "Eineinhalb Stunden gelobt werden. Meinetwegen könnte das so weitergehen" © Foto: Heike  von Goddenthow
Matthias Brandt: „Eineinhalb Stunden gelobt werden. Meinetwegen könnte das so weitergehen“ © Foto: Heike von Goddenthow

Matthias Brandt, sichtlich gerührt über die Herzlichkeit und Wärme, mit der er im Mainzer Staatstheater empfangen, geehrt und gelobt wurde nahm mit Freude und Stolz die Carl Zuckmayer-Medaille an, insbesondere jedoch, wie er in seinen Dankesworten darlegte, „stellvertretend für den jungen und ungelenken Schauspieler, der ich vor ein paar Jahrzehnten war vor einem Auftritt: schlotternd vor Angst, der wirklich nicht wusste, ob er den Schritt auf die Bühne überstehen würde, und der ihn trotzdem machen musste.“ Als Brandt ganz am Anfang, als junger Schauspieler auf der Bühne oder vor einer Kamera stand, tobte in ihm, wie er verriet, „ein heftiger Kampf zwischen zwei Kräften. Ich wollte mich unbedingt zeigen, und gleichzeitig verkriechen. Mal überwog das Sichzeigen – nein, aber damals meistens der Wunsch, unsichtbar zu sein.“ Als scheuer Mensch, der er bis heute geblieben sei, so Brandt, sei ihm Abend für Abend schlecht vor Lampenfieber gewesen, bis zu dem Moment, als „mir klar wurde, dass sich in diesem inneren Spannungsfeld zwischen diesen beiden Polen alles abspielt, was ich mache“, verriet der Preisträger, der vor allem auch das „Missverhältnis von Innen- und Außenwahrnehmung“ recht „abenteuerlich“ empfände. Denn er wisse nicht, „ob er denjenigen, den andere in mir sehen, wie er hier beschrieben“ wurde, auf der Straße bei einer Begegnung erkennen würde, so Brandt.

Aber eigentlich stünde er nicht deswegen auf der Bühne oder vor der Kamera, und „ich schreibe nicht deswegen meine Geschichten auf, um andere zu unterhalten, was bei „Gelingen“ ein schöner Nebeneffekt sei, „Sondern, ich mache das, um mich selbst dadurch besser zu verstehen, mich und die anderen“. Über den Umweg der Geschichten anderer Menschen, so Brandt, käme er sich näher. Schon als Kind habe er bei jeder Begegnung den Drang verspürt, „mein Gegenüber zu sein“. Ihn habe stets der Gedanke beherrscht, wenn er durch „das Leben, das ich lebe“,  zwangsläufig „hunderte, tausende andere Leben nicht“ leben könne, „die ja auch denkbar wären.“ „Solche Gedanken können einen schon ganz schön durcheinanderbringen, es sei denn, man suche sich einen Beruf, der sich unter anderem mit diesen unzähligen Lebens- und Persönlichkeits-Varianten beschäftigt“. Matthias Brandt liebt es „Schauspielerinnen und Schauspielern zuzuschauen, die mich in ihr Inneres schauen lassen, und mir dadurch die Möglichkeit geben, in mein Inneres zu schauen.“. Das sei auch für ihn letztlich der eigentliche Grund, „weswegen Menschen Bücher schreiben, oder Theater spielen, Musik machen, oder Filme drehen“. Sie ermöglichen uns hierdurch Menschen zu sehen und zu hören „in ihrer Not, ja auch in der komischen Erscheinungsform, und wir teilen Empfindungen mit ihnen“, was sehr tröstlich sei:. „Von dem Moment an, als ich endlich lesen gelernt, und mein erstes eigenes Buch in die Hand gedrückt bekommen hatte, war ich nie wieder allein.“

v.l.n.r.: Laudator Helge Malchow, Carl-Zuckmayer - Medaillen-Träger Matthias Brandt und Ministerpräsidentin Malu Dreyer. © Foto: Diether von Goddenthow
v.l.n.r.: Laudator Helge Malchow, Carl-Zuckmayer – Medaillen-Träger Matthias Brandt und Ministerpräsidentin Malu Dreyer. © Foto: Diether von Goddenthow

Wegen seines Bundeskanzlervaters Willy Brandt hänselten Mitschüler, die den „Quatsch aus der Bildzeitung nachplapperten“, den 11jährigen Matthias mit Anfeindungen wie „Volksverräter zu sein“. Da Norwegisch seine Muttersprache war, „die Sprache meiner Innenwelt“, musste sich Matthias Brandt die – anfangs als von Gewalt, Kälte und Teilnahmslosigkeit durchsetzt empfundene – deutsche Sprache, „die Sprache seiner Außenwelt“, erst erobern, sie „zu meiner Sprache machen“, und eine andere Seite „an ihr entdecken, ihre Musik und Schönheit, vor allem aber den Humor finden“, erinnert sich der Preisträger. Dieser Weg, „eine weitere Schwelle zu überschreiten“, bedeutete für ihn, mutiger zu sein, „als ich es in Wirklichkeit“ war. Aber „ich wollte ja Freundinnen und Freunde finden“ ,“ihre Geschichten hören und ihnen meine erzählen, von den ‚Verrückten und seitlich Umgeknickten‘, wie einer meiner Vorgänger als Preisträger, der große Hans Dieter Hüsch, mal gedichtet hat.“, versteht Brandt rückblickend seinen Weg. Deswegen waren die anfängliche „Fremdheit und die Widerstände, denen ich begegnete“, kein dauerhaftes Hindernis. Im Gegenteil, wäre man versucht zu resümieren: All die turbulenten ungewöhnlichen Lesenserfahrungen haben Matthias Brandt erst zu der großartigen vielschichtigen, inspirierenden Künstler- Persönlichkeit gemacht, die er ist.

(Diether von Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Carl Zuckmayer-Medaille

Bühnenszene zur Verleihung der Carl Zuckmayer Medaille im Großen Haus des Staatstheaters Mainz. © Foto: Diether von Goddenthow
Bühnenszene zur Verleihung der Carl Zuckmayer Medaille im Großen Haus des Staatstheaters Mainz. © Foto: Diether von Goddenthow

Die Carl-Zuckmayer-Medaille wird vom Land Rheinland-Pfalz seit 1979 jährlich, am 18. Januar, dem Todestag Carl Zuckmayers, an Persönlichkeiten vergeben, die sich um die deutsche Sprache in besonderer Weise verdient gemacht haben. Die Verdienste der Preisträger und Preisträgerinnen werden mit einer individuell gestalteten Kulturveranstaltung im Mainzer Staatstheater gewürdigt. Zu dem Preis gehört eine vom Künstler Otto Kallenbach geschaffene Medaille sowie ein 30-Liter-Fass mit Nackenheimer Riesling, dem Lieblingswein Carl Zuckmayers.
Trägerinnen und Träger der Carl-Zuckmayer-Medaille sind:
Günther Fleckenstein (1979), Werner Hinz (1980), Georg Hensel (1982), Friedrich Dürrenmatt (1984), Ludwig Harig (1985), Dolf Sternberger (1986), Tankred Dorst (1987), Günter Strack (1988), Hanns Dieter Hüsch (1989), Martin Walser, Adolf Muschg, André Weckmann (1990), Albrecht Schöne (1991), Hilde Domin (1992), Hans Sahl (1993), Fred Oberhauser (1994), Grete Weil (1995), Mario Adorf (1996), Katharina Thalbach (1997), Harald Weinrich (1998), Eva-Maria Hagen (1999), Peter Rühmkorf (2000), Mirjam Pressler (2001), Herta Müller (2002), Monika Maron, Wolf von Lojewski (2003), Edgar Reitz (2004), Thomas Brussig (2005), Armin Mueller-Stahl (2006), Udo Lindenberg (2007), Bodo Kirchhoff (2008), Volker Schlöndorff (2009), Emine Sevgi Özdamar (2010), Hans Werner Kilz (2011), Uwe Timm (2012), Doris Dörrie (2013), Dieter Kühn (2014), Bruno Ganz (2015), Sven Regener (2016), Joachim Meyerhoff (2017), Yoko Tawada (2018), Robert Menasse (2019), Maren Kroymann (2020), Nora Gomringer (2021), Rafik Schami (2022), Nino Haratischwili (2023).

„Zukunft gestalten mit dem Vertrauen in unsere Stärke“ – Ministerpräsidentin Malu Dreyer spendet Zuversicht fürs neue Jahr

Trotz erschwerter Verkehrsverhältnisse durch die Bauernproteste konnte Ministerpräsidentin Malu Dreyer, unterstützt von glücksbringenden Schornsteinfegern, am 08. Januar 2024 über 250 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft zum traditionellen Neujahrsempfang in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei Mainz empfangen. © Foto: Diether von Goddenthow
Trotz erschwerter Verkehrsverhältnisse durch die Bauernproteste konnte Ministerpräsidentin Malu Dreyer, unterstützt von glücksbringenden Schornsteinfegern, am 08. Januar 2024 über 250 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft zum traditionellen Neujahrsempfang in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei Mainz empfangen. © Foto: Diether von Goddenthow

Trotz großer Verkehrsprobleme durch den bundesweiten Streik der Bauern, wodurch auch Wiesbaden und Mainz stundenweise lahmgelegt worden waren, hatten die meisten der geladenen Gäste doch den Weg in die rheinland-pfälzische Staatskanzlei Mainz zum Neujahrsempfang der Ministerpräsidentin Malu Dreyer geschafft.

Mit kleinen Glückbringern empfingen die Schornsteinfeger die Gäste. © Foto: Diether von Goddenthow
Mit kleinen Glückbringern empfingen die Schornsteinfeger die Gäste. © Foto: Diether von Goddenthow

Dort wurden sie zuvor traditionell von den Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfegern der Innung mit kleinen  Glücksbringern  empfangen. So ein gutes Quäntchen Glück, vor allem aber  Zuversicht würden wir für 2024 gut brauchen, unterstrich die Gastgeberin Malu Dreyer vor rund 250 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. „Zuversicht ist für mich die Kraft in uns, mit der wir die Zeiten zum Guten wenden können“, sagte die Ministerpräsidentin. Sie betonte, dass beim Blick auf das Jahr 2024 der Wunsch, dass Krieg und Terror endeten, ganz am Anfang stehe. Das Eintreten für Frieden und Freiheit fange dabei im Kleinen an.

Musikalisch sorgte das Pop- und Jazz-Klassik Ensemble “JazzCafé Premium“ für den nötigen Swing ins neue Jahr.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer zeigte Verständnis für die Anliegen der protestierenden Bauern und Winzer. © Foto: Diether von Goddenthow
Ministerpräsidentin Malu Dreyer zeigte Verständnis für die Anliegen der protestierenden Bauern und Winzer. © Foto: Diether von Goddenthow

Zu den bauernprotesten sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer: „Ich habe Verständnis, dass Landwirte gegen geplante Kürzungen auf die Straße gehen. Kein Verständnis habe ich für Bauernkriegssymbolik, Verunglimpfung unseres Staates und schon gar nicht für persönliche Angriffe, wie den gegen Wirtschaftsminister Habeck. Deswegen ist es gut, dass sich der deutsche Landwirtschaftsverband gegen eine Unterwanderung von Rechtsextremisten und Staatsfeinden abgrenzt. Ich halte es für wichtig in einer Demokratie, nicht auf Maximalforderungen zu beharren, sondern konstruktiv an einem Kompromiss mitzuarbeiten. Die Bundesregierung hat einen Kompromiss vorgelegt: Das grüne Nummernschild bleibt steuerfrei. Die Subvention auf Agrardiesel wird langsamer abgeschmolzen. Und auch auf EU- Ebene haben die Landwirte und Winzer bereits ihre Interessen durchgesetzt: Glyphosatverbot, mehr Naturflächen, Warnhinweise auf Weinflaschen – kommt alles nicht so, wie geplant.

Wir brauchen auf Bundesebene einen Dialog für eine gute Zukunft unserer Landwirtschaft, der eine langfristige Perspektive und Planbarkeit schafft. Dabei müssen wir auch darauf schauen, wieviel die großen Lebensmittelkonzerne den Landwirten zahlen: Es geht eben auch um faire Preise und eine gerechte Entlohnung für Umweltschutz.“

Vier gut gelaunte rheinlandpfälzische Wein-Majestätinnen repräsentierten das Weinland Rheinland-Pfalz. 6 der 13 deutschen Weinbaugebiete liegen innerhalb der Grenzen von Rheinland-Pfalz.  65 Prozent des Deutschen Weines werden in RLP in den Weinregionen  Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz und Rheinhessen hergestellt. Es zeigt einmal mehr, wie wichtig Weinbau und Landwirtschaft fuer Rheinland-Pfalz sind. © Foto: Diether von Goddenthow
Vier gut gelaunte rheinlandpfälzische Wein-Majestätinnen repräsentierten das Weinland Rheinland-Pfalz. 6 der 13 deutschen Weinbaugebiete liegen innerhalb der Grenzen von Rheinland-Pfalz. 65 Prozent des Deutschen Weines werden in RLP in den Weinregionen Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz und Rheinhessen hergestellt. Es zeigt einmal mehr, wie wichtig Weinbau und Landwirtschaft für Rheinland-Pfalz sind. © Foto: Diether von Goddenthow

Malu Dreyer betonte, dass die Menschen in Rheinland-Pfalz von jeher die Chancen nutzten, die in Krisen genauso wie in großen Veränderungen lägen. Es sei wichtig, die erfolgreichen Zwischenetappen zu sehen, die für Mut und Vertrauen in den Weg der Transformation sorgen können: sichtbare neue Jobs, Innovationsgeist, Chancen neuer Technologien für unser Land und die Menschen. „Auch heute im Veränderungsjahrzehnt gestalten wir Zukunft ohne Blaupause und mit dem Vertrauen in unsere Stärke“, sagte die Ministerpräsidentin. Sie sei überzeugt, dass das Land Gewinner der Transformation werden könne. Mit der Zeit zu gehen, Zukunftschancen zu ergreifen und die eigenen Werte in eine neue Zeit zu tragen – all das heiße Transformation. „Wenn wir die großen Entwicklungen für unser Land nutzen, dann haben die Menschen in unserem Bundesland eine starke Zukunft“, so die Ministerpräsidentin.

Unternehmenserweiterungen sowie die Ansiedlung neuer Unternehmen bestätigten die Landesregierung darin, dass es richtig gewesen sei, den Ausbau des Biotechnologie-Standortes zu einem Schwerpunkt der Landespolitik zu machen. „Und es zeigt, dass wir in den letzten Jahren mit der Förderung der Grundlagenforschung, der Geräteinitiative, gezielter Innovationsförderung und nicht zuletzt einer engen Zusammenarbeit von Land, Kommunen, Wissenschaft und Unternehmen die richtigen Weichen gestellt haben. Diese Zusammenarbeit ermöglicht uns, in diesem hoch kompetitiven Feld erfolgreich zu sein. Wir werden diesen Weg in den kommenden Monaten gemeinsam konsequent fortsetzen und die aktuelle Dynamik nutzen“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Zudem hob die Ministerpräsidentin hervor, dass der Landesregierung bewusst sei, welche große Anstrengung alle aufbringen, um den Weg der Transformation mit Tempo und Bedacht weiterzugehen. Das Land unterstütze dabei Arbeitgeber wie Beschäftigte: Mit der Transformationsagentur und den Transformationsbegleitern verstehe man sich als Lotse im Wandel.

Die Ministerpräsidentin zeigte Verständnis für die Verunsicherung vieler Menschen angesichts der zahlreichen greifenden Veränderungen in  vielen Bereichen des Alltags.   Wichtig sei es daher, Antworten klar herauszustellen. „In Rheinland-Pfalz ist die Antwort auf die Verunsicherung der Menschen: Wir haben klare Ziele, wir gestalten gemeinsam den Prozess und wir nutzen unsere Zukunftschancen! Meine Landesregierung und ich haben bei unserer Arbeit ein großes Ziel vor Augen: Die gute Zukunft von Rheinland-Pfalz“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Gemeinsam mit vielen Partnern und Partnerinnen arbeite die Landesregierung kontinuierlich an ihren klaren Zielen, das Klima konsequent zu schützen, die Gesellschaft noch digitaler, sozialer und generationengerechter zu machen und die Transformation in der Wirtschafts- und Arbeitswelt zugunsten von Unternehmen und Beschäftigten zu gestalten.

Miteinander ins Gespräch kommen und netzwerken standen im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs 2024 in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei. © Foto: Diether von Goddenthow
Miteinander ins Gespräch kommen und netzwerken standen im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs 2024 in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei. © Foto: Diether von Goddenthow

Malu Dreyer machte zudem darauf aufmerksam, dass im Juni 2024 die Bürger und Bürgerinnen bei den Kommunal- und Europawahlen darüber entschieden, in welche Richtung sie gehen wollen. Es freue sie, dass bei den Europawahlen Bürger und Bürgerinnen ab 16 Jahren mitentscheiden könnten. „Politik entscheidet über Zukunft und diese Entscheidungen braucht die Perspektive junger Menschen – sei es beim Klimaschutz, bei der Digitalisierung oder bei der Frage, welches Europa wir wollen“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Sie betonte auch, dass 2024 das Jahr sei, in dem Deutschland den 75. Geburtstag seines Grundgesetzes feiere. „Unsere Verfassung ist das Fundament, auf dem wir Demokratie jeden Tag aufs Neue leben. Dieses Jubiläum ist Grund, mit Stolz zurückzublicken, und Ansporn für die Zukunft“, so die Ministerpräsidentin.

Sie äußerte Verständnis für den Wunsch nach einfachen Antworten, hob aber die Notwendigkeit zur Differenzierung hervor: „Der Ausgleich der Interessen braucht Abwägungen, gute Lösungen brauchen Details und Kompromisse brauchen die Bereitschaft zum Perspektivenwechsel.“ Viele der Anwesenden wüssten dies aus ihrer täglichen Arbeit in den Betrieben, Vereinen und Verbänden, so die Ministerpräsidentin. Es seien die Zwischentöne und Feinheiten, die unser Leben ausmachten. „Das Facettenreiche ermöglicht, Brücken zu bauen und gemeinsame Kraft zu entwickeln. Bei allen Angriffen auf unsere Demokratie sehe ich die, die ein starkes Fundament unserer Gesellschaft bilden. Und ich sehe auch die, die beharrlich Brücken bauen. Wir haben viele Brückenbauer und Brückenbauerinnen in Rheinland-Pfalz. Sie alle hier, die in ihren Bereichen wirken, gehören zuvorderst dazu. Sie, die Zeichen für eine friedliche, demokratische und solidarische Gesellschaft setzen“, sagte die Ministerpräsidentin. Sie rief dazu auf, weiter gemeinsam für eine gute Zukunft zu arbeiten und im jeweiligen Wirkungsbereich dafür einzustehen. „Gute Zukunft fängt überall an“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Sie sorgten beim Neujahrsempfang der Ministerpräsidentin für den guten Swing ins neue Jahr: JazzCafé - Premium ist ein Ensemble professioneller MusikerInnen, welches eigene Arrangements moderner Popmusik und Klassikern der Jazz- und Swingära darbietet. © Foto: Diether von Goddenthow
Sie sorgten beim Neujahrsempfang der Ministerpräsidentin für den guten Swing ins neue Jahr: JazzCafé – Premium ist ein Ensemble professioneller MusikerInnen, welches eigene Arrangements moderner Popmusik und Klassikern der Jazz- und Swingära darbietet. © Foto: Diether von Goddenthow

Ministerpräsidentin Malu Dreyer dankte den anwesenden Gästen für ihr Engagement. „Menschen wie Sie machen Mut und lassen ihr Umfeld jeden Tag aufs Neue spüren: Rheinland-Pfalz ist stark. Wir dürfen uns Großes zutrauen“.

Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V.: Ministerpräsidentin Malu Dreyer kürt Westerwald-Brauerei zum Zukunftsunternehmen 2023

zirp-zukunftspreis2023-logoDie Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V. hatte zum sechsten Mal Unternehmen aus Rheinland-Pfalz aufgerufen, sich um den Titel „Zukunftsunternehmen 2023“ zu bewerben. Mit dieser Auszeichnung würdigt die ZIRP Unternehmen in Rheinland-Pfalz, die ihre Digitalisierungsstrategie mit den Werten der Nachhaltigkeit verbinden. Sie dient dazu, vorbildliches Engagement der Unternehmen anzuerkennen und landesweit sichtbar zu machen.

Malu  Dreyer überreicht Jens Geimer, geschäftsführender Gesellschafter der Westerwald-Brauerei H. Schneider GmbH & Co. KG  in Hachenburg, die Urkunde „Zukunftsunternehmen“, des Gewinner-Preises der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V.  © Foto: Diether von Goddenthow
Malu Dreyer überreicht Jens Geimer, geschäftsführender Gesellschafter der Westerwald-Brauerei H. Schneider GmbH & Co. KG in Hachenburg, die Urkunde „Zukunftsunternehmen“, des Gewinner-Preises der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V. © Foto: Diether von Goddenthow

Bei einer feierlichen Preisverleihung übergab Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Stellvertretende Vorsitzende der ZIRP, den Preis heute Nachmittag im Festsaal der Staatskanzlei an das Siegerunternehmen. Die Ministerpräsidentin zeigte sich sehr erfreut, dass die unabhängige Jury mit der Westerwald-Brauerei H. Schneider GmbH & Co. KG ein sehr traditionsreiches rheinland-pfälzisches Unternehmen als Zukunftsunternehmen 2023 ausgewählt hat, das in der Verbindung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit ein gutes Vorbild für andere Unternehmen sein könne.

„Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind zwei Themen, die mir persönlich und der Landesregierung sehr am Herzen liegen. Die Digitalisierung kann dabei helfen, Prozesse effizienter und damit ressourcenschonender und nachhaltiger zu gestalten. Damit ist sie auch ein wichtiger Schlüssel auf unserem Weg zur von der Landesregierung für 2035 bis 2040 angestrebten Klimaneutralität“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Die digitale Transformation in Wirtschaft und Arbeit sei eine Chance und eine Herausforderung, die die Landesregierung im Rahmen ihrer Digitalstrategie mit vielen Maßnahmen unterstütze.

Mit umfassenden, auch digitalen Maßnahmen im Betrieb hat die Westerwald-Brauerei bereits einige ihrer ehrgeizigen Nachhaltigkeitsziele erreicht. In ihrer Laudatio hob Ministerpräsidentin Malu Dreyer hervor, dass die Westerwald-Brauerei zum Beispiel seit 2021 nach international anerkanntem Standard in Scope 1, 2 und 3 klimaneutral sei und seit 2022 hundertprozentiges Wertstoffrecycling verzeichne.

„Mit 100 dynamischen Köpfen brauen wir hier in Hachenburg traditionell mit 100 % Aromahopfen und lassen unser Bier sechs Wochen lang reifen. Damit wir uns diesen Luxus leisten können, müssen alle Prozesse wie am Schnürchen laufen. Hier hilft uns Digitalisierung. Der Preis, den wir heute erhalten, macht unser gesamtes Team sehr stolz – und verpflichtet uns auch in Zukunft beim Thema Nachhaltigkeit nicht nachzulassen“, betonte Jens Geimer, geschäftsführender Gesellschafter, der Westerwald-Brauerei H. Schneider GmbH & Co. KG im Anschluss an die Auszeichnung.

Angesichts der vielfältigen Bewerbungen hat sich die Jury in diesem Jahr dazu entschieden – neben dem Preisträger – zwei Unternehmen für besondere Aspekte der digitalen Nachhaltigkeit eine lobende Erwähnung auszusprechen.

Erste lobende Erwähnung für Rasselstein Andernach

Malu  Dreyer überreicht Mario Kossmann, Bereichsleiter Digital Solutions Rasselstein Andernach, die Urkunde zur Lobenden Erwähnung des Preises der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP)  e.V. © Foto: Diether von Goddenthow
Malu Dreyer überreicht Mario Kossmann, Bereichsleiter Digital Solutions Rasselstein Andernach, die Urkunde zur Lobenden Erwähnung des Preises der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V. © Foto: Diether von Goddenthow

Die erste lobende Erwähnung wurde der thyssenkrupp Rasselstein GmbH in Andernach zuteil: „Mit der Entwicklung eines weltweit einzigartigen, patentierten Verpackungsstahls hilft thyssenkrupp Rasselstein auch anderen Unternehmen dabei, ihre Emissionen zu senken. Die Produktion des Stahls wurde mithilfe digitalisierter Verfahren substantiell in ihrem CO²-Ausstoß reduziert“, begründete Professor Dr. Arnd Huchzermeier, Mitglied der Jury und Lehrstuhlinhaber Produktionsmanagement an der WHU – Otto Beisheim School of Management die lobende Erwähnung. Den Co2-reduzierten Stahl nutzt zum Beispiel auch die Westerwald-Brauerei für ihre Bierfässer.

„Als eines der energieintensivsten Unternehmen in Rheinland-Pfalz hat thyssenkrupp Rasselstein ein klares Ziel: Wir möchten bis 2030 unseren Co2 Ausstoß um 30 % reduzieren und bis 2045 komplett klimaneutral sein. Dabei geht es um die komplette Umstellung bisheriger Verfahrensweisen. So etwas kann nur durch eine Strategie gelingen, in welcher die Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Einklang arbeiten. Genau hier setzt die Auszeichnung der ZIRP an und wir sind stolz, eine Urkunde mit nach Andernach nehmen zu können“, äußerte sich Mario Kossmann, Bereichsleiter Digital Solutions bei thyssenkrupp Rasselstein.

Zweite lobende Erwähnung für Greenable GmbH, Kaiserslautern

Die zweite lobende Erwähnung galt der Greenable GmbH, die 2022 gegründet wurde und sich bereits als sehr innovativ ausgezeichnet hat. Das Unternehmen ist ein Spin-Off der Smart Factory, des DFKI und der RPTU in Kaiserslautern, welches durch Softwareinnovation nachhaltige Veränderungen in der Wirtschaft vorantreibt. Es steht damit exemplarisch für Nachhaltigkeit, die durch Digitalisierung gefördert wird, wenn zum Beispiel wie in diesem Fall eine Software den spezifischen CO2-Abdruck eines Produktes ermittelt.

Malu  Dreyer überreicht Alexander David und Viktor Schiller, CFO’s der Greenable GmbH die Urkunde zur Lobenden Anerkennung des Preises der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V.  © Foto: Diether von Goddenthow
Malu Dreyer überreicht Alexander David und Viktor Schiller, CFO’s der Greenable GmbH die Urkunde zur Lobenden Anerkennung des Preises der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V. © Foto: Diether von Goddenthow

Alexander David, CFO der Greenable GmbH führte aus: „Wir freuen uns wirklich sehr und fühlen uns geehrt, dass wir diese Auszeichnung erhalten haben. Genau diese Momente zeigen uns, dass Nachhaltigkeit und Digitalisierung nur gemeinsam funktionieren, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Danke an alle unsere Unterstützer:innen und unser Team für ein so erfolgreiches Jahr 2023. Wir freuen uns auf die nachhaltige Zukunft!“

Dr Christiane Liesenfeld ZIRP-Geschaeftsfuehrerin im Gespraech mit Preistraeger Jens Geimer Geschaeftsfuehrer der Westerwald-Brauerei Hachenburg.   © Foto: Diether von Goddenthow
Dr Christiane Liesenfeld ZIRP-Geschaeftsfuehrerin im Gespraech mit Preistraeger Jens Geimer Geschaeftsfuehrer der Westerwald-Brauerei Hachenburg. © Foto: Diether von Goddenthow

Seit 2021 vergibt die Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) e.V den Preis „Zukunftsunternehmen“ für digital nachhaltiges Unternehmertum in Rheinland-Pfalz. Bewerben konnten sich Unternehmen jeglicher Größe und Branche mit Sitz oder Niederlassung in Rheinland-Pfalz, die in Bezug auf eine oder mehrere der in der Ausschreibung definierten Kategorien bemerkenswerte Strategien oder Projekte entwickelt haben und die im Sinne von good practice Anregungen für andere Unternehmen sein können.

Aus 17 Bewerbungen von Unternehmen aus ganz Rheinland-Pfalz hat eine unabhängige Jury den Sieger ausgewählt. Der Preis ist eine Trophäe aus biologisch abbaubarem Kunststoff, der klimaneutral hergestellt wurde.

Mehr zum Preis ‚Zukunftsunternehmen 2023‘ unter www.zirp.de

16. Verleihung des rheinland-pfälzischen Brückenpreises für ehrenamtliches Engagement, das Menschen zusammenbringt

Abschlussbild der Feierstunde zur Verleihung des Brückenpreises 2023 am 2. Dezember 2023 durch Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Festsaal der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz mit den Vertretern der ausgezeichneten Initiativen in den sechs Kategorien: 1) „Bürgerschaftliches Engagement von Jung und Alt“ Projekt Neuhäusel 2030, Neuhäusel. 2) „Bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit und ohne Behinderung“,Atelier Molemol der Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt e.V.  3)„Bürgerschaftliches Engagement für und von Migranten und Flüchtlingen“ Café International Büchenbeuren. 4) „Bürgerschaftliches Engagement gegen soziale Benachteiligung, Ausgrenzung, Hass und Diskriminierung“ Für ein buntes Trier – gemeinsam gegen Rechts e.V. Gemeinsam gegen Antisemitismus. 5) „Bürgerschaftliches Engagement aus Rheinland-Pfalz in die Welt“ Freunde helfen mit Herz – Flüchtlingshilfe für die Ukraine, Heimbach-Weis/Neuwied  6) „Bürgerschaftliches Engagement für eine nachhaltige Welt“ Hack-museumsgARTen – Ein Garten für Alle!, Ludwigshafen. © Foto: Diether von Goddenthow
Abschlussbild der Feierstunde zur Verleihung des Brückenpreises 2023 am 2. Dezember 2023 durch Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Festsaal der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz mit den Vertretern der ausgezeichneten Initiativen in den sechs Kategorien: 1) „Bürgerschaftliches Engagement von Jung und Alt“ Projekt Neuhäusel 2030, Neuhäusel. 2) „Bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit und ohne Behinderung“,Atelier Molemol der Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt e.V. 3)„Bürgerschaftliches Engagement für und von Migranten und Flüchtlingen“ Café International Büchenbeuren. 4) „Bürgerschaftliches Engagement gegen soziale Benachteiligung, Ausgrenzung, Hass und Diskriminierung“ Für ein buntes Trier – gemeinsam gegen Rechts e.V. Gemeinsam gegen Antisemitismus. 5) „Bürgerschaftliches Engagement aus Rheinland-Pfalz in die Welt“ Freunde helfen mit Herz – Flüchtlingshilfe für die Ukraine, Heimbach-Weis/Neuwied 6) „Bürgerschaftliches Engagement für eine nachhaltige Welt“ Hack-museumsgARTen – Ein Garten für Alle!, Ludwigshafen. © Foto: Diether von Goddenthow

Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat das Engagement von sechs ehrenamtlichen Initiativen mit dem Brückenpreis „Engagement leben, Brücken bauen, Integration stärken in Rheinland-Pfalz“ gewürdigt. „Diese Auszeichnung liegt mir besonders am Herzen. Sie stellt die Menschen in den Vordergrund, die mit ihrem Engagement Brücken bauen und zum Zusammenhalt in unserer Gesellschaft beitragen. Das ist in diesen Zeiten notwendiger denn je“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei der Preisverleihung in der Staatskanzlei.

Die Welt sei leider gerade von kriegerischen Auseinandersetzungen, von Hass, Gewalt und Falschinformationen geprägt. Der menschenverachtende Antisemitismus und die Verherrlichung des Hamas-Terrors erschütterten sie zutiefst wie auch viele andere Menschen im Land.

Malu Dreyer © Foto: Diether von Goddenthow
Malu Dreyer © Foto: Diether von Goddenthow

„Umso wichtiger ist es, dass wir Brücken bauen und uns für eine friedliche, demokratische und solidarische Gesellschaft einsetzen. Genau das tun die vielen ehrenamtlich Engagierten hier in Rheinland-Pfalz. Sie setzen ein Zeichen für eine Kultur des respektvollen Miteinanders gegen Hass und Hetze und der Solidarität von Jung und Alt, von Menschen, die schon lange hier leben und solchen, die neu zu uns kommen, von denen, die aus eigener Kraft viel vermögen und denen, die Unterstützung und Hilfe benötigen“, so die Ministerpräsidentin. Die sechs ausgezeichneten Projekte sind beispielgebend für die vielen anderen Initiativen und Hilfsprojekte überall im Land, auf die sie sehr stolz sei.

Impression von der Verleihung des "Brückenpreises  2023 - Engagement leben, Brücken bauen, Integration stärken“. Für Projekte, Initiativen und Vereine, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringen. Zu der Auszeichnung gehören ein Pokal in Form einer stilisierten Brücke, ein Preisgeld von 1.000 Euro sowie ein professioneller Film, der das Engagement vorstellt und bei der Preisverleihung gezeigt wird. © Foto: Diether von Goddenthow
Impression von der Verleihung des „Brückenpreises 2023 – Engagement leben, Brücken bauen, Integration stärken“. Für Projekte, Initiativen und Vereine, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringen. Zu der Auszeichnung gehören ein Pokal in Form einer stilisierten Brücke, ein Preisgeld von 1.000 Euro sowie ein professioneller Film, der das Engagement vorstellt und bei der Preisverleihung gezeigt wird. © Foto: Diether von Goddenthow

Der Brückenpreis wurde zum 16. Mal verliehen und dabei wurden Preise in sechs Kategorien vergeben. Die Preisträgerinnen und Preisträger wurden im Vorfeld von einer sechsköpfigen Jury ausgewählt. Sie erhielten eine symbolische Brücke und jeweils 1.000 Euro als Unterstützung für ihr Engagement. Von jedem ausgezeichneten Projekt wurde ein Film produziert, der bei der Verleihung gezeigt wurde. Die Videos können heruntergeladen werden unter www.wir-tun-was.rlp.de und für die Berichterstattung genutzt werden.

Ausgezeichnet wurden:

Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement von Jung und Alt“:
Projekt Neuhäusel 2030

Brückenpreis für „Bürgerschaftliches Engagement von Jung und Alt“ an das Projekt Neuhäusel 2030, Neuhäusel. Projektgruppe mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer© Foto: Diether von Goddenthow
Brückenpreis für „Bürgerschaftliches Engagement von Jung und Alt“ an das Projekt Neuhäusel 2030, Neuhäusel. Projektgruppe mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer© Foto: Diether von Goddenthow

Das Projekt Neuhäusel 2030 (P 30) möchte in den fünf Westerwälder „Augst-Gemeinden“ mit ihren 9.300 Einwohnerinnen und Einwohnern das Zusammenleben aller Generationen stärken und die Gemeinschaft aktiv gestalten. P30 entwickelt Ideen, die für alle Altersgruppen von Bedeutung sind. Zu den Projekten gehören ein monatlicher Büchertreff, die Neugestaltung des Kreisels und der Unterführung in Neuhäusel, Einwohnerumfragen und Informationsabende, Bücherflohmärkte, „Aktion Neuhäusel bewegt sich“ und ein Dorfplatzfest. Angestrebt wird eine Theaterwerkstatt für Kinder im Grundschulalter, literarische Lesungen und ein Weihnachtsmarkt. Damit wirkt das Projekt gegen eine zunehmende Individualisierung unserer Gesellschaft und lässt sich gut auf andere Gemeinden übertragen.

Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit und ohne Behinderung“: Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt e.V. mit dem Atelier „Molemol“

Brückenpreis 2023 für „„Bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit und ohne Behinderung“ an das Projekt „Atelier Molemol der Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt e.V.. Projektgruppe mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer© Foto: Diether von Goddenthow
Brückenpreis 2023 für „„Bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit und ohne Behinderung“
an das Projekt „Atelier Molemol der Lebenshilfe Speyer-Schifferstadt e.V.. Projektgruppe mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer© Foto: Diether von Goddenthow

„Molemol“ ist die pfälzische Dialektform der Aufforderung „Male einmal!“. Bei dem Atelier Molemol handelt es sich um ein kreatives Arbeitsumfeld für bis zu zehn besonders künstlerisch begabte Erwachsene mit kognitiven und körperlichen Einschränkungen. Alle Kunstschaffenden sollen das Atelier als einen Ort, an dem Behinderung keine Rolle spielt, wahrnehmen. Dabei stehen Teilhabe und Mitgestaltung des regionalen Kulturlebens im Vordergrund. Die Teilnehmenden sind zwischen 30 und 65 Jahren alt und arbeiten in den Bereichen Malerei, Druckgrafik, Installation, Zeichnung und Keramik in kleinen Teams oder allein. Neben der gezielten individuellen Förderung bietet der Verein eine Auseinandersetzung mit kunstgeschichtlichen Themen in leichter Sprache, Museumsbesuche und die Möglichkeit, an inklusiven Kunstprojekten und Wettbewerben teilzunehmen und eigene Ausstellungen zu veranstalten.

Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement für und von Migrantinnen und Migranten und Füchtlingen“: Café International Büchenbeuren

Brückenpreis 2023 für „Bürgerschaftliches Engagement für und von Migrantinnen und Migranten und Füchtlingen“: Café International Büchenbeuren. Projektgruppe mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer© Foto: Diether von Goddenthow
Brückenpreis 2023 für „Bürgerschaftliches Engagement für und von Migrantinnen und Migranten und Füchtlingen“: Café International Büchenbeuren. Projektgruppe mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer© Foto: Diether von Goddenthow

Café International Büchenbeuren ist ein Begegnungsort, der Menschen unterschiedlicher Herkunft, Geschlechter und Weltanschauungen zusammenführt. Das Angebot reicht von einem Kaffeetreff über kulturelle Angebote bis hin zur Begleitung von Geflüchteten und Zugewanderten bei der Integration. Zielgruppe sind vor allem Kinder und Familien. Nach der Pandemie haben aber auch viele Seniorinnen und Senioren ihren Weg in das Café gefunden. Das Projekt ist Teil des Netzwerks „Solidarisches Miteinander im Rhein-Hunsrück-Kreis“, ist landesweit vernetzt und setzt auch durch seine Öffentlichkeitsarbeit Impulse.

Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement gegen soziale Benachteiligung, Ausgrenzung Hass und Diskriminierung“: Für ein buntes Trier – gemeinsam gegen Rechts e.V. mit dem Projekt „Gemeinsam gegen Antisemitismus“

Brückenpreis 2023 für „Bürgerschaftliches Engagement gegen soziale Benachteiligung, Ausgrenzung, Hass und Diskriminierung“ Für ein buntes Trier – gemeinsam gegen Rechts e.V. Gemeinsam gegen Antisemitismus. Projektgruppe mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer© Foto: Diether von Goddenthow
Brückenpreis 2023 für „Bürgerschaftliches Engagement gegen soziale Benachteiligung, Ausgrenzung,
Hass und Diskriminierung“ Für ein buntes Trier – gemeinsam gegen Rechts e.V. Gemeinsam gegen Antisemitismus. Projektgruppe mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer© Foto: Diether von Goddenthow

Das Projekt befasst sich mit aktuellen Formen des Antisemitismus und soll dazu beitragen, Antisemitismus zu erkennen, und Menschen sensibilisieren, sich aktiv gegen Antisemitismus einzusetzen. Die Mitglieder leisten Aufklärungsarbeit, beispielsweise durch eine Plakatserie, die in Trier und auch überregional ausgestellt wurde. Zu den Plakaten ist eine Broschüre entstanden, die in allen weiterführenden Schulen der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg verteilt wurde. Zudem wurden mehrere Vorträge zum Thema „Alltagsantisemitismus“ veranstaltet. Ein weiterer Teil des Projekts sind Filmclips, die über Verschwörungsmythen aufklären.

Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement aus Rheinland-Pfalz in die Welt“: Freunde helfen mit Herz – Flüchtlingshilfe für die Ukraine“ aus Heimbach-Weis in Neuwied

Brückenpreis 2023 für „Bürgerschaftliches Engagement aus Rheinland-Pfalz in die Welt“. Freunde helfen mit Herz – Flüchtlingshilfe für die Ukraine, Heimbach-Weis/Neuwied. Projektgruppe mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer© Foto: Diether von Goddenthow
Brückenpreis 2023 für „Bürgerschaftliches Engagement aus Rheinland-Pfalz in die Welt“. Freunde helfen mit Herz – Flüchtlingshilfe für die Ukraine, Heimbach-Weis/Neuwied. Projektgruppe mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer© Foto: Diether von Goddenthow

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 organisiert der Verein Hilfstransporte in die Ukraine. Er sammelt und sortiert Kleidung, kauft Lebens- und Arzneimittel, Verbandsmaterial und Hygiene-Produkte, und verschickt gespendete Krankenhausbetten, Gehhilfen, Rollstühle, Rollatoren, Isomatten, Schlafsäcke und vieles mehr. Die Mithelfenden packen Lebensmittelpakete für die Soldaten an der Front und für bedürftige Familien im Kriegsgebiet. Bisher wurden 18 Hilfstransporte mit insgesamt 720 Tonnen auf den Weg gebracht.

Kategorie „Bürgerschaftliches Engagement für eine nachhaltige Welt“: hack-museumsgARTen – Ein Garten für Alle! aus Ludwigshafen.

Brückenpreis 2023 für „Bürgerschaftliches Engagement für eine nachhaltige Welt“. Hack-museumsgARTen – Ein Garten für Alle!, Ludwigshafen. Projektgruppe mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer© Foto: Diether von Goddenthow
Brückenpreis 2023 für „Bürgerschaftliches Engagement für eine nachhaltige Welt“. Hack-museumsgARTen – Ein Garten für Alle!, Ludwigshafen. Projektgruppe mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer© Foto: Diether von Goddenthow

„Ein Garten für Alle“- das wird beim Projekt hack-museumsgARTen wortwörtlich gelebt. Hier kommen Menschen aus allen Bevölkerungsschichten, Altersgruppen und über 15 Nationalitäten zum Gärtnern, Lernen, Malen, Musizieren und Feiern zusammen, unabhängig von Sprache, Einkommen, Bildungsgrad oder Religion. Mittlerweile bildet der hack-museumsgARTen einen Rückzugsort für viele Großstadtgeplagte. Er ist inmitten einer Betonwüste eine kleine grüne Oase, die zu den schönsten Orten der Stadt zählt und aus der multikulturell geprägten Stadtmitte nicht mehr wegzudenken ist. Kräuter, Obst- und Staudenpflanzen, Gemüse und allerlei Blumen wachsen in Hochbeeten, Kisten, Badewannen oder schlichten Kübeln. Alles, was dort geschieht, dient der Natur und sorgt für ein wohltuendes Mikroklima in der Stadtmitte und leistet auch damit einen wichtigen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit.

Sechs Inklusions- und Integrations-Projekte mit dem Helmut-Simon-Preis der Diakonie in der Mainzer Staatskanzlei geehrt

Abschlussfoto der Verleihung des Helmut Simon Preises 2023 in der Mainzer Staatskanzlei. Im Bild Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Katharina Binz, Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration, Alexander Schweitzer, Minister für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung, Bettina Brück, Staatssekretärin im Ministerium für Bildung, Bernhard Herber, Versicherer im Raum der Kirchen,  Pfarrer Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen u. die Vertreter der ausgezeichneten Initiativen und Integratopms-Projekte. © Foto: Diether von Goddenthow
Abschlussfoto der Verleihung des Helmut Simon Preises 2023 in der Mainzer Staatskanzlei. Im Bild Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Katharina Binz, Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration, Alexander Schweitzer, Minister für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung, Bettina Brück, Staatssekretärin im Ministerium für Bildung, Bernhard Herber, Versicherer im Raum der Kirchen, Pfarrer Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen u. die Vertreter der ausgezeichneten Initiativen und Integratopms-Projekte. © Foto: Diether von Goddenthow

Bei einem Festakt in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz  wurden am 20. November 2023  sechs herausragende Integrations- und Inklusionsprojekte mit dem Helmut-Simon-Preis 2023 geehrt. Träger des Preises sind das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche der Pfalz, die Diakonie Hessen sowie das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. Die Schirmherrschafft des in diesem Jahr mit insgesamt 12.000 Euro dotierten Preises hatte die Ministerpräsidentin Malu Dreyer übernommen. Der Preis richtet sich an Personen, Initiativen und Institutionen in Rheinland-Pfalz, die sich ehrenamtlich und hauptamtlich für soziale Gerechtigkeit, Diversität, Inklusion und Integration, gegen Armut, Rassismus und Ausgrenzung einsetzen. Ein zentrales Thema ist dabei die Arbeit mit Menschen mit Fluchterfahrung. Auch zwei Sonderpreise wurden vergeben.

Infos und Kontakte zu den geehrten Projekten

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin. © Foto: Diether von Goddenthow
Malu Dreyer, Ministerpräsidentin. © Foto: Diether von Goddenthow

 „Mit dem Helmut-Simon-Preis richten die drei diakonischen Werke in unserem Land die Scheinwerfer auf Menschen, die Brücken innerhalb der Gesellschaft bauen“, so Ministerpräsidentin und Schirmherrin Malu Dreyer, und betonte: „Mit dem Preis werden diejenigen geehrt, die für soziale Gerechtigkeit und Diversität, für Integration und Inklusion einstehen. Ihr Engagement ist es, das unsere Gesellschaft offener und wärmer macht. Auf Ihrem unermüdlichen Einsatz baut eine gute Gesellschaft auf, in der alle dazugehören und teilhaben können. Dafür haben Sie die ganze Anerkennung und Wertschätzung meiner Landesregierung und von mir. Dass in unserer Gesellschaft jede und jeder die Chance hat, selbstbestimmt zu leben und unser Zusammenleben mitzugestalten, ist mir als Ministerpräsidentin sehr wichtig. Ob in der Ausbildungswerkstatt, ob beim gemeinsamen Reiten oder Theater-Spielen, ob in der Unterstützung und Rechtsberatung von Geflüchteten oder im migrationspolitischen Engagement – bei Ihnen zählt der Mensch, die Begegnung und das Empowerment.“

Albrecht Bähr, Arbeitsgemeinschaft Diakonie in Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether von Goddenthow
Albrecht Bähr, Arbeitsgemeinschaft Diakonie in Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether von Goddenthow

Albrecht Bähr, Sprecher der Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft Diakonie in Rheinland-Pfalz, begrüßte die Gäste und moderierte die Preisverleihung. Unter anderem versicherte er: „Als Diakonie stehen wir an der Seite der Menschen, die Unterstützung benötigen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Mit dem Helmut-Simon-Preis wollen wir die Menschen und ihr Engagement stärken, die den Nichtgehörten eine Stimme geben und Teilhabe ermöglichen. Durch ihren unermüdlichen Einsatz tragen sie zu einem gelingenden Leben bei und unterstützen Menschen unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Religionszugehörigkeit. Mit großem Respekt und viel Sympathie danken wir den Menschen in Rheinland-Pfalz, die sich dafür einsetzen, dass Menschen einen festen Platz in unserer Gesellschaft finden. Mit ihrem Engagement zeigen sie, dass das Zusammenleben in unserer Gesellschaft bereichert wird, wenn alle in ihr ihren Platz finden. Für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft brauchen wir Menschen wie Sie.“

Alexander Schweitzer, Minister für Arbeit, Soziales,  Transformation und Digitalisierung des Landes Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether von Goddenthow
Alexander Schweitzer, Minister für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung des Landes Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether von Goddenthow

Den ersten Preis von insgesamt 4000 Euro erhielt die Ausbildungswerkstatt für benachteiligte Jugendliche des Vereins Berufliches und Soziales Lernen im Hunsrück e.V. Alexander Schweitzer, Minister für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung des Landes Rheinland-Pfalz, würdigte die besondere nachhaltige Leistung des Vereins Berufliches und Soziales Lernen im Hunsrück e.V. (VBS), der seit über 30 Jahren benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene erfolgreich im Tischlerhandwerk aus. Die Erfolgsquote der Absolventen liege bei 96 Prozent. Das sei ein außergewöhnlicher Erfolg. Niedrigschwellig werde hier der Weg in ein selbstbestimmtes Leben geebnet. Dabei würde bedarfsorientiert das Angebot z. B. durch ein Sprachförderangebot für Geflüchtete erweitert. Durch die bewusste Mischung der Gruppe mit Einheimischen und Geflüchteten, Behinderten und Nichtbehinderten würde Diskriminierung aktiv entgegengewirkt, Diversität und interkulturelle Verständigung gefördert. „Die Unterschiedlichkeit ist die Stärke“

Pfarrer Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen. © Foto: Diether von Goddenthow
Pfarrer Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen. © Foto: Diether von Goddenthow

Mit dem zweiten Preis (3000 Euro) wird das Projekt „Theater Inklusiv“ des Altenpflegeheims Martinsstift in Mainz (Mission Leben) ausgezeichnet. Ein besonderes Theaterprojekt für ältere und demente Menschen. Pfarrer Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, unterstrich in seiner Laudatio, dass die Schauspieler mit dem Theaterspielen sich und ihre Tagesgäste in einem ganz anderen Kontext erlebten: „Sie erleben sich nicht krank, hilfsbedürftig und vielleicht auch ausgeschlossen. Nein, sie erleben sich mittendrin, selbstwirksam, mit dabei und vor allem wertgeschätzt. Und das trägt zu mehr Selbstbewusstsein, Selbstbestimmung und Lebensqualität bei. Einen Mehrwert hat Ihr Projekt aber auch für die professionellen Darstellenden und die Zuschauenden: Denn es entstehen Kontaktmöglichkeiten, die im Alltag nicht möglich sind und persönliche Verbindungen, die Vorurteile und Ängste abbauen können und mehr Toleranz und die Gleichwertigkeit aller Menschen stärken.“

Zwei dritte Preise (jeweils 1500 Euro) gingen an die Kindertagesstätte Nord der Stadt Ludwigshafen für ihr Projekt „Neue Welten entdecken: Reiten für alle auf dem Reiterhof der Kinderhilfe e.V.“ und die Refugee Law Clinic Trier e.V., eine studentische Initiative die Geflüchteten kostenlos Rechtsberatung anbietet.

Bettina Brück, Staatssekretärin im Ministerium für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether von Goddenthow
Bettina Brück, Staatssekretärin im Ministerium für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether von Goddenthow

Laudatorin Bettina Brück, Staatssekretärin im Ministerium für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz unterstrich, dass es nicht viele Projekte gäbe, die auf einen Schlag so viele Wirkungen erzielten wie die Kindertagesstätte Nord der Stadt Ludwigshafen. Hinter dem Titel „Neue Welten entdecken: Reiten für alle auf dem Reiterhof der Kinderhilfe e.V.“ bleibe das Projekt keinen Zentimeter zurück: „Viele der Kinder und Eltern Ihrer Kita leben in sehr belasteten Situationen: viele in schwierigen finanziellen Lebenslagen; manche mit wenigen Kenntnissen in der Zweitsprache Deutsch, andere auch mit Fluchthintergrund, manche in unklaren Duldungssituationen, oft mit Existenzängsten.
Was tun, um Selbstvertrauen und Gemeinschaftsgefühl zu stärken, Ängste abzubauen und Kenntnisse – ob sprachlich oder der näheren Umgebung – zu erweitern? Was tun, um den Kindern und den Eltern neue Welten entdecken zu helfen? Sie haben einen Weg gefunden!, unabhängig davon, ob die Familien arm sind oder nicht, und wie sich ihre Sprachkompetenz gestaltet. Ein wahrhaft inklusives Projekt! Und ein Projekt, das anerkennt, dass Bildung im ganzheitlichen Sinne nur dann erfolgreich sein kann, wenn wir sie nicht nur als etwas betrachten, dass allein das Kind betrifft, sondern, wenn wir die Eltern und das soziale Umfeld mitdenken und miteinbeziehen.“, so die Staatssekretärin.

Bernhard Herber, Versicherer im Raum der Kirchen. © Foto: Diether von Goddenthow
Bernhard Herber, Versicherer im Raum der Kirchen. © Foto: Diether von Goddenthow

Bernhard Herber, Versicherer im Raum der Kirchen, zog in seiner Laudatio für den zweiten „3. Preisträger“ Refugee Law Clinic Trier e.V., eine Analogie zwischen Helmut Simons geprägtem Wort „Wer wenig im Leben hat, muss viel im Recht haben“ und dem Wirken von Refugee Law Clinic Trier e.V.. Ziel der 2014 begründeten studentischen Initiative mit mittlerweile 213 Mitgliedern und zahlreichen Unterstützern sei es,
„Asylsuchenden und Geflüchteten eine kostenlose Rechtsberatung anzubieten und ihnen damit die Möglichkeit zu geben, auch ohne finanzielle Mittel Zugang zu einem Ansprechpartner für rechtliche Fragen zu haben.“

In diesem Jahr wurden auch zwei Sonderpreise (jeweils 1000 Euro) an herausragende Initiativen verliehen, die für ihren ausdauernden und nachhaltigen Einsatz für gelingende Integration einer besonderen Würdigung verdienen. Die Preise gehen an die Ökumenische Flüchtlingshilfe Ingelheim und den Initiativausschuss für Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz.

Katharina Binz, Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether von Goddenthow
Katharina Binz, Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether von Goddenthow

Laudatorin Katharina Binz, Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, unterstrich das der Träger des ersten Sonderpreises, der Initiativausschuss für Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz, die Migrations- und Integrationspraxis des Landes seit 35 Jahren in erheblichem Maße mitgestalte. „Der Initiativausschuss unterstützt Haupt- und Ehrenamtliche, die Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte beraten und begleiten. Er bietet dazu etwa zahlreiche Beratungs- und Qualifizierungsangebote zu Asylverfahren und Flüchtlingsrecht. Neben seiner Beratungsarbeit für Haupt- und Ehrenamtliche ist ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des Initiativausschusses die Lobby-, Gremien- und Vernetzungsarbeit im Themenfeld Migration und Integration.“

Ein ganz besonderes Dankeschön gelte ebenso der Ökumenischen Flüchtlingshilfe gGmbH, an die der zweite Sonderpreis „für ihr langjähriges eindrucksvolles Engagement“ ging. „Die Mitglieder der ökumenischen Flüchtlingshilfe geben seit mehr als 30 Jahren Menschen in Not im wahrsten Sinne des Wortes „festen Boden unter den Füßen. Dazu vermietet die gemeinnützige Gesellschaft eigene Wohnungen in Rheinhessen für Geflüchtete zu einem erschwinglichen Preis. Zudem begleitet sie die geflüchteten Menschen, bis sie in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen. Bei dieser Beratungsarbeit geht es unter anderem um Kinderbetreuung, die Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, den Umgang mit Behörden oder auch der Krankenkasse. Die Menschen mit Fluchterfahrung werden dabei über viele Jahre so intensiv unterstützt, teilweise 10 Jahre lang – dass mittlerweile erwachsene Kinder eingebürgert sind und qualifizierte Jobs gefunden haben. Auch hier haben alle Engagierten also ebenfalls einen langen Atem bewiesen.“, so die Ministerin.

Dorothee Wüst, Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz. © Foto: Diether von Goddenthow
Dorothee Wüst, Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz. © Foto: Diether von Goddenthow

Dorothee Wüst, Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz sagte: „Wir zeichnen heute Projekte aus, die geprägt sind von Nächstenliebe, sozialem und auch politischem Engagement. Sie schauen hin, wo Unterstützung benötigt wird, wo es nicht rund läuft, wo Menschen auf der Strecke bleiben, wo demokratische Rechte ausgehebelt werden. Hinschauen und Handeln ist ihre Devise. Und das macht Mut. Ob Haupt- oder Ehrenamtlich, ihr Engagement ist geprägt von Achtung und Respekt und der Überzeugung, dass jeder Mensch gleich viel wert ist. Sie stärken die Schwachen und eröffnen neue Perspektiven. Unbürokratisch und direkt helfen sie in Notlagen oder auch langfristig und lebensbegleitend. Sie machen deutlich, die Würde des Einzelnen ist nicht diskutierbar, sie muss geachtet und geschützt werden. In unterschiedlichster Weise stärken sie mit ihrem Einsatz ein Leben in Vielfalt und unsere Demokratie. Ihnen gehört unsere Anerkennung.“

Infos und Kontakte zu den geehrten Projekten

Bilder und Eindrücke von der Preisverleihung

(Dokumentation: Diakonie Hessen / Diether von Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Jüdisches Leben Ministerpräsidentin Malu Dreyer: Wir bekämpfen Antisemitismus und sind stolz auf eine jahrtausendealte Tradition in unserem Land

© Staatskanzlei RLP/Sämmer
© Staatskanzlei RLP/Sämmer

„Für die Landesregierung bleibt es oberstes Ziel, dass Juden und Jüdinnen frei und sicher in Rheinland-Pfalz ihren Alltag und ihren Glauben leben können. Mit Blick auf den 7. Oktober erleben wir gerade einen erschütternden Antisemitismus, der jüdisches Leben nicht nur bedroht, sondern es vernichten will. Der Rechtsstaat geht dagegen vor. Das Verherrlichen der Hamas-Gewalt ist strafbar und wird verfolgt, genauso wie das Verbrennen der israelischen Flagge, Volksverhetzung oder verhetzende Beleidigung, Angriffe gegen die Menschenwürde oder das Aufstacheln zu Willkürmaßnahmen. Mich persönlich erschüttert es sehr, wie viel Angst jüdische Bürger und Bürgerinnen um ihre Sicherheit haben. Ich möchte ihnen versichern, dass wir sie unterstützen, die Sicherheitsmaßnahmen haben wir weiter erhöht und wir sind im engen Austausch zwischen Sicherheitsbehörden und jüdischen Gemeinden. Wir lassen Sie nicht alleine“, betonte Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei einem Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der jüdischen Gemeinden in Mainz. An dem Termin nahmen auch die Integrationsministerin Katharina Binz, Justizminister Herbert Mertin, Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig, Staatssekretärin Nicole Steingaß und Ministerialdirektor Daniel Stich sowie die Beauftragte für jüdisches Lebens und Antisemitismusfragen, Monika Fuhr, teil.

„Jüdisches Leben gehört fest zu Rheinland-Pfalz. Die Landesregierung setzt sich weiterhin für ein sicheres und selbstbewusstes jüdisches Leben in unserem Land ein. Neben den Sicherheitsfragen und der Bildungsarbeit gehört dazu auch die Stärkung des Austauschs zwischen jüdischen Gemeinden und Schulen, die Unterstützung des jüdisch-muslimischen Dialogs sowie die Fortentwicklung der Gedenkarbeit und Erinnerungskultur“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die Neufassung der Staatsverträge mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden und der Jüdischen Kultusgemeinden Mainz-Rheinhessen sei ein weiteres wichtiges Zeichen dafür. Mit der Neufassung werde die jährliche Landesleistung ab dem Haushaltsjahr 2023 verdoppelt und auf insgesamt 1,1 Millionen Euro erhöht.“

„Die Jüdische Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen sieht in dem Gespräch mit der Ministerpräsidentin, den zuständigen Ministern und der Beauftragten für jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz eine große Bedeutung. Vor dem Hintergrund eines ansteigenden Antisemitismus im Zuge des Nahostkonflikts und einer angespannten Sicherheitslage für die Jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz ist es wichtig, über verschiedene Gesichtspunkte zu sprechen, die sich daraus ergeben. Die Jüdische Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen sieht in der Landesregierung einen zuverlässigen Partner, der stets ein offenes Ohr für die Belange, aber auch für die Sorgen der Gemeinde und ihrer Mitglieder hat“, sagte Anna Kischner, Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen K..d.ö.R.

„Die Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz fühlen sich nicht allein gelassen. Nach dem 7. Oktober 2023 hat die Politik klar zum Ausdruck gebracht, dass Antisemitismus in unserer Gesellschaft keinen Platz hat“, so Avadislav Avadiev, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz.

Familienministerin Katharina Binz betonte: „Antisemitismus darf in Deutschland, in Rheinland-Pfalz und auch anderswo keinen Platz haben. Als Gesellschaft müssen wir hier ‚klare Kante‘ zeigen. Jeder Einzelne ist aufgerufen, sich auch im eigenen Umfeld entsprechend zu positionieren. Es kann und darf nicht sein, dass jüdische Menschen in Deutschland Angst haben und Bedrohungen ausgesetzt sind. Wir treten jeder Form des Antisemitismus oder des Sympathisierens mit Terror und Gewalt entschieden entgegen. Jüdische Einrichtungen in Rheinland-Pfalz werden besonders geschützt, damit Jüdinnen und Juden sich sicher fühlen können.“

„In Rheinland-Pfalz ist die Zentralstelle zur Bekämpfung von Terrorismus und Extremismus der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz für die Bearbeitung von Strafverfahren mit antisemitischem Bezug zuständig. Hier wird mit viel Erfahrung und Sachverstand ermittelt. Die Generalstaatsanwaltschaft verfolgt israelfeindliche Straftaten mit Nachdruck, damit Hass und Hetze gegen Israel in Rheinland-Pfalz keinen Platz haben“, sagte Justizminister Herbert Mertin.

„An den Schulen in Rheinland-Pfalz ist für Antisemitismus, für Rassismus und für Hetze kein Platz. Diese klare Haltung spiegelt sich auch in unseren vielen Maßnahmen zur Demokratiebildung wider. Die Bekämpfung von Antisemitismus ist in allen Klassenstufen ein wichtiges Anliegen. Wenn es um den Nahostkonflikt geht, ist die Partnerschaft und Solidarität mit Israel ein zentraler Bestandteil des Unterrichts“, so Bildungsministerin Stefanie Hubig.

Zu den Sicherheitsfragen ergänzte Staatssekretärin Nicole Steingaß: Die polizeilichen Schutzmaßnahmen in Bezug auf die jüdischen Einrichtungen in Rheinland-Pfalz waren bereits vor dem Terrorangriff auf einem hohen Niveau und wurden seit dem anlassbezogen angepasst. Die Polizei Rheinland-Pfalz trifft lageorientiert die notwendigen Maßnahmen und zeigt insbesondere an neuralgischen Punkten verstärkt Präsenz. Die polizeilichen Maßnahmen erstrecken sich von Bestreifungen zu unregelmäßigen und festgelegten Zeiträumen über Objektbegehungen bis hin zu anlassbezogener polizeilicher Präsenz. Darüber hinaus halten die rheinland-pfälzischen Sicherheitsbehörden einen fortlaufenden Kontakt mit den jüdischen Gemeinden und Verbänden und stehen zudem auch mit den Sicherheitsbehörden des Bundes in einem engen Austausch.

„Wir als Landesregierung haben unsere Solidarität mit Israel unmissverständlich erklärt. Es braucht diese klare Haltung aber auch von der Zivilgesellschaft. Es ist unser aller Verantwortung, dass alle Menschen in unserem Land sicher leben und ihre Religion frei ausüben können. Es darf nicht sein, dass Jüdinnen und Juden wieder Angst haben“, betonte Ministerialdirektor Daniel Stich.

„In unserem Land engagieren sich viele Menschen, auch viele junge Menschen für den interreligiösen Dialog. Das ist ermutigend. Aber wir müssen noch mehr Begegnungsmöglichkeiten und Räume schaffen, um das gegenseitige Verständnis füreinander zu fördern. Vor diesem Hintergrund ist es gut, dass sich in der vergangenen Woche in Rheinland-Pfalz der jüdische Studierendenverband ‚Hinenu‘ gegründet hat. Ich sehe darin die Chance, dass die Perspektive junger Jüdinnen und Juden noch stärker in der gesellschaftspolitischen Diskussion wahrgenommen wird“, sagte die Beauftragte für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen Monika Fuhr.