Kategorie-Archiv: Deutscher Buchpreis 2022

Kim de l’Horizons spektakuläre Kopfrasur bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2022 als Solidaritäts-Zeichen für Iranerinnen und alle Unterdrückten

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels nimmt die Ehrung vor und überreicht Kim de l’Horizon die Urkunde des Deutschen Buchpreises 2022. © Foto: Diether von Goddenthow
Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels nimmt die Ehrung vor und überreicht Kim de l’Horizon die Urkunde des Deutschen Buchpreises 2022. © Foto: Diether von Goddenthow

Kim de l’Horizon, der heute Abend im Kaisersaals des Frankfurter Römers von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels mit dem Roman „Blutbuch“ (DuMont) mit dem Deutschen Buchpreis 2022 ausgezeichnet wurde, hat aus seiner anfänglichen Not fehlender Worte einer Dankesrede eine spontane wie spektakuläre Solidaritäts-Performance für die um ihre Freiheit kämpfenden Frauen im Iran inszeniert.

Kim de l’Horizon greift zum Rasierer und rasiert sich die Haare vom Kopf um ein Zeichen gegen die Unterdrückung zu setzen.© Foto: Diether von Goddenthow
Kim de l’Horizon greift zum Rasierer und rasiert sich die Haare vom Kopf um ein Zeichen gegen die Unterdrückung zu setzen.© Foto: Diether von Goddenthow

Kurzerhand  ließ der frisch gekürte Gewinner des Deutschen Buchpreises seine Haarpracht fallen, nicht mit einer Schere oder einem Messer, sondern mit einem Elektrobatterie-Rasierer, welchen er aus seinem grünlichglitzernden, paillettenbesetzten Handtäschchen hervorzauberte. Wortlos begann er mit der Kopfrasur und lies dann, fast schon kahlköpfig, die Worte folgen: „Dieser Preis ist nicht nur für mich. Ich denke, ihr habt diesen Text auch ausgewählt, um ein Zeichen zu setzen gegen den Hass für die Liebe, für den Kampf aller Menschen, die wegen ihres Körpers unterdrückt werden. Dieser Preis ist offensichtlich auch für die Frauen im Iran“ [unterbrochen von minutenlangen Standing Ovations] „Was ich sagen wollte, wir schauen alle nach Iran, bewundern diesen Mut, diese Kraft. Das zeigt uns wiederum, wie unser Weltbild war, dass wir dachten, Weiblichkeit ist nur im Westen emanzipiert.“ Spontane Worte, die man nun nicht auf die Goldwaage legen sollte, die aber im Rahmen der Kopfrasur-Aktion in den Medien große Aufmerksamkeit hervorriefen.
Damit dürfte auch das Ziel des Börsenvereins, wenn auch so nicht geplant,  „mit dem Deutschen Buchpreis (…) die Aufmerksamkeit der Leser*innen auf die Vielschichtigkeit der deutschsprachigen Literatur zu lenken“ und „die Grenzen der eigenen Wahrnehmung zu erweitern“,  wie kaum je bei einer früheren Buchpreisverleihung  geglückt sein.

Standing Ovations für Kim de l'Horizon im Kaisersaal des Frankfurter Römers nach seiner Kopfrasur-Aktion als Solidaritäts-Zeichen für den Freiheitskampf der Iranerinnen. © Foto: Diether von Goddenthow
Standing Ovations für Kim de l’Horizon im Kaisersaal des Frankfurter Römers nach seiner Kopfrasur-Aktion als Solidaritäts-Zeichen für den Freiheitskampf der Iranerinnen. © Foto: Diether von Goddenthow

Wie auch Andreas Platthaus, FAZ-Redaktionsleiter Literatur, augenzwinkernd treffend anmerkte, war „allen Besuchern der Zeremonie im Römer spätestens um 18.58 Uhr klar, dass man etwas beigewohnt hatte, das sich nicht mehr vergessen lassen wird. Es war der stärkste Auftritt nichtbinär definierten Erzählens, der sich denken ließ. A star is born.“ (FAZ, 17.10.2022).

Auch  klingen nun im Lichte von Kims Kahlkopf-Aktion die ersten Sätze in der Jury-Begründung für die Zuerkennung des Deutschen Buchpreise beinahe schon prophetisch, wenn es heißt: „Mit einer enormen kreativen Energie sucht die non-binäre Erzählfigur in Kim de l’Horizons Roman ‚Blutbuch‘ nach einer eigenen Sprache.“ Das war der nonbinären Person Kim de l’Horizon heute Abend wieder einmal trefflich gelungen, so wie in seinem  Werk „Blutbuch“. Er  versucht,  Sprache mitunter neu zu erfinden, und mit seinen Sätzen  Menschen magisch in seine Gedankenwelt hineinzuziehen. Wer sich auf Kim’s identitäre Welt auf der Suche nach sich selbst, aus non-binärer Perspektive einlassen möchte, sei dieser Debüt-Roman wärmstens empfohlen. 10 Jahre Arbeit hat Kim de l’Horizon, der auch als Hexer*In unterwegs sei, in sein Werk gesteckt.

Sehr empfehlenswert sind auch sämtlich nominierten Werke der nicht zum Zuge gekommenen Autoren der Shortlist wie: Fatma Aydemir: Dschinns (Carl Hanser, Februar 2022), Kristine Bilkau: Nebenan (Luchterhand, März 2022), Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter (Kiepenheuer & Witsch, August 2022), Jan Faktor: Trottel (Kiepenheuer & Witsch, September 2022), Eckhart Nickel: Spitzweg (Piper, April 2022).

Die nominierten Autoren der Shortlist. © Foto: Diether von Goddenthow
Die nominierten Autoren der Shortlist, noch sind alle voller Hoffnung, dass auf sie eventuell die Wahl fällt. © Foto: Diether von Goddenthow

Informationen und Lesungstermine zu jedem einzelnen Werk findet man unter www.deutscher-buchpreis.de.

Kim de l‘Horizon erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro. Der Gewinnertitel wurde in mehreren Auswahlstufen ermittelt. Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 233 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2021 und September 2022 erschienen sind. Aus diesen Romanen wurde eine 20 Titel umfassende Longlist zusammengestellt. Daraus hat die Jury sechs Titel für die Shortlist gewählt. Die Preisverleihung fand im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt.

Mit dem Deutschen Buchpreis 2022 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Unter dem Hashtag #buchpreisbloggen stellen 20 Literaturblogger die nominierten Titel 2022 vor. Die Rezensionen werden unter www.deutscher-buchpreis.de/news veröffentlicht und über die Social-Media-Kanäle des Deutschen Buchpreises geteilt. Auf der Webseite und den Social-Media-Kanälen des Deutschen Buchpreises vermitteln zudem Videoporträts einen Eindruck von den nominierten Werken und ihren Autoren.

(Diether von Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Die Autoren der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 präsentieren im ausverkauften Schauspiel Frankfurt ihre Werke

Am 9. Oktober 2022 stellten sich im Schauspiel Frankfurt die sechs Nominierten der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2022 vor. v.li.: Daniela Dröscher „Lügen über meine Mutter“, Kim de l’Horizon „Blutbuch“, Fatma Aydemir „Dschinns“, Kristine Bilkau „Nebenan“, Eckhart Nickel „Spitzweg“, Jan Faktor „Trottel“- © Foto: Diether von Goddenthow
Am 9. Oktober 2022 stellten sich im Schauspiel Frankfurt die sechs Nominierten der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2022 vor. v.li.: Daniela Dröscher „Lügen über meine Mutter“, Kim de l’Horizon „Blutbuch“, Fatma Aydemir „Dschinns“, Kristine Bilkau „Nebenan“, Eckhart Nickel „Spitzweg“, Jan Faktor „Trottel“- © Foto: Diether von Goddenthow

Zum 15. Mal präsentierten am 9. Oktober 2022 das Kulturamt Frankfurt am Main und das Literaturhaus Frankfurt die Nominierten der Shortlist eine Woche vor der 18. Preisverleihung des Deutschen Buchpreises in Kooperation mit der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die den Preis vergibt.

Alle sechs Finalistinnen und Finalisten und eine Finalist*In, die in diesem Jahr in der Endauswahl für den deutschsprachigen Roman des Jahres stehen, wurden in Lesungen und Gesprächen von Sandra Kegel (F.A.Z.), Alf Mentzer (hr) und Christoph Schröder (freier Kritiker) vorgestellt. Die Veranstaltung fand im beinahe ausverkauften Schauspiel Frankfurt statt. Was ihre Freude „heute noch einmal steigere“, sei die Tatsache, „dass wir einander nach der Pandemie erstmals wieder in so großer Runde uns begegnen können“, freute sich Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Dr. Sonja Vandenrath-© Foto: Diether von Goddenthow
Dr. Sonja Vandenrath-© Foto: Diether von Goddenthow

Ausgangsüberlegung war 2008, der Geburtsstunde des Deutschen Buchpreises, „mit dieser Gemeinschaftsveranstaltung Frankfurt als Buch- und Literaturstadt ein weiteres Highlight zu verschaffen, und gleich den großen Scheinwerfer auf die Autorinnen und Autoren der Shortlist zu richten und als Win-Win-Win-Situation dem Frankfurter Publikum die exklusive Chance geben, alle Nominierten kompakt an einer Veranstaltung zu erleben“ so Dr. Sonja Vandenrath, Literaturreferentin der Stadt Frankfurt am Main. Hauke Hückstädt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt, unterstrich in seinem Grußwort, dass die sechs Nominierten der Shortlist, „denen heute unsere ganze Aufmerksamkeit und die Aufmerksamkeit der Buchwelt gelte, unter mehr als 200 geprüften Büchern von einer Fachjury ausgewählt worden seien“.

Fatma Aydemir „Dschinns“, Moderation: Alf Mentzer

Alf Mentzer im Talk mit Fatma Aydemir © Foto: Diether von Goddenthow
Alf Mentzer im Talk mit Fatma Aydemir © Foto: Diether von Goddenthow

Als erste im Reigen präsentiert Fatma Aydemir im Gespräch mit Moderator Alf Mentzer ihr im Carl Hanser Verlag erschienenes Werk „Dschinns“. Eher rein zufällig habe sie einen Familienroman geschrieben, denn Ziel sei es gewesen, wie sie sagt, mehr über die erste Generation der türkischen Arbeitsmigranten zu erfahren. Die Hauptfigur Hüseyin, angelehnt an ihren Vater, hat dreißig Jahre in Deutschland gearbeitet, Doppelschichten geschoben, vier Kinder ernährt und trotzdem immer etwas Geld beiseitegelegt, um sich im 59. Lebensjahr endlich seinen Traum von einer Eigentumswohnung in Istanbul erfüllen zu können. Er hat aber nicht lange davon, denn nicht mal 12 Tage später erleidet er, angekommen in seiner Sehnsuchtswohnung, einen tödlichen Herzinfarkt. Jetzt, im Moment der Trauer und des Verlustes, beginnt der eigentliche Roman: Zur Beerdigung reisen Ehefrau und ihre vier Kinder auf unterschiedlichen Wegen nach Istanbul. Aus deren Perspektiven, sich eigentlich recht fremd gebliebener Personen, entfaltet Fatma Aydemir nach und nach diese spannungsreiche Geschichte .

Fatma Aydemir © Foto: Diether von Goddenthow
Fatma Aydemir © Foto: Diether von Goddenthow

„Für mich hat dieser Zusammenhalt dieser Personen überhaupt nichts heimeliges, im Gegenteil, es ist eher unheimlich, es gibt so eine unheimliche Spannung bei dieser Familie. Woher kommt diese Spannung?“, fragt Alf Mentzer. „Ich glaube“, so Fatma Aydemir , „das kommt aus dem Konzept Familie, das ist universell“ Und je tiefer sie in diese Thematik einstieg, umso mehr verstärkte sich dieses Gefühl: „Ja eigentlich ist das ganz absurd, davon auszugehen, dass dieses Gruppe von Menschen, in die man hineingeboren wird, irgendwie per sé das Beste ist, was einem passiert ist, und dass man sich da wiederfinden muss“, so die Autorin, die auch für neue Formen des Zusammenlebens plädiert. Denn für viele Menschen sei Familie kein besserer Ort, kein Ort, an dem es heimelig sei, eher unheimlich, und im Buch sei es für jede Figur  ein bisschen anders. Sie habe versucht, die Familie im Prozess des Auseinanderbrechens zu zeigen.

Das „Unheimliche“ stecke ja auch schon im Titel des Romans „Dschinns“, so Mentzer. „Dschinns“ wären in der islamischen Vorstellung unsichtbare Geister, die die Welt bevölkerten, deren Namen man wahrscheinlich auch gar nicht laut aussprechen dürfte. „Auch meine Kindheit war von der Angst vor Dschinns geprägt“, so Aydemir. Dinge, die uns Angst machten, seien ja meistens genau deswegen so angsteinflößend, weil sie so vage und nicht greifbar seien, so wie bei Dschinns. Ihre Geschichte und die Idee von Familie passten dazu, „da ‚es‘ eben im Raume ist, wir davon wissen, ‚es‘ uns Angst macht, und dass wir ‚es‘ deswegen nicht mehr aussprechen.“ Familienzusammenkünfte wie Treffen auf Beerdigungen seien schon davon geprägt, „dass wir Menschen auf Grundlage eines Kompromisses zusammenkommen, nämlich, dass sie nicht alles auspacken, sehr zurückhaltend seien und nicht alles dem Gegenüber zumuten, weil es sonst einfach eskalieren und auseinanderbrechen würde“, erläutert Aydemir, die dem Schweigen in bestimmten Situationen  als sozialen Kitt auch eine positive Seite zubilligt.  Aber „in dieser Familie“, lässt Aydemir ihren Bruder Harkan im Roman sagen, „kämpft man mit dem Schweigen als Waffe“, wirft Mentzer ein. Einen Grund hierfür, so Aydemir, sei auch in der kurdischen Herkunft der Familie begründet, in der zum Schutz der Kinder mehr als üblich geschwiegen wurde,  und man ihnen nicht mal mehr die kurdische Sprache beigebracht wurde. Es sei ein Schweigen innerhalb dieser Familie, und ein Schweigen, was in der türkischen Geschichtsschreibung und Gesellschaft existiere.

Kommentar der Jury:
„Dschinns“ vereint Fragen nach Identität, Geschlecht und Herkunft ebenso wie die Themen Rassismus und Diskriminierung, während gleichzeitig ein Teil jüngerer deutscher Geschichte behandelt wird, der bisher kaum in der Literatur zu finden ist.

Biographie:

Fatma Aydemir © Foto: Diether von Goddenthow
Fatma Aydemir © Foto: Diether von Goddenthow

Fatma Aydemir wurde 1986 in Karlsruhe geboren. Sie lebt in Berlin und ist Kolumnistin und Redakteurin bei der taz. Bei Hanser erschien 2017 ihr Debütroman Ellbogen, für den sie den Klaus-Michael-Kühne-Preis und den Franz-Hessel-Preis erhielt. 2019 war sie gemeinsam mit Hengameh Yaghoobifarah Herausgeberin der Anthologie Eure Heimat ist unser Albtraum. Ihr zweiter Roman Dschinns (Hanser, 2022) wurde mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet.

 

Jan Faktor „Trottel“, Moderation: Sandra Kegel

Sandra Kegel-im Talk mit Jan Faktor  © Foto: Diether von Goddenthow
Sandra Kegel-im Talk mit Jan Faktor © Foto: Diether von Goddenthow

„Die stille Frage meiner Jugend lautete, ob ein Trottel im Leben glücklich werden kann. Und im Grunde war es keine Frage“, beginnt Jan Faktor sein  bei Kiepenheuer & Witsch erschienenes Buch „Trottel“. Diese Frage, so  Faktor,  habe ihn schon ein Leben lang beschäftigt. Als er diese Frage, notiert auf einem Zettel, den er Jahrelang in der Hosentasche hatte, vor zwei Jahren hervorholte, habe sich daraus intuitiv ein Buch mit  über 400 Seiten entwickelt. Der Roman besteht aus vielen Geschichten, die   „an einem Stück“ hintereinander aus ihm wie aus einer „Magma-Blase“  herausgeplatzt wären, gleich ganz zu Beginn die, vom  Selbstmord seines Sohnes vor 10 Jahren, der auch so ein Trottel gewesen sei wie er selbst, über den er eigentlich gar nicht schreiben wollte, was aber auf einmal unvermeidbar war.

Jan Faktor  © Foto: Diether von Goddenthow
Jan Faktor © Foto: Diether von Goddenthow

Ob es denn einen Unterschied zwischen „Schelm“ und „Trottel“ gäbe, will Moderatorin Sandra Kegel wissen: „Einen gewaltigen“, so Faktor: Der Trottel sei nicht schlau, sondern dumm, er gäbe Dinge von sich preis, ohne zu spüren, dass er sich damit lächerlich mache, ganz anders wie ein Schelm, der sei schlau und berechnend. Der Trottel sei ehrlich, aber seiner Welt ausgeliefert. Auch er sei ein Trottel, deswegen der Titel.

Ihren Anfang nimmt die Geschichte des Trottels, eine Erinnerung an ein Leben, in dem immer alles anders kam, als gedacht, dabei in Prag, nach dem sowjetischen Einmarsch. Auf den Rat einer Tante hin studiert der Jungtrottel Informatik, hält aber nicht lange durch. Dafür macht er erste groteske Erfahrungen mit der Liebe, langweilt sich in einem Büro für Lügenstatistiken und fährt schließlich Armeebrötchen aus. Nach einer denkwürdigen Begegnung mit der »Teutonenhorde«, zu der auch seine spätere Frau gehört, »emigriert« er nach Ostberlin, taucht ein in die schräge, politische Undergroundszene vom Prenzlauer Berg, gründet eine Familie, stattet seine besetzte Wohnung gegen alle Regeln der Kunst mit einer Badewanne aus, wundert sich über die »ideologisch morphinisierte« DDR, die Wende und entdeckt schließlich seine Leidenschaft für Rammstein.

Kommentar der Jury:
Jan Faktors Roman „Trottel“ verbindet Zeitgeschichte und Lebensgeschichte auf sehr besondere Weise: Er beschreibt den Weg eines Außenseiters von Prag nach Berlin, vom Arbeitnehmer im realexistierenden Sozialismus zu einem Schriftsteller, der literarische Trauerarbeit leistet. Im Kern des Romans steht der Verlust eines Sohnes. Faktor gelingt das große Kunststück, mit einer Geschichte über Trauer Witz zu erzeugen. Er zielt auf die DDR ebenso wie auf die bundesdeutsche Gegenwart, auf den Literaturbetrieb und nicht zuletzt auf das eingestandene „Trotteltum“ seines Erzählers. Dabei entsteht ein provokanter, bisweilen verstörender Schelmenroman über die Frage, „ob ein Trottel im Leben glücklich werden kann“. Es ist ein Buch, das auch gnadenlose, aber sehr hilfreiche Kritik an unserer Gesellschaft übt.

Biografie:

Jan Faktor  © Foto: Diether von Goddenthow
Jan Faktor © Foto: Diether von Goddenthow

Jan Faktor, 1951 in Prag geboren, übersiedelte 1978 nach Ostberlin. Arbeit als Kindergärtner und Schlosser. Entdeckt in den 1980er-Jahren das „Rückläufige Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache“ für die experimentelle Dichtung. Bis 1989 fast ausschließlich in der inoffiziellen Literaturszene engagiert. 1989/90 Mitbegründer der Zeitung des Neuen Forums.

 

Kim de l’Horizon „Blutbuch“, Moderation: Christoph Schröder

Christoph Schroeder im Talk mit Kim de l’Horizon- © Foto: Diether von Goddenthow
Christoph Schroeder im Talk mit Kim de l’Horizon- © Foto: Diether von Goddenthow

Die Erzählperson in „Blutbuch“, erschienen bei DuMont Buchverlag, indentifiziert sich als nonbinär, also weder als Mann noch als Frau, so wie die Autor*In Kim de l’Horizon selbst. Mehr noch: Sie sei, erzählt Kim de l’Horizon, auch als „Hexer*In“ unterwegs und mache auch Rituale und habe hier einen Kristall mitgebracht, „um mir ein bisschen Kraft zu geben.“ Im Zusammenhang mit dieser Publikation „seien wahnsinnig viele Dinge auf mich zugekommen, Energien und Geschichten werden an mich herangetragen, liebevolle, aber auch hasserfüllte, und dieser Kristall hilft mir zu klären, was gehört zu mir, und was gehört zu anderen Menschen.“

Kim de l’Horizon- © Foto: Diether von Goddenthow
Kim de l’Horizon- © Foto: Diether von Goddenthow

Blutbuch ist in der grundsätzlichen Form eigentlich ein langer Brief, den die Ich-Erzählperson an ihre/seine die Familie dominierende Großmutter schreibt, als diese an Demenz erkrankt und Erzähler-Ich beginnt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Wieso vermag sich die Großmutter kaum von ihrer früh verstorbenen Schwester abzugrenzen? Und was geschah mit der Großtante, die als junge Frau verschwand? Die Erzählfigur stemmt sich gegen die Schweigekultur der Mütter und forscht nach der nicht tradierten weiblichen Blutslinie. „Gleichzeitig ist es für mich auch eben nichts Lineares, sondern ich habe versucht, mit diesem Roman einen Hexenkessel zu bauen, in dem alles Platz hat, was irgendwie so an einen herangetragen wird, wenn man irgendwie ein Körper ist auf dieser Welt. Und deshalb ist es nicht binär. Es hat Zirkelbewegungen für mich drin, und es fängt auch nicht an einem Anfang an, sondern wie für mich, so mitten im Satz, und das war das Ziel eigentlich, dass, wenn Menschen das lesen, sie so gerade reingezogen werden in diese Hexensuppe“, so die Autor*In.

Kommentar der Jury:
Die Blutbuche im Garten ist Ursprung und Fluchtpunkt im Leben von Kim, der non-binären Hauptfigur dieses Romans. Gepflanzt wurde sie zur Geburt der Großmutter – der Großmeer, wie sie im Berndeutschen genannt wird. Im Meer dieser Überfigur droht das Kind Kim zu versinken, gleichzeitig ist sie aber von einer magischen Faszination. Als die Großmeer ihr Wissen und ihre Dominanz an die Demenz verliert, beginnt Kim eine eigene Sprache zu bilden: für Identität und Körperlichkeit, für Herkunft und Prägung. Da es in diesem Gemenge keinen geraden Weg gibt, kann die Form des Romans nicht linear sein. Sie ist experimentell und gewagt, in einem Moment jäh derb und obszön, im nächsten wieder zart und intensiv. Sie nutzt überraschende Ebenen und Sichtweisen. Ein Roman, der berührt und bewegt.

Biografie:

Kim de l’Horizon- © Foto: Diether von Goddenthow
Kim de l’Horizon- © Foto: Diether von Goddenthow

Kim de l’Horizon, 1992 bei Bern geboren, studierte Germanistik, Film- und Theaterwissenschaften in Zürich sowie Literarisches Schreiben in Biel. Zurzeit Masterstudiengang Transdisziplinarität an der ZHdK. They ist Mitglied des Kollektivs e0b0ff und der Redaktion des Literaturmagazins delirium, außerdem Gewinner*in des Treibhaus- und OpenNet-Wettbewerbs der Solothurner Literaturtage für Prosa, des Textstreich-Wettbewerbs für Lyrik, des Dramatiker*innenförderpreises Dramenprozessor 2020 und eines Kurzfilmwettbewerbs der HAZ. Publikationen in verschiedenen Literaturmagazinen.

 

Daniela Dröscher „Lügen über meine Mutter“, Moderation: Sandra Kegel

Sandra Kegel- im Talk mit Daniela Droescher © Foto: Diether von Goddenthow
Sandra Kegel- im Talk mit Daniela Droescher © Foto: Diether von Goddenthow

Als vierte der Nominierten betritt Daniela Dröscher mit ihrem bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Roman „Lügen über meine Mutter“, die Bühne. Auch das sei ein Roman, der, so Moderatorin Sandra Kegel, aus einer autobiographischen Wunde heraus geschrieben sei. Die Autorin wuchs wie ihr Alter Ego, die kindliche Protagonistin Ela, in der örtlichen Welt des Hunsrücks auf. Vordergründig geht es um  das übermäßige Körpergewicht ihrer Mutter. Ist diese schöne, eigenwillige, unberechenbare Frau zu dick? Muss sie dringend abnehmen? Ja, das muss sie, entscheidet ihr Ehemann. Und die Mutter ist dem ausgesetzt, Tag für Tag, wobei sie sich selbst nicht als zu dick empfindet, ihre größte Lebenslüge, gleich zu Romanbeginn.
Eigentlich hatte die Mutter, Tochter schlesischer Flüchtlinge, mehr vom Leben gewollt, doch der karrierebewusste Ehemann, dessen Vorankommen sie aber ständig  selbst befeuert, kontrolliert mittlerweile alles: die Haushaltsfinanzen, den tagtäglichen Streit, ihr Übergewicht, für das sich selbst das eigene Kind schon schämt. Die Fassade der kleinbürgerlichen Aufsteigerfamilie zerbröckelt endgültig, als die Mutter in einem skurrilen Akt der Notwehr ihr unverhofftes größeres Erbe, von dem sie jedoch völlig überfordert ist und es auch nicht nutzt, um sich vom Mann zu befreien, verschleudert.

Hintergründig geht es in Dröschers Roman um die destruktiven Auswirkungen eines unbedingten Aufstiegswillen einer kleinbürgerlichen Familie. Es geht um ewiges Vergleichen mit anderen, um Konkurrenz und um das Patriarchat in den 80er Jahren einer westdeutschen Landschaft. Als Daniela Dröscher 1977 geboren wurde, wurde erst in Deutschland Frauen das Recht zugestanden, ohne Zustimmung des Ehemannes erwerbstätig sein zu können.

 Daniela Droescher © Foto: Diether von Goddenthow
Daniela Droescher © Foto: Diether von Goddenthow

Vor diesem Hintergrund erzählt die Autorin auf zwei Ebenen: aus kindlicher Perspektive einer Zehnjährigen und, strukturierend, aus der einer Erwachsenen. Erzählt wird  vom Aufwachsen in dieser dysfunktionalen Familie im Hunsrück der 1980er Jahre, die immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Es ist diese zum  Tunnelblick verkommene fixe Idee von Prestige- und  Wohlstandsmehrung, der die Seelen abgestumpft hat: Da lässt niemand dem anderen  auch nur irgendwie einen Zentimeter. Es gibt nur Konkurrenz. Erbarmungslos sind alle gefangen in dieser unheilvollen Struktur des Aufstiegs. „Es geht darum: ‚Was hat der Nachbar?‘, ‚Wer hat überhaupt?‘, ‚Wessen Wohlstand ist eigentlich legitim?‘, und ‚Weswegen sind die, die zugezogen sind, wohlhabender, als wir?‘. Es gibt den gesellschaftlichen Druck, unter dem auch der Vater steht, oder er steckt in diesem Aufstiegsmärchen fest und ich meine, dieses System, das Wirtschaftssystem ist ja kein Geheimnis, das produziert halt Ellbogen und Konkurrenz. Davon zehrt es ja. Es ist das Lebenselixier“, so die Autorin.

Kommentar der Jury:
Daniela Dröscher erzählt ihre von essayistischen Einschüben unterbrochene literarische Mikrosoziologie aus der Kinderperspektive. Beendet ist die Geschichte vom nicht mehr wunschlosen Unglück der Mutter erst, wenn ein neues Spiel beginnt – das der eigenen Familie.

Biografie:

 Daniela Droescher © Foto: Diether von Goddenthow
Daniela Droescher © Foto: Diether von Goddenthow

Daniela Dröscher, 1977 geboren, aufgewachsen in Rheinland-Pfalz, lebt in Berlin. Sie schreibt Prosa, Essays und Theatertexte. Studium der Germanistik, Philosophie und Anglistik in Trier und London, Promotion im Fach Medienwissenschaft an der Universität Potsdam. Ihr Romandebüt „Die Lichter des George Psalmanazar“ erschien 2009 im Berlin Verlag, es folgten der Erzählband „Gloria“ und der Roman „Pola“ sowie das Memoir „Zeige deine Klasse“ bei Hoffmann & Campe. Sie wurde unter anderem mit dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet.

 

Kristine Bilkau „Nebenan“, Moderation: Alf Mentzer

Alf Mentzer im Talk mit Kristine Bilkau © Foto: Diether von Goddenthow
Alf Mentzer im Talk mit Kristine Bilkau © Foto: Diether von Goddenthow

Als Vorletzte der Shortlist-Matinee präsentiert Kristine Bilkau im Talk mit Alf Mentzer ihr bei Luchterhand erschienenes Werk „Nebenan“. Die Geschichte spielt in einem kleinen Ort am Nord- Ostsee-Kanal, zwischen Natur, Kreisstadt (Rendsburg) und Industrie, kurz nach dem Jahreswechsel. Mitten aus dem Alltag heraus verschwindet eine Familie spurlos. Das verlassene Haus wird zum gedanklichen Zentrum der Nachbarn: Julia, Ende dreißig, die sich vergeblich ein Kind wünscht, die mit ihrem Freund erst vor Kurzem aus der Großstadt hergezogen ist und einen kleinen Keramikladen mit Online-Shop betreibt. Astrid, Anfang sechzig, die seit Jahrzehnten eine Praxis in der nahen Kreisstadt führt und sich um die alt gewordene Tante sorgt.

Kristine Bilkau © Foto: Diether von Goddenthow
Kristine Bilkau © Foto: Diether von Goddenthow

Und dann ist da das mysteriöse Kind, das im Garten der verschwundenen Familie auftaucht. Sie alle kreisen wie Fremde umeinander, scheinbar unbemerkt von den Nächsten, sie wollen Verbundenheit und ziehen sich doch ins Private zurück. Und sie alle haben Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste. Ihre Wege kreuzen sich, ihre Geschichten verbinden sich miteinander, denn sie suchen, wonach wir alle uns sehnen: Geborgenheit, Zugehörigkeit und Vertrautheit. „Wir haben alle Sehnsüchte, ich finde es hochinteressant“, so die Autorin, „sich mit Sehnsüchten zu beschäftigen, weil sie auch eben so brisant sein können:“ Sehnsüchte können kommerziell ausgebeutet werden, wie zum Beispiel in der Werbung, aber auch politisch, „und da kann es richtig problematisch werden, finde ich, wenn Sehnsucht nach häuslichem Glück, nach einen einfachen Leben, einer vermeintlich besseren Vergangenheit, die es mal gegeben hat“, Menschen so beherrschten, dass sie von ihrem eigentlichen Leben abkommen.

Kommentar der Jury:
Die Keramikkünstlerin Julia führt eine liebevolle Partnerschaft, leidet aber unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch. Astrid, Mutter von drei erwachsenen Söhnen, will sich langsam aus dem Berufsleben als Ärztin zurückziehen. Meisterhaft zeigt Kristine Bilkau anhand der Schicksale zweier Frauen in der norddeutschen Provinz, welche Abgründe in einem scheinbar alltäglichen Leben lauern. Die Stärke dieses subtil erzählten Romans liegt in den Details und den kleinen Kippmomenten – zwischen Fruchtbarkeitskliniken und verschwundenen Müttern, traumvergessenen Landschaften und illegalen Müllkippen. Nicht nur den Figuren, auch den Lesenden wird immer wieder der scheinbar sichere Grund unter den Füßen weggezogen. Doch dass Leben ohne Vertrauen nicht gelingen kann, auch davon erzählt „Nebenan“.

Biografie:

Kristine Bilkau © Foto: Diether von Goddenthow
Kristine Bilkau © Foto: Diether von Goddenthow

Kristine Bilkau, 1974 geboren, studierte Geschichte und Amerikanistik in Hamburg und New Orleans. Ihr erster Roman „Die Glücklichen“ wurde mit dem Franz-Tumler-Preis, dem Klaus-Michael-Kühne- Preis und dem Hamburger Förderpreis für Literatur ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Vor „Nebenan“ erschien „Eine Liebe, in Gedanken“ im Luchterhand Literaturverlag. Kristine Bilkau lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

 

Eckhart Nickel „Spitzweg“, Moderation: Christoph Schröder

Christoph Schroeder im Talk mit Eckhart Nickel. © Foto: Diether von Goddenthow
Christoph Schroeder im Talk mit Eckhart Nickel. © Foto: Diether von Goddenthow

Als letzter in der Runde stellt Moderator Christoph Schröder den   Autor Eckhart Nickel mit seinem im Piper Verlag erschienen Roman „Spitzweg“ vor. Man könne sich fragen, so Schröder, ob das ein Roman sei, der die Kunst feiere, in dem junge Menschen in der Kunst aufgingen oder erst sie selbst würden, indem sie sich eine Kunstwelt schüfen. Es geht um drei junge Menschen kurz vor dem Abitur, um ein Selbstporträt, das von einer Lehrerin geschmäht wird, um Bilder, wie man sie anschaut, und immer wieder um den Gegensatz von Künstlichkeit und Natur. Das sei etwas, was Eckhard Nickel schon in seinen vorangegangenen Roman „Hysteria“ rumgetrieben habe. „Man kann sich in diesem Buch wunderbar verlieren“, schwärmt der Moderator. Bereits den Einband ziere ein Bild von Karl Spitzweg: „Der Hagestolz“. Auf diesen werde im Roman ein Loblied gesungen:  „Was hat der Hagestolz mit diesem Roman zu tun? Wer singt dieses Loblied? Wie kommt der Hagestolz in das Buch?“, fragt Schröder.

Eckhart Nickel  © Foto: Diether von Goddenthow
Eckhart Nickel © Foto: Diether von Goddenthow

Der Bildausschnitt wäre bewusst so ausgewählt, „weil darauf eigentlich nur noch drei Figuren zu sehen sind, und damit auch schon sozusagen die Vielbezüglichkeit dieses Gemäldes eigentlich ganz gut repräsentiert wird“, erklärt Eckhart Nickel. Denn beim Hagestolz ginge es eigentlich um eine Familientragödie als Figur. „Der Solitär des Hagestolz, das ist der zweitgeborene Sohn, der dann leider nicht den Hof erbt, sondern für den zwar noch genügend übrig bleibt, dass er sich ganz ordentlich anziehen kann, wie man auf dem Bild sieht, der sich auch ein Zeitungs-Abonnement leisten kann. Aber für alles andere reicht es nicht mehr, und wie jedes Gemälde in diesem Roman, ist auch dieses nicht nur ein Bild, sondern auch ein Bilderrätsel, ein Imaginationsraum, in den sich Figuren hineinversetzen“, so der Autor, der sich einstmals eigentlich nie viel aus Kunst gemacht hatte, bis ihn  Carl, ein bewunderter Freund mit seiner Spitzweg-Begeisterung angesteckt habe. In der Mitte des Geschehens: eine Dreiecksbeziehung, ein hochbegabtes Mädchen und der verräterische Diebstahl eines Gemäldes. Durch raffinierte Rachepläne wird die Schülerfreundschaft auf ihre schwerste Probe gestellt.

Kommentar der Jury:
Eckhart Nickel gelingt mit seinem Roman „Spitzweg“ Großes: was als Schülergeschichte beginnt, wandelt sich zu einer meisterhaften Reflexion über die Beziehung von Kunst und Leben. Sehr bewusst setzt er sich mit ästhetischen Fragen auseinander, und indem er die Leser*innen zu Schüler*innen macht, werden auch komplexe Diskurse verständlich. Sprachlich souverän und voller Ironie spielt „Spitzweg“ mit einer übertriebenen Gelehrsamkeit, mit verschachtelten Satzkonstruktionen und einem antiquiert anmutenden Vokabular. Dabei ist der Roman aller philosophischen Tiefe zum Trotz äußerst temporeich, in manchen Passagen gar komödiantisch. Ein großes intelligentes Lesevergnügen, das uns veranschaulicht, wie auch über Kultur diskutiert werden kann.

Biografie:

Eckhart Nickel  © Foto: Diether von Goddenthow
Eckhart Nickel © Foto: Diether von Goddenthow

Eckhart Nickel, geboren 1966 in Frankfurt am Main, studierte Kunstgeschichte und Literatur in Heidelberg und New York. Er gehörte zum popliterarischen Quintett „Tristesse Royale“ (1999) und debütierte 2000 mit dem Erzählband „Was ich davon halte“. Nickel leitete mit Christian Kracht die Literaturzeitschrift „Der Freund“ in Kathmandu. Heute schreibt er vorwiegend für die FAS, die FAZ und ihr Magazin. 2019 erhielt er den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis der Stadt Bad Homburg.

(Diether von Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Weitere Informationen zum Deutschen Buchpreis.

Deutscher Buchpreis 2022: Die Preisverleihung live erleben

Literaturbegeisterte können online dabei sein, wenn der Roman des Jahres gekürt wird: Die Verleihung des Deutschen Buchpreises wird am 17. Oktober 2022 um 18 Uhr auf www.deutscher-buchpreis.de live aus dem Frankfurter Römer übertragen.
Gleichzeitig senden Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur die Veranstaltung live über den Sonderkanal „Dokumente und Debatten“ im Digitalradio und als Stream auf https://www.deutschlandradio.de/dokumente-und-debatten-102.html.

Der Stream der Preisverleihung ist auch über die Webseite der Frankfurter Buchmesse www.buchmesse.de erreichbar.

Der Deutsche Buchpreis begleitet die Veranstaltung außerdem auf Twitter: www.twitter.com/buchpreis, Hashtag: #dbp22.

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main.

Die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022: Sechs Romane im Finale

Deutscher Buchpreis 2022: Sechs Romane im Finale- Die sechs Titel der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 (c) vntr.media
Deutscher Buchpreis 2022: Sechs Romane im Finale- Die sechs Titel der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 (c) vntr.media

Die Jury hat diese sechs Romane für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 ausgewählt:

  • Fatma Aydemir: Dschinns (Carl Hanser, Februar 2022)
  • Kristine Bilkau: Nebenan (Luchterhand, März 2022)
  • Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter (Kiepenheuer & Witsch, August 2022)
  • Jan Faktor: Trottel (Kiepenheuer & Witsch, September 2022)
  • Kim de l’Horizon: Blutbuch (DuMont, Juli 2022)
  • Eckhart Nickel: Spitzweg (Piper, April 2022)

Jurysprecherin Miriam Zeh, Deutschlandfunk Kultur: „Ein Roman gibt sich eigene Gesetze und steht doch unweigerlich in Kontakt zur Gegenwart, in der er geschrieben und gelesen wird. Alle sechs Titel der Shortlist 2022 konnten uns in ihrer ästhetischen Eigenheit überzeugen. Mit sprachlicher Brillanz und formaler Innovationskraft beschreiben sie soziale Realitäten und Phantasmen, vermessen Mitte und Ränder, umkreisen Trauer und Komik. Damit bilden die nominierten Autor*innen die thematische wie stilistische Vielfalt der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ab. Gemeinsam ist ihnen: eine künstlerische Unbedingtheit. Mit ihren Büchern beziehen sie Position, zeigen sich streitbar und zugleich offen für den Dialog. So laden wir mit der Lektüre dieser Shortlist auch ein, in einen Austausch zu treten und den eigenen Blick auf die Welt neu zu justieren.“

Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 233 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2021 und dem 20. September 2022 erschienen sind. Der Jury gehören neben Miriam Zeh an: Erich Klein (freier Kritiker, Wien), Frank Menden (stories! Die Buchhandlung, Hamburg), Uli Ormanns (Agnes Buchhandlung, Köln), Isabelle Vonlanthen (Literaturhaus Zürich), Selma Wels (Kuratorin und Moderatorin, Frankfurt) und Jan Wiele (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Mit dem Deutschen Buchpreis 2022 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Der oder die Preisträger*in erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalist*innen erhalten jeweils 2.500 Euro. Die Preisverleihung findet am 17. Oktober 2022 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt und wird live übertragen. Interessierte können die Preisverleihung unter www.deutscher-buchpreis.de verfolgen.

Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur übertragen die Veranstaltung live über den Sonderkanal „Dokumente und Debatten“ im Digitalradio und als Livestream auf Dokumente und Debatten | deutschlandradio.de.

Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Ab 4. Oktober 2022 werden Auszüge aus den Shortlist-Titeln in englischer Übersetzung und ein englischsprachiges Dossier zur Shortlist auf dem Internetportal www.new-books-in-german.com präsentiert.

Auf der Webseite und den Social-Media-Kanälen des Deutschen Buchpreises vermitteln Videoporträts einen Eindruck von den nominierten Werken und ihren Autor*innen.

Der Hashtag zum Deutschen Buchpreis lautet: #dbp22

Deutscher Buchpreis 2022: Die 20 nominierten Romane stehen fest

© Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.
© Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

20 Romane hat die Jury für den Deutschen Buchpreis 2022 nominiert. Seit Ausschreibungsbeginn hat sie 233 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2021 und dem 20. September 2022 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind oder noch erscheinen.

Jurysprecherin Miriam Zeh, Deutschlandfunk Kultur:
„In der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur rumoren die großen Fragen unserer Zeit: nach Herkunft und Identität, nach Formen und Zukunft unseres Zusammenlebens. Sie können sich in der deutschen oder österreichischen Provinz ebenso entfalten wie in Kabul oder Pjöngjang, in einer herannahenden Dystopie oder der real-historischen Ostberliner Vorwendezeit. Aus über 200 Titeln und so vielen Einreichungen wie noch nie haben wir epische Erzählungen ausgesucht, poetische Sprachschöpfungskaskaden sowie formale Experimente, die klassische und realistische Formen des Romans aufbrechen. Die Auswahl auf unserer Longlist folgt dabei verschiedenen Kriterien, so wie auch in der Jury Perspektiven aus Literaturvermittlung und -kritik zusammenfinden. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2022 sind etablierte Autor*innen ebenso wie eine Vielzahl noch weniger bekannter und jüngerer Stimmen. Und wenn wir die so verschiedenen Romane damit einem neugierigen Lesepublikum näherbringen können, freuen wir uns umso mehr.“

Die nominierten Romane (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Fatma Aydemir: Dschinns (Carl Hanser, Februar 2022)
  • Kristine Bilkau: Nebenan (Luchterhand, März 2022)
  • Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter (Kiepenheuer & Witsch, August 2022)
  • Carl-Christian Elze: Freudenberg (edition AZUR, Februar 2022)
  • Theresia Enzensberger: Auf See (Carl Hanser, August 2022)
  • Jan Faktor: Trottel (Kiepenheuer & Witsch, September 2022)
  • Marie Gamillscheg: Aufruhr der Meerestiere (Luchterhand, März 2022)
  • Kim de l’Horizon: Blutbuch (DuMont, Juli 2022)
  • Yael Inokai: Ein simpler Eingriff (Hanser Berlin, Februar 2022)
  • Reinhard Kaiser-Mühlecker: Wilderer (S. Fischer, März 2022)
  • Anna Kim: Geschichte eines Kindes (Suhrkamp, August 2022)
  • Esther Kinsky: Rombo (Suhrkamp, Februar 2022)
  • Dagmar Leupold: Dagegen die Elefanten! (Jung und Jung, Februar 2022)
  • Eckhart Nickel: Spitzweg (Piper, April 2022)
  • Gabriele Riedle: In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg. (Die Andere Bibliothek, März 2022)
  • Slata Roschal: 153 Formen des Nichtseins (homunculus, Februar 2022)
  • Anna Yeliz Schentke: Kangal (S. Fischer, März 2022)
  • Jochen Schmidt: Phlox (C.H.Beck, September 2022)
  • Andreas Stichmann: Eine Liebe in Pjöngjang (Rowohlt, März 2022)
  • Heinz Strunk: Ein Sommer in Niendorf (Rowohlt, Juni 2022)

Der Jury gehören neben Miriam Zeh an: Erich Klein (freier Kritiker, Wien), Frank Menden (stories! Die Buchhandlung, Hamburg), Uli Ormanns (Agnes Buchhandlung, Köln), Isabelle Vonlanthen (Literaturhaus Zürich), Selma Wels (Kuratorin und Moderatorin, Frankfurt) und Jan Wiele (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Im nächsten Schritt wählen die Jurymitglieder aus den Titeln der Longlist sechs Romane für die Shortlist aus, die am 20. September 2022 veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung erfahren die sechs Autor*innen, an wen von ihnen der Deutsche Buchpreis geht. Der oder die Preisträger*in erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalist*innen erhalten jeweils 2.500 Euro. Die Preisverleihung findet am 17. Oktober 2022 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt und wird live übertragen.

Der Deutsche Buchpreis wird von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vergeben. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weiterer Partner ist die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Die nominierten Romane kennenlernen: Leseproben, Hörproben, Videoclips, Blogger*innen-Rezensionen

Ab dieser Woche ist das Taschenbuch „Deutscher Buchpreis 2022: Die Nominierten“ deutschlandweit in vielen Buchhandlungen kostenlos erhältlich. Es enthält Leseproben aller Bücher und weiterführende Informationen, kuratiert vom Fachmagazin Börsenblatt des Technologie- und Informationsanbieters MVB, und lädt zum Entdecken der Geschichten und ihrer Autor*innen ein.

Das Podcast-Radio detektor.fm hat Hörproben der 20 nominierten Titel produziert. Die Podcast-Episoden sind abrufbar unter www.deutscher-buchpreis.de/longlist oder detektor.fm/deutscher-buchpreis und über die detektor.fm-App. Auf den Plattformen Amazon Music, Apple Podcasts, Google Podcasts, Deezer und Spotify sind alle Audios als Podcast direkt zu hören. Als Kooperationspartner des Deutschen Buchpreises bespricht Papierstau Podcast ab dem 31. August alle nominierten Titel, die Shortlist und den Roman des Jahres. Der Podcast ist kostenlos auf allen gängigen Streaming-Plattformen sowie über die Website www.papierstaupodcast.de abrufbar.

Ab September stellen kurze Videoclips die nominierten Autor*innen und ihre Romane vor. Sie stehen dann auf der Website des Deutschen Buchpreises, auf YouTube und Instagram zur Verfügung.

Unter dem Hashtag #buchpreisbloggen stellen in den kommenden Wochen 20 Literaturblogger*innen je einen nominierten Titel vor. Die Rezensionen werden unter www.deutscher-buchpreis.de/news veröffentlicht und über die Social-Media-Kanäle des Deutschen Buchpreises geteilt.

Deutscher Buchpreis 2022: Lesungen und Gespräche mit den Nominierten bundesweit – am 9.10.2022 Autoren der Shortlist im Schauspiel Frankfurt

Autoren der Shortlist im Frankfurter Schauspiel am 9. Oktober 2022 ab 11.00 Uhr  © Foto Diether von Goddenthow
Autoren der Shortlist im Frankfurter Schauspiel am 9. Oktober 2022 ab 11.00 Uhr © Foto Diether von Goddenthow

Deutscher Buchpreis 2022: Lesungen und Gespräche mit den Nominierten bundesweit. Blind-Date-Lesungen mit nominierten Autor*innen als Überraschungsgast / Longlist-Abend in Hamburg am 1. September und Shortlist-Veranstaltung am 9. Oktober in Frankfurt am Main

Literaturbegeisterte in ganz Deutschland können im September und Oktober die Autoren und Autorinnen  der für den Deutschen Buchpreis 2022 nominierten Titel kennenlernen. Auf zehn Blind-Date-Lesungen und zwei großen Leseabenden stellen sie ihre Romane vor. Das Besondere an den Blind Dates: Erst am Abend selbst erfährt das Publikum, welche*r der nominierten Autoren und Autorinnen zu Gast ist. Eine Übersicht über die nominierten Titel ist ab 23. August, 10 Uhr, unter www.deutscher-buchpreis.de abrufbar.

Bundesweite Blind-Date-Lesungen
Unter teilnehmenden Mitgliedsbuchhandlungen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels wurden neun Gewinner*innen ausgelost, die in den kommenden Wochen eine Blind-Date-Lesung mit einem oder einer Nominierten veranstalten. Zudem richtet die Deutsche Bank Stiftung, Hauptförderer des Deutschen Buchpreises, eine moderierte Lesung in den Zwillingstürmen in Frankfurt am Main aus. Aktuelle Informationen zu den Veranstaltungen und Kontaktdaten erhalten Interessierte über die Online-Kanäle der Buchhandlungen bzw. Veranstalter.

Die Blind-Date-Lesungen 2022 im Überblick:

8. September 2022, 19.30 Uhr
Buchhandlung Schulz-Ebrecht
Idar-Oberstein
https://schulz-ebrecht.buchkatalog.de/

14. September 2022, 19.30 Uhr
Buchhandlung Neue Collibri
Bamberg
https://neuecollibri.buchkatalog.de/

14. September 2022, 20 Uhr
Buchhandlung Lehmanns Media
Marburg
https://www.lehmanns.de/buchhandlung/380-marburg

15. September 2022, 19 Uhr
Der andere Buchladen
Krefeld
Veranstaltungsort: Mediathek Krefeld
https://der-andere-buchladen-krefeld.webflow.io/

15. September 2022, 19.30 Uhr
Bücher im Kiez
Berlin
https://www.kiezbuch-wilhelmsruh.de/

16. September 2022, 19.30 Uhr
Buchhandlung Kolibri
Bretten
https://kolibrionline.buchhandlung.de/shop/

16. September 2022, 20 Uhr
Bücher Herzog
Wasserburg
https://buecherherzog.buchhandlung.de/

17. September 2022, 15 Uhr
Findus Buchhandlung
Tharandt
https://findusbuch.de/

17. September 2022, 20 Uhr
Der Buchladen
Worpswede
https://buchladen-worpswede.de/

19. September 2022, 19 Uhr
Deutsche Bank Stiftung
Veranstaltungsort: Deutsche Bank Frankfurt
https://www.deutsche-bank-stiftung.de/blinddate

Alle Details für Anmeldungen auch gesammelt unter:
www.deutscher-buchpreis.de/lesungen
Longlist-Abend am 1. September

Zum sechsten Mal lädt das Literaturhaus Hamburg zum „Großen Longlist-Abend“ ein: vor Ort im Literaturhaus und im Livestream. Ab 17.30 Uhr lesen mehrere der nominierten Autor*innen aus ihren Romanen und stellen sich den Fragen von Rainer Moritz und Julia Westlake. Die Karten sind auf der Seite des Literaturhauses Hamburg erhältlich: Saalticket 18 Euro, erm. 14 Euro, Streamingticket 7 Euro.

Deutscher Buchpreis 2022: „Die Autor*innen der Shortlist“ am 9. Oktober im Schauspiel Frankfurt
Ebenfalls bereits verfügbar sind Tickets für die Veranstaltung mit den nominierten Autoren und Autorinnen der Shortlist am Sonntag, 9. Oktober. Ab 11 Uhr präsentieren sich die Finalisten und Finalistinnen des Deutschen Buchpreises 2022 im Schauspiel Frankfurt, die Moderation übernehmen Sandra Kegel (F.A.Z.), Alf Mentzer (HR) und Christoph Schröder (freier Kritiker). Eine gemeinsame Veranstaltung von Kulturamt Frankfurt am Main und Literaturhaus Frankfurt in Kooperation mit dem Schauspiel Frankfurt. Partner ist die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Aktuelle Informationen unter https://www.deutscher-buchpreis.de/news/eintrag/die-autorinnen-der-shortlist-in-frankfurt

Der Deutsche Buchpreis wird von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vergeben. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weiterer Partner ist die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Die Autorinnen und Autoren der Shortlist. Deutscher Buchpreis 2022 Die sechs Nominierten lesen am 9. Oktober um 11 Uhr im Schauspiel Frankfurt

Autoren der Shortlist  im Frankfurter Schauspiel © Foto Diether von Goddenthow
Autoren der Shortlist im Frankfurter Schauspiel © Foto Diether von Goddenthow

Bereits seit 2005 bringt der Deutsche Buchpreis deutschsprachige Literatur ins Gespräch wie kaum eine andere Auszeichnung und gewinnt damit die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser wie auch der Literaturkritik gleichermaßen. Die ShortlistVeranstaltung knüpft an diesen Erfolg an: Zum 15. Mal präsentieren das Literaturhaus Frankfurt und das Kulturamt Frankfurt am Main in Kooperation mit der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die den Preis vergibt, die Autorinnen und Autoren der Shortlist des Deutschen Buchpreises vor der Preisverleihung Mitte Oktober. Die Finalistinnen und Finalisten, die in diesem Jahr in der Endauswahl für den deutschsprachigen Roman des Jahres stehen, stellen sich am 9. Oktober im Großen Haus des Schauspiel Frankfurt in Lesungen und Gesprächen vor.

Die „Shortlist-Veranstaltung“ ist für das Frankfurter Publikum die exklusive Chance, die Nominierten im Vorfeld der Preisverleihung zu erleben. Die Moderation übernehmen Sandra Kegel (F.A.Z.), Alf Mentzer (hr) und Christoph Schröder (freier Kritiker).

Karten zum Preis von 18 € / ermäßigt 12 € gibt es im Vorverkauf des Schauspiel Frankfurt ab 15. Juli 2022 oder online unter www.schauspielfrankfurt.de. Mitglieder des
Literaturhausvereins haben ab 12. Juli ein Vorkaufsrecht.
Eine gemeinsame Veranstaltung von Kulturamt Frankfurt am Main und Literaturhaus Frankfurt in Kooperation mit dem Schauspiel Frankfurt. Partner ist die Stiftung

Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Medienpartner ist hr2-kultur. Zu hören sind die einzelnen Lesungen dort vom 10.10. bis 14.10. um 9 Uhr und 14.30 Uhr sowie in der ARD Audiothek.

Deutscher Buchpreis 2022: 202 Romane von 124 Verlagen eingereicht

Jury des Deutschen Buchpreises 2022 v.l.n.r.: Selma Wels, Uli Ormanns, Erich Klein, Miriam Zeh, Frank Menden, Isabelle Vonlanthen, Jan Wiele. Foto: vntr.media
Jury des Deutschen Buchpreises 2022 v.l.n.r.: Selma Wels, Uli Ormanns, Erich Klein, Miriam Zeh, Frank Menden, Isabelle Vonlanthen, Jan Wiele. Foto: vntr.media

Rekorde beim Deutschen Buchpreis 2022: Das dritte Jahr in Folge steigt die Zahl der Einreichungen auf einen bisherigen Höchstwert: 124 deutschsprachige Verlage schickten insgesamt 202 Titel ins Rennen um den Roman des Jahres. Das sind 5 Titel mehr als im Rekordjahr 2021. 83 Verlage sitzen in Deutschland, 22 in der Schweiz, 19 in Österreich und einer in Luxemburg.

Von den eingereichten Titeln stammen 121 aus dem aktuellen Frühjahrsprogramm, 69 weitere kommen im Herbst auf den Markt. 12 Titel sind bereits im vergangenen Herbst erschienen. Jeder Verlag konnte maximal zwei Titel einreichen, die zwischen Oktober 2021 und dem 20. September 2022 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind bzw. erscheinen. Darüber hinaus konnten bis zu fünf weitere Titel empfohlen werden. Auf der Empfehlungsliste landeten dieses Jahr 124 Romane – 12 mehr als im Vorjahr. Aus der Liste können die Juror*innen Titel für den Auswahlprozess anfordern.

Bei ihrer ersten gemeinsamen Jurysitzung wählten die Jurymitglieder Miriam Zeh (Deutschlandfunk Kultur) zu ihrer Jurysprecherin. Der Jury gehören außerdem an: Erich Klein (freier Kritiker, Wien), Frank Menden (stories! Die Buchhandlung, Hamburg), Uli Ormanns (Agnes Buchhandlung, Köln), Isabelle Vonlanthen (Literaturhaus Zürich), Selma Wels (Kuratorin und Moderatorin, Frankfurt) und Jan Wiele (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Die Jury entscheidet über den Roman des Jahres in einem mehrstufigen Auswahlverfahren. Am 23. August 2022 gibt sie die 20 nominierten Titel bekannt. Aus dieser Longlist wählen die Juror*innen sechs Titel für die Shortlist, die am 20. September 2022 veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung, am 17. Oktober 2022, erfahren die sechs Autor*innen, wer von ihnen den Deutschen Buchpreis gewonnen hat.

Der Deutsche Buchpreis wird von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vergeben. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weiterer Partner ist die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Informationen zum Deutschen Buchpreis 2022 können Interessierte unter www.deutscher-buchpreis.de abrufen.

Der Hashtag zum Deutschen Buchpreis 2022: #dbp22