Kategorie-Archiv: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Kopfloser römischer Grabstein wird restauriert Öffentliche Stein-Restaurierung am 20. und 21. Januar im Landesmuseum Mainz / Steinpaten gesucht

© GDKE/Riemer
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Normalerweise arbeiten Stein-Restauratoren im stillen Werkstatt-Kämmerlein, das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) geht da etwas andere Wege und gibt seinen Besucherinnen und Besuchern erstmals Einblick in eine ungewöhnliche Steinrestaurierung. Am 20. und 21. Januar werden Mitarbeitende der Werkstatt Matthias Steyer, die schon die weltberühmte Große Mainzer Jupitersäule restauriert haben, den Grabstein eines geheimnisvollen unbekannten Soldaten aus dem 1. Jh. n. Chr. öffentlich zugänglich aufarbeiten. Letzte Feinarbeiten werden in der Folgewoche durchgeführt, in der der Stein ebenfalls noch zu den üblichen Öffnungszeiten im Landesmuseum Mainz zu besichtigen ist.

Der 1906 in Mainz-Weisenau gefundene Grabstein wurde offenbar in den Wirren des Zweiten Weltkriegs stark in Mitleidenschaft gezogen, dabei verlor die Figur, die einen römischen Soldaten mit Gürtel und umfangreicher Waffenausstattung zeigt, ihren Kopf. Kopf und Grabstein gingen fortan getrennte Wege und werden nun nach rund 77 Jahren wieder zusammengeführt. Der Grabstein selbst war zuletzt an das rekonstruierte Limeskastell Pohl ausgeliehen. Der Kopf, der seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen galt, wurde durch Zufall bei vorbereitenden Umzugs-Arbeiten im Depotbereich des Landesmuseums Mainz wiedergefunden und konnte eindeutig dem Grabstein zugeordnet werden.

© GDKE/Riemer
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Die ungewöhnliche Steinrestaurierung ist der Auftakt einer öffentlichen Kampagne zur Aufbereitung römischer Artefakte. „Wir haben einen unermesslichen Schatz an Steindenkmälern, die saniert und aufbereitet werden müssen, damit wir sie auch wieder angemessen ausstellen können“, so die Kuratorin der Archäologischen Sammlungen im Landesmuseum Mainz, Dr. Ellen Riemer, „dafür suchen wir nun Stein-Paten, die uns bei der aufwändigen Restaurierung finanziell unterstützen“. Die Direktorin des Landesmuseums, Dr. Birgit Heide, die von der Idee der Stein-Paten begeistert ist, erhofft sich, dass durch die Patenschaften auch eine persönliche Verbindung zu den römischen Steindenkmälern entsteht. Das Landesmuseum Mainz verfügt über eine der bedeutendsten Sammlungen römischer Grabsteine. Das heutige Mainz geht auf ein etwa 13/12 v. Chr. angelegtes Doppellegionslager auf dem heutigen Kästrich zurück, das als Militärbasis für Vorstöße nach Germanien diente. Seit dem Ende des 1. Jahrhunderts war Mogontiacum Hauptstadt der neu gegründeten Provinz Germania Superior und militärisches und ziviles Verwaltungszentrum für die gesamte Provinz.

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Wer war der merowingische Fürst von Planig? Landesmuseum Mainz lädt zu digitaler Erkundigung ein!

Zum diesjährigen Abschluss der beliebten Reihe „beziehungsWeise“ im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) steht der merowingische „Fürst von Planig“ im Mittelpunkt. Entdeckt wurde sein Grab 1939 in Planig bei Bad Kreuznach. Die kostbar ausgestattete Ruhestätte wurde auf das sechste Jahrhundert n. Chr. datiert und ließ auf einen höher gestellten Offizier schließen. In der Literatur wurde der Fund daher als „Fürst von Planig“ bezeichnet. Digital aufbereitet gibt der letzte Beitrag des Jahres 2021 der Reihe „beziehungsWeise“, der auf der Homepage des Landesmuseums ab sofort angeschaut werden kann, aufschlussreiche Hintergrundinformationen zum Fürsten von Planig. Die abwechslungsreiche Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation zwischen dem Landesmuseum Mainz, der Hochschule für Musik Mainz und der Evangelischen Stadtkirchenarbeit Mainz.

„Pandemiebedingt mussten wir die letzten eineinhalb Jahre unsere so beliebte Reihe beziehungsWeise überwiegend digital stattfinden lassen“, so die Direktorin des Landesmuseums Mainz, Dr. Birgit Heide, „wir alle freuen uns schon, wenn wir unsere Veranstaltungen im Landesmuseum vor Ort anbieten können. Der Vorteil am digitalen Format wiederum ist die Chance, dass die Beiträge dauerhaft verfügbar bleiben!“ So sind die digitalen Formate von Ursula Wallbrecher (Landesmuseum Mainz), Prof. Benjamin Bergmann und seinen Studierenden (Hochschule für Musik Mainz) und Pfarrer Gregor Ziorkewicz (Evangelische Kirche Mainz) auf der Internetseite des Landesmuseums Mainz auch künftig abrufbar.

Die Idee der 2004 erstmals aufgelegten Reihe ist es, Kunstwerke des Landesmuseums Mainz – wie etwa Porzellanfiguren von Laurentius Russinger, die Madonna mit Christuskind von Lorenzo di Credi oder die Kniende von Wilhelm Lehmbruck – mit einem kunsthistorischen, einem theologischen und einem musikalischen Impuls auf eine ganz besondere Art und Weise zu betrachten. So werden die Besucherinnen und Besucher bzw. die Online-Betrachter dazu angeregt, eine eigene Beziehung zu den Objekten aufzubauen.

Die digital aufbereiteten Beiträge sind jederzeit abrufbar unter: https://landesmuseum-mainz.de/de/angebote-programm/jugendliche-erwachsene/beziehungsweise/

Hexenküche und Mainz-Ansichten zum Wochenende der Grafik / Führung und Workshop

Foto:  Diether v Goddenthow
Foto: Diether v Goddenthow

Bundesweit begehen viele Museen am 13. und 14. November dieses Jahres das „Wochenende der Grafik“. Das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) bietet gleich zwei Anlässe: So läuft noch bis 9. Januar die Sonderausstellung „Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente“, zu sehen sind hier Radierungen und andere Originalgrafiken, die Ergebnis systematischer Versuchsreihen von Slevogt mit der Künstlergruppe SPOG waren, entstanden aus den Anfangsbuchstaben der Nachnamen von Max Slevogt, Bernhard Pankok, Emil Orlik und Dr. Josef Grünberg. Die meisten der in den 1920er Jahren entstandenen Werke werden zum allerersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Am Sonntag, 14.11. findet dann auch von 11 bis 16 Uhr ein Workshop mit Klaus Harth statt. Wagen Sie eigene Druck-Experimente, inspiriert von der „Hexenküche“ Slevogts!

Der Mainzer Dom von Nordwesten.  © GDKE/Landesmuseum Mainz Foto: Bernhard Hundeshagen
Der Mainzer Dom von Nordwesten. © GDKE/Landesmuseum Mainz Foto: Bernhard Hundeshagen

Sozusagen die letzte Gelegenheit, die sehenswerte Ausstellung „Der Strich der Liebhaber – Mainz-Ansichten um 1800“ zu erleben, besteht noch bis zum 14. November. Gezeigt wird eine Auswahl von Mainz-Ansichten aus der Graphischen Sammlung des Landesmuseums. Vor 200 Jahren hielten vor allem sog. „Dilettanten“, bzw. Amateure, das Mainzer Stadtbild mit Feder und Pinsel fest und schufen reizvolle Bilder von hohem dokumentarischem Wert. Die fragilen Aquarelle und Zeichnungen können stets nur für kurze Zeit dem Licht ausgesetzt werden und müssen dann wieder in das schützende Dunkel des Magazins zurück. Eine große Chance also am Wochenende der Grafik, die Arbeiten von Graf Kesselstatt, dem Wiesbadener Juristen und Bibliothekar Bernhard Hundeshagen, Karl August Baron von Klein oder dem Mainzer Arzt Johann Caspar Dillenius im Original zu sehen. Am
Samstag, 13.11. und Sonntag, 14.11. bietet jeweils von 15 bis 16 Uhr Gernot Frankhäuser eine Führung an zu „Der Strich der Liebhaber – Mainz-Ansichten um 1800“.

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„Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente“ ab 25.09.21 im Mainzer Landesmuseum

Max Slevogt und Zahnarztfreund Josef Grünberg haben so zum abendlichen Zeitvertreib nicht nur  auf Leder gedruckt und mit Porzellanplatten experimentiert, sondern  auch mit hochgiftiger Flußsäure geätzt. Ihr "Labor" nannten sie liebevoll "Hexenküche", zu der auch die beiden  Künstler-Freunde Emil Orlig und Bernhard Pankok gehörten. © Foto Diether v Goddenthow
Max Slevogt und Zahnarztfreund Josef Grünberg haben so zum abendlichen Zeitvertreib nicht nur auf Leder gedruckt und mit Porzellanplatten experimentiert, sondern auch mit hochgiftiger Flußsäure geätzt. Ihr „Labor“ nannten sie liebevoll „Hexenküche“, zu der auch die beiden Künstler-Freunde Emil Orlig und Bernhard Pankok gehörten. © Foto Diether v Goddenthow

Mit der Sonderausstellung „Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente“, vom 25. September 2021 bis 9.Januar 2022, gelingt dem Mainzer Landesmuseum, gestützt durch sein Slevogt-Forschungszentrum, eine völlig unbekannte Seite des großen deutschen Impressionisten erstmals öffentlich zu machen: Experimente wie Glasätzungen mit der hochgiftigen Flusssäure, Drucke auf Leder und Seide, Druckplatten aus Porzellan oder Speckstein usw. sowie den bislang unveröffentlichten Briefwechsel zwischen Slevogt und seinem Berliner Zahnarztfreund Josef Grünberg, der treibenden Kraft der alchemistisch-anmutenden Berliner Künstlergruppe „SPOG“, die sie auch „Hexenküche“ nannten. Hier konnten sich die zwei Freunde während der Wintermonate, wenn Slevogt  seinen  pfälzischen Gutshof verließ und in der Spree-Metropole Quartier nahm, gemeinsam mit den Künstler-Kollegen Emil Orlig und Bernhard Pankok kreativ – oftmals in weinseliger Heiterkeit – austoben. Aus den Anfangsbuchstaben der Künstler-Namen war Anfang der 1920er Jahre die Bezeichnung der privaten Künstlergruppe „SPOG“ entstanden. Geschaffen wurde dabei ein bizarres gemeinschaftliches Werk, welches vielleicht nie für die Öffentlichkeit bestimmt war, und das jetzt im Landesmuseum Premiere feiert:  Neben umfangreichen Schriftwechsel insgesamt 140 Druckgrafiken, 18 Druckalben /Mappen, 25 bis 30 Zeichnungen sowie im Teil II der Ausstellung 15 berühmte Gemälde.- Diese sind Leihgaben der landeseigenen Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben (Rheinland-Pfalz), die zurzeit renoviert wird.

Impression der Sonderausstellung „Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente“, vom 25. September 2021 bis 9.Januar 2022 im Landesmuseum Mainz. © Foto Diether v Goddenthow
Impression der Sonderausstellung „Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente“, vom 25. September 2021 bis 9.Januar 2022 im Landesmuseum Mainz. © Foto Diether v Goddenthow

Eröffnet hat die „Hexenküche“ Innenminister Roger Lewentz gemeinsam mit Dr. Heike Otto, Generaldirektorin der GDKE,  Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseum Mainz und Dr. Karoline Feulner, Leiterin des Slevogt-Forschungszentrums und Kuratorin der von ihr initiierten und in mehrjähriger Arbeit vorbereiteten Ausstellung.

„Im Rahmen der neuen Ausstellung erleben wir eine ganz neue Seite des bekannten rheinland-pfälzischen Künstlers Max Slevogt. Neben seinen zahlreichen Drucken wird den Besucherinnen und Besuchern auch der mitunter humoristische Briefwechsel zwischen Max Slevogt und seinem vertrauten Freund Dr. Josef Grünberg zugänglich gemacht. Dabei würdigen wir zugleich die herausragenden und einzigartigen Bestände des Landes Rheinland-Pfalz, denn alle Exponate stammen aus den landeseigenen Beständen und werden überwiegend erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert“, so der für das kulturelle Erbe des Landes zuständige Innenminister Roger Lewentz anlässlich der Ausstellungseröffnung.

(v.l.n.r.): Dr. Heike Otto, Generaldirektorin der GDKE, Kuratorin Dr. Karoline Feulner, Leiterin des Slevogt-Forschungszentrums, Innenminister Roger Lewentz u. Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseum Mainz  betrachten einen Teil der in Vitrinen präsentierten  Original-Briefdokumente beim Eröffnungs-Rundgang.  © Foto Diether v Goddenthow
(v.l.n.r.): Dr. Heike Otto, Generaldirektorin der GDKE, Kuratorin Dr. Karoline Feulner, Leiterin des Slevogt-Forschungszentrums, Innenminister Roger Lewentz u. Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseum Mainz betrachten einen Teil der in Vitrinen präsentierten Original-Briefdokumente beim Eröffnungs-Rundgang. © Foto Diether v Goddenthow

Ausgangspunkt der Sonderausstellung, sind rund 40 Briefe und Postkarten von Max Slevogt an seinen engen Freund, Dr. Josef Grünberg. Diese beginnen mit dem ersten Brief, der im Ausstellungsjahr vor 100 Jahren, also 1921, verfasst wurde und endet 1931. Diese Sammlung wurde vor über 25 Jahren vom Land Rheinland-Pfalz für das Landesmuseum Mainz erworben. „Für die Ausstellung wurden diese Briefe und Postkarten, die fast durchgehend mit aufwendigen humorvollen Randzeichnungen von Slevogt versehen sind, erstmals transkribiert, wissenschaftlich bearbeitet und in einer kommentierten Briefedition im begleitenden Ausstellungskatalog veröffentlicht“, erklärt die Direktorin des Landesmuseum Mainz, Dr. Birgit Heide. Die Transkriptionen erfolgten dankenswerterweise durch Frau Dr. Eva Wolf aus Saarbrücken.

Die grundlegende Forschung dazu und die wissenschaftliche Bearbeitung liefen über das im Landesmuseum Mainz angesiedelte Max Slevogt-Forschungszentrum. „Darauf sind wir besonders stolz“, so die Generaldirektorin der GDKE, Dr. Heike Otto, „denn einmal mehr konnten wir hier eine Forschungslücke schließen, deren spannende Ergebnisse nun erstmals in einer Ausstellung gewürdigt werden. Und natürlich werden wir die Slevogt-Forschung weiterverfolgen. Wir planen langfristig sogar die Erstellung eines Catalogue raisonné, also eines längst überfälligen Gesamtverzeichnisses aller Werke von Slevogt.“

Druckgrafische Experimente  der Künstlergruppe SPOG stehen im Vordergrund

Max Slevogt. Zwei Männer und eine Frau im Gespräch (1920 - 1928). Punztechnik bei der die Löcher nicht einzeln mit einem Hammer, sondern - revolutionär - mit einer Maschine in die Kupferplatter getrieben wurden. Hier Büttenpapier, zwei Zustände gezeigt. Sammlung GDKE, Landesmuseum Mainz. © Foto Heike  v Goddenthow
Max Slevogt. Zwei Männer und eine Frau im Gespräch (1920 – 1928). Punztechnik bei der die Löcher nicht einzeln mit einem Hammer, sondern – revolutionär – mit einer Maschine in die Kupferplatter getrieben wurden. Hier Büttenpapier, zwei Zustände gezeigt. Sammlung GDKE, Landesmuseum Mainz. © Foto Heike v Goddenthow

Neben vielen privaten und politischen Ereignissen, die in der Korrespondenz thematisiert werden, stehen bei den Aktivitäten der Künstlergruppe SPOG vor allem die druckgrafischen Experimente im Vordergrund. „Wir zeigen in der Ausstellung die heute noch erhaltenen einzigartigen Druckplatten wie etwa Glasklischees, Zinkplatten und Radierplatten sowie die umfassenden künstlerischen Ergebnisse dieser Experimente auf verschiedenen Papieren, von Seide bis hin zu Leder“, erläutert Dr. Karoline Feulner, Kuratorin und Initiatorin, bei ihrer inhaltlichen Einführung in die Schau. Sie ätzten beispielsweise auch Milchglas, Kristallglas und Porzellan in verschiedenen Dicken und Größen bis zu einer Stärke von gut zwei Zentimetern, welches sie eigens aus der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Berlin bestellten, so Feulner fortfahrend.

Max Slevogt. Reiter 1922, Druckplatte aus Gips Tänzerin   u. Reiterkampf 1922 DP glasiertes Porzellan, Tiger 1923, DP aus Speckstein auf einen Blick. © Foto Heike v Goddenthow
Max Slevogt. Reiter 1922, Druckplatte aus Gips Tänzerin
u. Reiterkampf 1922 DP glasiertes Porzellan, Tiger 1923, DP aus Speckstein auf einen Blick. © Foto Heike v Goddenthow

Zudem prägte man kleine Silberplaketten aus Silberfolie, deren Negative mithilfe einer Metalllegierung aus Quecksilber auf Gips oder Speckstein hergestellt wurden. Bei der Verwendung von Leder, wie man beispielsweise bei den Lederstrumpf-Druck-Experimenten sehen kann, so die Kuratorin, wurde die Kontur tief als eine Art Relief eingeprägt. Aber auch mit traditionellen Drucktechniken wie der Radierung oder der Lithografie wurde experimentiert, bzw. überlegt, wie man diese verbessern könnte. So verfolgten die Künstlergruppe Ideen, die mühsam zu bearbeitenden Kupferdruckplatten durch ein anderes Material, beispielsweise Gips oder Speckstein und bei Lithografien die schweren Lithografiesteine durch kleine dünne Zink- und Aluminiumplatten zu ersetzen, und zwar an beliebig unterschiedlichen Motiven, erläutert Dr. Feulner.

Kuratorin Dr. Karoline Feulner, Leiterin des Slevogt-Forschungszentrums, vor ihrer Lieblingsradierung  von Max Slevogt auf Büttenpapier  "Zwei Tanzende Schweine"  (1920 - 1928), Sammlung GDKE, Landesmuseum Mainz. © Foto Diether v Goddenthow
Kuratorin Dr. Karoline Feulner, Leiterin des Slevogt-Forschungszentrums, vor ihrer Lieblingsradierung von Max Slevogt auf Büttenpapier „Zwei Tanzende Schweine“ (1920 – 1928), Sammlung GDKE, Landesmuseum Mainz. © Foto Diether v Goddenthow

Es kaum zu glauben und eigentlich unfassbar, aber: „Zu diesem Thema, zu dieser Künstlergruppe, genannt SPOG, wurde bisher noch nie eine Ausstellung ausgerichtet, selbst die Arbeiten wurden zeitlebens nie öffentlich gezeigt, publiziert oder verbreitet. Also es sind Arbeiten, die diese vier Künstlerfreunde zusammen hergestellt haben, wirklich privat und die Arbeiten verblieben dann in den jeweiligen Nachlässen“, ist Dr. Feulner über das Ergebnis jahrelanger Forschungsarbeit selbst ein wenig erstaunt, und freut sich, dass es nun erstmals gelungen ist, diese wichtige Lücke im Schaffenswerk von Max Slevogt zu schließen.

Weltweit umfangreichste Slevogt-Sammlung 

Impression der Sonderausstellung „Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente“, vom 25. September 2021 bis 9.Januar 2022 im Landesmuseum Mainz. Hier Teil II der Ausstellung mit 15 berühmten impressionistischen Gemälden Max Slevogts.- Leihgaben aus der landeseigenen Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben (Rheinland-Pfalz), die zurzeit renoviert wird © Foto Diether v Goddenthow
Impression der Sonderausstellung „Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente“, vom 25. September 2021 bis 9.Januar 2022 im Landesmuseum Mainz. Hier Teil II der Ausstellung mit 15 berühmten impressionistischen Gemälden Max Slevogts.- Leihgaben aus der landeseigenen Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben (Rheinland-Pfalz), die zurzeit renoviert wird © Foto Diether v Goddenthow

Max Slevogt zählt neben Lovis Corinth (1858 – 1925) und Max Liebermann (1847 – 1935) zu den bedeutendsten deutschen Impressionisten und ist der wichtigste und international bekannteste Künstler des Landes, der in Rheinland-Pfalz seine Wahlheimat fand. Er ist sozusagen unser Haus- und Hofmaler, freut sich Museumsdirektorin Dr. Birgit Heide. Uns war es bei dieser Ausstellung Hexenküche auch besonders wichtig, der allgemeinen Öffentlichkeit Einblicke in die Forschungsergebnisse zu geben und  neue Blickwinkel auf den Maler zu werfen, und damit auch den unbekannten Slevogt zeigen zu können, so die Museumsdirektorin, und fügt hinzu: Max Slevogt ist so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal unseres Museums.

Das Mainzer Landesmuseum verfügt weltweit über die größte Slevogt-Sammlung. 1971 hatte das Land den künstlerischen Nachlass von 121 Gemälden direkt von den Erben erworben und die Max Slevogt-Galerie auf Schloss Villa Ludwigshöhe ins Leben gerufen hat. 2011 folgte der Ankauf des schriftlichen Nachlasses (ca. 3.700 Autographen oder maschinenschriftliche Dokumente, verwahrt in der Landesbibliothek Speyer/LBZ) und jüngst 2014 wurde der sogenannte grafische Nachlass mit ca. 2.000 Handzeichnungen und 4.000 Blatt Druckgrafiken erworben.

Die Exponate dieser Ausstellung stammen aus dem grafischen Nachlass Slevogts, der 2014 vom Land Rheinland-Pfalz mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur sowie der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz erworben wurde. Der grafische Nachlass von Max Slevogt befindet sich im Eigentum der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur. Als Dauerleihgabe im Landesmuseum Mainz wird er von diesem betreut und wissenschaftlich bearbeitet. Zudem besitzt die Graphische Sammlung des Landesmuseums Mainz auch die Grafiksammlung von Josef Grünberg, die ca. 470 Blatt umfasst – mit zahlreichen persönlichen Widmungen von Slevogt, die die enge Freundschaft der beiden einzigartig dokumentiert.

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St. Johannis war St. Martin – neue Aspekte zur Baugeschichte zum Alten Dom von Mainz – Landesmuseum Mainz mit Online-Vortrag von Dr. Guido Faccani

Kaum eine archäologische Entdeckung hat die Mainzer Bevölkerung und die wissenschaftliche Fachwelt in den letzten Jahren so in Atem gehalten wie jene in der Johanniskirche. Nach der Entdeckung des Grabes von Erzbischof Erkanbald im Juni 2019 geht die Fachwelt davon aus, dass der Bau tatsächlich der „Alte Dom“, mehr noch die erste Kathedrale von Mainz und damit eine der ältesten ehemaligen Bischofskirchen nördlich der Alpen ist. Der „Alte Dom“ diente als Krönungsort für die Könige Heinrich II. (1002) und Konrad II. (1024).

Über den aktuellen Stand der archäologischen Forschungen in der mittelalterlichen Kirche und vor allem über das mögliche Ende der Ausgrabungsarbeiten referiert Dr. Guido Faccani, der die wissenschaftliche Forschungsleitung in St. Johannis innehat, bei einem Online-Vortrag „Das Ende ist nah – zu Fortgang und Stand der Grabungen in St. Johannis, der ersten Kathedrale von Mainz“ am 12. Oktober um 18.00 Uhr. Der Vortrag findet im Rahmen des Kaiserjahres der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz statt, das bis zum 31. Oktober 2021 verlängert wurde.

Als Experte für Kunstgeschichte und sakrale Bauten der Spätantike und des frühen Mittelalters skizziert Faccani dabei die archäologischen und bauforscherischen Untersuchungen. Inzwischen konzentrieren sich die archäologischen Arbeiten auf die Stellen, die statisch gesichert werden mussten. Dabei ergaben sich Einblicke in die Konstruktion des Westchores mit überraschenden Resultaten. Aber auch die frühe Baugeschichte erfuhr unerwarteten Zuwachs an Befunden. Hinweise auf Vorgängerbauten der ersten Kirche traten zutage und die Gestalt der Kirchenanlage des 5./6. Jahrhunderts ist um zwei wichtige Hypothesen reicher.

Da die Teilnehmerzahl zu diesem hochinteressanten Online-Vortrag begrenzt ist, wird um schriftliche Anmeldung bis zum 11. Oktober, 12 Uhr, per E-Mail gebeten, unter anmeldung@gdke.rlp.de. Die Platzvergabe erfolgt in der Reihenfolge der Anmeldungen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Der Zugangslink wird den Teilnehmenden nach Anmeldeschluss per E-Mail zugeschickt.

Mit dem Beitrag von Dr. Guido Faccani endet die Vortragsreihe, die vor rund drei Jahren begann und sich mit ganz unterschiedlichen Themenbereichen rund um das Kaiserjahr und die Mittelalter-Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ befasst hat. „Ich bin wirklich begeistert, dass die Vortragsreihe über diesen langen Zeitraum hinweg, bis zuletzt und trotz Corona, ungebrochenes Interesse gefunden hat,“ freut sich die Direktorin des Landesmuseums Mainz, Dr. Birgit Heide.

Das Mainzer Landesmuseum wird nächstes Jahr als Begleitprogramm der Trierer Ausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“ eine kleine Ausstellung zur Spätantike zeigen sowie mehrere Vorträge zum Thema anbieten. Die neue Vortragsreihe beginnt bereits im Januar 2022 mit einem Auftaktvortrag von Dr. Marcus Reuter, dem Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier. Die Ausstellung selbst ist für Mitte des Jahres geplant.

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Landesmuseum Mainz eröffnet digitales Forschungslabor

3D-rekonstruierte Mainzansicht  um 1200 © 2020, AI MAINZ/GDKE
3D-rekonstruierte Mainzansicht um 1200 © 2020, AI MAINZ/GDKE

Hightech zum Anfassen mit analogen 3-D-Modellen, digitalen 3-D Rekonstruktionen und interaktiven Touchscreens / Labor zeigt historische Stadtentwicklung von Mainz, Worms und Speyer um 800 und um 1250

Am Montag wurde im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) das erste hybride Forschungslabor eröffnet. Besucherinnen und Besucher können künftig die historische Stadtentwicklung am Beispiel der Städte Mainz, Worms und Speyer in den Zeitphasen um 800 und um 1250 n. Chr. auf unterschiedliche Weise nacherleben. Für die Zeitreise in die Vergangenheit stehen unter anderem digitale 3D-Rekonstruktionen, analoge 3D-Modelle der Städte und interaktive Touchscreens zur Verfügung.

„Rheinland-Pfalz ist ein Land mit bedeutsamer Historie und uralter Siedlungsgeschichte, sogar weit über das Mittelalter hinaus. Und die Stadtentwicklung ist damals wie heute ein hochaktuelles Thema. Ich ermuntere die Besucherinnen und Besucher des Mainzer Landesmuseums, in die mittelalterliche Vergangenheit unserer historisch so bedeutenden rheinland-pfälzischen Städte einzutauchen. Man begreift dabei sehr schnell, dass die Entwicklung funktionaler und lebenswerter Städte zu allen Zeiten eine große Herausforderung war“, so der für Kommunalentwicklung und Kulturelles Erbe zuständige rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz.

Das Labor wurde im Landesmuseum Mainz in Zusammenarbeit mit dem Architekturinstitut der Hochschule Mainz (AI MAINZ) und der Fachrichtung Mediendesign – Fachbereich Gestaltung der Hochschule Mainz mit finanzieller Unterstützung der GDKE, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), der Sparkasse Rhein-Nahe und J. Molitor Immobilien GmbH realisiert.

„Wir haben die wunderbar animierten Filmsequenzen ja bereits in der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ gezeigt und sie haben sich sehr schnell zu einem medialen Publikumsrenner entwickelt“, so die Generaldirektorin der GDKE, Dr. Heike Otto. „Umso mehr freut es mich, dass wir nun das Ganze in einem Forschungslabor erleben können, das viele Menschen, da bin ich mir sicher, begeistern wird.“

Einblick ins Forschungslabor: © DUHL 2021, Foto: Olaf Hirschberg
Einblick ins Forschungslabor: © DUHL 2021, Foto: Olaf Hirschberg

Bei der Erstellung der Stadtmodelle wurden die Ergebnisse archäologischer Ausgrabungen, Erkenntnisse der Baudenkmalpflege und der Bauforschung, Schrift- und Bildquellen sowie alte Stadtpläne berücksichtigt. Dabei ergänzen sich die Quellengattungen in einigen Fällen. So zeigt beispielsweise der älteste Mainzer Stadtplan aus dem 16. Jahrhundert den bereits aus einer Schriftquelle des 10. Jahrhunderts bekannten breiten Grüngürtel innerhalb des Stadtmauerrings. Weitere Informationen wurden durch Analogieschlüsse mit anderen, besser erforschten Gebieten gewonnen. Ein Teil der Bebauung wurde hypothetisch ergänzt.

„Die digitale 3D-Rekonstruktion als Forschungsmethode zur historischen Stadtforschung bietet die Möglichkeit, den Wissensstand zu erfassen und eine hypothetische Visualisierung vergangener Stadträume und Bauwerke vorzuschlagen“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Piotr Kuroczyński. Er ist Professor für angewandte Informatik und Visualisierung im Bauwesen und Leiter vom AI MAINZ und hat bei der Erstellung der digitalen Stadtmodelle und beim Aufbau des Forschungslabors sehr eng mit Prof. Olaf Hirschberg von der Fachrichtung Mediendesign – Fachbereich Gestaltung der Hochschule Mainz zusammengearbeitet. „Es war für uns alle eine faszinierende Reise in die Vergangenheit, die wir uns sowohl mit klassischen als auch partizipativen Methoden erschlossen haben, um möglichst vielen interessierten Menschen einen lebendigen Zugang in die Entwicklung mittelalterlicher Städte zu ermöglichen“, so Hirschberg.

„Das digitale Forschungslabor ist ein großer Gewinn für das Landesmuseum Mainz“, freut sich die Direktorin, Dr. Birgit Heide, „wir bieten zum einen Hightech zum Anfassen mit analogen 3-D-Modellen, digitalen 3-D Rekonstruktionen und interaktiven Touchscreens, und zum anderen geben wir einen tiefen Einblick in die Forschungsmethodik, in die Möglichkeiten der digitalen Dokumentation und in die Vielfalt der Vermittlung.“

Über die digitalen 3D-Modelle ist es zudem gelungen, unterschiedliche Zugänge zum kulturellen Erbe zu eröffnen. Neben den reinen Filmanimationen oder der Verknüpfung zur MainzApp mit Augmented- und Virtual-Reality-Anwendungen wurden die digitalen Datensätze über 3D-Drucker auch wieder rematerialisiert. Dank interaktiver Projektionen können vielfältige Inhalte, wie der Bezug zum heutigen Mainz bzw. die Hervorhebung von Objekten oder der Topografie, anschaulich dargestellt werden.

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Der Strich der Liebhaber – Mainzer Ansichten um 1800 – Schwerpunktthema in der Graphischen Sammlung des Landesmuseums / Neue Hängung bis 1. November

Dom und heutiger Liebfrauenplatz von Osten um 1814. Bernhard Hundshagen. © GDKE
Dom und heutiger Liebfrauenplatz von Osten um 1814. Bernhard Hundshagen. © GDKE

In vielen Museen führen sie ein verborgenes Dasein. Der Forschung sind sie oft unbekannt und an Informationen über die Schöpfer dieser Werke kommt man nicht selten nur über Umwege. Sich selbst bezeichneten sie als „Dilettanten“, was sich aus dem Italienischen für „etwas aus Freude machen“ ableitet. Manche ihrer künstlerischen Ergebnisse sind beachtliche Kunstwerke. Das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) widmet ihnen unter dem Titel „Der Strich der Liebhaber“ ein Schwerpunktthema in der Graphischen Sammlung, die nun bis 1. November Mainzer Stadt-Ansichten um 1800 zeigt. Zu sehen sind 35 Zeichnungen und Aquarelle, die vor gut 200 Jahren entstanden sind. Sie wurden eigens für diese Präsentation aus dem Bestand der Graphischen Sammlung des Landesmuseums ausgewählt.

Zum Hintergrund: Das Mainzer Stadtbild war um 1800 einem starken Wandel unterworfen. Zum einen ging es darum, die ruinierten Gebäude der Beschießung von 1793 zu beseitigen oder wiederherzustellen. Zum anderen musste die Stadt auf die neuen Herausforderungen als Wirtschaftsstandort reagieren. Die säkularisierten Kloster- und Stiftskirchen wichen innerhalb der Stadt größeren Platz- und Straßenanlagen. Auch vor den Wällen gelegene Sakralgebäude wurden auf Abriss versteigert und verschwanden so vollständig, dass ihr einstiger Standort heute oft kaum bestimmt werden kann. Bemerkenswerterweise waren es vor allem sogenannte Dilettanten, die den städtebaulichen Umbruch mit Stift und Feder festhielten und damit an untergegangene Baudenkmäler erinnern.

Allen voran: Franz Reichsgraf von Kesselstatt, dessen Ansichten der alten „Aurea Moguntia“ immer wieder nachgedruckt wurden. Er selbst veranlasste schon die Reproduktion einiger seiner in Wasserfarben ausgeführten Blätter – wir zeigen selbstverständlich die Originale.

Der Wiesbadener (!) Jurist und Bibliothekar Bernhard Hundeshagen schuf zwei großformatige Ansichten des Doms und dessen Umgebung, die bis heute wichtige Aufschlüsse für Bauforschung und Denkmalpflege geben. Darüber hinaus belebt er die Domplätze mit unzähligen Figuren, die Einblick in das öffentliche Alltagsleben zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewähren.

Der spätere Arzt Johann Caspar Dillenius wagte sich bereits in seinen Jugendjahren an anspruchsvolle Architekturdarstellungen, die denen erfahrener Berufskünstler kaum nachstehen.

Karl August von Klein ist der vielseitigste der hier vertretenen Amateure. Lexika führen ihn als „Komponist, Maler und Autor“. Mit seinem Panorama der Stadt vom Turm der Stephanskirche aus gewährt er den Überblick über fast die gesamte Stadt.

Ausgewählte Blätter der Berufskünstler Caspar und Georg Schneider treten in Dialog mit den Arbeiten ihrer dilettierenden Zeitgenossen.

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Mit römischem Erbe in die Gegenwart Neue Vortragsreihe „Forum Romanum“ ab 2. September im Landesmuseum Mainz / Nachtvorlesungen zum Kulturellen Erbe

 „Römische Kosmetik für Römische Schönheiten" © Foto Diether v. Goddenthow
„Römische Kosmetik für Römische Schönheiten“ © Foto Diether v. Goddenthow

„Forum Romanum“ heißt die neue Vortragsreihe, die am 2. September um 20 Uhr im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) startet. In Anlehnung an die Nachtvorlesungen in der Unimedizin, die über 17 Jahre erfolgreich medizinische Themen der interessierten Öffentlichkeit nähergebracht haben, will Ideengeber Prof. Dr. Christian Vahl ein neues Format zur Vermittlung des kulturellen Erbes etablieren. „Viele Fragen, die unsere heutige Gesellschaft prägen, waren auch schon in der römischen Kultur präsent“, so Vahl, „vor allem führten sie zum Teil zu faszinierenden Lösungen“, verspricht er.

Zum Auftakt ranken sich vier 20-minütige Kurzvorträge um das Thema „Schönheit und ihr Preis“. Dabei wird über „Römische Kosmetik für Römische Schönheiten“, über „Mode, Schönheit und Bewegung“, über „Funktionserhalt oder Schönheit im Gesicht“ oder über „Die weibliche Brust zwischen Skalpell und Erotik“ gesprochen. „Die Vorträge sollen neugierig machen, aber durchaus auch Grenzen ausloten“, ergänzt Vahl. Vortragende sind bei der Premiere neben Vahl selbst: Dr. Maren Haertel, Prof. Annette Hasenburg und Prof. Bilal Al Nawas samt Team.

„Ich freue mich sehr auf das Forum Romanum“, ergänzt die Generaldirektorin der GDKE, Dr. Heike Otto, „weil sich so viel damit verbinden lässt, unser römisches Erbe, die Steinhalle als Veranstaltungsort und der Brückenschlag in unsere Gegenwart“. Die Veranstaltungsreihe, die zunächst im September mit vier Staffeln jeweils donnerstags um 20 Uhr anläuft, soll dem Gedanken des „Forum Romanum“ (Römischer Marktplatz) entsprechend nicht nur aus Vorträgen bestehen, sondern Raum für Diskussionen bieten. „Die Themen versprechen an sich schon reichlich Diskussionsstoff“, bekennt die Direktorin des Landesmuseums Mainz, Dr. Birgit Heide, „und ich bin zuversichtlich, dass wir damit interessante Bezüge zwischen der Antike und unserer Gegenwart herstellen“. Kooperationspartner sind, neben der GDKE mit dem Landesmuseum Mainz, die Initiative Römisches Mainz (IRM) sowie die von Christian Vahl ins Leben gerufene „unsichtbare Römergarde“: „Wir nehmen das Thema sehr ernst, wollen aber auch aufzeigen, dass es durchaus verspielte Komponenten gibt,“ so Vahl.

Im Rahmen des „Forum Romanum“ sind die Zuhörenden eingeladen, mit den Referenten in einen regen Austausch zu treten, um so die diversen Themen weiter zu vertiefen und zu ergänzen. Der Eintritt ist frei.

Aufgrund der aktuellen Corona-Auflagen bittet das Landesmuseum um eine frühzeitige und verbindliche Anmeldung unter anmeldung@gdke.rlp.de. Es gelten die gültigen Hygienevorschriften, zudem die 3-G Regel, wonach alle Museums-Besucherinnen und -Besucher nachweisen müssen, dass sie geimpft, genesen bzw. getestet sind. Entsprechend der gesetzlichen Vorgaben ist aktuell nur eine begrenzte Personenanzahl erlaubt. Bei eventuellen Beeinträchtigungen hierdurch danken wir für Ihr Verständnis.

Bitte beachten Sie, dass aufgrund aktueller Ereignisse Veranstaltungen auch kurzfristig entfallen oder verschoben werden können. Wichtige Änderungen und aktuelle Hinweise finden Sie unter www.Landesmuseum-Mainz.de.

Die nächsten Themen beim „Forum Romanum“: Am 9.9. „Heizungsanlagen und Bäder“, am 16.9. „Speisen, Genießen, Gewicht“ und am 23.9. „Wohnen, Leben mit Pflanzen“. Details zu den Vortragenden folgen.

Landesmuseum Mainz,
Große Bleiche 49-51.
55116 Mainz
Telefon 06131 2857 0
anmeldung@gdke.rlp.de

Landesmuseum Mainz zeigt „Vom Gefäß zur freien Form – Keramik im 20. Jahrhundert“ – Exponate aus sieben Jahrtausenden – vom 14.8.21 bis 23.01.2022

Besucher werden empfangen mit Keramik aus dem Altneolithikum bei der Sonderausstellung Vom Gefäß zur freien Form – Keramik im 20. Jahrhundert im Landesmuseum Mainz der GDKE. © Foto Diether v. Goddenthow
Besucher werden empfangen mit Keramik aus dem Altneolithikum bei der Sonderausstellung Vom Gefäß zur freien Form – Keramik im 20. Jahrhundert im Landesmuseum Mainz der GDKE. © Foto Diether v. Goddenthow

Ein altneolitischer Kumpf, 6. Jahrtausend vor Chr., empfängt die Besucher der einzigartigen Keramik-Ausstellung „Vom Gefäß zur freien Form – Keramik im 20. Jahrhundert“, die vom 14.08.2021 bis 23.01.2022 im Landesmuseum Mainz gezeigt wird.
kumpf-altneolithischer160--(c)-diether-v-goddenthow-jpgDas kleine gebrannte Ton-Gefäß mit bauchiger Form und Rundboden aus den Anfängen der Jungsteinzeit bringt einmal mehr in Erinnerung, dass Ton – der Urstoff der Kunst – einer der ältesten Werkstoffe der Menschheit überhaupt ist. So wundert es nicht, dass in vielen Mythen gar die ersten Menschen von einem Gott aus Lehm geformt werden.

Obgleich keramische Objekte fragil und empfindlich sind, gehören sie dennoch oft zu den besten Zeugnissen längst vergangener Kulturen. Ton-Objekte und ihre Scherben können bei der Einordnung in Kulturstufen oder Zuordnung in Epochen dienen. Das gilt aber nur für Objekte oder auf ihnen angebrachten Verzierungen, die, wie z.B. die Bandkeramik, mit dem Ende einer bestimmten kulturellen Epoche wieder verschwinden oder in andere Formen übergehen. Übergänge sind  oftmals fließend, wobei sich bewährte Grundformen, nach C.G. Jung bestimmte  Archetypen, zeitlos und länderübergreifend bis heute praktisch erhalten haben.

In der Ausstellung wird einmal mehr deutlich, dass künstlerische Keramik, ausgehend von historischen Vorläufern teils auf Traditionen beruft, sich weiterentwickelte und schließlich emanzipierte. © Foto Diether v. Goddenthow
In der Ausstellung wird einmal mehr deutlich, dass künstlerische Keramik, ausgehend von historischen Vorläufern teils auf Traditionen beruft, sich weiterentwickelte und schließlich emanzipierte. © Foto Diether v. Goddenthow

Dies können Besucher jetzt im Mainzer Landesmuseum anhand der exemplarisch gekonnt nebeneinander arrangierten Keramik-Exponaten aus sieben Jahrtausenden besonders gut nachvollziehen. „Die modernen Gefäße werden älteren gegenübergestellt und ermöglichen einen neuen Blickwinkel, etwa, dass Formen, aber auch Herstellungsweisen sich mitunter gar nicht so groß unterscheiden von alten traditionellen  Herstellungsweisen“, erläutert Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseum beim Presserundgang. Selbst der Jugendstil, der sonst mit lästigen Traditionen breche, wähle die Silhouette der antiken Amphore oder der chinesischen Balustervase noch einmal zur Grundlage seiner künstlerischen Gefäße. Glasuren und Dekore hingegen seien, Experimentierfelder der Moderne, so Dr. Ingrid Vetter, Leiterin der SammlungHinder/Reimers aus Schloss Villa Ludwigshöhe, und Kuratorin der Ausstellung.

Ausgewählte Stücke der „Landessammlung Hinder/Reimers“– seit 1993 im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz –, eine der bedeutendsten Sammlungen moderner Keramik in Deutschland. © Foto Diether v. Goddenthow
Ausgewählte Stücke der „Landessammlung Hinder/Reimers“– seit 1993 im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz –, eine der bedeutendsten Sammlungen moderner Keramik in Deutschland. © Foto Diether v. Goddenthow

Allerdings, so Dr. Vetter, habe es Mitte des 20. Jahrhunderts einen radikalen Schnitt, einen erklärten Bruch mit der Tradition gegeben. Nicht mehr das Töpferhandwerk und schon gar nicht das luxuriöse Porzellan der Manufakturen des 18. Jahrhunderts  inspirierten junge Keramikkünstler. Sondern sie entdecken den Ton als Medium für den künstlerischen Ausdruck.

Alte handwerkliche Techniken werden hinterfragt, neue erprobt, verworfen oder perfektioniert. Vasen werden zu Objekten und lösen sich schließlich von jedem Funktionszwang.
Während der Hochphase der abstrakten Kunst in den 1960er Jahren erreicht diese „Studiokeramik“ (im Unterschied zur Manufakturware, aber auch zum traditionellen Töpferbetrieb) die Sammlerkreise, die auf Kunstmessen, der documenta, oder der Biennale von Venedig zu finden sind.

Heinz H. Engler: Prototyp der Bauscher-Systemkeramik. © Foto Diether v. Goddenthow
Heinz H. Engler: Prototyp der Bauscher-Systemkeramik. © Foto Diether v. Goddenthow

Dabei spiele in  Deutschland Jakob Wilhelm Hinder (1901–1976) eine wichtige Rolle: Er machte junge Keramiker  mit der internationalen Avantgarde bekannt und ermutigte sie, ihren eigenen Weg zu gehen“, so die Kuratorin. Ein besonderes Exponat sei auch Heinz H. Englers Vorläufer-Prototyp für die späteren „Bauscher-Kannen“. Der Designer entwarf ein erstes Stapelsystem für Tassen, Teller und Kannen für die Hotelgastronomie. Damit revolutionierte er den Markt für gastronomisches Geschirr. Das System B1100, so die Bezeichnung, wurde 1959 zum meistgekauften Geschirrsystem der Welt.

„Mit der Ausstellung gehen wir aber bis in unser Produktionsjahr 2021 hinein“, so Gernot Frankhäuser, Ko-Kurator und Museologe  im Landesmuseum Mainz. Seiner Anregung ist es zu verdanken, dass  Besucher in der Ausstellung auch Keramik-Exponate aus dem 3D-Drucker bestaunen können.

Fabian Schmid (Entwicklung und Entwurf) - zwei Vasen der Serie Surface (r.), Vaser der Serie Skin, Entwürfe 2017, 3D-Keramik-Druck Majolika-Ton) - Fertigstellung mit Glasur erfolgte in Handarbeit.  © Foto Diether v. Goddenthow
Fabian Schmid (Entwicklung und Entwurf) – zwei Vasen der Serie Surface (r.), Vaser der Serie Skin, Entwürfe 2017, 3D-Keramik-Druck Majolika-Ton) – Fertigstellung mit Glasur erfolgte in Handarbeit. © Foto Diether v. Goddenthow

Seit Jahren werde experimentiert mit verschiedenen Materialien, auch mit Keramik, weil Keramik insbesondere im medizinischen Bereich, etwa für Prothesenherstellung, ein ganz wichtiger Werkstoff sei, so Frankhäuser. „Wir zeigen drei Projekte, die im 3D-Drucker mit Majolika-Ton hergestellt worden sind. Der Erfinder, beziehungsweise der Perfektionierer dieser Technik ist Fabian Schmid aus Welzheim (Schwabenland). Er hat 2018 die Vervollständigung dieser 3D-Keramikdruck-Technik als Abschlussarbeit in der Hochschule Karlsruhe zusammen mit der Staatlichen Majolika Manufaktur Karlsruhe entwickelt. Inzwischen ist das einer der Verkaufsschlager der Majolika-Manufaktur. „Vielleicht ist das auch nur ein Trend jetzt mal. Aber es ist  wirklich eine Weiterentwicklung des Manufakturwesens“, so Gernot Frankhäuser.

(Diether v. Goddenthow)

Weitere Infos zur Sonderausstellung:
Vom Gefäß zur freien Form – Keramik im 20. Jahrhundert
14. August 2021 – 23. Januar 2022

Landesmuseum Mainz
Große Bleiche 49 – 51
55116 Mainz
Telefon 06131 2857 0
Fax 06131 2857 288
landesmuseum-mainz@gdke.rlp.de
https://landesmuseum-mainz.de/

Neue Römische Zeugnisse am Mainzer Zollhafen sollen künftig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden

Römische Zeugnisse präsentiert in der  Wandvitrine in der Kantine des Rheinkontors. Foto: GDKE/Bonewitz
Römische Zeugnisse präsentiert in der Wandvitrine in der Kantine des Rheinkontors. Foto: GDKE/Bonewitz

Lewentz, GDKE und LBBW stellen Überraschungsfunde vor
„Eigentlich haben wir in dem Bereich des Zollhafens gar keine archäologischen Relikte erwartet“, bekennt Dr. Marion Witteyer von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE). Dass es am Ende nicht nur Überraschungsfunde gab, sondern auch neue Erkenntnisse über die römische Besiedlung im Bereich der heutigen Mainzer Neustadt ist für die Leiterin der Außenstelle Mainz der Landesarchäologie umso erstaunlicher.

Entdeckt wurden die römischer Siedlungsreste während des Baugrubenaushubs für das Rheinkontor-Gebäude der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die die Grabungsarbeiten der Landesarchäologen von Anfang an unterstützt haben. „Für uns war es eine Selbstverständlichkeit, das römische Erbe, das uns so zufällig in der Baugrube über den Weg lief, nicht nur erkunden zu lassen, sondern auch so weit wie möglich zu bewahren und zu präsentieren“, ergänzt Peter Hähner, Regionalvorstand LBBW Region Nord/West. So stiftete die LBBW für einen Teil der Überraschungsfunde sowohl eine Wandvitrine in der Kantine des Rheinkontors als auch eine Außenvitrine im Innenhof des Gebäudekomplexes.

Das Ergebnis löste auch bei Innenminister Roger Lewentz Begeisterung aus, dessen Ministerium für die Generaldirektion Kulturelles Erbe zuständig ist: „Es freut mich besonders, dass wir mit dieser neuen römischen Fundstätte eine Brücke schlagen von der Stadtentwicklung der Antike zur Stadtentwicklung des heutigen Zollhafenareals. Ich möchte allen Beteiligten herzlich danken, dass diese unverhofften römischen Zeugnisse nicht nur sichtbar sind, sondern künftig auch der Öffentlichkeit zugänglich sein werden“. Auch die Generaldirektorin der GDKE, Dr. Heike Otto, freut sich über die Aufarbeitung der Funde: „Es ist unser Selbstverständnis, dass wir unser gemeinsames kulturelles Erbe schützen, sichern, erforschen und pflegen, am Schönsten ist es natürlich, wenn wir das auch zeigen können, und den Menschen, die hier leben, die Ergebnisse unserer Arbeiten so anschaulich vermitteln.“

Wunderbar erhaltene Delphinfigur ist nur ein Beispiel der zahlreichen eindrucksvollen Exponate.   Foto: GDKE/Bonewitz
Wunderbar erhaltene Delphinfigur ist nur ein Beispiel der zahlreichen eindrucksvollen Exponate. Foto: GDKE/Bonewitz

Die römischen Relikte am Rheinkontor machen deutlich, dass es hier von der Römerzeit bis in die Spätantike eine intensive Bebauung gab. Die ältesten Siedlungsspuren datieren etwa in die Zeit des Legionslagers auf dem Kästrich (um 13/12 v. Chr.). „Man sieht, das schöne Wohnen am Wasser war zu allen Zeiten sehr beliebt“, schmunzelt Dr. Witteyer. Nachteilig waren dagegen der oft nasse Untergrund sowie mögliche Überschwemmungen und Hochwasser.

Ein sehr anschauliches Beispiel für die Bemühung bebaubares Land zu gewinnen, hat die Landesarchäologie Mainz nun am Rheinkontor dokumentiert. Zur Fundamentierung eines Gebäudekomplexes hatte man ausgediente Amphoren verwendet. Die leeren Behälter lagen dicht nebeneinander gepackt und sollten verhindern, dass aufsteigende Feuchtigkeit in das darüber errichtete Mauerwerk eindrang. Solche Amphorendepots waren schon früher in der Neustadt beobachtet worden, aber erst jetzt ließ sich ihre Funktion sicher deuten. Es handelt sich um eine aus dem Mittelmeergebiet bekannte Bauweise, die an großen Flüssen wie dem Po oder an der Rhône angewandt wurde. Bemerkenswert ist, dass dieses Verfahren in Mainz anscheinend bevorzugt hier zum Einsatz kam, während im römischen Siedlungsgebiet der heutigen Altstadt offenbar hölzerne Pfahlgründungen als Unterbau für Fundamente gewählt wurden.

„Der ergrabene Siedlungsausschnitt entspricht einem Mischgebiet aus Wohnen und Handwerk“, ergänzt Witteyer. Besondere Ausstattungselemente deuten auf ein gehobenes Wohnniveau, wofür auch die Qualität verschiedener Fundgegenstände spricht. Einige sind in den Vitrinen ausgestellt. Darunter Fragmente einer lebensgroßen Gesichtsmaske. Wobei es sich bei den Tonmasken nicht um Schauspielerrequisiten handelt, sie wurden vielmehr in häuslichem wie militärischem Kontext als Zeichen von Kultiviertheit und zur Abwehr von Unheil an Säulengängen aufgehängt.

Gefunden wurde auch ein Gewichtsstein, ein seltenes Zeugnis römischen Wirtschaftslebens. Auf dessen Oberfläche wurde die Zahl XXV als Gewichtsangabe eingeritzt, entsprechend 25 römischen Pfund (ca. 8,2 kg). Bemerkenswert ist das verwendete Gesteinsmaterial, das vermutlich aus dem Raum Belgien stammt.

Einem ganz anderen Kontext ist das kleine bauchige Henkelgefäß zuzuordnen, das als Behälter für Weihrauch oder alternativ für Puder gedeutet wird. Innerhalb der Gruppe dieser Gefäße fällt das Mainzer Exemplar durch seine besondere Verzierung auf. Nicht alle römischen Relikte lassen sich direkt zuordnen: So bleibt ungewiss, zu was die am Zollhafen gefundene Delphinfigur gehörte. Wurde sie etwa als schmückender Aufsatz an einem Gerät oder Möbelstück verwendet oder diente sie als Zierrat am Kasten eines Reisewagens? Raum für Forschung bleibt in jedem Fall noch genug.

(Michael Bonewitz)