Kategorie-Archiv: Gutenberg-Universität Mainz

Auszeichnung für Meta-Analyse über den Zusammenhang von Stress am Arbeitsplatz und Burn-out für Forscher der JGU Mainz u Humboldt-Uni Berlin

Prof. Dr. Christian Dormann und Dr. Christina Guthier bei der Preisverleihung auf der Konferenz der Society of Industrial and Organizational Psychology (SIOP) in Seattle, Washington, im April 2022.  ©Foto: Soo Won Lee / Christie's Photographic Solutions
Prof. Dr. Christian Dormann und Dr. Christina Guthier bei der Preisverleihung auf der Konferenz der Society of Industrial and Organizational Psychology (SIOP) in Seattle, Washington, im April 2022. ©Foto: Soo Won Lee / Christie’s Photographic Solutions

Forschende der JGU und der Humboldt-Universität zu Berlin erhalten Schmidt-Hunter Meta-Analysis Award für Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Psychological Bulletin

Für eine Studie über den Zusammenhang von Stress bei der Arbeit und Burn-out haben Dr. Christina Guthier und Prof. Dr. Christian Dormann von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) sowie Prof. Dr. Manuel Völkle von der Humboldt-Universität zu Berlin den Schmidt-Hunter Meta-Analysis Award erhalten. Mit diesem Preis wird die beste Meta-Analyse ausgezeichnet, die in den letzten drei Kalenderjahren auf dem Gebiet der Arbeits- und Organisationspsychologie veröffentlicht wurde. Der Preis wird jährlich vergeben. Er ist mit 1.500 Dollar dotiert und wurde am 27. April 2022 auf der Jahreskonferenz der Society for Industrial and Organizational Psychology (SIOP) in Seattle, USA, überreicht.

Die drei Preisträger haben in ihrer Studie mit dem Titel „Reciprocal Effects Between Job Stressors and Burnout: A Continuous Time Meta-Analysis of Longitudinal Studies” gezeigt, dass sich Stress bei der Arbeit und Burn-out gegenseitig aufschaukeln. Allerdings wurde entgegen landläufigen Ansichten auch festgestellt, dass sich Burn-out viel stärker auf das Stressempfinden am Arbeitsplatz auswirkt als umgekehrt.

In die Meta-Analyse gingen 48 Längsschnittstudien zu Burn-out und Arbeitsstress ein. In diesen Studien waren insgesamt 26.319 Teilnehmerinnen und Teilnehmer befragt worden. Sie wurden in den Jahren 1986 bis 2019 erstellt und stammten aus zahlreichen Ländern, vor allem in Europa, aber auch aus Israel, den USA und Kanada, Mexiko, Südafrika, Australien, China und Taiwan.

„Wir haben in unserer Meta-Analyse eine neue statistische Methode verwendet, um Längsschnittdaten zu analysieren“, teilt Christina Guthier mit. Längsschnittstudien sind gerade bei diesem Thema gegenüber anderen Erhebungen von Vorteil, weil sich insbesondere beim Thema Stress und Burn-out ein experimenteller Ansatz aus ethischen Gründen nicht anbietet. Außerdem bieten Meta-Analysen von Längsschnittstudien Vorteile, um unterschiedliche Arten von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen aufzudecken.

Continuous Time Meta-Analysis (CoTiMA) als geeignetes Analyseinstrument entwickelt
Für die ausgezeichnete Arbeit hatten die Forschenden eine neue, spezielle Methode genutzt, die in Mainz entwickelt wurde: Continuous Time Meta-Analysis (CoTiMA) macht es möglich, sehr viele unterschiedliche Arten von Längsschnittstudien zu berücksichtigen, die sich oft über verschieden lange Zeiträume erstrecken, innerhalb derer die untersuchten Phänomene unterschiedlich oft und auch häufig mittels verschiedener Verfahren gemessen wurden.

„Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung, insbesondere weil dadurch die Möglichkeiten und Chancen, die CoTiMA bietet, auch in der sozialwissenschaftlichen Community insgesamt noch besser bekannt werden. Die breite Relevanz zeigt sich nicht zuletzt auch darin, dass der Aufsatz nicht in einer organisationspsychologischen Zeitschrift veröffentlich wurde, sondern im Psychological Bulletin. Diese gehört zu den wichtigsten fünf Zeitschriften in der Psychologie überhaupt und zählt auch zu den wenigen Zeitschriften im Bereich Business/Management mit Top-Ranking“, teilt Christian Dormann zu der Auszeichnung mit.

Veröffentlichung:
Christina Guthier, Christian Dormann, Manuel C. Voelkle
Reciprocal Effects Between Job Stressors and Burnout: A Continuous Time Meta-Analysis of Longitudinal Studies
Psychological Bulletin, 29. Oktober 2020
DOI: 10.1037/bul0000304
https://doi.org/10.1037/bul0000304

Eröffnung der Saatgutbank für Wildpflanzen Rheinland-Pfalz im Botanischen Garten der Uni Mainz

Der Botanische Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist neben den Botanischen Gärten Berlin, Osnabrück und Regensburg erst die vierte Einrichtung in Deutschland, die eine moderne Saatgutbank für Wildpflanzen nach internationalem Standard unterhält. © Foto Diether v. Goddenthow
Der Botanische Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist neben den Botanischen Gärten Berlin, Osnabrück und Regensburg erst die vierte Einrichtung in Deutschland, die eine moderne Saatgutbank für Wildpflanzen nach internationalem Standard unterhält. © Foto Diether v. Goddenthow

Im Botanischen Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz eröffneten heute Umweltministerin Katrin Eder, Universitätspräsident Prof. Dr. Georg Krausch, Dr. Daniel Wolf, Bundesamt für Naturschutz, Botanischer Artenschutz, Dr. Elke Zippel, Kuratorin Dahlemer Saatgutbank, Botanischer Garten Berlin und Mitstreiter die bundesweit 4. Saatgutbank für Wildpflanzen. In dem neuen technisch entsprechend ausgestatteten Gebäude können Samen seltene und gefährdete Pflanzenarten jahrzehntelang keimfähig gelagert werden. Das Projekt entwickelte sich aus der Beteiligung des Botanischen Gartens und der Grünen Schule an einem deutschlandweiten Verbundprojekt zum Schutz gefährdeter Wildpflanzen (WIPs-De). Die Saatgutbank ermöglicht neue Forschungs- und Bildungsprojekte im Botanischen Garten
und bietet zusätzliche Optionen für den botanischen Artenschutz in Rheinland-Pfalz.

Samen gehören zu den spektakulärsten Organen, die Pflanzen in ihrer langen Evolution hervorgebracht haben, erläutert Dr. Ralf Omlor, Wissenschaftlicher Leiter und Kustos Botanischer Garten Uni Mainz. Sie dienen der Vermehrung und Ausbreitung und sind für diese Aufgaben perfekt ausgestattet. Aber auch für uns Menschen sind Samen von enormer Bedeutung. Denn letztlich basiert unsere gesamte kulturelle Entwicklung seit der Erfindung des Ackerbaus vor etwa 10.000 Jahren auf der Nutzung von Pflanzensamen. Das wäre nicht möglich, wenn Samen nicht ganz spezifische Eigenschaften hätten. Sie verfügen in ihrem Innern über einen ruhenden Pflanzenembryo, der sich unter günstigen Bedingungen schnell zu einer neuen Pflanze entwickeln kann. Das gibt uns die Möglichkeit, Pflanzen als Samen leicht zu transportieren und sie nach unseren Vorstellungen auch fern ihres Ursprungsortes anzusiedeln.

Blick auf die Saatgutbank im Botantischen Garten der Universität Mainz.  © Foto Heike v. Goddenthow
Blick auf die Saatgutbank im Botantischen Garten der Universität Mainz. © Foto Heike v. Goddenthow

Während Saatgutbanken für Kulturpflanzen also fast überall verfügbar sind, sieht es für Wildpflanzen sehr viel schlechter aus. Beim Schutz von Wildpflanzen hat man sich lange fast ausschließlich auf den Erhalt der Arten in ihren natürlichen Lebensräumen (In-situ, d.h. an Ort und Stelle) konzentriert. In den vergangenen Jahrzehnten hat man aber feststellen müssen, dass In-situ Maßnahmen allein nicht mehr ausreichen, um das Aussterben von Pflanzenarten zu stoppen. Mit der Globalen Strategie zum Schutz der Pflanzen (Global Strategy for Plant Conservation, GSPC) wurden 2002 im Rahmen der Konvention über die Biologische Vielfalt (CBD) daher 16 konkrete Ziele international vereinbart.
Darin wird erstmals auch der hohe Stellenwert von Maßnahmen außerhalb der natürlichen Lebensräume (Ex-situ) betont. In dem für Botanische Gärten besonders relevanten Ziel 8 heißt es:
Bis 2020 sind „75 % der gefährdeten Pflanzenarten in zugänglichen Ex-situ-Sammlungen enthalten, vorzugsweise im Herkunftsland, und 20 % davon in Wiederansiedlungs- und Wiederherstellungsprogramme einbezogen“, so Dr. Daniel Wolf vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn

Von diesem Ziel sind wir noch weit entfernt, aber die Verabschiedung der globalen Strategie hat wichtige Impulse gegeben. So gibt es heute weltweit bereits an mehr als 400 Botanischen Gärten Kapazitäten zur mittel- oder langfristigen Samenlagerung (BGCI 2019). In Deutschland sind Saatgutbanken für Wildpflanzen allerdings dünn gesät. Lediglich in den Botanischen Gärten in Berlin-Dahlem (Dahlemer Saatgutbank), Osnabrück (Loki Schmidt Genbank für gefährdete Wildpflanzen) und Regensburg (Bayern Arche) gibt es solche Einrichtungen. „Es ist wichtig, dass wir mit dem Projekt Wildpflanzenschutz Deutschland die Sicherung von Pflanzenarten in technischen Einrichtungen mit konkreten Artenschutzmaßnahmen im Lebensraum verbinden konnten. Im Rahmen dieses Projektes ist auch die Einrichtung der Saatgutbank am Botanischen Garten in Mainz unterstützt worden.“, so Dr. Daniel Wolf. Die globalen Ziele wurden in der nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt für Deutschland konkretisiert. Das Förderprogramm „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“ des Bundes unterstützt deren Umsetzung.

Das Labor im Herz der Saatgutbank. (v.r.) Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Dr. Elke Zippel von der Dahlemer Saatgutbank des Botanischen Gartens Berlin, Dr. Ralf Omlor, Wissenschaftlicher Leiter und Kustos Botanischer Garten Uni Mainz, Katrin Eder, Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität des Landes Rheinland- Pfalz,  Dr. Ute Becker, Grüne Schule und ganz links: Dr. Daniel Wolf, Bundesamt für Naturschutz, Botanischer Artenschutz. © Foto Diether v. Goddenthow
Das Labor im Herz der Saatgutbank. (v.r.) Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Dr. Elke Zippel von der Dahlemer
Saatgutbank des Botanischen Gartens Berlin, Dr. Ralf Omlor, Wissenschaftlicher Leiter und Kustos Botanischer Garten Uni Mainz, Katrin Eder, Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität des Landes Rheinland-
Pfalz, Dr. Ute Becker, Grüne Schule und ganz links: Dr. Daniel Wolf, Bundesamt für Naturschutz, Botanischer Artenschutz. © Foto Diether v. Goddenthow

Mit dem Einstieg in das bundesweites Verbundprojekt zum Wildpflanzenschutz WIPs-De, das im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz gefördert wird, bot sich die Gelegenheit, am Botanischen Garten Mainz eine regionale Saatgutbank zu etablieren. Dieser Schritt ist nun abgeschlossen. Mit der Fertigstellung eines vom Land Rheinland-Pfalz finanzierten Anbaus an das bestehende Gebäude der Saatgutreinigung sind jetzt alle Voraussetzungen für die Langzeitlagerung von Samen geschaffen.

Wichtigster Bestandteil der technischen Ausstattung ist eine begehbare Klimakammer, in der die Samen vor dem Einfrieren bei 15°C und 15% relativer Feuchte langsam bis zu einer Restfeuchte von nur noch 3,5 bis 6,5 % getrocknet werden. Die Finanzierung dieser speziellen Klimakammer ermöglichten die Mainzer Wissenschaftsstiftung und der Freundeskreis des Botanischen Gartens, die dafür jeweils 30.000 Euro zur Verfügung gestellt haben. Zusätzliche Geräte zur Vakuumierung der Saatgutproben, zur Messung der Restfeuchte in den Samen und zur Prüfung ihrer Keimfähigkeit wurden aus den Fördermitteln des Projekts WIPs-De finanziert.

In die neue Saatgutbank werden nun zunächst die im Rahmen von WIPs-DE in Rheinland-Pfalz und im Saarland gesammelten Samen einer vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) erstellten Liste von Arten, für deren Erhalt Deutschland eine besondere Verantwortung hat, eingelagert. Seit 2020 besteht zudem eine Kooperation mit einem Projekt an der TU Bingen zur Erhaltung und Förderung von Ackerwildkräutern, das im Rahmen der Aktion Grün des Landes Rheinland-Pfalz gefördert wird.

Hierbei geht es um die Sicherung und Vermehrung der letzten Vorkommen gefährdeter Ackerwildkräuter, von denen auch Samenproben in der Saatgutbank des Botanischen Garten
eingelagert werden. Aber das ist erst der Anfang. Die Saatgutbank ermöglicht neue Forschungsprojekte und bietet zusätzliche Optionen für den botanischen Artenschutz in RheinlandPfalz.

„Die Vielfalt der Arten und auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten ist ein großer Schatz der Natur, der nicht nur um seiner selbst willen schützens- und erhaltenswert ist“, sagt Umweltministerin Katrin Eder. „Vielmehr sind Arten als Teile des Ökosystems wichtige Ressourcen für die Zukunft und Lebensgrundlage für den Menschen. Jede Art übernimmt Funktionen im Ökosystem und ist auf besondere Weise an ihren Standort angepasst. Dies kann gerade in Zeiten des Klimawandels eine wichtige Ressource darstellen, wenn es um die Entwicklung von Anpassungsstrategien zum Beispiel in der Nutzpflanzenzucht geht. Auch für die Medizin ist das wichtig, denn sie bedient sich pflanzlicher Wirkstoffe bei der Medikamentenherstellung. Stirbt eine Art aus, so verlieren wir auch die Möglichkeit, „von ihr lernen zu können“. Dies ist einer von vielen Gründen, warum es so wichtig ist, diesen Schatz zu bewahren. Saatgutbanken und das gesamte Verbundprojekt leisten dazu einen immensen Beitrag.“

„Botanische Gärten sind für diese Aufgabe prädestiniert,“ ergänzt Dr. Elke Zippel von der Dahlemer Saatgutbank des Botanischen Gartens Berlin. „Keine anderen Instututionen haben derart viel Erfahrung mit der Kultur und Vermehrung von Wildpflanzen. Mit dem Aufbau von Saatgutbanken, die die meisten Botanischen Gärten zu einem nicht unerheblichen Teil selbst tragen, wird diese Tradition erweitert, in neuer, technisch optimierter Form ausgebaut und gibt Botanischen Gärten angesichts der dramatischen Biodiversitäskrise eine wichtige Rolle für den botanischen Artenschutz.“

Botanischer Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Anselm-Franz-von-Bentzel-Weg 9 b
55128 Mainz
http://www.botgarten.uni-mainz.de

Polarforscherin Prof. Dr. Antje Boetius über „Mensch und Natur – Die Netzwerke des Lebens“ zum Auftakt der Vorlesungsreihe der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur am 26.04.2022

Die durch ihre zukunftsweisenden Forschungen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den Ozean sowie die Lebensvielfalt der Tiefsee bekannt gewordene Meeresbiologin Professorin Dr. Antje Boetius, diesjährige Inhaberin der 22. Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur, lädt im Sommersemester 2022 jeweils dienstags zu ihrer interessanten Vorlesungsreihe „Mensch und Natur – Die Netzwerke des Lebens“ auf den Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ein. Der Auftakt-Vortrag „Netzwerke des Lebens: Einführung in das Wunder der Lebensvielfalt“ findet bei freiem Eintritt am 26. April 2022 im Hörsaal RW1, Haus Recht und Wirtschaft I, Jakob-Welder-Weg 9, auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt.

Der Planet Erde ist bisher der einzige Himmelskörper, von dem wir wissen, dass er Leben beherbergt. Dieses Leben beruht seit fast 4 Milliarden Jahren auf eng verknüpften Netzwerken einer ungeheuren Vielfalt von Genen, Individuen, Arten und Lebensräumen, sodass Überleben auch unter extremen Bedingungen durch Anpassungen gesichert ist. Seit den 1950er-Jahren greift der Mensch in immer größerer Beschleunigung in diese Netzwerke ein. Heute wird zunehmend klar: Die Umwelt verändert sich zu schnell, das ist zu unserem Nachteil und resultiert in erheblichem Verlust von Vielfalt. Wie können wir also lernen, besser mit den Lebensnetzwerken zu kooperieren? In ihrer Vorlesungsreihe “Mensch und Natur – Die Netzwerke des Lebens” wird die diesjährige Inhaberin der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur die Zuhörenden auf eine Reise in die Funktionen des Lebens auf dem Planeten Erde mitnehmen. Gemeinsam mit ihren Gästen wird Prof. Dr. Antje Boetius diskutieren, warum die Vielfalt des Lebens auf der Erde wichtig für unser Überleben ist, wo die Netzwerke gefährdet sind, auf denen die natürlichen Funktionen der Erde beruhen, und welche Lösungen wir haben. Bei der ersten Vorlesung wird Antje Boetius auch anhand von Beispielen aus ihrem Forschungsgebiet, der Tiefsee, einige Wunder der Lebensvielfalt aufzeigen.

Prof. Dr. Antje Boetius ist Polar- und Tiefseeforscherin und Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Als Professorin für Geomikrobiologie und Leiterin der Brückengruppe für Tiefseeökologie und Technologie am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie ist sie am Exzellenzcluster MARUM der Universität Bremen beteiligt. Sie hat an fast 50 Expeditionen auf internationalen Forschungsschiffen teilgenommen. Im Mittelpunkt ihrer aktuellen Forschung stehen die Auswirkungen des Klimawandels auf den Ozean sowie die Lebensvielfalt der Tiefsee. Für ihre wissenschaftlichen und wissenschaftskommunikatorischen Leistungen wurde Boetius unter anderem mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz- und dem Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Deutschen Umweltpreis 2018 und dem Bundesverdienstkreuz im Jahr 2019 ausgezeichnet. Sie ist Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz sowie anderer nationaler und internationaler Akademien und Fachgesellschaften.

Die Vorlesungsreihe zur 22. Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur findet im Sommersemester 2022 jeweils dienstags um 18:15 Uhr statt – teils in Präsenz auf dem Gutenberg-Campus (Hörsaal RW1, Haus Recht und Wirtschaft I, Jakob-Welder-Weg 9), teils digital. Weitere Informationen unter https://www.stiftung-jgsp.uni-mainz.de/vorlesungsreihe-2022-mensch-und-natur-die-netzwerke-des-lebens/
Referentin: Prof. Dr. Antje Boetius, Inhaberin der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2022
Wann: Dienstag, 26. April 2022, ab 18:15 Uhr
Wo: Hörsaal RW1, Haus Recht und Wirtschaft I, Jakob-Welder-Weg 9, auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Veranstalter: Stiftung „Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur“ http://www.stiftung-jgsp.uni-mainz.de/
Programm: https://www.stiftung-jgsp.uni-mainz.de/vorlesungsreihe-2022-mensch-und-natur-die-netzwerke-des-lebens/
Facebook-Event: https://www.facebook.com/events/387313919916934/

Eintritt: frei
Anmeldung: nicht erforderlich

Johannes Gutenberg-Universität Mainz startet in Präsenz in das Sommersemester 2022

© Diether v. Goddenthow
© Diether v. Goddenthow

Vorlesungszeit beginnt am 19. April / Campus wird wieder „echter Begegnungsraum“ / JGU setzt weiterhin auf bewährte, campuseinheitliche Schutzmaßnahmen

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) öffnet am 19. April ihren Lehrbetrieb im Sommersemester 2022 weitgehend in Präsenz. „Wir freuen uns sehr, dass wir nach vier Semestern weitgehender Distanz in der Lehre unsere rund 30.000 Studierenden endlich wieder auf dem Campus willkommen heißen und somit vor allem auch unseren Erstsemestern das gegenseitige Kennenlernen und den persönlichen Diskurs ermöglichen können“, erklärt der Präsident der JGU, Prof. Dr. Georg Krausch. „Da die Corona-Pandemie immer noch nicht überstanden ist, gelten einheitliche Regelungen zum Infektionsschutz an der JGU, insbesondere eine Maskenpflicht, um das Risiko einer wechselseitigen Ansteckung zu minimieren. Meinen ausdrücklichen Dank richte ich an alle Universitätsmitglieder für ihr beeindruckendes Engagement, die Qualität der Lehre auch in den digitalen Lehr- und Lernszenarien sicherzustellen und dabei – trotz erheblichem Mehraufwand – den wechselnden Studienbedingungen im Interesse der Studierenden Rechnung zu tragen.“

Nach aktueller Planung sind gut 90 Prozent der über 6.000 Lehrveranstaltungen als Präsenzveranstaltungen angesetzt. Etwas mehr als 400 Veranstaltungen sind als vorwiegend digitale oder hybride Formate angekündigt – dabei nutzen Lehrende etwa die Möglichkeit, einzelne Teilnehmendengruppen digital zuzuschalten oder Präsenztermine für Teilgruppen anzubieten. Die wenigen Veranstaltungen, die rein digital stattfinden, werden bevorzugt asynchron durchgeführt.

„In diesem Sommersemester machen wir den Campus – an allen Standorten – wieder zu einem echten Begegnungsraum, einem Ort gemeinsamen Forschens und Lernens“, erklärt der Vizepräsident für Studium und Lehre der JGU, Prof. Dr. Stephan Jolie. „In den vergangenen Jahren ist es uns dank der digitalen Möglichkeiten gelungen, auch unter schwierigen Bedingungen qualitätsvolle akademische Lehre anzubieten. Aus dieser Zeit nehmen wir viele wertvolle Erfahrungen mit, die wir nutzen wollen, um noch inklusiver, integrativer und kooperativer zu werden. Wir haben aber auch intensiv erlebt, dass Bildung den persönlichen Kontakt, das menschliche Miteinander vor Ort braucht.“

Einheitliche Regelungen zum Infektionsschutz
Die JGU setzt weiterhin auf bewährte, campuseinheitliche Schutzmaßnahmen. Dazu zählen die Maskenpflicht in allen Innenräumen (auch in Lehrveranstaltungen), die regelmäßige Lüftung von Räumen sowie die Bitte um Hust- und Niesetikette und Abstand, wo immer möglich. Eine Ausnahme von der Maskenpflicht besteht nur für praktische Anteile in Lehrveranstaltungen und Prüfungen, bei denen das Tragen einer Maske nicht möglich ist.

Digitalen Wandel weiter gestalten
Als Präsenzuniversität sieht die JGU den digitalen Wandel als Chance, bewährte Formen in Lehre und Studium weiterzuentwickeln, und Services – wo möglich – auch orts- und zeitunabhängig anzubieten. In zahlreichen Projekten mit Förderung aus Landesmitteln, Bundesprogrammen wie aus Mitteln der noch jungen Bund-Länderstiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL) erproben Fächer, Fachbereiche und zentrale Einrichtungen neue digitale und hybride Formate und erweitern das Bildungsangebot der Universität etwa im Bereich der Data Literacy Education. Die erfolgreiche Einführung des digitalen Semestertickets zum Sommersemester 2022 für alle ticketberechtigten Studierenden stellt einen weiteren Meilenstein in der Digitalisierung der JGU dar. Das digitale Semesterticket wurde in Abstimmung mit dem Rhein-Main Verkehrsverbund vom Zentrum für Datenverarbeitung (ZDV) der JGU entwickelt und wird in der ebenfalls vom ZDV entwickelten JGU-Ausweise-App ausgeliefert.

„Der digitale Wandel fordert uns auf allen Ebenen der Universität. Technische Möglichkeiten sehen wir dabei vor allem als Chance, mehr Qualität und mehr persönlichen Austausch zu schaffen: etwa das Innovationsprojekt MODELL-M, in dem wir hybride Modelle entwickeln, die mehr Aktivierung und Feedback, mehr Resonanzräume in Studium und Lehre schaffen sollen“, betont Prof. Dr. Stephan Jolie.

Guter Start ins Studium: Infos für Studienanfängerinnen und Studienanfänger
Die Fächer und zentralen Beratungseinrichtungen ermöglichen den Studienanfängerinnen und Studienanfängern nach vier durch die Corona-Pandemie geprägten Semestern endlich wieder eine Einführungswoche in Präsenz. Den Empfang der Erstsemester koordiniert die Zentrale Studienberatung der JGU und informiert auf ihrer Webseite über fachspezifische und fächerübergreifende Angebote (https://www.studium.uni-mainz.de/einfuehrungsveranstaltungen).

Informationen zu den ersten Schritten an der Universität geben bereits seit Anfang März digitale Vorträge und Fragerunden mit den Studienbotschaftern und ‑botschafterinnen. Die zentrale Erstsemesterbegrüßung mit dem Universitätspräsidenten findet in Präsenz am 13. April im Hörsaal RW1, Haus Recht und Wirtschaft, statt. Antworten auf Fragen rund um den Studienstart und Hilfestellung bei der Orientierung auf dem Campus erhalten Erstsemester durch die Zentrale Studienberatung während der Einführungswoche vom 11. bis 14. April am Informationsstand auf dem Vorplatz der JGU sowie in der roten Infobox auf dem Campus. In den fachspezifischen Einführungsveranstaltungen machen die Lehrenden und Fachschaften aller Fächer mit dem Fachstudium und dem Campus vertraut.

Rund 30.000 Studierende im Sommersemester 2022
Insgesamt erwartet die JGU zum Sommersemester 2022 rund 30.000 Studierende, was etwa dem Vorjahreswert entspricht (Sommersemester 2021: 30.140 Studierende). Die Zahl der Einschreibungen ist wie im Vorjahr leicht rückläufig. So rechnet die Universität mit erneut deutlich unter 3.000 Einschreibungen in das erste Fachsemester, wenngleich die Einschreibungen noch andauern. „Seit Beginn der Corona-Pandemie treffen im zweiten Jahr in Folge deutlich weniger Schulabgänger und Studierende eine Entscheidung zugunsten der Aufnahme eines Studiums oder des Studiengangs- bzw. Hochschulwechsels als in den Jahren vor der Pandemie“, so der Präsident der JGU. „Das ist ein deutschlandweiter Trend, der die meisten Universitäten betrifft.“

Studiengänge überwiegend frei zugänglich

Im Sommersemester ermöglicht die JGU die Einschreibung in insgesamt 290 Studiengänge. Hiervon sind 119 grundständige Studiengänge (Bachelor, Staatsexamen, Magister theologiae), 154 weiterführende Master- sowie elf weiterbildende und sechs Aufbaustudiengänge. Von diesen 290 Studiengängen sind insgesamt 80 zulassungsbeschränkt (einschließlich Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie). Die überwiegende Zahl der Studiengänge an der JGU ist frei zugänglich, also ohne Numerus clausus.

Der mit Abstand am meisten nachgefragte grundständige Studiengang mit örtlichen Zulassungsbeschränkungen ist der Bachelorstudiengang Psychologie und Psychotherapie (B.Sc., 28 Bewerbungen je Studienplatz). Unter den grundständigen Studiengängen mit örtlichen Zulassungsbeschränkungen stoßen weiterhin der Bachelorstudiengang Molekulare Biologie (B.Sc., 4 Bewerbungen je Studienplatz) sowie die Beifächer Soziologie und Strafrechtspflege im Bachelor of Arts (5 bzw. 6 Bewerbungen je Studienplatz) auf großes Interesse. Ebenfalls stark nachgefragt sind die Staatsexamensstudiengänge Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie, deren Studienplätze bundesweit zentral durch die Stiftung für Hochschulzulassung vergeben werden: Bei der Stiftung für Hochschulzulassung haben sich im Sommersemester 2022 für den Studienort Mainz rund 14.200 Personen um einen der 225 Studienplätze in Medizin, rund 4.600 Personen um einen der 48 Studienplätze in Zahnmedizin und rund 1.900 Personen um einen der 45 Studienplätze in Pharmazie beworben. Bei den Masterstudiengängen führen die Rangliste der begehrtesten Studiengänge die Masterstudiengänge International Economics and Public Policy (M.Sc.) sowie Psychologie – Kindheit und Jugend (M.Sc.) an (jeweils 6 Bewerbungen je Studienplatz), gefolgt von den Mastern Psychologie – Klinische Psychologie sowie Psychologie – Human Factors (M.Sc.) und (jeweils 5 Bewerbungen je Studienplatz).

In den zulassungsfreien grundständigen Studiengängen sind – gemessen an den Einschreibungen im ersten Fachsemester – die Informatik (B.Sc., 61 Einschreibungen), die Lehramtsfächer Englisch und Deutsch (83 und 85 Einschreibungen) und das Fach Philosophie mit 61 Einschreibungen (Summe der Einschreibungen in Kern und Beifach) am stärksten frequentiert. In den zulassungsfreien Mastern führen die Liste die Lehramtsmaster in Deutsch (76 Einschreibungen) und Englisch (61 Einschreibungen) an; der am stärksten nachgefragte Nicht-Lehramtsmaster ist der Master Physik (M.Sc.) mit 31 Einschreibungen.

Weiterführende Links:
http://corona.uni-mainz.de/ – Allgemeine Information zum Umgang der JGU mit der Corona-Pandemie
https://sl.uni-mainz.de/information-zum-umgang-der-jgu-mit-dem-coronavirus ; https://www.studium.uni-mainz.de/corona – Aktuelle Infos zum Studien- und Lehrbetrieb an der JGU
https://lehre.uni-mainz.de/digital – Informationen zur digitalen Lehre an der JGU

Uni Mainz: Studien mit über 100.000 Probanden in 26 Ländern zeigen Zusammenhang zwischen Verschwörungsmentalität und linksextremer, besonders aber rechtsextremer politischer Ausrichtung

(Mainz) Verschwörungstheorien waren zu allen Zeiten, in allen Kulturen und allen Bevölkerungen verbreitet. Sie tauchen immer wieder im Zuge von Großereignissen auf, heutzutage etwa in der Folge von Terroranschlägen, bei Pandemien wie COVID-19 oder Präsidentschaftswahlen. Wie zwei neue Studien aus 26 Ländern zeigen, geht die Verschwörungsmentalität einer Person mit einer linksextremen oder noch stärker mit einer rechtsextremen Überzeugung einher. „Wir beobachten außerdem eine größere Neigung zu einer Verschwörungsmentalität unter den Wählern von Oppositionsparteien, die sich einer persönlichen oder gesellschaftlichen Einflussnahme beraubt sehen“, sagt der Leiter der Studien, Prof. Dr. Roland Imhoff von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Die beiden Studien sind die bislang größte Untersuchung zum Thema Verschwörungsmentalität, sowohl im Hinblick auf die Teilnehmerzahl von über 100.000 Probanden als auch hinsichtlich der einbezogenen 26 Länder. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift Nature Human Behaviour veröffentlicht.

Zusammenhang zwischen Verschwörungsmentalität und politischer Orientierung
Verschwörungsmentalität bezeichnet eine Haltung, die davon ausgeht, dass geheime, finstere Kräfte am Werk sind. „In Verschwörungstheorien wird die Überzeugung vertreten, dass eine Gruppe von Akteuren heimlich zusammenarbeitet, um ein bösartiges Ziel zu verfolgen“, beschreibt Roland Imhoff, Professor für Sozial- und Rechtspsychologie, die Auffassung der Anhänger. Verschwörungsüberzeugungen gedeihen besonders im politischen Bereich. Hier sind Verschwörungstheorien untrennbar mit der Rhetorik populistischer politischer Führer verbunden.

Anhand der beiden Untersuchungen wollte das internationale Forschungsteam um Roland Imhoff Genaueres über die Beziehung zwischen politischer Orientierung und Verschwörungsmentalität herausfinden. Die erste Studie umfasst einen einzigartigen Datensatz aus 23 Ländern, darunter auch außereuropäische Länder wie Brasilien und Israel, mit 33.431 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Untersucht wurde auch, ob sich mangelnde politische Kontrolle, beispielsweise falls die bevorzugte politische Partei nicht Teil der Regierung ist, auf die Verbindung zwischen politischer Orientierung und Verschwörungsmentalität auswirkt – wie es die Kontrolldeprivationstheorie annimmt. Eine zweite Studie mit 70.882 Probanden ergänzt diese Analysen mit weiteren Daten aus 13 europäischen Ländern. Die Erhebungen erfolgten jeweils mithilfe eines Fragebogens, der die Verschwörungsmentalität anhand eines standardisierten Instruments, bezeichnet als „Conspiracy Mentality Questionnnaire“, und die politische Orientierung auf zwei Arten erfasste: einmal über eine Selbsteinordnung auf einer Skala von links bis rechts, einmal über die angegebene Parteipräferenz und die Einordnung dieser Partei auf dem Links-Rechts-Schema durch internationale Expertinnen und Experten.

Zusammengefasst weisen die Ergebnisse einen Zusammenhang auf zwischen der politischen Orientierung und der Neigung, an Verschwörungen zu glauben. „Die Befragten an den beiden äußeren Enden des politischen Spektrums formulierten stärker ausgeprägte Überzeugungen, dass die Welt von geheimen Kräften regiert wird, die im Dunkeln arbeiten“, schreiben die Autorinnen und Autoren in dem Beitrag für Nature Human Behaviour. Darüber hinaus zeigen die beiden Studien, dass die Verschwörungsmentalität bei der politischen Rechten besonders ausgeprägt ist, vor allem unter Wählern traditioneller, nationalistischer und autoritärer Parteien.

Zwischen den einzelnen Ländern zeichneten sich leichte Unterschiede ab: Länder in Mittel- und Westeuropa verzeichnen eine stärkere Verschwörungsmentalität unter Anhängern der politischen Rechten, so in Belgien, insbesondere Flandern, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Österreich, Polen und Schweden. In südlichen Ländern wie Rumänien, Spanien und Ungarn war die Verschwörungsmentalität mehr im linken Milieu verankert.

„Verschwörungstheorien sind für Verlierer“
Verschwörungstheorien finden außerdem mehr Zuspruch, wenn die Menschen einer Partei nahestehen, die nicht Teil der Regierung ist, die Anhänger also über keine politische Kontrolle verfügen. Dieser Zusammenhang ist wiederum besonders auffällig bei Menschen am äußersten rechten Rand des Parteienspektrums. Außerdem ergab die Auswertung, dass weniger gebildete Menschen eher zu einer Verschwörungsmentalität neigen.

Über beide Studien hinweg untermauern die Ergebnisse den Eindruck, dass „Verschwörungstheorien für Verlierer sind“, wie es vom amerikanischen Politologen Joseph Uscinski formuliert wurde. Die Autorinnen und Autoren der Studie um Imhoff merken allerdings an, dass Ursache und Wirkung nicht unbedingt eindeutig sind: Es sei gut möglich, dass Menschen, die sich zu den Wahlverlierern zählen, in der Folge von Verschwörungstheorien angezogen werden. Es könne aber genauso gut sein, dass Parteien, die sich gegen den Mainstream richten und wenig Chancen auf Wahlgewinne haben, für Verschwörungstheoretiker besonders attraktiv sind – also, dass Menschen, die sich von Verschwörungstheorien angezogen fühlen, auch eher Parteien wählen, die Wahlen verlieren.

Veröffentlichung:
Roland Imhoff et al.
Conspiracy mentality and political orientation across 26 countries
Nature Human Behaviour, 17. Januar 2022
DOI: 10.1038/s41562-021-01258-7
https://www.nature.com/articles/s41562-021-01258-7

Hervorragende Ergebnisse der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im U-Multirank 2021

Topplatzierungen in den Bereichen Forschung, Wissenstransfer und Internationale Ausrichtung

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) hat im diesjährigen U-Multirank in mehreren Bereichen hervorragende Ergebnisse erzielt. Dies gilt sowohl hinsichtlich der Platzierung als Universität insgesamt als auch im Hinblick auf die teilnehmenden Fächer.

Die JGU hat sich bei neun Kennzahlen aus den Bereichen Forschung, Wissenstransfer und Internationale Ausrichtung in der obersten Gruppe der teilnehmenden Hochschulen platzieren können. In der internationalen Spitzengruppe befindet sich die JGU in Bezug auf die Anzahl der Forschungspublikationen und die „Top cited publications“. Im Bereich Wissenstransfer erzielt die JGU im Bereich Patente durchgehend sehr gute Ergebnisse und platziert sich in allen untersuchten Kennzahlen in Ranggruppe 1. In der internationalen Spitzengruppe platziert sich die JGU zudem im Bereich Internationale Ausrichtung in Bezug auf den Anteil an internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und den Anteil an internationalen Kooperationen bei Forschungspublikationen.

Auf Fächerebene sind insbesondere die hervorragenden Ergebnisse für die Medizin und Zahnmedizin hervorzuheben. Beiden Fächern sind sehr gute Platzierungen in Einzelindikatoren vor allem im Bereich Wissenstransfer gelungen. So belegen beide Fächer im Bereich Wissenstransfer für die Indikatoren „Co-publications with industrial partners“, „Publications cited in patents“ und in Bezug auf die eingeworbenen Drittmittel einen Platz in der internationalen Spitzengruppe.

Das internationale Hochschulranking U-Multirank ist von einem Konsortium aus europäischen Hochschul- und Forschungsinstitutionen entwickelt worden. Die JGU hat sich sowohl auf Ebene der Universität insgesamt als auch fachbezogen in Medizin und Zahnmedizin am diesjährigen Ranking beteiligt. Zentrales Merkmal von U-Multirank ist es, keine klassischen Ranglisten zu erstellen, sondern die Hochschulen für jede Kennzahl einer von fünf Ranggruppen zuzuordnen.

Weiterführende Infos zum Hochschulranking U-Multirank

Festakt zum 75-jährigen Jubiläum der Wiedereröffnung der JGU als Livestream coronakonform erlebbar

Formate im Jubiläumsjahr sind weitgehend digital angelegt / Rolle von Universität und Wissenschaft in der Gesellschaft steht im Fokus

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) feiert das 75-jährige Jubiläum ihrer Wiedereröffnung im Zuge der aktuellen Entwicklungen mit einer coronakonformen Reflexion ihrer Geschichte und ihrer Themenvielfalt. So ist auch der Festakt mit der Präsentation der Festschrift „75 Jahre Johannes Gutenberg-Universität Mainz: Universität in der demokratischen Gesellschaft“ und der Eröffnung der Ausstellung WISSEN SCHAFFT RAUM am 7. September 2021 als Livestream angelegt.

Interessierte können den Festakt ab 17:00 Uhr über den Link www.magazin.uni-mainz.de/JGU75/festakt kostenfrei live miterleben. Der Festakt wird auch über OK:TV Mainz und dessen Sendebereich im digitalen Kabelnetz der Region Mainz und Rheinhessen sowie bundesweit über IPTV der Deutschen Telekom (MagentaTV) ausgestrahlt.

Die multimediale Reise durch 75 Jahre JGU beginnt mit historischen und aktuellen Bilderwelten, zusammengestellt mit Unterstützung des SWR. Grußworten der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz Malu Dreyer und des Präsidenten der JGU, Prof. Dr. Georg Krausch, folgen u.a. Gesprächsrunden mit Gästen wie der rheinland-pfälzischen Finanzministerin Doris Ahnen, Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Bernhard Vogel, der ZEIT-Redakteurin im Ressort Wissen Dr. Anna-Lena Scholz und dem Architekturhistoriker Dr.-Ing. Wolfgang Voigt. Neben der Rolle von Universität und Wissenschaft in der Gesellschaft steht insbesondere auch die Campusarchitektur als Spiegelbild der Universitäts- und Sozialgeschichte im Fokus des Festakts.

Ausstellung WISSEN SCHAFFT RAUM

So wird im Rahmen des Festakts auch die Ausstellung „WISSEN SCHAFFT RAUM. Aspekte internationaler Architektur auf dem Mainzer Gutenberg-Campus“ eröffnet, die die Bauwerke des Mainzer Universitätscampus im Verhältnis zum internationalen Architekturgeschehen beleuchtet. Als eine der ersten deutschen Campusuniversitäten vereint die JGU fast alle Institute auf einem Areal. Die von den 1930er-Jahren bis 2021 errichteten, teilweise denkmalgeschützten Gebäude fügen sich zu einer komplexen Wissenschaftsstadt, deren Architektur eine hohe Vielfalt an Stilen und Konzepten aufweist und in ihrer Grundkonzeption in der Nachkriegszeit wegweisend war. Verschiedene Bauwerke auf dem Campus treten in einen teilweise bewusst inszenierten Dialog miteinander und reflektieren dabei zugleich die internationale Architekturgeschichte von der Nachkriegsmoderne bis zur Gegenwart. Der Campus wird so zu einer Visitenkarte der Universität und ihres Selbstverständnisses als internationale Forschungs- und Lehreinrichtung. Dabei werden bei den markanten Einzelbauten interessante Verbindungen zur internationalen Weltarchitektur von u. a. Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier oder Robert Venturi nachgezeichnet.

Die Ausstellung wird vom 08.09. bis 22.10.2021 als multimediales Konzept, das interaktiv auf die Besucherinnen und Besucher eingeht, in der Roten Info-Box auf dem Campus (Kreuzung Jakob-Welder-Weg / Johannes-von-Müller-Weg) gezeigt. Ab dann wird die Ausstellung ebenfalls als virtueller Rundgang im Internet unter www.wissenschafftraum.uni-mainz.de zu sehen sein.

Programm im Jubiläumsjahr

Ein Veranstaltungsprogramm in gewohnter Form ist coronabedingt im Jubiläumsjahr nicht möglich. Die Formate sind vielmehr weitgehend digital angelegt. „Es entspricht dem Selbstverständnis und der Verantwortungsbereitschaft der JGU, bei der Gestaltung des Jubiläums den besonderen Bedingungen Rechnung zu tragen“, so der JGU-Präsident Prof. Dr. Georg Krausch. „Auf diese Weise wird die Universität im Jubiläumsjahr weitgehend unabhängig vom Infektionsgeschehen dennoch in ihren vielen Facetten für alle erlebbar.“

Weiterführender Link:

https://www.magazin.uni-mainz.de/JGU75 – Jubiläumswebsite mit Programm und Infos.

Ausbruch des Laacher-See-Vulkans neu datiert

Laacher-See Vulkaneruption fand vor 13.077 Jahren statt – Neues Datum liefert entscheidende Erkenntnisse über Klimaschwankungen am Ende der letzten Eiszeit. Subfossile Kiefernscheibe gefunden in Zürich, Schweiz: Die Kalibrierung der Radiokarbonmessungen an Holzproben aus den Laacher-See-Ablagerungen gegen eine Schweizer Referenzchronologie basierend auf solchen Kieferproben ergab die präzise Datierung. Foto/©: Daniel Nievergelt
Laacher-See Vulkaneruption fand vor 13.077 Jahren statt – Neues Datum liefert entscheidende Erkenntnisse über Klimaschwankungen am Ende der letzten Eiszeit. Subfossile Kiefernscheibe gefunden in Zürich, Schweiz: Die Kalibrierung der Radiokarbonmessungen an Holzproben aus den Laacher-See-Ablagerungen gegen eine Schweizer Referenzchronologie basierend auf solchen Kieferproben ergab die präzise Datierung. Foto/©: Daniel Nievergelt

Der Ausbruch des Laacher-See-Vulkans in der Eifel zählt zu den größten Eruptionen, die sich in Mitteleuropa ereignet haben. Der Vulkanausbruch förderte rund 20 Kubikkilometer Asche zutage und die Eruptionswolke reichte über 20 Kilometer in die Höhe, vergleichbar mit dem Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991. Technische Fortschritte und Funde von Baumresten, die im Zuge der Eruption begraben wurden, ermöglichen nun eine genaue Datierung des Ereignisses mit einer nur sehr geringen Unsicherheit. Demnach ist der Ausbruch des Laacher-See-Vulkans vor 13.077 Jahren erfolgt und damit 126 Jahre früher als bisher angenommen. Dies wirft ein neues Licht auf die Klimageschichte des gesamten nordatlantischen und europäischen Raums und erfordert eine Anpassung der europäischen Klimaarchive. „Wir können damit einen Temperatursturz am Ende der letzten Kaltzeit genau datieren, sodass sich die Angaben jetzt mit denen von Bohrkernen aus dem Grönlandeis decken“, sagt Dr. Frederick Reinig, Dendrochronologe an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). An dem Projekt war ein internationales Forschungsteam aus der Archäologie, Klimatologie, Ökologie, Radiokarbondatierung und Vulkanologie beteiligt. Die Forschungsergebnisse wurden in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Nature publiziert.

Verkohlte Holzreste von Birken und Pappeln sind bis heute erhalten
Der Ausbruch des Laacher-See-Vulkans war eine Naturkatastrophe, die weite Teile Europas betroffen hat. Der Ascheregen gelangte bis nach Norditalien im Süden und nach Sankt Petersburg im Nordosten. In der unmittelbaren Umgebung und im benachbarten Rheintal bildeten sich mächtige Ablagerungen aus Asche und Bims, die alles Leben unter sich begruben. „Pyroklastische Ströme haben bei dem Ausbruch damals die Vegetation um den Laacher-See-Vulkan verschüttet. Die Bäume wurden in den Ascheablagerungen teilweise verkohlt und bis heute konserviert“, beschreibt Reinig das Ausbruchsgeschehen, das sich im späten Frühling bis frühen Sommer ereignet hat und das vermutlich mehrere Wochen andauerte – und das heute den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die genaue Datierung des Ereignisses ermöglicht. „Diese hölzernen Zeitzeugen sind allerdings sehr selten und sie sind schwierig zu bergen“, so Reinig, Erstautor der Studie.

„Die regionalen Auswirkungen des Vulkanausbruchs sind gut erforscht. Was uns bisher gefehlt hat, ist die Sicherheit, wann genau dies passiert ist“, erklärt Prof. Dr. Ulf Büntgen, Co-Autor der Nature-Publikation von der University of Cambridge. Dies konnte nun anhand der Proben von verschütteten Birken und Pappeln ermittelt werden.

Analyse der Baumringe gibt Aufschluss über das genaue Datum der Eruption
Die vulkanischen Sedimente haben nicht nur die Holzstücke über 13.000 Jahre lang konserviert, sondern damit blieben auch die Jahrringe der Bäume erhalten. „Die Jahrringe geben uns die Möglichkeit, das Alter der Proben genau zu bestimmen“, sagt Prof. Dr. Jan Esper von der JGU. In einer gemeinsamen Initiative der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Birmensdorf, Schweiz, mit dem Archäologischen Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS in Neuwied wurden sowohl neu entdeckte Proben als auch ältere Fundstücke analysiert. Dazu hat das Labor für Ionenstrahlphysik der ETH Zürich Radiokarbonmessungen an 157 einzelnen Jahrringen der untersuchten Bäume vorgenommen. Die Kalibrierung dieser Ergebnisse gegen eine Schweizer Referenzchronologie ergab dann die präzise Datierung. „Die stetigen Fortschritte bei der Radiokarbon-Messtechnik und bei den verwendeten Kalibrierverfahren sowie die sorgsame Handhabung der empfindlichen Proben waren der Schlüssel, damit wir diese Datierung mit einer Unsicherheit von weniger als zehn Jahren etablieren konnten“, so Dr. Lukas Wacker von der ETH Zürich.

Neudatierung des Vulkanausbruchs hat Folgen für die Synchronisierung europäischer Klimaarchive und das Verständnis der großräumigen Klimadynamik

Die Eruption des Laacher-See-Vulkans erfolgte der Darstellung in Nature zufolge 13.006 Jahre vor 1950 mit einer Unsicherheit von 9 Jahren. Das ist 126 Jahre früher als die bisher allgemein akzeptierte Datierung anhand von Sedimenten im Meerfelder Maar.

Diese Differenz hat weitreichende Folgen für die Synchronisierung europäischer Klimaarchive und das Verständnis der nordatlantischen und europäischen Klimageschichte. Der Ascheregen, der infolge des Vulkanausbruchs über große Gebiete Mittel- und Nordeuropas niederging, ist ein wichtiger Zeitmarker für Paläoumweltarchive. Aufgrund der Neudatierung müssen nun die europäischen Archive angepasst werden. Gleichzeitig wurde damit eine bislang bestehende Differenz zu den Daten der grönländischen Eisbohrkerne geschlossen.

Dies bedeutet, dass der massive Kälteeinbruch zu Beginn der Jüngeren Dryaszeit – dem letzten, rund 1.300 Jahre dauernden eiszeitlichen Intermezzo vor der aktuell herrschenden Warmphase, dem Holozän – auch in Mitteleuropa bereits 130 Jahre früher, also vor circa 12.870 Jahren begann. Dies zeigen auch die Eisbohrkerne aus Grönland für den nordatlantischen Raum an. Während der Jüngeren Dryaszeit sanken die Temperaturen in Mitteleuropa um bis zu 5 Grad Celsius. „Diese starke Abkühlung vollzog sich nicht, wie bislang gedacht, zeitlich versetzt über einen längeren Zeitraum, sondern verlief über den gesamten nordatlantischen Raum und Mitteleuropa synchron“, sagt Frederick Reinig. Die Ergebnisse des interdisziplinären Forschungsteams legen damit nicht nur ein präzises Datum für den Ausbruch des Laacher-See-Vulkans in der Eifel fest. Das revidierte Alter der Ascheablagerungen und die damit verbundene Verschiebung der europäischen Klimaarchive wirft nun ein neues Licht auf die Klimageschichte des gesamten nordatlantischen und europäischen Raums.

Rheinland-Pfalz soll führender Standort der Biotechnologie werden – Land investiert über 100 Millionen Euro – Mit neuem Koordinator startet Arbeitsprogramm

Rheinland-Pfalz soll weltweit führender Standort der Biotechnologie werden. Dieses ehrgeizige Ziel bekräftigten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Wissenschaftsminister Clemens Hoch bei der Vorstellung des neuen Koordinators des Landes für Biotechnologie. Der Mainzer Universitäts-Präsident Prof. Dr. Georg Krausch ist international in der Wissenschaftslandschaft vernetzt und wird zukünftig die Aktivitäten der unterschiedlichsten Protagonisten in diesem Bereich zusammenführen und stärken. Dazu wird auch die starke Förderung der vergangenen Jahre in den Lebenswissenschaften fortgesetzt. Mindestens 100 Millionen Euro sollen in den nächsten zehn Jahren investiert werden, die durch Bundes- und private Mittel verdoppelt werden sollen. Weitere 10 Millionen Euro sollen als neue Schwerpunktinvestitionen in der aktuellen Legislaturperiode folgen.

„Dank des überwältigenden Erfolges des Biotech-Unternehmens BioNTech ist der Biotechnologiestandort Mainz weltweit bekannt. Das ist vor allem das Verdienst außergewöhnlicher Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Der Erfolg fußt aber auch auf unserer Förderpolitik mit langem Atem. In den letzten zehn Jahren investierten wir hier in Mainz über 200 Millionen Euro für Forschung, Forschungsinfrastruktur und Forschungsbauten sowie die Ansiedlung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen“, verdeutlichte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

„Wir wollen uns darauf nicht ausruhen, sondern die aktuelle Dynamik nutzen und weiter investieren“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer weiter. Biotechnologie werde die Zukunft bestimmen. Sie biete enorme Potentiale für unser Leben und lege die Grundlage für Medikamente, die älteren, chronisch kranken oder beeinträchtigten Menschen neue Hoffnung geben. „In der Corona-Pandemie war Rheinland-Pfalz die Apotheke der Welt. Ich möchte, dass auch in Zukunft Lösungen für die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft und Therapien für schwere Krankheiten aus unserem Land kommen. Wir bringen die Verbindung von Forschung und Anwendung weiter voran. Das kann die Therapieentwicklung enorm beschleunigen. Dafür ist neben BioNTech das Kooperationsprojet „curATime der beste Beleg“, sagte die Ministerpräsidentin.

„curATime“ habe es gerade in die Endauswahl des Zukunftsclusterwettbewerbs des Bundesforschungsministeriums geschafft. „curATime“ ist ein weiteres Musterbeispiel dafür, dass aus Kooperation Großes entsteht. Es ist ein Zusammenschluss des gemeinnützigen Mainzer Forschungsinstitut für Translationale Onkologie (TRON), der Universitätsmedizin Mainz und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) aus Kaiserslautern. Gemeinsam arbeiten sie an der Entwicklung von Therapiemethoden für die Volkskrankheit AtheroThrombose. Eine Erkrankung der Blutgefäße mit schlimmen Folgen wie Thrombosen, Herzinfarkt oder Hirnschlag, die weltweit zu den meisten Todesfällen führt. Biotechnologie sei aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer weiter. Der Biotechnologie-Report aus April 2021 zeige, wie dynamisch sich die Branche in Deutschland entwickle. Die Zahl der Beschäftigten ist demnach um zehn Prozent auf über 37.000 deutschlandweit angewachsen, der Umsatz auf 6,49 Milliarden Euro gestiegen, ein Plus von drei Prozent.

„Das bedeutet auch: gute, qualifizierte Arbeitsplätze für unser Land! Die Zahl der Beschäftigten im Bereich Forschung und Entwicklung in Mainz ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen: von 2.135 im 2017 auf über 3.000 Mitte 2020. Das ist ein Plus von 800 Arbeitsplätzen in drei Jahren, allein in Mainz“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

„Wir haben in Mainz ein kreatives und fruchtbares Umfeld gestärkt. Nun haben wir uns vorgenommen, dieses noch lebendiger werden zu lassen“, ergänzte Wissenschaftsminister Clemens Hoch. Um den Biotechnologie-Standort auszubauen, würden die Vernetzung der Universitäten, Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen gestärkt werden. „Wir wollen noch besser dabei werden, wissenschaftliche Erkenntnisse in die praktische Anwendung zu bringen. Wir wollen, dass Forschungserfolge schnell bei den Menschen ankommen“, so der Wissenschaftsminister. Ziel sei es, die Potentiale der Forschung besser zu nutzen und den Wissenstransfer in die Anwendung zu beschleunigen. Ausgründungen aus dem Wissenschaftsbereich sollen unterstützt werden, so dass die wirtschaftliche Verwertung wissenschaftlicher Forschungstätigkeit verstärkt werden. Auch sollen die Aktivitäten zur Ansiedelung von Biotechnologieunternehmen am Standort Mainz koordiniert werden. „Dabei hat die Landesregierung natürlich die gesamte Region im Blick mit den wichtigen Leuchttürmen in diesem Bereich wie Schott und Boehringer Ingelheim. Das Exzellenzzentrum für Molekulare Biologie (IMB), das von der Boehringer Ingelheim Stiftung gefördert wird, spielt dabei eine besonders wichtige Rolle. Wie vielschichtig das Zusammenspiel ist, zeigt auch das Unternehmen Schott. Als Spezialglashersteller spielt es bei der Produktion der Impffläschchen eine ganz zentrale Rolle bei der Corona-Bekämpfung“, sagte Wissenschaftsminister Clemens Hoch.

Zentrale Rolle übernimmt hier der neue Koordinator des Landes für die Biotechnologie, Prof. Dr. Georg Krausch. Der Physiker steht seit 2007 der Johannes Gutenberg-Universität Mainz vor und ist Vorsitzender des Universitätsverbunds German U15. Der Wissenschaftsmanager war von 2008 bis 2011 Vorsitzender der Wissenschaftsallianz Mainz.

„Der Erfolg von BioNTech ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie universitäre Grundlagenforschung in innovative Produkte überführt wird, die die Lebensqualität der Menschen nachhaltig verbessern. Dieses Beispiel soll Schule machen – dazu beizutragen, ist eine herausfordernde Aufgabe, der ich mich gerne stellen werde“, bekräftigte Prof. Dr. Georg Krausch.

„Wir freuen uns, dass wir Prof. Krausch für dieses verantwortungsvolle Amt gewinnen konnten. Er ist ein großer Kenner der Forschungslandschaft in Rheinland-Pfalz und Mainz und international bestens verknüpft. Sein Engagement eröffnet neue Chancen, die wir gemeinsam nutzen wollen“, waren sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Wissenschaftsminister Clemens Hoch einig.

70 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gründen das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit

Archivbild: Diether v. Goddenthow  (Impression aus der Universität Mainz vom 10. Juli 2018:  Prof. Dr. Herfried Münkler beim Finale seiner Vorlesungsreihe "Das politische Denken. Politische Ideengeschichte und die großen Herausforderungen unserer Gegenwart in zehn Erkundungsschritten" im Gespräch mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Dr. Joachim Gauck über "Ein Leben in der/für die Politik" .
Archivbild: Diether v. Goddenthow (Impression aus der Universität Mainz vom 10. Juli 2018: Prof. Dr. Herfried Münkler beim Finale seiner Vorlesungsreihe „Das politische Denken. Politische Ideengeschichte und die großen Herausforderungen unserer Gegenwart in zehn Erkundungsschritten“ im Gespräch mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Dr. Joachim Gauck über „Ein Leben in der/für die Politik“ .

Im Netzwerk Wissenschaftsfreiheit haben sich 70 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus dem deutschsprachigen Raum und unterschiedlichen akademischen Disziplinen zusammengeschlossen. Sie treten mit ihrem Appell für die Wissenschaftsfreiheit heute erstmalig an die Öffentlichkeit.

Ihre Sorge gilt einer zunehmenden Verengung von Fragestellungen, Themen und Argumenten in der akademischen Forschung. Vielerorts ist an den Universitäten ein Klima entstanden, in dem abweichende Positionen und Meinungen an den Rand gedrängt und moralisch sanktioniert werden. Diese Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit, folgen häufig einer ideologischen oder politischen Agenda. Sie behindern eine rationale und ergebnisoffene Suche nach Erkenntnis, die den Kern der Freiheit der Wissenschaft in der Tradition der Aufklärung ausmacht. Cancel Culture und Political Correctness haben die freie und kontroverse Debatte auch von Außenseiterpositionen vielerorts an den Universitäten zum Verschwinden gebracht.

Mit ihrem Appell und der Gründung des Netzwerkes wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Voraussetzungen freiheitlicher Forschung und Lehre verteidigen und stärken. Sie setzen sich für eine von Sachargumenten und gegenseitigem Respekt geprägte Debattenkultur ein. Intellektuelle Freiheit, Neugierde und wissenschaftlicher Pluralismus sind dafür unabdingbar.

Manifest – Ziele – Aktivitäten

Weitere Details Netzwerk Wissenschaftsfreiheit