Kategorie-Archiv: Gutenberg-Universität Mainz

Uni-Mainz: Auftakt der Vorlesungsreihe „DAS POLITISCHE DENKEN“ zur politischen Ideengeschichte von Prof. Dr. Herfried Münkler, Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2018

Vielleicht nicht ganz zufällig startet die Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität  im Karl-Marx-Jahr eine Vorlesungsreihe zur politischen Ideengeschichte und den großen Herausforderungen unserer Gegenwart in zehn Erkundungsschritten. Hierzu hat sie den renommierten Berliner Politikwissenschaftler Prof. Dr. Herfried Münkler  gewinnen können.  Er ist der diesjährige Inhaber der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur. Mit seiner Antrittsvorlesung „Was ist und zu welchem Zweck betreibt man politische Ideengeschichte?“ eröffnet er am Dienstag, 17. April 2018 im Hörsaal RW1, Haus Recht und Wirtschaft I, Jakob-Welder-Weg 9 (https://www.facebook.com/events/382946792116237) die  Vorlesungsreihe.

Mit seinen interdisziplinären Publikationen und intellektuellen Beiträgen wirkt er seit Jahrzehnten in Wissenschaft und Gesellschaft.  Der Berliner Professor für Politikwissenschaft, der den Lehrstuhl für Theorie der Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin innehat, gehört zu den renommiertesten Wissenschaftlern seines Fachs in Deutschland. Einige seiner zahlreichen Veröffentlichungen wie „Die Deutschen und ihre Mythen“ (2009), ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse, oder „Der große Krieg. Die Welt 1914 bis 1918″ (2013), für das er den Friedrich-Schiedel-Literaturpreis erhielt, gelten nicht nur als Standardwerke in der Wissenschaft, sondern erreichen auch ein breites Publikum.

Auch in seiner Veranstaltungsreihe „DAS POLITISCHE DENKEN. Politische Ideengeschichte und die großen Herausforderungen unserer Gegenwart in zehn Erkundungsschritten“ im Sommersemester 2018 auf dem Gutenberg-Campus wird Herfried Münkler eine Brücke von der Politikwissenschaft über die politische Philosophie hin zur Geschichtswissenschaft schlagen. In zehn Abendveranstaltungen sollen hier zentrale Themen und Stationen des Nachdenkens und Vordenkens über das Politische beschrieben werden – keineswegs nur in historischer Absicht, sondern auch mit dem Ziel, daraus Fingerzeige und Hinweise für den Umgang mit gegenwärtigen Herausforderungen zu gewinnen. Münkler wird sich mit Fragen nach dem Staat und seiner Räson, Imperien und ihrem Anspruch auf Weltherrschaft, nach Tyrannis und Diktatur, Krieg und neuen Kriegen und nicht zuletzt nach der ordnungsstiftenden Kraft der Verfassung auseinandersetzen. Zum Abschluss der Reihe am 3. Juli 2018 wird Bundespräsident a.D. Dr. Joachim Gauck für ein Gespräch zum Thema „Ein Leben in der / für die Politik“ erwartet. Die interessierte Öffentlichkeit sowie die Medien sind herzlich eingeladen.

Herfried Münkler ist Professor für Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Politische Theorie und Ideengeschichte, Theorie und Geschichte des Krieges sowie Risiko und Sicherheit. Einige seiner Veröffentlichungen hierzu gelten mittlerweile als Standardwerke, etwa „Die neuen Kriege“ (2002), „Imperien“ (2005), „Die Deutschen und ihre Mythen“ (2009) und „Der Große Krieg“ (2013). Erst kürzlich ist sein Buch „Der Dreißigjährige Krieg. Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618-1648“ (2017) erschienen. Gemeinsam mit Marina Münkler verfasste er mehrere Bücher, zuletzt „Die neuen Deutschen – Ein Land vor seiner Zukunft“ (August 2016). Für sein Werk erhielt Herfried Münkler zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Preis der Leipziger Buchmesse (2009), den Meyer-Struckmann-Preis der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (2009) sowie den Friedrich-Schiedel-Literaturpreis (2016). Von 2016 bis 2017 war er Carl Friedrich von Siemens Fellow bei der Siemens-Stiftung München.

Die Stiftung „Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur“

Eingerichtet hat die Vereinigung der Freunde der Universität Mainz e.V. die Stiftung „Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur“ aus Anlass des 600. Geburtstags von Johannes Gutenberg im Jahr 2000. Inhaber der Stiftungsprofessur waren der Kulturhistoriker und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Fritz Stern (2000), der führende Vertreter der Evolutionsbiologie und Pionier der Soziobiologie Bert Hölldobler (2001), der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (2002), der ehemalige Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung Wolfgang Frühwald (2003), der ehemalige Exekutiv-Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) Klaus Töpfer (2004), der Komponist und Dirigent Peter Ruzicka (2005), der Wiener Experimentalphysiker Anton Zeilinger (2006), der Immunologe Fritz Melchers (2007), der Literatur- und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma (2008), Karl Kardinal Lehmann (2009), die Neuropsychologin und Kognitionswissenschaftlerin Angela D. Friederici (2010), der Kunsthistoriker und Bildwissenschaftler Gottfried Boehm (2011), der Paläoanthropologe Friedemann Schrenk (2012), der Finanzwissenschaftler Gerold Krause-Junk (2013), der Physiker Christof Wetterich (2014), die Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann (2015), der Biopsychologe Onur Güntürkün (2016) sowie der Informatiker Wolfgang Wahlster (2017).

Die Termine der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur im Überblick:
„DAS POLITISCHE DENKEN. Politische Ideengeschichte und die großen Herausforderungen unserer Gegenwart in zehn Erkundungsschritten“
http://www.stiftung-jgsp.uni-mainz.de/

Beginn: jeweils 18:15 Uhr im Hörsaal RW1, Haus Recht und Wirtschaft I, Jakob-Welder-Weg 9
https://www.facebook.com/events/382946792116237/

Dienstag, 17. April 2018
Was ist und zu welchem Zweck betreibt man politische Ideengeschichte?
Prof. Dr. Herfried Münkler

Dienstag, 24. April 2018
Der Staat und seine Räson. Über Interessen, Werte und rechtlich-ethische Selbstbindungen in der Politik
Prof. Dr. Herfried Münkler

Dienstag, 8. Mai 2018
Das Mosaik der Staaten und die Ordnung des Imperiums. Zwei Theoriemodelle mit historischen Beispielen
Prof. Dr. Herfried Münkler

Dienstag, 15. Mai 2018
Die Idee der Nation und deren überaus ambivalente Folgen: Heroische Opferbereitschaft und/oder solidarischer Zusammenhalt
Prof. Dr. Herfried Münkler

Dienstag, 22. Mai 2018
Tyrannis, Diktatur und andere Formen repressiver (Un-)Ordnung. Gegenentwürfe zum demokratischen Rechtsstaat
Prof. Dr. Herfried Münkler

Dienstag, 29. Mai 2018
Die Idee der Revolution und ihre kleinen Schwestern: Rebellion, Revolte, Aufstand
Prof. Dr. Herfried Münkler

Dienstag, 12. Juni 2018
Der demokratische Verfassungsstaat: Die ordnende Kraft der Verfassung und die Willkür demokratischer Entscheidungen
Prof. Dr. Herfried Münkler

Dienstag, 19. Juni 2018
Theorie und Gewalt: Das Denken des Krieges, seine modelltheoretische Hegung und die Sprengkraft von Ideen und Innovationen
Prof. Dr. Herfried Münkler

Dienstag, 26. Juni 2018
Politik und Religion
mit Gastredner Prof. Dr. Ulrich Willems, Professor für Politische Theorie und Religion und Politik, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Dienstag, 3. Juli 2018
Ein Leben in der / für die Politik
Prof. Dr. Herfried Münkler im Gespräch mit Dr. Joachim Gauck, Bundespräsident a.D.

Expedition Vielfalt – Neues Sonntags-Programm für Kinder in der Grünen Schule im Botanischen Garten

Foto/©: Ute Becker, JGU
Foto/©: Ute Becker, JGU

 Expedition Vielfalt –  die Grüne Schule im Botanischen Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) lädt ein zu einem neuen Sonntags-Programm für Kinder: Ab Sonntag, 15. April, können Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren an insgesamt sechs Terminen bis zu den Sommerferien die Pflanzen- und auch Tierwelt im Botanischen Garten der JGU erforschen.

Der Botanische Garten ist sonntags ab 11.00 Uhr ein beliebtes Ausflugsziel für viele Mainzerinnen und Mainzer, die dann an einer kurzweiligen Führung zu unterschiedlichen botanischen Themen teilnehmen können. Kinder sind zu diesen Terminen zwar auch willkommen, das Programm ist aber doch eher auf Erwachsene abgestimmt. Dies wird sich in dieser Saison ändern. Das Sonntagsprogramm wird durch eine Reihe an Nachmittagsveranstaltungen speziell für Kinder ergänzt. So vielfältig wie die Pflanzenwelt, so vielfältig ist das neue Programm, was die Mitarbeiterinnen der Grünen Schule im Botanischen Garten alle zwei Wochen jeweils sonntags zwischen 14 und 16 Uhr anbieten. Ob praktische Gartenarbeit im Frühling, Heilpflanzen oder Energiepflanzen, alles wird hier mit kleinen Experimenten und vielen Dingen zum Selbstentdecken untersucht. Auch eine Gartenrallye mit dem Tablet mit kniffeligen Fragen zu den Überlebenstricks der Pflanzen oder ein Exkurs zur Tierwelt, nämlich zur faszinierenden Welt der Libellen, stehen auf dem Programm. Besonders begehrt ist der Termin am 29. April: Hier werden fleischfressendePflanzen unter die Lupe genommen. An diesem Termin sind nur noch wenige Plätze frei.

Alle Kinder, die neugierig sind und gern selbst auf Entdeckungsreise gehen, sind bei der Expedition Vielfalt genau richtig. Kinder, die an allen sechs Terminen teilnehmen, bekommen eine Auszeichnung zum „Pflanzenvielfaltsexperten“. Die Teilnahmegebühr beträgt 3,00 Euro pro Termin. Eine Anmeldung ist erforderlich und z.B. unter http://www.botgarten.uni-mainz.de/ExpeditionVielfalt.php möglich. Eltern können sich in der Zeit, in der die Angebote stattfinden, am Stand des Freundeskreises des Botanischen Gartens mit Informationen und Getränken versorgen.

Termine 2018 (jeweils 14:00-16:00 Uhr)
Sonntag, 15. April 2018 | Ab in den Frühling – Gärtnern und mehr
Sonntag, 29. April 2018 | Megahungrig – Fleischfressende Pflanzen
Sonntag, 13. Mai 2018 | Pflanzen Power – Power aus Pflanzen
Sonntag, 27. Mai 2018 | Gewürz- und Heilkräuter mit allen Sinnen erleben
Sonntag, 10. Juni 2018 | Fühlparcours – Mit einem Tablet und allen Sinnen quer durch den Garten
Sonntag, 24. Juni 2018 | Aus dem Wasser in die Luft – Das geheimnisvolle Leben der Libellen

March for Science 2018: Auch Frankfurt/Rhein‐Main am 14. April  wieder beim weltweiten Marsch für die Wissenschaft dabei

Frankfurter March for Science 2017. © Foto: Diether v. Goddenthow
Frankfurter March for Science 2017. © Foto: Diether v. Goddenthow

Am 14. April gehen wieder weltweit Menschen auf die Straße, um für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung sowie deren Bedeutung als Grundlage unserer offenen und demokratischen Gesellschaft zu demonstrieren. In Deutschland sind aktuell in 16 Städten und Regionen Veranstaltungen im Rahmen des March for Science geplant. Eine davon ist Frankfurt/Rhein‐Main.

Der March for Science ist eine internationale Bewegung mit dem Ziel, die Freiheit der Wissenschaft zu verteidigen. Die weltweiten Demonstrationen und sonstigen Events setzen ein Zeichen gegen jede Einschränkung der Freiheit von Forschung und Lehre. Wir in Deutschland sind zwar in der glücklichen Situation, dass unsere Freiheit nicht so direkt bedroht ist wie in vielen anderen Ländern. Aber auch wir haben allen Grund, wachsam zu sein und Fehlentwicklungen rechtzeitig entgegenzutreten: Das Beispiel USA zeigt, wie schnell sich Dinge radikal ändern können. Und dieWissenschaft in Deutschland und Europa sieht sich aktuell einem zunehmenden Vertrauensschwund gegenüber.

Demokratiefeindliche Kräfte versuchen, daraus politisches Kapital zu schlagen.

Nach dem aktuellen Planungsstand sind in Frankfurt nach einem kurzen Auftakt um 13 Uhr an der Bockenheimer Warte ein Marsch durch die Innenstadt und eine Kundgebung um 16 Uhr auf dem Römerberg geplant. Eine anschließende Science Arena, ebenfalls auf dem Römerberg, lädt zum Gespräch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein, den Abschluss bildet eine Podiumsdiskussion im nahe gelegenen Haus am Dom, bei der es um die Rolle und Bedeutung der Universität in der heutigen Forschungslandschaft  geht.
Den aktuellen Planungsstand sowie die Namen der bereits bestätigten Rednerinnen und Redner finden Sie auf unserer lokalen Webseite: https://marchforscience.de/auch‐in‐deiner‐stadt/frankfurt‐rhein‐main/

Website: marchforscience.de/auch‐in‐deiner‐stadt/frankfurt‐rhein‐main/
Twitter: @ScienceMarchFFM
Facebook: ScienceMarch Frankfurt‐am‐Main

Unterstützende Einrichtungen in Frankfurt:
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF)
Deutsche Gesellschaft für Information und Wissen e.V. (DGI)
Deutsche Physiologische Gesellschaft (DPG)
EXPERIMINTA ScienceCenter FrankfurtRheinMain
Frankfurt University of Applied Sciences
Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie e.V. (GBM)
Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)
Goethe‐Universität Frankfurt
Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON)
House of Finance, Goethe‐Universität Frankfurt
ISOE ‐ Institut für sozial‐ökologische Forschung
Leibniz Institut Hessische Stiftung Friedens‐ und Konfliktforschung
Physikalischer Verein ‐ Gesellschaft für Bildung und Wissenschaft
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Rhein‐Main und/oder Hessen:
Justus‐Liebig‐Universität Gießen, Gießen
Philipps‐Universität Marburg,
Technische Universität Darmstadt
Gutenberg‐Universität Mainz
Max‐Planck‐Institut für Chemie, Mainz
Science Bridge e.V., Kassel
Wissenschaftsstadt Darmstadt, Darmstadt

Bundesweit wird der Science March von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen unterstützt:
https://www.helmholtz.de/fileadmin/user_upload/Stellungnahme_Allianz‐March‐for‐Science.pdf

Die vollständige Liste aller Unterstützer des Science March Deutschland (Institutionen und Personen): http://marchforscience.de/unterstuetzer/

„Franz Kafka als Patient“ Vorlesung der Medizinischen Gesellschaft Mainz am 07. März 2018

Download(Mainz, 02. März 2018, as) Der nächste Themenabend der Medizinischen Gesellschaft Mainz am 07. März richtet den Fokus auf Franz Kafka, einen der meistgelesenen und bedeutendsten Literaten des 20. Jahrhunderts. Der Referent des Abends, Kafka-Biograph Dr. Reiner Stach aus Berlin, führt in seinem Vortrag aus, wie schwierig der an Tuberkulose leidende Kafka als Patient war und wie sehr er seinen Ärzten misstraute. Moderatorin des Abends ist Univ.-Prof. Dr. Mechthild Dreyer, ehemalige Vizepräsidentin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Der Themenabend beginnt um 19.15 Uhr.
Er findet statt im Hörsaal Chirurgie (Gebäude 505H) der Universitätsmedizin Mainz (Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz). Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Der Referent des Abends Dr. Reiner Stache hat die erste umfassende Kafka-Biografie in deutscher Sprache verfasst. Sie ist die bei weitem detailreichste Schilderung von Kafkas Lebenswelt und stellt ausführlich dar, wie sich seine literarische Produktivität entwickelt hat. Für dieses Werk verlieh ihm die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz 2016 den Joseph-Breitbach-Preis.

Wie kaum ein anderer Schriftsteller um 1900 war Franz Kafka (1883-1924) davon überzeugt, dass sich die Schulmedizin in einer Sackgasse befindet. Weit mehr leuchteten ihm die Lehren der Lebensreform und ihrem Streben nach dem Naturzustand sowie die Lehren der Naturheilkunde ein, die er in verschiedenen Sanatorien auch körperlich erprobte. Doch als er mit 34 Jahren an Tuberkulose erkrankte, wurden diese Überzeugungen auf eine harte Probe gestellt. In der Folge entwickelte Kafka sich zu einem eigensinnigen Patienten, dem es wichtiger war, die Hintergründe seiner Krankheit zu verstehen als seine Medikamente zu nehmen. Im Rahmen des Themenabends schildert Stach, wie Kafka bis zum Tode um die Deutung seiner Krankheit kämpfte.

Stars der Mainzer Fastnacht danken Unimedizin-Mitarbeitern mit einer Sondersitzung für ihr Patienten-Engagement

Die Sondersitzung für die Mitarbeiter der Universitätsmedizin Mainz fand am Donnerstag, 18. Januar, ab 18.33 Uhr im Großen Saal des Kurfürstlichen Schlosses zu Mainz statt. Hier beim Einzug der Garden und des Komitees.© Foto: Diether v. Goddenthow
Die Sondersitzung für die Mitarbeiter der Universitätsmedizin Mainz fand am Donnerstag, 18. Januar, ab 18.33 Uhr im Großen Saal des Kurfürstlichen Schlosses zu Mainz statt. Hier beim Einzug der Garden und des Komitees.© Foto: Diether v. Goddenthow

Zum fünften Mal feierte die Universitätsmedizin Mainz mit vielen Stars der Mainzer Fastnacht gestern Abend ihre „Prunk-Sondersitzung“ im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz. Die Stimmung war von Anfang an grandios im vollbesetzten Saal. Statt mit Skalpell oder Fieberthermometer waren Ärzte und anderes Klinikpersonal mit Luftschlangen und – getreu dem Motto der diesjährigen Kampagne „So wie der Mond die Nacht erhellt, strahlt Mainzer Fastnacht in die Welt“ – mit Wirbelmond ausgestattet. Musikalisch führte die MCV-Hofkapelle mit fetzigen Stimmungs-Rhythmen durchs riesige Programm.

© Foto: Diether  v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Der abwechslungsreiche Abend brachte beste närrische Unterhaltung mit den Aktiven der Meenzer Fassenacht. Nach Stimmungsliedern und akrobatischem Eröffnungs-Rock’n’Roll der Tanzschule Manfred S. begrüßte Professor Dr. Norbert Pfeiffer mit einem humoristischen Prolog all die vielen fantasievoll verkleideten Uni-Mitarbeiter, die Tänzerinnen, Gardisten und tollen Redner, unter anderem: das MCV-Ballett, die Jazztanzgruppe Dienheim, Rüdiger Schlesinger als „Red Acteur“, Sabine Pelz mit ihrer „akademischen Sonderführung“, Hansi Greb als „Hobbes in Rom“, die Mainzer Klinik-Athleten, Jürgen Wiesmann alias Ernst Lustig als „Opa wider Willen“, „Nachtwächter“ Adi Guckelsberger, Alexander Leber im Duett mit Professor Vahl und Andreas Schmitt in seiner Paraderolle als Obermessdiener  sowie viele andere Aktive. Das Finale bestritten mit „Jetzt sind wir hier“, „Sassa“, „So ein Tag“ und weiteren Ohrwürmern die Mainzer Hofsänger gemeinsam mit dem Hofballett.

© Foto: Diether  v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Ein paar Highlights im Einzelnen
Zu den besonderen Highlights des Abends zählten die Eröffnungs-Rock’n’Roll-Darbietungen der Tanzschule Manfred S. sowie die Ingelheimer Konfettis und die erst als Toreros und dann als Spanierinnen kostümierten Sweet Honeys aus Dienheim, die als amtierender Rheinland-Pfalz-Meister und Deutscher Meister 2017 Jazztanz mit akrobatischen Einlagen auf die Bühne brachten. Sie sorgten mit Musik und Tanz immer wieder für Stimmung zwischen den Vorträgen. Die Büttenreden hatten es in sich. Gemäß der Mainzer Tradition der politisch-literarischen Fastnacht ging es um all die Themen, die uns aktuell im Großen wie im Kleinen bewegen. Sabine Pelz als Chefhostess der Stadt Mainz widmete sich dem Pflegefall Mainzer Rathaus, Rüdiger Schlesinger vom Carneval Club Weisenau ließ seinen Red Acteur in teils gesungenen Versen gegen nationale und internationale Politik spötteln und machte auch vor den Sondierungsgesprächen der Parteien in Berlin nicht Halt. Zu Trump fiel ihm ein: „nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber“, und Merkel sei „reif fürs Update“

Mitreißende Rock'n Roll-Darbietung im 50er-Jahre-Look der Tanzschule Manfred S Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Mitreißende Rock’n Roll-Darbietung im 50er-Jahre-Look der Tanzschule Manfred S
Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Adi Guckelsberger von den Bohnebeiteln aus Mombach hatte nicht nur den Vorsitz als Sitzungspräsident inne, sondern schlüpfte auch wieder in die Rolle des Nachtwächters, der seine Rede im typisch schleppenden Tempo vortrug und die gereimten Pointen oft vom Publikum ergänzen ließ. Als die Begeisterung ihrem Höhepunkt entgegensteuerte, durfte ein Favorit der Meenzer Fassenacht nicht fehlen: Andreas Schmitt von den Eiskalten Brüdern aus Gonsenheim begrüßte die johlenden Narrhallesen in seiner Glanzrolle als Obermessdiener vom Hohen Dom zu Mainz mit einem kräftigen „Helauluja“. Dann brachte er vom Foulspiel beim Fußball über seinen Chef, den neuen Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, Sticheleien gegen Finthen, die AfD und den blonden „Trottel aus de Palz“ bis hin zu den Planungen zu dem höchst umstrittenen, ihn an einen Bunker erinnernden Erweiterungsbau des Mainzer Gutenberg-Museums alles aufs Tableau, was gerade aktuell ist. Die Botschaft des Obermessdieners war am Ende ein leidenschaftliches Plädoyer für Demokratie und Freiheit. Damit erntete er Standing Ovations, bevor das Finale des Fastnachtsabends traditionell von den Mainzer Hofsängern bestritten wurde.

Mit diesem gut viereinhalbstündigen erstklassigen Programm der Mainzer Fastnacht bedankten sich die Mitwirkenden für das große Engagement der Beschäftigten der Universitätsmedizin Mainz zum Wohl der Patienten. Alle Aktiven engagieren sich hier ehrenamtlich. Im Gegenzug nahmen die Fassenachter die echte Mainzer Fastnachtswährung Weck, Worscht und Woi entgegen und freuten sich über den einen oder anderen Gutschein der Sponsoren. Organisiert hat die Sitzung der Mainzer Carneval-Verein MCV in Zusammenarbeit mit den Eiskalten Brüdern Gonsenheim.

(Diether v. Goddenthow /Jutta Ziegler – Rhein-Main.Eurokunst)

3.500 Besucher auf Jubiläumsveranstaltung zum 10-Jährigen Bestehen der Gutenberg-Gesundheitsstudie in Mainzer Rheingold-Halle

Prominent besetztes Podium beim großen Gesundheits-Quiz, moderiert von Lisa Ruhfus (mitte). v.li.n.r.: Expertenrunde der leitenden Professoren der Gutenberg-Gesundheitsstudie:  Prof. Reinhard Urban, Leiter d. Instituts f. Rechtsmedizin u. Dekan der Unimedizin i.R.; Prof. Manfred Beutel, Direktor d. Poliklinik f. Psychosomatische Medizin u. Psychotherapie; Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender u. Medizinischer Vorstand sowie Direktor der Augen- und Poliklinik der Unimedizin, Prof. Dr. med. Thomas Münzel, Studieninitiator, Direktor des Zentrum für Kardiologie I; Prof. Dr. med. Karl J. Lackner Direktor des Institutes für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin. Ab Mitte das Podium mit den Quizkandidaten v.li.n.r.:Michael Ebling, Mainzer Oberbürgermeister, Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU),Hans-Georg Schnücker , Geschäftsführer Verlagsgruppe Rhein Main, Mainz; Rouven Schröder, hauptamtliches Vorstandsmitglied des Bundesligisten 1. FSV Mainz 05; Andreas Schmitt, Sitzungspräsident der Fastnachtssitzung "Mainz bleibt Mainz", sowie zwei Saalkandidaten. Foto: Diether v. Goddenthow
Prominent besetztes Podium beim großen Gesundheits-Quiz, moderiert von Lisa Ruhfus (mitte). v.li.n.r.: Expertenrunde der leitenden Professoren der Gutenberg-Gesundheitsstudie: Prof. Reinhard Urban, Leiter d. Instituts f. Rechtsmedizin u. Dekan der Unimedizin i.R.; Prof. Manfred Beutel, Direktor d. Poliklinik f. Psychosomatische Medizin u. Psychotherapie; Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender u. Medizinischer Vorstand sowie Direktor der Augen- und Poliklinik der Unimedizin, Prof. Dr. med. Thomas Münzel, Studieninitiator, Direktor des Zentrum für Kardiologie I; Prof. Dr. med. Karl J. Lackner Direktor des Institutes für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin.
Ab Mitte das Podium mit den Quizkandidaten v.li.n.r.:Michael Ebling, Mainzer Oberbürgermeister, Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU),Hans-Georg Schnücker , Geschäftsführer Verlagsgruppe Rhein Main, Mainz; Rouven Schröder, hauptamtliches Vorstandsmitglied des Bundesligisten 1. FSV Mainz 05; Andreas Schmitt, Sitzungspräsident der Fastnachtssitzung „Mainz bleibt Mainz“, sowie zwei Saalkandidaten. Foto: Diether v. Goddenthow

Auf einer großen Jubiläumsveranstaltung zum 10-Jährigen Bestehen der Gutenberg-Gesundheitsstudie/Gutenberg Health Study (GHS) wurden gestern Abend in der Mainzer Rheingold-Halle  bei einer Standortbestimmung und einen Gesundheits-Quiz erste Ergebnisse vorgestellt. 

Labormedizin - Foto: Diether v. Goddenthow
Labormedizin – Foto: Diether v. Goddenthow

Die  Gutenberg-Gesundheitsstudie/Gutenberg Health Study (GHS)  ist die weltweit größte Bevölkerungsstudie ihrer Art. Über 15.000 repräsentativ ausgewählte Frauen und Männer im Alter zwischen 34 und 74 Jahren aus der Stadt Mainz und dem Landkreis Mainz-Bingen sind in die Studie eingeschlossen. Die zentrale Fragestellung der  interdisziplinären Gutenberg-Gesundheitstudie(GHS), die seit 2007 an der Universitätsmedizin Mainz durchgeführt wird, lautet: Was hält gesund und was führt zur Entstehung von Krankheiten?  Auf den Prüfstand kamen und kommen (die Studie läuft bis mindestens 2022 weiter) dabei alle wichtigen Organe des Körpers sowie auch Persönlichkeits- und Sozialfaktoren: „Das geht von Herzschwäche bis Arteriosklerose, von Augenerkrankungen bis Bluthochdruck und von Diabetes bis zu Störungen der Nierenfunktion“, sagt Prof. Dr. med. Philipp Wild, Leiter der Gutenberg-Gesundheitsstudie.

Prof. Dr. med. Philipp Wild, Leiter der Gutenberg-Gesundheitsstudie.Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. med. Philipp Wild, Leiter der Gutenberg-Gesundheitsstudie.Foto: Diether v. Goddenthow

Prof. Wild stand gestern Abend der Moderatorin Lisa Ruhfus Rede und Antwort. Wild dankte allen Mitwirkenden und Ermöglichern der Gutenberg-Gesundheitsstudie. Er stellte die Studienleiter der beteiligten Institute der Unimedizin Mainz mit ihren Funktionen und Fachgebieten vor und begrüßte sie zudem als Experten des (Quiz-)Abends. Hier mussten die – prominenten – Kandidaten  – antworten auf zahlreiche knifflige Fragen geben, etwa wer die meisten Gene habe, der Wasserfloh, Mensch, Gemüsekohl oder die Fruchtfliege. Niemand hat die richtige Antwort gewusst, dass nämlich der Gemüsekohl mit 100 000 Genen herausragt, gegenüber 31 000 beim Wasserfloh, 23 000 beim Menschen und 3.500 Genen bei der Fruchtfliege. Unbekannt war auch, dass 50 Prozent des menschlichen Erbgutes identisch ist mit dem einer Banane, und dass mit höherer Bildung (nicht Intelligenz) auch die Kurzsichtigkeit zunehme.

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Direktor der Augenklinik. Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Direktor der Augenklinik. Foto: Diether v. Goddenthow

Wenn sich Kinder täglich zwei Stunden lang ohne Smartphone in der freien Natur mit Blick in die Ferne bewegten, könnte einer verhaltensbedingten Kurzsichtigkeit  durch zu viel Lesen, Samartphone- und PC-Arbeit (die ursächlich stärker als genetische Faktoren zu Kurzsichtigkeit  führten) wirksam vorgebeugt werden, so  Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Direktor der Augenklinik.

Mit einer Pilotstudie fing alles an

Einer der 15 000 Teilnehmer, hier beim modellhaften Blutdruckspiel mit Handpumpe. Foto: Diether v. Goddenthow
Einer der 15 000 Teilnehmer, hier beim modellhaften Blutdruckspiel mit Handpumpe. Foto: Diether v. Goddenthow

Zunächst war das Ziel der Gutenberg-Studie, Herz- und Gefäßerkrankungen besser zu erforschen, doch eine Pilotstudie 2005, die mit 1800 Probanden gestartet wurde, weckte das Interesse weiterer Disziplinen, so dass die Studie um Erkrankungen von Stoffwechsel- und Immunsystem, Psyche, Lunge, Augen, Gehör, Haut und Krebs-Ursachenforschung erweitert wurde, so Professor Wild, Leiter Präventive Kardiologie und Medizinische Prävention Leiter Klinische Epidemiologie, CTH. Intention der Studie war und ist es, die Einflussfaktoren auf die Gesundheit, die Entstehung und den Verlauf von Erkrankungen besser zu verstehen, um mit den vertieften und neuen Erkenntnissen die Diagnostik, Therapie, Prognose und Prävention von Krankheiten zu verbessern. Das Besondere der Studie sei nicht nur, über so einen langen Zeitraum mit einer so großen Zahl freiwilliger Probanden arbeiten zu können. Auch die Tiefe der erfassten Daten pro Person sei bedeutend: über Vorerkrankungen, Genetik, Molekular-Profil, Persönlichkeitsstruktur bis hin zu Lebens- und Umwelt-Faktoren (z.B. Stress  in Familie, Arbeitsplatz oder durch Lärm) , Haushaltseinkommen, Hobby, Beruf etc.

Informationsaustausch mit Experten der Gutenberg-Gesundheitsstudie. Foto: Diether v. Goddentho
Informationsaustausch mit Experten der Gutenberg-Gesundheitsstudie. Foto: Diether v. Goddentho

Zur Erhebung der umfassenden Gesundheitsdaten wurden die Studienteilnehmer  nicht nur eingangs, sondern in regelmäßigen Abständen untersucht. Nur so ist eine Querschnittstudie möglich und aussagefähig. Die – anonymisiert weiterverarbeiteten – Gesundheitsdaten wurden/werden von Wissenschaftlern aller Disziplinen genutzt und ausgewertet. Allein 2016 wurden 123 Publikationen – von der Kongress-Präsentation über Fachzeitschriften- und Buchbeiträge bis hin zum Eingang in Behandlungsleitlinien – veröffentlicht.

Anlässlich des 10-Jährigen Bestehens der GHS kamen gestern Abend gut 2000 Studienteilnehmer und weitere 1500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Industrie, Medizin und Unterhaltung in die Mainzer Rheingoldhalle. Foto: Diether v. Goddenthow
Anlässlich des 10-Jährigen Bestehens der GHS kamen gestern Abend gut 2000 Studienteilnehmer und weitere 1500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Industrie, Medizin und Unterhaltung in die Mainzer Rheingoldhalle. Foto: Diether v. Goddenthow

Erste Ergebnisse
Während des unterhaltsamen Gesundheits-Quiz blickten zwischen den einzelnen Fragenblöcken die Leiter der Gutenberg-Gesundheitsstudie in kleinen Interviews  und Statements  auf die seit 10 Jahren geleistete Arbeit und  Ergebnisse der Gutenberg-Gesundheitsstudie zurück: Man habe Genorte identifizieren können, die mit dem Auftreten von Krankheiten wie Herzschwäche, Herzinfarkt, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes und Augenerkrankungen in Zusammenhang stehen, was für die Entwicklung von Medikamenten und Diagnose-Tests wichtig sei.

Professor Manfred Beutel, Direktor der Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.Foto: Diether v. Goddenthow
Professor Manfred Beutel, Direktor der Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.Foto: Diether v. Goddenthow

Beispielweise konnte für den Troponintest gezeigt werden, einen Herzinfarkt statt in sechs nun in drei Stunden ausschließen zu könnnen. Es konnte der Zusammenhang von Lärmbelästigung und Angst und Depression einerseits, der Beitrag unterschiedlicher Lärmquellen zu der Lärmbelästigung andererseits nachgewiesen werden, etwa eine starke Zunahme von Depression und Angst mit steigender Lärmbelästigung, was aber auch zur Erhöhung von Blutdruck und anderen mit Stress in Verbindungen stehen Erkrankungen führen kann.
Bei extremer Lärmbelästigung seien, so Studienleiter Prof. Dr. Manfred Beutel von der Klinik für Psychosomatische Medizin, Depression und Angst immerhin doppelt so häufig wie bei geringer Lärmbelästigung.

Prof. Dr. med. Thomas Münzel, Herz-Kreislauf-Spezialist initiierte die Studie. Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. med. Thomas Münzel, Herz-Kreislauf-Spezialist initiierte die Studie. Begründer der Mainzer Herzstiftung etc. Foto: Diether v. Goddenthow

„Nachdem wir zeigen konnten, dass Lärm das Herz-Kreislaufsystem schädigt, werden wir diese Befunde zum Anlass nehmen, in den weiteren Nachuntersuchungen der Gutenberg Gesundheitsstudie die Zusammenhänge zu Lärmbelästigung und den psychischen Erkrankungen noch genauer zu prüfen, so Prof. Dr. Thomas Münzel, einer der Initiatoren und Mitautor der Studie. Lärmbelästigung sei ein international anerkannter Indikator für die Gesundheitswirkung von Lärm. So beinträchtigten Genervtheit, Ärger, Erschöpfung und Stresssymptome durch Lärm auf Dauer Wohlbefinden, Gesundheit und Lebensqualität.

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Darüber hinaus konnten sich die Gäste während der gesamten Veranstaltung ab 17.30 Uhr  im Foyer der Rheingold-Halle bei fetziger Musik, Wein, Weck , Brezel und Worscht zugunsten der Mainzer Herzstiftung  an den zahlreichen Infoständen nochmals über die medizinischen Disziplinen, Untersuchungsmethoden und Datensicherheit  informieren und/oder von Experten beraten lassen.

(Diether v. Goddenthow/ Rhein-Main.Eurokunst)

Siehe auch:
Gutenberg-Gesundheitsstudie
Präventive Kardiologie
Mainzer Herzstiftung (hatte die Jubiläumsveranstaltung unterstützt)

„Nachtvorlesung für jedermann“ in der Universitätsmedizin Mainz ab 31.08.2017 – Aktuelle Staffel informiert über „Allerweltserkrankungen“

(Mainz, 28. August 2017, br) An diesem Donnerstag, 31. August, startet die neue Staffel der Veranstaltungsreihe „Nachtvorlesung für jedermann“. Erkrankungen, die scheinbar alltäglich daherkommen, bilden den aktuellen Themenschwerpunkt. An drei Abenden klären Experten in 14 Vorträgen darüber auf, ab wann es sinnvoll ist, auch bei vermeintlich kleinen Erkrankungen ärztliche Hilfe aufzusuchen, um abklären zu lassen, was hinter den Schmerzen und Symptomen steckt. Die Themenabende der aktuellen Nachtvorlesungsstaffel finden jeweils donnerstags ab 20 Uhr im großen Hörsaal der Chirurgie der Universitätsmedizin Mainz statt (Gebäude 505H, Universitätsmedizin Mainz, Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz). Eintritt und Bewirtung sind frei.

Haarausfall, ein Husten, der sich als hartnäckig erweist, eine vermeintlich kleine Bissverletzung, unklare Schmerzen im Bein, blaue Lippen oder auch immer wieder auftauchende Rücken- oder Zahnschmerzen – alles Schmerzen und Symptomen, die bei den Betroffenen meist keinen hohen Leidensdruck erzeugen, sondern vornehmlich als lästig empfunden werden. Für die Mediziner sind sie jedoch Warnzeichen: Verbirgt sich dahinter eventuell eine ernsthafte Erkrankung? Deswegen möchte die aktuelle Staffel der Nachtvorlesung darüber informieren, ab wann Patienten auch bei Allerweltserkrankungen besser zum Arzt gehen sollten.

In der Auftaktveranstaltung am Donnerstag, 31. August 2017, können die Besucher mehr über helle und dunkle Herzschmerzen, unklare Beinschmerzen, blaue Lippen, die Niere sowie über Bluthochdruck und dessen Behandlung mit Elektrotherapie erfahren. Die Referenten sind Dr. Daniel Dohle, Dr. Martin Oberhoffer und Prof. Dr. Bernhard Dorweiler von der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie sowie Prof. Dr. Christoph Kampmann vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin und Prof. Dr. Jens Lutz von der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz.

Am 7. September handeln die Vorträge vom pulsierenden Bauchschmerz, Leistenschmerzen, andauerndem Husten, Synkope und Schwindel sowie unklarem Haarausfall. Den zweiten Abend gestalten PD Dr. Fritz Dünschede, Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Prof. Dr. Werner Kneist, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Dr. Oliver Nitsche und Dr. Krystyna Poplawska, beide vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, PD Dr. Eberhard Schulz, Zentrum für Kardiologie I sowie Dr. Anna Sohn, Hautklinik der Universitätsmedizin Mainz.

Zum Abschluss der aktuellen Staffel am 14. September referieren die Experten Prof. Dr. Georg Bartsch, Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Prof. Dr. Philipp Drees und Dr. Eric Hanke, beide Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Prof. Dr. Irene Willershausen, Poliklinik für Zahnerhaltungskunde der Universitätsmedizin Mainz zu den Krankheitsbildern gutartige Prostatavergrößerungen, Rückenschmerzen Bissverletzungen und Zahnschmerz.

Termine der aktuellen Staffel: 31.08.2017, 07.09.2017, 14.09.2017

16. Mainzer Wissenschaftsmarkt: Mensch und Umwelt Unseren Planeten Erde verstehen, (be)greifen und bestaunen

WiMa2017(Mainz, 24.08.2017-BL) – Wo gibt es Wolken zum Mitnehmen? Wer schnüffelt gegen den Treibhauseffekt? Was gibt es im virtuellen Ice-Cube-Experiment zu sehen? Und: Was passiert im Dschungelcamp? Am 9. und 10. September 2017 ist wieder Zeit zum Fragen stellen, zum (Be)greifen, Mitmachen und zum Staunen – eben Zeit für den Mainzer Wissenschaftsmarkt, der auf dem Gutenbergplatz wieder seine Zelte aufschlägt. Die rund 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Mitgliedsinstitutionen der MAINZER WISSENSCHAFTSALLIANZ e.V. zeigen in diesem Jahr rund um das Thema „Mensch und Umwelt“ über 30 Projekte, an denen sie gerade forschen, die sich in der Umsetzungsphase befinden oder sogar schon angewendet werden. Und sie präsentieren dies wieder auf leicht verständliche Art und Weise für alle Besucherinnen und Besucher, ob jung oder alt, ob Laie oder Experte.

„Aktuelle Entwicklungen, wie der Klimawandel oder zunehmende negative globale soziale Auswirkungen unseres Wirtschaftens und Konsumverhaltens, fordern uns heraus, den Umgang mit Ressourcen täglich zu hinterfragen. Hier arbeiten Wissenschaft, Politik und viele weitere Akteure daran, nach Lösungen für einen geringeren Ressourcenverbrauch, wie etwa im Bereich der Kreislaufwirtschaft oder Energieeffizienz, zu suchen“, erklärte Ulrike Höfken, Ministerin für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz. „Die Bedeutung unserer Handlungen für die zukünftige Entwicklung unseres Planeten hat die MAINZER WISSENSCHAFTSALLIANZ mit ihrem Themenjahr 2017 `Mensch und Umwelt´ aufgegriffen und zeigt nun dazu auf dem Wissenschaftsmarkt ein breites Spektrum der Forschungen – aktuell, informativ und spannend“, sagte Professor Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz. Dass die Einladung an alle Bürgerinnen und Bürger Mensch und Umwelt zu erkunden und sich im Rahmen von Aktionen und Vorführungen zu informieren, gerne wieder von diesen in großer Zahl angenommen wird, darüber sind sich Höfken und Wolf einig.

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

„Ich freue mich besonders, dass zu dem Thema ‚Mensch und Umwelt‘ alle Facetten dazu auf dem Wissenschaftsmarkt zum Zuge kommen. So beschreitet die Katholische Hochschule den Pfad von Ethik und Werten und setzt sich mit verschiedenen Begriffen aus der Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus auseinander. Dann gibt es natürlich viel zu sehen, woran gerade geforscht wird, wie beispielsweise beim Max Planck-Institut für Polymerforschung mit der Entwicklung von neuartigen mikro- und nanostrukturierten Oberflächen, oder dem Sonderforschungsbereich Spin+X der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der TU Kaiserslautern, dessen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neuartige Materialien, mit denen zukünftig energieeffizientere und damit umweltschonendere Technologien entwickelt werden können, erforschen. Auch bereits in der Anwendung befindliche Entwicklungen werden präsentiert, unter anderem von der TH Bingen, der Hochschule Mainz oder dem Fraunhofer ICT-IMM“, führt Professor Dr. Gerhard Muth, Vorstandsvorsitzender der MAINZER WISSENSCHAFTSALLIANZ und Präsident der Hochschule Mainz aus und nennt noch ein weiteres, die Vielfalt bereicherndes Projekt: „Schön ist auch, dass wir mit ‚Dark Matters. Die Dunklen Materien der Stadt‘ ein Projekt an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Stadtgesellschaft dabei haben, das spielerisch die Dimensionen des Unbekannten und die Ränder des aktuellen Wissens erlebbar macht.“ Für Professor Muth ist ganz klar: „Mit dem Wissenschaftsmarkt zeigt sich immer wieder die große Stärke unseres Netzwerkes: Leidenschaft für Forschung in Verbindung mit Wissen im Herzen!“

Auch für Michael Ebling, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz, ist es wichtig, das enge Miteinander der zahlreichen Beteiligten, welche diese Veranstaltung engagiert mittragen – sowohl die Institutionen mit ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als auch die überzeugten Sponsoren und Projektpartner – herauszustellen. „Wir danken all jenen, die es erneut ermöglichen, einen vielschichtigen Bereich unserer Stadt auf diese unkonventionelle Weise zu entdecken und näher kennen zu lernen“, freut er sich. Ebling findet es zugleich „großartig“, dass die Landeshauptstadt Mainz beim Thema Mensch und Umwelt mit seinem „Masterplan 100 % Klimaschutz“-Projekt vertreten ist und sich dabei vorgenommen hat, die Abläufe der Weltklimakonferenz verständlicher zu machen und zu zeigen, wie eine Stadt lokale Lösungen anbietet.

Doch das ist lange noch nicht alles an Projekten und Themen zu Mensch und Umwelt, die auf über 800 qm Zeltfläche, gruppiert in vier große und mehrere kleine Zelte, zu sehen sind. Einblicke in Forschung, Umsetzung und Anwendung geben beispielsweise auch das i3mainz (Institut für raumbezogenen Informations- und Messtechnik) / Hochschule Mainz: Es zeigt verschiedene Möglichkeiten der Erfassung, Darstellung und Auswertung digitaler Geländemodelle und stellt sein geographisches Informationssystem (GIS) zur Unterstützung der Vorhersage und Bewältigung einer städtischen Flutkatastrophe vor. Beim Fraunhofer ICT-IMM heißt es „Schnüffeln gegen den Treibhauseffekt“ mit dem Leck-Suchgerät, dessen Helium-Sensor dort entwickelt wurde.

Das begehbare Herz. Foto: Diether v. Goddenthow
Das begehbare Herz. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) bietet auf dem Wissenschaftsmarkt Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte rund um das Verständnis zur Entstehung, Entwicklung und Zukunft unseres Planeten. „Die Universität öffnet dabei die Tür zu wissenschaftlichen Projekten, die in der Regel dem außeruniversitären Publikum gar nicht oder nur sehr selten zugänglich sind“, erklärt der Präsident der JGU, Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch. „In den Mittelpunkt rücken wir auch unsere Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie beispielsweise mit den Max-Planck-Instituten oder dem Helmholtz-Institut Mainz. Gerade diese Kooperationen gehören zum Kern der Mainzer Forschungskultur und bilden das Fundament des dynamischen Wissenschaftsstandorts Mainz.“ So können mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Exzellenzclusters PRISMA, des Instituts für Informatik, des Ada Lovelace-Projekts und dem Helmholtz-Institut Mainz natürliche Radioaktivität in der Nebelkammer beobachtet und Neutrinos im virtuellen Ice-Cube-Experiment erlebt werden. Die AG Geophysik und Geodynamik des Instituts für Geowissenschaften der JGU präsentiert eine sehr große Bandbreite ihrer Forschung – von der Deformation der Erde über geothermische Exploration bis zu industriellen Prozessen. „Unsere Forschung ist wichtig, um Naturkatastrophen und mögliche negative Folgen menschlichen Handelns zu vermeiden sowie die Qualität einiger wichtiger Materialien wie Glas zu verbessern“, erläutern die Projektverantwortlichen Beatriz Martínez Montesinos und Linfeng Ding. Zum Thema Versauerung von Ozeanen wirft das NatLab für Schülerinnen und Schüler der JGU einen experimentellen Blick auf die Meere und fragt: „Hängt das CO2-Problem und die Versauerung der Meere zusammen?“

„Die Technische Hochschule (TH) Bingen will die Lebensqualität in der Region verbessern und gleichzeitig den Umweltschutz voranbringen“, erklärt deren Präsident Professor Dr. Klaus Becker. „Dazu gehen wir der Frage nach, wie stark sich die Geräusche der Güterzüge im Mittelrheintal unterscheiden. Gibt es schon einen Fortschritt bei den umgerüsteten Waggons und wie groß ist dieser Effekt?“. Und in einem weiteren Experiment zeigt die TH Bingen, wie Dachbegrünungen das Klima in der Stadt beeinflussen. „Die bewachsenen Dächer tragen dazu bei, die Temperatur in den Städten zu senken und die Klimagase zu absorbieren. Sie können Regenwasser zurückhalten und bieten verschiedenen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum“, erläutert Prof. Becker.

Das Thema Umwelthygiene verdeutlicht die Abteilung für Hygiene und Infektionsprävention/ Universitätsmedizin Mainz der JGU am Beispiel Trinkwasseranalyse. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lassen das Unsichtbare in dem so wichtigen Bestandteil unseres Lebens sichtbar werden. Dem lebenswichtigen Prozess der Blutgerinnung widmet sich das Zentrum für translationale Vaskuläre Biologie (CTVB) / Universitätsmedizin Mainz der JGU. In anschaulichen Experimenten zeigt es, welche Blutzellen an der Bildung von Blutgerinnseln beteiligt sind. Forscherinnen und Forscher des Instituts für Physik der Atmosphäre / JGU und des Max Planck-Instituts für Chemie (MPI-C) erzeugen Wolken in der Wolkenkammer und zeigen, wie sie so wichtige Informationen für die Klimaforschung und Wettervorhersagen erhalten. Und auch im Dschungelcamp des MPI-C, mitten im brasilianischen Regenwald, werden Wetterdaten sowie Informationen zu Treibhausgasen und Aerosolpartikel für die Klimaforschung gesammelt.

Wie wir Menschen Umwelt nutzen, schützen und auch verändern bzw. dies in der Vergangenheit getan haben, das zeigen das Römisch-Germanische Zentralmuseum, das Naturhistorische Museum, das Landesmuseum Mainz und auch die Akademie der Wissenschaften und Literatur. Last, but not least, lädt das Kooperationsprojekt des Instituts für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaft, Abteilung Theaterwissenschaft der JGU, des Staatstheaters Mainz und des Netzwerks für Urbane Übergänge „Dark Matters. Die Dunklen Materien der Stadt“ zur Spurensuche nach dem Unsichtbaren und Unterschwelligen ein. „Wir wollen unsichtbare Netzwerke wie Viren, Datenströme, Pilzstrukturen oder Müll- und Abwassersysteme aufspüren und nach Zusammenhängen jenseits alltäglicher Wahrnehmung und heutiger Wissensgrenzen suchen“, schwärmen Dr. Annika Wehrle und Malin Nagel, beide federführend für das Projekt.

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Die feierliche Eröffnung des 16. Mainzer Wissenschaftsmarkts findet am Samstag, 9. September 2017, um 10 Uhr vom Balkon des Staatstheaters aus statt. Mit dabei sind Professor Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz, Dr. Thomas Griese, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz, der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz, Michael Ebling, der Intendant des Staatstheaters, Markus Müller, sowie Professor Dr. Gerhard Muth, Vorstandsvorsitzender der MAINZER WISSENSCHAFTSALLIANZ und Präsident der Hochschule Mainz. Das Intro zur Eröffnung gestalten Blechbläser des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz unter Leitung von Hermann Bäumer. Vertreter der Presse sind herzlich willkommen.

WEITERE INFORMATIONEN

Öffnungszeiten Wissenschaftsmarkt 2017:
Samstag, 9. September 2017, 10 bis 18 Uhr
Sonntag, 10. September 2017, 11 bis 18 Uhr

Eröffnung am Samstag, 9. September 2017, 10 Uhr, vor dem Staatstheater

Allgemeine Informationen: Mainzer Wissenschaftsmarkt

 

500 JAHRE REFORMATION – TAG DER OFFENEN TÜR AM SAMSTAG, 9. 9. 2017

Leibniz-Institut für Europäische Geschichte

Der Tag der offenen Tür 2017 steht ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums. Mit Hilfe einer Luther-Box kann auf dem Gutenberg-Platz spielerisch in die Welt Martin Luthers eingetaucht werden. Codes müssen geknackt und Gegenstände kombiniert werden – und am Ende wartet ein Preis, der im IEG-Gebäude abgeholt werden kann.
Dort warten weitere Aktivitäten auf die Besucherinnen und Besucher: mit Hilfe einer Druckpresse kann die Technik des Buchdrucks, der für die Verbreitung der Reformation eine große Rolle spielte, erlernt werden. Weitere Bastelstationen beschäftigen die Kleinen, während sich das IEG mit seiner Bibliothek, dem Stipendiatenwohnheim und seiner Forschung den Großen im Rahmen einer Führung präsentiert.
Welche Rolle die Reformation in Mainz spielte, verraten zwei Stadtführungen.

INTERAKTION
Marktplatz: Luther-Box
Stadtführungen zum Thema Reformation in Mainz
Samstag, 9.9., um 10 Uhr und 11 Uhr.
Treffpunkt: Gutenberg-Statue

ZIELGRUPPE
ab 10 Jahren

DARK MATTERS. DIE DUNKLEN MATERIEN DER STADT

Johannes Gutenberg Universität Mainz | Institut für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaft, Abteilung Theaterwissenschaft
Staatstheater Mainz in Kooperation mit dem Netzwerk für Urbane Übergänge

„Dark Matters. Die Dunklen Materien der Stadt“ lädt ein zu einer Spurensuche nach dem Unsichtbaren und Unterschwelligen in Mainz. Unsichtbare Netzwerke wie Viren, Datenströme, Pilzstrukturen oder Müll- und Abwassersysteme werden aufgespürt und nachgezeichnet. In Workshops, Stadttouren, Vorträgen, virtuellen Rundgängen, Lesungen, Vorträgen, Konzerten und Ausstellungen werden die Teilnehmenden zu geladenen Teilchen, die im urbanen und virtuellen Raum fluktuieren. Von verschiedenen physikalischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kräften angezogen und abgestoßen, werden sie Teil des Gewimmels unter den Oberflächen.

PROGRAMM

  • Sa/ So ganztägig (Foyer Staatstheater): Dark Matters – die Ausstellung. Installative Ausstellung zu den „Dunklen Materien“ der Stadt Mainz
  • Sa, 14:00 – 17:00 (Treffpunkt: Foyer des Staatstheaters): Dark Matters – der Workshop. Unter Leitung der Politikwissenschaftlerin Jacqueline Rudolf gehen die Teilnehmenden des Workshops den Dunklen Materien im gesellschaftlich-politischen Raum nach.
  • So, 14:00 und 16:00 (Treffpunkt: Foyer des Staatstheaters): Dark Matters. Die Tour.

Weitere Veranstaltungen im Rahmen des Projekts „Dark Matters“ finden am 16. und 17.9. im Kino Capitol statt.

INTERAKTION

  • Neugier und Entdeckerlust werden geweckt durch den Blick unter die Oberflächen der Stadt.
  • Das Projekt befindet sich an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Stadtgesellschaft und macht spielerisch die Dimensionen des Unbekannten und die Ränder des (aktuellen) Wissens erlebbar.

ZIELGRUPPE
ab Jugendliche

Begleitprogramm

SAMSTAG, 09.09.2017

zu den Marktzeiten

IEG – Leibniz-Institut für Europäische Geschichte
Tag der Offenen Tür zum Thema Reformation
10:00 Stadtführung – Die Rolle der Reformation in Mainz
11:00 Stadtführung – Die Rolle der Reformation in Mainz
Der Treffpunkt ist jeweils die Gutenberg-Statue auf dem Gutenbergplatz

NatLab-Showtime

Dronen-Vorführungen – MAINZER STADTWERKE

Theaterwissenschaft der JGU und Staatstheater Mainz
in Kooperation mit dem Netzwerk für Urbane Übergänge
Dark Matters – die Ausstellung.
Installative Ausstellung zu den „Dunklen Materien“ der Stadt Mainz
ganztägig (Foyer Staatstheater)

Theaterwissenschaft der JGU und Staatstheater Mainz
in Kooperation mit dem Netzwerk für Urbane Übergänge
Dark Matters – der Workshop.
Unter Leitung der Politikwissenschaftlerin Jacqueline Rudolf gehen die Teilnehmenden des Workshops den Dunklen Materien im gesellschaftlich-politischen Raum nach.
14:00 – 17:00 (Treffpunkt: Tritonplatz)


SONNTAG, 10.09.2017

NatLab-Showtime

Dronen-Vorführungen – MAINZER STADTWERKE

Theaterwissenschaft der JGU und Staatstheater Mainz
in Kooperation mit dem Netzwerk für Urbane Übergänge
Dark Matters – die Ausstellung.
Installative Ausstellung zu den „Dunklen Materien“ der Stadt Mainz
ganztägig (Foyer Staatstheater)

Theaterwissenschaft der JGU und Staatstheater Mainz
in Kooperation mit dem Netzwerk für Urbane Übergänge
Dark MattersTour
14:00 – 17:00 (Treffpunkt: Foyer Staatstheater)

Landeshauptstadt Mainz MIT Intervention creartiv Köln
Was sind schon 2 Grad?
„Wahl: Wahrheit oder Pflicht“ – das heiße Spiel zum Klimawandel der League of Creative
Interventionists – Köln auf dem Mainzer Wissenschaftsmarkt,
ab 12:00 Uhr in Intervallen

STAATSTHTEATER MAINZ – GROSSES HAUS

19:00 Uhr Physik im Theater | Die dunkle Seite des Universums
Prof. Dr. Laura Baudis | Universität Zürich

Allgemeine Informationen: Mainzer Wissenschaftsmarkt

„Menschsein aus christlicher Sicht“ am 3.Mai 2017 Hörsaal 505 Unimedizin Mainz

Fortsetzung der Vorlesungsreihe „Was ist der Mensch?“ am 03. Mai 2017

(Mainz, 28. April 2017, br) Am 3. Mai setzt die Medizinische Gesellschaft Mainz ihre Vorlesungsreihe „Was ist der Mensch?“ fort. Antworten aus christlicher Sicht gibt Prof. Dr. Gerhard Kruip, Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Anthropologie und Sozialethik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Dabei geht er insbesondere auf die Frage ein, was, unberührt von Missdeutung und Missbrauch, von Illusion und Aberglaube, als Kern der Frohen Botschaft bleibt. Moderiert wird der Abend von Prof. Dr. Jürgen Knop, dem ehemaligen Direktor der Hautklinik der Universitätsmedizin Mainz. Der Themenabend findet um 19.15 Uhr im Hörsaal Chirurgie (Gebäude 505H) der Universitätsmedizin Mainz (Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz) statt. Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

„Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst?“ So lautet die an Gott gerichtete Frage in Psalm 8. Dort wird die Frage so beantwortet: „Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.“ Judentum und Christentum haben eine sehr hohe Meinung vom Menschen. Sie schreiben ihm eine unverlierbare Würde und Menschenrechte zu – und dies unabhängig von Geschlecht, Rasse, sozialem Status, religiösem Bekenntnis oder nationaler Zugehörigkeit.

Eine solche Sicht des Menschen beinhaltet Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten, der leider auch Juden und Christen nicht immer gerecht geworden sind und werden. Deshalb ist auch die Frage nach Schuld und Vergebung für die jüdisch-christliche Sicht vom Menschen von großer Bedeutung. Professor Kruip wird mit Rückbezug auf biblische Texte diese Zusammenhänge deutlich machen und überdies zeigen, wie die christliche Hoffnung auf die Auferweckung von den Toten auch dem schuldlosen Scheitern im Einsatz für Gerechtigkeit und Menschlichkeit Sinn verleiht.

Die neue, 11 Vorlesungen umfassende Reihe „Was ist der Mensch?“ beleuchtet aus dem Blickwinkel verschiedener Wissenschaften, was den Mensch zum Menschen macht und was sein Wesenskern ist. Sie stellt die evolutionsbiologische Sicht ebenso dar wie Aspekte zum Dasein des Menschen als soziales, zur Moral befähigtes, lustbedürftiges, religiöses, kunstschaffendes und kunstbedürftiges Wesen. Die Reihe lädt ein, darüber nachzudenken und zu diskutieren, was den Menschen zum Menschen macht, um so ein Stück weit Aufschluss über die eigene Identität zu erhalten.

March for Science in Frankfurt gegen Fake-News u. Religionsfundamentalismus für eine aufgeklärte, pluralistische Gesellschaft

Kurzfassung: March for Science in Frankfurt gegen Fake-News und Religionsfundamentalismus

March for Science Frankfurt am 22.April 2017 Foto: Diether v. Goddenthow
March for Science Frankfurt am 22.April 2017 Foto: Diether v. Goddenthow

Ob US-Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence mit dem Bau einer Arche Noah beginnen werden, sollte ihr Klima-Bus   tatsächlich in den Abgrund rasen, wie Professor  Dr. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität Frankfurt, auf der Abschlusskundgebung des March for Science in Frankfurt auf dem Römerberg am 22. April 2017 befürchtete (siehe unten), wissen wir nicht. Gesichert ist jedoch, dass der US-Präsident den Klimawandel als Gerücht und „chinesischen Trick“ abtut, dass er per Dekret Klimaschutz-Auflagen für Kohlekraftwerke sowie für die Gas- und Ölförderung zurückgenommen hat, die Mittel für die Klimaforschung von EPA bis zur NASA kürzte, die Infos über Klimawandel von den staatlichen Webseiten entfernte, in der Gentechnik die Stammzellenforschung beschnitt, und Beamten verbot, sich darüber öffentlich zu äußern. Trumps Wohnungsbauminister Ben Carson soll sogar überzeugt davon sein, dass der Teufel Charles Darwin bei der Formulierung seiner Evolutionstheorie ritt. Gesundheitsminister Tom Price gehört einem Verband an, der Abtreibung als eine Ursache von Brustkrebs ausgemacht hat. Und das Rauchen schlecht für die Lunge ist, sei laut Mike Pence noch nicht ausreichend belegt. Das Tempo der neuen US-Regierung, wie sie mit Ignoranz, verdrehten Fakten und Meinungen die „Weltmacht der Wissenschaft“ zu zerlegen scheint, ist erschreckend. John Holdren, Ex-Wissenschaftsberater Barak Obamas fürchtet, dass die Wissenschaft im Weißen Haus keine Stimme mehr habe. „Die Regierung Trump hat sich von den Fakten abgewandt. Dieses Land braucht aber einen Präsidenten, der die Bedeutung der Wissenschaft versteht (Quelle: „Sag die Wahrheit“, Roman Deiniger, in: Zurück auf die Arche Noah,  Süddeutsche Zeitung Nr. 93, 22./23.April 2017)

An der Bockenheimer Warte findet der erste Kundgebungsteil des March for Science Frankfurt statt.Foto: Diether v. Goddenthow
An der Bockenheimer Warte findet der erste Kundgebungsteil des March for Science Frankfurt statt.Foto: Diether v. Goddenthow

Aber auch in vielen anderen Ländern, etwa in Ungarn, Russland und in der Türkei bedrohen Kulturkampf und religiöser Glaubenswahn oftmals den Fortschritt von Wissenschaft und Forschung. Dort werden Gelder gekappt, Wissenschaftler entlassen, verfolgt, eingesperrt oder ihres Landes verwiesen, weil die Fakten vielfach nicht zu den konstruierten Weltbildern und Wirklichkeiten von vorherrschenden politischen, wirtschaftlichen und/ oder religiösen Zielen passen.

Peter Feldmann, Oberbürgermeister, Prof. Brigitta Wolff, Goethe-Universitätspräsidentin, Professor Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurter University of Applied Science Foto: Diether v. Goddenthow
Peter Feldmann, Oberbürgermeister, Prof. Brigitta Wolff, Goethe-Universitätspräsidentin, Professor Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurter University of Applied Science Foto: Diether v. Goddenthow

Um gegen das Verleugnen und Verdrehen von Fakten und für die Freiheit von Forschung und Wissenschaft als Grundlage einer offenen, freien pluralistischen Gesellschaft zu demonstrieren,  zogen  auch in Frankfurt am 22. April 2017 rund 2500 Wissenschaftler, Studenten, Bürger und Anhänger der Evolutionstheorie und Aufklärung im Rahmen des weltweit in 500 Städten stattfindenden   „March for Science“ von der Bockenheimer Warte  bis zum Frankfurter Römerberg. Unterstützt wurden sie dabei von drei Universitätspräsidenten, namhaften Wissenschaftlern und vom Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, Peter Feldmann, der die Protestkundgebung eröffnete.
Hochrangig besetzt war auch die Rednerliste der Abschlussveranstaltung auf dem Römerberg, dem Block II des March for Science in Frankfurt. Aber der Reihe nach:

Treffpunkt und Kundgebung an der Bockenheimer Warte

( v.l.) Dr. Julia Krohmer, Biologin,von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung  und Susanne Ficus, Scientific Sales Specialistin, begrüßen die Teilnehmer Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
( v.l.) Dr. Julia Krohmer, Biologin,von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Susanne Ficus, Scientific Sales Specialistin, begrüßen die Teilnehmer Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Zunächst begrüßte die Moderatorin des Tages, Susanne Ficus, im Hauptberuf Scientific Sales Specialistin, die Teilnehmer,. Sie bat, dass sich 20 bis 30 Leute als Ordner für die spätere Demo-Zugbegleitung meldeten und stellte das Orga-Team vor. Das hatte in aller kürzester Zeit seit Februar den March for Science Frankfurt ad hoc organisiert. Unterstützt wurden sie dabei von der Girodano-Bruno-Stiftung. Wir haben uns – zum Teil bis vorhin – nicht gekannt, freut sich Susanne Ficus über die trotzdem so tolle Zusammenarbeit, als sie die Kerntruppe  auf der Lastwagen-Tribühne  kurz vorstellt. Von links nach rechts: Anette Thumser von den Humanisten, Dr. Julia Krohmer von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, „die die meiste Pressearbeit gemacht hat“, Dr. Anke Lischeid, Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, „die uns unterstützt haben, die Banner und unsere Westen bezahlen – ganz herzlichen Dank!“. Fellow-Student Joe aus den USA, der von Marburg aus dazu stieß. Steven from United Kingdom, der das Design „for twitter, for Facebook, for the banners“ übernommen hatte. Dr. Nathalie Dehne von der Goethe-Universität Frankfurt, Biologin. Dr. Gerold Hümmer von den Skeptikern, „Physiker, der uns auch mit vielen Ideen unterstützt hat“

Anette Thumser von den Humanisten, Dr. Julia Krohmer von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Susanne Ficus, Moderatorin und im Hauptberuf Scientific Sales Specialistin, Dr. Anke Lischeid, Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, Joe  Fellow-Student Marburg aus den USA, Steven from United Kingdom, Dr. Nathalie Dehne Biologin von der Universität Frankfurt, Dr. Gerold Hümmer von den Skeptikern Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Anette Thumser von den Humanisten, Dr. Julia Krohmer von der Senckenberg
Gesellschaft für Naturforschung, Susanne Ficus, Moderatorin und im Hauptberuf Scientific Sales Specialistin, Dr. Anke Lischeid, Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, Joe Fellow-Student Marburg aus den USA, Steven from United Kingdom, Dr. Nathalie Dehne Biologin von der Universität Frankfurt, Dr. Gerold Hümmer von den Skeptikern Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

OB Feldmann eröffnet: „Noch nie war Ihre wissenschaftliche Arbeit so wichtig wie heute“

Oberbürgermeister Peter Feldmann Foto: Diether v. Goddenthow
Oberbürgermeister Peter Feldmann Foto: Diether v. Goddenthow

Oberbürgermeister Peter Feldmann begrüßte die Teilnehmer mit einem gewissen Stolz, da sie das  Leugnen von Fakten, das Löschen von Daten, ob es den Klimaschutz, die Erderwärmung oder anderes betrifft, nicht unwidersprochen hinnehmen wollten. Wir brauchten solche Proteste  heute umso mehr, „damit diejenigen, die demagogisch versuchen, Politik zu machen und despotischer Weise versuchen, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, um die Menschen zu benebeln, eine Antwort bekommen. Das ist die Botschaft von heute, das ist die Botschaft von Ihnen, und das ist natürlich auch die Botschaft von mir als Oberbürgermeister dieser alten Wissenschaftsstadt Frankfurt.“, so Peter Feldmann wörtlich.

Die Realität sei,  dass Donald Trump in seiner ersten Amtswoche die wissenschaftlichen Fakten aus dem Regierungs-Computer löschen ließ und den Klimawandel mal einfach per Dekret abschaffen wollte. „Und ich sage sehr klar, und ich denke, da bin ich mit ihnen einer Meinung: Er wird damit scheitern!“, so der Oberbürgermeister. Trump werde alle anderen mit sich ziehen, die immer wieder versuchten oder als Despoten meinten, sie könnten mit dem Leugnen von Fakten dann auch den Menschenverstand endgültig aushebeln. „Das können sie nicht, das kann kein Präsident der USA und auch nicht die Parteivorsitzende von rechtspopulistischen Parteien in Deutschland oder in Europa“, so Peter Feldmann, der darauf hinwies, dass bereits in der – eher galamäßig angelegten – Senckenberg-Night die Idee aufkam, mit einem March for Science nach dem Vorbild „Women’s March in USA“ nicht bis zur nächsten Gala 2018 zu warten. Es habe ihn ermutigt, dass er statt Buhrufe nur Zustimmung erhielt, „und ich bin dem Senckenberg sehr dankbar, dass eben Wissenschaft nicht nur in Museen, nicht nur in Hörsälen, sondern auch mal auf der Straße ihr Gesicht zeigt. Das hat lange gefehlt.“, so Peter Feldmann. „Frankfurt war und ist und bleibt eine Stadt der Wissenschaft. Alle, die sich dazu bekennen, sind hier herzlich willkommen. Sie sind Teil unserer historischen Realität“, sagte der Oberbürgermeister und rief abschließend den begeisterten Teilnehmern zu: „Noch nie war Ihre wissenschaftliche Arbeit so wichtig wie heute!“.

Professorin Dr. Brigitta Wolff –   „Die Erde sei eine Scheibe? – so geht das nicht!“

Professorin Dr. Brigitta Wolff, Präsidentin der Universität in Frankfurt. Foto: Diether v. Goddenthow
Professorin Dr. Brigitta Wolff, Präsidentin der Universität in Frankfurt. Foto: Diether v. Goddenthow

Zwar sei das Methodenrepertoir der Wissenschaft riesig und pluralistisch, aber „auf die Straße zu gehen, gehört normalerweise nicht dazu“, begann  Professorin Dr. Brigitta Wolff, Präsidentin der Universität in Frankfurt augenzwinkernd ihr Statement, in dem sie interne Einblicke in den weltweiten Wissenschaftsbetrieb gab und aktuelle konkrete Fehlentwicklungs-Beispiele aufzeigte: „Wir sorgen uns um die Freiheit der Wissenschaft. Und wir sorgen uns auch um die Freiheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Uns als Goethe-Uni erreichen in den letzten Monaten in der Tat besorgniserregende Anfragen aus Ländern, mit denen wir bislang extrem eng und in Freundschaft wissenschaftlich, das heißt in Forschung und Lehre, kooperiert haben. Es erreichen uns Anfragen und Nachrichten von ganz konkreten bedrängten, bedrohten, teils entlassenen und vertriebenen Wissenschaftskollegen: Es geht um Freiheit. Es geht um Menschenrechte. Und diese Anfragen haben alle einen besorgniserregenden Inhalt, und auch Ton.“, so Professorin Brigitta Wolff.

Die Freiheit der Wissenschaft sei, daran würden sie aktuell immer wieder in drängender Weise erinnert, nicht überall selbstverständlich, obwohl die Wissenschaftler und Forscher das ganz lange geglaubt haben und glauben wollten. „Und darauf müssen wir aufmerksam machen liebe Freundinnen und Freunde der Wissenschaft. Und danke, dass wir das heute hier gemeinsam tun! „Ich will ganz konkrete Zahlen und Daten und Fakten nennen“, so die Unipräsidentin.

Erstes  Beispiel: „Aus Ungarn schrieb uns eine unserer Absolventinnen, die aktuell ihren Master an der Central European University macht. Sie schrieb von jenem inzwischen berühmten Gesetzesvorhaben der Regierung, dass im Wesentlichen eine Universität betrifft, und zwar eine, die sich ganz besonders der offenen Gesellschaft verpflichtet fühlt: Und sie hat darum gebeten, dass wir mit ihr kommunizieren, was da passiert, natürlich nicht in der Hoffnung, dass wir das eins zu eins verhindern können. Aber wir können wenigstens darauf aufmerksam machen. „

Weitere Beispiele: Schon unmittelbar nach der letzten Präsidentschaftswahl in den USA bekamen wir Anfragen per E-Mail und auf anderem Weg, ob wir kurzfristig Kolleginnen und Kollegen bei uns beschäftigen, bei uns unterbringen könnten. Eine unserer Studierenden aus der Theologie, deren Vater aus Syrien stammt, und die eine doppelte Staatsbürgerschaft hat, durfte auf einmal nicht zu einer Exkursion nach Princeton (Privatuni im US-Bundesstaat New Jersey) mitfahren und dann am Ende, nach ganz viel Hickhack nur mit einem Sondervisum.

Erasmusaustausch bricht im Moment faktisch zusammen

Noch mehr Beispiele: Fakten, liebe Freundinnen und Freunde! Die Goetheuniversität hat 20 Erasmus-Partnerunis in der Türkei. An 12 davon wurden laut der Beobachterseite turkeypurge,com Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entlassen. Stand April 2017: schon über 800.

Nächstes Beispiel: Die Studierendenmobilität nimmt ab: Im Jahr 2015 /2016 gingen noch über 30 Studierende der Universität an unseres Partnerunis in die Türkei. Jetzt für 17/18 sind nur noch weniger als 10 angemeldet. Das Bild der aus der Türkei zu uns kommenden Erasmusstudierenden ist ähnlich. Auch da kommen wir von einer Größenordnung von fast 30 noch letztes Jahr, jetzt angekündigt für’s nächste akademische Jahr auf gerade noch 4. Das heißt: Der Erasmusaustausch der Studierenden, einer der besten Erfindungen der EU, bricht im Moment faktisch zusammen. Und das macht uns verdammt große Sorgen. Das meine Damen und Herren sind Zahlen, Daten und Fakten, nicht irgendwelche gefühlten alternativen parafaktiven oder postfaktischen Auffassungen.“

Professorin Brigitta Wolff verdeutlichte, dass man es sich ja leichtmachen und all diese „Beispiele als individuelle Schicksale oder kleine Betriebsunfälle abtun“ könne. „Ich kann und will das aber nicht!“, so die Unipräsidentin ganz im Sinne der Anwesenden. Denn „freie Bildung und Wissenschaft sind die Voraussetzung für das Gelingen, nicht nur des persönlichen Lebens von Menschen, sondern auch für die Lebens- und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaften.

Freie Wissenschaft, Freie Bildung, sei die absolute Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit offener, pluralistischer und demokratischer Gesellschaften, so Professorin Brigitta Wolff: „Wenn wir den Herrschenden es überließen, alleine zu bestimmen, was geforscht wird, was wahr ist, und was falsch, müssten wir heute alle noch glauben, die Erde sei eine Scheibe. So geht das nicht!“

Professor Dr. Frank E.P.Dievernich – Es geht um die Freiheit unserer Gesellschaft

Professor Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurter University of Applied Science Foto: Diether v. Goddenthow
Professor Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurter University of Applied Science Foto: Diether v. Goddenthow

Als nächster Redner wies Professor Dr. Frank E.P.Dievernich, Präsident der Frankfurter University of Applied Science, darauf hin, dass wir, was wir hier gerade heute alle zusammen machen, nichts Geringeres sei, „als dass wir in die Demokratie einzahlen, die die Grundlage für unser Wirken und Arbeiten ist.“ Es sei toll zu sehen, wie viele Menschen sich beteilitgen, nicht nur in Frankfurt, sondern deutschland- und weltweit an der Stelle. „Und ich glaube und ich hoffe sehr, dass dieses Zeichen über den Atlantik hinüber schwappt“, so Professor Frank Dievernich.

Als Vertreter der Hochschulen für angewandte Wissenschaften unterstrich der Hochschulpräsident die Bedeutung von faktenbasierter Wissenschaft für die tägliche praktische Studien- und Zusammenarbeit mit seinen Hochschulpartner aus Wirtschaft, Medien und Sozialbereich. „Eine Lehre, die nicht auf Fakten basiert, bedeutet, dass wir Studierende in eine Gesellschaft entlassen, die sie ein Stück weit nicht einordnen können“ „Was für eine Gesellschaft produzieren wir, wenn wir nicht auf Fakten letztendlich achtgeben? so Professor Frank Dievernich.  „Wir müssen uns einsetzen, dass diese Wissenschaft tatsächlich faktenbasiert ist, und es ist wichtig, mitzunehmen, dass wir heute ein Zeichen setzen (…) denn es geht um die Freiheit unserer Gesellschaft!“, so der Hochschulpräsident.

Vorführung in angewandter Physik
Als kleine Zwischen-Entspannung bat Susanne Ficus nach dieser  „ersten Theorie-Runde“ der Redner  Markus Furtner zu seiner  Show-Einlage in angewandter Physik auf die Bühne. Niemand beherrsche so gut wie Mathematiker Furtner mit den Bevel-Sticks das Spiel   mit der Gravitation und mit dem Impuls. Markus Furtner trat in 21 Ländern auf, darunter auch im Cirque du Soleil.

Mathematiker Markus Furtner beherrscht das Spiel von Gravitation und Impuls mit den  Bevel-Sticks perfekt. Foto: Diether v. Goddenthow
Mathematiker Markus Furtner beherrscht das Spiel von Gravitation und Impuls mit den Bevel-Sticks perfekt. Foto: Diether v. Goddenthow

 

 

 

Professor Dr. Joybrato Mukherjee – Den Sonnenschein der Freiheit für den Baum wissenschaftlicher Erkenntnis sichern

Nach der akrobatischen Physik-Nummer, bei der Markus Furtner letztlich doch nicht wie „fliegende Jogis“ die Schwerkraft seiner wirbelnden Stöckchen überwinden vermochte, holte der Präsident der Universität Gießen, Professor Dr. Joybrato Mukherjee, die lebendige Menge wieder zum eigentlichen Thema zurück: Er brachte Intention und Ziel des March for Science mit den Worten Justus Liebigs auf den Punkt, dass es in diesen Tagen „um eine eigentlich selbstverständliche Unterscheidung, nämlich um Fantasie und Verstand, ginge. Justus Liebigs, Begründer der organischen Chemie, nach dem auch seine Universität benannt sei, habe das mal folgend formuliert: „Die Erfindung ist Gegenstand der Kunst, der der Wissenschaft ist die Erkenntnis, die erstere findet oder erfindet die Tatsachen, die andere erklärt sie; die künstlerischen Ideen wurzeln in der Phantasie, die wissenschaftlichen im Verstande“

Professor Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der Universität Gießen Foto: Diether v. Goddenthow
Professor Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der Universität Gießen Foto: Diether v. Goddenthow

„‚Fantasie versus Verstand‘ darum geht es!“, so Professor Dr. Mukherjee: „Wer Daten herbeifantasiert, Ereignisse und Entwicklungen erfindet, Erklärungen aus Bauchgefühl oder gar Machtkalkül heraus entwickelt, der kann für sich keine Wissenschaftlichkeit beanspruchen.“, sagte der Unipräsident und konnte es kaum fassen, dass wir, obgleich wir in einem der Kernstaaten des aufgeklärten Westen lebten, heute gegen die Angriffe der Unterscheidung zwischen  Fantasie und Verstand die Stimme erheben und uns wehren müssten. Wir müssten die Dinge wieder beim Namen nennen, Eternity Facts sind Lügen.  Fake News sind Erfindungen. Meinungen sind keine Tatsachen!“, so Professor Mukherjee.

Niemand ist eine Insel – Wissenschaft wirkt global

Selbst Einschränkungen der Wissenschaft in anderen Ländern träfe auch uns, denn wir lebten in einer internationalen vernetzten Wissenschaftsgemeinde. Und gerade wir in Deutschland wären ein global vernetzter Wissenschaftsstandort, wie nur wenige andere. Ohne internationale Zusammenarbeit, „ohne das Zusammenbringen der besten Köpfe weltweit, ohne den ständigen interkulturellen Erfahrungsaustausch werden wir die großen Fragen und drängenden Probleme der Menschheit nicht angehen können, sei es in den geistigen Sozialwissenschaften, sei es in den Natur- und Lebenswissenschaften, sei es in den Ingenieur- und Technikwissenschaften“, so  Professor Dr. Mukherjee

Deutschland stelle mit seinen 80 Millionen Einwohnern lediglich ein Prozent der Weltbevölkerung: „Ohne den Austausch mit den vielen klugen Menschen unter den anderen 99 Prozent der Weltbevölkerung sind wir verloren. Das sollte uns klar sein. „

Deswegen gäbe es in Sachen Wissenschaftsfreiheit keine Außenpolitik. Alles sei Innenpolitik. „Das finanzielle Aushungern von Wissenschaftsgebieten wie der Klimaforschung in den USA, die Schließung von wissenschaftlichen Institutionen in Ungarn, die Drangsalierung von Wissenschaftlern in der Türkei, all das geht uns an, betrifft uns, kann uns nicht kalt lassen. Auch dagegen wehren wir uns hier und heute!“, bekräftigte der Unipräsident die Wichtigkeit des March for Scienc in Frankfurt.

Politik und Gesellschaft müssen Pluralität von Wissenschaft aushalten

Auch bei uns in Deutschland müssten wir wachsam sein und bleiben. Auch bei uns käme es mitunter vor, dass Kolleginnen und Kollegen von bestimmten lautstarken Gruppen wegen ihrer wissenschaftlichen Meinung diffamiert würden, dass politisch oder gesellschaftlich unerwünschte Forschungsergebnisse entwertet würden, dass ganze Wissenschaftsthemen diskreditiert würden. „Politik und Gesellschaft müssen es aushalten, dass Wissenschaft Pluralität braucht, dass Erkenntnisfortschritt ohne eine Vielfalt der Ansätze und Plausibilisierungen nicht möglich ist, dass die die wissenschaftliche Suche nach der Wahrheit nicht immer kompatibel ist mit der Suche nach einer politischen oder gesellschaftlichen Mehrheit“, so der Gießender Unipräsident.

Es ginge in diesen Tagen einmal mehr um die Erhaltung des wachsenden Baums der Erkenntnis.  „Wir wissen jetzt“, zitiert Professor Dr. Mukherjee Justus Liebig, „daß die Ideen der Menschen nach bestimmten Gesetzen der Natur und des Geistes organisch sich entwickeln und sehen den Baum menschlicher Erkenntnis wachsen ohne Unterbrechung und im Sonnenschein der Freiheit blühen und Früchte tragen zur richtigen Zeit!“

Dieser Baum der wissenschaftlichen Erkenntnis sei  „unser Baum, den wir hegen und pflegen, den wir schützen müssen, für den wir den Sonnenschein der Freiheit sichern müssen. Darum geht es!“, so Professor Dr. Mukherjee

 

Dr. Sascha Vogel- Mehr darauf achten, was Leute tun, weniger hören, was sie sagen

Dr. Sascha Vogel Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) an der Goethe-Uni  Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Sascha Vogel Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) an der Goethe-Uni Foto: Diether v. Goddenthow

Dr. Sascha Vogel Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) an der Goethe-Uni ist Physiker und ein „vielseitig begabter Wissenschaftskommunikator“, hatte es, da er noch auf eine Hochzeit musste, sehr eilig, und erwähnte dies nur, da er dem Brautpaar viele „kleine Wissenschaftler“ wünschte, die hoffentlich in einer freiheitlichen pluralistischen offenen Gesellschaft frei forschen könnten, wofür „er heute hier sei“.

Shit-Mails gegen Wissenschaftler ärgern

Er ärgere sich über E-Mails von Science-March-Skeptiker, „um es mal diplomatisch“ auszudrücken: „Und wenn man da so ein bisschen nachguckt, aus welcher Ecke die kommen, findet man relativ schnell, dass der Klimawandel doch irgendwie gar nicht so schlimm ist, dass das mit dem Impfen auch so gar keine gute Idee ist, und dass alle Wissenschaftler sowieso von der Pharmaindustrie bezahlt sind“ analysierte Dr. Vogel über 9 Seiten ausgedruckten E-Mail-Shit. Es sei kein Witz, sein Highlight wäre folgende E-Mail: „Man darf sich fragen, welche NGO und Geheimdienste diesmal bestimmt wurde, hiermit zweifelhaften Vergnügen für einen Aufmarsch von Gleichgesinnten zu sorgen, die bislang noch nicht wussten, was sie wollten und mit wem.“ Also die Gleichgesinnten wären Sie!

„Warum mache ich den ‚Scheiß’?“ (die Wissenschaft)

Dieses Statement und diese E-Mails, die ich bekommen habe, hätten ihn dazu bewogen, nachzudenken,  warum diese Leute, die so etwas verbreiten, so viel Gewicht haben, und diese vielen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler denn nicht!  Das habe ihn letztlich so ein bisschen wütend gemacht, und er habe nochmals den Titel seines heutigen Beitrags in  „Warum machen wir den Scheiß?“ geändert.  Dr. Vogels Fazit: „Der Grund, warum ich Wissenschaft gemacht habe, und ich unterstell das jetzt einfach mal der Mehrheit hier, ist, weil es einfach Spaß macht. Wissenschaft zu machen, macht man, weil es Spaß macht, weil es cool ist, weil es ein tolles Gefühl ist, als erster Mensch auf der Welt immer zu verstehen, und dass man einfach sagt: Das habe ich zum ersten Mal gesehen. Und das, das finde ich toll.“.

Aber dann  gäbe es Leute wie die „diplomatisch genannten“ Science-March-Skeptiker, die einfach versuchten, das kaputt zu machen, dass man nachher sage: „Naja, dass stimmt ja alles gar nicht, was sie da machen: Das ist ja sowieso alles gekauft“ Das sei einfach, so Dr. Vogel, weil das mit zwei Sätzen alles zerstöre, das werde einfach behauptet, die Relativitätstheorie funktioniere ja sowieso  nicht,  Adorno sei sowieso ein Dummlaberer und mit dem Impfen sei das sowieso alles total Schwachsinn.

„Das sind zwei, drei Sätze mit denen ich alles kaputt machen kann. Aber das ist mir persönlich zu wenig. Das ist einfach mir persönlich zu wenig, dass man das einfach so tut.

Wieder mehr auf die Leute hören, die handeln statt reden!

Und nun kommt Dr. Vogel zum Punkt seines Vortrags, nämlich „nicht zu sehr darauf achten, was Leute sagen, man sollte darauf achten, was sie tun.“, was er an einem Mitmach-Experiment demonstrierte, indem er aufforderte nur nach seiner Anweisung runterzählend von 3,2,1 auf Null zu klatschen, während er selbst auf der Bühne mit seinen Händen die Übung mitmachte. Und klar: Die Leute klatschten nicht auf sein Kommando „Klatschen“, sondern als sie seine Hände bei Null zusammenklatschen sahen. Der Mensch orientiere sich im Grunde genommen danach, was andere tun, weniger danach, was sie sagen. „Und ich glaube“, so Dr. Vogel aufmunternd: „in diese Mentalität sollten wir auch mal wieder in der Wissenschaft kommen: dass wir nicht auf die vielen Leute hören, die sagen: ‚Ja das ist ja alles falsch, und mit dem Adorno und Kant, und der Statistik, und mit dem Impfen …. dass wir vielleicht nicht so sehr auf die hören, sondern vielmehr wieder auf die Leute hören, die es tun. Diese Leute, die einfach 16 Stunden am Tag im Labor stehen, und irgendwelche Zellkulturen hegen und pflegen, die irgendwelche gekoppelten Differentialgleichungen rechnen, die irgendwelche Statistiken repräsentativ machen, statt ihre zwei Freunde und Freundinnen zu fragen. Vielleicht sollten wir wieder auf diese Leute hören.“, so Dr. Vogel.

Und immer schön skeptisch bleiben – Teilnehmerbeiträge

Nach diesen engagierten Beiträgen von Feldmann, Wolff, Dievernich, Mukherjee und Vogel für die Freiheit der Wissenschaft und gegen Leugnung und Verdrehung von Fakten ergriffen einige Teilnehmer die Gelegenheit, Ergänzendes beizutragen. Im Wesentlichen bekräftigten sie Gesagtes. Eine türkische Wissenschaftlerin bedankte sich, hier frei forschen zu können, und bat, nicht aufzuhören, mit den Wissenschaftlern in der Türkei in Kontakt zu bleiben, egal wie schwierig das zur Zeit auch sei. Ein Student mahnte zur generellem Skepsis. Man solle nicht immer alles sofort glauben, was in Sozialen Medien oder sonstwo verbreitet würde,  sondern die Dinge, auch die der Wissenschaft, stets hinterfragen. Damit war der erste Kundgebungs-Block beendet und der March for Science durch die Frankfurter Innenstadt konnte beginnen.

„We want facts, nothing else.“ – March for Science bis zum Römerberg
Nach der Kundgebung Teil 1 formierte sich der große Demo-Zug "March for Science" an der Bockenheimer Warte und starte ab 14 Uhr mit Marschtrommeln und Sprechchören zum Römer-Berg, Kundgebung 2. Teil Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Nach der Kundgebung Teil 1 formierte sich der große Demo-Zug „March for Science“ an der Bockenheimer Warte und starte ab 14 Uhr mit Marschtrommeln und Sprechchören zum Römer-Berg, Kundgebung 2. Teil Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die Banner “March for Science“ und „Science not Silence“ von der Lastwagenbühne werden die Frontschürze des Zuges sein. 2500 Leute wollen vom Veranstaltungsplatz auf der Bockenheimer Straße in die gewünschte Position gebracht werden. Ordner aus Teilnehmern werden rekrutiert und eingeteilt, Trommler zu positioniert, freiwillige Bannerträger gefunden und die genaue Wegstrecke mit der äußerst hilfsbereiten Polizei abgeklärt.
Alles geschieht erstaunlich fix, reibungslos,  beinahe professionell, bedenkt man, dass das Science-March-Orga-Team kaum über derlei profunde Erfahrungen Zugführer-Erfahrungen verfügt. Binnen einer Viertelstunde setzt sich der lange March for Science Frankfurt in Bewegung, darunter viele Familien mit Kindern, Großeltern mit Enkeln. Vorneweg ein Alt-Sponti, sichtlich demoerfahren, animiert und dirigiert ein wenig, bringt die Spitze immer wieder, falls nötig, in Form, schaut, ob die Banner noch straff, das Tempo nicht zu flott ist und der Gleichschritt noch synchron ist.

Imposant zieht die generationsübergreifende Demonstration der internationalen akademischen Community Frankfurts, Mainz, Gießens und Wiesbadens, unterstützt vom Marschtakt der Trommeln, durch die Rhein-Main-Metropole. Foto: Diether v. Goddenthow
Imposant zieht die generationsübergreifende Demonstration der internationalen akademischen Community Frankfurts, Mainz, Gießens und Wiesbadens, unterstützt vom Marschtakt der Trommeln, durch die Rhein-Main-Metropole. Foto: Diether v. Goddenthow

Imposant zieht die generationsübergreifende Demonstration der internationalen akademischen Community Frankfurts, Mainz, Gießens und Wiesbadens, unterstützt vom Marschtakt der Trommeln, von der Bockenheimer Landstraße, vorbei an Alter Oper, Goethe-Platz und Paulskirche zum Römerberg vors Rathaus. Vorneweg brüllt unablässig eine Mädchengruppe: „We want facts, nothing else“. Ihre Stimmen sind so ansteckend, dass immer mehr Teilnehmer mitskandieren. Selbst die Polizisten lassen sich stimmungsmäßig ein wenig mitreißen: Als in Höhe der Paulskirche der Mädchenchor stimmlich etwas abflaut, ermutigt ein Beamter die jungen Damen, beim Abbiegen zum Römerberg nochmal etwas „Gas zu geben“.

Der March for Science Frankfurt, vorbei an der Paulskirche, dem Symbol deutscher freiheitlicher Demokratie schlechthin. Foto: Diether v. Goddenthow
Der March for Science Frankfurt, vorbei an der Paulskirche, dem Symbol deutscher freiheitlicher Demokratie schlechthin. Foto: Diether v. Goddenthow

Teil 2 – Abschlusskundgebung am Römerberg

Die Ankunft des Demo-Lindwurms auf dem Römerberg markiert den zweiten Block des March-for-Science Frankfurt mit Redebeiträgen und einer super improvisierten Tanzeinlage von Kindern der Teilnehmer.

Der March for Science Frankfurt erreicht den Römerberg Foto: Diether v. Goddenthow
Der March for Science Frankfurt erreicht den Römerberg Foto: Diether v. Goddenthow

Inzwischen sind viele Römerbergbesucher, darunter etliche Touristen dazu gestoßen, der Platz vor dem Frankfurter Rathaus ist voll. Überall werden Plakate, Text- und Bildtafeln mit Sprüchen in die Höhe gereckt oder am Körper vorne und hinten gezeigt. Auf der Bühne skandiert die Demoführung, die Banner hochhaltend „We want facts, nothing else.“

Gemeinsam lautstark im Chor: „We want facts, nothing else.“ Foto: Diether v. Goddenthow
Gemeinsam lautstark im Chor: „We want facts, nothing else.“ Foto: Diether v. Goddenthow

In ihrer anschließenden Begrüßung skizziert Susanne Ficus  bei der Auflistung der Liste der anstehenden Redner kurz den weiteren Verlauf der Abschlusskundgebung des March for Science Frankfurt.

Tanzen für Freiheit und Frieden - Jugendliche unterhalten mit einer spontanen Impro-Dance-Show Foto: Diether v. Goddenthow
Tanzen für Freiheit und Frieden – Jugendliche unterhalten mit einer spontanen Impro-Dance-Show Foto: Diether v. Goddenthow

Zur Überbrückung improvisieren Kinder und Enkel von Demonstranten eine super Tanzshow.

 

 

 

 

Professorin Concettina Sfienti – Der Fortschritt gehört den Menschen

Professorin Concettina Sfienti, Dekanin des Fachbereichs Physik der Gutenberg-Universität in Mainz, in privater Mission. Foto: Diether v. Goddenthow
Professorin Concettina Sfienti, Dekanin des Fachbereichs Physik der Gutenberg-Universität in Mainz, in privater Mission. Foto: Diether v. Goddenthow

Dann ergreift die erste Rednerin der Abschlusskundgebung, Professorin Dr. Concettina Sfienti, Dekanin des Fachbereichs Physik der Gutenberg-Universität in Mainz, das Wort. Selbstironisch meint siedass sie eigentlich lieber ‚E-Mail lesen‘ würde, als vor großem Publikum zu reden“. „Ich hasse das!!“. Aber ihre Abneigung, öffentlich zu reden, und da ist sie schon beim Thema,  habe einen bestimmten Grund. Der Grund ihrer Redeangst, von der man nicht mal ansatzweise etwas spürt,  hätte ihrer Meinung nach vermieden werden können, wenn die Schule in ihrer Kindheit rechtzeitig auf wissenschaftliche Fakten und weniger auf Tradition oder Meinungen gehört hätte. Professorin Concettina Sfienti, die rein privat gekommen sei und nicht für ihre Uni spreche, erzählte, dass sie Linkshänderin sei, und seitdem  sie ihre Lehrerin bei der Einschulung zum Rechtsschreiben gezwungen habe, stottere. Bis in die 70er Jahre galt Rechtshändigkeit als die Norm, was bedeutete, so Professorin Concettina Sfienti, das  Linkshänder gezwungen wurden, entgegen ihrem Naturell mit der rechten Hand zu schreiben. „Schon damals übrigens gab es wissenschaftliche Beweise, Fakten, die darauf hingewiesen haben: Leute, wenn ihr Linkshänder zwingt, mit der rechten Hand zu schreiben, dann bekommen diesen Menschen Sprachstörungen bis hin zu physischen Störungen. Schon damals jedoch wären Meinungen lauter gewesen als ordentliche Beweise, warnt Professorin Concettina Sfienti vor Wissenschaftsignoranz anhand des eigenen Schicksals. Mit viel Training und Mühen habe sie sich das Stottern wieder abtrainieren können. Stimmt, und zwar so gut, dass sie beim Zuruf, näher ans Mikro zu gehen augenzwinkernd ins Publikum ruft: „Ich bin Italienerin, eigentlich sollten sie mich hören auch ohne Mikro!!“

Ich bin Italienerin, eigentlich sollten sie mich hören auch ohne Mikro!!“ ruft Professorin Concettina Sfienti augenzwinkernd dem Publikum zu als sie  gebeten  wurde näher ans Mikro zu gehen.Foto: Diether v. Goddenthow
„Ich bin Italienerin, eigentlich sollten sie mich hören, auch ohne Mikro!!“ ruft Professorin Concettina Sfienti augenzwinkernd dem Publikum zu, als sie gebeten wurde näher ans Mikro zu gehen. Foto: Diether v. Goddenthow

Auch die Kinderlähmung ihrer Großmutter, die trotz Rollstuhlschicksal ihren Humor nie verloren hätte, wäre vielleicht in den späten 50er Jahren vermeidbar gewesen, hätte man sich im damaligen Sizilien rascher frei für den wissenschaftlichen Fortschritt des Schutzimpfens entscheiden können. Dr. Jonas Edward Salk, der Erfinder der Polio-Schutzimpfung, habe übrigens am 12. April 1955 in einem Interview auf die Frage, wem das Patent gehöre, gesagt: „Den Menschen!“ Diese Erfindungen, die Krankheiten heiln oder ähnliche Dinge täten, gehörten den Menschen, und Salk habe hinzugefügt: „Würden Sie die Sonne patentieren?“.

Und genau das sei ihr Punkt, dass ihrer Meinung  nach nämlich wissenschaftlicher Fortschritt den Menschen gehöre. Aber den Menschen gehöre mehr, nämlich alles, was dahinter steht, „insbesondere die wissenschaftliche Methode, die ihnen ermöglicht, auf Fakten basierende Entscheidungen zu treffen“, plädiert  Professorin Dr. Concettina Sfienti gegen eine „Wissenschaft der Herrschenden“. Dies dürfe man nie vergessen, weil eine freie Zugänglichkeit von Wissenschaft und ihren Methoden jedes wissenschaftliche Ergebnis überprüfbar mache. Man solle auch den Regimen sagen, „die die Wissenschaft zum Schweigen bringen wollen, ob deren Theorien überprüfbar sind. Die müssen Vorhersagen machen. Sei die Erde flach! Ja, wunderschön! Dann sag mir, was du anderes vorhersagen kannst mit dieser wunderschönen Theorie?“, führt die Kernphysikerin all jene vor, die aus politischem, religiösem oder wirtschaftlichen Kalkül unüberprüfbar „Fakten“ oder bewusst „alternative Fakten“ in die Welt setzten.

Nach viel Applaus folgt ohne Pause sofort der nächste hochkarätige Redner:

Professor Dr. Joachim Curtius – Trump ist ein Schlag ins Gesicht der Wissenschaft

Professor Dr. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität Frankfurt warnt vor dem "Klima-Busfahrer" Trump Foto: Diether v. Goddenthow
Professor Dr. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität Frankfurt warnt vor dem „Klima-Busfahrer“ Trump Foto: Diether v. Goddenthow

Mit Professor Dr. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität Frankfurt kommt nun ein Spezialist der experimentellen Atmosphärenforschung zu Wort. Der „March for Science“ sei auch zugleich der „Earthday“, der Tag der Erde, weswegen es für ihn ein doppelter Grund sei, hier zu sprechen, so der Klimaforscher. Denn das Thema Klimawandel sei sicherlich ein besonders plakatives Beispiel für die Inhalte und Entwicklungen auf die die Wissenschaft mit dem heutigen Marsch aufmerksam machen möchte.

Breiter Konsens: Klimawandel schreitet rasch voran!

In den vergangenen Jahrzehnten hätten die Klimaforscher Tausende von Datensätzen zusammengetragen. Klimaforscher, das seien Naturwissenschaftler, Physiker, Chemiker, Biologen, Meteorologen, die sich alle den Regeln des Wissenschaftsbetriebs und der Wissenschaft verpflichtet fühlten, die ihre Daten sehr sorgfältig erhöben, die Daten methodisch analysierten und Unsicherheiten auch berechneten und angeben bei ihren Arbeiten. Vor allem würden all die publizierten Arbeiten gegengelesen von anderen Wissenschaftlern, erläutert Professor Dr. Joachim Curtius und garantiert: „Die werden geprüft, und dieses System ist ein ganz essentieller Teil unserer Wissenschaft. Und auch, wenn es viele offene Fragen um den Klimawandel natürlich gibt. Der allgemeine Gesamtbefund ist ganz eindeutig: Es gibt einen breiten Konsens unter allen seriösen  Klimawissenschaftlern, dass es einen erheblichen Klimawandel gibt, dass er atemberaubend schnell voranschreitet, und zwar so schnell, dass sich viele Arten nicht daran anpassen können. Und dieser Klimawandel ist im Wesentlichen von Menschen verursacht“, so Professor Dr. Joachim Curtius und warnt davor dass wir „mit einem ‚Weiter-so-wie-bisher‘ eine ganze Reihe von katastrophalen Folgen wahrscheinlich machen“.

Nicht nur in Amerika, auch in Deutschland gäbe es noch erhebliche Teile der Bevölkerung, die diese Befunde nicht anerkennten. Bei kaum einen anderen wissenschaftlichen Thema werde so häufig an den Befunden gezweifelt, wie beim Klimawandel, aber ohne entsprechende Gegenbeweise vorzulegen, so der Spezialist der experimentellen Atmosphärenforschung Professor Joachim Curtius.

Trump  – alles andere als eine Randerscheinung

Demonstranten mit Schrifttafeln gegen Leugnung des Klimawandels.Foto: Diether v. Goddenthow
Demonstranten mit Schrifttafeln gegen Leugnung des Klimawandels.Foto: Diether v. Goddenthow

„Der wahre Erfolg von Herrn Trump in den USA, der wiederholt per Twitter behauptet hat, dass Klimawandel nur eine Eirfindung Chinas sei, um die amerikanische Wirtschaft zu beschädigen, zeigt leider, dass hier inzwischen sogar eine Mehrheit der Bevölkerung jemanden wählt, der wissenschaftliche Fakten einfach mit populistischen Kurznachrichten vom Tisch wischt, ohne jemals einen wissenschaftlichen  Gegenbeweis  vorzulegen“, ärgert sich Professor Joachim Curtius.

Trump, wehe wenn er völlig von der Kette gelassen wird. Super Motiv beim March for Sciene, der Künstler schaut uns unten an. Danke! Hier bei der Abschlusskundgebug auf dem Römerberg. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Trump, wehe wenn er völlig von der Kette gelassen wird. Super Motiv beim March for Sciene, der Künstler schaut uns unten an. Danke! Hier bei der Abschlusskundgebug auf dem Römerberg. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Vor allem „dass jemand in den USA zum Präsidenten gewählt wird, in dem Land, das seit Jahrzehnten in der Wissenschaft vorne steht, die meisten Nobelpreisträger hervorgebracht hat, auch in den Klimawissenschaften ganz vorne steht“, kann Professor Joachim Curtius wie wohl alle hier auf dem Römerberg kaum fassen. „Das dort jemand zum Präsidenten gewählt wird, der vermutlich in naher Zukunft die Budgets von Klima- und Umweltforschung bei der NASA, NOA, EPA drastisch zusammenkürzen wird, und der möglicherweise entscheidet, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen wieder aussteigen: das ist eigentlich ein Schlag ins Gesicht der gesamten Wissenschaft!“, empört sich Professor Joachim Curtius unter lautstarkem solidarischen Buhrufen der vielen Tausend Zuhörer.

Fast noch erschreckender sei, dass  dieser Mann von einer Mehrheit gewählt wurde und somit alles andere als eine Randerscheinung sei, „die schon wieder weggehen wird“, befürchtet der Klimaforscher.

Aber auch in Europa sei dieser US-Trend „weg vom wissenschaftlichen Diskurs, hin zum ‚ungeprüften-Behaupten und ins Netz stellen‘“ zu beobachten. Diesem Trend folgten anscheinend immer mehr Menschen. „Und diesen Trend gilt es auch aufzuhalten, und dies ist sicher ein Hauptanliegen dieser Veranstaltung heute.“, fordert Professor Joachim Curtius.

Probleme auch Europa – Brexit, Co2-Ausstoß

Ganz bang kann es einem auch beim tieferen Blick nach Europa werden: „Beispielsweise befürchte ich“, so Professor Joachim Curtius, „dass im Zuge eines harten Brexit viele hervorragende britische Forscher in Zukunft nicht mehr in europäischen Forschungsprojekten mitarbeiten dürfen. Auch das wäre ein herber Rückschlag für die Forschung in Europa.“

Und zurück zum Thema Klimawandel, weiß Curtius, dass es sich hierbei ein sehr ernstes und langfristiges Problem sei, weswegen wir  jetzt handeln müssten. Vielleicht sei auch „dieser Hang zu den alternativen Fakten jetzt halt so groß, weil die Aufgabe so gigantisch ist“, fragt der Klimaforscher in die Runde. „Wir müssen die vollständige Dekarbonisierung (Reduzierung von CO2-Emissionen) innerhalb von ein paar  Jahrzehnten schaffen. Dies erfordert den Umbau des gesamten Energiesystems: Verkehr, Landwirtschaft und Privathaushalte, alle müssen da vollständig umorganisiert werden.“, ist Professor Joachim Curtius sicher, wollen wir überhaupt noch eine kleine Chance haben, den Klimawandel zumindest zu verlangsamen.

In Deutschland sei zwar  inzwischen die Erkenntnis da, etwas tuen zu müssen, aber das sei vergleichbar mit den guten Vorsätzen an Silvester, endlich etwas abzunehmen. Aber wenn dann die Verlockungen auf dem Tisch stünden, sei es einfach sehr schwer „absichtlich Diät zu halten“, so Curtius.

Abrupter Klimawandel immer wahrscheinlicher

Deutschland habe in einigen Sektoren sicherlich schon viel erreicht, und gerade bei der regenerativen Stromerzeugung habe sich enorm viel getan. Doch es müsse auch gesehen werden,  dass es noch Sektoren gäbe, wie zum Beispiel die Luftfahrt, bei dem wir uns vom  Ziel, Co 2 einzusparen, eher immer weiter entfernten. „Der Frankfurter Flughafen, der unbestritten extrem wichtig für diese Region ist, dort werden heute pro Jahr 50 Prozent mehr Kerosin in die Flugzeuge vertankt, als noch vor 25 jahren. Wir entfernen uns also von dem Ziel, wirklich drastische Einsparungen bei den Co2-Emmissionen zu schaffen, in diesem Sektor vollständig“, stellt Professor Joachim Curtius dieses Beispiel heraus und warnt eindringlich: „Meine Damen und Herren, beim ungedrosselten ‚Weiterso-wie-bisher‘ wird auch ein abrupter Klimawandel immer wahrscheinlicher. Eine starke Zunahme von Wetterextremen, wie beispielsweise extreme Dürre, und Wasserknappheit im Mittelmeerraum oder prognostizierte Sommertemperaturen oberhalb von 60 Grad am Persischen Golf werden wahrscheinlich.“

Und das ereile Länder, in denen die Lage ohnehin schon sehr problematisch, sehr angespannt und prekär sei. Mehr noch: Die gegenwärtige „Situation ist durchaus vergleichbar mit einem vollbesetztem Bus, der auf eine Steilklippe zufährt: Die USA haben in dieser Situation gerade einen Busfahrer engagiert, der alle Stoppschilder ignoriert, alle Alarmzeichen außer Acht lässt und statt zu bremsen, kräftig Gas gibt“, beschreibt Professor Joachim Curtius Trump als eine Art apokalyptischen Klima-Reiter.

Selbst für eine Vollbremsung wäre es bald zu spät, weswegen wir, die Menschheit, keine Zeit mehr verplempern dürfen. „Wir haben nur einen Planeten, und egal, welche Partei regiert, welcher Couleur man angehört: Nur mit Wissenschaft, mit einer gründlichen Erforschung der sehr komplexen Zusammenhänge und mit faktenbasierten vernünftigen Maßnahmen haben wir eine Chance die Probleme in den Griff zu bekommen“, ist sich der Klimaforscher ganz sicher.

Wissenschaftler live befragt – mit Oliver Bechthold von Schlaulicht

Oliver Bechthold, Podcast-Moderator von Schlaulicht, interviewt die letzten drei hochkarätigen Redner,  hier auf der Bühne mit Professor Dr. Dittmar Graf, den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen, einer der größten Mahner vor weltweit zunehmenden Kreationismus.Foto: Diether v. Goddenthow
Oliver Bechthold, Podcast-Moderator von Schlaulicht, interviewt die letzten drei hochkarätigen Redner hier auf der Bühne mit Professor Dr. Dittmar Graf, den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen, einer der größten Mahner vor weltweit zunehmenden Kreationismus.Foto: Diether v. Goddenthow

Oliver Bechthold, Podcast-Moderator von Schlaulicht, interviewt die drei letzten hochkarätigen Redner auf der Abschlusskundgebung des March for Science auf dem Frankfurter Römerberg: Dr Stephanie Dreyfuerst, Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, GWUP), Professor Dr. Dittmar Graf, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen und Dr. Holm Gero Hümmler, Wissenschafts-Blogger und -autor, GWUP)
Moderator Oliver Bechthold stellt sich und seinen Wissenschafts-Podcast Schlaulicht kurz vor: „Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich bemühe mich um Wissenschaftskommunikation“ „Wir bringen einen Podcast heraus, der nennt sich Schlaulicht http://schlaulicht.info/ und der ist adressiert an Neugierige zwischen 7 und 99. Wir versuchen, wissenschaftlich Themen zu vermitteln, zu kommunizieren, vielleicht auch ein bisschen kindgerecht herunter zu brechen. Und wie gesagt, ich bin kein Wissenschaftler, und dann suchen wir uns oft Hilfe, also Experten, die wir dann „Schlaulichtgestalten“ nennen. Die interviewen wir dann. Und dasselbe mache ich heute mal vor diesem Publikum“, so Olli, wie ihn sein Publikum nennt.

Dr. Stephanie Dreyfürst bringt Übernatürliches auf den Prüfstand

Dr. Stephanie Dreyfürst, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, GWUP. Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Stephanie Dreyfürst, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, GWUP. Foto: Diether v. Goddenthow

Als erste im Reigen begrüßt Olli  Dr. Stephanie Dreyfürst, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, GWUP, und Leiterin des Schreibzentrums an der Goethe-Universität.  Er befragt sie, was GWOP sei und mache und welche Ziele verfolgt würden. Dr. Stephanie Dreyfürst erläutert, dass die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, wie schon der Name sage, sich mit allen Dingen beschäftigen, wovon behauptet würde, dass sie übernatürlich seien auf ihre Stichhaltigkeit hin. Sie nennten sich auch Skeptiker, aber in Bezug auf Parawissenschaften und stellten stets solche Fragen: „Ist das so? Kann man diese Behauptung irgendwie nachweisen? Was hat das eigentlich mit der Wissenschaft zu tun?“ „wir versuchen einfach skeptisch zu bleiben in dem Sinne, dass wir nichts erstmal einfach glauben, was einem erzählt wird, egal, ob das sich jetzt um Aufkleber handelt die man sich an sein Auto kleben soll, um angeblich weniger Benzin damit zu verbrauchen oder um irgendwelche Schamanen, die einem erzählen, dass man irgendwie sein Chi erstmal schön durchgeputzt bekommt, damit das mit dem Leben besser klappt“, erläutert Dr. Stephanie Dreyfürst die Haltung von GWUP und den Skeptikern.

Mit PSI-Tests der übernatürlichen Wahrheit auf der Spur

Olli hakt nach, fragt nach Tests, die die GWUP durchführt: „Genau: Es gibt einmal im Jahr die sogenannten PSI-Tests. Wer das vielleicht schon mal gehört hat: Die finden in Würzburg statt, und da kann man, wenn man glaubt, parawissenschaftliche Fähigkeiten zu haben, sich melden und sagen: ‚Ja, ich kann das mit der Wünschelrute, und finde jeden Goldschatz,  ich kann auspendeln, ob diese Pflanze irgendwie vom Schimmelpilz befallen ist oder nicht“, so Dr. Stephanie Dreyfürst.  Und würde das unter strengen wissenschaftlichen Bedingungen getestet, und wer sozusagen oberhalb der statistischen Wahrscheinlichkeit eine Trefferquote erzielte, bekäme 10 000 Euro. Diese 10 000 Euro seien jedoch in der mittlerweile schon Jahrzehnte lang stattfindenden Testreihe noch niemals vergeben worden, weiß Dr. Stephanie Dreyfürst zu berichten. Diese ernüchternden Ergebnisse hielten aber viele Leute nicht davon ab, es dennoch zu versuchen und ihre ausgemachten übernatürlichen Phänomene oder eigenen Kräfte messen zu lassen.. Das sei ja auch genau der Sinn der Sache. „Also wer sich dafür interessiert: Unter PSI-Tests (http://blog.gwup.net/category/psi-tests/ ) findet man da auch die spannende Versuchsanordnung, die im Übrigen mit den Personen selbst ausgehandelt werden, die sozusagen diese Behauptungen, sie könnten zum Beispiel den ‚Toten Hund der Nachbarin orten‘, aufstellen“, erklärt die Skeptikerin die Regularien.

Demo-Impressionen beim March for Science. Alle können bei den Skeptikern mitmachen.Foto: Diether v. Goddenthow
Demo-Impressionen beim March for Science. Alle können bei den Skeptikern mitmachen.Foto: Diether v. Goddenthow

Nicht nur Naturwissenschaftler und Akademiker können bei den Skeptikern mitmachen, sondern Menschen aus allen Berufen, die einfach eine skeptische Motivation haben?, lädt Dr. Stephanie Dreyfürst Interessenten ein, sich den Skeptikern anschließen zu können und nennt als aktuelle Veranstaltung Skepkon in Berlin. (https://www.skepkon.org)

 

Professor Dr. Dittmar Graf: Wer Wissenschaft ablehnt, lehnt häufig auch die Evolution ab!

Professor Dr. Dittmar Graf, den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen: "Über 40 Prozent lehnen in den USA  die Evolution ab".   Foto: Diether v. Goddenthow
Professor Dr. Dittmar Graf, den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen: „Über 40 Prozent lehnen in den USA die Evolution ab“. Foto: Diether v. Goddenthow

Nonstop folgt der nächste hochkarätige Gast in der Talkrunde: Olli begrüßt Professor Dr. Dittmar Graf, den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen. Professor Graf ist ein international bekannter und renommierter Didaktiker, der sich mit Lehren und Lernen in Hochschulen, Schulen und der Bildung  beschäftigt. Olli befragt ihn über die Einstellung zur Evolution in den USA und in Deutschland, und da sprudelt es nur so aus dem Didaktik-Professor heraus, als habe er eine wunden Pickel erwischt:  Es wäre tatsächlich so erschreckend wie  Umfragen immer wieder zeigten, „dass in den USA über 40 Prozent der Menschen, die befragt werden, Evolution als Tatsache ablehnen!“. Professor Dittmar Graf ist so erschüttert darüber, dass er es nochmals wiederholt: „Über 40 Prozent lehnen in den USA also die Evolution ab. Eine wissenschaftliche Tatsache wird einfach so schlichtweg abgelehnt.“ Er und Kollegen versuchten nun bei diesen Dingen die Ursachen zu erforschen. „Wieso lehnen die das ab?“

Nicht bloß „Fromme“ sind gegen die Evolution

Was vielleicht das Naheliegendste dabei immer sei, zu denken, bloß jemand, der sehr stark gläubig wäre, der sich sehr stark an der Bibel orientiere, lehne  Evolution ab. Das stimme zwar auch, so der Biologiedidaktiker. Aber es gäbe noch einen zweiten Faktor, der eigentlich noch stärker durchschlage, was vielleicht ein bisschen überraschend wäre: „Das ist tatsächlich das Verständnis von Wissenschaft, Verständnis und Akzeptanz von Wissenschaft. Wer Wissenschaften nicht versteht, und Wissenschaft ablehnt, der lehnt in vielen Fällen auch die Evolution ab,“ hat Professor Dittmar Graf herausgefunden. Und es sei für ihn als Didaktiker eine zentrale Aufgabe, „dafür zu sorgen, dass in der Schule, das was Wissenschaft ist, das was Wissenschaft ausmacht, das was Wissenschaft will, wie Wissenschaft funktioniert, in einer viel breiter gehenden Art und Weise zu vermitteln als das bis jetzt gemacht wird.“, erläutert Professor Dittmar Graf.

Demo-Impressionen des March for Science Frankfurt. Foto: Diether v. Goddenthow
Demo-Impressionen des March for Science Frankfurt. Foto: Diether v. Goddenthow

Kochrezept-Wissenschaft statt Forschungsdrang zu wecken

Was Professor Dittmar Graf zurzeit auch ein wenig wurme, wäre, dass Wissenschaft, wissenschaftliche Experimente, häufig  in Schulen wie Kochrezepte durchgeführt würden. Als wäre Wissenschaft so eine Art Kuchenbacken nach Rezept, dabei bliebe jedoch der Forschergeist, die Suche nach der Wahrheit und die Neugierde, Neues selbst zu entdecken, häufig auf der Strecke.

Religion ist im Unterricht der USA verboten

Und wie es um den Schulunterricht in Bezug auf Wissenschaft in den USA bestellt sei, fragt Olli von Schlaulicht nach:

In den Vereinigten Staaten werde ja schon, solange es Evolution regelmäßig im Unterricht gäbe, also seit den 60er Jahren, versucht, „das entweder wieder herauszunehmen, oder eine Schöpfungslehre oder schöpfungslehrenartige Inhalte zur Seite zu stellen“, erläutert Professor Dittmar Graf. „Das endet regelmäßig in den Vereinigten Staaten vor Gericht. Das heißt also: Richter entscheiden darüber, ob das Wissenschaft ist. Creation Science gab’s mal, Kreationswissenschaft wurde das genannt, war aber keine Wissenschaft. Das einzige, was die gemacht haben, ist, in die Türkei zu fahren zum Berg Ararat, (http://www.sueddeutsche.de/wissen/vermeintlicher-arche-noah-fund-steinige-enttaeuschung-1.911085 ) um dort nach Überbleibseln der Arche Noah zu suchen. Das war dann die Wissenschaft.“, erläutert Professor Dittmar Graf kopfschüttelnd den  Aktionismus. Damals  haben die Richter vor Gericht entschieden, dass Kreationswissenschaft  reine Religion sei.

Auf den Kreationismus folgte Intelligent-Design

„Dann kam ein paar Jahre später ein neuer Versuch“, so der Biodidaktiker fortfahrend. Es wurde nicht mehr von einem Gott gesprochen, der „alles gemacht hat, sondern von einem intelligenten  Designer. Intelligent Design (https://de.wikipedia.org/wiki/Intelligent_Design  hieß diese Bewegung dann. Der intelligente Designer wurde nicht näher benannt, jeder wusste, dass Gott gemeint ist, es könnte natürlich auch ein Außerirdischer sein. Auch das endete wieder vor Gericht: Und wurde wieder als Religion abgelehnt.“, so Professor Dittmar Graf.

Man müsse dazu sagen, um das zu verstehen, dass in den USA  die Trennung zwischen Staat und Kirche viel ausgeprägter als hier in Deutschland. Man solle es nicht glauben, so Professor Dittmar Graf, aber es dürfe im Unterricht keine religiöse Unterweisung gegeben werden. Alles Religiöse müsse komplett raus. Deswegen versuchten die Anhänger eben auch,  Religiöses als Wissenschaft zu verkaufen.

Neueste Entwicklung: Religion über die Hintertür gegen Evolution und Klimawandel

Anette Thumser von den Humanisten mit dem Brechtzitat: "Wissenschaft: Es ist nicht ihr Ziel, der unendlichen Weisheit eine Tür zu öffnen, sondern eine Grenze zu setzen dem unendlichem Irrtum".Foto: Diether v. Goddenthow
Anette Thumser von den Humanisten mit dem Brechtzitat: „Wissenschaft: Es ist nicht ihr Ziel, der unendlichen Weisheit eine Tür zu öffnen, sondern eine Grenze zu setzen dem unendlichem Irrtum“.Foto: Diether v. Goddenthow

Der neueste Schlenker wäre, so Professor  Dittmar Graf, nun,  nachdem  2005 Intelligent Design ebenfalls von Richtern als Religion entlarvt und als Schulstoff gerichtlich untersagt wurde, den Blick zu erweitern! „Nicht nur die Evolutionsbiologie, oder den Kreationismus nimmt man in den Focus, sondern nimmt den – ebenfalls von vielen bestrittenen – Klimawandel und auch ethische Problemstellungen dazu, etwa mit Fragestellungen: Darf Gentechnik alles Mögliche tun“, so Professor Dittmar Graf. Und dann behaupte man:  Das seien alles gesellschaftliche Probleme, die stark und intensiv diskutiert werden müssten. „Als Schüler kannst Du da nur mitreden, wenn du beide Seiten kennst. Und so solle halt wieder der Kreationismus, die Kreationismuslehre, und eben auch das Leugnen des Klimawandels in den Unterricht hineinkommen.“, zeigt Professor Dittmar Graf die gegenwärtige Entwicklung in diversen US-Bundesstaaten auf. „Das ist ein offenes Rennen. Bis jetzt ist da noch nichts von irgendwelchen Gerichten zu hören. Das wird man sehen, wie sich das in den nächsten zwei, drei Jahren entwickelt.“, so Graf.

Forderung nach Evolution als Unterrichtsfach von der Grundschule an

Selbst in Deutschland, wenn man Befragungsergebnisse anschaue, lehnten immerhin ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung die Evolution ab. Die seien natürlich nicht alle Kreationisten. Vielmehr wäre es oft so ein diffuses Ablehnen, wohl eher aus Unwissenheit heraus, was, wenn man in die Schulen schaue, nicht sehr verwunderlich wäre: Klassischer weise sei „Evolution“ ein Abschluss-Thema, werde kurz vor dem Abitur behandelt oder irgendwo gegen Ende der Sekundarstufe I. Es werde auch gerne, wenn man das nicht unterrichten will, solange rumgemacht, bis das Thema gar nicht mehr drankomme, weswegen es absolut zu kurz käme, hat Professor Dittmar Graf herausgefunden.

Die Humanisten stehen für die individuelle Freiheit, eine soziale Gesellschaft und wissenschaftlichen Fortschritt statt auf religiöse Perspektiven zur Erklärung der Welt  Foto: Diether v. Goddenthow
Die Humanisten stehen für die individuelle Freiheit, eine soziale Gesellschaft und wissenschaftlichen Fortschritt statt auf religiöse Perspektiven zur Erklärung der Welt Foto: Diether v. Goddenthow

EVO-Kids – Evolutionsunterricht schon ab der Grundschule

Um endlich die wissenschaftlich fundierte Lehre von der Evolution verstärkt an junge Leute heranzubringen, wurde die Initiative EVO-Kids (https://evokids.de/) ins Leben gerufen. Zumindest sei eines der Dinge, die EVO-Kids will, „den Evolutionsunterricht deutlich nach vorne ziehen bis hin in die Grundschule. Dass Evolution stattgefunden hat, verstehen Kinder in der Grundschule auch schon. Die interessieren sich sogar wahnsinnig für Dinosaurier. Das wissen alle. Und trotzdem kommt es in den Grundschullehrplänen nicht vor. Das halten wir für einen großen Fehler, und wie gesagt: Wir stehen dafür und haben schon ganz viel Unterrichtsmaterialien für die Grundschule entwickelt“, berichtet der Institutsleiter, der zwei Tage zuvor, gemeinsam mit namhaften Kollegen und der führenden Wissenschaftsorganisation Leopoldina eine über 50seitige Stellungnahme zum Evolutionsunterricht an der Schule und auch an der Hochschule herausgegeben hat. Denn die momentane weltweite Ausbreitung des Kreationismus, auch in der muslimischen Welt, sei geradezu erschreckend.

https://www.leopoldina.org/uploads/tx_leopublication/2017_Stellungnahme_Evolutionsbiologie.pdf

Dr. Holm Gero Hümmlers „Quantenquark“ – und andere entlarvte alternativen Fakten 

Vor Ollis Mikro: Dr. Holm Gero Hümmler. Physiker, Unternehmensberater und Autor von: "Relativer Quantenquark. Kann die moderne Physik die Esoterik belegen?" Foto: Diether v. Goddenthow
Als Abschlussredner vor Ollis Mikro: Dr. Holm Gero Hümmler. Physiker, Unternehmensberater und Autor von: „Relativer Quantenquark. Kann die moderne Physik die Esoterik belegen?“ Foto: Diether v. Goddenthow

Last but noch least, begrüßt Interviewer Oliver Bechthold von Schlaulicht den Schlussredner der Abschlusskundgebung auf dem Römerberg des March for Science Frankfurt: Dr. Holm Gero Hümmler. Er ist Physiker, Unternehmensberater und Autor mit dem gerade im renommierten Wissenschaftsverlag Springer erschienenen Buch: „Relativer Quantenquark. Kann die moderne Physik die Esoterik belegen?“,

Einmal befragt, was Quantenquark sei, redet sich der Kern-Physiker mit Ausführungen über Tachyonen-Schwindel, Beobachter-Effekt-Verdrehung  und die „Erforschung von Beamen“ sofort in Rage:

„Quantenquark“ nenne er Versuche,“ ganz gezielt Dinge als wissenschaftlich, als Physik zu verkaufen, die absolut nichts mit Wissenschaft zu tun haben“, so Dr. Hümmler und nennt als Beispiel den Tachyonen-Schwindel. „Tachyonen ist etwas, was man in der theoretischen Physik rechnen kann, als wären es Teilchen, die sich schneller bewegen als das Licht. Das kann man rechnen. Das kann man auch suchen und das tut man seit 100 Jahren. Man hat seit 100 Jahre keine gefunden. Mit anderen Worten: Tachyonen sind rein hypothetische Teilchen“, der Kernphysiker rasch einen laienverständlichen Überblick. Obwohl es die Teilchen gar nicht gibt, können Sie „sich allerdings auch einen Tachyonen-Lufterfrischer kaufen. Sie können Tachyonen-Gegenstände benutzen, mit denen sie Lebensmittel zubereiten können, und dann sollen die Lebensmittel deutlich gesünder sein. Sie können sich Tachyonen-Massage-Öl kaufen, Tachyonen-Gleitgel und Tachyonen-Potenzmittel. Und Sie können sich auch mit Tachyonen massieren lassen. Das ging bis vor kurzem, bis ich angefangen habe, in meinem Blog darüber zu schreiben, unter anderem in einem öffentlichen Wellnessbad der Stadt Ruhpolding. Das passiert alles, und das ist Quantenquark“, regt sich Dr. Hümmler über die Esoterik-Szene auf, die mit -falschverstandener Quantenphysik Geld verdienen möchte.

Aber wo sei denn jetzt das Problem, wenn sich jemand so ’ne Tachyonen-Creme auftrüge, hakt Olli nach. Das Problem wäre einmal, dass die Leute mit solchen Präparaten über den Tisch gezogen würden. Und Dr. Hümmler gibt gleich ein Beispiel von einer Dame. Die hatte letzten Herbst gegen Depressionen ein sogenanntes Quantenenergie-Geräte erworben. Nachdem sie Dr. Hümmlers Blogbeitrag über den Schwindel gelesen habe, habe sie bei ihm angerufen, um nachzufragen, da 1800 Euro, die Gerätekosten, für sie viel Geld seien. „Das ist der eine Aspekt: Da werden Leute wirklich um erhebliche Geldbeträge gebracht für absoluten Unsinn“, resümiert Dr. Hümmler.

Der „Beobachter-Effekt“ ist kein „Teilchen-Bewusstsein“

Ein Beispiel wäre, dem Beobachter-Effekt ein „Teilchen-Bewusstsein“ anzudichten. Es gäbe in der Teilchen-Physik dieses Phänomen, dass man ein kleinstes Teilchen messen kann, ohne es irgendwie zu verändern: „Ich brauche eine Wechselwirkung und muss irgendwie das Teilchen in Kontakt mit dem Messgerät bringen. Und wenn es nur ein einzelnes Teilchen ist, dann wird dieses Teilchen durch diesen Kontakt mit dem Messgerät verändert. Das nennt man Beobachter-Effekt.“, erklärt Holm das Phänomen. Da sei eigentlich nichts hochgradig Besonders dran. „So, und aus diesem Beobachter-Effekt folgern jetzt Leute, beispielsweise Dipl. Ing. (FH) Walter Thurner, der im rechtsesoterischen Sendungskanal Querdenken TV verbreitet hat, dass kleinste Teilchen ein Bewusstsein haben. Denn sie (die Teilchen) wüssten ja, dass sie gemessen werden. Deswegen verändern die sich. Und diese kleinsten Teilchen denken nach, und merken, dass sie jemand misst. Also, das ist Quanten-Quark.“, entrüstet sich der Kernphysiker erneut.

Aufregen kann sich Dr. Hümmler auch über reißerischen und falsch verstandene  Wissenschaftskommunikation, wenn etwa aus der Erforschung  der Quantenteleportation die „Erforschung des Beamens mit Aussicht auf baldigen Durchbruch“ werde. „Leute bleibt seriös, redet über das, was ihr tut, und stellt es vernünftig da. Weil auch das ist Teil guter Wissenschaftskommunikation, ehrlich und solide zu bleiben“ mahnt Dr. Hümmler an.  Wer mehr und genaueres lesen möchte, dem sei Hümmlers Buch „Relativer Quantenquark. Kann die moderne Physik die Esoterik belegen?“ wärmstens empfohlen.

Dr. Julia Krohmer  – Resümee: Einmaliges Ereignis

Dr. Julia Krohmer, Biologin am Senckenberg-Institut: "Es gab nie eine Veranstaltung, die so breit von allen wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland unterstützt wurden".Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Julia Krohmer, Biologin am Senckenberg-Institut: „Es gab nie eine Veranstaltung, die so breit von allen wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland unterstützt wurden“.Foto: Diether v. Goddenthow

Dr. Julia Krohmer, vor allem für die Pressearbeit im Orgateam der March for Science zuständig, verabschiedet die Teilnehmer, nachdem sie  Oliver für seinen Rundumschlag  in dieser Interviewform herzlich dankte. Wieder an die Menschenmenge gerichtet, resümierte die Biologin: „dass Sie heute hier alle an einem wirklich einmaligen Ereignis dabei waren. Es gab nie eine Veranstaltung, die so breit von allen wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland unterstützt wurden: die  Hochschulrektorenkonferenz, die Allianz der Wissenschaftsorganisationen und wirklich alle namhaften Einzeleinrichtungen. Alle haben hier geschlossen zum March for Science  aufgerufen  und das gab’s in der Geschichte noch nie“,  freute sich die Biologin von  der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Wer das nochmal nachlesen wolle, könne dies auf der Seite des Science-March Germany. Dort sei die komplette Unterstützerliste angezeigt, die sich für heute solidarisch erklärt haben, so Dr. Julia Krohmer und fügt hinzu: „Was ich auch noch sagen wollte: Wir haben jetzt das heute als einmaliges Ereignis geplant. Der Schwung, der jetzt zustande kam, Ideen, die auftauchen: Es kann ja weitergehen. Wir haben dazu momentan noch keinen Plan. Aber wiederum auf der Seite von Science-March-Germany, wenn Sie das mal googeln, gibt es eine Rubrik, eine Maske, wo man sich eintragen kann, wenn man sich einbringen möchte, Ideen vorbringen, Diskussion anregen, wie es hier weitergehen könnte mit dieser Initiative.“, lädt Dr. Julia Krohmer Interessenten auf die Website ein.

Demo-Impression March for Science Frankfurt am 22. April 2017. Hier: vorbei an der Alten Oper.Foto: Diether v. Goddenthow
Demo-Impression March for Science Frankfurt am 22. April 2017. Hier: vorbei an der Alten Oper.Foto: Diether v. Goddenthow

Vielleicht könne man  draus etwas machen, was länger dauere, was Schwung in die Welt bringe, was dafür sorge, dass langfristig  Wissenschaft die Grundlage unserer offenen demokratischen  Gesellschaft bleibe, motiviert die Biologin zum Weitermachen im Kampf gegen die wachsende Einschränkung freier Wissenschaft und Forschung!

Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst

Kurzfassung: March for Science in Frankfurt gegen Fake-News und Religionsfundamentalismus

Siehe auch: https://www.facebook.com/ScienceMarchFFM/