Kategorie-Archiv: Universitätsmedizin Mainz

Uni-Medizin Mainz: Neuer Ansatz zur Verbesserung der Angsttherapie entdeckt

Neuer Ansatz zur Verbesserung der Angsttherapie entdeckt
Mainzer Wissenschaftler veröffentlichen neue Erkenntnisse in der Resilienzforschung in Nature Communications

(Mainz, 26. November 2018, br) Traumatische Erfahrungen können sich tief in das Gedächtnis eingraben. Wie sich eine daraus entstandene Furcht langfristig reduzieren lässt und wie es nach einer Traumatisierung gar nicht erst zu einer dauerhaften Belastungsstörung kommt, darauf haben Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz neue Hinweise gefunden: Der Schlüssel liegt in entsprechenden neuen, positiven und fest im Gedächtnis verankerten Erfahrungen. Durch diese lernen die Traumatisierten, dass die angstauslösenden Reize oft harmlos sind. Dafür ist es allerdings erforderlich, dass sich Betroffene ihren Angstauslösereizen immer wieder aussetzen. Die Forscher haben die Hirnprozesse, die solchen positiven Lernerfahrungen zugrunde liegen, genauer untersucht. Die Erkenntnisse könnten helfen, die Therapie von Angsterkrankungen und Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) zu verbessern sowie entsprechende präventive Maßnahmen zu entwickeln. Sie sind nachzulesen in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“.

Während einer Extinktionslernerfahrung werden im Präfrontalkortex Aktivierungsmuster generiert, die in einer Ruhephase nach dem Lernen spontan wieder auftreten. Diese Spontanreaktivierungn verfestigen das Gelernte. Quelle: Dr. Anna M.V. Gerlicher
Während einer Extinktionslernerfahrung werden im Präfrontalkortex Aktivierungsmuster generiert, die in einer Ruhephase nach dem Lernen spontan wieder auftreten. Diese Spontanreaktivierungn verfestigen das Gelernte. Quelle: Dr. Anna M.V. Gerlicher

Das menschliche Gehirn ist veränderbar. Es lässt sich durch Erfahrungen – gute wie schlechte – (um)formen. Dies ist die Ausgangsprämisse der Resilienzforschung und der Therapien zur Behandlung von Angststörungen. Doch wieso gelingt es bei manchen Menschen, deren Angst zu mindern oder ihnen diese sogar zu nehmen, wenn sie mit einer ursprünglich angstauslösenden Situation wiederholt konfrontiert werden und dabei neue, positive Erfahrungen machen? Und warum hat diese sogenannte ‚Furchtextinktion‘ bei anderen langfristig keinen Erfolg? Wie bildet und stabilisiert das Gehirn eines Menschen dessen Langzeitgedächtnis? Welche Rolle spielen dabei spontane, neuronale Konsolidierungsprozesse, die nach dem Lernen einer neuen, überraschend positiven Erfahrung ablaufen? Diesen Fragen widmeten sich Univ.-Prof. Dr. Raffael Kalisch und Dr. Anna M.V. Gerlicher zusammen mit anderen Wissenschaftlern des Deutschen Resilienz Zentrums (DRZ) Mainz und des Sonderforschungsbereichs 1193 „Neurobiologie der Resilienz gegenüber stressinduzierter psychischer Dysfunktion: Mechanismen verstehen und Prävention fördern“ an der Universitätsmedizin Mainz in der hier vorgestellten Studie.

„Wir wissen schon ganz gut, welche neuralen Prozesse wichtig sind, um zu lernen, dass von einem gefürchteten Reiz gar keine Gefahr mehr ausgeht. Neuere Forschungen haben jedoch gezeigt, dass es sehr wichtig ist, sich auch später noch gut an solche Lernerfahrungen erinnern zu können. Denn nur so gelingt es, nicht immer und immer wieder in unnötige Angstreaktionen zu verfallen und somit resilient gegenüber einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu sein”, erläutert Dr. Anna Gerlicher, Erstautorin der Studie. „Wir haben uns in unserer neuesten Studie daher ganz auf die Frage fokussiert, wie es nach einem solchen ‘Extinktionslernen’ zur Verfestigung des Erlernten in unserem Gedächtnis kommt.”

Das Team um DRZ-AG-Leiter Univ.-Prof. Dr. Raffael Kalisch fand heraus, dass die Gehirne ihrer Versuchspersonen während einer Extinktionslernerfahrung bestimmte Aktivierungsmuster aufwiesen, die nach dem Lernen in einer Ruhephase spontan wieder auftraten. Je häufiger diese Spontanreaktivierungen erfolgten, desto besser konnten sich die Probanden an einem anderen Versuchstag an ihre positive Erfahrung erinnern und desto geringer waren ihre Angstreaktionen auf Auslösereize.

Dass die gedächtnisrelevanten Aktivitätsmuster durch den auch als „Belohnungshormon“ bekannten Neurotransmitter Dopamin unterstützt werden, war eine weitere neue Erkenntnis. „Besonders faszinierend war für uns, dass wir durch Gabe eines handelsüblichen Medikaments, das in den Hirnstoffwechsel eingreift und zu einer Erhöhung des Dopaminspiegels im Gehirn führt, die Anzahl der Reaktivierungen erhöhen und somit im selben Maße spätere Angstreaktionen verringern konnten. Dies brachte folgende neue Erkenntnis: Das Gedächtnis für Extinktionslernen lässt sich, zumindest im Labor, relativ einfach verstärken – und zwar ganz ohne Übung oder Gedächtnistraining”, so Professor Kalisch.

Die Wissenschaftler sehen in ihren Befunden Potential für neue Einsichten in grundlegende Mechanismen der Gedächtnisbildung sowie für mögliche neue Ansätze zur Verbesserung der Traumatherapie.

Weitere Informationen zur Originalpublikation:
A.M.V. Gerlicher, O. Tüscher, R. Kalisch: Dopamine-dependent prefrontal reactivations explain long-term benefit of fear extinction; Nature Communications volume 9, Article number: 4294 (2018) |
DOI: 10.1038/s41467-018-06785-y; www.nature.com/naturecommunications.

Prof. Dr. med. Dorothea Duda-Stiftung zur Wissenschaftsförderung unter dem Dach der Johannes Gutenberg-Universitätsstiftung gegründet

Prof. Dr. med. Dorothea Duda Stiftung unter dem Dach der JGU-Stiftung gegründet. Das Bild zeigt (v.l.): Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der JGU, Stifterin Prof. Dr. med. Dorothea Duda, Helmut Rittgen, Vorsitzender des Vorstands der Johannes Gutenberg Universitätsstiftung. Foto ©: Peter Pulkowski / JGU
Prof. Dr. med. Dorothea Duda Stiftung unter dem Dach der JGU-Stiftung gegründet. Das Bild zeigt (v.l.): Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der JGU, Stifterin Prof. Dr. med. Dorothea Duda, Helmut Rittgen, Vorsitzender des Vorstands der Johannes Gutenberg Universitätsstiftung. Foto ©: Peter Pulkowski / JGU

Die neue Treuhandstiftung unter dem Dach der Johannes Gutenberg-Universitätsstiftung fördert Wissenschaft, Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Anästhesiologie an der JGU und der Universitätsmedizin Mainz

Unter dem Dach der Johannes Gutenberg-Universitätsstiftung wurde eine Treuhandstiftung gegründet: Die Prof. Dr. med. Dorothea Duda-Stiftung fördert Wissenschaft, Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Anästhesiologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Universitätsmedizin Mainz. Mit den Stiftungsmitteln können insbesondere Förderungen und Preise für geeignete Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus medizinischen, pharmakologischen und biologischen Fächern der JGU finanziert werden. „Wir freuen uns sehr über dieses stifterische Engagement an unserer Universität“, erklärt der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Georg Krausch. „Die Spitzenforschung von morgen ist auf die Qualifikation intelligenter Köpfe von heute angewiesen. In der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sehen wir daher eine Kernaufgabe unserer Universität. Allerdings können wir angesichts enger finanzieller Spielräume oft nicht die hierzu notwendigen optimalen Rahmenbedingungen schaffen und sind daher für private Initiativen wie die von Professorin Dorothea Duda sehr dankbar.“

Die Stifterin Prof. Dr. med. Dorothea Christine Duda war von 1984 bis 1999 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Mainz. Hier habilitierte sie sich 1996. Im Januar 2004 wurde sie zur Außerplanmäßigen Professorin der JGU ernannt. Von 1999 bis 2017 war Dorothea Duda als Chefärztin der Klinik für Anästhesiologie des Katholischen Klinikums Mainz (kkm) tätig.

Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehörte das Gebiet der Anaphylaxie, nämlich akut auftretende allergische Reaktionen, die sämtliche Organsysteme des Körpers betreffen und tödlich enden können, oder auch die Vermeidung postoperativer Übelkeit und Erbrechen (PONV – postoperative nausea and vomiting). Darüber hinaus waren ihr insbesondere Aspekte der postoperativen kognitiven Dysfunktion (POCD) und postoperatives Delir ein tägliches Anliegen. POCD umschreibt kognitive Funktionsstörungen nach einem operativen Eingriff, die insbesondere Merkfähigkeit, Lernfähigkeit, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen.

Vor diesem Hintergrund errichtet die Stifterin die Prof. Dr. med. Dorothea Duda-Stiftung als Treuhandstiftung unter dem Dach der Johannes Gutenberg-Universitätsstiftung. Es ist insbesondere Aufgabe und Ziel dieser Stiftung, zur weiteren Erforschung von Phänomenen wie postoperativer kognitiver Dysfunktion (POCD) und postoperativem Delir sowie zur Entwicklung und Anwendung neuer Behandlungsmethoden beizutragen.

Den Beirat der neuen Stiftung bilden die Stifterin Prof. Dr. med. Dorothea Duda, Mainz, Prof. Dr. med. Walther Schmiedt, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, Katholisches Klinikum Mainz, Prof. Dr. med. Monika Seibert-Grafe, Mainz, Prof. Dr. Ulrich Förstermann, Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin der JGU, und Dr. Waltraud Kreutz-Gers, Kanzlerin der JGU.

Die Dachstiftung: Johannes Gutenberg-Universitätsstiftung
Gegründet Ende 2004 unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, verwaltet die Johannes Gutenberg-Universitätsstiftung nun 37 unselbstständige Stiftungen mit einem Kapital von 8,4 Millionen Euro, aus dessen Erträgen im vergangenen Jahr nach Bildung von Rücklagen rund 250.000 Euro für Stiftungszwecke eingesetzt wurden. Privatpersonen, Institutionen und Unternehmen eröffnet die JGU-Stiftung zahlreiche unbürokratische Möglichkeiten innovativen und effizienten Stifterengagements.

Über die Form der Mitwirkung, also die Beteiligung durch Spenden, Zustiftungen ohne Mindestbetrag oder die Errichtung einer eigenen Treuhandstiftung, können die Stifterinnen und Stifter selbst entscheiden. „Die Johannes Gutenberg-Universitätsstiftung macht das Stiften leicht und gewährt viele Vorteile“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der JGU-Stiftung, Helmut Rittgen. „Kompetente Beraterinnen und Berater begleiten den Stiftungsvorgang und helfen bei allen notwendigen Schritten. Darüber hinaus übernimmt die Universitätsstiftung die Stiftungsverwaltung und garantiert eine kompetente Verwaltung des Vermögens.“

Wege in die Zukunft – Wissen stiften
Die Johannes Gutenberg-Universitätsstiftung ermöglicht Stiftern, ganz konkret und dauerhaft Projekte in Forschung, Lehre, Studium, wissenschaftlicher Weiterbildung und Kunstausübung entsprechend ihrer individuellen Lebensziele und Wünsche zu unterstützen. Als eine der größten deutschen Universitäten mit über 31.500 Studierenden und 4.400 Wissenschaftlern in mehr als 150 Instituten und Kliniken bietet die JGU ein attraktives Spektrum von unterstützungswürdigen Projekten quer durch alle Fachrichtungen.

Neben der Unterstützung durch Sachmittel für Geräte oder Forschungsvorhaben besteht für die Stifterinnen und Stifter auch die Möglichkeit, mit Investitionen unter anderem in Stipendien, Graduiertenkollegs oder Auslandsaufenthalte den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern und junge Talente zu qualifizieren.

17. Mainzer Wissenschaftsmarkt MENSCH UND KOMMUNIKATION – VON DER KEILSCHRIFT ZUM HACKATHON – 8.u.9.09.2018

© Archivbild: Diether v. Goddenthow
© Archivbild: Diether v. Goddenthow

MENSCH UND KOMMUNIKATION – VON DER KEILSCHRIFT ZUM HACKATHON
Der spannende Weg der Medienrevolution

(Mainz, 27.08.2018-BL) – Was wissen wir über Keilschrift & Co. oder über 3D-Bilder in der Antike? Sagt uns der Handschriftencensus etwas? Was war die Grundlage für die Massenkommunikation? Und was genau bezeichnet das Zeitalter der Digitalisierung? Sind wir in den Bereichen Augmented und Virtual Reality, künstliche Intelligenz, Robotik und interaktive Medien auf dem neuesten Stand? Was ist ein Hackathon und wie bündelt man digitale Kompetenzen? Was verbirgt sich hinter LCD und OLED? Oder hinter Spin für schnellere Netze? Haben wir uns schon mal Gedanken über Multi-, Inter- und Transkulturalität gemacht?

Alles das ist Kommunikation. Sie war schon immer vielfältig und komplex. Und nun ist sie auch noch digital. Daraus ergibt sich ein riesengroßes Forschungsfeld, das am 8. und 9. September 2018 zum Themenjahr „Mensch und Kommunikation“ die Besucherinnen und Besucher des 17. Mainzer Wissenschaftsmarktes auf dem Gutenbergplatz im Herzen der Landeshauptstadterwartet. Mit viel Engagement und Ideenreichtum haben rund 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der 22 Mitgliedsinstitutionen und Kooperationspartner der MAINZER WISSENSCHAFTSALLIANZ e.V. 42 spannende Projektpakete gepackt und auf 800 Quadratmetern Fläche aufgebaut. Sie freuen sich darauf, Jungen und Alten, Laien und Experten auf leicht verständliche Art und Weise ihre Herzensprojekte vorzuführen und sie zum Mitmachen, Mit(er)leben und Mitreden einzuladen.

„Das Themenjahr 2018 ‚Mensch und Kommunikation‘ steht im engem Zusammenhang mit dem Mainzer Gutenbergjahr 2018 – und verbindet so den Blick in die regionale wie überregionale Geschichte mit der Erforschung und Weiterentwicklung der Kommunikation von morgen,“ erklärt der Vorstandsvorsitzende der MAINZER WISSENSCHAFTSALLIANZ und Hochschulpräsident, Professor Dr. Gerhard Muth. „An der Universität und an den Hochschulen wird zur Weiterentwicklung und zur Anwendung moderner Medien sowie zur Medienrezeption geforscht und gelehrt. Wissenschaftlichen Museen, Forschungsinstitute und Unternehmen entwickeln innovative Kommunikations- und Vermittlungsformate und erproben den Einsatz neuer Medien. Eindrucksvoll zeigen unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihren Projekten auf dem Wissenschaftsmarkt mit dem Jahresthema wiederum einen weiteren für unsere Gesellschaft bedeutsamen Schwerpunkt der Mainzer Wissenschaft und Forschung“, freut sich Muth.

17. Wissenschaftsmarkt im Detail

KRISTALISATIONSFIGUR JOHANNES GUTENBERG
Im Zeitraffer durch die Mediengeschichte
Stimmen, Stationen und Inspirationen

Wie in vergangenen Kulturen mit Bild- und Körpersprache kommuniziert wurde, vermittelt das Graduiertenkolleg (GRK) 1876 „Frühe Konzepte von Mensch und Natur“ der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Das Institut für Altertumswissenschaften der JGU gibt Einblicke in frühe Informationstechnologien. „3D-Bilder auf antikem Tafelgeschirr“ titelt ein Projekt der Hochschule Mainz und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM), das sich auf die Suche nach der Sprache der Dinge macht. Auch das Landesmuseum Mainz zeigt anhand von Restaurierungen der großen Mainzer Jupitersäule und der sogenannten Stadioner-Säule die Möglichkeiten der Kommunikation auf. „Gab es auch vor Gutenberg schon Bücher?“ fragt die Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz, und erzählt von der Erfassung und Beschreibung von mittelalterlichen Handschriften und neuzeitlichen Aktendeckeln für den Handschriftencensus.

Mitte des 15. Jahrhunderts druckte Johannes Gutenberg seine legendäre Bibel mit beweglichen, wiederverwendbaren Lettern und legte die Basis auch zu unserer heutigen Kommunikationsgesellschaft. Da darf das Gutenberg-Museum, seit Jahresbeginn offizielles Mitglied der MAINZER WISSENSCHAFTSALLIANZ, auf diesem „besonderen“ Wissenschafts-markt natürlich nicht fehlen. „Wir geben einen Vorgeschmack auf unsere bevorstehende Sonderausstellung zum Gutenberg-Jahr, die Bedeutung, Entwicklung und Auswirkungen des frühen Drucks in Europa und Asien eindrucksvoll in direktem Vergleich präsentieren wird. Wer möchte, kann bei uns auch selbst einmal `Druck machen´ und sich seinen Gutenberg mit nach Hause nehmen“, freut sich Dr. Annette Ludwig, Direktorin des Gutenberg-Museums. Selbstverständlich ist auch die Mainzer Buchwissenschaft der JGU mit von der Partie, die den großen Bogen schlägt von der Antike über Gutenberg bis zur Zeit der Digitalisierung – mit Impulsvorträgen, interaktiven Aktionen sowie der Uraufführung der Jazz-Suite „Aus dem Leben eines Heidelberger Tiegels“ durch das Marko-Mebus-Quartett. „Eine Ausstellungs-eröffnung hat mich mit dem Jazzer Marko Mebus zusammengebracht und die Idee entstand, eine Hommage an die vergessenen Helden der bedeutendsten Medienrevolution, die Druckmaschinen, aufzuführen“, erzählt Albert Ernst, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Mainzer Buchwissenschaft und Projektverantwortlicher.

Natürlich ist auch für Michael Ebling, den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz, der Zusammenklang von Themenjahr und Mainzer Gutenbergjahr ein wichtiger Aspekt. „Wir feiern in diesem Jahr den 550. Todestag Johannes Gutenbergs, des wichtigsten Sohnes unserer Stadt, dessen Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern zu einer der großen Medienrevolutionen der Geschichte und in der Folge zu wesentlichen Veränderungen im Kommunikationsverhalten des Menschen geführt hat. Heute erleben wir mit der Durchdringung unserer Kommunikation mit digitalen Medien einen vergleichbaren Umbruch. Mainz ist eine Stadt der Medien – das wird auch heute hier beim Wissenschaftsmarkt einmal mehr deutlich. All diese wunderbaren Projekte spannen den Bogen von den Anfängen der Informationstechnologie über den ‚Mann des Jahrtausends‘ Gutenberg bis heute, der Zeit der Digitalisierung mit all seinen Facetten!“, zeigt sich Ebling begeistert.

Wo digitale Medien heute überall zum Einsatz kommen, zeigen viele spannende Projekte. Das Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften (mainzed) und das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) zeigen anhand des Projektes „LOD – Wie Wis-sen vernetzt wird“, was es braucht, um im Netz zwischen Daten Verbindungen herzustellen und welche Erkenntnisse dadurch gewonnen werden können. Zudem stellen mainzed, die Universitätsbibliothek der JGU und die Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz (ADW) den Kultur-Hackathon Coding da Vinci vor, der 2018 erstmals in der Rhein-Main-Region stattfindet. „Coding da Vinci Rhein-Main hat das Ziel, Daten aus dem Kulturbereich neues Leben einzuhauchen, indem man etwas Neues daraus macht. Das funktioniert sehr gut, weil Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen wie etwa Programmierung, Design und verschiedensten Wissenschaften in kleinen Teams eng mit Kultureinrichtungen zusammenarbeiten“, erläutert Dr. Elisabeth Klein, Universitätsbibliothek Mainz.

Um die Grundlagen, die die moderne Kommunikation erst möglich machen, geht es unter anderem bei Projekten der JGU wie dem von NaT-Lab für Schülerinnen und Schüler und dem Fachbereich Chemie, Pharmazie und Geowissenschaften, die LCD-Displays und Displays aus OLED unter die Lupe nehmen. Der Sonderforschungsbereich Spin+X der JGU und der TU Kaiserslautern zeigen, dass Magnetismus und Spin auch bei der Datenspeicherung eine Rolle spielen und in Zukunft noch ganz anders eingesetzt werden könnten. Am Stand des Exzellenzclusters PRISMA der JGU erfahren Besucherinnen und Besucher auch, wie am CERN in Genf neben der Entdeckung des Higgs-Teilchens auch das Internet entwickelt wurde. Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der JGU und stellvertretender Vorsitzender der Mainzer Wissenschaftsallianz, zeigt sich sehr erfreut: „Ich bin immer wieder beeindruckt von der Bereitschaft so vieler Forscherinnen und Forscher, die Öffentlichkeit an ihrer Arbeit teilhaben zu lassen und sie für die Wissenschaft zu begeistern. Daher geht mein herzliches Dankeschön und das des Vorstands der MAINZER WISSENSCHAFTSALLIANZ an alle Beteiligten!“

Weitere wichtige Schlagworte zum weiten Feld der Kommunikation sind Robotik und künstliche Intelligenz (KI). Die TH Bingen widmet an ihrem Stand der Interaktion zwischen Mensch und Roboter. Z Quadrat zeigt anhand von in der Forschung zum Testen von KI eingesetzten Computerspielen, welches Wissen ein Computer besitzen muss. Augmented und Virtual Realtity haben ebenfalls ihren Platz gefunden. Am Stand des Instituts Designlabor Gutenberg der Hochschule Mainz beispielsweise kann unter „Hidden Zoo – Augmented Reality Tiere in Mainz“ ein virtueller Zoo ganz real erkundet werden, und das Institut für Informatik der JGU zeigt ein virtuelles Modell des Gutenberg-Campus, das mit Hilfe von Virtual Reality-Brillen einen Rundgang über den Campus erlaubt. Wissenschaft mit Videos, Podcasts oder interaktiven Medien verständlich zu erklären, ist längst Alltag. Das Zentrum für Audiovisuelle Produktion (ZAP) der JGU zeigt, wie Legetrickfilme funktionieren und lädt die Besucherinnen und Besucher zum Legetrick-Karaoke ein.

Mit Sprache als Medium der Vermittlung von Kultur und Identität beschäftigt sich der Fachbereich Soziale Arbeit und Sozialwissenschaften der Katholischen Hochschule Mainz. Die Universitätsmedizin Mainz bringt Projekte zur Erforschung von Resilienz und zur Sprache des Körpers sowie zur Medizingeschichte mit ein. Daran beteiligt sind das Deutsches Resilienz Zentrum, das Universitäre Centrum für Tumorerkrankungen (UCT) Mainz und das Institut für Geschichte, Theorie und Ethik. Zeit und Raum, um miteinander ins Gespräch zu kommen und zu netzwerken – und das bei „coolen“ Getränken, kommunikationsstark ausgeschenkt von unserem Kooperationspartner „Vogelfrei.Barkultur“, bietet zudem das Zelt „place to be“.

„Die MAINZER WISSENSCHAFTSALLIANZ ermöglicht erneut einen faszinierenden Einblick in das große Leistungsspektrum der Mainzer Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Den Forscherinnen und Forschern gelingt es Jahr für Jahr, die Türen der Wissenschaft weit zu öffnen, alle Mitbürgerinnen und Mitbürger, ob jung oder alt, zum Mitmachen einzuladen und das Wissenschaftsverständnis und –interesse, insbesondere auch bei Kindern und Jugendlichen zu fördern“, betont Prof. Dr. Salvatore Barbaro, Staatssekretär für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur. „Das Angebot an Projektideen geht quer durch die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und bietet den Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in das große Spektrum der Forschungsaktivitäten am Standort Mainz. Das diesjährige Thema ‚Mensch und Kommunikation‘ gibt zum Beispiel spannende Einblicke in Bild- und Körpersprache, lädt zur Suche nach der Sprache der Dinge ein oder gewährt Einblicke in frühe Informationstechnologien.“

ERÖFFNUNG, ZAHLEN UND FAKTEN
Der 17. Mainzer Wissenschaftsmarkt wird am Samstag, 8. September 2018, um 10 Uhr, auf dem Balkon des Staatstheaters eröffnet. Es sprechen Staatssekretär Professor Dr. Salvatore Barbaro (Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz), der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling, der Intendant des Staatstheaters, Markus Müller, sowie Professor Dr. Gerhard Muth, Vorstandsvorsitzender der MAINZER WISSENSCHAFTS-ALLIANZ und Präsident der Hochschule Mainz. Die Eröffnungsfanfare gestalten auch in diesem Jahr Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz.

Öffnungszeiten Wissenschaftsmarkt 2018:
Samstag, 8. September 2018, 10 bis 18 Uhr
Sonntag, 9. September 2018, 11 bis 18 Uhr
Eröffnung, Samstag, 8. September 2018, 10 Uhr, vor dem Staatstheater

Zeitpläne /Begleitprogramm

Weitere Infos zum 17. Mainzer Wissenschaftsmarkt

Vortragsreihe im Resilienz Zentrum der Mainzer Unimedizin – Auswirkungen von Stress im Zusammenhang von Schwangerschaft und Geburt

Auswirkungen von Stress im Zusammenhang von Schwangerschaft und Geburt

Deutsches Resilienz Zentrum (DRZ) Mainz setzt am 29. August seine Vortragsreihe „Mainzer Resilienz Gespräche“ fort

(Mainz, 22. August 2018, as) „Auswirkungen von Stress im Zusammenhang von Schwangerschaft und Geburt“ – unter diesem Titel führt das Deutsche Resilienz Zentrum (DRZ) Mainz am Mittwoch, den 29. August 2018, seine Veranstaltungsreihe „Mainzer Resilienz Gespräche“ weiter. Referent des Abends ist Prof. Dr. Michael Deuschle vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Er geht der Frage nach, wie Stress in der Schwangerschaft und der frühen Kindheit nachhaltig die Gesundheit beeinflusst. Der Vortrag findet von 18.00 bis 19.30 Uhr in der Alten Mensa auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Johann-Joachim-Becher-Weg 3-9, 55128 Mainz) statt. Der Eintritt ist frei.

Stress: Ein Zustand, den wohl jeder kennt und dessen möglichen Folgen kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird. Doch gerade bei Schwangeren kann Stress schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen – für Mutter und Kind. Denn die Stressreaktion von heute beeinflusst die Entwicklung von morgen.

In seinem Vortrag beleuchtet Prof. Dr. Michael Deuschle die Risiken von Stress während Schwangerschaft und Geburt. Er erklärt, wie Reize und Belastungen während einer Stresssituation den Körper zwingen sich anzupassen, um die sogenannten Stressoren zu bewältigen. Auf lange Sicht kann diese Anpassungsreaktion Folgen auf die körperliche und seelische Gesundheit haben. Zum Beispiel kann Stress über die gesamte Lebensspanne nachhaltig das Risiko für spätere Erkrankungen beeinflussen.

Die vom Referenten präsentierte POSEIDON Studie gibt Hinweise darauf, dass insbesondere Stress in der Schwangerschaft und frühen Kindheit nachhaltige Effekte auf die Gesundheit hat. Die Studie analysiert eine Kohorte von 400 Kindern, die seit der Schwangerschaft prospektiv untersucht werden. Die bislang vorliegenden Daten befassen sich mit dem Zusammenhang zwischen mütterlichem Stress in der Schwangerschaft und epigenetischen Merkmalen, Schwangerschaftsverlauf und Geburtsgewicht, Mutter-Kind-Interaktion und Aktivität des Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Systems bei Kindern im Alter von 45 Monaten.

Der Vortrag behandelt hauptsächlich die Folgen von Stress in der Schwangerschaft. Die Daten geben jedoch auch Aufschluss über den Gesamtzusammenhang mit Effekten von Stress auf die Gesundheit über die Lebensspanne, von prä-konzeptionell bis zum Erwachsenenalter. Als Beispiel wird die Stressaktivierung bei Depressionen herangezogen.

Durch den Abend führt Univ.-Prof. Dr. Klaus Lieb, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Deutschen Resilienz Zentrums und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz.

„Nachtvorlesung für jedermann“ in der Universitätsmedizin Mainz Aktuelle Staffel informiert zum Thema „Leitsymptome – Unheil droht“

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

(Mainz, 15. August 2018, as) Am Donnerstag, den 16. August, geht die Veranstaltungsreihe „Nachtvorlesung für jedermann“ in die nächste Runde. Unter dem Motto „Leitsymptome – Unheil droht“ beleuchten die Dozenten in der aktuellen Staffel unterschiedlichste Krankheitsanzeichen und ihre möglichen Diagnosen. Sie gehen Symptomen wie häufigem Harndrang, Heiserkeit oder Unterbauchschmerzen auf den Grund und geben Anhaltspunkte dafür, wann der Weg zum Arzt die richtige Entscheidung ist. Die kommenden Themenabende finden jeweils donnerstags ab 20 Uhr im großen Hörsaal der Chirurgie der Universitätsmedizin Mainz statt (Gebäude 505H, Universitätsmedizin Mainz, Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz). Eintritt und Bewirtung sind frei.

Nur etwas vergesslich oder schon dement? Eine leichte Blasenentzündung oder doch ein Tumor? Sogenannte Leitsymptome – also Anzeichen einer bestimmten Erkrankung, die dem Arzt als Orientierungshilfe bei der Diagnosefindung dienen – können auf unterschiedliche Krankheitsentwicklungen hinweisen. Ob Bagatelle oder lebensgefährliche Situation ist dabei häufig schwer zu erkennen. Umso wichtiger ist es, Symptome einschätzen und bewerten zu können – und im Notfall den Arzt zu kontaktieren. Die aktuelle Staffel der Nachtvorlesung sensibilisiert für die „vermeintlichen Zipperlein“ und erklärt, wann diese zu akuten, chronischen oder lebensbedrohenden Problemen werden können.

Zum Auftakt der Veranstaltung am Donnerstag, den 16. August 2018, spricht Univ.-Prof. Dr. Norbert W. Paul, Vorsitzender des klinischen Ethikkomitees, über den Umgang mit lebensbedrohlichen Leitsymptomen. Unter dem Titel „Aus dem Nichts“ macht er auf die kleinen Hinweise des Körpers aufmerksam, die mitunter dramatische Folgen haben können. Aus dem Zentrum für Allgemeinmedizin und Geriatrie informiert Prof. Dr. Roland Hardt zum Thema Vergesslichkeit. Dr. Angela Kornberger aus der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie (HTG), beschäftigt sich mit dem Symptom Harndrang. Wissenswertes zum Thema Blut im Urin erfahren die Hörer der Nachtvorlesung von PD Dr. Wolfgang Jäger aus der Klinik für Urologie und Kinderurologie.

Am Donnerstag, den 23. August 2018, widmet sich Prof. Dr. Axel Methner aus der Klinik und Poliklinik für Neurologie dem Symptom Händezittern. Konkret: Ab wann ist das Zittern der Hand ein tatsächliches Problem? Zum Thema Gelenkschmerzen referiert der Leiter des Schwerpunktes Rheumatologie, Univ.-Prof. Dr. Andreas Schwarting. Er zeigt auf, wann und wo man auf seine Gelenke horchen sollte. Ferner beleuchtet Dr. Kathrin Dohle aus der HTG das Thema Heiserkeit: häufig nur Begleiter eines harmlosen grippalen Infekts, kann sie in Ausnahmefällen das Anzeichen einer erweiterten Brustschlagader sein. Mit dem Symptom Schwerhörigkeit, das keinesfalls ausschließlich altersbedingt auftritt, befasst sich Univ.-Prof. Dr. Christoph Matthias, Direktor der Hals-, Nasen-, Ohrenklinik und Poliklinik.

Am letzten Abend der aktuellen Staffel, Donnerstag, den 30. August, stehen fünf weitere spannende Themen auf der Agenda: PD Dr. Daniel W. Kauff aus der Klinik für Allgemein- Viszeral- und Transplantationschirurgie nimmt sich in seiner Nachtvorlesung dem Symptom Unterbauchschmerzen an. Der Leiter der internistischen Notaufnahme, Dr. Andreas Fischbach, klärt zum Thema Schüttelfrost auf – ein Syndrom, das durchaus den Weg zum Notarzt erfordern kann. Was bei einer Insektengiftallergie zu berücksichtigen ist, erläutert Prof. Dr. Joachim Saloga aus der Hautklinik. Aus dem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin berichten Univ.-Prof. Dr. Fred Zepp zu Hautbefunden im Kindesalter sowie OA Dr. Olaf Beck zu Lymphknotenschwellung bei Kindern. Sie erklären, warum gerade bei Kindern die Diagnose eine besondere Herausforderung darstellt.

Termine der aktuellen Staffel: 16.08.2018, 23.08.2018, 30.08.2018

Ausstellung „Wege aus der Depression“ ab 2. August in der Universitätsmedizin Mainz

(Mainz, 26. Juli 2018, br) Wie empfinden Depressive ihre Erkrankung? Welche Wege haben sie aus der Depression heraus geführt? Darüber geben 20 Fotografien, Malereien, Kunstdrucke und Grafiken vom 02. bis 30. August 2018 in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz Auskunft. Die Kunstwerke sind im Rahmen von Kreativwettbewerben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe entstanden und seit 2013 als Wanderausstellung „Wege aus der Depression“ in Deutschland und der Schweiz zu sehen. Die Vernissage für die Präsenz in Mainz – inklusive der Interpretation einiger ausgewählter Bilder durch Experten – findet am Freitag, 3. August 2018, um 11:00 Uhr mit dem Kliniksdirektor Univ.-Prof. Dr. Klaus Lieb und dem Mainzer Bündnis gegen Depression statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, an der Eröffnung im Foyer in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz (Gebäude 920, Untere Zahlbacher Str. 8, 55131 Mainz) teilzunehmen. Der Eintritt ist frei!

Graues wird zu Buntem, Visionen von Hoffnung und Helligkeit, zur Realität gewordene Auswege. Die ab dem 2. August täglich von 10.00 bis 16.00 Uhr im Foyer der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in der Universitätsmedizin Mainz zu sehende Wanderausstellung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zeigt individuelle Darstellungen zum Thema Depression und mögliche Wege aus der Erkrankung.

Die 20 Kunstwerke sollen zum einen eine Krankheit ins Bewusstsein rücken, die zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen gehört: die Depression. Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt einmal im Leben an einer Depression. An einer behandlungsbedürftigen Depression erkranken im Laufe eines Jahres in Deutschland ca. 5,3 Millionen Menschen.

Die wesentliche Botschaft der Ausstellung ist jedoch eine positive: Es gibt „Wege aus der Depression“! Diese sind oftmals individuell sehr verschieden. Was den Depressiven zusätzlich zu ihrer medikamentösen und/ oder psychotherapeutischen Behandlung geholfen hat, zurück ins Leben zu finden, stellen die Kunstwerke auf eine ebenso vielfältige Weise dar. Ihnen gemein ist, dass sie eigene Erfahrungen und Perspektiven auf die Erkrankung visualisieren. Die ergänzenden selbstgeschriebenen Begleittexte sollen andere ermutigen, sich auf ihren eigenen Weg aus der Depression zu machen.

Seit 2011 schreibt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe alle zwei Jahre im Rahmen des Deutschen Patientenkongresses Depression einen Foto- und Kreativwettbewerb aus. Ausgezeichnet werden Bilder von Betroffenen und Angehörigen, die „Wege aus der Depression“ aufzeigen. Die Kunstwerke werden in Form einer Wanderausstellung in Gesundheitsämtern, Praxen und Kliniken genauso wie bei Themenwochen rund um die Depression gezeigt. Sie laden zu Gedankenaustausch und Diskussion ein.

Ort:
Foyer in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz (Gebäude 920), Untere Zahlbacher Str. 8, 55131 Mainz

„Platzende Organe“ – Neue Staffel der Reihe „Nachtvorlesung“ an Mainzer Unimedizin ab 21.06.2018

Es wird wieder „blutig“: Auch bei den neuen Terminen am 21. und 28. Juni 2018 der Reihe „Nachtvorlesung“ im Hörsaal 505 der Chirurgie an der Mainzer Unimedizin geht es erneut um „Platzende Organe“. Dieses Mal stehen nicht  Magendurchbruch und Aneurysmen im Vordergrund. Themen sind reißende Lungen, Uterusrupturen, das Platzen von Blase, Nieren & Hoden , Intrakranielle Blutungen und was zu tun ist, wenn es die Hauptschlagader „fetzt“.

Lesen Sie auch Michael Bermeitingers Interview in der Mainzer Allgemeinen Zeitung  vom 15. Juni 2018 mit dem Initiator der Reihe Nachtvorlesungen Professor Christian-Friedrich Vahl, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, über Zysten und wann sie platzen können….

DAS PROGRAMM

Donnerstag, 21. Juni 2018, 20 Uhr
Prof. Hake, Herz-, Thorax-, Gefäßchirurgie (HTG): Wenn die Lunge reißt. Pneumothorax, Lungenemphysem
Dr. Parvanta, Frauenklinik: Platzende Organe bei Frauen – Uterusruptur
PD Helling, Hals-Nasen-Ohren-Klinik: Notfälle HNO-Bereich
PD Höfner, Urologie/Kinderurologie: Platzen von Blase, Nieren & Hoden – Der urologische Notfall

Donnerstag, 28. Juni 2018, 20 Uhr
Prof. Ringel, Neurochirurgie: Wenn einem der Kopf platzt … Intrakranielle Blutungen
Dr. Grimminger, Allg.-, Viszeral-und Transplantationschirurgie: Wenn Organe zerreißen … minimal-invasive Strategien
Prof. Espinola-Klein, Kardiologie: Bauchaortenaneurysma – wann sollte man danach suchen?
Prof. Vahl, Prof. Dorweiler, Dr. El-Beyrouti und Dr. Dohle, alle HTG: Die Aortenunit – schnelle Hilfe, wenn die Hauptschlagader platzt.

Ort:
Mainzer Universitätsmedizin
Hörsaal Chirurgie, Gebäude 505 H

Boehringer-Ingelheim-Preis 2018: Wie Fluglärm krankt macht und wie sich im erwachsenen Gehirn neue Nervenzellen bilden

boehringer-ingelheimpreis

(Mainz, 14. Juni 2018, rdr) Die Boehringer Ingelheim Stiftung zeichnete im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung die beiden Biologen Dr. Frank Bicker und Dr. Swenja Kröller-Schön mit dem diesjährigen Boehringer-Ingelheim-Preis aus. Der mit insgesamt 30.000 Euro dotierte Preis geht zu gleichen Teilen an die beiden erfolgreichen Nachwuchswissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz. Dr. Swenja Kröller-Schön konnte erstmals den molekularen Mechanismus entschlüsseln, über den Fluglärm die Blutgefäße schädigen und damit schließlich zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann. Dr. Frank Bicker hat die bedeutende Rolle des Proteins EGFL7 bei der Bildung neuer Nervenzellen aus Stammzellen im erwachsenen Gehirn nachgewiesen. Diese Erkenntnisse haben direkte Implikationen für das lebenslange Lernen, aber auch für mögliche Therapieansätze im Rahmen der regenerativen Medizin.

„Die Neurowissenschaften und die Gefäßmedizin zählen zu unseren Forschungsschwerpunkten – gleichzeitig sind die Themen alternde Gesellschaft und Lärm in unserem täglichen Leben von großer Relevanz“, betont Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann, Wissenschaftlicher Vorstand und Dekan der Universitätsmedizin Mainz. „Es freut mich sehr, dass wir heute diese beiden Wissenschaftler auszeichnen dürfen, die sich solch wichtigen Forschungsthemen widmen und diese mit großem Enthusiasmus und Professionalität vorantreiben.“

Dr. Claudia Walther, Geschäftsführerin der Boehringer Ingelheim Stiftung, unterstreicht: „Es ist immer wieder eine Freude, beispielhafte Leistungen wie die der diesjährigen Preisträger mit dem Boehringer-Ingelheim-Preis auszuzeichnen. Mehr als 100 fortgeschrittene Nachwuchsforscher und -forscherinnen haben ihn bisher erhalten. Damit steht der Preis auch für das langfristige Engagement der Stiftung für exzellente Wissenschaft in Mainz.“

 Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Huber über „Moderne Immuntherapien für Krebserkrankungen“ Foto: Heike v. Goddenthow
Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Huber über „Moderne Immuntherapien für Krebserkrankungen“ Foto: Heike v. Goddenthow

Im Anschluss an die Verleihung der Urkunden präsentierten die beiden Preisträger ihre Forschungsarbeiten in allgemeinverständlichen Vorträgen. Der ehemalige Direktor der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik und Präsident der Association for Cancer Immunotherapy (CIMT), Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. Christoph Huber, stellte in seinem Festvortrag „Moderne Immuntherapien für Krebserkrankungen“ vor.

Mit dem Boehringer-Ingelheim-Preis zeichnet die Boehringer Ingelheim Stiftung Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz für exzellente wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der theoretischen und klinischen Medizin aus. Der Preis ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert und wird seit 1969 jährlich vergeben.

Einzelheiten zur Arbeit von Dr. Frank Bicker (Jahrgang 1978)

Frank Bicker. © Unimedizin Mainz
Frank Bicker. © Unimedizin Mainz

Dr. Frank Bicker hat die bedeutende Rolle des Proteins EGFL7 bei der Bildung neuer Nervenzellen aus Stammzellen im erwachsenen Gehirn und dessen Wirkungsweise nachgewiesen. Diese Erkenntnisse haben direkte Implikationen für das lebenslange Lernen, aber auch für mögliche Therapieansätze im Rahmen der regenerativen Medizin.

Bei gesunden Erwachsenen herrscht im Gehirn ein Gleichgewicht zwischen Abbau und Neubildung neuer Nervenzellen, da alte, abgestorbene Zellen durch neue ersetzt werden. Die neuen Nervenzellen entwickeln sich dabei aus sogenannten Stammzellen. Sie können sich im Gegensatz zu ausgereiften Nervenzellen noch teilen und so Zellen produzieren, die zu Nervenzellen heranreifen können. Sterben durch Verletzungen oder Krankheit des Gehirns mehr Nervenzellen, wird dieser Prozess angekurbelt. Eines von zwei Reservoirs für Stammzellen ist die Subventrikuläre Zone. Diese Zone versorgt unter anderem den Riechkolben – den Teil des Gehirns, der direkt über der Riechschleimhaut der Nase liegt – mit ausgereiften Nervenzellen. Jedoch reift nur ein sehr geringer Teil aller Stammzellen im Gehirn tatsächlich zu funktionierenden Nervenzellen aus. „Dies lässt uns vermuten, dass die Reifung von Nervenzellen und deren Einbau in das Gehirn ein kritischer Schritt ist“, erläutert Frank Bicker. „Der chronische Verlauf bestimmter neurodegenerativer Erkrankungen wie Demenz oder Morbus Parkinson spricht beispielswiese dafür, dass das Gehirn aus eigener Kraft nicht in der Lage ist, den Verlust von Nervenzellen vollständig auszugleichen, obwohl es durchaus das Potential hat, sich selbst ‚auszubessern‘.“

Deshalb haben die Wissenschaftler sich auf die Suche nach Faktoren gemacht, die die Bildung neuer Nervenzellen stimulieren können – und haben mit dem Protein EGFL7 ein in dieser Hinsicht vielversprechendes Molekül identifiziert und unter die Lupe genommen. EGFL7 wird unter anderem von Zellen in der Wand der Blutgefäße, Nervenzellen und Stammzellen im Gehirn gebildet. „Wir konnten im Tiermodell zeigen, dass EGFL7 zum einen die Bildung von Vorläuferzellen fördert, und zum anderen dafür sorgt, dass diese auch tatsächlich zu reifen Nervenzellen werden und als solche in das existierende Netzwerk aus Nervenzellen im Gehirn eingebaut werden können“, so Frank Bicker. Normalerweise werden die Zellen des Riechkolbens bei Mäusen ständig erneuert. Schalteten die Forscher die EGFL7-Produktion ab, konnten die untersuchten Mäuse schlechter riechen, da weniger Nervenzellen heranreiften.

Zusammenfassend ist nun klar, dass EGFL7 den natürlichen Prozess fördert, bei dem fortwährend neue Nervenzellen entstehen. „Weitere Studien müssen jetzt zeigen, inwieweit wir dieses Protein therapeutisch nutzen können“, resümiert Frank Bicker. „Etwa bei der Behandlung von Demenz und Morbus Parkinson oder sogar bei akuten Verletzungen, wie dem Schlaganfall. Der Schutz des alternden Gehirns zur Prävention von Erkrankungen wird ebenfalls im Fokus weiterer Studien stehen.“

Originalpublikation:

Neurovascular EGFL7 regulates adult neurogenesis in the subventricular zone and thereby affects olfactory perception

Frank Bicker, Verica Vasic, Guilherme Horta, Felipe Ortega, Hendrik Nolte, Atria Kavyanifar, Stefanie Keller, Nevenka Dudvarski Stankovic, Patrick N. Harter, Rui Benedito, Beat Lutz, Tobias Bäuerle, Jens Hartwig, Jan Baumgart, Marcus Krüger, Konstantin Radyushkin, Lavinia Alberi, Benedikt Berninger & Mirko H.H. Schmidt

Nature Communications, 8:15922, DOI: 10.1038/ncomms15922

Einzelheiten zur Arbeit von Dr. Swenja Kröller-Schön (Jahrgang 1979):

Swenja Kröller Schön © Unimedizin Mainz
Swenja Kröller Schön © Unimedizin Mainz

Swenja Kröller-Schön untersuchte in der ausgezeichneten Arbeit den Einfluss von Fluglärm auf die Gesundheit, insbesondere mit Blick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie hat vor allem die molekularen Prozesse untersucht, über die Fluglärm Schäden an den Blutgefäßen verursachen kann. Sie konnte zeigen, dass Fluglärm über den gleichen Mechanismus zu Gefäßfunktionsstörungen führt wie traditionelle Risikofaktoren – ein echter Durchbruch bei der Lärmforschung.

„Aus früheren Studien an gesunden Probanden und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wussten wir, dass Fluglärm insbesondere die Gefäße schädigt“, erläutert Swenja Kröller-Schön. „Die molekularen Mechanismen dieser Gefäßschädigung waren bis dato jedoch unbekannt. Es gab bisher so gut wie keine Studien, die uns erklären konnten, warum und wie Lärm krank macht.“

In einem neu entwickelten Tiermodell konnte die Biologin nun feststellen, dass Fluglärm zu deutlich mehr Stresshormonen und mehr oxidativem Stress führt. Dies stört die Funktion der Gefäße und erhöht den Blutdruck. Sie konnte auch zeigen, dass in den Zellen der Gefäßwände andere Gene aktiv waren. Darüber hinaus entschlüsselte die Biologin gemeinsam mit ihren Forscherkollegen Enzyme, die für den nachhaltigen Gefäßschaden verantwortlich sind. „Basierend auf diesen Daten konnten wir erstmals ein Modell für eine Lärm-induzierte Krankheitsentstehung postulieren“, so Swenja Kröller-Schön. „Die Ergebnisse dieser Studie ermöglichen es somit erstmalig, spezifische Strategien zu entwickeln, die die durch Lärm ausgelösten negativen Konsequenzen für Gefäße abschwächen und so Menschen vor den Folgen des Fluglärms schützen.“

Digitalisierung und Innovation in Forschung und Lehre – Vortragsabend der Reihe „Medizin: Faszination Forschung” am 21.03. Universitätsmedizin Mainz

Universitätsmedizin Hörsaal 505 Archiv-Bild. © Foto: atelier-Goddenthow
Universitätsmedizin Hörsaal 505 Archiv-Bild. © Foto: atelier-Goddenthow

(Mainz, 16. März 2018, br) Auch in der Medizin machen sich die rasanten technischen Entwicklungen der Digitalisierung inzwischen bemerkbar. Doch was bedeutet das für die Beteiligten und ihre Kompetenzen? Welches Innovationspotential birgt die Digitalisierung für die Medizin? Wo liegen die Chancen und Risiken? Welche strukturellen Investitionen und Änderungen der Gesundheitsstrukturen sind erforderlich? Diesen und anderen Fragen widmet sich der nächste Vortrag der Reihe „Medizin: Faszination Forschung“ am 21. März 2018. Der Referent des Abends ist PD Dr. Sebastian Kuhn, „IT-affiner“ Oberarzt und Lehrbeauftragter im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Mainz. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Digitalisierung in der Medizin und den Herausforderungen, denen Ärzte im Umgang mit immer neuen digitalen Techniken ausgesetzt sind. Die Veranstaltung wird moderiert von Prof. Dr. Peter Mildenberger, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für diagnostische und interventionelle Radiologie. Die Veranstaltung beginnt um 19.15 Uhr und findet im Hörsaal der Chirurgie der Universitätsmedizin Mainz statt (Geb. 505H, Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz).

Eine digitale Welt scheint derzeit die Zukunftsvision für die Menschheit zu sein. Erklärtes Ziel vieler Länder – so auch der Bundesrepublik Deutschland – ist das „Aufrüsten“ für eine digitale Zukunft. Dabei spielt das Gesundheitswesen politisch und wirtschaftlich eine bedeutende Rolle.

Die rasanten technischen Entwicklungen der Digitalisierung haben inzwischen auch die Medizin erreicht – und zwar sowohl in der Krankenversorgung als auch in der Forschung. E-Health, also digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen, wird zu einem grundlegenden Wandel in der Gesundheitsversorgung und ihrer ethisch-rechtlichen Rahmenbedingungen führen.

Ärzte und Assistenzpersonal sind gleichermaßen wie Patienten von der Telemedizin, der digitalen Vernetzung, von Big-Data sowie von Dr. Watsons und Dr. Smartphones betroffen. Die bisherigen digitalen Werkzeuge wie beispielsweise Assistenzsysteme, die Patienten und Ärzte unterstützen, werden abgelöst von autonomen Programmen, die automatisiert Daten auswerten und daraus mit Algorithmen künstlicher Intelligenz Diagnosen, Prognosen, Risiken und Therapien ableiten. Ungeheure Datenmengen entstehen durch die Nutzung der Patienten von neuesten IT-Produkten. Dieses Datenmaterial kann, wenn die Medizin sich entsprechend positioniert, sinnvoll für Forschung und Patientenversorgung verwendet werden.

Für das Gesundheitssystem besteht also dringender Handlungsbedarf. Denn wenn zukünftig das Handy Diagnosen erstellt und die Therapie liefert, drängen sich wichtige Fragen auf. Zentrale Stichworte sind hier beispielsweise die ärztliche Verantwortung, Aufgaben, Arzt–Patienten-Beziehung, Patientenorientierung, Persönlichkeitsrechte, Risiken, Haftung, Datenhoheit und -schutz sowie Daten- und Softwarequalität. Anforderungen für digitale Systeme, Datenqualität und -verwendung sind zu definieren und Mitarbeiter im Gesundheitswesen entsprechend zu qualifizieren. Jetzt gilt es, Klarheit zu schaffen und Entscheidungen zu treffen.

In seinem Vortrag am 21. März stellt der Referent des Abends, Privatdozent Dr. Sebastian Kuhn, verschiedene Aspekte der Entwicklung neuer digitaler Systeme in der Medizin zur Diskussion. Darüber hinaus erläutert er die Chancen und das Innovationspotential der Digitalisierung sowie mit Blick auf laufende Forschungen deren Risiken. Er zeigt den sich daraus ergebenden Wandel des Arztberufes auf, und verdeutlicht, wie wichtig, ja zwingend notwendig es für jetzige und zukünftige Ärzte ist, entsprechende Kompetenzen zu erwerben. Des Weiteren thematisiert er erforderliche strukturelle Investitionen und Änderungen der Gesundheitsstrukturen. Um mit den digitalen Technologien Schritt zu halten, sollten Ärzte, so die eindeutige Auffassung des Redners, die digitale Medizin als ärztliche Aufgabe annehmen und diese im Interesse der Patienten gestalten.

PD Dr. Sebastian Kuhn kennt als langjähriger Oberarzt im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Mainz bestens die Belange der klinischen Medizin. Als „IT-affiner“ Arzt beschäftigt er sich außerdem seit vielen Jahren mit der Digitalisierung in der Medizin und den Herausforderungen, denen Ärzte, neben ihrer klinischen Arbeit, im Umgang mit immer neuen digitalen Techniken ausgesetzt sind. Er erlebt täglich, dass ohne Kenntnisse und Wissen die Gefahr besteht, dass die digitalen Systeme die Medizin zu überrollen drohen. Deshalb hat er als Lehrbeauftragter der Universitätsmedizin Mainz ein neues Lehrkonzept „Medizin im digitalen Zeitalter“ eingeführt, das mehrfach ausgezeichnet wurde.

„Franz Kafka als Patient“ Vorlesung der Medizinischen Gesellschaft Mainz am 07. März 2018

Download(Mainz, 02. März 2018, as) Der nächste Themenabend der Medizinischen Gesellschaft Mainz am 07. März richtet den Fokus auf Franz Kafka, einen der meistgelesenen und bedeutendsten Literaten des 20. Jahrhunderts. Der Referent des Abends, Kafka-Biograph Dr. Reiner Stach aus Berlin, führt in seinem Vortrag aus, wie schwierig der an Tuberkulose leidende Kafka als Patient war und wie sehr er seinen Ärzten misstraute. Moderatorin des Abends ist Univ.-Prof. Dr. Mechthild Dreyer, ehemalige Vizepräsidentin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Der Themenabend beginnt um 19.15 Uhr.
Er findet statt im Hörsaal Chirurgie (Gebäude 505H) der Universitätsmedizin Mainz (Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz). Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Der Referent des Abends Dr. Reiner Stache hat die erste umfassende Kafka-Biografie in deutscher Sprache verfasst. Sie ist die bei weitem detailreichste Schilderung von Kafkas Lebenswelt und stellt ausführlich dar, wie sich seine literarische Produktivität entwickelt hat. Für dieses Werk verlieh ihm die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz 2016 den Joseph-Breitbach-Preis.

Wie kaum ein anderer Schriftsteller um 1900 war Franz Kafka (1883-1924) davon überzeugt, dass sich die Schulmedizin in einer Sackgasse befindet. Weit mehr leuchteten ihm die Lehren der Lebensreform und ihrem Streben nach dem Naturzustand sowie die Lehren der Naturheilkunde ein, die er in verschiedenen Sanatorien auch körperlich erprobte. Doch als er mit 34 Jahren an Tuberkulose erkrankte, wurden diese Überzeugungen auf eine harte Probe gestellt. In der Folge entwickelte Kafka sich zu einem eigensinnigen Patienten, dem es wichtiger war, die Hintergründe seiner Krankheit zu verstehen als seine Medikamente zu nehmen. Im Rahmen des Themenabends schildert Stach, wie Kafka bis zum Tode um die Deutung seiner Krankheit kämpfte.