Kategorie-Archiv: Religionskultur

Die geheimen Archive der Päpste – und was sie über die Kirche verraten – ab 18.04.2023 neue Vorlesungsreihe J. Gutenburg Uni Mainz

Die Präsenzveranstaltungen finden an Dienstagabenden von 18:15 Uhr bis ca. 20 Uhr im Haus Recht und Wirtschaft I, Hörsaal RW 1, Jakob-Welder-Weg 9, Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt. © Foto Diether von Goddenthow
Die Präsenzveranstaltungen finden an Dienstagabenden von 18:15 Uhr bis ca. 20 Uhr im Haus Recht und Wirtschaft I, Hörsaal RW 1, Jakob-Welder-Weg 9, Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt. © Foto Diether von Goddenthow

Am 18. April 2023, 18.15 Uhr,  startet die Johannes Gutenberg-Universität in Mainz im Rahmen der Stiftungsprofessur 2023 mit Professor Dr. Dr. h.c. Hubert Wolfs Eröffnungsvortrag
„Heiliger Vater retten Sie uns! Bittschreiben jüdischer Menschen an Pius XII. aus der Zeit der Shoah“  ihre neue Vorlesungsreihe über „Die geheimen Archive der Päpste“.
Dazu heißt es „Die Archive des Vatikans sind geheimnisumwittert. Nicht umsonst dienen sie immer wieder als Aufhänger für Thriller und Bestseller. Wer möchte nicht selbst einmal in den geheimen Akten graben und den Rätseln der Geschichte auf den Grund gehen?

Hubert Wolf nimmt uns mit hinein in die Archive, hinter die hohen Mauern des Vatikans. Wir können ihm bei seiner Arbeit im wahrsten Sinn des Wortes über die Schulter schauen, werden Teil einer spannenden Spurensuche, die jeden Krimi in den Schatten stellt, und erleben Glücksmomente historischer Arbeit – sei es das Entdecken eines lang gesuchten Dokuments oder eine Beweiskette, die sich durch eine Schlüsselquelle endlich schließt.

Und es gibt vieles zu entdecken in den vatikanischen Archiven: Wir finden tausende ergreifende Hilferufe jüdischer Menschen an Pius XII. während des Holocaust, oft die letzten Zeilen, die sie vor ihrer Ermordung geschrieben haben; wir machen uns auf die Suche nach dem Original der berühmten Weihnachtsansprache von 1942, dem einzigen Text, in dem der Papst jemals etwas zur Shoah gesagt hat, und finden nur einen Stellvertreter; wir sind bei jedem Konklave dabei und zählen die abgegebenen Stimmen unter Michelangelos Jüngstem Gericht mit aus; wir werden Zeugen von Inquisitionsprozessen und erfahren, warum Gutenbergs Erfindung für die Kirche so gefährlich war; wir erfahren, dass Karl May auf den „Index der verbotenen Bücher“ gesetzt werden sollte und wundern uns über den Ausgang des Verfahrens; wir lesen einen Brief, den die Gottesmutter Maria im Himmel geschrieben und darin einen Mord befohlen hat; und wir erleben hautnah mit, wie der Papst 1870 unfehlbar wurde.

Vor allem aber entdecken wir alternative Modelle zu angeblich ewigen Wahrheiten, die ein gewaltiges Potenzial für eine Reform der katholischen Kirche beinhalten: zum Beispiel ganz selbstverständlich verheiratete Priester und geweihte Frauen. Und so erweist sich die Tradition der katholischen Kirche bei näherem Hinsehen als Synonym für Vielfalt und Dynamik.“

Prof. Dr. Dr. h.c. Hubert Wolf ist Inhaber der diesjährigen 23. Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur Foto: Catrin Moritz
Prof. Dr. Dr. h.c. Hubert Wolf ist Inhaber der diesjährigen 23. Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur
Foto: Catrin Moritz

Wie kein anderer steht er für die Erforschung der vatikanischen Archive: Prof. Dr. Dr. h.c. Hubert Wolf ist Inhaber der diesjährigen 23. Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur.Der Kirchenhistoriker und Priester Hubert Wolf ist seit 2000 Ordinarius für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Münster. Von 1992 bis 2000 war er Professor für Kirchengeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Berühmt geworden ist er vor allem für seine Arbeiten zu Inquisition und Indexkongregation, zu deren Archiven er bereits 1992, Jahre vor der offiziellen Öffnung der Bestände, Zugang erhielt. Zahlreiche seiner Bücher wurden zu Bestsellern; sein „Kirchenthriller“ Die Nonnen von Sant’Ambrogio erschien in über zehn Sprachen. Neben den innovativen historiographischen Ansätzen und seiner außergewöhnlichen Produktivität ist er als Wissenschaftskommunikator einer breiten Öffentlichkeit durch zahlreiche Radio- und Fernsehbeiträge bekannt. Zudem zieht er Konsequenzen aus seiner kirchenhistorischen Arbeit für gegenwärtige Debatten und sieht in der Tradition der Kirche enormes Potenzial für notwendige Reformen. Seine „16 Thesen zum Zölibat“, in denen er für die Zulassung verheirateter Männer zur Priesterweihe plädiert, sind dafür ein sprechendes Beispiel. Aktuell arbeitet er gemeinsam mit seinem Team im Großprojekt „Asking the Pope for Help“ Bittbriefe jüdischer Verfolgter aus dem Zweiten Weltkrieg auf, die in den vatikanischen Archiven lagern. In einer Online-Edition werden sie sowohl der Forschung als auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wolfs Werk ist vielfach ausgezeichnet worden: Er ist Träger des Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preises (2003) und des Communicator-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft (2004), des Gutenberg-Preises der Stadt Mainz und der internationalen Gutenberg-Gesellschaft (2006) sowie des Sigmund-Freud-Preises für wissenschaftliche Prosa (2021). Er war Fellow am Historischen Kolleg München sowie am Wissenschaftskolleg Berlin.

Die frei zugänglichen Vorlesungen der Reihe im Überblick:

Alle Termine der Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur 2023 im Überblick:
jeweils 18:15 Uhr auf dem Gutenberg-Campus (Hörsaal RW1, Haus Recht und Wirtschaft I, Jakob-Welder-Weg 9, 55128 Mainz) https://www.stiftung-jgsp.uni-mainz.de/vorlesungsreihe-2023/

Dienstag, 18. April 2023
Heiliger Vater retten Sie uns! – Bittschreiben jüdischer Menschen an Pius XII. aus der Zeit der Shoah
Moderation: Peter Frey

Dienstag, 25. April 2023
Der Papst, der geschwiegen hat? – Pius XII. und der Holocaust
Moderation: Almut Finck

Dienstag, 2. Mai 2023
Dogma oder Diplomatie? – Pius XII. und seine deutschen Prägungen
Moderation: Annette Schavan

Dienstag, 9. Mai 2023
Totalkontrolle des Wissens? – Gutenbergs Erfindung und der „Index der verbotenen Bücher“
Moderation: Stefan Füssel

Dienstag, 16. Mai 2023
Tribunal für einen Toten? – Die Theologie vor den Schranken der Inquisition
Moderation: Claus Arnold

Dienstag, 23. Mai 2023
Die Inszenierung des Geheimen? – Von den Tücken der Papstwahl
Moderation: Jürgen Erbacher

Dienstag, 6. Juni 2023
Es war halt (nicht) immer schon so! – Kirchenreform aus dem Geist der Tradition
Moderation: Christiane Florin

Dienstag, 13. Juni 2023
Ehelosigkeit als Dogma – Ein kirchenhistorisches Plädoyer gegen den Zölibat
Moderation: Jörg Vins

Dienstag, 20. Juni 2023
Unfehlbar? – Das päpstliche Lehramt auf dem Prüfstand der Geschichte
Moderation: Joachim Frank

Dienstag, 27. Juni 2023 – Abschlussveranstaltung
Mord auf Befehl der Gottesmutter? – Der Skandal um das römische Nonnenkloster Sant’Ambrogio

Technische Hinweise:

Die Präsenzveranstaltungen finden an Dienstagabenden von 18:15 Uhr bis ca. 20 Uhr im Haus Recht und Wirtschaft I, Hörsaal RW 1, Jakob-Welder-Weg 9, Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt.

Zur Einfahrtserlaubnis auf den Campus: Seit dem 01.02.2023 gibt es für Gäste ein Freikontingent von 30 Stunden pro Jahr für die Einfahrt mit dem PKW auf den Campus. Anhand der Kennzeichenerkennung bei Ein- und Ausfahrt wird die Verweildauer auf dem Campus automatisch ermittelt und abgerechnet. Link zu weiteren Informationen

Weitere Informationen „Stiftung „Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur“

 

Ringvorlesung an Goethe-Uni: Wie der Islamismus westliche Gesellschaften herausfordert

Fliese in Lüsterttechnik mit Schriftzug aus Kaschan, Persien, heutiger Iran, Ende d. 13 Jahrhunderts in der Ausstellung  Maschinenraum der Götter, Liebieghaus-Skulpturensammlung. © Foto Diether von Goddenthow
Fliese in Lüsterttechnik mit Schriftzug aus Kaschan, Persien, heutiger Iran, Ende d. 13 Jahrhunderts in der Ausstellung Maschinenraum der Götter, Liebieghaus-Skulpturensammlung. © Foto Diether von Goddenthow

Ringvorlesung an der Goethe-Universität zum gesellschaftlichen Umgang mit Ursachen und Wirkungen des Islamismus in Deutschland und Europa

Zum Auftakt der Reihe sprechen am 20. April die Sozialwissenschaftler PD Dr. Özkan Ezli und Prof. Dr. Levent Tezcan von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster unter dem Titel „‘Man kann den Islam nur in den eigenen vier Wänden ausleben‘. Ressentiment in Theorie und Praxis“. In ihrem Vortrag geht es darum, wie Diskriminierungs- und Kränkungserfahrungen in der Einwanderungsgesellschaft verarbeitet werden.

Weitere Vortragende sind der Wissenschaftliche Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg PD Dr. Martin Kahl (Universität Hamburg), Elif Durmaz von der FH Bielefeld, die Sozialpädagogin Alexandra Schramm (Vechta), Prof. Dr. Mehmet Kart, Professor für Soziale Arbeit an der IU Internationale Hochschule, und der Religionssoziologe und Theologe Dr. Youssef Dennaoui von der RWTH Aachen.

Veranstaltet wird die Vortragsreihe von „RADIS – Transfervorhaben Gesellschaftliche Ursachen und Wirkungen des radikalen Islam in Deutschland und Europa“, dem Begleit- und Transferprojekt zur Förderlinie am Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und dem Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld in Kooperation mit der Forschungsinitiative „ConTrust – Vertrauen im Konflikt. Politisches Zusammenleben unter Bedingungen der Ungewissheit“. Neben Frankfurt sind die Universitäten Aachen, Leipzig und Erlangen Orte, an denen die Ergebnisse des Förderprogramms vorgestellt werden.

Die öffentlichen Vorträge finden im Hörsaalgebäude, Theodor-W.-Adorno-Platz 5, statt oder im Gebäude der Sprach- und Kulturwissenschaft (SKW), Rostocker Straße 2. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltungen im Überblick:

20. April 2023, Hörsaalzentrum HZ 7
„Man kann den Islam nur in den eigenen vier Wänden ausleben“. Ressentiment in Theorie und Praxis
PD Dr. Özkan Ezli / Prof. Dr. Levent Tezcan, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

11. Mai 2023, Hörsaalzentrum HZ 6
Was bestimmt den (institutionellen) Umgang mit Islamismus in Deutschland?
PD Dr. Martin Kahl, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg

25. Mai 2023, Hörsaalzentrum HZ 10
Strategische Kommunikation muslimischer Organisationen nach Anschlägen mit islamistischem Hintergrund
Elif Durmaz, FH Bielefeld

15. Juni 2023, Hörsaalzentrum HZ 7
Aufgaben und Möglichkeiten des islamischen Religionsunterrichts und der Schule in der Prävention islamistischer Radikalisierung
Alexandra Schramm, Universität Vechta

29. Juni 2023, Sprach- und Kulturwissenschaft (SKW) – SKW B
Die Rolle von Sozialisationsinstanzen in Prozessen der Hinwendung zum und Abwendung vom Islamismus
Prof. Dr. Mehmet Kart, IU Internationale Hochschule

6. Juli 2023, Hörsaalzentrum HZ 13
Umkämpfte Religion: Überbietungskämpfe im Islam und ihre Folgen dargestellt am Beispiel des Salafismus in Marokko und Deutschland Dr. Youssef Dennaoui, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Weitere Informationen unter: www.radis-forschung.de/ringvorlesung und https://contrust.uni-frankfurt.de

Der Caritasverband für die Diözese Limburg e. V. (DiCV) feiert sein 125-jähriges Bestehen

caritas-125-jahreGemeinsam mit dem Deutschen Caritasverband (DCV) feiert der Caritasverband für die Diözese Limburg e. V. (DiCV) als dienstältester Diözesancaritasverband heute mit Bundespräsident a.D. Christian Wulff als Festredner das Jubiläum seines 125-jährigen Bestehens. Der DiCV Limburg wurde nur drei Wochen nach dem Deutschen Caritasverband im Jahr 1897 gegründet. Die wichtigsten Stationen seiner wechselvollen Geschichte in zum Teil sehr bewegten Zeiten hat der Caritasverband sehr gekonnt dokumentiert auf seiner Website: „Verbandsgeschichte/125 Jahre-Caritas“

Diese Dokumentation ist aber viel mehr als „nur“ ein historischer Abriss der Entwicklung des Caritasverband für die Diözese Limburg e. V. – vielmehr ist dieser historische Rückblick ein wichtiger Beitrag zur Erinnerung an die lange Tradition  angewandter katholischer Soziallehre in Deutschland.

Abend der Begegnung im Wiesbadener Roncalli-Haus

Am Abend der Begegnung zum 125-jährigen Bestehen des Diözesancaritasverbandes für die Dözese Limburg e.V.,  am 16. November 2022 im Roncalli Haus in Wiesbaden (vli.): Dr. Karl Weber, Diözesancaritasdirektor für die Dözese Limburg e.V., Bundespräsident  a.D. Christian Wulff, Anne Janz, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und Jörg Klärner, Diözesancaritasdirektor für die Dözese Limburg e.V. © Foto: Diether von Goddenthow
Am Abend der Begegnung zum 125-jährigen Bestehen des Diözesancaritasverbandes für die Dözese Limburg e.V., am 16. November 2022 im Roncalli Haus in Wiesbaden (vli.): Dr. Karl Weber, Diözesancaritasdirektor für die Dözese Limburg e.V., Bundespräsident a.D. Christian Wulff, Anne Janz, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und Jörg Klärner, Diözesancaritasdirektor für die Dözese Limburg e.V. © Foto: Diether von Goddenthow

Mit einem „Abend der Begegnung“ im Wiesbadener Caritas Roncalli-Haus feierte am 16.11.2022 der Caritasverband für die Diözese Limburg e.V. sein 125jähriges Jubiläum nach einem Auftakt-Gottesdienst mit Domkapitular Dr. Wolfgang Pax in St. Bonifatius. Unter den rund 150 geladenen Gästen befanden sich zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft, unter ihnen Bundespräsident a.D. Christian Wulf sowie Anne Janz, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration.

Jörg Klärner, Diözesancaritasdirektor für die Dözese Limburg e.V., begrüßte die Gäste und nahm die Jubiläumsveranstaltung einmal mehr zum Anlass, „sich bewusst zu machen, woher wir kommen, wofür die Caritas und wir als Diözesancaritasverband in Limburg stehen, und was auch vor uns liegt!“ Viele Menschen kennten die Caritas, diese sei sichtbar etwa durch „die weißen oder roten Fahrzeuge unserer Pflegedienste mit dem Flammenkreuz, der Mittagstisch, die vielen Angebote für Kinder, Jugendliche und Senioren, für Frauen, Familien, Menschen mit Teilhabebedarf, im Bereich der Wohnungslosenhilfe, der Flucht, der Migration oder die weltumspannende Arbeit von Caritas International“, so Klärner. Auf den Punkt gebracht, verbänden viele Menschen mit der Caritas „konkrete Hilfe für Menschen, die Unterstützung, Betreuung, Beratung, Begleitung und der Pflege“ bedürften.

 „Wir sind sichtbar“, so Jörg Klärner bei seiner Festrede. Er bildet zusammen mit Dr. Karl Weber die Doppelspitze des Verbandes.© Foto: Diether von Goddenthow
„Wir sind sichtbar“, so Jörg Klärner bei seiner Festrede. Er bildet zusammen mit Dr. Karl Weber die Doppelspitze des Verbandes.© Foto: Diether von Goddenthow

Gefeiert werde in Wiesbaden, da hier im ehemaligen Gesellenhaus, im Kolpinghaus, in der Dotzheimer Straße, am 30.November 1897 der Caritasverband für die Diözese Limburg gegründet wurde. Das war gerade mal drei Wochen nach der Gründung des deutschen Caritasverbandes in Köln. Bis heute, so Klärner, fänden sich in den Statuten der Caritasverbände die damals grundlegenden Kernaufgaben des Verbandes wieder: „Das Organisieren , das Schaffen von Hilfenetzen, das Kooperieren statt Konkurrieren, und somit das Realisieren von Synergien mit und unter katholischen Trägern. Das Studieren, die Fachlichkeit, heute würde man sagen, die „Professionalisierung“.
Für Lorenz Werthmann, so der Diözesandirektor weiter, „war Caritas eine Wissenschaft, eine Kunst, die neben einem warmfühlenden Herzen auch das der fachlichen Kompetenz bedarf“, zudem als Drittes, „das Publizieren“. Denn, so Werthmanns Gedanken, gelte es, „in der Gesellschaft einen Blick, ein Gefühl, ein Gespür für die soziale Lage der Menschen zu entwickeln und dies zu kommunizieren“
„Wir stiften Solidarität, wir engagieren und bringen uns ein in den gesellschaftlichen Diskurs. Dies tun wir gemeinsam mit den Betroffenen und unseren Partnern in Politik, Kirche und Gesellschaft“, vertiefte Klärner. Caritas werde konkret, „sobald Menschen, die Notlage anderer wahrnehmen und gemeinsam helfen“. Das ginge insofern über die Nächstenliebe als persönliche Tugend hinaus „als dass es gemeinsam geschiehe“, zitierte Klärner den ehemaligen Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes Prälat Hellmut Puschmann.

Anschließend stellte Diözesancaritasdirektor Klärner  die Imagekampagne „Die Caritas zeigt Gesicht“ vor:

Anne Janz, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, gratulierte dem Caritasverband und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlich zum 125. Geburtstag und  für die hervorragende Zusammenarbeit, insbesondere auch für die Leistungen die die Mitarbeitenden in den schweren Zeiten von Corona geleistet hätten.

Nach der Begrüßung und Anmoderation des Bundespräsidenten a.D. Christian Wulff  durch Diözesancaritasdirektor Dr. Karl Weber sagte Wulff in seiner Festrede. „Menschen in ihrer jeweiligen Einzigartigkeit in den Mittelpunkt zu stellen, das macht für mich Caritas attraktiv und unverzichtbar“. Der Altbundespräsident gratulierte und freute sich, den dienstältesten Diözesancaritasverband ehren zu dürfen und lobte das gewählte Motto des Jubiläumsjahres  „sozial.politisch.engagiert.“

„Wir stiften Solidarität, wir engagieren und bringen uns  ein in den gesellschaftlichen Diskurs. Dies tun wir gemeinsam mit den Betroffenen und unseren Partnern in Politik, Kirche und Gesellschaft“ Gemeinschaftsbild mit Bundespräsident  a.D. Christian Wulff, Anne Janz, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration. © Foto: Diether von Goddenthow
„Wir stiften Solidarität, wir engagieren und bringen uns ein in den gesellschaftlichen Diskurs. Dies tun wir gemeinsam mit den Betroffenen und unseren Partnern in Politik, Kirche und Gesellschaft“ Gemeinschaftsbild mit Bundespräsident a.D. Christian Wulff, Anne Janz, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration. © Foto: Diether von Goddenthow

Die zweite Hälfte der Abends gehörte der Begegnung.

Für die musikalische Umrahmung sorgten bestens Rebecca Kollang und Daniel Kleiter.

(Diether v. Goddenthow/ Rhein-Main.Eurokunst)

Beten in Mainz. Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt – Vortragsreihe über 2000 Jahre religiöse Praktiken

Im Laufe von rund 2.000 Jahren Stadtgeschichte war Mainz durch eine große Zahl unterschiedlicher Religionen mit individuellen Praktiken geprägt: Die römischen Truppen brachten im vorletzten Jahrhundert v. Chr. ihre Gottheiten mit, ab dem 3. Jahrhundert hielt das Christentum Einzug. Unter Bonifazius wandelte sich Mainz im 8. Jahrhundert zu einem der christlichen Zentren des römisch-deutschen Reichs. Parallel entstand eine der ältesten jüdischen Gemeinden in Deutschland, die als Teil der SchUM-Stätten UNESCO-Weltkulturerbe ist. Spätestens mit muslimischen Soldaten der französischen Besatzungsarmee nach dem Ersten Weltkrieg erreichte der Islam die Stadt, der bis heute den Alltag in Teilen der Altstadt und der Neustadt prägt.

Diesen Entwicklungen und ihren Herausforderungen für die Mainzer Bevölkerung ist die Ringvorlesung „Beten in Mainz“ im Wintersemester 2022/2023 gewidmet. In insgesamt 13 Vorträgen werfen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), Fachleute von Mainzer Institutionen sowie ausgewählte externe Expertinnen und Experten von Anfang November 2022 bis Mitte Februar 2023 Schlaglichter auf die religiösen Praktiken der vergangenen 2.000 Jahre. Dabei sollen – wann immer möglich – Einzelschicksale in den Vordergrund gerückt werden. In der abschließenden Podiumsdiskussion am 15. Februar 2023 sprechen christliche, islamische und jüdische Vertreter über die religiöse Vielfalt der Stadt im 21. Jahrhundert.

Die öffentliche Ringvorlesung findet im Wintersemester 2022/2023 jeweils mittwochs von 18:15 Uhr bis 19:45 Uhr im Haus am Dom (Liebfrauenplatz 8, 55116 Mainz) statt; Ausnahme sind die drei Termine vom 9.-23. November 2022, zu denen die Ringvorlesung auf dem Gutenberg-Campus (Hörsaal P10 im Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz) zu Gast ist. Die abschließende Podiumsdiskussion am 15. Februar 2023 findet im Erbacher Hof statt, St. Hildegard-Saal, Grebenstraße 24, 55116 Mainz.

Die Ringvorlesung wird in Kooperation mit dem Erbacher Hof – Akademie & Tagungszentrum des Bistums Mainz sowie mit dem Profilbereich „40.000 Years of Human Challenges“ der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt.

Das Programm der Ringvorlesung:
jeweils mittwochs, 18:15-19:45 Uhr
https://vergleichendelandesgeschichte.geschichte.uni-mainz.de/ringsvorlesung-beten-in-mainz/

02.11.2022 – Haus am Dom, Liebfrauenplatz 8, 55116 Mainz
Religionen in der Stadt – eine Einführung
Prof. Dr. Jörg Rüpke (Erfurt)

09.11.2022 – Gutenberg-Campus, Hörsaal P10, Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz
Beten für den Höchsten – Iuppiter, Nero und zwei Bewohner des römischen Mainz
Dr. Patrick Schollmeyer (Mainz)

16.11.2022 – Gutenberg-Campus, Hörsaal P10, Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz
Rogo te domina – Gebete um Gerechtigkeit im Isis- und Mater Magna-Heiligtum von Mainz
Dr. Marion Witteyer (Mainz)

23.11.2022– Gutenberg-Campus, Hörsaal P10, Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz
Mithras – Der Kult des Unbesiegten und sein Tempel in Mainz
PD Dr. Andreas Hensen (Heidelberg)

30.11.2022 – Haus am Dom, Liebfrauenplatz 8, 55116 Mainz
Religiöse Praxis und urbaner Mehrwert im römischen Mainz: ein spektakulärer Skulpturfund im Zollhafen
Prof. Dr. Johannes Lipps (Mainz)

07.12.2022 – Haus am Dom, Liebfrauenplatz 8, 55116 Mainz
„Tausende wurden in der Kirche hingeschlachtet!“ Entstehung und Entwicklung des Christentums in Mainz vom 4. bis zum 8. Jahrhundert im kirchen- und reichspolitischen Kontext
Dr. Winfried Wilhelmy (Mainz)

14.12.2022 – Haus am Dom, Liebfrauenplatz 8, 55116 Mainz
Kaddisch und Kabbala – Gebet und Mystik im jüdischen Magenza
Prof. Dr. Andreas Lehnardt (Mainz)

21.12.2022 – Haus am Dom, Liebfrauenplatz 8, 55116 Mainz
Haus des Gebets, Werkstatt des Geistes, Hort der Erinnerung. Klöster und Stifte im mittelalterlichen Mainz
Prof. Dr. Nina Gallion (Mainz)

11.01.2023 – Haus am Dom, Liebfrauenplatz 8, 55116 Mainz
Grabmäler erzählen von Frömmigkeit. Mainzer Geschlechter und ihre religiösen Praktiken
Dr. Raoul Hippchen (Mainz) und Dr. Heidrun Ochs (Mainz)

18.01.2023 – Haus am Dom, Liebfrauenpatz 8, 55116 Mainz
Mainz und die Reformation
PD Dr. Thomas Brockmann (Mainz)

25.01.2023 – Haus am Dom, Liebfrauenpatz 8, 55116 Mainz
Glaubensgewissheiten infrage gestellt: Protestantische Bewegungen um Mainz und die Hexenverfolgung in und um Mainz im 16. und 17. Jahrhundert
Prof. Dr. Ludolf Pelizaeus (Amiens)

01.02.2023 – Haus am Dom, Liebfrauenpatz 8, 55116 Mainz
„Der heiligen römischen Kirche besondere und wahre Tochter“. Mainz als Zentrum der Ultramontanisierung im deutschen Katholizismus (1802–1935)
Prof. Dr. Claus Arnold (Mainz)

08.02.2023 – Haus am Dom, Liebfrauenpatz 8, 55116 Mainz
Muslime in der französischen Besatzungsarmee in Mainz nach dem Ersten Weltkrieg. Eine Spurensuche
Dr. Anna-Maria Brandstetter (Mainz) und Juniorprof. Dr. Barbara Henning (Mainz)

15.02.2023 – Erbacher Hof (St. Hildegard-Saal, Grebenstr. 24, 55116 Mainz)
Religiöse Vielfalt im Mainz des 21. Jahrhunderts
Pfarrer Michael Baunacke (Mainz), Imam Mustafa Cimşit (Mainz), PD Dr. Peter Waldmann (Mainz)
Moderation: Dr. Johannes Bremer (Mainz)

Weitere Informationen und Details

„… Tausende wurden in der Kirche hingeschlachtet!“ – Hybrid-Vortrag über die Entwicklung des Christentums im Mainzer Landesmuseum

Landesmuseum Mainz mit Hybrid-Vortrag über Entstehung und Entwicklung des Christentums in Mainz vom 4. bis zum 8. Jahrhundert
Das Jahr 2022 ist bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) eingebettet in das Themenjahr „Spätantike“, einer Epoche, die sich mit dem Übergang von der Antike zum Frühmittelalter beschäftigt und der sich unter anderem auch eine Vortragsreihe im Landesmuseum Mainz auf unterschiedliche Weise nähert.
Am 29. März um 18 Uhr wird in dieser Reihe Dr. Winfried Wilhelmy, der Direktor des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums Mainz, einen Vortrag zur Entstehung und Entwicklung des Christentums in Mainz vom 4. bis 8. Jahrhundert halten.

Seine Darstellungen stehen in engem inhaltlichem Zusammenhang mit der großen Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“ im Rheinischen Landesmuseum Trier, die am 25. Juni eröffnet wird. Denn mitten hinein in die bewegten Zeiten des untergehenden Römischen Reiches fällt auch der Aufschwung des christlichen Glaubens. Die Kirche und ihre Bischöfe wussten das langsam entstehende Machtvakuum zu nutzen und übernahmen zunehmend auch weltliche Aufgaben, die ihren politischen Einfluss stärkten.

Dass die Entwicklung des Christentums keine lineare Erfolgsgeschichte war, zeigt ein Zitat des Kirchenvaters Hieronymus, das sich Dr. Wilhelmy als Überschrift zu seinem Vortrag ausgewählt hat „…Tausende wurden in der Kirche hingeschlachtet“ und das die Situation der Mainzer Christen im frühen 5. Jahrhundert sehr drastisch beschreibt. Wilhelmy wird zugleich den Fragen nachgehen: Wie viele Christen gab es damals in Mainz und wie sah ihre Lebenssituation aus? Wann kam das Christentum überhaupt an den Rhein und durch wen? Wie entwickelte es sich zwischen Spätantike und Frühmittelalter und welche Zeugnisse gibt es hierüber?

Der Vortrag von Dr. Winfried Wilhelmy wird als Hybrid-Veranstaltung durchgeführt. Es besteht demnach die Möglichkeit, an dem Vortrag in Präsenz teilzunehmen oder ihm in digitaler Form zu folgen. Da die Zahl der Teilnehmenden begrenzt ist, wird um eine Anmeldung bis 28. März 2022, 12 Uhr, per E-Mail unter anmeldung@gdke.rlp.de gebeten, die Platzvergabe erfolgt in der Reihenfolge der Anmeldungen. Der Zugangslink wird Ihnen nach Anmeldeschluss per E-Mail zugeschickt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Die Vortragsreihe ist Teil eines umfangreichen Begleitprogramms zur großen Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“, die im Juni in Trier eröffnet wird. Auch das Landesmuseum Mainz plant vom 10. Juni 2022 bis 29. Januar 2023 eine kleine Sonderausstellung unter dem Titel „Niedergang oder Neuanfang? – Mainz und Köln zwischen Antike und Mittelalter“, dazu eine Reihe von Vorträgen, die sich teils dezidiert mit der Stadt Mainz, mit Funden, Bauwerken oder mit den Begräbnisstätten der damaligen Zeit befassen.

Neue Professur soll islamische Kultur vergangener Jahrhunderte erforschen

Badende,Wandmalerei im Qusair `Amra, Jordanien (8. Jh. n. Chr.), Foto: Jutta Eichholz
Badende,Wandmalerei im Qusair `Amra, Jordanien (8. Jh. n. Chr.), Foto: Jutta Eichholz

VolkswagenStiftung fördert Islamische Archäologie und Kunstgeschichte an der Goethe-Universität

Die archäologischen Wissenschaften an der Goethe-Universität erhalten Verstärkung: Mit Mitteln der VolkswagenStiftung wird eine neue Professur für Islamische Archäologie und Kunstgeschichte eingerichtet, zusätzliche Mittel fließen für Gastwissenschaftler, Forschungsprojekte und Infrastruktur.

FRANKFURT. „Die Professur für Islamische Archäologie und Kunstgeschichte an der Goethe-Universität wird eine große Besonderheit sein. Sie ist erst die dritte Professur dieser Art in ganz Deutschland“, freut sich Prof. Dr. Dirk Wicke, der in Frankfurt die Archäologie Vorderasiens lehrt, über die Bewilligung. Wicke hat den zusätzlichen Forschungszweig im Rahmen des Programms „Weltwissen ‒ Strukturelle Stärkung ‚kleiner Fächer‘“ der VolkswagenStiftung beantragt, mit dem diese seit 2017 fachunabhängig strukturell unterrepräsentierte Wissensgebiete mit hohem Innovationspotenzial fördert. Der Antrag, der nun bewilligt wurde, umfasst neben der Einrichtung einer Professur für zunächst sechs Jahre ein Programm für Gastwissenschaftler, die Anschubfinanzierung für Forschungsprojekte und auch eine umfangreiche Unterstützung der Infrastruktur am Institut. Für die ersten sechs Jahre stellt die Stiftung knapp eine Million Euro bereit. Der Fortbestand der W2-Professur ist bereits durch Unipräsidium und Fachbereich gesichert.

Frühislamische Badeanlage von Kharab Sayyar, Syrien (9. Jh. n. Chr.), Foto: Ausgrabungsprojekt Kharab Sayyar
Frühislamische Badeanlage von Kharab Sayyar, Syrien (9. Jh. n. Chr.), Foto: Ausgrabungsprojekt Kharab Sayyar

„Das ist eine sehr gute Nachricht“, freut sich auch Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff. „Die Kleinen Fächer gehören sehr prägend zum Profil der Goethe-Universität, manche von ihnen sind besonders forschungsstark und sehr erfolgreich im Einwerben von Drittmitteln. Gerade die Archäologie hat einen ausgezeichneten Ruf und ist bereits in mehreren auch für Laien faszinierenden Themenfelder sehr gut unterwegs. Dass sie sich im Bereich der islamischen Kunst zusätzlich positioniert, unterstützen wir auch Seitens des Präsidiums gerne“, so Wolff weiter. „Die neue Professur fügt sich nahtlos in den bereits seit Jahren bestehenden Fächerkanon und das Bachelor-Master-Studienprogramm des Institutes ein. Zudem wird es viele Anknüpfungspunkte an andere Disziplinen im Fachbereich und weit über die Goethe-Universität hinaus geben“, ist Wicke überzeugt. Er erwarte einen innovativen Forschungsschub, außerdem würden neue Impulse für eine stärkere Internationalisierung gesetzt. Nach Ansicht des Frankfurter Archäologen gibt es in Deutschland Nachholbedarf auf diesem Gebiet: In anderen Ländern sei der islamischen Archäologie und Kunstgeschichte in den vergangenen Jahren wachsende Aufmerksamkeit zuteilgeworden. Deutschland hinke bislang noch hinterher. An der Goethe-Universität ist die islamische Kunst und Kultur im Rahmen der vorderasiatischen Archäologie schon seit langem erforscht worden, die Arbeiten kamen jedoch durch den Bürgerkrieg in Syrien letztlich zum Erliegen. Das Institut verfügt mittlerweile jedoch über eine kleine altorientalische Studiensammlung.

Das Fach Islamische Archäologie und Kunstgeschichte beschäftigt sich mit den materiellen Zeugnissen der islamischen Welt von etwa dem 7. Jahrhundert nach Christus bis in die heutige Zeit in dem weiten geographischen Rahmen von Marokko bis Indonesien und von Zentralasien bis zur Sahara. Es verfolgt im Wesentlichen kulturhistorische Fragestellungen anhand der materiellen Kultur des Islam und arbeitet eng mit historischen und philologischen Disziplinen wie der Orientalistik oder den Islamischen Studien zusammen. Gerade angesichts der politischen Unruhen im Nahen Osten zählen auch der Erhalt des islamischen kulturellen Erbes und dessen Vermittlung in Gegenwart und Zukunft zu den Aufgaben dieser Wissenschaft.

Professur für Vorderasiatische Archäologie
Institut für Archäologische Wissenschaften, Abteilung I,1
Goethe-Universität
wicke@em.uni-frankfurt.de

Eine Antwort auf den politischen Islam ist nötig FAZ 3. Jan. 2021

 

Umwandlung der Hagia Sophia, ein Angriff auf das christlich-muslimische Miteinander?

Frankfurter Bürgermeister und Kirchendezernent Becker richtet Schreiben an türkischen Generalkonsul
(ffm) „Die mit dem ersten Freitagsgebet am 24. Juli nun auch faktisch vollzogene Umwandlung der Hagia Sophia in Istanbul von einem Museum in eine Moschee ist aus meiner Sicht ein Angriff auf das friedliche Miteinander von Christen und Muslimen. Ich bedauere sehr, dass der Präsident der Republik Türkei, Recep Tayyip Erdogan, seine frühere Auffassung geändert hat und gerade auch mit der gewählten Inszenierung die Bedeutung der Hagia Sophia zur eigenen Machtdemonstration nutzt. Dieses Vorgehen, das auch das Erbe Atatürks verletzt und von vielen Menschen in der Türkei ebenso kritisch betrachtet wird, ist leider dazu geeignet, Gräben zwischen den Religionen aufzureißen, statt Brücken zu bauen. Gerade auch, wenn aus der Führung der AKP heraus die Eroberung mit dem Schwert als historisches Sprachbild gebraucht wird, um die vermeintliche Überlegenheit des Islam gegenüber dem Christentum damit ausdrücken zu wollen. Der vergangene Freitag war ein schwarzer Tag für das Miteinander von Christen und Muslimen in der Welt und ich kann nur meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass unser Miteinander in Frankfurt davon keinen Schaden nimmt“, erklärte Becker am Montag, 27. Juli, in einem Schreiben an den türkischen Generalkonsul in Frankfurt.

„Das Miteinander von 170 Nationen und 160 Gemeinden und Gemeinschaften aller Weltreligionen in unserer Stadt Frankfurt am Main funktioniert bei allen vorhandenen Konflikten deshalb so erfolgreich, weil die übergroße Mehrheit der Menschen in unserer Stadt respektvoll dem jeweils anderen und dessen kulturellen und religiösen Vorstellungen begegnet. Diesen Respekt vermisse ich bei der von Staatspräsident Erdogan getroffenen und am Freitag vollzogenen Entscheidung, die mehr ist, als die bloße Umnutzung irgendeines Museums, sondern ein bewusst nach innen wie nach außen gerichtetes politisches Signal. Der türkischen Politik wünsche ich tatsächliche Stärke und Größe und die Rückbesinnung auf die Weisheit des Gründers der türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk. Bitte leiten Sie meine Stellungnahme auch an Ihre übergeordneten Stellen weiter“, heißt es in dem Schreiben.

Zum Thema: 

Deutschlandfunk, 19.07.2020, Islamwissenschaftler Khorchide: Umwandlung der Hagia Sophia typisch für politischen Islam

Frankfurter Rundschau, 13.07.2020  Umwandlung der Hagia Sophia zur Moschee: Es zählt die Symbolik

Tagesspiegel, 11.07.2020 Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee – Erdoğan, der Eroberer

Die Welt, 12.07.2020, Papst äußert sich zu Umwandlung der Hagia Sophia in Moschee

Der Spiegel, 10.07.2020, Kritik an Umwandlung der Hagia Sophia – „Eine Provokation für die zivilisierte Welt

zeit-online, 11.07.2020, Griechenland nennt Umwandlung der Hagia Sophia „historischen Fehler“

Der Standard, 24.07.2020, KONTROVERSE
Erstes Freitagsgebet in der Hagia Sophia nach Umwandlung in Moschee

TAZ, 13.07.2020, Umwidmung der Hagia Sophia:Ohne jede Weisheit

FAZ, 12.07.2020, UMWANDLUNG IN MOSCHEE: Papst Franziskus bedauert Entscheidung zu Hagia Sophia

Kirche + Leben, 21.07.2020, Münsteraner Mouhanad Khorchide: Religion wird instrumentalisiert Islamwissenschaftler kritisiert Umwandlung der Hagia Sophia

vorwärts, 24.07.2020, Symbolpolitik Warum Erdogan die Hagia Sophia wieder zur Moschee gemacht hat

50 Sternsinger bringen Ministerpräsident Bouffier und Staatsminister Wintermeyer Segen in die Hessische Staatskanzlei

(v.r.n.l.) Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, empfangen die Sternsinger aus allen drei hessischen Bistümern in der Regierungszentrale. © Foto: Diether v. Goddenthow
(v.r.n.l.) Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, empfangen die Sternsinger aus allen drei hessischen Bistümern in der Regierungszentrale. © Foto: Diether v. Goddenthow

Wiesbaden. Hoher Besuch in der Hessischen Staatskanzlei: Die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar brachten dem Hessischen Ministerpräsident Volker Bouffier und dem Chef der Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer, den traditionellen Segen. Die rund 50 Sternsinger kamen aber nicht aus dem Morgenland, sondern aus der Katholischen Kirchengemeinde Maria Hilf in Frankfurt und dem Chor Pueri Cantores (Bistum Limburg), der Katholischen Pfarreigemeinde St. Crescentius aus Naumburg und St. Elisabeth aus Bad Emstal (Bistum Fulda) sowie der Pfarrei Maria Frieden in Heuchelheim (Bistum Mainz). Bouffier und Wintermeyer dankten den Mädchen und Jungen mit einer Geldspende. Sie kommt der Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend Hessen (BDKJ) zugute.

„Kinder erkennen, wenn etwas ungerecht ist. Sie sind bedrückt, dass es Mädchen und Jungen in Teilen der Welt oft schwer haben und viele eine ‚normale Kindheit‘ nicht kennen. Mit dem schönen Brauch des Dreikönigssingens helfen sie Gleichaltrigen über Kontinente hinweg. Was vor einigen Jahrzehnten hierzulande buchstäblich von Tür zu Tür in den Pfarreien begann, hat sich mittlerweile zur größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Ein herzliches Dankeschön gilt allen Beteiligten für diese gelebte Solidarität, die für ein intaktes Gemeinwesen enorm wichtig ist“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier.

„Es ist auch in unserer heutigen Zeit ein tolles Zeichen, dass Kinder von Haus zu Haus ziehen, um einen Segen auszusprechen. Die Aktion zeigt seit Jahren, dass Fürsorge und Nächstenliebe ihren Platz in der Mitte unserer Gesellschaft haben und von engagierten Kindern aus den Gemeinden weitergetragen werden“, so der Chef der Staatskanzlei, Axel Wintermeyer.

Zum 61. Mal sind die Sternsinger rund um den Dreikönigstag bundesweit unterwegs. „Segen bringen, Segen sein. Wir gehören zusammen – in Peru und weltweit!“ heißt das Motto der diesjährigen Aktion, an der sich Kinder und Jugendliche in den Gewändern der Heiligen Drei Könige in allen deutschen Bistümern beteiligen. Mit ihrem Leitwort stellen die Sternsinger gemeinsam mit den Trägern der Aktion – dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der BDKJ – Kinder mit Behinderungen in den Mittelpunkt. Das aktuelle Beispielland ist Peru.

50 Sternsinger der Katholischen Kirchengemeinde Maria Hilf in Frankfurt, der Katholischen Pfarreigemeinde St. Crescentius aus Naumburg und St. Elisabeth aus Bad Emstal (Bistum Fulda) sowie der Pfarrei Maria Frieden in Heuchelheim (Bistum Mainz) und der Chor Pueri Cantores (Bistum Limburg), mit Volker Bouffier (li) und Axel Wintermeyer (re. hinten). © Foto: Diether v. Goddenthow
50 Sternsinger der Katholischen Kirchengemeinde Maria Hilf in Frankfurt, der Katholischen Pfarreigemeinde St. Crescentius aus Naumburg und St. Elisabeth aus Bad Emstal (Bistum Fulda) sowie der Pfarrei Maria Frieden in Heuchelheim (Bistum Mainz) und der Chor Pueri Cantores (Bistum Limburg), mit Volker Bouffier (li) und Axel Wintermeyer (re. hinten). © Foto: Diether v. Goddenthow

Bei ihrer zurückliegenden Aktion sammelten die Mädchen und Jungen zum Jahresbeginn 2018 rund 48,8 Millionen Euro. Die rund 300.000 beteiligten Sternsinger und ihre rund 90.000 Begleiter in mehr als 10.000 Pfarrgemeinden, Schulen und weiteren Einrichtungen erzielten damit das höchste Ergebnis seit dem Start ihrer Aktion 1959. Die gesammelten Spenden kommen Kindern in Not in über 100 Ländern zu Gute. Vor allem in Bildungs- und Ausbildungsprojekten werden Mädchen und Jungen gefördert und betreut, aber auch Projekte im Gesundheits- und Ernährungsbereich und im Kindesschutz können verwirklicht werden.

SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz: „Wir sind auf der Zielgeraden!“

Informations-Abend in der Steinhalle im Landesmuseum Mainz über den aktuellen Stand des UNESCO-Welterbeantrags für die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Informations-Abend in der Steinhalle im Landesmuseum Mainz über den aktuellen Stand des UNESCO-Welterbeantrags für die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Kulturminister Wolf und Generaldirektion Kulturelles Erbe informierten heute Abend im Landesmuseum Mainz über den aktuellen Stand des UNESCO-Welterbeantrags für die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz.

„Nach vielen Jahren der Vorbereitung und der akribischen Detailarbeit sind wir nun auf der Zielgeraden. Im September dieses Jahres werden wir den UNESCO-Welterbeantrag für die SchUM-Stätten zur Vollständigkeitsprüfung vorlegen“, so Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf heute bei einem Vortragsabend im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE). Die Prüfung ist die letzte Hürde vor der offiziellen Antragstellung, die im Januar 2020 erfolgen soll. Wolf unterstrich erneut, welche große kulturhistorische Bedeutung die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz besitzen: „Sie sind nicht nur einzigartige Monumente der Bauarchitektur, sondern auch eindrückliche Zeugnisse, welche die Tradition des aschkenasischen Judentums, der Jüdinnen und Juden aus Mittel-, Nord- und Osteuropa und deren Nachfahren, fortbestehen lassen. Die vorliegenden Ergebnisse der wissenschaftlichen Expertisen bekräftigen unsere Einschätzung, mit den SchUM-Stätten ein außergewöhnliches Welterbe in Rheinland-Pfalz zu haben.“

Damit die Orte als UNESCO-Welterbe anerkannt werden, muss laut Dr. Stefanie Hahn, die den Antrag auf Seiten des Kulturministeriums betreut, vor allem der universelle Wert nachgewiesen werden. Die Bedeutung muss internationalen Rang besitzen und sowohl für gegenwärtige als auch für künftige Generationen der Menschheit von Wert sein. „Die einzigartigen Monumente in Speyer, Worms und Mainz sind zugleich materielle Überreste der Wiege des aschkenasischen Judentums – der mittelalterliche Verbund dieser Städte prägt unser Land in vielen Bereichen noch bis heute. Die wissenschaftlichen Arbeiten belegen, dass die einzigartigen Synagogen, Mikwen, Gemeindebauten und Friedhöfe der drei jüdischen Gemeinden die materielle Kultur der jüdischen Minderheit in Zentraleuropa grundlegend und nachhaltig geprägt haben. An keinem Ort in Europa gibt es ein vergleichbares Spektrum jüdischer Monumente und Stätten aus dem 10. bis 13. Jahrhundert. Sie lassen die kulturelle Leistung europäischer Juden in der Formationsphase des aschkenasischen Judentums in besonderer Weise anschaulich werden“, betont Hahn.

Bereits seit 2006 engagiert sich das Land Rheinland-Pfalz mit seiner Denkmalfachbehörde, der GDKE, gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde Mainz, dem Verein SchUM-Städte e.V. und den drei Städten Speyer, Worms und Mainz für die Anerkennung der SchUM-Stätten als UNESCO-Welterbe. „Es ist ein langer und steiler Weg, den wir hier schon seit 13 Jahren gehen. Aber dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten bin ich sehr optimistisch, dass der Antrag Erfolg haben wird“, so Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE, der bei der heutigen Veranstaltung von den Tätigkeiten und Aufgaben der Denkmalpflege im Hinblick auf die jüdischen Bauwerke in Speyer, Worms und Mainz berichtete.

Neben Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf, Dr. Stefanie Hahn und Thomas Metz unterstrichen auch die Bau- und Kulturdezernentin der Stadt Mainz Marianne Grosse, Dr. Christoph Cluse von der Universität Trier, Prof. Dr. Matthias Untermann von der Universität Heidelberg und PD. Dr. Peter Waldmann von der Jüdischen Gemeinde Mainz die herausragende Bedeutung der SchUM-Stätten, indem sie geschichtliche, architektonische und kulturelle Aspekte der Stätten beleuchteten.

Die SchUM-Gemeinden Speyer, Worms und Mainz bildeten im Mittelalter ein europaweit bedeutendes Zentrum jüdischen Lebens, in dem wesentliche Grundlagen für das aschkenasische Judentum gelegt wurden. Die drei Gemeinden mit ihren bis heute verehrten Rabbinern gelten als die Wiege des aschkenasischen Judentums. Zu den einzigartigen baulichen Zeugnissen, die aus dieser Zeit erhalten sind, gehören unter anderem: in Speyer die nahezu vollständig erhaltene Mikwe sowie die Reste der 1104 eingeweihten Synagoge, in Worms die 1938 zerstörte, bis 1961 auf Ruinenmauern aufgebaute Synagoge, die Mikwe von 1185/86 sowie der in situ erhaltene und eine einzigartige Kontinuität aufweisende Friedhof „Heiliger Sand“ und in Mainz der 1926 eröffnete Denkmalfriedhof.

Wiesbadener Nacht der Kirchen – Ausstellungsstart „Früchte im Garten Eden“ am 7.9.2018 in Ev. Kreuzkirchengemeinde

nacht-d.kirchen Auch bei der diesjährigen Wiesbadener Nacht der Kirchen am 7. September ab 18 Uhr können Besucher wieder aus mehr als 80 Angeboten in 21 Kirchen der Landeshauptstadt und ihrer Vororte wählen. Ob Musik, Lichtinstallation, spannende Architektur, Kunst und Kabarett laden die Kirchen in ökumenischer Verbundenheit Besucher ein, sich inspirieren zu lassen.  Alle Informationen im Detail hier im Programm-Flyer Nacht der Kirchen.
„FRÜCHTE IM GARTEN EDEN FRÜCHTE IM GARTEN EDEN!“
Einen besonderen künstlerischen „Leckerbissen“ bietet die  Evangelische Kreuzkirchengemeinde, 65195 Wiesbaden, Walkmühltalanlagen 1 in Kooperation mit der Galerie Mainzer Kunst an.  Wer Lust hat ist herzlich eingeladen zur Eröffnung der Malerei-Ausstellung „FRÜCHTE IM GARTEN EDEN FRÜCHTE IM GARTEN EDEN!“ von der in Mainz lebenden Künstlerin Juliane Gottwald, die lebensvoll, frei und zügig und doch immer orientiert an der Komplexität des Einfachen ihre Werke kreiere, so Dr. Beate Reifenscheid vom Museum Ludwig.
Christa Graff-Kirchen (Vorsitzende des Kirchenvorstandes) wird mit einem Grußwort die Vernissage eröffnen. Pfarrer Ralf Schmidt, der auch in seiner Rolle als Kabarettist im Weinberg des Herrn unermüdlich unterwegs ist, wird in die Ausstellung einführen. Der Posaunenchor der Evangelischen Kreuzkirchengemeinde unter der Leitung von Petra Mohr wird den musikalischen Rahmen gestalten. Die Künstlerin Juliane Gottwald wird zur Eröffnung persönlich anwesend sein.

Ort: Evangelische Kreuzkirchengemeinde, 65195 Wiesbaden, Walkmühltalanlagen 1
Öffnungszeiten der Ausstellung: Sonntag: 9 bis 12 Uhr, Die bis Frei 9 bis 12 Uhr, Mittwoch 15 bis 19 Uhr