Kategorie-Archiv: Frankfurter Buchmesse

Die Frankfurter Buchmesse ist zurück – Fünf Tage kulturelle Vielfalt und internationaler Austausch

© Foto: Diether von Goddenthow
© Foto: Diether von Goddenthow

4000 Aussteller aus 95 Ländern in Frankfurt / Das spanische Königspaar und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Eröffnung der 74. Frankfurter Buchmesse Ehrengast Spanien: Sprachliche Vielfalt und Kreativität / Schwerpunkt-Thema Übersetzung Fokus Ukraine: Veranstaltungen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj und First Lady Olena Selenska (virtuell)

Mit 4000 Ausstellern aus 95 Ländern, auf zehn Hallenebenen, mit zahlreichen Bühnen auf dem Messegelände, mehr als 2000 Events und 4000 akkreditierten Journalisten ist die Frankfurter Buchmesse (19.-23.Oktober 2022) in voller Präsenz zurück. Am heutigen Dienstag, 18. Oktober um 17.00 Uhr, wurde die 74. Frankfurter Buchmesse in Anwesenheit des spanischen Königspaares, König Felipe VI und Königin Letizia, sowie von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender eröffnet. Ebenfalls zu den Eröffnungsrednern gehörten Boris Rhein, der Ministerpräsident des Landes Hessen, die Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main, Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs, und die literarischen Festredner aus Spanien, Irene Vallejo und Antonio Muñoz Molina.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier © Streaming-Foto: Diether von Goddenthow
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier © Streaming-Foto: Diether von Goddenthow

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterstrich in seiner Rede, dass die  Frankfurter Buchmesse ein bedeutendes kulturelles, aber auch soziales und politisches Ereignis, „ohne das unser Land, unsere Kulturnation Deutschland im Grunde gar nicht zu denken wäre.“

Aber diese Buchmesse sei nicht nur ein Ereignis für unser eigenes Land. Sie strahle auch weit darüber hinaus und hane sich in den vielen Jahrzehnten einen großen internationalen Ruf erworben. „Hier finden nicht nur bedeutende Geschäfte statt, werden Lizenzen vereinbart und Verträge abgeschlossen. Hier treffen sich Autorinnen und Autoren, Verleger und Agentinnen, aber auch Leserinnen und Journalisten aus allen Sprachen und Kulturen. Hier werden internationale Beziehungen geknüpft, auf eine sehr persönliche, individuelle Art“, so der Bundespräsident.

Boris Rhein, Hessischer Ministerpräsident.© Streaming-Foto: Diether von Goddenthow
Boris Rhein, Hessischer Ministerpräsident.© Streaming-Foto: Diether von Goddenthow

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein unterstrich in seinem Grußwort den Wert des freien Wortes: „Die Freiheit zu denken, zu lesen und zu sagen, was wir für richtig erachten, ist häufig so selbstverständlich, dass wir sie allzu oft als gegeben ansehen. Wie essentiell diese Freiheit jedoch ist, sieht man überall dort, wo regimekritische Autoren auf dem Index landen und das Internet blockiert wird. Jeden Tag gehen weltweit Menschen auf die Straße, riskieren Leib und Leben, weil sie genau diese Freiheit für sich beanspruchen“, sagte der Ministerpräsident.

„Die Frankfurter Buchmesse ruft uns alljährlich ins Gedächtnis, wie wichtig diese Freiheit ist. Wir in Hessen sind sehr stolz, dass die internationale Literaturszene in diesen Tagen auf unser Land blickt. Wir sind ausgesprochen gerne Gastgeber“, sagte der Regierungschef.

Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, sagte: „Ich freue mich sehr auf das Wiedersehen mit vielen Autor*innen, Verleger*innen und Partner*innen. Die persönliche Begegnung ist gerade jetzt so wichtig wie nie: Denn Präsenz hilft gegen Polarisierung. Man spricht anders miteinander, wenn man einander gegenübersteht. In den nächsten Tagen werden in Frankfurt aktuelle, kontroverse und leidenschaftliche Diskussionen ausgetragen werden. Und sie werden nicht ungehört verhallen. Denn gemäß unserem diesjährigen Motto „Translate. Transfer. Transform.“ sind wir überzeugt, dass die Buchbranche für die notwendige Verständigung sorgen kann. Sei es durch Übersetzung von Literatur von einer Sprache in die andere, durch weltweite Solidarität mit Büchermacher*innen im Exil, oder durch die internationale Vernetzung, die hier stattfindet.“

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, und der britisch-pakistanische Schriftsteller Mohsin Hamid,  bei der Eröffnungspressekonferenz der 74. Frankfurter Buchmesse  © Foto: Diether von Goddenthow
Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, und der britisch-pakistanische Schriftsteller Mohsin Hamid, bei der Eröffnungspressekonferenz der 74. Frankfurter Buchmesse © Foto: Diether von Goddenthow

Weltweit größter Marktplatz für Bücher, der Start in den Leseherbst und ein bedeutendes Kulturereignis für die Völkerverständigung – das alles sei die Frankfurter Buchmesse, die morgen startet, so Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels bei der Pressekonferenz zur Messe-Eröffnung. „In einer Welt, in der zwischen politischen, kulturellen und ideologischen Haltungen immer tiefere Gräben entstehen, schafft die Buchmesse Raum für den friedlichen, demokratischen Austausch“, so Schmidt-Friderichs. Die Buchbranche nehme ihren gesellschaftlichen Auftrag sehr ernst: „Verlage und Buchhandlungen wollen gerade in diesen unsicheren Zeiten eine umfassende Versorgung mit Literatur, Sach- und Fachinformationen gewährleisten.“

Gleichzeitig betonte sie, wie steigende Energiekosten, Ressourcenengpässe und eine spürbare Kaufzurückhaltung Verlage, Buchhandlungen und die Branchenlogistik erheblich unter Druck setzten. Buchhandlungen rechneten mit einem Anstieg der Energiekosten von bis zu 300 Prozent. Verlage, die schon im laufenden Jahr rund 50 Prozent mehr für Druck und Produktion ihrer Bücher bezahlen müssten, gingen von weiteren Steigerungen um 20 bis 30 Prozent im kommenden Jahr aus. Der Branche stehe, so Schmidt-Friderichs, ein frostiger Herbst und Winter bevor und man hoffe, dass die Frankfurter Buchmesse auch neue Impulse insbesondere für den  stationären Handel bringe.

Politische Prominenz auf der Frankfurter Buchmesse

Zahlreiche Spitzenpolitiker und Politikerinnen werden der Frankfurter Buchmesse in den nächsten Tagen einen Besuch abstatten, oder das Wort per Videobotschaft an die anwesenden Verleger*innen richten: Am Messedonnerstag meldet sich der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, bei einer Versammlung der Europäischen Verlegervereinigung (FEP) virtuell zu Wort. Und auch die First Lady der Ukraine, Olena Selenska, wird im BRIGITTE Talk (Messesamstag, 17.30 Uhr) digital zu Gast sein. In Frankfurt Präsenz zeigen werden die Bundesinnenministerin Nancy Faeser, die Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht, die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Lisa Paus, Kulturstaatsministerin Claudia Roth und zahlreiche weitere Spitzenpolitiker*innen aus dem In- und Ausland.

Appell zum Schutz der Buchbranche

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, und der britisch-pakistanische Schriftsteller Mohsin Hamid, appellierten zuvor heute bei der Eröffnungspressekonferenz der 74. Frankfurter Buchmesse  zum Schutz der Buchbranche.  Im Rahmen ihrer publizistischen Möglichkeiten sei es ihre Pflicht, ein sichtbares Gegengewicht zu spalterischen, antidemokratischen und diskriminierenden Tendenzen zu schaffen und diese geschlossen zu verurteilen.

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, forderte Unterstützung aus der Politik, um die Stellung der Buchbranche zu schützen: „Die Frankfurter Buchmesse ist der weltweit größte Marktplatz für Bücher und Geschichten. Gleichzeitig ist sie ein bedeutendes Kulturereignis für Völkerverständigung. In einer Welt, in der zwischen politischen, kulturellen und ideologischen Haltungen immer tiefere Gräben entstehen, schafft die Buchmesse Raum für den friedlichen, demokratischen Austausch. Verlage und Buchhandlungen wollen gerade in diesen unsicheren Zeiten eine umfassende Versorgung mit Literatur, Sach- und Fachinformationen gewährleisten. Während der Corona-Pandemie ist ihnen das erfolgreich gelungen – die Buchbranche hat sich in den letzten beiden Jahren als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen. Doch die instabile Welt- und Marktlage stellt sie vor neue große Herausforderungen. Die Branche braucht dringend ausgleichende Maßnahmen durch die Politik, damit sie ihrem gesellschaftlichen Auftrag weiterhin in gewohnter Weise nachkommen kann.“

Übersetzung im Fokus

Im Rampenlicht stehen Übersetzer und Übersetzerinnen von Literatur selten – und doch ist ihre Arbeit essenziell. Dass der Akt des Übersetzens auch im übertragenen Sinne allgegenwärtig ist, sobald Sprachräume, Kulturen, Erfahrungen oder Gewohnheiten aufeinandertreffen, führt zu der großen thematischen Klammer der 74. Frankfurter Buchmesse: „Translate. Tansfer. Transform.“

Der Schriftsteller Mohsin Hamid sagte in seiner Rede auf der Eröffnungspressekonferenz: „Mindestens die Hälfte der Bücher, die mir in meinem Leben am meisten bedeutet haben, wurden in Sprachen geschrieben, die ich selbst nicht lesen kann. Ohne Übersetzer wäre ich heute nicht der Leser, der ich bin. Auch meine eigenen Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt, die ich selbst nicht beherrsche. Ohne Übersetzer wäre ich nicht ansatzweise der Schriftsteller, der ich bin. Und nicht nur das. Gabriel García Márquez hat über den Übersetzer Gregory Rabassa gesagt: ‚Er hat meine Bücher besser geschrieben als ich.‘ Ich vermute, dass viele von uns Schriftstellern dasselbe sagen würden, beherrschten wir die Zielsprache gut genug, um das Werk unserer Übersetzer lesen zu können. Übersetzer sind unverzichtbar. In unserer heutigen Welt, einer Welt der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit und des Nativismus, einer Welt, die sich auf den Bau von Mauern konzentriert, schaffen Übersetzer Fenster und Türen.“

Große internationale Beteiligung, starker Ehrengastauftritt Spaniens

Impression  des spanischen Ehrengast-Pavillons im Forum. Bücher stehen hier im Zentrum und bei der "Wurstlandschaft" handelt es sich um Sitzmöglichkeiten, um in Ruhe schmökern zu können. © Foto: Diether von Goddenthow
Impression des spanischen Ehrengast-Pavillons im Forum. Bücher stehen hier im Zentrum und bei der „Wurstlandschaft“ handelt es sich um Sitzmöglichkeiten, um in Ruhe schmökern zu können. © Foto: Diether von Goddenthow

Rund zwei Drittel der Aussteller kommen aus dem Ausland. Die asiatische Beteiligung ist erfreulich hoch; Nordamerika und Mittel- und Südeuropa sind im Länderspektrum besonders stark vertreten. Einen bedeutenden Anteil hat hierbei Spanien: Der Ehrengast 2022 ist mit über 320 Ausstellern und Agenturen und allen Sprachräumen des Landes präsent und ist im ausgebuchten Literary Agents & Scouts Center (LitAg) nach Großbritannien und den USA sogar die drittstärkste Fraktion.

Programmatisch tritt Spanien vor allem im Ehrengast-Pavillon (Forum Ebene 1) in Erscheinung, wo Besucher unter dem Motto „Creatividad Desbordante – Sprühende Kreativität“ auf Expedition gehen können. Durch das Zusammenspiel von Architektur, KI-gestützten Installationen und Live-Veranstaltungen wird hier jeder seine individuelle Reise antreten und dabei auf literarische Stimmen treffen wie Kiko Amat, Elena Medel, Cristina Morales, Elizabeth Duval, Rosa Montero, Sara Mesa und Fernando Aramburu. Dem Gesamtkonzept liegt die „Theorie der Kirschen“ der Schriftstellerin Carmen Martín Gaite (1925-2000) zugrunde: „Geschichten sind wie Kirschen. Wer in eine Schale mit Kirschen hineingreift, wird niemals nur eine einzelne Frucht erwischen.“ So soll es sich auch mit den Begegnungen und Eindrücken verhalten, die dem Publikum beim Besuch des Pavillons widerfahren. Insgesamt umfasst die spanische Delegation rund 200 Autoren und Kreative aus Spanien. Beteiligt sind sie unter anderem auch am Literaturfestival BOOKFEST, bei THE ARTS+ und am Buchmesse-Fachprogramm.

Die 74. Buchmesse wird gefördert durch Mittel aus dem Programm NEUSTART KULTUR der Bundesregierung.

Kim de l’Horizons spektakuläre Kopfrasur bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2022 als Solidaritäts-Zeichen für Iranerinnen und alle Unterdrückten

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels nimmt die Ehrung vor und überreicht Kim de l’Horizon die Urkunde des Deutschen Buchpreises 2022. © Foto: Diether von Goddenthow
Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels nimmt die Ehrung vor und überreicht Kim de l’Horizon die Urkunde des Deutschen Buchpreises 2022. © Foto: Diether von Goddenthow

Kim de l’Horizon, der heute Abend im Kaisersaals des Frankfurter Römers von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels mit dem Roman „Blutbuch“ (DuMont) mit dem Deutschen Buchpreis 2022 ausgezeichnet wurde, hat aus seiner anfänglichen Not fehlender Worte einer Dankesrede eine spontane wie spektakuläre Solidaritäts-Performance für die um ihre Freiheit kämpfenden Frauen im Iran inszeniert.

Kim de l’Horizon greift zum Rasierer und rasiert sich die Haare vom Kopf um ein Zeichen gegen die Unterdrückung zu setzen.© Foto: Diether von Goddenthow
Kim de l’Horizon greift zum Rasierer und rasiert sich die Haare vom Kopf um ein Zeichen gegen die Unterdrückung zu setzen.© Foto: Diether von Goddenthow

Kurzerhand  ließ der frisch gekürte Gewinner des Deutschen Buchpreises seine Haarpracht fallen, nicht mit einer Schere oder einem Messer, sondern mit einem Elektrobatterie-Rasierer, welchen er aus seinem grünlichglitzernden, paillettenbesetzten Handtäschchen hervorzauberte. Wortlos begann er mit der Kopfrasur und lies dann, fast schon kahlköpfig, die Worte folgen: „Dieser Preis ist nicht nur für mich. Ich denke, ihr habt diesen Text auch ausgewählt, um ein Zeichen zu setzen gegen den Hass für die Liebe, für den Kampf aller Menschen, die wegen ihres Körpers unterdrückt werden. Dieser Preis ist offensichtlich auch für die Frauen im Iran“ [unterbrochen von minutenlangen Standing Ovations] „Was ich sagen wollte, wir schauen alle nach Iran, bewundern diesen Mut, diese Kraft. Das zeigt uns wiederum, wie unser Weltbild war, dass wir dachten, Weiblichkeit ist nur im Westen emanzipiert.“ Spontane Worte, die man nun nicht auf die Goldwaage legen sollte, die aber im Rahmen der Kopfrasur-Aktion in den Medien große Aufmerksamkeit hervorriefen.
Damit dürfte auch das Ziel des Börsenvereins, wenn auch so nicht geplant,  „mit dem Deutschen Buchpreis (…) die Aufmerksamkeit der Leser*innen auf die Vielschichtigkeit der deutschsprachigen Literatur zu lenken“ und „die Grenzen der eigenen Wahrnehmung zu erweitern“,  wie kaum je bei einer früheren Buchpreisverleihung  geglückt sein.

Standing Ovations für Kim de l'Horizon im Kaisersaal des Frankfurter Römers nach seiner Kopfrasur-Aktion als Solidaritäts-Zeichen für den Freiheitskampf der Iranerinnen. © Foto: Diether von Goddenthow
Standing Ovations für Kim de l’Horizon im Kaisersaal des Frankfurter Römers nach seiner Kopfrasur-Aktion als Solidaritäts-Zeichen für den Freiheitskampf der Iranerinnen. © Foto: Diether von Goddenthow

Wie auch Andreas Platthaus, FAZ-Redaktionsleiter Literatur, augenzwinkernd treffend anmerkte, war „allen Besuchern der Zeremonie im Römer spätestens um 18.58 Uhr klar, dass man etwas beigewohnt hatte, das sich nicht mehr vergessen lassen wird. Es war der stärkste Auftritt nichtbinär definierten Erzählens, der sich denken ließ. A star is born.“ (FAZ, 17.10.2022).

Auch  klingen nun im Lichte von Kims Kahlkopf-Aktion die ersten Sätze in der Jury-Begründung für die Zuerkennung des Deutschen Buchpreise beinahe schon prophetisch, wenn es heißt: „Mit einer enormen kreativen Energie sucht die non-binäre Erzählfigur in Kim de l’Horizons Roman ‚Blutbuch‘ nach einer eigenen Sprache.“ Das war der nonbinären Person Kim de l’Horizon heute Abend wieder einmal trefflich gelungen, so wie in seinem  Werk „Blutbuch“. Er  versucht,  Sprache mitunter neu zu erfinden, und mit seinen Sätzen  Menschen magisch in seine Gedankenwelt hineinzuziehen. Wer sich auf Kim’s identitäre Welt auf der Suche nach sich selbst, aus non-binärer Perspektive einlassen möchte, sei dieser Debüt-Roman wärmstens empfohlen. 10 Jahre Arbeit hat Kim de l’Horizon, der auch als Hexer*In unterwegs sei, in sein Werk gesteckt.

Sehr empfehlenswert sind auch sämtlich nominierten Werke der nicht zum Zuge gekommenen Autoren der Shortlist wie: Fatma Aydemir: Dschinns (Carl Hanser, Februar 2022), Kristine Bilkau: Nebenan (Luchterhand, März 2022), Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter (Kiepenheuer & Witsch, August 2022), Jan Faktor: Trottel (Kiepenheuer & Witsch, September 2022), Eckhart Nickel: Spitzweg (Piper, April 2022).

Die nominierten Autoren der Shortlist. © Foto: Diether von Goddenthow
Die nominierten Autoren der Shortlist, noch sind alle voller Hoffnung, dass auf sie eventuell die Wahl fällt. © Foto: Diether von Goddenthow

Informationen und Lesungstermine zu jedem einzelnen Werk findet man unter www.deutscher-buchpreis.de.

Kim de l‘Horizon erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro. Der Gewinnertitel wurde in mehreren Auswahlstufen ermittelt. Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 233 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2021 und September 2022 erschienen sind. Aus diesen Romanen wurde eine 20 Titel umfassende Longlist zusammengestellt. Daraus hat die Jury sechs Titel für die Shortlist gewählt. Die Preisverleihung fand im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt.

Mit dem Deutschen Buchpreis 2022 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Unter dem Hashtag #buchpreisbloggen stellen 20 Literaturblogger die nominierten Titel 2022 vor. Die Rezensionen werden unter www.deutscher-buchpreis.de/news veröffentlicht und über die Social-Media-Kanäle des Deutschen Buchpreises geteilt. Auf der Webseite und den Social-Media-Kanälen des Deutschen Buchpreises vermitteln zudem Videoporträts einen Eindruck von den nominierten Werken und ihren Autoren.

(Diether von Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Die Publikum-Highlights der Frankfurter Buchmesse 2022 im Überblick

Agora der Frankfurter Buchmesse © Foto: Diether von Goddenthow
Agora der Frankfurter Buchmesse © Foto: Diether von Goddenthow

Live is life: Besucherinnen und Besucher der Frankfurter Buchmesse 2022 erleben große Autorinnen und Autoren, spannende Talks und anregende Diskussionen live auf der großen Bühne im Congress Center, im Frankfurt Studio, im Frankfurt Pavilion sowie abends in der Stadt beim BOOKFEST city.

So wird die nicht-binäre Person Alok Vaid-Menon aus den USA im Rahmen ihrer Deutschland-Tour in Frankfurt ihr neues Buch „Mehr als binär“ vorstellen. Alok nutzt für die eigene Kunst Poesie, Comedy, Performances, Lesungen, Klangkunst, Modedesign, Selbstporträts und Social Media – mit über einer Million Followerinnen und Followern auf TikTok und Instagram (Sonntag, 23. Oktober 2022, 12.30-13.00 Uhr, Frankfurt Studio). Ebenfalls transmedial zeigen sich dieses Jahr „Die drei ???“ mit einer Lesung aus ihrer ersten Graphic Novel „Der Goldene Salamander“ mit den Autoren und Illustratoren Christopher Tauber und Calle Claus (Samstag, 22. Oktober 2022, 10.30-11 Uhr, Frankfurt Studio). Ein weiterer Star auf TikTok, Instagram und YouTube ist der Bestseller-Autor und Motivations-Trainer Biyon Kattilathu. In seiner Veranstaltung „Ein Spaziergang zu dir selbst“ führt Biyon Kattilathu durch wichtige Stationen seines Lebens – unterhaltsam, überraschend und mit tiefgreifenden Lerneffekten (Samstag, 22. Oktober 2022, 16.00-17.00 Uhr, Frankfurt Studio).

In diesem Jahr wieder aufgebaut: Frankfurt Pavilion  © Foto: Diether von Goddenthow
In diesem Jahr wieder aufgebaut: Frankfurt Pavilion © Foto: Diether von Goddenthow

Am gleichen Ort präsentiert die deutsch-amerikanische Schauspielerin Diane Kruger (Troja, Inglourious Basterds) ihr Kinderbuch Dein Name, das ihrer Tochter gewidmet ist und ihre Kindheit in Deutschland thematisiert (Samstag, 22. Oktober, 13.30-14:30 Uhr, Saal Harmonie, Congress Center).

Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr setzen STERN und die Verlagsgruppe Penguin Random House ihre Kooperation auf der Frankfurter Buchmesse fort. Auf einer eigenen Bühne bietet die Büchertalk-Reihe „Die 30-Minuten-WG“ wieder ein vielfältiges Programm: An den fünf Messetagen heißen die Moderatoren und Literaturexperten des STERN hochkarätige Talkgäste am Stand der Verlagsgruppe (Halle 3.0 D 21) willkommen, darunter Fußballweltmeister und Unternehmer Philipp Lahm sowie die Bestseller-Autorinnen Amelie Fried, Dörte Hansen, Charlotte Link, Stefanie Stahl und die Autoren Wladimir Kaminer sowie Richard David Precht. Alle Veranstaltungen werden live gestreamt. Zudem gibt es Backstage-Interviews, Reportagen und Video-Zusammenschnitte auf den jeweiligen Social-Media-Kanälen.

Für Kinder und Fans guter Kinder- und Jugendliteratur finden am Messewochenende noch viele weitere Lesungen in den Räumen des Congress Center und im Frankfurt Pavilion statt: Unter anderem mit den Autorinnen Alice Pantermüller und Daniela Kohl (Mein Lotta-Leben), Tatjana Kiel, Katja Brandis (Woodwalkers Staffel 2) und Silke Schellhammer (School of Talents) sowie den Autoren Paul Maar (Das Sams und die große Weihnachtssuche), Detlev Jöcker, Marcus Pfister (Der Regenbogenfisch) und digital dazugeschaltet Dr. Wladimir Klitschko (Wil, der Wolkenstürmer).

Impression aus den Messehallen, hier am Suhrkamp-Stand. © Foto: Diether von Goddenthow
Impression aus den Messehallen, hier am Suhrkamp-Stand. © Foto: Diether von Goddenthow

Auch für das beliebte Romance-Genre gibt es eine Bühne: Der KYSS Verlag bietet eine Signierstunde mit seinen Star-Autornen Anya Omah, Kira Mohn und Nikola Hotel an (Samstag, 22. Oktober 2022, 10.00-11.30 Uhr, Raum Illusion, Congress Center). An gleicher Stelle kommen dann Thriller-Fans auf ihre Kosten: Im „Crimethrill Event“ signieren u.a. die Star-Autorinnen und Autoren des Genres: Sebastian Fitzek, Ursula Poznanski, Arno Strobel und Andreas Winkelmann. Dort findet später auch eine Signierstunde mit weiteren Stars statt, unter anderem: Ildikó von Kürthy, Manuela Inusa und Klaus-Peter Wolf.

Derweil geben sich auf der Studiobühne des Podcast-Radios detektor.fm (THE ARTS+ Areal, Halle 4.0 G 59) weitere Stars während der Messetage das Mikro in die Hand: Über 50 Autorinnen und Autoren wie Teresa Bücker, Sebastian Fitzek, Jakob Hein, Judith Holofernes, Volker Kutscher, Sheila de Liz, Katja Lewina, Ahmad Mansour, Carlo Masala, Luisa Neubauer und Dirk Stermann werden dort zu Gast sein. detektor.fm wird live von der Frankfurter Buchmesse senden und alle Gespräche anschließend auch in seinem Podcast „N99“ zur Verfügung stellen.

THE ARTS+ Areal, Halle 4.0 G 59  © Foto: Diether von Goddenthow
THE ARTS+ Areal, Halle 4.0 G 59 © Foto: Diether von Goddenthow

ARTE diskutiert mit jungen Autoren und Autorinnen (u.a. mit Mithu Sanyal, Theresia Enzensberger, Ananda Klaar) über Macht und Sex und die heutige Streitkultur: „Und jetzt? Ein Nachmittag zur Zukunft der Gesellschaft von ARTE“ (Freitag, 21. Oktober, 15.00-18.00 Uhr, Frankfurt Pavilion, Agora). Zum Ausklang wird ein Konzert mit dem ukrainischen Schriftsteller und Musiker Serhij Zhadan geboten, dem Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2022.

Um Gesellschaftsentwürfe dreht sich auch Luisa Neubauers Buchvorstellung (Gegen die Ohnmacht. Meine Großmutter, die Politik und ich). Sie hat ihr neues Werk zusammen mit ihrer fast 90-jährigen Großmutter Dagmar Reemtsma geschrieben (Samstag, 22. Oktober, 10.30-11.30, Saal Harmonie, Congress Center).

ARD-Bühne im Forum. © Foto: Diether von Goddenthow
ARD-Bühne im Forum. © Foto: Diether von Goddenthow

Die ARD präsentiert auch 2022 wieder ihr erfolgreiches Format „SHEROES:Streiterinnen für die Zukunft“, moderiert von der reichweitenstarken Autorin, Kolumnistin und Podcasterin Jagoda Marinić. Mit dabei sind u.a. Jasmin Schreiber, Luisa Neubauer, Ulrike Herrmann, Shikiba Babori und Maja Göpel, (ARD-Bühne im Forum, Ebene 0).

Wer gute Stories gerne bunt oder in Form von Performances schätzt, kann am Messesonntag das Finale der Deutschen Cosplay Meisterschaft (Sonntag, 23. Oktober, 13.30 Uhr, Congress Center) sowie die TikTok Stage besuchen (Sonntag, 23. Oktober 2022, 10.00-17.00 Uhr, Agora, Details siehe Pressemitteilung „Buchstäblich #BookTok: TikTok und Frankfurter Buchmesse starten Kooperation“).

Cosplay-Meisterschaftstreffen am Sonntag, 23.10.2022. © Foto: Diether von Goddenthow
Cosplay-Meisterschaftstreffen am Sonntag, 23.10.2022. © Foto: Diether von Goddenthow

Mit dem BOOKFEST erwartet Literaturfans auch 2022 wieder ein Programm an über 20 verschiedenen Locations in Frankfurt mit u.a. Melanie Raabe, Richard David Precht und Donna Leon (Details siehe Pressemitteilung „BOOKFEST 2022“).

Viele Autoren werden auch in Signierzelten auf der Agora ihre Werke signieren. Vor Ort sind Alok Vaid-Menon, Elke Heidenreich, Charlotte Link, Ralph Ruthe, Kirsten Boie u.v.a.

Alle Veranstaltungen und Autorinnen und Autoren sind im Veranstaltungskalender unter www.buchmesse.de/kalender sowie hier zu finden.

Die Autoren der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 präsentieren im ausverkauften Schauspiel Frankfurt ihre Werke

Am 9. Oktober 2022 stellten sich im Schauspiel Frankfurt die sechs Nominierten der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2022 vor. v.li.: Daniela Dröscher „Lügen über meine Mutter“, Kim de l’Horizon „Blutbuch“, Fatma Aydemir „Dschinns“, Kristine Bilkau „Nebenan“, Eckhart Nickel „Spitzweg“, Jan Faktor „Trottel“- © Foto: Diether von Goddenthow
Am 9. Oktober 2022 stellten sich im Schauspiel Frankfurt die sechs Nominierten der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2022 vor. v.li.: Daniela Dröscher „Lügen über meine Mutter“, Kim de l’Horizon „Blutbuch“, Fatma Aydemir „Dschinns“, Kristine Bilkau „Nebenan“, Eckhart Nickel „Spitzweg“, Jan Faktor „Trottel“- © Foto: Diether von Goddenthow

Zum 15. Mal präsentierten am 9. Oktober 2022 das Kulturamt Frankfurt am Main und das Literaturhaus Frankfurt die Nominierten der Shortlist eine Woche vor der 18. Preisverleihung des Deutschen Buchpreises in Kooperation mit der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die den Preis vergibt.

Alle sechs Finalistinnen und Finalisten und eine Finalist*In, die in diesem Jahr in der Endauswahl für den deutschsprachigen Roman des Jahres stehen, wurden in Lesungen und Gesprächen von Sandra Kegel (F.A.Z.), Alf Mentzer (hr) und Christoph Schröder (freier Kritiker) vorgestellt. Die Veranstaltung fand im beinahe ausverkauften Schauspiel Frankfurt statt. Was ihre Freude „heute noch einmal steigere“, sei die Tatsache, „dass wir einander nach der Pandemie erstmals wieder in so großer Runde uns begegnen können“, freute sich Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Dr. Sonja Vandenrath-© Foto: Diether von Goddenthow
Dr. Sonja Vandenrath-© Foto: Diether von Goddenthow

Ausgangsüberlegung war 2008, der Geburtsstunde des Deutschen Buchpreises, „mit dieser Gemeinschaftsveranstaltung Frankfurt als Buch- und Literaturstadt ein weiteres Highlight zu verschaffen, und gleich den großen Scheinwerfer auf die Autorinnen und Autoren der Shortlist zu richten und als Win-Win-Win-Situation dem Frankfurter Publikum die exklusive Chance geben, alle Nominierten kompakt an einer Veranstaltung zu erleben“ so Dr. Sonja Vandenrath, Literaturreferentin der Stadt Frankfurt am Main. Hauke Hückstädt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt, unterstrich in seinem Grußwort, dass die sechs Nominierten der Shortlist, „denen heute unsere ganze Aufmerksamkeit und die Aufmerksamkeit der Buchwelt gelte, unter mehr als 200 geprüften Büchern von einer Fachjury ausgewählt worden seien“.

Fatma Aydemir „Dschinns“, Moderation: Alf Mentzer

Alf Mentzer im Talk mit Fatma Aydemir © Foto: Diether von Goddenthow
Alf Mentzer im Talk mit Fatma Aydemir © Foto: Diether von Goddenthow

Als erste im Reigen präsentiert Fatma Aydemir im Gespräch mit Moderator Alf Mentzer ihr im Carl Hanser Verlag erschienenes Werk „Dschinns“. Eher rein zufällig habe sie einen Familienroman geschrieben, denn Ziel sei es gewesen, wie sie sagt, mehr über die erste Generation der türkischen Arbeitsmigranten zu erfahren. Die Hauptfigur Hüseyin, angelehnt an ihren Vater, hat dreißig Jahre in Deutschland gearbeitet, Doppelschichten geschoben, vier Kinder ernährt und trotzdem immer etwas Geld beiseitegelegt, um sich im 59. Lebensjahr endlich seinen Traum von einer Eigentumswohnung in Istanbul erfüllen zu können. Er hat aber nicht lange davon, denn nicht mal 12 Tage später erleidet er, angekommen in seiner Sehnsuchtswohnung, einen tödlichen Herzinfarkt. Jetzt, im Moment der Trauer und des Verlustes, beginnt der eigentliche Roman: Zur Beerdigung reisen Ehefrau und ihre vier Kinder auf unterschiedlichen Wegen nach Istanbul. Aus deren Perspektiven, sich eigentlich recht fremd gebliebener Personen, entfaltet Fatma Aydemir nach und nach diese spannungsreiche Geschichte .

Fatma Aydemir © Foto: Diether von Goddenthow
Fatma Aydemir © Foto: Diether von Goddenthow

„Für mich hat dieser Zusammenhalt dieser Personen überhaupt nichts heimeliges, im Gegenteil, es ist eher unheimlich, es gibt so eine unheimliche Spannung bei dieser Familie. Woher kommt diese Spannung?“, fragt Alf Mentzer. „Ich glaube“, so Fatma Aydemir , „das kommt aus dem Konzept Familie, das ist universell“ Und je tiefer sie in diese Thematik einstieg, umso mehr verstärkte sich dieses Gefühl: „Ja eigentlich ist das ganz absurd, davon auszugehen, dass dieses Gruppe von Menschen, in die man hineingeboren wird, irgendwie per sé das Beste ist, was einem passiert ist, und dass man sich da wiederfinden muss“, so die Autorin, die auch für neue Formen des Zusammenlebens plädiert. Denn für viele Menschen sei Familie kein besserer Ort, kein Ort, an dem es heimelig sei, eher unheimlich, und im Buch sei es für jede Figur  ein bisschen anders. Sie habe versucht, die Familie im Prozess des Auseinanderbrechens zu zeigen.

Das „Unheimliche“ stecke ja auch schon im Titel des Romans „Dschinns“, so Mentzer. „Dschinns“ wären in der islamischen Vorstellung unsichtbare Geister, die die Welt bevölkerten, deren Namen man wahrscheinlich auch gar nicht laut aussprechen dürfte. „Auch meine Kindheit war von der Angst vor Dschinns geprägt“, so Aydemir. Dinge, die uns Angst machten, seien ja meistens genau deswegen so angsteinflößend, weil sie so vage und nicht greifbar seien, so wie bei Dschinns. Ihre Geschichte und die Idee von Familie passten dazu, „da ‚es‘ eben im Raume ist, wir davon wissen, ‚es‘ uns Angst macht, und dass wir ‚es‘ deswegen nicht mehr aussprechen.“ Familienzusammenkünfte wie Treffen auf Beerdigungen seien schon davon geprägt, „dass wir Menschen auf Grundlage eines Kompromisses zusammenkommen, nämlich, dass sie nicht alles auspacken, sehr zurückhaltend seien und nicht alles dem Gegenüber zumuten, weil es sonst einfach eskalieren und auseinanderbrechen würde“, erläutert Aydemir, die dem Schweigen in bestimmten Situationen  als sozialen Kitt auch eine positive Seite zubilligt.  Aber „in dieser Familie“, lässt Aydemir ihren Bruder Harkan im Roman sagen, „kämpft man mit dem Schweigen als Waffe“, wirft Mentzer ein. Einen Grund hierfür, so Aydemir, sei auch in der kurdischen Herkunft der Familie begründet, in der zum Schutz der Kinder mehr als üblich geschwiegen wurde,  und man ihnen nicht mal mehr die kurdische Sprache beigebracht wurde. Es sei ein Schweigen innerhalb dieser Familie, und ein Schweigen, was in der türkischen Geschichtsschreibung und Gesellschaft existiere.

Kommentar der Jury:
„Dschinns“ vereint Fragen nach Identität, Geschlecht und Herkunft ebenso wie die Themen Rassismus und Diskriminierung, während gleichzeitig ein Teil jüngerer deutscher Geschichte behandelt wird, der bisher kaum in der Literatur zu finden ist.

Biographie:

Fatma Aydemir © Foto: Diether von Goddenthow
Fatma Aydemir © Foto: Diether von Goddenthow

Fatma Aydemir wurde 1986 in Karlsruhe geboren. Sie lebt in Berlin und ist Kolumnistin und Redakteurin bei der taz. Bei Hanser erschien 2017 ihr Debütroman Ellbogen, für den sie den Klaus-Michael-Kühne-Preis und den Franz-Hessel-Preis erhielt. 2019 war sie gemeinsam mit Hengameh Yaghoobifarah Herausgeberin der Anthologie Eure Heimat ist unser Albtraum. Ihr zweiter Roman Dschinns (Hanser, 2022) wurde mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet.

 

Jan Faktor „Trottel“, Moderation: Sandra Kegel

Sandra Kegel-im Talk mit Jan Faktor  © Foto: Diether von Goddenthow
Sandra Kegel-im Talk mit Jan Faktor © Foto: Diether von Goddenthow

„Die stille Frage meiner Jugend lautete, ob ein Trottel im Leben glücklich werden kann. Und im Grunde war es keine Frage“, beginnt Jan Faktor sein  bei Kiepenheuer & Witsch erschienenes Buch „Trottel“. Diese Frage, so  Faktor,  habe ihn schon ein Leben lang beschäftigt. Als er diese Frage, notiert auf einem Zettel, den er Jahrelang in der Hosentasche hatte, vor zwei Jahren hervorholte, habe sich daraus intuitiv ein Buch mit  über 400 Seiten entwickelt. Der Roman besteht aus vielen Geschichten, die   „an einem Stück“ hintereinander aus ihm wie aus einer „Magma-Blase“  herausgeplatzt wären, gleich ganz zu Beginn die, vom  Selbstmord seines Sohnes vor 10 Jahren, der auch so ein Trottel gewesen sei wie er selbst, über den er eigentlich gar nicht schreiben wollte, was aber auf einmal unvermeidbar war.

Jan Faktor  © Foto: Diether von Goddenthow
Jan Faktor © Foto: Diether von Goddenthow

Ob es denn einen Unterschied zwischen „Schelm“ und „Trottel“ gäbe, will Moderatorin Sandra Kegel wissen: „Einen gewaltigen“, so Faktor: Der Trottel sei nicht schlau, sondern dumm, er gäbe Dinge von sich preis, ohne zu spüren, dass er sich damit lächerlich mache, ganz anders wie ein Schelm, der sei schlau und berechnend. Der Trottel sei ehrlich, aber seiner Welt ausgeliefert. Auch er sei ein Trottel, deswegen der Titel.

Ihren Anfang nimmt die Geschichte des Trottels, eine Erinnerung an ein Leben, in dem immer alles anders kam, als gedacht, dabei in Prag, nach dem sowjetischen Einmarsch. Auf den Rat einer Tante hin studiert der Jungtrottel Informatik, hält aber nicht lange durch. Dafür macht er erste groteske Erfahrungen mit der Liebe, langweilt sich in einem Büro für Lügenstatistiken und fährt schließlich Armeebrötchen aus. Nach einer denkwürdigen Begegnung mit der »Teutonenhorde«, zu der auch seine spätere Frau gehört, »emigriert« er nach Ostberlin, taucht ein in die schräge, politische Undergroundszene vom Prenzlauer Berg, gründet eine Familie, stattet seine besetzte Wohnung gegen alle Regeln der Kunst mit einer Badewanne aus, wundert sich über die »ideologisch morphinisierte« DDR, die Wende und entdeckt schließlich seine Leidenschaft für Rammstein.

Kommentar der Jury:
Jan Faktors Roman „Trottel“ verbindet Zeitgeschichte und Lebensgeschichte auf sehr besondere Weise: Er beschreibt den Weg eines Außenseiters von Prag nach Berlin, vom Arbeitnehmer im realexistierenden Sozialismus zu einem Schriftsteller, der literarische Trauerarbeit leistet. Im Kern des Romans steht der Verlust eines Sohnes. Faktor gelingt das große Kunststück, mit einer Geschichte über Trauer Witz zu erzeugen. Er zielt auf die DDR ebenso wie auf die bundesdeutsche Gegenwart, auf den Literaturbetrieb und nicht zuletzt auf das eingestandene „Trotteltum“ seines Erzählers. Dabei entsteht ein provokanter, bisweilen verstörender Schelmenroman über die Frage, „ob ein Trottel im Leben glücklich werden kann“. Es ist ein Buch, das auch gnadenlose, aber sehr hilfreiche Kritik an unserer Gesellschaft übt.

Biografie:

Jan Faktor  © Foto: Diether von Goddenthow
Jan Faktor © Foto: Diether von Goddenthow

Jan Faktor, 1951 in Prag geboren, übersiedelte 1978 nach Ostberlin. Arbeit als Kindergärtner und Schlosser. Entdeckt in den 1980er-Jahren das „Rückläufige Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache“ für die experimentelle Dichtung. Bis 1989 fast ausschließlich in der inoffiziellen Literaturszene engagiert. 1989/90 Mitbegründer der Zeitung des Neuen Forums.

 

Kim de l’Horizon „Blutbuch“, Moderation: Christoph Schröder

Christoph Schroeder im Talk mit Kim de l’Horizon- © Foto: Diether von Goddenthow
Christoph Schroeder im Talk mit Kim de l’Horizon- © Foto: Diether von Goddenthow

Die Erzählperson in „Blutbuch“, erschienen bei DuMont Buchverlag, indentifiziert sich als nonbinär, also weder als Mann noch als Frau, so wie die Autor*In Kim de l’Horizon selbst. Mehr noch: Sie sei, erzählt Kim de l’Horizon, auch als „Hexer*In“ unterwegs und mache auch Rituale und habe hier einen Kristall mitgebracht, „um mir ein bisschen Kraft zu geben.“ Im Zusammenhang mit dieser Publikation „seien wahnsinnig viele Dinge auf mich zugekommen, Energien und Geschichten werden an mich herangetragen, liebevolle, aber auch hasserfüllte, und dieser Kristall hilft mir zu klären, was gehört zu mir, und was gehört zu anderen Menschen.“

Kim de l’Horizon- © Foto: Diether von Goddenthow
Kim de l’Horizon- © Foto: Diether von Goddenthow

Blutbuch ist in der grundsätzlichen Form eigentlich ein langer Brief, den die Ich-Erzählperson an ihre/seine die Familie dominierende Großmutter schreibt, als diese an Demenz erkrankt und Erzähler-Ich beginnt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Wieso vermag sich die Großmutter kaum von ihrer früh verstorbenen Schwester abzugrenzen? Und was geschah mit der Großtante, die als junge Frau verschwand? Die Erzählfigur stemmt sich gegen die Schweigekultur der Mütter und forscht nach der nicht tradierten weiblichen Blutslinie. „Gleichzeitig ist es für mich auch eben nichts Lineares, sondern ich habe versucht, mit diesem Roman einen Hexenkessel zu bauen, in dem alles Platz hat, was irgendwie so an einen herangetragen wird, wenn man irgendwie ein Körper ist auf dieser Welt. Und deshalb ist es nicht binär. Es hat Zirkelbewegungen für mich drin, und es fängt auch nicht an einem Anfang an, sondern wie für mich, so mitten im Satz, und das war das Ziel eigentlich, dass, wenn Menschen das lesen, sie so gerade reingezogen werden in diese Hexensuppe“, so die Autor*In.

Kommentar der Jury:
Die Blutbuche im Garten ist Ursprung und Fluchtpunkt im Leben von Kim, der non-binären Hauptfigur dieses Romans. Gepflanzt wurde sie zur Geburt der Großmutter – der Großmeer, wie sie im Berndeutschen genannt wird. Im Meer dieser Überfigur droht das Kind Kim zu versinken, gleichzeitig ist sie aber von einer magischen Faszination. Als die Großmeer ihr Wissen und ihre Dominanz an die Demenz verliert, beginnt Kim eine eigene Sprache zu bilden: für Identität und Körperlichkeit, für Herkunft und Prägung. Da es in diesem Gemenge keinen geraden Weg gibt, kann die Form des Romans nicht linear sein. Sie ist experimentell und gewagt, in einem Moment jäh derb und obszön, im nächsten wieder zart und intensiv. Sie nutzt überraschende Ebenen und Sichtweisen. Ein Roman, der berührt und bewegt.

Biografie:

Kim de l’Horizon- © Foto: Diether von Goddenthow
Kim de l’Horizon- © Foto: Diether von Goddenthow

Kim de l’Horizon, 1992 bei Bern geboren, studierte Germanistik, Film- und Theaterwissenschaften in Zürich sowie Literarisches Schreiben in Biel. Zurzeit Masterstudiengang Transdisziplinarität an der ZHdK. They ist Mitglied des Kollektivs e0b0ff und der Redaktion des Literaturmagazins delirium, außerdem Gewinner*in des Treibhaus- und OpenNet-Wettbewerbs der Solothurner Literaturtage für Prosa, des Textstreich-Wettbewerbs für Lyrik, des Dramatiker*innenförderpreises Dramenprozessor 2020 und eines Kurzfilmwettbewerbs der HAZ. Publikationen in verschiedenen Literaturmagazinen.

 

Daniela Dröscher „Lügen über meine Mutter“, Moderation: Sandra Kegel

Sandra Kegel- im Talk mit Daniela Droescher © Foto: Diether von Goddenthow
Sandra Kegel- im Talk mit Daniela Droescher © Foto: Diether von Goddenthow

Als vierte der Nominierten betritt Daniela Dröscher mit ihrem bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Roman „Lügen über meine Mutter“, die Bühne. Auch das sei ein Roman, der, so Moderatorin Sandra Kegel, aus einer autobiographischen Wunde heraus geschrieben sei. Die Autorin wuchs wie ihr Alter Ego, die kindliche Protagonistin Ela, in der örtlichen Welt des Hunsrücks auf. Vordergründig geht es um  das übermäßige Körpergewicht ihrer Mutter. Ist diese schöne, eigenwillige, unberechenbare Frau zu dick? Muss sie dringend abnehmen? Ja, das muss sie, entscheidet ihr Ehemann. Und die Mutter ist dem ausgesetzt, Tag für Tag, wobei sie sich selbst nicht als zu dick empfindet, ihre größte Lebenslüge, gleich zu Romanbeginn.
Eigentlich hatte die Mutter, Tochter schlesischer Flüchtlinge, mehr vom Leben gewollt, doch der karrierebewusste Ehemann, dessen Vorankommen sie aber ständig  selbst befeuert, kontrolliert mittlerweile alles: die Haushaltsfinanzen, den tagtäglichen Streit, ihr Übergewicht, für das sich selbst das eigene Kind schon schämt. Die Fassade der kleinbürgerlichen Aufsteigerfamilie zerbröckelt endgültig, als die Mutter in einem skurrilen Akt der Notwehr ihr unverhofftes größeres Erbe, von dem sie jedoch völlig überfordert ist und es auch nicht nutzt, um sich vom Mann zu befreien, verschleudert.

Hintergründig geht es in Dröschers Roman um die destruktiven Auswirkungen eines unbedingten Aufstiegswillen einer kleinbürgerlichen Familie. Es geht um ewiges Vergleichen mit anderen, um Konkurrenz und um das Patriarchat in den 80er Jahren einer westdeutschen Landschaft. Als Daniela Dröscher 1977 geboren wurde, wurde erst in Deutschland Frauen das Recht zugestanden, ohne Zustimmung des Ehemannes erwerbstätig sein zu können.

 Daniela Droescher © Foto: Diether von Goddenthow
Daniela Droescher © Foto: Diether von Goddenthow

Vor diesem Hintergrund erzählt die Autorin auf zwei Ebenen: aus kindlicher Perspektive einer Zehnjährigen und, strukturierend, aus der einer Erwachsenen. Erzählt wird  vom Aufwachsen in dieser dysfunktionalen Familie im Hunsrück der 1980er Jahre, die immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Es ist diese zum  Tunnelblick verkommene fixe Idee von Prestige- und  Wohlstandsmehrung, der die Seelen abgestumpft hat: Da lässt niemand dem anderen  auch nur irgendwie einen Zentimeter. Es gibt nur Konkurrenz. Erbarmungslos sind alle gefangen in dieser unheilvollen Struktur des Aufstiegs. „Es geht darum: ‚Was hat der Nachbar?‘, ‚Wer hat überhaupt?‘, ‚Wessen Wohlstand ist eigentlich legitim?‘, und ‚Weswegen sind die, die zugezogen sind, wohlhabender, als wir?‘. Es gibt den gesellschaftlichen Druck, unter dem auch der Vater steht, oder er steckt in diesem Aufstiegsmärchen fest und ich meine, dieses System, das Wirtschaftssystem ist ja kein Geheimnis, das produziert halt Ellbogen und Konkurrenz. Davon zehrt es ja. Es ist das Lebenselixier“, so die Autorin.

Kommentar der Jury:
Daniela Dröscher erzählt ihre von essayistischen Einschüben unterbrochene literarische Mikrosoziologie aus der Kinderperspektive. Beendet ist die Geschichte vom nicht mehr wunschlosen Unglück der Mutter erst, wenn ein neues Spiel beginnt – das der eigenen Familie.

Biografie:

 Daniela Droescher © Foto: Diether von Goddenthow
Daniela Droescher © Foto: Diether von Goddenthow

Daniela Dröscher, 1977 geboren, aufgewachsen in Rheinland-Pfalz, lebt in Berlin. Sie schreibt Prosa, Essays und Theatertexte. Studium der Germanistik, Philosophie und Anglistik in Trier und London, Promotion im Fach Medienwissenschaft an der Universität Potsdam. Ihr Romandebüt „Die Lichter des George Psalmanazar“ erschien 2009 im Berlin Verlag, es folgten der Erzählband „Gloria“ und der Roman „Pola“ sowie das Memoir „Zeige deine Klasse“ bei Hoffmann & Campe. Sie wurde unter anderem mit dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet.

 

Kristine Bilkau „Nebenan“, Moderation: Alf Mentzer

Alf Mentzer im Talk mit Kristine Bilkau © Foto: Diether von Goddenthow
Alf Mentzer im Talk mit Kristine Bilkau © Foto: Diether von Goddenthow

Als Vorletzte der Shortlist-Matinee präsentiert Kristine Bilkau im Talk mit Alf Mentzer ihr bei Luchterhand erschienenes Werk „Nebenan“. Die Geschichte spielt in einem kleinen Ort am Nord- Ostsee-Kanal, zwischen Natur, Kreisstadt (Rendsburg) und Industrie, kurz nach dem Jahreswechsel. Mitten aus dem Alltag heraus verschwindet eine Familie spurlos. Das verlassene Haus wird zum gedanklichen Zentrum der Nachbarn: Julia, Ende dreißig, die sich vergeblich ein Kind wünscht, die mit ihrem Freund erst vor Kurzem aus der Großstadt hergezogen ist und einen kleinen Keramikladen mit Online-Shop betreibt. Astrid, Anfang sechzig, die seit Jahrzehnten eine Praxis in der nahen Kreisstadt führt und sich um die alt gewordene Tante sorgt.

Kristine Bilkau © Foto: Diether von Goddenthow
Kristine Bilkau © Foto: Diether von Goddenthow

Und dann ist da das mysteriöse Kind, das im Garten der verschwundenen Familie auftaucht. Sie alle kreisen wie Fremde umeinander, scheinbar unbemerkt von den Nächsten, sie wollen Verbundenheit und ziehen sich doch ins Private zurück. Und sie alle haben Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste. Ihre Wege kreuzen sich, ihre Geschichten verbinden sich miteinander, denn sie suchen, wonach wir alle uns sehnen: Geborgenheit, Zugehörigkeit und Vertrautheit. „Wir haben alle Sehnsüchte, ich finde es hochinteressant“, so die Autorin, „sich mit Sehnsüchten zu beschäftigen, weil sie auch eben so brisant sein können:“ Sehnsüchte können kommerziell ausgebeutet werden, wie zum Beispiel in der Werbung, aber auch politisch, „und da kann es richtig problematisch werden, finde ich, wenn Sehnsucht nach häuslichem Glück, nach einen einfachen Leben, einer vermeintlich besseren Vergangenheit, die es mal gegeben hat“, Menschen so beherrschten, dass sie von ihrem eigentlichen Leben abkommen.

Kommentar der Jury:
Die Keramikkünstlerin Julia führt eine liebevolle Partnerschaft, leidet aber unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch. Astrid, Mutter von drei erwachsenen Söhnen, will sich langsam aus dem Berufsleben als Ärztin zurückziehen. Meisterhaft zeigt Kristine Bilkau anhand der Schicksale zweier Frauen in der norddeutschen Provinz, welche Abgründe in einem scheinbar alltäglichen Leben lauern. Die Stärke dieses subtil erzählten Romans liegt in den Details und den kleinen Kippmomenten – zwischen Fruchtbarkeitskliniken und verschwundenen Müttern, traumvergessenen Landschaften und illegalen Müllkippen. Nicht nur den Figuren, auch den Lesenden wird immer wieder der scheinbar sichere Grund unter den Füßen weggezogen. Doch dass Leben ohne Vertrauen nicht gelingen kann, auch davon erzählt „Nebenan“.

Biografie:

Kristine Bilkau © Foto: Diether von Goddenthow
Kristine Bilkau © Foto: Diether von Goddenthow

Kristine Bilkau, 1974 geboren, studierte Geschichte und Amerikanistik in Hamburg und New Orleans. Ihr erster Roman „Die Glücklichen“ wurde mit dem Franz-Tumler-Preis, dem Klaus-Michael-Kühne- Preis und dem Hamburger Förderpreis für Literatur ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Vor „Nebenan“ erschien „Eine Liebe, in Gedanken“ im Luchterhand Literaturverlag. Kristine Bilkau lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

 

Eckhart Nickel „Spitzweg“, Moderation: Christoph Schröder

Christoph Schroeder im Talk mit Eckhart Nickel. © Foto: Diether von Goddenthow
Christoph Schroeder im Talk mit Eckhart Nickel. © Foto: Diether von Goddenthow

Als letzter in der Runde stellt Moderator Christoph Schröder den   Autor Eckhart Nickel mit seinem im Piper Verlag erschienen Roman „Spitzweg“ vor. Man könne sich fragen, so Schröder, ob das ein Roman sei, der die Kunst feiere, in dem junge Menschen in der Kunst aufgingen oder erst sie selbst würden, indem sie sich eine Kunstwelt schüfen. Es geht um drei junge Menschen kurz vor dem Abitur, um ein Selbstporträt, das von einer Lehrerin geschmäht wird, um Bilder, wie man sie anschaut, und immer wieder um den Gegensatz von Künstlichkeit und Natur. Das sei etwas, was Eckhard Nickel schon in seinen vorangegangenen Roman „Hysteria“ rumgetrieben habe. „Man kann sich in diesem Buch wunderbar verlieren“, schwärmt der Moderator. Bereits den Einband ziere ein Bild von Karl Spitzweg: „Der Hagestolz“. Auf diesen werde im Roman ein Loblied gesungen:  „Was hat der Hagestolz mit diesem Roman zu tun? Wer singt dieses Loblied? Wie kommt der Hagestolz in das Buch?“, fragt Schröder.

Eckhart Nickel  © Foto: Diether von Goddenthow
Eckhart Nickel © Foto: Diether von Goddenthow

Der Bildausschnitt wäre bewusst so ausgewählt, „weil darauf eigentlich nur noch drei Figuren zu sehen sind, und damit auch schon sozusagen die Vielbezüglichkeit dieses Gemäldes eigentlich ganz gut repräsentiert wird“, erklärt Eckhart Nickel. Denn beim Hagestolz ginge es eigentlich um eine Familientragödie als Figur. „Der Solitär des Hagestolz, das ist der zweitgeborene Sohn, der dann leider nicht den Hof erbt, sondern für den zwar noch genügend übrig bleibt, dass er sich ganz ordentlich anziehen kann, wie man auf dem Bild sieht, der sich auch ein Zeitungs-Abonnement leisten kann. Aber für alles andere reicht es nicht mehr, und wie jedes Gemälde in diesem Roman, ist auch dieses nicht nur ein Bild, sondern auch ein Bilderrätsel, ein Imaginationsraum, in den sich Figuren hineinversetzen“, so der Autor, der sich einstmals eigentlich nie viel aus Kunst gemacht hatte, bis ihn  Carl, ein bewunderter Freund mit seiner Spitzweg-Begeisterung angesteckt habe. In der Mitte des Geschehens: eine Dreiecksbeziehung, ein hochbegabtes Mädchen und der verräterische Diebstahl eines Gemäldes. Durch raffinierte Rachepläne wird die Schülerfreundschaft auf ihre schwerste Probe gestellt.

Kommentar der Jury:
Eckhart Nickel gelingt mit seinem Roman „Spitzweg“ Großes: was als Schülergeschichte beginnt, wandelt sich zu einer meisterhaften Reflexion über die Beziehung von Kunst und Leben. Sehr bewusst setzt er sich mit ästhetischen Fragen auseinander, und indem er die Leser*innen zu Schüler*innen macht, werden auch komplexe Diskurse verständlich. Sprachlich souverän und voller Ironie spielt „Spitzweg“ mit einer übertriebenen Gelehrsamkeit, mit verschachtelten Satzkonstruktionen und einem antiquiert anmutenden Vokabular. Dabei ist der Roman aller philosophischen Tiefe zum Trotz äußerst temporeich, in manchen Passagen gar komödiantisch. Ein großes intelligentes Lesevergnügen, das uns veranschaulicht, wie auch über Kultur diskutiert werden kann.

Biografie:

Eckhart Nickel  © Foto: Diether von Goddenthow
Eckhart Nickel © Foto: Diether von Goddenthow

Eckhart Nickel, geboren 1966 in Frankfurt am Main, studierte Kunstgeschichte und Literatur in Heidelberg und New York. Er gehörte zum popliterarischen Quintett „Tristesse Royale“ (1999) und debütierte 2000 mit dem Erzählband „Was ich davon halte“. Nickel leitete mit Christian Kracht die Literaturzeitschrift „Der Freund“ in Kathmandu. Heute schreibt er vorwiegend für die FAS, die FAZ und ihr Magazin. 2019 erhielt er den Friedrich-Hölderlin-Förderpreis der Stadt Bad Homburg.

(Diether von Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Weitere Informationen zum Deutschen Buchpreis.

Deutscher Buchpreis 2022: Die Preisverleihung live erleben

Literaturbegeisterte können online dabei sein, wenn der Roman des Jahres gekürt wird: Die Verleihung des Deutschen Buchpreises wird am 17. Oktober 2022 um 18 Uhr auf www.deutscher-buchpreis.de live aus dem Frankfurter Römer übertragen.
Gleichzeitig senden Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur die Veranstaltung live über den Sonderkanal „Dokumente und Debatten“ im Digitalradio und als Stream auf https://www.deutschlandradio.de/dokumente-und-debatten-102.html.

Der Stream der Preisverleihung ist auch über die Webseite der Frankfurter Buchmesse www.buchmesse.de erreichbar.

Der Deutsche Buchpreis begleitet die Veranstaltung außerdem auf Twitter: www.twitter.com/buchpreis, Hashtag: #dbp22.

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main.

OPEN BOOKS, Literatur im Römer und OPEN BOOKS Kids – Das Lesefest der Stadt Frankfurt zur Buchmesse bei freiem Eintritt vom 19. bis 20.10.2022

logo-open-booksOPEN BOOKS: 18. bis 22. Oktober 2022, rund um den Römer
Literatur im Römer: 19. und 20. Oktober 2022, in der Römerhalle
OPEN BOOKS Kids: 22. und 23. Oktober 2022, in der Deutschen Nationalbibliothek

Rund 100 Veranstaltungen, über 150 Autor:innen, 9
Veranstaltungsorte

  • Eröffnung OPEN BOOKS mit dem Blauen Sofa in der Deutschen Nationalbibliothek
    Dienstag, 18. Oktober, 20 Uhr
  • OPEN BOOKS rund um den Römer
    Mittwoch bis Freitag, jeweils 16 bis 21 Uhr, Samstag, 16 bis 21 Uhr
  • OPEN BOOKS KIDS in der Deutschen Nationalbibliothek
    Samstag, 22. Oktober, 11.30 bis 18 Uhr, und Sonntag, 23. Oktober, 10 bis 18 Uhr
  • Literatur im Römer in der Römerhalle
    Mittwoch, 19. Oktober und Donnerstag, 20. Oktober, 20 bis 22 Uhr

OPEN BOOKS, das große Lesefest der Stadt Frankfurt zur Buchmesse, findet 2022 vom 18. bis 22. Oktober wie immer bei freiem Eintritt statt: 100 Veranstaltungen mit rund 150 Autor:innen aus Deutschland und der Welt sind geplant. Präsentiert werden Neuerscheinungen aus der deutschsprachigen und internationalen Belletristik, dem Sachbuch, dem Comic, der Lyrik und dem Kinderbuch. Lesen werden u.a. der Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels Serhij Zhadan, Lukas Bärfuss, Karen Duve, Lutz Rathenow, Andrea Wulf, Péter Nádas, Andrej Kurkow, Tanja Maljartschuk, Feridun Zaimoglu, Susanne Schröter, Harald Meller, Kai Michel, Meron Mendel, Ulrike Herrmann, Edgar Reitz, Joshua Groß, Alain Claude Sulzer, Helene Bukowski, Zaza Burchuladze, Jan Faktor, Jennifer Nansubuga Makumbi, Hanns-Josef Ortheil, Daniela Dröscher, Mohamed Amjahid, Theresia Enzensberger, John Burnside, Vera Tschechowa, Stefan Schulz, Omri Boehm, Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey, Marlene Engelhorn, Reinhold Messner, Judith Holofernes, Nils Minkmar, Manja Präkels, Jürgen Kaube, Angela Steidele, Durs Grünbein sowie der/die frisch gekürte Buchpreisträger/in.

Dr. Ina Hartwig, Kultur- und Wissenschaftsdezernentin, stellt fest: „Ich bin froh und glücklich, dass das beim Publikum so beliebte Lesefest zur Buchmesse in diesem Jahr wieder ganz offen und ohne Beschränkungen durchgeführt werden kann. Der freie Eintritt und spontane Besuche gehören zum Markenkern von OPEN BOOKS genauso wie die Konzentration der Lesungen rund um den Römer. Die Stadt Frankfurt unterstützt so die Frankfurter Buchmesse und arrondiert deren breitgefächertes Angebot an Veranstaltungen auf dem Messegelände und in der Stadt.

Dr. Sonja Vandenrath, die das städtische Lesefest OPEN BOOKS verantwortet, ergänzt: „OPEN BOOKS 2022 bietet ein vielfältiges Programm, mit dem wir ganz gezielt ein breites Publikum ansprechen. Wie in einer gut sortierten Buchhandlung wollen wir das Interesse an den Neuerscheinungen des Herbstes wecken.“

Neben einem Schwerpunkt zum diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse – Spanien – liegt ein Fokus im internationalen Programm auf Autor:innen aus der Ukraine, u.a. mit Oksana Sabuschko, Juri Andruchowytsch und Tanja Maljartschuk. Zudem ist der Schweizer Buchpreis mit den nominierten Autor:innen der Shortlist vertreten.

Bis auf die Eröffnungsveranstaltung, die gemeinsam mit dem Blauen Sofa in der Deutschen Nationalbibliothek durchgeführt wird, und dem Lyrikabend „Teil der Bewegung“ (Abendkasse) gilt bei allen Lesungen freier Einlass.

OPEN BOOKS Kids findet statt am Buchmesse-Wochenende (22./23.10.2022) in der DNB. Es lesen Margit Auer, Anna Benning, Tom Gauld mit Jörg Mühle, Ilona Koglin und Marek Rohde, Hans und Ole Könnecke, Ute Krause, Anke Kuhl, Volker Mehnert, Kirsten Reinhardt und Stephanie Schneider.

Literatur im Römer findet am Buchmessen-Mittwoch und -Donnerstag in den Römerhallen statt. Jeweils acht Autorinnen und Autoren stellen ihre neuen Romane vor: Daniela Dröscher, Theresia Enzensberger, Amelie Fried, Norbert Gstrein, Martin Kordić, Shelly Kupferberg, Andrej Kurkow, Robert Menasse, Martin Mosebach, Christoph Peters, Melanie Raabe, Sascha Reh, Bettina Scheiflinger, Norbert Scheuer, Alexandra Stahl und Julia Wolf.

OPEN BOOKS ist eine Kooperation des Kulturamts Frankfurt am Main mit deutschsprachigen Verlagen und den Veranstaltungsorten. Medienpartner sind hr2-kultur und Journal Frankfurt.

Detailliertes Programm Open Books

Die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022: Sechs Romane im Finale

Deutscher Buchpreis 2022: Sechs Romane im Finale- Die sechs Titel der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 (c) vntr.media
Deutscher Buchpreis 2022: Sechs Romane im Finale- Die sechs Titel der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 (c) vntr.media

Die Jury hat diese sechs Romane für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 ausgewählt:

  • Fatma Aydemir: Dschinns (Carl Hanser, Februar 2022)
  • Kristine Bilkau: Nebenan (Luchterhand, März 2022)
  • Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter (Kiepenheuer & Witsch, August 2022)
  • Jan Faktor: Trottel (Kiepenheuer & Witsch, September 2022)
  • Kim de l’Horizon: Blutbuch (DuMont, Juli 2022)
  • Eckhart Nickel: Spitzweg (Piper, April 2022)

Jurysprecherin Miriam Zeh, Deutschlandfunk Kultur: „Ein Roman gibt sich eigene Gesetze und steht doch unweigerlich in Kontakt zur Gegenwart, in der er geschrieben und gelesen wird. Alle sechs Titel der Shortlist 2022 konnten uns in ihrer ästhetischen Eigenheit überzeugen. Mit sprachlicher Brillanz und formaler Innovationskraft beschreiben sie soziale Realitäten und Phantasmen, vermessen Mitte und Ränder, umkreisen Trauer und Komik. Damit bilden die nominierten Autor*innen die thematische wie stilistische Vielfalt der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ab. Gemeinsam ist ihnen: eine künstlerische Unbedingtheit. Mit ihren Büchern beziehen sie Position, zeigen sich streitbar und zugleich offen für den Dialog. So laden wir mit der Lektüre dieser Shortlist auch ein, in einen Austausch zu treten und den eigenen Blick auf die Welt neu zu justieren.“

Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 233 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2021 und dem 20. September 2022 erschienen sind. Der Jury gehören neben Miriam Zeh an: Erich Klein (freier Kritiker, Wien), Frank Menden (stories! Die Buchhandlung, Hamburg), Uli Ormanns (Agnes Buchhandlung, Köln), Isabelle Vonlanthen (Literaturhaus Zürich), Selma Wels (Kuratorin und Moderatorin, Frankfurt) und Jan Wiele (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Mit dem Deutschen Buchpreis 2022 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Der oder die Preisträger*in erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalist*innen erhalten jeweils 2.500 Euro. Die Preisverleihung findet am 17. Oktober 2022 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt und wird live übertragen. Interessierte können die Preisverleihung unter www.deutscher-buchpreis.de verfolgen.

Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur übertragen die Veranstaltung live über den Sonderkanal „Dokumente und Debatten“ im Digitalradio und als Livestream auf Dokumente und Debatten | deutschlandradio.de.

Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Ab 4. Oktober 2022 werden Auszüge aus den Shortlist-Titeln in englischer Übersetzung und ein englischsprachiges Dossier zur Shortlist auf dem Internetportal www.new-books-in-german.com präsentiert.

Auf der Webseite und den Social-Media-Kanälen des Deutschen Buchpreises vermitteln Videoporträts einen Eindruck von den nominierten Werken und ihren Autor*innen.

Der Hashtag zum Deutschen Buchpreis lautet: #dbp22

Literarische Events vom Ehrengast Spanien rund um die Frankfurter Buchmesse

Spanien-auf-ffm-buchmesse-2022100 spanische Autor:innen kommen nach Frankfurt Hommages an Almudena Grandes und Carlos Ruiz Zafón Lesungen auch in Frankfurt, Köln und Berlin

Frankfurt. Spaniens Literaturszene begeistert durch ihre „sprühende Kreativität“ – und unter diesem Motto präsentiert sich Spanien vom 19. bis 23. Oktober 2022 als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse mit über 50 Veranstaltungen. Rund 100 spanische Autor:innen gehören der spanischen Delegation an, darunter so namhafte Vertreter:innen wie Elvira Sastre, Irene Vallejo und Fernando Aramburu, Sara Mesa, Javier Cercas und Ray Loriga. In feierlichen Hommages werden im Ehrengast-Pavillon die großen spanischen Schriftsteller:innen Almudena Grandes und Carlos Ruiz Zafón geehrt. Und auch in Frankfurt, Berlin, Bonn und anderen Städten gibt es im Oktober spannende literarische Begegnungen mit spanischen Autor:innen.

Von Identität, Illusionen und Immobilienboom
In Lesungen, Buchvorstellungen und Diskussionsrunden präsentiert der Ehrengast die ganze Bandbreite seines literarischen Schaffens und seiner Sprachenvielfalt mit weltbekannten Autor:innen wie Rosa Montero (22. Oktober, 12 Uhr), Arturo Pérez-Reverte (20. Oktober, 14 Uhr), Enrique Vila-Matas (20. Oktober, 12 Uhr) und Antonio Muñoz Molina – er spricht mit dem Leiter der Frankfurter Buchmesse Juergen Boos Über die Grenzen der Vorstellungskraft hinaus (19. Oktober, 16 Uhr). Das Programm im EhrengastPavillon greift aktuelle gesellschaftspolitische Themen auf: Paloma Chen, Mohamed El Morabe, Nadia Hafid und Margarita Yakovenko gehören der ersten Generation spanischer Schriftsteller:innen aus Migrant:innenfamilien an und beschäftigen sich mit Themen wie Familie, Entwurzelung und der Suche nach Identität (21. Oktober, 10 Uhr). Die beiden erfolgreichen jungen Autor:innen Elisabeth Duval und Cristina Morales reden über Liebe, Begehren und Schmerz in der Literatur und geben dabei denen eine Stimme, die von der Mehrheitsgesellschaft als „alternativ“ oder „andersartig“ angesehen werden (23. Oktober, 14 Uhr). Sara Mesa, Patricio Pron und Isaac Rosa schreiben über Liebesbeziehungen, die von Geld und Arbeit durchkreuzt werden, über Illusionen und Prekarität, Macht und Politik – und diskutieren über das Verhältnis von Gesellschaft und Literatur (19. Oktober 2022, 14 Uhr). Und Sergio del Molino und Jorge Dioni López liefern bedrückende Portraits eines Landes zwischen Landflucht und Immobilienboom (20. Oktober, 10 Uhr).

Zwischen Vergangenheit und Zukunft
Die Natur, zerbrechlich und unberechenbar zugleich, ist auch in der zeitgenössischen spanischen Literatur ein wichtiges Thema – Anna Ballbona, Jesús Carrasco und María Sánchez diskutieren, wie die Natur zu uns spricht (20. Oktober, 16 Uhr). Wie Literatur ein kollektives Gedächtnis schafft und welche Beziehung zwischen der Vergangenheit und der literarischen Erzählung besteht, darüber reden Javier Cercas, Daniel Gascón und José Carlos Llop (19. Oktober, 13 Uhr). Und wie wollen wir die Zukunft gestalten? Das fragen angesichts einer Welt im permanenten Krisenmodus die spanischen Philosoph:innen Marina Garcés, César Rendueles und Daniel Innerarity (21. Oktober, 16 Uhr).

Fachdiskussionen, Musik und szenische Lesungen
Interessierte Fachgäste erhalten im Ehrengast-Pavillon einen vertiefenden Einblick in die spanische Buchbranche: Spanische Verleger:innen benennen die aktuellen Herausforderungen für unabhängige Verlage (19. Oktober, 14 Uhr), Vertreter:innen des spanischen Buchhandels erörtern die Chancen für Buchhandlungen im digitalen Zeitalter (20. Oktober, 14 Uhr). Spaniens Klänge bringen die Komponistin und Pianistin Sheila Blanco, die Sängerin Silvia Pérez Cruz und der Flamenco-Gitarrist Fraskito mit seiner Hommage an den spanischen Dichter Miguel Hernández in den Ehrengast-Pavillon, dramatisierte Lesungen mit Stücken von Chaves Nogales und María Velasco runden das Programm ab.

Spanien in Frankfurt…
vor und während der Messetage steht auch die Stadt Frankfurt ganz im Zeichen der „sprühenden Kreativität“ Spaniens. So zeigt das Instituto Cervantes Frankfurt mit verschiedenen Partnern ein vielseitiges Programm: Zum Europäischen Tag der Sprachen am 26. September lesen die Lyrikerinnen Yolanda Castaño auf Galicisch, Sònia Moll auf Katalanisch, Castillo Suárez auf Baskisch und Rosa Berbel auf Spanisch. Paul Ingendaay stellt am 13. Oktober in der Romanfabrik den Romancier und Essayisten Rafael Chirbes und dessen Werk vor (20 Uhr). Am selben Ort gibt es am 21. Oktober eine Begegnung mit der Dichterin und Poetry-Slammerin Elvira Sastre, die ihren Debütroman Tage ohne Dich präsentiert. Rosa Ribas, José Ovejero und Isaac Rosa diskutieren am 19. Oktober um 18 Uhr beim IG Metall Vorstand im Main Forum über Leben im Zeichen des Prekariats.

…und zahlreichen anderen Städten
In zahlreichen deutschen Städten finden im Oktober Veranstaltungen mit spanischen Autor:innen statt. Das Instituto Cervantes Berlin lädt etwa zu Lesungen mit Jesús Carrasco (12. Oktober, 19 Uhr), Berna González Harbour (18. Oktober, 19 Uhr) und Sara Mesa (28. Oktober, 19 Uhr). Najat El Hachmi, Fernando Aramburu und Aroa Moreno Durán nehmen am 6. Oktober um 19 Uhr Platz auf dem berühmten Blauen Sofa Berlin (Bertelsmann Repräsentanz Unter den Linden). Im Kölner Comedia Theater beginnt am
14. Oktober um 19 Uhr die Lange Nacht der spanischen Literatur mit Cristina Morales, Miqui Otero, Kiko Amat, José Ovejero und Aroa Moreno Durán. Das Literaturhaus Bonn lädt traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse zu einer Lesung mit
Autor:innen des Ehrengastlandes ein – in diesem Jahr sind es die spanischen ShootingStars Andrea Abreu und Elena Medel sowie Bestsellerautor Isaac Rosa (Bundeskunsthalle, 17. Oktober, 19 Uhr). Beim Berleburger Literaturpflaster treffen sich José F.A. Oliver und Mario Martín Gijón zu einer deutsch-spanischen Dichterlesung (18. Oktober, 19:30 Uhr). Javier Cercas liest am 20. Oktober aus seinem aktuellen Roman Terra Alta – Die Erpressung, es folgen Events mit Kiko Amat (23. Oktober, 19:30 Uhr) und Miqui Otero (27. Oktober, 19:30 Uhr) sowie die Ausstellungseröffnung Illustrationen von Marià Hesse (24. Oktober, 19:30 Uhr). Und bei den diesjährigen Literaturtagen im schweizerischen Zofingen stehen ebenfalls spanische Autor:innen im Fokus: Den Auftakt macht am 29. Oktober um 11 Uhr Ibizas poetische Stimme Vicente Valero, gefolgt von Miqui Otero (13 Uhr), Maria Sánchez und Elena Medel (16 Uhr) sowie José Ovejero um 17:30 Uhr. Am 30. Oktober stehen dann María Castrejón (10 Uhr), Sergio del Molino (11:30 Uhr), Ray Loriga (13:30 Uhr) und Irene
Solà (15 Uhr) auf der Bühne.

Weitere Informationen zum Gesamtprogramm: https://spainfrankfurt2022.com/de/

Spanisches Königspaar und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnen die 74. Frankfurter Buchmesse

"Übersetzt zu werden ist, als würde eine fremde Sprache dich penetrieren. Es ist ein Vertrauensbeweis für meine Übersetzerinnen und Übersetzer, so wie es auch immer um Vertrauen geht, wenn man sich in die Arme einer oder eines neuen Geliebten wirft. Wenn zwei sich zum ersten Mal streicheln, verfügen sie noch über keinen gemeinsamen Code, nur den Willen, einander zu verstehen.", begann die spanische Ehrengast-Autorin Christina Morales, ihre Rede anlässlich der Vorschau-Pressekonferenz zur 74. Frankfurter Buchmesse- Hier im Bild mit dem Übersetzer /Dolmetscher Ferran Ferrando Melia beim anschließenden Interview in der Evangelischen Akademie Frankfurt. © Foto Diether von Goddenthow
„Übersetzt zu werden ist, als würde eine fremde Sprache dich penetrieren. Es ist ein Vertrauensbeweis für meine Übersetzerinnen und Übersetzer, so wie es auch immer um Vertrauen geht, wenn man sich in die Arme einer oder eines neuen Geliebten wirft. Wenn zwei sich zum ersten Mal streicheln, verfügen sie noch über keinen gemeinsamen Code, nur den Willen, einander zu verstehen.“, begann die spanische Ehrengast-Autorin Christina Morales, ihre Rede anlässlich der Vorschau-Pressekonferenz zur 74. Frankfurter Buchmesse- Hier im Bild mit dem Übersetzer /Dolmetscher Ferran Ferrando Melia beim anschließenden Interview in der Evangelischen Akademie Frankfurt. © Foto Diether von Goddenthow

Die Zahl der Voranmeldungen zur Frankfurter Buchmesse (19. bis 23. Oktober) sei im Vergleich zum Vorjahr bereits doppelt so hoch. Das sei mehr als wir uns gewünscht haben, gab Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, heute auf einer Pressekonferenz in der Evangelischen Akademie in Frankfurt bekannt. Auch hat sich die Zahl der Aussteller, die aus 85 Ländern erwartet werden, gegenüber 2021 erfreulicherweise auf 4000 erhöht. Vor allem seien die  größten Buchmärkte der Welt in diesem Jahr wieder vertreten, nämlich unter anderem Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Italien und Frankreich. In diesem Jahr werden bereits die Hallen 3, 4 und 6 sowie das Forum und das Freigelände mit Agora und Frankfurt Pavilion wieder belegt sein. Die Halle 3, in der traditionell vornehmlich deutschsprachige Verlage ihre Titel präsentieren, sei  nahezu ausgebucht. Eine wesentliche Neuerung sei, dass die Buchmesse schon ab Freitag, 21. Oktober, ihre Tore  für das Privatpublikum öffne.

 Die Messe stehe für eine diverse Gesellschaft, für Pluralität und gegen jede Art von Diskriminierung. so Buchmesse-Direktor Juergen Boos, © Foto Diether von Goddenthow
Die Messe stehe für eine diverse Gesellschaft, für Pluralität und gegen jede Art von Diskriminierung. so Buchmesse-Direktor Juergen Boos, © Foto Diether von Goddenthow

Als eine besondere Wertschätzung der Arbeit der Buchmesse, einer der größten Kulturveranstaltungen der Welt, wertet Boos die Zusagen des Spanischen Königspaars. König Felipe VI und Königin Letizia, sowie des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, die 74. Frankfurter Buchmesse zu eröffnen.
Ebenfalls zu den Eröffnungsrednern werden gehören: die Vertreter des Landes Hessen, die Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main, Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs und die literarischen Festredner aus Spanien, Irene Vallejo und Antonio Muñoz Molina. Die Eröffnungsfeier findet am Dienstag, dem 18. Oktober 2022, mit geladenen Gästen statt und wird live gestreamt.

„Übersetzen“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Buchmesse
Mit der Kampagne „Translate. Transfer. Transform.“ richtet die Frankfurter Buchmesse das Scheinwerferlicht auf das Übersetzen, eine Tätigkeit, die im Verborgenen stattfindet, ohne die Verständigung jedoch unmöglich wäre. „Das Verstehen ist der erste Schritt zur Verständigung“, so Boos. „Ohne Übersetzung kein Verstehen, und ohne Verstehen keine Verständigung“. Auch die Adaption von literarischen Stoffen sei eine Form des medialen Transfers. So zieht sich das Thema Übersetzen wie ein roter Faden durch alle Bereiche der Frankfurter Buchmesse: Im Literary Agents & Scouts Centre (LitAg) wird mit Übersetzungsrechten gehandelt, im Zentrum eines jeden Gastlandauftrittes steht ein großes Übersetzungsförderungsprogramm. Gemeinsam mit dem Verband der Übersetzer*innen VdÜ wird im Internationalen Zentrum für Übersetzung (Halle 4.0) ein abwechslungsreiches Programm angeboten: Hier wird für mehr Sichtbarkeit von Lektor*innen und Übersetzer*innen gestritten oder über die Rezeption von arabischer Literatur in Europa diskutiert. Es geht um Übersetzung für blinde Menschen und um die Herausforderung, umgangssprachliche Wendungen in ein eine andere Sprache zu übertragen, etwa bei Comics. Des Weiteren geht es u.a. um Themen wie Sensitivity Reading und postkoloniales Übersetzen.

Ehrengastland Spanien
„Ein boomender Buchmarkt, lebendige Sprachenvielfalt und vielschichtige Literaturen: 31 Jahre nach dem ersten Gastlandauftritt lädt Spanien erneut dazu ein, den kulturellen Reichtum des drittgrößten europäischen Landes kennenzulernen. Und es gibt viel zu entdecken: Die Delegation aus Spanien umfasst rund 200 Autoren und Autorinnen, Übersetzer und Übersetzerinnen und Kreative – ausgewiesene Experten und Expertinnen für die Gegenwartsliteraturen des Landes. Unter dem Motto „Creatividad desbordante – Überbordende Kreativität“ wird der Ehrengast-Pavillon Raum für Begegnungen bieten: Er ist als lebendiges Wörterbuch konzipiert, das Worte, Sprachen und Geschichten verbindet. Ich bin sehr gespannt auf die Präsentation und freue mich, dass das spanische Königspaar und unser Bundespräsident die Frankfurter Buchmesse aus diesem Anlass besuchen“, sagte Juergen Boos. Mit Javier Cercas, Daniel Gascón, Elvira Lindo, José Carlos Llop, Rosa Montero, Arturo Pérez Reverte, Elvira Sastre, Manuel Vilas und der auch bei der heutigen Pressekonferenz in Frankfurt anwesenden Schriftstellerin Cristina Morales sind renommierte literarische Stimmen aus Spanien auf der Buchmesse vertreten.

Auch ein Statement gegen Ukraine-Krieg und für die Freiheit
Von einer Zeitenwende ist in diesem Jahr häufig die Rede – angesichts des verheerenden und völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, der Millionen Menschen in die Flucht zwingt und zahllose Opfer fordert. Unter dem Motto „Was können sie uns anhaben, solange wir einander hören“ bestimmen ukrainische Stimmen und Themen am Messefreitag und -samstag (21.-22. Oktober 2022) das Programm im Frankfurt Pavilion auf der Agora.
Serhij Zhadan, Katja Petrowskaja, Kateryna Mishchenko, Nataliya Gumeniuk, Peter Pomerantsev, Aliona Karavai, Andrej Kurkow, Karl Schlögel und viele mehr: Schriftsteller*innen, Kulturschaffende und Wissenschaftler aus der Ukraine und aller Welt diskutieren über Kultur, Politik, Medien, die Situation der Frauen und Fluchterfahrungen in Zeiten des Krieges. So spricht die ukrainisch-deutsche Schriftstellerin Katja Petrowskaja über die Wahrnehmung der Ukraine in Europa. Die Verlegerin Kateryna Mishchenko teilt ihre Erfahrungen als Frau im Krieg und auf der Flucht. Die ukrainische Galeristin Aliona Karavai setzt sich mit der gegenwärtigen Kulturpolitik auseinander. Andrei Kurkow und Ljubov Jakymchuk thematisieren den Angriff auf plurale Identitäten in der Ukraine. Und der ukrainische Schriftsteller, Lyriker, Übersetzer und Friedenspreisträger Serhij Zhadan trägt Gedichte vor. Das Programm wird von der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Goethe-Institut Ukraine und der Frankfurter Buchmesse in Zusammenarbeit mit dem Ukrainian Book Institute kuratiert und richtet sich an alle Messebesucher*innen.

Alle Veranstaltungen sind in Kürze unter www.buchmesse.de/kalender abrufbar.

Deutscher Buchpreis 2022: Die 20 nominierten Romane stehen fest

© Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.
© Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

20 Romane hat die Jury für den Deutschen Buchpreis 2022 nominiert. Seit Ausschreibungsbeginn hat sie 233 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2021 und dem 20. September 2022 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind oder noch erscheinen.

Jurysprecherin Miriam Zeh, Deutschlandfunk Kultur:
„In der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur rumoren die großen Fragen unserer Zeit: nach Herkunft und Identität, nach Formen und Zukunft unseres Zusammenlebens. Sie können sich in der deutschen oder österreichischen Provinz ebenso entfalten wie in Kabul oder Pjöngjang, in einer herannahenden Dystopie oder der real-historischen Ostberliner Vorwendezeit. Aus über 200 Titeln und so vielen Einreichungen wie noch nie haben wir epische Erzählungen ausgesucht, poetische Sprachschöpfungskaskaden sowie formale Experimente, die klassische und realistische Formen des Romans aufbrechen. Die Auswahl auf unserer Longlist folgt dabei verschiedenen Kriterien, so wie auch in der Jury Perspektiven aus Literaturvermittlung und -kritik zusammenfinden. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2022 sind etablierte Autor*innen ebenso wie eine Vielzahl noch weniger bekannter und jüngerer Stimmen. Und wenn wir die so verschiedenen Romane damit einem neugierigen Lesepublikum näherbringen können, freuen wir uns umso mehr.“

Die nominierten Romane (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Fatma Aydemir: Dschinns (Carl Hanser, Februar 2022)
  • Kristine Bilkau: Nebenan (Luchterhand, März 2022)
  • Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter (Kiepenheuer & Witsch, August 2022)
  • Carl-Christian Elze: Freudenberg (edition AZUR, Februar 2022)
  • Theresia Enzensberger: Auf See (Carl Hanser, August 2022)
  • Jan Faktor: Trottel (Kiepenheuer & Witsch, September 2022)
  • Marie Gamillscheg: Aufruhr der Meerestiere (Luchterhand, März 2022)
  • Kim de l’Horizon: Blutbuch (DuMont, Juli 2022)
  • Yael Inokai: Ein simpler Eingriff (Hanser Berlin, Februar 2022)
  • Reinhard Kaiser-Mühlecker: Wilderer (S. Fischer, März 2022)
  • Anna Kim: Geschichte eines Kindes (Suhrkamp, August 2022)
  • Esther Kinsky: Rombo (Suhrkamp, Februar 2022)
  • Dagmar Leupold: Dagegen die Elefanten! (Jung und Jung, Februar 2022)
  • Eckhart Nickel: Spitzweg (Piper, April 2022)
  • Gabriele Riedle: In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg. (Die Andere Bibliothek, März 2022)
  • Slata Roschal: 153 Formen des Nichtseins (homunculus, Februar 2022)
  • Anna Yeliz Schentke: Kangal (S. Fischer, März 2022)
  • Jochen Schmidt: Phlox (C.H.Beck, September 2022)
  • Andreas Stichmann: Eine Liebe in Pjöngjang (Rowohlt, März 2022)
  • Heinz Strunk: Ein Sommer in Niendorf (Rowohlt, Juni 2022)

Der Jury gehören neben Miriam Zeh an: Erich Klein (freier Kritiker, Wien), Frank Menden (stories! Die Buchhandlung, Hamburg), Uli Ormanns (Agnes Buchhandlung, Köln), Isabelle Vonlanthen (Literaturhaus Zürich), Selma Wels (Kuratorin und Moderatorin, Frankfurt) und Jan Wiele (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Im nächsten Schritt wählen die Jurymitglieder aus den Titeln der Longlist sechs Romane für die Shortlist aus, die am 20. September 2022 veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung erfahren die sechs Autor*innen, an wen von ihnen der Deutsche Buchpreis geht. Der oder die Preisträger*in erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalist*innen erhalten jeweils 2.500 Euro. Die Preisverleihung findet am 17. Oktober 2022 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt und wird live übertragen.

Der Deutsche Buchpreis wird von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vergeben. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weiterer Partner ist die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Die nominierten Romane kennenlernen: Leseproben, Hörproben, Videoclips, Blogger*innen-Rezensionen

Ab dieser Woche ist das Taschenbuch „Deutscher Buchpreis 2022: Die Nominierten“ deutschlandweit in vielen Buchhandlungen kostenlos erhältlich. Es enthält Leseproben aller Bücher und weiterführende Informationen, kuratiert vom Fachmagazin Börsenblatt des Technologie- und Informationsanbieters MVB, und lädt zum Entdecken der Geschichten und ihrer Autor*innen ein.

Das Podcast-Radio detektor.fm hat Hörproben der 20 nominierten Titel produziert. Die Podcast-Episoden sind abrufbar unter www.deutscher-buchpreis.de/longlist oder detektor.fm/deutscher-buchpreis und über die detektor.fm-App. Auf den Plattformen Amazon Music, Apple Podcasts, Google Podcasts, Deezer und Spotify sind alle Audios als Podcast direkt zu hören. Als Kooperationspartner des Deutschen Buchpreises bespricht Papierstau Podcast ab dem 31. August alle nominierten Titel, die Shortlist und den Roman des Jahres. Der Podcast ist kostenlos auf allen gängigen Streaming-Plattformen sowie über die Website www.papierstaupodcast.de abrufbar.

Ab September stellen kurze Videoclips die nominierten Autor*innen und ihre Romane vor. Sie stehen dann auf der Website des Deutschen Buchpreises, auf YouTube und Instagram zur Verfügung.

Unter dem Hashtag #buchpreisbloggen stellen in den kommenden Wochen 20 Literaturblogger*innen je einen nominierten Titel vor. Die Rezensionen werden unter www.deutscher-buchpreis.de/news veröffentlicht und über die Social-Media-Kanäle des Deutschen Buchpreises geteilt.

Frankfurter Buchmesse wieder zurück mit Besuchern aus über 80 Ländern und prominenten Autoren vom 19.-23.10.2022

© Foto Diether von Goddenthow
© Foto Diether von Goddenthow

Mit Ausstellern aus über 80 Ländern und prominenten Autorinnen und Autoren aus aller Welt wird die 74. Frankfurter Buchmesse (19.-23. Oktober 2022) in diesem Jahr meldet sich die Frankfurter Buchmesse in fast alter Vorcorona-Größe zurück. Die größte Bücherschau der Welt wird wieder zum Gradmesser der internationalen Buch- und Verlagsbranche.

„Als Leitmesse hat die Frankfurter Buchmesse eine Monopolstellung innerhalb der Buchbranche inne. Sie ist jedoch weit mehr als ein Handelsplatz: Die Messe steht für eine diverse Gesellschaft, für Pluralität und gegen jede Art von Diskriminierung. Dieses Wertefundament wird in unserem diesjährigen Veranstaltungsprogramm sichtbar: Wir haben viele Akteur*innen zu Gast, die in ihren Büchern Antworten auf aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen suchen“, sagt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. Der Schriftsteller Mohsin Hamid wird eine der Keynote-Reden auf der Eröffnungspressekonferenz halten (Dienstag, 18. Oktober 2022, 11.00 Uhr im Frankfurt Pavilion). In seinem gerade erschienenen Buch „Der letzte weiße Mann“ (DuMont) entwirft er ein Szenario, in dem die Gemeinschaft einer unbenannten Stadt auf surreale Weise mit ihren Ängsten und Vorurteilen konfrontiert wird. Im Frankfurt Pavilion, der von der Buchmesse kuratierten kulturpolitischen Bühne der Frankfurter Buchmesse auf der Agora, werden u.a. Nobelpreisträger Abdulrazak Gurnah sowie Friedenspreisträger Serhij Zhadan und viele weitere Autor*innen ihre neuen Bücher vorstellen. Das vollständige Programm im Frankfurt Pavilion wird in Kürze bekannt gegeben. „Bei der Planung der Frankfurter Buchmesse berücksichtigen wir, dass sich die pandemische Lage im Herbst ändern kann. Wir stehen im Austausch mit der zuständigen Behörde und werden alle im Oktober geltende Anforderungen an das Hygiene- und Sicherheitskonzept erfüllen“, sagt Juergen Boos weiter.

Big Player aus dem In- und Ausland zeigen in Frankfurt Präsenz

Alle großen Verlagsgruppen haben sich zur Frankfurter Buchmesse angemeldet: die Verlagsgruppe Penguin Random House, die deutschsprachigen Holtzbrinck und Bonnier-Verlage und die Ganske Gruppe, aber auch Aufbau, C.H. Beck, Diogenes, Dumont, Klett-Cotta, Hanser und Suhrkamp sowie die Verlage der Kurt-Wolff-Stiftung. Ebenfalls vor Ort sind alle großen multinationalen Verlagsgruppen mit Sitz in den USA und in Großbritannien, darunter Penguin Random House, Simon & Schuster, Hachette, Scholastic, HarperCollins, Macmillan, Ingram, Taylor & Francis und Springer Nature. Der Streamingdienst Spotify und – erstmals – das Videoportal TikTok sind mit Programmangeboten auf der Buchmesse vertreten. Rund 70 Länderstände werden in Frankfurt ausstellen. Wieder Präsenz zeigen auch die asiatischen Buchmärkte, darunter China, Japan, Korea, Malaysia, die Philippinen, Taiwan, Thailand. Auch die bedeutenden europäischen Buchmärkte Frankreich, Italien, Norwegen, Polen sind mit großen Gemeinschaftsständen in den Hallen vertreten. Mit 456 Tischen ist das Literary Agents & Scouts Centre (LitAg) ausgebucht. In diesem Jahr befindet es sich in Halle 4.2.
Einen Überblick über das Hallenlayout der Frankfurter Buchmesse 2022 gibt der Hallenplan: https://www.buchmesse.de/besuchen/hallenplan. Alle Aussteller  der Frankfurter Buchmesse sind im Ausstellerverzeichnis zu finden: https://www.buchmesse.de/besuchen/ausstellerverzeichnis

Themenschwerpunkt Ukraine

Ukrainische Buchverlage und Institutionen stellen an einem 100 Quadratmeter großen Gemeinschaftsstand mit eigener Bühne aus (Halle 4.0). Das umfangreiche Programm am Stand beleuchtet die aktuelle Situation der ukrainischen Verlagsbranche. Der Gemeinschaftsstand der Ukraine wird durch die Zusammenarbeit der Frankfurter Buchmesse mit dem Goethe-Institut Ukraine und dem Ukrainian Book Institute ermöglicht. Ergänzend richtet die Frankfurter Buchmesse mit Mitteln des Auswärtigen Amts einen Workshop für Verleg*innen aus Mittel- und Osteuropa mit Schwerpunkt Ukraine aus. Die Teilnehmer*innen aus der Ukraine, Armenien, Georgien, Kasachstan, Polen, Rumänien, der Slowakei und der Tschechischen Republik erwartet ein vielfältiges Fachprogramm und ein professioneller Dialog über Ländergrenzen hinweg. Am Messe-Samstag präsentieren sich zahlreiche ukrainische Autor*innen im Frankfurt Pavilion. Konzipiert wird das Programm von der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse – dazu in Kürze mehr. Zur Frankfurter Buchmesse widmet die Zeitschrift OSTEUROPA (Berlin) der Ukraine das Kompendium „Kultur in Zeiten des Krieges“. Auf 500 Seiten stellen Autor*innen die facettenreiche ukrainische Kultur vor.

Konjunkturprogramm „NEUSTART KULTUR“ stärkt die Buch- und Verlagsbranche

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Claudia Roth, unterstützt die Frankfurter Buchmesse (19.-23. Oktober 2022) erneut mit einer Förderung aus dem Programm NEUSTART KULTUR der Bundesregierung. Die Förderung dient der weiteren Stärkung der Buch- und Verlagsbranche, indem sie die Durchführung des wichtigsten Branchenevents unter den weitreichenden Auswirkungen der Pandemie ermöglicht. Gefördert werden Aussteller*innen, die einen Einzelstand gebucht haben oder sich an einem Gemeinschaftsstand beteiligen. Prozentual beträgt der Nachlass je nach Standgröße bis zu 30 Prozent. Um die Diversität und Vielfalt der Aussteller*innen auf der Buchmesse sicherzustellen, profitieren insbesondere Aussteller*innen mit kleineren Standflächen von der Förderung. Die Kund*innen der Frankfurter Buchmesse werden dazu im Detail informiert.

Ehrengast Spanien

Unter dem Motto „Creatividad Desbordante – Sprühende Kreativität“ präsentiert Spanien sich als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. 31 Jahre nach dem ersten Ehrengast-Auftritt 1991 stehen Themen wie Mehrsprachigkeit und die Bedeutung der spanischen Sprache als Brücke zu Lateinamerika im Fokus. Der interaktive Ehrengast-Pavillon (Forum, Ebene 1) gibt auf zwei Bühnen und an fünf Tagen einen Eindruck von der reichen und pulsierenden Literatur- und Kulturlandschaft Spaniens und Raum für spannende Begegnungen mit 200 Protagonist*innen aus Spanien. Wer Lust hat, aktuelle Literatur aus Spanien zu entdecken, muss nicht bis zum Herbst warten: Auf der aktuellen Neuerscheinungsliste, die die Frankfurter Buchmesse für jedes ihrer Gastländer zusammenstellt, sind aktuell 186 Titel von Autor*innen aus Spanien oder Literatur über Spanien verzeichnet. Die Neuerscheinungen sind in über 90 deutschsprachigen Verlagen erschienen. Für die internationale Ausstellung „Books on… Spain“, die die Frankfurter Buchmesse traditionell im Ehrengast Pavillon zeigt, können aktuell noch Titel eingereicht werden. Weitere Informationen zum Programm:
https://www.buchmesse.de/themen-programm/ehrengast.

Translate. Transfer. Transform.

Unter dem Motto „Translate. Transform. Transfer.“ widmet die Frankfurter Buchmesse dem Übersetzen als Kulturtechnik und der bedeutenden Rolle von Übersetzer*innen als Mittler zwischen Kulturkreisen und Sprachräumen einen Schwerpunkt. Dabei steht nicht nur die Übertragung von Texten in eine andere Sprache im Fokus, auchdie Übersetzung als kommunikativer Akt: Etwa wenn Expert*innen und Laien, Personen mit unterschiedlichen politischen Haltungen oder Angehörige verschiedener Generationen versuchen, sich einander mitzuteilen. Die Buch- und Verlagsbranche kann hier wichtige Aufgaben erfüllen. Auch die Adaption von literarischen Stoffen in andere Medien ist eine Form der Übersetzung. Das Thema Übersetzen zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche der Frankfurter Buchmesse: Im Literary Agents & Scouts Centre (LitAg) wird mit Übersetzungsrechten gehandelt, im Zentrum eines jeden Gastlandauftrittes steht ein großes Übersetzungsförderungsprogramm. Gemeinsam mit dem Verband der Übersetzer*innen VDÜ wird im Internationalen Übersetzungszentrum (Halle 4.0) ein vielfältiges Programm angeboten: Hier wird für mehr Sichtbarkeit von Lektor*innen und Übersetzer*innen gestritten oderüber die Rezeption von arabischer Literatur in Europa diskutiert. Des Weiteren geht es u.a. um Themen wie Sensitivity Reading und postkoloniales Übersetzen. Nina George, Präsidentin des European Writers‘ Council, wird die Initiative Free All Words präsentieren, die Fördergelder für die Übersetzung von Autor*innen aus der Ukraine und Belarus bereitstellt. Und das Netzwerk junger Literaturübersetzer*innen rund um TraLaLit – Zeitschrift für übersetzte Literatur ist ebenfalls mit Veranstaltungen präsent.
Das Programm im Internationalen Übersetzungszentrum wird vom VDÜ und der Frankfurter Buchmesse kuratiert, Partner sind europäische Literaturvermittler wie Czech Lit, ENLIT, FILI, das Goethe Institut, Litprom e.V., die Slowenische Buchagentur, Die Weltlesebühne e.V. u.v.m.

Kooperation mit Bund für Antidiskriminierungs- und Bildungsarbeit e.V.

Die Frankfurter Buchmesse möchte allen Teilnehmenden ein gutes Messe-Erlebnis bieten – unabhängig von Geschlecht und geschlechtlicher Identität, sexueller Orientierung, Behinderungen, ethnischer Herkunft, Nationalität, Alter, Sprache, Religion oder Weltanschauung. Im Bereich der Sensibilisierung und Maßnahmenerarbeitung wird das Team der Buchmesse dabei vom Bund für Antidiskriminierungs- und Bildungsarbeit e.V. (BDB) beraten. Zudem wird in der Messewoche ein dreiköpfiges Awareness-Team, bestehend aus BDB-Mitarbeiterinnen, auf dem Messegelände im Einsatz sein. Das Awareness-Team wird aktiv gegen jedes Verhalten, das gegen den Code of Conduct der Frankfurter Buchmesse verstößt, vorgehen. Buchmesse-Besucher*innen, die belästigt werden oder bemerken, dass eine andere Person belästigt wird, können dies unverzüglich dem Awareness-Team melden. Das Awareness-Team wird zentral in Halle 4.0 verortet sein, darüber hinaus stehen geschützte Räumlichkeiten für individuelle Gespräche zur Verfügung.

Spot on: Medienpartner auf der Frankfurter Buchmesse

In diesem Jahr ist die ARD-Bühne wieder im Forum zu finden, wo Besucher kluge Köpfe erleben, die in Gesprächen über ihre Bücher und Ideen diskutieren. Fortgesetzt wird die von Jagoda Marinić moderierte Reihe SHEROES u. a. mit Luisa Neubauer, Maja Göpel oder Ulrike Herrmann. Außerdem werden Wigald Boning, Amelie Fried, Francis Fulton-Smith, Elke Heidenreich, Judith Holofernes, Richard David Precht, Leïla Slimani, Harald Welzer, Liao Yiwu, der oder die Buchpreisgewinner/in 2022 und viele mehr mit ihren Neuerscheinungen zu Gast sein. Bärbel Schäfer ist mit mehreren Ausgaben von „Bärbels-Bücher-Talk” dabei.

Das Blaue Sofa, das gemeinsame Autorenforum von Bertelsmann, ZDF, Deutschlandfunk Kultur und 3sat, ist wieder an seinem Standort in Halle 3.1 zu finden. Geplant sind Gespräche mit rund 80 Autoren und Autorinnen, darunter Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah, Friedenspreisträger Serhij Zhadan, Donna Leon, Robert Menasse, Péter Nádas, Fernando Aramburu, die Mainzer Stadtschreiberin Dörte Hansen, Charlotte Link, Andrej Kurkow, Ian Kershaw, David Van Reybrouck, Stefanie Stahl, Vanessa Mai, Melanie Raabe, Andrea Wulf und Takis Würger. Erstmalig kommt der Deutsche Jugendliteraturpreis auf das Blaue Sofa: die nominierte Autorin Kirsten Boie diskutiert mit zwei Experten der Jugend-Jury über den Preis, Vivian Perkovic (3sat) moderiert das Gespräch. Am Messe-Mittwoch, 19. Oktober 2022, wird live auf der Messe die 3sat-Sendung „Buchzeit“ mit Moderator Gert Scobel aufgezeichnet. Unter der Überschrift „Crime time“ diskutieren Sandra Kegel, Katrin Schumacher und Barbara Vinken mit ihm über spannende Romane für die dunkle Jahreszeit. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Wochenzeitschrift Die Zeit und Deutschlandfunk Kultur planen jeweils ein eigenes Bühnenprogramm. Darüber hinaus werden auch die Neue Zürcher Zeitung und Brand Eins mit eigenen Ständen in Frankfurt Präsenz zeigen. ARTE widmet u.a. dem Projekt Und jetzt? Internationales Festival der Ideen von Morgen einen Nachmittag im Frankfurt Pavillon. Weitere Informationen unter: Und jetzt?. Der Spiegel und Brigitte sind mit hochkarätigen Veranstaltungsformaten in die Programmplanung involviert.

Internationales Fachprogramm

Was macht ein gutes Kinderbuch heute aus? Wie werden Geschichten für junge Leser*innen zeitgemäß erzählt? Und welche Rolle spielt Diversität in diesem Kontext? Diese und weitere Themen stehen im Fokus der von der Buchmesse kuratierten Frankfurt Kids Conference, die in diesem Jahr zum ersten Mal im Rahmen der Frankfurter Buchmesse stattfindet. Am Messe-Mittwoch, 19. Oktober 2022, diskutieren Experten und Expertinnen  der Publishing Branche mit Vertreterinnen und Vertretern von Kinder- und Jugendorganisationen über das Kinderbuch im gesellschaftspolitischen Kontext und aus internationaler Perspektive. Die Frankfurt Kids Konferenz findet am Messe-Mittwoch von 9.30 bis 12.00 Uhr im Congress Center, Ebene 3, Konferenzraum Illusion statt.
Tickets und weitere Informationen: https://www.buchmesse.de/themen-programm/fachprogramm/frankfurt-kids

Internationale Branchengrößen und Meinungsmacher kommen am 19. und 20. Oktober beim Publishing Perspectives Forum zusammen. Das zweitägige Programm, das vom internationalen Fachmagazin Publishing Perspectives in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse kuratiert wird, bringt führende Stimmen der globalen Verlagsbranche zusammen, um über neue Herausforderungen zu diskutieren und Trends zu analysieren. Die Referenten und Referentinnen reichen von Top-Führungskräften multinationaler Unternehmen bis hin zu einflussreichen Unternehmern  und Kleinunternehmern, die sich aktiv an der Gestaltung der Zukunft des Verlagsgeschäfts beteiligen. Das Programm findet am Mittwoch, 19. Oktober von 10-16 Uhr und am Donnerstag, 20. Oktober von 10-14 Uhr im Congress Zentrum der Messe Frankfurt, Raum Spektrum statt. https://publishingperspectives.com/pp-forum/

Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse wird es ein digitales Fachprogramm geben: Vom 10.-14. Oktober 2022 finden die MasterClasses statt. Unternehmen, die ihre Business Cases in 60-minütige Onlinesessions präsentieren möchten, können sich jetzt noch dafür bewerben. Nach erfolgreicher Bewerbung können Interessierte kostenlos daran teilnehmen. Informationen dazu hier: https://www.buchmesse.de/themen-programm/fachprogramm/masterclasses. Die Networkingreihe „The Hof“ wird ebenfalls fortgesetzt: Die Sessions finden am Donnerstag, 8. und 29. September sowie am Mittwoch, 19. Oktober jeweils um 17.00 Uhr statt. Zur Anmeldung geht es hier: https://www.buchmesse.de/themen-programm/fachprogramm/hof

Frankfurt Studio

Mit dem Frankfurt Studio (Saal Europa, Halle 4.0) bietet die Frankfurter Buchmesse erneut einen Raum für hybride Veranstaltungen an. Jede Veranstaltung im Frankfurt Studio wird aufgezeichnet und im Anschluss für die Mediathek der Frankfurter Buchmesse aufbereitet. Im Frankfurt Studio können bis zu 150 Personen die Events live vor Ort verfolgen. Hier finden sowohl Fachveranstaltungen als auch Events für das Publikum statt. Am Messe-Mittwoch um 14 Uhr wird traditionell der Global 50 CEO Talk stattfinden; die Sprecher und Sprecherinnen werden in Kürze bekannt gegeben. Weiterhin geplant ist ein Veranstaltungsschwerpunkt zum Thema „Data in Publishing“, an dem sich u.a. die World International Property Organization (WIPO), die Federation of European Publishers (FEP) und buchreport beteiligen (Messe-Mittwoch). Der Messe-Donnerstag steht im Zeichen der Wissenschaft, u.a. mit Panels von Wiley-VCH, ProQuest, Taylor & Francis und CCC. Neben Veranstaltungen vom europäischen Buchmessen-Netzwerk Aldus up wird erneut der STARTS-Day im Frankfurt Studio am Messe-Freitag stattfinden. Ein weiteres Highlight steht am Messe-Sonntag an, wenn Alok Vaid-Menon das neue Buch „Mehr als binär“ (Zuckersüß Verlag) vorstellt. Kraftvoll und offen spricht Alok Vaid-Menon über das binäre Geschlechtersystem, den Weg zur eigenen Identität und die Vorurteile und Vorwürfe, mit denen sich gendernonkonforme Menschen jeden Tag konfrontiert sehen.
Alle Veranstaltungen im Frankfurt Studio sind zeitnah im Online-Veranstaltungskalender auf buchmesse.de abrufbar.

BOOKFEST

Mit über 40 Veranstaltungen an 20 Orten in Frankfurt wartet das diesjährige BOOKFEST auf. Hörbuchwelten, Kriminächte oder Verlagsabende – etwa von Kein & Aber und der Frankfurter Verlagsanstalt – das Programm ist so vielfältig wie die auftretenden Autor*innen: Die Bildungsexpertin Florence Brokowski-Shekete spricht über ihr neues Buch „Raus aus den Schubladen! Meine Gespräche mit Schwarzen Deutschen“ (Orlanda), Volker Weidermann, Mithu Sanyal und Florian Illies denken über die Bücher ihres Lebens nach, und mit Elvira Sastre, Najat El Hachmi, Isaac Rosa, José Ovejero, Rosa Ribas ist auch der Ehrengast Spanien prominent vertreten. Bei einem BOOKFEST extra stellt sich Donna Leon den Fragen von Shelly Kupferberg (Bookfest extra: DONNA LEON | Ticket-Shop (www.eventim-light.com). Das Programm steht in Kürze online: www.buchmesse.de/bookfest.