Ermordeter Kasseler Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke posthum mit der Wilhelm Leuschner-Medaille von Ministerpräsident Volker Bouffier gewürdigt – Walter-Lübcke-Demokratie-Preis ausgerufen

Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat Dr. Walter Lübcke posthum mit der Wilhelm Leuschner-Medaille geehrt. Die Familie des früheren Kasseler Regierungspräsidenten nahm die höchste Auszeichnung des Landes Hessen beim Festakt in der Wiesbadener Kurhaus-Kolonnade entgegen. (v.l.n.r.: Irmgard Braun-Lübcke, Christoph Lübcke, Jan-Hendrik Lübcke, Ministerpräsident Volker Bouffier) © Foto: Diether v Goddenthow
Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat Dr. Walter Lübcke posthum mit der Wilhelm Leuschner-Medaille geehrt. Die Familie des früheren Kasseler Regierungspräsidenten nahm die höchste Auszeichnung des Landes Hessen beim Festakt in der Wiesbadener Kurhaus-Kolonnade entgegen. (v.l.n.r.: Irmgard Braun-Lübcke, Christoph Lübcke, Jan-Hendrik Lübcke, Ministerpräsident Volker Bouffier) © Foto: Diether v Goddenthow

Wiesbaden. Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat heute Dr. Walter Lübcke posthum mit der Wilhelm Leuschner-Medaille geehrt. Die Familie des früheren Kasseler Regierungspräsidenten nahm die höchste Auszeichnung des Landes Hessen beim Festakt in der Wiesbadener Kurhaus-Kolonnade entgegen. „Dr. Walter Lübcke war ein Mensch und Politiker, der sich aus voller Überzeugung für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit eingesetzt hat. Er war ein Mensch der klaren Worte. Für seine standhafte, aufrichtige und unerschrockene Einstellung musste er mit dem Leben bezahlen. Walter Lübcke ist ein Vorbild für alle aufrichtigen Demokratinnen und Demokraten. Sein Wirken und seine Verdienste für unser Land werden wir immer in Erinnerung behalten“, sagte der Regierungschef in seiner Rede.

Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow
Ministerpräsident Volker Bouffier. © Foto: Diether v Goddenthow

Der politische Mord und seine Hintergründe hätten Hessen und ganz Deutschland tief erschüttert. „Diese Gewalttat hat uns nachdenklich gemacht, wie es um unsere politische Kultur und die politische Auseinandersetzung in Deutschland steht, die wir nicht extremistischen Minderheiten und Gruppen überlassen dürfen“, sagte der Ministerpräsident und langjährige Weggefährte Lübckes. Er forderte alle demokratischen Parteien zum gemeinsamen Handeln gegen Angriffe auf die freiheitlich-demokratische Ordnung auf. „Wir brauchen den Zusammenhalt. Unsere Stimme für Demokratie, Menschenrechte und die Freiheit muss noch lauter werden. Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen. Das sind wir Walter Lübcke und vielen anderen, die sich für die Freiheit auf der ganzen Welt einsetzen, schuldig.“

Dank und Appell, der Unkultur von Hass und Hetze entgegenzutreten

Jan Hendrik Lübcke hielt im Namen seiner Familie eine beachtenswerte Rede. Sein Vater wäre heute stolz auf ihn gewesen! © Foto: Diether v Goddenthow
Jan Hendrik Lübcke hielt im Namen seiner Familie eine beachtenswerte Rede. Sein Vater wäre heute stolz auf ihn gewesen! © Foto: Diether v Goddenthow

Die Auszeichnung nahmen Lübckes Witwe Irmgard Braun-Lübcke und seine Söhne Christoph und Jan-Hendrik Lübcke  entgegen. Jan-Hendrik dankte namens seiner Familie ganz herzlich für die hohe Auszeichnung an seinen ermordeten Vater posthum. Mit tränenerstickter Stimme machte er einmal mehr auch die Seite der Hinterbliebenen deutlich, nämlich, dass man kaum ermessen könne, „was einem angetan wird, wenn der eigene Ehemann, der eigene Vater und Opa erschossen wird“. Aber nicht nur die Familie, auch viele Freunde und ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Weggefährten schmerze der tragische Verlust sehr.

Der Vater sei ein Mann des klaren Wortes, freiheitlicher Überzeugung und demokratischer Werte gewesen. Er habe „seinen Standpunkt mit Nachdruck, charmant und auch mit Ironie vertreten“, wobei sein christliches Werteverständnis stets sein Handeln leitete, so auch im Jahr 2015, „als er sich der außerordentlichen Situation der geflüchteten Menschen stellte und der Vielfalt ihrer Probleme annahm“, so Jan Hendrick Lübcke. Es sei für seinen Vater selbstverständlich und zudem die Pflicht des Regierungspräsidiums Kassel gewesen, die geflüchteten Menschen in Nord- und Osthessen aufzunehmen, und zudem die damit verbundenen Ängste in der Bevölkerung anzuhören und ihnen diese durch Aufklärung zu nehmen.

Ebenso aber gehörte es auch „zu seinem Selbstverständnis sich hasserfüllten Äußerungen entschieden entgegen zu stellen und demokratische Werte zu verteidigen“, so auch bei der Veranstaltung in Nohfelden, im Herbst 2015, wo sein Vater energisch „provozierenden und verächtlichen Zwischenrufen zur Flüchtlingspolitik, gegen den deutschen Staat, gegen die Demokratie und gegen sein Handeln“ entgegentrat. Dabei “wurde ein Halbsatz unseres Vaters aus dem Kontext gerissen“ und „gelangte durch die Hände der späteren Mörder unmittelbar als Video ins Netz. Diese bewusst verkürzte Darstellung seiner Aussage führte nicht nur zu falschen inhaltlichen Interpretationen und Bewertungen, sondern wurde instrumentalisiert, um gegen ihn zu hetzen, ihn zu beleidigen und ihn zu denunzieren. Aus Worten wurden Taten: Die unbegreifliche Ermordung unseres Vaters!“, erinnerte Jan-Hendrik Lübcke. Er appellierte an die Gesellschaft, sich im Sinne seines Vaters der Unkultur von Hass, Brutalität, Verrohung, Demokratieverachtung und der Herabsetzung des anderen entgegenzusetzen. „Die Unkultur der Hetze und Diffamierung darf sich nicht verfestigen. Wir sind alle aufgefordert, demokratische Werte zu verteidigen, die schlimme Verrohung der Sprache zu stoppen, damit jetzige Generationen und nachfolgende in Frieden und Freiheit leben können!“

Der neue Walter-Lübcke-Demokratie-Preis

Volker Bouffier präsentiert den neuen Walter-Lübcke-Demokratie-Preis. © Foto: Diether v Goddenthow
Volker Bouffier präsentiert den neuen Walter-Lübcke-Demokratie-Preis. © Foto: Diether v Goddenthow

Um das Gedenken an den Verstorbenen zu bewahren, wird das Land Hessen in Zukunft den Walter-Lübcke-Demokratie-Preis verleihen. Der Ministerpräsident verkündete, dass damit Menschen geehrt werden, die sich in besonderer Weise für die Werte der Demokratie einsetzen. So wie Walter Lübcke dies ein Leben lang getan habe.

Mit dem vom Ministerpräsidenten verliehenen Preis können Einzelpersonen, Vereine, Projekte und Initiativen ausgezeichnet werden. Der Walter-Lübcke-Demokratie-Preis ist ein Bürgerpreis, jede und jeder kann Vorschläge einreichen. Der Preis hat, angelehnt an das Buch „Der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry, eine Sternenform. Dort heißt es: „Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache“. Dazu erklärte der Hessische Ministerpräsident: „Viele, die Dr. Walter Lübcke kannten oder kennenlernten, haben in ihm einen Menschen gesehen, der überaus herzlich lachen konnte. Ich bin mir sicher, irgendwo auf einem Stern wird er sitzen, sich über jede Preisträgerin, jeden Preisträger freuen und ihnen allen sein Lachen schenken“. Auf einer Sternengala, die alle zwei Jahre stattfinden soll, werden die Preisträgerinnen und Preisträger gewürdigt.

Walter Lübcke wurde im Jahr 1953 in Bad Wildungen geboren. Er gehörte von 1999 bis 2009 dem Hessischen Landtag an und war unter anderem stellvertretender Vorsitzender im Unterausschuss für Heimatvertriebene, Aussiedler, Flüchtlinge und Wiedergutmachung sowie Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr. Im Mai 2009 ernannte ihn Volker Bouffier, der damals Hessischer Innenminister war, zum Regierungspräsidenten im Regierungsbezirk Kassel.

„Auf der Bühne der Landespolitik, als Abgeordneter der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag und auch als Regierungspräsident in Kassel vertrat und verteidigte Walter Lübcke die Grundprinzipien des Grundgesetzes und der Hessischen Verfassung. Das feste Fundament seines Denkens und Handelns waren die freiheitlich demokratische Grundordnung und das christliche Menschenbild. Walter war bekannt und beliebt für seine Bodenständigkeit. Die Menschen lagen ihm am Herzen. Er hat sich für unser Land und seine Bürgerinnen und Bürger unermüdlich eingesetzt. Wir vermissen unseren Freund und Weggefährten schmerzlich. Mit dem Walter-Lübcke-Demokratie-Preis wollen wir an ihn erinnern und diejenigen, die sich tagtäglich in ihrem Ort oder darüber hinaus für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einsetzen, in besonderer Weise würdigen“, sagte Bouffier.

„Waldecker Lied“ als Verbeugung vor Lübcke

Das Blechbläserensemble des Heeresmusikkorps Kassel intonierte nicht nur das "Waldecker Lied", sondern umrahmte den Festakt musikalisch mit Simon  Garfunkels "Sound of Silence" und Udo Jürgens "Immer wieder geht die Sonne auf", Lieder die der geehrte Walter Lübcke besonders liebte.© Foto: Diether v Goddenthow
Das Blechbläserensemble des Heeresmusikkorps Kassel intonierte nicht nur das „Waldecker Lied“, sondern umrahmte den Festakt musikalisch mit Simon Garfunkels „Sound of Silence“ und Udo Jürgens „Immer wieder geht die Sonne auf“, Lieder die der geehrte Walter Lübcke besonders liebte.© Foto: Diether v Goddenthow

Abschließend stimmten die rund 350 Gäste in den Wiesbadener Kurhaus-Kolonnaden zum Gedenken und „als Verbeugung“ vor dem Ermordeten gemeinsam „Das Waldecker Lied“ an, da die „Hymne der Heimat“ für den Verstorbenen „mehr als ein Lied“ gewesen sei: „Es ist Stück Bekenntnis zur Heimat, ein Stück der Identität“, so abschließend Ministerpräsident Volker Bouffier.

Alles zur Veranstaltung mit Reden von Ministerpräsident Volker Bouffier und Jan Hendrik Lübcke hessenschau.de

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