Kategorie-Archiv: Literaturhaus Frankfurt

Lies in den Mai! Literaturprogramm im Literaturhaus Frankfurt umfangreich spannend!

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Das Mai-Programm im Literaturhaus Frankfurt ist mit 13 Veranstaltungen wieder überaus gut gefüllt, ausreichend für das Abendprogramm des halben Monats und das  bei Abenden mit: Natascha Wodin (9.5.), Fatma Aydemir (10.), Rafik Schami (18.), Karl Ove Knausgard (23.) oder David Foenkinos (29.).

Auch wenn „Frankfurt liest ein Buch“ auf die „Nacht der Museen“ trifft (6.) oder Marcel Reif die „Nachspielzeit“ anpfeift, lohnt sich ein Weg ins Literaturhaus.

Sonntag 30.04.17 / 21.00 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Tanz in den Mai mit Lisa Schumacher & Benno Hennig von Lange, Antje Keil & Katharina Schmidt, Matthias Pees & Hauke Hückstädt, Richard Kämmerlings & Fishinmotion alias Petra Wittrock und Oliver Vogel

Maidemonstration im Literaturhaus
Mutabor: Das Literaturhaus wird zur pummeligsten Hüpfburg seit es Neoklassizismus gibt. Und die Luft riecht schon nach Klee, wenn es wieder heißt: Tanzen bis der Mai kommt. Vier DJ-Teams legen auf. Erlesene Laien, begnadete Dilettanten. Irre. Kontrolliert. Es wird in den Schuhsohlen jucken, durch die Kleider flattern, bis in die Haarspitzen flitzen. Avantgarde der Herzen, Mainstream der Hüften. Meister und Margaritas. Honig für den König. Über den Winter hinweg. Die Sonne auf halbem Weg. Mit Masse und Macht in die hellen Tage. Es geht uns gut. Du stirbst nicht. Komm wie du willst in das große Haus. Basswumms für alle. Keine Ahnung wie Sie das sehen. Wir sehen uns.

Line-up:
20.15 h Lisa Schumacher & Benno Hennig von Lange (Literaturhaus)
22.00 h Antje Keil (S. Fischer) & Katharina Schmidt (Illustratorin)
23.30 h Matthias Pees (Mousonturm) & Hauke Hückstädt (Literaturhaus)
01.00 h Richard Kämmerlings (Die Welt) & FishinMotion alias Petra Wittrock und Oliver Vogel (S. Fischer)

Mittwoch 03.05.17 / 19.30 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Franzobel: Das Floß der Medusa
Moderation: Jan Wilm

Ein sprachmächtiger Dichter und ein riesiger Stoff
Der Autor Franzobel recherchiert mit Leib und Seele und schreibt dann einen Epochenroman. Eine wahre Begebenheit, die schon Anlass zu vielen Vergegenwärtigungen gab, ist der Auslöser: Am 18. Juli 1816 entdeckte man vor der Westküste Afrikas ein etwa 15 Meter langes Floß. Darauf Grauen und Schrecken: hohle Augen, ausgedörrte Lippen, Haare, starr vor Salz, verbrannte Haut voller Wunden und Blasen, Kannibalismus. Die ausgemergelten, nackten Gestalten waren die letzten 15 von ursprünglich 147 Menschen, die nach dem Untergang der Fregatte Medusa zwei Wochen auf offener See überlebt hatten. Da es in den Rettungsbooten zu wenige Plätze gab, wurden sie einfach ausgesetzt. Diese Geschichte bildet die Folie für Franzobels Roman, der in den Kern des Menschlichen zielt. „Das ist“, sagt der Autor, „ein Stoff für Hollywood, aber da ich nicht Paramount oder Warner Bros. bin, kann ich das nur mit meinen Mitteln erzählen, denen des Romans.“ „Das Floß der Medusa“ erscheint im Zsolnay Verlag. Es moderiert der Literaturwissenschaftler Jan Wilm.

Freitag 05.05.17 / 10.00 h / Eintritt 3 Euro
Bilderbuchkino für Vorschulkinder ab 5 Jahren
Doro Göbel und Peter Knorr: Was machen die da?

Eine kunterbunte Wimmel-Geschichte über Berufe in einer Veranstaltung für Kindergartengruppen
„Was machen die da?“ Postbote, Feuerwehrfrau, Musiker, Tierärztin und Architekt – in diesem Wimmelbuch können Kinder über 60 verschiedene Berufe und noch viel mehr entdecken. Doro Göbel und Peter Knorr sind mit ihren Wimmelbilder-Geschichten im Verlag Beltz & Gelberg zu einer Instanz geworden. Nach Ali Mitgutsch und Rotraut Susanne Berner bilden sie Alltagswelten und Alltagsgeschichten so fantastisch und dicht ab, dass Kinder sie herrlich nachvollziehen und Eindrücke sammeln können. Und sie begeistern auch Eltern und Erzieher. Die Veranstaltung richtet sich an Kindergartenkinder ab 5 Jahren.

Gefördert von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung.

Samstag 06.05.17 / 19.00 h / Eintrittskarte (ab 06.04.) zur Nacht der Museen 14 Euro
Frankfurt liest ein Buch zur Nacht der Museen
Herbert Heckmann: Benjamin und seine Väter
Ein Abend mit Elsemarie Maletzke, Pete Smith und Frank Witzel
Moderation: Anna Engel (hr2-kultur)
Führungen durch die Ausstellung „Schönste deutsche Bücher“ mit Katharina Hesse

Bühne frei, Mikro an: Autoren und Besucher lesen aus „Benjamin und seine Väter“
Die Nacht der Museen, Frankfurt liest ein Buch und das Literaturhaus gehen zusammen. Jeweils zur vollen Stunde lesen die Robert Gernhardt-Preisträger Elsemarie Maletzke, Pete Smith und Frank Witzel ab 20 Uhr ihren Wunschtext aus Herbert Heckmanns „Benjamin und seine Väter“ (Schöffling & Co.). Dazwischen ist die Bühne frei für Fans und Freunde des Lesefestes, die einen kurzen Text aus dem Buch vorlesen möchten. Die Autorengespräche leitet Anna Engel von hr2-kultur. Außerdem führt Katharina Hesse von der Stiftung Buchkunst durch die weltweit kleinste Dauerausstellung der Schönsten deutschen Bücher (20.15, 21.15 und 22.15 Uhr). Eintritt nur mit Karte der Nacht der Museen. Karten erhältlich an allen bekannten VVK-Stellen, bei allen teilnehmenden Institutionen sowie über www.nacht-der-museen.de.

Eine Veranstaltung von Frankfurt liest ein Buch e.V. in Kooperation mit dem Literaturhaus Frankfurt und der WI Bank im Rahmen der Nacht der Museen.

Dienstag 09.05.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Preis der Leipziger Buchmesse 2017
Natascha Wodin: Sie kam aus Mariupol
Moderation: Rose-Maria Gropp (F.A.Z.)

„Sie kam aus Mariupol“ – ein Buch, das dem Begriff Migrationshintergrund die Schablone entreißt. Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler vergleicht das literarische Verfahren der Autorin Natascha Wodin mit der Gedächtniskunst W.G. Sebalds. Die SWR-Bestenliste führt den aktuellen Roman auf den ersten Plätzen. Aus Leipzig folgte der Preis der Buchmesse. „Nachtgeschwister“, ihr Roman über ihre obsessive Dichterehe mit Wolfgang Hilbig, zog vor acht Jahren alle in den Bann. Und schon ihr Debüt „Die gläserne Stadt“ (1983) war ein dichtes Bohème- und Moskau-Porträt. „Sie kam aus Mariupol“, im Rowohlt Verlag erschienen, nähert sich ungebremst der Geschichte der Mutter der Autorin. Verschleppung, Zwangsarbeit, Holocaust, Lager für Displaced Persons. Eine Geschichte von 30 Millionen sowjetischen nichtjüdischen Zwangsarbeitern. Es öffnet sich die Blackbox einer Familie in Deutschland. Das Gespräch führt Rose-Maria Gropp von der F.A.Z.

Der Abend wird unterstützt vom Journal Frankfurt.

Mittwoch 10.05.17 / 19.30 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Fatma Aydemir: Ellbogen
Moderation: Shirin Sojitrawalla

Ein Roman über Wut und Dinge, die sich ändern müssen
Eine deutsch-türkische Geschichte kann auch oder erst recht 2017 noch kein Happy End haben. Hazal ist im Berliner Wedding groß geworden. Sie schreibt aussichtslose Bewerbungen und arbeitet schwarz in der Bäckerei ihres Onkels. Zu Hause hat sie nichts zu melden. Die lang ersehnte Partynacht ihres 18. Geburtstages endet in einer Katastrophe: Die angestaute Wut bricht heraus und ein junger Mann stirbt. Und endlich kann, muss Hazal ihr Leben in ihre eigenen Hände nehmen. Sie flieht nach Istanbul und entdeckt, dass sie nur hier leben will. Ohne ihre Familie, ohne eine Gesellschaft, die sich nur dann für sie interessiert, wenn sie Mist baut. Im Sommer 2016, als Panzer rollen und Kampfflugzeuge und Hubschrauber über die Stadt fliegen, versucht sie sich eine neue Existenz aufzubauen. Fatma Aydemir ist Redakteurin der taz und schreibt für die Spex. Ihr Debütroman „Ellbogen“, erschienen im Hanser Verlag, ist ein Ausrufezeichen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Gespräch und Lesung moderiert die freie Kritikerin Shirin Sojitrawalla.

Donnerstag 11.05.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Eva Menasse: Tiere für Fortgeschrittene
Moderation: Ruth Fühner (hr2-kultur)

Acht Erzählungen von Bezauberung und Täuschung
Die in Wien geborene und in Berlin lebende Autorin Eva Menasse zitiert zu Beginn ihres Erzählungsbandes „Tiere für Fortgeschrittene“ aus dem Audio-Guide des Natural History Museum in London. Da heißt es etwa: „Um eine Spezies zu verstehen, benötigt man mehrere Exemplare. Eines von ihnen reicht nicht aus.“ Eva Menasse schaut in ihren Büchern den Menschen zu. So auch in diesem Band, der bei Kiepenheuer & Witsch in Köln erschienen ist. Wenig bekannt war bislang, dass die Autorin seit Jahren kuriose Tiermeldungen sammelt. Diese sind nun Auslöser für acht Erzählungen. Sie heißen „Raupen“, „Igel“, „Opossum“ oder „Haie“ und berichten mit Ernst, Witz und nicht ohne Traurigkeit vom Menschen. Das Verhaktsein der Erzählungen mit den vorangestellten Meldungen wird dabei nie vordergründig. Meldung und Erzählung sind sich gegenseitig Profit. Das Gespräch mit Eva Menasse führt die hr2-kultur-Redakteurin Ruth Fühner.

Donnerstag 18.05.17 / 19.30 h / Eintritt 15 Euro
Rafik Schami: Mein Großvater und ich. Eine Reise durch meine Kindheit

Ein poetischer Abend für Syrien und ein Kochbuch, das helfen kann
Suppen stärken gemeinhin. „Suppen für Syrien“ ist ein starkes Kochbuch, weil es wirklich hilft. Initiiert hat es die Fotografin Barbara Abdeni Massaad. Doch nicht ihr oder dem DuMont Verlag, der sämtliche Erlöse spendet, helfen die Rezepte von internationalen Starköchen. Die Rezepte helfen Schams e.V., sie helfen den syrischen Kindern und Jugendlichen, die Schams fördert. Für den heutigen Abend finden auf Initiative des Autors Rafik Schami die Besucher, der DuMont Verlag, das Restaurant Goldmund und das Literaturhaus zusammen. Gemeinsam helfen sie. Das Restaurant serviert zwei Suppen für alle. Wir lernen von der arabischen Welt. Denn Gastfreundschaft ist ein zentraler Bestandteil der arabischen Kultur, weil die Wüste, in der diese Kultur ihre Anfänge hatte, lebensfeindlich war und ist. Nichts auf der Welt war für Araber verhasster als Geiz, weil er in der Wüste für den Hilfsbedürftigen lebensgefährlich ist. Und geizen wird auch Rafik Schami nicht, der für sein Auditorium erstmals „Mein Großvater und ich“ erzählen wird – eine Reise durch seine Kindheit.

Die Erlöse des Abends gehen an Schams e.V.

Sonntag 21.05.17 / 15.00 h / Eintritt 5 Euro
Kinderbuch-Sonntag ab 5 Jahren
Kristina Andres: Nun schlaft mal schön!

Elfeinhalb wundervolle Gutenachtgeschichten von Fuchs und Hase
Ein zeitloses Buch mit Gutenachtgeschichten für Kurz- und Langschläfer. Die Illustratorin und Autorin Kristina Andres erschafft mit „Nun schlaft mal schön!“ eine ganz eigene und doch auf Janosch verweisende Szenerie. Fuchs und Hase sind zwei liebenswerte Freunde voller Vertrauen und Zuneigung. Genau die richtigen Helden, um glücklich einzuschlafen. Und natürlich dreht sich bei ihnen sowieso fast alles ums Einschlafen. Da probieren sie alles aus. Sie versuchen, wie die Fledermäuse zu schlafen, sie fahren Schlitten auf Kirschblütenblättern, sie zählen gute Nächte statt Schafe und einmal bringen sie sogar den Sturm zur Ruhe. Kristina Andres erzählt und zeichnet wunderbar unvorhersehbar und wohldosiert. Und sie lässt uns wunschlos zurück, denn der nächste Band erscheint bereits im Herbst im Frankfurter Moritz Verlag.

Das Junge Literaturhaus wird unterstützt von der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung.

Montag 22.05.17 / 19.30 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Daniel Schreiber: Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen
Moderation: Nils Husmann (chrismon)

Früher war Zuhause der Ort, von dem man kam – und heute? Über die Suche unseres Lebens
Daniel Schreiber hinterließ Eindruck bei seinem Publikum im Literaturhaus vor zweieinhalb Jahren. Damals ging das Gespräch mit Florian Balke (F.A.Z.) über seinen gewinnend persönlich gehaltenen Essay „Nüchtern“. In einem ähnlichen Verfahren nähert sich Schreiber nun Fragen wie denen nach unserem Zuhause. Wo gehören wir hin? Was ist unser Zuhause, wenn sich immer weniger Menschen mit dem Ort verbunden fühlen, an dem sie geboren wurden? Der Autor, Susan Sontag-Biograf und Kunstkritiker beschreibt den Umschwung eines kollektiven Gefühls: Zuhause ist nichts Gegebenes mehr, sondern ein Ort, nach dem wir uns sehnen, zu dem wir suchend aufbrechen. Schreiber blickt auf Philosophie, Soziologie und Psychoanalyse, und zugleich erzählt er seine eigene Geschichte: von Vor fahren, die ihr Leben auf der Flucht verbrachten. Von der Kindheit eines schwulen Jungen in einem mecklenburgischen Dorf. Von der Suche nach dem Platz, an dem wir bleiben können. „Zuhause“ erscheint im Hanser Berlin Verlag. Den Lese- und Gesprächsabend leitet Nils Husmann, Redakteur des Magazins chrismon.

Im Schauspiel Frankfurt
Dienstag 23.05.17 / 19.30 h / Eintritt 20 / 12 Euro
Karl Ove Knausgård: Kämpfen
Moderation (dt./engl.): Alf Mentzer (hr2-kultur)
Dt. Text: Isaak Dentler (Schauspiel Frankfurt)

Das faszinierende autobiografische Projekt am Beginn des 21. Jahrhunderts
Rücksichtslosigkeit ist ein Teil von Literatur. Kritiker mahnen sie gerne an. Literaturwissenschaftler belegen sie. Leser erstaunen vor ihr. Für Schriftsteller aber ist sie kein Upgrade, keine freiwillige Leistung. Sie ist unausweichlich, wenn alles zum Kern drängt. Wohl kein Werk hat derzeit so viele Leser in Begeisterung auf sich vereint wie das des Norwegers Karl Ove Knausgård. Der Romanzyklus „Min Kamp“ ist Selbstüberwachung, Erinnerungsmahlwerk, Autobiografie und auch Autopsie – Untersuchung der Stillstände, Hemmungen, Krusten. Die Radikalität des Ansatzes, die schwindelerregenden Wechsel zwischen kleinsten Details und großen Gedanken, die essayistischen Passagen zu Themen der Kunst- und Literaturgeschichte und in „Kämpfen“, dem sechsten und vorerst letzten Band, nun auch die berührende Schilderung einer Krankheit und Ehekrise, zeichnen Knausgård aus. Die deutsche Übersetzung liest das Schauspiel-Ensemble-Mitglied Isaak Dentler. Das Gespräch in deutscher und englischer Sprache führt der hr2-kultur-Redakteur Alf Mentzer.

Karten-VVK ab 10.04. unter www.schauspielfrankfurt.de
Mitglieder des Literaturhausvereins haben ab 07.04. ein Vorkaufsrecht an der Theaterkasse im Schauspiel Frankfurt u. über das Kartentelefon der Städtischen Bühnen unter 069 / 212 49 49 4

In Kooperation mit dem Luchterhand Verlag und dem Schauspiel Frankfurt

Montag 29.05.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
David Foenkinos: Das geheime Leben des Monsieur Pick
Moderation: Lena Bopp (F.A.Z.)
Dt. Text: Stéphane Bittoun

Eine furiose Komödie über das Geschäft mit der Literatur
Bücher können Leben verändern. Das der Leser, vor allem aber das der an ihrer Entstehung und an ihrem Erfolg Beteiligten. Der französische Bestsellerautor und Regisseur David Foenkinos hat diese Kräfte selbst erlebt und erzählt davon. Sein soeben in der Deutschen Verlags-Anstalt erschienener Roman „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ macht lebende und tote Autoren, eine Lektorin, einen Kritiker, Verlage, Leser und die Angehörigen eines verstorbenen Pizzabäckers aus der Bretagne zu Protagonisten. Eine kluge, mitreißend-vielschichtige Satire auf das geliebte Geschäft mit den Büchern. Und das in dem Jahr, in dem Frankreich im Zentrum der Aufmerksamkeit steht – literarisch wie politisch, als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse und zur Präsidentschaftswahl. Das Gespräch auf Deutsch und Französisch führt Lena Bopp von der F.A.Z. Aus der Übersetzung liest der Frankfurter Schauspieler, Regisseur und Sprecher Stéphane Bittoun.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Frankfurt am Main e.V. und mit freundlicher Unterstützung des Institut Français. Im Rahmen von „Frankfurt auf Französisch – Frankreich Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2017“.

Dienstag 30.05.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Marcel Reif: Nachspielzeit
Moderation: Christoph Schröder

Vom Leben und Reden – über Fußball, Flauten und Finals
Der Ball, der nur zu gut weiß, wer ihn trat, fliegt davon, dichtete der Wahl-Brite Michael Hofmann. Ein starkes Bild ist das womöglich auch für die kometenhafte Kommerzialisierung eines einfachen Sports. Ein Sport, der viele Kommentatoren hat, viele Meinungsträger, Millionen. Aber bald mehr die sogenannten ausgewiesenen Kenner und Kommentatoren nerven uns. Wenn man eine Sache liebt, ist es schwer zu ertragen, wenn jemand nur halbwegs gut über sie zu sprechen weiß. Der Fußballkommentar offenbart Anfälligkeiten – für Unschärfe, Differenzierungsmangel, Opportunität. Davon ausgenommen ist Marcel Reif. Er sagt selbst: „Ich erinnere mich gar nicht so sehr an große Spiele, sondern an große Momente in manchmal auch kleinen Spielen…“ In „Nachspielzeit“, das bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist, blickt er zurück und nach vorne, erzählt kleine und große Geschichten vor und hinter den Kulissen des Fußballs, dem panem et circenses unserer Zeit. Ihm zur Seite sitzt für die 90 Minuten dieses Abends der Kritiker, Schiedsrichter und Autor Christoph Schröder.

Mittwoch 31.05.17 / 19.30 h / Eintritt 12 / 8 Euro
Remo H. Largo: Das passende Leben
Moderation: Cécile Schortmann

Die „Babyjahre“ sind vorbei – wie leben wir nun?
Über 1 Million Exemplare „Babyjahre“ fanden ihre Leser. Ganzen Generationen war das die Hand an der Wiege. Nun erscheint im S. Fischer Verlag das Lebenswerk des bekannten Entwicklungsforschers Remo H. Largo: „Das passende Leben“. Es ist das Buch zur Stunde, ein Befreiungsversuch. Loseisung von Leistungsdruck, Selbstoptimierung und Wachstumswahn. Jeder wünscht sich ein erfülltes Leben, das rundum passt. Doch so simpel es scheint, so schwer ist es, im Einklang mit sich und anderen zu leben. Fremdbestimmung allerorten. Largo aber schreibt: „Wir können unsere Stärken und Begabungen leben. Zufriedenheit ist machbar.“ Welche besondere Rolle unsere Individualität dabei spielt, was sie ausmacht und welche Grundbedürfnisse uns formen, hat Remo H. Largo jahrzehntelang erforscht. Das Gespräch mit ihm führt die Journalistin und Fernsehmoderatorin Cécile Schortmann.

Ort:
Literaturhaus Frankfurt / Schöne Aussicht 2 / 60311 Frankfurt am Main, Tel.: 069 – 75 61 84 0 / Fax: 069 – 75 61 84 20 / www.literaturhaus-frankfurt.de

Shared Reading: Ab Mai mit 3. Gruppe im Literaturhaus Frankfurt

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Shared Reading wurde in Liverpool entwickelt und ist eine neue Art, Literatur gemeinschaftlich zu erleben. Eine kleine Gruppe von Menschen kommt unter Anleitung eines ausgebildeten Facilitators (Moderators) zusammen. Sie lesen gemeinsam, laut und langsam einen vorher unbekannten Text oder hören einfach nur zu und beginnen, sich darüber auszutauschen: Es entsteht ein Raum für Begegnungen, neue Lesarten, spontane Gefühle, ausgelöst durch die Kraft der Literatur. Seit März gibt es dieses Angebot im Literaturhaus für zwei Gruppen – Gesundheit und Community. Erstere trifft sich in Zusammenarbeit mit dem Hospital zum Heiligen Geist. Die zweite Gruppe steht allen Interessierten offen. Sie trifft sich jeden Donnerstag um 17.00 Uhr. Ab 17.5. leitet Lisa Schumacher jeweils mittwochs (12 – 13.30 Uhr) eine dritte Gruppe. Bei Interesse melden Sie sich bitte unter schumacher@literaturhaus-frankfurt.de
Shared Reading im Literaturhaus Frankfurt wird gefördert von der Dr. Marschner Stiftung. In Kooperation mit Böhm & Sommerfeldt, Literarische Unternehmungen.

Programm März & April im Literaturhaus Frankfurt

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Alle Veranstaltungen unter
http://literaturhaus-frankfurt.de/programm/kalender/
Karten ab 20.02. unter http://literaturhaus-frankfurt.de/karten/karteninfo/

März-Programm

Buchpremiere / Wenige Restkarten!
Montag 03.04.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Gert Scobel: Der fliegende Teppich. Eine Diagnose der Moderne
Moderation: Anna Engel (hr2-kultur)

Der fliegende Teppich als Bild unserer Zeit
Gert Scobel ist einer der beliebtesten und belesensten Moderatoren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Und einer der renommierten Wissenschaftsjournalisten. Mit seinem neuen, heute Premiere feiernden Buch „Der fliegende Teppich“ unternimmt er nicht weniger als eine Diagnose unserer modernen Welt. Eine überraschende und augenöffnende Analyse. Anhand des Bildes vom fliegenden Teppich veranschaulicht er Probleme und Charakteristiken der Gegenwart in klaren Worten. Seine Themen reichen dabei vom Begründungsproblem in den Wissenschaften über die Frage nach dem, was wirklich ist, vom Zustand unserer Gesellschaft bis hin zur Kraft der Imagination. Durch den Abend führt hr2-kultur-Moderatorin Anna Engel.

Die Veranstaltung fand anders als ursprünglich angekündigt nicht bereits am 30.01., die Karten behalten ihre Gültigkeit.

Mittwoch 05.04.17 / 19.30 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Anna Kim: Die große Heimkehr
Moderation: Sabrina Wagner

Ein literarischer Politthriller um Spionage, Historie und Nordkorea
Die Autorin Anna Kim wurde 1977 in Südkorea geboren. 1979 zog die Familie nach Deutschland und dann weiter nach Wien, wo die Autorin seit 1984 lebt. 2012 erschien ihr Roman „Anatomie einer Nacht“, mit dem sie im Rahmen der Literaturhausreihe „Qualitätskontrolle“ bereits als Debütantin in Frankfurt zu Gast war. Mit „Die große Heimkehr“ legt sie nun im Suhrkamp Verlag einen 600-seitigen Roman vor, der Spionage- und Fluchtgeschichte ist und die Politik, Geschichte und Schicksale seiner Zeit einfängt. Anna Kim erzählt von den Folgen der Teilung der koreanischen Halbinsel und den Anfängen des heutigen Nordkorea, als die Gewaltherrschaft Kim Il Sungs noch in den Kinderschuhen steckte. Und im Gespräch mit der Kritikerin Sabrina Wagner stellt sich dann eben auch die Frage: Wem gehört Geschichte? Den Siegern, die Archive verschließen und Dokumente schwärzen? Oder dem Einzelnen, der seine Erfahrungen von Verlust und Verlorenheit an andere weitergibt?

Donnerstag 06.04.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Gisela von Wysocki: Wiesengrund
Moderation: Verena Auffermann

Exakte Fantasie!
Hier haben wir ein Buch über das Frankfurt der Nachkriegszeit, über Frankfurt wichtigsten Denker dieser Zeit (und über diese Zeiten hinaus), über das Radio dieser Zeit, über das Knistern und Entzaubern, über ein Faszinosum, und dessen funkelnde Konturen, über Theodor Wiesengrund Adorno. „Wiesengrund“ ist der zweite Roman der Schriftstellerin, Essayistin und Theaterautorin Gisela von Wysocki. Und er ist verlegt wie ihr erster im Suhrkamp Verlag. Gerade hat die Akademie der Künste Berlin Gisela von Wysocki den Heinrich-Mann-Preis zugesprochen. In diesen zwei Büchern sei es ihr gelungen, so teils die Begründung, „den poetisch durchleuchteten Lebensmoment zum Element einer Großform zu machen, in der das Romanhafte und Autobiographische ineinanderschwingen“. Das Gespräch mit der einstigen Frankfurterin führt die Literaturkritikerin Verena Auffermann.

Der Abend wird unterstützt vom Journal Frankfurt.

Mittwoch 19.04.17 / 19.30 h / Eintritt 5 / 3 Euro
Hinter den Worten: Literatur gestalten in Hessen
Abenteuer Buch – Eine Podiumsdiskussion zum Thema Kinder- und Jugendbuch
Mit Antje Herden, Eva Kutter, Markus Weber
Moderation: Fridtjof Küchemann (F.A.Z.)

Bücher für Kinder und Jugendliche können ganze Generationen prägen und ein Leben lang begleiten. In der Gesprächsrunde berichten Akteure aus dem Kinder- und Jugendbuchbereich über das Schreiben, Verlegen und Vermitteln von Literatur für Heranwachsende. Markus Weber ist Leiter des Frankfurter Moritz Verlags. Dieser ist bekannt für seine ausgezeichneten Bücher und eine internationale Ausrichtung. Antje Herden schreibt seit 2010 Kinderbücher. Sie engagiert sich für die Leseförderung und war 2016 Mitveranstalterin des Ersten Hessischen Kinderbuchtages. Eva Kutter verantwortet das Programm KJB im S. Fischer Verlag. Zuvor arbeitete sie am Institut für Kinder- und Jugendbuchforschung und bei Arena. Die Diskussion leitet Fridtjof Küchemann, Online-Redakteur der F.A.Z., wo er regelmäßig Rezensionen zu Kinder- und Jugendbüchern veröffentlicht.

Ein Abend im Rahmen von „Hinter den Worten: Literatur gestalten in Hessen“, einer Veranstaltungsreihe der Häuser der Literatur im Hessischen Literaturrat e.V. mit Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst und hr2-kultur.

Donnerstag 20.04.17 / 19.30 h / Eintritt 7 / 4 Euro / Wenige Restkarten!
Tuvia Tenenbom: Allein unter Flüchtlingen
Moderation (dt./engl.): Alf Mentzer (hr2-kultur)
Dt. Text: Jochen Nix

Wenn sich der israelisch-amerikanische Autor Tuvia Tenenbom auf Reisen begibt, um „die Deutschen“, „die Juden“ oder „die US-Amerikaner“ kennen zu lernen, hat er eine spitze Feder und einen schelmischen Witz im Gepäck. Seine Berichte krempeln die Hemdsärmel hoch, legen Finger in Wunden und lassen Ansichten aufeinanderprallen, die ansonsten wohlsortiert voneinander geschieden werden. Seine Lesungen gleichen Theaterabenden, an denen zwar gelacht wird, die einen aber auch verstört zurücklassen. So auch bei seinem jüngsten Buch „Allein unter Flüchtlingen“, in dem sich der Regisseur und Leiter des Jewish Theater of New York nach Europa begibt. Im Gespräch mit hr2-kultur-Moderator Alf Mentzer wird Tenenbom die Eindrücke seiner Reisen miteinander verbinden und von seinen Erfahrungen berichten. Aus der im Suhrkamp Verlag erschienenen Übersetzung liest der Frankfurter Schauspieler und Sprecher Jochen Nix.

Eine Veranstaltung des Jüdischen Museums Frankfurt in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und dem Literaturhaus Frankfurt

Kinderbuch-Sonntag 23.04.17 / 15.00 h / Eintritt 5 Euro
Judith Allert und Joëlle Tourlonias: Krümel und Fussel
Für alle Kinder ab 4 Jahren

Immer dem Rüssel nach: Zwei Wollschweinferkel entdecken die Welt.
Hier haben sich Zwei gefunden! Die beiden kleinen Wollschweine Krümel und Fussel verfolgen einen merkwürdigen Schatten auf dem Hof. Immer nur Suhlen und Buddeln und Schlafen – das ist doch langweilig. Doch der Schatten verschwindet hinter dem Zaun. Ob er sie aufhalten kann? Vor allem, wenn die Luft nach Abenteuern duftet und es so viel zu entdecken gibt. Immer dem Rüssel nach, sagt Fussel und los geht’s. Für das bei Ravensburger erschienene Bilderbuch haben sich ebenfalls Zwei gefunden: Judith Allert & Joëlle Tourlonias. Judith Allert schreibt Kinder- und Jugendbücher. Von ihr stammt unter anderem die erfolgreiche Reihe „Paula und Lou“. Und Joëlle Tourlonias ist eine der beliebtesten und produktivsten Illustratorinnen in Deutschland. Auch für dieses Buch hat sie wunderschöne Bilder in ihrem unverwechselbaren Stil geschaffen. Gemeinsam kommen sie ins Literaturhaus und lesen und zeichnen für die Kinder.

Das Junge Literaturhaus wird unterstützt von der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung.

Dienstag 25.04.17 / 19.30 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Melanie Amann: Angst für Deutschland
Moderation: Rainer Hank (F.A.Z.)

Ausreichend Wahrheit und Wissen über die AfD
Melanie Amann ist im Literaturhaus vor allem als geradlinige Moderator in bekannt. Sie arbeitet für das Politikressort der Hauptstadtredaktion des Spiegel und hat sich intensiv mit der AfD (Alternative für Deutschland) befasst. Seit diese rechtspopulistische Partei das öffentliche Interesse erregt hat, stehen Frauke Petry oder Alexander Gauland für eine kaum verstandene Bewegung, die Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Homophobie allmählich hoffähig macht. Amann legt hier die erste umfassende Darstellung dieser jüngsten deutschen Partei vor. Das Debatten-Buch „Angst für Deutschland“ aus dem Droemer Verlag erklärt, wie der Populismus der AfD so erfolgreich werden konnte, welche Strömungen ihn tragen und warum alle Abwehrstrategien gescheitert sind. Amann gibt einen Blick hinter die Kulissen der Partei: Sie pflegt Kontakte zu abtrünnigen und aktiven Mitgliedern der Parteiführung und kann auf einen großen Fundus interner E-Mails des AfD-Bundesvorstandes zurückgreifen. Es moderiert Rainer Hank von der F.A.Z.

Sonntag 30.04.17 / 21.00 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Tanz in den Mai mit Lisa Schumacher & Benno Hennig von Lange, Antje Keil & Katharina Schmidt, Matthias Pees & Hauke Hückstädt, Richard Kämmerlings & Fishinmotion alias Petra Wittrock und Oliver Vogel

Maidemonstration im Literaturhaus
Mutabor: Das Literaturhaus wird zur pummeligsten Hüpfburg seit es Neoklassizismus gibt. Und die Luft riecht schon nach Klee, wenn es wieder heißt: Tanzen bis der Mai kommt. Vier DJ-Teams legen auf. Erlesene Laien, begnadete Dilettanten. Irre. Kontrolliert. Es wird in den Schuhsohlen jucken, durch die Kleider flattern, bis in die Haarspitzen flitzen. Avantgarde der Herzen, Mainstream der Hüften. Meister und Margaritas. Honig für den König. Über den Winter hinweg. Die Sonne auf halbem Weg. Mit Masse und Macht in die hellen Tage. Es geht uns gut. Du stirbst nicht. Komm wie du willst in das große Haus. Basswumms für alle. Keine Ahnung wie Sie das sehen. Wir sehen uns.

Line-up:
20.15 h Lisa Schumacher & Benno Hennig von Lange (Literaturhaus)
22.00 h Antje Keil (S. Fischer) und Katharina Schmidt (Illustratorin)
23.30 h Matthias Pees (Mousonturm) und Hauke Hückstädt (Literaturhaus)
01.00 h Richard Kämmerlings (Die Welt) & FishinMotion alias Petra Wittrock und Oliver Vogel (S. Fischer)

März-Programm 2017 im Literaturhaus Frankfurt

Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Alle Veranstaltungen unter
http://literaturhaus-frankfurt.de/programm/kalender/
Karten ab 20.02. unter
http://literaturhaus-frankfurt.de/karten/karteninfo/

Veranstaltungen im März 2017:

Shared Reading im Literaturhaus Frankfurt
Ab 01.03.17 mittwochs und donnerstags um 17.00 h im Literaturhaus / Eintritt frei

„Es ist, wie wenn ich nochmal ein neues Reich entdecke.“ Maria Biege, Teilnehmerin
Shared Reading wurde in Liverpool entwickelt und ist eine neue Art, Literatur gemeinschaftlich zu erleben. Eine kleine Gruppe von Menschen kommt unter Anleitung eines ausgebildeten Facilitators (Moderators) zusammen. Sie lesen gemeinsam, laut und langsam einen vorher unbekannten Text oder hören einfach nur zu und beginnen, sich darüber auszutauschen: Es entsteht ein Raum für Begegnungen, neue Lesarten, spontane Gefühle, ausgelöst durch die Kraft der Literatur.

Ab März gibt es dieses Angebot zunächst für zwei Gruppen – Gesundheit und Community – im Literaturhaus. Erstere trifft sich in Zusammenarbeit mit dem Hospital zum Heiligen Geist. Die zweite Gruppe steht allen Interessierten offen. Sie trifft sich ab 2. März jeden Donnerstag um 17.00 Uhr. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Benno Hennig von Lange unter vonlange@literaturhaus-frankfurt.de.
Shared Reading im Literaturhaus Frankfurt wird gefördert von der Dr. Marschner Stiftung. In Kooperation mit Böhm & Sommerfeldt, Literarische Unternehmungen.

WÖRTERMEER – Literatur erleben
Kulturelle Bildung am Literaturhaus Frankfurt

„WÖRTERMEER – Literatur erleben“ geht 2017 in die Fortsetzung. Bis zum Sommer bietet das Literaturhaus neue Angebote kultureller Bildung für die Freiherr-vom-Stein-Schule in Frankfurt an. Den Anfang macht im Februar der Comiczeichner Ferdinand Lutz mit Workshops für 5. und 6. Klassen. Er stellt den zweiten Band seiner Abenteuerreihe um den Außerirdischen „Q-R-T“ vor und erzählt, worauf es beim Erzählen und vor allem bei Comics ankommt. Im Anschluss zeichnen und schreiben die Schüler selbst. Im März führt der Lyriker und Künstler Arne Rautenberg mit 7. und 8. Klassen Schreibwerkstätten durch. Anstoß zum eigenen Schreiben gibt der gemeinsame Besuch der René Magritte-Ausstellung in der Schirn. Tobias Schnettler wird im April mit Oberstufenschülern in einem Workshop beleuchten, wie literarische Übersetzer arbeiten. Anhand eines aktuellen Übersetzungsprojekts bekommen die Schüler praktische Einblicke und können ihre Sprachkenntnisse selbst beim Übersetzen testen und erweitern.
Das Projekt WÖRTERMEER wird gefördert von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main.
Ausverkauft! Buchpremiere
Donnerstag 02.03.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro / Restkarten ggf. an der Abendkasse
Zsuzsa Bánk: Schlafen werden wir später
Moderation: Sandra Kegel (F.A.Z.) // Simultanübersetzung durch Gebärdensprachdolmetscher

Ein neuer Roman der Frankfurter Autorin, die Hälfte des Lebens und „voll mit wilden Rosen“
Die in Frankfurt lebende Autorin Zsuzsa Bánk hat einen neuen Roman geschrieben. Viele haben ihn lange erwartet. Es geht darin um das Fest der Freundschaft, um zwei Frauen: Die Lehrerin Johanna lebt allein in einem kleinen Ort im Schwarzwald. Die Künstlerin Márta wohnt mit Familie in einer Großstadt. Beide kennen sich seit Kindheitstagen, in Briefen und E-Mails, geprägt von Tiefe und Offenheit, halten sie Kontakt. Jetzt, mit Mitte vierzig, herrscht der Alltag und ein Richtungswechsel scheint in ihrem Leben nicht mehr vorgesehen. Aber beide kämpfen: um Selbstbehauptung, um Freiheit, um ihren Lebensmut, ihr Glück. Ihr Austausch ist aufrichtiger Lebensbericht, bewegende Beichte, Beweisstück einer langen Freundschaft – angetrieben vom Hunger auf das Leben. Was ist gewesen in ihrem Leben, bislang? Der Roman erscheint wie alle Bücher der Autorin im S. Fischer Verlag. Das Gespräch leitet die Literaturkritikerin Sandra Kegel von der F.A.Z.
Der Abend wird, gefördert durch die Aktion Mensch, von Gebärdensprachdolmetschern übersetzt.
Montag 06.03.17 / 19.30 h / Eintritt 12 / 8 Euro / Karten-VVK läuft!
Martin Walser: Statt etwas oder Der letzte Rank
Moderation: Christoph Schröder

Das Summenbuch eines Großautors
„Wenn ich vor 20 Jahren so hätte schreiben können“, sagte der Autor Martin Walser, „hätte ich es vor 20 Jahren geschrieben, aber ich konnte es damals nicht.“ Das Gedankenbuch „Statt etwas oder Der letzte Rank“ wird nahezu einhellig als Meisterwerk, als handlungsbefreite Schlussstrich-Prosa, als vitale Meditation beschworen. Erschienen ist es im Rowohlt Verlag. Einigkeit also über das Werk eines Umstrittenen, eines streitenden Mitgestalters dieses Landes: 1927 in Wasserburg geboren, erhielt Walser für sein literarisches Werk viele Preise, darunter den Georg-Büchner-Preis, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und den Internationalen Friedrich-Nietzsche-Preis. Mit dem Autor unterhält sich an diesem Abend der Literaturkritiker Christoph Schröder.
Mittwoch 08.03.17 / 19.30 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Abbas Maroufi: Fereydun hatte drei Söhne
Moderation: Ilija Trojanow

Roman eines Zerrissenen und Porträt der islamischen Revolution im Iran
Der Autor Ilija Trojanow gibt seit Jahren eine der ruhmeswürdigsten Editionen heraus. Die „Weltlese“ in der Büchergilde Gutenberg macht Autoren öffentlich, die in Westeuropa größtenteils unbekannt sind, in ihren Sprachen aber zu den Großen zählen. Eine Unternehmung, die ständig Entdeckungen macht, aber von Branche und Publikum immer noch kaum erschlossen ist. Der Herausgeber und Weltensammler präsentiert den 1957 in Teheran geborenen Abbas Maroufi. Der wurde im Iran unbequem und daraufhin verurteilt. Heute lebt er in Berlin. 2001 erhielt er den Siegfried-Unseld-Preis. Der Erzähler in dem Roman „Fereydun hatte drei Söhne“ ist dem Autor nicht unverwandt. Heimatsehnsucht, das Verhaftetsein der Gedanken, Trauma und Schicksal von Vertreibung und Flucht und vor allem ein Porträt der islamischen Revolution von 1979 teilen sich in diesem Roman aus dem Persischen mit.
Donnerstag 09.03.17 / 19.30 h / 9 / 6 Euro
Catherine Meurisse: Die Leichtigkeit
Moderation: Andreas Platthaus (F.A.Z.)
Übersetzung (dt./frz.): N.N.
Dt. Text: Katharina Bach (Schauspiel Frankfurt)

Eine beeindruckende Graphic Novel über Trauer, Freiheit und die Macht der Kunst
Am 7. Januar 2017 jährte sich der Anschlag auf Charlie Hebdo zum zweiten Mal. Die Karikaturistin Catherine Meurisse, die zwischen 2005 und 2016 für das Magazin gearbeitet hat, entkam dem Terrorakt nur, weil sie an diesem Morgen im Januar 2015 verschlief. Viele ihrer Kollegen und Freunde wurden bei dem Anschlag aus dem Leben gerissen. Sie selbst suchte in den Monaten danach nach einem Umgang mit der Tragödie und einem neuen Zugang zu ihrem Leben und erzählt davon. Sie reiste nach Italien, gab sich der Schönheit der Natur und der Künste hin und begann, ihre eigene Leichtigkeit wiederzufinden. „Die Leichtigkeit“ ist ein intensives und persönliches Buch, das der Trauer Raum gibt und zugleich ermutigt, sich die Schönheit des Lebens zurückzuerobern. Meurisse spricht darüber mit dem Literaturchef der F.A.Z., Andreas Platthaus. Aus der Übersetzung liest Katharina Bach vom Schauspiel Frankfurt.
Eine Veranstaltung im Rahmen von „Frankfurt auf Französisch – Frankreich Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2017“ in Kooperation mit dem Carlsen Verlag. Mit freundlicher Unterstützung des Institut Français.
Im Schauspiel Frankfurt
Mittwoch 15.03.17 / 19.30 h / Eintritt 24 / 16 Euro / Karten ab 10.02. unter schauspielfrankfurt.de
Paul Auster: 4 3 2 1
Moderation: Daniel Haas (Die Zeit)
Dt. Text: Christoph Pütthoff (Schauspiel Frankfurt)

Ein Buch. Ein Held. Vier Leben.
„4 3 2 1“ ist der neue Roman von Paul Auster. Er erscheint Ende Januar zeitgleich in den USA und Deutschland. Und er soll nicht nur in Bezug auf die Seitenzahlen ein Höhepunkt im Werk Austers sein. Auf über 1.300 Seiten erzählt der New Yorker Autor – nach dessen Motiven Filme wie „Smoke“ und „Lulu on the Bridge“ gedreht wurden – vier Variationen eines einzigen Lebens. Held ist Archibald Ferguson, genannt Archie. Vereint mit der höheren Macht, einer Art literarischen Vorsehung für Archie, entfalten sich vier Versionen seines Lebens: provinziell und bescheiden; kämpferisch, aber auch vom Pech verfolgt; betroffen und zugleich besessen von den Ereignissen der Zeit sowie künstlerisch genial und nach dem Höchsten greifend. Und jeder dieser vier Archies muss bestehen. Bestehen gegen die Liebe, das Schicksal, die Provokationen des Lebens. „4321“ wird von vier Übersetzern aus dem Englischen übertragen und erscheint im Rowohlt Verlag. Die deutsche Übersetzung liest das Schauspiel-Ensemble-Mitglied Christoph Pütthoff. Das Gespräch in deutscher und englischer Sprache führt Daniel Haas (Die Zeit).
In Kooperation mit dem Schauspiel Frankfurt und dem US-Generalkonsulat Frankfurt.
Donnerstag 16.03.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Jean Ziegler: Der schmale Grat der Hoffnung
Moderation: Ruppert von Plottnitz (Hess. Justizminister a.D. )

Von Kämpfen für Rechte der Menschen
Er war Chauffeur von Che Guevara und Freund von Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre. Er vermittelte zwischen PLO und seiner Heimat Schweiz und war viele Jahre Soziologie-Professor an der Genfer Universität. Über Jahrzehnte setzte sich Jean Ziegler im Auftrag der Vereinten Nationen für „die Verdammten der Erde“ ein. Zunächst kämpfte er als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, dann als Vize-Präsident des Beratenden Ausschusses des Menschenrechtsrats gegen Hunger und Unterernährung und für Menschenrechte und nicht weniger als für den Frieden. Von diesen Kämpfen, seinen Erfolgen und Niederlagen berichtet Ziegler im Gespräch mit Ruppert von Plottnitz (Hess. Justizminister a.D. ). Denn „Der schmale Grat der Hoffnung“ (C. Bertelsmann Verlag) führt zu der Frage, was wäre zu tun, damit die von Roosevelt und Churchill inspirierte Vision einer Gerechtigkeit erwirkenden Weltorganisation politische Praxis wird?
Dienstag 21.03.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Jan Wagner: Der verschollene Raum. Beiläufige Prosa
Moderation: Beate Tröger

Essays, Aufsätze, Postkarten und Reflexionen von einem gefeierten Dichter
Weil man Dichtung nicht lügen kann, glauben wir den Dichtern, vertrauen ihnen eher als Politikern. Und wüsste man nichts von Jan Wagners lyrischem Werk, man wäre auch mit seinen Essays schon beschenkt. Ob er über Bibliotheken, Buchhandlungen, Lyrik oder Kunst schreibt, ob er literarische Postkarten aus Rom oder Los Angeles sendet oder die Epiphanie eines Rosmarins im schwäbischen Garten feiert – wir vertrauen ihm, diesem charmanten Geschichtenerzähler. Wagner ist seit Jahren da. Einer der Besten seines Faches. Gelehrt, wenn er poetisch, poetisch, wenn er gelehrt ist. Die Literaturkritikerin Beate Tröger spricht mit dem Autor, führt durch den Abend und durch den Aufsatzband, der im C. Hanser Verlag nur wenige Tage zuvor erscheint.
Mittwoch 22.03.17 / 19.30 h / Eintritt 9 / 6 Euro
Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben
Moderation (dt./engl.): Alf Mentzer (hr2-kultur)
Dt. Text: Max Mayer

Ein gewaltiger Roman über vier Männer und ihre lebenslange Freundschaft
Mit „Ein wenig Leben” hat die US-amerikanische Schriftstellerin und Journalistin Hanya Yanagihara ein Epos über Verletzungen, zwischenmenschliche Beziehungen und Freundschaft als wahre Liebe geschrieben. In den USA stand der Roman auf der Shortlist des Man Booker Prize und gewann den renommierten Kirkus Award. Andreas Platthaus resümiert in der F.A.Z.: „Muss man lesen.“ Vier junge Männer lernen sich im College kennen. Daraus entstehen lebenslange Freundschaften und tiefe Verbundenheit. Zentrale Figur der Gruppe ist Jude – ein charismatischer, ebenso verschlossener wie brillanter Anwalt, der ein dunkles Geheimnis verbirgt. Nach und nach erfahren seine Freunde Malcolm, Willem und JB und mit ihnen der Leser, was sich in Judes Vergangenheit zugetragen hat. Erschienen ist der Roman bei Hanser Berlin. Das Gespräch in deutscher und englischer Sprache führt Alf Mentzer (hr2-kultur). Die deutsche Übersetzung liest der Schauspieler Max Mayer.
In Kooperation mit dem US-Generalkonsulat Frankfurt.
Dienstag 28.03.17 / 19.30 h / Eintritt 7 / 4 Euro
Schöne Aussichten – Das Frankfurter Literaturgespräch XXXIV
Mit Thomas von Steinaecker, Mara Delius, Alf Mentzer und Hubert Spiegel
Simultanübersetzung durch Gebärdensprachdolmetscher

Literarisches Quartett ohne Quotendruck und Fernbedienung. Vier Kritiker diskutieren über neue Romane.
Hier sitzt das Publikum mittendrin. In der 34. Ausgabe der „Schönen Aussichten“ streiten und schlichten der hr2-Literaturredakteur Alf Mentzer, die Kritikerin Mara Delius (Literarische Welt) sowie der Literaturkritiker Hubert Spiegel (F.A.Z.) mit dem Gastkritiker Thomas von Steinaecker. Er ist Schriftsteller, TV-Regisseur und Journalist, wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2007 mit dem Aspekte-Literaturpreis für das beste Debüt. Zuletzt erschien sein Roman „Die Verteidigung des Paradieses“ im S. Fischer Verlag. Thomas von Steinaecker ist ausgewiesener Literatur- und Comic-Kenner und schlug Dan Clowes Graphic Novel „Patience“ (Reprodukt) für den heutigen Abend zur Diskussion vor. Dem Haltbarkeitstest wird „Infanta“ von Bodo Kirchhoff unterzogen, verlegt in der Frankfurter Verlagsanstalt. Die weiteren Titel des Abends erfahren Sie ab Anfang März unter www.literaturhaus-frankfurt.de.
Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit hr2-kultur und wird dort am 09.04. um 12.04 Uhr gesendet. Die Diskussion wird, gefördert durch die Aktion Mensch, von Gebärdensprachdolmetschern übersetzt.
Mittwoch 29.03.17 / 10.30 h / Eintritt 3 Euro
Silas Matthes: Miese Opfer
Schülerlesung für 7. und 8. Klassen

Ein überraschend fesselnder Roman über Mobbing, Gewalt und richtige Superhelden
Silas Matthes hat es mit 22 Jahren geschafft: Sein Debütroman „Miese Opfer“ erschien 2015 im neuen Programm Oetinger34. Dort tauschen sich angehende Autoren zunächst online mit Lektoren und dann auch miteinander aus und arbeiten gemeinsam an ihren Projekten. Herausgekommen ist in diesem Fall ein Jugendbuch über zwei Freunde, die an ihrer Schule gemobbt werden und sich wehren. Matthes erzählt ohne Umschweife und doch berührend von Freundschaft und familiärer Geborgenheit und der unvermeidlichen Spirale der Gewalt, die sich in Gang setzt. Er ist dabei nie belehrend, sondern begleitet seine Helden Ferdinand und Leo unerschüttert bei ihren Streifzügen, Dummheiten und Rückschlägen. Doch so unvorhersehbar die gegenseitigen Attacken sind, so hoffnungsvoll stimmt das Ende. Silas Matthes liest und berichtet von seiner Schulzeit, seinem Buch und seinem Start als Autor.
Das Junge Literaturhaus wird unterstützt von der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung.

Alle Veranstaltungen unter
http://literaturhaus-frankfurt.de/programm/kalender/
Karten ab 20.02. unter
http://literaturhaus-frankfurt.de/karten/karteninfo/

Shared Reading – Die beflügelnde Kraft gemeinsamen lauten Lesens – Frankfurter Literaturhaus u. Stadtbücherei starten erstes Projekt

Frankfurter Literaturhaus. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Frankfurter Literaturhaus. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Während die „Heilkraft von Sprache“ in der Biblio- und Poesietherapie seit langem erfolgreich eingesetzt wird, ist neu, dass auch gemeinsames lautes Lesen nachweislich bereits positive Effekte auf das persönliche Wohlbefinden, die Lebenszufriedenheit, die Affektbalance und die Kommunikationsfähigkeit haben kann. Kurz „Share Reading“ genannt, stammt „Teilendes Lesen“ ursprünglich aus Liverpool. Vor über 15 Jahren trafen sich Interessenten, um gemeinsam Texte zu hören und darüber zu sprechen. Sie spürten, dass diese Art des gemeinsamen Lesens etwas mit ihnen macht und entwickelten daraus Share Reading. Schließlich gründeten sie die Organisation „The Reader“, die Lesungs-Moderatoren (Facilitater) ausbildet und über 140 Mitarbeiter und noch mehr Freiwillige in ganz England in den vier Share-Reading-Bereichen „Community“, „Wirtschaft“, „Bildung“ und „Gesundheit“ erfolgreich einsetzt.

Die Lese-Revolution ist inzwischen in Deutschland angekommen. Zur Leipziger Buchmesse 2016 hatten die Literaturagenten Thomas Böhm und Carsten Sommerfeldt, die in Liverpool davon erfahren und sich zu Ficilitatern fortbilden ließen, das Konzept vorgestellt und in Berlin erfolgreich Share-Reading-Bibiliotheksgruppen gestartet. Nun wird Share Reading mit entsprechenden Partnern bundesweit etabliert werden, wobei das erste Projekt außerhalb Berlins jetzt in Frankfurt, im Frankfurter Literaturhaus und der Stadtbücherei, gestartet wird. Das Konzept wurde in diesen Tagen bei einem Pressegespräch vorgestellt:

v.li. Dr. med. Christiane Faust-Bettermann, Hospital zum Heiligen Geist, Benno Hennig von Lange,Programm-Assistenz und junges Literaturhaus, Facilitator; Hauke Hückstadt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt; Dr. Dabine Homulius, Leiterin der Frankfurter Stadtbücherei; Sigrid Scherer, BHF-Stiftung Frankfurt; Carsten Sommerfeldt, Böhm & Sommerfeldt | Literarische Unternehmungen, Berlin. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
v.li. Dr. med. Christiane Faust-Bettermann, Hospital zum Heiligen Geist, Benno Hennig von Lange,Programm-Assistenz und junges Literaturhaus, Facilitator; Hauke Hückstadt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt; Dr. Dabine Homulius, Leiterin der Frankfurter Stadtbücherei; Sigrid Scherer, BHF-Stiftung Frankfurt; Carsten Sommerfeldt, Böhm & Sommerfeldt | Literarische Unternehmungen, Berlin. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Der Reiz des niedrigschwelligen Zugangs zur Literatur

Share Reading entspricht unserer „immerwährenden Forderung nach größtmöglicher Zugänglichkeit von Literatur. Das Literaturhaus macht Literatur erlebbar, und Share Reading macht Literatur auch erfahrbar. Und wir sind froh, dass wir in Zukunft diese neue, weitere Spielart in diesem Hause erlebbar machen können“, eröffnet Hauke Hückstadt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt, das Pressegespräch. Share Reading sei das Beste, was (seit langem) „aus England zu uns gekommen ist.“, so Hückstadt.

Share Reading sei eine neue Form, Literatur erlebbar zu machen, unterstreicht Carsten Sommerfeldt die Ausführungen seines Vorredners. Dort, wo Alltagssprache vielleicht aufhöre, könnten sich die Teilnehmer literarischer, verdichteter Sprache bedienen, um Gedanken, Ideen, Assoziationen, die der Text auslöst, miteinander zu teilen, so Sommerfeldt.

Ablauf

Eine kleine Gruppe von bis zu 10, 12 Personen trifft sich unter Leitung eines Facilitators in einem geschützten Raum. Der Facilitator, ein speziell ausgebildeter Moderator,  bringt zur Session einen Prosa-Text mit, eine in sich abgeschlossene, vielleicht ein-, eineinhalb Seiten lange Geschichte, die  noch keiner kennt. Er  verteilt Text-Kopien und beginnt dann den Text langsam, laut vorzulesen. Anschließend leitet der Facilitator informell in ein offenes Gespräch über. Die Teilnehmer können über ihre Assoziationen, Bilder und Empfindungen miteinander sprechen. Niemand muss etwas sagen. Jeder darf auch bloß dem Austausch lauschen und gehört dennoch dazu. Es wird nichts von ihm verlangt. „Für uns ist es unglaublich inspirierend, motivierend und eine schöne beglückende Erfahrung,  wie schnell Menschen beginnen, sich über das, was sie in dem Text finden, austauschen zu wollen. Und wie wenig es bedarf,  um diese Menschen miteinander sprechen zu lassen“, freut sich Sommerfeldt.

In den letzten 15 bis 20 Minuten der 90minütigen Session  wird ein  – eventuell inhaltlich am vorherigen Prosa-Text orientiertes – Gedicht gelesen, wobei die Teilnehmer ganz nebenbei mögliche Berührungsängste zu Gedichten verlieren und einen neuen Zugang zur Lyrik finden können.

Share Reading ist  kein Lese-Zirkel

Share-Reading unterscheidet sich jedoch klar von einem Lese-Kreis, insbesondere dadurch, dass die Teilnehmer keine Buch-Lektüre im Vorfeld des Treffens lesen, keinen Titel kennen, um darüber kundig miteinander sprechen oder gezielt daraus vorlesen zu können. Vielmehr hören  Share-Reading-Teilnehmer einen ihnen völlig unbekannten Text zum ersten Mal gemeinsam mit anderen. Der Reiz des Unbekannten und der unvorhersehbaren Assoziationen der Teilnehmer außerhalb ihrer jeweiligen vertrauten üblichen Zugehörigkeit, sind ein zentrales Element, welches den Erfolg des Konzeptes von Share Reading ausmacht. „Das, was die anderen in dem Text finden, und das Achtsame, der Umgang miteinander, dass eine Gruppe von Menschen aufmerksam zuhört, wie sich Gedanken und Gefühle über diesen literarischen Text spontan entwickeln, das ist, glaube ich, das das Besondere an Share Reading!“ unterstreicht Carsten Sommerfeldt seine Begeisterung für dieses Projekt.

„Teilendes Lesen“ soll in Frankfurt – zunächst einmal für sechs Monate –  in drei Gruppen gestartet werden, wobei zwei davon, ähnlich wie in Berlin, im Bereich „Community“ angesiedelt sein werden. In England werde Share Reading seit Jahren auch in Kliniken und Altenheimen, in Gruppen Demenz- und Suchtkranker erfolgreich eingesetzt, erläutert Carsten Sommerfeldt. Share Reading fördere soziale Interaktion, das Gemeinschaftsgefühl und helfe außerdem beim Teambuilding sowie in der Arbeit mit Kindern, einsamen Menschen, Burnoutpatienten und psychisch Kranken, aber auch jedem, der keine dicken Bücher durcharbeiten und trotzdem Freude an Literatur haben möchte. Es ermögliche jedem, unabhängig seiner Bildung, seelischen Verfassung, sozialen Situation oder seines Alters Zugang zur Literatur, und hierüber zu Gemeinschaft.

Share Reading in der Stadtbücherei

„Am meisten begeistert hat mich, dass Bindung entsteht. Bindung zwischen  beispielsweise der Stadt Frankfurt und den Frankfurterinnen und Frankfurtern, aber auch Bindung derer, die dort teilnehmen, untereinander und aneinander, und zwar in dieser sehr konzentrierten und guten Atmosphäre“, erläutert Dr. Sabine Homulius, Leiterin der Stadtbücherei. Dies sei, „was für mich das Projekt ausmacht!“.

Das erste Shared-Reading-Projekt startet am 16. Februar jeweils um 10 Uhr  in der Stadtteilbibliothek Frankfurt-Bornheim, Augsburger Straße 24, und richtet sich an Interessierte über 60 Jahre. Diese treffen sich – zunächst bis Mai 2017 – dreimal monatlich in der Bibliothek und einmal in einem Wohnstift.
Informationen & Anmeldung: Svenja Stöhr, Telefon: 069 – 212 323 68, literarisches.miteinander@stadtbuecherei.frankfurt.de

Das Bornheimer Leseprojekt dient der Gesundheitsvorsorge im Alter. Kooperationspartner sind das Frankfurter Gesundheitsamt, die Dr. Marschner Stiftung  und die BHF-Bank-Stiftung. „Die BHF-Bank-Stiftung fördert seit vielen Jahren die Erforschung und Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen im Alter.“, begründet Sigrid Scherer das Interesse der BHF-Stiftung für Share Reading.

Share Reading im Literaturhaus Frankfurt

„Es ist eine einfache, aber ungeheuer erfolgreiche Methode“, bekräftigt Benno Hennig von Lange, vom Literaturhaus Frankfurt. Neben Lisa Schumacher,  ebenfalls vom Literaturhaus, und Svenja Stöhr, aus der Stadtbücherei, ist von Lange einer der bislang drei ausgebildeten Facilitatoren in Frankfurt. „Für uns schließt Share Reading eine Lücke in der Vermittlung von Literatur“, so von Lange. Das Literaturhaus sei nicht nur für abends. Die die Räume seien den ganzen Tag über da, um genutzt zu werden und man wolle so noch stärker die Energie, die in der Literatur stecke,  nutzen.

Das Literaturhaus Frankfurt, Schöne Aussicht 2, beginnt am 1. März 2017, jeweils mittwochs und donnerstags um 17 Uhr mit einer Community-Gruppe und einer Gesundheitsgruppe, gedacht für ehemalige oder Tagesklinik-Patienten der benachbarten psychosomatischen Klinik im Hospital zum Heiligen Geist.
Informationen und Anmeldung:Benno Hennig von Lange, Telefon 069 – 75 61 84 19 vonlange@literaturhaus-frankfurt.de

Share Reading in psychotherapeutischer Gesundheitsnachsorge

„Ich finde es wundervoll, unseren entlassenen Patienten, denen es besser geht, etwas außerhalb des Krankenhauses anbieten zu können“, freut sich Dr. med. Christiane Faust-Bettermann, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie am Heilig-Geist-Hospital. Die Oberärztin, die erste Lesungs-Erfahrungen im Literaturhaus mit einer Gruppe aus der Tagesklinik sammeln konnte, schätzt ganz besonders den niedrigschwelligen Ansatz: „Man kam einfach zusammen, und es herrschte gleich so ein wertschätzendes Gemeinschaftsgefühl.“ Angst und Depressionen würden ja häufig auch mit einem gewissen Empathieverlust einhergehen. Patienten könnten mitunter nicht mehr richtig einschätzen, was andere denken und empfinden. Über einen literarischen Text könne das sehr schnell abgeglichen werden, etwa zu erkennen, was andere empfinden, und ob das mit der eigenen Annahme übereinstimmt oder abweicht. Share Reading wäre ein Empathie-Training, so Dr. med. Christiane Fraust-Bettermann. Sie wünschte sich, dass diese Zusammenkünfte in der Rekonvaleszenz einer Depression oder einer Angsterkrankung Patienten hülfen, sich besser zu fühlen, und vielleicht auch das erhalten könnten, was in der Therapie Gutes passiert ist. Vielleicht könne Shared Reading vorbeugen, dass Patienten ganz und gar keinen Rückfall ihrer Erkrankung mehr erlitten.
Mitunter können solche einfachen Projekte schon helfen, Menschen zeitweise aus ihrer Einsamkeit zu holen und auf andere Gedanken zu bringen.

Diether v. Goddenthow (Rhein-Main.Eurokunst)

Weitere Informationen:

Share Reading im Literaturhaus Frankfurt
Stadtteilbibliothek Bornheim
Share Reading Berlin – Literarische Unternehmungen

 

Was ist ein Facilitator?
Ein Facilitator ist ein Prozessbegleiter, der in Unternehmen, Organisationen und mit Einzelpersonen Veränderungen initiiert, begleitet, unterstützt und fördert.Weitere Informationen: http://school-of-facilitating.de/was

Neue Reihe des Hessischen Literaturrates: „Hinter den Worten: Literatur gestalten in Hessen“

© massow-picture
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im Rahmen der neuen Reihe „Hinter den Worten: Literatur gestalten in Hessen“ stellen die Häuser der Literatur im Hessischen Literaturrat mit Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst und hr2-kultur in Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Kassel und Wiesbaden Personen vor, die durch ihr vielfältiges Schaffen das Literaturland Hessen prägen. „Die Bandbreite reicht von der Autorenlesung mit Gespräch über die Podiumsdiskussion bis zum Reflexionstalk. Dabei kommt der Autor ebenso wie der Regisseur, Buchgestalter, Illustrator, Verleger, Hörspielautor oder Akteur aus dem Bereich Kinder- und Jugendbuch zu Wort“, erläutert Katharina Dietl, die Kuratorin der Reihe, das Konzept von „Hinter den Worten“. Gefördert werden die Veranstaltungen vom Hessischen Literaturrat und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Zum Auftakt der Reihe diskutierten am 23. September im Haus am Dom in Frankfurt Literaturveranstalter, Förderer und Autoren unter dem Motto „Titel, Themen und kein Geld? Hessische Förderprogramme für Autoren und Verlage“.

Am Dienstag, 11. Oktober 2016 um 19.30 Uhr findet in Gießen zusammen mit dem Literarischen Zentrum Gießen die erste literarische Veranstaltung der Reihe statt. Der Schriftsteller Guntram Vesper – Träger des Preises der Leipziger Buchmesse 2016 – ist unter dem Titel „Wege zur Autorschaft“ in der Liebigschule zu Gast. Er liest nicht nur aus seinem ausgezeichneten Roman „Frohburg“ – erschienen im Frankfurter Verlag Schöffling & Co. – sondern tauscht sich auch mit dem langjährigen Literaturredakteur des Hessischen Rundfunks und Hessenexperten Heiner Boehncke im Gespräch über seine Zeit in Gießen und Umgebung aus.

Am Donnerstag, 24. November 2016 um 19.30 Uhr ist der in Frankfurt aufgewachsene und bereits vielfach ausgezeichnete junge Schriftsteller Leif Randt im Literaturhaus Villa Clementine in Wiesbaden zu Gast. Unter dem Titel „Ein Roman wird zum Theaterstück“ berichtet er im Gespräch mit dem Regisseur Alexander Eisenach über die gemeinsame Theateradaption seines Romans „Planet Magnon“, die im September am Schauspielhaus Düsseldorf Premiere feierte. Die Gesprächsleitung übernimmt die Dramaturgin Dagmar Borrmann.

Am Donnerstag, 9. Februar 2017 um 19.30 Uhr diskutieren der renommierte Buchgestalter Friedrich Forssman, der Illustrator Markus Lefrançois, die Rotopolpress-Verlegerin Rita Fürstenau sowie Katharina Hesse, Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst, unter dem Titel „Das Auge liest mit“ über die Bedeutung der äußeren Gestalt von Büchern – ein vielschichtiges Thema gerade in Zeiten des E-Books. Die Podiumsdiskussion findet in Kooperation mit dem Literaturhaus Nordhessen im Stadtteilzentrum Vorderer Westen in Kassel statt.

Die Veranstaltungen im Frühjahr 2017 im Literaturhaus Darmstadt und im Literaturhaus Frankfurt widmen sich den Bereichen Hörspiel sowie Kinder- und Jugendbuch.

Ansprechpartner: Katharina Dietl; erreichbar unter: katharina.dietl@outlook.de

Deutscher Buchpreis 2016: Literarischer „Catwalk“ der Finalisten am Shortlist-Abend im Frankfurter Literaturhaus

Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Knisternd spannende Atmosphäre herrschte als über 200 Buchfreunde am gestrigen 1. Oktober im ausverkauften Frankfurter Literaturhaus sich bei halbstündigen Lesungen und Autoren-Gesprächen  einen ersten Eindruck von fünf auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2016  stehenden Autoren und ihren Werken verschaffen konnten. Leider fehlte Bodo Kirchhoff, einer der Buchpreis-Favoriten,  beim literarischen  „Catwalk“, da er im Ausland weilte. Sein Werk „Widerfahrnis“ präsentiert er am 5.Oktober im Literaturhaus.

shortlist16-coverBereits zum neunten Mal präsentierten das Kulturamt Frankfurt am Main und das Literaturhaus Frankfurt in Kooperation mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der den Preis vergibt, die Autoren der Shortlist des Deutschen Buchpreises vor der Preisverleihung Mitte Oktober. Moderiert haben die Autorengespräche Sandra Kegel (F.A.Z.), Gert Scobel (3sat) und Alf Mentzer (hr2-kultur). Die „besten“  Ausschnitte der über vierstündigen Veranstaltung werden vom 10.10. bis 15.10. um 9.30 und 15.05 Uhr in hr2-kultur gesendet.

Hauke Hückstädt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt eröffnete den Abend. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Hauke Hückstädt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt eröffnete den Abend. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Um  18.00 Uhr eröffnete Hauke Hückstädt, Leiter des Literaturhauses Frankfurt,  den Shortlist-Abend, stellte Grußwort-Redner, Autoren und Moderatoren vor,  dankte insbesondere der Deutschen Bank-Stiftung für die Stiftung des Deutschen Buchpreises, erläuterte den organisatorischen Ablauf des Abends und lud namens der Veranstalter alle Gäste zu vertiefenden Gesprächen in der Pause und im Anschluss der Veranstaltung ein .

Grußworte
Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Dr. Ina Hartwig, seit Mai dieses Jahres Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt und als Literaturkritikerin und  freie Autorin im Literaturhaus keine Unbekannte, ging mit ihrem Grußwort gleich in media res, als sie den Juroren zurief, aus eigener Erfahrung als Literaturkritikerin und Buchpreis-Jurorin 2011 zu wissen, „welch eine Mammutaufgabe das für die Jury sei“, insbesondere, „als Kritiker selbst in der Kritik zu stehen, was aber eine ganz heilsame Erfahrung wäre“. Denn „egal wen man auswählt“, so Hartwig; „es hagelt immer Kritik!“ „Man erlebe somit auch mal das, was man normalerweise als Kritiker anderen antue“. Man solle so etwas ruhig selbst mal erleben, obgleich „es gar nicht so leicht ist, das wegzustecken“, so die Kulturdezernentin. Für sie sei der Deutsche Buchpreis – eine Mischung aus Herzblut und Kalkül –  weit mehr als nur symbolisches Kapital. Obgleich der Deutsche Buchpreis weltweit bekannt wäre, sei er im Kern auch ein Preis der Stadt Frankfurt, weil er dort gestiftet wurde und bis heute im Kaisersaal des Römers am Montag vor der Buchmesse traditionell vergeben wird, verbunden mit einem großen Rahmenprogramm am Tag danach rund um die Buchmesse wie: „Literatur im Römer“, „Open Books“, „Ausstellungen“ und zahlreiche weitere kulturelle Angebote im Kontext der Buchmesse des diesjährigen Gastlandes „Flandern und die Niederlande“. Das freue sie als städtische Kulturdezernentin mit ihrer Leidenschaft für zeitgenössische Literatur in der neuen Berufung selbstverständlich ganz besonders.

Dem deutschsprachigen Roman Geltung verschaffen

Alexander Skipis, Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Alexander Skipis, Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

In seinem Grußwort formulierte Alexander Skipis, Geschäftsführer des Deutschen Börsenvereins, die Intention des Abends und des Deutschen Buchpreises drastisch: Eigentlich sei es „etwas Unerhörtes“, 6 Romane auf die Shortlist zu setzen und zu behaupten, „dass wir den besten Autor oder die beste Autorin und den besten deutschsprachigen Roman der Saison prämieren“, so Skipis.  „Ich glaube, es würde jedem von uns schwerfallen, zu sagen, der oder die ist es. Es sind hervorragende Autoren, die mit Sicherheit jeder den Preis verdient hätten. Sie „sind jetzt alle Sieger“. Aber im Grunde „zeichnen wir etwas anderes aus. Wir zeichnen die deutschsprachige Romanliteratur aus, nicht in erster Linie um Bestseller zu generieren, sondern um der deutschsprachigen Romanliteratur Geltung zu verschaffen.

Das habe zunächst weniger mit Verkaufszahlen zu tun, als vielmehr mit einer Buchkultur, die von Menschen in „unserer Branche“ getragen wird, „die den Anspruch haben, einen wertvollen Beitrag zum Gelingen der Gesellschaft beizutragen“, so Skipis. Der deutsche Buchmarkt, der zweitgrößte der Welt, sei ein Vorbild an Qualität und Vielfalt, und das sei ein „Wert, der in unserer Branche steckt. Deswegen möchten wir mit diesem Buchpreis diesen Wert darstellen“, betonte Skipis.

Appell an die „Freiheit des Wortes“ weltweit!

banner-turkey-250pxDiese Vielfalt und Qualität des deutschen Buchmarktes wäre aber nicht  möglich, mahnte Skipis, wenn es in Deutschland nicht eine völlige Publikations- und Meinungsfreiheit gäbe. Die Freiheit des Wortes sei der Kern unserer Buchkultur. Sie sei aber auf der Welt  nicht selbstverständlich. Das zeige eine „Karte der Rangliste der Pressefreiheit“ von Reportern ohne Grenzen, auf der lediglich eine Handvoll Staaten auf der Welt über Meinungs- und Publikationsfreiheit verfügten. Deshalb setze sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels so massiv für die Meinungsfreiheit und Publikationsfreiheit weltweit ein, zuletzt mit der  vor drei Wochen gestarteten Petition „FreeWordsTurkey“, die schon 80 000 Menschen unterzeichnet haben. Skipis lud alle Anwesenden ein, soweit noch nicht geschehen, diese Petition ebenfalls zu unterzeichnen. „Bis zur Buchmesse dürften wir die 100 000er Grenze kappen.“

Die Autoren-Gespräche und Lesungen

André Kubiczeck – mit Gerd Scobel über „Skizzen eines Sommers“ (Rowohlt Berlin)

André Kubiczeck, Shortlist-Autor von Skizzen eines Sommers (Rowohlt-Verlag),Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
André Kubiczeck, Shortlist-Autor von Skizzen eines Sommers (Rowohlt-Verlag),Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Augenzwinkernd an André Kubiczeck gerichtet,  „Es wäre immer so bescheuert, einen Autor zu fragen, wie autobiographisch sein Roman denn sei“, eröffnete Gert Scobel den Gesprächsreigen über das erste Buch des Abends:„Skizzen eines Sommers“ (Rowohlt Berlin). Worauf hin Shortlist-Autor Kubiczeck, der die Frage gar nicht so bescheuert fand, unumwunden einräumte: „Warum soll ich mir ein kompliziertes Setting ausdenken, wenn ich sozusagen mein Leben dafür nehmen kann, um das zu erzählen, was ich erzählen will“. Der Roman aus dem eigenen Nähkästchen der Pubertätsjahre Mitte der 80er in der ehemaligen DDR sei wie im Rausch innerhalb von nur vier Monaten entstanden. Verblüfft stellte Scobel fest, dass darin zwar auch Ossi-Jargon vorkäme, aber „diese in der Literatur immer wieder hochstilisierten Ost-West-Unterschiede“ seien „völlig unterschnitten“, kämen praktisch nicht vor, ob das „denn eine identische Pubertät in Ost und West“ gewesen sei: „Ja, wenn man die ‚richtige‘ Musik gehört hat im Jahr 1986“, dann habe man mehr Gemeinsamkeiten mit allen Gleichaltrigen in der Welt, als beispielsweise mit denen der „Modern Talkingfraktion“.

Gerd Scobel (3Sat-Moderator)  Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Gerd Scobel, (3Sat-Moderator) Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Im Grunde genommen sei das Buch eine riesige Playlist. „Sie haben einen Roman geschrieben, den man hören kann“, so Scobel. Selbst der Titel des Romans, so der 3Sat-Moderator, sei eigentlich ein Titelsong „Sketch for Summer“. „Ja, klar“, er habe eine riesengroße Plattensammlung „und eine Plattensammlung ist wie ein Tagebuch“, so der 1969 in Potsdam geborene und heute in Berlin lebende Autor.

André Kubiczeck versucht aber nicht, mit möglichst vielen Songs inhaltlich nachzulegen. In seinem Roman verhält es sich genau umgekehrt, da ein Doppel-Kassettenrekorder aus dem Westen, den ihm seine Oma „wohl zur Ablenkung von der Trauer über seine mit 14 Jahren sehr früh verlorene Mutter“ besorgt hatte, eine zentrale Rolle spielt, nicht nur für ihn ganz persönlich, auch für die Entwicklung seine Freundeskreises, „da alle bei ihm Musik hören kommen wollen“.

André Kubiczek: Skizze eines Sommers Gebundene Ausgabe: Rowohlt Berlin 2016, 384 Seiten, EUR 19,95. ISBN-13: 978-3871348112
André Kubiczek: Skizze eines Sommers
Gebundene Ausgabe: Rowohlt Berlin 2016, 384 Seiten, EUR 19,95. ISBN-13: 978-3871348112

Die Musik bleibt dabei lediglich Medium und zugleich eine Metapher des Leitmotivs seines Romans, nämlich die Suche nach dem perfekten Moment. Die sei sozusagen das Hauptmotiv eines großen Schriftstellers wie bei Proust, so Scobel, nämlich „diese verlorenen perfekten Momente in irgendeiner Form noch einmal wiederzubekommen“. „Ja, aus diesem Grund habe ich das Buch eigentlich geschrieben, die verdeckten Momente der eigenen Jugend nochmal aufleben zu lassen und zu bannen!“, so Kubiczeck „Was ihnen großartig gelungen ist“, lobte Gert Scobel.

 

Reinhard Kaiser-Mühlecker mit Sandra Kegel über „Fremde Seele, dunkler Wald“ (S. Fischer, Frankfurt)

Shortlist-Autor Reinhard Kaiser-Mühlecker im Gespräch mit FeuilSandra Kegel, FAZ-Redakteurin  im Feuilleton über das Buch „Fremde Seele, dunkler Wald“ (S. Fischer, Frankfurt)  Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Shortlist-Autor Reinhard Kaiser-Mühlecker im Gespräch mit FeuilSandra Kegel, FAZ-Redakteurin im Feuilleton über das Buch „Fremde Seele, dunkler Wald“ (S. Fischer, Frankfurt) Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Ein wenig zäh verlief das Gespräch zwischen Reinhard Kaiser-Mühlecker und Moderatorin Sandra Kegel (F.A.Z.) über seinen Roman „Fremde Seele, dunkler Wald“ (S. Fischer). Vielleicht lag es an zu tiefst bedrückenden  thematischen Alternativlosigkeit, die alle Energie zu absorbieren schien, wie eine Art melancholischer Nebel, durch den die Moderatorin mit noch so vielen Anläufen nicht wirklich zum Autor  durchzudringen vermochte.  „Das ist ihre Beobachtung und die muss ich zur Kenntnis nehmen“, war beispielsweise eine der Absagen Kaiser-Mühleckers auf einen erneuten Anlauf der Moderatorin, etwas mehr über Beweg- und Hintergründe zu erfragen. Dennoch konnte Sandra Kegel  ihrem Gesprächspartner zuletzt doch noch ein paar persönliche Bekenntnisse entlocken, etwa, dass er als Autor kein Makro-Planer sei, der eine Geschichte vorkonzeptioniere. Alles entstünde im Raum. Er wolle beim Schreiben Schritt für Schritt einen Raum erkunden, und zwar im eigenen Tempo.

Errettend aus dem schleppenden Gesprächsverlauf war schließlich die Leseprobe, die einmal mehr die hohe literarische Qualität des großartigen Autors bezeugte, und einen sofort mitnahm in die grauen, subtilen Stimmungen dieses düsteren, wie aus der Zeit gefallenen Familiendramas mit der hilflosen Stummheit seiner Protagonisten und ihren existentiellen Untiefen, und der Ausweglosigkeit einer beengten verlogenen Heimat-Idylle, die bis zum Schluss mit krimihafter Spannung aufgeladen bleibt.

Reinhard Kaiser-Mühlecker. Fremde Seele, dunkler Wald. Fischer Verlag, Frankfurt 2016, Gebundene Ausgabe: 304 Seiten, EUR 20,00 ISBN-13: 978-3100024282
Reinhard Kaiser-Mühlecker. Fremde Seele, dunkler Wald. Fischer Verlag, Frankfurt 2016,
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten, EUR 20,00
ISBN-13: 978-3100024282

Worum geht es im Werk? Alexander kehrt von seinem Auslandseinsatz als Soldat internationaler Truppen in die Heimat zurück. Seine Unruhe treibt ihn bald wieder fort. Sein jüngerer Bruder Jakob führt unterdessen den elterlichen Hof. Als sich sein Freund aufhängt, wird Jakob die Schuldgefühle nicht mehr los. Der Vater fabuliert von phantastischen Geschäftsideen, während er heimlich Stück für Stück des Ackerlandes verkaufen muss. Mit großer poetischer Ruhe und Kraft erzählt Reinhard Kaiser-Mühlecker von den Menschen, die durch Verwandtschaft, Gerede, Mord und religiöse Sehnsüchte aneinander gebunden sind. Es ist die Geschichte zweier Brüder, die dieser Welt zu entkommen versuchen – eine zeitlose und berührende Geschichte von zwei Menschen, die nach Rettung suchen.

Philipp Winkler mit Alf Mentzer über „Hool“ (Aufbau, Berlin)

Shortlist-Autor Philipp Winkler im Gespräch mit hr-2-Kulturredakteuer Alf Mentzer  über sein Buch "Hool" (Rowohlt-Verlag9 Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Shortlist-Autor Philipp Winkler im Gespräch mit hr-2-Kulturredakteuer Alf Mentzer über sein Buch „Hool“ (Rowohlt-Verlag9 Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Das  vor der Pause letzte Autorengespräch mit Philipp Winkler (Hool, Aufbau) begann hr-2-Kulturredakteuer Alf Mentzer mit der Feststellung: „Nachdem ich im vergangenen Jahr mit Frank Witzel, der für den längsten Roman verantwortlich war, der jemals auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis stand, gesprochen habe, geht es in diesem Jahr um ein Buch mit den kürzesten jemals in einem Buchjahr shortgelisteten Titel“, nämlich um den der Roman „Hool“.

Ob man nun die Materie Gewalt mag oder nicht – literarisch handelt es sich um ein Meisterwerk. Auf Mentzers mehr rhethorisch gestellte Frage, ob er, der Autor dieses Werkes, denn auch so einer wäre, kam wie aus der Pistole geschossen ein schlichtes energisches: „Nein!“.

Alf Mentzer, hr-2-Kulturredakteuer. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Alf Mentzer, hr-2-Kulturredakteuer. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Ihn habe, so Winkler, diese Hooligan-Szene schon lange fasziniert. „Ich bin selber von Kindheit an Fußballfan gewesen, und egal in welchem Bereich: Ich interessiere mich vor allem für Extremsituationen, für Dunkelzonen, für Randgebiete“ und dazu gehöre natürlich auch der Hooliganismus. Besonders interessiert den Autor, „was Leute dazu treibt, diesem Hobby oder dieser Leidenschaft, oder wie man es immer nennen will, nachzugehen.“ Grundsätzlich müsse man zwischen zwei Hauptgruppen, den  Ultras und Hooligans, unterscheiden.

Shortlist-Autor Philipp Winkler in lässiger "Hool-Pose" Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Shortlist-Autor Philipp Winkler in lässiger „Hool-Pose“ Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die Ultras seien die Gangs, die man als Fangruppen im Stadion sähe, die immer organisiert seien, die die Fan-Gesänge machten und die Doppel-Banner hochhielten. Mit Hooligans hingegen, um die es in seinem Buch ginge, bezeichnete man in Deutschland Leute, „die sich außerhalb dieses ganzen Stadion- und Fußball-Kontextes zum Beispiel auf dem Acker, ob auf einem Feld oder in einem entlegenen Industriegebiet, verabredet träfen, um sich gegenseitig auf die Schnauze zu hauen.“

 

Philipp Winkler Hool. Aufbau Verlag, Berlin 2016,  310 Seiten, EUR 19,95 ISBN-13: 978-3351036454
Philipp Winkler Hool. Aufbau Verlag, Berlin 2016,
310 Seiten, EUR 19,95
ISBN-13: 978-3351036454

Interessant sei auch das sehr an Traditionen orientierte Weltbild der Szene im Gegensatz zu anderen Jugendbewegungen, die sich gegenüber Erwachsenen abgrenzten. Tradition spiele eine sehr große Rolle. Hools seien das Gegenteil von Jugendkultur, eher mit einem Rasse-Geflügel-Zuchtverein vergleichbar, der unter Nachwuchsproblemen leide und durch die voranschreitende Überalterung zum Aussterben verurteilt sei. So alterspyramidenorientiert kommt Winklers Werk „Hools“ allerdings nicht daher. Es geht häufig heftig zur Sache, Fäuste fliegen, Nasen bluten oder werden gebrochen, und es herrscht mitunter eine archaische Stimmung, des Rechts des Stärkeren,  wobei es der Autor stets hervorragend versteht, Szenen spannend und wirklichkeitsgetreu, schnörkellos und detailliert zu erzählen, und durch das mitunter richtige „Weglassen“ einen Sog äußerster Spannung erzeugt. „Es ist ein Sog, den man sich kaum entziehen kann, und ich kann Ihnen nur raten, sich diesem Sog auszusetzen, diesen Roman zu lesen, „Hool, von Philipp Winkler!“, verabschiedete  Mentzer den Autor und die Gäste in die Pause.

Nachtrag: Am 7.Oktober 2016 gab das ZDF bekannt, dass Philipp Winkler den ZDF-„aspekte“-Literaturpreis erhält. Die Verleihung findet am 20.Oktober 2016 auf der diesjährigen Buchmesse statt.

 

In der Pause, bei guten Gesprächen und einem Glas Wein, konnten die am Bücherstand erworbenen Werke signiert werden. Das Bild zeigt Reinhard Kaiser-Mühlecker beim Eintrag in sein Werk "Fremde Seele, dunkler Wald" (S.Fischer, Frankfurt).
In der Pause, bei guten Gesprächen und einem Glas Wein, konnten die am Bücherstand erworbenen Werke signiert werden. Das Bild zeigt Reinhard Kaiser-Mühlecker beim Eintrag in sein Werk „Fremde Seele, dunkler Wald“ (S.Fischer, Frankfurt).

 

Eva Schmidt mit Gert Scobel über „Ein Langes Jahr“ (Jung und Jung, Salzburg)

Shortlist-Autorin Eva Schmidt im Gespräch mit Gert Scobel über ihr Werk "Ein Langes Jahr" (Jung und Jung, Salzburg) Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Shortlist-Autorin Eva Schmidt im Gespräch mit Gert Scobel über ihr Werk „Ein Langes Jahr“ (Jung und Jung, Salzburg) Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Auf Gert Scobels Frage, weswegen ihr Werk „Ein Langes Jahr“ die erste Buchpublikation nach 19 Jahren ihres letzten Werkes sei, bekannte die in Bregenz lebende Autorin Eva Schmidt, dass ihr das Schreiben schwer falle, dass schreiben für sie ein sehr erschöpfender Prozess sei, der sie verausgabe. „Irgendwann waren wir eine Familie mit vielen Kindern. Es war wie eine Flucht vom Schreibtisch in die Wirklichkeit“. Es sei vor allem einem befreundeten Agenten zu verdanken, der „mich in den vergangenen 20 Jahren immer ein bisschen ermuntert hat“, wodurch dieses  Buch „Ein Langes Jahr“ letztlich entstehen konnte. Ich hatte tatsächlich mal eine Geschichte fertig, eine Geschichte aus diesem Werk, „und dann hat er gesagt: ‚wie geht es weiter?‘“, und dann habe sie weitergeschrieben bis schließlich ein ganzes Buch daraus wurde.

Es handelt sich nicht um einen Roman im klassischen Sinne, eher um ein Romanmosaik, nämlich um eine Sammlung von 38 verschieden langen Kurz-Geschichten aus wechselseitigen Perspektiven erzählt, die parallel innerhalb eines Jahres in einer fiktiven Stadt geschehen. Es geht um Kinder, Alte, alleinerziehende Frauen und einen Obdachlosen. Beziehungen zwischen diesen Protagonisten kommen gar nicht und später nur sehr zart zustande. Engere Bezüge gibt es eigentlich immer nur zwischen „Mensch und Hund“. Doch auch das treue Haustier kann die Lücken von Einsamkeit und Vereinzelung nicht schließen, allenfalls unzureichend lindern. Dieses ungleiche Seelenverhältnis zwischen Mensch und Hund als Krücke zur Erleichterung der Einsamkeit ist ein alle Episoden verbindendes Element.

Eva Schmidt. Ein langes Jahr. Jung u. Jung, Salzburg 2016 212 Seiten, EUR 20,00 ISBN-13: 978-3990270806
Eva Schmidt. Ein langes Jahr. Jung u. Jung, Salzburg 2016
212 Seiten, EUR 20,00
ISBN-13: 978-3990270806

Wie der Klappentext beschreibt, lebt „Benjamin  mit seiner Mutter allein, die Wohnung in der Siedlung am See ist klein, den Hund, den er gerne hätte, kriegt er nicht. Als er Joachim davon erzählt, will der sich einen schenken lassen, am besten zwei, aber Benjamin findet, Hunde sind fast wie Menschen und kein Geschenk. Eines Tages begegnet Benjamin Herrn Agostini, einem alten Mann aus der Nachbarschaft, auch er wollte sein Leben lang einen Hund. Früher als er ist seine Frau nach einem Sturz ins Pflegeheim umgezogen, jetzt hat er endlich einen, Hemingway heißt er. Aber Herr Agostini ist nicht mehr gut auf den Beinen, er weiß nicht, was aus »Hem« werden soll. Ähnlich wie Karin, die gerne wüsste, wer sich um ihren Hund kümmert, wenn ihr was zustößt, wie sie sagt. Karin ist krank, sie hat Schmerzen, niemand weiß davon. Im Baumarkt kauft sie eine Leiter, vom Nachbarn borgt sie eine Bohrmaschine …  „

Thomas Melle mit Sandra Kegel über „Die Welt im Rücken“ (Rowohlt, Berlin)

Shortlist-Autor Thomas Meller im Gespräch mit Sandra Kegel, FAZ-Redakteurin  im Feuilleton, über "Die Welt im Rücken" (Rowohlt, Berlin) Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Shortlist-Autor Thomas Melle im Gespräch mit Sandra Kegel, FAZ-Redakteurin im Feuilleton, über „Die Welt im Rücken“ (Rowohlt, Berlin) Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Publikumsliebling Thomas Melle stellte als letzter Gesprächspartner des Abends seinen Shortlist-Titel „Die Welt im Rücken“ (Rowohlt, Berlin) vor. Melle ist Literaturwissenschaftler, Philosoph und Autor viel gespielter Theaterstücke. Melle übersetzte u.a. William T. Vollmanns Roman „Huren für Gloria“. Sein Debütroman „Sickster“ (2011) war für den Buchpreis nominiert und wurde mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. Es wäre  „fast eine Mogelpackung gewesen, sein Werk ‚Die Welt im Rücken‘ Roman zu nennen“, antwortet er  Sandra Kegel auf ihre Frage nach der Genre-Einordnung seines Werkes. Aus bibliographisch-organisatorischen Gründen hatte ihn der Rowohlt-Verlag der Rubrik Belletristik zugeordnet, da sein aktueller Titel eben auch kein typisches Sachbuch ist. Vielmehr handelt es sich bei Melles genialem Werk „Die Welt im Rücken“ um eine hammerharte, schonungslos ehrliche,  fiktional aufgeladene Geschichte seiner bipolaren Störungen mit abgrundtiefen, länger anhaltenden Absturzphasen im Wechsel  mit euphorischen „Was-kostet-die-Welt“-Episoden. Sandra Kegel brachte es auf den Punkt, als sie bemerkte: „Sie schreiben, als würden Sie um  ihr  Leben schreiben“. „Ja, natürlich, das habe ich  auch!“, so Melle, der sich mitunter am liebsten ganz verkriechen und keinerlei Interview geben würde. Aber er wolle jetzt doch ein wenig zur Aufklärung über seine Krankheit beitragen, unter  der mehr Menschen litten, als bekannt wäre, so Melle. Deswegen habe er sich entschieden, nunmehr doch persönlich mit seinem Gesicht und Namen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Denn über die bipolare Störung würde hinweg geschwiegen wie über die meisten psychischen Erkrankungen. Im Englischen gäbe es die bekannte Wendung «the Elephant in the Room», eine Metapher für ein offensichtliches Problem, das ignoriert würde, so Melle. Da stehe also ein Elefant im Zimmer, nicht zu übersehen, und dennoch redete keiner über ihn. Vielleicht sei der Elefant peinlich, vielleicht sei seine Präsenz allzu offensichtlich, vielleicht denke man, der Elefant werde schon wieder gehen, obwohl er die Leute fast gegen die Zimmerwände drückte. „Meine Krankheit ist ein solcher Elefant“, so Melle.

Sandra Kegel, FAZ-Redakteurin  im Feuilleton.  Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Sandra Kegel, FAZ-Redakteurin im Feuilleton. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Bei dieser Krankheit, die in Schüben verlaufe, zerfalle das Ich in verschiedene Phasen, in die eines Manikers, die des Depressiven und in die, in der ich jetzt bin. Wenn Sie manisch-depressiv sind, hat Ihr Leben keine Kontinuität mehr. Was zuvor als einigermaßen durchgängige Geschichte erzählt oder erlebt wurde, zerfällt rückblickend zu unverbundenen Flächen und Fragmenten.“, so Melle. Seine Krankheit habe ihm die Heimat genommen, jetzt sei seine Krankheit seine Heimat.

Thomas Melle. Die Welt im Rücken. Rowohlt-Verlag, Berlin 2016, 352 Seiten, EUR 19,95 ISBN-13: 978-3871341700
Thomas Melle. Die Welt im Rücken. Rowohlt-Verlag, Berlin 2016, 352 Seiten, EUR 19,95
ISBN-13: 978-3871341700

Aber jetzt gehe es ihm seit zwei Jahren besser, und nicht alles sei Krankheit. Sein größter Trost sei, dass nach Erfahrung der Medizin zwischenzeitlich immer die vollkommene Genesung möglich, ja sogar die Regel sei, wenngleich man nicht wisse für wie lange, ob für Monate oder Jahre. Der Wahnsinn bestehe also fast immer nur vorübergehend und endete höchst selten in ewiger Umnachtung oder Demenz, so Melle. Wer mehr aus der Binnenperspektive eines Genies mitunter am Rande des Wahnsinns  über verglühende Nächte, Tage und Wochen erfahren möchte, sollte unbedingt  „Die Welt im Rücken“ von Thomas Melle lesen.

Diether v. Goddenthow (Rhein-Main.Eurokunst)

Weitere Informationen zum Deutschen Buchpreis 2016 hier!
Literaturhaus Frankfurt am Main e.V.
Schöne Aussicht 2
60311 Frankfurt am Main

Julius-Campe-Preis 2016 geht an Netzwerk der Literaturhäuser

literaturhaus-netDer Julius-Campe-Preis, den der HOFFMANN UND CAMPE Verlag 2016 verleiht, geht in diesem Jahr an das Netzwerk der Literaturhäuser.

Die Auszeichnung gilt Persönlichkeiten und Institutionen, die sich auf herausragende Weise literaturkritische und literaturvermittelnde Verdienste erworben haben. Der Preis ist mit 99 Flaschen edlen Weins und des bei HOFFMANN UND CAMPE erschienenen Faksimiles der Französischen Zustände Heinrich Heines dotiert.

Die Verleihung erfolgt am Freitag, 21. Oktober 2016 im Haus des Buches während der Frankfurter Buchmesse.

Die Laudatio hält der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil.

Daniel Kampa, Verleger von Hoffmann und Campe:

»Literatur ist vielerorts zu Hause. Zu den schönsten Orten gehören sicherlich die Literaturhäuser in Basel, Berlin, Göttingen, Graz, Hamburg, Köln, Leipzig, Rostock, Salzburg, Stuttgart, Wien, Wiesbaden und Zürich, die heute das seit 2008 bestehende Netzwerk literaturhaus.net bilden.

Als Treffpunkt für Autoren, Leser und Literaturinteressierte sind Literaturhäuser eine wertvolle und unverzichtbare Einrichtung im Kulturleben jeder Stadt. Sie bieten der Literatur eine prominente Bühne für Begegnungen und Inspirationen. Hier wird das Lesen zum Ereignis, hier werden Bücher lebendig. Wenn – wie Cicero einst sagte – »ein Haus ohne Bücher wie ein Körper ohne Seele« ist, sind es die Literaturhäuser, die in vielen Städten die Seele der Bücher zum Schwingen bringen.

Das Netzwerk der Literaturhäuser dient dem Austausch von Erfahrungen, Konzepten und Kontakten und leistet so einen essenziellen Beitrag zur fortwährenden Weiterentwicklung und Neuerfindung dieser so wichtigen Institution. Mit gemeinsamen Projekten, Veranstaltungen, Werbeaktionen, der Initiative »Junges Literaturhaus« und dem »Preis der Literaturhäuser« hat das Netzwerk seit seiner Gründung die Ausstrahlungskraft der Literaturhäuser als Zentren des literarischen Lebens und der Literaturvermittlung enorm gesteigert. Die Arbeit und Wirkung des Netzwerks Literaturhaus kann daher nicht hoch genug gewürdigt werden.«

Mit der Verleihung des Julius-Campe-Preises 2016 ehrt der Hoffmann und Campe Verlag das Netzwerk der Literaturhäuser für die Verdienste um die deutsche Literatur.

Im Netzwerk der Literaturhäuser, 2008 aus einem losen Zusammenschluss zahlreicher deutschsprachiger Literaturhäuser als Verein hervorgegangen, entwickeln und veranstalten 14 Literaturhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit verschiedenen Partnern internationale Projekte wie Länderschwerpunkte, bilaterale Stadtschreiberprojekte, Plakataktionen wie »Poesie in die Stadt« und Veranstaltungsreihen, zuletzt »Fragile. Europäische Korrespondenzen«.

Das Netzwerk ermöglicht es, Erfahrungen und Kontakte auszutauschen und über gemeinsame Projekte und Mittelakquisition im deutschsprachigen Raum als Literaturvermittler zu wirken. Die inzwischen auch international anerkannte »Marke« Literaturhaus soll gestärkt werden. Ziel ist es, zu zeigen, wie es auch im digitalen Zeitalter möglich ist, deutschsprachige und internationale Gegenwartsliteratur zeitgemäß und innovativ zu verbreiten. Viele der Mitglieder stärken unter dem Label »Junges Literaturhaus« die Kinder- und Jugendliteratur.

Außerdem wird jährlich der Preis der Literaturhäuser verliehen. Mit diesem Preis werden Autorinnen und Autoren ausgezeichnet, die sich um originelle Lesungskonzepte bemühen und Abende in den Literaturhäusern zu unvergesslichen Live-Erlebnissen machen. Zu den Preisträgern zählen etwa Peter Kurzeck, Judith Schalansky, Feridun Zaimoglu, Elke Erb, Sibylle Lewitscharoff, Nicolas Mahler, Ilija Trojanow oder 2016 Ulf Stolterfoht. Medienpartner des literaturhaus.net ist ARTE. Weitere Informationen unter www.literaturhaus.net.

Der Laudator Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln geboren. Er ist Schriftsteller, Pianist und Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Seit vielen Jahren gehört er zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart. Sein Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Thomas-Mann-Preis, dem Nicolas-Born-Preis, dem Stefan-Andres-Preis und zuletzt dem Hannelore-Greve-Literaturpreis. Seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt.

Der Preis ist benannt nach Julius Campe (1792 – 1867), der zu den größten Verlegern der deutschen Geschichte zählt. Als Entdecker von Heinrich Heine und als mutiger Förderer der Autoren des »Jungen Deutschlands« wurde er zum Inbegriff des idealistischen Verlegers, der literarische Entdeckungsfreude mit gesellschaftlichem Engagement vereint.

Die Julius-Campe-Preisträger der vergangenen Jahre waren:

2015: Denis Scheck
2014: Buchhandlungskooperation 5 plus
2013: Felicitas von Lovenberg
2012: Petra Roth
2011: Roger Willemsen
2010: Elke Heidenreich
2009: Elisabeth Niggemann
2008: Wendelin Schmidt-Dengler (posthum)
2007: Klaus Reichert
2006: Michael Naumann
2005: Jan Philipp Reemtsma
2004: Joachim Kaiser
2003: Heinrich Detering
2002: Martin Walser

Deutscher Buchpreis: Die Autoren der Shortlist am 1. Oktober im Literaturhaus Frankfurt

Literaturhaus Frankfurt. © massow-picture
Literaturhaus Frankfurt. © massow-picture

Bereits im zwölften Jahr bringt der Deutsche Buchpreis deutschsprachige Literatur ins Gespräch und gewinnt damit die Aufmerksamkeit der Leser wie Literaturkritiker gleichermaßen. Die Shortlist-Veranstaltung knüpft an diesen Erfolg an: Zum neunten Mal präsentieren das Kulturamt Frankfurt am Main und das Literaturhaus Frankfurt in Kooperation mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der den Preis vergibt, die Autoren der Shortlist des Deutschen Buchpreises vor der Preisverleihung Mitte Oktober. Fünf der sechs Finalisten, die in diesem Jahr in der Endauswahl für den besten Roman in deutscher Sprache stehen, werden am 1. Oktober im Literaturhaus in Lesungen und Gesprächen vorgestellt. Der sechste Nominierte, Bodo Kirchhoff, kann an diesem Abend nicht in Frankfurt sein, feiert aber am 5. Oktober Buchpremiere im Literaturhaus Frankfurt. Der „Shortlist-Abend“ ist für das Frankfurter Publikum die einmalige Chance, die Nominierten des Deutschen Buchpreises vorab zu erleben. Die Moderationen übernehmen Sandra Kegel, Gert Scobel und Alf Mentzer. hr2-kultur bleibt auch im neunten Jahr Medienpartner und sendet Ausschnitte der Veranstaltung ab 10. Oktober.

Der Abend:

  • 18.00 h Begrüßung: Hauke Hückstädt, 
    Dr. Ina Hartwig, Alexander Skipis
  • 18.15 h André Kubiczek: Skizze eines Sommers
    Moderation: Gert Scobel, 3sat
  • 18.45 h Reinhard Kaiser-Mühlecker: Fremde Seele, dunkler Wald
    Moderation: Sandra Kegel, F.A.Z.
  • 19.15 h Philipp Winkler: Hool
    Moderation: Alf Mentzer, hr2-kultur
  • 19.45 h PAUSE
  • 20.15 h Eva Schmidt: Ein langes Jahr
    Moderation: Gert Scobel, 3sat
  • 20.45 h Thomas Melle: Die Welt im Rücken
    Moderation: Sandra Kegel, F.A.Z.

Eintritt in der Pause möglich. Karten (12/8 €), erhältlich ab 23.09.2016  (14 h) unter literaturhaus-frankfurt.de