Kategorie-Archiv: 200 Jahre Senckenberg Naturmuseum

Das Beste aus 40 Mio. Sammlungsstücken – jetzt in der Sonderausstellung Faszination Vielfalt im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt

Eine Auswahl aus 40 Millionen Sammlungsstücken jetzt zu sehen auf einen Blick: In 15 Metern Länge und 4 Metern Höhe präsentiert die Jubiläumsausstellung 1.138 biologische und geologische Objekte in einer riesigen Wandvitrine: vom winzigen Käfer über faszinierende Fossilien, schillernde Vögel und glitzernde Minerale bis hin zum stattlichen Okapi-Bullen. Foto: Diether v. Goddenthow
Eine Auswahl aus 40 Millionen Sammlungsstücken jetzt zu sehen auf einen Blick: In 15 Metern Länge und 4 Metern Höhe präsentiert die Jubiläumsausstellung 1.138 biologische und geologische Objekte in einer riesigen Wandvitrine: vom winzigen Käfer über faszinierende Fossilien, schillernde Vögel und glitzernde Minerale bis hin zum stattlichen Okapi-Bullen. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Ausstellung „Faszination Vielfalt“ im Wolfgang-Steubing-Saal, 2. OG, des Senckenberg-Museums läuft bis zum 5. August 2018.

Steinzeitliche  Mammut-Skulptur in Talisman-Größe lässt als Besitzer auf Nomaden schließen. Die Tübinger Senckenberg-Kollegen, so Mosbrugger, seien stolz, dass diese erste menschliche 3D-Kunstwerk von der Schwäbischen Alb stamme.Foto: Diether v. Goddenthow
Steinzeitliche Mammut-Skulptur in Talisman-Größe lässt als Besitzer auf Nomaden schließen. Die Tübinger Senckenberg-Kollegen, so Mosbrugger, seien stolz, dass diese erste menschliche 3D-Kunstwerk von der Schwäbischen Alb stamme.Foto: Diether v. Goddenthow

„Das ist ein kleines Mammut. Es gehört zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit und ist zirka 35.000 Jahre alt“, ist Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger ganz fasziniert von seinem Lieblingsobjekt. Es ist eines unter den 1.138 biologischen und geologischen Objekten, die es seit gestern in der Sonderausstellung „Faszination Vielfalt“ hinter einer Glasfront mit Wunderkammer-Flair zu entdecken gilt.

Vom ausgestopftenTiger bis zum Pferdeschwamm ziehen die Objekte Betrachter in ihren Bann. Foto: Diether v. Goddenthow
Vom ausgestopftenTiger bis zum Pferdeschwamm ziehen die Objekte Betrachter in ihren Bann. Foto: Diether v. Goddenthow

Vom großen Tiger, stattlichem Okapi-Bullen und großem Mammutzahn, über präparierte Vögel, Schädelknochen und Walgebiss bis hin zu Seeigel, faszinierenden Fossilien, gepressten Sandnelken, Mineralien, Ammoniten und in Formalin eingelegten Krabben präsentiert die 15 Meter lange und 4 Meter hohe Wandvitrine dicht an dicht eine Spitzenauswahl aus 40 Millionen Sammlungsobjekten der 200jährigen Forschungsgeschichte der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und ihrer bundesweiten Dependancen. Das erklärte Ziel, nämlich Besuchern auf einen Blick zu zeigen, „was Senckenberg eigentlich ist und macht!“, ist mit der beindruckenden, ästhetisch gelungen Wandpräsentation hervorragend gelungen: Gezeigt wird die Vielfalt der Natur, so wie Wissenschaftler die Dinge in der Natur vorfinden, und wie sehr dass alles– so verschieden es zunächst auch erscheinen mag – miteinander verbunden ist. „Es war uns ein Anliegen, im Jubiläumsjahr eine Ausstellung zu zeigen, die unsere Besucher mit der Schönheit und der Vielfalt der Natur fasziniert. Zugleich illustrieren wir damit die zentrale Herausforderung der Naturforschung, nicht nur die einzelnen Objekte zu verstehen, sondern Zusammenhänge zu erkennen und die Vielfalt in ihrer Bedeutung für den Menschen zu begreifen“, erklärt Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger. „Unser Forschungsziel ist es, die Natur in ihrer ganzen Komplexität zu erfassen, um sie zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Die wissenschaftlichen Sammlungen bilden dabei die elementare Grundlage unserer Forschung.“

v.l.n.r.: Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Dr. Thorolf Müller, Kurator der Ausstellung,Sebastian Oschatz, Geschäftsführer der Firma MESO Digital Interiors. Foto: Diether v. Goddenthow
v.l.n.r.: Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Dr. Thorolf Müller, Kurator der Ausstellung,Sebastian Oschatz, Geschäftsführer der Firma MESO Digital Interiors. Foto: Diether v. Goddenthow

In dieser Wand seien im Prinzip alle Forschungs-Komponenten von Senckenberg aus der unbelebten und aus der belebten Natur, der so genannten Geobiodiversitätsforschung, zusammengetragen, erläutert Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums. „Wir haben jahrelang nach Möglichkeiten gesucht, um dieses Thema noch anders zu vermitteln als wissenschaftlich „trocken“ über Publikationen oder Veröffentlichungen über einzelne Forschungsergebnisse.

In der Ausstellung "Faszination Vielfalt" begegnen sich dicht an dicht Tiere, Fossilien und Pflanzen aus unterschiedlichen Lebensräumen und Zeitscheiben. Foto: Diether v. Goddenthow
In der Ausstellung „Faszination Vielfalt“ begegnen sich dicht an dicht Tiere, Fossilien und Pflanzen aus unterschiedlichen Lebensräumen und Zeitscheiben. Foto: Diether v. Goddenthow

Wir wollten auch die andere Gehirnhälfte anregen, nämlich einen persönlichen Zugang zur Natur, den emotionalen Zugang, den ästhetischen Zugang ermöglichen, auch für Wissenschaftler, so Böhning-Gaese. So habe sie die Wand-Vitrine jetzt auch in eine Wissenschafts-Tagung integriert unter dem Motto „Humboldt“, das für analytischen Zugang zur Natur stünde: Denn die Wand-Vitrine „bietet im Prinzip jedem Einzelnen von uns den persönlichen Zugang zur Natur“, so Böhning-Gaese.

Der Doppelhornvogel gilt in Südostasien als Gärtner des Waldes, da er im Umkreis bis zu 10 km Samen fallen lässt. Foto: Diether v. Goddenthow
Der Doppelhornvogel gilt in Südostasien als Gärtner des Waldes, da er im Umkreis bis zu 10 km Samen fallen lässt. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Biologin und leidenschaftliche Vogelkundlerin erzählt begeistert, wie ein Kollege, als er die Wand sah, sofort auf die Steine zugeschossen sei, und ihr voller Begeisterung über seine damit zusammenhängenden Forschungsobjekte erzählt habe. Sie wiederum sei auf die biologischen Objekte, vor allem auf „ihre“ Vögel zugesteuert, und habe ihm dann geschildert, „welche Rolle Vögel in meiner Forschung spielen. Das heißt: das hat erstmal uns Wissenschaftler zusammengebracht. Wir haben uns gegenseitig etwas über die Forschungsergebnisse erzählt“, so Vogelkundlerin Böhning-Gaese. Sie glaubt, dass diese zusätzliche emotionale Art des Herangehens Wissenschaftlern durchaus auch neue Perspektiven eröffne und „uns“ bei der Integration verschiedener Disziplinen helfe. Denn „die“ Biologen verstünden „die“ Geologen nicht wirklich und umgekehrt, was aber über die an der Wand-Vitrine emotional ausgelösten und sich gegenseitig mitgeteilten „Geschichten“ überbrückt werden könne. „Wir haben festgestellt, dass die Wand uns zusammenbringt!“.

Sammlungsstücke aus 200 Jahren Senckenberg-Forschung. Alles gehört mit allem zusammen. Foto: Diether v. Goddenthow
Weitere Sammlungsstücke aus 200 Jahren Senckenberg-Forschung. Alles gehört mit allem zusammen. Foto: Diether v. Goddenthow

Jedes der 1138 Objekte erzähle Geschichten, so Böhning-Gaese. Nach ihrem Lieblingsobjekt befragt, zeigt sie auf „ihren“ Doppelhornvogel und gerät gleich ins Erzählen: Der ist nicht nur schön. Er sei ein regelrechter „Samenausbreiter“, ein toller Vogel, er lebe in Südostasien. „Die Vögel fressen Früchte, verschlucken die Samen und fliegen dann durch die Landschaft und lassen die Samen irgendwo wieder fallen. Doppelhornvögel sind absolut essentielle Gärtner des Waldes: Sie tragen den Samen von einem Wald zum anderen“, verteilten ihn quer durch die Landschaft bis in einem Umkreis von 10 Kilometern, und spielten so für die Funktion des Ökosystems eine wichtige Rolle, erläutert die Vogelkundlerin und demonstriert zugleich an sich selbst, was mit „emotionalem Zugang“ gemeint ist.

Dr. Thorolf Müller, Kurator der Ausstellung, hat für die Ausstattung der Wandvitrine eng mit den Kuratoren der Senckenberg-Sammlungen an elf Standorten zusammengearbeitet. Der Mammutzahn ist zentnerschwer, und so summiert sich das Gesamt-Gewicht der Wandvitrine auf rund acht Tonnen, wovon drei allein die Glasfront von 15 Metern wiegt. Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Thorolf Müller, Kurator der Ausstellung, hat für die Ausstattung der Wandvitrine eng mit den Kuratoren der Senckenberg-Sammlungen an elf Standorten zusammengearbeitet. Der Mammutzahn ist zentnerschwer, und so summiert sich das Gesamt-Gewicht der Wandvitrine auf rund acht Tonnen, wovon drei allein die Glasfront von 15 Metern wiegt. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Wand-Vitrine bringe die Leute auch sonst zusammen, so Böhning-Gaese. Jeder erkenne ein oder mehrere Objekte in der Wand wieder, staune oder rede automatisch darüber. „Die Objekte bestechen zunächst einmal durch ihren enormen Schauwert“, beschreibt Dr. Thorolf Müller, Ausstellungs-Kurator, die Ausstellung. Um die insgesamt beinahe acht Tonnen schwere Wandvitrine mit dieser exzellenten, exemplarisch für die verschiedenen Forschungs- und Sammlungsbereiche stehenden Exponate bestücken zu können, musste Müller eng mit den Kuratoren der Senckenberg-Sammlungen an elf Standorten zusammengearbeitet. Jedes Institut hat Objekte zur Ausstellung beigetragen – vom springenden Tiger aus Dresden, über die Gottesanbeterin aus Müncheberg, Manganknollen aus Wilhelmshaven, einen Faustkeil aus Tübingen bis hin zur Strandgras-Nelke aus Görlitz. „Wir haben uns entschieden, sie weder systematisch zu sortieren noch Beschriftungen einzusetzen. Stattdessen haben wir eine zweite, digitale Ebene eingerichtet, die es dem Betrachter ermöglicht, tiefer in die Thematik einzusteigen und mehr über die einzelnen Objekte, ihre Vernetzungen untereinander und über die Forschung dahinter zu erfahren“, erklärt Müller das Konzept der Ausstellung.

Sebastian Oschatz demonstriert vor der Presse die Funktionsweise der per Touchscreen bedienbaren digitalen Stationen zur Erkundung der Objekte. Foto: Diether v. Goddenthow
Sebastian Oschatz demonstriert vor der Presse die Funktionsweise der per Touchscreen bedienbaren digitalen Stationen zur Erkundung der Objekte. Foto: Diether v. Goddenthow

Entwickelt wurden die beiden digitalen Recherche-Stationen sowie eine große digitale Spielplattform von der Firma MESO Digital Interiors. Deren Geschäftsführer Sebastian Oschatz erläutert, wie Besucher über zwei Tisch-Monitore, auf denen alle Objekte der Wand-Vitrine nochmal im Schattenriss abgebildet sind, per „Touchscreen“ gezielt ansteuern und Hintergrundinformationen und Zusammenhänge abfragen können. Die Ergebnisse der Abfrage werden jeweils separat auf einem zweiten Bildschirm gezeigt. Hierfür wurden sämtliche ausgestellten Objekte durchfotografiert. Die Spielstation bietet eine Art Forscher-Quizspiel, womit Gruppen aus Familien, Kinder- und Jugendlichen sich mit Hilfe einer digitalen Landkarte bestimmte Forschungsaufträge erteilen und somit spielerisch ihr Wissen über die Exponate der Wand-Vitrine ausprobieren und erweitern können.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

„Faszination Vielfalt“ kann nur in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden. Kombitickets: 10 Euro für Erwachsene, 5 Euro für Kinder und Jugendliche (6 – 15 Jahre) sowie 25 Euro für Familien (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder).

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

U-Bahnstation: „Bockenheimer Warte (Senckenbergmuseum)“ eingeweiht

Die Senckenberg-Bahn. © Senckenberg/Jördens
Die Senckenberg-Bahn. © Senckenberg/Jördens

Frankfurt, den 14.09.2017. Heute wurde die umgetaufte Station „Bockenheimer Warte (Senckenbergmuseum)“ durch Oberbürgermeister Peter Feldmann gemeinsam mit Verkehrsdezernent Klaus Oesterling, VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott, Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger und Senckenberg-Präsidentin Dr. hc. Beate Heraeus eingeweiht. Die Umbenennung ist ein Geschenk der Stadt Frankfurt anlässlich des 200jährigen Jubiläums der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Neu vorgestellt wurde zudem eine Senckenberg-U-Bahn, die im Rahmen einer langfristigen Kooperation mit der VGF mit bunten Senckenberg-Motiven gestaltet wurde und nun mehrere Jahre durch das Frankfurter Stadtgebiet fährt.  Weiter unter „Bahn frei für Senckenberg!“

„Nie war die Zukunft besser als heute“ – Senckenberg-Festakt zum 200. Geburtstag „GRENZENLOS“ gefeiert!

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Schon seit Jahresbeginn feiert die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung (SGN), im Jahr 1817 von Frankfurter Bürgern im Geiste der Aufklärung gegründet, an allen 11 Standorten und drei Museen ihr Jubiläum  zum 200jährigen Bestehen unter dem Motto „Senckenberg forscht für IHR Leben gern“ mit verschiedenen Sonderausstellungen und Veranstaltungen. Ein weiterer Höhepunkt dabei war am 18. August 2017 der glanzvolle Jubiläumsfestakt „GRENZENLOS. Woher wir kommen und wohin unsere Reise geht“ im Bockenheimer Depot Frankfurt mit über 400 geladenen Gästen aus Politik, Wissenschaft und Kultur.

 

v.li.: Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt a. Main, Professorin Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung,Volker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident und Schirmherr der Veranstaltung, Professor Dr. Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Dr. h.c. Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Professor Dr. Harald Lesch, ZDF-Wissenschafts-Moderator, Buchautor und Festredner bei der Senckenberg-Jubiläumsfeier zum 200. Geburtstag im Bockenheimer Depot Frankfurt am 18.08.2017. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
v.li.: Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt a. Main, Professorin Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung,Volker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident und Schirmherr der Veranstaltung, Professor Dr. Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Dr. h.c. Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Professor Dr. Harald Lesch, ZDF-Wissenschafts-Moderator, Buchautor und Festredner bei der Senckenberg-Jubiläumsfeier zum 200. Geburtstag im Bockenheimer Depot Frankfurt am 18.08.2017. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Über 100 – darunter etliche prominente – Mitwirkende boten mit Musik, Film, Tanz, Science Slam, Reden und Appellen zur Bewahrung der Schöpfung in  vier Akten, „Mensch – Erde – Kosmos – Zukunft“, spannende Einblicke in die tägliche GRENZENLOSE Arbeit der Senckenberg-Forschung mit 850 Mitarbeitern in mehr als 150 Ländern: von der Tiefsee bis zur Erforschung von Meteoriten, von der Entstehung des Menschen bis zu Zukunftsszenarien für unseren Planeten. „Früher ging es bei der Naturforschung um das reine Entdecken. Heute möchten wir die Natur in ihrer ganzen Komplexität verstehen, um sie zu erhalten und nachhaltig zu nutzen – zu unser aller Wohlergehen. Um das System Erde zu erforschen, denken wir nicht in einzelnen naturwissenschaftlichen Disziplinen, sondern betreiben eine moderne Geobiodiversitätsforschung“, so Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Senckenberg-Generaldirektor zu den Zielen und Aufgaben der SGN bei seiner gemeinsamen Begrüßung mit Dr. h.c. Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Zu den Gratulanten zählten der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, die Bundesministerin für Bildung und Forschung Prof. Dr. Johanna Wanka, Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner und weitere namhafte Persönlichkeiten.

Science Slam „Von Eduard Rüppeli bis Sebastian Lotzkat – über Echsen und andere Wunder“

Dr. Sebastian Lotzkat  Senckenberg-Wissenschaftler und namhafter Reptilienforscher. Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Sebastian Lotzkat Senckenberg-Wissenschaftler und namhafter Reptilienforscher. Foto: Diether v. Goddenthow

Mit seinem grandiosen Science Slam „Von Eduard Rüppeli bis Sebastian Lotzkat – über Echsen und andere Wunder“  läutete der Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Sebastian Lotzkat  den Veranstaltungsreigen des Abends ein. In unglaublicher Sprechgeschwindigkeit, schaffte Lotzkat seine Reptilienforschung humorvoll und auf eine so fantastische Weise laienverständlich herunter zu brechen, dass anschließend der Hessische Ministerpräsident und Schirmherr der Veranstaltung Volker Bouffier ihm „ganz großes Kino“ zurief und bekannte: „Ich gestehe freimütig, so was wie eben habe ich noch nie erlebt“

Volker Bouffier „Es geht um eine Welt, in der die Menschen gerne und gut leben“

Volker Bouffier, Hessische Ministerpräsident und Schirmherr der Veranstaltung. Foto: Diether v. Goddenthow
Volker Bouffier, Hessische Ministerpräsident und Schirmherr der Veranstaltung. Foto: Diether v. Goddenthow

Senckenberg, so der Hessische Ministerpräsident weiter, sei „ trotz seiner 200 Jahre wahrlich kein alter Verein. “Senckenberg, das ist eine Gesellschaft, die hier in Frankfurt ihre Heimat hat, und die auf der ganzen Welt forscht, die exzellent ist, und die auf ihre Leistung sehr stolz sein kann“, so der Hessische Ministerpräsident. In bester Bürgertradition dieser Stadt, haben damals 32 Bürger die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung gegründet. „Und die Satzung, die auch heute noch gilt, sieht vor, Naturforschung zu betreiben, Sammlungen anzulegen und zu betreiben und der Öffentlichkeit Erkenntnisse zu vermitteln. Das ist heute so modern wie es damals revolutionär war“, so Volker Bouffier. Und diese Kombination, die er besonders wichtig fände, „sie ist geglückt. Diese Kombination aus Forschung und Museum, das ist ein Erfolgsprodukt.“, so der Hessische Ministerpräsident. Aber im Kern ginge es eigentlich um viel mehr, immer um das Gleiche, so Volker Bouffier: nämlich, wie wir  es erreichen könnten, „dass wir in der Welt von Morgen eine Gesellschaft haben, eine Erde haben, in der wir unseren Wohlstand erhalten, in der wir in der Lage sind, viele Menschen, die heute hungern, gesund zu ernähren, in der wir in der Lage sind, die Probleme der Übervölkerung bestimmter Bereiche in den Griff zu kriegen, in der wir eine Lösung finden, dass nicht ohne Rücksicht auf Verluste Naturschätze abgebaut werden, in der wir eine Lösung finden, in der diese Welt sozusagen auch Morgen noch eine Welt ist, in der die Menschen gerne und gut leben!“

Ob es um den Klimaschutz oder um die Fragen der riesigen Mega-Cities ginge, ob es um die Frage der weltweiten Wanderungsbewegungen oder um die Überfischung der Meere ginge und um Vieles andere: All das seien Fragen,  denen wir nicht ausweichen könnten, zu deren „Lösung“ wir heute exzellente Wissenschaft betrieben, und genau da setze Senckenberg an: „Diese Kombination aus exzellenter Forschung und Relevanz! In der öffentlichen Debatte Dinge zu erkennen, zu erklären, sie manchmal erst einmal bewusst zu machen, und Anstöße zur Lösung zu geben, darum geht es!“, lobte Volker Bouffier, der versicherte, dass das Land Hessen auch in Zukunft ein treuer, fester Partner der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung sein werde und dies mit dem Geburtstagsgeschenk, einer Ehrentafel aus Höchster Porzellan mit Hessenlöwen als Symbol für Mut und Stärke, unterstrich.

Volker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident überreicht Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und  Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung die Ehrentafel des Landes Hessens aus Höchster Porzellan mit dem Hessenlöwen als Symbol für Mut und Stärke. Foto: Diether v. Goddenthow
Volker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident überreicht Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung die Ehrentafel des Landes Hessens aus Höchster Porzellan mit dem Hessenlöwen als Symbol für Mut und Stärke. Foto: Diether v. Goddenthow

 

Professor Dr. Andreas Mulch im Gespräch über die „Erde“ mit ZDF-Moderator Eric Mayer

In der folgenden Zeitreise in die Vergangenheit, quasi durch die 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte, rückten Klima- und Biodiversitätsforscher Professor Dr. Andreas Mulch, stellvertretender Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und ZDF-Moderator Eric Mayer die Bedeutung des Wassers in den Mittelpunkt. Das Nass der Erde sei auch ein Schatz für die Wissenschaft, da mit Hilfe von Massenspektrometern Wasser auch viel darüber verraten könne, was früher auf der Erde so los war. Verkürzt gesprochen, so Professor Mulch „wisse“ der Regentropfen, der in Frankfurt fiele oder am Amazonas oder auf dem Mount Everest, wo er herkäme. Das sei keine Esoterik, sondern folge den  ganz banalen Gesetzen der Physik, die dahinter steckten. Die Moleküle, die den Wassertropfen aufbauen, wüssten, ob sie nah oder weit weg vom Ozean gefallen seien. Da entstünden systematische Zusammenhänge,“ ob es viel oder wenig regnet, ob es warm oder kalt ist, wenn der Regentropfen sich aus der Wolke bildet. Und diese Spur können wir heute ganz gut nutzen, um zu verstehen, wie die Erde aussieht, aber viel spannender ist, zu wissen, wie die Erde vielleicht vor 50 Millionen Jahren aussah.“

vli.: Professor Dr. Andreas Mulch im Gespräch über die „Erde“ mit ZDF-Moderator Eric Mayer. Foto: Diether v. Goddenthow
vli.: Professor Dr. Andreas Mulch im Gespräch über die „Erde“ mit ZDF-Moderator Eric Mayer. Foto: Diether v. Goddenthow

„Was kann diese Forschung, wie sie da machen, für uns Menschen heute bringen? Was bedeutet das für uns jetzt und auch in der Zukunft?“, hakte Eric Mayer nach: Mulch: „Uns beschäftigt, wie verschiedene Rädchen des Systems Erde ineinander greifen. Die Biowissenschaften und die Geowissenschaften zusammen erlauben uns  Dinge zu sehen, die wir, wenn wir sehr disziplinär arbeiten würden, nicht mehr entdecken würden. Wir Menschen merken heute auch: Die ‚Bettdecke‘ wird von vielen Seiten gezogen. Es ist nicht so, wenn ich an der einen Seite ziehe, ändert sich da ein bisschen was (…) das System, geht als Ganzes in Schwingung, wenn man so will“.
Auf Mayers weitere Frage hin, wie es denn im Moment der Erde ginge, empfahl Mulch, nicht nur ihn zu fragen, sondern sich auch mal bei einer Schlange, einem Elefanten oder einem Bodenpilz zu erkundigen: Es ginge typischerweise bei uns „nur um das eine nervige Kind in der Klasse: den Menschen“, so Mulch. „Der Erde geht’s grundsätzlich gut. Das nervige Kind allerdings geht sich eigentlich selbst am meisten auf die Nerven, und macht das Leben durchaus anstrengend. Ich glaube, es ist ein wichtiger Punkt zu sehen“, so Mulch, „dass wir mit der für uns wichtigsten Ressource, mit unserer Umwelt, die uns glücklich macht,  die uns ganz, ganz viel gibt, auch eine große Verantwortung übernehmen und eigentlich die ‚einfachste‘ Aufgabe schlichthin haben: Nämlich auf uns selber aufzupassen, und komischerweise fällt uns das ganz schön schwer. Der Erde geht’s gut, und der Mensch kann eigentlich daran teilhaben, wenn er’s klug macht!“

Für die Zukunft wünsche sich Mulch, dass wir von der Natur Nachhaltigkeit  lernten, von deren zahlreichen doppelten Böden und gespannten Netzen der Nachhaltigkeit, „die die Natur eigentlich in ihrem System drin hat“. Wenn wir mehr Nachhaltigkeit hinkriegen, in dem, was wir mit dem Planet machen, dann geht’s uns auch gut!“, ist sich der Klima- und Biodiversitätsforscher relativ sicher

Prof. Dr. Johanna Wanka „Mehr Meinungsführerschaft für Senckenberg“

Professorin Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. Bundesministerin für Bildung und Forschung. Foto: Diether v. Goddenthow
Professorin Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung. Bundesministerin für Bildung und Forschung. Foto: Diether v. Goddenthow

Die  Bundesministerin für Bildung und Forschung, Professorin Dr. Johanna Wanka, betonte, dass das komplexe System Erde nur ganzheitlich untersucht werden könne, um zu schauen, dass man nicht, was sehr oft in den letzten Jahren passiert sei, an der einen Stelle etwas repariere und verändere und damit einen großen Schaden an anderer Stelle anrichte. Daher sei vorbildlich „die ganzheitliche Betrachtungsweise und Möglichkeit, die man im Senckenberg hat, dass man einerseits Grenzen überwindet, dass man in Grenzbereichen forscht und dass man auch Grenzen setzt, auch für Beratung für Politik, für das, was wir machen können und was wir machen sollen.“ Es sei ganz selbstverständlich „für unsere Forschungslandschaft in Deutschland, die weltoffen ist, dass wir dabei nationale Grenzen überwinden.“, so die Bundesministerin.

Senckenberg habe mit 40 Millionen Sammlungsobjekten die fünftgrößte naturwissenschaftliche Sammlung, die es auf der Welt gibt, und auch das sei ein Grund, stolz zu sein, so Wanka. Besonders interessiere sie auch, dass „wir aus der guten Grundlagenforschung auch anwendungsorientierte Dinge machen“, unterstrich die Bundesministerin und lobte als ein großartiges Beispiel dafür, „dass  Senckenberg in Kombination mit anderen einen Schnelltest für das Erkennen von Schlangengiften gefunden habe, „so dass man, wenn ich mal von einer Schlange gebissen wurde, in 20 Minuten sagen kann, welche Schlangenart das ist, und die entsprechenden Gegenmittel, so vorhanden, eingesetzt werden können“.

Wichtig sei ihr auch, so Wanka, dass „man Menschen erreichen muss“, damit sie Forschung und Wissenschaft besser verstehen und ihre Bedeutung für unser alltägliches Leben erkennen können. Beeindruckt zeigte sich die Bundesministerin vor allem auch von „Besonderheit an Senckenberg“, dass „das 200 Jahre lang funktioniert hat, dass es nicht nur die ersten waren, die den Anstoß gegeben haben, sondern dass es immer Menschen waren, und das wir jetzt über 7000 haben, die sich sozusagen engagieren. Das ist großartig!“, so die Bundesministerin, die sich für Senckenberg wünschte, zukünftig vielleicht noch ein bisschen stärker in vielen Forschungsverbünden  die Meinungsführerschaft zu übernehmen.

Professor Dr. Ing. Matthias Kleiner „Paradebeispiel für eine Leibniz-Einrichtung“

Professor Dr. Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Foto: Diether v. Goddenthow
Professor Dr. Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Foto: Diether v. Goddenthow

Professor Dr. Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft nannte die  Senckenberg-Naturforschung „ein Paradebeispiel für eine Leibniz-Einrichtung“, eine der größten überhaupt „innerhalb einer Gemeinschaft von 91 Instituten, die von Bund und Ländern zusammen zirka 1,4 Mrd. Euro bekommen, um diese so beeindruckende und wunderbare Forschung zu machen.“ Hinzu kämen noch  eine halbe Milliarde Drittmittel, Eintrittsgelder, Spenden, was das Volumen der Leibniz-Gemeinschaft ausmache. Die 40 Millionen Sammlungsstücke bei Senckenberg seien etwa ein Drittel der Sammlungen, die insgesamt in den 8 Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft vorhanden seien, „die auch, das muss ich sagen“, so der Leibniz-Präsident,“ auch ein wenig Grund zur Sorge sind. Denn es gilt natürlich, diese Sammlungen zu bewahren, zu schützen, weiterzuentwickeln und auch zukunftsfähig zu machen, zum Beispiel durch die Digitalisierung, um sie dann auch den Forscherinnen und Forschern weltweit zugänglich zu machen, und hier glaube ich, müssen wir noch zulegen, müssen wir das als nationale Aufgabe aller Akteure begreifen.“, so Kleiner. Eine weitere Komponente wäre das Vermitteln, das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Wissenschaft ganz eng zu gestalten im Sinne einer Educated Society. Hier zur Bildung mitzuhelfen, dafür stünden – neben allen anderen Instituten der Leibniz-Gemeinschaft – natürlich insbesondere die für diese Bildungsvermittlung privilegierten Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft, so Kleiner, der Senckenberg und allen an dem Erfolg Beteiligten zu 200 Jahren „wunderbarer Entwicklung“ dankte, und betonte: „dass wir sehr stolz sind, Sie in unserer Gemeinschaft zu wissen, und wir alles tun werden, um Ihre Entwicklung Ihre Zukunft weiter abzusichern“.

 

Dresden Frankfurt Dance Company tanzt "Kosmos Stress Dance" nach einer packenden Inszenierung aus dem Werk von Moto Perpetuo. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Dresden Frankfurt Dance Company tanzt „Kosmos Stress Dance“ nach einer packenden Inszenierung aus dem Werk von Moto Perpetuo. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Der Kosmos im „Stress Dance“, eine Verflechtung von Kunst und Kultur mit Wissenschaft, faszinierte das Publikum. Es  ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen Senckenberg und der Dresden Frankfurt Dance Company. Unter künstlerischer Leitung des international renommierten Choreograf Jacopo Godani  zeigten die Tänzerinnen und Tänzer eine einzigartig packende Inszenierung aus dem Werk von Moto Perpetuo mit neoklassischer Grundsubstanz, die klassische Balletttechnik zu einem neuzeitlichen, künstlerischen Tanztheater entwickelt.

Festvortrag Prof. Dr. Harald Lesch

Prof. Dr. Harald Lesch, ZDF-Wissenschafts-Moderator, Buchautor und Bayerisches Klima-Ratsmitglied. Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Harald Lesch, ZDF-Wissenschafts-Moderator, Buchautor und Bayerisches Klima-Ratsmitglied. Foto: Diether v. Goddenthow

„Hilft und der Kosmos aus der Klemme?“, war Thema des Festvortrages, welches ZDF-Wissenschafts-Moderator, Buchautor und Klima-Ratsmitglied Professor Dr. Harald Lesch in Form einer pointiert inszenierten Rede gekonnt ironisch abarbeitete, wobei es im Kern um Ernstes ging, nämlich um nichts Geringeres, als um des Menschen Ehrfurcht vor dem Planeten Erde: „dessen Herkunft alleine schon eine Predigt wäre, wenn man darüber reden würde, wenn man darüber reden dürfte, wenn man darüber so predigen dürfte, wie man es eigentlich müsste, als Wissenschaftler.“, so Lesch, der keinen Zweifel daran ließ, dass seine Geschichte der Genesis wohl ein wenig anders ausfiele. „Was glauben Sie, was alles notwendig war, um diesen Planeten, diesen kleinen Winz-Planeten, diesen kleinen grauen Planeten mit diesem Sonnensystem hinzukriegen.
Es sei ein wahres Wunder, dass es uns überhaupt gibt: „Dass wir da sind, verdanken wir einer unglaublichen Stille in der Milchstrasse“, so der Wissenschafts-Autor, denn „überall knallt‘s, donnert’s, explodiert’s, setzt‘s frei usw. Nur bei uns ist alles gut. „Man sollte meinen“, so Lesch „dass dieses Denken inzwischen ein wenig global verteilt wäre, oder zumindest in den Ländern schon so weit nicht nur im Großhirn hängengeblieben ist, sondern irgendwo im Stammhirn angesammelt ist, dass wir wissen, welchen Respekt, welche Ehrfurcht wir der Natur entgegenzubringen haben, einem Universum, das sich so viel Arbeit gemacht hat. Und stattdessen ist unser empfindlichstes Organ das Portemonnaie.“ hielt Lesch uns den Spiegel vor.

Unser Planet böte uns allen eine unglaublich lebensfreundliche Grundlage für unser tägliches und auch mächtiges Leben,  für unser Hiersein, für unser Sosein. „Für unser Hiersein können wir nichts, für unser Dasein können wir was. Und wie wir sind, dafür können wir auch etwas.“ Und all die Wissenschaft vom Kosmos erzähle uns letztlich nur, „dass dieser Platz, dieser Planet, eine ganz außerordentliche Variante eines Modells ist, das es im Universum gar nicht so oft gibt.“ Wir fänden viele Planeten-Systeme,“ aber die sehen ganz anders aus als das, was unser Heimatsystem ist“. Und dieser eine habe sogar innerhalb des Sonnensystems eine ganz besonders herausgehobene Stellung, da es über einen besonderen Stoff, nämlich Wasser, verfüge.

„Wasser, die anderen Planeten haben keins. Vielleicht hatten sie mal eins, aber die Erde hat Wasser. Er verfügt über den richtigen Abstand, es ist nicht zu warm, es ist nicht zu kalt, und seit einigen Jahrhunderttausenden verfügt dieser Planet über eine Spezies, die diesen Planeten so stark verändert hat, dass man fast von einem sozialen Meteoriteneinschlag reden kann. Ja, ja, die Schäden, die wir angerichtet haben, haben inzwischen dieses Ausmaß erreicht. Und wenn wir nicht aufpassen, dann nun ja ??? –  wie es weiter wird, das werden wir ja dann sehen“ so Lesch, der „aus dem Vogelsberg“ kommt, und sich immer wieder gern daran erinnerte, welch eine große Reise es einst „für uns war,  wenn es mit der Schule ins Senckenberg-Museum ging“.
Für ihn sei es eine Riesengeschichte gewesen, vor den Sauriern zu stehen und im Museum zu sein, welches ihn „unglaublich beeindruckt und beeinflusst“ habe. Zudem freue er sich, dass die freie Rede, wie sie einige der Vortragenden heute Abend hervorragend praktiziert haben, noch nicht ausgestorben sei.

Auch heute noch, wie zu Leschs Schulzeiten: Zuschauermagnet „Diplodocus longus“ im Sauriersaal, dessen Originalskelett 1906 dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geschenkt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Auch heute noch, wie zu Leschs Schulzeiten: Zuschauermagnet „Diplodocus longus“ im Sauriersaal, dessen Originalskelett 1906 dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geschenkt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Etwas  augenzwinkernd resümierte Festredner  Lesch: „So eine Veranstaltung wie heute Abend, das ist eine konspirative Versammlung! Ist Ihnen das klar? Hier sind lauter Menschen, die sich der Vernunft verantwortlich fühlen, dem Diskurs, dem rationalen Diskurs! In Zeiten, wo es Idioten gibt, die auch noch zum Präsidenten gewählt werden, kann man solch Veranstaltungen gar nicht hoch genug bewerten!“

Senckenberg-Chor „Earth-Song“

Senckenberg-Chor singt das Lied der Erde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Senckenberg-Chor singt das Lied der Erde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Mit Michael Jacksons „Earth Song“ untermauerte der Senckenberg-Chor unter Leitung von Malte Bechtold den Appell zu mehr Ehrfurcht vor dem wunderbaren Planeten Erde, der während des Songs im Bühnenhintergrund aufging.

Eine“ Medizin der Erde“ – „Nie war die Zukunft besser als heute!“

Vordenker Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, mit seiner Vision einer "Medizin der Erde". Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Vordenker Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, mit seiner Vision einer „Medizin der Erde“. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Abschließend entwarf Professor Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seine Vision von einer „Medizin der Erde“, mit der es vielleicht ermöglicht werde, die Zukunft unseres Planeten anders, nämlich verträglicher  zu gestalten, als das, was wir in den vergangenen 200 Jahren mit unserer Erde gemacht haben.
Bei allen fortschrittsbedingten Umweltsünden in den letzten 100 bis 200 Jahren haben wir, so Mosbrugger, aber auch „unendlich viel Positives geschaffen“, „und zwar ganz wesentlich durch Fortschritte in der Wissenschaft“.  Die „Vernunft“ habe nicht per se abgenommen, sondern „über die letzten 200 Jahre schon eher zugenommen“. Und denken Sie an die vielen Erleichterungen, die wir heute alle haben: Waschmaschinen, Autos, Smartphones –  die braucht man vielleicht nicht –  trotzdem haben wir das Gefühl, dass das Leben irgendwie angenehmer damit sei. Keiner von uns möchte eigentlich in irgendeiner früheren Zeit leben –  auch nicht zur Zeit des Neandertalers, wo ja vielleicht immer alles“ so natürlich und harmonisch“ war. Keiner von uns möchte eigentlich da zurück!, analysierte der Generaldirektor unser Dilemma: „einerseits natürlich Fortschritt haben zu wollen“, und dabei andererseits „damit unendlich viele Lebensgrundlagen für uns, die Natur, eigentlich zu zerstören“. Daher müssten wir schon fragen, „wo kann da eigentlich zukünftig die Lösung liegen“. Gibt es heute  überhaupt noch einen Ausweg. Schon Karl Valentin habe für seine Zeit konstatiert: „Auch die Zukunft war früher viel besser!“.

Zum besseren Verständnis, was unter  „Medizin der Erde“ zu verstehen sei,  entwarf der Generaldirektor das analoges Denkmodell eines kranken Menschen, dessen Arzt ihm dank der großen  Fortschritte in der Humanmedizin in den  vergangenen 200 Jahren relativ genaue Anweisungen, Informationen und Medikamente zur Genesung anbieten könne. In Abwägung „aller“ Risiken und Nebenwirkungen könne der Patient schließlich eine Therapie auswählen oder, wenn die Nebenwirkungen überwiegen, auch darauf verzichten.

Was in der Humanmedizin an profunden Erkenntnissen über die Funktionen und Behandlungsmöglichkeiten und deren mögliche positive wie negativen Folgen für den menschlichen Körper bereits vorliege, so etwas gäbe es für den „Patienten“ Erde nicht. „Tatsächlich wüssten  wir  immer noch vergleichsweise wenig, wie dieses große ‚System Erde‘ – ‚Erde Mensch‘ auch tatsächlich funktioniert, so Mosbrugger.  Wir wüssten zwar schon eine ganze Menge, aber immer noch im Vergleich zu dem, was wir eigentlich tun müssten, unendlich wenig. „Wir greifen heute mit einer unglaublichen Naivität und in ganz großem Maßstab in unser System Erde, in unsere Natur, ein und zwar, ohne zu wissen, was das letztlich für Konsequenzen hat.“, erläuterte der Generaldirektor und nannte dafür beispielhaft den Dreischluchtenstaudamm in China  und das Nicaragua-Kanalprojekt.

„Es fehlen gewissermaßen die Beipackzettel für jede große Maßnahme mit Risiken und Nebenwirkungen. Wir brauchen eine Naturforschung im Sinne einer Medizin der Erde, die also, so meine Vision, eine Gesundheitswissenschaft für die Erde darstellt“, so Mosbrugger. Wir müssten lernen, „wie die Erde funktioniert, damit wir mit der Erde genauso sorgsam umgehen können, wie wir es mit unserem eigenen Körper eigentlich tun“, so der Generaldirektor. Davon seien wir noch sehr, sehr weit entfernt. Und genau das sei die Mission von Senckenberg, das sei „unsere Zukunft für die nächsten 200 Jahre, gemeinsam mit einem Netzwerk von vielen nationalen und internationalen Partnern daran zu arbeiten, eine ‚Medizin der Erde‘ wirklich zu entwickeln. Und zwar, um umwälzende ‚Gesundheitsempfehlungen‘ zu geben ‚wie wir eigentlich gesund mit einer Erde umgehen‘ müssten und, um für ganz konkrete Maßnahmen wie beispielsweise der Elbvertiefung oder den Aufbau von Windparks in der Nordsee oder bei anderen Projekten die entsprechenden Beipackzettel über Risiken und Nebenwirkungen  entwickeln zu können.

Natürlich könnte man dagegen halten, dass die Vision einer solchen „Medizin der Erde“, eines „wissenschaftlich basierten Erdsystem-Managements“ ambitioniert, eine Utopie sei, und niemals zu schaffen wäre, weil das alles viel zu komplex sei, ist Mosbrugger völlig klar. Aber vor 300, 400 Jahren zur Zeit der Quacksalber, da war die Vision einer Humanmedizin, wie wir sie heute haben, mindestens genauso utopisch wie die Vision heute einer vernünftigen Medizin der Erde, eines Erdsystem-Managements.“, hält Mosbrugger dagegen.

Der Generaldirektor ist absolut überzeugt davon, dass  Karl Valentin, mit seiner Aussage, die Zukunft war früher besser, überhaupt nicht Recht hat. Im Gegenteil: „Ich glaube, nie war die Zukunft besser als heute“, so der Generaldirektor.
Und so wie in den vergangenen Jahren vieles in Wahrheit besser geworden ist, die Menschen immer älter werden, weniger Leute hungern, die Bildung weltweit wächst und sogar die Gewalt gegenüber früher zurückgegangen ist, hat auch bei allen Problemen, die wir durch unseren Fortschritt mitverursacht haben, die Sensibilität für die Umwelt zugenommen – etwa bei Eingriffen in die Natur stärker vorausschauend auf mögliche Risiken und Nebenwirkungen zu achten.

Finale Grenzenlos

Das Finale GRENZENLOS mit Oberbürgermeister Peter Feldmann, Prof. Dr. Matthias Kleiner, Beate Heraeus, Felix Finkbeiner und den Senckenberg-Kids formulierten Jubiläumswünsche zu 200 Jahren Senckenberg".  Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Das Finale GRENZENLOS mit Oberbürgermeister Peter Feldmann, Prof. Dr. Matthias Kleiner, Beate Heraeus, Felix Finkbeiner und den Senckenberg-Kids formulierten Jubiläumswünsche zu 200 Jahren Senckenberg“. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Abschließend gab der Violinist Puschan Mousavi Malvani Kostproben seines großen Könnens, bevor das Finale „Grenzenlos“ unter anderem mit Oberbürgermeister Peter Feldmann, Matthias Kleiner, Beate Heraeus, Felix Finkbeiner und den Senckenberg-Kids eingeläutet wurde. Dabei wurden Jubiläumswünsche zu 200 Jahren Senckenberg formuliert. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, der sich für all die informativen und schönen Stunden, die ganze Generationen von Frankfurterinnen und Frankfurtern im Museum zubringen durften“ bedankte, betonte, dass dank Senckenberg „weltweit über die Wissenschaft am Main“ gesprochen wird. Der Oberbürgermeister überreichte zudem noch ein besonderes Geschenk der Stadt Frankfurt, nämlich die geplante Umbennung der U-Bahn Haltestelle „Bockenheimer Warte“ in „Bockenheimer Warte / Senckenbergmuseum“.

baum-f.baumNeben all den zahlreichen wunderbaren und sinnvollen Wünschen für die Zukunft, formulierte Felix Finkbeiner von der Kinder- und Jugendinitiative „Plant-for-the-Planet“ ein besonderes ambitioniertes tolles Ziel, nämlich 1.000 Milliarden neue Bäume zu pflanzen, das wären also 150 Bäume je Mensch. Denn  Bäume seien die günstigste und effektivste Art CO2 zu binden.

Der großartige Festakt war noch nicht Schlusspunkt der Senckenberg-Jubiläumsfeierlichkeiten. Welche spannenden Veranstaltungen es in der zweiten Jahreshälfte des Senckenberg-Jubiläumsjahres gibt, findet man im Überblick unter: www.200jahresenckenberg.de

(Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst)

„200 Jahre Leidenschaft für Natur und Forschung“ – Jubiläumsausstellung 200 Jahre Senckenberg vom 29. Juni 2017 bis 11. Februar 2018

Eröffnung der Jubiläumsausstellung. (vli.) Kuratorin Marie Rahn,  Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Dr. Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt, Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt, Prof. Dr. Andreas Mulch,stv. Generaldirektor. Hier beim Presserundgang an Station 6 "Buch im XXL-Format" informiert über die Zeit 1960 bis 1997 "Erneutes Aufblühen der SNG von Umwelt, Menschwerdung und Meer". Links das Modell  des Forschungs-Kutters „Senckenberg“, in Wilhelmshaven,  im Saal der Wale und Elefanten. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Eröffnung der Jubiläumsausstellung. (vli.) Kuratorin Marie Rahn, Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, Dr. Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt, Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt, Prof. Dr. Andreas Mulch,stv. Generaldirektor. Hier beim Presserundgang an Station 6 „Buch im XXL-Format“ informiert über die Zeit 1960 bis 1997 „Erneutes Aufblühen der SNG von Umwelt, Menschwerdung und Meer“. Links das Modell des Forschungs-Kutters „Senckenberg“, in Wilhelmshaven, im Saal der Wale und Elefanten. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Frankfurt ist nicht nur eine der traditionsreichsten Messe- und Finanzmetropolen weltweit, sondern auch die Heimat der ältesten Bürgergesellschaft für Naturforschung, nämlich des Stammsitzes der international renommierten Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit 11 deutschen Standorten und 850 Mitarbeitern, welche in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag feiert. Anlässlich dieses runden Geburtstages wurde heute die Jubiläumsausstellung „200 Jahre Leidenschaft für Natur und Forschung“ der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt eröffnet. Auf drei Etagen – zwischen Diplodocus, Urelefant und Strauße – können Besucher vom 29. Juni 2017 bis zum 11. Februar 2018 an sieben Stationen in sieben aufgeschlagenen überdimensionierten Buchkapiteln auf eine Zeitreise durch die wechselvolle spannende Gründungs- und Wissenschafts-Geschichte der tief in Frankfurt verwurzelten Institution gehen. Die Ausstellung entstand in enger Kooperation
mit dem Institut für Stadtgeschichte und mit dem Historischen Museum Frankfurt.

Ein deformierter Schädel einer Hausgans von 1664 des Hildesheimer Arztes Friedrich Lachmund ist das ältestes Objekt der Wirbeltiersammlung. Gleich zu sehen an Station 1 im Museumsfoyer. Foto: Diether v. Goddenthow
Ein deformierter Schädel einer Hausgans von 1664 des Hildesheimer Arztes Friedrich Lachmund ist das ältestes Objekt der Wirbeltiersammlung. Gleich zu sehen an Station 1 im Museumsfoyer. Foto: Diether v. Goddenthow

Als Kind der Aufklärung, begründet und stets getragen von der Leidenschaft und Unterstützung vieler engagierter Bürger, hat sich die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit ihrer Gründung 1817 ebenso wie Frankfurt mit ihr kontinuierlich weiterentwickelt. Sie trägt ihrerseits seither und heute mehr denn je als internationales Forschungsnetz mit zahlreichen Institutionen und Großprojekten, maßgeblich zum Ansehen der Stadt als renommierter Standort für Wissenschaft, akademische Nachwuchsförderung und Bildung bei. Im Laufe der 200-jährigen Geschichte der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hat sich der Grundauftrag nie geändert: Komplizierte Sachverhalte so zu erklären, dass sie allgemein verständlich werden.

„Unser Ursprung in der Frankfurter Bürgergesellschaft prägt Senckenberg bis heute“, hält Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung fest. „Es ist großartig, auf diese bemerkenswerte Geschichte zurückzublicken und zu sehen, wie aus der Begeisterung und Neugier einzelner Bürger und dem Engagement vieler inzwischen eine der weltweit größten und renommiertesten Einrichtungen der Naturforschung und Naturmuseen geworden ist“.

Kniegelenk einer Kindermumie.  Die erste Röntgenaufnahme einer ägyptischen Mumie überhaupt, nach der sensationellen Entdeckung der nach W.C. Röntgen benannten Strahlen. Foto aus Tafel Station 4: Diether v. Goddenthow
Kniegelenk einer Kindermumie. Die erste Röntgenaufnahme einer ägyptischen Mumie überhaupt, nach der sensationellen Entdeckung der nach W.C. Röntgen benannten Strahlen. Foto aus Tafel Station 4: Diether v. Goddenthow

Die Ausstellung setzt die Entwicklung der Senckenberg Gesellschaft in engen Bezug zu der historischen Entwicklung der Stadt Frankfurt. „Wir freuen uns, dass wir das Historische Museum Frankfurt und das Institut für Stadtgeschichte als Kooperationspartner für diese Ausstellung gewinnen konnten“ betont Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums in Frankfurt, und dankt der Stadt Frankfurt für die Unterstützung des Projekts. „Die Senckenberg Gesellschaft hat ihren Ursprung in Frankfurt genommen und blieb stets eng verbunden mit den Frankfurter Bürgern“ beschreibt Dr. Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt das Verhältnis und fährt fort: „Neben der Forschungseinrichtung ist auch das Frankfurter Naturmuseum eine Institution der Stadt. Wir haben sofort zugesagt, als die Idee aufkam, gemeinsam diese Entwicklung auch als ein Stück Frankfurter Stadtgeschichte in einer Jubiläumsausstellung darzustellen.“

Zuschauermagnet "Diplodocus longus" im Sauriersaal, dessen  Originalskelett  1906 dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geschenkt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Zuschauermagnet „Diplodocus longus“ im Sauriersaal, dessen Originalskelett 1906 dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geschenkt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Bei einem Rundgang durch das Museum stellten die Kuratorin Marie Rahn und Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum, die dezentral angelegte Ausstellung vor. „Es hätte so viele Geschichten zu erzählen gegeben. Hier die Auswahl zu treffen, war nicht einfach“ berichtet Herkner. „Uns war es wichtig, den Besucherinnen und Besuchern auf einem Zeitstrahl immer auch zu veranschaulichen, welche Frankfurter und gesamthistorischen Themen und Ereignisse aktuell waren – zum Beispiel als das Originalskelett des Diplodocus longus 1906 dem Frankfurter Senckenberg Naturmuseum geschenkt wurde.“

Kuratorin Marie Rahn,  Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum erläutern an der Station 7 im Saal der Saurier die neuesten  Forschungsmöglichkeiten und -methoden der Senckenbergforschung. Foto: Diether v. Goddenthow
Kuratorin Marie Rahn, Dr. Bernd Herkner, Leiter der Abteilung Museum im Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum erläutern an der Station 7 im Saal der Saurier die neuesten Forschungsmöglichkeiten und -methoden der Senckenbergforschung. Foto: Diether v. Goddenthow

Neben den Büchern sind in Vitrinen Exponate aus der Forschungsgeschichte Senckenbergs zu sehen, so zum Beispiel ein mehrteiliges Mikroskop, mit dem bereits Fritz Römer als der erste hauptamtliche Kustode Senckenbergs zu Beginn des 20. Jahrhunderts Proben untersuchte. Die Ausstellung hebt zudem die historische Bedeutung einzelner Highlight-Exponate der Dauerausstellung hervor. Museumsbesucher erfahren bei ihrem Rundgang durch die Ausstellung zum Beispiel von der Pflasterzahnechse, deren ausgestelltes vollständiges Skelett weltweit ein Unikat ist, oder von der Geschichte der berühmten, von Arthur von Weinberg gestifteten Edmontosaurus- Mumie.

Die Info-Stationen befinden sich auf drei Etagen des Senckenberg Naturmuseums. Foto: Diether v. Goddenthow
Die Info-Stationen befinden sich auf drei Etagen des Senckenberg Naturmuseums. Foto: Diether v. Goddenthow

„200 Jahre Leidenschaft für Natur und Forschung“ kann im Senckenberg Naturmuseum in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden.
Eintritt 9 Euro für Erwachsene, 4,50 Euro für Kinder und Jugendliche (6
– 15 Jahre) sowie 23 Euro für Familien (2 Erwachsene und bis zu 3
Kinder).

Begleitprogramm des Senckenberg Naturmuseums und des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt

„200 Jahre Leidenschaft für Natur und Forschung“
29. Juni 2017 bis 11. Februar 2018 im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt Ausstellungsbegleitend bieten das Senckenberg Naturmuseum, das Institut für Stadtgeschichte und das Historische Museum Veranstaltungen an.

Das Museumspädagogische Begleitprogramm im Senckenberg Naturmuseum
Mittwoch, 19. Juli 2017, 18 Uhr
Öffentliche Mittwochabendführung für Erwachsene
Senckenberg – Quo vadis? mit Benjamin Weiß
Im Laufe der 200-jährigen Geschichte der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hat sich der Grundauftrag nie geändert: Komplizierte Sachverhalte so zu erklären, dass sie allgemein verständlich werden. In dieser Führung werden aktuelle Forschungsfragen Senckenbergs aufgegriffen und die dazu gehörigen Bereiche des Senckenberg Naturmuseums besichtigt, wie zum Beispiel die „Anatomie im Glas“ oder die Vogelausstellung im ersten Obergeschoss.
Ohne Anmeldung. Erhoben wird nur der Museumseintritt („Guten-Abend-Ticket“ 5,50 Euro).

Mittwoch, 9. August 2017, 18 Uhr
Geschichten aus 200 Jahren Leidenschaft für Natur und Forschung in Frankfurt
mit Marie Rahn
Zum großen Jubiläum zeigt die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Kooperation mit dem Institut für Stadtgeschichte und mit dem Historischen Museum Frankfurt eine Sonderausstellung zu ihrer Geschichte. Ein Rundgang mit der Kuratorin der Ausstellung führt zu den sieben im Museum verteilten Stationen und zu den Vitrinen mit historischen Forschungsobjekten aus 200 Jahren spannender Wissenschaftsgeschichte.
Ohne Anmeldung. Erhoben wird nur der Museumseintritt („Guten-Abend-Ticket“ 5,50 Euro).

Special zum Jubiläumsjahr: Öffentliche Führung für Erwachsene 200 Jahre Senckenberg – ein Grund zu feiern, aber auch ein Grund zurückzublicken auf die Anfänge und die Entwicklung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Jeden dritten Samstag im Monat laden wir Sie auf eine Zeitreise durch die Geschichte unserer Gesellschaft und unseres Museums ein. Gemeinsam begeben wir uns auf Spurensuche, entdecken die häufig verborgenen Geschichten unserer Exponate und tauchen ein in die 200-jährige Forschungsgeschichte Senckenbergs. Die nächsten Termine:

Samstag, 15. Juli 2017 und Samstag, 19 August, 16 Uhr
Historische Führung zum Jubiläumsjahr

Ohne Anmeldung, ohne Teilnahmebegrenzung. Erhoben wird nur der Museumseintritt.
Treffpunkt: T. rex im Sauriersaal.

Weitere Angebote und Termine finden Sie im regelmäßig erscheinenden Programm unter
www.senckenberg.de/veranstaltungen oder unter T +49 (0)69 75 42 – 13 57.

Ausstellungsbegeleitende Veranstaltungen im Historischen Museum

Historisches Museum Frankfurt, Saalhof 1, 60311 Frankfurt am Main

Historisches Museum Frankfurt mit neuem Ausstellungshaus (ab Okt. 2017) und Eingangsfoyer. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Historisches Museum Frankfurt mit neuem Ausstellungshaus (ab Okt. 2017) und Eingangsfoyer. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Mittwoch, 13. September 2017, 19 Uhr
Eduard Rüppell – Der Humboldt Frankfurts
Führung mit Dr. Frank Berger
Der Frankfurter Forschungsreisende Eduard Rüppell sammelte auf seinen Expeditionen unzählige Objekte. So trug er im Kordofan innerhalb von 35 Tagen 65 Säugetiere, 11 Säugetier-Skelette, 160 Vögel und 12 Vogel-Skelette sowie fünf Amphibien zusammen. Seit ihrer Gründung war der unermüdliche Sammler in der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft aktiv und versorgte sie mit naturkundlichen Präparaten, die er von seinen Reisen mitbrachte. Seine Schenkungen waren eine wesentliche Forschungsgrundlage für die Gesellschaft. Mit seinem Wissen trug er schon im 19. Jahrhundert zu ihrem Weltruf bei. Das Historische Museum Frankfurt stellt den großzügigen Universalgelehrten in der Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter“ vor.

Kinderspur zu Eduard Rüpell im Historischen Museum Frankfurt
Sonntag, 29. Oktober 2017, 15 Uhr
Auf der Kinderspur zu Eduard Rüppell – Universalgelehrter und Senckenberg-Förderer
Ausprobieren, entdecken und Sammelbildchen mitnehmen: Auf dem Weg durch die
Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter“ kann von den jungen Besucher/innen selbst etwas gesammelt werden. Ein deutlich erkennbares Zeichen markiert die Kinderspur.
Zur Sonderausstellung im Senckenberg Naturmuseum gibt es ein spezielles Angebot in der Sammlung von Eduard Rüppell: Unter pädagogischer Anleitung entstehen gefaltete Schmetterlinge. Das Wissen um den bedeutenden Naturforscher und Förderer der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft wird im Gespräch spielerisch vermittelt. Es gibt zudem in jedem Sammlerraum Sammelbildchen, die dann zu Hause in das Sammelalbum eingeklebt werden können, das Kindern und Familien ausgehändigt wird. Origamifalten, Sammelheft und Kinderspur für Kinder und Familien.

Ausstellungsbegeleitende Vorträge im Institut für Stadtgeschichte
(Dormitorium), Münzgasse 9, 60311 Frankfurt am Main
Montag, 26. Juni 2017, 18.30 Uhr
Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung – 200 Jahre Leidenschaft für Natur
und Forschung in Frankfurt – was bisher geschah …
Referentin: Marie Rahn

Montag, 13. November 2017, 18.30 Uhr
„Alexander von Humboldt, der Eduard Rüppell Berlins. Leben, Werk und Rezeption des Frankfurter Forschungsreisenden im Vergleich“
Referent: PD Dr. Joachim Scholz, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Donnerstag, 5. Oktober 2017, 17.30 Uhr
„Das Archiv der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung im Institut für Stadtgeschichte“
Archivführung mit Stefanie Bohnensack und Dr. Joachim Kemper
Treffpunkt: Borsigallee 8 (Außenstelle des Instituts für Stadtgeschichte)
Dauer: 60 Minuten, Teilnahme: frei

Weitere Angebote und Termine finden Sie im regelmäßig erscheinenden Programm unter
www.senckenberg.de/veranstaltungen oder unter T +49 (0)69 75 42 – 13 57.
sowie unter: Historisches Museum Frankfurt

„Ursprung der Musik und ihrer Funktion für den Menschen“ – Vortrag im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

„Ständchen, Schlaflied oder Kriegsgeschrei? Theorien zum Ursprung der Musik und ihrer Funktion für den Menschen“ Vortrag von Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmann, Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt

Warum gibt es Musik? Und was ist Musik eigentlich? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Wissenschaft nicht erst seit unseren Tagen. Schon die Mythen und Legenden vieler Völker weltweit beschäftigen sich damit und bieten oft auf erstaunlich ähnliche Weise Antworten. Zur Erklärung des Ursprungs und Wesens der Musik gehört immer auch eine Bestimmung ihrer Funktionen. Im Vortrag kommen fünf Funktionen zur Sprache, die am intensivsten als möglicher Ursprung diskutiert wurden und werden. Dabei gilt es, Argumente und Erkenntnisse aus so verschiedenen Disziplinen wie Evolutionstheorie, Biologie, Sprachwissenschaft und Psychologie zusammenzutragen und gegeneinander abzuwägen. Melanie Wald-Fuhrmann studierte Musikwissenschaft und Gräzistik in Rostock, Marburg, Salzburg und an der Freien Universität Berlin und wurde am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich promoviert. 2009 erfolgte ihre Habilitation zum Thema Melancholie in der Instrumentalmusik um 1800. Melanie Wald-Fuhrmann war 2010/11 Professorin für Musikwissenschaft an der Musikhochschule Lübeck und lehrte dann an der Humboldt-Universität zu Berlin als Professorin für Musiksoziologie und historische Anthropologie der Musik. Seit 2013 leitet sie die Musik-Abteilung am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt.

Referentin: Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmann (Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt).
Datum: Mittwoch, 8. Februar 2017, 19:30 Uhr
Ort: Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums
(BiK-F), Georg-Voigt-Straße 14, 60325 Frankfurt.
Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

In den kommenden Jahren erweitert die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ihr Naturmuseum in Frankfurt von 6.000 auf 10.000 Quadratmeter. Vier neue Ausstellungsbereiche (Mensch – Erde – Kosmos – Zukunft) nehmen die Besucher mit auf die Reise zu unseren Anfängen, zu den aufregendsten Plätzen der Erde, in die Weiten des Universums und beleuchten die Zukunft unseres Planeten. (siehe auch http://die-welt-baut-ihr-museum.de)

Zudem werden 2016 und 2017 die Themen der vier Ausstellungsbereiche in vier Vortragsreihen aufgegriffen und vertieft. Die Reihe „Woher kommt der Mensch? Ein neuer Blick auf Homo sapiens“ betrachtet unsere gemeinsamen Wurzeln, und zwar nicht nur im Hinblick auf die Entwicklung des menschlichen Körpers. Vielmehr steht auch die Evolution geistiger, kultureller und emotionaler Fähigkeiten im Fokus. Die Reihe rückt die Evolution des Menschen als Ganzes in den Mittelpunkt und bringt große Köpfe und neue Ideen zu diesem Thema nach Frankfurt: Die Referentinnen und Referenten stellen aktuelle Erkenntnisse zur körperlichen Entwicklung von Homo sapiens wie auch zur Entwicklung menschlichen Denkens, der Gefühle und des Bewusstseins für Kunst und Ästhetik vor. Die Reihe wird veranstaltet von der Goethe-Universität Frankfurt und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ von der Deutsche Bank AG gefördert.Medienpartner der Reihe ist die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Mehr unter:
www.senckenberg.de/woherkommtdermensch

Weiterer Termin:

15. Februar 2017
Ein neuer Blick auf Homo sapiens – die Zukunft des Menschen Podiumsdiskussion mit Impulsvorträgen
Moderation: Joachim Müller-Jung, Frankfurter Allgemeine Zeitung Gesprächspartner:
Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für
Naturforschung, Frankfurt
PD Dr. Miriam N. Haidle, Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Prof. Dr. Hans-Dieter Mutschler, Hochschule Ignatianum, Krakau
Prof. Dr. Annette Kehnel, Universität Mannheim

Meeresforscher und Clear-Watermitbegründer auf der Senckenberg-Night 2017 mit dem Senckenberg-Preis ausgezeichnet

Lichthof 1: Feiern mit Diplodokucus, Iguanodon, T-rex und weitern Dinos in der Senckenberg-Night 2017 Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Lichthof 1: Feiern mit Diplodokucus, Iguanodon, T-rex und weitern Dinos in der Senckenberg-Night 2017 Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Frankfurt, den 28.01.2017. Senckenberg startet mit einem Veranstaltungshighlight ins Jubiläumsjahr: Am Samstagabend wird zum dritten Mal der Senckenberg-Preis für herausragende Leistungen in der Naturforschung und besonderen persönlichen Einsatz für den Schutz und Erhalt unserer Natur verliehen. Den Senckenberg-Preis in der Kategorie Natur-Forschung erhält Prof. Dr. Craig R. Smith, Professor für Ozeanographie an der Universität von Hawaii auf Manoa. Sein Arbeitsschwerpunkt gilt der Artenvielfalt und der Erforschung von Störungsereignissen und menschlichen Eingriffen in Systemen am Meeresboden – wie beispielsweise Tiefseebergbau. Der Senckenberg-Preis in der Kategorie Natur-Engagement geht an den Musiker und ClearWater-Mitbegründer und -Botschafter Rea Garvey. Er setzt sich mit der Problematik von Ölbohrungen im Amazonasgebiet auseinander und unterstützt mit seinem Projekt davon betroffene Familien in Ecuador durch Sicherstellung der Versorgung mit sauberem Wasser.

Senckenberg-Night 2017 Foto: Heike v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Senckenberg-Night 2017 Foto: Heike v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Im Anschluss an die Preisverleihung findet zum neunten Mal die Senckenberg night statt. Dieses Jahr steht die Veranstaltung unter dem Motto „Blauer Planet“.

(v.r.) Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger im Gespräch mit TerraX-Wissenschaftsredakteur u. Moderator des Abends Dirk Steffen und Senckenberg-Präsidentin Dr. h. c. Beate Heraeus. Senckenberg-Night 2017 Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
(v.r. n. li.) Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger im Gespräch mit TerraX-Wissenschaftsredakteur u. Moderator des Abends Dirk Steffen und Senckenberg-Präsidentin Dr. h. c. Beate Heraeus. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

„Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung feiert in diesem Jahr ihr zweihundertjähriges Bestehen: 200 Jahre Senckenberg stehen dabei für zwei Jahrhunderte naturwissenschaftliche Spitzenforschung und Wissensvermittlung und auch für herausragendes bürgerschaftliches Engagement“, sagt der Generaldirektor der Gesellschaft Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger und fährt fort: „Im Jubiläumsjahr haben wir drei große Ziele: Wir möchten allen Senckenberg-Fans, unseren Besuchern, Förderern, Mitgliedern, Spendern und Sponsoren danken. Wir wollen unsere Forschung stärker in den Mittelpunkt rücken und schließlich noch mehr Freunde und Unterstützer für Senckenberg begeistern. Mit der Verleihung des Senckenberg-Preises vereint die Senckenberg night all dies in einer Veranstaltung.“

Ministerpräsident Volker Bouffier macht in seiner beeindruckenden Rede  den rund 400 Gästen aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik klar, dass es bei der international aufgestellten Forschung von Senckenberg mit 10 Niederlassungen letztlich um nichts mehr oder weniger ginge, als um die Rettung der Welt. Foto: Heike v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Ministerpräsident Volker Bouffier macht in seiner beeindruckenden Rede den rund 400 Gästen aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik klar, dass es bei der international aufgestellten Forschung von Senckenberg mit 10 Niederlassungen letztlich um nicht mehr oder weniger ginge, als um die Rettung der Welt. Foto: Heike v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Der Hessische Ministerpräsident und Schirmherr der Senckenberg night, Volker Bouffier, gratuliert: „Was sich 1817 aus der Idee von knapp drei Dutzend Frankfurter Bürgern entwickelte, ist heute eine der umfangreichsten Forschungssammlungen der Welt. Der Begriff Senckenberg steht für eine international hoch geschätzte Kapazität in den Naturwissenschaften. Das Land Hessen unterstützt die Senckenberg-Gesellschaft bei dieser Arbeit seit Jahren tatkräftig mit Förderprogrammen. Auch nach zwei Jahrhunderten ist die Neugier, die Umwelt zu erforschen, ungebrochen. Zwei Personen haben sich im vergangenen Jahr um den Schutz des größten Lebensraums der Erde verdient gemacht und die elementare Bedeutung des Wassers einer breiten Öffentlichkeit nähergebracht. Deshalb freut es mich, dass Prof. Dr. Craig Smith für seine Arbeit über die Folgen menschlicher Eingriffe am einzigartigen Ökosystem Ozean und der Musiker Res Garvey für sein herausragendes Engagement bei der Initiative für sauberes Trinkwasser ClearWater mit dem Senckenberg-Preis ausgezeichnet werden. Im Namen der´hessischen Landesregierung, aber auch ganz persönlich, gratuliere ich herzlich.“

Senckenberg-Preis in der Kategorie Natur-Forschung 2016

Mit dem Senckenberg-Preis in der Kategorie Natur-Forschung, dotiert mit 10.000 Euro, werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet, die exzellente, international sichtbare Leistungen in der Naturforschung erbracht haben.

(v.l.) Ozeanograph Prof. Dr. Craig R. Smith mit dem „Senckenberg-Preis für Natur-Forschung“, Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger und Moderator Dirk Steffen bei der Preisübergabe. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
(v.l.) Ozeanograph Prof. Dr. Craig R. Smith hält den „Senckenberg-Preis für Natur-Forschung“ in Händen; Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger und Moderator Dirk Steffen bei der Preisübergabe. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Der Preisträger Prof. Dr. Craig R. Smith ist seit 1995 Professor für Ozeanographie an der Universität von Hawaii auf Manoa. Er beendete 1983 seine Promotion in Biologischer Ozeanographie am Scripps-Institut für Ozeanographie. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Ozeanographie und die Benthosökologie, wobei sein primäres Interesse der Biodiversität und der Rolle von Störungsereignissen und menschlichen Eingriffen (z. B. Tiefseebergbau) in benthischen Lebensräumen, also Systemen am Meeresboden gilt. Diese untersuchte er in unterschiedlichen Ökosystemen in der Antarktis, in Mangroven, Tiefseegräben, an kalten Rauchern, Kontinentalhängen und auf Tiefseeebenen. Aufgrund seiner Forschung wurde die Bedeutung von Walkadavern für eine artenreiche Fauna in der Tiefsee bekannt – an diesen sogenannten „Whale falls“ arbeitet Smith seit über 30 Jahren. Der Ozeanograph war Fahrtleiter von über 50 Meeresexpeditionen vom Äquator bis in die Antarktis, hat an mehr als 100 Tauchgängen von bemannten und unbemannten Unterwasserfahrzeugen teilgenommen und ist einer der Projektleiter von „CeDAMar“ – einer „Volkszählung“ in den Tiefseebecken.

Prof. Dr. Antje Boetius,  leitende Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie und Professorin an der Universität Bremen, Trägerin des Leibniz-Preises. erläutert in ihrer Laudatio, dass die toten Wale am Meeresboden bis zu 2000 Jahre Lebensquelle für ein ganzes sich um den Walkadaver herum bildenden Ökosystems sein können. Foto: Heike v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Prof. Dr. Antje Boetius, leitende Wissenschaftlerin
am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie und Professorin an der
Universität Bremen,  Foto: Heike v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die Laudatio hält Prof. Dr. Antje Boetius, leitende Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie und Professorin an der Universität Bremen. Sie begleitete vor 28 Jahren als Studentin über ein Jahr lang Professor Craig R. Smith auf seinen Meeresexpeditionen und bei unzähligen Tauchgängen und hat an mehr als 40 Expeditionen teilgenommen. In ihrer Laudatio zeigt die Leibniz-Preisträgerin unter anderem noch einmal die Wichtigkeit der Erhaltung der weltweiten Walbestände auf.  So können tote Wale am Meeresboden bis zu 2000 Jahre lang Lebensquelle für ein ganzes sich um den öligen Wal-Kadaver herum bildendes Ökosystem sein.

Senckenberg-Preis in der Kategorie Natur-Engagement 2016

Der Senckenberg-Preis in der Kategorie Natur-Engagement, ebenfalls mit 10.000 Euro ausgelobt, wird an Personen vergeben, die sich durch ein herausragendes privates Engagement für den Erhalt der Natur, Naturbildung und eine nachhaltige Nutzung von Naturressourcen verdient gemacht haben.

Der Preisträger Rea Garvey (m.) ist Sänger und Songwriter mit irischen Wurzeln sowie ClearWater-Mitbegründer und -Botschafter, dankt  Senckenberg-Präsidentin Dr. h. c. Beate Heraeus  und Dirk Steffen für den Preis. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Der Preisträger Rea Garvey (m.) ist Sänger und Songwriter mit irischen
Wurzeln sowie ClearWater-Mitbegründer und -Botschafter, dankt Senckenberg-Präsidentin Dr. h. c. Beate Heraeus und Dirk Steffen für den Preis. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Der Preisträger Rea Garvey ist Sänger und Songwriter mit irischen Wurzeln sowie ClearWater-Mitbegründer und -Botschafter. Er ist seit vielen Jahren äußerst erfolgreich, verkaufte Millionen CDs und absolvierte unzählige Auftritte. 2011 traf er Mitch Anderson in Berlin und wurde erstmals auf die Trinkwasserproblematik in Ecuador aufmerksam.
Jahrzehntelang wurde im Nordosten Ecuadors Erdöl gefördert; Flüsse und Böden wurden dabei durch die Ausbeutung verunreinigt, verseucht und unfruchtbar gemacht. Nach seinem ersten Besuch in dem südamerikanischen Land wurde Rea Garvey klar, dass er die Lebensbedingungen der Einwohner im Amazonasgebiet verbessern möchte. Er gründete daraufhin gemeinsam mit Mitch Anderson ClearWater und ist seitdem als ClearWater-Botschafter engagiert. Ziel des Projekts ist es, über 2000 Familien von Ur-Einwohnern und Bauern nachhaltig mit sauberem Wasser zu versorgen.

Prof. Dr. Martin Visbeck, leitender Wissenschaftler in physikalischer Ozeanographie am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.Foto: Heike v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Prof. Dr. Martin Visbeck, Foto: Heike v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die Laudatio hält Prof. Dr. Martin Visbeck, leitender Wissenschaftler in physikalischer Ozeanographie am Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. „Richman, Poorman, Everybody pays“ zitiert Visbeck Rea Garvey Song als Einstieg seiner Würdigung des ClearWater-Projektes. Letztlich bezahlen wir alle für die Umweltzerstörung wie sie alltäglich auf der ganzen Welt ungestört voranschreitet.

Senckenberg-Präsidentin Dr. h. c. Beate Heraeus übt ihr Amt ehrenamtlich aus, so wie auch alle Helfer die Senckenberg-Night weitestgehend ehrenamtlich organisiert haben. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Senckenberg-Präsidentin Dr. h. c. Beate Heraeus übt ihr Amt ehrenamtlich aus, so wie auch alle Helfer die Senckenberg-Night weitestgehend ehrenamtlich organisiert haben. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die Senckenberg-Präsidentin und Initiatorin der Senckenberg night, Dr. h. c. Beate Heraeus, resümiert: „Prof. Dr. Craig R. Smith und Rea Garvey sind zwei starke Persönlichkeiten, die ihr Wissen über Natur mit ihrer Begeisterung dafür verbinden und authentisch verkörpern. Sie ziehen daraus ihre Konsequenzen, einer als Wissenschaftler, der andere als Bürger und machen damit auf ihre Weise eine breite Öffentlichkeit darauf aufmerksam, sorgsam mit unserem Planeten umzugehen. Mit der Auszeichnung von Persönlichkeiten wie Craig Smith und Rea Garvey will der Senckenberg Preis viele Menschen dafür sensibilisieren, wie wichtig die Erforschung und der Erhalt unserer Natur und ihrer Vielfalt ist.“

 Lichthof 2, Dinieren und Plaudern unter Mamut-Zähnen im   "Waal- und Elefanten-Saal" Foto: Heike v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Lichthof 2, Dinieren und Plaudern unter Mamut-Zähnen im „Waal- und Elefanten-Saal“ Foto: Heike v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Offizieller Partner der Preisverleihung sowie der anschließenden Senckenberg night ist zum dritten Mal die BMW-Niederlassung Frankfurt, die das Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro zur Verfügung stellt, um das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Stadt Frankfurt zu fördern.
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt
Telefon: +49 69 7542 0
Fax: +49 69 746238

Evolution des Fluges Eine Kooperationsausstellung des Senckenberg Naturmuseums und der Fraport AG

 © fraport
© fraport

Frankfurt, den 26.01.2017. Was haben Tintenfische und Raketen gemeinsam? Und wie haben Flugsaurier die Konstruktion von Segelflugzeugen inspiriert? Diese und viele andere Fragen beantwortet „Evolution des Fluges“, eine Kooperationsausstellung der Fraport AG und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, die seit heute im Terminal 2 des Frankfurter Flughafens zu sehen ist.

Etwa 200.000 Menschen kommen jeden Tag zum Frankfurter Flughafen. Die meisten um zu reisen. Viele auch zum Arbeiten, Einkaufen, Essengehen oder um aufsteigende und landende Flugzeuge zu beobachten. Seit dem 26. Januar 2017 wartet eine weitere Attraktion auf alle Reisenden und Flughafenbesucher: Im Terminal 2 zeigen die Fraport AG und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ihre Kooperationsausstellung „Evolution des Fluges“: Unter riesengroßen Nachbildungen von Flugsauriern werden auf zwei „Sciencecubes“ in Texten, Bildern und Filmen faszinierende Fakten zum Thema Fliegen präsentiert.

Die ersten Lebewesen, die sich in die Luft erhoben, waren vor 400 Millionen Jahren Insekten. Reptilien, Vögel und Säugetiere folgten. Der Mensch ließ sich von den Bauplänen der Natur inspirieren und entwickelte verschiedene Fluggeräte. Wie ähnlich sie den Originalen sind, wird im direkten Vergleich deutlich. Der Propeller eines Hubschraubers erinnert zum Beispiel stark an Libellen, die eine erstaunliche Flugleistung erbringen: Edellibellen erreichen bei einer Flügelschlagfrequenz von 30 Schlägen pro Sekunde Geschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometer pro Stunde. Die Beschleunigung erreicht den dreißigfachen Wert der Erdbeschleunigung, das ist weit mehr als bei einem modernen Kampfjet.

Die Tragflächen von Flugzeugen sind ein Geniestreich der Ingenieurskunst und inspiriert von Flugsaurier-, Fledermaus- und Vogel-Flügeln. „Geflogen“ wird übrigens nicht ausschließlich in der Luft, sondern auch im Wasser: Tintenfische bewegen sich per Rückstoß durchs Meer – dieses Prinzip wird auch bei Raketen genutzt.

„Unsere Forschung über Form und Funktion von Organismen ist nicht nur für einen kleinen Kreis spezialisierter Wissenschaftler relevant. Wie die Ausstellung zeigt, findet sie praktische Anwendung und wird umgesetzt – in diesem Fall im Flugzeugbau. Deshalb freuen wir uns ganz besonders, dass wir diese Forschung nicht nur in unserem Museum, sondern auch am größten Flughafen Deutschlands präsentieren dürfen“, sagt  Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

„Frankfurt Airport ist immer wieder ein Erlebnis, das Gäste und Passagiere gleichermaßen bei jedem Besuch mit neuen Veranstaltungen, individuellen Services, modernen Einrichtungen und überraschenden Aktionen begeistert“, erläutert Dr. Pierre Dominique Prümm, Geschäftsbereichsleitung Flugbetriebs- und Terminalmanagement sowie Unternehmenssicherheit der Fraport AG. Die Ausstellung sei eine solche Aktion, die man an einem Flughafen erstmal nicht erwarte, die aber positiv in Erinnerung bleibe. „Die außergewöhnliche Kooperation mit derSenckenberg Gesellschaft für Naturforschung verdeutlicht einmal mehr, dass Fraport auch auf Lokalkolorit setzt, um das Drehkreuz Frankfurt noch attraktiver zu machen und von der Anonymität anderer Airports abzuheben“, so Prümm weiter. Denn der Flughafen Frankfurt und das Senckenberg Naturmuseum seien zwei Wahrzeichen und Traditionseinrichtungen der Stadt Frankfurt, die sich in dieser Kooperation erstmals sehr öffentlichkeitswirksam zusammengeschlossen haben.

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Die Ausstellung „Evolution des Fluges“ ist rund um die Uhr für alle Interessierten geöffnet. Sie befindet sich im Bereich der Skyline-Plattform in Terminal 2. Der Eintritt ist frei. Regelmäßig führen Guides des Senckenberg Naturmuseums durch die Ausstellung.

Weitere Informationen

Die Ausstellung „Evolution des Fluges“ wird präsentiert von der Fraport AG und ist ein Kooperationsprojekt der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit der Flughafenbetreibergesellschaft.

„Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden“ – Senckenberg-Naturmuseum zeigt ab 20. Jan. 2017 Sonderausstellung

Ausstellunge-Impression: Dünne Haut der Erde, hier in der Kammer der Krümel, in der es um Bodenkunde geht. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier goddenthow
Sonderausstellung: Dünne Haut der Erde. Hier Blick in die „Kammer der Krümel“, in der es um Bodenkunde geht und die Fragen nach verschiedenen Bodentypen, ihrer Funktionalität und von Bodenentstehung beantwortet werden.. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Neue Sonderausstellung im Senckenberg Naturmuseum
Frankfurt, 2. OG, Wolfgang-Steubing-Saal
20. Januar bis 13. August 2017

Frankfurt, den 19.01.2017. Zum Auftakt des Jubiläums 2017 rücken bei Senckenberg echte Multitalente in den Mittelpunkt, unsere Böden: Sie ermöglichen Pflanzenwachstum, filtern Schadstoffe aus dem Wasser und bieten verschiedensten Organismen einen Lebensraum. Die Sonderausstellung „Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden“ gibt vom 20. Januar bis zum 13. August 2017 spannende Einblicke in die verborgene Welt unter unseren Füßen. In vier thematischen Kammern werden Informationen über die Vielfalt des Lebens im Boden, seine Funktion und Entstehung anschaulich präsentiert. Zudem sind die Nutzung von Böden durch den Menschen und der dabei verursachte Schaden ein zentrales Thema. Zahlreiche interaktive Ausstellungsstücke stellen verschiedene Bodenbewohner und Bodentypen vor und verraten, was jeder Einzelne für den Bodenschutz tun kann.

Eine Raubmilbe ergreift mit ihren Kiefernscheren blitzschnell einen Springschwanz. Die in 500facher Vergrößerung gezeigte Raubmilbe gibt ein Beispiel für das ständige "Fressen" und "Gefressenwerden" von Bodentierchen untereinander.  Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier goddenthow
Eine Raubmilbe ergreift mit ihren Kiefernscheren blitzschnell einen Springschwanz. Die in 500-facher Vergrößerung gezeigte Raubmilbe gibt ein Beispiel für das ständige „Fressen“ und „Gefressenwerden“ von Bodentierchen untereinander. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

Was lebt im Boden, welche Abbauprozesse laufen dort ab und was hat das alles mit uns Menschen zu tun? Mehr als man denkt, denn Böden bilden einen Teil unserer Lebensgrundlage: Im Boden versteckte Lebewesen zersetzen organisches Material und machen es für Pflanzen in Form von Nährstoffen verfügbar. Dadurch entsteht fruchtbarer Boden. Doch der Mensch zerstört jährlich große Mengen dieser kostbaren Ressource durch Pestizideinsatz, Erosion, Versiegelung und Bodenverdichtung.

Die neue Ausstellung im Senckenberg Naturmuseum veranschaulicht mit interaktiven Stationen, Animationen, Kurzfilmen und Infotafeln alles Wissenswerte rund ums Erdreich. Gleich zu Beginn der Entdeckungstour erwartet die Besucherinnen und Besucher eine eindrucksvolle Verwandlung: Sie werden auf die Größe einer Landassel geschrumpft. Dieser – selbstverständlich reversible – Prozess ermöglicht es, das Höhlen- und Spaltensystem des Bodens zu erkunden. Gleichzeitig macht der Skalensprung winzig kleine Bodenbewohner sichtbar, die durch um das

Modell einer Springschwanz Milbe, 500fach vergrößtert.Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier goddenthow
Modell einer Springschwanz Milbe, 500-fach vergrößtert.Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Tausendfache vergrößerte Modelle vorgestellt werden. Mit maximal vier Millimetern Länge ist der Dunkelbraune Kugelspringer in der Natur leicht zu übersehen. In der Vergrößerung sind sogar die schütteren, langen Haare auf dem runden Körper des Insekts sichtbar, das sich bei Gefahr mit einem gewaltigen Sprung in Sicherheit katapultieren kann. In einer spektakulären Szene wird der Boden zum Tatort: Eine Raubmilbe umklammert mit ihren langen Beinen einen Springschwanz, um ihn auszusaugen – im 500fach vergrößerten Modell.

Inhaltlich ist die Ausstellung in vier verschiedene Bereiche gegliedert, die durch unterschiedliche Grundfarben leicht voneinander zu unterscheiden sind. Von der zentralen „Kammer des Lebens“, an ihrer dunkelbraunen Erdfarbe zu erkennen, gehen die „Kammer der Krümel“ (hellbraun), „Kammer des Wissens“ (hellblau) und „Kammer des Schreckens“ (betongrau) ab, um zum Schluss im orangenen „Gang der Visionäre“ zu münden.

Kammer des Lebens

Die  „Kammer des Lebens“ (erste Station) zeigt auf anschauliche und leicht verständliche Weise den Nährstoff-Recyclingsprozess der Böden durch Pflanzen, Pilze, Boden-Tiere (inklusiv eines Mausbegräbnis) und Mikroorganismen, wodurch Nährstoffe für Pflanzen wieder verfügbar werden. Die Modelle zeigen die Abfolge des Zerkleinerns von den Großen, etwa einem Saftkugler (Tausendfüsser) bis hin zur Thekamöbe (0,075 Millimeter) in 130facher Vergrößerung. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier goddenthow
Die „Kammer des Lebens“ (erste Station) zeigt auf anschauliche und leicht verständliche Weise den Nährstoff-Recyclingprozess der Böden durch Pflanzen, Pilze, Boden-Tiere (inklusiv eines Mausbegräbnisses) und Mikroorganismen, wodurch Nährstoffe für Pflanzen wieder verfügbar werden. Die Modelle zeigen die Abfolge des Zerkleinerns von den Großen, etwa einem Saftkugler (Tausendfüsser) bis hin zur Thekamöbe (0,075 Millimeter) in 1000-facher Vergrößerung. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

In der „Kammer des Lebens“ geht es um Biodiversität. Besucher lernen die Organismen des Bodens, ihre Funktionen und Lebensweisen sowie natürliches Recycling kennen: Es wird gezeigt, wie die Ausscheidungen von Tieren sowie abgestorbene Pflanzen durch eine Vielzahl von aufeinanderfolgenden und ineinandergreifenden Zersetzungsschritten abgebaut und zu neuen Nährstoffen werden.
An den Abbauprozessen sind (Boden-)Tiere, Bakterien und Pilze beteiligt. Diese Organismen zersetzen das organische Material mechanisch (durch Zerrupfen, Zerkauen etc.) und chemisch (durch Enzyme). Dabei fällt den Bodentieren – vom Maulwurf, über Regenwurm und Milbe bis hin zu Mikroben – eine essentielle Rolle zu, ohne die unsere Landökosysteme, so Professor Dr. Willi Xylander, Direktor des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz, nicht funktionieren würden. Sie sind nämlich, so Xylander, maßgeblich mit Mikroorganismen am Recycling  von Nährstoffen beteiligt. Sie stellen die Nährstoffe wieder zur Verfügung, die man braucht, um Pflanzen wachsen zu lassen. Diesen Recycling-Prozess zeigen die Tafeln, wobei es darum geht, wie abgebaut und zerkleinert wird, so der Görlitzer Museumsdirektor weiter.

Der sieben bis 20 Millimeter kleine Saftkugler wächst im Modell auf Terriergröße. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier goddenthow
Der sieben bis 20 Millimeter kleine Saftkugler wächst im Modell auf Terriergröße. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Dabei wird die Abfolge der Zerkleinerung, von größeren zu kleineren und kleinsten Bodentieren gezeigt, der eine verwertet und verwandelt, was der andere als Kot und Vorverdautes hinterlässt. Besonders schön wird die Zersetzerkette dargestellt an Modellen in der Nierenvitrine: Da wirkt neben dem „großen“ Saftkugler (Tausendfüsser), der mit seinen Zangen Stücke aus Blättern herausfuttert, die Hornmilbe, die sich auf dessen Kot-Pellets stürzt, ziemlich klein. Geradezu winzig ist mit ihren lediglich 0,075 Millimeter die Thekamöbe, die wie die Schaltmöbe am Ende des Recyclingsprozesses steht und die Nährstoffe für Pflanzen wieder verfügbar macht.

Kammer des Wissens

Professor Dr. Willi Xylander, Direktor des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz, berichtet in der "Kammer des Wissens" 1. über den "Pizza-Effekt" bei  Asseln, Tausendfüsser und Springschwänze, die, statistisch betrachtet,  lieber Laub mediterraner Bäume als  heimische Buchenblätter mögen; 2. wie Touristen über ihre Schuh-Einträge  die Bodentierwelt Alaskas seit 30 Jahren verändert haben. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier goddenthow
Professor Dr. Willi Xylander, Direktor des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz, berichtet in der „Kammer des Wissens“ beim Presserundgang 1. über den „Pizza-Effekt“ bei Asseln, Tausendfüsser und Springschwänze, die, statistisch betrachtet, Laub mediterraner Bäume  heimischen Buchenblättern vorziehen; 2.dass Touristen über ihre Schuh-Einträge die Bodentierwelt Alaskas seit 30 Jahren verändert haben. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

In der Kammer des Wissens werden aktuelle Beispiele aus der Bodenforschung bei Senckenberg gezeigt. Ein Forschungsprojekt ging der Frage nach, ob hiesige Bodentiere Laub von Bäumen aus dem Mittelmeerraum vertragen würden, etwa, wenn man im Hinblick auf den Klimawandel hitze- und trockenheits-resistentere Arten  in unseren Breiten pflanzen würde. „Wir haben also Asseln, Tausendfüsser und Springschwänze getestet auf ihre Verwertbarkeit von aus anderen Gebieten eingebrachten Laub“, so Professor Willi Xylander, „und gefragt, ob die Bodentiere ihre ökoystemaren Leistungen auch mit fremden Arten erbringen würden.“ Und, obgleich die Ergebnisse noch nicht endgültig sind, gab es einen „Pizza-Effekt“, so der Professor: „Es kam also heraus: die essen dieses mediterane Essen, statistisch betrachtet, ein bisschen lieber als unsere Linden oder Rotbuchen, die wir ihnen parallel angeboten haben!“

Ein weiteres spannendes, auf den Tafeln leicht verständlich dargestelltes Forschungsprojekt ging der Frage nach, ob Touristen in Alaska, wenn sie an Land gehen, nicht die an ihren Schuhen anhaftenden Bodentiere und deren Eier  in die dortigen Böden eintrügen und somit die ökosystemaren Leistungen und Zusammensetzungen veränderten. Und in der Tat: „Anhand von Referenz-Bodenproben, die vor gut 30 Jahren in Alaska genommen wurden, hat man erhebliche Veränderungen der Faunen-Zusammensetzung von vorher zu heute festgestellt, die signifikant sind“, so Xylander. Aber „da kann man noch gegensteuern“, so der Bodenforscher, „aber das müsse man wissen, dass man gegensteuern muss, und dazu brauchen wir Grundlagenforschung mit angewandten Aspekten, und das ist das, was Senckenberg macht.“

Kammer des Schreckens.

In der Kammer des Schreckens werden  alle nur denkbaren "Bodensünden" dargestellt und diskutiert. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier goddenthow
In der Kammer des Schreckens werden alle nur denkbaren „Bodensünden“ dargestellt und diskutiert. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

In der Kammer des Schreckens wird gezeigt,  inwieweit der Mensch in die Bodenökosysteme eingreift,  welche Folgen die voranschreitende Zerstörung von Böden für den Menschen hat. Angefangen vom sintflutartigen Magdalenenhochwasser 1342, der ersten dokumentierten durch Kahlschlag vom Menschen verursachten Katastrophe, über heutige Erosionen, Abträge, Verdichtungen und Versiegelungen bis hin zu Pestizid-Vergiftungen, Überdüngung und Fehlnutzungen (z.B. Viehfutter- Nahrungsmittel-Anbau zur Fleischproduktion), wird nichts „Schreckliches“ ausgelassen, um auf die Dringlichkeit von Bodenschutz hinzuweisen.  Denn „Böden sind nicht unbegrenzt verfügbar“, so Professor Xylander. Nur 40 Prozent der Erde seien überhaupt Land. Von diesen 40 Prozent der Erde sind wiederum zwei Fünftel ohne Boden wie etwa die Arktis oder Grönland. Nur drei Fünftel der 40 Prozent  sind  Böden, und von denen sind etwas mehr als 20 Prozent zu trocken, 5 Prozent zu nass, 10 Prozent unfruchtbar, 20 Prozent zu steil und 20 Prozent zu kalt. Lediglich 22 Prozent, aufgerundet ein Viertel, der 40 Prozent Erde sind landwirtschaftlich nutzbar, und diese versiegeln wir zusehends mit Städte- und Straßenbau, warnt Xylander.

Kammer der Krümel

 Gelbhalsmaus, Schermaus, Feldmaus, Mauswiesel und andere Bodensäugetiere werden im Modell in ihren Bodenbehausungen gezeigt. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier goddenthow
Gelbhalsmaus, Schermaus, Feldmaus, Mauswiesel und andere Bodensäugetiere werden im Modell in ihren Bodenbehausungen gezeigt. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Welche verschiedenen Boden- und Gesteinstypen (z.B. Sandstein, Granit, Kalkstein, Basalt, Lehm, Sand, Lös usw.) es gibt, ihre Eigenschaften und Entstehung sowie Säuger, die im Boden leben, können Besucher in der Kammer der Krümel kennenlernen.

 

Gang der visionären Menschen

Im Gang der Visionäre erfahren Besucher zum Schluss der Sonderausstellung, dass die bodenzerstörenden Szenarien der "Kammer des Schreckens" nicht unabwendbares Bodenschicksal sein müssen, sondern  es durchaus hoffnungsfrohe Visionen aus dem Dilemma der Bodenzerstörung gibt und wir alle mitmachen könnten. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier goddenthow
Im Gang der Visionäre erfahren Besucher zum Schluss der Sonderausstellung, dass die bodenzerstörenden Szenarien der „Kammer des Schreckens“ nicht unabwendbares Bodenschicksal sein müssen, sondern es durchaus hoffnungsfrohe Visionen aus dem Dilemma der Bodenzerstörung gibt und wir alle zur Rettung der Böden beitragen könnten. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Alle Themenkammern münden im optimistisch stimmenden „Gang der visionären Menschen“. Hier werden vom Ökobauern bis zum urbanen Naturschützer Menschen vorgestellt, die sich in der einen oder anderen Weise für Bodenschutz einsetzen. Beispielsweise Sepp Holzer, erläutert Professor Xylander, sei einer der bekanntesten Vertreter der Permakultur, jemand der sage, Pflanzen könne man nebeneinander anbauen. Es gäbe verschiedene Formen synergetischen Landbaus, der uns ermögliche, ausreichend zu produzieren, ohne Pestizide einsetzen zu müssen. Jeder Protagonist des Bodenschutzes wird persönlich abgebildet, Kinder und Jugendlich können über einen Spiegel in deren Porträts schlüpfen. Tipps, wie das eigene Verhalten einen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung von Böden leisten kann, sowie eine Selfie-Wand, vor der man sich mit guten „Bodenschutzvorsätzen“ in Form von Sprechblasen ablichten kann, runden die Ausstellung ab.

Wie viel Boden beanspruchen wir für unsere Lebensmittel? Die Ausstellung verrät es! Foto: Senckenberg, Jacqueline Gitschmann
Wie viel Boden beanspruchen wir für unsere
Lebensmittel? Die Ausstellung verrät es!
Foto: Senckenberg, Jacqueline Gitschmann

Kleine Entdeckerinnen und Entdecker tauchen mit Texten und Mitmachangeboten auf Kinderebene, die durch die ganze Ausstellung führen, in das Erdreich ein. Wer zum Beispiel selbst einmal am Zersetzungsprozess mitwirken möchte, kann ausprobieren, wie Bodentiere mit ihren Mundwerkzeugen Holz und Blätter zerkleinern. Bodeninsekten wie Klara Kugelspringer und die maulende Milbe erklären den Kleinen, mit welchen durch den Menschen verursachten Schwierigkeiten sie in ihrem Lebensraum zu kämpfen haben.

Die vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz konzipierte Ausstellung wurde anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung im Jahr 2017 erweitert.
Nach Stationen unter anderem im EU-Parlament in Brüssel ist die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Ausstellung nun im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt zu sehen.

Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden Bild: Bernd Pöppelmann
Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden
Bild: Bernd Pöppelmann

„Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden“ kann nur in Verbindung mit der Dauerausstellung besichtigt werden. Kombiticket „Dünne Haut der Erde“: 9 Euro für Erwachsene, 4,50 Euro für Kinder und Jugendliche (6- 15 Jahre) sowie 23 Euro für Familien (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder).

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

Begleitprogramm zur Sonderausstellung
Die Ausstellung "Dünne Haut Erde - unsere Böden" bietet spezielle Führungen und ein umfangreiches, intensives Begleitprogramm für alle Alters- und Interessensgruppen. Für die kleinsten Besucher gibt es eine Kinderebene.Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier goddenthow
Die Ausstellung „Dünne Haut Erde – unsere Böden“ bietet spezielle Führungen und ein umfangreiches, intensives Begleitprogramm für alle Alters- und Interessensgruppen. Für die kleinsten Besucher gibt es im unteren Bereich der Tafeln eine Kinderebene. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

„Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden“
Februar – April 2017

Weitere Angebote und Termine finden Sie im regelmäßig erscheinenden Programm unter www.senckenberg.de/veranstaltungen

Führungen zur Sonderausstellung für Schulklassen sowie Familien und Erwachsene „Die dünne Haut der Erde“ – Führung zur Sonderausstellung
In unserer Sonderausstellung „Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden“ schrumpfen wir auf Käfergröße und entdecken das Leben im Boden aus neuer Perspektive. Was ist Boden überhaupt? Welche Tiere leben hier? Wie viel Boden braucht jeder von uns für sein Frühstück und warum ist ein Haufen Erde etwas Wertvolles? Gemeinsam erkunden wir die Lebenswelt unter unseren Füßen.
Buchbar für alle Klassenstufen, ab Februar 2017
Dauer: 50 Minuten
Teilnehmer: max. 10
Kosten: Schulführung 30,- Euro, Erwachsenenführung 40,- Euro
Anfragen und Buchung unter 069 – 7542 1357 (Mo-Do 9-12 Uhr und 13-17 Uhr)

17. Februar 2017, 15 Uhr
Schnupperstunde für Kinder ab 3 Jahren (in Begleitung eines Erwachsenen) „Der Maulwurf Manni und seine Freunde im Boden“ Maulwurf Manni begleitet uns auf eine spannende Reise unter die Erde. Dabei treffen wir auch andere Tiere des Bodens, wie Käfer, Regenwürmer und das Erdchamäleon. Von den krabbelnden Bodentieren geht keine Gefahr aus, auch wenn es unter der Erde dunkel ist und gruselig aussieht. Wir erleben spielerisch verschiedene Abenteuer und Maulwurf Manni erklärt uns sein faszinierendes Reich. Am Ende unserer Schnupperstunde ist allen klar, dass buddeln in der Erde nicht nur viel Spaß macht, sondern dass der Boden von großer Bedeutung für das Leben auf der Erde ist und zu den schützenswertesten Grundlagen unseres Planeten gehört.
Teilnahmegebühr: 12,- Euro, Senckenberg-Mitglieder 10,- Euro
Anmeldung unter www.senckenberg.de/veranstaltungen
Treffpunkt: Foyer des Museums

12. April 2017, 18 Uhr
Öffentliche Mittwochabendführung für Erwachsene „Der Boden im Wandel der Jahreszeiten – Frühling“
Jahreszeiten gehen nicht spurlos an unserem Untergrund vorbei. Jedes Jahr im Frühling müssen Straßenschäden in Höhe von mehreren Millionen Euro ausgebessert werden.
Pflanzen reagieren mitunter sehr sensibel auf kleine Veränderungen der Temperatur und auch für Bodenlebewesen ändert sich vieles im Verlauf der Jahreszeiten. In der Mittwochabendführung gehen wir auf Veränderungen der Bodenverhältnisse im Wandel der Jahreszeiten ein.
Keine Anmeldung, es wird nur der Museumseintritt erhoben

20. April 2017, 11 – 15 Uhr,
21. April 2017, 12:30 – 16 Uhr
Offene Forscherstation in den Osterferien „Das Leben unter unseren Füßen – Bodentieren auf der Spur
Zu Besuch bei Assel, Kugelspringer und Regenwurm – im Boden unter unseren Füßen ist
einiges los! In unserer neuen Sonderausstellung „Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden“ schrumpft ihr auf Käfergröße und entdeckt das Leben im Boden aus neuer Perspektive. Was ist Boden überhaupt und wie entsteht er? An unserer offenen Forscherstation untersuchen wir gemeinsam eine Bodenprobe und nehmen die krabbeligen Bodenbewohner genauer unter die Lupe.
Keine Anmeldung, es wird nur der Museumseintritt erhoben
Kinder unter 14 Jahren nur in Begleitung Erwachsener

21. April 2017, 15 Uhr
Schnupperstunde für Kinder ab 3 Jahren (in Begleitung eines Erwachsenen) „Mal sehen was da unten im Boden steckt“
Heute gehen wir spannenden Fragen rund um die Sonderausstellung nach: Woraus besteht Boden? Was lebt im Boden? Wofür brauchen wir Boden? Wir wagen einen Blick unter die Erde und schauen uns genauer an, worauf wir täglich laufen. Dabei buddeln wir kräftig im Erdreich, gehen auf Spurensuche nach unseren Vorfahren und erkennen wie wichtig der Boden für Tiere und Pflanzen ist.
Teilnahmegebühr: 12,- Euro, Senckenberg-Mitglieder 10,- Euro
Anmeldung unter www.senckenberg.de/veranstaltungen
Treffpunkt: Foyer des Museums

27. April 2017, 15 Uhr
Abenteuer Museum für Kinder von 4-6 Jahren
„Abenteuer im Reich der Minimonster“
In der Sonderausstellung „Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden“ schrumpfen wir auf die Größe einer Landassel und erfahren welche Lebewesen dort wohnen. Wir werden einiges über den Boden unter unseren Füßen lernen und staunen auf wie vielen Lebewesen wir täglich herumspazieren. Wer hat die meisten Beine, wie kriecht es sich nur mit Borsten am Körper? Seltsam klingende Namen wie Saftkugler, Rollassel oder Kugelspringer begegnen uns bei unserem Abenteuer unter dem Boden und wir bekommen so manch lebendes Exemplar in der Becherlupe zu sehen.
Teilnahmegebühr: 15,- Euro, Senckenberg-Mitglieder 10,- Euro
Anmeldung unter www.senckenberg.de/veranstaltungen
Treffpunkt: Foyer des Museums

Senckenberg
Forschungsinstitut und Naturmuseum
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt

200 Jahre Senckenberg Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung feiert 2017 Jubiläum

(v.li.) Stifter Johann Christian Senckenberg, Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Dr. h. c. Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung u. Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main schnitten gemeinsam die Senckenberg-Geburtstagstorte an. Zuvor hatten sie ,  während eines Pressegespräches einen kurzen Überblick über die Entwicklung und Bedeutung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in den letzten 200 Jahren berichtet und das Festprogramm für 2017 vorgestellt. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier goddenthow
(v.li.) Stifter Johann Christian Senckenberg, Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Dr. h. c. Beate Heraeus, Präsidentin der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung u. Peter Feldmann,
Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main schnitten gemeinsam die Senckenberg-Geburtstagstorte an. Zuvor hatten sie bei einem Pressegespräches einen kurzen Überblick über die Entwicklung und Bedeutung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in den letzten 200 Jahren gegeben und die fünf Schwerpunkte des Festprogramms für 2017 vorgestellt. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier goddenthow

Frankfurt, den 16.01.2017. In diesem Jahr wird die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) 200 Jahre alt. Unter dem Motto „Senckenberg forscht für IHR Leben gern“ feiert die Gesellschaft dieses Ereignis mit einem großen Programm über das gesamte Jahr hinweg und an allen elf Standorten in Deutschland: Ausstellungen und Führungen, Wettbewerbe, ein Wissenschaftskongress, ein Festakt und ein großes Bürgerfest am 19. November 2017 im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt sowie viele weitere Veranstaltungen gehören dazu. Hierbei steht, dem Motto gemäß, die Senckenberg-Forschung im Fokus.

Höchstpersönlich erläuterte der von schweren Schicksalsschlägen geprüfte Johann Christian Senckenberg, wie er  in »Ermangelung ehelicher Leibes-Erben« sowie aus Liebe »zu meinem Vaterland« die Beweggründe, sein gesamtes Vermögen für »bessere Gesundheits-Pflege hiesiger Einwohner, und Versorgung der armen Kranken gerichtet« gestiftet hatte. Foto: Diether v. Goddenthow
Höchstpersönlich erläuterte der von schweren Schicksalsschlägen geprüfte Johann Christian Senckenberg, wie er in »Ermangelung ehelicher Leibes-Erben« sowie aus Liebe »zu meinem Vaterland« die Beweggründe, sein gesamtes Vermögen für »bessere Gesundheits-Pflege hiesiger Einwohner, und Versorgung der armen Kranken gerichtet« gestiftet hatte. Foto: Diether v. Goddenthow

„Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts“, sagte schon Johann Wolfgang von Goethe. Der Neugier von 32 wissenschaftlich interessierten Frankfurter Bürgern ist es zu verdanken, dass die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung am 22. November 1817 gegründet wurde. Am Anfang der Senckenberg-Geschichte standen eine Bürgergesellschaft und ein kleines naturkundliches Museum in Frankfurt am Main, in dem die frühen Forschungsreisenden nie zuvor Gesehenes einem staunenden Publikum vor Augen führten. Seitdem ist viel passiert: Die Neugier und die Begeisterung für die Natur teilen inzwischen rund 800 Senckenbergerinnen und Senckenberger an elf Standorten in ganz Deutschland. Darunter sind 300 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die an Projekten auf der ganzen Welt forschen – von der Tiefsee bis in den Himalaya, von der Arktis bis zur Wüste Gobi – mit einem großen Ziel: das System Erde als Ganzes zu verstehen und einen nachhaltigen Umgang damit zu ermöglichen. In mittlerweile vier Museen in Frankfurt am Main, Dresden, Görlitz und Tübingen werden die Ergebnisse anschaulich präsentiert. Über 7.000 Mitglieder tragen inzwischen die gemeinnützig arbeitende Gesellschaft.

„Es ist großartig, auf diese bemerkenswerte Geschichte zurückzublicken und zu sehen, wie aus der Begeisterung und Neugier einzelner Bürger und dem Engagement vieler eines der größten und renommiertesten Forschungsinstitute in Deutschland geworden ist“, sagt Senckenberg-Generaldirektor Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger und fährt fort: „Für dieses einmalige bürgerschaftliche Engagement wollen wir uns im Jubiläumsjahr bedanken und auch neue Freunde und Förderer gewinnen, die mit uns gemeinsam bevorstehende Meilensteine wie die Erneuerung des Frankfurter Museums realisieren.“

Familienfestim Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, Foto Senckenberg
Familienfestim Senckenberg Naturmuseum Frankfurt, Foto Senckenberg

Das Jubiläumsjahr startet mit einem glamourösen Highlight am 28. Januar: Die Galaveranstaltung Senckenberg night steht unter dem Motto „Der blaue Planet“. Höhepunkt der jährlich stattfinden Feier ist die Verleihung des Senckenberg-Preises in den Kategorien Natur-Forschung und Natur-Engagement, die in diesem Jahr an den Wissenschaftler und Ozeanographen Prof. Dr. Craig Smith aus Hawaii sowie den Musiker Rea Garvey für sein Projekt „Clear Water“ in Ecuador gehen. Wenige Restkarten können noch unter www.senckenbergnight.de erworben werden. Zu den weiteren Glanzpunkten des Jubiläums zählen ein Festakt im August/September, an dem unter anderem Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann teilnehmen, sowie ein großes Familienfest im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt am 19. November, drei Tage vor dem Gründungsdatum der Gesellschaft.

senckenbergdisplaysDie Erforschung der Natur und ihr Erhalt ist das zentrale Anliegen Senckenbergs und steht deshalb im Fokus einer Vielzahl von Veranstaltungen im Jubiläumsjahr. Gemeinsam mit dem Medienpartner hr-iNFO stellt Senckenberg Forschungsprojekte vor, bei denen Bürger und Bürgerinnen mitmachen können, indem sie Beobachtungen melden, Messungen durchführen oder Daten auswerten. Mit der Frankfurter Rundschau ist ein Stadtgespräch zum Thema Artenschutz in Frankfurt geplant, und im ZDF wird im November die Senckenberg-Nacht der Wissenschaft zum Thema Biodiversität ausgestrahlt. Einen Einblick in die Forschung geben zudem Tage der offenen Tür an den Senckenberg-Standorten in Görlitz, Tübingen, Müncheberg, Gelnhausen und Dresden sowie populärwissenschaftliche Vortragsreihen in Frankfurt und Weimar. Und auf einem großen internationalen Fachkongress im Oktober tauschen sich Forschende erstmals disziplinübergreifend zum Thema Geobiodiversität aus und beraten über künftige Forschungsschwerpunkte.

Im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt begleiten drei Sonderausstellungen das Jubiläumsjahr. Bereits am 20. Januar eröffnet die Ausstellung „Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden“, erstellt von Bodenzoologen am Senckenberg-Standort in Görlitz. Geschrumpft auf die Körpergröße eines Käfers können Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung das Leben im Boden aus einer neuen Perspektive entdecken. Die Ausstellung „200 Jahre Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung“ gibt ab Juni einen Überblick zu den Highlights der Geschichte Senckenbergs aus der Forschungsperspektive. In der Ausstellung „Vielfalt schafft Leben“ öffnet Senckenberg ab dem 29. September die Forschungssammlung für die Öffentlichkeit und zeigt in einer 15 Meter breiten und über vier Meter hohen Vitrine die beeindruckende Vielfalt von 6.000 Objekten vom winzigen Käfer, seltenen Pflanzen und außergewöhnlichen Fossilien bis zum Okapi.

Im Rahmen der Reihe „Kultur trifft Natur“ gratulieren Chor und Orchester des Collegium Musicum der Goethe-Universität mit zwei Konzerten am 13. Juli auf dem Campus Westend und am 2.November im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt. Bei dem Fotowettbewerb „Ich und mein Senckenberg“ können Senckenberg-Fans vom 26. Juni bis 16. Juli ihren gelungensten Schnappschuss zu ihrem schönsten Senckenberg-Erlebnis in den sozialen Netzwerken Instagram und Facebook mit dem Schlagwort #MeinSenckenberg einreichen.

Anlässlich des Jubiläumsjahres erscheinen gleich mehrere Publikationen: Die wichtigsten sind eine Chronik in zwei Bänden mit einem Überblick der Highlights der Senckenberg-Forschung aus den letzten 25 Jahren sowie Berichten aus den wissenschaftlichen Abteilungen, eine Monografie des Historikers Andreas Hansert zur Geschichte der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in der NS-Zeit, ein Buch mit Geschichten anhand ausgewählter Funde aus dem Senckenberg-Archiv sowie ein populärwissenschaftlicher, bunt bebilderter Bericht über die aktuelle Forschung der letzten beiden Jahre.

senckenbergspendenAlle Veranstaltungen des Jubiläumsjahres, Informationen über die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung sowie aktuelle Projekte sind auf der Jubiläumswebseite www.200jahresenckenberg.de sowie in den Social-Media-Kanälen unter dem Hashtag #Senckenberg200 zu finden.