Kategorie-Archiv: documenta kassel

Kasseler „Lumbung“ geht weiter: Alexander Farenholtz übernimmt die Interims-Geschäftsführung der documenta und Museum Fridericianum gGmbH

© Falk Wenzel
© Falk Wenzel

Alexander Farenholtz wurde heute einstimmig durch den Aufsichtsrat der documenta und Museum Fridericianum gGmbH zum Interims-Geschäftsführer der documenta bestellt. Das erklärten Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle, Aufsichtsratsvorsitzender der documenta, und seine Stellvertreterin im Aufsichtsrat, die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn, am Montag.

Die Gesellschafter der documenta sind froh und dankbar, in einer für die documenta herausfordernden Situation einen so erfahrenen und renommierten Kulturmanager für die bedeutende Weltkunstausstellung in Kassel gewonnen zu haben. Alexander Farenholtz übernimmt diese Aufgabe bereits am Dienstag, 19. Juli. Das Engagement ist zunächst bis zum 30. September 2022 befristet. Es ist der Wunsch von Herrn Farenholtz, nach der Abstimmung mit den Gesellschaftern nun zunächst mit der künstlerischen Leitung und dann selbstverständlich auch mit dem Team der documenta gGmbH Gespräche aufzunehmen.

Wellcome im ruruHaus © Foto Diether von Goddenthow
Wellcome im ruruHaus © Foto Diether von Goddenthow

Kassel und die documenta sind Farenholtz seit Jahren gut vertraut: Nach dem Studium (Verwaltungswissenschaft in Konstanz) und ersten beruflichen Stationen war er 1989 unter anderem für die Realisierung der documenta 9 unter der künstlerischen Leitung von Jan Hoet zum Geschäftsführer der documenta GmbH berufen worden.

1993 wechselte er als Leiter des Ministerbüros ins Baden-Württembergische Kunstministerium und übernahm 1996 zusammen mit Tom Stromberg die Leitung des Kulturprogramms der Weltausstellung EXPO2000 in Hannover.

Mit Beginn des Jahres 2002 wurde er zum Gründungsvorstand und Verwaltungsdirektor der Kulturstiftung des Bundes bestellt. Dieses Amt übte er an der Seite von Hortensia Völckers als Künstlerischer Leiterin bis zum Erreichen der Altersgrenze im Januar 2020 aus.

 

Kunst oder Politischer Aktivismus ? Das liegt wohl im Auges des Betrachters. © Foto Diether von Goddenthow
Kunst oder Politischer Aktivismus ? Das liegt wohl im Auges des Betrachters. © Foto Diether von Goddenthow

Das Kasseler Lumbung geht also unter neuen, vielleicht weniger politischen Vorzeichen?  weiter. Das Praktizieren von lumbung ermögliche eine alternative Ökonomie der Kollektivität, des gemeinsamen Ressourcenaufbaus und der gerechten Verteilung. lumbung basiere auf Werten wie lokaler Verankerung, Humor, Großzügigkeit, Unabhängigkeit, Transparenz, Genügsamkeit und Regeneration, so in einer Erläuterung der documenta fifteen

Kasseler Weltkunst-Schau Documenta fifteen öffnet am 18. Juni 2022 – Blick des globalen Südens auf Zeitgeschehen, Kunst, Kultur

Bei herrlichem Wetter starteten in einer fast ausgelassenen Stimmung die Preview-Tage der documenta fifteen im Kasseler Aue-Stadion für die internationale Presse und Fachbesucher. Eingerahmt war die Pressekonferenz mit mehren hundert Teilnehmern vom Jubel der zahlreichen Künstler der Weltkunstschau und des indonesischen künstlerischen documenta-Leitungskollektiv ruangrupa. © Foto Diether von Goddenthow
Bei herrlichem Wetter starteten in einer fast ausgelassenen Stimmung die Preview-Tage der documenta fifteen im Kasseler Aue-Stadion für die internationale Presse und Fachbesucher. Eingerahmt war die Pressekonferenz mit mehren hundert Teilnehmern vom Jubel der zahlreichen Künstler der Weltkunstschau und des indonesischen künstlerischen documenta-Leitungskollektiv ruangrupa. © Foto Diether von Goddenthow

Im Vorfeld der Kasseler Documenta-Eröffnung am Samstag mit Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, begrüßten am Mittwoch Hessens Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, Documenta-Generaldirektorin Dr. Sabine Schormann und Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle gemeinsam mit dem indonesischen documenta-Leitungsteam „ruanrupa“  die internationale Presse und das Fachpublikum zu den Preview-Tagen der Weltkunstschau. Bei herrlichem Sonnenschein war die Stimmung unter den mehreren hundert Presseleuten, Fachbesuchern und anwesenden Künstlern im Aue-Stadion  fröhlich und gelassen: Denn aufgrund von Corona wusste praktisch bis vor ein paar Wochen noch niemand sicher, ob es die documenta fifteen in gewohnter Form überhaupt geben würde. Gleichwohl wurde eines der größten Events zeitgenössischer Kunst und Kultur seit Jahren vorbereitet. Der Etat insgesamt dürfte bei gut 42 Millionen Euro liegen

Herzstück der documenta fifteen ist auch wieder das Fridericianum, indem die sich die Künstler-Kollektive präsentieren, viele mit Werken. © Foto Diether von Goddenthow
Herzstück der documenta fifteen ist auch wieder das Fridericianum, indem  sich die Künstler-Kollektive präsentieren, viele mit Werken. © Foto Diether von Goddenthow

Die internationale Kunst- und Kultur-Schau steht ganz unter dem Zeichen des kollektiven Ressourcenfundus lumbung, dem Sinnbild des Teilens und Kommunizierens in einer indonesischen Reisscheune, und versammelt laut ruanrupa Zeit, Ideen, Arbeitskraft und Wissen. Mit diesem Ansatz soll die 15. Auflage der documenta insbesondere experimenteller Raum der Freiheit sein mit einem Blick aus dem globalen Süden auf Zeitgeschehen, Kunst und Kultur. Es soll gezeigt werden, dass die Dinge auch anders als nach dem Muster westlicher Herangehensweisen verstanden werden können.

Ab morgen,  18.Juni 2022, wird nun die Kasseler Welt-Kunstschau nach mehrjähriger Vorbereitungsphase und Corona-Hindernissen eröffnet.  Dann kann 100 Tage lang das umfangreiche Kultur-Experiment  an 32 Ausstellungsorten Kassels besichtigt werden. Ausgehend von den zentralen documenta-Orten, Fridericianum und documenta Halle am Friedrichplatz, präsentieren die Künstlerkollektive sich selbst und ihre Arbeiten in zahlreichen Kasseler Museen, an ungewöhnlichen Orten, auf Plätzen, in der Karlsaue und an Hausfassaden in allen Stadtteilen. Wer alles besichtigen und am Begleitprogramm teilnehmen möchte, sollte mindestens drei Tage, besser noch eine Woche  „Kultururlaub“ und auf alle Fälle gutes Schuhwerk einplanen.

Auf Wunsch begleiten „Kunstvermittler*innen“, sogenannte Sobat-sobat (Freundinnen), Interessierte bei den „Walks and Stories“ in Rundgängen durch die Ausstellungen. Räume, Geschichten und Arbeitsweisen von lumbung. Diese werden hierdurch gemeinsam erkundet und erlebt, wobei Freundschaft und Erzählungen hier im Mittelpunkt stehen.

Das ruruHaus, Obere Königsstraße 43, ist nun das Wellcome-Zentrum der documenta fifteen. Hier gibt es Infos, Tickets, Kaffee u. Bücher.   Das indonesische Wort "ruru" bedeutet Raum. Das ruruHaus, eine ehemalige Sportarena in der Innenstadt Kassels, ist Teil der kuratorischen Praxis von ruangrupa und stellt Räume für kollektive Praxis, Ideen, Austausch und Kollaborationen bereit. Darüber hinaus soll der Ort als zentral gelegenes Wohnzimmer der Stadt fungieren und zum kreativen Zusammensein und Verweilen (nongkrong) einladen. © Foto Diether von Goddenthow
Das ruruHaus, Obere Königsstraße 43, ist nun das Wellcome-Zentrum der documenta fifteen. Hier gibt es Infos, Tickets, Kaffee u. Bücher. Das indonesische Wort „ruru“ bedeutet Raum. Das ruruHaus, eine ehemalige Sportarena in der Innenstadt Kassels, ist Teil der kuratorischen Praxis von ruangrupa und stellt Räume für kollektive Praxis, Ideen, Austausch und Kollaborationen bereit. Darüber hinaus soll der Ort als zentral gelegenes Wohnzimmer der Stadt fungieren und zum kreativen Zusammensein und Verweilen (nongkrong) einladen. © Foto Diether von Goddenthow

„Wir sind gespannt auf diese 15. Ausgabe der Weltkunstausstellung, die seit ihrem Beginn den Anspruch hat, die Ausstellung der Kunst von heute und damit für morgen zu sein. Glücklicherweise erlaubt es die Corona-Pandemie derzeit, die documenta nahezu normal durchzuführen – unsere documenta, auf die wir als Land Hessen sehr stolz sind und die wir gemeinsam mit der Stadt und dem Bund tragen. Die Welt der Kunst blickt nach Kassel!“,  so Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. Die documenta stelle in Frage, wie wir die Welt sähen; sie hinterfrage immer wieder auch den Kunstbegriff als solchen, erläuterte Ministerin Dorn. An diese Tradition knüpfe ruangrupa, das Kuratorenkollektiv der documenta fifteen, nahtlos an: Sie und die von ihnen eingeladenen Künstlerinnen und Künstler begriffen Kunst als Prozess von Teilhabe, gesellschaftlichem Diskurs und gemeinschaftlichem Austausch von Ideen, Wissen und Können. Es gehe um das gemeinschaftliche Erarbeiten von Lebensformen, die Verteilungsgerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Dieser künstlerische Ansatz gäbe Impulse, „unsere Gesellschaft anders zu denken und auch zu gestalten.“, so Dorn.

In Workshops mit dem Künstlerkollektiv Taring Padi entstanden rund 800 Pappkunstwerke, die in gemeinsamer Kooperation unter Einbezug des Publikums auf dem Friedrich-Platz installiert werden. © Foto Diether von Goddenthow
In Workshops mit dem Künstlerkollektiv Taring Padi entstanden rund 800 Pappkunstwerke, die in gemeinsamer Kooperation unter Einbezug des Publikums auf dem Friedrich-Platz installiert werden. © Foto Diether von Goddenthow

Beim ruanrupa-Ansatz sei das Kunstwerk nicht das Ziel, „sondern die Kooperation selbst“, so Dr. Sabine Schormann. Der Name des künstlerischen Leitungskollektivs ruanrupa setze sich zusammen aus ruam = raum sowie rupa = Forderung, und bedeute frei übersetzt: „Kunstraum“ oder „Raumform“. Der Name sei insofern Programm, da ein physischer Raum gemeint sei, in dem Menschen zusammenarbeiteten und gemeinsam dabei mitwirkten, die Raumform zu erleben, so die  Generaldirektorin.
Entscheidend sei der Prozess, der nie abgeschlossen und stets ergebnisoffen sei, ein Prozess, der sich entwickele und bisweilen keine großen Ergebnisse, wohl aber vielfältige, reiche Geschichten und Narrative hervorbringe. Ein wesentliches Element sei dabei „nongkrong“, die indonesische Bezeichnung für das Zusammensein und Reden über Gott und die Welt, ohne direktes Ziel, durch das Verbundenheit, Nähe und Vertrauen entstehe“, erklärt Dr. Sabine Schormann das künstlerisch-kulturelle Konzept und ergänzt: „Und noch eine wichtige Ingredienz für die Entscheidung der Findungskommission: ruanrupa ist kritisch gegenüber den westlichen Idealen des Künstlers als Genie, den Gesetzen des Kunstmarktes und Institutionen allgemein. Insofern versprach die Wahl von ruanrupa ein Aufbrechen von Strukturen, und neue Impulse durch eine anders ausgerichtete künstlerische bzw. kuratorische Praxis.“

Thailändisches Künstlerkollektive Baan Noorg Collaborative Arts and Culture in der documenta-Halle. In der einem Tempel nachemfundenen Großinstallation gibt es sogar eine Skateboardrampe, die genutzt werden kann.  © Foto Diether von Goddenthow
Thailändisches Künstlerkollektive Baan Noorg Collaborative Arts and Culture in der documenta-Halle. In der einem Tempel nachemfundenen Großinstallation gibt es sogar eine Skateboardrampe, die genutzt werden kann. © Foto Diether von Goddenthow

Das ruanrupa Artistik Team habe 14 quer durch die Welt verteilte Lumbung-Member, die Lumbung-Artists, ins documenta-Boot geholt, die ihrerseits wiederum andere Künstler mitbrachten, vergleichbar mit einem Schneeball, wodurch „inzwischen mindestens 1500 Künstler an der documenta fifteen mit immer noch steigender Zahl beteiligt“ seien. „Viele von ihnen bringen die postkoloniale Perspektive des globalen Südens mit und verfolgen unter oft prekären Umständen ihre kollektive künstlerische Praxis, die in  Kunst und Leben nicht immer getrennt sind“.
Die Reise verlief nicht ohne Hindernisse: Das größte davon sei fast der gesamte Kennenlern- und Auswahl-Prozess gewesen, da dieser wegen der Corona-Pandemie digital bis in die Umsetzungsphase hinein mehr als zwei Jahre lang digital stattfand, erläuterte die Generaldirektorin.

Künstlerkollektiv Kali und Manus zur frage des Körpers im Fridericianum, 1 OG  © Foto Diether von Goddenthow
Künstlerkollektiv Kali und Manus zur frage des Körpers im Fridericianum, 1 OG © Foto Diether von Goddenthow

„Wir sind froh“, so Oberbürgermeister Christian Geselle, „dass wir die documenta überhaupt in dieser Form bestreiten können. Der Oberbürgermeister sprach von der Erleichterung, dass nun der Druck, der nicht nur dem Artist-Team, sondern den Organisatoren aller beteiligten Einrichtungen und städtischen Ämtern insgesamt, aber auch den Menschen generell  schwer auf der Seele gelegen habe, nunmehr der Freude über die Realisierung der documenta  gewichen sei. Das sei  wunderbar: „Wir freuen uns sehr darauf, die Welt zu Gast in Kassel zu haben.“

Geselle unterstrich nochmal, dass man bei dieser documenta einen neuen Weg gegangen sei, indem man eben nicht bereits etablierte Pfade wie in den vergangenen Ausstellungen geschah, beschritten habe, sondern indem man, den Vorschlag der Findungskommission aufgegriffen habe, nämlich dieses Mal Zeitgeschehen, Kunst und Kultur aus dem globalen Süden betrachten zu lassen.
Ruanrupa passe in die Zeit, da es Fragen stelle „nach Verteilung, nach Gemeinwohlorientierung, nach Bekämpfung von Klimawandel, und nach Fragen von Zukunft unserer Gesellschaft, eben nicht nur mit dem Blick eines Mitteleuropäers, eines Nordamerikaners, sondern mit dem Blick aus dem globalen Süden, und in der kompletten Vernetzung“, so Geselle und betont: Die Documenta lebt von Beginn an ihrer Geschichte von einer großen künstlerischen Freiheit. Das ist die DNA und Besonderheit unserer Documenta, dass die Freiheit der Kunst hier in Kassel anders als anderswo noch viel intensiver gelebt werden kann und dafür streiten wir, und dafür kämpfen wir.“

Zusatztipp: about: documenta

Übrigens lädt die neue Galerie Kassel zu einer sehr gelungenen documenta-Retrospektive über die Geschichte der documenta von ihrer Gründung durch Arnold Bode bis heute ein: about: documenta

(Diether von  Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Die documenta fifteen in Kassel öffnet für das Publikum am Samstag, 18. Juni. Alle Informationen: https://documenta-fifteen.de/

Hofbuchhandlung Vietor und Buchhandlung Walther König sind Partner im Bereich Buchhandel der documenta fifteen

Über den Haupteingang im ruruHaus, dem Wellcome-Center der Kasseler documenta fifteen gelangt man auch zu den kooperierenden Buchhandlungen Vietor und Walther König. © Foto Diether von Goddenthow
Über den Haupteingang im ruruHaus, dem Wellcome-Center der Kasseler documenta fifteen gelangt man auch zu den kooperierenden Buchhandlungen Vietor und Walther König. © Foto Diether von Goddenthow

­Mit der Hofbuchhandlung Vietor gewinnt die documenta fifteen die traditionsreichste und älteste Buchhandlung Kassels. Sie ist zudem als eine der wenigen in der Stadt noch verbliebenen inhabergeführten Buchhandlungen mehrfach mit Buchhandlungspreisen ausgezeichnet und war bereits im Rahmen der documenta 1 im Jahr 1955 Partner der documenta. In diesem Jahr übernahm sie zum ersten Mal den Katalog- und Bücherverkauf. Seit der Gründung im Jahr 1837 widmet sich die Hofbuchhandlung Vietor den Themen Kassel und Nordhessen. Heute findet sich dort ein breites Buchsortiment – ohne Bestsellerwand. Die Buchhandlung hat sich in den letzten Jahren zu einem kulturellen Treffpunkt entwickelt und ist aus dem Gefüge von Literatur und Kultur nicht mehr weg zu denken. Bücher, Globen, Karten und auch Plakate und Statements zu aktuellen Themen sind dort zu entdecken.

Auf der documenta fifteen präsentiert die Hofbuchhandlung Vietor ihr klassisches Buchhandlungsprogramm, darunter Bücher aus der Region Kassel und jene, die sich der heimischen Küche und Produkten widmen, sowie Titel zu aktuellen Themen der Zeit angelehnt an die Fragestellungen der documenta fifteen. Vietors Portfolio wird sich während der documenta laufend ändern.

Die Buchhandlung Walther König ist eine Verlagsbuchhandlung für Kunst und Kunstwissenschaft, Architektur, Kunstgewerbe, Design, Mode, Fotografie, Film und Kunsttheorie sowie für Ausstellungskataloge mit Sitz in Köln. 2022 ist sie zum zehnten Mal an einer documenta beteiligt. In den 54 Jahren ihres Bestehens sind über das Kölner Stammhaus hinaus weitere Buchhandlungen entstanden. Mehr als 4.000 Titel, darunter zahlreiche Künstlerbücher, wurden verlegt. Dabei zeichnet die Vorgehensweise der Buchhandlung und des Verlages Walther & Franz König aus, vielen jungen und häufig später renommierten Künstler*innen erstmals ein Forum für das Buch als Kunst gegeben und auch später ihre Entwicklungen gefördert zu haben.

Die documenta-Partnerbuchhandlungen Vietor und  Walther König im ruruHaus, dem Wellcome-Center, bieten Publikationen der documenta fifteen, ausgewählte Bücher und Merchandise-Artikel (Books & Goods). © Foto Diether von Goddenthow
Die documenta-Partnerbuchhandlungen Vietor und Walther König im ruruHaus, dem Wellcome-Center, bieten Publikationen der documenta fifteen, ausgewählte Bücher und Merchandise-Artikel (Books & Goods). © Foto Diether von Goddenthow

Auf der documenta fifteen präsentiert die Buchhandlung Walther König eine breite Auswahl an Ausstellungskatalogen und Künstlermonografien, sowie Bücher zu den Themen Fotografie, Kunstgeschichte, Kunstgewerbe, Typographie, Mode und Design. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Titeln der kritischen und ästhetischen Theorie, in denen aktuelle Fragen in der Kunst und Gesellschaft diskutiert werden – alles unter besonderer Berücksichtigung der Themen der documenta fifteen.

Die Hofbuchhandlung Vietor und die Buchhandlung Walther König sind auf der documenta fifteen im Bereich Books & Goods des Welcome Centers im ruruHaus angesiedelt. Beide bieten neben einer kuratierten Auswahl ihrer Sortimente die Publikationen der documenta fifteen an. Ergänzt wird das Buchsortiment durch den lumbung Kios, der ausgewählte Merchandise-Artikel, Kunstpostkarten und Objekte der lumbung member und lumbung-Künstler*innen präsentiert, sowie durch die lumbung Gallery, eine gemeinsam verwaltete, nicht-spekulative und regenerative Galerie.

Ein im Bereich Books & Goods installiertes Regalsystem vom Architekten der documenta Halle Jochem Jourdan steht Pate für die bei der documenta fifteen groß geschriebene Kreislaufwirtschaft u.a. im Bereich der Ausstellungsproduktion: das Recyceln und Wiederverwerten von gebrauchten Materialien. Einst entwickelt für eine Düsseldorfer Buchhandlung, die mittlerweile geschlossen ist, war das Regal zuletzt eingelagert und kommt auf der documenta fifteen erneut zum Einsatz.

Das Welcome Center im ruruHaus hat täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet und befindet sich in der Oberen Königsstraße 43, 34117 Kassel.

ruruHaus der documenta fifteen ist auch Wellcome-Center  © Foto Diether von Goddenthow
ruruHaus der documenta fifteen ist auch Wellcome-Center © Foto Diether von Goddenthow

Besucher erhalten hier umfassende Information zu ihrem Besuch (Info & Service), täglich Einblicke in die Arbeit an der documenta fifteen (Welcome Area), Tickets und Ausstellungsrundgänge (Tickets & Tours), Kaffeespezialitäten und andere gastronomische Angebote (Café) sowie die Publikationen der documenta fifteen, ausgewählte Bücher und Merchandise-Artikel (Books & Goods). Service-Partner im Welcome Center ist die Sparkassen-Finanzgruppe, deren Auszubildende neben Mitarbeitenden der documenta fifteen den Besucher*innen zur Seite stehen und rund um den Ausstellungsbesuch informieren.

Die documenta fifteen in Kassel öffnet für das Publikum am Samstag, 18. Juni. Alle Informationen: https://documenta-fifteen.de/

„Manzil Monde – Nadira Husain“ Sonderausstellung vom 26. 06 bis 2. 10 2022 Institut Mathildenhöhe Darmstadt Künstlerkolonie

manzil-monde-nadira-husainDiesen Sommer hält mit MANZIL MONDE wieder eine zeitgenössische Ausstellung Einzug in die Bildhauerateliers des Museum Künstlerkolonie. Die Künstlerin Nadira Husain präsentiert Arbeiten, die aktuelle Diskurse wie Postmigration, Transkulturalität und Feminismus thematisieren. Neue Werke werden in einer ortsspezifischen Installation auf der Mathildenhöhe Darmstadt erstmals zu sehen sein.

DIE AUSSTELLUNG
Vom 26. Juni bis 2. Oktober 2022 zeigt das Institut Mathildenhöhe Darmstadt die Einzelausstellung MANZIL MONDE von Nadira Husain (*1980 in Paris, Frankreich). Die Künstlerin nimmt die Betrachter*innen mit auf eine visuelle Reise: In ihren Werken verwebt Husain Figuren, Symbole und Ornamente verschiedener Kulturkreise, welche die eigene multikulturelle Erfahrung der Künstlerin reflektieren.

Gleichberechtigt bezieht Husain Malerei, Skulptur, Zeichnung, Druckverfahren und Handwerkstechniken in ihre Werke ein. Dabei überschreitet sie nicht nur die Grenzen des Bildformats, vielmehr greifen ihre Arbeiten in den Raum hinein. In der eigens für die Mathildenhöhe Darmstadt entwickelten Installation arrangiert die Künstlerin hauptsächlich neue Werke, die zuvor noch nicht ausgestellt wurden. Mit Objekten aus unterschiedlichen Materialien – darunter Textil, Keramik und Plastik – richtet Husain bühnenhafte Settings in den Räumen des Museum Künstlerkolonie ein.

Der Ausstellungstitel Manzil Monde führt Bedeutungen von ‚Haus‘ und ‚Welt‘ in den Sprachen Urdu, Arabisch und Französisch zusammen. Er wird zum Leitmotiv der Installation in den historischen Bildhauerateliers im Ernst Ludwig-Haus. Das monumentale Gemälde Migration Pride und die neuen Textilarbeiten Ancestors verbinden sich im oberen Bildhaueratelier zu einem Begegnungsraum für eine generationsübergreifende Gesellschaft von politischer und kultureller Teilhabe. Le monde – die Welt – wird dabei als Zusammenwirken aller Individuen innerhalb von politischen, sozialen und kulturellen Veränderungsprozessen verstanden.

Semitransparente Vorhänge, die das untere Bildhaueratelier gliedern, zeigen Fotografien von privaten Wohnräumen. Illustrationen aus dem indischen Epos Hamzanama legen sich als digitale Collagen wie ein Schleier über die Aufnahmen. Die nachträglich hineinmontierten Kunststoffobjekte finden ihre Entsprechung in Monobloc-Stühlen, die im Ausstellungsraum aufgestellt sind. Fantastic Plastic – die Faszination für die Gebrauchsgegenstände einer globalisierten Welt – steht traditionellen indischen Artefakten gegenüber. In Husains Installation wird das Manzil, das zugleich physisches Haus, temporäres Ziel einer Reise und Heimat meint, zum Sinnbild der Sehnsucht nach Zugehörigkeit einer postmigrantischen Person.

In den neuen Materialcollagen An Elephant in Front of the Window setzt die Künstlerin eine Fülle unterschiedlicher Materialien, Techniken und Formen ein. Applikationen aus Stoffen und malerische Überblendungen lösen Bildhierarchien auf. Digitale Fotomontagen, Illustrationen aus Mogulminiaturen des 16. Jahrhunderts und figürliche Zeichnungen verschmelzen zu einem neuen Ganzen. Husain stellt fest: „Ich verwende die Collagetechnik als Konzept: Es wird sichtbar, was zusammengesetzt ist, und nicht, was ausgeschnitten ist. Ich will nicht defragmentieren. Ich interessiere mich nicht für meine einzelnen Elemente, sondern für das Gesamtbild, das ich geschaffen habe.“

Dr. Sandra Bornemann-Quecke, Stellvertretende Direktorin des Institut Mathildenhöhe Darmstadt und Kuratorin der Ausstellung, hebt hervor: „Nadira Husain lädt die Besucher*innen ein, in ihre komplexen Bildwelten einzutauchen. Der Rundgang durch die Ausstellung wird zu einer Suchbewegung zwischen Orten und Zeiten. Immer wieder öffnen sich Räume für individuelle Assoziationen. Dabei sind wir aufgefordert, unsere eigene Position innerhalb der Gesellschaft kritisch zu befragen.“

In der Sammlungspräsentation Raumkunst – Made in Darmstadt treten Husains Arbeiten in einen spannungsreichen Dialog mit den Werken der Künstlerkolonie Darmstadt. Dr. Philipp Gutbrod, Direktor des Institut Mathildenhöhe Darmstadt, erläutert: „Im Zusammenspiel von bildender und angewandter Kunst verwebt Nadira Husain Einflüsse und Eindrücke aus unterschiedlichen Ländern und schafft hieraus Werke, die zur Reflexion akuter sozialpolitischer und interkultureller Themen einladen. Husain gibt wesentlichen Themen ihrer Zeit eine Plattform und steht somit in Einklang mit der Geschichte der Mathildenhöhe Darmstadt als Denk- und Versuchswerkstatt der frühen Moderne.“

Neben einem zweisprachigen Katalog (dt./eng.) wird die Ausstellung von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm sowie mehrsprachigen Vermittlungsmedien begleitet (dt./eng./türk.). In einer Broschüre für Kinder ab 10 Jahren werden die künstlerische Praxis von Nadira Husain und gesellschaftliche Zusammenhänge spielerisch vermittelt.

KATALOG
Manzil Monde – Nadira Husain, hrsg. von Philipp Gutbrod, Sandra Bornemann-Quecke, 136 Seiten, 30 €, DCV Verlag, Berlin, August 2022

DIE KÜNSTLERIN
Nadira Husain (*1980 in Paris, Frankreich) lebt und arbeitet in Berlin, Paris und Hyderabad. Nach ihrem Abschluss an der École nationale supérieure des beaux-arts (ENSBA) in Paris 2006 wurde sie regelmäßig zu Einzel- und Gruppenausstellungen eingeladen. Dazu zählen unter anderem die Präsentationen im Heidelberger Kunstverein (2020), Museion Bozen (2019), KAI 10, Arthena Foundation in Düsseldorf (2019), Villa du Parc, Centre d’art contemporain in Annemasse (2018), Jewish Museum in New York (2015), Künstlerhaus Bremen (2014) und in den KW Institute for Contemporary Art in Berlin (2013). Seit 2010 stellt sie bei PSM, Berlin, aus. Nadira Husain engagiert sich auch in antirassistischen Kunstgruppen und Projekten. Sie ist Teil des *foundationClass*collective, das an der documenta 15 teilnimmt.

2018 erhielt sie den WERK.STOFF Preis für Malerei der Andreas Felger Kulturstiftung und des Heidelberger Kunstvereins.

Nadira Husain ist seit 2021 Gastprofessorin an der Universität der Künste in Berlin und seit 2017 auch Dozentin der *foundationClass an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin.

Institut Mathildenhöhe Darmstadt
Olbrichweg 15
64287 Darmstadt

Documenta fifteen – Eröffnungsprogramm am 18. Juni 2022

documenta-fifteen-logo2Eröffnungsprogramm | Veranstaltungen am 18. Juni 2022

13–15 Uhr
­Wakaliga Uganda – Ramon Film Productions
Workshop mit RURUKIDS
Veranstaltungsort: Fridericianum | Englisch

13–15 Uhr
Siwa plateforme – L’Economat at Redeyef mit Loup Uberto, Saad Tabbabi und Tahar Ezzedini
Songs from Redeyef
Veranstaltungsort: Fridericianum
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13–14 Uhr
­RURUKIDS mit Olaf Pyras, Detlef Landeck, Lukas Prelle, Ansgar Heyer, Carolina Weyh, Leonard Arnemann, Henrik Barthmann, Rolf Dressler, Wolfram Spyra und VW Sound Orchestra
RURUKIDS Eröffnungskonzert
Veranstaltungsort: Fridericianum
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13–17 Uhr
­Gudskul
Open House
Veranstaltungsort: Fridericianum | Englisch und Indonesisch
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14–15 Uhr
Atis Rezistans | Ghetto Biennale mit Pedro Lasch
20-22 The Common Wind Sign Creation Workshop
Veranstaltungsort: St. Kunigundis | Englisch
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14–16 Uhr
­LE 18
Undoing documenta
Veranstaltungsort: WH22
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14–16.30 Uhr
­Cao Minghao & Chen Jianjun, La Intermundial Holobiente, Paula Feisner mit Ren Hai und Kathryn Weir
Black Tent Meetings: The Art of Habitability – A Deep History of the Inhabitable Kurti Kachukha
Veranstaltungsort: Karlswiese (Karlsaue) | Englisch und Manderin
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14–17 Uhr
­Atis Rezistans | Ghetto Biennale mit Lafleur & Bogaert
Bonbon Tè Majik
Veranstaltungsort: St. Kunigundis | Englisch, Französisch und Haitianisch-Kreolisch
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­
15–15.20 Uhr
­OFF-Biennale Budapest mit Selma Selman
Presidential Speech Until We Are Worth More Than Gold
Veranstaltungsort: Fridericianum | Englisch

15–17 Uhr
Kiri Dalena
Respond and Break the Silence Against the Killings (RESBAK) Banneraktivierung
Veranstaltungsort: Friedrichsplatz | Englisch

15–17 Uhr
­Baan Noorg Collaborative Arts and Culture
Nang Yai Schattenpuppen Schnitzerei-Workshop
Veranstaltungsort: documenta Halle | Englisch und Deutsch
­­
15–22 Uhr
Subversive Film mit Kassem Hawal
Tokyo Reels Film Festival / TRFF, Tag 3
Veranstaltungsort: Gloria-Kino | Arabisch und Englisch
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16–17 Uhr
­Baan Noorg Collaborative Arts and Culture mit Mr. Wilson Skatehall
Skateboard-Kurs der Mr. Wilson Skatehalle
Veranstaltungsort: documenta Halle
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17–18 Uhr
Baan Noorg Collaborative Arts and Culture mit Johannes Kalden, Alfred Banze, Don Pixel Nerdcrewski, und Jazbaer
Live-DJ und Performance
Veranstaltungsort: documenta Halle
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17–18.30 Uhr
­Instituto de Artivismo Hannah Arendt (INSTAR) mit Clara Astiasarán, Tania Bruguera und Ernesto Oroza
Operational Factography
Veranstaltungsort: documenta Halle | Englisch
­
17–18.30 Uhr
­Erick Beltrán
The Image of Power
Veranstaltungsort: Museum für Sepulkralkultur | Englisch
­
17–18 Uhr
­BOLOHO
Buchpremiere der lumbung 米仓 Broschüre
Veranstaltungsort: Hübner-Areal | Englisch
­
18–18.30 Uhr
­*foundationClass*collective, Fadi Aljabour
The Legacy Heritage
Veranstaltungsort: Hafenstraße 76
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18–19 Uhr
­Jimmie Durham & A Stick in the Forest by the Side of the Road mit Joen Vedel
Live-Fernsehsendung
Veranstaltungsort: KAZimKuBa | Englisch und Deutsch
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18–19 Uhr
­Fondation Festival sur le Niger mit Yaya Coulibaly, Abdoulaye Konaté, Salia Malé, Adama Keita und Mamou Daffé
Präsentation des Maaya Bulon (Vestibül) und Teezeremonie
Veranstaltungsort: Hübner-Areal | Französisch
­­
18–19 Uhr
­The Question of Funding mit Eltiqa Kollektiv und Adele Jarrar
A Conversation
Veranstaltungsort: WH22 | Arabisch und Englisch
­
18–20 Uhr
­Party Office b2b Fadescha mit Anna Tje
Slow Jam Saturday
DJ Set nur für QT2BIPoC geöffnet
Veranstaltungsort: WH22

18–22 Uhr
­Gudskul
Open House in der Gudskul
Veranstaltungsort: Fridericianum | Englisch und Indonesisch
­­
19–22 Uhr
­The Question of Funding mit JamOnJamOnJamOnJam, Eltiqa Kollektiv​​​​​​​
JamOnJamOnJamOnJam
Veranstaltungsort: WH22
­
20–1 Uhr
­Eröffnungsparty mit Nasida Ria, Rizan Said, oomleo berkaraoke und DJ Bernd Kuchinke
Veranstaltungsort: Friedrichsplatz
­
20–1 Uhr
Eröffnungsparty mit Majeshi, Dangerdope, DJ Chili-T
Veranstaltungsort: Hafenstraße 76

20–1 Uhr
­Eröffnungsparty mit icy gee, Sanmao, Erregung Öffentlicher Erregung und weitere TBA
Veranstaltungsort: Sandershaus / Haferkakaofabrik
­
20–22 Uhr
­Eröffnungsparty mit ZOKA
Veranstaltungsort: Bootsverleih Ahoi
­
20–1 Uhr
­Eröffnungsparty mit Adama Keïta, Stefan Küchenmeister
Veranstaltungsort: Hüber-Areal
­
0–4 Uhr
­Eröffnungsparty mit Turkana and Black Sistarz (Catu Diosis and R3ign Drops).
Veranstaltungsort: WH22
­
20–21 Uhr
­Atis Rezistans | Ghetto Biennale mit Carima Neusser, Adriana Benjamin
Ghetto Gucci
Veranstaltungsort: St. Kunigundis

Tickets
Webshop
tickets@documenta.de
+49 30 84108908
(daily 10 am–4 pm)

documenta und Museum
Fridericianum gGmbH
Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel
T +49 561 70727-0
office@documenta.de

Träger der documenta fifteen ist die documenta und Museum Fridericianum gGmbH mit den Gesellschaftern Stadt Kassel und Land Hessen.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Das lumbung-Netzwerk wird gefördert vom Goethe-Institut.
Hauptpartner der documenta fifteen: Sparkassen-Finanzgruppe, Volkswagen AG

lumbung-Programm der documenta fifteen vom 18. Juni – bis 25. September – Veranstaltungen der Künstler und Künstlerinnen und Meydan

documenta-logo-2­ Vom 18. Juni bis 25. September 2022 aktivieren die lumbung member und lumbung-Künstler*innen der documenta fifteen sowie deren eingeladene Akteur*innen 100 Tage lang Kassel: Unter dem Titel lumbung-Programm organisieren die Künstler*innen Workshops, Demonstrationen, Hörsessions, Gespräche, Lesungen und Filmscreenings – Veranstaltungen, die über die 32 Ausstellungsorte hinaus im gesamten Stadtgebiet stattfinden. Die Ausstellungsorte werden zu Treffpunkten und Wohnzimmern. Sie eröffnen Räume für Diskussionen oder zur Erholung. Die Künstler*innen entscheiden gemeinsam mit ihren eingeladenen Akteur*innen über die Nutzung der Orte, die während der 100 Tage nicht statisch bleiben, sondern sich stetig verändern.

lumbung-Programm vereint das Programm zur Eröffnungswoche, die Veranstaltungen der Künstler*innen während der Laufzeit und das dreiteilige Wochenendformat Meydan. Eine Mehrzahl der Veranstaltungen wird gemeinsam mit verschiedenen Partner*innen des Kasseler Ekosistems gestaltet. Die kollaborativen Netzwerkstrukturen, durch die Wissen und andere Ressourcen geteilt werden, ermöglichen zahlreiche Programme, die sich an die Besucher*innen der documenta fifteen richten und im Austausch mit ihnen weiterentwickelt werden.

Eröffnungswoche
Samstag, 18.–Samstag, 25. Juni 2022
Orte: Mitte, Fulda, Nordstadt, Bettenhausen
Während der Eröffnungswoche der documenta fifteen finden zahlreiche Veranstaltungen der lumbung member und lumbung-Künstler*innen statt. Am Samstag, den 18. Juni 2022, wird das Eröffnungsprogramm mit einem Abend mit Live-Musik und Partys eingeläutet, die in Zusammenarbeit mit dem Kasseler Ekosistem über die gesamte Stadt verteilt stattfinden. Ein Ausstellungsticket (auch das Abendticket) beinhaltet den Eintritt zu allen Abend-veranstaltungen. Die Teilnahme an der Party auf dem Friedrichsplatz ist auch ohne Ticket möglich. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen der Eröffnungswoche finden Sie auf unserer Website im Kalender.

An drei Wochenenden: Meydan
Jedes zweite Wochenende im Monat findet während der documenta fifteen Meydan statt:
8.–10. Juli, 12.–14. August und 9.–11. September 2022. Auf Arabisch, Persisch, Türkisch und Urdu bezeichnet Meydan einen öffentlichen Treffpunkt, Platz oder Park, wo miteinander diskutiert, gestritten oder gefeiert wird. Meydan entsteht in Zusammenarbeit mit dem Kasseler Ekosistem und umfasst diverse Veranstaltungen.

Meydan-Wochenende #1
8.–10. Juli 2022
Orte: Mitte & Fulda
Neben Lesungen, kreativen Workshops und Diskussionsrunden treffen sich am ersten Meydan-Wochenende mehr als 20 unabhängige, internationale Verlage, genannt lumbung of Publishers. Während der drei Meydan-Tage findet außerdem ein Open-Air-Musikfestival der lumbung-Künstler*innen und lumbung member in Zusammenarbeit mit Kasseler Initiativen statt. Ein vielfältiges Angebot an Kulinarik, Musik, Filmen und Gesprächen rundet das Programm ab.

Meydan-Wochenende #2
12.–14. August 2022
Ort: Nordstadt
In Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Schlachthof bietet das zweite Meydan-Wochenende das 24. Kassler Weltmusikfestival, einen Food- und Flohmarkt, Workshops für Kinder und junge Erwachsene sowie verschiedene Aktivitäten und Räume zum Treffen und Spielen.

Meydan-Wochenende #3
9.–11. September 2022
Ort: Bettenhausen
Am letzten Meydan-Wochenende, das in Zusammenarbeit mit dem Sandershaus entwickelt wurde, werden die während der documenta fifteen gesammelten Erfahrungen sowie die Harvests – künstlerische Reflexionen über Arbeitstreffen in Form von Geschichten, Zeichnungen, Filmen oder Liedern – gefeiert. Das Harvest Festival ermöglicht ein Nachdenken über den bisherigen lumbung-Prozess und die Planung der Zusammenarbeit nach der documenta fifteen. Auf dem Programm stehen auch Musikveranstaltungen, Vorträge und Workshops zu Nachhaltigkeit sowie ein Austausch zum Aufbau alternativer künstlerischer Einrichtungen.

lumbung Film
lumbung Film, das Filmprogramm der lumbung member und lumbung-Künstler*innen, läuft während des gesamten Ausstellungszeitraums im Gloria-Kino. An den drei Meydan-Wochenenden zeigt es speziell von Gastkurator*innen zusammengestellte Programme. lumbung Film kann als ein Speicherort für Film- und Videoarbeiten der Künstler*innen verstanden werden, der es den Besucher*innen erlaubt, die künstlerischen Arbeiten zusätzlich zu kontextualisieren.

nongkrong-Räume
An den drei Meydan-Wochenenden dienen nongkrong-Räume (im Indonesischen bedeutet nongkrong „gemeinsam abhängen“) an verschiedenen Orten Kassels als Wohnzimmer. Die Gemeinschaftsräume ermöglichen Gespräche in ungezwungener Atmosphäre. Dazu gehören ein kulinarisches Angebot und verschiedene Veranstaltungen des Kasseler Ekosistems.

Nähere Informationen zu einzelnen Veranstaltungen des lumbung-Programms finden Sie auf der Documenta-Website im Kalender.

Tickets
Webshop
tickets@documenta.de
+49 30 84108908
(daily 10 am–4 pm)

documenta und Museum
Fridericianum gGmbH
Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel
T +49 561 70727-0
office@documenta.de

Träger der documenta fifteen ist die documenta und Museum Fridericianum gGmbH mit den Gesellschaftern Stadt Kassel und Land Hessen.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Das lumbung-Netzwerk wird gefördert vom Goethe-Institut.
Hauptpartner der documenta fifteen: Sparkassen-Finanzgruppe, Volkswagen AG

Am 18. Juni 2022 eröffnet die documenta fifteen

© documenta fifteen
© documenta fifteen

Am Samstag, den 18. Juni startet die documenta fifteen in Kassel. Von 10 bis 20 Uhr sind 32 Ausstellungsorte in Mitte, Fulda, Nordstadt und Bettenhausen geöffnet.

 

 

 

Im Anschluss, von 20 bis 1 Uhr, findet die Eröffnungsparty der documenta fifteen mit Bühne auch auf dem Friedrichsplatz statt. Parallel dazu laden zahlreiche Events in der Stadt, die in Zusammenarbeit mit dem Kasseler Ekosistem entwickelt wurden, zum Flanieren und Erkunden ein.

Ein Ausstellungsticket (auch das Abendticket) beinhaltet den Eintritt zu allen Eröffnungsveranstaltungen. Die Teilnahme an der Party auf dem Friedrichsplatz ist auch ohne Ticket möglich.

Über das detaillierte Programm zur Eröffnungswoche informiert ab Dienstag, 7. Juni 2022 ein separater Veranstaltungsnewsletter sowie die Website der documenta fifteen.

Alle Ausstellungsorte der documenta fifteen im Überblick Samstag, 18. Juni – Sonntag, 25. September 2022
An insgesamt 32 Ausstellungsorten in den vier Kasseler Gebieten Mitte, Fulda, Nordstadt und Bettenhausen präsentiert sich die documenta fifteen.

Für die Künstlerische Leitung ruangrupa und das Künstlerische Team ist Kassel nicht nur „Schauplatz“ einer Ausstellung. Vielmehr begreifen sie die Stadt als Ekosistem (indonesisch für Ökosystem), als ein Geflecht von sozialen Kontexten, in dem die documenta fifteen entsteht und wächst.

Besuch planen: die documenta fifteen erleben
An 100 Tagen bietet die documenta fifteen neben einzelnen künstlerischen Positionen ein vielfältiges lumbung-Programm aus Workshops, Demonstrationen, Sound-Sessions, Gesprächen, Lesungen und Filmvorführungen.

Eine erste Anlaufstelle, um sich zu informieren, bietet das Welcome Center im ruruHaus, Obere Königsstraße 43, 34117 Kassel.

Täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet, erhalten Besucher*innen hier umfassende Information zu ihrem Besuch (Info & Service), Tickets und Ausstellungsrundgänge (Tickets & Tours), Kaffeespezialitäten und andere gastronomische Angebote (Café) sowie die Publikationen der documenta fifteen, ausgewählte Bücher und Merchandise-Artikel (Books & Goods).

Komplette InformationenBesuch Planen

Ab Dienstag, den 7. Juni finden Sie alle Termine und detaillierte Informationen zum Programm der Eröffnungswochen auf www.documenta-fifteen.de/kalender.

Träger der documenta fifteen ist die documenta und Museum Fridericianum gGmbH mit den Gesellschaftern Stadt Kassel und Land Hessen.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Das lumbung-Netzwerk wird gefördert vom Goethe-Institut.
Hauptpartner der documenta fifteen: Sparkassen-Finanzgruppe, Volkswagen AG

Tipp: Biennale Wiesbaden

logo-biennale-160Nach der Uraufführung eines interaktiven Film-Screenings des kenianischen Kollektivs The Nest auf der Documenta fifteen, werden am 9. u. 10. September  Aktivist: innen aus Rhein-Main und Nairobi auf der Biennale Wiesbaden 2022 in einen künstlerischen Dialog mit „The Nest“ in einem interaktiven Screening einer neuen Öffentlichkeit vorgestellt.

documenta fifteen vom 18. Juni bis 25. September 2022 ganz unter den Werten und Ideen von lumbung

documenta  14 Kassel Archivfoto: Diether v. Goddenthow
documenta 14 Kassel Archivfoto: Diether v. Goddenthow

Vom 18. Juni bis 25. September 2022 findet die documenta fifteen unter der Künstlerischen Leitung von ruangrupa, einem Kollektiv aus Jakarta an verschiedenen Orten in Kassel statt. Im Zentrum der documenta soll, angelehnt an die von ruangrupa zugrundegelegten Werte und Ideale der lumbung-Praxis am Modell einer gemeinschaftlich genutzten Reisscheune, der Aufbau sozialer Beziehungen und das Hinterfragen von (Macht-)Verhältnissen stehen. Dazu gehört auch, die Verwendungsweise von Sprache zu reflektieren und sie als Werkzeug für die Entwicklung neuer Perspektiven und Ideen zu begreifen. Die documenta fifteen steht darüber hinaus für Vielstimmigkeit. Vor diesem Hintergrund bedient sie sich der Begriffe aus unterschiedlichen Sprachen.

Als künstlerisches und ökonomisches Modell fußt lumbung auf Grundsätzen wie Kollektivität, gemeinschaftlichem Ressourcenaufbau und gerechter Verteilung und verwirklicht sich in allen Bereichen der Zusammenarbeit und Ausstellungskonzeption. Iumbung wird die gemeinschaftliche Praxis von ruangrupa und dem Künstlerischen Team, den lumbung member und lumbung-Künstler*innen und allen Teilnehmenden auf dem Weg zur documenta fifteen im Jahr 2022 und darüber hinaus sein.

lumbung ist das indonesische Wort für eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune, in der die überschüssige Ernte zum Wohle der Gemeinschaft gelagert wird. Hierbei ist lumbung als eine Art kollektiver Ressourcenfundus zu verstehen, der auf dem Prinzip von Gemeinschaftlichkeit beruht. Dieser versammelt Ideen, Wissen, Arbeitskraft, Finanzmittel und andere gemeinsam nutzbare Ressourcen und baut auf bestimmten Werten, Ritualen und Organisationsprinzipien auf. Im Mittelpunkt von lumbung stehen die Vorstellung und der Aufbau dieser kollektiven, geteilten Ressourcen für neue Nachhaltigkeitsmodelle und kulturelle Praktiken. Jene werden durch ResidencyProgramme, Zusammenkünfte, öffentliche Aktivitäten und die Entwicklung von entsprechenden Instrumenten unterstützt.
Interdisziplinäre Herangehensweisen sind für diesen Prozess wesentlich. Indem Aktionen und Räume entstehen, verflechten sich soziale Beziehungen und Transaktionen, die in einer langsamen und organischen Entwicklung schließlich eine öffentliche Form finden, um „in und mit der Gesellschaft zu leben“. Diese Strategie zeichnet ein Bild der Beziehungen zwischen einer Kunstorganisation und ihrer Gemeinschaft – eine Organisation, die selbst aktiver Bestandteil ihrer Umgebung wird und sich auf der Basis von örtlicher Nähe und der Berücksichtigung bestehender Wünsche konstatiert.
Grundprinzipien des Prozesses sind die Bereitstellung von Raum, um Ideen zu sammeln und zu erkunden, kollektive Entscheidungsfindung, Auflösung von Zentralisierung und das Spiel zwischen Formalitäten und Informalitäten. lumbung fußt auf gemeinsamen Werten aller Beteiligter: Lokale Verankerung, Humor, Unabhängigkeit, Großzügigkeit, Transparenz, Gebügsamkeit und Regenaration.
Die sich im lumbung-Modell ausdrückende Idee von Solidarität und Freundschaft verwirklicht sich in der lokalen Verankerung, einem regionalen lumbung-Netzwerk in Kassel, bei dem viele Beteiligte vor Ort zur Mitwirkung aufgerufen sind, sowie in einem für die documenta fifteen gegründeten internationalen Netzwerk der lumbung member. Hierfür haben ruangrupa und das Künstlerische Team weltweit Kollektive, Organisationen und Initiativen eingeladen, die aufgrund ihrer inspirierenden Methoden, ihrer tiefgreifenden künstlerischen Verwurzelung in lokalen sozialen Strukturen und ihren experimentellen organisatorischen und ökonomischen Ansätzen den Werten von lumbung entsprechen.

Weitere Informationen: https://documenta-fifteen.de/

Dr. Birgitta Coers übernimmt ab dem 1. Oktober 2020 die Leitung des documenta archivs.

Die Kunsthistorikerin Birgitta Coers (geb. 1970) leitet ab dem 1. Oktober 2020 das documenta archiv. Im Anschluss an ihre Universitätslaufbahn in Marburg und Tübingen spezialisierte sie sich in den letzten Jahren auf das physische und digitale Management von Künstler*innennachlässen. Nach einer ersten Station im Fachreferat Kunst der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden entwickelte sie im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst ein Datenmodell für künstlerische Objekt- und Schriftvorlässe und koordinierte im Landratsamt Rottweil den Aufbau des Archivs Margot Fürst / HAP Grieshaber. Zuletzt erarbeitete sie als wissenschaftliche Archivarin im Landesarchiv Baden-Württemberg Rechercheinstrumente für die Provenienzforschung.

Coers’ wissenschaftliche Schwerpunkte liegen in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, auf kulturellen und politischen Netzwerken zwischen Ost und West nach 1945, Ausstellungs- und Institutionengeschichte. Ein besonderes Interesse gilt darüber hinaus webbasierten Publikationsstrategien und digitalen Forschungsinfrastrukturen aus bibliothekarischer und archivarischer Sicht.

Unter der neuen Leitung ist das documenta archiv nach Votum der Findungs­kommission aus archivfachlicher wie kunstwissenschaftlicher Perspektive zukunftsgerichtet aufgestellt: „Als Direktorin des documenta archivs ist es mir ein Anliegen, die außergewöhnlichen Bestände mit Blick auf die digitalen Herausforderungen wissenschaftlich aufzubereiten und international sichtbar zu machen. Ich freue mich darauf, das Archiv zu einem lebendigen Wissens­ort innerhalb des geplanten documenta Instituts zu gestalten“, so Birgitta Coers.

Birgitta Coers ersetzt Nadine Oberste-Hetbleck, die die Stelle als Direktorin des documenta archivs nicht wie geplant zum 1. August 2020 antritt. Aus familiären Gründen entschied sie sich für einen Verbleib in Köln und wird dort zukünftig das Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarkt­forschung ZADIK an der Universität zu Köln leiten, dem sie seit Jahren eng verbunden ist. „Ich hatte mich bereits sehr auf die Tätigkeit in Kassel für das im globalen Kreis der Kunstarchive herausragende documenta archiv gefreut, welches auch mit Blick auf das geplante documenta Institut große Potentiale besitzt. Meine zukünftige Position in Köln und die bereits bestehende fachliche Verbundenheit ermöglichen aber vielfältige Anknüpfungspunkte für gemeinsame Projekte und einen intensiven Austausch“, so Nadine Oberste-Hetbleck.

Bis zum Antritt von Birgitta Coers verbleibt die kommissarische Leitung des documenta archivs bei dem Leiter der wissenschaftlichen Abteilung, Martin Groh.

documenta gGmbH gewinnt Dr. Nadine Oberste-Hetbleck als neue Direktorin des documenta archivs

Dr. Nadine Oberste-Hetbleck wird zum 1. August 2020 Direktorin des documenta archivs. Sie folgt damit auf Dr. Birgit Jooss, die das erst Anfang 2016 aus der Obhut der Stadt Kassel in die Verantwortung der documenta und Museum Fridericianum gGmbH übergebene Archiv seit Sommer 2016 leitete. In ihrer Funktion wird Oberste-Hetbleck nun auch den Aufbau des documenta Instituts mitgestalten, das zunächst unter dem Dach der documenta und Museum Fridericianum gGmbH in Kooperation mit dem Bund, dem Land Hessen, der Stadt Kassel und der Universität Kassel entsteht.

Seit 2015 bekleidet Dr. Nadine Oberste-Hetbleck (geb. 1978) die Juniorprofessur für „Kunstgeschichte und Kunstmarkt“ am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln. Darüber hinaus hatte sie von universitärer Seite die wissenschaftliche Leitung des An-Instituts Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung ZADIK bis zu dessen Überführung (2020) in die Universität zu Köln inne. Im Rahmen ihrer bisherigen Forschungen und Aktivitäten befasst sich Oberste-Hetbleck insbesondere mit historischen und gegenwärtigen Kunstmarktstrukturen sowie dem zeitgenössischen Ausstellungswesen. Sie bringt damit einschlägige Erfahrungen für die Leitung des documenta archivs und die Weiterentwicklung des Archivs zum Forschungsinstitut mit. In ihrer Lehrtätigkeit am Kunsthistorischen Institut verantwortete Dr. Nadine Oberste-Hetbleck den Master-Schwerpunkt Kunstmarkt und entwickelte Formate, die die Vermittlung von Archivthemen in den Mittelpunkt stellten. Auch die documenta und ihre Geschichte standen dabei immer wieder im Fokus.

Ihre Tätigkeit ist durch fächerübergreifende Forschung, innovative Zugänge und internationale Vernetzung geprägt: „Interdisziplinarität, Digitalisierung und Kooperation sind mir immer ein großes Anliegen gewesen. Ich freue mich sehr darauf, diesen Fokus in die zukünftige Gestaltung des documenta archivs einzubringen. Mit seinen einzigartigen Beständen zu den Weltkunstausstellungen wird das Archiv den Nukleus des neu entstehenden documenta Instituts bilden. Auf dem Weg dahin, gilt es intensiv mit den Beständen zu arbeiten, diese zu erschließen und sie für die Vermittlung und Erforschung aktiv zu nutzen“, so Nadine Oberste-Hetbleck.

Die Gesellschafter der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, die Stadt Kassel und das Land Hessen, begrüßen die Wahl der Findungskommission. Aufsichtsratsvorsitzender der documenta gGmbH Oberbürgermeister Christian Geselle konstatiert: „Mit Dr. Nadine Oberste-Hetbleck gewinnt Kassel eine starke Archivleiterin und Kunsthistorikerin. Ich bin überzeugt davon, dass sie das documenta archiv mit ihren Fachkenntnissen gerade beim Aufbau des documenta Instituts weiterentwickeln und prägen kann.“

Die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, ist sich sicher: „Dr. Nadine Oberste-Hetbleck wird ihre Kompetenzen im Bereich der Wissenschafts- und Archivvermittlung einsetzen, um die Bestände des einzigartigen documenta archivs überregional und international sichtbar und für das documenta Institut fruchtbar zu machen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit“.

Dr. Sabine Schormann, Generaldirektorin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, betont: „Die Findungskommission konnte aus einem sehr guten Bewerber*innenfeld wählen. Ausschlaggebend für die einstimmige Entscheidung war letztlich, dass Dr. Nadine Oberste-Hetbleck auf weitreichende Erfahrung in den unterschiedlichen Anforderungsbereichen dieses spezifischen Archivs und seinen anstehenden Entwicklungsherausforderungen zurückblicken kann.“

Nadine Oberste-Hetbleck wird ihren Posten zum 1. August 2020 antreten. Bis dahin verbleibt die kommissarische Leitung bei dem Leiter der wissenschaftlichen Abteilung, Martin Groh.

Über das documenta archiv
Das documenta archiv wurde 1961 von Arnold Bode ins Leben gerufen und widmet sich der Archivierung, Dokumentation und wissenschaftlichen Bearbeitung von Text- und Bildquellen zur modernen und zeitgenössischen Kunst, insbesondere zu den seit 1955 stattfindenden documenta Ausstellungen. Neben den documenta ​Unterlagen sind umfangreiche Presse-, Bild- und audiovisuelle Mediensammlungen, eine singuläre Kunstbibliothek sowie einschlägige Vor- und Nachlässe Teil des Bestandes. Trägerin des documenta archivs ist die documenta und Museum Fridericianum gGmbH mit den Gesellschaftern Stadt Kassel und Land Hessen. Das documenta archiv wird – in Kooperation mit der Universität und Kunsthochschule Kassel – zu einem außeruniversitären Forschungsinstitut weiterentwickelt. Das documenta Institut soll die auf die documenta bezogene Forschung anregen, betreiben, fortentwickeln sowie öffentlich sichtbar machen. Ein Neubau ist in Planung.