Kategorie-Archiv: documenta kassel

Zum Abschluss der Documenta 14 Bücherverschenkung aus dem Parthenon of Books am 9.09.2017

Marta Minujín, The Parthenon of Books, 2017,
 Friedrichsplatz, Kassel, documenta 14. Foto: Diether v. Goddenthow
Marta Minujín, The Parthenon of Books, 2017,
 Friedrichsplatz, Kassel, documenta 14. Foto: Diether v. Goddenthow

The Parthenon of Books

Samstag, 9. September 2017
Feier zum Abschluss der Sammlung verbotener Bücher
mit Marta Minujín
12 Uhr, Friedrichsplatz, Kassel

Sonntag, 10. September 2017
Beginn der Verteilung der verbotenen Bücher
mit Marta Minujín
12 Uhr, Friedrichsplatz, Kassel

Am Samstag, den 9. September 2017, um 12 Uhr, lädt  die documenta 14 zur Feier des Abschlusses der Sammlung verbotener Bücher für The Parthenon of Books auf den Friedrichsplatz in Kassel ein. Die Künstlerin Marta Minujín wird anwesend sein.

Besucher sind herzlich eingeladen, auf verschiedene Weise an der offenen Bühne von The Parthenon of Books teilzunehmen, etwa mit Lesungen auf unterschiedlichen Sprachen aus Büchern, die einst verboten waren, mit Rezitationen aus eigenen Texten oder Gedichten, mit lautlosen Beiträgen wie Tänzen oder performativen Gesten, mit wechselnder Musik oder indem sie einfach im Parthenon mit der Künstlerin, den Kuratoren und den Teammitgliedern der documenta 14 als Zuschauer  und Zuhörer  anwesend sind.

Die Teilnehmer werden gebeten, sich bis Donnerstag, den 7. September 2017, um 20 Uhr, unter events@documenta.de mit ihrer Kontaktadresse (mit Namen, E-Mail-Adresse und Telefonnummer) sowie Details zu Art und Dauer ihres eigenen Beitrags (der nicht länger als 5 Minuten dauern sollte) anzumelden. Die documenta 14 wird den Zeitplan für die einzelnen Beiträge, die parallel auf verschiedenen Bühnen stattfinden, per E-Mail bis Freitag, den 8. September 2017, um 20 Uhr, bekannt geben. Bei Regen müssen die angemeldeten Darbietungen leider ausfallen. Bitte beachten Sie, dass auf den Bühnen keine Tonverstärker zur Verfügung gestellt werden.

Nach der Feier beginnt der Abbau von The Parthenon of Books, sodass alle einst verbotenen Bücher wieder ihren Weg in die Öffentlichkeit finden und erneut gelesen werden können. Am Sonntag, den 10. September 2017, um 12 Uhr, läutet Marta Minujín die Verteilung der Bücher an die Bewohner_innen von Kassel und alle Besucher_innen ein. Mit diesem Akt möchte die Künstlerin dem ephemeren und vergänglichen Zustand dieses anti-monumentalen Kunstwerks Ausdruck verleihen. Der kollektive, öffentliche Raum wurde nicht nur von den gespendeten Büchern, die den Widerstand gegen Zensur betonen, geprägt und definiert. Diese einzigartige und prekäre Architektur wurde ebenso durch all die Spender_innen, Besucher_innen und Institutionen mitgestaltet, die durch ihre Geste des Spendens die Bedeutung des Gebens und den Wert der gemeinsamen Beteiligung ausgedrückt haben.

Vom 10. bis 17. September 2017 ist jede_r herzlich willkommen, sich während der regulären Öffnungszeiten ein Buch von der Buchausgabe neben dem Parthenon der Bücher abzuholen.

Halbzeit der documenta 14 in Kassel

„Die documenta 14 ist eine Übung der Zerbrechlichkeit und sie will von Athen lernen – heute. Nach dem 16. Juli 2017, dem offiziellen Ende des in Athen stattfindenden Teils, wird das Projekt nun an mehr als dreißig Veranstaltungsorten und öffentlichen Räumen in Kassel, der Geburtsstadt der documenta, fortgesetzt und dort bis zum 17. September 2017 zu sehen sein, wobei einige Programme sowohl in Kassel wie auch in Athen präsentiert werden.

Ausstellungs-Impression documenta14 Kassel vom 10. Juni bis 17. September 2017. Hier Blick vom Parthenon der Bücher auf Fridericianum. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Ausstellungs-Impression documenta14 Kassel vom 10. Juni bis 17. September 2017. Hier Blick vom Parthenon der Bücher auf Fridericianum. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Seit ihrem Beginn Ende des Jahres 2013 mit meiner Ernennung zum Künstlerischen Leiter, war die documenta 14 eine verletzliche, anspruchsvolle und wagemutige Angelegenheit: anstatt eine singuläre Aussage in Form nur einer einzigen Ausstellung zu treffen – und auf diese Weise dem Modus Operandi zahlreicher, ähnlich ausgerichteter, großer Festivals zeitgenössischer Kunst zu folgen –, ließen sich die Künstlerinnen und Künstler, das Team der Kuratorinnen und Kuratoren und alle Teilnehmenden auf eine länger dauernde Phase des vielschichtigen Experimentierens in beiden Städten ein. Dies ist eine einzigartige Bemühung, die nach einer gleichermaßen vielschichtigen Reaktion und nach mannigfaltigen Formen der Rezeption verlangt.

In der Tat wurde die documenta 14 im Frühherbst des Jahres 2015 mit der Publikation der ersten Ausgabe des Magazins South as a State of Mind in Gang gesetzt, einer vierbändigen Zeitschriftenreihe, die bis in den Herbst 2017 fortgesetzt werden wird. Das Magazin und die Zusammenkünfte, die die Veröffentlichung der bisherigen Ausgaben begleiteten, wurden von einer Reihe halböffentlicher Begegnungen zwischen eingeladenen documenta 14 Künstlerinnen und Künstlern und dem Athener Publikum (vor allem Kunststudierenden und auch Fakultätsmitgliedern der Akademie) gefolgt, die im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kontinuum stattfanden, das gemeinsam mit der Hochschule der Bildenden Künste Athen realisiert wurde. Diese Treffen legten den Grundstein für die Ausstellung in beiden Städten und gingen der Gründung des Parlaments der Körper voraus, das in den Räumlichkeiten des Städtischen Kunstzentrums Athen im Parko Eleftherias feierlich eingeweiht wurde. (Dieses Gebäude befindet sich auf einem historischen Gelände, wo sich früher – während der Militärdiktatur der Obristen von 1967 bis 1974 – das Hauptquartier, das Untersuchungsgefängnis und die Folterkammern der griechischen Militärpolizei befunden haben.) Das Parlament der Körper, das sich zurzeit in der Rotunde des Fridericianum in Kassel versammelt (also an dem Ort, an welchem das kurzlebige Modellparlament des Königreich Westphalen von 1807 bis 1813 tagte), wird bis zum Ausstellungsende in Kassel am 17. September 2017 ein lebendiger Schauplatz für die vielen Stimmen bleiben, die die documenta 14 durchdrungen haben.

In der Zwischenzeit umfasst die documenta zahlreiche Formate, die die üblichen Dimensionen einer Einzelausstellung überschreiten: zu diesen gehört die wöchentliche Ausstrahlung von „Keimena“ durch den griechischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ERT; eine Sendereihe, die bislang von mehr als 600.000 Menschen in ganz Griechenland gesehen wurde und die bis zum 18. September fortgesetzt wird.  Zu ihnen zählt ebenso Every Time A Ear di Soun, ein länderübergreifendes Radioformat, das von verschiedenen Sendern (in Zusammenarbeit mit Deutschlandfunk Kultur) gestaltet wird und in Rio de Janeiro, Jakarta, Barranquilla, Beirut, Douala, Washington D.C., Athen, Berlin zu hören war. Gemeinsam mit einem dreisprachigen Set von Publikationen (griechisch, deutsch und englisch), zu dem The documenta 14 Reader und das documenta 14: Daybook sowie die Kartenbroschüren der Ausstellungen jeweils für die beiden Städte gehören und der Website der documenta 14, auf der beinahe der gesamte Inhalt der Öffentlichen Programme live gestreamt wird und man zahlreiche neu in Auftrag gegebene Textbeiträge finden kann, ermöglichten diese Formate eine beträchtliche Ausweitung der Handlungsträgerschaft der documenta 14, die weit über die übliche Reichweite einer Kunstausstellung hinausgeht und neue Beteiligungsformen ermöglicht.

Das Vermittlungsprogramm „Eine Erfahrung“ – eine gegen-pädagogische Übung für das Begreifen und Vergessen des bereits Gewussten, die um Spaziergänge herum kreist, die von Mitgliedern des Chores der documenta 14 gemeinsam mit internationalen Besucherinnen und Besuchern aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten in beiden Städten der documenta 14 durchgeführt werden – steigert dabei das Erlebnis documenta 14 noch weiter.

Und nicht zuletzt wurden mehr als 160 lebende documenta 14 Künstlerinnen und Künstler beauftragt, zum Großteil neu geschaffene Arbeiten in einer Zeit, die Olu Oguibe (selbst ein teilnehmender Künstler der documenta 14 und Träger des Arnold Bode Preises 2017) die „documenta 14 Saison“ genannt hat, an beiden Veranstaltungsorten zu verwirklichen – eine Vielzahl von Erfahrungen, die einer Mega-Ausstellung gegenüberstehen, die vom Datum ihrer Eröffnung und vom Datum ihrer Beendigung eingegrenzt und zumeist auf einen Ort beschränkt bleibt. Als Künstlerischer Leiter bin ich stolz auf das, was wir bislang gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern, Autorinnen und Autoren und weiteren Stimmen und Körpern, die die documenta 14 ausmachen, erreicht haben. Dazu gehört auch das Team, welches das Projekt produziert und getragen hat sowie das Team der documenta und Museum Fridericianum gGmbH, welches seine Verwirklichung mit außerordentlicher Zielstrebigkeit und mit besonderem Verständnis ermöglichte. Die Wirksamkeit einer realisierbaren politischen Geste innerhalb des Felds der Kunst liegt in ihrer Fähigkeit, Debatten anzustoßen, die über dieses exklusive Feld hinausreichen; und so hat sich schon bald auch die documenta 14 selbst von Diskussionen umkämpft gesehen, was für die größere Resonanz spricht, die unsere Fragen ausgelöst haben, die die grundsätzlichen kuratorischen, organisatorischen und politischen Entscheidungen, die bereits früh bei der Entwicklung des Projekts getroffen wurden, verkörpern – ein dezidiert anti-essentialistischer Ansatz, der den heute vorherrschenden Verfahren der Spektakelproduktion und deren Zuschauerrolle jeden Respekt verweigert. Die Gegenwart ist hier und jetzt – und es liegt an uns, die Zukunft zu erkennen und zu gestalten. Im Bewusstsein der unüberbrückbaren Konflikte, Widersprüche und der schieren Not, die eingetreten sind, um den Augenblick, in welchem wir leben zu bestimmen und die Weisen, wie wir dieses Leben führen, möchten wir der Öffentlichkeit dafür danken, dass sie sich an der documenta 14 beteiligt und wir möchten Sie zur weiteren Teilnahme in den kommenden Wochen und darüber hinaus einladen.“ (Adam Szymczyk, Künstlerischer Leiter)

Halbzeit der documenta 14 in Kassel
Die documenta 14 hat am 8. April 2017 in Athen und am 10. Juni 2017 in Kassel eröffnet und stellt Arbeiten von über 160 Künstler_innen über eine gesamte Laufzeit von 163 Tagen in beiden Städten aus. Nach dem Ende der Ausstellung der documenta 14 in Athen am 16. Juli 2017 konnten 339.00 Besuche in den 47 Ausstellungsorten in Athen gezählt werden.

Am Samstag, den 29. Juli 2017, der Hälfte der Ausstellungslaufzeit in Kassel, wird die 14. documenta in Kassel eine Besucher_innenzahl von rund 445.000 erreicht haben – ein Besucher_innenplus von rund 17 Prozent im Vergleich zur letzten documenta zum gleichen Zeitpunkt.

„Sehr zufrieden können wir auf den bisherigen Verlauf der documenta 14 in Athen und Kassel zurückblicken. Die Besuchszahlen in Athen haben unsere Erwartungen übertroffen. Sie machen die documenta zur meistbesuchten Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Griechenland. Die documenta hat damit nach drei Jahren Vorbereitungszeit sowohl ein großes heimisches wie auch ein breites internationales Publikum erreicht.

Die documenta 14 in Kassel profitiert deutlich von der enormen medialen Aufmerksamkeit und den vielen weltweiten Berichten und teilweise kontroversen Diskussionen in der Presse, die den Athener Ausstellungsteil schon zwei Monate vor der Eröffnung in Kassel begleitet haben. Athen hat das Interesse insbesondere von Besuchern aus Südeuropa aber auch aus lateinamerikanischen Ländern stark erhöht. In Kassel sind die hervorragenden Besucherzahlen und der große Andrang bei den Führungen erfreulich. Besonders die große Nachfrage nach Dauerkarten zeigt das Bedürfnis des Publikums sich, ganz im Sinne der documenta, immer wieder intensiv mit ihren Themen auseinanderzusetzen.“ (Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin der documenta und Museum Fridericianum gGmbH)

Bereits am zehnten Tag der Ausstellung in Kassel wurde die 10.000 Dauerkarte verkauft, bis zur Halbzeit waren es 14.000 Dauerkarten. Das übertrifft schon jetzt die Zahl an Dauerkarten, die die letzte documenta umsetzen konnte.

Die begleiteten Spaziergänge – auch Walks genannt – der documenta 14 werden stark nachgefragt, zur Halbzeit haben schon über 54.000 Besucher_innen an einem Walk teilgenommen. Zudem werden bis zu diesem Samstag bereits 20.000 Schüler_innen die documenta 14 besucht haben.

documenta 14
Friedrichsplatz 18
D-34117 Kassel

Großer Andrang bei Deutschlands spektakulärster politischen Kunstschau documenta14 in Kassel

Ausstellungs-Impression documenta14 Kassel vom 10. Juni bis 17. September 2017. Hier Blick vom Parthenon der Bücher auf Fridericianum. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Ausstellungs-Impression documenta14 Kassel vom 10. Juni bis 17. September 2017. Hier Blick vom Parthenon der Bücher auf Fridericianum. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Großer Andrang herrscht auf der Ausstellung der documenta 14 in Kassel, die gestern von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Volker Bouffier, Hessischer Ministerpräsident, gemeinsam mit dem griechischen Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos offiziell eröffnet wurde. In dessen Heimat läuft die Documenta14 unter dem – anfangs heftig umstrittenen – Motto  „Von Athen lernen“ bereits seit dem 8. April 2017 statt. Der Bundespräsident hob diesen Umstand lobend hervor, dass nämlich die documenta in diesem Jahr nicht nur an ihrem Heimatstandort Kassel, sondern erstmalig auch in der griechischen Hauptstadt Athen stattfindet. „Die Entscheidung war nicht nur mutig, sondern auch richtig.“ Das Motto der documenta 14 „Von Athen lernen“ habe man verstanden: „Überprüft eigene Vorurteile, nehmt die Perspektive des anderen ein – nur so lassen sich Gemeinsamkeiten finden“, richtete Steinmeier an die Besucher.

Röhrenkunstwerk des Künstlers Hiwa K am Friedrichsplatz symbolisiert Wohn- und Aufenthaltsorte während seiner Flucht, bei der der Künstler häufig in Kanalröhren geschlafen, gelebt, oder sich versteckt hat. Das Kunstwerk aus Steinzeug-Rohren entstand mit Studenten der Kunsthochschule Kassel.Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Röhrenkunstwerk des Künstlers Hiwa K am Friedrichsplatz symbolisiert Wohn- und Aufenthaltsorte während seiner Flucht, bei der der Künstler häufig in Kanalröhren geschlafen, gelebt, oder sich versteckt hat. Das Kunstwerk aus Steinzeug-Rohren entstand mit Studenten der Kunsthochschule Kassel.Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die Hessische Landesregierung hat für die Vorbereitung sowie den Ausstellungsbetrieb im Museum Fridericianum den Rekordwert von rund 13,8 Millionen Euro bereitgestellt. „Mit der documenta 14 wird Kassel erneut zum Ort der weltweit bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Die Eröffnung durch das griechische und deutsche Staatsoberhaupt zeigt ihren Stellenwert“, sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier.

„Mit den Werken von mehr als 160 Künstlerinnen und Künstlern ist die documenta ein Seismograph aktueller Entwicklungen – in der Kunst ebenso wie für politische und gesellschaftlich relevante Themen. Es ist nicht ihr Ziel, um jeden Preis zu gefallen. Die Ausstellung muss irritieren und gesellschaftliche Debatten auslösen“, sagte der hessische Regierungschef. Eine freie Kunst gehöre zu den Grundwerten der europäischen Demokratie. „Deshalb finde ich es spannend, dass die documenta erstmals gleichberechtigt auch an einem anderen Ort als Kassel stattfindet: in der Wiege der Demokratie, in Athen. Dies ist ein deutliches Bekenntnis zum vereinten Europa.“

Schlafraum im Röhrenkunstwerk des Künstlers Hiwa und der Kunsthochschule Kassel. Jede Steinzeugröhre widmet sich einer anderen Situation vom Bad bis Wohnzimmer, selbst eine Gefängszelle fehlt nicht. Hoch sybmolisch, sehr liebevoll kreativ umgesetzt. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Schlafraum im Röhrenkunstwerk des Künstlers Hiwa K. und der Kunsthochschule Kassel. Jede Steinzeugröhre widmet sich einer anderen Situation: vom Bad bis Wohnzimmer, selbst eine Gefängszelle fehlt nicht. Hoch sybmolisch, sehr liebevoll kreativ umgesetzt. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Auch und gerade in einer Zeit, in der die Freiheit weltweit in Bedrängnis gerate, sei die Förderung der zeitgenössischen Kunst – neben der Pflege des klassischen Kulturerbes – wichtig. „Kunst und Kultur spiegeln nicht nur den Zustand einer Gesellschaft wider, sondern können auch deren Entwicklung vorantreiben. Ohne das Künstlerische wären wir in jeder Hinsicht ärmer. Deshalb ist uns als Hessische Landesregierung die Förderung der documenta sehr wichtig“, so Bouffier. Kunst und Kultur seien längst zu wichtigen Standortfaktoren geworden. Kassel sei auch deshalb so attraktiv, weil hier ein lebendiges kulturelles Leben herrsche.

Von der Attraktivität der documenta-Ausstellung überzeugten sich die Ehrengäste schließlich bei einem Rundgang, neben der Besichtigung des Parthenons der Bücher, vorbei am Röhrenkunstwerk des Künstlers Hiwa K am Friedrichsplatz und der „Mühle des Blutes“ vor der Orangerie des mexikanischen Künstlers Antonio Vega Macotela.

Erstmals komplett aufgebaut ist die sechs Meter hohe Skulptur des mexikanischen Künstlers Antonio Vega Macotela mit dem martialischen Namen "Mühle des Blutes". Die Installation symbolisiert unter anderem (Kinder-)Sklavenarbeit. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Erstmals komplett aufgebaut ist die sechs Meter hohe Skulptur des mexikanischen Künstlers Antonio Vega Macotela mit dem martialischen Namen „Mühle des Blutes“. Die Installation symbolisiert unter anderem (Kinder-)Sklavenarbeit. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Seit 1955 – documenta14 mit über 160 Künstlern

Die documenta gibt es seit 1955 in Kassel. An mehr als 30 verschiedenen Orten, öffentlichen Institutionen, Plätzen, Kinos und Universitätsstandorten zeigen über 160 internationale Künstler ihre für die documenta 14 konzipierten Arbeiten, wobei im Zentrum der Ausstellung die Sammlung des Athener Nationalen Museums für Zeitgenössische Kunst (EMST) steht. Die dort präsentierten Werke bilden einen Kommentar zur komplexen Realität des heutigen Griechenlandes und verweisen zeitgleich auf die parallelen internationaler Reisen wegweisender griechischer Künstler. Die über ganz Kassel „verstreuten“ Ausstellungsorte sind täglich von 10-20 Uhr geöffnet.

Tickets für die Ausstellung können im Webshop der documenta sowie in den Shops vor Ort am Friedrichsplatz, an der
documenta Halle, der Neuen Galerie und der Neuen Neuen Galerie (Neue Hauptpost) gekauft werden. Bitte beachten Sie die Ticketinformationen auf der Webseite der documenta 14.

documenta14 öffnet übermorgen: Kassel wird 100 Tage zur Welthauptstadt internationaler politischer Gegenwartskunst

„The Parthenon of Books“ eine das Athener Original im Maßstab 1:1 abbildende Arbeit von Marta Minujín, mit verbotenen oder einst verbotenen Büchern bestückt, nimmt symbolhaft den zentralen Platz vor dem Fridericianum ein. Antike trifft hier auf Klassizismus. Das historische Gebäude Fridericianum, der erste Museumsbau für die Öffentlichkeit auf dem Kontinent, wird als „Wiege der documenta“ bezeichnet und ist seit über 60 Jahren ihr traditioneller Ausstellungsort. Auch hier schafft die documenta 14 einen Bezug zu Athen. Adam Szymczyk zeigt im Fridericianum in einem zentralen Kooperationsprojekt mit dem Nationalen Museum für zeitgenössische Kunst (EMST) in Athen eine Auswahl dessen ständiger Sammlung. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
„The Parthenon of Books“ eine das Athener Original im Maßstab 1:1 abbildende Arbeit von Marta Minujín, mit verbotenen oder einst verbotenen Büchern bestückt, nimmt symbolhaft den zentralen Platz vor dem Fridericianum ein. Antike trifft hier auf Klassizismus. Das historische Gebäude Fridericianum, der erste Museumsbau für die Öffentlichkeit auf dem Kontinent, wird als „Wiege der documenta“ bezeichnet und ist seit über 60 Jahren ihr traditioneller Ausstellungsort. Auch hier schafft die documenta 14 einen Bezug zu Athen. Adam Szymczyk zeigt im Fridericianum in einem zentralen Kooperationsprojekt mit dem Nationalen Museum für zeitgenössische Kunst (EMST) in Athen eine Auswahl dessen ständiger Sammlung. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Für die kommenden 100 Tage hat Kassel ein neues Wahrzeichen: Marta Minujins „Partheonon der Bücher“ ragt in Originalgröße des einstigen griechischen Tempels für die Athener Stadtgöttin Pallas auf dem Friedrichsplatz empor. Seine Säulen mit verbotenen und einstmals verbotenen Büchern bestückt, sind ein Mahnmal an die weltweit zunehmende Behinderung von Meinungs- und Publikationsfreiheit wie sie zuletzt vor allem in der Türkei, Ungarn, Russland und vielen anderen nichtdemokratischen Ländern dieser Erde beklagt wurden. Symbolträchtiger hätte dieser Ort wohl kaum gewählt sein können, da auf diesem Friedrichsplatz am 19. Mai 1933 die Nazis eine ihrer großen Bücherverbrennungen zelebrierten. Als hätte die Menschheit nichts hinzugelernt, als wiederholten sich die Fehler der Vergangenheit immer wieder aus’s Neue klagen die gigantischen Büchersäulen des begehbaren imposanten Mahnmals der argentinischen Künstlerin an. Auf die erneut wachsende Bedrohung der Freiheit allerorten im aktuellen Kontext von Flüchtlingskrise, wachsenden Populismus, Terror, Klimakatastrophe und Fake-News medienwirksam aufmerksam zu machen , hat sich die documenta14 auf ihre Fahnen geschrieben.  Anfang Mai in Athen und nun parallel in Kassel demnächst eröffnet, werden die Kunstwerke, Performances und Begleitprogramme den Daumen in die Wunden legen. Beim gestrigen Presse-Preview stellten die Veranstalter und Kuratoren der dokumenta14 im Stadt-Palais ihr Konzept der weltberühmte Ausstellung zeitgenössischer Kunst mit Werken von über 160 Künstlerinnen und Künstlern den rund 3000 angereisten Journalisten vor.

Die Ausstellung im Fridericianum präsentiert erstmals in Deutschland die Sammlung des Athener Nationalen Museums für Zeitgenössische Kunst (EMST). Auf dem Königsplatz zeigt der amerikanische Künstler Olu Oguibe seine Arbeit zur humanitären Hilfe für Kriegsopfer.Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Die Ausstellung im Fridericianum (rechts) präsentiert erstmals in Deutschland die Sammlung des Athener Nationalen Museums für Zeitgenössische Kunst (EMST). Auf dem Königsplatz zeigt der amerikanische Künstler Olu Oguibe seine Arbeit zur humanitären Hilfe für Kriegsopfer.Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die Ausstellung im Fridericianum präsentiert erstmals in Deutschland die Sammlung des Athener Nationalen Museums für Zeitgenössische Kunst (EMST). Auf dem Königsplatz zeigt der amerikanische Künstler Olu Oguibe seine Arbeit zur humanitären Hilfe für Kriegsopfer.

„Wir erleben in diesem Jahr eine ganz besondere Ausstellung in der langen Tradition der Kunstschau. Denn die documenta 14 beweist es erneut: Auch nach über sechzig Jahren löst diese Institution überaus lebendig ihr Credo ein, nachdem sie sich stets erneuert und ihrem Publikum immer wieder Überraschendes und Unerwartetes präsentiert“, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen.
In ihrer Heimat Kassel ist das dem Ideengeber Arnold Bode 1955 erstmals gelungen. Im Jahr 2017 sind nun gleich zwei Städte, Kassel und Athen, die Achsen, auf denen sich die Weltausstellung bewegt und globale Fragestellungen thematisiert. „Von Athen lernen“ hat es der künstlerische Leiter Adam Szymczyk überschrieben.
„Die documenta 14 mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie die Geschäftsführung der documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs gGmbH haben sich mit der Ausdehnung auf zwei Städte ein gigantisches Pensum auferlegt und mit großem Einsatz zum Gelingen gebracht“, äußerte OB Hilgen seine Wertschätzung für das Projekt.

Jannis Kounellis (ohne Titel 1993), Kohle, Säcke, Stahl - Soll die Transfusion des einen Raumes in den anderen symbolisieren. Diese Idee, die Kounellis ganz klar durch sein Gesamtwerk hindurch beschäftigt hat, ermöglicht es ihm, Kompositionen aus "dem Leben" ärmlicher aber konkreter Wirklichkeiten einer Jacke, eines Haufens Holzkohle, eines alten Holzstücks, dem Gipsabguss eines antiken Kopfes usw. zu kreieren, um daraus echte Bilder zu schaffen - so, als ob er das Staffeleibild nur deshalb hinter sich gelassen hatte, um wieder darauf zurückzukommen, wenn er die Wirklichkeit selbst als sein "Gemälde" rahmt. (aus dem Wandtext).  Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Jannis Kounellis (ohne Titel 1993), Kohle, Säcke, Stahl – Soll die Transfusion des einen Raumes in den anderen symbolisieren. Diese Idee, die Kounellis ganz klar durch sein Gesamtwerk hindurch beschäftigt hat, ermöglicht es ihm, Kompositionen aus „dem Leben“ ärmlicher aber konkreter Wirklichkeiten einer Jacke, eines Haufens Holzkohle, eines alten Holzstücks, dem Gipsabguss eines antiken Kopfes usw. zu kreieren, um daraus echte Bilder zu schaffen – so, als ob er das Staffeleibild nur deshalb hinter sich gelassen hatte, um wieder darauf zurückzukommen, wenn er die Wirklichkeit selbst als sein „Gemälde“ rahmt. (aus dem Wandtext). Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Kassel und Athen: Die Verdoppelung der documenta-Perspektive
In Kassel schließt sich nach dem Auftakt in der griechischen Hauptstadt nun der Kreis und offenbart den Besucherinnen und Besuchern der documenta 14 die komplette Einsicht in die diesjährige Weltkunstschau. OB Hilgen: „Mit der Verdoppelung der documenta-Perspektive durch die zwei Standorte hat sich das Interesse an der Ausstellung in bisher noch nicht dagewesener Weise vervielfacht. In zwei Städten ist die intensive Auseinandersetzung mit den Thesen des Kuratoren-Teams möglich.“
Die documenta 14 schaffe zudem über das Medium der Kunst eine Brücke und eine bislang nicht gekannte Form der Gemeinschaft zwischen den beiden Städten. „Die Kunst führt die Menschen zusammen“, war die gemeinsame Aussage von Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Athens Bürgermeister Yiorgos Kaminis anlässlich des Starts der documenta 14 im April in Athen. Beide betonten, dass zahlreiche Chancen für Athen wie auch für Kassel von ihr ausgehen. Im Rahmen der Vorbereitung der Kunstschau habe es auch auf kommunaler Ebene einen von gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen geprägten Austausch gegeben.

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Kunst- und Kulturminister Boris Rhein. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Hessens Kunst- und Kulturminister Boris Rhein lobte in seinem Grusswort, : dass sich „die documenta als eine der bedeutendsten und international bekanntesten Ausstellungen weltweit Anerkennung erworben“ hat: „Hier werden Debatten um Positionen in der Kultur ausgetragen und Perspektiven für die Zukunft entwickelt. Dieser hohe Anspruch ist für uns zugleich Verpflichtung, auch in Zukunft für angemessene Rahmenbedingungen zu sorgen. Deswegen fördert das Land Hessen die documenta in diesem Jahr mit fast 14 Millionen Euro mehr als je zuvor.“ Mit der Eröffnung würde die Stadt Kassel zu einem großen Museum, so der Minister, und wünschte „dieser documenta einen überwältigenden Erfolg und viele Menschen, die an diesem Ereignis teilnehmen, die Kunst diskutieren und sich von ihr inspirieren lassen. Mein Dank gilt den Organisatoren, Helfern und Sponsoren, ohne die diese großartige Ausstellung nicht zu stemmen gewesen wäre“ so Kunst- und Kulturminister Boris Rhein

documenta-Stadt Kassel – Kulturstadt von Rang

Ob durch die Außenkunstwerke, ob in den über verschiedene Kasseler Stadtteile verteilten Ausstellungshäusern und -räumen, ob bei Performances oder in den zahlreichen, teilweise eigens für den Ausstellungszeitraum entstandenen gastronomischen Treffpunkten: Die documenta ist nun für 100 Tage ein prägendes Element, gestaltet das städtische Leben für die Gäste und die Bürgerinnen und Bürger vibrierend, spannend und lebendig. OB Hilgen: „Es ist allerdings ein Lebensgefühl, auf das Kassel auch in den jeweils fünf Jahren zwischen den documenta-Ausstellungen nicht verzichten muss. Vom nordhessischen Schattendasein kann heute keine Rede mehr sein.“

Denn die ehemalige Landgrafen- und Kurfürstenstadt ist voller Geschichte, die auf pralle kulturelle Gegenwart trifft. Kassel hat in den vergangenen Jahren eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung genommen und sich dabei zu einem der zentralen Kulturstandorte in Deutschland entwickelt. Es bietet eine kreative Szene und etablierte Einrichtungen der Hochkultur, eine vielgestaltige Museumslandschaft sowie eine Kunsthochschule, aus der Oscarpreisträger hervorgegangen sind. Mit dem barocken Bergpark Wilhemshöhe ist die Stadt ein UNESCO Weltkulturerbe, mit der GRIMMWELT Kassel auf dem Weinberg die moderne Grimmhauptstadt Deutschlands.
Kasselkultur2017 – das Stadtprogramm im documenta-Jahr.

Das documenta-Jahr bietet für die Kulturakteure Kassels stets einen besonderen Rahmen und Ansporn zu außergewöhnlichen Vorhaben und Initiativen. Weit über tausend kulturelle Projekte und Veranstaltungen unterschiedlichster Sparten und Richtungen bilden den Kern von Kasselkultur2017, dem Stadtprogramm im documenta-Jahr. Bis Dezember können Besucher und Bewohner aus einem von mehr als hundert Kooperationspartnern gestalteten Programm auswählen, das von klassischen Formaten bis zu experimentellen Kulturveranstaltungen reicht.

Documenta Archiv, documenta Institut und eine documenta-Professur
Eine einzigartige Schatzkammer an öffentlich zugänglichen Quellen zur zeitgenössischen Kunst ist das documenta Archiv, dessen Gründung auf einer Idee Arnold Bodes beruht. Es spiegelt zentrale Aspekte zur Ausstellungsgeschichte der documenta wider, die Kunst, Historie, Gesellschaft und Politik berühren. Das Archiv wurde 1961 gegründet und beherbergt ein Aktenarchiv, das das Schriftgut der Ausstellungen verwahrt, eine große Spezialbibliothek sowie umfangreiche Presse-, Bild- und audiovisuelle Mediensammlungen. Nachlässe ergänzen den wertvollen Bestand.
Gemeinsam mit der Universität Kassel, der documenta gGmbH und mit der Unterstützung des Bundes sowie des Landes Hessen ist ein documenta Institut im Aufbau begriffen. Es wird die documenta als ein Kulturerbe von internationalem Rang im Hinblick auf ihre Geschichte aufarbeiten sowie Fragestellungen im Kontext der globalen zeitgenössischen Ausstellungskultur untersuchen.

Neue documenta-Professorin an der Kunsthochschule Kassel wird Prof. Dr. Nora Sternfeld (geb. 1976). Damit hat die Universität Kassel rechtzeitig vor Beginn der documenta eine Personalie mit Ausstrahlung in die internationale Kunstwelt entschieden. „Eines der wesentlichen Ziele meiner Forschungsarbeit sehe ich darin, Kassel als international relevanten Standort für Ausstellungstheorie und -praxis zu positionieren, auch in der Zeit zwischen den alle fünf Jahre stattfindenden Ausstellungen“, kündigte Sternfeld an.
Mit einer Vielzahl von Projekten und Veranstaltungen unterstützt und begleitet die Universität Kassel die documenta 14. An einigen documenta-Kunstwerken sind Studierende, Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler der Universität direkt beteiligt. Zudem ist die Weltkunstschau mit mehreren Ausstellungsorten an der Hochschule zu Gast.

Image- und Wirtschaftsfaktor documenta
Die documenta ist ein nicht zu vernachlässigender Image- und Wirtschaftsfaktor für Kassel. Durch ihren Bekanntheitsgrad ist sie hervorragend geeignet, nach innen und nach außen zu wirken. Sie selbst ist ein Arbeitgeber für hunderte Beschäftige, zudem sind zahlreiche Kasseler Betriebe und Unternehmen für die Ausstellung tätig. Hotels, die Gastronomie und der Handel profitieren von den Gästen, deren Zahl zur documenta 13 bei rund 900 000 lag.
OB Hilgen: „Die documenta fasziniert seit 1955 immer wieder die internationale Kunstwelt und setzt sie nach Kassel in Bewegung. Gut möglich also, dass die documenta 14 mit ihrem Konzept zweier Städte noch weitaus mehr Menschen zur Kunst bringen wird als alle vorherigen Ausstellungen.“

Weitere Informationen:
www.documenta14.de
www.documenta.kassel.de
https://www.kasselkultur2017.de
https://www.documenta.de
http://www.documenta-archiv.de
http://www.kassel-marketing.de

Land Hessen fördert documenta so stark wie nie zuvor Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst stellt 14 Millionen Euro bereit

dokumenta-logoWiesbaden. Kunst- und Kulturminister Boris Rhein hat mit Erstaunen die Kritik der documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff zur Kenntnis genommen. Sie hatte sich in einem dpa-Interview über die ihrer Ansicht nach unzureichende Finanzierung der documenta 14 geäußert, was umso verblüffender ist, da Frau Kulenkampff dies bislang in den zuständigen Gremien nicht thematisiert hatte.

Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördert die documenta 14, ihre Vor-bereitung sowie den Ausstellungsbetrieb im Museum Fridericianum mit rund 13,8 Millionen Euro. Damit ist die Landesförderung für die documenta höher als jemals zuvor.

Kunst- und Kulturminister Boris Rhein: „Es ist mir ein Anliegen, dass das Land Hessen und die Stadt Kassel mit der documenta auch weiterhin zur ersten Adresse und Anlaufstelle für Kunstfreunde aus aller Welt zählen können. Deshalb fördert die Landesregierung die documenta in diesem Jahr mit rund vierzehn Millionen Euro und schafft damit erneut verlässliche Rahmenbedingungen.“

Seit ihrer Gründung 1955 gilt die documenta als eine der bedeutendsten und international bekanntesten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. In einem Turnus von fünf Jahren und während einer Laufzeit von 100 Tagen präsentiert sie eine Vielzahl aktueller internationaler Kunstpositionen.

Die vergangene documenta 13 hatte einen Etat von rund 30 Millionen Euro, der zu 40 Prozent aus öffentlichen Mitteln (Land Hessen, Stadt Kassel und der Kulturstiftung des Bundes) und zu 60 Prozent aus eigenen Einnahmen bestand. Für die nun kommende documenta 14 wird alleine das Land Hessen der Gesellschaft 4,6 Millionen Euro mehr zur Durchführung der Ausstellung bereitstellen.

Zusätzlich wird das sich im Aufbau befindende documenta-Institut seit 2016 von beiden Gesellschaftern jeweils mit jährlich einer halben Million Euro finanziert. Das documenta-Institut soll eine eindeutig wissenschaftliche Ausrichtung haben und die documenta nicht nur im Hinblick auf ihre Geschichte aufarbeiten, sondern unter interdisziplinär angelegten Fragestellungen sowie im Kontext einer globalen zeitgenössischen Ausstellungskultur untersuchen und die Bestände des documenta-Archivs integrieren.

„Seit Bestehen der documenta wurden die Zuwendungen des Landes unter Beachtung des geltenden Haushaltsrechts und der Zustimmung des Haushaltsgesetzgebers kontinuierlich den steigenden Anforderungen angepasst. Hier nun von einer Unterfinanzierung zu sprechen oder Vergleiche mit anderen Zuwendungsempfängern aus dem Theaterbereich anzustellen, halte ich für nicht angemessen“, erklärte Kunst- und Kulturminister Boris Rhein. Und fügte hinzu, es sei zudem falsch, die verschiedenen Kulturangebote gegeneinander auszuspielen.