Kategorie-Archiv: Hochschul- und Landesbibliothek

Literaturhaus Villa Clementine Wiesbaden startet nach Winterpause mit attraktivem Januar-Programm

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Noch bis zum 20. Dezember, dann ab dem 8. Januar 2018 ist das Literaturhausteam der Villa Clementine wieder zu den gewohnten Bürozeiten zu erreichen. Der Cafébetrieb startet wieder am 9. Januar 2018.

Nach der Winterpause des Literaturhauses Villa Clementine in Wiesbaden findet Mitte Januar eine Lesung des renommierten Schriftstellers Thomas Lehr statt. Er stellt seinen sowohl für den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis, als auch den Deutschen Literaturpreis nominierten Roman „Schlafende Sonne“ vor. Im Rahmen der „Poetikdozentur: junge Autoren“ fanden bereits zwei Veranstaltungen statt und man darf gespannt sein auf die letzten beiden, zu denen Jan Wagner im Januar in Wiesbaden zu Gast sein wird.

Mi 17.01. | 19.30 Uhr Hochschul- und Landesbibliothek
Jan Wagners zweite Poetikvorlesung dreht sich ums Gedicht
Nachdem es in Jan Wagners erster Wiesbadener Poetikvorlesung um Grenzen ging, um das Fremde im Eigenen und das Eigene im Fremden, um den Transfer über kulturelle wie sprachliche Barrieren hinweg, schließlich auch um Goethes Begriff der „Weltliteratur“, soll der Fokus der zweiten Vorlesung nunmehr auf dem Allernächsten liegen, der Ort des Gedichts ins Zentrum rücken. Das ist zunächst ganz grundsätzlich gemeint: Wo genau entsteht ein Gedicht, unter welchen Umständen und in welcher Umgebung? Hiervon ausgehend sollen jedoch auch Fragen nach der prägenden und der geprägten Landschaft untersucht werden, nach dem Ort im Gedicht also, darüber hinaus nach Magie und Handwerk, nach dem Dichter als Reisenden – und nach der Kindheit als dem einen unverrückbaren, unerreichbaren Punkt im lyrischen Atlas. Wie schon in der ersten Vorlesung werden zwar auch eigene Gedichte eine Rolle spielen, nicht zuletzt aber die großen Dichter nicht nur des Deutschen zur Sprache kommen, darunter Dylan Thomas, Peter Huchel, Seamus Heaney, Emily Dickinson und Umberto Saba.

Jan Wagner, 1971 in Hamburg geboren, lebt in Berlin. Seit 2001 erschienen zahlreiche Gedichtbände von ihm. Zudem ist er Mitherausgeber der Minnesang-Anthologie „Unmögliche Liebe (2017). Für seine Lyrik wurde Jan Wagner vielfach ausgezeichnet, u.a. 2015 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse und 2017 mit dem Georg-Büchner-Preis.
Eintritt frei
Veranstalter: Hochschule RheinMain in Kooperation mit dem Literaturhaus / Kulturamt Wiesbaden
Ort: Hochschul- und Landesbibliothek, Lesesaal, Rheinstraße 55, 65185 Wiesbaden

Do 18.01. | 19.30 Uhr Thomas Lehr,  liest aus „Schlafende Sonne“ Villa Clementine

Thomas Lehr © Foto: Diether v. Goddenthow
Thomas Lehr © Foto: Diether v. Goddenthow

Thomas Lehrs Roman „Schlafende Sonne“ ist der erste Teil einer als Trilogie angelegten Romanfolge. Die Handlung spielt an einem einzigen Tag, dem 19. August 2011, doch durch das kunstvolle Einweben verschiedener Erzählstränge gelingt es, ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte zu umspannen und auf zahlreiche geistes- und naturwissenschaftliche Diskurse anzuspielen. Lehrs Sprache ist dabei so poetisch wie präzise und fesselnd.

Ein Tag im Sommer 2011 bildet den Rahmen des Romans. Es ist der Tag, an dem der Dokumentarfilmer Rudolf Zacharias nach Berlin reist, um dort die Vernissage seiner früheren Studentin Milena Sonntag zu besuchen. In ihrer Ausstellung zieht die in der DDR aufgewachsene Milena nicht nur eine künstlerische Lebensbilanz, sondern die ihrer Zeit. Im Zentrum des gewaltigen Geschichtsfreskos steht eine Dreierkonstellation: zwei Männer und eine Frau. Um sie herum entsteht assoziativ aus verschiedenen Perspektiven ein Panorama, das von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs über die Judenverfolgung, die DDR und deren Zusammenbruch bis hin zur Wendezeit und ins heutige Berlin führt.
Thomas Lehr, 1957 in Speyer geboren, studierte zunächst Biochemie, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. Zu seinen Romanen zählen „42“ und „September. Fata Morgana“. Er erhielt zahlreiche Preise, u.a. den Rauriser Literaturpreis, den Förderpreis Literatur zum Kunstpreis Berlin, den Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz sowie den Rheingau Literatur Preis. „Schlafende Sonne“ war 2017 sowohl für die Shortlist des Deutschen Buchpreises als auch die Longlist des Wilhelm Raabe-Literaturpreises nominiert.
Autorenlesung
Moderation: Ulrich Sonnenschein (hr2-kultur)
€ 10 / erm. € 6 zzgl. VVG. Kartenvorverkauf: Tourist Information Wiesbaden, Marktplatz 1, Tel.: 06 11 – 17 29 930; TicketBox in der Wiesbadener Galeria Kaufhof, Kirchgasse 28, Tel.: 06 11 – 30 48 08, online unter www.wiesbaden.de/literaturhaus. Abendkasse: € 13 / erm. € 9
Veranstalter und Ort: Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden

Weitere Infos unter www.wiesbaden.de/literaturhaus

Neue Wiesbadener Poetikdozentin stellt sich vor – Vorlesungen ab 12. Oktober 2016

Judith Schalansky, in Berlin lebende freie Schriftstellerin, nimmt im Wintersemester 2016/2017 die „Poetikdozentur: junge Autoren“ der Hochschule RheinMain und der Landeshauptstadt Wiesbaden wahr.

Die Autorin wurde 1980 in Greifswald geboren. Sie studierte Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign in Berlin und Potsdam. Danach unterrichtete sie zunächst Typografische Grundlagen an der Fachhochschule Potsdam. 2006 begann sie ihre publizistische Tätigkeit mit dem typografischen Kompendium „Fraktur mon Amour“. 2008 legte sie mit dem Matrosenroman „Blau steht dir nicht“ ihr literarisches Debüt vor und 2011 erschien ihr Bildungsroman „Der Hals der Giraffe“. Seit dem Frühjahr 2013 gibt sie bei Matthes & Seitz Berlin die sehr gelobte Buchreihe „Naturkunden“ heraus. Für ihre literarische Arbeit erhielt sie eine Reihe von Auszeichnungen und Stipendien. So war sie 2014 Stadtschreiberin von Mainz und erhielt 2015 den Droste-Preis der Stadt Meersburg.

Einen ersten Eindruck von der neuen Poetikdozentin erhielt das Wiesbadener Publikum gestern Abend bei der Veranstaltung „Eine Autorin stellt sich vor“ auf dem Campus Unter den Eichen. Im Rahmen der am Fachbereich Design Informatik Medien stattfindenden Messe „Paperday“ stellte sich Judith Schalansky den Fragen der Leiterin des Studiengangs Kommunikationsdesigns, Prof. Dr. Christine Bernhardt.

Judith Schalansky über sich selbst:
„Geboren bin ich in Greifswald, der Geburtsstadt Caspar David Friedrichs und Wolfgang Koeppens, einer Kreisstadt der DDR. Die Bilder des Romantikers lehrten mich früh, die trostlose Weite Vorpommerns zu lieben und die Texte des Romanciers spät, dass es für das schreibende Ich förderlich ist, nicht zur See zu gehen, und erträumte Abenteuer den erlebten mindestens ebenbürtig sind.

Meine Eltern waren Lehrer und die Schule kein mir fremder, sondern zugewandter Ort. Ich ging gerne zur Schule, die ich bis heute nicht verlassen habe. Vielmehr scheint mir, dass ich mich mit jedem meiner Bücher an einem neuen Unterrichtsfach abarbeite und in ihm jene universelle Poesie wieder aufzuspüren versuche, die durch die elende Aufteilung des Weltwissens in Geist und Natur, in Theorie und Praxis verloren gegangen ist.

So habe ich mich in meinen letzten beiden Büchern mit der Geographie und der Biologie beschäftigt und alles deutet darauf hin, dass mein nächstes Buch sich wie keines meiner bisherigen den Erzählungen des Vergangenen widmet, die wir gemeinhin unter dem Begriff ›Geschichte‹ zusammenfassen.“

Im Rahmen der „Poetikdozentur: junge Autoren“ wird Judith Schalansky zwei Vorlesungen in der Hochschul- und Landesbibliothek halten. Im Literaturhaus Villa Clementine der Landeshauptstadt Wiesbaden wird sie aus ihren Werken lesen.

Vorlesungen
Mittwoch, 12. Oktober 2016, 19:30 Uhr
Mittwoch, 30. November 2016, 19:30 Uhr
Hochschul- und Landesbibliothek, Rheinstraße 55-57, 65185 Wiesbaden

Lesungen
Mittwoch, 9. November 2016, 19:30 Uhr
Mittwoch, 18. Januar 2017, 19:30 Uhr
Literaturhaus der Stadt Wiesbaden, Villa Clementine, Frankfurter Straße 1, 65189 Wiesbaden