Wie lebten die Kelten? Hessische Landesausstellung Keltenland Hessen startet am 10.03.2022 im Keltenmuseum am Glauberg

image002-keltenland-hessen-logo-450Im Jahr 2022 präsentieren Museen, Landesarchäologie, Stadt- und Kreisarchäologien sowie Forschungseinrichtungen und Vereine viel Neues und Interessantes zur Eisenzeit, der Epoche der Kelten in Hessen.

Um das reiche hessische Kulturerbe der Öffentlichkeit bekannt zu machen, fand sich auf Anregung der Keltenwelt am Glauberg bereits im Herbst 2018 ein hessenweites Projektteam aus Museen und Archäologischer Denkmalpflege zusammen, um in ganz Hessen gemeinsam von 10. März bis 31. Dezember 2022 das erste große Archäologie-Jahr zu veranstalten. Unter dem Titel „KELTEN LAND HESSEN – Archäologische Spuren im Herzen Europas“ werden an vielen Orten Sonderausstellungen, Exkursionen und Führungen zu archäologischen Stätten, Mitmach-Aktionen für die ganze Familie, Aktivprogramme für Schulklassen, Vorträge und Workshops angeboten.

Im Zentrum der umfangreichen Landesausstellung, die mit der großen Sonderausstellung in der Keltenwelt am Glauberg am 10. März 2022 startet, geht es um die Kern-Frage: Wie lebten eigentlich die Kelten, wie sah der Alltag der Menschen vor rund 2500 Jahren aus?

Dr. Vera Rupp, Direktorin des Museums Keltenwelt am Glauberg © Foto Diether v. Goddenthow
Dr. Vera Rupp, Direktorin des Museums Keltenwelt am Glauberg © Foto Diether v. Goddenthow

Über die Spitze der keltischen Gesellschaft haben Archäologinnen und Archäologen mittlerweile viele Erkenntnisse sammeln können, auch dank der kostbaren Objekte, die dem „Keltenfürsten vom Glauberg“ in sein Grab gelegt wurden. So trank man offenbar gerne Met, einen alkoholhaltigen Honigwein, den man in kunstvoll gefertigten Bronzekannen servierte. Am Körper trug man edlen Goldschmuck und zur Ausrüstung eines wohlhabenden Keltenkriegers gehörte eine Waffenausrüstung mit Lanzen und hochwertigen Eisenschwertern. Ein Luxus, an dem die einfache Bevölkerung keinen Anteil hatte, die auf den fruchtbaren Feldern ihre Ernte einholte, in den Salinen von Bad Nauheim arbeitete oder in der Eisenproduktion im Taunus und Lahn-Dill-Gebiet schuftete.
Vom Leben der Bauern und Handwerker hat sich im Vergleich zu der Elite der Kelten nur wenig erhalten – von Werkzeugen oder den Spuren des großflächigen Salzabbaus in Bad Nauheim einmal abgesehen. Wie diese Menschen sich kleideten, wie ihre Siedlungen aussahen oder wie sie sich ernährten, dazu gibt es für Fachleute noch viele offene Fragen. Es war daher ein Glücksfall, als im Jahr 2016 bei Arbeiten in einem Neubaugebiet in Altenstadt-Höchst die Überreste einer Siedlung entdeckt wurden, die man in die frühe Eisenzeit datiert.

Kegelstumpfgrube mit Haus Modell ‘Keltenwelt am Glauberg‘ © Keltenwelt am Glauberg
Kegelstumpfgrube mit Haus Modell ‘Keltenwelt am Glauberg‘ © Keltenwelt am Glauberg

Dörfer waren in der Eisenzeit wohl Gruppen von einigen wenigen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Im Umfeld legten die Bewohner Vorratsgruben an, in denen sie Getreide und andere Nahrungsmittel in Gefäßen lagerten. Auch in Altenstadt-Höchst entdeckte man mehrere dieser Gruben, die eine Tiefe bis zu zwei Metern aufwiesen. „In diesen Zeiten war eine sichere Nahrungsversorgung für den Fortbestand einer Gemeinschaft überlebenswichtig. Auch wenn der Boden der Wetterau überaus fruchtbar ist, waren Missernten keine Seltenheit. Und die Erträge mussten auch sicher vor Schädlingen und Umwelteinflüssen verwahrt werden. Daher war die Lagerung und Haltbarmachung von Nahrung entscheidend“, so Petra Lehmann-Stoll vom Büdinger Heuson-Museum, in dem die Funde aus Altenstadt-Höchst verwahrt werden. „Indem man diese sogenannten Kegelstumpfgruben luftdicht verschloss, funktionierten sie ähnlich wie ein Kühlschrank. Bereits in einer Tiefe von zwei Metern wurde Getreide und Saatgut durch das kühle Erdreich hervorragend gelagert und konserviert.“
In einer solchen Grube fand das Ausgrabungsteam auch eine ganze Gruppe von Keramikgefäßen, in denen die Vorräte gelagert wurden. Nicht weniger als sieben Gefäße von herausragender Qualität kamen zutage, darunter auch verzierte Töpfe und Schalen, die komplett ab dem 10. März zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert werden. „Man kann sich bildhaft vorstellen, wie die damaligen Bewohner Ton zu Vorratsgefäßen formten und brannten, ihre Ernte von den Feldern brachten und für schlechte Zeiten einlagerten“, zeigt sich Vera Rupp von der Keltenwelt am Glauberg begeistert. „So gewinnen wir Schritt für Schritt immer genauere Kenntnisse über das Leben und den Alltag dieser Menschen.“
www.keltenwelt-glauberg.de
www.hessen-archaeologie.de