Kategorie-Archiv: Staatskanzlei Rheinland-Pfalz

Bundespräsident besucht Landtag und zieht Bilanz/ Hendrik Hering ruft zur Verteidigung der Demokratie auf

© RPL Landtag
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum Abschluss seiner Deutschlandreise in alle 16 Bundesländer heute auch den rheinland-pfälzischen Landtag in Mainz besucht. Bei einer Festveranstaltung mit Landtagsabgeordneten, Vertretern der Landesregierung und jugendlichen Ehrengästen im Interimsplenarsaal im Mainzer Landesmuseum mit dem Titel „Herausforderung Demokratie – Von der Mainzer Republik bis heute“ ging der Bundespräsident auf die Bedeutung der „Mainzer Republik“ für die Entwicklung der Demokratie in Deutschland ein und zog eine Bilanz seiner Deutschlandreise sowie seines ersten Amtsjahres. Auf seiner Deutschlandreise hatte Bundespräsident Steinmeier gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender besondere Orte der Demokratie besucht.

Landtagspräsident Hendrik Hering regte in seiner Ansprache an, dass jede Schülerin und jeder Schüler im Laufe seiner Schulzeit einen solchen Ort der Demokratie, wie beispielsweise den Landtag in Mainz, besuchen sollte. Hier in Mainz sei schließlich die Wiege der parlamentarischen Demokratie, da vor genau 225 Jahren im Deutschhaus, dem heutigen Sitz des Landtags Rheinland-Pfalz, der Rheinisch-Deutsche Nationalkonvent tagte und am 18. März 1793 die Mainzer Republik ausrief. „Es war das erste, nach allgemeinem Wahlrecht gewählte Parlament in Deutschland, das einen auf demokratischen Prinzipien – Freiheit, Gleichheit, Volkssouveränität – beruhenden Staat gründete“, erklärte einst der inzwischen verstorbene Mainzer Historiker Franz Dumont.

Teilhabe an Demokratie

An diesen Orten der Demokratie könnten junge Menschen sich nicht nur Wissen über demokratische Prozesse aneignen, sondern diese auch erleben, so Landtagspräsident Hendrik Hering. Die Demokratie könne für uns alle Heimat sein. „Wir müssen aber auch das Gefühl haben, wirklich ein Teil von ihr zu sein, sie selbst mitgestalten zu können und nicht nur als Zaungast zuschauen“, sagte Hendrik Hering. Und dies umso mehr in Zeiten, in denen die Demokratie angefeindet werde, die Ungleichheit in Deutschland zunehme und das Vertrauen in die politischen Institutionen sinke, die wirtschaftliche Entwicklung in den Ländern der Euro-Zone sehr unterschiedlich sei und die antidemokratischen Entwicklungen in einigen mittel- und osteuropäischen Ländern Grund zur Besorgnis gäben. „Es ist nicht selbstverständlich, dass wir in einer Demokratie leben. Das zeigt der Blick zurück, das lehrt uns die Mainzer Republik“, betonte der Landtagspräsident.

„Botschafter der Demokratie“

Heute gelte es deshalb mehr denn je, die Errungenschaften der parlamentarischen Demokratie zu verteidigen und weiter zu entwickeln. „Wie gelingt es uns, wieder für die Demokratie zu begeistern und für ihre Vorteile zu werben?“ seien aktuelle Fragen von grundlegender Bedeutung. Vor diesem Hintergrund kamen im Rahmen einer Talkrunde mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer Jugendliche zu Wort, die sich mit dem Thema „Politik heute – was macht Demokratie für mich attraktiv?“ auseinandersetzten. Diese hatten am kürzlich stattgefundenen Schüler-Landtag teilgenommen oder an Veranstaltungen des Landtags zur parlamentarischen Demokratie mitgearbeitet. Sie alle hätten laut Hendrik Hering einen Wunsch geäußert: „Wir wollen mehr politische Bildung!“. Deshalb sollte es uns ein bedeutender Wert sein, junge Menschen mit dem notwendigen Rüstzeug auszustatten, um sie zu „Botschaftern der Demokratie“ zu machen. Und je früher damit begonnen werde, desto größer werde die Bereitschaft sein, sich in der Gesellschaft zu engagieren. Es sei deshalb eine wichtige gesellschaftliche und politische Aufgabe, Demokratie schon für Kinder erfahrbar zu machen, so Hendrik Hering. Vor diesem Hintergrund habe der Landtag jüngst auch sein neues Grundschul-Besuchsprogramm gestartet, das im Rahmen der Veranstaltung filmisch vorgestellt wurde.

Die Veranstaltung moderierte Jennifer Sieglar, bekannt unter anderem als Moderatorin der Kindernachrichtensendung „logo!“. Zu Beginn der Veranstaltung verkörperte der Schauspieler Tino Leo in seinem Ein-Mann-Theaterstück „Der Freiheitsbaum“ in der Rolle verschiedener Protagonisten der Mainzer Republik den Mut der frühen Demokraten im heutigen Rheinland-Pfalz.

Marco Sussmann

Rede Präsident Hering

Einer der prominentesten deutschen Katholiken, Kardinal Lehmann, ist tot

Karl Kardinal Lehmann während seines Dankes für die Wilhelm Leuschner-Medaille als höchste Auszeichnung des Landes Hessen 2016 © Foto: Diether v. Goddenthow
Karl Kardinal Lehmann während seines Dankes für die Wilhelm Leuschner-Medaille als höchste Auszeichnung des Landes Hessen 2016 © Foto: Diether v. Goddenthow

Nachrufe

Ministerpräsidentin Malu Dreyer: Kardinal Lehmann wird uns fehlen

„Rheinland-Pfalz trauert um Karl Kardinal Lehmann. 33 Jahre hat er als Bischof von Mainz gewirkt und Maßstäbe für einen weltoffenen Katholizismus gesetzt. Weit über die Grenzen seines Bistums hinaus wurde ihm wegen seines festen Glaubens, seines beeindruckenden theologischen Wissens, seiner ökumenischen Offenheit, seines gesellschaftlichen Engagements und seiner menschlichen Warmherzigkeit Respekt, Anerkennung und auch Zuneigung entgegen gebracht. In seinem fast einundzwanzigjährigen Wirken als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz hat er die katholische Kirche in Deutschland entscheidend mitgeprägt und in der Weltkirche in herausragender Weise repräsentiert.

Bei seiner Weihe zum Bischof im Mainzer Dom am 2.10.1983 hatte Kardinal Lehmann sein neues Amt unter den Wahlspruch „Steht fest im Glauben“ („State in fide“) gestellt. Diesem Appell des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth ist er während seines jahrzehntelangen Wirkens in Wort und Tat mehr als gerecht geworden. Er stand in Treue zur Kirche, aber vor allen Dingen zu den Menschen. Karl Kardinal Lehmann hatte stets ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Anliegen. Für ihn galt der Grundsatz, dass die Kirche dort mitanpackt, wo Hilfe gebraucht wird. Auch in der Flüchtlingskrise hat er Maßstäbe für Nächstenliebe gesetzt. Wer ihm begegnete, konnte erfahren, dass er es ernst meint mit dem, was er verkündet.

Er hat Brücken gebaut zwischen verschiedenen Konfessionen, zwischen verschiedenen Religionen und auch zwischen Kirche und Politik.

Karl Kardinal Lehmann wusste um die Zeichen der Zeit. Er hat die Konflikte in Kirche und Gesellschaft benannt und die weltweiten Herausforderungen erkannt. In seiner Haltung, Schwangeren im Gewissenskonflikt kirchlich beizustehen, stellte er sich an die Seite der Frauen und riskierte den Konflikt mit Rom. Wichtige Themen hat er immer wieder aufgegriffen und sich in christlicher Verantwortung mit ihnen auseinandergesetzt. Dabei war er der Politik immer ein kritischer und wichtiger Mahner und Ratgeber. Auch in schwierigen Zeiten hat er klare Positionen bezogen und Mut zum Umdenken gemacht.

Glaubensstärke und Humor, Intellekt und Gelassenheit, diese seltene Kombination hat Kardinal Lehmann ausgezeichnet. Ich bin ihm für viele gute Gespräche und Anregungen sowie den vertrauensvollen Austausch mit der Landesregierung sehr dankbar.

Rheinland-Pfalz trauert um einen großartigen Menschen und eine herausragende Persönlichkeit. Bischof Dr. Kohlgraf und allen Gläubigen im Bistum Mainz spreche ich mein aufrichtiges Beileid aus.“

Auch Mainz trauert um seinen Ehrenbürger

 

Oberbürgermeister Michael Ebling: „Wir trauern um den Mainzer Ehrenbürger Karl Kardinal Lehmann. Kardinal Lehmann war eine hochgebildete Persönlichkeit, die in herausfordernden Zeiten Orientierung geben konnte und stets durch seine Warmherzigkeit und Empathie als Mensch zu überzeugen wusste.

Ihn zeichnete vor allem seine Offenheit für die Menschen aus. In einer Zeit, in der so viele, nicht mehr offen sind, in der sich viele gar nicht mehr bemühen, einander zu verstehen, in der die Schranken nicht nur an die Grenzen, sondern auch in manche Köpfe zurückkehren, werden wir diese Eigenschaft wohl mit am meisten vermissen.

Karl Kardinal Lehmann war damit Vorbild, vor allem aber auch immer Anstoßgeber für Debatten: in der Weltkirche, in Deutschland und in Mainz. Große Anerkennung gilt seiner Leistung als Brückenbauer zwischen Kirche und Gesellschaft sowie als verlässlicher und konstruktiver Partner im Dialog mit den anderen christlichen und nichtchristlichen Religionsgemeinschaften.

Er hat die an ihn gerichteten Erwartungen als Wegweiser, Brückenbauer und Moderator nicht nur erfüllt, sondern auf vielfache Weise übertroffen. Hohe theologische Kompetenz und persönliche Glaubwürdigkeit verbanden sich in seiner Person auf überzeugende Weise und strahlten weit über unsere Stadtgrenzen hinaus. Wir werden ihn sehr vermissen.“

Ministerpräsident Volker Bouffier zum Tod
des früheren Mainzer Bischofs Karl Kardinal Lehmann

„Kardinal Lehmann wird dieser Welt als authentischer Repräsentant und Erneuerer der katholischen Kirche fehlen“

Wiesbaden. Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat mit Betroffenheit auf den Tod des früheren Bischofs von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, reagiert. „Kardinal Lehmann wird dieser Welt als authentischer Repräsentant und Erneuerer der katholischen Kirche fehlen. Er wirkte 33 Jahre in der Diözese Mainz und prägte damit eine Ära im Bistum. Mit seiner humorvollen, bodenständigen und den Menschen zugewandten Art hat er viele Menschen erreicht und in den Dialog eingebunden. Durch sein herausragendes theologisches Wissen und seine Ausstrahlung hat er dem Bistum und seinen Gläubigen weit über die Grenzen hinaus eine geachtete Stimme verliehen. Mit Beharrlichkeit hat Kardinal Lehmann den Geist der Ökumene, das Zusammenführen von katholischer und evangelischer Kirche, wahrhaft gelebt und war als Bischof ein hochgeschätzter Ansprechpartner in der Gesellschaft für Fragen und Nöte der Zeit. Über die Parteigrenzen hinweg war Lehmann auch für die Politik in Hessen und auf Bundesebene ein geistig und geistlich bereichernder Gesprächspartner. Ich trauere aufrichtig um ihn“, sagte der Ministerpräsident.

„Insbesondere als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz hat er wichtige gesellschaftliche Impulse gegeben und war auch in Rom beim Vatikan hoch angesehen. Nicht nur die Menschen in Hessen haben ihn tief ins Herz geschlossen und seine Arbeit wertgeschätzt – Karl Kardinal Lehmann war ein Glücksfall für den deutschen Katholizismus und das Bistum Mainz. Seine Verdienste werden auch nach seinem Tod in guter Erinnerung bleiben“, sagte Ministerpräsident Bouffier, der dem Bistum sein tief empfundenes Beileid aussprach.

Karl Lehmann war von Juni 1983 bis Mai 2016 Bischof des Bistums Mainz, dessen Gebiet in Rheinland-Pfalz und Hessen liegt. Von 1987 bis 2008 war er zudem Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Für seine Verdienste für die Demokratie und den Rechtsstaat erhielt Lehmann im Jahr 2016 die Wilhelm Leuschner-Medaille als höchste Auszeichnung des Landes Hessen sowie 2009 den Hessischen Kulturpreis.
Abschied von Kardinal Lehmann Domradio.de

Hessenschau

Malu Dreyer gratuliert Margit Sponheimer zum 75. Geburtstag – Mainzer Ehrenbürgerschaft für Fastnachts-Urgestein

Margit Sponheimer soll für ihre großen Verdienste um die Landeshauptstadt zur Mainzer Ehrenbürgerin ernannt werden. © Archivbild 2017: Diether v. Goddenthow
Margit Sponheimer soll für ihre großen Verdienste um die Landeshauptstadt zur Mainzer Ehrenbürgerin ernannt werden. © Archivbild 2017: Diether v. Goddenthow

Ministerpräsidentin Malu Dreyer gratuliert der Mainzer Fastnachtsikone Margit Sponheimer zu ihrem 75. Geburtstag am 7. Februar. Sie würdigt sie als sympathisches Aushängeschild und mitreißende Botschafterin für ein lebensfrohes Mainz. „Margit Sponheimer hat mit ihren Auftritten Millionen Menschen begeistert. Auch nach ihrem Abschied von der närrischen Bühne ist sie die berühmteste Repräsentantin der Mainzer Fastnacht geblieben. Ihre Lieder gehören zu jeder Kampagne, einer ihrer bekanntester Schlager ‚Am Rosenmontag bin ich geboren‘ darf in der fünften Jahreszeit einfach nicht fehlen“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Ganz nebenbei habe Margit Sponheimer als erster weiblicher Fastnachtsstar mit ihrem Vorbild dazu beigetragen, dass Frauen auf dem närrischen Parkett zahlreicher und selbstbewusster wurden. Bewundernswert sei auch ihre Karriere als Volksschauspielerin.

Die Ministerpräsidentin nannte es eine gute Entscheidung, dass Margit Sponheimer für ihre großen Verdienste um die Landeshauptstadt zur Mainzer Ehrenbürgerin ernannt werden soll. „Auch hierzu gratuliere ich sehr herzlich und wünsche ihr viel Glück und Gesundheit für das neue Lebensjahr“, sagte die Ministerpräsidentin. So wie viele andere Menschen freue sie sich auf noch ganz viele Überraschungsauftritte, bei denen Margit Sponheimer den Saal zum Toben bringt.

Carl-Zuckmayer-Medaille 2018 an die deutsch-japanische Wortakrobatin Yoko Tawada verliehen

Ministerpräsidentin Malu Dreyer würdigt die Sprachkünstlerin Yoko Tawada mit der Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille 2018 an dessen Todestag  am 18. Januar  im Staatstheater Mainz © Foto: Heike v. Goddenthow
Ministerpräsidentin Malu Dreyer würdigt die Sprachkünstlerin Yoko Tawada mit der Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille 2018 an dessen Todestag am 18. Januar im Staatstheater Mainz © Foto: Heike v. Goddenthow

Für ihre Verdienste um die deutsche Sprache hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer die deutsch-japanische Schriftstellerin Yoko Tawada mit der Carl-Zuckmayer-Medaille ausgezeichnet. „Die neue Preisträgerin ist eine wahre Sprachkünstlerin, deren Erzählungen, Gedichte, Romane und Theaterstücke ein besonderer Lesegenuss sind. Ihr wunderbares Spiel mit Schrift- und Sprachbildern zeugt von einer großen Leidenschaft und einem besonderen Talent“, sagte die Ministerpräsidentin bei der Verleihung im Mainzer Staatstheater.

„Die neue Preisträgerin ist eine wahre Sprachkünstlerin, deren Erzählungen, Gedichte, Romane und Theaterstücke ein besonderer Lesegenuss". Malu Dreyer. © Foto: Diether  v. Goddenthow
„Die neue Preisträgerin ist eine wahre Sprachkünstlerin, deren Erzählungen, Gedichte, Romane und Theaterstücke ein besonderer Lesegenuss“. Malu Dreyer. © Foto: Diether v. Goddenthow

Yoko Tawada überschreite sprachliche Grenzen und mache deutlich, was Sprache für Fremdheit und Identität bedeutet. Auch ihre Abhandlungen über sprachtheoretische Fragen hätten eine höchst literarische Qualität. „Yoko Tawadas Werk lässt sich aber nicht auf ihre bi-kulturelle Erfahrung reduzieren. Sie bewegt sich vielmehr global in Sprachwelten und verbindet verschiedene kulturelle Einflüsse zu einem weltgewandten, poetischen Produkt“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Yoko Tawada (links) mit der Jazzpianistin Aki Takase. © Foto: Diether  v. Goddenthow
Yoko Tawada (links) mit der Jazzpianistin Aki Takase. © Foto: Diether v. Goddenthow

Carl Zuckmayer und die Preisträgerin verbinden ihre klare Haltung zum tagespolitischen Geschehen und ihre Bereitschaft, sich für Ideale einzusetzen. In Japan engagierte sich Tawada seit Jahren gegen Atomkraft und jede Form von Krieg und gewaltsamer Auseinandersetzung.

„In ihren Texten schafft sie es, durch höfliche Zurückhaltung Kritik messerscharf zu platzieren. Auch Carl Zuckmayer war ein Aufmüpfiger seiner Zeit, der in seinen Dramen meisterlich persiflierte“, sagte die Ministerpräsidentin.

Die Laudatio hielt Prof. Dr. Sigrid Weigel, ehem. Direktorin des Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. © Foto: Diether  v. Goddenthow
Die Laudatio hielt Prof. Dr. Sigrid Weigel, ehem. Direktorin des Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die in Tokyo geborene Preisträgerin kam 1982 nach einem Studium der Russischen Literatur nach Deutschland. In Hamburg studierte sie Literaturwissenschaft und promovierte in Zürich bei Sigrid Weigel, die ihren weiteren Werdegang begleitet hat. Die Professorin hielt bei der Verleihung die Laudatio und gab dabei einen sehr fundierten, aber auch persönlichen Einblick in das Leben und Werk von Yoko Tawada. Die Autorin schreibt in Deutsch und Japanisch und wurde für ihr Werk bereits vielfach ausgezeichnet, zuletzt 2016 mit dem Kleist-Preis. Seit 2012 ist Yoko Tawada Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz.

Rund 750 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur, aber auch Schülerinnen und Schüler aus Mainzer Schulen waren zur diesjährigen Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille ins Mainzer Staatstheater gekommen. Für den Preisträger bzw. die Preisträgerin gibt es traditionell eine Medaille aus Bronze, die von dem Künstler Otto Kallenbach gestaltet wurde. Zur Auszeichnung gehört außerdem ein Fass des von Zuckmayer geschätzten Nackenheimer Weines. Die Verleihung findet immer am Todestag des großen rheinhessischen Dramatikers statt.

Zachary Chant tanzt eine "Eine ewige Baustelle", eine Metapher auf die Selbstsabotagen im Leben? © Foto: Heike v. Goddenthow
Zachary Chant tanzt eine „Eine ewige Baustelle“, eine Metapher auf die Selbstsabotagen im Leben? © Foto: Heike v. Goddenthow

Eröffnete wurde der Festakt tänzerisch von Zachary Chant mit der Anfangsszene aus der tanzmainz-Produktion „Fall Seven Times“ von Guy Nader und Maria Campos. Vorlage für die  Tanzakrobatik  mit dem Titel „Eine ewige Baustelle“ ist ein Auszug  aus  Yoko Tawadas Werk „Ein ungeladener Gast“ .

 

Andrea Quierbach liest aus Yoko Tawadas Werk "Das Fremde aus der Dose" © Foto: Diether  v. Goddenthow
Andrea Quierbach liest aus Yoko Tawadas Werk „Das Fremde aus der Dose“ © Foto: Diether v. Goddenthow

Das folgende filmische Porträt  „Eine Begegnung mit Yoko Tawada“ von Kulturredakteur Alexander Wasner zeigte ein wenig über Leben, Arbeit, Intentionen und Werk der  Autorin.  Die Schauspielerin Andrea Quierbach vom Staatstheater Mainz las einen Auszug aus Yoko Tawadas Werk „Das Fremde aus der Dose“.

 

Jazzpianistin Aki Takase  und Yoko Tawada danken   mit einer faszinierenden Performance, die in  die wunderbare Welt der Wortakrobatik der deutsch-japanischen Schriftstellerin einführte. © Foto: Heike v. Goddenthow
Jazzpianistin Aki Takase und Yoko Tawada danken mit einer faszinierenden Performance, die in die wunderbare Welt der Wortakrobatik der deutsch-japanischen Schriftstellerin einführte. © Foto: Heike v. Goddenthow

Im Anschluss an Preisverleihung und Laudatio dankte Yoko Tawada und  Jazzpianistin Aki Takase   mit einer faszinierenden Performance, die in  die wunderbare Wortakrobatik der deutsch-japanischen Schriftstellerin einführte.

Die Trägerinnen und Träger der Carl-Zuckmayer-Medaille seit 1979 sind:

Günther Fleckenstein (1979), Werner Hinz (1980), Georg Hensel (1982), Friedrich Dürrenmatt (1984), Ludwig Harig (1985), Dolf Sternberger (1986), Tankred Dorst (1987), Günter Strack (1988), Hanns Dieter Hüsch (1989), Martin Walser, Adolf Muschg, André Weckmann (1990), Albrecht Schöne (1991), Hilde Domin (1992), Hans Sahl (1993), Fred Oberhauser (1994), Grete Weil (1995), Mario Adorf (1996), Katharina Thalbach (1997), Harald Weinrich (1998), Eva-Maria Hagen (1999), Peter Rühmkorf (2000), Mirjam Pressler (2001), Herta Müller (2002), Monika Maron, Wolf von Lojewski (2003), Edgar Reitz (2004), Thomas Brussig (2005), Armin Mueller-Stahl (2006), Udo Lindenberg (2007), Bodo Kirchhoff (2008), Volker Schlöndorff (2009), Emine Sevgi Özdamar (2010), Hans Werner Kilz (2011), Uwe Timm (2012), Doris Dörrie (2013), Dieter Kühn (2014) und Bruno Ganz (2015), Sven Regener (2016), Joachim Meyerhoff (2017).

Der Kommission unter Leitung von Staatsminister Prof. Dr. Konrad Wolf gehörten an:

Joachim Meyerhoff (Preisträger 2017), Professor Dr. Lothar Bluhm (Universität Koblenz-Landau), Monika Böss (stellvertretende Landesvorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller), Eberhard Duchstein (Buchhändler), Petra Gerster (Moderatorin und Autorin), Professorin Dr. Dagmar von Hoff (Johannes-Gutenberg-Universität Mainz), Peter Krawietz (Präsident der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft Mainz e.V.), Melanie Mohr (Staatskanzlei), Markus Müller (Intendant des Staatstheaters Mainz), Petra Plättner (Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz), Professor Dr. Ulrich Port (Universität Trier), Denis Scheck (Literaturkritiker), Susanne Schmaltz (Journalistin) und Dr. Joachim Unseld (Verleger, Frankfurter Verlagsanstalt).

Ministerpräsidentin Malu Dreyer betont auf Neujahrsempfang: Unsere Werte machen uns stark für die Zukunft

Umgeben von glücksbringenden Schornsteinfegern aus ganz Rheinland-Pfalz begrüßt Ministerpräsidentin Malu Dreyer beim traditionellen Neujahrsempfang in der Mainzer Staatskanzlei am 10. Januar 2018 über Gäste aus Gesellschaft, Kultur, Kirchen und Wirtschaft. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de
Umgeben von glücksbringenden Schornsteinfegern aus ganz Rheinland-Pfalz begrüßt Ministerpräsidentin Malu Dreyer beim traditionellen Neujahrsempfang in der Mainzer Staatskanzlei am 10. Januar 2018 über Gäste aus Gesellschaft, Kultur, Kirchen und Wirtschaft. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

Auch in diesem Jahr hatte die  Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer Persönlichkeiten aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens in die Mainzer Staatskanzlei zum Neujahrsempfang eingeladen.
„Unsere Werte machen uns stark für eine positive Zukunft. Lassen Sie uns gemeinsam dafür arbeiten, dass Rheinland-Pfalz solidarisch, stabil und erfolgreich bleibt. Frieden, Freiheit und Demokratie sind elementare Bestandteile unserer Gesellschaft, für die es sich lohnt einzustehen“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer vor rund 350 Gästen aus Politik, Gesellschaft, Kultur, Kirchen und Wirtschaft. Gerade in diesen Zeiten des Wandels sei es wichtig, den Zusammenhalt in der Vielfalt zu stärken. Das werde weiterhin ihr Schwerpunktthema als Ministerpräsidentin bleiben.

Die Landesregierung habe alle Menschen im Blick, um gute Rahmenbedingungen für ein sicheres, selbstbestimmtes Leben zu gestalten. Ob in der Stadt oder auf dem Land, Rheinland-Pfalz sei überall lebenswert- und liebenswert. Die Landesregierung unterstütze und stärke die Regionen mit einer guten finanziellen Ausstattung der Kommunen, etwa ein Drittel des Landeshaushaltes gehe an die Städte, Kreise und Gemeinden. Rheinland-Pfalz sei eines der exportstärksten Länder mit einer überdurchschnittlichen Wirtschaftskraft und innovativen Unternehmen. „Wir investieren in schnelles Internet, sichere Straßen und die Sicherung des Fachkräftenachwuchses, damit alle Regionen an der rasanten Entwicklung der digitalen Revolution teilhaben können“, betonte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Jeder Gast erhielt bei der Begrüßung seinen persönlichen kleinen Glückbringer überreicht. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de
Jeder Gast erhielt bei der Begrüßung seinen persönlichen kleinen Glückbringer überreicht. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Übergang von Schule ins Arbeitsleben und die Integration Zugewanderter seien weitere Themen, mit denen die Landesregierung die Zukunft der Arbeit gestalte. Rheinland-Pfalz zeichne sich durch eine gelungene Sozialpartnerschaft aus, die sich besonders an einer gemeinsamen Fachkräftestrategie zeige.

Ihren Gästen dankte die Ministerpräsidentin für ihr Engagement in ihren jeweiligen Bereichen. „Sie alle prägen den Erfolg unseres Landes maßgeblich mit. Ob in der Wirtschaft und Wissenschaft, in der Politik, in Kirchen, Kommunen oder ehrenamtlichen Initiativen. Es ist ganz besonders auch Ihr Verdienst, dass Rheinland-Pfalz so sicher, stark und solidarisch ist. Ich danke Ihnen für Ihren Einsatz“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Einen besonderen Dank richtete sie an die Feuerwehren und Rettungskräfte, die wegen der aktuellen Hochwasserlage rund um die Uhr im Einsatz für die Menschen vor Ort sind.

„Das Motto der Bundesratspräsidentschaft im vergangenen Jahr „Zusammen sind wir Deutschland“ leben die Rheinland-Pfälzer und Rheinland-Pfälzerinnen jeden Tag. Wir sind ein Land, in dem sich besonders viele Menschen für ihre Mitmenschen einsetzen. Ich blicke voller Zuversicht in das neue Jahr, weil ich um die Möglichkeiten und Stärken von Rheinland-Pfalz weiß“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

„Ich freue mich auf die Zusammenarbeit, auf ein gutes, erfolgreiches und hoffentlich friedliches Jahr 2017. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass unsere Gesellschaft stark bleibt und auch in schwierigen Zeiten zusammenhält. Unser Staat ist stark. Wir haben allen Grund zur Zuversicht. Aber es ist auch entscheidend, dass wir uns engagieren für unsere Werte im Wissen um unsere Stärken, die unsere vielfältige Gesellschaft ausmachen, und im Streben nach einer positiven Zukunft, so die Ministerpräsidentin. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de
„Ich freue mich auf die Zusammenarbeit, auf ein gutes, erfolgreiches und hoffentlich friedliches Jahr 2017. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass unsere Gesellschaft stark bleibt und auch in schwierigen Zeiten zusammenhält. Unser Staat ist stark. Wir haben allen Grund zur Zuversicht. Aber es ist auch entscheidend, dass wir uns engagieren für unsere Werte im Wissen um unsere Stärken, die unsere vielfältige Gesellschaft ausmachen, und im Streben nach einer positiven Zukunft, so die Ministerpräsidentin. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

Mit Vorfreunde schaute sie auf einige der wichtigen Ereignisse des neuen Jahres, den Antrittsbesuch des Bundespräsidenten, die Feierlichkeiten zu 225 Jahre Mainzer Republik und 200 Jahre Raiffeisen, die Karl Marx-Ausstellung anlässlich des 200. Geburtstages des Philosophen oder auf die Erinnerung an 100 Jahre Frauenwahlrecht. „Großartige Frauen haben sich gegen Unterdrückung und gesellschaftliche Zwänge aufgelehnt. Sie haben gezeigt, dass man mit Mut die Welt zum Besseren verändern kann“, so die Ministerpräsidentin.

Nach der Rede der Ministerpräsidentin standen die Begegnung und das Gespräch im Vordergrund.

(Quelle: Staatskanzlei. Dokumentation: Diether v. Goddenthow)

Ministerpräsidentin Malu Dreyer würdigt Joachim Mertes

Mit großer Betroffenheit und Trauer hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf den Tod des früheren rheinland-pfälzischen Landtagspräsidenten Joachim Mertes reagiert. „Wir verlieren mit Joachim Mertes einen Vollblutpolitiker, der sich mit ganzer Kraft für die Menschen eingesetzt hat. Er war 33 Jahre Parlamentarier mit Leib und Seele. Davon hat er zehn Jahre als Landtagspräsident die Landespolitik in herausragender Weise geprägt“, so die Ministerpräsidentin.
Seine Reden seien substanziell und voller Durchdringungskraft gewesen, sein Politikstil unverkennbar und unverwechselbar. „Joachim Mertes war ein kritischer Kopf, der sich nicht davor gescheut hat, eine klare Kante zu zeigen. Das Parlament war für ihn ein lebendiger Ort der Begegnung“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. In seiner Zeit als Parlamentarier sei es Joachim Mertes ein besonderes Anliegen gewesen, die Partnerschaftsbeziehungen zu den europäischen Nachbarn zu pflegen. Als leidenschaftlicher Europäer habe er Brücken gebaut und sich insbesondere um die rheinland-pfälzischen Partnerregionen große Verdienste erworben.
„Wir trauern mit seiner Familie und seinen Freunden um einen großartigen Menschen und Politiker. Seine Lebensleistung wird für immer in dankbarer Erinnerung bleiben“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Carl-Zuckmayer-Medaille 2018 für deutsch-japanische Schriftstellerin Yoko Tawada aus

Die deutsch-japanische Schriftstellerin Yoko Tawada wird für ihre Verdienste um die deutsche Sprache die Carl-Zuckmayer-Medaille 2018 erhalten. „Yoko Tawada macht seit vielen Jahren mit spielerischen und phantastischen Romanen, Erzählungen, Gedichten und Theaterstücken auf sich aufmerksam. Durch ihre Bi-Kulturalität hat sie eine ganz originäre Sprachweise entwickelt, mit der sie immer wieder Grenzen überschreitet und insbesondere ein jüngeres Publikum begeistert. Bei der aktuellen Studierendengeneration ist sie eine der meistgelesenen Autorinnen deutscher Sprache“, begründete Ministerpräsidentin Malu Dreyer ihre Entscheidung, die sie auf Empfehlung einer Fachkommission getroffen hat.

Yoko Tawada wurde 1960 in Tokyo geboren und lebt seit über 30 Jahren in Deutschland. Die Autorin schreibt auf Deutsch und Japanisch und wurde für ihr Werk bereits vielfach ausgezeichnet, zuletzt 2016 mit dem Kleist-Preis. Seit 2012 ist sie Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. „Die literarische Arbeit von Yoko Tawada beweist in besonderer Weise, dass sich die Wirklichkeit mit Hilfe der Kunst besser wahrnehmen lässt. Mit ihren wunderbaren Wortbildern geht sie den Schönheiten der deutschen Sprache auf den Grund“, so die Ministerpräsidentin. Mit der Auszeichnung einer Autorin, die aus einem anderen Kulturkreis stamme und in Deutschland heimisch geworden sei, wolle sie aber auch im Sinne Carl Zuckmayers ein Zeichen für Weltoffenheit setzen.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer wird die bundesweit beachtete Auszeichnung bei einem Festakt am 18. Januar 2018 im Mainzer Staatstheater verleihen. Mit der Carl-Zuckmayer-Medaille ehrt das Land Rheinland-Pfalz seit 1979 Persönlichkeiten, die sich um die deutsche Sprache verdient gemacht haben. Die Verleihung findet immer am 18. Januar, dem Todestag des großen rheinhessischen Dichters, statt. Der Preisträger bekommt die von dem Künstler Otto Kallenbach geschaffene Medaille sowie ein 30-Liter-Fass mit dem von Carl Zuckmayer geschätzten Nackenheimer Wein.

Trägerinnen und Träger der Carl-Zuckmayer-Medaille sind:
Günther Fleckenstein (1979), Werner Hinz (1980), Georg Hensel (1982), Friedrich Dürrenmatt (1984), Ludwig Harig (1985), Dolf Sternberger (1986), Tankred Dorst (1987), Günter Strack (1988), Hanns Dieter Hüsch (1989), Martin Walser, Adolf Muschg, André Weckmann (1990), Albrecht Schöne (1991), Hilde Domin (1992), Hans Sahl (1993), Fred Oberhauser (1994), Grete Weil (1995), Mario Adorf (1996), Katharina Thalbach (1997), Harald Weinrich (1998), Eva-Maria Hagen (1999), Peter Rühmkorf (2000), Mirjam Pressler (2001), Herta Müller (2002), Monika Maron, Wolf von Lojewski (2003), Edgar Reitz (2004), Thomas Brussig (2005), Armin Mueller-Stahl (2006), Udo Lindenberg (2007), Bodo Kirchhoff (2008), Volker Schlöndorff (2009), Emine Sevgi Özdamar (2010), Hans Werner Kilz (2011), Uwe Timm (2012), Doris Dörrie (2013), Dieter Kühn (2014) und Bruno Ganz (2015), Sven Regener (2016), Joachim Meyerhoff (2017).

Der Kommission unter Leitung von Staatsminister Prof. Dr. Konrad Wolf gehörten an:
Joachim Meyerhoff (Preisträger 2017), Professor Dr. Lothar Bluhm (Universität Koblenz-Landau), Monika Böss (stellvertretende Landesvorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller), Eberhard Duchstein (Buchhändler), Petra Gerster (Moderatorin und Autorin), Professorin Dr. Dagmar von Hoff (Johannes-Gutenberg-Universität Mainz), Peter Krawietz (Präsident der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft Mainz e.V.), Melanie Mohr (Staatskanzlei), Markus Müller (Intendant des Staatstheaters Mainz), Petra Plättner (Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz), Professor Dr. Ulrich Port (Universität Trier), Denis Scheck (Literaturkritiker), Susanne Schmaltz (Journalistin) und Dr. Joachim Unseld (Verleger, Frankfurter Verlagsanstalt).

27. Tag der Deutschen Einheit – Abschieds-Empfang der Länderdelegationen im Museum für Antike Schifffahrt Mainz

„Blue Man“, die Band des Landespolizeiorchester, Rheinland-Pfalz, heizt den Länderdelegierten und ihren "Betreuern" vor dem Museum für Antike Schifffahrt ordentlich ein. Foto: Diether v. Goddenthow
„Blue Man“, die Band des Landespolizeiorchester, Rheinland-Pfalz, heizt den Länderdelegierten und ihren „Betreuern“ vor dem Museum für Antike Schifffahrt ordentlich ein. Foto: Diether v. Goddenthow
"Und mit Gesang geht es ins ....", nach 20 Minuten heiße Rhythmen folgen die Gäste den Blue Man ins wunderbare Ambiente des Schifffahrt-Museums. Foto: Diether v. Goddenthow
„Und mit Gesang geht es ins ….“, nach 20 Minuten heiße Rhythmen folgen die Gäste den Blue Man ins wunderbare Ambiente des Schifffahrt-Museums. Foto: Diether v. Goddenthow

Als einen weiteren Höhepunkt und krönenden Abschluss ihres Mainz-Besuches anlässlich des Tages der Deutschen Einheit empfingen am 3.Oktober 2017 der rheinland-pfälzische Landtagspräsident Hendrik Hering und der Chef der Mainzer Staatskanzlei, Staatssekretär Clemens Hoch, die Bürgerdelegationen aller Bundesländer im Museum für Antike Schifffahrt. Unterstützt wurden sie dabei von der Ahrweinkönigin Burgundia Irena Schmitz, der Naheweinkönigin Silvia Orth und der Mittelrheinweinkönigin Daniela Simon. Für musikalisch beste Stimmung sorgten die „Blue Man“ des Landespolizeiorchesters Rheinland-Pfalz.

v.l.i.n.r.:Chef der Mainzer Staatskanzlei, Staatssekretär Clemens Hoch, Mittelrheinweinkönigin Daniela Simon, Naheweinkönigin Silvia Orth, Ahrweinkönigin Burgundia Irena Schmitz und Landtagspräsident  Hendrik Hering begrüßen die 160  Ehrenamtlichen der Bürgerdelegationen im Museum für Antike Schifffahrt. Foto: Diether v. Goddenthow
v.li.n.r.:Chef der Mainzer Staatskanzlei, Staatssekretär Clemens Hoch, Mittelrheinweinkönigin Daniela Simon, Naheweinkönigin Silvia Orth, Ahrweinkönigin Burgundia Irena Schmitz und Landtagspräsident Hendrik Hering begrüßen die 160 Ehrenamtlichen der Bürgerdelegationen im Museum für Antike Schifffahrt. Foto: Diether v. Goddenthow

Die überwiegend jüngeren Bürgerdelegierten der Länder waren vom zweitägigen abwechslungsreichen Programm begeistert. Höhepunkte waren unter anderem am 2. Oktober 2017: Empfang im Festsaal der Staatskanzlei mit Begrüßung durch Frau Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Besuch des Landtags und Informationen zur Demokratiegeschichte, abends Empfang der Landeshauptstadt Mainz, der Weinhauptstadt Deutschlands, im Frankfurter Hof mit Begrüßung durch Oberbürgermeister Michael Ebling, einem Show-Programm und einer moderierten Weinprobe begleitet von kulinarischen Köstlichkeiten. Am 3. Oktober: Ökumenischer Festgottesdienst im Hohen Dom zu Mainz, Festakt im Großen Saal der Rheingoldhalle und anschließender Empfang des Bundespräsidenten im Gutenbergsaal und in den Foyers der Rheingoldhalle. Besuch des Bürgerfestes und der Ländermeile in der Mainzer Innenstadt.

Landtagspräsident Hendrik Hering. Foto: Diether v. Goddenthow
Landtagspräsident Hendrik Hering. Foto: Diether v. Goddenthow

„Auch das Fest der Deutschen Einheit so feiern zu können, war Gemeinschaftswerk. Es war nur möglich, weil über 1000 Menschen spontan sich bereit erklärt haben zu sagen: ‚Wir helfen ehrenamtlich! Wir wollen keinen Cent dafür haben!’“, so Landtagspräsident Hendrik Hering, und das sei auch ein Beleg dafür, „dass wir keine Gesellschaft von Egoisten sind, sondern der Großteil ist bereit, sich zu engagieren.“ Dieses ehrenamtliche Engagement mache die Gesellschaft auch stark gegen die, die gegen Demokratie und Andere seien.

Blue Man - sorgten für musikalische beste Stimmung, Foto: Heike v. Goddenthow
Blue Man – sorgten musikalisch für beste Stimmung, Foto: Heike v. Goddenthow

Die Arbeit der Ehrenamtlichen versöhne die Gesellschaft, ob im örtlichen Gemeinwesen oder in den Ländern. Ehrenamtliche seien Leute, so der Landtagspräsident, die etwas bewegten und gemeinsam auf den Weg bringen wollten. Und dieses Fest der Deutschen Einheit in Mainz, welches so toll gelaufen sei, wäre ein Beleg mehr dafür, was Menschen auf den Weg bringen könnten, wenn sie zusammenwirkten. Wenn jeder bereit sei einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten, kriege man tolle Ziele hin, sagte Hering und rief ins Gedächtnis, wem wir den Tag der Deutschen Einheit, den wir bereits das 27. Mal feierten, zu verdanken haben: „Weil sich Bürger engagiert haben und unglaublichen Mut gehabt haben und 1989 in der DDR auf die Straße gegangen sind, und für die Freiheit und Einheit Deutschlands demonstriert haben. Keiner von ihnen wusste, ob sie nicht am nächsten Tag dafür verhaftet würden, oder sie Repressalien zu befürchten hätten. Sie hatten einen unglaublichen Mut.“, sagte der Landtagspräsident.

Die Delegierten waren auch über das wunderbare Ambiente des Museums für Antike Schifffahrt begeistert. Foto: Diether v. Goddenthow
Die Delegierten waren auch über das wunderbare Ambiente des Museums für Antike Schifffahrt begeistert. Foto: Diether v. Goddenthow

Hering dankte allen Beteiligten, die dieses Fest zur Einheit ermöglicht hätten, und insbesondere in diesem Zusammenhang der Polizei: „Das ist natürlich ein schwerer Job, da für Sicherheit zu sorgen. Und jeder Polizist, den man angetroffen hat, war freundlich, zuvorkommend und hat eine positive Ausstrahlung gehabt.“, so der Landtagspräsident. Frenetischer Applaus der Delegierten!

Geselliges Beisammensein beim krönenden Abschluss ihres Mainz-Besuches anlässlich des Tages der Deutschen Einheit.Foto: Heike v. Goddenthow
Geselliges Beisammensein beim krönenden Abschluss ihres Mainz-Besuches anlässlich des Tags der Deutschen Einheit. Foto: Heike v. Goddenthow

Zum Schluss verriet der Landtagspräsident, weswegen die Rheinland-Pfälzer besonders gut feiern könnten: Nicht nur, dass 66 Prozent der deutschen Weine in Rheinland-Pfalz angebaut würden, und Wein Lebensfreude bedeutete, sondern, dass diese Kultur schon vor 2000 Jahren die Römer ins Land gebracht hätten, weswegen die Rheinland-Pfälzer wohl etwas freundlicher und ausgelassener als andere lebten.

Staatssekretär Clemens Hoch, Chef der Staatskanzlei.Foto: Diether v. Goddenthow
Staatssekretär Clemens Hoch, Chef der Staatskanzlei.Foto: Diether v. Goddenthow

Die Worte des Landtagspräsidenten aufgreifend, bekräftige Staatssekretär Clemens Hoch in seinem Grußwort: „Wir hatten vor, uns von der Seite zu zeigen, die wir am besten können, nämlich ein weltoffenes, freundliches, fröhliches Land zu sein: Wenn Rheinland-Pfalz eins kann, dann ist es Feiern. Und das wollten wir Ihnen zeigen, aber auch den vielen 100 000 Menschen, die gerade in der Stadt unterwegs sind.“, so der Chef der Staatskanzlei ein wenig augenzwinkernd. Er dankte auch den Betreuern der Bürgerdelegationen, die bestens mit dabei geholfen haben, zu zeigen „ wie Demokratie auch von der freundlichen Seite geht und Spaß macht“. Es ginge darum, Demokratie als unser Lebensgefühl zu zeigen, mit dem wir unser Land gestalten wollen unter den Farben der Freiheit.

Buffet unter Rudern einer Römischen Galeere.  Foto: Diether v. Goddenthow
Buffet unter Rudern einer Römischen Galeere. Foto: Diether v. Goddenthow

Wen von den Delegierten man auch befragte: Alle waren vollends begeistert von den zwei Tagen mit wenig Schlaf, aber unheimlich vielen tollen Erlebnissen im „wunderschönen Mainz“, wie ein junger freiwilliger Feuerwehrmann aus Wilhelmshaven verriet. Er hatte kürzlich dort die Jugendfeuerwehr aufgebaut. Sein Kollege aus Bremen engagiert sich im Rahmen der AWO in der Jugendparlamentsarbeit. „Ich habe hier viel über Wein gelernt, das kennen wir im Norden ja so gar nicht!“.

Gegen 20 Uhr ging’s per Shuttle zum Besuch der Abendinszenierung auf dem Rhein, und anschließend nochmals durchs nächtliche Bürgerfest und über die Ländermeile.

(Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst)

Schlussfeuerwerk zur Europahymne "Freude schöner Götterfunken", Beethoven, 9. Sinfonie in d-Moll op. 125, am Mainzer Rheinufer. Foto: Heike v. Goddenthow
Schlussfeuerwerk zur Europahymne „Freude schöner Götterfunken“, Beethoven, 9. Sinfonie in d-Moll op. 125, am Mainzer Rheinufer. Foto: Heike v. Goddenthow

Über 500 000 besuchten Tag der Deutschen Einheit in Mainz

Große Bleiche Mainz -  Impressionen vom  27.Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2017 .Foto: Diether v. Goddenthow
Große Bleiche in Mainz – Impressionen vom 27.Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2017 .Foto: Diether v. Goddenthow

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer zeigte sich zum Abschluss der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit zufrieden: „Ich freue mich sehr, dass wir in den beiden vergangenen Tagen ein buntes, fröhliches und informatives Fest feiern konnten, in dem wir als Land die Gelegenheit genutzt haben, uns als weltoffen, modern und vielfältig zu präsentieren.“

Eine der zahlreichen Event-Bühnen, die ZDF-Bühne am Rhein mit einem hochkarätigen Programm, zog Tausende in ihren Bann. Foto: Diether v. Goddenthow
Eine der zahlreichen Event-Bühnen, die ZDF-Bühne am Rhein mit einem hochkarätigen Programm, zog Tausende in ihren Bann. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Ministerpräsidentin betonte, dass es nun die zentrale politische Aufgabe sei, den Zusammenhalt in Deutschland weiter zu stärken. Dabei sei es wichtig, eine neue Diskussionskultur in Deutschland zu installieren. „Nur in einem konstruktiven Streit, in dem wir die wirklichen Probleme erkennen und benennen, können wir die Herausforderungen fair lösen“, unterstrich die Ministerpräsidentin.
Herauszuheben sei, dass es gelungen sei, die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher zu gewährleisten, ohne dabei den Charakter des fröhlichen Bürgerfest außer Acht zu lassen. Aus Sicht der Polizei verlief auch der zweite Veranstaltungstag weitgehend störungsfrei.

Prof. Dr. Norbert Lammerts "letzte" Rede vor interessierten Bürgern im Bundestagszelt am 27. Tag der Deutschen Einheit, 3.10.2017, in Mainz. Alle sind traurig, wenn der Kapitän des Bundestags von Bord geht. Lammert warnte vor dem Scheitern der Demokratie, nämlich, dass auch Demokratien ausbluten könnten. Foto: Diether v. Goddenthow
Prof. Dr. Norbert Lammerts „letzte“ Rede vor interessierten Bürgern im Bundestagszelt am 27. Tag der Deutschen Einheit, 3.10.2017, in Mainz. Alle sind traurig, wenn der Kapitän des Bundestags von Bord geht. Lammert warnte vor dem Scheitern der Demokratie, nämlich, dass auch Demokratien ausbluten könnten. Foto: Diether v. Goddenthow

Insgesamt haben etwa 510.000 Besucherinnen und Besucher an beiden Festtagen den Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Nachdem am ersten Tag bei schlechtem Wetter etwa 150.000 Gäste in der Mainzer Innenstadt feierten, besuchten am 3. Oktober bei überwiegend sonnigem Wetter etwa 360.000 Menschen die verschiedenen Veranstaltungen auf den Bühnen, auf der Ländermeile und bei der Abendinszenierung. Das Verkehrskonzept, das einen starken Fokus auf die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln setzte, ist ebenfalls sehr gut aufgenommen worden.

Zahlreiche Zelte, wie hier vom Stasi-Unterlagen-Archiv, erinnerten an die menschenverachtende SED-Diktatur in der ehemaligen DDR, die durch die friedliche Revolution freiheitlich demokratischer Bürger überwunden werden konnte und die Wiedervereinigung, die am Tag der Einheit gefeiert wird, überhaupt erst ermöglichten. www.demokratie-statt-diktatur.de.Foto: Diether v. Goddenthow
Zahlreiche Zelte, wie hier vom Stasi-Unterlagen-Archiv, erinnerten an die menschenverachtende SED-Diktatur in der ehemaligen DDR, die durch die friedliche Revolution freiheitlich demokratischer Bürger überwunden werden konnte und die Wiedervereinigung, die am Tag der Einheit gefeiert wird, überhaupt erst ermöglichten. www.demokratie-statt-diktatur.de. Foto: Diether v. Goddenthow

 

Gegen das Vergessen des DDR-Unrechts und als ein Mahnmal, rechtzeitig gegen rechten, linken und religiösen Extremismus  aufzustehen, wurde  ein ehemaliger Stasi-Gefängniswagen Barkas B 1000 mit 5 winzigen Zellen zum Abtransport nicht SED-konformer "Staatsfeinde der  DDR" präsentiert. Kleine Zeitzeugentafeln dokumentierten fünf beklemmende Schicksale von Inhaftierten, die grundlos den perfiden Foltermethoden des sozialistischen DDR-Unrechtsregime ausgesetzt waren.   Foto: Diether v. Goddenthow
Gegen das Vergessen des DDR-Unrechts und als ein Mahnmal, rechtzeitig gegen rechten, linken und religiösen Extremismus aufzustehen, wurde ein ehemaliger Stasi-Gefängniswagen, Barkas B 1000, mit 5 winzigen Zellen zum Abtransport nicht SED-konformer „Staatsfeinde der DDR“ präsentiert. Kleine Zeitzeugentafeln dokumentierten fünf beklemmende Schicksale von Inhaftierten, die grundlos den perfiden Foltermethoden des sozialistischen DDR-Unrechtsregime jahrelang ausgesetzt waren. Foto: Diether v. Goddenthow

 

 

 

Auszug aus der Festrede des Bundespräsidenten zum Tag der Deutschen Einheit in der Mainzer Rheingoldhalle

(…)
Verstehen und verstanden werden – das ist Heimat.

steinmeierIch bin überzeugt, wer sich nach Heimat sehnt, der ist nicht von gestern. Im Gegenteil: je schneller die Welt sich um uns dreht, desto größer wird die Sehnsucht nach Heimat. Dorthin, wo ich mich auskenne, wo ich Orientierung habe und mich auf mein eigenes Urteil verlassen kann. Das ist im Strom der Veränderungen für viele schwerer geworden.
Diese Sehnsucht nach Heimat dürfen wir nicht denen überlassen, die Heimat konstruieren als ein „Wir gegen Die“; als Blödsinn von Blut und Boden; die eine heile deutsche Vergangenheit beschwören, die es so nie gegeben hat. Die Sehnsucht nach Heimat – nach Sicherheit, nach Entschleunigung, nach Zusammenhalt und vor allen Dingen Anerkennung –, diese Sehnsucht dürfen wir nicht den Nationalisten überlassen.

Ich glaube, Heimat weist in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit. Heimat ist der Ort, den wir als Gesellschaft erst schaffen. Heimat ist der Ort, an dem das „Wir“ Bedeutung bekommt. So ein Ort, der uns verbindet – über die Mauern unserer Lebenswelten hinweg –, den braucht ein demokratisches Gemeinwesen und den braucht auch Deutschland.
Auf meinen Reisen durch Deutschland mache ich die wunderbare Erfahrung: Wo Heimat ist, da gibt es viel zu erzählen. In Sönke Wortmanns neuem Film „Sommerfest“, einem Heimatfilm über das Ruhrgebiet, da sagt ein waschechter Bochumer: „Hömma…, Geschichten liegen hier überall auffer Straße rum – man musse nur aufheben.“

Ich finde, das muss der Anfang sein. Gehen wir nicht übereinander hinweg, sondern lesen wir unsere Geschichten auf. Wo nach dem 24. September jeder in seiner gesellschaftlichen Nische den Kopf geschüttelt hat, wo wir übereinander reden – und übereinander hinweg – da sollten wir wieder lernen, einander zuzuhören: wo wir herkommen, wo wir hinwollen, was uns wichtig ist.

Wenn ein Ostdeutscher erzählt, wie seine Heimat in der DDR sich nach der Wende radikal verändert hat – dass die neue Freiheit nicht nur Ziel von Sehnsucht, sondern auch eine Zumutung war, dass im Wandel vieles verloren ging, was man doch halten wollte – dann gehört auch das zu unseren deutschen Geschichten. Die Herstellung der Einheit war ein gewaltiges Werk. Natürlich wurden auch Fehler gemacht in den Jahren nach 1990 – und es gibt keinen Grund, darüber zu schweigen. Ostdeutsche haben nach der Wiedervereinigung Brüche erlebt, wie sie meine Generation im Westen nie kannte. Und dennoch sind diese ostdeutschen Geschichten kein solch fester Bestandteil unseres „Wir“ geworden wie die des Westens. Ich finde, es ist an der Zeit, dass sie es werden.

Die mutige Anwältin und Autorin Seyran Ateş hat mir kürzlich erzählt: „Mir hüpft das Herz in der Brust, wenn ich in Istanbul den Bosporus wiedersehe. Und auf dem Rückweg nach Berlin hüpft mir das Herz, wenn ich den Fernsehturm wiedersehe.“ In ihrer Geschichte steckt etwas ebenso Simples wie Wichtiges: Heimat gibt es auch im Plural. Ein Mensch kann mehr als eine Heimat haben, und neue Heimat finden. Das hat die Bundesrepublik für Millionen von Menschen bereits bewiesen. Sie alle sind Teil unseres „Wir“ geworden. Ganze Generationen von Zuwanderern sagen heute voller Stolz: „Deutschland ist meine Heimat“, – und das hat uns bereichert.
Das sollte uns Zuversicht geben für die großen Integrationsaufgaben, die vor uns liegen. Doch wir sagen auch: Heimat ist offen – aber nicht beliebig.

Für die Neuen heißt das zunächst mal, unsere Sprache zu lernen. Ohne sie gibt es kein Verstehen und verstanden werden. Aber es heißt mehr als das. Wer in Deutschland Heimat sucht, kommt in eine Gemeinschaft, die geprägt ist von der Ordnung des Grundgesetzes und von gemeinsamen Überzeugungen: Rechtsstaatlichkeit, die Achtung der Verfassung, die Gleichberechtigung von Mann und Frau. All das ist nicht nur Gesetzestext, es ist für gelingendes Zusammenleben in Deutschland unverzichtbar, und das kann nicht zur Disposition stehen.

Und schließlich, bei allen Debatten, bei allen Unterschieden – eines ist nicht verhandelbar in dieser deutschen Demokratie: das Bekenntnis zu unserer Geschichte, einer Geschichte, die für nachwachsende Generationen zwar nicht persönliche Schuld, aber bleibende Verantwortung bedeutet. Die Lehren zweier Weltkriege, die Lehren aus dem Holocaust, die Absage an jedes völkische Denken, an Rassismus und Antisemitismus, die Verantwortung für die Sicherheit Israels – all das gehört zum Deutsch-Sein dazu.
Und zum Deutsch-Werden gehört, unsere Geschichte anzuerkennen und anzunehmen. Das sage ich auch denen, die aus Osteuropa, Afrika oder den muslimisch geprägten Regionen des Mittleren Ostens zu uns gekommen sind. Wer in Deutschland Heimat sucht, kann nicht sagen: „Das ist Eure Geschichte, nicht meine“.

Doch wie sollen wir dieses Bekenntnis von Zuwanderern erwarten, wenn es in der Mitte unserer Demokratie nicht unangefochten bleibt? Die Verantwortung vor unserer Geschichte kennt keinen Schlussstrich – ich füge hinzu: erst recht nicht für Abgeordnete des Deutschen Bundestages.

Diesem Land anzugehören, bedeutet Anteil an seinen großen Vorzügen, aber eben auch an seiner einzigartigen historischen Verantwortung. Für mich gehört genau das zu einem aufgeklärten deutschen Patriotismus. Wenn uns in Deutschland etwas auszeichnet, dann ist es die langwierige, schwierige, ja schmerzhafte Aufarbeitung unserer Geschichte und der besondere Blick auf die tiefen Schatten, die genauso zu Deutschland gehören wie seine vielen hellen Seiten. Dafür werden wir von anderen geschätzt, und darauf dürfen wir stolz sein.(…)

Die Rede insgesamt

 

Ministerpräsidentin Malu Dreyer bedankt sich bei Helfern und Helferinnen für Unterstützung

Polizisten, Zoll, Feuerwehr, Rotes Kreuz und andere Rettungsdienste, Technisches Hilfswerk und Mainzer Statdtbetriebe sowie die 1000 ehrenamtlichen Helfer haben hervorrangend für reibungslosen Ablauf und Sicherheit gesorgt. Teilweise glich Mainz beinahe einer Hochsicherheitszone, was aber die meisten Bürger begrüßten und gern für ihre Unversehrtheit in Kauf nahmen. Foto: Diether v. Goddenthow
Polizisten, Zoll, Feuerwehr, Rotes Kreuz und andere Rettungsdienste, Technisches Hilfswerk und Mainzer Statdtbetriebe sowie die 1000 ehrenamtlichen Helfer haben hervorrangend für reibungslosen Ablauf und Sicherheit gesorgt. Teilweise glich Mainz beinahe einer Hochsicherheitszone, was aber die meisten Bürger begrüßten und gern für ihre Unversehrtheit in Kauf nahmen. Foto: Diether v. Goddenthow

„In den vergangenen beiden Tagen haben wir in Mainz ein tolles Fest zum Tag der Deutschen Einheit erlebt. Ich möchte mich ganz herzlich bei all denen bedanken, ohne die die Feierlichkeiten nicht möglich gewesen wären. Ich bin sehr stolz, dass sich so viele Menschen engagiert haben, um unseren Besuchern und Besucherinnen ein friedliches, fröhliches und gut organisiertes Fest zu ermöglichen. Dieses Engagement ist keine Selbstverständlichkeit.“ Mit diesen Worten bedankte sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei den rund 1.000 Helfern und Helferinnen, die am 2. und 3. Oktober im Einsatz waren.

Die Ministerpräsidentin dankte den rund 280 freiwilligen Bürgern und Bürgerinnen, die sich auf einen Aufruf des Projektbüros zum Tag der Deutschen Einheit gemeldet hatten und vor allem als Guides auf dem Festgelände und an Informationspunkten eingesetzt waren. Dort dienten sie als Ansprechpartner für Besucher und Besucherinnen, gaben Informationen zu Veranstaltungen und Programmpunkten, Wegen oder Verkehrsfragen. Mindestens einer der Helfer engagierte sich sogar schon beim letzten Tag der Deutschen Einheit in Rheinland-Pfalz vor 16 Jahren. „Fast die Hälfte der Rheinland-Pfälzer und Rheinland-Pfälzerinnen engagiert sich ehrenamtlich, damit liegt unser Land im bundesweiten Vergleich an der Spitze. Es ist schön, dass wir das auch beim Tag der Deutschen Einheit zeigen konnten, an dem Rheinland-Pfalz besonders im Fokus der bundesweiten Aufmerksamkeit stand“, so die Ministerpräsidentin.
Unter den rund 720 weiteren Helfern und Helferinnen waren 600 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Landesbehörden sowie 120 der Stadt Mainz. „Sie waren sowohl bei den protokollarischen Veranstaltungen als auch beim Bürgerfest im Einsatz. Seit zwei Jahren haben sie auf das Fest hingearbeitet. Ich möchte mich bei allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und insbesondere beim Projektbüro zum Tag der Deutschen Einheit für ihre Arbeit und ihren Einsatz herzlich bedanken“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Am Morgen des 2. Oktober besuchte die Ministerpräsidentin bereits Polizei und Rettungskräfte, um sich vor Ort über deren Arbeit zu informieren. „Auch ihnen gilt mein größter Dank. Ich habe großen Respekt vor den Leistungen unserer Polizei und der Rettungskräfte, die alles getan haben, um uns ein sicheres Fest zu ermöglichen“, so die Ministerpräsidentin. Sie sei sehr froh und dankbar, dass das Fest ohne größere Störungen verlief.

Impressionen vom Tag der Deutschen Einheit Foto: Diether v. Goddenthow
Impressionen vom Tag der Deutschen Einheit Foto: Diether v. Goddenthow

Nicht zuletzt bedankte sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei den Mainzern und Mainzerinnen sowie der Stadt. Das Fest sei insbesondere für die Anwohner und Anwohnerinnen, Gastronomen und Gewerbetreibenden in der Innenstadt mit Einschränkungen verbunden gewesen. „Die Mainzer und Mainzerinnen haben sich als gute Gastgeber und Gastgeberinnen präsentiert, sich fröhlich, lebenslustig und offen gezeigt. Zwischen Mainz als gastgebender Stadt und dem Land als Veranstalter hat es von Beginn an eine gute und verlässliche Zusammenarbeit gegeben. Wir können stolz darauf sein, wie sich Stadt und Land präsentiert haben. Oberbürgermeister Michael Ebling sowie der Stadt und den Mainzern und Mainzerinnen gilt deshalb ebenso mein Dank.“

Mainz feiert die Demokratie: Großes Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit startet trotz Regen erfolgreich

Eröffnung des Bürgerfestest durch Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Oberbürgermeister Michael Ebling. Singen gemeinsam mit der Gruppe Andy Ost und Band den Tad-der-Einheit-Song "Gemeinsam sind wir Deutschland". Anschließend werden die Preisträger des Rituals für den Tag der Deutschen Einheit vorgestellt" Foto: Diether v. Goddenthow
Eröffnung des Bürgerfests durch Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Oberbürgermeister Michael Ebling. Gemeinsames Singen mit der Gruppe Andy Ost und Band den Tag-der-Einheit-Song „Gemeinsam sind wir Deutschland“. Anschließend werden die Preisträger des Rituals für den Tag der Deutschen Einheit vorgestellt“ Foto: Diether v. Goddenthow

Das große Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit hat begonnen. Im Länderzelt von Rheinland-Pfalz auf dem Fischtorplatz eröffneten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Oberbürgermeister Michael Ebling vor zahlreichen Besuchern und Besucherinnen das Fest. „Mit vielen Partnern und Beteiligten haben wir ein buntes, fröhliches und informatives Fest vorbereitet, mit dem wir die Einheit, Freiheit und Demokratie feiern wollen. Ich freue mich sehr, dass es nach so vielen Monaten der Planung nun soweit ist“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. An beiden Festtagen werden insgesamt 500.000 Besucher und Besucherinnen erwartet.

Freiheitskaempfer2

Wie die rheinland-pfälzische Bundesratspräsidentschaft stehen die Feierlichkeiten unter dem Motto „Zusammen sind wir Deutschland“. Vom Motto inspiriert wurde das gleichnamige Lied von Engagementbotschafter Andy Ost, das er bei der Eröffnung präsentierte. „Dieser Gedanke war es, der 1989 die Menschen in Ost und West miteinander verbunden hat und die Wiedervereinigung möglich machte. Mit dem Motto stellen wir das demokratische Miteinander und den Zusammenhalt, sowohl in Deutschland als auch darüber hinaus, in den Mittelpunkt. Beides ist gerade in der heutigen Zeit besonders wichtig“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Bei der Landespräsentation von Rheinland-Pfalz sei Demokratie neben Umwelt, Wirtschaft, Wissenschaft und Europa deshalb ebenfalls einer der Schwerpunkte.

Oberbürgermeister Michael Ebling empfing abends die Bürgerdelegationen im Frankfurter Hof zum Mainzer Abend, nachdem diese am Nachmittag bereits in der Staatskanzlei von der Ministerpräsidentin Malu Dreyer begrüßt wurden und an einer Führung im Mainzer Landesmuseum der Landes-Ausstellung "vorZeiten" teilgenommen hatten. Ein buntes Programm und eine Weinverköstigung mit vielen kulinarischen Kostbarkeiten warteten auf die - zumeist - jungen Ehrenamtlichen, die von ihren Ländern als Dank für ihren Einsatz stellvertretend für alle ehrenamtlich Tätigen entsendet worden waren. Foto: Diether v. Goddenthow
Oberbürgermeister Michael Ebling empfing abends die Bürgerdelegationen im Frankfurter Hof zum Mainzer Abend, nachdem diese am Nachmittag bereits in der Staatskanzlei von der Ministerpräsidentin Malu Dreyer begrüßt wurden und an einer Führung im Mainzer Landesmuseum der Landes-Ausstellung „vorZeiten“ teilgenommen hatten. Ein buntes Programm und eine Weinverköstigung mit vielen kulinarischen Kostbarkeiten warteten auf die – zumeist – jungen Ehrenamtlichen, die von ihren Ländern als Dank für ihren Einsatz stellvertretend für alle ehrenamtlich Tätigen entsendet worden waren. Foto: Diether v. Goddenthow

Oberbürgermeister Michael Ebling freute sich, dass die Feierlichkeiten in der Landeshauptstadt Mainz stattfinden: „Heute gastgebende Stadt sein zu dürfen, ist für uns Mainzerinnen und Mainzer eine ganz große Ehre! Schließlich ist der Tag der Deutschen Einheit unser Nationalfeiertag, es ist der Tag, an dem Deutschland sich gemeinsam erinnert an diese absolute Ausnahmezeit rund um den Fall der Mauer vor 28 und die Wiedervereinigung vor 27 Jahren. Wir freuen uns, dass die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in diesem Jahr in der Landeshauptstadt Mainz stattfinden. Mainz feiert gerne – und das nicht nur zur fünften Jahreszeit. Was die Landeshauptstadt auszeichnet, ist ihre Weltoffenheit, die besondere Lebensfreude, die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Mainzerinnen und Mainzer. Wir werden Mainz an den beiden Tagen als weltoffene, tolerante und gastfreundliche Stadt präsentieren, in der Hass und Fremdenfeindlichkeit keinen Platz finden.“

Foto: Diether v. Goddenthow
Foto: Diether v. Goddenthow

Im Rahmen der Eröffnung stellte Ministerpräsidentin Malu Dreyer auch die drei Gewinnerinnen und Gewinner zum internationalen Ideenwettbewerb „Erfinde ein Ritual für Deutschland“ vor. Die Staatskanzlei hatte als Ausrichter der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit 2017 in Mainz aufgerufen, ein Ritual für den Einheitstag vorzuschlagen. Die Ministerpräsidentin beglückwünschte alle Gewinnerinnen und Gewinner und dankte ihnen für ihre Ideen. Gewonnen hat das Ritual „Zusammen singen“. „Es passt perfekt zum Motto „Zusammen sind wir Deutschland“, denn Singen verbindet Menschen“, so die Ministerpräsidentin. Zudem habe es großes Potenzial, sich zu verbreiten. Das gemeinsame Singen soll nun erstmals bei den Feierlichkeiten am 3. Oktober um 16.15 Uhr stattfinden.

Bis in den späten Abend hinein, der Regen hatte inzwischen aufgehört und die Temperaturen waren mild, feierten die Leute gelassen auf Strassen, Plätzen und den zahlreichen Länderzelten bei zum Teil leckeren Spezialitäten aus den Regionen. Foto: Diether v. Goddenthow
Bis in den späten Abend hinein, der Regen hatte inzwischen aufgehört und die Temperaturen waren mild, feierten die Leute gelassen auf Strassen, Plätzen und in den zahlreichen Länderzelten bei zum Teil leckeren Spezialitäten aus den Regionen. Foto: Diether v. Goddenthow

Auf dem Bürgerfest erwarten die Besucher und Besucherinnen am 2. und 3. Oktober zahlreiche Attraktionen: Im 1,2 Quadratkilometer großen Festgebiet präsentieren sich die 16 Bundesländer und die Verfassungsorgane. Daneben gibt es eine Landesmeile, die Blaulichtmeile, die Selbsthilfemeile, die Sponsorenmeile und ein Weindorf. Hinzu kommen Bühnen von SWR, RPR1., der ZDF-Show „Mainz feiert“, der Stadt Mainz und Rocklandradio. Mit dem DM-Kinderland, Deutschland bewegt sich, dem AOK-Kindertheater und Streetfood Startup sind auf dem Festgelände vier Aktionsflächen verteilt. Insgesamt wird es über 200 Zelte, rund 70 Außengastronomiestände und 30 Weinstände geben.
„Der 3. Oktober ist der für Deutschland wichtigste Feiertag. Er ist der Tag, an dem wir uns daran erinnern und darüber freuen, dass wir wiedervereint in Frieden und Freiheit in einer Demokratie leben können. Wir wollen mit unserer Feier dazu beitragen, dass sich bei den Menschen ein positives Gefühl zu diesem Tag einstellt. Daher lade ich alle herzlich ein, zu uns nach Mainz zu kommen, mitzufeiern und sich des Glücks der Wiedervereinigung zu erinnern“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.
Aktuelle Informationen zum Tag der Deutschen Einheit und dem Programm des Bürgerfestes gibt es auch auf der Website www.tag-der-deutschen-einheit.de sowie den Social-Media-Kanälen www.facebook.com/DeutscheEinheit2017 und www.twitter.com/TDE2017