Kategorie-Archiv: IHK Rheinhessen

IHK-Preis für Rheinhessen 2018 in Mainz an akademischen Nachwuchs und Leistungsträger der Weiterbildung verliehen

Bei der Verleihung des IHK-Preises 2018 in Mainz (v.r.): Prof. Dr. Jakob Gerhard (in Vertretung des Preisträgers Dr. Benjamin Borie), Prof. Dr. Klaus Becker, Oliver Hartwich, Dr. Cecile Kornmann, Lena Wagner, Sebastian Löw, IHK-Präsident Dr. Engelbert J. Günster, IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz. Foto: Diether v. Goddenthow
Bei der Verleihung des IHK-Preises 2018 in Mainz (v.r.): Prof. Dr. Jakob Gerhard (in Vertretung des Preisträgers Dr. Benjamin Borie), Prof. Dr. Klaus Becker, Oliver Hartwich, Dr. Cecile Kornmann, Lena Wagner, Sebastian Löw, IHK-Präsident Dr. Engelbert J. Günster, IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz. Foto: Diether v. Goddenthow

Die Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen zeichnet eine junge Wissenschaftlerin und drei junge Wissenschaftler mit dem IHK-Preis 2018 aus. Die mit insgesamt 5.000 EUR dotierte Förderung des akademischen Nachwuchses vergab die Jury an den Physiker Dr. Benjamin Borie, den Ingenieur Sebastian Löw von der Technischen Hochschule (TH) Bingen und an die Wirtschaftswissenschaftler Oliver Hartwich und Dr. Cecile Kornmann. Für herausragende Leistungen in der beruflichen Weiterbildung erhielt die Personalfachkauffrau Lena Wagner den mit 2.500 EUR dotierten Sonderpreis „Beste der Besten“.

IHK-Präsident Dr. Engelbert Günster sagte anlässlich der Preisverleihung: „Die Innovationsfähigkeit der rheinhessischen Unternehmen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können kein umfangreiches Detailwissen in eigenen Forschungs- und Entwicklungs-Abteilungen vorhalten. Deshalb ist die Kooperation mit der angewandten Forschung für sie ein praktikabler Weg, um eigenes Know-how zu generieren und zu optimieren.“ Zudem schafft der Wissenstransfer nach den Worten Günsters eine weitere Chance für die Betriebe: „In Zeiten wachsenden Fachkräftemangels bietet sich die Gelegenheit, potenzielle Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.“

Den Festvortrag anlässlich der Verleihung des IHK-Preises 2018 hielt Prof. Dr. Klaus Becker, Präsident der TH Bingen über den „Traum vom Fliegen“. Er beschrieb, dass kaum eine andere technische Entwicklung die Menschheit so fasziniert hat wie der Traum, sich in die Lüfte zu erheben. Doch es dauerte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, als Otto Lilienthal mit dem ersten Gleitflug den Bann brach. Damit begann eine rasante Erfolgsgeschichte: von todesmutigen Fliegern in stoffbespannten Holzkisten bis zu den heutigen modernen und sicheren Langstreckenflugzeugen. „Diese Entwicklung zeigt, wie schnell eine technologische Innovation zum selbstverständlichen Alltag wird“, erläuterte Professor Becker. „Und es zeigt auch, wie sich die einstige Euphorie und Begeisterung zu einer eher kritischen Haltung gewandelt hat.“ Obwohl nach wie vor hoch innovativ, werden Entwicklungen auf dem Gebiet der Luftfahrt kaum noch von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Dieser Zyklus sei typisch für die Wahrnehmung des technischen Fortschritts auf vielen Gebieten, so Becker. Deshalb könne man davon ausgehen, dass auch die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz schnell zum Alltag werden. Nur wird dies sicherlich keine 120 Jahre dauern.

Der IHK-Preis wird zum 31. Mal verliehen. Er prämiert hervorragende wissenschaftliche Arbeiten, die an einer Hochschule des IHK-Dienstleistungsbereiches Rheinhessen erstellt wurden. Sie sollen eine praktikable, möglichst direkte Umsetzung oder Anwendung in der Unternehmenspraxis erwarten lassen und im Gesamtinteresse der gewerblichen Wirtschaft liegen. Zugleich soll der akademische Nachwuchs einen Ansporn zur Leistung erhalten. Ergänzt wird der Förderpreis seit dem Jubiläum zum 200-jährigen Bestehen der Kammer im Jahr 1998 durch den Sonderpreis „Beste/-r der Besten“ für herausragende Absolventen der beruflichen Fortbildung.

IHK prämiert Spitzenleistungen an Hochschulen und in der Weiterbildung

Die Träger des „IHK-Preis 2018“

IHK-Preis 2018, dotiert mit 2.000 EUR
Preisträger: Dr. Benjamin Borie
Thema: „The propagation und nucleation of magnetic domain walls in multi-turn counter sensor devices“, Dissertation am Fachbereich Physik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Betreuer: Univ.-Prof. Dr. Mathias Kläui, Note: sehr gut.

In der zunehmend automatisierten Produktion auf dem Weg zur „Industrie 4.0“ spielt der Einsatz von Sensoren eine zentrale Rolle. Auch deshalb ist weltweit das Studium magnetischer Domänenwände von Sensoren und ihre kontrollierte Beeinflussung durch Felder und Ströme ein Top-Thema sowohl der Grundlagen- als auch der Industrieforschung. Die Dissertation ist in Zusammenarbeit mit der Firma Sensitec entstanden. Ein dabei von Benjamin Borie verbesserter Sensor ist in dem Mainzer Unternehmen bereits in Produktion gegangen. Darüber hinaus wurde ein erfolgversprechendes neues energiesparendes Sensorenkonzept entwickelt, das jetzt von Sensitec für die nächste Generation von Sensoren verfolgt wird.

Benjamin Borie hat seine Studien an der École d´Ingénieurs ECE Paris begonnen, wo er den „Master of Sciences and Engineering“ im Bereich Energie und Umwelt ablegte. Zeitgleich bestand er im August 2014 den „Master of Sciences, Technologies and Health“ im Bereich Nanowissenschaften und Nanoverfahren an der Université Paris Sud. Danach wechselte er zur Promotion nach Mainz. Heute leitet er ein Forschungs- und Entwicklungsteam in einem Pariser Unternehmen, das sich unter anderem mit der Suche von Defekten in Pipelines befasst.

IHK-Preis 2018, dotiert mit 1.500 EUR
Preisträger: Sebastian Löw
Thema: „Energieeffizienzsteigerungen von Heizungs- und Kälteanlagen im Verbund mit regenerativen Energien und Kraft-Wärme-Kopplung in einem Unternehmen der Lebensmittelindustrie“, Master-Thesis am Fachbereich Life Sciences and Engeneering der Technischen Hochschule Bingen. Betreuer: Prof. Dr. Ralf Simon, Note: 1,0.

Ziel der Masterthesis war die energetische Optimierung der Wärme- und Kälteversorgung eines historischen Verwaltungsgebäudes unter Einbindung einer Erd- sowie einer Luftwärmepumpe in die bestehende Dampfwärmeversorgung. Neben der Planung der Rohrleitungsinstallation und der Steuerungsplanung erfolgte die Effizienzbewertung verschiedener Betriebszustände der Wärmepumpenanlagen. Auf Grundlage dieser Betrachtungen wurde ein wirtschaftlicher Betrieb der Wärmepumpenanlage im Zusammenspiel mit der bestehenden Wärmeversorgung, hergestellt.

Der gebürtige Mainzer (*1991) hat zunächst den Bachelor-Grad in Energie- und Prozesstechnik an der Technischen Hochschule Bingen erworben und als Werksstudent der Sektkellerei Henkell die jetzt von der IHK prämierte Masterarbeit geschrieben. Das Wiesbadener Unternehmen war so überzeugt von der Leistung des Preisträgers, dass es ihn nur wenige Monate nach Abschluss seines Studiums als Abteilungsleiter der Versorgungstechnik einstellte.

IHK-Preis 2018, dotiert mit 750 EUR
Preisträger: Oliver Hartwich
Thema: „Predictive Analytics im Sport – Kritische Analyse der praktischen Anwendung von Vorhersagemodellen anhand der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018″, Master-Thesis am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Worms. Betreuer: Dipl.-Kfm. Gernot Keller, Note: 1,0.

Die Thesis befasst sich mit der Frage, ob sich Fußballspiele mit mathematischen und statistischen Modellen vorhersagen lassen. Dabei werden ausgesuchte Spiele zunächst auf relevante Parameter reduziert wie externe Einflüsse oder die Stärke und Spielweise der Mannschaften. Anschließend werden aus diesen Daten mit Hilfe von Algorithmen Muster filtriert, die einen Zusammenhang zwischen den genannten Parametern und dem Endresultat des Spiels aufweisen. Somit kann das wahrscheinlichste Ergebnis für zukünftige Spiele vorhergesagt werden. „Predictive anlaytics“ bezeichnen mathematische Verfahren, mit denen sich mittels aktueller Daten und Daten aus der Vergangenheit das zukünftige Verhalten von Menschen mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit vorhersagen lässt. Was Oliver Hartwich auf Fußballspiele angewandt hat, ermöglicht auch Wirtschaftsunternehmen, Entwicklungen des Marktes frühzeitig zu erkennen und damit Entscheidungen effizient zu fällen.

Der gebürtige Wormser (*1992) hat zunächst an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg den Bachelor of Arts Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Banking erworben. Nach einem Übergangssemester an der Wiesbaden Business School und einem Auslandssemester an der Budapest Business School wechselte er an die Hochschule Worms, wo er das Studium mit dem Master of Arts International Management, Schwerpunkt Finance abschloss. Heute ist er Financial Specialist bei BASF in Ludwigshafen.

IHK-Preis 2018, dotiert mit 750 EUR
Preisträgerin: Dr. Cecile Kornmann
Thema: „Understanding and Managing (Abusive) Product Returns in Online Retailing“, Dissertation am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Betreuer: Univ.-Prof. Dr. Frank Huber, Note: summa cum laude.

Trotz stetiger Verbesserung der allgemeinen Produktqualität verzeichnen Online-Händler stark steigende Retourenquoten. Viele Kunden verursachen Kosten, weil sie kulante Rückgabebedingungen missbrauchen. Händler benötigen daher dringend qualifizierte Empfehlungen, um ihre Retourenstrategie zu optimieren. Cecile Kornmann untersucht in ihrer Studie monetäre Methoden gegen betrügerische Rücksendungen – also beispielsweise Rücksendekosten oder Wiedereinlagerungsgebühren – und sie untersucht psychologische Methoden wie die Komplikation von Rückgabeprozessen.

Die gebürtige Frankfurterin (*1986) hat ihr Abitur als Jahrgangsbeste bestanden und nach einem Fernstudium zur Ernährungsberaterin auch den Bachelor of Science in Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz als Jahrgangsbeste abgelegt. Dort war sie auch unter den besten 2 Prozent aller Studierenden in Rheinland-Pfalz, als sie den Master of Science in Management bestand.

Sonderpreis „Beste der Besten“, dotiert mit 2.500 EUR
In die Weiterbildungsprüfungen bei der IHK für Rheinhessen sind im vorigen Jahr 374 Absolventen gegangen. Das beste Gesamtergebnis mit der Note „sehr gut“ hat Lena Wagner in der
IHK-Weiterbildungsprüfung „Geprüfte Personalfachkauffrau“ erzielt.

Lena Wagner (*1989) hat sich zunächst nach dem Abitur zur „Staatlich geprüften Assistentin für Hotelmanagement“ ausgebildet. Sie stieg dann ein in den Bereich Human Ressources und avancierte dort in verschiedenen Branchen in Hamburg, Eschborn und Mainz. Hier erwarb sie den Abschluss zur IHK-geprüften Personalfachkauffrau und ist heute Human Ressources Manager bei Fahrrad XXL Franz in Mainz und Griesheim.

IHK Rheinhessen

20. Jahresempfang der Wirtschaft – Forderung nach unternehmensfreundlicheren Rahmenbedingungen und Bürokratieabbau

Der "Jahresempfang der Wirtschaft 2019" in der Halle 45  hat auch in diesem Jahr wieder vor der Publikumskulisse von mehreren tausend mittelständischen Unternehmern stattgefunden. Er ist eine Gemeinschaftsveranstaltung Architektenkammer Rheinland-Pfalz, Handwerkskammer Rheinhessen, Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, Landestierärztekammer Rheinland-Pfalz Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Pfälzische Rechtsanwaltskammer Zweibrücken, Rechtsanwaltskammer Koblenz, Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz und der Wirtschaftsprüferkammer in Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der „Jahresempfang der Wirtschaft 2019″ in der Halle 45 hat auch in diesem Jahr wieder vor der Publikumskulisse von mehreren tausend mittelständischen Unternehmern stattgefunden. Er ist eine Gemeinschaftsveranstaltung von: Architektenkammer Rheinland-Pfalz, Handwerkskammer Rheinhessen, Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, Landestierärztekammer Rheinland-Pfalz Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Pfälzische Rechtsanwaltskammer Zweibrücken, Rechtsanwaltskammer Koblenz, Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz und der Wirtschaftsprüferkammer in Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Noch ganz im Lichte des rheinlandpfälzischen Rekordwachstums waren am 9.1.2019   rund 2000 Gäste und hochrangige Politiker der Einladung zum traditionellen-Jahresempfang der Wirtschaft nach Mainz in die Halle 45 gefolgt, dem Ausweichquartier, da die Rheingoldhalle zurzeit umgebaut wird. Der Jahresempfang ist   bundesweit  die größte Plattform für den Dialog zwischen Spitzenpolitikern von Bund und Land und der regionalen Wirtschaft. Auch beim 20. Zusammentreffen richtete der Mittelstand wieder einmal recht deutliche Worte an die Vertreter der Politik.  Gastgeber sind die IHK- und HWK-Rheinhessen sowie mittlerweile 15 Kammern der Freien Berufe. Sie repräsentieren gut 100 000 Unternehmen mit über 400 000 Beschäftigten. Olaf Scholz, Bundesminister der Finanzen und Vizekanzler, sprach in seiner Festrede „Europa für sich“ über die Rolle Deutschlands in Europa und die Zukunft der EU: „Ich wünsche mir einen Wahlkampf, der sich stärker um das „Europa für sich“ dreht, nicht so sehr um das „Europa an sich“, so Scholz.
Durch den Abend führte SWR-Moderatorin Daniela Schick.

(v.l.n.r.) Dr. Engelbert J. Günster, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Malu Dreyer, Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Olaf Scholz, Bundesminister der Finanzen und Vizekanzler, Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen. © Foto: Diether v. Goddenthow
(v.l.n.r.) Dr. Engelbert J. Günster, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Malu Dreyer, Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Olaf Scholz, Bundesminister der Finanzen und Vizekanzler, Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Hans-Jörg Friese „Tun, was die Wirtschaft voran bringt!“

In seiner Begrüßung zog Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen, zunächst eine positive Bilanz, bevor er den anwesenden Politikern ein paar deutliche Worte sagte.
Rheinland-Pfalz nähme mit einem Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent in 2018 den ersten Platz unter den Bundesländern ein. Der Export des Landes sei erneut auf aktuell 58 Prozent gestiegen. Und trotz Brexit mit drohendem Handelskrieg prognostizierten die Beratungsunternehmen für das laufende Jahr 2019 bereits optimistische Aussichten auf weiter steigende Beschäftigungszahlen, so der Handwerkskammerpräsident. Mittelstand und Handwerk befänden sich in einem auch 2019 anhaltenden Höhenflug von drei bis vier Prozent. Aber jeder wüsste, „dass auch der sonnigste Tag wieder dämmern wird“.

Daher sollte man jetzt „das Augenmerk auf die Herausforderungen, Chancen und Reformen legen, die es seit langem anzupacken gilt,“ so Friese. An Finanzminister Olaf Scholz und die Bundespolitik gerichtet, beklagte der Handwerkskammerpräsident die unsäglichen und lähmenden Streitereien innerhalb der Großen Koalition und eine Gegenwartsverwaltung der Hochkonjunktur durch eine verzagte Umverteilung milliardenschwerer Überschüsse im Bundeshaushalt, die nicht das seien, „was die Wirtschaft voran bringt. Und das, was die Politik auf den Weg gebracht hat, wird für Betriebe und Unternehmen bei Sozialabgaben und arbeitsrechtlichen Vorschriften ein Mehr an Belastung zur Folge haben.“

Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Sichwort: Unternehmenssteuerrecht
Für eine wettbewerbsfähige Steuerbelastung der Unternehmen seien strukturelle Reformen des Unternehmenssteuerrechts mit deutlichen Entlastungen der Unternehmen und Steuerzahler überfällig und auch für den kommenden Haushalt 2019 verschlafen worden.

Stichwort: Bürokratieabbau
Beim Bürokratieabbau trete die Bundesregierung auf der Stelle und das Bürokratieentlastungsgesetz III lasse immer noch auf sich warten. „Das bisher Erreichte kommt nicht bei unseren Betrieben an. Insbesondere kleine Betriebe leiden unter immer höheren Anforderungen und fühlen sich zu Recht zunehmend überfordert. Sehr geehrter Herr Scholz, die Entlastung von Kleinstbetrieben muss endlich Priorität haben,“ so der Handwerkskammerpräsident.

Stichwort: Investitionen in Bildung
Um die Herausforderung der voranschreitenden Digitalisierung der Wirtschaft in den Betrieben auch künftig noch gewachsen zu sein, „brauchen wir erhebliche Investitionen in eine bessere Bildung von der Kita bis zur Hochschule für die Sicherung des Fach- und Führungskräftenachwuchses. Wir brauchen dringend Investitionen in die Zukunft. Zur Fachkräftesicherung muss Geld in die Hand genommen und damit die berufliche Ausbildung so gefördert werden, dass Berufsschulen und die Bildungszentren des Handwerks in ihrer Ausstattung am Puls der Zeit und damit auch für junge Menschen attraktiv sind. Um Fachkräfte zu gewinnen, müssen noch besser alle inländischen Potenziale erschlossen werden – Frauen, Langzeitarbeitslose, Menschen mit Migrationshintergrund. Ein weiterer Baustein an dieser Stelle ist es, gezielt qualifizierte Fachkräfte von außen anzuwerben. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz muss deshalb zügig beschlossen und umgesetzt werden“, so Frieses Forderung  an die Bundes- und Landespolitik.

In weiteren Stichpunkten widmete sich der Handwerkskammerpräsident der  Wiedereinführung der Meisterpflicht in einigen der 2004 zu zulassungsfrei erklärten Gewerken wie den Fliesenleger, Musikinstrumentenhersteller oder Goldschmied.

Größtes Aufreger-Thema der Betriebe in der Region ist nach wie vor das Dieselfahrverbot. „Das Unverständnis unter den Betrieben und in der Bevölkerung ist riesig.“

Abschließend an die Politik gerichtet, appellierte Friese: „Helfen Sie mit, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die es uns erlauben, weiterhin all die Arbeits- und Ausbildungsplätze zu generieren, die unserem Land die sprudelnden Steuereinnahmen für ein lebenswertes und zukunftsfähiges Gemeinwesen bescheren.“

Talkrunde 
(v.l.n.r.): Pharmazierat Dr. Andreas-Georg Kiefer, Präsident der Landesapothekenkammer, Malu Dreyer Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Dr. Engelbert J. Günster, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Ökonomierat Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Daniela Schick, SWR-Moderatorin. © Foto: Diether v. Goddenthow
(v.l.n.r.): Pharmazierat Dr. Andreas-Georg Kiefer, Präsident der Landesapothekenkammer, Malu Dreyer Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Dr. Engelbert J. Günster, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Ökonomierat Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Daniela Schick, SWR-Moderatorin. © Foto: Diether v. Goddenthow

Bei der anschließenden Talkrunde mit der Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden Malu Dreyer, mit dem Präsidenten der IHK-Rheinhessen Dr. Engelbert J. Günster, mit dem Präsidenten der Landesapothekenkammer Dr. Andreas Kiefer und dem Präsidenten der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Ökonomierat Norbert Schindler fragte SWR-Moderatorin Daniela Schick, was die Wirtschaft brauche, um wettbewerbsfähig zu bleiben, welche Herausforderungen sich ihr stellten und welche Zukunftsvisionen die Wirtschaftsvertreter im Lande hätten.

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Malu Dreyer, Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Ministerpräsidentin Malu Dreyer zeigte sich zutiefst davon überzeugt, „dass wenn wir anpacken, dass wir die Zukunft gestalten können.“ Natürlich gäbe es auch Verunsicherungen insbesondere im Hinblick auf Globalisierung und Digitalisierung. Doch „Digitalisierung“ sei in Rheinland-Pfalz Chefinnensache und zugleich eine Querschnittsaufgabe, „die ressortübergreifend angepackt wird. Im Digitalen Kabinett unter meiner Leitung werden alle relevanten Themen besprochen und Entscheidungen getroffen“, so die Ministerpräsidentin. Rheinland-Pfalz stehe wirtschaftlich sehr gut da: „Das ist der Verdienst der Unternehmerinnen und Unternehmer, unserer innovativen Kammern und auch der vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich mit ihren Betrieben identifizieren und sich dafür engagieren. Und auch meine Landesregierung setzt einen Schwerpunkt darauf, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass sich die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz weiter gut entwickeln kann“, so Ministerpräsidentin.

IHK-Präsident Dr. Engelbert J. Günster sieht der wirtschaftlichen Entwicklung „verhalten positiv“ entgegen, denn „ als exportorientiertes Bundesland schauen wir natürlich nicht ohne Sorgen in die vielen Krisenherde der Welt“. Andererseits, und das zeige ja den positiven Geist unserer Region, glaubten nach einer Umfrage der IHK- Rheinhessen 91 Prozent der Unternehmer, dass es in den nächsten 12 Monaten entweder gleich gut oder besser wird, so der IHK-Präsident, der sich in seinem diesjährigen Statement insbesondere dem regionalen brennenden Thema „mehr Flächen für die Ansiedlung von Industrie- und Gewerbeflächen in Rheinland-Pfalz“ widmete, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft im Land auch in Zukunft zu erhalten. „Wir beobachten eine zunehmende Verknappung verfügbarer Industrieflächen, vor allem großer zusammenhängender Areale. Die werden aber dringend benötigt, um potenzielle Investoren ins Land zu holen.“

Dr. Egelbert J. Günster, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Egelbert J. Günster, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Günster erinnerte daran, „dass das produzierende Gewerbe in Rheinland-Pfalz fast 300.000 Menschen beschäftigt und pro Jahr 3 Milliarden EUR investiert. Damit trägt es 35 Prozent zur Bruttowertschöpfung des Landes bei.“ Da sei es von Vorteil, dass das Verhältnis zwischen den Entscheidern im Bundesland konstruktiv sei, sagte Günster unter Hinweis auf den seit 2014 laufenden Industrie-Dialog zwischen der Landesregierung, den Kammern, Unternehmerverbänden und Gewerkschaften: „Auch wenn die Rahmenbedingungen für die Unternehmen heute zunehmend auf globaler, europäischer oder auf Bundesebene abgesteckt werden, gibt es viele Aspekte, die auf landespolitischer Ebene zu entscheiden und zu lösen sind.“ Konkret geht es Günster darum, in einem gemeinsam von Innen- und Wirtschaftsministerium sowie den Industrie- und Handelskammern erarbeiteten Gutachten feststellen zu lassen, „welche Brach- oder Militärkonversionsflächen noch zur Verfügung stehen oder inwieweit Stadt-Umland-Kooperationen im Hinblick auf eine interkommunale Flächenpolitik gefördert werden“ könnten.

Malu Dreyer räumte ein, dass die über das starke Wirtschaftswachstum hocherfreute Regierung, natürlich auch dafür zu sorgen habe, „dass wir ausreichend Gewerbeflächen, auch große Gewerbeflächen, zur Verfügung haben.“. Die Regierung habe daher vor, so die Ministerpräsidentin, „dass nach dem nächsten Landentwicklungsplan tatsächlich die Ausweisung oder die Zurverfügungstellung von großen zusammenhängenden Industriegewerbeflächen wirklich ein Schwerpunkt ist.“.

Landwirtschaftskammerpräsident Norbert Schindler beklagte, dass die Landwirtschaft „ja immer den doppelten und dreifachen Landreservierungsverbrauch für alternative Ausgleichsmaßnahmen“ hat, etwa, wenn Flächen versiegelt würden. Solch ein Konkurrenzkampf um die Fläche in der rheinland-pfälzischen wie deutschen Landwirtschaft insgesamt spiegele sich auch in marktverzerrenden und spekulativen Kaufpreissteigerungen wider, mit denen der Gewinn pro Hektar lange nicht konkurrieren könne.

Ökonomierat Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Ökonomierat Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Zudem machte Schindler seinem Ärger über die in einigen Medien mitunter falsch dargestellte Nahrungsmittelerzeugung Luft und wünschte sich stattdessen “das hohe Niveau wie das Herr Nuhr getan hat mit Rückblick 2018“. Schindler lobte zudem den „Beitrag über die Diesel-Problematik ‚Das Diesel-Desaster‚“ vom 7.1.2019, worin „die Wahrheit wieder deutlich gesagt wird. Ich empfehle jedem diese Sendung in den Mediatheken nochmal nachzusehen. Und ich wünsche mir, dass wir in der Nahrungsmittelproduktion positiv und ehrlich begleitet werden. Denn ohne Bauern und eine funktionierende Landwirtschaft “hättet Ihr alle nichts zu essen!“. Bauern und Winzer, Gärtner und Forstleute in Rheinland-Pfalz erzeugten gesunde Nahrungsmittel, kultivierten die Landschaft, pflegten die ländliche Kultur, machten Rheinland-Pfalz liebenswert und böten zudem touristische Dienstleistungen.

Doch der Landwirtschaft drohe trotz glimpflich überstandener Dürreperiode neues Ungemach: Denn, so Schindler, der sich einst für den Mindestlohn in der Landwirtschaft stark machte, dürfe es doch nicht sein, „dass in Südeuropa Gemüse, Obst und Nahrungsmittel zu Sklavenlöhnen erzeugt“ würden, und „große Nahrungsmitteleinkäufer uns dann mit den gleichen Preisen auf südeuropäischen oder nordafrikanischen Niveau quälen“. „Wenn dies so weitergeht, liebe Freunde, liebe Gäste, geht Deutschlands Landwirtschaft vor die Hunde.!“, warnte der Landwirtschaftskammerpräsident eindringlich.

Malu Dreyer war bei diesem Punkt ganz auf Schindlers Seite. Sie sei „auch Zeitzeugin, dass Sie sich für den Mindestlohn in der Landwirtschaft eingesetzt haben“. Und es könne nicht sein“, so die Ministerpräsidentin, „dass der bei uns bezahlte Mindestlohn der Landwirtschaft woanders nicht eingehalten werde, „und deshalb unterstütze ich Ihr Anliegen, das wir auch auf der EU-Ebene tatsächlich auch etwas erreichen“.

Pharmazierat Dr. Andreas-Georg Kiefer, Präsident der Landesapothekenkamm Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Pharmazierat Dr. Andreas-Georg Kiefer, Präsident der Landesapothekenkamm Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Große Sorgen bereitet Dr. Andreas Kiefer eine zunehmende Monetarisierung im Gesundheitswesen. Er sei „als Deutscher eigentlich so stolz drauf, dass es eben keine Ausgrenzung für Gesundheitsleistungen gibt. Wenn einer krank ist, ist er krank, egal, was er für ein Einkommen hat, und der muss versorgt werden“. Aber es gäbe zu viel floatendes Geld auf der Welt, das Kapitalanlage sucht- Der deutsche Gesundheitsmarkt in Geld gesehen, sei groß, und der dürfe eben nicht für Investoren zur reiner Erzielung von Rendite geöffnet werden, weil darunter die Qualität der medizinischen Versorgung leide. Als Beispiel nannte der Apothekenkammerpräsident, der zugleich für die gesamte Heilbranche sprach, renditeorientierte medizinische Versorgungszentren, die sich dann „dem Zugriff der Aufsicht, zum Beispiel durch die Zahnärztekammer“ entzögen. Auch Arzneimittel seien keine Konsumgüter, sondern ganz spezielle Waren.

Während es immer mehr und größere Gesundheitszentren gäbe, die immer öfter auch von großen Konzernen, zum Teil aus dem Ausland übernommen werden, muss die Ein-Mann-Arzt-Praxis und die kleine Apotheke schließen, fasste SWR-Moderatorin Daniela Schick zusammen und fragte an die Ministerpräsidentin gerichtet: „Ist das eine Entwicklung, der die Politik tatenlos zusehen muss?“.

Das will die Politik nicht: „Ich bin ganz bei Herrn Präsident Kiefer“, so die Ministerpräsidentin. Es sei für „uns als Land wichtig, dort, wo wir Möglichkeiten haben, auch Rahmenbedingungen mitzugestalten, beispielsweise durch eine Krankenhausleistungsplanung“. Die oberste Priorität sei tatsächlich, „dass die Menschen gut versorgt sind, wenn sie krank sind.“ Das sei eine große Herausforderung, insbesondere auch für die Apotheker, so Dreyer.

Die Ministerpräsidentin lobte in diesem Zusammenhang als Beispiel einer möglichen besseren Arzneimittelversorgung der Bevölkerung auf dem Lande die erste digitale Rezeptsammelstelle in der 1200-Seelen-Gemeinde Longkamp am Rande des Hunsrücks, nahe des Heilbades Bernkastel-Kues. Apotheker haben sich hier, technisch unterstützt durch das Apothekenrechenzentrum Darmstadt (ARZ), zusammengeschlossen und ihre eigene Internet-Apotheke gegründet. Die digitale Rezeptsammelstelle in Form eines Terminals ersetzt den Apothekerbriefkasten. Sie bietet einen Scan-Schlitz, in den Patienten ihr Rezept einführen. Automatisch werden die Rezeptdaten gelesen und direkt an die beteiligten Apotheken digital weitergeleitet. Das Rezept bleibt beim Patienten. Durch die digitale Übertragung können nicht vorrätige Arzneimittel sofort bestellt werden und auch eine eventuelle Rücksprache mit dem verordnenden Arzt kann schnell stattfinden. All das spart Zeit, die letztlich auch dem Patienten zu Gute kommt, der in aller Regel dann taggleich durch pharmazeutisches Personal seine Arzneimittel im Rahmen des Botendienstes nach Hause gebracht bekommt oder seine vorbestellten Arzneimittel selbst in der Apotheke abholt.

Die Digitalisierung betreffend, gäbe es auch in Rheinland-Pfalz bei der Hard- und Software noch erheblichen Nachholbedarf, betonte abschließend Dr. Engelbert J. Günster. Wähle sich der deutsche Telekom-Kunde ins Netz erhielte er ungefähr 5 Mbit/ pro Sekunde Downloadgeschwindigkeit, in Albanien mit 11,4 Mbit/Sec dagegen das Doppelte, so der IHK-Präsident. Die Software, also „die Mitarbeiter, die in der Lage sind, mit diesen neuen Herausforderungen der Digitalisierung umzugehen“, seien das andere Thema. Da „brauchen wir Investitionen in die Fortbildung, in die Weiterbildung, aber eben auch in der Generierung entsprechend qualifizierten Nachwuchses.“ so Günster.

„Europa an sich“ Festvortrag von Olaf Scholz, Bundesfinanzminister und Vizekanzler

Olaf Scholz, Finanzminister und Vizekanzler. © Foto: Diether v. Goddenthow
Olaf Scholz, Finanzminister und Vizekanzler. © Foto: Diether v. Goddenthow

In seinem flammenden Plädoyer für eine starke Europäische Union und einen geregelten Brexit, sprach Bundesfinanzminister Olaf Scholz über die Rolle Deutschlands in Europa und die Zukunft der EU in Zeiten von Brexit und der in fünf Monaten bevorstehenden Europa-Wahl. Die komplette Rede finden Sie hier:  „Europa für sich“: Rede von Bundes¬finanzminister Olaf Scholz beim Jahresempfang der Wirtschaft 2019

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Gastgebende Kammern

 

Ausschreibung Ernst-Schneider-Preis 2019 – Auch Online-Bewerbungen möglich

Preisgelder auf 55.000 Euro angehoben – Bewerbungen erstmals online möglich – Bewerbungsfrist: 31. Januar 2019

Die Ausschreibung für den Ernst-Schneider-Preis läuft. Gesucht werden herausragende Beiträge in neun Kategorien, die allgemeinverständlich Hintergründe und Zusammenhänge von Themen der Wirtschaft darstellen.
Die Preissumme wurde von 52.500 Euro auf 55.000 Euro angehoben. Gestiftet wird der Preis von den Industrie- und Handelskammern.
Den Flyer mit der Ausschreibung finden Sie hier: http://www.ernst-schneider-preis.de/wp-content/uploads/2018/12/Ausschreibung-2019.pdf

Noch bis 31. Januar 2019 können Journalisten Beiträge zu den verschiedensten Themen der Wirtschaft einreichen. Die Bewerbungen sind erstmals online möglich, so dass die bisherige, aufwändige postalische Zusendung entfällt.
Die Bewerbungen sind hier möglich: http://ernst-schneider-preis.de/bewerbung/

Der Journalistenpreis der deutschen Wirtschaft wird seit 46 Jahren ausgelobt. Er ist nach dem früheren DIHK-Präsidenten, Unternehmer und Kunstmäzen Ernst Schneider benannt. Über die Vergabe entscheiden unabhängige Jurys, zusammengesetzt aus jeweils drei Journalisten und zwei Vertretern der Wirtschaft.

Für Rückfragen: Dr. Hartmut Spiesecke, Geschäftsführer des Ernst-Schneider-Preises, Telefon: (0221) 16408157

Der schleichenden Wirtschaftsfeindlichkeit entgegentreten! – Deutliche Worte auf Jahresempfang der rheinland-pfälzischen Wirtschaft 2018

Der größte Neujahrsempfang der regionalen Wirtschaft in Deutschland in der Rheingoldhalle in Mainz am 7. Februar 2018.  Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de
Der größte Neujahrsempfang der regionalen Wirtschaft in Deutschland in der Rheingoldhalle in Mainz am 7. Februar 2018. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

Deutlich mahnende Worte vor einer besorgniserregenden Überbürokratisierung, zuletzt durch die ab 25. Mai 2018 geltende EU-Datenschutz-Verordnung, sowie gegen einen schleichenden wirtschaftsfeindlichen Zeitgeist fanden die Vertreter der gastgebenden IHK, HWK und der Kammern der Freien Berufe auf dem Jahresempfang der Rheinlandpfälzischen Wirtschaft 2018 am 7.Februar in der Rheingoldhalle zu Mainz. Festredner war Professor Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident a.D., mit einem engagierten Plädoyer für den Zusammenhalt Europas.

Bessere Verhältnisse gab es in Europa noch nie!

Festredner Prof. Dr. Norbert Lammert Bundestagspräsident a.D. beim Jahresempfang der Rheinland-Pfälzischen Wirtschaft 2018 in der Rheingoldhalle Mainz. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de
Festredner Prof. Dr. Norbert Lammert
Bundestagspräsident a.D. beim Jahresempfang der Rheinland-Pfälzischen Wirtschaft 2018 in der Rheingoldhalle Mainz. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

Lammert, seit Januar  Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, nannte den europäischen Integrationsprozess, der mit den Römischen Verträgen vor 60 Jahren seinen Anfang nahm, die „wichtigste einzelne Innovation des 20. Jahrhunderts“. Zum ersten Mal in einer zweieinhalbtausend-jährigen gemeinsamen Geschichte sei das Risiko so gut wie beseitigt, „dass Meinungsverschiedenheiten und Interessenkonflikte, die es zwischen diesen Staaten nach wie vor gibt, unter Einsatz von Gewalt mit militärischen Mitteln ausgetragen werden können“, so Lammert. „Bessere Verhältnisse als die, die wir gegenwärtig in Europa haben, gab es auf diesem Kontinent nie!“ Noch nie habe es auf diesem Kontinent den Zustand gegeben, dass „in ausnahmslos allen europäischen Staaten, demokratisch gewählte Parlamente, und von diesen bestellte oder kontrollierte Regierungen im Amt sind“. Diese Errungenschaft sei ihm noch wichtiger, so Lammert, als seine „zugegebenermaßen gebremste Begeisterung gegenüber dieser oder jener konkreten Regierung, die ich da in diesem oder jenen Land im Amt sehe“. Die komplette Rede kann folgend über Youtube abgerufen werden:

Dr. Engelbert J. Günster „Kernthemen couragiert anpacken“

Dr. Engelbert J. Günster, Präsident der Industrie und Handelskammer für Rheinhessen, hatte zuvor seine Begrüßungsrede vor den gut 1600 Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kultur unter das Motto „Kernthemen couragiert anpacken“ gestellt. Obwohl die Unternehmen auch am Standort Rheinhessen derzeit Rekorde verbuchten und ein Drittel von ihnen in den nächsten zwölf Monaten die Investitionen und die Beschäftigtenzahlen erhöhen wollten, läge, so der IHK-Präsident, statt Aufbruchsstimmung „eine bleierne Schwere über unserem Land.“ In Berlin „scheinen die parteitaktischen Grundsatzstreitereien wichtiger zu sein, als die Interessen unseres Landes und seiner Bürger“, so Günster. Und während ein dringender Handlungsbedarf bei Kernthemen zur Modernisierung Deutschlands und ein Zukunftsprogramm im europäischen Kontext bestünde, zermürbe man sich bei Prinzipienreiterei und Spitzfindigkeit, „so zum Beispiel, ob der Mittelwert zwischen 180.000 und 220.000 nun bei 200.000 liegt oder nicht; und ob der Begriff „Obergrenze“ eine normative Begrenzung ist, oder nur deskriptiver Natur.“

Dr. Engelbert J. Günster, Präsident der IHK für Rheinhessen:  „Der Industriestandort Deutschland braucht eine Frischzellenkur - und zwar vor allem bei den Rahmenbedingungen,  die die Politik zu verantworten hat.“ Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de
Dr. Engelbert J. Günster, Präsident der IHK für Rheinhessen:
„Der Industriestandort
Deutschland braucht eine Frischzellenkur – und zwar vor allem bei den Rahmenbedingungen,
die die Politik zu verantworten hat.“ Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

Schon in der abgelaufenen Legislaturperiode habe die Große Koalition ihre Machtfülle nicht für grundlegende Reformen im Land genutzt. Auch die soeben mühsam beendeten Koalitionsverhandlungen zeugen auch diesmal nicht davon, dass die sich abzeichnende Fortsetzung der Großen Koalition an diesem Reformmangel etwas ändern wolle. Ein mutloses Wohlfühlprogramm schaffe keine neuen Jobs – und mittelfristig auch keine Aufbruchsstimmung im Land, so der IHK-Präsident. Günster mahnte an, wesentliche Kernthemen couragiert anzupacken, beispielsweise zuvorderst:
„• Investitionen in Bildung von der Kita bis zur Hochschule und die Sicherung des Fach- und Führungskräftenachwuchses,
• Ertüchtigung und Ausbau der digitalen- und der Verkehrsinfrastruktur
• Innere Sicherheit und Schutz der Außengrenzen, • Steuerentlastung von Bürgern und Unternehmen,
• Straffung des Gesundheitswesens und Entzerrung und Verbesserung von Prophylaxe, Akutbehandlung und ganz besonders der Pflege in einer alternden Bevölkerung.“

Zudem gelte es, „einer schleichenden Wirtschaftsfeindlichkeit entgegenzuwirken“, so der IHK-Präsident und zitierte, die diesbezüglichen Beobachtungen des Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Michael Vassiliadis, aus dessen kürzlich gehaltenen Rede: „In Deutschland hat sich ein Zeitgeist breitgemacht, der Wirtschaft und Industrie pauschal hintertriebene, arrogante Profitgier unterstellt. Anstatt mit dem Wirtschafts- und Industriestandort die Grundlage des hiesigen Wohlstands zu sichern, wird nur noch über Ausstiege, Verbote und Reglementierungen geredet, statt über Innovation, Investition und Modernisierung.“ Er stimme in diesem Punkt ausdrücklich dem erfahrenen Gewerkschaftsführer zu, so Günster, und ergänzte: „Es darf nicht sein, dass ein tüchtiger und erfolgreicher Mittelstand, das Rückgrat unserer Wirtschaft in Sippenhaft genommen wird für Fehlverhalten einiger weniger Großunternehmen. Ich teile gerne auch seinen Weckruf an alle handelnden politischen Akteure: „Der Industriestandort Deutschland braucht eine Frischzellenkur – und zwar vor allem bei den Rahmenbedingungen, die die Politik zu verantworten hat.“, so der IHK-Präsident (Die komplette Rede hier).

Talkrunde diskutierte- Berufsausbildung und Bürokratieabbau
Talkrunde (v.l.n.r.): Edgar Wilk, Präsident der Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz und Landesverband der Freien Berufe Rheinland-Pfalz e. V., Wilhelmina Katzschmann, Vizepräsidentin der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Markus Appelmann, Moderator. Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de
Talkrunde (v.l.n.r.): Edgar Wilk, Präsident der Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz und Landesverband der Freien Berufe Rheinland-Pfalz e. V., Wilhelmina Katzschmann, Vizepräsidentin der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Markus Appelmann, Moderator. Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

Noch deutlichere Worte gegen die wachsende Zahl unternehmensfeindlicher gesetzlicher Rahmenbedingungen fand die  Talkrunde mit  Hans Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen, Wilhelmina Katzschmann Vizepräsidentin der Ingenieurkammer Rheinland Pfalz sowie Edgar Wilk, Präsident der Steuerberaterkammer Rheinland Pfalz und Landesverband der Freien Berufe Rheinland Pfalz e. V.. Moderator war Markus Appelmann, SAT1, der durch den ganzen Veranstaltungsabend führte.

Zwei Themen brannten dabei besonders auf den Nägeln: Die berufliche Bildung und der Bürokratieabbau.

Auch ein verpflichtendes Praktikum im Handwerk für alle Schultypen

Besorgniserregend sei das nachlassende Niveau der Schulabsolventen nicht nur in theoretischen Fächern, sondern auch in den praktisch-manuellen Bereichen, weswegen Handwerkspräsident Hans Jörg Friese forderte: „Was wir benötigen, sind in den Schulen handwerkliche Fähigkeiten.“ Wie solle jemand, der noch nie gehämmert habe, plötzlich am Ausbildungsplatz ein Talent für’s Hämmern entwickeln können, versuchte Friese das Problem an diesem kleinen Beispiel im Kern zu benennen. Wenn in den Schulen keine fachpraktischen Fähigkeiten vermittelt würden, könne sich das Handwerk anstrengen wie es wolle; Es gäbe dann keine Möglichkeit mehr, die Versäumnisse in der Feinmotorik nachzuholen. Deswegen forderte der Handwerkskammerpräsident  unter  viel Beifall, ab der 5. Klasse verbindlich Naturwissenschaften zu lehren. Und dass „für alle Schulformen, auch für’s Gymnasium, ein Praktikum verpflichtend ist, und mindestens ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb“, so Friese. Denn es werde nicht nur immer schwieriger, gute ausgebildete Menschen zu bekommen. Sondern mit der Digitalisierung in der Wirtschaft, auch im Handwerk, seien die Anforderungen drastisch gestiegen: „Wir haben junge Menschen, die müssen nicht nur das Fachpraktische erlernen, sondern sie müssen diesen Weg der Digitalisierung gehen.“ Da käme  zum Erlernen der nötigen handwerklichen Fertigkeiten noch der Lehrstoff aus dem „Digitalen“ hinzu. Zudem benötigte man Berufsschulen und Bildungszentren der Kammern, die gut ausgestattet seien, so der Handwerkspräsident, und forderte hierfür entsprechende Unterstützung, „um all diese Dinge auch angehen zu können“.

Von Bürokratieabbau keine Spur – Wirtschaft und Freiberufler ersticken bald an überzogenen Dokumentationspflichten 

Beim Thema Bürokratieabbau warnte Edgar Wilk vor den Folgen einer ausufernden Bürokratie für die Freien Berufe und mittelständische Unternehmen. Dabei kritisierte er unter anderem eine Reihe von aktuellen Rechtsvorschriften, die jeden noch so kleinen Arbeitsschritt bei der Berufsausübung dokumentiert sehen wollen. „Dadurch werden Unternehmen und Freiberufler unnötig behindert. Hier muss dringend auf die Bremse getreten werden. Jede neue Dokumentationspflicht lässt den Bürokratieaufwand größer werden“, erklärte Wilk und nannte die nervigsten Gesetzes-Verordnungen, wie etwa die „Grundsätze zur ordnungsgemäßen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff GoBD. Darin, so Wilk, werde in 184 Punkten detailliert aufgelistet, wie  die Abläufe in der Buchhaltung vonstattengehen und die Arbeitsschritte im Betrieb dokumentiert werden müssen. „Wer gedacht hat, dass die Umstellung auf elektronische Unterlagen die Arbeit vereinfacht und beschleunigt, der hat die Rechnung ohne die Bürokratie gemacht“, so Wilk

Ähnlich kritisch beurteilte der Kammerpräsident auch die Dokumentationspflichten des neuen Geldwäschegesetzes (GwG). Hier wird verlangt, erst einmal festzustellen und zu dokumentieren, ob man selbst „geldwäschegefärdet“ sei.  Besonders betroffen sind hierbei Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer. Sie müssen umfangreich analysieren, ob in ihren Kanzleitätigkeiten Risiken im Hinblick auf Geldwäsche vorhanden sind und diesen Vorgang genau dokumentieren. „Neben dem großen bürokratischen Aufwand droht den Betroffenen bei Nicht-Befolgen der Richtlinien eine unverhältnismäßige Strafe. Hier schießt der Gesetzgeber über das Ziel hinaus.“

Besonders ärgerlich sei auch die ab 25. Mai 2018 verpflichtend anzuwendende europäische Datenschutz Grundverordnung (EU-DS-GVO). Sie bringe zusätzliche, ganz erhebliche Dokumentationspflichten und einen damit verbundenen Bürokratieaufwand mit sich. Danach sind Unternehmen und Freiberufler angehalten, ihre Arbeitsabläufe und Prozesse so einzurichten und zu dokumentieren, dass die Verarbeitungsweise von Personendaten sowie die Erfüllung der umfangreichen Informationspflichten jederzeit gegenüber den Aufsichtsbehörden nachgewiesen werden können. Die meisten Freiberufler sind als Berufsgeheimnisträger aber ohnehin schon durch ihren Beruf dazu verpflichtet, ihre Mandanten-, Klienten- und Patienten-Daten vertraulich zu behandeln; einer zusätzlichen Regelung hätte es da nicht bedurft. „Die neuen Pflichten nach der DS-GVO bei der Bearbeitung persönlicher Daten führen lediglich zu mehr Arbeitsaufwand und Verunsicherung der Mandanten“, kritisiert Wilk. „Diese Regelung trifft genau die Falschen, hier wäre eine Ausnahme sinnvoll gewesen.“ Auch hier drohen Betroffenen bei nicht Befolgung drastisch überzogene Strafen bis zu 20 Mio. Euro.

Netzwerken bei Wein und Bretzel auf dem Jahresempfang der rheinland-pfälzischen Wirtschaft 2018. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de
Netzwerken bei Wein und Bretzel auf dem Jahresempfang der rheinland-pfälzischen Wirtschaft 2018. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow.de

(Dokumentation Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

 

Die Statements der Verbandsvertreter können folgend angeklickt werden:

Preis der IHK für Rheinhessen 2017: Akademischer Nachwuchs und Leistungsträger der Weiterbildung in Mainz ausgezeichnet

Auszeichnung der Preisträger beim IHK-Preis 2017 (v.r.): Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf, Sandra Wolnitz, Marcel Hauck, Sahra Wagner, Alexa Groh, Florian Mölleken, IHK-Präsident Dr. engelbert J. Günster, IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz. Foto: Diether v. Goddenthow
Auszeichnung der Preisträger beim IHK-Preis 2017 (v.r.): Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf, Sandra Wolnitz, Marcel Hauck, Sahra Wagner, Alexa Groh, Florian Mölleken, IHK-Präsident Dr. engelbert J. Günster, IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz. Foto: Diether v. Goddenthow

Günster: Wissenstransfer eröffnet
rheinhessischen Unternehmen neue Chancen

Die Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen zeichnet eine junge Wissenschaftlerin und zwei junge Wissenschaftler mit dem IHK-Preis 2017 aus. Die mit insgesamt 5.000 EUR dotierte Förderung des akademischen Nachwuchses vergab die Jury an die Wirtschaftswissenschaftlerin Sandra Wolnitz, den Medieninformatiker Marcel Hauck, den Umweltschutzingenieur Florian Mölleken und die Internationale Betriebswirtschaftlerin Sarah Wagner. Für herausragende Leistungen in der beruflichen Weiterbildung erhielt die Personalfachkauffrau Alexa Groh den mit 2.500 EUR dotierten Sonderpreis „Beste der Besten“.

IHK-Präsident Dr. Engelbert Günster sagte anlässlich der Preisverleihung: „Die Innovationsfähigkeit der rheinhessischen Unternehmen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können kein umfangreiches Detailwissen in eigenen Forschungs- und Entwicklungs-Abteilungen vorhalten. Deshalb ist die Kooperation mit der angewandten Forschung für sie ein praktikabler Weg, um eigenes Know-how zu generieren und zu optimieren.“ Zudem schafft der Wissenstransfer nach den Worten Günsters eine weitere Chance für die Betriebe: „In Zeiten wachsenden Fachkräftemangels bietet sich die Gelegenheit, potenzielle Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.“ Vor diesem Hintergrund lobte der IHK-Präsident auch das Bestreben in der rheinland-pfälzischen Bildungspolitik, die Durchlässigkeit des Bildungssystems weiter zu erhöhen.

Den Festvortrag anlässlich der Verleihung des IHK-Preises 2017 hielt Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur. Sein Thema war die „enge Verzahnung von Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft einerseits, verbunden mit der gesellschaftlichen Herausforderungen der Fachkräftesicherung andererseits“. Wolf sagte: „Erfolgreiche Forschung bringt Innovationen und intelligente Lösungen hervor, die helfen, Herausforderungen wie z. B. Klimawandel, demografische Entwicklung, Gesundheit und Ernährungssicherheit, Ressourcenverknappung und Energieversorgung sowie Zugang zu Informationen und Mobilität zu bewältigen. Denn Innovationen setzen aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik in marktfähige Produkte, Verfahren und Dienstleistungen um und sind so entscheidende Treiber für Investitionen, Produktivität und Beschäftigung. Sie bieten wesentliche Wachstumschancen und bilden das Fundament der Wirtschaft. Eine Volkswirtschaft kann nur florieren, wenn die Wissenschaft, insbesondere die Forschung und die Akteure aus der Wirtschaft Hand in Hand agieren.“ Dazu seien natürlich Fachkräfte notwendig um einerseits durch Forschung neues Wissen und neue Erkenntnisse zu schaffen und andererseits das neue Wissen und die neuen Erkenntnisse auf den Markt zu bringen. Dabei würde der demographische Wandel und die deutlich veränderte Alterszusammensetzung der Bevölkerung sowie die Tendenz zum Zuzug in urbane Räume ein Land wie Rheinland-Pfalz vor große Herausforderungen stellen. Der Minister betonte: „Die ‚Fachkräftesicherung‘ für unsere Wissenschaft und unsere Wirtschaft hat deshalb bei der Landesregierung höchste Priorität.“

Der IHK-Preis wird zum 30. Mal verliehen. Er prämiert hervorragende wissenschaftliche Arbeiten, die an einer Hochschule des IHK-Dienstleistungsbereiches erstellt wurden. Sie sollen eine praktikable, möglichst direkte Umsetzung oder Anwendung in der Unternehmenspraxis erwarten lassen und im Gesamtinteresse der gewerblichen Wirtschaft liegen. Zugleich soll der akademische Nachwuchs einen Ansporn zur Leistung erhalten. Ergänzt wird der Förderpreis seit dem Jubiläum zum 200-jährigen Bestehen der Kammer im Jahr 1998 durch den Sonderpreis „Beste/-r der Besten“ für herausragende Absolventen der beruflichen Fortbildung.

IHK prämiert Spitzenleistungen
an Hochschulen und in der Weiterbildung

Die Träger des „IHK-Preis 2017“

IHK-Preis 2017, dotiert mit 2.000 EUR
Preisträgerin: Sandra Wolnitz
Thema: „Augmented Reality: Eine empirische Untersuchung zu Auswirkungen erweiterter Realität auf ausgewählte Erfolgsfaktoren von Online-Stores“, Masterarbeit im Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Betreuer: Prof. Dr. Frank Huber, Note: 1,0.

Die Bekleidung ist ein Absatzfeld des Online-Handels, auf dem besonders zahlreiche Anbieter eine große Vielfalt an Produkten vorhalten. Wie für viele andere Branchen auch ist dabei die räumliche Trennung zwischen Angebot und Nachfrage eine Herausforderung in der Kundenansprache. In dem hart umkämpften Segment verspricht die innovative Technologie der Augmented Reality Wettbewerbsvorteile. Denn die potenziellen Käufer können die Produkte am heimischen Bildschirm im Detail inspizieren und sich damit eine bessere Basis für ein zufriedenes Kauferlebnis verschaffen. Sandra Wolnitz betritt ein Forschungsgebiet, zu dem erst wenige Arbeiten erschienen sind. Sie untersucht das wahrgenommene Risiko eines Fehlkaufs sowie die positive Kundenerfahrung, die zur Kundenbindung führt – die sogenannte Customer Experience – als entscheidende Determinanten für den  Erfolg von Augmented Reality. Ihre Studie thematisiert diese Technologie als eine Verknüpfung von Interaktion und erweiterter Bilddarstellung, ebenso wie jede dieser beiden Komponenten für sich genommen. Es zeigt sich, dass Augmented Reality das Risiko eines Fehlkaufs stark mindert, während der Einsatz der einzelnen Komponenten bereits zu einer verbesserten Kundenbindung führen kann. Die gewonnenen Erkenntnisse zeigen Unternehmen Möglichkeiten für die optimale Ausgestaltung einer Produktpräsentation auf.

Sandra Wolnitz (*1991 in Ludwigshafen) war nach dem Bachelor in Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität zunächst Erasmus-Stipendiatin an der Warsaw School of Economics und schloss daran das Masterstudium in Mainz an. Nebenher absolvierte sie Praktika, Studienprojekte oder war Werksstudentin bei MLP Finanzdienstleistungen, Unilever, BASF, Axel Springer, L´Oréal Polska oder Movento. Derzeit promoviert sie an der Johannes GutenbergUniversität im Fachbereich Marketing.

IHK-Preis 2017, dotiert mit 1.500 EUR
Preisträger: Marcel Hauck
Thema: „Vergleichende Analyse der Nutzung von Augmented und Virtual Reality in ausgewählten Wirtschaftsbranchen“. Bachelorarbeit im Studiengang „Medien, IT und Management“ der Hochschule Mainz. Betreuer: Prof. Dr. Sven Pagel, Note: 1,0.

Marcel Hauck vergleicht die Nutzung von Augmented Reality und Virtual Reality in der Automobilbranche sowie in der Bankenbranche. Die Untersuchung von über 200 Apps und Veröffentlichungen zeigt, dass bis auf eine Ausnahme jeder der 20 größten Automobilhersteller in Deutschland auf Augmented Reality und Virtual Reality entlang der Wertschöpfungskette sowie im Fahrzeug selbst zurückgreift. Durch den Vergleich mit der Bankenbranche wird aber auch klar, dass die beiden Technologien nur dann effizient einsetzbar sind, wenn das zu vermarktende Produkt materiell greifbar ist. Unternehmen mit immateriellen Gütern, wie es Finanzprodukte sind, sollten dennoch individuell prüfen, inwiefern ihre Dienstleistungen innerhalb von Augmented Reality- und Virtual Reality-Welten angeboten werden können, etwa als Virtual Reality-Payment.

Marcel Hauck (*1987) ist heute Online-Marketing-Manager und Mitarbeiter der Sparkasse RheinNahe.
Nach seiner Ausbildung zum Informatikkaufmann hat er 2016 den Bachelor of Science an der Hochschule Mainz erworben. Seit 2017 studiert er den Master of Science „Medieninformatik“ am Umwelt-Campus der Hochschule Trier in Birkenfeld. Außerdem ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Mainz. Nebenberuflich hat er von Juni 2012 bis November 2016 die Digitalagentur für Web und Marketing „stilbox studios“ geleitet.

IHK-Preis 2017, dotiert mit 750 EUR
Preisträger: Florian Mölleken
Thema: „Validierung von Filterkonfigurationen in Verbindung mit moderner Plasmatechnik zur
Optimierung des Abscheidegrades zur Geruchsminimierung von Küchenabluft“. Bachelorarbeit am
Fachbereich Umweltschutz der Technischen Hochschule Bingen. Betreuer: Prof. Dr. Ulrich Glinka, Note: 1,0.

Aufgrund der Verdichtung unserer Städte hat die wahrgenommene Belastung durch Gerüche in der Luft deutlich zugenommen. Unter anderem ist man darum bestrebt, Küchenabluft zu minimieren, seitdem immer mehr Restaurants in Shopping-Centern oder in direkter Nachbarschaft zu Anwohnern eröffnen. Florian Mölleken untersuchte in Zusammenarbeit mit dem nordrheinwestfälischen Unternehmen BÄRO, wie sich der Abscheidegrad von Küchenabluft optimieren lässt.
Dazu nahm er olfaktorische Messungen vor und stellte in weiteren Versuchen die Effizienz verschiedener Filterkonfigurationen auf den Prüfstand. Seine Messungen zeigen auf, dass Geruchsminimierung am besten durch eine geschickte Kombination unterschiedlicher Filterstufen und Verfahren erreicht werden kann, mit der die Geruchsemissionen von Brat- und Frittierprozessen unterhalb der Erkennungsschwelle gebracht werden können.

Florian Mölleken hat nach dem freiwilligen Ökologischen Jahr bei der Heinrich-Böll-Stiftung das Studium im Fachbereich Umweltschutz an der TH Bingen aufgenommen. Daneben engagierte er sich im Hochschulrat und war wissenschaftlicher Mitarbeiter und Tutor. Nach einem Praktikum im Umweltschutzamt der Landeshauptstadt Kiel absolvierte er Praxisphase und Bachelorarbeit bei der BÄRO GmbH & Co. KG und ist heute Jungbauleiter bei DIBAG Industriebau AG im Bereich Erschließung & Umwelt in München.

IHK-Preis 2017, dotiert mit 750 EUR
Preisträgerin: Sarah Wagner
Thema: „Risikodiversifikation in der Beschaffung, Entwicklung eines risikoeffizienten Lieferantenportfolios unter Anwendung von finanzmathematischen Verfahren“. Bachelorarbeit im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Studienrichtung Internationale Betriebswirtschaft und Außenwirtschaft, der Hochschule Worms. Betreuer: Prof. Dr. Henning Kehr, Note: 1,0.

Gerade in der Automobilindustrie waren in der jüngeren Vergangenheit immer wieder einzelne Lieferanten nicht mehr lieferfähig oder willens, zu liefern. Das führte zu Produktionsausfällen mit hohen Verlusten. Auch in der chemischen Industrie gab es Lieferantenausfälle, besonders nach Fukushima. Mithin hat die Bedeutung des Risikomanagements in einer globalisierten Welt deutlich zugenommen. Sarah Wagner zeigt auf, wie sich durch die Anwendung von finanzmathematischen Instrumenten effektiv sowohl Kosten als auch Risiken senken lassen. Hierzu zog sie die „Moderne Portfoliotheorie“ nach Harry M. Markowitz als Instrument heran und wandte sie auf Basis von Daten aus Experteninterviews praktisch an. In der Untersuchung wurde letztlich nicht nur die Rentabilität des Managements von Beschaffungsrisiken bewiesen, sondern sogar erweitert.

Sarah Wagner (*1991 in Worms), hat sich während des Bachelorstudiums als Praktikantin, Werksstudentin, Trainee und Bachelorandin Einblicke verschafft in die Praxis von Einkauf, Instandhaltung oder Wirtschaftsprüfung bei Grace in Worms, Deloitte in Luxemburg oder einer Firma in Austin/Texas. Heute ist die Preisträgerin, die drei Fremdsprachen verhandlungssicher spricht, Einkaufsmanagerin bei Spaniens größter Supermarktkette „Mercadona“ in Valencia.

Sonderpreis „Beste der Besten“, dotiert mit 2.500 EUR
In die Weiterbildungsprüfungen bei der IHK für Rheinhessen sind im vorigen Jahr 309 Absolventen gegangen. Das beste Gesamtergebnis mit der Note „sehr gut“ (93,6 Punkte) hat Alexa Groh in der IHK-Weiterbildungsprüfung „Geprüfte Personalfachkauffrau“ erzielt.

Die gebürtige Merzigerin hat das Studium der Pädagogik an der Universität Trier mit dem Diplom abgeschlossen und daneben Praktika geleistet unter anderem bei der Deutschen Angestellten
Akademie, der IHK Trier, dem Bildungswerk des Landessportbundes Rheinland-Pfalz oder der Europäischen Akademie für Bildung und Dienstleistungen. Nach einem Auslandsaufenthalt in Peru arbeitete sie bei einem Personalberatungsunternehmen in Düsseldorf, der Mainzer Aareon AG und ist seit Juli dieses Jahres beim japanischen Tabakkonzern JTI in Trier. Ebenso stringent wie ihre berufliche Karriere hat Alexa Groh ihre berufliche Weiterbildung vorangetrieben. Dazu gehören die IHK-Ausbildereignungsprüfung, die IHK-Prüfung zur Personalfachkauffrau und derzeit die
Ausbildung zum Coach in der Personalentwicklung an der Universität Trier.

Lammert kommt zum „Jahresempfang“ der rheinhessischen’Wirtschaft

Jahresempfang der Wirtschaft am 7.Februar 2017 in der Rheingoldhalle Mainz. Foto: Diether v. Goddenthow
Jahresempfang der Wirtschaft am 7.Februar 2017 in der Rheingoldhalle Mainz. Foto: Diether v. Goddenthow

Wie die IHK Rheinhessen mitteilt, wird der Bundestagspräsident a.D. Prof. Dr. Nobert Lammert Gastredner beim „Jahresempfang der Wirtschaft“ im kommenden Jahr sein.
„Mit dem langjährigen Bundestagspräsidenten begrüßen die veranstaltenden Kammern aus Rheinland-Pfalz einen Kenner und Gestalter der repräsentativen Demokratie zu einem Zeitpunkt, an dem diese Form der politischen Vertretung weltweit vor einer Bewährungsprobe steht.“, freut sich Günter Jertz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen. Der Empfang wird am Mittwoch, 7. Februar 2018, 18 Uhr, in der Mainzer Rheingoldhalle stattfinden.
Der „Jahresempfang der Wirtschaft“ ist die bundesweit größte Plattform zum Dialog zwischen Spitzenpolitikern aus Land, Bund und Europa sowie der regionalen Wirtschaft, dem Handwerk, den Freien Berufen und der Landwirtschaft. Seit dem ersten Empfang im Jahr 2000 ist der Kreis der Gastgeber kontinuierlich gewachsen. Mit der Landestierärztekammer Rheinland-Pfalz kommt 2018 die 14. Kammer hinzu.

Dr. Thomas Bellut: Die Rolle der Medien im Zeitalter von Fake News und Digitalisierung

Dr. Thomas Bellut, Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehen. Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Thomas Bellut, Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehen, rief unter anderem  zum kompromisslosen Kampf für die  Pressefreiheit in Europa  auf. Foto: Diether v. Goddenthow

Globalisierung, Digitalisierung, Fake News oder Big Data – das sind prägende Schlagworte unserer dynamischen Zeit, die der Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehen, Dr. Thomas Bellut, in seinem Vortrag am 20. Februar 2017 in der IHK Rheinhessen aufgegriffen hat.

Als Konsequenz dieser Phänomene gesellschaftlicher Veränderung verlieren etablierte Institutionen Vertrauen. Auch den klassischen Medien schlägt Misstrauen entgegen. Das ZDF und andere TV-Sender müssen sich als reichweitenstarke Leitmedien diesen Herausforderungen stellen, denn im Wahljahr ändern sich die Möglichkeiten zur Meinungsbildung.   Dr. Bellut bezog sich bei seinem spannenden Vortrag auf eine Diskussionsrunde in Berlin zum gleichen Thema am 19. Februar 2017 anlässlich des  4. ZDF-Empfangs „Medienpolitik@Berlinale“.

Der ZDF-Intendant, Dr. Thomas Bellut, Marietta Slomka, Moderatorin beim heute-journal, Mathias Döpfner ,Vorstandsvorsitzender von Axel Springer  und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, Prof. Simon Hegelich, Politikwissenschaftler und Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur für „Digitale Medien“ bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) diskutierten in Berlin über das Thema „Fake News und Social Bots – Meinungsbildung im Wahljahr 2017“.  Phoenix zeichnete die Veranstaltung auf:

„Götterdämmerung“ beim Jahresempfang der rheinland-pfälzischen Wirtschaft 2017

Gastgeber des Jahresempfangs der Wirtschaft 2017 in der Rheingoldhalle Mainz am 7.Februar waren: Industrie und Handelskammer Rheinhessen, Handwerkskammer Rheinhessen, Architektenkammer Rheinland-Pfalz Handwerkskammer Rheinhessen Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Rechtsanwaltskammer Koblenz, Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz, Wirtschaftsprüferkammer in Rheinland-Pfalz. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Gastgeber des Jahresempfangs der Wirtschaft 2017 in der Rheingoldhalle Mainz am 7.Februar waren: Industrie und Handelskammer Rheinhessen, Handwerkskammer Rheinhessen, Architektenkammer Rheinland-Pfalz, Handwerkskammer Rheinhessen, Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Rechtsanwaltskammer Koblenz, Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz,Wirtschaftsprüferkammer in Rheinland-Pfalz. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Auch beim diesjährigen Jahresempfang der rheinland-pfälzischen Wirtschaft am 7. Februar 2017 in der Rheingold-Halle zu Mainz gab die Publikumskulisse von mehreren tausend mittelständischen Unternehmen der 13 gastgebenden Institutionen wieder ein eindrucksvolles Bild international ausgerichteter, prosperierender Wirtschaftskultur.

Retrospektiv und prospektiv gibt es viel Positives über die – vor allen vom Export geprägte – Wirtschaftsentwicklung zu berichten. Die Auftragsbücher seien (noch) gut gefüllt. Nie ging und geht es der Region wirtschaftlich so gut wie heute, wenn auch die Lage in einzelnen Branchen unterschiedlich zu bewerten sei. Selbst die große Herausforderung der Flüchtlingsunterbringung habe in einigen Branchen für steigende Umsatzzahlen und somit für einen zusätzlichen Wachstumsschub gesorgt. Doch trotz aller  Zuversicht und guten Gründe zum Feiern, gibt es auch Wermutstropfen und zahlreiche Sorgen, insbesondere im Hinblick auf die extrem lockere Geldpolitik der EZB und in Anbetracht von  Brexit, Trump, Infrastrukturdefiziten, demografischem Wandel und, wie ein Gast sagte, einem Götterdämmerung ähnlichen, erstarkenden Populismus, inbesondere mit Blick auf US-Amerika.

Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen , begrüßte die Gäste im Namen aller gastgebenden Institutionen. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen , begrüßte die Gäste im Namen aller gastgebenden Institutionen. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

„Das Jahr 2017 ist wieder eines, das viele Veränderungen bringen wird (…) zumindest die absehbaren Veränderungen bergen eine große Gefahr, dass es sich nicht zum Besseren entwickelt.“ warnte Hans-Jörg Friese, Präsident der Handwerkskammer Rheinhessen, bei seiner Eröffnungsrede im Namen von  IHK, der Freien Berufe und seiner Kammer. Laut Ankündigung des neuen US Präsidenten, würden sich wohl die USA von vielen etablierten Verfahrensabläufen der internationalen Politik verabschieden. Und es wäre noch nicht absehbar, was“ dies für den weltweiten Klimaschutz, die internationale Zusammenarbeit und auch für die Weltwirtschaft bedeutet“, so Friese. Als weitere Sorgenknackpunkte mahnte der Handwerkspräsident intakte Verkehrswege an. Das Verkehswegenetz sei in desolatem Zustand, wobei entsprechende Investitionen nicht an der mittelständischen Bauwirtschaft vorbeifließend dürften. Deutschland brauche endlich auch ein Glasfasernetz, ansonsten verlöre die Wirtschaft – im wahrsten Wortsinne – den Anschluss an die europäischen und weltweit agierenden Spitzenländer.

Sorgen bereite der Wirtschaft auch die demografische Entwicklung. Das Erwerbspersonenpotenzial sinke, so der HWK-Präsident, während die Ausgaben der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung weiter wüchsen. Daher sei kein Spielraum für weitere Leistungsausweitungen gegeben. Es gelte stattdessen, die Sozialversicherungsbeiträge bei unter 40 Prozent zu halten und bei Reformen sich am Grundsatz der Beitragssatzstabilität zu orientieren.

Friese warnte zudem, die Europäische Währungsunion zu einer Haftungs- und Transferunion werden zu lassen und teilte einer Vergemeinschaftung der Einlagensicherung oder der Schaffung einer europäischen Arbeitslosenversicherung eine klare Absage. Denn Handlung und Haftung gehörten zusammen: Hierzu müsse ein Insolvenzmechanismus für Staaten entwickelt werden, so Friese.

Die vollständige Rede von Hans-Jörg Friese

Dr.Andrea Benecke, der Vizepräsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Dr.Andrea Benecke, der Vizepräsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Dr. Andrea Benecke, Vizepräsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz, ging nach ihrem Dank, im Namen der 13 Veranstalter des Jahresempfangs sprechen zu dürfen, in ihren Grußwort auf die Bedeutung der Arbeit der rund 1800 von ihrer Kammer vertretenden approbierten Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ein: „Wir werden vor allem dann gebraucht, wenn es im Leben mal nicht so rund läuft, wenn chronische Überlastung depressiv macht, wenn Menschen sich aufgrund des Verlustes ihres Arbeitsplatzes wertlos fühlen oder wenn schwere Traumata bewältigt werden müssen – um nur einige Beispiele zu nennen.“ Eine starke Gesellschaft ließe auch Menschen, die zeitweise schwach seien, nicht fallen, so Dr. Benecke weiter. In einer starken Gesellschaft müssten Menschen eine psychische Erkrankung vor ihrem Arbeitgeber nicht verheimlichen, sie könnten offen darüber mit ihren Kollegen und mit ihrem Chef sprechen. Eine starke Gesellschaft unterstütze, wo es dringend notwendig sei und ziehe sich dann wieder zurück, wenn die Hilfe nicht mehr gebraucht würde, sagte Dr. Benecke.

Besorgt äußerte sich die Vizepräsidentin jedoch über die niedrigzins bedingte schwierige Lange der berufsständischen Versorgungswerke. Diese gehörten neben der Beamtenversorgung und gesetzlichen Rentenversicherung zur ersten Säule der Altersabsicherung von Freiberuflern in einem kammerfähigen Beruf wie: Ärzte, Rechtsanwälte, Psychotherapeuten, Apotheker, Ingenieure, Architekten u. Steuerberater. Die Versorgungswerke der genannten Freiberufler-Gruppen funktionierten nach dem Kapitalbildungsprinzip: Jeden Monat würde ein einkommensabhängiger Betrag an das Versorgungswerk gezahlt. Dieses Geld werde fest angelegt und nach Eintritt in den Ruhestand samt Zinsen zurückgezahlt. Der Rechnungszins bezeichnete dabei den Ertrag, der aus dem bereits angesammelten Vermögen, aus den zukünftigen Beiträgen und den wiederangelegten Vermögenserträgen nachhaltig erwirtschaftet werden müsse, um die Alters-, Hinterbliebenen- und Berufsunfähigkeitsrenten erfüllen zu können. Der garantierte Rechnungszins lag in den letzten Jahren bei vielen Versorgungswerken zwischen 3,5 und 4 %. Doch die Auswirkungen der Finanzkrise und das Niedrigzinsumfeld stellten die Versorgungswerke vor große Herausforderungen. Immer mehr Versorgungswerke könnten ihr selbst gesetztes Zins-Ziel nicht halten. Das könne gravierende Folgen haben: Die Landesärztekammer und die Rechtsanwaltskammer für den OLG-Bezirk Koblenz wiesen deswegen mit Sorge bereits darauf hin, dass Versorgungseinrichtungen künftig nur mit höheren Risiken eine auskömmliche Rendite im Bereich des Rechnungszinses erreichen könnten, so Dr. Benecke.

Eine weitere Sorge neben den Folgen des anhaltenden Niedrigzinsniveaus für die Mitglieder der Versorgungswerk sei, dass einige Kammern um ihre Selbstverwaltung und Freiberuflichkeit fürchteten, wobei sie auf eine Urteil des Europäischen Gerichtshofes hinwies, welches ausländische Arzneimittelversender von der Preisbindung auf Medikamente befreite und für die örtlichen Apotheken existenzgefährdend sei.

Aber nicht nur  im Bereich der Finanzen, Stichwort Negativzinsen, scheine die Welt Kopf Kopf zu stehen. Auch in vielen anderen Bereichen, sei das, was uns über viele Jahre verlässlich schien, nun nicht mehr so. Die Weltordnung sei aus den Fugen und viele Menschen häben Angst vor der Unsicherheit, die eine zusammenwachsende Welt mit sich bringe. „Um Angst zu reduzieren“, so Dr. Benecke, „wäre es wichtig, dass man sich zumindest auf Tatsachen und Fakten noch verlassen kann – aber auch diese sind ist nicht mehr eindeutig. Da gibt es Politiker, die postfaktisch die jeweilige Gefühlslage als Wahrheit verkaufen und andere, die flugs sogenannte alternative Fakten in die Welt setzen. Dabei gibt es dafür ein klares deutsches Wort: Lügen. Was kann noch geglaubt werden? Mein Appell an uns alle lautet: Mühen wir uns um die Wahrheit, gerade wenn sie kompliziert ist. Sagen wir sie laut und werden wir dabei nicht müde. So kann man Unsicherheit begegnen.“, empfahl die Psychologische Psychotherapeutin abschließend.

Die vollständige Rede von Dr. Andrea Benecke

Bundesbank-Präsident Dr. Jens Weidmann, Hauptredners des Abends, erteilt der Niedrigzinspolitik der EZB eine klare Absage. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Bundesbank-Präsident Dr. Jens Weidmann, Hauptredners des Abends, erteilt der Niedrigzinspolitik der EZB eine klare Absage. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Bereits zu Beginn ließ der Hauptredner des Abends Dr. Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, keinen Zweifel daran, den Anwesenden  nicht  ihre Zukunftsungewissheit ein wenig nehmen zu können. Im Gegenteil: Mervyn King, den früheren Gouverneur der Bank of England, zitierend, stellte Weidmann fest, dass nur wenige Menschen tapferer seien als jene, die sich die Rede eines Notenbankers anhörten. Umso mehr freue er sich, dass es in Mainz und Umgebung so viele tapfere Seelen gäbe. Starke Nerven waren denn auch beim mittelfristigen Ausblick des Bundesbankpräsidenten auf die wirtschaftlichen Entwicklungen Deutschlands gefragt. Nach Darlegung des bislang soliden Aufschwungs, der wachsenden Exporte und  der hohen Exportüberschüsse usw. entwarf Weidmann angesichts des bevorstehenden harten Brexits mit noch nicht absehbaren Folgen, die unsichere Lage in den USA und der unverantwortlichen extremen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, ein gar nicht so rosiges Zukunfts-Szenario.

Wörtlich sagte der Bundesbanker: „Bei allem Konjunkturoptimismus sollte nämlich eines nicht vergessen werden: So rosig sind die langfristigen Wirtschaftsaussichten für Deutschland nicht, Deutschland bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Einer Langzeitvorausschätzung der OECD zufolge wächst bis zum Jahr 2060 kein bedeutendes Industrieland so langsam wie Deutschland.
Das liegt nicht zuletzt am demografischen Wandel. Der trifft Deutschland besonders hart. Bereits heute erreichen jedes Jahr 200.000 mehr Erwerbstätige das Rentenalter als Junge in den Arbeitsmarkt eintreten.
Wenn auch der starke Zustrom von Flüchtlingen den Arbeitsmarkt momentan von den Auswirkungen der Demografie abschirmt, wird sich der negative Einfluss des demographischen Wandels in Zukunft noch verstärken. Der altersbedingte Rückgang der Erwerbspersonen kann nur kompensiert werden, wenn mehr Menschen eine Beschäftigung aufnehmen und wir bei steigender Lebenserwartung auch länger arbeiten.
Doch selbst pro Kopf gerechnet wachsen die meisten OECD-Länder und Schwellenländer schneller als Deutschland. Die Politik ist also in der Verantwortung, durch die richtigen Weichenstellungen in der Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik für ein höheres, nachhaltiges Wachstum zu sorgen.
Neben dem demografischen Wandel, der Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt und dem schwachen Wachstumstrend stehen wir jedoch noch vor weiteren wirtschaftspolitischen Herausforderungen. Hier denke ich insbesondere an die Digitalisierung, die ganze Branchen umwälzen wird, und die Energiewende, deren Ausgestaltung darüber bestimmt, ob Energie bezahlbar bleibt.“

Die vollständige Rede von Dr. Jens Weidmann

"Losin' Groove, der Big Band des Stefan-George-Gymnasiums Bingen, Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
„Losin‘ Groove, der Big Band des Stefan-George-Gymnasiums Bingen, Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Nach einer kleinen musikalischen Erfrischung durch „Losin‘ Groove, der Big Band des Stefan-George-Gymnasiums Bingen, sprach der Präsident der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen, Engelbert Günster in seinem Schlusswort zur „Wettbewerbsfähigkeit durch Strukturreformen sichern“.

Engelbert Günster, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen übte in seinem Schlusswort ebenfalls heftige Kritik an der Politik des lockeren Geldes der EZB. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Engelbert Günster, Präsident der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen übte in seinem Schlusswort ebenfalls heftige Kritik an der Politik des lockeren Geldes der EZB. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

In eine ähnliche Kerbe verfehlter, lockerer Geldpolitik der EZB, die ja nicht zu mehr Kreditvergaben und Investitionen er Unternehmen, sondern nur zur Pflege der Staatshaushalte führte, stieß auch Dr. Engelbert J. Günster, Präsident der IHK für Rheinhessen, in seinem Schlusswort: Unter anderem sagte der Präsident: „Unlängst weist auch der IWF in seinem Bericht darauf hin, dass eine kurzfristige Stimulierung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage – sprich: durch billiges Geld – in Deutschland nicht nötig ist. Gefordert sei stattdessen eine Politik, die dazu beitrage, langfristig die Produktionskapazität und -effizienz durch Investitionen in Infrastruktur und in die Ausbildung der Beschäftigten sowie durch eine gerechte Steuerreform zu erhöhen. Sorge bereitet in diesem Kontext die Tatsache, dass die Steuerquote auf neue Rekordwerte klettert und damit natürlich die Belastung der Bürger erheblich steigt. Wenn in Zeiten niedriger Zinsen und sprudelnder Steuereinnahmen eine Entlastung nicht möglich ist, wann dann? Nur wenn die Politik substanzielle Strukturreformen auf den Weg bringt, kann die Wirtschaft dazu beitragen, die Phase niedriger Zinsen und Renditen zu überwinden und die Länder auf einen stabilen Wachstumspfad zurückzuführen. Dann kommt die Investitionsdynamik in Gang, so dass sich die Finanzmärkte aufgrund solider Ertragslagen und unternehmerischer Investitionen von selbst stabilisieren. Das haben auch Sie, Herr Dr. Weidmann, anschaulich erläutert. Dafür danken wir RheinlandPfälzer Ihnen und möchten Sie heute Abend mit dem Eindruck zurück in die Rhein-Main-Metropole verabschieden, dass Rheinland-Pfalz nicht nur geografisch im Herzen Europas ruht. Hier schlägt das Herz unserer Wirtschaft europäisch und global, und die Industrie, der Mittelstand und die Freien Berufe haben die Zukunft fest im Blick. Die rheinland-pfälzische Wirtschaft ist robust unterwegs, gerne sage ich das auch in Anwesenheit des Stellvertretenden Ministerpräsidenten und der Landespolitiker(inn)en. Doch wir brauchen gerade jetzt den vertrauensvollen Schulterschluss, um gemeinsam an der Stärkung unseres Landes und einer positiven Investitionsdynamik zu Medieninformation „Wettbewerbsfähigkeit durch Strukturreformen sichern“

Die vollständige Rede von Dr. J. Engelbert Günster

Während im Saal noch die letzten Statements abgegeben wurde, netzwerkten zahlreiche Gäste bereits eifrig in der großen Lobby. Hier zeigten auch zahlreiche Firmen ihre Leistungsspektrum. Foto: Diether v. Goddenthow  © atelier-goddenthow
Noch während im Saal  die letzten Statements liefen, netzwerkten zahlreiche Gäste bereits eifrig in der großen Lobby. Hier zeigten auch zahlreiche Firmen ihr Leistungsspektrum. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

(Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst)