Kategorie-Archiv: Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Hessischer Denkmalschutzpreis im Gesamtwert von 27 000 Euro ehrt leidenschaftlichen Einsatz für kulturelles Erbe

1. Platz Kategorie: Private Eigentümer Haus Lamberti, 65399 Kiedrich. Votum der Jury: Ein fast schon verlorenes Kulturdenkmal im Ortskern von Kiedrich konnte gerettet und durch eine adäquate Nutzung wieder in das Alltagsleben integriert werden. Die Jury lobte das hohe Engagement, die Risikobereitschaft, die Fachkenntnis und die Liebe zum Detail in allen ausgeführten Arbeiten.
1. Platz Kategorie: Private Eigentümer
Haus Lamberti, 65399 Kiedrich. Votum der Jury: Ein fast schon verlorenes Kulturdenkmal im Ortskern von Kiedrich konnte gerettet und durch eine adäquate Nutzung wieder in das Alltagsleben integriert werden. Die Jury lobte das hohe Engagement, die Risikobereitschaft, die Fachkenntnis und die Liebe zum Detail in allen ausgeführten Arbeiten.

Wiesbaden. Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn hat heute den Hessischen Denkmalschutzpreis 2020 überreicht. Die Auszeichnung ehrt Privatpersonen und Organisationen, die eine Leidenschaft teilen: Sie haben mit individuellen Lösungen, handwerklich-technischem Geschick und besonderem Einsatz Denkmäler restauriert oder erforscht. Die Preisträgerinnen und Preisträger kommen aus Kiedrich (Rheingau-Taunus-Kreis), Wiesbaden, Fulda, Darmstadt, Marburg, Lich (Landkreis Gießen), Frankfurt, Gießen, Weilmünster-Langenbach (Landkreis Limburg-Weilburg) und Limeshain (Wetteraukreis). Zudem hat die Hessische Staatskanzlei den Ehrenamtspreis verliehen.

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn: „Um Baudenkmäler zu erhalten und zu pflegen, braucht es Menschen, die alten Gemäuern mit viel Leidenschaft und Einsatz wieder Leben einhauchen. Das haben die Preisträgerinnen und Preisträger des Hessischen Denkmalschutzpreises vollbracht – und dafür danke ich Ihnen herzlich! All die wunderbaren Beispiele heute machen deutlich, dass privates Denkmalengagement einen zentralen Beitrag dazu leistet, das heimische Kulturerbe lebendig und authentisch zu erhalten. Denkmalpflege ist außerdem gelebte Nachhaltigkeit. Mit jedem Stein, jedem Balken, jeder Wand, die erhalten werden, werden vorhandene Ressourcen geschont. Damit bewahren sie nicht nur Vergangenes, sondern schaffen auch Zukunft. Ich gratuliere zur Auszeichnung und wünsche allen Preisträgerinnen und Preisträgern viel Freude und Schaffenskraft für neue Projekte!“

Der Hessische Denkmalschutzpreis ist mit 20.000 Euro dotiert. Das Geld stiftet die Lotto Hessen GmbH, die den Preis mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Hessen im Jahr 1986 ins Leben gerufen hat. Hinzu kommt als eigene Kategorie des Hessischen Denkmalschutzpreises der Ehrenamtspreis. Das Preisgeld in Höhe von 7.500 Euro stellt die Hessische Staatskanzlei.

Der erste Preis für eine Privatperson wird 2020 an Dieter Wölfel verliehen. Der Architekt und Zimmermann aus Kiedrich restaurierte ein Patrizierhaus aus dem Jahr 1560. Heute prägt das Haus Lamberti mit seinem Schmuckfachwerk, der ursprünglichen Farbgebung und Fensteranordnung den Ortskern von Kiedrich. Der zweite Preis wurde zweimal vergeben: Gudrun und Andreas Friesenhahn aus Delkenheim haben einem der ältesten Fachwerkhäuser Wiesbadens neues Leben eingehaucht. Historische Zeugnisse wie Deckenmalereien blieben erhalten, gleichzeitig kombinierten sie das Haus aus dem Jahr 1575 mit einem modernen Anbau. Gerd und Kerstin Hausner bauten eine ehemalige Wachswarenfabrik in Fulda behutsam und kenntnisreich zu einem Wohnhaus mit Industriecharme um.

Der erste Preis unter den öffentlichen Preisträgern geht an die bauverein AG für die vorbildliche Sanierung der Gesamtanlage Rhönring/Spessartring in Darmstadt, einem Wohnprojekt aus den 1920er Jahren. Die Philipps-Universität Marburg hat ihr fast 100 Jahre altes Kunstgebäude behutsam saniert und bekommt dafür den zweiten Preis. Den dritten Preis teilen sich zwei Bewerber: Die Stadt Lich bekommt die Auszeichnung für die Wiederbelebung der Oberbessinger Pforte, eines historischen Torhauses. Die ABG Frankfurt Holding wird für die Restaurierung des Cantate-Saals ausgezeichnet, der an das ehemalige Buchhändlerhaus erinnert.

Der von der Hessischen Staatskanzlei gestiftete Ehrenamtspreis geht an drei Gewinnerinnen und Gewinner und ist mit je 2.500 Euro dotiert. Markus Lang, Ortsvorsteher von Weilmünster-Langenbach, hat gemeinsam mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern die alte Viehwaage des Ortes restauriert. Dr. Bernhard Höpfner hat einen Förderverein zum Erhalt des Gießener Bismarckturms gegründet: Der Turm war wegen Bau- und Vandalismusschäden mehr als 40 Jahre lang gesperrt. Christina und Ernst Grabsch schließlich werden für ihr Lebenswerk ausgezeichnet: Seit 24 Jahren ist das Ehepaar ehrenamtlich in der archäologischen Denkmalpflege des Wetteraukreises tätig.

„Es ist uns als Hessische Landesregierung ein Herzensanliegen, das historische Erbe zu schützen und zu bewahren. Unsere Denkmäler sind ein Stück Heimat und sie gehören zur Identität unseres Landes. Eine große Unterstützung sind dabei engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich und mit großer Leidenschaft für die Denkmalpflege einsetzen. Drei Preisträger ehren wir heute und sprechen ihnen damit unseren Dank und Anerkennung aus. Ihr Engagement ist unbezahlbar und wir erleben immer wieder: Auch in schwierigen Zeiten können wir aufs Ehrenamt setzen“, betonte der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer.

„Die Verleihung des Hessischen Denkmalschutzpreises ist ein Höhepunkt im Jahresablauf. Wir waren bei allen Preisträgern vor Ort, um uns ein Bild der geleisteten Arbeiten zu machen und mit den Eigentümern ins Gespräch zu kommen: es wurde Vorbildliches geleistet. In allen Fällen reicht die Sorgfalt und die Liebe zum Detail weit über das von uns geforderte Maß hinaus“ so Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. „Ausgezeichnet werden Menschen, die sich aus Leidenschaft engagieren und sich tief mit der Geschichte des Gebäudes, der Straße und des Ortes verbinden. Sie alle wollen Bestehendes behutsam weiterentwickeln und Ressourcen schonen, denn Denkmalpflege ist ein schon immer sehr selbstverständlich geleisteter Beitrag zum Klimaschutz und zur Bewahrung unserer Ortsbilder und Kulturlandschaften.“

Dr. Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer LOTTO Hessen GmbH, ergänzte: „Mit den Erträgen aus unseren Lotterien fördern wir seit mehr als 70 Jahren das Gemeinwesen. Insofern haben wir 1986 mit der Einführung der Rubbellose beschlossen, gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege den Hessische Denkmalschutzpreis ins Leben zu rufen, den wir in diesem Jahr bereits zum 35. Mal verleihen. 258 Preisträger konnten wir inzwischen auszeichnen, die Vorbildliches für das kulturelle Erbe in Hessen geleistet haben – und so auch andere dazu motivieren, weitere Denkmäler zu sichern. Und das ist für uns alle ein Gewinn.“

Alle Preisträger im Überblick

Freie Kunstschaffende ohne Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse können nun auch Stipendien beantragen

Kunstministerin Angela Dorn: Programm „Hessen kulturell neu eröffnen“ erfolgreich – Arbeitsstipendien erweitert Freie Kunstschaffende können nun auch ohne Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse Stipendien beantragen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Kunstministerin Angela Dorn: Programm „Hessen kulturell neu eröffnen“ erfolgreich – Arbeitsstipendien erweitert
Freie Kunstschaffende können nun auch ohne Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse Stipendien beantragen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Wiesbaden. Die hessischen Arbeitsstipendien zur Unterstützung von Künstlerinnen und Künstlern in der Corona-Pandemie kommen gut an: Mehr als 2.600 dieser Stipendien in Höhe von 2.000 Euro wurden bisher bewilligt. „Wir haben sehr positive Rückmeldungen zu diesem und den weiteren Bestandteilen unseres Programms ,Hessen kulturell neu eröffnen‘ mit einem Gesamtvolumen von rund 50 Millionen Euro erhalten“, erklärt Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Oft gelobt wird dabei die umfangreiche und praxisnahe Beratung durch die Hessische Kulturstiftung – dafür möchte ich mich beim Team der Stiftung herzlich bedanken.“

„Eine Anregung, die uns aus der Kulturbranche erreicht hat, können wir jetzt dank ausreichend bereitgestellter Mittel aufgreifen. Wir erweitern den Kreis der Antragsberechtigten: Zusätzlich zu allen in der Künstlersozialkasse (KSK) Versicherten mit Erstwohnsitz in Hessen können nun auch nicht in der KSK versicherte freiberuflich tätige Künstlerinnen und Künstler ein Arbeitsstipendium beantragen, wenn sie in den Jahren 2018 und 2019 jeweils mehr als 3.900 Euro Einkünfte aus einer künstlerischen Tätigkeit erzielt haben“, erläutert Kunstministerin Dorn.

Antragstellerinnen und Antragsteller, die nicht in der KSK versichert sind, können ihre Tätigkeit über Aufstellungen ihrer Kunstprojekte in den vergangenen drei Jahren, Auszeichnungen sowie Mitgliedschaften in einschlägigen Berufsverbänden, Verwertungsgesellschaften und bei professionellen Vermittlungsagenturen belegen. Außerdem gehören eine kurze Projektskizze und ein Nachweis über den Erstwohnsitz in Hessen zum Antrag, der noch bis zum 15. September 2020 bei der Hessischen Kulturstiftung gestellt werden kann. In den kommenden Tagen wird das Bewerbungsportal der Hessischen Kulturstiftung für die neuen Anträge umgerüstet.

„Ich freue mich, dass wir die positive, kreative Dynamik, die sich bislang in den Projekten unserer Stipendiaten gezeigt hat, jetzt für alle Kulturschaffenden durch Arbeitsstipendien fördern können“, sagt Jutta Ebeling, Vorstandsvorsitzende der Hessischen Kulturstiftung. „Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler erschaffen und bespielen immer neue Kulturräume, unterhalten oder bringen uns zum Nachdenken. Das müssen wir honorieren.“

Noch bis zum 30. August 2020 können zudem Einzelkünstlerinnen und -künstler sowie freie Gruppen, Kulturvereine und -unternehmen Projektstipendien beantragen, mit denen sie den Übergang hin zur Entwicklung neuer Formate meistern. Insgesamt stehen Mittel für 1.000 Einzelkünstlerinnen und -künstler in Höhe von bis zu 5.000 Euro und für 250 Gruppen in Höhe von bis zu 18.000 Euro bereit. Das Programm richtet sich an bildende oder darstellende Künstlerinnen und Künstler, Film- und Musikschaffende, Autorinnen und Autoren, aber auch zum Beispiel an Menschen, die Kultur vermitteln.

Informationen zu allen Bestandteilen des Kulturpakets und zum Antragsverfahren für Arbeits- und Projektstipendien: www.hmwk.hessen.de/kulturpaket

Robert-Gernhardt-Preis 2020 in Wiesbaden verliehen

Das von der WIBank gestiftete Preisgeld in Höhe von 36.000 Euro teilen sich die Preisträgerin und die beiden Preisträger. Die Vergabe an drei Personen ist möglich, weil 2019 nur eine Autorin ausgezeichnet wurde.Bild vli. Dr. Michael Reckhard, Mitglied der Geschäftsleitung der WIBank, Autorin und Preisträgerin Fatma Bahar Aydemir und Kultur- und Kunstministerin Angela Dorn bei der Preisübergabe am 12.08.2020  in der Schalterhalle des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden. Wegen Corona hatten die Preisträger Thomas Hettche und Sven Amtsberg ihre Teilnahme abgesagt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Das von der WIBank gestiftete Preisgeld in Höhe von 36.000 Euro teilen sich die Preisträgerin und die beiden Preisträger. Die Vergabe an drei Personen ist möglich, weil 2019 nur eine Autorin ausgezeichnet wurde.Bild vli. Dr. Michael Reckhard, Mitglied der Geschäftsleitung der WIBank, Autorin und Preisträgerin Fatma Bahar Aydemir und Kultur- und Kunstministerin Angela Dorn bei der Preisübergabe am 12.08.2020  in der Schalterhalle des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden. Wegen Corona hatten die Preisträger Thomas Hettche und Sven Amtsberg ihre Teilnahme abgesagt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die traditionelle Feierstunde musste bereits bei Bekanntgabe der Gewinner Anfang Juli wegen Corona abgesagt werden. Doch ganz sang- und klanglos wollte man die Preisübergabe nun doch nicht untergehen lassen. Also hatte das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst am 13. August 2020 zu einem Fototermin in seine Schalterhalle nach Wiesbaden eingeladen, bei dem Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn den Preisträgern des Robert-Gernhardt-Preises 2020 die Urkunden überreichte. Das gestaltete sich jedoch  auch ein wenig schwierig, da zwei der drei Preisträger, Thomas Hettche und Sven Amtsberg,  die Minifeierstunde   Corona absagen mussten. So konnte Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn, die auf die besonderen Zeiten und die coronabedingte große Not der gesamten Kulturszene hinwies,  physisch nur einmal die Preisurkunde aushändigen an Fatma Bahar Aydemir.

Per Video zugeschaltet war Sven Amtsberg, der über Livestream den einführenden Worten von Angela Dorn und Dr. Michael Reckhard, Mitglied der Geschäftsleitung der WIBank sowie der Laudatio des Juryvorsitzenden und Literaturkritikers Dr. Christian Metz folgen konnte.

Laudator und Juryvorsitzender Dr. Christian Metz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Laudator und Juryvorsitzender Dr. Christian Metz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Metz lobte die drei Autoren als Meistermacher des unheimlichen Reisens, des lohnenden Reisens, ganz im Geiste Robert Gernhardts.

Thomas Hettche erzähle in seinem Romanprojekt „Im Arvenschatten“ die Reiseform von Rückkehr, eine Fluchtgeschichte, bei der das Unheimliche darin bestünde, dass der vermeintliche Schritt in die Sicherheit immer schon auch ein Schritt in Panikräume sei.

Bei Sven Amtsberg Romanprojekt „Rakete Schmidt“ liege der Aspekt des Unheimlichen auf den Wegen zwischen den Hotels und Raststätten. Er erzählt davon, wie ein Vater und sein Sohn auf einer gemeinsamen Reise verzweifelt versuchen, einander endlich nahezukommen. Besonders originell sei ihm in seiner klaustrophobischen Erzählweise die absurde Romanfigur Ulf gelungen, einem Stimmungssänger auf Mallorca, der auf der Sonneninsel nebenbei ein Solarium betreibt.

Preisträgerin Fatma Bahar Aydemir. © Foto: Diether v. Goddenthow
Preisträgerin Fatma Bahar Aydemir. © Foto: Diether v. Goddenthow

Fatma Bahar Aydemir sei es in ihrem Romanprojekt „Dschinns“ gelungen, die menschliche Lebensweise als Umweg am Beispiel der Lebensgeschichten von Hüseyin und seiner Familie aufzuzeigen. Hüseyins Traum ist es, irgendwann im Leben einmal in Istanbul in Freiheit und in einer Eigentumswohnung leben zu können, weswegen er, aus der Nordtürkei stammend, den „unheimlichen“ Umweg als Gastarbeiter in Deutschland nimmt, um sich nach 30 Jahren den „Traum“ in Istambul erfüllen zu können, doch da kommt es dann alles anders.

Um den Robert Gernhardt Preis 2020 konnten sich Autorinnen und Autoren bewerben, die aktuell an einem größeren literarischen Projekt arbeiten und einen Bezug zu Hessen im Lebenslauf oder im geplanten literarischen Projekt aufweisen.

Dr. Michael Reckhard, Mitglied der Geschäftsleitung der WIBank, versprach im nächsten Jahr zum Robert-Gernhardt-Preis 2021 bei einer hoffentlich dann wieder möglichen Feier im üblichen Rahmen einen „überbordenden“ Büchertisch mit den jeweils vollendeten Roman-Projekten der Gernhardt-Preisträger 2019 und 2020 anbieten zu wollen.

Weitere Informationen zum Robert-Gernhardt-Preis 2020

Robert Gernhardt Preis 2020 an Fatma Aydemir, Sven Amtstberg und Thomas Hettche

Wie das Hessische Ministeriums für Wissenschaft und Kunst mitteilt, erhalten Fatma Bahar Aydemir, Thomas Hettche und Sven Amtsberg gemeinsam den vom Land Hessen und der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) ausgelobten Robert Gernhardt Preis 2020 für ihre Romanprojekte. Diese Entscheidung der Jury hat Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn heute bekannt gegeben. Das von der WIBank gestiftete Preisgeld in Höhe von 36.000 Euro teilen sich die Preisträgerin und die beiden Preisträger. Die Vergabe an drei Personen ist möglich, weil 2019 nur eine Autorin ausgezeichnet wurde.

„Ich gratuliere allen drei Ausgezeichneten ganz herzlich zum Robert Gernhardt Preis 2020 und wünsche ihnen, dass die Auszeichnung hilft, gerade in der aktuell schwierigen Zeit die im Entstehen begriffenen Romane vollenden zu können“, erklärt Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Auf die Ergebnisse bin ich sehr gespannt. Die Sujets der Romanprojekte von den Lebensgeschichten einer Familie so genannter Gastarbeiter über eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung bis zur Rückkehr eines Schweizers in sein Heimatdorf eint bei aller Vielfalt die Beschäftigung mit Biografien und ihren Brüchen. Ich danke der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen dafür, dass sie der Empfehlung der Jury folgt und Preisgeld für drei Auszeichnungen bereitstellt.“

„Wir leben in bewegten Zeiten, die auch und gerade Künstlerinnen und Künstler vor immense Herausforderungen stellen. Die Verleihung des diesjährigen Robert Gernhardt-Preises ist auch ein Zeichen für Kontinuität in der Krise. Wir freuen uns deshalb sehr, die Autorinnen und Autoren in ihrem Schaffensprozess weiterhin finanziell unterstützen zu können“, sagt Dr. Michael Reckhard, Mitglied der WIBank-Geschäftsleitung.

Fatma Bahar Aydemir erhält die Auszeichnung für ihr Romanprojekt „Dschinns“. Es widmet sich in sechs Kapiteln den Lebensgeschichten von Hüseyin und seiner Familie. Hüseyin war in den 1970er-Jahren als so genannter Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Die Jury überzeugte, wie Fatma Aydemir „auf ergreifende und literarisch gekonnte Weise den Tod von Hüseyin beschreibt. Die Biografien, die Fatma Aydemir rekonstruiert, stehen paradigmatisch für mehrere Generationen migrantischer Erfahrungen. Und sie erzählen aus dem Land, in dem wir alle leben“.

Sven Amtsberg erhält den Preis für sein Romanprojekt „Rakete Schmidt“. Es erzählt davon, wie ein Vater und sein Sohn auf einer gemeinsamen Reise verzweifelt versuchen, einander endlich nahezukommen. Sven Amtsberg beeindruckte die Jury „durch seine Sprache, die auf dem schmalen Grat zwischen rasanter Komik und dahinter spürbarem Ernst balanciert. Dass hinter der angeblichen Krankheit des Vaters ein Geheimnis lauert, ist zu vermuten. Auf die Auflösung der Geschichte darf man mit Spannung warten“.

Thomas Hettche wird für sein Romanprojekt „Im Arvenschatten“ ausgezeichnet. Es ist die Geschichte einer Flucht: Ein Mann kommt zurück in ein Dorf in der Schweiz, mit dem seine Kindheitserinnerungen verbunden sind. Er überprüft, was seine Existenz ausmacht: Trost, brüchige Heimat, scheinbar festgefügte Gewissheiten. Die Jury war fasziniert, „wie sich in einer atmosphärisch ungemein fesselnden, bildreichen Sprache Topografie und Bewusstsein zu einem Szenario, in dem das Katastrophische ebenso mitschwingt wie das Schöne, verdichten.“

Um den Robert Gernhardt Preis 2020 konnten sich Autorinnen und Autoren bewerben, die aktuell an einem größeren literarischen Projekt arbeiten und einen Bezug zu Hessen im Lebenslauf oder im geplanten literarischen Projekt aufweisen.

Nähere Informationen finden Sie unter www.kunst.hessen.de/robert-gernhardt-preis sowie www.robert-gernhardt-preis.de

ITI-Festival THEATER DER WELT 2023 nach Offenbach und Frankfurt vergeben

Auf einer heutigen Pressekonferenz im Museum Angewandte Kunst (MAK) Frankfurt mit ITI-Präsident Joachim Lux, der Hessischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, der Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt, Dr. Ina Hartwig, Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke, Offenbach am Main sowie Matthias Pees, MAK-Direktor Professor Matthias Wagner K und Frankfurter Schauspiel-Direktor Anselm Weber wurde bekannt gegeben, dass das ITI-Festival THEATER DER WELT 2023 nach Offenbach und Frankfurt vergeben wird.

„THEATER DER WELT“ zählt international zu den wichtigsten Festivals für zeitgenössisches Theater. Es präsentiert alle zwei bis drei Jahre jeweils in einer anderen Stadt in Deutschland wegweisende Entwicklungen in Tanz, Theater und Performance aus allen Konti nenten in einem ca. zweiwöchigen Programm. THEATER DER WELT wurde 1981 vom deutschen Zentrum des Internationalen Theaterinstituts, im Anschluss an das ITI-Festival „Theater der Nationen“ (1979 in Hamburg) gegründet.

Das ITI vergibt die Ausrichtung und Intendanz des Festivals jeweils an ein oder mehrere Theater in der ausgewählten Stadt oder Region, und hat in einer Festivalsatzung die Grundsätze für Aufgabe und Arbeitsweise des Festivals festgelegt. Die Grundfinanzierung des Festivals soll demnach vom Bund, von der ausrichtenden Stadt und vom Bundesland, in dem diese Stadt oder Region liegt, jeweils zu etwa einem Drittel getragen werden. Die zweite Ausgabe von THEATER DER WELT fand 1985 in Frankfurt am Main statt, weitere ausrichtende Städte waren bislang Köln (1981), Stuttgart (1987 & 2005), Hamburg (1989 & 2017), Essen (1991), München (1993), Dresden (1996), Berlin (1999), Halle/Saale (2008), Mannheim (2014). 2002 fand das Festival gleichzeitig in Köln, Bonn, Düsseldorf und Duisburg statt, 2010 in Essen und Mülheim an der Ruhr. Die für 2020 in Düsseldorf vorgesehene Ausgabe wurde aufgrund der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben. Die Ausrichtung der für 2023 vorgesehenen Festivalausgabe wurde erstmals öffentlich ausgeschrieben. Das ITI wählte aus vier Bewerbern schließlich Frankfurt-Offenbach am Main als nächste Station von THEATER DER WELT aus.

Theater der Welt 2023 in Offenbach-Frankfurt
Für die Festivalausgabe im Jahr 2023 hatten sich das Künstlerhaus Mousonturm, das Museum Angewandte Kunst und das Schauspiel Frankfurt als gleichberechtigte Partner beworben; ihre jeweiligen Leiter Matthias Pees, Matthias Wagner K und Anselm Weber übernehmen auch gemeinsam die Festivalintendanz. THEATER DER WELT 2023 wird voraussichtlich vom 29. Juni bis 16. Juli 2023 im Stadtraum Frankfurt-Offenbach stattfinden.
Dabei sollen nicht nur die Städtischen Bühnen mitsamt dem Bockenheimer Depot, der Mousonturm, das Frankfurt LAB und andere Theater der freien Szene in Frankfurt bespielt werden, sondern etwa auch das Capitol-Theater und die Alte Schlosserei der Energieversorgung Offenbach AG und die urbanen Räume in beiden Städten. Die Ausrichter wollen im Zuge des Festivals auch neue Orte performativ erschließen. Das Museum Angewandte Kunst am Frankfurter Museumsufer im Metzlerpark wird für die gesamte Festivaldauer auf allen Etagen zum Performing Arts Center.

Der urbane Raum, den Frankfurt und Offenbach bilden, dient THEATER DER WELT als Brennglas, das im Lokalen globale Entwicklungen aufgreift und spiegelt und so zum idealen Resonanzkörper für die Artikulationen internationaler Künstler*innen im Rahmen des Festivals wird. Offenbach und Frankfurt werden dabei nicht als zwei nebeneinander liegende Festivalstädte mit aufgeteiltem Programm funktionieren. Die Städte bilden eine n Raum, der soziologisch, ökonomisch, kulturell und alltäglich zusammengehört und deshalb auch künstlerisch zusammen gedacht, analysiert und reflektiert, bespielt und aktiviert werden muss. Ein urbaner Raum, der über einen der bundesweit höchsten Migration santeile in der Bevölkerung verfügt und viel über die ökonomischen Verhält-nisse in Deutschland und der Welt erzählt, insbesondere über die zunehmende Segregation, die sich als eine Auswirkung der Corona-Krise derzeit noch zu verschärfen droht.

„Gerade aufgrund des Struktur- und Finanzgefälles, aufgrund der Ambivalenz zwischen Gemeinsamkeiten und trennenden Faktoren bilden Offenbach und Frankfurt genau die Internationalität ab, die wir ins Zentrum von THEATER DER WELT 2023 stellen wollen“, so die Festivalausrichter. „Wir wollen die Verfasstheit und Zukunft dieser Internationalität untersuchen und ihren Geist verteidigen. Weil hier wie vielleicht nirgendwo sonst in Deutschland ethnische Bezüge und ökonomische Situiertheit auf komplexe, heterogene und eben nicht zu vereinfachende Weise ineinandergreifen und der Begriff der Internationalität immer wieder neu ausgehandelt wird bzw. verhandelt werden muss von und in den diversen, heterogenen Communities, die hier miteinander leben. Und für die sich immer wieder d ie Frage stellt, wie sie hier leben wollen und können.“

Die Zukunft von Internationalität und Diversität zu befragen, zu verteidigen und zu gestalten, soll zentrales Leitmotiv von THEATER DER WELT 2023 in Frankfurt-Offenbach sein. Das Festival soll zugleich wichtige Impulse gegen Vereinfachungen setzen. Diese Aspekte sollen sich auch in der Auswahl der noch zu besetzenden Programmdirektion widerspiegeln, die diekünstlerische Leitung des Festivals übernimmt. Sie soll noch im Herbst über eine weltweite Ausschreibung gefunden werden.

Die Ausrichter werden dabei nach Kurator*innen suchen, die aufgrund ihrer Lebens – und Arbeitspraxis neue Perspektiven auf den Begriff der Internationalität werfen und bereit sind, ihn im Austausch mit Offenbach-Frankfurt zu füllen. Sie wollen dabei zu Bewerbungen von Zweierteams, auch aus anderen Kontinenten als dem europäischen, explizit ermutigen.

Die Programmdirektion wird mit einem eigenen Festivalteam inhaltlich wie budgetär autonom arbeiten können. Sie wird dabei in einem kontinuierlichen Dialog von der Festivalintendanz und den Teams der ausrichtenden Häuser begleitet. Diese bringen ihr Wissen über die Region und ihre entsprechenden Kontakte in die Festivalvorbereitung ein, ebenso wie sie sich um neue Partnerschaften und Impulse bemühen. Für THEATER DER WELT wollen die drei das Festival ausrichtenden Kulturinstitutionen der Stadt Frankfurt dauerhaft mit Partner*innen und Initiativen aus der blühenden Kunst- und Kreativszene Offenbachs zusammenarbeiten, mit denen sie teilweise bereits über viele Jahre gelebte Projekterfahrungen verbindet. Weil es wenig Institutionelle Kultureinrichtungen in Offenbach gibt und die Kulturszene nicht über ausreichend schlagkräftige finanzielle Mittel verfügt, wird sich die Zusammenarbeit zeitgemäß dezentral und horizontal gestalten.

Das Künstlerhaus Mousonturm, das Museum Angewandte Kunst und das Schauspiel Frankfurt verbinden langjährige positive Kooperationserfahrungen, die sie miteinander durch das gemeinsame (Ko-)Produzieren internationaler Theater- und Kunstprojekte in Frankfurt gesammelt haben und mit THEATER DER WELT auf eine neue Stufe stellen wollen. Aus den Kooperationen eines Stadttheaters, eines internationalen Produktions -hauses und eines innovativen Museums haben sich Blickerweiterungen und Perspektiv-wechsel ergeben, die für THEATER DER WELT nutzbar gemacht und zugleich mit einem solchen internationalen, multiperspektivischen Großereignis auch auf die Probe gestellt und gespiegelt werden sollen.

Zugleich teilen die drei Ausrichter die Überzeugung, dass ein zeitgemäßes Welt-TheaterFestival durch eine langfristige lokale Verankerung auf der Basis bereits bestehender Kontakte und Erfahrungen eine besondere Qualität gewinnen kann. Auf diese Weise sollen herausragende internationale Theaterarbeiten sowohl mit diversen Stadtgesellschaften vor Ort als auch mit den „glokalen“ Communities, die lokal und international vernetzt sind, und ihren Künstlerschaften in einen Dialog gebracht werden.

Die drei Häuser wollen deshalb, möglichst gemeinsam mit ihren Partnern in FrankfurtOffenbach, das Festival nachhaltig in ihren Programmen, Spielplänen und Aktivitäten vorbereiten und einbetten, damit die Möglichkeit zur Teilhabe der diversen Stadtgesellschaften, unabhängig vom Alter der Menschen, ihrer ethnischen Herkunft und ihrer Einkommensverhältnisse, nicht nur schiere Hoffnung und Behauptung bleibt, sondern sich tatsächlich erfüllen kann.

Kritische, inklusions- und diversitätsfördernde Vermittlungs- und Outreachpogramme von Künstlerhaus Mousonturm, Museum Angewandte Kunst und Schauspiel Frankfurt befördern schon jetzt eine Vergrößerung und Durchdringung unterschiedlicher Publikums -gruppen (z.B. „All our Futures“ am Schauspiel Frankfurt, die intergene-rationelle Vermittlungsinitiative „ALL IN“ am Mousonturms, das „Create“-Programm am Museum Angewandte Kunst). Sie sollen für THEATER DER WELT 2023 genutzt und ausgebaut werden, um über eine kurzfristige Adressierung von unterschiedlichen Zielgruppen hinauszugehen und die Impulse und Fragen des Festivals längerfristig zu verwurzeln. So sollen diverse Communitys, ein hochkarätiges Stadttheaterensemble, die freie Theaterszene und auch die vielen interdisziplinär arbeitenden unabhängigen Künstler*innen und Gruppen in Frankfurt und Offenbach möglichst langfristig in ein Projekt namens THEATER DER WELT einbezogen werden.

Gemeinsam mit dem in Frankfurt-Offenbach ansässigem Kinder- und Jugend-theaterzentrum der Bundesrepublik Deutschland soll dabei auch das neue ITI-Konzept „Junges Theater der Welt“ weiterentwickelt und ausgebaut werden, und mit langfristig in die Festivalplanung einbezogenen Expert*innen Konzepte für mehr Accessibilty und die Verringerung von Barrieren sowie für klimaeffizientes und ökologisch nachhaltiges Handeln („Theater der Umwelt“) erarbeitet werden.

Weitere Informationen:
„THEATER DER WELT“
Künstlerhaus Mousonturm
Museum Angewandte Kunst
Schauspiel Frankfurt

Hessischer Verlagspreis 2020 geht an Vittorio Klostermann und gutleut verlag Frankfurter Preisträger beeindrucken Jury mit geisteswissenschaftlichem und lyrischem Programm

Archivbild: 1. Hessischer Verlagspreis 2018 © Foto: Diether v. Goddenthow
Archivbild: 1. Hessischer Verlagspreis 2018 © Foto: Diether v. Goddenthow

Wiesbaden. Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn hat gestern die Juryentscheidung für den Hessischen Verlagspreis bekannt gegeben: Der mit 15.000 Euro dotierte Hauptpreis geht an den Verlag Vittorio Klostermann. Den Sonderpreis in Höhe von 5.000 Euro bekommt der gutleut verlag. Der Verlagspreis wird seit 2018 gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels ausgelobt.

„In diesem Jahr zeichnen wir zwei Verlage aus, die ihr Publikum auf unterschiedliche Weise begeistern“, so Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Der Verlag Vittorio Klostermann steht für ein hervorragendes geisteswissenschaftliches Programm und ist mit neun Jahrzehnten Verlagsgeschichte eine Institution. Der gutleut verlag macht aus Büchern kleine Kunstwerke, die schon Freude bereiten, wenn man sie nur im Regal sieht, und natürlich noch mehr, wenn man sie aufschlägt. Ich gratuliere den beiden Preisträgern herzlich zu ihrem Erfolg. Gleichzeitig ist klar, dass vor allem in dieser Zeit alle hessischen Verlage unsere Aufmerksamkeit verdienen. Vielen von ihnen leiden in der Pandemie unter Umsatzeinbußen, die meisten Literaturfestivals und Lesereisen sind abgesagt, zögerlicher Kauf in den Buchläden vor Ort wirkt sich auch auf die Verlage aus. Umso mehr freue ich mich, dass die Frankfurter Buchmesse 2020 stattfinden wird – das ist ein wichtiges Signal für unsere Verlage.“

Barbara Jost, Vorsitzende des Landesverbandes Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins, ergänzt: „Es freut mich sehr, bereits zum dritten Mal den Preisträger und Preisträgerinnen gratulieren zu dürfen. Die Jury hat wieder hervorragende Arbeit geleistet. In diesem Jahr bekommen ein traditionsreicher geisteswissenschaftlicher Verlag und ein Verlag, der sich durch innovative Lyrik-Bücher auszeichnet, den Hessischen Verlagspreis. Das zeigt, wie breit der Preis die Verlagslandschaft fördert. Beide Verlage sind auch stark gesellschaftlich engagiert. Verlegen kommt von ,Vorlegen‘ und in diesem Sinne hat Vittorio Klostermann gehandelt, als er 1948 eine Ausfallbürgschaft für die Frankfurter Buchmesse geleistet hat. Die aktuelle Krise zeigt, dass die Buchbranche immer wieder auf engagierte Verlegerinnen und Verleger zählen kann; die Solidarität in der Branche ist groß. Der Gutleut Verlag macht es sich zur Aufgabe, bildenden Künstlern und Lyrikern eine Plattform zu bieten. Dabei beeindrucken die einzelnen Bücher durch ihre Bild-Text-Konzepte. Beide Verlage bereichern das kulturelle Leben nicht nur in Hessen.“

Laut Jury erhält der Frankfurter Vittorio Klostermann Verlag den Hessischen Verlagspreis für sein geisteswissenschaftliches Programm, das seit Jahrzehnten aufgebaut wird. Der Schwerpunkt der Veröffentlichungen liegt auf der Philosophie, daneben erscheinen grundlegende Werke zur Literatur-, Rechts-, Kultur- und Geschichtswissenschaft. Mit Sondereditionen wie der Weißen Reihe für vorwiegend Dissertationen und der Roten Reihe mit künftigen Klassikern der Philosophie und verwandter Gebiete wendet sich der Verlag besonders an ein studentisches Publikum. Immer wieder sorgen Bücher aus dem Verlag für intensive und gelegentlich auch kontroverse Diskussionen in der Wissenschaft und den Feuilletons.

Die Wurzeln des Frankfurter gutleut verlags liegen im Bereich der Bildenden Kunst. In zahlreichen Reihen mit über 100 Publikationen – die meisten davon Lyrikbände – beweist der Verlag Liebe zur Sprache und zum Produkt „Buch“, lobte die Jury: Die Bücher sind in ihrer Gestaltung kleine Kunstwerke und bieten sowohl etablierten Autorinnen und Autoren als auch Newcomern ein Zuhause.

Hintergrund „Hessischer Verlagspreis“:
Der Verlagspreis ist Teil einer Initiative zur Verlagsförderung des Landes Hessen und des Landesverbandes Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. Er verfolgt das Ziel, die kulturelle Vielfalt der Verlage in Hessen zu würdigen, sie zu unterstützen und zu erhalten. Außerdem sollen mit ihm die Verbreitung und der Vertrieb von Büchern gefördert und die komplexe und herausfordernde Verlagsarbeit in einer anspruchsvollen Phase sämtlicher Digitalisierungsaktivitäten in den Mittelpunkt gestellt werden.

Bewerben können sich alle unabhängigen Verlage mit Firmensitz in Hessen, deren jährlicher Umsatz unter zwei Millionen Euro liegt. Die Ausschreibung richtete sich an alle Verlagssparten (Belletristik, Lyrik & Sachbuch, Fachbuch & Wissenschaft sowie Kunst- & Regionalbuch). Verlagsstrategie und das Gesamtprogramm, nicht einzelne Bucherfolge oder bekannte Autoren, hatte die Jury zu bewerten. Der Jury gehörten an: Florian Balke (FAZ), Katharina Hesse (Stiftung Buchkunst), Björn Jager, (Hessisches Literaturforum), Jutta Leimbert (Buchhandlung Vaternahm, Wiesbaden), Hans Sarkowicz (Hessischer Rundfunk), Ute Schwens (Deutsche Nationalbibliothek), Aljoscha Walser (Berater für die Medienindustrie und ihre Dienstleister).

„Hessen kulturell neu eröffnen“: Hessen stärkt den Neustart von Kunst und Kultur

Holiday on Ice - Supernova © Foto: Diether v Goddenthow
Holiday on Ice – Supernova © Foto: Diether v Goddenthow

Wiesbaden. Das Land Hessen hilft Künstlerinnen und Künstlern, Festivals und Kultureinrichtungen mit einem umfassenden Unterstützungspaket, die durch die Corona-Pandemie bedingten Einschränkungen zu überstehen und den Neubeginn zu meistern. Festivals, die ihre Veranstaltungen absagen oder in den digitalen Raum verlegen müssen, erhalten Unterstützung dabei, den Einnahmeausfall zu verkraften. Freie Künstlerinnen und Künstler können Arbeitsstipendien von je 2.000 Euro erhalten. Und mit einem Programm für Kultureinrichtungen, Spielstätten sowie Künstlerinnen und Künstler unterstützt das Land den Neustart mit innovativen Ansätzen. Insgesamt stellt das Land hierfür rund 50 Millionen Euro zusätzliche Mittel bereit. Ab dem 1. Juni können Festivals und in der Künstlersozialkasse versicherte Kulturschaffende Mittel beantragen.

Kunst und Kultur elementarer Lebensbestandteil
Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn erklärt: „Für uns gilt auch und gerade in der Krise: Kunst und Kultur sind kein Luxus oder Sahnehäubchen in guten Zeiten. Kunst und Kultur sind elementarer Bestandteil unseres Lebens. Sie sind für eine vielfältige, offene, kreative Gesellschaft, für die Reflexion über unsere Welt und als Ausdrucksform von Menschen unverzichtbar. Gerade das, was den großen Wert von Kunst und Kultur definiert, macht sie in der Pandemie besonders anfällig: der direkte Austausch zwischen Menschen. Spielstätten und Veranstalter mussten früh den Betrieb einstellen und werden erst spät wieder voll durchstarten können. Wir wollen die vielfältige Kulturlandschaft Hessens als wesentlichen Bestandteil unseres Zusammenlebens in dieser schwierigen Zeit stärken. Deshalb haben wir ein umfassendes Unterstützungspaket geschnürt, ein deutliches Bekenntnis zum Wert von Kunst und Kultur gerade in schwierigen Zeiten: Wir helfen Kunstschaffenden, die Zeit der Einschränkungen zu überstehen, und nehmen die Phase in den Blick, wenn Hessens Kultur schrittweise neu eröffnet. Ich freue mich sehr, dass wir gemeinsam mit der Kulturstiftung einen ganz besonderen hessischen Ansatz umsetzen können: Er bietet für die verschiedenen Phasen der Krise passende Hilfsmittel; er hilft breit, schnell und unkompliziert; er macht innovative Impulse aus dem Umgang mit der Pandemie fruchtbar; und er bezieht auch die lebendige Kultur mäzenatischen Engagements in Hessen mit ein.“

Härten mit Hilfen abgefedert
„Wir haben uns bereits mit den wirtschaftlichen Soforthilfen für Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen sowie mit dem Vereinsprogramm sehr bemüht, Härten für die Kultur abzufedern“, so Dorn weiter. „Leider hat die Große Koalition in Berlin einen Ausgleich für Lebenshaltungskosten von Soloselbstständigen in den Soforthilfen nicht zugelassen. Mir ist bewusst, dass es hier eine Lücke gibt. Wir haben unsere Arbeitsstipendien nun bewusst so gestaltet, dass sie unabhängig von Betriebsausgaben sind und auch nicht auf die Grundsicherung angerechnet werden.“

Zusammenarbeit mit Hessischer Kulturstiftung
„Ich freue mich über das wichtige Signal der Landesregierung und von Staatsministerin Dorn, Kulturschaffende in dieser Zeit nachhaltig und mit Blick in die Zukunft zu unterstützen“, erklärt Jutta Ebeling, Vorsitzende des Vorstandes der Kulturstiftung. „Die Hessische Kulturstiftung fördert seit mehr als 25 Jahren Künstler und Künstlerinnen in ihrer Arbeit, und wir wollen mit dem Verteilen der Arbeitsstipendien jetzt schnelle und unbürokratische Hilfen ermöglichen. Wir kennen die Bedeutung der internationalen Beziehungen, des Austauschs und des Knowhows, das sich mit und in Kunst vermittelt. Wenn aus der jetzigen, für uns alle angespannten Situation neue Denkansätze entstehen, neue Wirklichkeiten vermittelt oder Übergänge geschaffen werden, ist das ein lohnendes Ziel. Aber unabhängige Kunst ist ohne eine wirtschaftliche Basis unmöglich. Arbeitsstipendien für Künstlerinnen und Künstler leisten einen Beitrag zu dem wichtigen Freiraum, ohne den Kultur nicht gedeihen kann.“

Die Bestandteile von „Hessen kulturell neu eröffnen“:
Erste Phase: sofort helfen. Zusätzlich zu den bereits bekannten Soforthilfen adressiert Hessen die drängenden Probleme der Kulturfestivals, die als Großveranstaltung aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt oder in den digitalen Raum verlagert werden müssen. Sofern sie dadurch in Liquiditätsschwierigkeiten geraten, erhalten sie finanzielle Unterstützung, auch zusätzlich zu einer gegebenenfalls bereits vorhandenen Landesförderung. Die maximale Höhe richtet sich nach der Zahl der verkauften Eintrittskarten im Schnitt der vergangenen drei Jahre: 2,50 Euro pro Ticket bei öffentlich getragenen Festivals, 5 Euro pro Ticket bei von gemeinnützigen Vereinen oder privaten Institutionen getragenen. Der Betrag ist auf 500.000 Euro gedeckelt. Anträge können ab dem 1. Juni und bis zum 30. November beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gestellt werden. Diese Hilfe speziell für Festivals ergänzt die vorhandenen Möglichkeiten, Unterstützung aus dem Hilfsprogramm für kleine Unternehmen zu erhalten, das den Veranstaltern ebenfalls offen steht.

Zweite Phase: Übergang meistern. Hessen unterstützt freie Künstlerinnen und Künstler mit Arbeitsstipendien von je 2.000 Euro. Das soll ihnen ermöglichen, neue Projekte für den allmählichen Übergang aus der Pandemie-Zeit zu erarbeiten. Es steht allen in Hessen lebenden und in der Künstlersozialkasse versicherten Kulturschaffenden offen; vergeben werden die Stipendien durch die Hessische Kulturstiftung. Die Künstlerinnen und Künstler erhalten die Möglichkeit, besondere Ergebnisse in einem digitalen Schaufenster zu präsentieren – eine zusätzliche Möglichkeit, ihre Werke trotz Pandemie einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Das Stipendium kann mittels eines einfachen Antrags mit einer kurzen Projektskizze beantragt werden; es wird nicht als Einkommen auf etwaige Grundsicherungsleistungen angerechnet. Anträge können vom 1. Juni an bei der Kulturstiftung gestellt werden.

Dritte Phase: innovativ neu eröffnen. Die Neueröffnung stellt Kultureinrichtungen und Spielstätten sowie Künstlerinnen und Künstler vor große Herausforderungen. Besonders anfangs wird es noch Einschränkungen bei den Besucherzahlen sowie Abstandsregeln und andere Auflagen geben müssen. Ungewohnte Veranstaltungsformen, kreative bauliche Veränderungen oder neue Formen der Publikumsansprache sind die nötige Antwort. „Viele dieser Innovationen werden über die Pandemie-Notlage hinaus einen künstlerischen Wert haben“, so Dorn. „Wir wollen Kulturorte, Gruppen und Künstlerinnen und Künstler dabei unterstützen, solche Brücken in die Zeit nach der Pandemie zu bauen.“

Fonds „innovativ neu eröffnen“ für Kultureinrichtungen und Spielstätten: Der Fonds soll Kultureinrichtungen mit regelmäßigem Veranstaltungsbetrieb den Übergang in die vollständige Neueröffnung erleichtern. Kinos, Konzertsäle und Musik-Locations, Soziokulturelle Zentren, Freie Bühnen, Literaturhäuser und andere kulturelle Spielstätten können etwa für die Entwicklung neuer Formate, bauliche Anpassungen oder auch die Öffentlichkeitsarbeit Unterstützung mit einem Pauschalbetrag von je 18.000 Euro erhalten. 500 Fonds-Pakete werden vergeben. Eine Kombination mit anderen Hilfen soll möglich sein, etwa den angekündigten Programmen des Bundes. Hessen wird sich auf Bundesebene für eine entsprechend flexible Ausgestaltung der dortigen Maßnahmen einsetzen. Voraussichtlich ab 1. August werden Anträge beim HMWK möglich sein.

Projektstipendien für freie Gruppen und Einzelkünstlerinnen und -künstler: In der Zeit der Pandemie sind viele neuartige Ansätze für Kulturveranstaltungen und künstlerische Formate für Vermittlung und Pädagogik und die technische Präsentation entstanden. Das Stipendium ermöglicht die Realisierung, Dokumentation und Publikation dieser Ansätze. Es stehen Mittel für 250 Gruppen in Höhe von je 18.000 Euro sowie für 1.000 Künstlerinnen und Künstler in Höhe von je 5.000 Euro bereit. Er wird über die Hessische Kulturstiftung abgewickelt. Eine Fachjury beurteilt die Einreichungen. Zusätzlich setzen wir auf die Expertise hessischer Kulturinstitutionen und die Verstärkungsmöglichkeit der Stipendien durch private Mittel. Wenn diese über eigene Mäzene und Sponsoren zusätzliches Geld einwerben, können sie Künstlerinnen und Künstler, denen sie besonders verbunden sind, direkt für Stipendien empfehlen; in diesen Fällen kofinanziert das Land die Hälfte des Stipendiums bis zur Höhe der ansonsten zur Verfügung stehenden Beträge.

„Künstlerinnen und Künstler, die in der zweiten Phase ein Arbeitsstipendium erhalten haben, können mit ihren dort erarbeiteten Konzepten im Rahmen der dritten Phase Mittel für die Realisierung beantragen“, erläutert Ministerin Dorn. „Damit eröffnen wir die Möglichkeit für eine nachhaltige Förderung einmal entwickelter künstlerischer Ansätze.“

Corona-Kulturpaket 

Hessische Filmförderung für zehn Filmproduktionen und zehn weitere Projekte Jurys entscheiden über 1,7 Millionen Euro Förderung

krimimaerzWiesbaden/Frankfurt. Zehn neue Filmproduktionen sowie zehn weitere Projekte in Drehbuchentwicklung, Produktionsvorbereitung, Postproduktion und Verleih erhalten in der aktuellen Förderrunde der hessischen Filmförderung insgesamt gut 1,7 Millionen Euro. Das haben die beiden Jurys der HessenFilm und Medien GmbH entschieden, die für die Förderung von Spielfilmen mit Produktionskosten von mehr als 1,5 Millionen Euro sowie für Produktionen mit Kosten von bis zu 1,5 Millionen Euro zuständig sind.

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn verspricht rasche und unbürokratische Hilfe für Kulturschaffende. © Foto: Diether v Goddenthow
Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn  © Foto: Diether v Goddenthow

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn erklärt: „Die Vielfalt der geförderten Produktionen und Projekte beweist, wie viel filmisches Talent in Hessen steckt: Frauke Lodders, die an der Kunsthochschule Kassel studierte, widmet sich nach ihrem sehr bewegenden Dokumentarfilm ‚Unzertrennlich‘ nun mit ‚Am Ende des Sommers‘ einem fiktionalen Stoff und wird diesen sicherlich ebenso feinfühlig umsetzen. Es freut mich außerdem sehr, dass wir mit ‚Klandestin‘ ein anspruchsvolles internationales Drama mit hervorragenden Schauspielerinnen und Schauspielern sowie mit ‚Der gefallene Stern‘ eine Serie für Kinder fördern können, die schon den ganz Kleinen demokratische Teilhabe zugesteht.“

„Dies war die letzte Förderrunde, der ich als Juryvorsitz beiwohnen durfte, bevor ich die Geschäftsführung der HessenFilm und Medien an Anna Schoeppe übergeben habe. Umso mehr freue ich mich, tiefe Einblicke in so viele unterschiedliche Film- und Serienvorhaben erhalten zu haben“, sagt Günter Schmitteckert, der bis Ende April kommissarisch die HessenFilm und Medien als Geschäftsführer leitete.

Anna Schoeppe Foto "privat"
Anna Schoeppe Foto „privat“

Anna Schoeppe hat nun zum 1. Mai 2020 die Leitung der hessischen Filmförderung von Günter Schmitteckert übernommen: „Ich freue mich auf die Aufgabe als Geschäftsführerin der HessenFilm und Medien. Aktuell steht die hessische Film- und Medienbranche durch das Coronavirus vor einer großen Herausforderung. Ich bin davon überzeugt, dass wir diese Aufgabe im intensiven Austausch mit den hessischen Filmschaffenden meistern können“, sagt Anna Schoeppe, neue Geschäftsführerin Hessen Film und Medien.

Insgesamt wählte die Jury des Gremiums 1 (Spielfilme mit Produktionskosten von mehr als 1,5 Millionen Euro) drei Filme aus, die mit insgesamt 1,25 Millionen Euro gefördert werden. Die Jury des Gremiums 2 (Kino- und TV-Produktionen mit Herstellungskosten von bis zu 1,5 Millionen Euro) vergab insgesamt 487.100 Euro.

Die höchste Fördersumme von 600.000 Euro erhält das Projekt „Klandestin“ von Regisseurin Angelina Maccarone. Die internationale Koproduktion konnte bereits einen renommierten Cast um Barbara Sukowa, Lambert Wilso sowie Maryam Zaree und Nicolette Krebitz für sich gewinnen. Mit „Am Ende des Sommers“ entschied die Jury zudem Förderung in Höhe von 500.000 Euro für eine hessische Inszenierung. Regisseurin Frauke Lodders erhielt bereits 2018 größere Aufmerksamkeit für ihren Dokumentarfilm „Unzertrennlich – Leben mit behinderten und lebensverkürzt erkrankten Geschwistern“. Für das Drehbuch zu ihrem ersten Langspielfilm „Am Ende des Sommers“ erhielt sie den Hessischen Filmpreis 2019. Auch die TV-Serie „Der gefallene Stern“ erhält 155.000 Euro Fördergelder für die Produktion. Die Serie richtet sich an Kinder und Familien und thematisiert Antisemitismus und Rassismus auf deutschen Schulhöfen. Umgesetzt wird sie von Tellux Film in Koproduktion mit der hessischen Produktionsfirma sad ORIGAMI und dem ZDF, die bereits gemeinsam in der HessenFilm-geförderten Serie „Dschermeni“ gesellschaftspolitische Themen konsequent aus der Perspektive von Kindern aufbereitet haben.

Unter den Produktionen mit weniger als 1,5 Millionen Euro Kosten gehen insgesamt 487.100 Euro Fördergelder an 17 weitere Projekte. Eine Drehbuchförderung in Höhe von 25.000 Euro geht beispielsweise an Tom Sommerlatte, der mit „Reisende ohne Gepäck“ seine Geschwister-Trilogie („Im Sommer wohnt er unten“, „Bruder Schwester Herz“) abschließt. Weiter führen die geförderten Projekte nach Rio de Janeiro („Gewalt und Spektakel“, Dokumentarfilm, 82.000 Euro), Polen („SUPERBOHATER-KI*Superheldinnen“, Dokumentarfilm, 9.800 Euro), Cornwall („Son of Cornwall“, Dokumentarfilm, 14.000 Euro), Südtirol („Matters of Identity“, Dokumentarfilm, 20.000 Euro) und einmal quer durch Deutschland („Trails One – Von Frankfurt nach Frankfurt/Oder“, Kurzfilm, 39.000 Euro).

Die weiteren Förderungen und die dazugehörigen Summen finden unter: Hessenfilm und Medien

Über HessenFilm und Medien
Als erste Ansprechpartnerin in Sachen Filmförderung stärkt die HessenFilm und Medien die hessische Film- und Medienbranche und hilft dem Land, seine Position als Kultur- und Wirtschaftsstandort für die Zukunft weiter auszubauen. Sie unterstützt sowohl die kommerzielle wie auch die künstlerische Qualität von Filmproduktionen, um optimale Bedingungen für die hessische Kreativwirtschaft zu schaffen. Gesellschafter der HessenFilm und Medien GmbH sind das Land Hessen (90 Prozent) und der Hessische Rundfunk (zehn Prozent).

Mehr Informationen unter: www.hessenfilm.de

Soforthilfe für gemeinnützige Vereine „Bunte Landschaft der Kulturvereine erhalten“ – Hessen unterstützt Vereine, die durch Corona in Not geraten

Die Corona-Pandemie trifft auch die Vereinslandschaft hart. Hier finden Sie Informationen, wie Vereine, Kulturbetriebe, Spielstätten, Laienensembles und Kinos Hilfe von der Hessischen Landesregierung bekommen können.

Wiesbaden. Das Land Hessen stellt ein millionenschweres Sofortprogramm zur Unterstützung von Vereinen und Kulturbetrieben zur Verfügung, um die finanziellen Folgen der Corona-Virus-Pandemie zu minimieren. Davon werden auch und ganz besonders die vielen Kulturbetriebe und Spielstätten, Festivals sowie in der Laienkultur und der Kulturellen Bildung engagierte Vereine profitieren, die es in Hessen gibt. Wenn sie in Folge der Corona-Virus-Pandemie in eine existenzbedrohliche finanzielle Notlage geraten sind, können sie für den Bereich des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs und des Zweckbetriebs beim Regierungspräsidium Kassel Soforthilfe beantragen. Für den ideellen Bereich besteht zudem ab sofort über das Vereins- und Kulturhilfeprogramm die Möglichkeit der Beantragung einer Zuwendung in Höhe von 1.000 bis zu 10.000 Euro. Dafür stehen aktuell sieben Millionen Euro zur Verfügung.

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn verspricht rasche und unbürokratische Hilfe für Kulturschaffende. © Foto: Diether v Goddenthow
Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn möchte „bunte Landschaft der Kulturvereine erhalten“. © Foto: Diether v Goddenthow

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn erklärt: „Die Corona-Pandemie ist für die vielen ehrenamtlich getragenen Kultureinrichtungen und -vereine im Land eine besondere Herausforderung. Sie alle packen seit Jahren in ihrer Freizeit mit hohem persönlichen Einsatz unentgeltlich und beherzt an und tragen so zu einer bunten und vielfältigen Kultur bei. Durch die Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Virus-Pandemie fallen nicht nur die Proben von Gesangs-, Musik- und Theatervereinen weg. Auch Einnahmen aus Veranstaltungen fehlen, und Sponsoren überdenken aufgrund der wirtschaftlichen Situation ihr Engagement. Die Kultureinrichtungen und -vereine sind unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen Lebens in Hessen, das nicht verloren gehen darf. Deshalb setzen wir alles daran, die Vereine im Kulturbereich vor existenzbedrohenden Schieflagen zu bewahren.“

Für gemeinnützige Vereine bilden neben Mitgliedsbeiträgen oft die Erlöse aus Veranstaltungen einen wesentlichen Einnahmefaktor, um die laufenden Kosten decken zu können. Zugleich dürfen Vereine keine Rücklagen bilden, auf die sie in Krisenzeiten zurückgreifen könnten.

„Vereine, die so genannte Zweckbetriebe unterhalten, können für Liquiditätslücken bereits jetzt Soforthilfe beantragen wie Unternehmen auch – das war mir sehr wichtig, weil es gerade im Kulturbereich viele entsprechend wirtschaftlich tätige Einrichtungen gibt wie Museen, Theater oder Musikschulen“, erläutert Dorn. „Mit dem vorgestellten Programm unterstützen wir nun auch den ideellen Bereich der Vereine, bei denen das nicht der Fall ist, also die vielen überwiegend ehrenamtlich tätigen Musik- und Gesangvereine, Theatergruppen und weiteren Kunst- und Kulturvereine, die einen so wichtigen Beitrag zum bunten und vielfältigen kulturellen und damit gesellschaftlichen Leben in Hessen leisten.“

Knapp 16.000 Musik- und Gesangvereine, Kulturbetriebe und Spielstätten, Festivals, Laienensembles und Vereine zur kulturellen Bildung gibt es in Hessen. Sie können, wenn sie nicht von der öffentlichen Hand getragen werden, ab sofort Mittel bis zu einer Höhe von 10.000 Euro zur Aufrechterhaltung ihres Angebots beim Land Hessen beantragen, wenn sie durch die Pandemie in ihrem nichtwirtschaftlichen Vereinsbetrieb (also als so genannter Idealverein) außerhalb ihres Zweckbetriebs in eine existenzbedrohliche finanzielle Notlage geraten sind. Das betrifft alle Vereine und Kultureinrichtungen, die in einem der folgenden Verbände Mitglied sind: Landesarbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen und soziokulturellen Zentren (LAKS) in Hessen, Landesvereinigung Kulturelle Bildung (LKB) Hessen, Landesjugend Trachtenverband, Hessischer Landestrachtenverband, Hessischer Literaturrat, Landesmusikrat, Landesverband Professionelle Freie Darstellende Künste (laPROF), Landesverband der Jugendkunstschulen in Hessen, Verband hessischer Amateurtheater, Hessischer Museumsverband und die unter dem Dach der Initiative HessenFilm versammelten Einrichtungen.

Die oben genannten Vereine und Kultureinrichtungen können ihre Anträge ab dem 1. Mai beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst unter corona-vereinshilfe@hmwk.hessen.de stellen. Weitere Informationen mit Antragsformularen zum Download: www.kunst.hessen.de/corona-vereinshilfe

Kulturschaffende bekommen Hilfe bei Bewältigung der Corona-Folgen – Hessische Landesregierung hat auch Kulturbereich bei Nachtragshaushalt im Blick

Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn verspricht rasche und unbürokratische Hilfe für Kulturschaffende. © Foto: Diether v Goddenthow
Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn verspricht rasche und unbürokratische Hilfe für Kulturschaffende. © Foto: Diether v Goddenthow

Wiesbaden. Die hessische Landesregierung wird auch Freiberufler, Solo-Selbständige, Einrichtungen und Kleinstunternehmen im von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Kulturbereich finanziell unterstützen. „Durch die Absage von Veranstaltungen, die Schließung von Theatern und andere zur Abmilderung der Pandemie nötige Schritte brechen vielen im Kulturbereich tätigen Menschen und Einrichtungen Einnahmen weg, die oft keine oder nur geringe Rücklagen haben. Das wissen wir, und wir werden sie gemeinsam mit dem Bund bei der Bewältigung dieser Situation unterstützen“, teilt Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn mit. Das von Finanzminister Dr. Thomas Schäfer am Donnerstag angekündigte Hilfspaket von insgesamt rund 7,5 Milliarden Euro komme daher auch diesem Bereich zugute.

„Wir werden in der kommenden Woche den Landtag bitten, einen Nachtragshaushalt im Umfang von einer Milliarde Euro zu beschließen“, erläutert Ministerin Dorn. „Darin wird als Zielgruppe auch der Kulturbereich enthalten sein. Auch die geplante Erweiterung des Garantie- und Bürgschaftsrahmen des Landes und die bereits beschlossenen Liquiditätshilfen durch Steuerstundung kommen Kulturschaffenden zugute. Wir begrüßen auch die Ankündigung des Bundes, ein Hilfspaket für Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen auf den Weg zu bringen. Wir werden unser Landesprogramm, das mit dem Nachtragshaushalt beschlossen werden soll, mit dem Bundesprogramm abgleichen und dann zielgenau die Details festgelegt werden. So stellen wir sicher, dass niemand vergessen wird, auch und insbesondere nicht im besonders betroffenen Kulturbereich.“