Kategorie-Archiv: Goethe-Universität Frankfurt

Römerberggespräche: Was soll vom 68er-Erbe bleiben?

Kooperationsveranstaltung am 28. April im Schauspiel Frankfurt zum Thema „1968 – 2018: What is left?“ mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität

FRANKFURT. „1968 – 2018: What is left? Errungenschaften und Bürde eines politischen Aufbruchs“ – Unter diesem Titel fragt die traditionsreiche Reihe der Frankfurter Römerberggespräche am 28. April, was uns „68“ heute noch zu sagen hat: Was ist vom Aufbegehren übriggeblieben, und was davon sollte in die Zukunft weitergetragen werden? Zu den institutionellen Partnern der öffentlichen Veranstaltung im Schauspiel Frankfurt (Beginn 10 Uhr, Eintritt frei) gehört der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität, der auch personell beteiligt ist.

„Wir wollen erörtern, wo das Erbe von 1968 liegt, wie man es richtigerweise annehmen könnte und in welchen Punkten man es womöglich ausschlagen sollte“, so Miloš Vec, Vorsitzender des ausrichtenden Trägervereins. Vec ist Professor für Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien und assoziiertes Mitglied des Frankfurter geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes. Auf dem Programm der kommenden Römerberg-Ausgabe stehen fünf Vorträge und eine Podiumsdiskussion. Die Moderation liegt in den Händen von Insa Wilke (Literaturkritikerin und Moderatorin u.a. für WDR und SWR) sowie Alf Mentzer (Leiter des Ressorts hr2-Tagesprogramm im Hessischen Rundfunk).

Der erste Vortragende, um 10.15 Uhr, ist Armin Nassehi, Soziologieprofessor an der  Ludwig-Maximilians-Universität München. Er widmet sich dem Thema: „Reflexion und Moralisierung als Pose – was von 1968 geblieben ist“. Nassehi sieht im heutigen linken Spektrum, aber auch auf der rechten Seite, die Tendenz, dass der Bezug auf gute Gründe ersetzt wird durch das Einnehmen von Identitäts-Posen, die sich selbst als unhinterfragbare Grundlage für Anerkennungsansprüche darstellen.

Um 11.15 Uhr geht Priska Daphi in ihrem Vortrag der Frage nach: „Wie sieht heutige Protestkultur aus?“. Die promovierte Soziologin lehrt an der Goethe-Universität und leitet die Nachwuchsgruppe „Konflikt und Soziale Bewegungen“ am Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), einem Partner im Verbund des Frankfurter Clusters. Daphi schlägt einen Bogen von den 68er-Protesten bis zur heutigen Zeit und nimmt dabei Kontinuitäten, Bezüge und Unterschiede in den Blick.

„Reform und Revolte – 1968 in diachroner und transnationaler Perspektive“ lautet um 12.15 Uhr der Analysegegenstand von Ulrich Herbert, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg. Dem Autor der viel beachteten „Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert“ geht es auch um einen Vergleich der damaligen Geschehnisse in der Bundesrepublik, der DDR und im Osten Europas – wobei verschiedene, keineswegs einheitliche Facetten sichtbar werden.

„Vom Nutzen und Nachteil der 68er-Geschichte für linke Politik“ handelt um 14.15 Uhr der erste Vortrag nach der Mittagspause. Referent ist Wolfgang Kraushaar von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. Der promovierte Politikwissenschaftler sieht Organisationen und Bewegungsformationen, die sich auf das utopische Projekt einer Gesellschaftsveränderung berufen, dem Totalitarismusverdacht ausgesetzt. Die 68er hätten vor allem soziokulturelle Wirkungen gehabt. Beispielsweise hätten die vielen seither entstandenen Bürgerinitiativen für das Gefühl gesorgt, Politik auch selbst gestalten zu können.

Für 15.30 Uhr ist die Podiumsdiskussion terminiert. „Wie emanzipatorisch war 1968?“ lautet ihr Titel, die Teilnehmerinnen sind Christina von Hodenberg, Professorin für Europäische Geschichte an der Queen Mary University in London, und Gisela Notz, promovierte Sozialwissenschaftlern und freie Publizistin mit einem Schwerpunkt auf der Geschichte der Frauenbewegung. Ebendiese wird bei der Betrachtung der späten sechziger Jahre und ihrer Langzeitwirkung häufig nicht hinreichend gewürdigt. Die Anstöße für Veränderungen der Geschlechterrollen und sexueller Normen kamen ganz wesentlich von Frauen, die vielfach in Vergessenheit gerieten.

Martin Saar, Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters, hält den abschließenden Vortrag. Sein Thema um 17 Uhr: „Was hieß (und was heißt) ‚Demokratisierung der Demokratie‘?“ Man könne, so Saar, argumentieren, dass die Zeit um 1968 eine Station auf dem Weg zur Selbstkritik und zivilgesellschaftlichen Öffnung demokratischer Institutionen war, verbunden mit der Forderung, dass nur eine reflexive, plurale Demokratie Legitimität beanspruchen dürfe. In diesem Sinn stecke der Stachel „1968“ bis heute noch im Fleisch des politischen Lebens der westlichen Demokratien.

Programm-Überblick
EINTRITT FREI
Samstag, 28. April 2018
IM SCHAUSPIEL FRANKFURT
Moderation: ALF MENTZER und INSA WILKE

10:00 Uhr Begrüssung
10.15 Uhr Armin Nassehi
Reflexion und Moralisierung als Pose – was von 1968 geblieben ist

11:15 Uhr Priska Daphi
Wie sieht heutige Protestkultur aus?

12:15 Uhr Ulrich Herbert
Reform und Revolte – 1968 in diachroner und transnationaler Perspektive

13.00 Uhr Mittagspause
14:15 Uhr Wolfgang Kraushaar
Vom Nutzen und Nachteil der 68er-Geschichte für linke Politik

15:30 Uhr Christina von Hodenberg und Gisela Notz im Gespräch
Wie emanzipatorisch war 1968?

17:00 Uhr Martin Saar
Was hieß (und was heißt) „Demokratisierung der Demokratie“?

ENDE GEGEN 18:00 UHR

Programm: www.roemerberggespraeche-ffm.de

March for Science 2018: Auch Frankfurt/Rhein‐Main am 14. April  wieder beim weltweiten Marsch für die Wissenschaft dabei

Frankfurter March for Science 2017. © Foto: Diether v. Goddenthow
Frankfurter March for Science 2017. © Foto: Diether v. Goddenthow

Am 14. April gehen wieder weltweit Menschen auf die Straße, um für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung sowie deren Bedeutung als Grundlage unserer offenen und demokratischen Gesellschaft zu demonstrieren. In Deutschland sind aktuell in 16 Städten und Regionen Veranstaltungen im Rahmen des March for Science geplant. Eine davon ist Frankfurt/Rhein‐Main.

Der March for Science ist eine internationale Bewegung mit dem Ziel, die Freiheit der Wissenschaft zu verteidigen. Die weltweiten Demonstrationen und sonstigen Events setzen ein Zeichen gegen jede Einschränkung der Freiheit von Forschung und Lehre. Wir in Deutschland sind zwar in der glücklichen Situation, dass unsere Freiheit nicht so direkt bedroht ist wie in vielen anderen Ländern. Aber auch wir haben allen Grund, wachsam zu sein und Fehlentwicklungen rechtzeitig entgegenzutreten: Das Beispiel USA zeigt, wie schnell sich Dinge radikal ändern können. Und dieWissenschaft in Deutschland und Europa sieht sich aktuell einem zunehmenden Vertrauensschwund gegenüber.

Demokratiefeindliche Kräfte versuchen, daraus politisches Kapital zu schlagen.

Nach dem aktuellen Planungsstand sind in Frankfurt nach einem kurzen Auftakt um 13 Uhr an der Bockenheimer Warte ein Marsch durch die Innenstadt und eine Kundgebung um 16 Uhr auf dem Römerberg geplant. Eine anschließende Science Arena, ebenfalls auf dem Römerberg, lädt zum Gespräch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein, den Abschluss bildet eine Podiumsdiskussion im nahe gelegenen Haus am Dom, bei der es um die Rolle und Bedeutung der Universität in der heutigen Forschungslandschaft  geht.
Den aktuellen Planungsstand sowie die Namen der bereits bestätigten Rednerinnen und Redner finden Sie auf unserer lokalen Webseite: https://marchforscience.de/auch‐in‐deiner‐stadt/frankfurt‐rhein‐main/

Website: marchforscience.de/auch‐in‐deiner‐stadt/frankfurt‐rhein‐main/
Twitter: @ScienceMarchFFM
Facebook: ScienceMarch Frankfurt‐am‐Main

Unterstützende Einrichtungen in Frankfurt:
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF)
Deutsche Gesellschaft für Information und Wissen e.V. (DGI)
Deutsche Physiologische Gesellschaft (DPG)
EXPERIMINTA ScienceCenter FrankfurtRheinMain
Frankfurt University of Applied Sciences
Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie e.V. (GBM)
Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)
Goethe‐Universität Frankfurt
Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON)
House of Finance, Goethe‐Universität Frankfurt
ISOE ‐ Institut für sozial‐ökologische Forschung
Leibniz Institut Hessische Stiftung Friedens‐ und Konfliktforschung
Physikalischer Verein ‐ Gesellschaft für Bildung und Wissenschaft
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Rhein‐Main und/oder Hessen:
Justus‐Liebig‐Universität Gießen, Gießen
Philipps‐Universität Marburg,
Technische Universität Darmstadt
Gutenberg‐Universität Mainz
Max‐Planck‐Institut für Chemie, Mainz
Science Bridge e.V., Kassel
Wissenschaftsstadt Darmstadt, Darmstadt

Bundesweit wird der Science March von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen unterstützt:
https://www.helmholtz.de/fileadmin/user_upload/Stellungnahme_Allianz‐March‐for‐Science.pdf

Die vollständige Liste aller Unterstützer des Science March Deutschland (Institutionen und Personen): http://marchforscience.de/unterstuetzer/

Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2018 an Anthony Cerami und David Wallach verliehen, Tim J. Schulz erhielt Nachwuchspreis

Impression - Verleihung des Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preises 2018 am 14. März 2018, dem Geburtstag von Paul Ehrlich, in der Frankfurter Paulskirche an den US-Amerikaner Professor Anthony Cerami und den Israeli Professor David Wallach. Tim J. Schulz erhielt Nachwuchspreis. Foto: Diether v. Goddenthow
Impression – Verleihung des Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preises 2018 am 14. März 2018, dem Geburtstag von Paul Ehrlich, in der Frankfurter Paulskirche an den US-Amerikaner Professor Anthony Cerami und den Israeli Professor David Wallach. Tim J. Schulz erhielt Nachwuchspreis. Foto: Diether v. Goddenthow

FRANKFURT am MAIN. Heute, 14.03.2018 wurde in der Frankfurter Paulskirche der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2018 an den US-Amerikaner Professor Anthony Cerami und den Israeli Professor David Wallach verliehen. Professor Thomas Boehm, Vorsitzender des Stiftungsrats der Paul Ehrlich-Stiftung, überreichte die Urkunden und Medaillen. Die Laureaten teilen sich den mit €120.000 dotierten Preis. Professor Tim J. Schulz vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke wurde mit dem €60.000 dotierten Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis geehrt. An dem Festakt nahm Patrick Burghardt, Staatssekretär beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst teil.

Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preisverleihung 2018 an Professor Dr. Dr. h. c. mult Anthony Cerami und Professor Dr. David Wallach

(v.l.)  Die Preisträger Professor Anthony Cerami (USA) und Professor David Wallach (Israel), Professor Thomas Boehm, Vorsitzender des Stiftungsrats der Paul Ehrlich-Stiftung, Laudator Professor Charles A. Dinarello von der Universität Colorado in Denver und Mitglied des Stiftungsrates.Foto: Diether v. Goddenthow
(v.l.) Die Preisträger Professor Anthony Cerami (USA) und Professor David Wallach (Israel), Professor Thomas Boehm, Vorsitzender des Stiftungsrats der Paul Ehrlich-Stiftung, Laudator Professor Charles A. Dinarello von der Universität Colorado in Denver und Mitglied des Stiftungsrates.Foto: Diether v. Goddenthow

„Anthony Cerami und David Wallach teilen sich diesen Preis, weil ihre Arbeiten und Entdeckungen die Grundlagenforschung und die klinische Medizin stark beeinflusst haben“, sagte Professor Charles A. Dinarello von der Universität Colorado in Denver und Mitglied des Stiftungsrates bei seiner Laudatio in der Frankfurter Paulskirche. „Beide haben in verschiedenen Hemisphären gearbeitet und kommen aus verschiedenen Forschungsgebieten, trotzdem haben sie zur Aufklärung des gleichen Krankheitsmechanismuses beigetragen und dazu, wie wir diese Krankheiten heute behandeln“. Cerami und Wallach haben die Bedeutung und die Signalwirkung des Botenstoffs TNF entschlüsselt. Rheuma, Schuppenflechte, Morbus Crohn und andere chronisch-entzündliche Erkrankungen werden heute weltweit mit Antikörpern oder Proteinen behandelt, die diesen Botenstoff neutralisieren.

„Die Arbeiten der beiden sind ein großartiges Beispiel dafür, wie ausdauernder, von wissenschaftlicher Neugier angetriebener und von keinem Rückschlag entmutigter Erkenntnisdrang in ganz unerwarteter Weise zum Wohle kranker Menschen beitragen kann“, sagt Boehm in seiner Eröffnungsansprach. Dabei seien die segensreichen Konsequenzen dieser Forschung zunächst keineswegs absehbar gewesen. Über Jahre hinweg hätte man ihr leicht das Etikett „Elfenbeinturm-Forschung“ anheften können, so Boehm weiter. Erst mit der Zeit habe sich ihre ganze Relevanz offenbart. Boehm appellierte daran, diese Lektion im Blick zu haben, wenn über den möglichen Nutzen einer stabilen und dauerhaften Forschungsförderung nachgedacht werde.

Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis 2018
Tim Julius Schulz für Arbeiten zur Fettzellbiologie ausgezeichnet

(v.l.) Laudator Professor Florian Greten vom Georg-Speyer-Haus in Frankfurt, Paul-Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchs-Preisträger Professor Tim J. Schulz vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke , Professor Thomas Boehm, Vorsitzender des Stiftungsrats der Paul Ehrlich-Stiftung, Foto: Diether v. Goddenthow
(v.l.) Laudator Professor Florian Greten vom Georg-Speyer-Haus in Frankfurt, Paul-Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchs-Preisträger Professor Tim J. Schulz vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke , Professor Thomas Boehm, Vorsitzender des Stiftungsrats der Paul Ehrlich-Stiftung, Foto: Diether v. Goddenthow

Der Nachwuchspreisträger wurde für seine Arbeiten zur Fettzellbiologie geehrt. Schulz hat gezeigt, unter welchen Bedingungen Stammzellen weißes und braunes Fett hervorbringen und wie weißes Fett der Knochengesundheit im Alter schadet. Er hat zudem ermittelt, dass eine bei der Behandlung von Diabetes oftmals benutzte Wirkstoffklasse die schädliche Wirkung des weißen Fetts im Knochen mindert. Der Nachwuchspreisträger habe mit dem Thema Übergewicht ein hoch relevantes Forschungsgebiet aufgegriffen und seine Arbeiten ebenfalls auf Translation angelegt, sagte der Stiftungsratsvorsitzende in der Paulskirche. Der Laudator Professor Florian Greten vom Georg-Speyer-Haus in Frankfurt betonte in seiner Rede, dass Schulz den Preis nicht nur für eine einzige herausragende Arbeit erhalte, sondern für eine ganze Reihe von besonderen Entdeckungen auf dem Gebiet des Energiestoffwechsels. Diese Arbeiten hätten eine hohe Relevanz für das Verständnis der komplexen Vorgänge beim Altern und beim Übergewicht. Schulz habe zudem interessante neue Therapiestrategien aufgedeckt, so Greten weiter. Eine dieser Strategien zielt darauf ab, Übergewicht durch die vermehrte Bildung von braunem Fett zu bekämpfen. Braunes Fett erzeugt nur Wärme und wäre ein perfekter Schlankmacher

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von Anne Siebrasse und Regina Reiter, dem Duo Saxophilie. Foto: Diether v. Goddenthow
Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von Anne Siebrasse und Regina Reiter, dem Duo Saxophilie. Foto: Diether v. Goddenthow

Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis wird seit 1952 verliehen. Bisher wurden 128 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet. 22 Preisträger wurden auch mit dem Nobelpreis geehrt. Die Paul Ehrlich-Stiftung ist eine rechtlich unselbstständige Stiftung der Vereinigung von Freunden und Förderern der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main e.V. Die Vereinigung feiert in diesem Jahr ihren 100sten Geburtstag. Sie unterstützt die Goethe-Universität jährlich mit mehreren hunderttausend Euro für konkrete Projekte. Mit mehr als 1600 aktiven Mitgliedern ist sie eine der größten und lebendigsten Einrichtungen dieser Art in Deutschland.

Weitere Informationen

„68er“, Chiffre für den Wunsch nach sozialem Wandel – Themen und Veranstaltungen an der Goeth-Uni im aktuellen UniReport

Chiffre für Wunsch nach sozialem Wandel
„50 Jahre 68“: Ausblick auf Themen und Veranstaltungen an der Goethe-Universität im aktuellen UniReport 

 FRANKFURT. Frankfurt war neben Berlin der Universitätsstandort in Deutschland, an dem die Studentenproteste im Jahre 1968 besonders heftig ausbrachen. Im „Sommer der Revolte“ wurden Institute besetzt, neue Lern- und Lebensformen erprobt und die Verbindlichkeit von gesellschaftlichen Sitten und Werten in Frage gestellt. 50 Jahre später beschäftigt sich auch die Forschung mit dem Jahr des Umbruchs. Dr. Steffen Bruendel, Direktor des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität, spricht in der neuen Ausgabe des UniReports davon, dass 68 heute als „Chiffre für ein weltweites Phänomen gilt, für einen vor allem von jungen Leuten artikulierten Wunsch nach sozialem Wandel und einer anderen Gesellschaftsordnung.“ Auch wenn das Jahr ein halbes Jahrhundert zurückliege, hätte es auch für heutige Studierende seine „Faszination“ behalten.

Porträtiert wird im UniReport eine von den damals politisch engagierten Studierenden der Goethe-Universität: Barbara Köster studierte Soziologie bei Theodor W. Adorno, war Mitglied im SDS und im so genannten „Weiberrat“ tätig. Sie zeigt sich im Rückblick sehr zufrieden mit dem, was ihre Generation auf den Weg gebracht hat, gerade auch im Bereich der Erziehung; sie sieht aber auch die Gefahr, dass gesellschaftliches Engagement von manchen politischen Gruppierungen heute als „Gutmenschentum“ verurteilt werde.

Ein Überblick über Ausstellungen, Vorträge und Diskussionen zu „50 Jahre 68“ an der Goethe-Universität rundet den Themenschwerpunkt im UniReport ab.

 Die weiteren Themen im aktuellen UniReport:

  •  –      Debatte über Meinungsfreiheit an der Universität: Fragen an Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff zur Podiumsdiskussion „Diskurskultur im Zwielicht“.
  • –      Erziehungswissenschaften begleiten jedes Lebensalter: Frankfurt glänzt mit eigenständigem Bachelor- und Masterstudiengang.
  • –      Können nationale Egoismen überwunden werden? Podiumsdiskussion zur Zukunft der Eurozone.
  • –      Prof. Nicola Fuchs-Schündeln gewinnt Leibniz-Preis: ein Porträt der innovativen Wirtschaftswissenschaftlerin.
  • –      Der Paläontologe und das Meer: Prof. Eberhard Gischler erforscht das Klimagedächtnis von Korallenriffen.
  • –      Durchschnittsalter der Einsteiger liegt bei 65 Jahren: Studierenden-Befragung an der Universität des 3. Lebensalters.
  • –      Zu Gast an der University of Toronto: Andrea Stork, Verwaltungsangestellte am Institut für Politikwissenschaft, über ihren Besuch in Kanada im Rahmen der Strategischen Partnerschaft.
  • –      Erfolgreicher Start ins Berufsleben mit Doktortitel: Europäische Studie untersucht Zufriedenheit der GRADE-Alumni.

Download:  UniReport 1/2018 

Bedeutende Sammlung zu Jürgen Habermas erworben: Wertvoller Zuwachs für die Goethe-Universität

Am 18. Juni 2009 feierte der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas seinen 80. Geburtstag. Zu diesem Anlaß hatte er eine systematische Auswahl von wichtigen Texten zusammengestellt, einige davon bislang unveröffentlicht, die den philosophischen Kern seines umfangreichen Werks freilegen. Die Bände, im Suhrkamp-Verlag erschienen, können auch einzeln erworben werden.
Am 18. Juni 2009 feierte der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas seinen 80. Geburtstag. Zu diesem Anlaß hatte er eine systematische Auswahl von wichtigen Texten zusammengestellt, einige davon bislang unveröffentlicht, die den philosophischen Kern seines umfangreichen Werks freilegen. Die Bände, im Suhrkamp-Verlag erschienen, können auch einzeln erworben werden.

Wichtige Ergänzung im Hinblick auf die große internationale Bedeutung des Frankfurter Philosophen

 FRANKFURT. Die Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg hat mit finanzieller Unterstützung des Hückmann-Fonds eine wichtige Privatsammlung zu Jürgen Habermas erworben: eine nahezu komplette Sammlung der publizierten Primär- und Sekundärliteratur von und über Jürgen Habermas in mehr als 30 Sprachen.

 Über mehr als vier Jahrzehnte hinweg hat der niederländische Sammler René Görtzen sachkundig Erstausgaben und Bücher von und zu Jürgen Habermas zusammengetragen. Die Sammlung mit mehr als 5.250 Büchern, darunter Publikationen in chinesischer, arabischer und serbokroatischer Sprache sowie 216 Leitzordnern mit kopierten Zeitschriftenaufsätzen und –artikeln, war bis vor kurzem in einem Privatarchiv in der Amsterdamer Innenstadt aufgestellt. Sie stellt neben dem eigentlichen Vorlass von Jürgen Habermas und ergänzenden Nachlässen seiner Schüler und Wissenschaftlerkollegen der Frankfurter Schule einen weiteren wichtigen Baustein für die umfangreiche Überlieferungsbildung von Jürgen Habermas, einem der meist zitierten Philosophen weltweit, dar. Dr. Mathias Jehn, der Leiter des Archivzentrums der Universitätsbibliothek, erläutert: „Mit der neu erworbenen Habermas-Sammlung bieten wir im Archivzentrum einen in sich geschlossenen internationalen Publikationskorpus zum Studium der weltweiten Bedeutung von Jürgen Habermas an.“

 René Görtzen wuchs in Amsterdam auf, studierte Philosophie und Pädagogik und lernte 1977 dank eines einjährigen Auslandsstipendiums Jürgen Habermas im Zuge einer Vorlesung im berühmten Hörsaal 4 der Goethe-Universität persönlich kennen. Für eine erweiterte Ausgabe von „Philosophisch-Politische Profile“ und für die Erstveröffentlichung von „Kleine Politische Schriften (I-IV)“ sollte der niederländische Nachwuchswissenschaftler eine Bibliografie für Habermas erstellen. Aus diesem Auftrag heraus entwickelte sich nicht nur eine bis heute andauernde Freundschaft, sondern immer mehr auch eine besondere Leidenschaft, die René Görtzen heute rückwirkend als „schöne, aber unheilbare Krankheit“ beurteilt.

 Das Sammelspektrum von René Görtzen erstreckte sich von Büchern, Zeitschriftenaufsätzen und Presseartikeln bis hin zu Rezensionen und Leserbriefen von und zu Jürgen Habermas. Für seine Recherchen arbeitete er in insgesamt acht europäischen Nationalbibliotheken und zahlreichen Universitätsbibliotheken. Außerhalb Europas flog er u.a. nach Berkeley, Los Angeles, New York, Buenos Aires. Dazu kommen unzählige Stunden in wissenschaftlichen Buchhandlungen. „Einmal nahm ich in Buenos Aires einen Koffer mit über 40 Habermas-Büchern mit nach Amsterdam“, erzählt Görtzen.

 Mit der Übergabe an die Universitätsbibliothek beendet René Görtzen nun sein über 40-jähriges Sammeln und bereitet die für 2019 im Suhrkamp-Verlag geplante umfassende Habermas-Bibliografie vor. In der Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg wird die Habermas-Sammlung für die wissenschaftliche Benutzung aufgearbeitet

Information: Dr. Mathias Jehn, Leiter des Archivzentrums,
Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg. Tel: (069) 798 39007; m.jehn@ub.uni-frankfurt.de

Vortrag Goethe-Uni Frankfurt: Psychische Funktionstüchtigkeit als Schlüssel für gelingende Gesellschaften

Dritter Vortrag in der Reihe „Gesellschaft in Bewegung: Interdisziplinäre Perspektiven auf Flucht und Migration“

FRANKFURT. Was richtet Gewalt mit dem Menschen und seiner Psyche an? Traumatische Erfahrungen verändern das Wesen jedes einzelnen. Sie werden nicht nur vom Gehirn gespeichert, sondern mobilisieren den Organismus auch für künftige Gefahren. Mit zunehmender Belastung allerdings, kann sich der Menschen von dem erfahrenen Leid nicht mehr erholen. Es kommt zu seelischem Schmerz und Funktionsverlust.

Über die psychische Verarbeitung von Traumata und deren Auswirkung auf das allgemeine Zusammenleben spricht der Neuropsychologe Prof. Thomas Elbert in seinem Vortrag „Im Jahrhundert der Migration. Psychische Funktionstüchtigkeit als Schlüssel für gelingende Gesellschaften“

am 24. Januar 2018 um 18.00 Uhr
im Anbau Casino Saal West, Campus Westend.

Dieser findet statt im Rahmen der interdisziplinären Vortragsreihe „Gesellschaft in Bewegung: Interdisziplinäre Perspektiven auf Flucht und Migration“. Sie wird veranstaltet von den Fachbereichen Erziehungswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Psychologie sowie der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung an der Goethe-Universität und durch die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG finanziert. Die Moderation an diesem Abend übernimmt Prof. Ulrich Stangier, Goethe-Universität.

Prof. Thomas Elbert hat die Narrative Expositionstherapie zur Reduzierung traumatischer Stresssymptome mitentwickelt. Darin erstellt der Patient einen chronologischen Bericht über seine Lebensgeschichte, insbesondere über lebensbedrohende Erfahrungen. Die Erinnerungen werden dabei auf einer kognitiven, emotionalen und sensorischen Ebene psychisch und physisch durchlebt. Im Anschluss arbeitet der Psychologe gemeinsam mit dem Patienten dessen Biografie auf.

Prof. Dr. Thomas Elbert studierte Psychologie, Mathematik und Physik. 1978 wurde er in Tübingen promoviert, wo er (unterbrochen von Gastprofessuren an der Pennsylvania State University und an der Universität Stanford) bis 1989 lehrte. Danach leitete er als Professor an der Universität Münster eine Forschungsgruppe im neurowissenschaftlichen Bereich. Seit 1995 ist er Professor für Klinische Psychologie und Verhaltensneurowissenschaften an der Universität Konstanz. Als Vorstandsmitglied der Nicht-Regierungs-Organisation „vivo“ (Victims Voice) ist Elbert weltweit in Kriegs- und Krisengebieten tätig.

Termine und Themen im Überblick:
31. Januar 2018
Trauma in a cross-cultural perspective
Devon Hinton, Professor der Psychiatrie am Massachusetts General Hospital und am Department of Global Health and Social Medicine der Harvard
Medical School
Moderation: Prof. Ulrich Stangier, Goethe-Universität

07. Februar 2018
Migration im Verlauf der Schulbiografie. Die Situation migrierter Kinder, Jugendlicher sowie junger Erwachsender im deutschen Bildungssystem und Möglichkeiten der Professionalisierung im Lehramt
Mona Massumi, Lehrerin und Mitarbeiterin im Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln
Moderation: Prof. Isabell Diehm, Goethe-Universität

14. Februar 2018
Let’s Talk about Difference. Enpowering First-generation College Students to Succeed
Nicole M. Stephens, Professorin für Management und Organisation an der Kellogg School of Management
Moderation: Prof. Tanja Brühl, Prof. Rolf van Dick, beide Goethe-Universität

Beginn jeweils um 18 Uhr. Für die Vorträge in englischer Sprache werden Zusammenfassungen in deutscher Sprache bereit gelegt.

Alle Veranstaltungen finden im Anbau Casino Saal West, Campus Westend, statt.

Programm im Internet: www.abl.uni-frankfurt.de/vortragsreihe

Goethe-Uni diskutiert im Rahmen der Bürgeruni über „Wissenschafts- und Meinungsfreiheit im Fokus“ anlässlich des „ausgeladenen“ Polizeitgewerkschafts-Chefs Rainer Wendt

Nachdem ihn die Political-Correctness-Keule traf, fand der, von der Goethe-Uni als unliebsamer Redner wieder ausgeladene Bundesvorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Asyl im Wirtschaftsclub Rhein Main Frankfurt am 15. Januar 2018 © Foto: Diether v. Goddenthow
Nachdem ihn die Political-Correctness-Keule traf, fand der, von der Goethe-Uni als unliebsamer Redner wieder ausgeladene Bundesvorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Asyl im Wirtschaftsclub Rhein Main Frankfurt am 15. Januar 2018 © Foto: Diether v. Goddenthow

 
Aktualisierung: UniReport | Nr. 1 | 1. Februar 2018 | Jahrgang 51 | Goethe-Universität Frankfurt am Main, zur Diskussionsveranstaltung am 19.Januar 2018 „Wer darf wann etwas sagen? Debatte über Meinungsfreiheit an der Universität“

FRANKFURT. Die Goethe-Universität veranstaltet im Rahmen der Bürgeruniversität am 19. Januar 2018 ein Forum mit dem Titel: „Diskurskultur im Zwielicht – Wie viel Meinungsfreiheit verträgt die Uni?“. Teilnehmende des Podiums, das vom früheren HR-Fernsehmoderator Meinhard Schmidt- Degenhard moderiert wird, sind Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff, die den Abend auch eröffnet, der Philosoph Prof. Rainer Forst, die Ethnologin Prof. Susanne Schröter, der Humangeograf Prof. Bernd Belina sowie der Jurist Maximilian Pichl. Letzterer ist einer von 60 Mitunterzeichnern, die Ende Oktober 2017 in einem Offenen Brief gegen die Vortragseinladung des Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des Forschungszentrums Globaler Islam, protestiert hatten.

Asyl für Rainer Wendt am 15. Januar 2018 im Wirtschaftsclub Rhein-Main, Frankfurt.

Nachdem in die Political-Correctness-Keule der  60 „besorgten Bürger“ Rainer Wendt  getroffen  hatte, fand der Bundesvorsitzende der deutschen Polizeigewerkschaft am 15. Januar 2018 Asyl im Wirtschaftsclub Rhein Main in Frankfurt. In seinem Vortrag „Polizeialltag in der Einwanderungsgesellschaft“ sprach er  „schonungslos  die Punkte an und wagte sich an Themen heran, die tagtäglich an ihn aus der Praxis der Polizeiarbeit herangetragen werden, die aber inzwischen, „weil man ja gleich in die Nazi-Ecke gestellt oder als AFDler abgestempelt würde“,  niemand mehr  offen anzusprechen wagte. Es sei aber so, dass die innere Sicherheit in Deutschland heute nur noch rudimentär vorhanden wäre, und in vielen Stadtgebieten gar nicht mehr“, so Wendt. In vielen Stadtteilen deutscher Städte herrschten Parallelgesellschaften mit eigenen Gesetzen und Verkehrsregeln, wie  bereits der SPD-Exbürgermeister von Berlin-Neukölln Heinz Buschkowsky  vor der Flüchtlingswelle der offenen Grenzen 2012 in seinem Buch „Neukölln ist überall“ beschrieb. Als besonderes krasses Beispiel nannte er den Miri-Clan, bestehend aus Großfamilien mit bis zu 1000 Mitgliedern, die  in den 1980er-Jahren als Bürgerkriegsflüchtlinge nach Bremen kamen. Sie lehnten das deutsche Rechtssystem ab und unterwanderten ganze Stadtteile bevorzugt in Städten in Norddeutschland.

„Der Kontrollverlust über die Menge der Migranten sowie über deren Identität und Herkunft“, ist nach Wendts Darstellung „nach wie vor nicht in den Griff zu bekommen“. Er spricht den „Rechtsbruch an, welcher es der Polizei unmöglich gemacht hat, der Situation wenigstens einigermaßen Herr zu werden“. Wendt nannte es ein Staatsversagen, nämlich, dass der Staat seit Öffnung der Grenzen und mangelhafter Identitätsprüfung von Migranten geflissentlich außer Acht lasse,  dass nach Grundgesetz Art (1) „Die Würde des Menschen“ nicht nur „unantastbar“ sei, sondern  „sie zu achten und zu schützen“ eine  „Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“ wäre, was eben der Staat zur Zeit nicht mehr garantieren könne.

Am 19. Januar in der Gothe-Uni findet eine Debatte zur Meinungsfreiheit statt. 

„Mit der Veranstaltung am 19. Januar greift die Goethe-Universität am Fall des im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Forschungszentrums Globaler Islam kurzfristig ausgeladenen Gastredners Rainer Wendt Diskussionsstränge einer kontroversen öffentlichen Debatte auf. Ausgehend vom Einzelfall soll jedoch auch darüber diskutiert werden, welche Möglichkeiten und Grenzen für Meinungsfreiheit im Rahmen des wissenschaftsgeleiteten Diskurses einer Universität bestehen. Einen einleitenden inhaltlichen Impuls leistet Joachim Braun, Chefredakteur der Frankfurter Neuen Presse.

Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.

„Diskurskultur im Zwielicht – Wie viel Meinungsfreiheit verträgt die Uni?“ 19. Januar 2018, 19.00 – 21.00 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, Theodor-W.-Adorno-Platz 5, Hörsaal (HZ) 3.

Programm der Frankfurter Bürger-Universität: www.buerger.uni-frankfurt.de
Weitere Infos:
Frankfurter Rundschau (Fragen zum Fall Wendt weiter offen)
Frankfurter Neue Presse (Absage aus Angst vor Linken
Polizeigewerkschafter darf nicht an der Goethe-Universität sprechen)

Aktion des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels „Für das Wort und die Freiheit“

Tropical Underground. Revolution von Anthropologie und Kino – Fotoausstellung des Ethnologen Viveiros des Castro im Weltkulturenmuseum

Presserundgang durch die Ausstellung „Variationen des wilden Körpers. Fotografien von Eduardo Viveiros de Castro“ mit den KuratorInnen Eduardo Sterzi und Verónica Stigger sowie Viveiros de Castro (mitte) Weltkulturen Labor, Schaumainkai 37, 60594 Frankfurt.Foto: Diether v. Goddenthow
Presserundgang durch die Ausstellung „Variationen des wilden Körpers. Fotografien von Eduardo Viveiros de Castro“ mit den KuratorInnen Eduardo Sterzi und Verónica Stigger sowie Viveiros de Castro (mitte) Weltkulturen Labor, Schaumainkai 37, 60594 Frankfurt.Foto: Diether v. Goddenthow

Das Campus-Projekt „Tropical Underground“ bringt die Goethe-Universität mit drei Museen der Stadt und dem Künstlerhaus Mousonturm zusammen und befasst sich von Oktober 2017 bis Juli 2018 mit Revolutionen von Anthropologie, Kino und Kunst in der brasilianischen Gegenkultur der 1960er und 1970er Jahre.

Wer die kulturelle Globalisierung der Gegenwart verstehen will, kann von der brasilianischen Gegenkultur der 1960er und 1970er Jahre lernen. Mit deren Verbindung von Anthropologie und Avantgarde befasst sich das vielschichtige wissenschaftlich-künstlerische Projekt „Tropical Underground“, das von der Goethe-Universität Frankfurt (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“) gemeinsam mit dem Kino des Deutschen Filmmuseums, dem Weltkulturen Museum, dem Museum Angewandte Kunst und dem Künstlerhaus Mousonturm veranstaltet wird.

Kernelemente des Programms sind eine Lecture & Film-Reihe zum brasilianischen Cinema Marginal der 1960er und 1970er Jahre, die aus 16 Vorträgen mit Filmvorführungen im Kino des Deutschen Filmmuseums besteht, sowie eine Ausstellung der fotografischen Arbeiten des einflussreichen brasilianischen Ethnologen Eduardo Viveiros de Castro, die vom 18. November 2017 bis 11. März 2018 im Weltkulturen Museum stattfindet. Hinzu kommen Vorträge, Podiumsveranstaltungen, ein Literaturabend und ein Abend mit Super-8-Filmen des Künstlers Hélio Oiticica.

Fressen die Bewohner des Amazonasgebiets ihre Feinde oder erzählen sie das nur den angereisten Ethnologen? Und was führen brasilianische Dichter und Filmemacher im Schilde, wenn sie, unter Berufung auf den Avantgarde-Dichter Oswald de Andrade und sein „Anthropophages Manifest“ von 1928, die Menschenfresserei zum ästhetischen Prinzip erheben?

Das sind die Fragen, denen „Tropical Underground“ in verschiedenen Formaten und an verschiedenen Orten in der Stadt nachgeht.

Einen wichtigen Ausgangspunkt bildet dabei die Arbeit des Ethnologen und Fotografen Eduardo Viveiros de Castro (*1951 in Rio de Janeiro), der in den 1960er und 1970er Jahren zum Umfeld der „Tropicália“-Bewegung und des Cinema Marginal gehörte.
Viveiros de Castro zählt mit seiner Theorie des amerindischen Perspektivismus zu den bedeutendsten Ethnologen der Gegenwart. Zunächst aber war Viveiros de Castro Fotograf. Er schuf in den 1970er Jahren einige der bekanntesten Aufnahmen des Künstlers Hélio Oiticica und des Dichters Waly Salomão und arbeitete als Standfotograf für Ivan Cardoso, eine Schlüsselfigur des Cinema Marginal. Zeitgleich befasste sich Viveiros de Castro mit den Stämmen der Araweté, Kulina, Yanomami und Yawalapíti im Amazonas-Gebiet. Den gemeinsamen Fluchtpunkt dieser beiden Arbeitsstränge bildet die Frage nach dem Körper. Die Ausstellung. „Variationen des wilden Körpers. Fotografien von Eduardo Viveiros de Castro“ fokussiert auf den Körper im urbanen Raum ebenso wie im Amazonas-Gebiet und zeigt zugleich, dass künstlerische Praxis und anthropologische Reflexion im Werk von Viveiros de Castro aufs Engste verzahnt sind.
Eduardo Viveiros de Castro wird in der Woche der Ausstellungseröffnung auch die Kantorowicz Lecture in Political Language an der Goethe-Universität halten, die vom Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ veranstaltet wird. Am 15. November 2017 widmet sich Viveiros de Castro dem Thema: „Against the ontological exceptional position of ‚our species‘“.

Information zu Eduardo Viveiros de Castros Ausstellung im Weltkulturen-Museum ab 18.November 2017 

Die Lecture & Film-Reihe „Tropical Underground. Das brasilianische Cinema Marginal und die Revolution des Kinos“ befasst sich mit einer Kino-Bewegung, die Elemente des amerikanischen Genrekinos – vom Horror- über das Melodrama bis zum Softporno – mit Ideen der literarischen und künstlerischen Avantgarde verband und zugleich eine fundamentale Kritik an der politischen Repression der brasilianischen Militärdiktatur formulierte. Regisseure wie Rogério Sganzerla oder Ivan Cardoso verstanden ihr Kino als Alternative zum europäisch inspirierten Modernismus der brasilianischen Neuen Welle, des „Cinema Novo“, und suchten wie die Musiker der Tropicália-Bewegung wie Caetano Veloso, Gal Costa oder Maria Bethânia, nach einem eigenen Idiom jenseits westlicher Modelle. Die Reihe „Tropical Underground“ versammelt die bekanntesten Spezialistinnen und Spezialisten für diesen aufregenden Schlüsselmoment der Kinogeschichte in einem Programm und bringt eine Vielzahl von Schl üsselwerken des Cinema Marginal erstmals in Deutschland ins Kino. Ein Höhepunkt wird der Auftritt und Vortrag der Schauspielerin Helena Ignez am 23. Mai 2018, die als der große Star des Cinema Marginal gilt.

Weitere Programmelemente sind der „Disput über Anthropophagie“ am 16. November um 18 Uhr im Künstlerhaus Mousonturm, bei dem der Philosoph und Biologe Cord Riechelmann und der Übersetzer Oliver Precht mit Eduardo Viveiros de Castro über verschiedene Formen der Menschenfresserei diskutieren und der Literaturabend „Verschlingungen. Einführung in den brasilianischen Hunger“ im Mousonturm am 13. Juni 2018, der von der Anthropophagie in der Literatur handelt.

In Kunst, Musik und Film vollzieht sich in der brasilianischen Gegenkultur der 1960er Jahre jene „karibische Revolution“, die Oswald de Andrade in seinem „Anthropophagen Manifest“ von 1928 ausgerufen hatte: eine neue, andere Moderne, die zugleich die Last der Kolonialgeschichte aufnimmt und umwidmet und auf die Dynamiken der Globalisierung antwortet. Den historischen Hintergründen und nachhaltigen Lektionen dieses Schlüsselmoments der globalen Moderne geht die internationale Tagung „Tropical Underground“ vom 23.-25. Mai 2018 im Museum Angewandte Kunst nach.

Das wissenschaftlich-künstlerische Projekt „Tropical Underground“ wird gemeinsam realisiert mit dem Weltkulturen Museum, dem Museum Angewandte Kunst, dem Deutschen Filmmuseum und dem Künstlerhaus Mousonturm sowie mit SESC – São Paulo und arte 3. Unterstützt wird es vom Kulturamt der Stadt Frankfurt, dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der Dr. Marschner Stiftung, der hessischen Film- und Medienakademie, der Vereinigung der Freunde und Förderer der Goethe-Universität und von Caparol.

Details zum Programm unter www.tropical-underground.de

Die Lecture & Film-Reihe findet im Kino des Deutschen Filmmuseums statt (Schaumainkai 41, Frankfurt am Main). Eintritt frei. Platzzahl beschränkt. Kartenreservierungen empfohlen unter 069 961 220-220.

Quelle: http://www.dgae.de/veranstaltung/tropical-underground-revolutionen-von-anthropologie-und-kino/

March for Science in Frankfurt gegen Fake-News u. Religionsfundamentalismus für eine aufgeklärte, pluralistische Gesellschaft

Kurzfassung: March for Science in Frankfurt gegen Fake-News und Religionsfundamentalismus

March for Science Frankfurt am 22.April 2017 Foto: Diether v. Goddenthow
March for Science Frankfurt am 22.April 2017 Foto: Diether v. Goddenthow

Ob US-Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence mit dem Bau einer Arche Noah beginnen werden, sollte ihr Klima-Bus   tatsächlich in den Abgrund rasen, wie Professor  Dr. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität Frankfurt, auf der Abschlusskundgebung des March for Science in Frankfurt auf dem Römerberg am 22. April 2017 befürchtete (siehe unten), wissen wir nicht. Gesichert ist jedoch, dass der US-Präsident den Klimawandel als Gerücht und „chinesischen Trick“ abtut, dass er per Dekret Klimaschutz-Auflagen für Kohlekraftwerke sowie für die Gas- und Ölförderung zurückgenommen hat, die Mittel für die Klimaforschung von EPA bis zur NASA kürzte, die Infos über Klimawandel von den staatlichen Webseiten entfernte, in der Gentechnik die Stammzellenforschung beschnitt, und Beamten verbot, sich darüber öffentlich zu äußern. Trumps Wohnungsbauminister Ben Carson soll sogar überzeugt davon sein, dass der Teufel Charles Darwin bei der Formulierung seiner Evolutionstheorie ritt. Gesundheitsminister Tom Price gehört einem Verband an, der Abtreibung als eine Ursache von Brustkrebs ausgemacht hat. Und das Rauchen schlecht für die Lunge ist, sei laut Mike Pence noch nicht ausreichend belegt. Das Tempo der neuen US-Regierung, wie sie mit Ignoranz, verdrehten Fakten und Meinungen die „Weltmacht der Wissenschaft“ zu zerlegen scheint, ist erschreckend. John Holdren, Ex-Wissenschaftsberater Barak Obamas fürchtet, dass die Wissenschaft im Weißen Haus keine Stimme mehr habe. „Die Regierung Trump hat sich von den Fakten abgewandt. Dieses Land braucht aber einen Präsidenten, der die Bedeutung der Wissenschaft versteht (Quelle: „Sag die Wahrheit“, Roman Deiniger, in: Zurück auf die Arche Noah,  Süddeutsche Zeitung Nr. 93, 22./23.April 2017)

An der Bockenheimer Warte findet der erste Kundgebungsteil des March for Science Frankfurt statt.Foto: Diether v. Goddenthow
An der Bockenheimer Warte findet der erste Kundgebungsteil des March for Science Frankfurt statt.Foto: Diether v. Goddenthow

Aber auch in vielen anderen Ländern, etwa in Ungarn, Russland und in der Türkei bedrohen Kulturkampf und religiöser Glaubenswahn oftmals den Fortschritt von Wissenschaft und Forschung. Dort werden Gelder gekappt, Wissenschaftler entlassen, verfolgt, eingesperrt oder ihres Landes verwiesen, weil die Fakten vielfach nicht zu den konstruierten Weltbildern und Wirklichkeiten von vorherrschenden politischen, wirtschaftlichen und/ oder religiösen Zielen passen.

Peter Feldmann, Oberbürgermeister, Prof. Brigitta Wolff, Goethe-Universitätspräsidentin, Professor Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurter University of Applied Science Foto: Diether v. Goddenthow
Peter Feldmann, Oberbürgermeister, Prof. Brigitta Wolff, Goethe-Universitätspräsidentin, Professor Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurter University of Applied Science Foto: Diether v. Goddenthow

Um gegen das Verleugnen und Verdrehen von Fakten und für die Freiheit von Forschung und Wissenschaft als Grundlage einer offenen, freien pluralistischen Gesellschaft zu demonstrieren,  zogen  auch in Frankfurt am 22. April 2017 rund 2500 Wissenschaftler, Studenten, Bürger und Anhänger der Evolutionstheorie und Aufklärung im Rahmen des weltweit in 500 Städten stattfindenden   „March for Science“ von der Bockenheimer Warte  bis zum Frankfurter Römerberg. Unterstützt wurden sie dabei von drei Universitätspräsidenten, namhaften Wissenschaftlern und vom Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, Peter Feldmann, der die Protestkundgebung eröffnete.
Hochrangig besetzt war auch die Rednerliste der Abschlussveranstaltung auf dem Römerberg, dem Block II des March for Science in Frankfurt. Aber der Reihe nach:

Treffpunkt und Kundgebung an der Bockenheimer Warte

( v.l.) Dr. Julia Krohmer, Biologin,von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung  und Susanne Ficus, Scientific Sales Specialistin, begrüßen die Teilnehmer Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
( v.l.) Dr. Julia Krohmer, Biologin,von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Susanne Ficus, Scientific Sales Specialistin, begrüßen die Teilnehmer Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Zunächst begrüßte die Moderatorin des Tages, Susanne Ficus, im Hauptberuf Scientific Sales Specialistin, die Teilnehmer,. Sie bat, dass sich 20 bis 30 Leute als Ordner für die spätere Demo-Zugbegleitung meldeten und stellte das Orga-Team vor. Das hatte in aller kürzester Zeit seit Februar den March for Science Frankfurt ad hoc organisiert. Unterstützt wurden sie dabei von der Girodano-Bruno-Stiftung. Wir haben uns – zum Teil bis vorhin – nicht gekannt, freut sich Susanne Ficus über die trotzdem so tolle Zusammenarbeit, als sie die Kerntruppe  auf der Lastwagen-Tribühne  kurz vorstellt. Von links nach rechts: Anette Thumser von den Humanisten, Dr. Julia Krohmer von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, „die die meiste Pressearbeit gemacht hat“, Dr. Anke Lischeid, Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, „die uns unterstützt haben, die Banner und unsere Westen bezahlen – ganz herzlichen Dank!“. Fellow-Student Joe aus den USA, der von Marburg aus dazu stieß. Steven from United Kingdom, der das Design „for twitter, for Facebook, for the banners“ übernommen hatte. Dr. Nathalie Dehne von der Goethe-Universität Frankfurt, Biologin. Dr. Gerold Hümmer von den Skeptikern, „Physiker, der uns auch mit vielen Ideen unterstützt hat“

Anette Thumser von den Humanisten, Dr. Julia Krohmer von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Susanne Ficus, Moderatorin und im Hauptberuf Scientific Sales Specialistin, Dr. Anke Lischeid, Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, Joe  Fellow-Student Marburg aus den USA, Steven from United Kingdom, Dr. Nathalie Dehne Biologin von der Universität Frankfurt, Dr. Gerold Hümmer von den Skeptikern Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Anette Thumser von den Humanisten, Dr. Julia Krohmer von der Senckenberg
Gesellschaft für Naturforschung, Susanne Ficus, Moderatorin und im Hauptberuf Scientific Sales Specialistin, Dr. Anke Lischeid, Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, Joe Fellow-Student Marburg aus den USA, Steven from United Kingdom, Dr. Nathalie Dehne Biologin von der Universität Frankfurt, Dr. Gerold Hümmer von den Skeptikern Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

OB Feldmann eröffnet: „Noch nie war Ihre wissenschaftliche Arbeit so wichtig wie heute“

Oberbürgermeister Peter Feldmann Foto: Diether v. Goddenthow
Oberbürgermeister Peter Feldmann Foto: Diether v. Goddenthow

Oberbürgermeister Peter Feldmann begrüßte die Teilnehmer mit einem gewissen Stolz, da sie das  Leugnen von Fakten, das Löschen von Daten, ob es den Klimaschutz, die Erderwärmung oder anderes betrifft, nicht unwidersprochen hinnehmen wollten. Wir brauchten solche Proteste  heute umso mehr, „damit diejenigen, die demagogisch versuchen, Politik zu machen und despotischer Weise versuchen, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, um die Menschen zu benebeln, eine Antwort bekommen. Das ist die Botschaft von heute, das ist die Botschaft von Ihnen, und das ist natürlich auch die Botschaft von mir als Oberbürgermeister dieser alten Wissenschaftsstadt Frankfurt.“, so Peter Feldmann wörtlich.

Die Realität sei,  dass Donald Trump in seiner ersten Amtswoche die wissenschaftlichen Fakten aus dem Regierungs-Computer löschen ließ und den Klimawandel mal einfach per Dekret abschaffen wollte. „Und ich sage sehr klar, und ich denke, da bin ich mit ihnen einer Meinung: Er wird damit scheitern!“, so der Oberbürgermeister. Trump werde alle anderen mit sich ziehen, die immer wieder versuchten oder als Despoten meinten, sie könnten mit dem Leugnen von Fakten dann auch den Menschenverstand endgültig aushebeln. „Das können sie nicht, das kann kein Präsident der USA und auch nicht die Parteivorsitzende von rechtspopulistischen Parteien in Deutschland oder in Europa“, so Peter Feldmann, der darauf hinwies, dass bereits in der – eher galamäßig angelegten – Senckenberg-Night die Idee aufkam, mit einem March for Science nach dem Vorbild „Women’s March in USA“ nicht bis zur nächsten Gala 2018 zu warten. Es habe ihn ermutigt, dass er statt Buhrufe nur Zustimmung erhielt, „und ich bin dem Senckenberg sehr dankbar, dass eben Wissenschaft nicht nur in Museen, nicht nur in Hörsälen, sondern auch mal auf der Straße ihr Gesicht zeigt. Das hat lange gefehlt.“, so Peter Feldmann. „Frankfurt war und ist und bleibt eine Stadt der Wissenschaft. Alle, die sich dazu bekennen, sind hier herzlich willkommen. Sie sind Teil unserer historischen Realität“, sagte der Oberbürgermeister und rief abschließend den begeisterten Teilnehmern zu: „Noch nie war Ihre wissenschaftliche Arbeit so wichtig wie heute!“.

Professorin Dr. Brigitta Wolff –   „Die Erde sei eine Scheibe? – so geht das nicht!“

Professorin Dr. Brigitta Wolff, Präsidentin der Universität in Frankfurt. Foto: Diether v. Goddenthow
Professorin Dr. Brigitta Wolff, Präsidentin der Universität in Frankfurt. Foto: Diether v. Goddenthow

Zwar sei das Methodenrepertoir der Wissenschaft riesig und pluralistisch, aber „auf die Straße zu gehen, gehört normalerweise nicht dazu“, begann  Professorin Dr. Brigitta Wolff, Präsidentin der Universität in Frankfurt augenzwinkernd ihr Statement, in dem sie interne Einblicke in den weltweiten Wissenschaftsbetrieb gab und aktuelle konkrete Fehlentwicklungs-Beispiele aufzeigte: „Wir sorgen uns um die Freiheit der Wissenschaft. Und wir sorgen uns auch um die Freiheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Uns als Goethe-Uni erreichen in den letzten Monaten in der Tat besorgniserregende Anfragen aus Ländern, mit denen wir bislang extrem eng und in Freundschaft wissenschaftlich, das heißt in Forschung und Lehre, kooperiert haben. Es erreichen uns Anfragen und Nachrichten von ganz konkreten bedrängten, bedrohten, teils entlassenen und vertriebenen Wissenschaftskollegen: Es geht um Freiheit. Es geht um Menschenrechte. Und diese Anfragen haben alle einen besorgniserregenden Inhalt, und auch Ton.“, so Professorin Brigitta Wolff.

Die Freiheit der Wissenschaft sei, daran würden sie aktuell immer wieder in drängender Weise erinnert, nicht überall selbstverständlich, obwohl die Wissenschaftler und Forscher das ganz lange geglaubt haben und glauben wollten. „Und darauf müssen wir aufmerksam machen liebe Freundinnen und Freunde der Wissenschaft. Und danke, dass wir das heute hier gemeinsam tun! „Ich will ganz konkrete Zahlen und Daten und Fakten nennen“, so die Unipräsidentin.

Erstes  Beispiel: „Aus Ungarn schrieb uns eine unserer Absolventinnen, die aktuell ihren Master an der Central European University macht. Sie schrieb von jenem inzwischen berühmten Gesetzesvorhaben der Regierung, dass im Wesentlichen eine Universität betrifft, und zwar eine, die sich ganz besonders der offenen Gesellschaft verpflichtet fühlt: Und sie hat darum gebeten, dass wir mit ihr kommunizieren, was da passiert, natürlich nicht in der Hoffnung, dass wir das eins zu eins verhindern können. Aber wir können wenigstens darauf aufmerksam machen. „

Weitere Beispiele: Schon unmittelbar nach der letzten Präsidentschaftswahl in den USA bekamen wir Anfragen per E-Mail und auf anderem Weg, ob wir kurzfristig Kolleginnen und Kollegen bei uns beschäftigen, bei uns unterbringen könnten. Eine unserer Studierenden aus der Theologie, deren Vater aus Syrien stammt, und die eine doppelte Staatsbürgerschaft hat, durfte auf einmal nicht zu einer Exkursion nach Princeton (Privatuni im US-Bundesstaat New Jersey) mitfahren und dann am Ende, nach ganz viel Hickhack nur mit einem Sondervisum.

Erasmusaustausch bricht im Moment faktisch zusammen

Noch mehr Beispiele: Fakten, liebe Freundinnen und Freunde! Die Goetheuniversität hat 20 Erasmus-Partnerunis in der Türkei. An 12 davon wurden laut der Beobachterseite turkeypurge,com Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entlassen. Stand April 2017: schon über 800.

Nächstes Beispiel: Die Studierendenmobilität nimmt ab: Im Jahr 2015 /2016 gingen noch über 30 Studierende der Universität an unseres Partnerunis in die Türkei. Jetzt für 17/18 sind nur noch weniger als 10 angemeldet. Das Bild der aus der Türkei zu uns kommenden Erasmusstudierenden ist ähnlich. Auch da kommen wir von einer Größenordnung von fast 30 noch letztes Jahr, jetzt angekündigt für’s nächste akademische Jahr auf gerade noch 4. Das heißt: Der Erasmusaustausch der Studierenden, einer der besten Erfindungen der EU, bricht im Moment faktisch zusammen. Und das macht uns verdammt große Sorgen. Das meine Damen und Herren sind Zahlen, Daten und Fakten, nicht irgendwelche gefühlten alternativen parafaktiven oder postfaktischen Auffassungen.“

Professorin Brigitta Wolff verdeutlichte, dass man es sich ja leichtmachen und all diese „Beispiele als individuelle Schicksale oder kleine Betriebsunfälle abtun“ könne. „Ich kann und will das aber nicht!“, so die Unipräsidentin ganz im Sinne der Anwesenden. Denn „freie Bildung und Wissenschaft sind die Voraussetzung für das Gelingen, nicht nur des persönlichen Lebens von Menschen, sondern auch für die Lebens- und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaften.

Freie Wissenschaft, Freie Bildung, sei die absolute Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit offener, pluralistischer und demokratischer Gesellschaften, so Professorin Brigitta Wolff: „Wenn wir den Herrschenden es überließen, alleine zu bestimmen, was geforscht wird, was wahr ist, und was falsch, müssten wir heute alle noch glauben, die Erde sei eine Scheibe. So geht das nicht!“

Professor Dr. Frank E.P.Dievernich – Es geht um die Freiheit unserer Gesellschaft

Professor Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurter University of Applied Science Foto: Diether v. Goddenthow
Professor Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurter University of Applied Science Foto: Diether v. Goddenthow

Als nächster Redner wies Professor Dr. Frank E.P.Dievernich, Präsident der Frankfurter University of Applied Science, darauf hin, dass wir, was wir hier gerade heute alle zusammen machen, nichts Geringeres sei, „als dass wir in die Demokratie einzahlen, die die Grundlage für unser Wirken und Arbeiten ist.“ Es sei toll zu sehen, wie viele Menschen sich beteilitgen, nicht nur in Frankfurt, sondern deutschland- und weltweit an der Stelle. „Und ich glaube und ich hoffe sehr, dass dieses Zeichen über den Atlantik hinüber schwappt“, so Professor Frank Dievernich.

Als Vertreter der Hochschulen für angewandte Wissenschaften unterstrich der Hochschulpräsident die Bedeutung von faktenbasierter Wissenschaft für die tägliche praktische Studien- und Zusammenarbeit mit seinen Hochschulpartner aus Wirtschaft, Medien und Sozialbereich. „Eine Lehre, die nicht auf Fakten basiert, bedeutet, dass wir Studierende in eine Gesellschaft entlassen, die sie ein Stück weit nicht einordnen können“ „Was für eine Gesellschaft produzieren wir, wenn wir nicht auf Fakten letztendlich achtgeben? so Professor Frank Dievernich.  „Wir müssen uns einsetzen, dass diese Wissenschaft tatsächlich faktenbasiert ist, und es ist wichtig, mitzunehmen, dass wir heute ein Zeichen setzen (…) denn es geht um die Freiheit unserer Gesellschaft!“, so der Hochschulpräsident.

Vorführung in angewandter Physik
Als kleine Zwischen-Entspannung bat Susanne Ficus nach dieser  „ersten Theorie-Runde“ der Redner  Markus Furtner zu seiner  Show-Einlage in angewandter Physik auf die Bühne. Niemand beherrsche so gut wie Mathematiker Furtner mit den Bevel-Sticks das Spiel   mit der Gravitation und mit dem Impuls. Markus Furtner trat in 21 Ländern auf, darunter auch im Cirque du Soleil.

Mathematiker Markus Furtner beherrscht das Spiel von Gravitation und Impuls mit den  Bevel-Sticks perfekt. Foto: Diether v. Goddenthow
Mathematiker Markus Furtner beherrscht das Spiel von Gravitation und Impuls mit den Bevel-Sticks perfekt. Foto: Diether v. Goddenthow

 

 

 

Professor Dr. Joybrato Mukherjee – Den Sonnenschein der Freiheit für den Baum wissenschaftlicher Erkenntnis sichern

Nach der akrobatischen Physik-Nummer, bei der Markus Furtner letztlich doch nicht wie „fliegende Jogis“ die Schwerkraft seiner wirbelnden Stöckchen überwinden vermochte, holte der Präsident der Universität Gießen, Professor Dr. Joybrato Mukherjee, die lebendige Menge wieder zum eigentlichen Thema zurück: Er brachte Intention und Ziel des March for Science mit den Worten Justus Liebigs auf den Punkt, dass es in diesen Tagen „um eine eigentlich selbstverständliche Unterscheidung, nämlich um Fantasie und Verstand, ginge. Justus Liebigs, Begründer der organischen Chemie, nach dem auch seine Universität benannt sei, habe das mal folgend formuliert: „Die Erfindung ist Gegenstand der Kunst, der der Wissenschaft ist die Erkenntnis, die erstere findet oder erfindet die Tatsachen, die andere erklärt sie; die künstlerischen Ideen wurzeln in der Phantasie, die wissenschaftlichen im Verstande“

Professor Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der Universität Gießen Foto: Diether v. Goddenthow
Professor Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der Universität Gießen Foto: Diether v. Goddenthow

„‚Fantasie versus Verstand‘ darum geht es!“, so Professor Dr. Mukherjee: „Wer Daten herbeifantasiert, Ereignisse und Entwicklungen erfindet, Erklärungen aus Bauchgefühl oder gar Machtkalkül heraus entwickelt, der kann für sich keine Wissenschaftlichkeit beanspruchen.“, sagte der Unipräsident und konnte es kaum fassen, dass wir, obgleich wir in einem der Kernstaaten des aufgeklärten Westen lebten, heute gegen die Angriffe der Unterscheidung zwischen  Fantasie und Verstand die Stimme erheben und uns wehren müssten. Wir müssten die Dinge wieder beim Namen nennen, Eternity Facts sind Lügen.  Fake News sind Erfindungen. Meinungen sind keine Tatsachen!“, so Professor Mukherjee.

Niemand ist eine Insel – Wissenschaft wirkt global

Selbst Einschränkungen der Wissenschaft in anderen Ländern träfe auch uns, denn wir lebten in einer internationalen vernetzten Wissenschaftsgemeinde. Und gerade wir in Deutschland wären ein global vernetzter Wissenschaftsstandort, wie nur wenige andere. Ohne internationale Zusammenarbeit, „ohne das Zusammenbringen der besten Köpfe weltweit, ohne den ständigen interkulturellen Erfahrungsaustausch werden wir die großen Fragen und drängenden Probleme der Menschheit nicht angehen können, sei es in den geistigen Sozialwissenschaften, sei es in den Natur- und Lebenswissenschaften, sei es in den Ingenieur- und Technikwissenschaften“, so  Professor Dr. Mukherjee

Deutschland stelle mit seinen 80 Millionen Einwohnern lediglich ein Prozent der Weltbevölkerung: „Ohne den Austausch mit den vielen klugen Menschen unter den anderen 99 Prozent der Weltbevölkerung sind wir verloren. Das sollte uns klar sein. „

Deswegen gäbe es in Sachen Wissenschaftsfreiheit keine Außenpolitik. Alles sei Innenpolitik. „Das finanzielle Aushungern von Wissenschaftsgebieten wie der Klimaforschung in den USA, die Schließung von wissenschaftlichen Institutionen in Ungarn, die Drangsalierung von Wissenschaftlern in der Türkei, all das geht uns an, betrifft uns, kann uns nicht kalt lassen. Auch dagegen wehren wir uns hier und heute!“, bekräftigte der Unipräsident die Wichtigkeit des March for Scienc in Frankfurt.

Politik und Gesellschaft müssen Pluralität von Wissenschaft aushalten

Auch bei uns in Deutschland müssten wir wachsam sein und bleiben. Auch bei uns käme es mitunter vor, dass Kolleginnen und Kollegen von bestimmten lautstarken Gruppen wegen ihrer wissenschaftlichen Meinung diffamiert würden, dass politisch oder gesellschaftlich unerwünschte Forschungsergebnisse entwertet würden, dass ganze Wissenschaftsthemen diskreditiert würden. „Politik und Gesellschaft müssen es aushalten, dass Wissenschaft Pluralität braucht, dass Erkenntnisfortschritt ohne eine Vielfalt der Ansätze und Plausibilisierungen nicht möglich ist, dass die die wissenschaftliche Suche nach der Wahrheit nicht immer kompatibel ist mit der Suche nach einer politischen oder gesellschaftlichen Mehrheit“, so der Gießender Unipräsident.

Es ginge in diesen Tagen einmal mehr um die Erhaltung des wachsenden Baums der Erkenntnis.  „Wir wissen jetzt“, zitiert Professor Dr. Mukherjee Justus Liebig, „daß die Ideen der Menschen nach bestimmten Gesetzen der Natur und des Geistes organisch sich entwickeln und sehen den Baum menschlicher Erkenntnis wachsen ohne Unterbrechung und im Sonnenschein der Freiheit blühen und Früchte tragen zur richtigen Zeit!“

Dieser Baum der wissenschaftlichen Erkenntnis sei  „unser Baum, den wir hegen und pflegen, den wir schützen müssen, für den wir den Sonnenschein der Freiheit sichern müssen. Darum geht es!“, so Professor Dr. Mukherjee

 

Dr. Sascha Vogel- Mehr darauf achten, was Leute tun, weniger hören, was sie sagen

Dr. Sascha Vogel Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) an der Goethe-Uni  Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Sascha Vogel Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) an der Goethe-Uni Foto: Diether v. Goddenthow

Dr. Sascha Vogel Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) an der Goethe-Uni ist Physiker und ein „vielseitig begabter Wissenschaftskommunikator“, hatte es, da er noch auf eine Hochzeit musste, sehr eilig, und erwähnte dies nur, da er dem Brautpaar viele „kleine Wissenschaftler“ wünschte, die hoffentlich in einer freiheitlichen pluralistischen offenen Gesellschaft frei forschen könnten, wofür „er heute hier sei“.

Shit-Mails gegen Wissenschaftler ärgern

Er ärgere sich über E-Mails von Science-March-Skeptiker, „um es mal diplomatisch“ auszudrücken: „Und wenn man da so ein bisschen nachguckt, aus welcher Ecke die kommen, findet man relativ schnell, dass der Klimawandel doch irgendwie gar nicht so schlimm ist, dass das mit dem Impfen auch so gar keine gute Idee ist, und dass alle Wissenschaftler sowieso von der Pharmaindustrie bezahlt sind“ analysierte Dr. Vogel über 9 Seiten ausgedruckten E-Mail-Shit. Es sei kein Witz, sein Highlight wäre folgende E-Mail: „Man darf sich fragen, welche NGO und Geheimdienste diesmal bestimmt wurde, hiermit zweifelhaften Vergnügen für einen Aufmarsch von Gleichgesinnten zu sorgen, die bislang noch nicht wussten, was sie wollten und mit wem.“ Also die Gleichgesinnten wären Sie!

„Warum mache ich den ‚Scheiß’?“ (die Wissenschaft)

Dieses Statement und diese E-Mails, die ich bekommen habe, hätten ihn dazu bewogen, nachzudenken,  warum diese Leute, die so etwas verbreiten, so viel Gewicht haben, und diese vielen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler denn nicht!  Das habe ihn letztlich so ein bisschen wütend gemacht, und er habe nochmals den Titel seines heutigen Beitrags in  „Warum machen wir den Scheiß?“ geändert.  Dr. Vogels Fazit: „Der Grund, warum ich Wissenschaft gemacht habe, und ich unterstell das jetzt einfach mal der Mehrheit hier, ist, weil es einfach Spaß macht. Wissenschaft zu machen, macht man, weil es Spaß macht, weil es cool ist, weil es ein tolles Gefühl ist, als erster Mensch auf der Welt immer zu verstehen, und dass man einfach sagt: Das habe ich zum ersten Mal gesehen. Und das, das finde ich toll.“.

Aber dann  gäbe es Leute wie die „diplomatisch genannten“ Science-March-Skeptiker, die einfach versuchten, das kaputt zu machen, dass man nachher sage: „Naja, dass stimmt ja alles gar nicht, was sie da machen: Das ist ja sowieso alles gekauft“ Das sei einfach, so Dr. Vogel, weil das mit zwei Sätzen alles zerstöre, das werde einfach behauptet, die Relativitätstheorie funktioniere ja sowieso  nicht,  Adorno sei sowieso ein Dummlaberer und mit dem Impfen sei das sowieso alles total Schwachsinn.

„Das sind zwei, drei Sätze mit denen ich alles kaputt machen kann. Aber das ist mir persönlich zu wenig. Das ist einfach mir persönlich zu wenig, dass man das einfach so tut.

Wieder mehr auf die Leute hören, die handeln statt reden!

Und nun kommt Dr. Vogel zum Punkt seines Vortrags, nämlich „nicht zu sehr darauf achten, was Leute sagen, man sollte darauf achten, was sie tun.“, was er an einem Mitmach-Experiment demonstrierte, indem er aufforderte nur nach seiner Anweisung runterzählend von 3,2,1 auf Null zu klatschen, während er selbst auf der Bühne mit seinen Händen die Übung mitmachte. Und klar: Die Leute klatschten nicht auf sein Kommando „Klatschen“, sondern als sie seine Hände bei Null zusammenklatschen sahen. Der Mensch orientiere sich im Grunde genommen danach, was andere tun, weniger danach, was sie sagen. „Und ich glaube“, so Dr. Vogel aufmunternd: „in diese Mentalität sollten wir auch mal wieder in der Wissenschaft kommen: dass wir nicht auf die vielen Leute hören, die sagen: ‚Ja das ist ja alles falsch, und mit dem Adorno und Kant, und der Statistik, und mit dem Impfen …. dass wir vielleicht nicht so sehr auf die hören, sondern vielmehr wieder auf die Leute hören, die es tun. Diese Leute, die einfach 16 Stunden am Tag im Labor stehen, und irgendwelche Zellkulturen hegen und pflegen, die irgendwelche gekoppelten Differentialgleichungen rechnen, die irgendwelche Statistiken repräsentativ machen, statt ihre zwei Freunde und Freundinnen zu fragen. Vielleicht sollten wir wieder auf diese Leute hören.“, so Dr. Vogel.

Und immer schön skeptisch bleiben – Teilnehmerbeiträge

Nach diesen engagierten Beiträgen von Feldmann, Wolff, Dievernich, Mukherjee und Vogel für die Freiheit der Wissenschaft und gegen Leugnung und Verdrehung von Fakten ergriffen einige Teilnehmer die Gelegenheit, Ergänzendes beizutragen. Im Wesentlichen bekräftigten sie Gesagtes. Eine türkische Wissenschaftlerin bedankte sich, hier frei forschen zu können, und bat, nicht aufzuhören, mit den Wissenschaftlern in der Türkei in Kontakt zu bleiben, egal wie schwierig das zur Zeit auch sei. Ein Student mahnte zur generellem Skepsis. Man solle nicht immer alles sofort glauben, was in Sozialen Medien oder sonstwo verbreitet würde,  sondern die Dinge, auch die der Wissenschaft, stets hinterfragen. Damit war der erste Kundgebungs-Block beendet und der March for Science durch die Frankfurter Innenstadt konnte beginnen.

„We want facts, nothing else.“ – March for Science bis zum Römerberg
Nach der Kundgebung Teil 1 formierte sich der große Demo-Zug "March for Science" an der Bockenheimer Warte und starte ab 14 Uhr mit Marschtrommeln und Sprechchören zum Römer-Berg, Kundgebung 2. Teil Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Nach der Kundgebung Teil 1 formierte sich der große Demo-Zug „March for Science“ an der Bockenheimer Warte und starte ab 14 Uhr mit Marschtrommeln und Sprechchören zum Römer-Berg, Kundgebung 2. Teil Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die Banner “March for Science“ und „Science not Silence“ von der Lastwagenbühne werden die Frontschürze des Zuges sein. 2500 Leute wollen vom Veranstaltungsplatz auf der Bockenheimer Straße in die gewünschte Position gebracht werden. Ordner aus Teilnehmern werden rekrutiert und eingeteilt, Trommler zu positioniert, freiwillige Bannerträger gefunden und die genaue Wegstrecke mit der äußerst hilfsbereiten Polizei abgeklärt.
Alles geschieht erstaunlich fix, reibungslos,  beinahe professionell, bedenkt man, dass das Science-March-Orga-Team kaum über derlei profunde Erfahrungen Zugführer-Erfahrungen verfügt. Binnen einer Viertelstunde setzt sich der lange March for Science Frankfurt in Bewegung, darunter viele Familien mit Kindern, Großeltern mit Enkeln. Vorneweg ein Alt-Sponti, sichtlich demoerfahren, animiert und dirigiert ein wenig, bringt die Spitze immer wieder, falls nötig, in Form, schaut, ob die Banner noch straff, das Tempo nicht zu flott ist und der Gleichschritt noch synchron ist.

Imposant zieht die generationsübergreifende Demonstration der internationalen akademischen Community Frankfurts, Mainz, Gießens und Wiesbadens, unterstützt vom Marschtakt der Trommeln, durch die Rhein-Main-Metropole. Foto: Diether v. Goddenthow
Imposant zieht die generationsübergreifende Demonstration der internationalen akademischen Community Frankfurts, Mainz, Gießens und Wiesbadens, unterstützt vom Marschtakt der Trommeln, durch die Rhein-Main-Metropole. Foto: Diether v. Goddenthow

Imposant zieht die generationsübergreifende Demonstration der internationalen akademischen Community Frankfurts, Mainz, Gießens und Wiesbadens, unterstützt vom Marschtakt der Trommeln, von der Bockenheimer Landstraße, vorbei an Alter Oper, Goethe-Platz und Paulskirche zum Römerberg vors Rathaus. Vorneweg brüllt unablässig eine Mädchengruppe: „We want facts, nothing else“. Ihre Stimmen sind so ansteckend, dass immer mehr Teilnehmer mitskandieren. Selbst die Polizisten lassen sich stimmungsmäßig ein wenig mitreißen: Als in Höhe der Paulskirche der Mädchenchor stimmlich etwas abflaut, ermutigt ein Beamter die jungen Damen, beim Abbiegen zum Römerberg nochmal etwas „Gas zu geben“.

Der March for Science Frankfurt, vorbei an der Paulskirche, dem Symbol deutscher freiheitlicher Demokratie schlechthin. Foto: Diether v. Goddenthow
Der March for Science Frankfurt, vorbei an der Paulskirche, dem Symbol deutscher freiheitlicher Demokratie schlechthin. Foto: Diether v. Goddenthow

Teil 2 – Abschlusskundgebung am Römerberg

Die Ankunft des Demo-Lindwurms auf dem Römerberg markiert den zweiten Block des March-for-Science Frankfurt mit Redebeiträgen und einer super improvisierten Tanzeinlage von Kindern der Teilnehmer.

Der March for Science Frankfurt erreicht den Römerberg Foto: Diether v. Goddenthow
Der March for Science Frankfurt erreicht den Römerberg Foto: Diether v. Goddenthow

Inzwischen sind viele Römerbergbesucher, darunter etliche Touristen dazu gestoßen, der Platz vor dem Frankfurter Rathaus ist voll. Überall werden Plakate, Text- und Bildtafeln mit Sprüchen in die Höhe gereckt oder am Körper vorne und hinten gezeigt. Auf der Bühne skandiert die Demoführung, die Banner hochhaltend „We want facts, nothing else.“

Gemeinsam lautstark im Chor: „We want facts, nothing else.“ Foto: Diether v. Goddenthow
Gemeinsam lautstark im Chor: „We want facts, nothing else.“ Foto: Diether v. Goddenthow

In ihrer anschließenden Begrüßung skizziert Susanne Ficus  bei der Auflistung der Liste der anstehenden Redner kurz den weiteren Verlauf der Abschlusskundgebung des March for Science Frankfurt.

Tanzen für Freiheit und Frieden - Jugendliche unterhalten mit einer spontanen Impro-Dance-Show Foto: Diether v. Goddenthow
Tanzen für Freiheit und Frieden – Jugendliche unterhalten mit einer spontanen Impro-Dance-Show Foto: Diether v. Goddenthow

Zur Überbrückung improvisieren Kinder und Enkel von Demonstranten eine super Tanzshow.

 

 

 

 

Professorin Concettina Sfienti – Der Fortschritt gehört den Menschen

Professorin Concettina Sfienti, Dekanin des Fachbereichs Physik der Gutenberg-Universität in Mainz, in privater Mission. Foto: Diether v. Goddenthow
Professorin Concettina Sfienti, Dekanin des Fachbereichs Physik der Gutenberg-Universität in Mainz, in privater Mission. Foto: Diether v. Goddenthow

Dann ergreift die erste Rednerin der Abschlusskundgebung, Professorin Dr. Concettina Sfienti, Dekanin des Fachbereichs Physik der Gutenberg-Universität in Mainz, das Wort. Selbstironisch meint siedass sie eigentlich lieber ‚E-Mail lesen‘ würde, als vor großem Publikum zu reden“. „Ich hasse das!!“. Aber ihre Abneigung, öffentlich zu reden, und da ist sie schon beim Thema,  habe einen bestimmten Grund. Der Grund ihrer Redeangst, von der man nicht mal ansatzweise etwas spürt,  hätte ihrer Meinung nach vermieden werden können, wenn die Schule in ihrer Kindheit rechtzeitig auf wissenschaftliche Fakten und weniger auf Tradition oder Meinungen gehört hätte. Professorin Concettina Sfienti, die rein privat gekommen sei und nicht für ihre Uni spreche, erzählte, dass sie Linkshänderin sei, und seitdem  sie ihre Lehrerin bei der Einschulung zum Rechtsschreiben gezwungen habe, stottere. Bis in die 70er Jahre galt Rechtshändigkeit als die Norm, was bedeutete, so Professorin Concettina Sfienti, das  Linkshänder gezwungen wurden, entgegen ihrem Naturell mit der rechten Hand zu schreiben. „Schon damals übrigens gab es wissenschaftliche Beweise, Fakten, die darauf hingewiesen haben: Leute, wenn ihr Linkshänder zwingt, mit der rechten Hand zu schreiben, dann bekommen diesen Menschen Sprachstörungen bis hin zu physischen Störungen. Schon damals jedoch wären Meinungen lauter gewesen als ordentliche Beweise, warnt Professorin Concettina Sfienti vor Wissenschaftsignoranz anhand des eigenen Schicksals. Mit viel Training und Mühen habe sie sich das Stottern wieder abtrainieren können. Stimmt, und zwar so gut, dass sie beim Zuruf, näher ans Mikro zu gehen augenzwinkernd ins Publikum ruft: „Ich bin Italienerin, eigentlich sollten sie mich hören auch ohne Mikro!!“

Ich bin Italienerin, eigentlich sollten sie mich hören auch ohne Mikro!!“ ruft Professorin Concettina Sfienti augenzwinkernd dem Publikum zu als sie  gebeten  wurde näher ans Mikro zu gehen.Foto: Diether v. Goddenthow
„Ich bin Italienerin, eigentlich sollten sie mich hören, auch ohne Mikro!!“ ruft Professorin Concettina Sfienti augenzwinkernd dem Publikum zu, als sie gebeten wurde näher ans Mikro zu gehen. Foto: Diether v. Goddenthow

Auch die Kinderlähmung ihrer Großmutter, die trotz Rollstuhlschicksal ihren Humor nie verloren hätte, wäre vielleicht in den späten 50er Jahren vermeidbar gewesen, hätte man sich im damaligen Sizilien rascher frei für den wissenschaftlichen Fortschritt des Schutzimpfens entscheiden können. Dr. Jonas Edward Salk, der Erfinder der Polio-Schutzimpfung, habe übrigens am 12. April 1955 in einem Interview auf die Frage, wem das Patent gehöre, gesagt: „Den Menschen!“ Diese Erfindungen, die Krankheiten heiln oder ähnliche Dinge täten, gehörten den Menschen, und Salk habe hinzugefügt: „Würden Sie die Sonne patentieren?“.

Und genau das sei ihr Punkt, dass ihrer Meinung  nach nämlich wissenschaftlicher Fortschritt den Menschen gehöre. Aber den Menschen gehöre mehr, nämlich alles, was dahinter steht, „insbesondere die wissenschaftliche Methode, die ihnen ermöglicht, auf Fakten basierende Entscheidungen zu treffen“, plädiert  Professorin Dr. Concettina Sfienti gegen eine „Wissenschaft der Herrschenden“. Dies dürfe man nie vergessen, weil eine freie Zugänglichkeit von Wissenschaft und ihren Methoden jedes wissenschaftliche Ergebnis überprüfbar mache. Man solle auch den Regimen sagen, „die die Wissenschaft zum Schweigen bringen wollen, ob deren Theorien überprüfbar sind. Die müssen Vorhersagen machen. Sei die Erde flach! Ja, wunderschön! Dann sag mir, was du anderes vorhersagen kannst mit dieser wunderschönen Theorie?“, führt die Kernphysikerin all jene vor, die aus politischem, religiösem oder wirtschaftlichen Kalkül unüberprüfbar „Fakten“ oder bewusst „alternative Fakten“ in die Welt setzten.

Nach viel Applaus folgt ohne Pause sofort der nächste hochkarätige Redner:

Professor Dr. Joachim Curtius – Trump ist ein Schlag ins Gesicht der Wissenschaft

Professor Dr. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität Frankfurt warnt vor dem "Klima-Busfahrer" Trump Foto: Diether v. Goddenthow
Professor Dr. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität Frankfurt warnt vor dem „Klima-Busfahrer“ Trump Foto: Diether v. Goddenthow

Mit Professor Dr. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität Frankfurt kommt nun ein Spezialist der experimentellen Atmosphärenforschung zu Wort. Der „March for Science“ sei auch zugleich der „Earthday“, der Tag der Erde, weswegen es für ihn ein doppelter Grund sei, hier zu sprechen, so der Klimaforscher. Denn das Thema Klimawandel sei sicherlich ein besonders plakatives Beispiel für die Inhalte und Entwicklungen auf die die Wissenschaft mit dem heutigen Marsch aufmerksam machen möchte.

Breiter Konsens: Klimawandel schreitet rasch voran!

In den vergangenen Jahrzehnten hätten die Klimaforscher Tausende von Datensätzen zusammengetragen. Klimaforscher, das seien Naturwissenschaftler, Physiker, Chemiker, Biologen, Meteorologen, die sich alle den Regeln des Wissenschaftsbetriebs und der Wissenschaft verpflichtet fühlten, die ihre Daten sehr sorgfältig erhöben, die Daten methodisch analysierten und Unsicherheiten auch berechneten und angeben bei ihren Arbeiten. Vor allem würden all die publizierten Arbeiten gegengelesen von anderen Wissenschaftlern, erläutert Professor Dr. Joachim Curtius und garantiert: „Die werden geprüft, und dieses System ist ein ganz essentieller Teil unserer Wissenschaft. Und auch, wenn es viele offene Fragen um den Klimawandel natürlich gibt. Der allgemeine Gesamtbefund ist ganz eindeutig: Es gibt einen breiten Konsens unter allen seriösen  Klimawissenschaftlern, dass es einen erheblichen Klimawandel gibt, dass er atemberaubend schnell voranschreitet, und zwar so schnell, dass sich viele Arten nicht daran anpassen können. Und dieser Klimawandel ist im Wesentlichen von Menschen verursacht“, so Professor Dr. Joachim Curtius und warnt davor dass wir „mit einem ‚Weiter-so-wie-bisher‘ eine ganze Reihe von katastrophalen Folgen wahrscheinlich machen“.

Nicht nur in Amerika, auch in Deutschland gäbe es noch erhebliche Teile der Bevölkerung, die diese Befunde nicht anerkennten. Bei kaum einen anderen wissenschaftlichen Thema werde so häufig an den Befunden gezweifelt, wie beim Klimawandel, aber ohne entsprechende Gegenbeweise vorzulegen, so der Spezialist der experimentellen Atmosphärenforschung Professor Joachim Curtius.

Trump  – alles andere als eine Randerscheinung

Demonstranten mit Schrifttafeln gegen Leugnung des Klimawandels.Foto: Diether v. Goddenthow
Demonstranten mit Schrifttafeln gegen Leugnung des Klimawandels.Foto: Diether v. Goddenthow

„Der wahre Erfolg von Herrn Trump in den USA, der wiederholt per Twitter behauptet hat, dass Klimawandel nur eine Eirfindung Chinas sei, um die amerikanische Wirtschaft zu beschädigen, zeigt leider, dass hier inzwischen sogar eine Mehrheit der Bevölkerung jemanden wählt, der wissenschaftliche Fakten einfach mit populistischen Kurznachrichten vom Tisch wischt, ohne jemals einen wissenschaftlichen  Gegenbeweis  vorzulegen“, ärgert sich Professor Joachim Curtius.

Trump, wehe wenn er völlig von der Kette gelassen wird. Super Motiv beim March for Sciene, der Künstler schaut uns unten an. Danke! Hier bei der Abschlusskundgebug auf dem Römerberg. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Trump, wehe wenn er völlig von der Kette gelassen wird. Super Motiv beim March for Sciene, der Künstler schaut uns unten an. Danke! Hier bei der Abschlusskundgebug auf dem Römerberg. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Vor allem „dass jemand in den USA zum Präsidenten gewählt wird, in dem Land, das seit Jahrzehnten in der Wissenschaft vorne steht, die meisten Nobelpreisträger hervorgebracht hat, auch in den Klimawissenschaften ganz vorne steht“, kann Professor Joachim Curtius wie wohl alle hier auf dem Römerberg kaum fassen. „Das dort jemand zum Präsidenten gewählt wird, der vermutlich in naher Zukunft die Budgets von Klima- und Umweltforschung bei der NASA, NOA, EPA drastisch zusammenkürzen wird, und der möglicherweise entscheidet, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen wieder aussteigen: das ist eigentlich ein Schlag ins Gesicht der gesamten Wissenschaft!“, empört sich Professor Joachim Curtius unter lautstarkem solidarischen Buhrufen der vielen Tausend Zuhörer.

Fast noch erschreckender sei, dass  dieser Mann von einer Mehrheit gewählt wurde und somit alles andere als eine Randerscheinung sei, „die schon wieder weggehen wird“, befürchtet der Klimaforscher.

Aber auch in Europa sei dieser US-Trend „weg vom wissenschaftlichen Diskurs, hin zum ‚ungeprüften-Behaupten und ins Netz stellen‘“ zu beobachten. Diesem Trend folgten anscheinend immer mehr Menschen. „Und diesen Trend gilt es auch aufzuhalten, und dies ist sicher ein Hauptanliegen dieser Veranstaltung heute.“, fordert Professor Joachim Curtius.

Probleme auch Europa – Brexit, Co2-Ausstoß

Ganz bang kann es einem auch beim tieferen Blick nach Europa werden: „Beispielsweise befürchte ich“, so Professor Joachim Curtius, „dass im Zuge eines harten Brexit viele hervorragende britische Forscher in Zukunft nicht mehr in europäischen Forschungsprojekten mitarbeiten dürfen. Auch das wäre ein herber Rückschlag für die Forschung in Europa.“

Und zurück zum Thema Klimawandel, weiß Curtius, dass es sich hierbei ein sehr ernstes und langfristiges Problem sei, weswegen wir  jetzt handeln müssten. Vielleicht sei auch „dieser Hang zu den alternativen Fakten jetzt halt so groß, weil die Aufgabe so gigantisch ist“, fragt der Klimaforscher in die Runde. „Wir müssen die vollständige Dekarbonisierung (Reduzierung von CO2-Emissionen) innerhalb von ein paar  Jahrzehnten schaffen. Dies erfordert den Umbau des gesamten Energiesystems: Verkehr, Landwirtschaft und Privathaushalte, alle müssen da vollständig umorganisiert werden.“, ist Professor Joachim Curtius sicher, wollen wir überhaupt noch eine kleine Chance haben, den Klimawandel zumindest zu verlangsamen.

In Deutschland sei zwar  inzwischen die Erkenntnis da, etwas tuen zu müssen, aber das sei vergleichbar mit den guten Vorsätzen an Silvester, endlich etwas abzunehmen. Aber wenn dann die Verlockungen auf dem Tisch stünden, sei es einfach sehr schwer „absichtlich Diät zu halten“, so Curtius.

Abrupter Klimawandel immer wahrscheinlicher

Deutschland habe in einigen Sektoren sicherlich schon viel erreicht, und gerade bei der regenerativen Stromerzeugung habe sich enorm viel getan. Doch es müsse auch gesehen werden,  dass es noch Sektoren gäbe, wie zum Beispiel die Luftfahrt, bei dem wir uns vom  Ziel, Co 2 einzusparen, eher immer weiter entfernten. „Der Frankfurter Flughafen, der unbestritten extrem wichtig für diese Region ist, dort werden heute pro Jahr 50 Prozent mehr Kerosin in die Flugzeuge vertankt, als noch vor 25 jahren. Wir entfernen uns also von dem Ziel, wirklich drastische Einsparungen bei den Co2-Emmissionen zu schaffen, in diesem Sektor vollständig“, stellt Professor Joachim Curtius dieses Beispiel heraus und warnt eindringlich: „Meine Damen und Herren, beim ungedrosselten ‚Weiterso-wie-bisher‘ wird auch ein abrupter Klimawandel immer wahrscheinlicher. Eine starke Zunahme von Wetterextremen, wie beispielsweise extreme Dürre, und Wasserknappheit im Mittelmeerraum oder prognostizierte Sommertemperaturen oberhalb von 60 Grad am Persischen Golf werden wahrscheinlich.“

Und das ereile Länder, in denen die Lage ohnehin schon sehr problematisch, sehr angespannt und prekär sei. Mehr noch: Die gegenwärtige „Situation ist durchaus vergleichbar mit einem vollbesetztem Bus, der auf eine Steilklippe zufährt: Die USA haben in dieser Situation gerade einen Busfahrer engagiert, der alle Stoppschilder ignoriert, alle Alarmzeichen außer Acht lässt und statt zu bremsen, kräftig Gas gibt“, beschreibt Professor Joachim Curtius Trump als eine Art apokalyptischen Klima-Reiter.

Selbst für eine Vollbremsung wäre es bald zu spät, weswegen wir, die Menschheit, keine Zeit mehr verplempern dürfen. „Wir haben nur einen Planeten, und egal, welche Partei regiert, welcher Couleur man angehört: Nur mit Wissenschaft, mit einer gründlichen Erforschung der sehr komplexen Zusammenhänge und mit faktenbasierten vernünftigen Maßnahmen haben wir eine Chance die Probleme in den Griff zu bekommen“, ist sich der Klimaforscher ganz sicher.

Wissenschaftler live befragt – mit Oliver Bechthold von Schlaulicht

Oliver Bechthold, Podcast-Moderator von Schlaulicht, interviewt die letzten drei hochkarätigen Redner,  hier auf der Bühne mit Professor Dr. Dittmar Graf, den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen, einer der größten Mahner vor weltweit zunehmenden Kreationismus.Foto: Diether v. Goddenthow
Oliver Bechthold, Podcast-Moderator von Schlaulicht, interviewt die letzten drei hochkarätigen Redner hier auf der Bühne mit Professor Dr. Dittmar Graf, den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen, einer der größten Mahner vor weltweit zunehmenden Kreationismus.Foto: Diether v. Goddenthow

Oliver Bechthold, Podcast-Moderator von Schlaulicht, interviewt die drei letzten hochkarätigen Redner auf der Abschlusskundgebung des March for Science auf dem Frankfurter Römerberg: Dr Stephanie Dreyfuerst, Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, GWUP), Professor Dr. Dittmar Graf, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen und Dr. Holm Gero Hümmler, Wissenschafts-Blogger und -autor, GWUP)
Moderator Oliver Bechthold stellt sich und seinen Wissenschafts-Podcast Schlaulicht kurz vor: „Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich bemühe mich um Wissenschaftskommunikation“ „Wir bringen einen Podcast heraus, der nennt sich Schlaulicht http://schlaulicht.info/ und der ist adressiert an Neugierige zwischen 7 und 99. Wir versuchen, wissenschaftlich Themen zu vermitteln, zu kommunizieren, vielleicht auch ein bisschen kindgerecht herunter zu brechen. Und wie gesagt, ich bin kein Wissenschaftler, und dann suchen wir uns oft Hilfe, also Experten, die wir dann „Schlaulichtgestalten“ nennen. Die interviewen wir dann. Und dasselbe mache ich heute mal vor diesem Publikum“, so Olli, wie ihn sein Publikum nennt.

Dr. Stephanie Dreyfürst bringt Übernatürliches auf den Prüfstand

Dr. Stephanie Dreyfürst, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, GWUP. Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Stephanie Dreyfürst, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, GWUP. Foto: Diether v. Goddenthow

Als erste im Reigen begrüßt Olli  Dr. Stephanie Dreyfürst, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, GWUP, und Leiterin des Schreibzentrums an der Goethe-Universität.  Er befragt sie, was GWOP sei und mache und welche Ziele verfolgt würden. Dr. Stephanie Dreyfürst erläutert, dass die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, wie schon der Name sage, sich mit allen Dingen beschäftigen, wovon behauptet würde, dass sie übernatürlich seien auf ihre Stichhaltigkeit hin. Sie nennten sich auch Skeptiker, aber in Bezug auf Parawissenschaften und stellten stets solche Fragen: „Ist das so? Kann man diese Behauptung irgendwie nachweisen? Was hat das eigentlich mit der Wissenschaft zu tun?“ „wir versuchen einfach skeptisch zu bleiben in dem Sinne, dass wir nichts erstmal einfach glauben, was einem erzählt wird, egal, ob das sich jetzt um Aufkleber handelt die man sich an sein Auto kleben soll, um angeblich weniger Benzin damit zu verbrauchen oder um irgendwelche Schamanen, die einem erzählen, dass man irgendwie sein Chi erstmal schön durchgeputzt bekommt, damit das mit dem Leben besser klappt“, erläutert Dr. Stephanie Dreyfürst die Haltung von GWUP und den Skeptikern.

Mit PSI-Tests der übernatürlichen Wahrheit auf der Spur

Olli hakt nach, fragt nach Tests, die die GWUP durchführt: „Genau: Es gibt einmal im Jahr die sogenannten PSI-Tests. Wer das vielleicht schon mal gehört hat: Die finden in Würzburg statt, und da kann man, wenn man glaubt, parawissenschaftliche Fähigkeiten zu haben, sich melden und sagen: ‚Ja, ich kann das mit der Wünschelrute, und finde jeden Goldschatz,  ich kann auspendeln, ob diese Pflanze irgendwie vom Schimmelpilz befallen ist oder nicht“, so Dr. Stephanie Dreyfürst.  Und würde das unter strengen wissenschaftlichen Bedingungen getestet, und wer sozusagen oberhalb der statistischen Wahrscheinlichkeit eine Trefferquote erzielte, bekäme 10 000 Euro. Diese 10 000 Euro seien jedoch in der mittlerweile schon Jahrzehnte lang stattfindenden Testreihe noch niemals vergeben worden, weiß Dr. Stephanie Dreyfürst zu berichten. Diese ernüchternden Ergebnisse hielten aber viele Leute nicht davon ab, es dennoch zu versuchen und ihre ausgemachten übernatürlichen Phänomene oder eigenen Kräfte messen zu lassen.. Das sei ja auch genau der Sinn der Sache. „Also wer sich dafür interessiert: Unter PSI-Tests (http://blog.gwup.net/category/psi-tests/ ) findet man da auch die spannende Versuchsanordnung, die im Übrigen mit den Personen selbst ausgehandelt werden, die sozusagen diese Behauptungen, sie könnten zum Beispiel den ‚Toten Hund der Nachbarin orten‘, aufstellen“, erklärt die Skeptikerin die Regularien.

Demo-Impressionen beim March for Science. Alle können bei den Skeptikern mitmachen.Foto: Diether v. Goddenthow
Demo-Impressionen beim March for Science. Alle können bei den Skeptikern mitmachen.Foto: Diether v. Goddenthow

Nicht nur Naturwissenschaftler und Akademiker können bei den Skeptikern mitmachen, sondern Menschen aus allen Berufen, die einfach eine skeptische Motivation haben?, lädt Dr. Stephanie Dreyfürst Interessenten ein, sich den Skeptikern anschließen zu können und nennt als aktuelle Veranstaltung Skepkon in Berlin. (https://www.skepkon.org)

 

Professor Dr. Dittmar Graf: Wer Wissenschaft ablehnt, lehnt häufig auch die Evolution ab!

Professor Dr. Dittmar Graf, den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen: "Über 40 Prozent lehnen in den USA  die Evolution ab".   Foto: Diether v. Goddenthow
Professor Dr. Dittmar Graf, den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen: „Über 40 Prozent lehnen in den USA die Evolution ab“. Foto: Diether v. Goddenthow

Nonstop folgt der nächste hochkarätige Gast in der Talkrunde: Olli begrüßt Professor Dr. Dittmar Graf, den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen. Professor Graf ist ein international bekannter und renommierter Didaktiker, der sich mit Lehren und Lernen in Hochschulen, Schulen und der Bildung  beschäftigt. Olli befragt ihn über die Einstellung zur Evolution in den USA und in Deutschland, und da sprudelt es nur so aus dem Didaktik-Professor heraus, als habe er eine wunden Pickel erwischt:  Es wäre tatsächlich so erschreckend wie  Umfragen immer wieder zeigten, „dass in den USA über 40 Prozent der Menschen, die befragt werden, Evolution als Tatsache ablehnen!“. Professor Dittmar Graf ist so erschüttert darüber, dass er es nochmals wiederholt: „Über 40 Prozent lehnen in den USA also die Evolution ab. Eine wissenschaftliche Tatsache wird einfach so schlichtweg abgelehnt.“ Er und Kollegen versuchten nun bei diesen Dingen die Ursachen zu erforschen. „Wieso lehnen die das ab?“

Nicht bloß „Fromme“ sind gegen die Evolution

Was vielleicht das Naheliegendste dabei immer sei, zu denken, bloß jemand, der sehr stark gläubig wäre, der sich sehr stark an der Bibel orientiere, lehne  Evolution ab. Das stimme zwar auch, so der Biologiedidaktiker. Aber es gäbe noch einen zweiten Faktor, der eigentlich noch stärker durchschlage, was vielleicht ein bisschen überraschend wäre: „Das ist tatsächlich das Verständnis von Wissenschaft, Verständnis und Akzeptanz von Wissenschaft. Wer Wissenschaften nicht versteht, und Wissenschaft ablehnt, der lehnt in vielen Fällen auch die Evolution ab,“ hat Professor Dittmar Graf herausgefunden. Und es sei für ihn als Didaktiker eine zentrale Aufgabe, „dafür zu sorgen, dass in der Schule, das was Wissenschaft ist, das was Wissenschaft ausmacht, das was Wissenschaft will, wie Wissenschaft funktioniert, in einer viel breiter gehenden Art und Weise zu vermitteln als das bis jetzt gemacht wird.“, erläutert Professor Dittmar Graf.

Demo-Impressionen des March for Science Frankfurt. Foto: Diether v. Goddenthow
Demo-Impressionen des March for Science Frankfurt. Foto: Diether v. Goddenthow

Kochrezept-Wissenschaft statt Forschungsdrang zu wecken

Was Professor Dittmar Graf zurzeit auch ein wenig wurme, wäre, dass Wissenschaft, wissenschaftliche Experimente, häufig  in Schulen wie Kochrezepte durchgeführt würden. Als wäre Wissenschaft so eine Art Kuchenbacken nach Rezept, dabei bliebe jedoch der Forschergeist, die Suche nach der Wahrheit und die Neugierde, Neues selbst zu entdecken, häufig auf der Strecke.

Religion ist im Unterricht der USA verboten

Und wie es um den Schulunterricht in Bezug auf Wissenschaft in den USA bestellt sei, fragt Olli von Schlaulicht nach:

In den Vereinigten Staaten werde ja schon, solange es Evolution regelmäßig im Unterricht gäbe, also seit den 60er Jahren, versucht, „das entweder wieder herauszunehmen, oder eine Schöpfungslehre oder schöpfungslehrenartige Inhalte zur Seite zu stellen“, erläutert Professor Dittmar Graf. „Das endet regelmäßig in den Vereinigten Staaten vor Gericht. Das heißt also: Richter entscheiden darüber, ob das Wissenschaft ist. Creation Science gab’s mal, Kreationswissenschaft wurde das genannt, war aber keine Wissenschaft. Das einzige, was die gemacht haben, ist, in die Türkei zu fahren zum Berg Ararat, (http://www.sueddeutsche.de/wissen/vermeintlicher-arche-noah-fund-steinige-enttaeuschung-1.911085 ) um dort nach Überbleibseln der Arche Noah zu suchen. Das war dann die Wissenschaft.“, erläutert Professor Dittmar Graf kopfschüttelnd den  Aktionismus. Damals  haben die Richter vor Gericht entschieden, dass Kreationswissenschaft  reine Religion sei.

Auf den Kreationismus folgte Intelligent-Design

„Dann kam ein paar Jahre später ein neuer Versuch“, so der Biodidaktiker fortfahrend. Es wurde nicht mehr von einem Gott gesprochen, der „alles gemacht hat, sondern von einem intelligenten  Designer. Intelligent Design (https://de.wikipedia.org/wiki/Intelligent_Design  hieß diese Bewegung dann. Der intelligente Designer wurde nicht näher benannt, jeder wusste, dass Gott gemeint ist, es könnte natürlich auch ein Außerirdischer sein. Auch das endete wieder vor Gericht: Und wurde wieder als Religion abgelehnt.“, so Professor Dittmar Graf.

Man müsse dazu sagen, um das zu verstehen, dass in den USA  die Trennung zwischen Staat und Kirche viel ausgeprägter als hier in Deutschland. Man solle es nicht glauben, so Professor Dittmar Graf, aber es dürfe im Unterricht keine religiöse Unterweisung gegeben werden. Alles Religiöse müsse komplett raus. Deswegen versuchten die Anhänger eben auch,  Religiöses als Wissenschaft zu verkaufen.

Neueste Entwicklung: Religion über die Hintertür gegen Evolution und Klimawandel

Anette Thumser von den Humanisten mit dem Brechtzitat: "Wissenschaft: Es ist nicht ihr Ziel, der unendlichen Weisheit eine Tür zu öffnen, sondern eine Grenze zu setzen dem unendlichem Irrtum".Foto: Diether v. Goddenthow
Anette Thumser von den Humanisten mit dem Brechtzitat: „Wissenschaft: Es ist nicht ihr Ziel, der unendlichen Weisheit eine Tür zu öffnen, sondern eine Grenze zu setzen dem unendlichem Irrtum“.Foto: Diether v. Goddenthow

Der neueste Schlenker wäre, so Professor  Dittmar Graf, nun,  nachdem  2005 Intelligent Design ebenfalls von Richtern als Religion entlarvt und als Schulstoff gerichtlich untersagt wurde, den Blick zu erweitern! „Nicht nur die Evolutionsbiologie, oder den Kreationismus nimmt man in den Focus, sondern nimmt den – ebenfalls von vielen bestrittenen – Klimawandel und auch ethische Problemstellungen dazu, etwa mit Fragestellungen: Darf Gentechnik alles Mögliche tun“, so Professor Dittmar Graf. Und dann behaupte man:  Das seien alles gesellschaftliche Probleme, die stark und intensiv diskutiert werden müssten. „Als Schüler kannst Du da nur mitreden, wenn du beide Seiten kennst. Und so solle halt wieder der Kreationismus, die Kreationismuslehre, und eben auch das Leugnen des Klimawandels in den Unterricht hineinkommen.“, zeigt Professor Dittmar Graf die gegenwärtige Entwicklung in diversen US-Bundesstaaten auf. „Das ist ein offenes Rennen. Bis jetzt ist da noch nichts von irgendwelchen Gerichten zu hören. Das wird man sehen, wie sich das in den nächsten zwei, drei Jahren entwickelt.“, so Graf.

Forderung nach Evolution als Unterrichtsfach von der Grundschule an

Selbst in Deutschland, wenn man Befragungsergebnisse anschaue, lehnten immerhin ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung die Evolution ab. Die seien natürlich nicht alle Kreationisten. Vielmehr wäre es oft so ein diffuses Ablehnen, wohl eher aus Unwissenheit heraus, was, wenn man in die Schulen schaue, nicht sehr verwunderlich wäre: Klassischer weise sei „Evolution“ ein Abschluss-Thema, werde kurz vor dem Abitur behandelt oder irgendwo gegen Ende der Sekundarstufe I. Es werde auch gerne, wenn man das nicht unterrichten will, solange rumgemacht, bis das Thema gar nicht mehr drankomme, weswegen es absolut zu kurz käme, hat Professor Dittmar Graf herausgefunden.

Die Humanisten stehen für die individuelle Freiheit, eine soziale Gesellschaft und wissenschaftlichen Fortschritt statt auf religiöse Perspektiven zur Erklärung der Welt  Foto: Diether v. Goddenthow
Die Humanisten stehen für die individuelle Freiheit, eine soziale Gesellschaft und wissenschaftlichen Fortschritt statt auf religiöse Perspektiven zur Erklärung der Welt Foto: Diether v. Goddenthow

EVO-Kids – Evolutionsunterricht schon ab der Grundschule

Um endlich die wissenschaftlich fundierte Lehre von der Evolution verstärkt an junge Leute heranzubringen, wurde die Initiative EVO-Kids (https://evokids.de/) ins Leben gerufen. Zumindest sei eines der Dinge, die EVO-Kids will, „den Evolutionsunterricht deutlich nach vorne ziehen bis hin in die Grundschule. Dass Evolution stattgefunden hat, verstehen Kinder in der Grundschule auch schon. Die interessieren sich sogar wahnsinnig für Dinosaurier. Das wissen alle. Und trotzdem kommt es in den Grundschullehrplänen nicht vor. Das halten wir für einen großen Fehler, und wie gesagt: Wir stehen dafür und haben schon ganz viel Unterrichtsmaterialien für die Grundschule entwickelt“, berichtet der Institutsleiter, der zwei Tage zuvor, gemeinsam mit namhaften Kollegen und der führenden Wissenschaftsorganisation Leopoldina eine über 50seitige Stellungnahme zum Evolutionsunterricht an der Schule und auch an der Hochschule herausgegeben hat. Denn die momentane weltweite Ausbreitung des Kreationismus, auch in der muslimischen Welt, sei geradezu erschreckend.

https://www.leopoldina.org/uploads/tx_leopublication/2017_Stellungnahme_Evolutionsbiologie.pdf

Dr. Holm Gero Hümmlers „Quantenquark“ – und andere entlarvte alternativen Fakten 

Vor Ollis Mikro: Dr. Holm Gero Hümmler. Physiker, Unternehmensberater und Autor von: "Relativer Quantenquark. Kann die moderne Physik die Esoterik belegen?" Foto: Diether v. Goddenthow
Als Abschlussredner vor Ollis Mikro: Dr. Holm Gero Hümmler. Physiker, Unternehmensberater und Autor von: „Relativer Quantenquark. Kann die moderne Physik die Esoterik belegen?“ Foto: Diether v. Goddenthow

Last but noch least, begrüßt Interviewer Oliver Bechthold von Schlaulicht den Schlussredner der Abschlusskundgebung auf dem Römerberg des March for Science Frankfurt: Dr. Holm Gero Hümmler. Er ist Physiker, Unternehmensberater und Autor mit dem gerade im renommierten Wissenschaftsverlag Springer erschienenen Buch: „Relativer Quantenquark. Kann die moderne Physik die Esoterik belegen?“,

Einmal befragt, was Quantenquark sei, redet sich der Kern-Physiker mit Ausführungen über Tachyonen-Schwindel, Beobachter-Effekt-Verdrehung  und die „Erforschung von Beamen“ sofort in Rage:

„Quantenquark“ nenne er Versuche,“ ganz gezielt Dinge als wissenschaftlich, als Physik zu verkaufen, die absolut nichts mit Wissenschaft zu tun haben“, so Dr. Hümmler und nennt als Beispiel den Tachyonen-Schwindel. „Tachyonen ist etwas, was man in der theoretischen Physik rechnen kann, als wären es Teilchen, die sich schneller bewegen als das Licht. Das kann man rechnen. Das kann man auch suchen und das tut man seit 100 Jahren. Man hat seit 100 Jahre keine gefunden. Mit anderen Worten: Tachyonen sind rein hypothetische Teilchen“, der Kernphysiker rasch einen laienverständlichen Überblick. Obwohl es die Teilchen gar nicht gibt, können Sie „sich allerdings auch einen Tachyonen-Lufterfrischer kaufen. Sie können Tachyonen-Gegenstände benutzen, mit denen sie Lebensmittel zubereiten können, und dann sollen die Lebensmittel deutlich gesünder sein. Sie können sich Tachyonen-Massage-Öl kaufen, Tachyonen-Gleitgel und Tachyonen-Potenzmittel. Und Sie können sich auch mit Tachyonen massieren lassen. Das ging bis vor kurzem, bis ich angefangen habe, in meinem Blog darüber zu schreiben, unter anderem in einem öffentlichen Wellnessbad der Stadt Ruhpolding. Das passiert alles, und das ist Quantenquark“, regt sich Dr. Hümmler über die Esoterik-Szene auf, die mit -falschverstandener Quantenphysik Geld verdienen möchte.

Aber wo sei denn jetzt das Problem, wenn sich jemand so ’ne Tachyonen-Creme auftrüge, hakt Olli nach. Das Problem wäre einmal, dass die Leute mit solchen Präparaten über den Tisch gezogen würden. Und Dr. Hümmler gibt gleich ein Beispiel von einer Dame. Die hatte letzten Herbst gegen Depressionen ein sogenanntes Quantenenergie-Geräte erworben. Nachdem sie Dr. Hümmlers Blogbeitrag über den Schwindel gelesen habe, habe sie bei ihm angerufen, um nachzufragen, da 1800 Euro, die Gerätekosten, für sie viel Geld seien. „Das ist der eine Aspekt: Da werden Leute wirklich um erhebliche Geldbeträge gebracht für absoluten Unsinn“, resümiert Dr. Hümmler.

Der „Beobachter-Effekt“ ist kein „Teilchen-Bewusstsein“

Ein Beispiel wäre, dem Beobachter-Effekt ein „Teilchen-Bewusstsein“ anzudichten. Es gäbe in der Teilchen-Physik dieses Phänomen, dass man ein kleinstes Teilchen messen kann, ohne es irgendwie zu verändern: „Ich brauche eine Wechselwirkung und muss irgendwie das Teilchen in Kontakt mit dem Messgerät bringen. Und wenn es nur ein einzelnes Teilchen ist, dann wird dieses Teilchen durch diesen Kontakt mit dem Messgerät verändert. Das nennt man Beobachter-Effekt.“, erklärt Holm das Phänomen. Da sei eigentlich nichts hochgradig Besonders dran. „So, und aus diesem Beobachter-Effekt folgern jetzt Leute, beispielsweise Dipl. Ing. (FH) Walter Thurner, der im rechtsesoterischen Sendungskanal Querdenken TV verbreitet hat, dass kleinste Teilchen ein Bewusstsein haben. Denn sie (die Teilchen) wüssten ja, dass sie gemessen werden. Deswegen verändern die sich. Und diese kleinsten Teilchen denken nach, und merken, dass sie jemand misst. Also, das ist Quanten-Quark.“, entrüstet sich der Kernphysiker erneut.

Aufregen kann sich Dr. Hümmler auch über reißerischen und falsch verstandene  Wissenschaftskommunikation, wenn etwa aus der Erforschung  der Quantenteleportation die „Erforschung des Beamens mit Aussicht auf baldigen Durchbruch“ werde. „Leute bleibt seriös, redet über das, was ihr tut, und stellt es vernünftig da. Weil auch das ist Teil guter Wissenschaftskommunikation, ehrlich und solide zu bleiben“ mahnt Dr. Hümmler an.  Wer mehr und genaueres lesen möchte, dem sei Hümmlers Buch „Relativer Quantenquark. Kann die moderne Physik die Esoterik belegen?“ wärmstens empfohlen.

Dr. Julia Krohmer  – Resümee: Einmaliges Ereignis

Dr. Julia Krohmer, Biologin am Senckenberg-Institut: "Es gab nie eine Veranstaltung, die so breit von allen wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland unterstützt wurden".Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Julia Krohmer, Biologin am Senckenberg-Institut: „Es gab nie eine Veranstaltung, die so breit von allen wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland unterstützt wurden“.Foto: Diether v. Goddenthow

Dr. Julia Krohmer, vor allem für die Pressearbeit im Orgateam der March for Science zuständig, verabschiedet die Teilnehmer, nachdem sie  Oliver für seinen Rundumschlag  in dieser Interviewform herzlich dankte. Wieder an die Menschenmenge gerichtet, resümierte die Biologin: „dass Sie heute hier alle an einem wirklich einmaligen Ereignis dabei waren. Es gab nie eine Veranstaltung, die so breit von allen wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland unterstützt wurden: die  Hochschulrektorenkonferenz, die Allianz der Wissenschaftsorganisationen und wirklich alle namhaften Einzeleinrichtungen. Alle haben hier geschlossen zum March for Science  aufgerufen  und das gab’s in der Geschichte noch nie“,  freute sich die Biologin von  der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Wer das nochmal nachlesen wolle, könne dies auf der Seite des Science-March Germany. Dort sei die komplette Unterstützerliste angezeigt, die sich für heute solidarisch erklärt haben, so Dr. Julia Krohmer und fügt hinzu: „Was ich auch noch sagen wollte: Wir haben jetzt das heute als einmaliges Ereignis geplant. Der Schwung, der jetzt zustande kam, Ideen, die auftauchen: Es kann ja weitergehen. Wir haben dazu momentan noch keinen Plan. Aber wiederum auf der Seite von Science-March-Germany, wenn Sie das mal googeln, gibt es eine Rubrik, eine Maske, wo man sich eintragen kann, wenn man sich einbringen möchte, Ideen vorbringen, Diskussion anregen, wie es hier weitergehen könnte mit dieser Initiative.“, lädt Dr. Julia Krohmer Interessenten auf die Website ein.

Demo-Impression March for Science Frankfurt am 22. April 2017. Hier: vorbei an der Alten Oper.Foto: Diether v. Goddenthow
Demo-Impression March for Science Frankfurt am 22. April 2017. Hier: vorbei an der Alten Oper.Foto: Diether v. Goddenthow

Vielleicht könne man  draus etwas machen, was länger dauere, was Schwung in die Welt bringe, was dafür sorge, dass langfristig  Wissenschaft die Grundlage unserer offenen demokratischen  Gesellschaft bleibe, motiviert die Biologin zum Weitermachen im Kampf gegen die wachsende Einschränkung freier Wissenschaft und Forschung!

Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst

Kurzfassung: March for Science in Frankfurt gegen Fake-News und Religionsfundamentalismus

Siehe auch: https://www.facebook.com/ScienceMarchFFM/

Auf einen Blick: March for Science in Frankfurt gegen Fake-News u. Religionsfundamentalismus

Langfassung:March for Science in Frankfurt gegen Fake-News u. Religionsfundamentalismus für eine aufgeklärte, pluralistische Gesellschaft

March for Science Frankfurt am 22.April 2017 Foto: Diether v. Goddenthow
March for Science Frankfurt am 22.April 2017 Foto: Diether v. Goddenthow

Ob US-Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence mit dem Bau einer Arche Noah beginnen werden, sollte ihr Klima-Bus   tatsächlich in den Abgrund rasen, wie Professor  Dr. Joachim Curtius vom Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität Frankfurt, auf der Abschlusskundgebung des March for Science in Frankfurt auf dem Römerberg am 22. April 2017 befürchtete (siehe unten), wissen wir nicht. Gesichert ist jedoch, dass der US-Präsident den Klimawandel als Gerücht und „chinesischen Trick“ abtut, dass er per Dekret Klimaschutz-Auflagen für Kohlekraftwerke sowie für die Gas- und Ölförderung zurückgenommen hat, die Mittel für die Klimaforschung von EPA bis zur NASA kürzte, die Infos über Klimawandel von den staatlichen Webseiten entfernte, in der Gentechnik die Stammzellenforschung beschnitt, und Beamten verbot, sich darüber öffentlich zu äußern. Trumps Wohnungsbauminister Ben Carson soll sogar überzeugt davon sein, dass der Teufel Charles Darwin bei der Formulierung seiner Evolutionstheorie ritt. Gesundheitsminister Tom Price gehört einem Verband an, der Abtreibung als eine Ursache von Brustkrebs ausgemacht hat. Und das Rauchen schlecht für die Lunge ist, sei laut Mike Pence noch nicht ausreichend belegt. Das Tempo der neuen US-Regierung, wie sie mit Ignoranz, verdrehten Fakten und Meinungen die „Weltmacht der Wissenschaft“ zu zerlegen scheint, ist erschreckend. John Holdren, Ex-Wissenschaftsberater Barak Obamas fürchtet, dass die Wissenschaft im Weißen Haus keine Stimme mehr habe. „Die Regierung Trump hat sich von den Fakten abgewandt. Dieses Land braucht aber einen Präsidenten, der die Bedeutung der Wissenschaft versteht ( Quelle:„Sag die Wahrheit“, Roman Deiniger, in: Zurück auf die Arche Noah,  Süddeutsche Zeitung Nr. 93, 22./23.April 2017)

An der Bockenheimer Warte findet der erste Kundgebungsteil des March for Science Frankfurt statt.Foto: Diether v. Goddenthow
An der Bockenheimer Warte findet der erste Kundgebungsteil des March for Science Frankfurt statt.Foto: Diether v. Goddenthow

Aber auch in vielen anderen Ländern, etwa in Ungarn, Russland und in der Türkei bedrohen Kulturkampf und religiöser Glaubenswahn oftmals den Fortschritt von Wissenschaft und Forschung. Dort werden Gelder gekappt, Wissenschaftler entlassen, verfolgt, eingesperrt oder ihres Landes verwiesen, weil die Fakten vielfach nicht zu den konstruierten Weltbildern und Wirklichkeiten von vorherrschenden politischen, wirtschaftlichen und/ oder religiösen Zielen passen.

Peter Feldmann, Oberbürgermeister, Prof. Brigitta Wolff, Goethe-Universitätspräsidentin, Professor Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurter University of Applied Science Foto: Diether v. Goddenthow
Peter Feldmann, Oberbürgermeister, Prof. Brigitta Wolff, Goethe-Universitätspräsidentin, Professor Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurter University of Applied Science Foto: Diether v. Goddenthow

Um gegen das Verleugnen und Verdrehen von Fakten und für die Freiheit von Forschung und Wissenschaft als Grundlage einer offenen, freien pluralistischen Gesellschaft zu demonstrieren,  zogen  auch in Frankfurt am 22. April 2017 rund 2500 Wissenschaftler, Studenten, Bürger und Anhänger der Evolutionstheorie und Aufklärung im Rahmen des weltweit in 500 Städten stattfindenden   „March for Science“ von der Bockenheimer Warte  bis zum Frankfurter Römerberg. Unterstützt wurden sie dabei von drei Universitätspräsidenten, namhaften Wissenschaftlern und vom Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, Peter Feldmann, der die Protestkundgebung eröffnete.
Hochrangig besetzt war auch die Rednerliste der Abschlussveranstaltung auf dem Römerberg, dem Block II des March for Science in Frankfurt. Aber der Reihe nach:

Treffpunkt und Kundgebung an der Bockenheimer Warte

( v.l.) Dr. Julia Krohmer, Biologin,von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung  und Susanne Ficus, Scientific Sales Specialistin, begrüßen die Teilnehmer Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
( v.l.) Dr. Julia Krohmer, Biologin,von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Susanne Ficus, Scientific Sales Specialistin, begrüßen die Teilnehmer Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Zunächst begrüßte die Moderatorin des Tages, Susanne Ficus, im Hauptberuf Scientific Sales Specialistin, die Teilnehmer,. Sie bat, dass sich 20 bis 30 Leute als Ordner für die spätere Demo-Zugbegleitung meldeten und stellte das Orga-Team vor. Das hatte in aller kürzester Zeit seit Februar den March for Science Frankfurt ad hoc organisiert. Unterstützt wurden sie dabei von der Girodano-Bruno-Stiftung. Wir haben uns – zum Teil bis vorhin – nicht gekannt, freut sich Susanne Ficus über die trotzdem so tolle Zusammenarbeit, als sie die Kerntruppe  auf der Lastwagen-Tribühne  kurz vorstellt. Von links nach rechts: Anette Thumser von den Humanisten, Dr. Julia Krohmer von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, „die die meiste Pressearbeit gemacht hat“, Dr. Anke Lischeid,  Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, „die uns unterstützt haben, die Banner und unsere Westen bezahlen – ganz herzlichen Dank!“. Fellow-Student Joe aus den USA, der von Marburg aus dazu stieß. Steven from United Kingdom, der das Design „for twitter, for Facebook, for the banners“ übernommen hatte. Dr. Nathalie Dehne von der Goethe-Universität Frankfurt, Biologin. Dr. Gerold Hümmer von den Skeptikern, „Physiker, der uns auch mit vielen Ideen unterstützt hat“

Anette Thumser von den Humanisten, Dr. Julia Krohmer von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Susanne Ficus, Moderatorin und im Hauptberuf Scientific Sales Specialistin, Dr. Anke Lischeid, Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, Joe  Fellow-Student Marburg aus den USA, Steven from United Kingdom, Dr. Nathalie Dehne Biologin von der Universität Frankfurt, Dr. Gerold Hümmer von den Skeptikern Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Anette Thumser von den Humanisten, Dr. Julia Krohmer von der Senckenberg
Gesellschaft für Naturforschung, Susanne Ficus, Moderatorin und im Hauptberuf Scientific Sales Specialistin, Dr. Anke Lischeid, Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, Joe Fellow-Student Marburg aus den USA, Steven from United Kingdom, Dr. Nathalie Dehne Biologin von der Universität Frankfurt, Dr. Gerold Hümmer von den Skeptikern Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Es folgte die Eröffnungsansprache von Oberbürgermeister Peter Feldmann, sowie die Positionen von Goethe-Unipräsidentin Brigitta Wolff und Professor Dr Frank-E. P. Dievernich, Präsident der Frankfurt University of Applied Science (Titel der Redaktion)
Frankfurter OB eröffnet March for Science
 Professsorin Brigitta Wolf sorgt sich um Freiheit von Wissenschaft und Wissenschaftler
Professor Dr Frank-E. P. Dievernich: Ohne-fakten-kommt-anwendungsorientierte-Lehre-nicht-aus

Vorführung in angewandter Physik
Als kleine Zwischen-Entspannung bat Susanne Ficus nach dieser  „ersten Theorie-Runde“ der Redner  Markus Furtner zu seiner  Show-Einlage in angewandter Physik auf die Bühne. Niemand beherrsche so gut wie Mathematiker Furtner mit den Bevel-Sticks das Spiel   mit der Gravitation und mit dem Impuls. Markus Furtner trat in 21 Ländern auf, darunter auch im Cirque du Soleil.

Mathematiker Markus Furtner beherrscht das Spiel von Gravitation und Impuls mit den  Bevel-Sticks perfekt. Foto: Diether v. Goddenthow
Mathematiker Markus Furtner beherrscht das Spiel von Gravitation und Impuls mit den Bevel-Sticks perfekt. Foto: Diether v. Goddenthow

 

Im Anschluss die beiden folgenden Statements (Titel der Redaktion)
Professor Dr Joybrato-Mukherjee: Fantasie-versus-Verstand, darum geht es!

Dr Sascha Vogel; Dummlaberern die stirn bieten!
Und immer schön skeptisch bleiben – Teilnehmerbeiträge

Nach diesen engagierten Beiträgen von Feldmann, Wolff, Dievernich, Mukherjee und Vogel für die Freiheit der Wissenschaft und gegen Leugnung und Verdrehung von Fakten ergriffen einige Teilnehmer die Gelegenheit, Ergänzendes beizutragen. Im Wesentlichen bekräftigten sie Gesagtes. Eine türkische Wissenschaftlerin bedankte sich, hier frei forschen zu können, und bat, nicht aufzuhören, mit den Wissenschaftlern in der Türkei in Kontakt zu bleiben, egal wie schwierig das zur Zeit auch sei. Ein Student mahnte zur generellem Skepsis. Man solle nicht immer alles sofort glauben, was in Sozialen Medien oder sonstwo verbreitet würde,  sondern die Dinge, auch die der Wissenschaft, stets hinterfragen. Damit war der erste Kundgebungs-Block beendet und der March for Science durch die Frankfurter Innenstadt konnte beginnen.

„We want facts, nothing else.“ – March for Science bis zum Römerberg
Nach der Kundgebung Teil 1 formierte sich der große Demo-Zug "March for Science" an der Bockenheimer Warte und starte ab 14 Uhr mit Marschtrommeln und Sprechchören zum Römer-Berg, Kundgebung 2. Teil Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Nach der Kundgebung Teil 1 formierte sich der große Demo-Zug „March for Science“ an der Bockenheimer Warte und starte ab 14 Uhr mit Marschtrommeln und Sprechchören zum Römer-Berg, Kundgebung 2. Teil Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Die Banner “March for Science“ und „Science not Silence“ von der Lastwagenbühne werden die Frontschürze des Zuges sein. 2500 Leute wollen vom Veranstaltungsplatz auf der Bockenheimer Straße in die gewünschte Position gebracht werden. Ordner aus Teilnehmern werden rekrutiert und eingeteilt, Trommler zu positioniert, freiwillige Bannerträger gefunden und die genaue Wegstrecke mit der äußerst hilfsbereiten Polizei abgeklärt.
Alles geschieht erstaunlich fix, reibungslos,  beinahe professionell, bedenkt man, dass das Science-March-Orga-Team kaum über derlei profunde Erfahrungen Zugführer-Erfahrungen verfügt. Binnen einer Viertelstunde setzt sich der lange March for Science Frankfurt in Bewegung, darunter viele Familien mit Kindern, Großeltern mit Enkeln. Vorneweg ein Alt-Sponti, sichtlich demoerfahren, animiert und dirigiert ein wenig, bringt die Spitze immer wieder, falls nötig, in Form, schaut, ob die Banner noch straff, das Tempo nicht zu flott ist und der Gleichschritt noch synchron ist.

Imposant zieht die generationsübergreifende Demonstration der internationalen akademischen Community Frankfurts, Mainz, Gießens und Wiesbadens, unterstützt vom Marschtakt der Trommeln, durch die Rhein-Main-Metropole. Foto: Diether v. Goddenthow
Imposant zieht die generationsübergreifende Demonstration der internationalen akademischen Community Frankfurts, Mainz, Gießens und Wiesbadens, unterstützt vom Marschtakt der Trommeln, durch die Rhein-Main-Metropole. Foto: Diether v. Goddenthow

Imposant zieht die generationsübergreifende Demonstration der internationalen akademischen Community Frankfurts, Mainz, Gießens und Wiesbadens, unterstützt vom Marschtakt der Trommeln, von der Bockenheimer Landstraße, vorbei an Alter Oper, Goethe-Platz und Paulskirche zum Römerberg vors Rathaus. Vorneweg brüllt unablässig eine Mädchengruppe: „We want facts, nothing else“. Ihre Stimmen sind so ansteckend, dass immer mehr Teilnehmer mitskandieren. Selbst die Polizisten lassen sich stimmungsmäßig ein wenig mitreißen: Als in Höhe der Paulskirche der Mädchenchor stimmlich etwas abflaut, ermutigt ein Beamter die jungen Damen, beim Abbiegen zum Römerberg nochmal etwas „Gas zu geben“.

Der March for Science Frankfurt, vorbei an der Paulskirche, dem Symbol deutscher freiheitlicher Demokratie schlechthin. Foto: Diether v. Goddenthow
Der March for Science Frankfurt, vorbei an der Paulskirche, dem Symbol deutscher freiheitlicher Demokratie schlechthin. Foto: Diether v. Goddenthow

Teil 2 – Abschlusskundgebung am Römerberg

Die Ankunft des Demo-Lindwurms auf dem Römerberg markiert den zweiten Block des March-for-Science Frankfurt mit Redebeiträgen und einer super improvisierten Tanzeinlage von Kindern der Teilnehmer.

Der March for Science Frankfurt erreicht den Römerberg Foto: Diether v. Goddenthow
Der March for Science Frankfurt erreicht den Römerberg. Foto: Diether v. Goddenthow

Inzwischen sind viele Römerbergbesucher, darunter etliche Touristen dazu gestoßen, der Platz vor dem Frankfurter Rathaus ist voll. Überall werden Plakate, Text- und Bildtafeln mit Sprüchen in die Höhe gereckt oder am Körper vorne und hinten gezeigt. Auf der Bühne skandiert die Demoführung, die Banner hochhaltend „We want facts, nothing else.“

Gemeinsam lautstark im Chor: „We want facts, nothing else.“ Foto: Diether v. Goddenthow
Gemeinsam lautstark im Chor: „We want facts, nothing else.“ Foto: Diether v. Goddenthow

In ihrer anschließenden Begrüßung skizziert Susanne Ficus  bei der Auflistung der Liste der anstehenden Redner kurz den weiteren Verlauf der Abschlusskundgebung des March for Science Frankfurt.

Tanzen für Freiheit und Frieden - Jugendliche unterhalten mit einer spontanen Impro-Dance-Show Foto: Diether v. Goddenthow
Tanzen für Freiheit und Frieden – Jugendliche unterhalten mit einer spontanen Impro-Dance-Show Foto: Diether v. Goddenthow

Zur Überbrückung improvisieren Kinder und Enkel von Demonstranten eine super Tanzshow.

 

 

 

 

Dann geht es Schlag auf Schlag, und es folgen die Redebeiträge von
Professorin Concettina Sfienti: Hypothesen müssen frei überpruefbar bleiben
und
Professor Dr Joachim Curtius: Apokalyptischen-Klimabusfahrer Trump stoppen.

Wissenschaftler live befragt – mit Oliver Bechthold von Schlaulicht

Oliver Bechthold, Podcast-Moderator von Schlaulicht, interviewt die letzten drei hochkarätigen Redner,  hier auf der Bühne mit Professor Dr. Dittmar Graf, den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen, einer der größten Mahner vor weltweit zunehmenden Kreationismus.Foto: Diether v. Goddenthow
Oliver Bechthold, Podcast-Moderator von Schlaulicht, interviewt die letzten drei hochkarätigen Redner hier auf der Bühne mit Professor Dr. Dittmar Graf, den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen, einer der größten Mahner vor weltweit zunehmenden Kreationismus.Foto: Diether v. Goddenthow

Oliver Bechthold, Podcast-Moderator von Schlaulicht, interviewt die drei letzten hochkarätigen Redner auf der Abschlusskundgebung des March for Science auf dem Frankfurter Römerberg: Dr Stephanie Dreyfuerst, Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, GWUP), Professor Dr. Dittmar Graf, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen und Dr. Holm Gero Hümmler, Wissenschafts-Blogger und -autor, GWUP)
Moderator Oliver Bechthold stellt sich und seinen Wissenschafts-Podcast Schlaulicht kurz vor: „Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich bemühe mich um Wissenschaftskommunikation“ „Wir bringen einen Podcast heraus, der nennt sich Schlaulicht http://schlaulicht.info/ und der ist adressiert an Neugierige zwischen 7 und 99. Wir versuchen, wissenschaftlich Themen zu vermitteln, zu kommunizieren, vielleicht auch ein bisschen kindgerecht herunter zu brechen. Und wie gesagt, ich bin kein Wissenschaftler, und dann suchen wir uns oft Hilfe, also Experten, die wir dann „Schlaulichtgestalten“ nennen. Die interviewen wir dann. Und dasselbe mache ich heute mal vor diesem Publikum“, so Olli, wie ihn sein Publikum nennt.

Als erste steht Dr Stephanie Dreyfuerst, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchungg von Parawissenschaften, GWUP, Rede und Anwort.

Nonstop folgt der nächste hochkarätige Gast in der Talkrunde: Olli begrüßt Professor Dr. Dittmar Graf, den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Biologiedidaktik der Universität Gießen, sagt,  Evolutionsunterricht-gehöre-schon-in die Grundschulen.

Last but noch least begrüßt Interviewer Oliver Bechthold von Schlaulicht den Schlussredner der Abschlusskundgebung auf dem Römerberg des March for Science Frankfurt:
Dr. Holm Gero Hümmler,Physiker, Unternehmensberater und Autor. Er findet viel „Quantenquark“ in der Esoterik-Szene, worüber er   im renommierten Wissenschaftsverlag Springer das Buch: „Relativer Quantenquark. Kann die moderne Physik die Esoterik belegen? veröffentlichte.

 

Dr. Julia Krohmer  – Resümee: Einmaliges Ereignis

Dr. Julia Krohmer, Biologin, von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung: "Es gab nie eine Veranstaltung, die so breit von allen wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland unterstützt wurden".Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Julia Krohmer, Biologin, von der Senckenberg
Gesellschaft für Naturforschung: „Es gab nie eine Veranstaltung, die so breit von allen wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland unterstützt wurden“.Foto: Diether v. Goddenthow

Dr. Julia Krohmer, vor allem für die Pressearbeit im Orgateam der March for Science zuständig, verabschiedet die Teilnehmer, nachdem sie  Oliver für seinen Rundumschlag  in dieser Interviewform herzlich dankte. Wieder an die Menschenmenge gerichtet, resümierte die Biologin:„dass Sie heute hier alle an einem wirklich einmaligen Ereignis dabei waren. Es gab nie eine Veranstaltung, die so breit von allen wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland unterstützt wurden: die  Hochschulrektorenkonferenz, die Allianz der Wissenschaftsorganisationen und wirklich alle namhaften Einzeleinrichtungen. Alle haben hier geschlossen zum March for Science  aufgerufen  und das gab’s in der Geschichte noch nie“,  freute sich die Biologin von  der Senckenberg
Gesellschaft für Naturforschung. Wer das nochmal nachlesen wolle, könne dies auf der Seite des Science-March Germany. Dort sei die komplette Unterstützerliste angezeigt, die sich für heute solidarisch erklärt haben, so Dr. Julia Krohmer und fügt hinzu: „Was ich auch noch sagen wollte: Wir haben jetzt das heute als einmaliges Ereignis geplant. Der Schwung, der jetzt zustande kam, Ideen, die auftauchen: Es kann ja weitergehen. Wir haben dazu momentan noch keinen Plan. Aber wiederum auf der Seite von Science-March-Germany, wenn Sie das mal googeln, gibt es eine Rubrik, eine Maske, wo man sich eintragen kann, wenn man sich einbringen möchte, Ideen vorbringen, Diskussion anregen, wie es hier weitergehen könnte mit dieser Initiative.“, lädt Dr. Julia Krohmer Interessenten auf die Website ein.

Demo-Impression March for Science Frankfurt am 22. April 2017. Hier: vorbei an der Alten Oper.Foto: Diether v. Goddenthow
Demo-Impression March for Science Frankfurt am 22. April 2017. Hier: vorbei an der Alten Oper.Foto: Diether v. Goddenthow

Vielleicht könne man  draus etwas machen, was länger dauere, was Schwung in die Welt bringe, was dafür sorge, dass langfristig Wissenschaft die Grundlage unserer offenen demokratischen Gesellschaft bleibe, motiviert die Biologin zum Weitermachen im Kampf gegen die wachsende Einschränkung freier Wissenschaft und Forschung!

Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst

Langfassung:March for Science in Frankfurt gegen Fake-News u. Religionsfundamentalismus für eine aufgeklärte, pluralistische Gesellschaft

Siehe auch: https://www.facebook.com/ScienceMarchFFM/