Kategorie-Archiv: Boersenverein d. deutschen Buchhandels

Deutscher Buchpreis: 111 Verlage konkurrieren mit 172 Titeln um den Roman des Jahres 2023

v.l.n.r.: Florian Valerius, Shila Behjat, Lisa Schumacher, Heinz Drügh, Katharina Teutsch, Matthias Weichelt, Melanie Mühl © Foto Christof Jakob
v.l.n.r.: Florian Valerius, Shila Behjat, Lisa Schumacher, Heinz Drügh, Katharina Teutsch, Matthias Weichelt, Melanie Mühl © Foto Christof Jakob

111 deutschsprachige Verlage schickten insgesamt 172 Titel ins Rennen um den Roman des Jahres. 81 Verlage sitzen in Deutschland, 10 in der Schweiz und 20 in Österreich.

Von den eingereichten Titeln stammen 97 aus dem aktuellen Frühjahrsprogramm, 70 weitere kommen im Herbst auf den Markt. 5 Titel sind bereits im vergangenen Herbst erschienen. Jeder Verlag konnte maximal zwei Titel einreichen, die zwischen Oktober 2022 und dem 19. September 2023 (Bekanntgabe der Shortlist) erschienen sind bzw. erscheinen. Darüber hinaus konnten bis zu fünf weitere Titel empfohlen werden. Auf der Empfehlungsliste landeten dieses Jahr 105 Romane. Aus der Liste kann die Jury Titel für den Auswahlprozess anfordern.

Bei ihrer ersten gemeinsamen Jurysitzung wählten die Jurymitglieder Katharina Teutsch (freie Kritikerin) zu ihrer Jurysprecherin. Der Jury gehören außerdem an: Shila Behjat (Journalistin und Publizistin), Heinz Drügh (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Melanie Mühl (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Lisa Schumacher (Steinmetz’sche Buchhandlung, Offenbach), Florian Valerius (Gegenlicht Buchhandlung, Trier), Matthias Weichelt (Zeitschrift Sinn und Form).

Die Jury entscheidet über den Roman des Jahres in einem mehrstufigen Auswahlverfahren. Am 22. August 2023 gibt sie die 20 nominierten Titel bekannt. Aus dieser Longlist wählen die Juror*innen sechs Titel für die Shortlist, die am 19. September 2023 veröffentlicht wird. Erst am Abend der Preisverleihung, am 16. Oktober 2023, erfahren die sechs Autor*innen, wer von ihnen den Deutschen Buchpreis gewonnen hat.

Der Deutsche Buchpreis wird von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vergeben. Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Informationen zum Deutschen Buchpreis 2022 können Interessierte unter www.deutscher-buchpreis.de abrufen.

Der Hashtag zum Deutschen Buchpreis 2023: #dbp23

Deutscher Sachbuchpreis 2023: 206 Titeleinreichungen von 128 Verlagen

Jury des Deutschen Sachbuchpreises 2023 v.l.n.r.: Jeanne Rubner, Michael Lemling, Stefan Koldehoff, Adam Soboczynski (auf dem Tablet), Mirjam Zadoff, Julika Griem, Markus Rex.
Jury des Deutschen Sachbuchpreises 2023 v.l.n.r.: Jeanne Rubner, Michael Lemling, Stefan Koldehoff, Adam Soboczynski (auf dem Tablet), Mirjam Zadoff, Julika Griem, Markus Rex.

128 deutschsprachige Verlage haben 206 Titel für den Deutschen Sachbuchpreis 2023 eingereicht. 100 Verlage haben ihren Sitz in Deutschland, je 13 in Österreich und der Schweiz, einer in Liechtenstein und einer in Großbritannien.

Jeder Verlag konnte maximal zwei Monografien einreichen, die zwischen Mai 2022 und April 2023 (Bekanntgabe der Nominierten) erschienen sind bzw. erscheinen. Darüber hinaus konnte jeder Verlag bis zu fünf weitere Titel aus dem eigenen Programm empfehlen. Diese Empfehlungsliste umfasst 156 Titel. Aus der Empfehlungsliste kann die Jury des Deutschen Sachbuchpreises weitere Titel anfordern.

Bei ihrer ersten gemeinsamen Sitzung haben die Jurymitglieder Jeanne Rubner (Technische Universität München) als ihre Sprecherin benannt. Der Jury gehören außerdem an: Julika Griem (Kulturwissenschaftliches Institut Essen), Stefan Koldehoff (Deutschlandfunk), Michael Lemling (Buchhandlung Lehmkuhl), Markus Rex (Alfred-Wegener-Institut), Adam Soboczynski (Die ZEIT) und Mirjam Zadoff (NS-Dokumentationszentrum München).

Die Jury ermittelt den Siegertitel in zwei Auswahlstufen: Im ersten Schritt stellt sie eine acht Titel umfassende Nominierungsliste zusammen, die sie am 18. April 2023 bekanntgibt. Aus dieser Auswahl kürt sie das Sachbuch des Jahres. Die Bekanntgabe erfolgt im Rahmen der Preisverleihung am 1. Juni 2023 im Kleinen Saal der Elbphilharmonie.

Die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vergibt die mit insgesamt 42.500 Euro dotierte Auszeichnung an ein herausragendes, in deutscher Sprache verfasstes Sachbuch, das Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung gibt. Der oder die Preisträger*in erhält 25.000 Euro, die sieben Nominierten erhalten je 2.500 Euro. Im letzten Jahr wurde Stephan Malinowski für sein Sachbuch „Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration“ mit dem Preis ausgezeichnet.

Hauptförderer des Preises ist die Deutsche Bank Stiftung, darüber hinaus unterstützen die Stadt Hamburg und die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius die Auszeichnung.

Alle Informationen können abgerufen werden unter www.deutscher-sachbuchpreis.de

Die politischste aber auch sicherste Frankfurter Buchmesse ist erfolgreich zu ende gegangen

Die 74. Frankfurter Buchmesse war ein großartiger Erfolg. © Foto: Diether von Goddenthow
Die 74. Frankfurter Buchmesse war ein großartiger Erfolg. © Foto: Diether von Goddenthow

Die Bilanz der 74. Frankfurter Buchmesse vom 19.-23. Oktober 2022 kann sich sehen lassen. Mit 93.000 Fachbesuchern gegenüber 36.000 im Corona-Jahr 2021 und 87.000 Privatbesuchern (37.500 Privatbesuchern) war sie wieder internationaler weltweit größter Treffpunkt der Buch- und Medienbranche. Über 4.000 Aussteller aus 95 Ländern präsentierten sich in den Hallen, im Literary Agents & Scouts Centre (LitAg) und an den neuen Workstations. Rund 6.400 Medienvertreter berichteten über die Veranstaltung. Das Literary Agents & Scouts Centre (LitAg), wo der Handel mit Rechten und Lizenzen stattfindet, war das Herz der Fachmesse. Mit mehr als 450 Arbeitsplätzen und rund 300 Agenturen war die LitAg überbucht.

Relaxen und Lesen im Forum der Halle 1. © Foto: Diether von Goddenthow
Relaxen und Lesen im Forum der Halle 1. © Foto: Diether von Goddenthow

Und es war eine der politischsten, aber auch sichersten Buchmessen trotz brisanter Themen. Selbst das eigens zum Aufspüren von Diskriminierungen sehr engagierte Awareness-Team konnte keinerlei konkrete Fälle von Diskriminierung benennen. Unbehelligt von irgendwelchen Störungen diskutierten im Frankfurt Pavilion Politiker, Kulturschaffende, Autoren und Übersetzer engagiert über die Protestbewegung im Iran, über die Situation der Menschen in der Ukraine, über Spaltungstendenzen in der Gesellschaft und über russische Opposition. Lesungen und Autorengespräche unter anderem mit Buchpreisträger*in Kim de l’Horizon, mit Ian Kershaw, Vanessa Mai, Judith Holofernes oder Karen Duve standen im Zentrum des Geschehen.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer. © Foto: Diether von Goddenthow
Klimaaktivistin Luisa Neubauer. © Foto: Diether von Goddenthow

Klima-Aktivistin Luisa Neubauer präsentierte ihr neues Buch, das sie mit ihrer Großmutter geschrieben hat. Und der diesjährige Friedenspreisträger Serhij Zhadan absolvierte einen Termin nach dem anderen.
Mit dem Motto „Translate. Transfer. Transform.“ stellte die diesjährige Buchmesse die Arbeit von Übersetzern in den Mittelpunkt. Rund 1.500 Besucher kamen zum Bühnenprogramm des Internationalen Zentrums für Übersetzung, um dort an einer der fast 30 Veranstaltungen teilzunehmen.

Das umstrittene Buch "Die vierte Gewalt - Medien auf dem Prüfstand" von Richard David Precht und Harald Welzer steht seit Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch. Auf der ARD-Bühne auf der Frankfurter Buchmesse wurde am Freitag erneut darüber diskutiert, diesmal mit Medienjournalist Stefan Niggemeier. Es moderierte: Daniel Bouhs (r), Soziologe-Harald-Welzer, Philosoph Richard-David-Precht- und Medienjournalist  Stefan-Niggemeier. © Foto: Diether von Goddenthow
Das umstrittene Buch „Die vierte Gewalt – Medien auf dem Prüfstand“ von Richard David Precht und Harald Welzer steht seit Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch. Auf der ARD-Bühne auf der Frankfurter Buchmesse wurde am Freitag erneut darüber diskutiert, diesmal mit Medienjournalist Stefan Niggemeier. Es moderierte: Daniel Bouhs (r), Soziologe-Harald-Welzer, Philosoph Richard-David-Precht- und Medienjournalist Stefan-Niggemeier. © Foto: Diether von Goddenthow

Publikumsmagnete waren wieder die ARD-Bühne und das blaue sofa ZDF, die ab Freitag auch allen privaten Bücherfans offenstanden. Einer der zahlreichen Diskussionshighlights war der Streit zwischen dem Medienjournalist Stefan Niggemeier und  dem Philosoph Richard David Precht und dem Soziologen Harald Welzer über deren Thesen im umstrittenen Buch „Die vierte Gewalt – Medien auf dem Prüfstand“, welches seit Wochen die Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch anführt. Welzer prangert  den sich in Zeiten von Krisen ausbreitenden „Cursor-Journalismus“ an, den „Curser des gefühlten Anstands“, wodurch bei gewissen Themen rasch  eine gewisse Übermoralisierung eintrete. Auch Precht hat erlebt und beobachtet, dass „wer deutlich von der Position abweicht“,  sie dann nicht mehr alle habe. Es gehe dann nur noch „um Schwarz und Weiß“. Aber gerade Precht spitze doch gerne Themen auf Schwarz Weiß zu, erwiderte Niggemaier, was die Sache so ironisch  mache. Er habe das Gefühl, „dass Sie die Mechanismen, die Sie beschreiben, selbst anwenden“,  so der Gründer des Onlinemagazins „Übermedien“.

Elke Heidenreich  © Foto: Diether von Goddenthow
Elke Heidenreich © Foto: Diether von Goddenthow

Originell mit schnoddriger Schnauze und bissig wie immer, zeigte sich Elke Heidenreich im Talk mit Bärbel Schäfer über ihr neues Buch „Ihr glücklichen Augen“, erschienen bei Hanser, worin die beliebte und nicht immer bequeme Autorin heitere und spannende Episoden ihrer Reisen schildert. „Man bewegt sich in Welten, Häusern, Gegenden, die anderen gehören. Man kann Gefahr, Willkür, Ablehnung begegnen. Und weil alles immerfort überall möglich ist, wird man gelassen. Ich bin auf Reisen nie aufgeregt oder ängstlich, ich bin wie in einer Art Meditation – ich nehme an, was auf mich zukommt, und das sind keine touristisch geplanten Sehenswürdigkeiten“, so Heidenreich.

 

Ahmad-Mansour Ahmad Mansour ist ein deutsch-israelischer Psychologe und Autor. Er lebt seit 2004 in Deutschland und hat seit 2017 die deutsche Staatsbürgerschaft. Er beschäftigt sich mit Projekten und Initiativen gegen Radikalisierung,  © Foto: Diether von Goddenthow
Ahmad-Mansour Ahmad Mansour ist ein deutsch-israelischer Psychologe und Autor. Er lebt seit 2004 in Deutschland und hat seit 2017 die deutsche Staatsbürgerschaft. Er beschäftigt sich mit Projekten und Initiativen gegen Radikalisierung, © Foto: Diether von Goddenthow

Am FAZ-Stand stellte Ahmad Mansour im Gespräch mit Thomas Thiel sein Buch „Operation Allah . Wie der politische Islam unsere Demokratie unterwandern will“, erschienen bei S. Fischer, vor.  Er ist einer der wenigen Kenner der Szene, der sich traut, brisante Fragen anzusprechen. Mansour warnt seit Jahren, ähnlich vergeblich wie Professorin Dr. Susanne Schröter, Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) ( „Allahs Karawane“, Beck 2021), vor dem politischen Islam, der weniger auf salafistische Strömungen, sondern eher auf die Moslembruderschaft und ihren nahestehenden Organisationen á la DIDIB zurückginge. Für den Autor des Bestsellers »Generation Allah« ist der Islam in Deutschland eine Konsequenz einer vielfältigen Gesellschaft, die weder zelebriert noch verteufelt werden sollte. „Doch wir müssen genau hinsehen: Es gibt Islamisten, die etwa politische wie wissenschaftliche Institutionen unterwandern und dabei vorgeben, sich für Integration einzusetzen. Doch sie wollen unsere Gesellschaft umformen. Es sind falsche Freunde.“ Der Islamismusexperte Ahmad Mansour, dessen »Einsatz für Integration in einer freien, demokratischen und sicheren Gesellschaft« 2022 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, zeigt die Versäumnisse der Politik auf und fordert von ihr, endlich zu handeln und entschieden für die Werte unserer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft einzutreten: mit konkreten Maßnahmen, die vom Wohnungsbau bis hin zur Schulpolitik reichen. »Operation Allah« ist ein engagiertes und mutiges Plädoyer für eine säkulare Zukunft. »Das Schlimmste für den radikalen Islam wäre“, so Mansour, „ein europäisch geprägter liberaler Islam mit demokratischen Werten. Deshalb brauchen wir genau den.«

Professorin Dr. Maja Göpel im Gespräch mit Moderator Christian Rabhansl  © Foto: Diether von Goddenthow
Professorin Dr. Maja Göpel im Gespräch mit Moderator Christian Rabhansl © Foto: Diether von Goddenthow

Auf dem Stand von Deutschlandradio sprach Professorin Dr. Maja Göpel, die seit 25 Jahren als Politökonomin und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft arbeitet, über die Art, wie wir momentan noch leben und wie fundamental sich unser Leben in den nächsten Jahren verändern werde. Bisherige Selbstverständlichkeiten in Umwelt, Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Technologie zerbröselten. Doch es gibt auch Wege, wie wir die neuen insgesamt komplexen Entwicklungen besser verstehen und dieses Wissen für eine bessere Welt nutzen könnten. Denn in der Geschichte habe es immer wieder Große Transformationen gegeben. Sie wurden von uns Menschen ausgelöst, so Göpel, weswegen wir sie auch gestalten werden können. Unser Fenster zur Zukunft stehe offen wie nie. Mit dieser Haltung sei Strukturwandel keine Zumutung, sondern eine Chance. Es sei Zeit, dass wir – jeder Einzelne von uns, aber auch die Gesellschaft als Ganzes – uns erlauben, neu zu denken, zu träumen und eine radikale Frage stellen: Wer wollen wir sein?

Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse © Foto: Diether von Goddenthow
Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse © Foto: Diether von Goddenthow

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, sagte: „Inmitten einer bedrückenden weltpolitischen Lage sendete diese Messe wichtige Signale: Das persönliche Gespräch ist in Zeiten aufgeheizter Debatten ein Gegenmittel zu Polarisierung. Es zeigt sich, wie wichtig die Frankfurter Buchmesse als Treffpunkt der internationalen Publishing-Community ist: Hier werden an wenigen Tagen wertvolle Beziehungen gepflegt und geknüpft. Wir ziehen eine positive Bilanz und freuen uns über fünf erfolgreiche Messetage.“

Ein großes Fest der Buchbegeisterung

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels © Foto: Diether von Goddenthow
Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels © Foto: Diether von Goddenthow

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sagte: „Die Frankfurter Buchmesse war ein großes Fest der Buchbegeisterung und der Demokratie. In vollen Messegängen und bei lebendigen Debatten spürte man deutlich die Kraft von Büchern, die Freude des Wiedersehens und den Willen zur konstruktiven Auseinandersetzung mit den Themen der Zeit. Drängende Fragen der Gegenwart standen auf der Tagesordnung – von der Situation in der Ukraine und im Iran bis hin zu Themen wie Diversität und dem Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Die Frankfurter Buchmesse gab so wichtige Anstöße angesichts der aktuellen Herausforderungen in Branche, Gesellschaft und Weltpolitik. Damit konnte die Frankfurter Buchmesse ihre Bedeutung als wichtigster Handelsplatz für Bücher sowie als Ort der Vielfalt und des friedlichen Austauschs unterstreichen.“

Impression Ehrengast-Pavillon Spanien. © Foto: Diether von Goddenthow
Impression Ehrengast-Pavillon Spanien. © Foto: Diether von Goddenthow

Ehrengast Spanien mit vielfältigen literarischen Stimmen
Unter dem Motto „Sprühende Kreativität“ präsentierte sich der Ehrengast Spanien mit sprachlicher und kreativer Vielfalt. Insgesamt sind seit Projektbeginn im Jahr 2019 rund 400 neue Bücher in deutscher Sprache sowie zahlreiche Titel in anderen europäischen Sprachen erschienen. Spanien hat auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse mit zahlreichen Veranstaltungen auf der Messe und vielen weiteren über das Messegelände hinaus gezeigt, wie greifbar die Theorie der spanischen Schriftstellerin Carmen Martín Gaite ist: Geschichten sind wie Kirschen – wenn du an einer ziehst, bekommst du eine weitere dazu. Weltstars wie Rosa Montero, Arturo Pérez-Reverte und Fernando Aramburu waren in Frankfurt zu Gast. Auch der Ehrengast Spanien zieht eine positive Bilanz: „Wir haben die große spanische Literatur geehrt und neuen vielversprechenden Stimmen eine Bühne geboten. Wir hoffen, dass die in und um Frankfurt neu geknüpften und vertieften Verbindungen zu Lesenden, Verlagen und Buchfreunden aus aller Welt noch lange Bestand haben.“, so Maria José Gálvez.

Lebhafter Rechtehandel und umfassendes Fachprogramm

Friedenspreisträger Serhij Zhadan zu Gast auf der ARD-Bühne der Frankfurter Buchmesse. Sein Buch: "Himmel über Charkiw: Nachrichten vom Überleben im Krieg" (Suhrkamp), im Gespräch mit Moderatorin Cécile schortmann. © Foto: Diether von Goddenthow
Friedenspreisträger Serhij Zhadan zu Gast auf der ARD-Bühne der Frankfurter Buchmesse. Sein Buch: „Himmel über Charkiw: Nachrichten vom Überleben im Krieg“ (Suhrkamp), im Gespräch mit Moderatorin Cécile schortmann. © Foto: Diether von Goddenthow

Die im Literary Agents & Scouts Centre (LitAg) vertretene Agenturen waren mit ihren Geschäften sehr zufrieden: „Es war großartig, auf eine pulsierende Messe zurückzukommen. Das LitAg war voll, man spürte die positive Energie und es fanden zahlreiche Vertragsabschlüsse statt“, fasste Literaturagentin Maria Cardona Serra von Aevitas Creative Management (UK/USA) zusammen.
An drei Fachbesuchertagen bot die Frankfurter Buchmesse ein umfassendes Programm. Internationale Branchengrößen wie Peter Warwick, President and CEO, Scholastic; Charlie Redmayne, CEO HarperCollins UK; Markus Dohle, CEO Penguin Random House, Jesús Badenes del Río, CEO Planeta, Jonny Geller, CEO Curtis Brown, und Núria Cabutí, CEO, Penguin Random House Grupo Editorial sowie Vertreter*innen von Plattformen wie TikTok, Spotify und Wattpad Webtoon kamen zu Wort. 1.700 Teilnehmer*innen nahmen am zweitägigen Publishing Perspectives Forum teil.

Alle Videoaufzeichnungen von Veranstaltungen auf der #fbm22 sind in der Mediathek und auf dem YouTube-Kanal der Frankfurter Buchmesse abrufbar.

Frankfurter Buchmessen-Feeling ist zurück – Großer Andrang bereits am 19.Oktober 2022

Nach zwei Corona-Jahren mit begrenztem Zugang hat die Frankfurter Buchmesse vom 19. bis zum 23. Oktober 2022  ihre Tore wieder geöffnet. © Foto: Diether von Goddenthow
Nach zwei Corona-Jahren mit begrenztem Zugang hat die Frankfurter Buchmesse vom 19. bis zum 23. Oktober 2022 ihre Tore wieder geöffnet. © Foto: Diether von Goddenthow

Nach der feierlichen Eröffnung mit dem spanischen Königspaar König Felipe VI und Königin Letizia und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Messevorabend, hatte am 19.10.2022 der weltweit größte Marktplatz für Bücher – umrahmt von einem gewaltigen Kultur- und Leseprogramm – seine Pforten für Fachbesucher und ab Freitag auch für die Allgemeinheit geöffnet.

Der große Run auf die Bücher schon am ersten Morgen. © Foto: Diether von Goddenthow
Der große Run auf die Bücher schon am ersten Morgen. © Foto: Diether von Goddenthow

Schon am frühen Morgen strömten die Gäste in großer Menge auf die weltweit größte Bücherschau. Bereits hier zeichnete sich ab, dass es nach den beiden Jahren mit Zugangsbeschränkungen endlich wieder eine relativ „ normale“ Frankfurter Buchmesse werden würde, fast so wie früher: noch etwas abgespeckt, aber mit spannenden Lesungen, Diskussionen, Gesprächen, Preisverleihungen und einer überall anzutreffenden Betriebsamkeit, ob in den Hallen, auf der Agora, an den Veranstaltungsbühnen von ARD, ZDF, Kulturradio Frankfurt oder der Verlage und im Ehrengast-Pavillon der Spanier.

Programmatisch tritt Spanien vor allem im Ehrengast-Pavillon (Forum Ebene 1) in Erscheinung, wo Besucher unter dem Motto „Creatividad Desbordante – Sprühende Kreativität“ auf Expedition gehen können.  Dem Gesamtkonzept liegt die „Theorie der Kirschen“ der Schriftstellerin Carmen Martín Gaite (1925-2000) zugrunde: „Geschichten sind wie Kirschen. Wer in eine Schale mit Kirschen hineingreift, wird niemals nur eine einzelne Frucht erwischen.“ © Foto: Diether von Goddenthow
Programmatisch tritt Spanien vor allem im Ehrengast-Pavillon (Forum Ebene 1) in Erscheinung, wo Besucher unter dem Motto „Creatividad Desbordante – Sprühende Kreativität“ auf Expedition gehen können. Dem Gesamtkonzept liegt die „Theorie der Kirschen“ der Schriftstellerin Carmen Martín Gaite (1925-2000) zugrunde: „Geschichten sind wie Kirschen. Wer in eine Schale mit Kirschen hineingreift, wird niemals nur eine einzelne Frucht erwischen.“ © Foto: Diether von Goddenthow

Der Herzstück des Ehrengast-Auftritts der Spanier, deren letzte Teilnahme als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse einunddreißig Jahre zurückliegt, ist der farbenfrohe Ehrengast-Pavillon im Forum Halle 1. Hier erwarteten Besucher spannende Begegnungen mit Spaniens renommiertesten Autorinnen /Autoren und neuen literarischen Stimmen bei Lesungen und Diskussionsveranstaltungen sowie Musik- und Theaterperformances spanischer Künstlerinnen und Künstler.

Einer der ersten Gäste im Ehrengastpavillon war Mittwochmorgen der spanische König Felipe VI. mit Gattin Königin Letizia, die sich in Begleitung von Bundeskulturministerin Claudia Roth und Buchmessen-Direktor Jürgen Boos unter die Fachbesucher gemischt hatten, um sich zunächst in Halle 4 einen Eindruck von den Messeständen der internationalen und wissenschaftlichen Verlage zu verschaffen.

Der spanische König Felipe VI. mit Gattin Königin Letizia © Foto: Diether von Goddenthow
Der spanische König Felipe VI. mit Gattin Königin Letizia © Foto: Diether von Goddenthow

Anschließend besuchte das Königspaar den Ehrengast-Pavillon ihres Landes im Forum der Halle 1. Dabei Überquerte das Königspaar die Agora vorbei an der Open-Air-Sonderausstellung spanischer, flandrischer, italienischer und deutscher Renaissance-Malerei. Dieser Bilderschau soll Appetit auf mehr machen und eine Einladung in Prado Madrid und zu vielen anderen Kulturschätzen Spaniens sein. Schon am Vorabend der Buchmessen-Eröffnung hatte der spanische König Felipe VI für die Demokratie und das europäische Projekt geworben. In seiner Ansprache hatte der spanische König den Weg, den Spanien seit der Franco-Diktatur hin zu Freiheit und Demokratie genommen habe, gewürdigt. Deutschland und Spanien vereine Freundschaft für das Engagement für das Europäische Projekt.

Moderatorin Shahrzad Osterer, Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg  und Shila Rebecca Behjat, frühere ARD-Korrespondentin in Teheran © Foto: Diether von Goddenthow
Moderatorin Shahrzad Osterer, Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg und Shila Rebecca Behjat, frühere ARD-Korrespondentin in Teheran © Foto: Diether von Goddenthow

Während  der „royale Tross“ vorbeizog, diskutierten nur eine Zeltwand weit davon entfernt im Frankfurt Pavilion  Frankfurt Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg mit Shila Rebecca Behjat, frühere ARD-Korrespondentin in Teheran, und der Moderatorin Shahrzad Osterer über die „Revolution der Frauen im Iran: „Frau. Leben. Freiheit.“ Es ging um die Hintergründe des Todes der jungen Kurdin Mahsa Jhina Amini in Polizeigewahrsam, nachdem sie wegen falsch getragenem Schleier von der Religionspolizei verhaftet worden war. Das hatte weltweit eine Welle des Protests und der Solidarität mit den Iranerinnen ausgelöst. Hunderttausende Demonstranten gingen und gehen unter Folter- und Todesgefahr im Iran auf die Straßen, um gegen die staatliche Unterdrückung zu protestieren. Ihre Sache wird mittlerweile von Politikern, Journalisten und Intellektuellen auf der ganzen Welt unterstützt. „Das darf uns nicht kaltlassen. (..) Deutschland und Europa dürfen diese Frauen nicht alleine lassen, sie brauchen uns“, so Nargess Eskandari-Grünberg. Deswegen wäre es wichtig, wenn auch die gesamte deutsche Frauenbewegung der Revolution der Frauen im Iran Rückendeckung gäbe, etwa auch, indem sie das Kopftuch als das, was es ist, nämlich als Unterdrückungs-Instrument der Frauen benennt.

. Treibende Kraft seien die Frauen und die Generation Z. "Diese Generation ist unglaublich unerschrocken." So gebe es kein Angebot an das Regime mehr, sondern einzig die Forderung nach einem "Regime-Change". © Foto: Diether von Goddenthow
. Treibende Kraft seien die Frauen und die Generation Z. „Diese Generation ist unglaublich unerschrocken.“ So gebe es kein Angebot an das Regime mehr, sondern einzig die Forderung nach einem „Regime-Change“. © Foto: Diether von Goddenthow

In der sich hieran anschließenden Veranstaltung diskutierte PEN Berlin in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse mit Natalie Amiri, Cinur Ghaderi, Behzad Karim Khani, Omid Nouripour MdB, Deniz Yücel und der Moderation Doris Akrap über die Frage „Iran – wo lang? Der Aufstand gegen das Mullah-Regime, und was der Rest der Welt tun kann“. Messedirektor Juergen Boos hatte die Diskutanten und die Gäste und Spontan-Demonstrantinnen im Frankfurt Pavilion begrüßt.

06_Performance-254 © Foto: Diether von Goddenthow
06_Performance-254 © Foto: Diether von Goddenthow

Wie ein übergroßer Stolperstein, legte sich die ukrainische Künstlerin Maria Kulikovska zu einem stillen Protest auf auf die Agora mitten auf dem Messegelände, umhüllt mit der ukrainischen Flagge. Es war die Wiederaufführung ihrer in St. Petersburg nicht genehmigten Performance „254“, bei der sie sich wie verwundet auf die Stufen eines Museums gelegt hatte.

© Foto: Diether von Goddenthow
© Foto: Diether von Goddenthow

In Halle 3.1 hatte der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels zu einem Auftaktempfang geladen, um das Augenmerk des internationalen Lesepublikums auf seine Buchszene mit bekannten Autoren und Autorinnen wie Eva und Robert Menasse, Heinrich Steinfest usw, und neuen literarischen Stimmen sowie hochkarätigen Verlagen zu lenken.  Das ungewöhnliche Motto als bewusster Gegenbegriff zum tief verwurzelten „mia san mia“ markiere dabei die Qualität in der Vielfalt, die Österreichs mehrsprachige, multikulturelle und multireligiöse literarische Landschaft mit 350 unabhängigen Verlagen auszeichne.

Literaturkritiker Denis Scheck im Gespräch mit dem Chronist einer surrealen Wirklichkeit Heinrich Steinfest über sein neues Werk "Der betrunkene Berg" © Foto: Diether von Goddenthow
Literaturkritiker Denis Scheck im Gespräch mit dem Chronist einer surrealen Wirklichkeit Heinrich Steinfest über sein neues Werk „Der betrunkene Berg“ © Foto: Diether von Goddenthow

Auf der ARD-Bühne im Forum, Ebene 0, präsentierte und kommentierte, Denis Scheck neueste Comics, Familien- und Reiseromane bis hin zu Nobelpreisliteratur. Zu Gast war unter anderem Heinrich Steinfest mit seinem neuen im Piper-Verlag erschienen Werk „Der betrunkene Berg“, indem er über menschliche Abgründe und Aufstiege spannend ermitteln lässt.

Dr. Sabine Baumann dankt für die Ehrung mit der Übersetzerbarke VdÜ   © Foto: Diether von Goddenthow
Dr. Sabine Baumann dankt für die Ehrung mit der Übersetzerbarke VdÜ © Foto: Diether von Goddenthow

In Halle 4  verlieh der Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer u. wissenschaftlicher Werke e.V. die Übersetzerbarke VdÜ   an die im Frankfurter Schöffling-Verlag tätige Verlagslektorin und literarische Übersetzerin Dr. Sabine Baumann durch Marieke Heimburger. Dr. Baumann betreut als Chefredakteurin das Fachblatt Übersetzen und gehörte im Juni 2022 zu den Gründungsmitgliedern des PEN Berlin.

vli.:Autorin Ananda Klaar und Autorin Livia Gerster mit Moderatorin Jasmin Schreiber © Foto: Diether von Goddenthow
vli.:Autorin Ananda Klaar und Autorin Livia Gerster mit Moderatorin Jasmin Schreiber © Foto: Diether von Goddenthow

Mit scharfer Zunge ging es wieder in der Gesprächsreihe „SHEROES: Wir – für Alt und Jung!“ zur Sache. Es  diskutierten die FAZ-Journalistin Livia Gerster über ihre Publikation „Die Neuen: Eine Generation will an die Macht“ (C.H.Beck) und die 18jährige Ananda Klaar über ihre Neuerscheinung „Nehmt uns endlich ernst! Ein Aufschrei gegen die Übermacht der Alten“ (Piper). Junge Menschen fühlten sich in der Politik oft nicht gehört, weswegen sie ihr Wut-Buch geschrieben habe. Der Vorschlag, die jungen Leute sollten doch vor Ort in den Parteien ihre Anliegen voranbringen, so wie es in demokratischen Prozessen üblich sei, wollte sie nicht gelten lassen, weil das zu lange dauere, da die Baby-Boomer (50 bis 70jährigen) dort dominierten. Dass zur Zeit noch nie so viele Jüngere im Bundes Wird sich das mit dem Generationswechsel im Bundestag ändern? Darüber diskutieren Klimaaktivistin Ananda Klaar und FAZ-Journalistin Livia Gerster bei

Dörte Hansen © Foto: Diether von Goddenthow
Dörte Hansen © Foto: Diether von Goddenthow

Am Stand des Zeit-Verlages treffen wir Dörte Hansen im Gespräch mit Volker Weidermann über ihren dritten Roman „Zur See“, der zurzeit Nr. 1 auf der Spiegelbestsellerlist rangiert. Hierin schildert die Autorin, zurzeit auch Stadtschreiberin der Stadt Mainz, die Geschichte einer alteingesessenen Insel-Familie. Die Familienmitglieder, allesamt eng mit der Insel verbunden, leben jedoch komplett nebeneinander her. Was manchen vielleicht als Mangel an gegenseitiger menschlicher Empathie und Nähe erscheinen mag. kann für manch anderen, eher introvertierten Typen und Eigenbrötler durchaus eine glücklichere Lebensweise sein.

Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein wird herzlich begrüßt von Dietlind Grabe-Bolz, Vorsitzende des Hessischen Literaturrats u. Geschäftsführerin Madelin Rittner (Bild mitte) © Foto: Diether von Goddenthow
Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein wird herzlich begrüßt von Dietlind Grabe-Bolz, Vorsitzende des Hessischen Literaturrats u. Geschäftsführerin Madelin Rittner (Bild mitte) © Foto: Diether von Goddenthow

Hessens  Ministerpräsident Boris Rhein startete  seinen Rundgang auf der Buchmesse am Hessischen  Gemeinschaftsstand „Literatur in Hessen“. Er war es, der einst in seiner Funktion als hessischer Kunst- und Kulturminister diesen Gemeinschaftsstand „Literatur in Hessen“ zur Frankfurter Buchmesse 2018 ins Leben gerufen hatte.  Boris Rhein hatte auch noch der im selben Jahr den Hessischen Verlagspreis  „Literatur in Hessen“ ins Leben gerufen. Der Hessische Gemeinschaftsstand versteht sich als Plattform, um hessische Verlage, Autoren und Autorinnen zu unterstützen, ihre Programme und Werke auch auf der weltweit größten Plattform für Bücher den Messebesuchern präsentieren zu können. Dietlind Grabe-Bolz, Vorsitzende des Hessischen Literaturrats, und  Geschäftsführerin Madelin Rittner sowie Andrea Wolf, Geschäftsführerin des Börsenvereins Hessen, Rheinland, Saarland, hießen den Ministerpräsidenten herzlich willkommen und fachsimpelten mit ihm über die gegenwärtig schwierige Entwicklung auf dem Buchmarkt, insbesondere über die sich dramatisch zuspitzende Situation des – ohnehin durch zwei Coronajahre –  gebeutelten stationären Buchhandel.

Gute Buchmessenstimmung wie vor der Pandemie, auf dem Hessischen Gemeinschaftsstand "Literatur in Hessen", hier bei einer Lesung der Autorin Felicitas Hoppe im Gespräch mit  Ernst Osterkamp, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Unter den Zuhörerinnen Ayse Asar  2012 © Foto: Diether von Goddenthow
Gute Buchmessenstimmung wie vor der Pandemie, auf dem Hessischen Gemeinschaftsstand „Literatur in Hessen“, hier bei einer Lesung der Autorin Felicitas Hoppe im Gespräch mit Ernst Osterkamp, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Unter den Zuhörerinnen Ayse Asar 2012 © Foto: Diether von Goddenthow

Etwas später gesellte sich Ayse Asar, die hessische Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft und Kunst, hinzu. Gemeinsam hatte sie mit Lothar Wekel, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels-Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland e.V., und Dietlind Grabe-Bolz zum Empfang am Hessischen Gemeinschaftsstand gegen 16.00 Uhr eingeladen.

Staatssekretärin Ayse Asar, Autorin Felicitas Hoppe u.Ernst Osterkamp, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung © Foto: Diether von Goddenthow
Staatssekretärin Ayse Asar, Autorin Felicitas Hoppe u.Ernst Osterkamp, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung © Foto: Diether von Goddenthow

Asar kam aber extra früher um dem Gespräch und der Lesung der Autorin und Büchner-Preisträgerin 2012 Felicitas Hoppe mit Ernst Osterkamp, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, beiwohnen konnte.  Die Staatssekretärin betonte, dass es nach über zwei Jahren coronabedingten Beschränkungen mit vielen einschneidenden Konsequenzen für das Verlagswesen, für Autoren und Autorinnen und für Kulturveranstaltungen „uns im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst ein großes Anliegen“ sei, „Verlage in Hessen in ihrer Sichtbarkeit und kulturellen Bedeutung zu stärken“, „Es ist ein schönes Gefühl, am Hessischen Gemeinschaftsstand wieder Literatur live zu erleben. Denn trotz Krisenzeiten gilt weiterhin: Hessens literarisches Erbe ist immens. Wir haben eine starke Literaturförderung mit Veranstaltungsreihen, Schreibwettbewerben, Schreibworkshops, Leseförderprojekten, Literaturpreisen und Autorenstipendien. All das wollen wir den Menschen zeigen. Zudem gibt es in Hessen viele kleine Verlage, die eine große kulturelle Bandbreite und viele Themen abdecken. Vor allem ihnen wollen wir mit dem Gemeinschaftsstand die Möglichkeit geben, ihr Programm auf dem Gemeinschaftsstand zu präsentieren. Vielen wäre das aufgrund der Standmieten sonst nicht möglich.“, so die hessische Staatssekretärin.

Auf dem blauen sofa Dona Leon im Gespräch mit Michael Sahr © Foto: Diether von Goddenthow
Auf dem blauen sofa Dona Leon im Gespräch mit Michael Sahr © Foto: Diether von Goddenthow

Auf dem Blauen ZDF-Sofa in Halle 3  und am Donnerstagabend bei der Lesung  im Congresscenter stellte Bestseller-Autorin Donna Leon ihre Autobiografie „Ein Leben in Geschichten“, erschienen bei Diogenes, vor. Dieses Mal ging es nicht um einen Kriminalfall oder um die  in Venedig spielende deutsche Krimireihe Donna Leon mit Commissario-Brunetti (Uwe Kockisch) und Vice Questore Giuseppe (Michael Degen). Dieses Mal plauderte die Grand Dame des Krimi-Genres über ihr turbulentes Leben. Am Buchmessen-Mittwoch war sie 80 Jahre alt geworden, was man ihr wirklich nicht anmerkt.  „Es war ein Leben, das keinen Ehrgeiz hatte, kein Ziel, das sich einfach so entwickelt hat“, so Donna Leon, die es als ein Glück empfand, dass er Erfolg erst so spät in ihr Leben kam, da man mit 50 immun dagegen sei, den eigenen Erfolg allzu ernst zu nehmen. Sie trägt den Humor auf ihrer Zunge, und amüsierte ihr Publikum mit kleinen spitzen Pointen und viel Selbstironie. Die Welt brauchte mehr Menschen wie sie, Menschen, die sich nicht so wichtig nehmen.

Am Nachmittag verlieh im Frankfurt Pavilion der HOFFMANN UND CAMPE Verlag der Frankfurter Buchmesse den Julius-Campe-Preis 2022 für ihre Verdienste um die Literatur. Tim Jung, verlegerischer Geschäftsführer von HOFFMANN UND CAMPE, würdigte die Messe mit den Worten: »Die Frankfurter Buchmesse überführt Geschichten, Ideen, Argumente und Meinungen in eine gesellschaftliche Erfahrung. Damit ist sie von herausragender Bedeutung für die Vermittlung und für das Verständnis der Literaturen unserer Welt.«

Kulturministerin Claudia Roth (r) gratuliert dem Buchmesseteam zum Julius-Campe-Preis 2022 © Foto: Diether von Goddenthow
Kulturministerin Claudia Roth (r) gratuliert dem Buchmesseteam zum Julius-Campe-Preis 2022 © Foto: Diether von Goddenthow

Claudia Roth, MdB und Staatsministerin für Kultur und Medien, erklärte in ihrer Laudatio: »Die Frankfurter Buchmesse ist längst ein Synonym für gelingende Literaturvermittlung und das weltweit bedeutendste Forum für Literatur. Insbesondere in den vergangenen zwei Jahren hat sie in der Pandemie Herausragendes geleistet und mit der Entwicklung neuer Formate den unverzichtbaren Austausch in der Buchbranche aufrechterhalten.« Im Anschluss an die Laudatio überreichte Tim Jung dem Direktor der Frankfurter Buchmesse, Juergen Boos, die Preisurkunde.
Der Preis ist benannt nach Julius Campe (1792-1867), der zu den größten Verlegern der deutschen Geschichte zählt. Als Entdecker von Heinrich Heine und als mutiger Förderer der Autoren des »Jungen Deutschlands« wurde er zum Inbegriff des idealistischen Verlegers, der literarische Entdeckungsfreude mit gesellschaftlichem Engagement vereint. Die Julius-Campe-Preisträger der vergangenen Jahre: 2019: Mara Delius, 2018: Christian Petzold. 2017: Staatsministerin Prof. Monika Grütters, 2016: Das Netzwerk der Literaturhäuser, 2015: Denis Scheck, 2014: Buchhandlungskooperation 5 plus, 2013: Felicitas von Lovenberg, 2012: Petra Roth, 2011: Roger Willemsen, 2010: Elke Heidenreich, 2009: Elisabeth Niggemann, 2008: Wendelin Schmidt-Dengler (posthum), 2007: Klaus Reichert, 2006: Michael Naumann, 2005: Jan Philipp Reemtsma, 2004: Joachim Kaiser,2003: Heinrich Detering, 2002: Martin Walser.

vli. Barbara Vinken, Sandra Kegel, Gert Scobel  u. Katrin Schumacher © Foto: Diether von Goddenthow
vli. Barbara Vinken, Sandra Kegel, Gert Scobel u. Katrin Schumacher © Foto: Diether von Goddenthow

In Halle 3.1 diskutierte auf dem blauen sofa das „ZDF-Buchzeit-Team“,  die Literaturexpertinnen Barbara Vinken, Sandra Kegel und Katrin Schumacher mit Gert Scobel über die neuen Bücher von Monika Fagerholm (Wer hat Bambi getötet), Johan Harstad (Auf frischer Tat), Behzad Karim Khani (Hund, Wolf, Schakal) und Andrej Kurkow (Samson und Nadjeschada).

Impression von der 74. Frankfurter Buchmesse © Foto: Diether von Goddenthow
Impression von der 74. Frankfurter Buchmesse © Foto: Diether von Goddenthow

Zwei Gänge weiter hatte der Gemeinschaftsstand des Bundeslandes Thüringen eingeladen: Im Auftrag des Thüringer Wirtschaftsministeriums wird, ähnlich wie bei „Literatur in Hessen“, thürinigschen Verlagen, Medien- und Kreativunternehmen preiswert eine prominente Plattform angeboten, auf der sie sich mit ihren Neuerscheinungen und ihrem Angebot auf dem weltweit bedeutendsten Handelsplatz für Bücher, Medien, Rechte und Lizenzen präsentieren können.

(Diether von Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022: Sechs Romane im Finale

Deutscher Buchpreis 2022: Sechs Romane im Finale- Die sechs Titel der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 (c) vntr.media
Deutscher Buchpreis 2022: Sechs Romane im Finale- Die sechs Titel der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 (c) vntr.media

Die Jury hat diese sechs Romane für die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2022 ausgewählt:

  • Fatma Aydemir: Dschinns (Carl Hanser, Februar 2022)
  • Kristine Bilkau: Nebenan (Luchterhand, März 2022)
  • Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter (Kiepenheuer & Witsch, August 2022)
  • Jan Faktor: Trottel (Kiepenheuer & Witsch, September 2022)
  • Kim de l’Horizon: Blutbuch (DuMont, Juli 2022)
  • Eckhart Nickel: Spitzweg (Piper, April 2022)

Jurysprecherin Miriam Zeh, Deutschlandfunk Kultur: „Ein Roman gibt sich eigene Gesetze und steht doch unweigerlich in Kontakt zur Gegenwart, in der er geschrieben und gelesen wird. Alle sechs Titel der Shortlist 2022 konnten uns in ihrer ästhetischen Eigenheit überzeugen. Mit sprachlicher Brillanz und formaler Innovationskraft beschreiben sie soziale Realitäten und Phantasmen, vermessen Mitte und Ränder, umkreisen Trauer und Komik. Damit bilden die nominierten Autor*innen die thematische wie stilistische Vielfalt der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ab. Gemeinsam ist ihnen: eine künstlerische Unbedingtheit. Mit ihren Büchern beziehen sie Position, zeigen sich streitbar und zugleich offen für den Dialog. So laden wir mit der Lektüre dieser Shortlist auch ein, in einen Austausch zu treten und den eigenen Blick auf die Welt neu zu justieren.“

Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 233 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2021 und dem 20. September 2022 erschienen sind. Der Jury gehören neben Miriam Zeh an: Erich Klein (freier Kritiker, Wien), Frank Menden (stories! Die Buchhandlung, Hamburg), Uli Ormanns (Agnes Buchhandlung, Köln), Isabelle Vonlanthen (Literaturhaus Zürich), Selma Wels (Kuratorin und Moderatorin, Frankfurt) und Jan Wiele (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

Mit dem Deutschen Buchpreis 2022 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Der oder die Preisträger*in erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalist*innen erhalten jeweils 2.500 Euro. Die Preisverleihung findet am 17. Oktober 2022 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt und wird live übertragen. Interessierte können die Preisverleihung unter www.deutscher-buchpreis.de verfolgen.

Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur übertragen die Veranstaltung live über den Sonderkanal „Dokumente und Debatten“ im Digitalradio und als Livestream auf Dokumente und Debatten | deutschlandradio.de.

Hauptförderer des Deutschen Buchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, weitere Partner sind die Frankfurter Buchmesse und die Stadt Frankfurt am Main. Die Deutsche Welle unterstützt den Deutschen Buchpreis bei der Medienarbeit im In- und Ausland.

Ab 4. Oktober 2022 werden Auszüge aus den Shortlist-Titeln in englischer Übersetzung und ein englischsprachiges Dossier zur Shortlist auf dem Internetportal www.new-books-in-german.com präsentiert.

Auf der Webseite und den Social-Media-Kanälen des Deutschen Buchpreises vermitteln Videoporträts einen Eindruck von den nominierten Werken und ihren Autor*innen.

Der Hashtag zum Deutschen Buchpreis lautet: #dbp22

Börsenverein unterstützt Petition zum Erhalt von Sprach-Kitas

Das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ soll im kommenden Jahr nicht weitergeführt werden. So steht es im Entwurf für den Bundeshaushalt 2023, dessen finale Verabschiedung im November stattfindet. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und seine Interessengruppe (IG) Leseförderung kritisieren die geplante Beendigung der Förderung. Sie unterstützen die Initiative „Sprach-Kitas retten“, die den Erhalt des wichtigen Programms fordert, und ruft zur Unterzeichnung einer Petition auf.

„Kitas sind Schlüsselakteure in der Sprach- und Leseförderung. Dort wird der Grundstein für faire Bildungsvoraussetzungen für Kinder gelegt. Es wäre fatal, wenn die Bundesregierung gerade an dieser Stelle den Rotstift ansetzt. Aufgrund der großen Defizite bei der Sprach- und Lesekompetenz hierzulande, die sich durch die Pandemie weiter zugespitzt haben, braucht unser Land nicht weniger, sondern mehr Förderung und Unterstützung durch die Politik, um die Leseförderung nachhaltig zu verbessern“, sagt Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.

„Die Sprach-Kitas vermitteln die Grundlagen für das Leseverständnis, das die Zukunftschancen von Kindern maßgeblich beeinflusst. Besonders in einer diversen Gesellschaft wie in Deutschland bildet Sprachförderung einen wichtigen Faktor für Chancengleichheit, soziale wie persönliche Entwicklung. In vielen Elternhäusern wird nicht mehr vorgelesen – damit sind die Kitas stärker gefragt, Sprach- und Lesefähigkeit zu vermitteln. Und was im Kleinkindalter an Leseförderung versäumt wird, ist später immer schwieriger auszugleichen. Deshalb ist das Programm der Bundesregierung so entscheidend und darf nicht Sparmaßnahmen zum Opfer fallen“, sagt Susanne Lux, Sprecherin der IG Leseförderung des Börsenvereins.

Petition unterzeichnen und Unterschriften sammeln
Die öffentliche Petition für den Erhalt der Sprach-Kitas wurde von Kita-Leiterin Wenke Stadach ins Leben gerufen und beim Deutschen Bundestag eingereicht. Wenn sie bis zum 20. September 2022 über 50.000 Unterschriften erhält, findet eine verpflichtende Anhörung im Petitionsausschuss des Bundestages statt. Es gibt zwei Möglichkeiten, die Petition zu unterstützen: als Einzelperson online unterzeichnen unter bundestag.de oder eine Liste ausdrucken und Unterschriften sammeln z.B. bei Mitarbeitenden oder Kund*innen. Die Liste ist bis zum 15. September an den Petitionsausschuss einzusenden.

Mehr Informationen, der Link zur Petition und zum Download der Unterschriftenliste finden sich auf der Website: sprachkitas-retten.de

Der Börsenverein setzt sich mit zahlreichen Initiativen für Leseförderung in verschiedenen Altersgruppen ein. In Kooperation mit dem Deutschen Bibliotheksverband (dbv) vergibt er jährlich das Gütesiegel Buch-Kita an Kindertagesstätten, die im Bereich der Leseförderung und der Lese- und Sprachentwicklung von Kindern aktiv sind.

Der Preisträger des Deutschen Sachbuchpreises 2022 zu Gast in Frankfurt

Veranstaltung am 22. Juli 2022 um 18 Uhr in den Zwillingstürmen der Deutschen Bank / Stephan Malinowski im Gespräch mit Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff / Moderation: Denis Scheck

„Potsdam statt Paulskirche. Antidemokratische Kräfte und ihre Symbolik seit 1918“: Zu diesem Thema diskutiert am 22. Juli 2022 der Historiker und Preisträger des Deutschen Sachbuchpreises 2022, Dr. Stephan Malinowski mit Nicole Deitelhoff, Politikwissenschaftlerin und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung. Die Deutsche Bank Stiftung, Hauptförderer des Deutschen Sachbuchpreises, lädt zu dem Abend in die Zwillingstürme der Deutschen Bank ein. Der Journalist und Literaturkritiker Denis Scheck moderiert die Veranstaltung.

Termin: Freitag, 22. Juli 2022, 18 Uhr
Ort: Türme der Deutschen Bank, Taunusanlage 12, 60325 Frankfurt am Main
Anmeldung: über Online-Formular https://www.deutsche-bank-stiftung.de/dsp-anmeldung
Der Eintritt ist frei.

Serhij Zhadan erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2022

© Mykola Swarnyk (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en)
© Mykola Swarnyk (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en)

Der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hat den ukrainischen Schriftsteller, Dichter, Übersetzer und Musiker Serhij Zhadan zum diesjährigen Träger des Friedenspreises gewählt.

In der Begründung des Stiftungsrats, dessen Vorsitzende Börsenvereins-Vorsteherin Karin Schmidt-Friderichs ist, heißt es:
„Wir ehren den ukrainischen Schriftsteller und Musiker für sein herausragendes künstlerisches Werk sowie für seine humanitäre Haltung, mit der er sich den Menschen im Krieg zuwendet und ihnen unter Einsatz seines Lebens hilft. In seinen Romanen, Essays, Gedichten und Songtexten führt uns Serhij Zhadan in eine Welt, die große Umbrüche erfahren hat und zugleich von der Tradition lebt. Seine Texte erzählen, wie Krieg und Zerstörung in diese Welt einziehen und die Menschen erschüttern. Dabei findet der Schriftsteller eine eigene Sprache, die uns eindringlich und differenziert vor Augen führt, was viele lange nicht sehen wollten. Nachdenklich und zuhörend, in poetischem und radikalem Ton erkundet Serhij Zhadan, wie die Menschen in der Ukraine trotz aller Gewalt versuchen, ein unabhängiges, von Frieden und Freiheit bestimmtes Leben zu führen.“

Serhij Zhadan, der zu den wichtigsten Stimmen der ukrainischen Gegenwartsliteratur gehört, wurde am 23. August 1974 in Starobilsk im Gebiet Luhansk der (damaligen Sowjetrepublik) Ukraine geboren. In Charkiw studierte Zhadan Literaturwissenschaft, Ukrainistik sowie Germanistik und promovierte 1996 mit einer Arbeit zum ukrainischen Futurismus. Seit Anfang der 1990er Jahre prägt er die Kulturszene Charkiws, organisiert Literatur- und Musikfestivals und veröffentlicht Romane, Gedichte, Erzählungen und Essays. Seit der Besetzung der Krim 2014 engagiert er sich mit sozialen und kulturellen Projekten in der zum Teil von den prorussischen Separatisten besetzen Ostukraine. Mit Beginn des Einmarschs Russlands in die Ukraine Ende Februar 2022 leistet er verstärkt humanitäre Hilfe.

In seinen frühen literarischen Werken setzt sich der Autor intensiv mit der postsowjetischen Umbruchszeit auseinander. Sein dritter Roman „Die Erfindung des Jazz im Donbass“ (2012, Org. 2010), eine Art Road-Novel, spielt im Industrierevier Donbass, das mit surrealen Elementen und einer anarchischen Erzählweise poetisch aufgeladen wird und den Hintergrund bildet für eine Suche nach Heimat inmitten einer zunehmend entgrenzten Welt. Die ukrainische BBC wählte den Text zum „Buch des Jahrzehnts“. Sein Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und erhielt weitere Auszeichnungen wie den Brücke Berlin Literatur- und Übersetzerpreis und den Vasyl-Stus-Preis des ukrainischen PEN-Zentrums. Sein jüngster Roman „Internat“ (2018, Original: 2017) erzählt eindrücklich vom Krieg im Donbass. Ein durch das Kriegsgebiet reisender Lehrer gerät im dichten Nebel immer wieder zwischen die Frontlinien und wird mit der Frage konfrontiert, ob man im Krieg neutral bleiben kann. Die Roman-Übersetzung erhielt 2018 den Preis der Leipziger Buchmesse.

Zhadan verfasst seine Texte auf Ukrainisch, er übersetzt aber auch Lyrik aus dem Deutschen, Englischen, Belarussischen und Russischen ins Ukrainische. Zudem schreibt er Songtexte für verschiedene Rockbands und ist seit 2007 Sänger der ukrainischen Band „Sobaki v kosmosi“ (deutsch: Hunde im Weltraum).

Die von ihm gegründete Serhiy Zhadan Charitable Foundation, die seit 2017 Bildungs- und Kulturinitiativen in den Kriegsgebieten der Ostukraine fördert, ist nur ein Beispiel für sein intensives soziales und kulturelles Engagement, das sich nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine noch verstärkt hat: Weiterhin in Charkiw lebend, organisiert er Konzerte, rettet Menschen aus umkämpften Vierteln, liest Gedichte und verteilt Hilfsgüter in der Stadt. Seine jüngsten Artikel über die Situation in der Ukraine sind aktuelle Zeitdokumente darüber, wie die dort lebenden Menschen im Angesicht von Gewalt und Bedrohung versuchen, ihren Alltag zu organisieren.

Dem Stiftungsrat gehören an: Klaus Brinkbäumer, Prof. Dr. Peter Dabrock, Prof. Dr. Raphael Gross, Prof. Dr. Moritz Helmstaedter, Dr. Nadja Kneissler, Felicitas von Lovenberg, Prof. Dr. Ethel Matala de Mazza, Prof. Bascha Mika sowie Karin Schmidt-Friderichs.

Die Verleihung des Friedenspreises findet am Sonntag, 23. Oktober 2022, in der Frankfurter Paulskirche statt und wird live um 10.45 Uhr in der ARD übertragen. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

Weitere Informationen sind abrufbar unter www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de.

Stephan Malinowski erhält den Deutschen Sachbuchpreis 2022 für sein Werk „Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration“

csm_Malinowski_Die Hohenzollern_250Der Gewinner des Deutschen Sachbuchpreises 2022 ist Stephan Malinowski. Er erhält die Auszeichnung für sein Werk „Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration“ (Propyläen).

Die Begründung der Jury:
„Wer bestimmt die Lesart der Vergangenheit? Stephan Malinowski hat ein ausgezeichnet recherchiertes und brillant erzähltes Buch über die Rolle der Hohenzollern seit 1918 geschrieben. In der Frage, ob das Herrscherhaus dem Nationalsozialismus Vorschub geleistet hat, ist die Antwort Malinowskis eindeutig: Beim Aufbau des „Dritten Reichs“ schmiedeten die Familie und die NS-Bewegung eine symbolisch-politische Allianz. Das Buch verbindet soziale und politische Zeitgeschichte mit einem Familienporträt und ist zugleich eine glänzende Milieustudie konservativer und rechter Republikfeindlichkeit. Es zeichnet sich durch stringente Argumentation und souveräne Quellenkenntnis aus. Malinowski gibt eine überzeugende Antwort auf die Restitutionsforderungen der Hohenzollern und verteidigt zugleich die Wissenschaftsfreiheit gegen Widerstände.“

Der Jury für den Deutschen Sachbuchpreis 2022 gehören an: Stefan Koldehoff (Deutschlandfunk), Dr. Klaus Kowalke (Buchhandlung Lessing & Kompanie), Tania Martini (die tageszeitung), Prof. Dr. Meron Mendel (Bildungsstätte Anne Frank), Dr. Jeanne Rubner (Technische Universität München), Denis Scheck (ARD) und Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger (Wissenschaftskolleg zu Berlin).

„Der Deutsche Sachbuchpreis ist in diesem Jahr wie ein Spiegel unserer Zeit. Die nominierten Bücher beschreiben, was uns gerade beschäftigt, was uns ohnmächtig macht, aber auch, was uns Hoffnung gibt. Dass eine Reihe von Büchern das erreichen kann, zeigt, was Sachbücher vermögen: Sie helfen, die Welt, in der wir leben, besser zu verstehen – auf Basis gründlicher Recherche und gesicherter Fakten. Deshalb bereiten wir ihnen mit dieser Auszeichnung eine Bühne“, sagte Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels bei der Preisverleihung.

Für die Auszeichnung waren außerdem nominiert: Bettina Baltschev: Am Rande der Glückseligkeit. Über den Strand (Berenberg Verlag), Alice Bota: Die Frauen von Belarus. Von Revolution, Mut und dem Drang nach Freiheit (Berlin Verlag), Stefan Creuzberger: Das deutsch-russische Jahrhundert. Geschichte einer besonderen Beziehung (Rowohlt Verlag), Samira El Ouassil & Friedemann Karig: Erzählende Affen. Mythen, Lügen, Utopien – wie Geschichten unser Leben bestimmen (Ullstein Verlag), Ludwig Huber: Das rationale Tier. Eine kognitionsbiologische Spurensuche (Suhrkamp Verlag), Steffen Mau: Sortiermaschinen. Die Neuerfindung der Grenze im 21. Jahrhundert (Verlag C.H.Beck), Natan Sznaider: Fluchtpunkte der Erinnerung. Über die Gegenwart von Holocaust und Kolonialismus (Carl Hanser Verlag).

Stephan Malinowski erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die sieben Finalist*innen erhalten jeweils 2.500 Euro. Der Preisträger wurde in mehreren Auswahlstufen ermittelt. Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 244 Titel gesichtet, die ab Mai 2021 erschienen sind. Aus diesen Sachbüchern hat die Jury eine acht Titel umfassende Nominierungsliste zusammengestellt. Die Preisverleihung fand im Humboldt Forum in Berlin statt. Der Stream der Veranstaltung ist online abrufbar.

Mit dem Deutschen Sachbuchpreis zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels das Sachbuch des Jahres aus. Ausgezeichnet wird ein herausragendes, in deutscher Sprache verfasstes Werk, das Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung gibt.

Hauptförderer des Deutschen Sachbuchpreises ist die Deutsche Bank Stiftung, darüber hinaus unterstützt die Stiftung
Humboldt Forum im Berliner Schloss die Auszeichnung. Schirmfrau ist Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Deutschlandfunk Kultur, der ORF und brand.eins sind Medienpartner des Preises.

Der Deutsche Sachbuchpreis wird in diesem Jahr erstmals auch im digitalen Raum vergeben. Die Urkunde wird auf der Blockchain für den Preisträger in einmaliger und nicht kopierbarer Form eingeschrieben. Creatokia, die NFT-Plattform für die Buchbranche, hat einen virtuellen Showroom zum Deutschen Sachbuchpreis 2022 veröffentlicht.

Spanien – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2022 stellt neue Bücher und ein vielfältiges Literatur- und Kulturprogramm vor

Spanien-auf-ffm-buchmesse-2022Unter dem Motto „Sprühende Kreativität“ präsentiert Spanien als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2022 in den kommenden Monaten seine vielfältige Literatur- und Kreativszene. Das deutschsprachige Lesepublikum kann sich im Frühling auf zahlreiche Neuerscheinungen sowie auf Veranstaltungen in Städten wie Köln, Berlin, Bremen, Hamburg, Frankfurt und München freuen. Darunter sind Lesungen von Belletristik bis Sachliteratur, von Lyrik bis Prosa, die einen Eindruck von den vielen Facetten der spanischen Literatur vermitteln, aber auch Ausstellungen, Theater- und Filmaufführungen sowie Vorträge und Symposien. María José Gálvez, Generaldirektorin für Bücher und Leseförderung (Spanisches Ministerium für Kultur und Sport), und Elvira Marco, Projektleiterin für den Ehrengastauftritt Spaniens auf der Frankfurter Buchmesse 2022, stellten heute in Frankfurt zusammen mit Guzmán Palacios, Direktor für kulturelle und wissenschaftliche Beziehungen bei AECID (Spanische Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit) sowie Luis García Montero, Direktor Instituto Cervantes, das umfassende Programm und die aktuellen Neuerscheinungen im Beisein von Ricardo Martínez, Botschafter des Königreichs Spanien in Deutschland, und Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, vor.

„Wir möchten den ganz besonderen Charakter unserer Literatur präsentieren, die sprühende Kreativität, und diese zeigt sich auf jeder Seite unserer Bücher. Gemeinsam mit der spanischen Regierung wollen wir die Bedeutung der Übersetzung hervorheben“, sagte María José Gálvez. Juergen Boos „ Diese Vielsprachigkeit passt besonders gut zu unserem Jahresthema ‚Translate. Transfer. Transform‘. Denn Übersetzen ist der einzige Weg für das Wort hinaus in die Welt, für die Verständigung zwischen Kulturen inmitten von Diversität. In Spanien ist eines der größten Übersetzungsförderungsprogramme weltweit entstanden.“ Elvira Marco unterstrich: „Übersetzungen bringen uns einander näher und das ist etwas, was wir gerade in diesen Zeiten besonders brauchen. Jetzt übergeben wir den Staffelstab an die Leser:innen weiter. Wir präsentieren viele zeitgenössische Werke, die deutlich zeigen, dass Spanien ein anderes Land ist als noch vor 30 Jahren, als Spanien erstmals Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war.“

Neue Bücher aus Spanien
Im Rahmen des Ehrengastauftritts wurde ein zusätzliches Übersetzungsförderungsprogramm initiiert; rund 2 Millionen Euro wurden seit 2019 dafür investiert. Bislang wurden 328 Titel in 5 europäischen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch) gefördert, darunter 77 deutschsprachige Verlage. 2022 kommen bis zum Herbst mindestens 86 spanische Neuerscheinungen in deutscher Sprache auf den Markt, 40 davon (rund 46 Prozent) wurden mit Mitteln des spanischen Ministeriums für Kultur und Sport und der Acción Cultural Española (AC/E) übersetzt. Die Neuerscheinungen spiegeln die ganze literarische und sprachliche Vielfalt Spaniens wider: Da ist die junge katalanische Schriftstellerin Irene Solà, die für ihren Roman „Singe ich, tanzen die Berge“ (Trabantenverlag, März 2022, Übersetzung Petra Zickmann) mit dem Europäischen Literaturpreis 2020 ausgezeichnet wurde: Sie erzählt die Geschichte der Berge, die die Erinnerung an Jahrhunderte, an geologische Epochen, politische Konflikte und die Verbindung mit der Natur umfasst. Kultautor Kiko Amat hingegen begleitet auch in seinem neuen Roman „Träume aus Beton“ (Heyne Verlag, März 2022, Übersetzung Daniel Müller) eine Figur am Rande der Gesellschaft: Curro sitzt wegen einer im Wahn begangenen Messerattacke seit zwanzig Jahren in der Psychiatrie und plant mit einer illustren Gruppe Gleichgesinnter den Ausbruch. In Rückblenden lernen die Leser:innen den jugendlichen Curro kennen, ein klassischer Außenseiter mit smarter Weltsicht, dem seine dysfunktionale Familie zu schaffen macht. Im Roman „Papyrus – Die Geschichte der Welt in Büchern“ (Diogenes, April 2022, Übersetzung Maria Meinel, Luis Ruby) nimmt Irene Vallejo die Leser:innen mit auf eine abenteuerliche Reise durch die faszinierende Geschichte des Buches, von den Anfängen der Bibliothek von Alexandria bis zum Untergang des Römischen Reiches. Mit „Die drei Hochzeiten von Manolita“ kommt im August ein weiteres Buch der im letzten Jahr verstorbenen Autorin Almudena Grandes (Carl Hanser, Übersetzung Roberto de Hollanda) auf den deutschen Markt. Und Freunde von Javier Marías können sich auf die Übersetzung eines weiteren Buches des spanischen Starautors freuen: “Thomas Nevinson“ (S Fischer, Oktober 2022, Übersetzung Susanne Lange).

Spanische Autor:innen on Tour
Ab Mitte März geben spanische Autor:innen auf bedeutenden deutschen Literaturfestivals einen Vorgeschmack auf den Ehrengast: Die preisgekrönte Autorin Cristina Morales präsentiert am 18. März bei der Lit.Cologne ihren jüngst übersetzten Roman „Leichte Sprache“ (Verlag Matthes & Seitz Berlin), das Poesiefestival Berlin (10. bis 17. Juni) begrüßt die Autoren Agustín Fernández Mallo und Eduard Escoffet und das Frankfurter Literaturfestival literaTurm (27. Juni bis 3. Juli) freut sich u.a. auf die spanische Journalistin Esther Paniagua sowie weitere spanische Schriftsteller:innen. Zudem sind im Sommer literarische Veranstaltungen mit Eva Baltasar, Javier Isusi, Isaac Rosa und Marta Sanz an den Universitäten Köln, Bremen, Jena und Hamburg geplant, und Schüler:innen in Hessen haben im Mai und Juni die Gelegenheit, spanische Kinder- und Jugendbuchautor:innen im Klassenzimmer zu treffen.
Auch die Cervantes-Institute bieten ein umfangreiches Programm: Los ging es bereits am 16. März in Frankfurt mit der preisgekrönten Illustratorin Núria Tamarit, die ihre kürzlich übersetzte Graphic Novel „Toubab. Zwei Münzen“ vorstellte. Cristina Morales geht auf Tour an die Cervantes-Institute in Bremen (19. März), München (22. März) und Berlin (23. März). Am 1. April begrüßt das Cervantes Institut Berlin anlässlich des Kinderbuch-Tages die galizische Schriftstellerin Ledicia Costas und den Humoristen El Hematocrítico. Ebenfalls in Berlin ist der spanische Autor Antonio Muñoz Molina zu Gast und diskutiert mit der Präsidentin der Deutschen Hispanistenvereinigung, Susanne Zepp (25. April). Zwei Tage später findet am selben Ort eine Hommage an Almudena Grandes statt. Der nicaraguanische Schriftsteller Sergio Ramírez startet am 9. Mai in Berlin eine Lesereise zu seinem Buch “Utopias and Dystopias. The bitter failure of revolutions in Latin America” (10. Mai Hamburg, 11. Mai Frankfurt und 12. Mai Bremen).

Ein Frühling voll sprühender Kreativität Spanien – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2022 stellt neue Bücher und ein vielfältiges Literatur- und Kulturprogramm vor.
Ein Frühling voll sprühender Kreativität Spanien – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2022 stellt neue Bücher und ein vielfältiges Literatur- und Kulturprogramm vor.

Große Vielfalt: Spaniens Kulturprogramm
Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Ausstellungen, Musik-, Theater- oder Filmvorführungen macht den Reichtum und die Bandbreite der spanischen Kultur erlebbar.
María José Gálvez, Generaldirektorin für Bücher und Leseförderung (Spanisches Ministerium für Kultur und Sport): „Wir möchten den ganz besonderen Charakter unserer Literatur präsentieren, die sprühende Kreativität, und diese zeigt sich auf jeder Seite unserer Bücher. Gemeinsam mit der spanischen Regierung wollen wir die Bedeutung der Übersetzung hervorheben. In unserer besonderen Funktion als Ehrengast wollen wir versuchen, ein wenig gegen den Schmerz anzukämpfen, der uns in der Welt gerade herunterzieht. Unsere Bücher können dazu einen Beitrag leisten.“

Ein Highlight ist sicher die Teilnahme Spaniens an der documenta fifteen vom 18. Juni bis 25. September in Kassel. Aber auch schon vorher ist Spanien präsent: Noch bis zum 24. April ist zum Beispiel im Kölner Wallraf-Richartz-Museum die Ausstellung „Unter die Haut. Der ergreifende Naturalismus des spanischen Barock” zu sehen. Passend dazu findet vom 31. März bis zum 1. April im Museum eine Konferenz statt, die sich mit den spanischen Meistern Ribera, Zurbarán und Murillo befasst und mit Gabriele Finaldi, Direktor der National Gallery in London spannende Einblicke verspricht. Zum Ende der Ausstellung lässt die Geigerin Lina Tur Bonet mit ihrem Ensemble Musica Alchemica die Musik des 17. Jahrhunderts aufleben. Das Schwule Museum Berlin zeigt ab dem 5. Mai eine Ausstellung über den LGTBI-Aktivisten und queeren Performer José Pérez Ocaña, kuratiert von Samuel Pérez Díaz. Und auch auf der Theaterbühne präsentiert sich Spanien mit seiner ganzen Kreativität: Bereits Ende März treffen sich spanische und deutsche Theaterschaffende unter dem Motto Dramático Weekend Pro zu einem Austausch im Centro Dramático Nacional in Madrid (25. bis 27. März). Vom 6. bis 8. Mai zeigen spanische Dramatiker:innen im Rahmen des Heidelberger Stückemarkts, einem bedeutenden Treffen für zeitgenössisches Theater, ihre Arbeiten. Spanische Dokumentarfilmer:innen sind zu Gast auf dem 4. DokFest München, Deutschlands wichtigstem Dokumentarfilmfestival, und zeigen dort ihre Werke (4. bis 15. Mai). Und zum Ausklang des Berlanga-Jahres findet zum 100. Geburtstag des großen spanischen Filmemachers Luis García Berlanga ein internationales Seminar in Regensburg und München statt (19. bis 21. Mai).
Elvira Marco, Projektleiterin für den Ehrengastauftritt Spaniens auf der Frankfurter Buchmesse 2022: „2019 hat Spanien den ersten Schritt „auf den Weg nach Deutschland“ getan. Seitdem gab es viele Herausforderungen. Wir haben trotzdem viel auf die Beine gestellt, darunter ein großes Übersetzungsförderungsprogramm, um unseren Büchern auf die internationale Bühne zu verhelfen. Übersetzungen bringen uns einander näher und das ist etwas, was wir gerade in diesen Zeiten besonders brauchen. Jetzt übergeben wir den Staffelstab an die Leser:innen weiter. Wir präsentieren viele zeitgenössische Werke, die deutlich zeigen, dass Spanien ein anderes Land ist als noch vor 30 Jahren, als Spanien erstmals Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war.“

Guzmán Palacios, Direktor für kulturelle und wissenschaftliche Beziehungen bei AECID (Spanische Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit): „Wir wollen durch unsere Kultur etwas Licht ins Dunkle bringen, eine kleine Kerze entzünden und zeigen, dass Europa für gemeinsame Werte wie Menschlichkeit und Demokratie steht. Zugleich wollen wir ein modernes Spanien präsentieren, als Teil eines vereinten Europas und wir wollen zeigen, wie vielseitig die spanische Kultur ist.“

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse: „Unter dem Motto „Creatividad Desbordante / Sprühende Kreativität“ wird Spanien seine literarische Vielfalt im Oktober präsentieren – fast genau 30 Jahre nach dem ersten Auftritt des Landes auf der Frankfurter Buchmesse 1991. Eine der zentralen Botschaften des spanischen Auftritts ist die Vielsprachigkeit des Landes: darunter regionale Sprachen wie Katalanisch, Galicisch und Baskisch, in denen es jeweils eigene Literaturen gibt. Diese Vielsprachigkeit passt besonders gut zu unserem Jahresthema Translate. Transfer. Transform. Denn Übersetzen ist der einzige Weg für das Wort hinaus in die Welt, für die Verständigung zwischen Kulturen inmitten von Diversität. Die Übersetzung steht im Zentrum einer jeden Ehrengastpräsentation auf der Frankfurter Buchmesse: In diesem Zusammenhang ist eines der größten Übersetzungsförderungsprogramme weltweit entstanden. Jahr für Jahr bereichern mehrere hundert Titel auf diese Weise den deutschsprachigen Buchmarkt und finden ihren Weg zum Lesepublikum hierzulande.“

Luis García Montero, Direktor der Instituto Cervantes: „Die Buchmesse ist immer ein wichtiger Ort um in den Austausch zu treten und sich zu treffen. Das Buch ist eine Metapher für die Freiheit. Das Gewissen des Autors verbindet sich mit dem Gewissen der Leser. Spanien glaubt an Europa. Der große Reichtum Europas zeigt sich in den Menschrechten und der Demokratie. Und in einer Sprache zeigt sich der Wertekanon der Gesellschaft. Wir wollen Kultur aus der gesamten spanisch-sprachigen Gemeinschaft vermitteln und kämpfen als Gemeinschaft für die Vielstimmigkeit. Deswegen bin ich dankbar, dass die Frankfurter Buchmesse diesen wichtigen Dialog fördert.“