Kategorie-Archiv: Archäologisches Zentrum Mainz

9. Deutscher Archäologiekongress vom 3. bis 8. Juli 2017 in Mainz mit Exkursionen zu einzigartigen Fundstätten

v.li.Prof. Dr. Alfried Wieczorek, Vorsitzender des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung e.V. (WSVA) und Vizepräsident des Deutschen Verbandes für Archäologie e.V. (DVA),Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE Rheinland-Pfalz,Dr. Birgit Heide, GDKE, Kommissarische Direktorin Landesmuseum Mainz, Dr. Jasper von Richthofen, Vorsitzender des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumswissenschaften e. V. (MOVA), Prof. Dr. Claus von Carnap Bornheim, Vorsitzender des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumswissenschaften e. V. (NWVA). Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
v.li.Prof. Dr. Alfried Wieczorek, Vorsitzender des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung e.V. (WSVA) und Vizepräsident des Deutschen Verbandes für Archäologie e.V. (DVA),Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE Rheinland-Pfalz,Dr. Birgit Heide, GDKE, Kommissarische Direktorin Landesmuseum Mainz, Dr. Jasper von Richthofen, Vorsitzender des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumswissenschaften e. V. (MOVA), Prof. Dr. Claus von Carnap Bornheim, Vorsitzender des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumswissenschaften e. V. (NWVA). Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Kaum ein Deutscher Archäologiekongress verspricht so spannend zu werden, wie der derzeitige 9. Deutsche Archäologiekongress vom 3. Bis 8. Juli 2017 im Mainzer Landesmuseum. Geht es doch neben Vortragsreihen, Diskussionsrunden, Arbeitsgruppen, Poster-Ausstellungen auch um so zentrale Fragen wie „Prekäre Beschäftigungsverhältnisse“, „Archäologie und Identität“ und „Migration und Mobilität in der Menschheitsgeschichte“. Darüber hinaus haben die über 650 Kongressbesucher die Chance, die wesentlichen Highlights Rheinland-Pfälzischer Archäologie aus 400 Grabungsstätten in der Jubiläumsausstellung „vorZeiten“ im Landesmuseum besichtigen zu können sowie an zahlreichen Exkursionen teilzunehmen, etwa zum: Isis-Tempel oder zur Kirche St. Johannis in Mainz sowie Exkursionen etwa zur Georgskapelle nach Heidesheim, zur Kaiserpfalz in Ingelheim, zur Römervilla in Bad Kreuznach und zur Klosterruine Disibodenberg.

Was die Sache, insbesondere für Teilnehmer von außerhalb besonders spannend mache, sei, dass es „wahrscheinlich im Bundesvergleich keine Region oder Regionen wie in Rheinland-Pfalz gibt, die eine solche Qualität an Funden haben“, unterstreicht Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE Rheinland-Pfalz, mit ein wenig Stolz die Bedeutung von Mainz als diesjährigen Kongress-Ort beim Pressegespräch. Mainz und Tier gingen als urbane Zentren auf die Römerzeit zurück. Allein das seien Qualitäten, „die tatsächlich nicht vergleichbar sind mit anderen Grabungsstätten im Bundesgebiet.“, so der GDKE-Generaldirektor. „Rheinland-Pfalz müsse keinen Vergleich mit irgendeiner anderen Landschaft im westlichen Mitteleuropa scheuen.“Schließlich belegten die außerordentlich hohe Zahl an archäologischen Funden und Befunden nicht weniger als 4 Mio. Jahre Erd- und 800.000 Jahre wechselvolle Menschheitsgeschichte an Rhein und Mosel, deren Highlights gegenwärtig in der Landesausstellung VorZeiten im Landesmuseum Mainz gezeigt werden.“, Thomas Metz.

Das sieht auch ähnlich so der Vorsitzender des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung e.V. (WSVA) und Vizepräsident des Deutschen Verbandes für Archäologie e.V. (DVA) Prof. Dr. Alfried Wieczorek: Zum einen sei Mainz ein Ort für Archäologen, wo man immer gerne wieder kommt, vor allem dann, wenn es viel Neues zu sehen gäbe, nicht nur die fantastische Ausstellung VorZeiten, in der die Highlights aus 70 Jahren Rheinland-Pfälzische Landesarchäologie gezeigt würden. „Sondern hier in Mainz und Umgebung sind unglaublich wichtige, interessante Grabungen, die zur Zeit laufen, allein die Ausgrabung an der Johanniskirche, die wirkliche ein Unikat ist für die Archäologie nördlich der Alpen, so Prof. Dr. Alfried Wieczorek. Das sei ein außergewöhnlicher Standort mit fantastischen Funden, ein Ort, „den man als Archäologe unbedingt mal gesehen haben muss.“ Denn so schnell käme ein solcher Ort, an dem man so etwas Besonderes sehen kann, nicht wieder, schwärmt der WSVA- und DVA-Vorsitzende.

Der diesjährige Archäologen-Kongress wäre nicht „bloß“ ein Tagungsprogramm, „dass sich alle drei Jahre, sozusagen kulminiert in einem großen Archäologiekongress“. Vielmehr habe es der Kongress in diesem Jahr auch mit unzähligen wichtigen Dingen außerhalb dieses Kongressgebäudes zu tun, nämlich mit den Ausgrabungen, mit den archäologischen Stätten in der Umgebung von Mainz und in Mainz selbst, so Wieczorek. Diese würden in ihrer Veränderung vergangener 70 Jahre dem Teilnehmer-Kreis aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Polen, Tschechien, Dänemark, aus der Schweiz und den Beneluxländern die in dieser Woche präsentiert werden.

„Aktuell stehen wir angesichts vieler finanzieller Engpässe vor großen Herausforderungen“, ergänzt Dr. Jasper von Richthofen, Vorsitzender des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung (MOVA) „das macht die Bedeutung dieses Archäologiekongresses deutlich und wir müssen uns zugleich immer wieder neu mit der Frage beschäftigen, welche Rolle die archäologische Wissenschaft für die Gesellschaft spielen kann.“

In den unterschiedlichen Arbeitsgruppen diskutieren Expertinnen und Experten um Themen wie etwa die Vielfalt der Geschlechter, Migration und aktuelle Forschungsergebnisse oder um das Schwerpunktthema des diesjährigen Kongresses: „Archäologie und Identität“. „Angesichts der Zerstörungen von kulturellem Erbe in den letzten Jahren wird der Kulturgutschutz aktuell viel diskutiert und auch die umfassenden Migrationsbewegungen stellen uns vor neue Herausforderungen“, so Prof. Dr. Alfried Wieczorek.

Ein weiteres aktuelles Thema sind „prekäre Beschäftigungsverhältnisse“ in der Archäologie. Dabei geht es unter anderem um problematische Zeitverträge und unverhältnismäßige Entlohnung. „Für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist diese Situation zunehmend untragbar und sie bedroht auch die Qualität der Arbeit in der Denkmalpflege“, so Prof. Dr. Claus von Carnap Bornheim, Vorsitzender Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung, „wir werden die Thematik daher intensiv im Laufe des Archäologiekongresses mit allen Beteiligten diskutieren.“

„Das Herz der Archäologie schlägt in diesem Jahr in Mainz“, freut sich die kommissarische Direktorin des Landesmuseum Mainz, Dr. Birgit Heide, „mit unserer aktuellen Landesausstellung „vorZeiten“ präsentieren wir zudem eine außergewöhnliche Zeitreise durch 400 Millionen Jahre Erd- und Kulturgeschichte mit faszinierende Zeugnissen längst vergangener Epochen und einmaligen Exponaten – von den erdgeschichtlichen Anfängen bis in die Gegenwart. So gesehen ist es uns eine große Ehre, dass wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Archäologiekongresses das reichhaltige kulturelle Erbe von Rheinland-Pfalz erlebbar machen können.“

Der 9. Deutsche Archäologiekongress des Deutschen Verbandes für Archäologie und der Deutschen Altertumsverbände wird veranstaltet für den Deutschen Verband für Archäologie vom West- und Süddeutschen Verband für Altertumsforschung in Kooperation mit dem Mittel- und Ostdeutschen Verband für Altertumsforschung. Kooperiert wird dabei in Mainz mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz und seinen Direktionen Landesmuseum Mainz und Landesarchäologie, Außenstelle Mainz. Im Landesmuseum befindet sich zugleich das Tagungsbüro. Weitere Kooperationspartner und Tagungsorte sind das Römisch-Germanische Zentralmuseum, das Institut für Altertumswissenschaften, Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Deutschen Archäologen-Verband.

Grundsteinlegung für den Neubau des Römisch Germanischen Zentralmuseums – Gebauter Raum für die Freiheit der Wissenschaft

Visualisierung des neuen Archäologischen Zentrums. Hier Blick über den geplanten Gemeinschaftsplatz Foto: LBB Architekten Bernhardt + Partner.
Visualisierung des neuen Archäologischen Zentrums. Hier Blick über den geplanten Gemeinschaftsplatz Foto: LBB Architekten Bernhardt + Partner.

Unter großer Anteilnahme der Mainzer Bevölkerung wurde am 5.Mai 2017 mit dem traditionellen Einmauern diverser symbolträchtiger Gegenstände am neu gelegten Fundament in der Mainzer Neutorstrasse der Grundstein als Startzeichen für den Rohbaubeginn des neuen Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) und Leibnizforschungsinstitut der Archäologie begonnen. Gut 51,4 Millionen Euro werden das Land Rheinland-Pfalz, die Landeshauptstadt Mainz und der Bund in das moderne Haus der archäologischen Spitzenforschung mit großzügigen Ausstellungsflächen und Begegnungsräumen nach gegenwärtiger Planung voraussichtlich investieren.

Mal sehen, was man bei Ausgrabungen in 2000 Jahren dann dazu sagen wird: Alles, was zur Befüllung der Box, der Zeitkapsel, die in den Grundstein eingemauert wird, wird vor der Versenkung nochmals den Mainzern gezeigt: LBB-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Architekt Holger Basten mit einem Bauplan. Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf mit der aktuellen Mainzer Allgemeinen Zeitung vom 5.5.2017.  Oberbürgermeister von Mainz Michael Ebling wird einen 1994er Riesling des städtischen Weingutes Fleischer „opfern“.  Finanzstaatssekretär Dr. Stephan Weinberg gibt „echte Euros“. Der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner steuert ein aktuelles Leibnizjournal samt Digitalausgabe per Stick bei. Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz Forschungsinstitut für Archäologie Univ.-Prof. Dr. Falko Daim wird eine Abbildung aus einem der ersten Inventarbücher des RGZM aus dem 19. Jahrhunderts beistehen. Mal sehen, was man bei Ausgrabungen in 2000 Jahren dann dazu sagen wird. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Mal sehen, was man bei Ausgrabungen in 2000 Jahren dann dazu sagen wird: Alles, was zur Befüllung der Box, der Zeitkapsel, die in den Grundstein eingemauert wird, wird vor der Versenkung nochmals den Mainzern gezeigt: LBB-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Architekt Holger Basten mit einem Bauplan. Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf mit der aktuellen Mainzer Allgemeinen Zeitung vom 5.5.2017. Oberbürgermeister von Mainz Michael Ebling wird einen 1994er Riesling des städtischen Weingutes Fleischer „opfern“. Finanzstaatssekretär Dr. Stephan Weinberg gibt „echte Euros“. Der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner steuert ein aktuelles Leibnizjournal samt Digitalausgabe per Stick bei. Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz Forschungsinstitut für Archäologie Univ.-Prof. Dr. Falko Daim wird eine Abbildung aus einem der ersten Inventarbücher des RGZM aus dem 19. Jahrhunderts beistehen. Mal sehen, was man bei Ausgrabungen in 2000 Jahren dann dazu sagen wird. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Nach intensiver Planung, Vorbereitung sowie Berücksichtigung bürgerschaftlichen Engagements beim Erhalt des denkmalgeschützten Hauptbaus der ehemaligen Neutorschule, nach sorgfältigen archäologischen Sicherungs-Grabungen mittelalterlicher Funde in der Baugrunde und aufwendigen versorgungstechnischen Leitungsarbeiten, feierten am 5.Mai 2017 Vertreter von Stadt und Land, des RGZM, des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) sowie zahlreichen Repräsentanten aus Wissenschaft und Kulturleben die Grundsteinlegung des neuen Archäologischen Zentrums in Mainz. Voraussichtlich im Jahr 2020 wird hier das Römisch-Germanische Zentralmuseum sein neues Domizil beziehen, gleich neben seinem Museum für Antike Schifffahrt.

Die umfangreichen Umzugsvorbereitungen haben bereits begonnen. Demnächst sollen Bürger in speziellen Besuchsprogrammen die Möglichkeit erhalten, den Museumsmitarbeitern beim „Einpacken“ der archäologischen Fundstücke über die Schultern zu schauen. Denn ein 165jähriges Forschungsmuseum wie das RGZM mit all seinen Spezial-Sammlungen zöge nicht alle Tage um, erläuterte Generaldirektor Univ. Prof. Dr. Falko Daim.

Forschung, Begegnung und städtebauliche Entwicklung fördern

Dr. Stephan Weinberg, Staatssekretär im Finanz- und Bauministerium. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Dr. Stephan Weinberg, Staatssekretär im Finanz- und Bauministerium. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Dr. Stephan Weinberg, Staatssekretär im Finanz- und Bauministerium, in Vertretung und mit Grüßen von Staatsministerin Doris Ahnen, versicherte, die Grundsteinlegung nicht so martialisch, wie einstmals auch üblich, mit Tieropferungen zu begehen. Er werde nachher stattdessen „echte Euros“ in die Box legen, die im Grundstein eingemauert wird, so schmerzhaft das auch für einen Finanzer wie ihn sei. Marie Curie zitierend „Man merke nie, was schon getan wurde, man sieht immer nur noch, was noch zu tun sei“, betonte Weinberg, dass die Grundsteinlegung ein unmittelbar mit dem Bauwerk selbst verbundener formaler Akt, sei. Gleichzeitig bedeute dies für das RGZM das Erreichen eines letzten Etappenziels, nämlich, dass „hiernach im Kern ‚nur‘ noch der Umzug“ anstünde, worauf bereits mit den symbolisch abgebildeten Umzugskisten auf Einladung und Rednerpult hingewiesen werde. Besonders freue es ihn, dass das Ansinnen der Bürgerinitiative Erhalt der Neutorschule in die Planung des neuen Archäologischen Zentrums integriert werden könne.
Mit diesem Neubau, dem neuen Domizil des Römisch-Germanischen Zentralmuseums „wollen wir“, so der Staatsekretär „vor allem drei Dinge erreichen“: den „tandort für Forschung in der Stadt Manz“, „Ort der Begegnung und des Wissens an einem entscheidenden Punkt in der Stadt“ und eine „städtebauliche Entwicklung“ ermöglichen-
Mit dem Neubau für das RGZ würden vor allem die Arbeitsbedingungen für eine hochwertige Forschung nachhaltig verbessert. Aber auch künftige Besucher partizipierten, so Weinberger. Denn im neuen RGZM würden neuartige Einblicke durch moderne Ausstellungstechnik möglich. Zudem laden ein Bistro, verschiedene Veranstaltungsflächen und ein Museumsshop zur Begegnung ein. Der Staatssekretär wünschte mit dem Goethe-Wort „Drei Dinge sind an einem Gebäude zu beachten: Das es am rechten Fleck stehe, dass es wohl gegründet, dass es vollkommen ausgeführt sei“ für den weiteren Verlauf der Bauarbeiten guten Erfolg.

Cornubläser, Hagen Pätzlod, hatte die feierliche Grundsteinlegung "angeblasen", im Hintergrund das Fundament der Großbaustelle des Archäologischen Zentrums. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Cornubläser, Hagen Pätzlod, hatte die feierliche Grundsteinlegung „angeblasen“, im Hintergrund das Fundament der Großbaustelle des Archäologischen Zentrums. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Seit dem Spatenstich im Herbst 2015 ist auf dem Gelände viel passiert. Vorab mussten im Untergrund die zentralen Versorgungsleitungen der Altstadt umgelegt werden. Die Baugrube erhielt gegen Nachrutschen und als Schutz gegen das hoch anstehende Grundwasser einen Verbau aus dicht gesetzten Bohrpfählen. Archäologen der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) legten rund 15 Monate lang historische Festungsmauern frei und dokumentierten sie für die Forschung.

Der Museumsbau wird ein viergeschossiger Komplex in Stahlbeton-Bauweise mit Untergeschoss. Seine Längsseite erstreckt sich mit 95 Metern entlang der Rheinstraße. In einem Lförmig angesetzten Ausstellungsflügel wird auf drei Etagen die Dauerausstellung des RGZM präsentiert. Der Neubau erhält großzügige Fensterflächen, die Einblicke in die Ausstellung gewähren und die optische Verbindung zwischen Innen- und Außenraum herstellen. Insgesamt steht eine Nutzfläche von fast 10.000 m² für moderne Forschungslabore und archäologische Werkstätten, für Dauerausstellung und Sonderschauen, die wissenschaftliche Bibliothek sowie Publikumsbereiche mit Bistro und Museumsshop zur Verfügung.

RGZM – ein Riese der Wissenschaft

Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft und Weiterbildung Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft und Weiterbildung Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Der Minister für Wissenschaft und Weiterbildung, Prof. Dr. Konrad Wolf, würdigte das 1852 in Mainz gegründete RGZM als eines der acht Forschungsmuseen unter den rund 90 Mitglieds- Instituten der Leibniz-Gemeinschaft e.V. zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. Professor Wolf verglich das RGZM mit einen wissenschaftlichen Riesen, mit einem Riesen, der einen festen Stand habe hier bei uns in Rheinland-Pfalz, der mit seinen Armen in ganz Deutschland agiere, und der mit seinen Kopf die ganze alte Welt überblicke. „Und solch einen wissenschaftlichen Riesen muss man natürlich hegen und pflegen“. Auf die Beine des Riesen geschaut, so Minister Wolf, habe der Riese RGZM gleich drei davon: „Das erste und wichtige Standbein steht natürlich seit 1852 hier in Mainz. Damals gründete der Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine hier sein zentrales Museum, also sinnigerweise das Zentralmuseum“. „Wo ließen sich Vergleichsmittel altertümlicher Gegenstände auch besser zusammentragen als in der Region Rheinhessen, die an Fundstätten bekanntlich aus der Römerzeit so reich ist.“, so Prof. Wolf. Ein zweites Standbein habe das RGZM in Monrepos bei Neuwied. Auch dieser Standort habe seine eigenen Wurzeln. In diesem Fall lägen sie nicht zuletzt in der Nähe zur berühmten jungstein-neolithischen Fundstätte Gönnersdorf. „Die Grabungen dort haben das Neuwieder Becken als archäologisch bedeutende Region international bekannt gemacht. Sie waren es, die den Anstoß zur Gründung der dortigen Forschungsstelle gaben.“, so der Minister. Und ein drittes Standbein habe das RGZM in der Vulkaneifel: Deutlich wie selten sonst ließen sich dort die Entstehung der Landschaften sowie die Nutzung der Rohstoffe durch den Menschen über die Zeitläufe hinweg aus vorgeschichtlicher Zeit studieren und zeigen.
„Das RGZM ist durch diese drei Standorte in der Fläche unseres gesamten Landes präsent. Das Land Rheinland-Pfalz fördert das auch entsprechend auf vielfältige Weise. „Das RGZM ist in der archäologischen Welt so bekannt, dass es in schwierigen Fällen gerne
hinzugezogen wird.“ Die Restaurierung der Totenmaske des Tutanchamun in Kairo oder die
Untersuchung der Ausrüstung der Gletschermumie „Ötzi“ seien nur die prominentesten Beispiele. Mit dem Neubau am zentralen Mainzer Standort will das Land die nationale und internationale Strahlkraft des RGZM weiter stärken.

Gebauter Raum für die Freiheit von Kunst und Wissenschaft

Michael Ebling, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Michael Ebling, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Michael Ebling, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz, griff gerne das von Minister Wolf bemühte Bild vom Riesen RGZM auf. Das RGZM sei wahrlich ein Riese, so Ebling, „nur leider einer, dessen Zuhause über die Jahrzehnte sozusagen etwas zum Zwergenstübchen mutiert ist“. Seit der Gründung vor 165 Jahren hätten Museum und Forschungseinrichtung immer mehr an Statur gewonnen, „höchste Zeit also“, so Ebling, „den Riesen, den Koloss aus seiner drangvollen Enge zu befreien und ihm auch den Spielraum zu geben, den er zur Entfaltung braucht, und der ihm auch gebührt.“

Die Grundsteinlegung sei ein Signal und Symbol zugleich. Sie sei ein Signal des Aufbruchs. „Denn ab jetzt geht’s nicht mehr nur in die Tiefe des Mainzer Bodens. Jetzt geht’s auch nach oben ans Licht hinaus ins Mainzer Leben und ins Mainzer Stadtbild.“, freute sich der Oberbürgermeister. Es sei „uns allen eine große Freude, diese Forschungseinrichtung fit zu machen für das 21. Jahrhundert.“ Der Neubau sei ein doppelter Gewinn, eine Win-Win-Situation, nämlich ein Gewinn für die Stadt Mainz, die ein „glanzvolles archäologisches Museum“ erhielte, für die Mainzer, die ihr Schloss zurückerhielten, so der OB augenzwinkernd.
Das dieses Entwicklung nicht vom Himmel gefallen, sondern das Ergebnis umfangreicher Abstimmungsarbeit zwischen Land, Stadt, Institutionen und Bürgerinitiative gewesen sei, sei die Grundsteinlegung eben nicht nur ein Signal des Aufbruchs, „sondern ein Symbol vom guten und erfolgreichen Miteinander von Stadt und Land aber im Sinne der Bürgerinnen und Bürger“, so Ebling. Vor allem sei es auch ein Symbol dafür, wie aus einem „sehr kühnen Gedankengebäude ein realer Bau werden kann“.

Ebling freute sich vor allem darüber, „dass hier ein Zentrum der Archäologie entsteht“, und „in diesem Zentrum wird auch die römische Gründungsepoche unserer Stadtgeschichte ein neues Zuhause bekommen, eine Epoche, die uns, den Mainzerinnen und Mainzern bekanntlich besonders am Herzen liegt, und gerade im unmittelbaren Umfeld des künftigen Hauses deutliche Spuren hinterlassen hat.“ so der Mainzer Oberbürgermeister
Für Ebling sei der Bau auch ein Statement dafür, „dass wir die Verantwortung übernehmen für das, was uns von unseren Vorfahren überlassen und überliefert worden ist.“ Mit Blick auf die von islamistischen Terroristen zerstörte antike Oasenstadt Palmyra sei es nicht selbstverständlich, dass das Erbe der Menschheit erforscht und wieder für die Öffentlichkeit sichtbar und zugänglich gemacht würde. „Was wir bewahren wollen, wird andernorts mutwillig zerstört. Was wir als Erbe schätzen und pflegen, wird andernorts auszulöschen versucht.“, so Ebling. Deshalb sei dieses Museum auch gebauter Raum für die Freiheit von Kunst und Wissenschaft.

Es sei auch ein Statement in unseren Tagen, in denen diese Grundlagen von manchen Seiten infrage gestellt werden, so der Oberbürgermeister, der guter Zuversicht sei, dass der „Riese mit den drei Beinen“ jetzt bald ausreichend Platz bekommen.
Und wenn er auch den Schmerz des Finanzstaatssekretärs verstehe, dass dieser nun echte Euros in die Box versenken müsse, mögen ihm, dem OB, es die Mainzerinnen und Mainzer nachsehen, wenn er, des würdigen Anlasses gehorchend, eine Flasche besten Mainzer Rieslings der Stadt Mainz, in die Grundsteinbox lege. Er sei gespannt, „was die in vielleicht 2000 Jahren sagen, wenn die unsere Box mit den Euros und guten Wein wiederfinden“, scherzte der OB.

Mit dem Bau auch neue Besuchererfahrungen eröffnen

Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner betonte, dass der Grundstein, den wir hier für das neue Archäologische Zentrum Mainz legen, nicht nur mehr Platz für Forschung, Sammlung und Ausstellung bedeute. „Vor allem“, so Kleinert, „bietet der Neubau einmalige Möglichkeiten, neue Perspektiven zu öffnen, neue Besuchererfahrungen und Zusammenspiel von Raum und digitalen Medien zu kreieren.“ Als eines der acht Leibniz-Forschungsmuseen ist das RGZM ein ganz besonderer Ort, an dem neues Wissen entsteht, für die Gesellschaft anschaulich gemacht und der Wissenschaft für weitere Forschungen bereitgestellt wird. Im Neubau des Archäologischen Zentrums nimmt dieser dreigliedrige Auftrag nun auch in einer baulichen Einheit Gestalt an – als moderner Ort der Neugier, des Wissens, der Zusammenarbeit und des Lernens über unsere Vergangenheit für unsere Zukunft. Ich freue mich sehr darauf, zu sehen und zu besuchen, was hier entsteht.
Für die Landesgemeinschaft legte der Präsident ein aktuelles Leibnizjournal in den Grundstein legen, im Original und in Form eines Datensticks.. Natürlich könne man sagen, „die Daten halten vielleicht 10, 20, 30 Jahre, das wird richtig sein.“ Aber mit diesem digitalen Gruß der Leibnizgemeinschaft verbände er auch die Hoffnung und den Optimismus auf die Leistung und Fähigkeit von Wissenschaft und Forschung, dass diese „sagen wir in 200, 300, 500, 1000 Jahren, dann auch noch auf einen Datenstick aus dem Jahre 2017 das zu lesen, was wir dort hineingepackt haben.“ erläuterte der Präsident der Leibniz-Gesellschaft seine Gabe in die Grundstein-Box. Er wünschte, dem Umstand dass er aus dem Ruhrgebiet stamme gehorchend, dem weiteren Bauverlauf „Glück auf!“.

Ideale neue Rahmenbedingungen für die Forschungsarbeit

Univ.-Prof. Dr. Falko Daim  Generaldirektor Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz Forschungsinstitut für Archäologie. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Univ.-Prof. Dr. Falko Daim Generaldirektor Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz Forschungsinstitut für Archäologie. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Hausherr und Generaldirektor Univ.-Prof. Dr. Falko Daim, der eine Abbildung aus einem der ersten Inventarbücher des RGZM aus dem 19. Jahrhundert in die Box für den Grundstein legte, versicherte, dass, nachdem die Sektgläser geleert seien, hier gleich wieder die Baufirmen das Sagen hätten. Schon zu Weihnachten stünde hier, so der Generaldirektor, ein gewaltiges Gebäude, das dann schon besser erahnen lassen würde, war hier einmal entstünde.
„Das neue Gebäude wird uns ideale Rahmenbedingungen für unsere Forschungsarbeit geben“, so Daim, der sich freute, dass die unersetzbaren, archäologischen Spezialsammlungen und eine der europaweit größten Fachbibliotheken sowie die berühmten Restaurierungsstätten und das Archäometrielabor hier ihr neues Zuhause finden würden.
„Die archäologische Forschung wäre allerdings kein Selbstzweck. „Für die historischen Wissenschaften ist die Vergangenheit eine gewaltige Ressource, um den Menschen und ihre Gesellschaften besser kennenzulernen. Und das soll uns helfen, Zukunft zu gestalten. Unsere Forschungsergebnisse können sie also als Angebot verstehen, mit dem wir in gesellschaftlichen Dialog eintreten. Auch dafür wird das Haus optimal geeignet sein. Etwa ein Viertel oder gar etwas mehr als ein Viertel der Nutzfläche ist dafür vorgesehen: Ausstellungsräume, Vortragssaal, Platz für die Museumspädagogik, Shop und Bistro.“ erläutert der Generaldirektor.
Das Konzept für die neue Dauerausstellung sei schon sehr weit gediehen. Neben virtuellen Möglichkeiten, die die Forschungsergebnisse des Römisch-Germanischen Zentralmuseums interaktiv erlebbar werden ließen, fokussierte sich das Planungsteam gegenwärtig auch auf weitere Konzepte für eine umfassende Barrierefreiheit wie beispielsweise auf das Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte Menschen, wie dies auch schon im benachbarten Museum für Antike Schifffahrt existiere.

„Auch wenn sie von unserem neuen Haus noch nicht viel sehen: Wir sind bereits massiv mit den Vorbereitungen für den Umzug befasst. Vor allem die große Sammlung wird derzeit gesichtet, dokumentiert und verpackt,“ gab Daim ein wenig Einblick hinter die Kulissen. Das ganze Kollegium sei in diesem Prozess eingebunden. Parallel arbeitete das RGZM bereits an einem Sonderprogramm, „das den Blick hinter die Umzugskulissen quasi der breiten Öffentlichkeit gewähren soll.“, so der Generaldirektor Daim. Ein Forschungsmuseum mit einer derartig langjährigen Tradition ziehe nicht alle Tage um. Es sei einzigartig in diesem Zusammenhang archäologische Objekte in einem ganz anderem Kontext zu erleben, so Daim, der alle Interessenten herzlich einlud, diese kommenden Veranstaltungen zu besuchen.
Mit seinen gebündelten Kompetenzen, so der Generaldirektor, würde das RGZM, also voraussichtlich 2020 in den Neubau einziehen. Es entstünde in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Ruinen des größten römischen Bühnentheaters nördlich der Alpen, dem Museum für Antike Schifffahrt und nicht weit davon sei auch der Drususstein, der „auf der Zitadelle“ einst von oben über den Rhein geblickt habe. Ein besonderer Ort werde aber auch „der Platz sein, der zwischen unserem neuen Bau und der Neutorschule entstehen wird, ein Treffpunkt für die Bevölkerung mit einem reichen Kultur- und Bildungsangebot, natürlich auch mit Gastronomie. Das kann in Mainz auch gar nicht anders sein, so dass ein neues Kapitel in der Mainzer Stadtentwicklung aufgeschlagen werden wird.“, hob Generaldirektor Daim hervor.
Die Fassade des Neubaus wird in farblicher Abstimmung mit dem ebenfalls zum RGZ gehörenden Museum für Antike Schiffahrt als vorgehängte Ziegelfassade ausgeführt. Das ist auch eine Referenz an den Forschungszweig des RGZM, der sich mit Ziegelarchitektur befasst. Passend dazu soll die ehemalige Neutorschule wieder in ihrem ursprünglichen roten Farbton hergerichtet werden. Beide Gebäude begrenzen den künftigen „Archäologischen Platz“. Seine Gestaltung berücksichtigt die Fußwegeverbindungen in die Altstadt, das Neubaugebiet Am Winterhafen und die Oberstadt. Davon abgesetzt, wird es an den mächtigen Platanen einen ruhigeren Bereich geben, der zum Verweilen einlädt.

30 Prozent der Gewerke an heimische Firmen

Dipl.-Ing. Holger Basten Geschäftsführer des bauausführenden Landesbetrieb LBB. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Dipl.-Ing. Holger Basten Geschäftsführer des bauausführenden Landesbetrieb LBB. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Dipl.-Ing. Holger Basten Geschäftsführer des bauausführenden Landesbetrieb LBB, der die Veranstaltung eröffnet und über den guten bisherigen Bauverlauf berichtet hatte, erklärte, dass „wir nun zeitnah nach der Grundsteinlegung in diesem Frühjahr bereits mit den Rohbauarbeiten starten können“. Bislang seien bereits ein Drittel der gesamten Bauleistungen beauftragt. Aufgrund der gewerkeweisen Ausschreibungsverfahren könnten sich auch heimische Firmen beteiligen. „So gingen von den bereits beauftragten Leistungen rund 30 Prozent an rheinland-pfälzische Unternehmen.“, so Basten. Der LBB-Geschäftsführer legte Pläne in die Grundstein-Box, und wünschte allen Beteiligten gutes Gelingen.

Die Box mit den symbolischen Utensilien für die Nachwelt liegt im Grundstein, der jetzt fest zugemauert wird von: (li.) Dipl.-Ing. Architekt Holger Basten, Prof. Dr. Konrad Wolf, Michael Ebling, Dr. Stephan Weinberg, Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner Univ.-Prof. Dr. Falko Daim. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Die Box mit den symbolischen Utensilien für die Nachwelt liegt im Grundstein, der jetzt fest zugemauert wird von: (li.) Dipl.-Ing. Architekt Holger Basten, Prof. Dr. Konrad Wolf, Michael Ebling, Dr. Stephan Weinberg, Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner Univ.-Prof. Dr. Falko Daim. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Impression us dem Museum für Antike Schifffahrt, anschließend bei Wein, Weg und Wurscht mit den Mainzern. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow
Impression us dem Museum für Antike Schifffahrt, anschließend bei Wein, Weg und Wurscht mit den Mainzern. Foto: Diether v. Goddenthow © atelier-goddenthow

Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst

Ausstellungsräume des Römisch-Germanischen Zentralmuseums zum letzten Mal am 10. Juni 2017 (Nacht der Mainzer Museen) geöffnet

Zum letzten Mal ist die Sammlung des Römisch-Germanischen-Zentralmuseum im Mainzer Schloss am 10. Juni, der Nacht der Museen Mainz zu sehen. Foto: Diether v. Goddenthow
Zum letzten Mal ist die Sammlung des Römisch-Germanischen-Zentralmuseum im Mainzer Schloss am 10. Juni, der Nacht der Museen Mainz zu sehen. Foto: Diether v. Goddenthow

Zur Mainzer Museumsnacht, 10. Juni 2017, wird das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) zum letzten Mal die Pforten des Kurfürstlichen Schlosses für seine Besucherinnen und Besucher geöffnet halten. Danach bereitet sich das Leibniz Forschungsmuseum für Archäologie auf den Umzug in den Neubau (Archäologisches Zentrum Mainz) vor: Dieser wird, voraussichtlich 2020, direkt neben dem hauseigenen Museum für Antike Schiffahrt in der südlichen Altstadt eröffnet.

„Die Räumlichkeiten des RGZM im Kurfürstlichen Schloss müssen als Zwischendepot für die umfangreiche Sammlung dienen, der ehemalige Militärsaal beherbergt sogar schon die ersten Objekte. Wir öffnen diese jedoch für ein Sonderprogramm, das mit ausgewählten Veranstaltungen jedem Interessenten einen Einblick in unsere Umzugsarbeiten und in die Planung der neuen Ausstellung garantiert. Die erste Führung mit Kinderwerkstatt ist für Ende Mai angesetzt“, erläutert Professor Falko Daim, Generaldirektor des RGZM.

Derzeit noch als große Baustelle bekannt, werden die Arbeiten zum Rohbau in der Neutorstraße nach der Grundsteinlegung am Freitag, dem 05.Mai 2017, beginnen.

Doch wie zieht eine 165 Jahre alte Sammlung um? „Es bedarf einer sehr guten Planung, um die zahlreichen Objekte des Museums für den Umzug vorzubereiten. Dafür ist eine hausinterne Umzugsgruppe zusammengestellt worden, die aus Kuratoren, Restauratoren, Archivaren und Fachkräften für Arbeitssicherheit besteht“, erklärt Koordinator Dr. Christian Miks. Die Bedeutung der heute rund 200.000 Objekte liegt schon in der Gründung des RGZM im Jahre 1852: Damals war es ein erklärtes Ziel, in Mainz eine zentrale Referenzsammlung bedeutendster und aussagekräftigster archäologischer Fundobjekte zu etablieren.

Nach dem Umzug wird das RGZM auf einer Fläche von gesamt 14.500 Quadratmetern für die Forschungseinrichtung mit den Restaurierungswerkstätten und der stetig wachsenden Bibliothek Raum finden. Die Sammlung des Hauses wird in einer neuen Dauerausstellung und in wechselnden Sonderausstellungen für die Besucherinnen und Besucher wieder zugänglich sein.

Wer nicht warten möchte, kann bis Anfang Juni. letztmalig am 10. Juni 2017 während der Nacht der Museen,  noch die aktuelle Sonderausstellung „Codes der Macht. Mit 16 auf den Thron“ besuchen. Die Ausstellung zeigt Forschungsergebnisse zum Grab des fränkischen Königs Childerich und die darin verborgenen „Codes der Macht“

RGZM_Programm-Mai-August.

Wurfkugeln als mögliche Fundamentsteine – Mittelaltermauern bei Bauarbeiten des Archologischen Zentrums Mainz entdeckt

Umfangreiche Fundamente des alten Stadttors, aber auch alter Wasserleitungen, mittelalterlicher Bauten und Reste einer Brücke müssen erst einmal dokumentiert werden, bevor es mit dem Aushub für den Neubau des Archäologischen Zentrums Mainz weitergehen kann.  Foto: © massow-picture
Umfangreiche Fundamente des alten Stadttors, aber auch alter Wasserleitungen, mittelalterlicher Bauten und Reste einer Brücke müssen erst einmal dokumentiert werden, bevor es mit dem Aushub für den Neubau des Archäologischen Zentrums Mainz weitergehen kann. Foto: © massow-picture

Mittelalterfundamente in der Baugrube des neuen Archäologischen Zentrums Mainz neben dem Römer-Schiffmuseum an der Neutorstrasse 1 in Mainz geben interessante neue Einblicke.

„Wir wussten von Anfang an, dass wir hier mitten in die Mainzer Festungsgeschichte vorstoßen werden“, so Dr. Marion Witteyer, Leiterin der Landesarchäologie in Mainz, mitten im Grabungsfeld zwischen Neutorstraße und Rheinstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museum für Antike Schifffahrt.

Thomas Metz, General-Direktor  Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz begrüßt Doris Ahnen, rheinlandpfälzische Finanz- und Bauministerin (r.), Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs LBB, und links Oberbürgermeister Michael Ebling. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture
Thomas Metz, General-Direktor Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (m.) begrüßt bei der Ortsbesichtigung der Baustelle des AZM Doris Ahnen, rheinlandpfälzische Finanz- und Bauministerin (r.), Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs LBB, und Oberbürgermeister Michael Ebling.(li) Foto:  © massow-picture

Die rheinland-pfälzische Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen zeigte sich in jedem Fall beeindruckt, als sie sich vor Ort über die Ausgrabungsarbeiten informierte: „Wir leben in Mainz auf geschichtsträchtigem Boden und sind doch immer wieder überrascht, was wir für Schätze und damit neue Erkenntnisse bergen können.“ Auch der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling nutzte die Gelegenheit für eine Stippvisite: „Wenn sich Geschichte wie hier bei den Ausgrabungsarbeiten buchstäblich begreifen lässt, rückt sie viele stadthistorische Ereignisse noch einmal ganz anders ins Bewusstsein. Und die Zitadelle mit ihren Bastionen und Festungsmauern ist ein bedeutendes Kapitel unserer Stadtgeschichte.“

Frau Dr. Marion Wittemeyer gibt einen Überblick über Art und Lage der Funde in der Gesamtanlage, hier mit Doris Ahnen und Michael Ebling.Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture
Frau Dr. Marion Wittemeyer gibt einen Überblick über Art und Lage der Funde in der Gesamtanlage, hier mit Doris Ahnen und Michael Ebling.Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture

Rede und Antwort standen neben der Landesarchäologin Witteyer auch der Geschäftsführer des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB), Holger Basten, und Generaldirektor Thomas Metz von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE).

Ein Bagger gräbt einen ehemaligen Wassergraben  an der südlichen Baustellenspitze aus. © massow-picture
Ein Bagger gräbt einen ehemaligen Wassergraben an der südlichen Baustellenspitze aus. © massow-picture

Seit November 2015 dauern nun schon die Grabungsarbeiten an. Inzwischen wurde mit einer Tiefe von rund 2,50 Meter die erste Ebene der Baugrube erreicht und damit präsentiert sich vor Ort ein spezifischer archäologischer Befund, der nur kurze Zeit sichtbar sein wird. „Wir haben Funde vom Spätmittelalter über den Barock bis in die Neuzeit“, so Witteyer. Erwartungsgemäß ist man auf die Reste der Bastion Catharina gestoßen, die später Teil der Bundesfestung war und nach der Zitadelle zum ersten Festungsring um Mainz gehörte und gemeinsam mit der Bastion Nikolaus in unmittelbarer Nähe zum Rheinufer lag. Sichtbar sind derzeit verschiedene Phasen der Festungszeit, man sieht Teile des alten und des wiederaufgebauten Neutors aus dem 17. Jahrhundert.

Bis zu 3,5 m maßen die Festungsmauern am Neutor © massow-picture
Bis zu 3,5 m maßen die Festungsmauern am Neutor © massow-picture

Ebenso die dicken Eskarpen-Mauern der alten Bastion und die neuere Mauer mit deutlich dünneren Wänden. Unmittelbar darüber sind Teile einer Wasserleitung aus dem 19. Jahrhundert zu erkennen.

 

Interessanterweise stimmen vorliegende Pläne aus den unterschiedlichen Epochen nicht immer mit den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort überein. „Man weiß einerseits nicht, zu welcher Zeit die Pläne entstanden sind und ob nachträglich noch Änderungen vorgenommen wurden“, so Witteyer, oder ob Pläne sogar absichtlich geändert wurden, um etwaige Feinde, denen die so gefälschten Pläne in die Finger kommen könnten, damit zu täuschen.

Ähnlich wie in der Feste Ehrenbreitstein (Koblenz), wurden auch unter dem Neutor Rund-Steine, Wurfgeschosskugeln, entdeckt, die man als womöglich später Fundamentsteine verbaute. © massow-picture
Ähnlich wie in der Feste Ehrenbreitstein (Koblenz), wurden auch unter dem Neutor Rund-Steine, Wurfgeschosskugeln, entdeckt, die man als womöglich später Fundamentsteine verbaute. © massow-picture

Rätselhaft ist bislang ein Architekturfund im Anliegerhof zum Museum für antike Schifffahrt. „Wir können derzeit weder die Architektur deuten, noch die im Umfeld herumliegenden Pflaster“, erklärt Witteyer, mysteriös erscheint auch ein Platz oder Garten mit systematisch aufgestellten Steinkugeln. Die Kugeln stammen von einer Blide, einer mittelalterlichen Steinwurfmaschine.

Thomas Metz zeigt eine Fliese. Man werde untersuchen lassen, ob diese in Mainz in einen der 4 bis 5 Fliesenbrenn-Öfen gebrannt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture
Thomas Metz zeigt eine Fliese. Man werde untersuchen lassen, ob diese in Mainz in einen der 4 bis 5 Fliesenbrenn-Öfen gebrannt wurde. Foto: Diether v. Goddenthow © massow-picture

 

Die Gesamtsituation der archäologischen Fundstelle ist allerdings nur vorübergehend. „Was wir hier machen, ist keine Grabung, die reinen Forschungszwecken dient“, erklärt dazu Generaldirektor Thomas Metz, „sondern eine normale archäologische Ausgrabung, die durch eine Baumaßnahme ausgelöst wurde.“ So gesehen, kann man auch nur in den jeweiligen Bauschritten und Bautiefen archäologisch tätig werden.

In Kürze soll nun ein circa acht Meter breiter Schotterwegstreifen angelegt werden, auf dem ein spezielles Baugerät fahren kann. Damit werden die Bohrpfähle, welche die Baugrube dicht umschließen, nach außen verankert. Die Bohrpfahlwand fungiert als Schalung, damit kein Grundwasser in die Baugrube eindringen kann.

Anschließend wird die Baustelle bis zur Baugrubensohle auf 4,50 bis sieben Meter ausgehoben. Dabei sind durchaus weitere archäologische Befunde zu erwarten. Bis in römische Schichten wird man dabei allerdings voraussichtlich nicht vorstoßen, die liegen noch einige Meter tiefer.

Hoch interessant und noch nicht einzuordnen ist das freigelegte Pflaster einer mittelalterlichen Strasse. © massow-picture
Hoch interessant und noch nicht eindeutig einzuordnen ist das freigelegte Pflaster einer mittelalterlichen Strasse. © massow-picture

Der Geschäftsführer des Landesbetriebs LBB, Holger Basten, hob die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor: „In der Baugrube und drumherum gibt es kein Nacheinander der Prozesse, es ist immer ein Miteinander“, betonte Holger Basten. „Planer, Archäologen, die beauftragten Unternehmen, die Betreiber von Leitungsnetzen, das RGZM als künftiger Nutzer und das AZM-Team der Mainzer LBB-Niederlassung, sie alle stimmen sich ständig ab und ziehen an einem Strang, damit hier auf buchstäblich historischem Grund das neue Zentrum für die Archäologie in Mainz entsteht.“ Beispielsweise werden bei weiter laufenden archäologischen Untersuchungen demnächst Entwässerungs- und Fernwärmeleitungen verlegt, um die Entwässerung des Baugrundstücks zukünftig sicherzustellen und AZM, Römerschiffmuseum und Neutorschule an das Fernwärmenetz des Heizkraftwerks Mainz anzuschließen.

Im Anschluss an die archäologischen Grabungen, die voraussichtlich Ende Februar 2017 abgeschlossen sind, beginnen die Rohbauarbeiten mit Gründungsarbeiten und der Herstellung der Betonfundamente. Im weiteren Verlauf werden sich alle Beteiligten bemühen, die Ausschreibungen und Bauabläufe so zu koordinieren, dass der bauliche Fertigstellungstermin Ende 2019 erreicht werden kann. Geplant ist die Übergabe an das RGZM Anfang 2020. Der Umzug des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) wird in Eigenregie koordiniert.

Für den Neubau wurden im Mai 2015 vom Haushalts- und Finanzausschuss des Landtages Gesamtbaukosten in Höhe von rund 51,4 Mio. Euro, einschließlich des neu in die Planung aufgenommenen Platzes genehmigt. Hiervon tragen die Stadt Mainz einen Anteil von 10,0 Mio. Euro, der Bund voraussichtlich einen Anteil von 14,9 Mio. Euro und das Land finanziert ca. 26,5 Mio. Euro.

Museum für Antike Schiffahrt

© massow-picture
© massow-picture

Das 1994 eröffnete Museum für Antike Schiffahrt des RGZM befindet sich in einer denkmalgeschützten Lokhalle aus dem späten 19. Jahrhundert unweit des Römischen Theaters in der Mainzer Südstadt. Dort können Sie die Vielfalt antiker Wasserfahrzeuge kennenlernen: von einfachen Booten und Kanus über Handelsschiffe bis hin zu militärischen Patrouillen- und Schlachtschiffen.
Text: Stadt Mainz

© massow-picture
© massow-picture

Museum für Antike Schiffahrt des Römisch-Germanischen Zentralmuseums
Neutorstraße 2b
55116 Mainz
Telefon 6131/286630
Telefax 06131/2866324