Kategorie-Archiv: Archäologische Museen /Parks

Archäologie-Jahr in Hessen widmet sich vom 10. März bis 31.12.2022 den Kelten mit Sonderausstellungen, Mitmachaktionen, Exkursionen und Vorträgen

Ausschnitt aus dem Gruppenbild aller am Projekt „Keltenland Hessen“ aktiv Beteiligter während der Auftaktveranstaltung am 4.08.2021 im Innenhof der Trinkkuranlage Bad Nauheim: In der ersten Reihe v.li.: Angela Dorn, Kunst- und Wissenschaftsministerin, dann hockend:Dr. Vera Rupp, Direktorin der Keltenwelt Glauberg und Sabine Philipp M.A.. Direktorin SAM Wiesbaden. In der hinteren Reihe v.li.: Prof. Dr. Udo Recker, Landesarchäologe von Hessen, Peter Krank, erster Stadtverordneter und Kulturdezernent  Bad Nauheim, Dr. Frank Verse, Direktor des Vonderau Museums Fulda, Dr. Karl-F. Rittershofer, Präsident der Archäologischen Gesellschaft in Hessen, Dr. Wolfgang David, Direktor des Archäologischen Museums Frankfurt.-v.r.: Stephan Medschinski , Wetterauer Archäologische Gesellschaft Glauberg, Dr. Daniel Burger-Völlmecke, Kurator Sammlung Nassauischer Altertümer, Sammlungsbereich Archäologie. © Foto Diether v. Goddenthow
Ausschnitt aus dem Gruppenbild aller am Projekt „Keltenland Hessen“ aktiv Beteiligter während der Auftaktveranstaltung am 4.08.2021 im Innenhof der Trinkkuranlage Bad Nauheim: In der ersten Reihe v.li.: Angela Dorn, Kunst- und Wissenschaftsministerin, dann hockend:Dr. Vera Rupp, Direktorin der Keltenwelt Glauberg und Sabine Philipp M.A.. Direktorin SAM Wiesbaden. In der hinteren Reihe v.li.: Prof. Dr. Udo Recker, Landesarchäologe von Hessen, Peter Krank, erster Stadtverordneter und Kulturdezernent Bad Nauheim, Dr. Frank Verse, Direktor des Vonderau Museums Fulda, Dr. Karl-F. Rittershofer, Präsident der Archäologischen Gesellschaft in Hessen, Dr. Wolfgang David, Direktor des Archäologischen Museums Frankfurt.-v.r.: Stephan Medschinski , Wetterauer Archäologische Gesellschaft Glauberg, Dr. Daniel Burger-Völlmecke, Kurator Sammlung Nassauischer Altertümer, Sammlungsbereich Archäologie. © Foto Diether v. Goddenthow

2022 findet das erste große Archäologie-Jahr in Hessen statt. Für das Projekt „KELTEN LAND HESSEN – Archäologische Spuren im Herzen Europas“ arbeiten Museen, Landesarchäologie, Stadt- und Kreisarchäologie, Forschungseinrichtungen und Vereine zusammen, um das reiche kulturelle Erbe der Kelten in Hessen sichtbar zu machen. Am 4. August 2021, ein halbes Jahr vor dem Start, informierten in Bad Nauheim Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn und die Beteiligten die Öffentlichkeit über das einzigartige landesweite Keltenprojekt vom 10. März bis 31.12.2022.

Ein halbes Jahr vor dem Start des ersten großen Archäologie-Jahres in Hessen informierten die Beteiligten gemeinsam mit Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (am Pult) im Konzertsaal der Bad Nauheimer Trinkkuranlage die Öffentlichkeit über das Projekt. © Foto Diether v. Goddenthow
Ein halbes Jahr vor dem Start des ersten großen Archäologie-Jahres in Hessen informierten die Beteiligten gemeinsam mit Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (am Pult) im Konzertsaal der Bad Nauheimer Trinkkuranlage die Öffentlichkeit über das Projekt. © Foto Diether v. Goddenthow

Zudem berichteten Projektpartner an zahlreichen Infotischen über ihre Themen und zeigten eine Auswahl an originalen Fundobjekten. Die Archäologische Restaurierungswerkstatt des Landesamt für Denkmalpflege zeigte Beispiele aus ihrer laufenden Restaurierungsarbeit keltischer Fundstücke für die geplanten Ausstellungen.

Begrüßung

Dr. Vera Rupp, Direktorin der Keltenwelt Glauberg © Foto Diether v. Goddenthow
Dr. Vera Rupp, Direktorin der Keltenwelt Glauberg © Foto Diether v. Goddenthow

Dr. Vera Rupp, Direktorin der Keltenwelt Glauberg, begrüßte gemeinsam mit Peter Krank, Erster Stadtrat und Kulturdezernent der Stadt Bad Nauheim, die Beteiligten des Keltenjahres und zahlreiche Gäste. Dabei machte die maßgebliche Initiatorin des Keltenprojektes einmal mehr deutlich, dass sämtliche Veranstaltungen im kommenden Jahr  unter das Label „Keltenland Hessen – archäologische Spuren im Herzen Europas“ gestellt wurden, um ganz gezielt den Blick auf die bewegte Zeit zwischen 800 vor Christus und den Beginn der Römerzeit am Ende des ersten Jahrhunderts vor Christus zu lenken. Bereits vor drei Jahren beschlossen auf Anregung der Keltenwelt Glauberg hessische Museen, Vereine, Institutionen und zahlreiche ehrenamtlich in der Archäologie Tätige das gemeinsame Kelten-Projekt. Coronabedingt wurde das Keltenjahr dann jedoch um ein Jahr verschoben. Doch die Motivation habe darunter keinesfalls gelitten, im Gegenteil: Die Museumsleute brennen darauf, nach Zeiten des Lockdowns endlich wieder Besucher begrüßen zu dürfen und freuen sich auf das Keltenjahr 2022. Zahlreiche Aktionen seien  geplant, darunter Exkursionen, Ausstellungen, Vorträge und Mitmachaktionen für jeden Geschmack und Alter.

Zu den wichtigsten Projekt-Partnern, so die Keltenwelt-Direktorin, gehören neben den Museen   die „Archäologische Gesellschaft in Hessen“ mit sehr vielen Mitgliedern sowie die Wetterauer Archäologische Gesellschaft Glauberg mit ihrem „Keltenmobil“. Das Keltenmobil werde auch im kommenden Jahr mit von der Partie sein, „und mit ihrem bewährten Vermittlungsprogramm Schulen besuchen“. Das Keltenmobil der Wetterauer Archäologischen Gesellschaft sei das einzige Projekt dieser Art in Hessen, „das mobil ist, und in die Schulen fährt, und dort eben Archäologie und Geschichte vermittelt und ein wenig Werbung für Besuche in Museen und Kultureinrichtungen mache“, so Dr. Vera Rupp.

Programm-Highlights

Auf Infotafeln und -tischen informierten die Museen über ihre Programmschwerpunkte zum Projektjahr Keltenland Hessen. © Foto Heike v. Goddenthow
Auf Infotafeln und -tischen informierten die Museen über ihre Programmschwerpunkte zum Projektjahr Keltenland Hessen. © Foto Heike v. Goddenthow

Neben den geplanten drei zentralen Veranstaltungen in der Keltenwelt Glauberg (Eine neue Zeit beginnt), im Archäologischen Museum Frankfurt (Kelten in Hessen?) und im Vonderau Museum Fulda (Eisen verändert die Welt), wird es auch zahlreiche Präsentationen und Sonderausstellungen in anderen hessischen Museen geben. Beispielsweise plant das Vordertaunusmuseum in Oberursel  die Sonderausstellung „Spuren aus keltischer Zeit im Hochtaunuskreis“ und zum Heide-Oppidum.  Zeiteninsel – Archäologisches Freilichtmuseum Marburger Land verspricht „ die Eisenzeit zum Anfassen“ mit Rekonstruktionen von Haus, Hof und Gärten in Originalgröße. Das Museum Bensheim beteiligt sich mit der Sonderausstellung „Die Kelten an der Bergstrasse“ und das Oberhessische Museum Gießen stellt in den Fokus seiner Ausstellung „Gold im Grab“ das bekannte Muschenheimer Schwert mit seinen spektakulären Goldresten aus der frühen Eisenzeit.  Die Städte und  Kreise Offenbach, Hanau und  Main-Kinzig-Kreis werden mit der Wanderausstellung „Mit dem Spaten ins Feld“ unterwegs sein.

Bronzener Schmuckanhänger des Pferdegeschirrs aus Hofheim. © Foto P. Odvody, hessenArchäologie, Außenstelle Darmstadt.
Bronzener Schmuckanhänger des Pferdegeschirrs aus Hofheim. © Foto P. Odvody, hessenArchäologie, Außenstelle Darmstadt.

Das Wiesbadener Stadtmuseum (SAM) wird von Anfang März bis Mitte August 2022 mit der Sonderausstellung „Hessen im Spannungsfeld der Kulturen“ an die keltischen Wurzeln Wiesbadens in römisch-germanischer Zeit erinnern. Das SAM wird zeigen, wie das Aufeinandertreffen von keltisch, germanisch und römisch geprägten Bevölkerungsteilen in der latènezeitlich geprägten Welt um 50 v. Chr. ein Prozess angestoßen wurde, aus dem neue kulturelle Formen und Traditionen entstanden,  so Dr. Daniel Burger-Völlmecke, Kurator Sammlung Nassauischer Altertümer, Sammlungsbereich Archäologie.

Bad Nauheimer Kelten betrieben größte vorindustrielle Saline Europas

Peter Krank, erster Stadtverordneter und Kulturdezernent  Bad Nauheim. © Foto Diether v. Goddenthow
Peter Krank, erster Stadtverordneter und Kulturdezernent Bad Nauheim. © Foto Diether v. Goddenthow

Wenig bekannt sei auch, dass Bad Nauheim nicht nur Jugendstil- und Sprudel-Bad, sondern auch Keltenstadt sei, weswegen er stolz sei, dass die Kick-off-Veranstaltung des Keltenjahres in Bad Nauheim stattfände, so Kulturdezernent Peter Krank bei seiner Begrüßung. Neben einem Rundweg auf den Spuren der Kelten in Bad Nauheim mit Infotafeln, gibt es einen Keltenpavillon am Gradierwerk I mit einem rekonstruiertem keltischen Siedeofen, Text- und Infotafeln sowie einen Film zum Thema „Keltische Saline“. Im dritten und zweiten Jahrhundert vor Christus haben die Kelten am Ufer der Usa auf der Länge von mehr als einem Kilometer die größte zeitgenössische Saline Europas betrieben. Obgleich die Kelten keine schriftlichen Zeugnisse hinterließen, sei ihr Tun durch archäologische Funde ausreichend belegt: Man fand beispielsweise flache gepflasterte Becken, in denen schwach salzhaltige Sole durch Verdunstung konzentrierte wurde, um den Siedeprozess zu verkürzen. Auch belegten tonnenweise Scherben von nach dem Sieden zerschlagenen Tongefäßen  den Umfang der keltischen   Salzgewinnung.

Europaweite Vernetzung frühkeltischer und mediterraner Kulturen

Angela Dorn, Kunst- und Wissenschaftsministerin. © Foto Heike v. Goddenthow
Angela Dorn, Kunst- und Wissenschaftsministerin. © Foto Heike v. Goddenthow

Kunst- und Wissenschaftsministerin Angela Dorn unterstrich in ihrem Grußwort mit Blick auf Bad Nauheim nochmals die Bedeutung der keltischen Salzgewinnung in Bad Nauheim. „Die Kelten geben der Wissenschaft bis heute Rätsel auf, da sie keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen haben. Wir wissen aber – unter anderem aus den Funden auf dem Glauberg –, dass schon die frühkeltischen Kulturen in Europa untereinander und mit den mediterranen Kulturen vernetzt waren“, erklärt Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Die Archäologinnen und Archäologen haben die faszinierende, aber auch oft kleinteilige und zeitintensive Aufgabe, die Vergangenheit anhand der Ausgrabungsergebnisse zu rekonstruieren. Viele Thesen werden im Verlaufe der Forschungen aufgestellt und verworfen, neue Funde können ein ganz anderes Bild ergeben: So ist Wissenschaft. Möglichst viele Menschen in diese Arbeit mit hineinzunehmen, das macht für mich den ganz besonderen Reiz dieses Archäologie- Jahres aus. Es ist eine einmalige Gelegenheit, die reiche Fund- und Forschungslandschaft Hessens für Klein und Groß erlebbar zu machen und vermeintlich Bekanntes aus einer neuen Perspektive zu entdecken.“

Erstmals ein archäologisches Thema  hessenweit im Fokus 

Prof. Dr. Udo Recker, Landesarchäologe von Hessen, © Foto Heike v. Goddenthow
Prof. Dr. Udo Recker, Landesarchäologe von Hessen, © Foto Heike v. Goddenthow

Prof. Dr. Udo Recker, Landesarchäologe von Hessen unterstrich: Mit dem Projekt „Keltenland Hessen – Archäologische Spuren im Herzen Europas“ finden zahlreiche wissenschaftliche Vorhaben in gewisser Weise ein Ende. Gleichzeitig weise das Projekt aber auch in die Zukunft. „Dass wir wissenschaftliche Ergebnisse in Museen präsentieren ist jetzt nichts Außergewöhnliches. Das ist der klassische Auftrag eines Museums, das zu tun und die breite Öffentlichkeit zu informieren. Dass wir das fokussiert auf das Thema Kelten tun, und dass wir das in dieser Breite tun, und dass wir uns praktisch im ganzen Land mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten dem Thema nähern, das ist neu. Das ist das erste Mal der Fall. Und das ist, glaube ich auch, ganz gut gelungen, und das ist ganz toll“, weil es auch die Bedeutung und das Interesse aller an einem solchen Projekt einmal mehr unterstreiche, so der Landesarchäologe in seinem Grußwort.

Kelten seien die Menschen der Eisenzeit

Dr. Frank Verse, Direktor des Vonderau Museums Fulda. © Foto Diether v. Goddenthow
Dr. Frank Verse, Direktor des Vonderau Museums Fulda. © Foto Diether v. Goddenthow

In seiner Einführung ins  „Keltenjahr“ machte Dr. Frank Verse, Direktor des Vonderau Museums Fulda, deutlich, dass es sich bei den Kelten nicht um eine eingewanderte Bevölkerungsgruppe handele: „Mit den Kelten wird die Bevölkerung der Eisenzeit, also die Bevölkerung des 8. bis 1. Jahrhunderts vor Christus, in Verbindung gebracht. Eisen bzw. Eisenerz, komme in der Natur deutlich häufiger vor als Kupfer und Zinn, den Metallen, aus denen Bronze legiert werde. „Dadurch ließ sich Eisen für die damalige Bevölkerung wesentlich leichter und in erheblich größeren Umfang beschaffen, was natürlich auch unmittelbare Auswirkungen auf die Herstellung von Waffen oder eisernen Geräte, und damit letztlich auch auf die Entwicklung der Kultur der Eisenzeit gehabt habe, so Dr. Frank Verse. Die Bedeutung dieses  technologischen Wandels in der Eisenzeit für die Kulturentwicklung machte der Museumsdirektor an einem Beispiel deutlich:
„Noch in der Bronzezeit wurde mit hölzernen Pflügen der Boden bestellt. Und erst in der Eisenzeit kommt der metallene Pflug, die eiserne Pflugschar dazu. Der eiserne Pflug, bzw. der Pflug mit eiserner Schar, ist natürlich deutlich stabiler gewesen, so dass sie wesentlich größere Flächen pro Tag annehmen konnten, und gleichzeitig auch schlechtere Böden bearbeitet werden konnten. Dies führte wiederum zu einer Steigerung des Ertrags und bildete die Grundlage für die Bildung größerer Ansiedlungen. Diese größeren Ansiedlungen mit Menschenansammlungen führten natürlich wiederum dazu, dass mehr Eisen benötigt wurde, und auch mehr Salz zur Konservierung von Lebensmitteln, um auf diese Weise eine Ernährungssicherheit herzustellen. Dies wiederum führte  zur Herausbildung früher Wirtschaftszentren wie hier etwa in Bad Nauheim zur Salzgewinnung oder im Bereich des Lahn-Tals zur Eisenproduktion“, erläuterte der Dr. Frank Verse.
Anhand dieses Beispiels ließe sich doch auch der Keltenbegriff grob erklären, nämlich „dass wir es bei den Kelten nicht mit einer neu eingewanderten Personengruppe zu tun haben, sondern, dass wir es mit einem materiellen und kulturellen Wandel zu tun haben, der im Wesentlichen durch die Eisentechnologie angestoßen wurde“, so Dr. Frank Verse . Dabei gäbe es innerhalb Hessens – mit einem erheblichen Nord-Südgefälle behaftet – deutliche regionale Unterschiede.

Keltenfest am Glauberg - © Foto Diether v. Goddenthow
Keltenfest am Glauberg – © Foto Diether v. Goddenthow

Wandel zur Eisenzeit vergleichbar mit digitalem Wandel
Man habe es zu Beginn der Eisenzeit  mit derselben Menschengruppe zu tun, wie am Ende der Bronzezeit, so der Museumsdirektor. Das belegten auch die Gräberfelder, die einfach am Übergang dieser Zeit Grenzen durchlaufen. Das mache aber die Beschäftigung mit der Eisenzeit umso spannender, „weil es auch deutliche Parallelen zu unserer Gesellschaft der Gegenwart gibt. Wir selber leben am Anfang des digitalen Zeitalters, und erleben bereits jetzt wie sehr diese neue Technik unser Lebens- und Arbeitsumfeld bereits nach wenigen Jahrzehnten umgeändert hat. Auch unsere Kultur befindet sich – ähnlich wie die in der eisenzeitlichen Bevölkerung – in einem starken Umbruch“, so Dr. Frank Verse.

Es ist aber auch kein Zufall, dass sich die Forschung immer wieder mit der Eisenzeit und damit mit den Kelten beschäftigt hat. Das Land Hessen ist dabei besonders gut aufgestellt, da es mit der Keltenwelt am Glauberg sowohl über ein eigenes Spezialmuseum verfügt, also auch mit dem Forschungszentrum eine entsprechende Forschungseinrichtung zu dieser Zeit besitzt. Und es wurde schon erwähnt: Es ist auch tatsächlich das einzige im Bereich der Denkmalpflege mit diesem ausschließlichen Forschungsauftrag, was für die Entwicklung sehr wichtig ist.

Info-Tisch der Restaurierungswerkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen mit Beispielen ihrer laufenden Restaurierungsarbeiten keltischer Fundstücke.  © Foto Heike v. Goddenthow
Info-Tisch der Restaurierungswerkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen mit Beispielen ihrer laufenden Restaurierungsarbeiten keltischer Fundstücke. © Foto Heike v. Goddenthow

Neben dem Glauberg mit der berühmten Statue eines Keltenfürsten sind der Dünsberg bei Wetzlar, der Altkönig und das Heidetränk-Oppidum im Taunus oder die Milseburg in der Rhön weitere bedeutende Zeugen keltischer Kultur in Hessen.
(Diether v. Goddenthow)

Informationen
Das Archäologie-Jahr umfasst Sonderausstellungen, Führungen, Mitmach-Aktionen und Vorträge vielerorts in Hessen. Der Veranstaltungskalender wird digital auf www.keltenland-hessen.de, Instagram und Facebook sowie gedruckt u.a. bei den Projektpartnerinnen und -partnern vor Ort zur Verfügung gestellt. Zudem wird es ein Begleitbuch zum Keltenjahr 2022 geben.

www.keltenland-hessen.de

Projektbüro
KELTENWELT AM GLAUBERG
Achäologisches Landesmuseum Hessen
Am Glauberg 1
63695 Glauburg
E-Mail: kontakt@keltenland-hessen.de

Einblick in die Alltagskultur der Karolingerzeit am Beispiel des Freilichtlabors Lauresham

Foto: Lauresham Vogelperspektive, C. Seitz, 2015
Foto: Lauresham Vogelperspektive, C. Seitz, 2015

Landesmuseum Mainz mit Online-Vortrag über „Mittelalterliche Grundherrschaft im Experiment. Das Freilichtlabor Lauresham an der UNESCO Welterbestätte Kloster Lorsch“

Der Lorscher Codex, der zu Beginn der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) ausgestellt wurde, hat einen einzigartigen Wert und ist ein ganz besonderes Anschauungsobjekt für das Verständnis mittelalterlicher Grundherrschaft. So sind hier neben einer Klosterchronik und einem Zinsregister, nicht nur Güter des Lorscher Klosterbesitzes verzeichnet, sondern auch mehr als 3800 Urkundenabschriften zusammengetragen, die die Besitzungen der Reichsabtei belegen. Das Benediktinerkloster Lorsch, das seit 1991 zum UNESCO-Welterbe zählt, wurde ca. 763 gegründet, 772 zur Reichsabtei erhoben und war eng in die karolingische Reichspolitik eingebunden.

In einem kurzweiligen Online-Vortrag gibt Claus Kropp, M.A., Leiter des Freilichtlabors Lauresham an der UNESCO Welterbestätte Kloster Lorsch, am Dienstag, 4. Mai 2021 um 18:00 Uhr, einen abwechslungsreichen Einblick in das Thema „Mittelalterliche Grundherrschaft im Experiment.“

Das Freilichtlabor Lauresham liegt im Herzen des 2014 neugestalteten und stark erweiterten Klosters Lorsch. Am Beispiel eines idealtypischen Zentralhofes des 8./9. Jahrhunderts wird hier unter anderem das für das Verständnis der frühmittelalterlichen Gesellschaftsstruktur so wichtige Thema Grundherrschaft erklärt. Zudem wurde mit Lauresham ein Forum für die experimentalarchäologische Forschung geschaffen, um verschiedene handwerkliche und landwirtschaftliche Arbeitstechniken zu erproben.

„Zahlreiche 1250-Jahr-Feiern der vergangenen Jahre liegen in einer entsprechenden Erstnennung der jeweiligen Ortschaften im Lorscher Codex begründet“, erklärt Kropp. „so verfügte das Kloster Lorsch bereits im 9. Jahrhundert über Besitzungen, die von der Nordseeküste bis nach Graubünden gereicht haben“. Dazu gehörten nicht nur ganze Ortschaften, Mühlen, Felder, Wiesen, Weiden und Wälder, sondern auch eine erhebliche Anzahl unfreier Menschen, die in direkter Abhängigkeit zum Kloster standen. „So lassen sich in unserem Freilichtlabor viele Fragen der grundherrschaftlichen Verwaltung, der Alltagskultur der Karolingerzeit oder auch des Handwerks aus dieser Zeit erforschen, aber auch sehr schön veranschaulichen“, so Kropp.

Da die Teilnehmerzahl zum Online-Vortrag begrenzt ist, wird um schriftliche Anmeldung bis zum 3. Mai, 12 Uhr, per E-Mail gebeten, unter anmeldung@gdke.rlp.de. Die Platzvergabe erfolgt in der Reihenfolge der Anmeldungen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Der Zugangslink wird den Teilnehmenden nach Anmeldeschluss per E-Mail zugeschickt.

Römisches Bühnentheater erhält eine stilisierte Sitzkulisse aus Drahtgeflecht mit Beleuchtung

Römisches Bühnentheater erhält eine stilisierte Sitzkulisse aus Drahtgeflecht mit Beleuchtung Beschreibung: Foto  © Stadt Mainz
Römisches Bühnentheater erhält eine stilisierte Sitzkulisse aus Drahtgeflecht mit Beleuchtung Beschreibung: Foto © Stadt Mainz

(rap) Die Arbeiten am Römischen Bühnentheater schreiten voran. Die nächsten Schritte zur baulichen Verbesserung werden in den kommenden Tagen umgesetzt.
„Wir arbeiten seit zwei Jahren intensiv an einem dauerhaften und nachhaltigen Konservierungskonzept für das Römische Bühnentheater“, erläutert Bau- und Denkmalpflegedezernentin Marianne Grosse. „Dazu gehört neben der eigentlichen Konservierung der wertvollen römischen Bausubstanz vor allem auch ein Präsentations- und Nutzungskonzept für das Theater. Der im letzten Jahr verstorbene ehemalige Vorsitzende der Initiative Römisches Mainz, Dr. Hans Marg, war hierfür ein entscheidender Motor.“

„Deshalb freue ich mich umso mehr“, so die Dezernentin weiter, „dass wir jetzt mit der Erstellung eines stilisierten Ausschnitts der ehemaligen Sitzkulisse aus Drahtgeflecht mit Beleuchtung nach einiger Zeit wieder etwas zeigen können, dass für alle sichtbar und erlebbar sein wird. Ich bin der Initiative Römisches Mainz und dem Rotary Club und damit insbesondere Professor Vahl sehr dankbar für ihre Unterstützung und die Möglichkeit, mit einer Beleuchtung einen Teil des Theaters ins richtige Licht zu rücken.“

Freigelegte Ruinen des Römischen Theater in Mainz Süd. © Foto Diether v. Goddenthow
Freigelegte Ruinen des Römischen Theater in Mainz Süd. © Foto Diether v. Goddenthow

Die Initiative Römisches Mainz hält die adäquate Illumination und eine bürgernahe Möglichkeit einer Sitzplatznutzung für unerlässlich, um das Römische Bühnentheater noch mehr in den Herzen der Mainzerinnen und Mainzer zu verankern, denn „nur wer das Theater im Herzen hat, wird etwas für das Theater tun,“ so der neue Vorsitzende der Initiative Römisches Mainz e.V., Professor Christian-Friedrich Vahl. „Das Römische Bühnentheater bietet eine große Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten und ich bin überzeugt, es wird als einziges Freilufttheater in Mainz gerade in der Zeit nach der Corona-Epidemie eine ganz besondere Rolle spielen“, so Professor Vahl weiter.

„Nachdem die in die Jahre gekommenen und nicht mehr schön anzuschauenden Sitzreihen weggenommen wurden, wird jetzt durch eine ganz moderne Präsentationsform das Rund der ehemaligen Sitzreihen in einem Ausschnitt durch Drahtkörbe optisch wieder hervorgehoben. Dazu wird die künftige abendliche Beleuchtung ein Highlight sein, auch für alle, die mit dem Zug am Theater vorbeifahren. Das wird sicherlich ein weiterer Grund sein, in Mainz Station zu machen und die römischen Denkmäler zu besuchen“, so Dr. Marion Witteyer, Leiterin der der Landesarchäologie Mainz.

Auf dem Jakobsberg, unterhalb der Zitadelle in Mainz, befindet sich das größte römische Theater nördlich der Alpen. Die heute sichtbaren baulichen Überreste sind auf einen Steinbau aus dem 4. Jahrhundert nach Christus zurück zu führen.
In den Jahren 1997 und 1999 erfolgte unter der Leitung der Landesarchäologie mit der Hilfe von zahlreichen Archäologen, Studenten, Schulklassen und anderen Freiwilligen die Freilegung des Theaters bis zu den möglichen Grenzen der Umgebungsbebauung.

2005 wurden unter der Leitung des damaligen Landesarchäologen Dr. Gerd Rupprecht die ersten fünf Sitzreihen als Holzkonstruktion in Form von halbkreisförmigen, ansteigenden Sitzstufen errichtet. Witterungseinflüsse setzten der Konstruktion stark zu, so dass sie zunehmend marode und morsch wurde. Aufgrund der akuten Einsturzgefahr konnte die Ausgrabungsstätte über Monate nicht mehr begangenen werden, da dieser Bereich nicht abtrennbar war. Im Sommer 2017 wurden die Brüstungselemente, welche die Sitzreihen zur Orchestra hin abgrenzten, abgebrochen, erneuert und mit einer vorgelagerten Sitzstufe versehen. Seit diesem Zeitpunkt können wieder Führungen und kleinere Veranstaltungen in der Ausgrabungsstätte stattfinden.

Aufgrund des großen didaktischen Wertes in der Denkmalvermittlung bestand auf allen Seiten der Wunsch, im Falle der Entfernung der maroden Sitzreihenkonstruktion die Anmutung der Sitzreihen wieder aufzunehmen, bis das Gesamtareal überplant wird und klar ist, wie die zukünftige Gestaltung, Präsentation und Konservierung des Römischen Bühnentheaters aussehen soll.
In enger Abstimmung mit der Archäologie, der Landesdenkmalpflege, der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie dem Stadtrat entschied man sich für eine temporäre, nicht begehbare Installation in Form eines Drahtgitters, welche einen Teilbereich der alten hölzernen Zuschauerränge visualisieren wird.

In der Dämmerung wird die Installation zeitweise zurückhaltend illuminiert. Hierbei wird darauf geachtet, artenschutzverträgliche Leuchtmittel einzusetzen. Die Beleuchtung der stilisierten Sitzkulisse wird finanziell unterstützt durch eine Spende des Rotary Clubs Mainz in Höhe von 20 000 Euro. Seine Zeit als Präsident und Vize-Präsident des Rotary Clubs Mainz in den Jahren 2018 und 2019 hatte Professor Christian-Friedrich Vahl ganz in das Zeichen des römischen Bühnentheaters gestellt und mit dem Rotary Club diese große Spendensumme für das Theater eingeworben.

Da es sich um kein herkömmliches Produkt und um einen sehr sensiblen Aufstellungsort handelt, wird vorerst ein Muster gebaut. Die vorbereitenden Landschaftsbauarbeiten dazu haben nun begonnen. Zunächst wurde der Befund mehrlagig geschützt und mit Lavakies überdeckt. Auch die Metallbauarbeiten sind in vollem Gang und werden in den nächsten Wochen, je nach Witterung, auf dem Gelände installiert.
Parallel laufen weitere Konservierungsmaßnahmen an den Pfeileresten im Theater kontinuierlich weiter.

Spektakuläre Funde entdeckt – Archäologen der GDKE stoßen am Zollhafen auf römische Zeugnisse

Die eine Skulptur ist bis auf den Kopf vollständig erhalten, bei der anderen handelt es sich um ein Fragment. Beide Skulpturen stammen wohl aus dem 1. oder 2. Jahrhundert.  © GDKE Rheinland Pfalz (Fotos: Agentur Bonewitz)
Die eine Skulptur ist bis auf den Kopf vollständig erhalten, bei der anderen handelt es sich um ein Fragment. Beide Skulpturen stammen wohl aus dem 1. oder 2. Jahrhundert. © GDKE Rheinland Pfalz (Fotos: Agentur Bonewitz)

Wer in Mainz gräbt, muss zwangsläufig damit rechnen, archäologischen Zeugnissen zu begegnen. Im Optimalfall sind es die Archäologen selbst, die die Funde entdecken und sie fachgerecht bergen. So lief es idealerweise auch beim Bauprojekt auf dem Areal „Rheinallee IV“ am Mainzer Zollhafen, auf dem eine neue Wohnanlage mit 138 Mietwohnungen entsteht. Bei Bodenuntersuchungen stießen die Experten der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), Direktion Landesarchäologie, auf eindrucksvolle Exponate, die aus der Römerzeit stammen und wertvolle Erkenntnisse zur Mainzer Stadtgeschichte und zur Rheinufertopografie liefern. „Wir haben zwei exzeptionelle Skulpturen gefunden“, berichtet Dr. Marion Witteyer, Leiterin der Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Mainz. „Eine Skulptur ist bis auf den Kopf vollständig, von der anderen sind Fragmente erhalten“. Dass die Archäologen an dieser Stelle fündig werden würden, war für Witteyer keine Überraschung. „Die archäologischen Untersuchungsergebnisse von der benachbarten Baustelle haben nahegelegt, dass wir auch hier Funde aus der römischen Siedlungszeit finden würden“. Allerdings hatte die Archäologin nicht damit gerechnet, auf Funde von einer solchen Qualität zu stoßen. „Das sind absolut außergewöhnliche Exponate. Etwas Vergleichbares haben wir in Mainz noch nicht entdeckt. Seit vielen Jahrzehnten haben wir generell keine Fundstücke mehr sichern können, die von einer ähnlichen Qualität waren“, freute sich Witteyer bei der heutigen Präsentation der eindrucksvollen Fundstücke, die nun zur Landesarchäologie gebracht und ausgiebig untersucht werden.

© GDKE Rheinland-Pfalz (Fotos: Agentur Bonewitz)
© GDKE Rheinland-Pfalz (Fotos: Agentur Bonewitz)

Auf dem Areal fand heute die Grundsteinlegung des Bauprojekts statt, das von dem Wohnungsunternehmen Sahle Wohnen aus dem nordrhein-westfälischen Greven verantwortet wird. Hier sollen 138 geförderte und damit preisgebundene Mietwohnungen entstehen. Ergänzt werden die modernen Wohnungen durch einen großzügigen Gemeinschaftsraum, eine Kindertagesstätte und zwei Büroeinheiten im Erdgeschoss. Sahle Wohnen hatte das Grundstück „Rheinallee IV“ vor drei Jahren von der Zollhafen Mainz GmbH & Co. KG erworben. Im Jahr 2018 ging das Kölner Büro „Molestina Architekten“ als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervor.

In sechs Monaten kann das RGZM ins neue Archäologische Zentrum Mainz umziehen. Trotz Corona gut im Zeitplan

Gut im Zeitplan liegt der Neubau des Archäologischen Zentrums in Mainz. Die Außenfassade kleiden rötliche Klinker nach römischem Muster sowie riesige Fenster. Der rotschraffierte Bereich zeigt an, wo die große LED-Wand einmal Bilder aus dem Inneren des Ausstellungsbereiches nach außen hin über den Innenhof projizieren wird. © Foto: Diether v. Goddenthow
Gut im Zeitplan liegt der Neubau des Archäologischen Zentrums in Mainz. Die Außenfassade kleiden rötliche Klinker nach römischem Muster sowie riesige Fenster. Der rotschraffierte Bereich zeigt an, wo die große LED-Wand einmal Bilder aus dem Inneren des Ausstellungsbereiches nach außen hin über den Innenhof projizieren wird. © Foto: Diether v. Goddenthow

In sechs Monaten will das RGZM ins neue Archäologische Zentrum Mainz umziehen. Die Baufertigstellung trotz Corona gut im Zeitplan
Die Bauarbeiten am Neubau des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM), Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie, in Nachbarschaft des Museums für Antike Schifffahrt liegen trotz Corona gut im Zeitplan, freuen sich Professorin Dr. Alexandra W. Busch, Generaldirektorin des RGZM, und Wissenschaftsminister Professor Dr. Konrad Wolf beim gestrigen Presserundgang durch den Rohbau des neuen hochmodernen Wissenschafts- und Museumsstandorts in Mainz.
Auf rund 14 500 Quadratmetern sollen hier nach Schlüsselübergabe im 1 Quartal 2021 und Umzug der Mitarbeiter bis Sommer 2021 alle wissenschaftlichen Kompetenzbereiche, Forschungslabore, Werkstätten, Depots, Bibliothek, Sonderausstellungs- und Dauerausstellungsbereiche, Vortragssaal, ein Forum und Räume für die Wissenschaftspädagogik eingerichtet werden- Ab Spätsommer 2021 werden erste Bereiche wie Foyer, Café und der begrünte Innenhof bereits öffentlich zugänglich sein, die Sonderausstellung ab 2023.

Wissenschaftsminister Professor Dr. Konrad Wolf und Generaldirektorin Professorin Dr. Alexandra Busch hatten zu einem Presserundgang durch den im Innenausbau befindlichen Neubau des Archäologischen Zentrums Mainz eingeladen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Wissenschaftsminister Professor Dr. Konrad Wolf und Generaldirektorin Professorin Dr. Alexandra Busch hatten zu einem Presserundgang durch den im Innenausbau befindlichen Neubau des Archäologischen Zentrums Mainz eingeladen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der Einbezug der Öffentlichkeit und der Austausch zwischen Wissenschaft und Bürgern sei ein zentrales Anliegen des neuen Mainzer Archäologischen Zentrums. Bürgerinnen und Bürgern könnten hier einmal Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern quasi über die Schulter schauen und den Prozess von Wissenschaft gewissermaßen miterleben. Wissenschaftliche Prozesse sollen hier verständlich, anschaulich und erfahrbar präsentiert werden, unterstrich Wissenschaftsminister Wolf.

Vom Foyer aus gelangt man über die Freitreppe ab 2023 zu der neuen Daueraussstellung in der ersten Etage. © Foto: Diether v. Goddenthow
Vom Foyer aus gelangt man über die Freitreppe ab 2023 zu der neuen Daueraussstellung in der ersten Etage. © Foto: Diether v. Goddenthow

Generaldirektorin Busch machte einmal mehr deutlich, dass das Römisch-Germanische-Zentralmuseum (RGZM als Leibniz-Forschungsinstitut und -museum für Archäologie die materiellen Hinterlassenschaften aus 2,6 Mio. Jahren Menschheitsgeschichte erforsche. Der weit größte Teil der Menschheitsgeschichte sei uns nur über materielle Hinterlassenschaften und Spuren menschlicher Aktivität überliefert, so Busch. Damit stelle dieses Vermächtnis die grundlegende Quelle des Wissens über unsere biologische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung dar. Ziel sei es, anhand archäologischer Funde und Befunde menschliches Verhalten und Handeln, menschliches Wirken und Denken sowie die Entwicklung und Veränderung von Gesellschaften aufzuzeigen und zu verstehen. Das RGZM sei weltweit tätig und betreibe bislang erfolgreich und umfassend Forschungen in verschiedenen Regionen Afrikas, Asiens und Europas, wobei ein geographischer Schwerpunkt auf Mittel- und Südeuropa sowie dem mediterranen Raum liege.

„Die einzigartige Konzentration archäologischer, naturwissenschaftlicher, restauratorischer und informationstechnologischer Kompetenzen verbunden mit bedeutenden Werkstätten, Laboren und Archiven, erlaubt es dabei, objektorientierte Forschung zur Archäologie der Alten Welt (Asien, Afrika, Europa) von den Anfängen der Menschheitsgeschichte bis in die Neuzeit zu betreiben“, erklärte Busch.

Noch hängen und liegen überall  Kabel herum und letzte Elektroinstallationen erfolgen. Die Böden sind weitestgehend fertig und mit Schutzfolien abgedeckt. © Foto: Diether v. Goddenthow
Noch hängen und liegen überall Kabel herum und letzte Elektroinstallationen erfolgen. Die Böden sind weitestgehend fertig und mit Schutzfolien abgedeckt. © Foto: Diether v. Goddenthow

Gründungsgedanke des RGZM vor 168 Jahren war es, in Mainz eine Studien- und Referenzsammlung der bedeutendsten und aussagekräftigsten Fundobjekte der Alten Welt anzulegen und damit die wissenschaftliche Grundlage für kulturvergleichende Studien zu schaffen. Im Laufe des 20. Jhs. kam es zu einer Erweiterung der Forschungsfragen und Aufgaben, die mit der Gründung weiterer Standorte einherging. 1994 kam in Mainz das Museum für Antike Schifffahrt hinzu, 1986 „MONREPOS“, das „Archäologische Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution“ in Neuwied, 1996 wurde der Forschungsbereich „Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte“ in Mayen eingerichtet und 2012 um das „Labor für Experimentelle Archäologie“ (LEA) ergänzt, sowie um das Römerbergwerk in Meurin. Hauptsitz des RGZM ist Mainz. Zum Institut gehören insgesamt fünf Forschungsfelder, vier Museen, div. Werkstätten und Labore, außerdem ein institutseigener Verlag und mehrere Fachbibliotheken.

Blick von der Freitreppe auf den Foyerbereich. © Foto: Diether v. Goddenthow
Blick von der Freitreppe auf den Foyerbereich. © Foto: Diether v. Goddenthow

Heutzutage umfassen allein die Sammlungen im RGZM Mainz über 200 000 Sammlungsstücke, deren Umzug aus dem Kurfürstlichen Schloss seit 2015 von einer hausinternen Umzugsgruppe, bestehend aus Kuratoren, Restauratoren, Archivaren und Fachkräften für Arbeitssicherheit, sorgfältig vorbereitet wird. Jedes Objekt wird mit Barcode gekennzeichnet, ins Datenbank-System eingescannt und in einen emissionsfreien, mit Code und Abbildung versehenen Archiv-Spezialkarton nach DIN-Norm verpackt. Auf diese Weise können die Objekte direkt an ihren späteren Depotplatz im neuen RGZM eingelagert werden.
Mittlerweile, so Generaldirektorin Busch, sei der Großteil der Sammlungsstücke verpackt, so dass der Umzug plangemäß im 1. Quartal 2021 erfolgen kann. Im 2. Quartal 2021 werden dann Mitarbeiter ihre neuen Quartiere beziehen. Sie werden den Forschungsbetrieb, die Restaurierungs- und Abformungs-Werkstätten und die Bibliothek einrichten und die große Dauerausstellung aufbauen.

Im besonders gesicherten Wechselausstellungsbereich wird eine 14,5 mal 4 Meter große Vitrinenwand die bedeutendsten Sammlungsstücke aus 168 Jahren Geschichte des Römisch Germanischen Zentral Museums zeigen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Im besonders gesicherten Wechselausstellungsbereich wird eine 14,5 mal 4 Meter große Vitrinenwand die bedeutendsten Sammlungsstücke aus 168 Jahren Geschichte des Römisch Germanischen Zentral Museums zeigen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der Wechselausstellungsbereich im Erdgeschoss wird 500 m² umfassen, und auch als buchbarer Veranstaltungsraum der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Ein Herzstück davon wird eine 13,5 mal 4 Meter große verglaste Vitrinenwand sein, in der über 1200 wichtige Original-Exponate ausschließlich aus der 168-jährigen Geschichte des RGZM gezeigt werden sollen. Der Clou dabei ist: über eine Videokamera können die hier gezeigten Ausstellungsstücke auch auf eine an der Außenfassade zum Innenhof hin installierten LED-Wand live übertragen werden. Das wird zusätzlich viel Aufmerksamkeit auf die vielfältigen Schätze des Museums lenken und auch ein wenig die Fassaden-Attraktivität des rostbraun verklinkerten Baus erhöhen.

Der Fokus der Dauerausstellung wird auf den letzten 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte und den Fragen der Entwicklung des gesellschaftlichen Zusammenlebens liegen, so Generaldirektorin Dr. Alexandra Busch, hier im künftigen Dauerausstellungs-Bereich der ersten Etage. © Foto: Diether v. Goddenthow
Der Fokus der Dauerausstellung wird auf den letzten 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte und den Fragen der Entwicklung des gesellschaftlichen Zusammenlebens liegen, so Generaldirektorin Dr. Alexandra Busch, hier im künftigen Dauerausstellungs-Bereich der ersten Etage. © Foto: Diether v. Goddenthow

Für die Dauerausstellung sind 3000 m² Fläche in der zweiten und dritten Etage vorgesehen. Große Fensterfronten werden für natürliches Licht und Leichtigkeit sorgen. Vom Foyer aus können schätzungsweise ab Sommer 2023 die Besucher rechterhand über die große Frei-Treppe dorthin gelangen. Bei der Präsentation geht es nicht darum, Besucher ehrfurchtsvoll wertvolle Artefakte bestaunen zu lassen, so die Generaldirektorin. Vielmehr soll vermittelt werden, was wir als Archäologen tun, wobei der Fokus der Dauerausstellung auf den letzten 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte und den Fragen der Entwicklung des gesellschaftlichen Zusammenlebens liegen werde. Einzelheiten wollte Busch jedoch noch nicht verraten, nur soviel, dass sich die Dauerstellung in sechs Hauptbereiche gliedere, in denen jeweils 150 bis 200 Objekte – im Wechsel aus den umfangreichen Sammlungen des RGZM bestückt – gezeigt würden. Die neue Dauerausstellung könne schätzungsweise im Sommer 2023 eröffnet werden.

Ein Großteil der nunmehr von 26 auf 80 Leseplätze erweiterten Bibliothek wird auf einer Empore an der Glasfront mit Blick zur Rheinstraße zu finden sein. Der Raum dient auch als Vortragsraum. © Foto: Diether v. Goddenthow
Ein Großteil der nunmehr von 26 auf 80 Leseplätze erweiterten Bibliothek wird auf einer Empore an der Glasfront mit Blick zur Rheinstraße zu finden sein. Der Raum dient auch als Vortragsraum. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Forschungsbibliothek, das eigentliche „geistige Zentrum“ des RGZM, wird zwischen dem öffentlichen Ausstellungs-Bereich und dem nicht öffentlich zugänglichen Kompetenz-Sektor (Labore, Werkstätten etc.) liegen. Über 8600 Rollregal-Meter werden dort über 268 000 Fachpublikationen Platz bieten. Statt bislang 29 medial optimal ausgestatteten Leseplätzen sind nunmehr 80 vorgesehen, etliche davon in einem zweiten großen Raum zur Rheinstrasse hin, der auch für Vortrags- und andere Fachveranstaltungen genutzt werden soll. Auf dieser Seite wird zudem die erweiterte museumpädagogische Abteilung angesiedelt sein. Unter anderem soll ein spezielles Kinderprogramm entwickelt werden und das Angebot für Erwachsene deutlich ausgebaut werden.

Die neue Bibliothek wird über 8,6 km Rollregalfläche verfügen.  © Foto: Diether v. Goddenthow
Die neue Bibliothek wird über 8,6 km Rollregalfläche verfügen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Verwaltungsräume werden in der dritten Etage angesiedelt sein. Im gesamten Haus wird noch an allen Ecken und Enden handwerklich gearbeitet. Die Wände sind bereits verputzt, die meisten Böden gelegt, Steckdosen, Lichtschalter und Kabel für die digitale Infrastruktur eingebracht, Türen gesetzt und Lampen gehängt.

«Mit dem Neubau macht unser Institut einen Quantensprung», freut sichdie Generaldirektorin. Es soll «ein Ort des kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Austauschs werden».

Diether v. Goddenthow / Rhein-Main.Eurokunst)

Weitere Informationen zum neuen Archäologischen Zentrum

Erkundungstour durch 6000 Jahre Siedlungsgeschichte auf dem Hofheimer Kapellenberg – neuer Archäologischer Wanderweg eröffnet

 (v.li.) Projekt- und Grabungsleiter Prof. Dr. Detlef Gronenborn vom Römisch-Germanischen Zentral-Museum Mainz,  Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler, Bürgermeister Christian Vogt und die Geschäftsführerin der Stiftung Flughafen Jutta Nothacker durchschneiden symbolisch das rote Band zu offiziellen Eröffnung des Archäologischen Rundwegs auf dem Kapellenberg in Hofheim. © Foto: Diether v. Goddenthow
(v.li.) Projekt- und Grabungsleiter Prof. Dr. Detlef Gronenborn vom Römisch-Germanischen Zentral-Museum Mainz, Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler, Bürgermeister Christian Vogt und die Geschäftsführerin der Stiftung Flughafen Jutta Nothacker durchschneiden symbolisch das rote Band zur offiziellen Eröffnung des Archäologischen Rundwegs auf dem Kapellenberg in Hofheim. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die Stadt Hofheim am Taunus hat am Wochenende ihr neues Wander-Highlight, den Archäologischen Rundweg auf dem Kapellenberg, in Beisein von Mitstreitern, Wissenschaftlern, Förderern und Politikern öffnet, darunter Bürgermeister Christian Vogt, Projekt- und Grabungsleiter Prof. Dr. Detlef Gronenborn vom Römisch-Germanischen Zentral-Museum Mainz (RGZM), Christian Eckmann, stv. Generaldirektor des RGZM, Jutta Nothacker, Geschäftsführerin der Stiftung Flughafen, und Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler.

Diese Karte sollten Wanderer zur Orientierung auf dem archäologischen Rundweg dabei haben (einscannbar per QR-Code), um sich  im Gelände auch abseits der ausgebauten Forstwege zurechtzufinden.
Diese Karte sollten Wanderer zur Orientierung auf dem archäologischen Rundweg dabei haben (einscannbar per QR-Code), um sich im Gelände auch abseits der ausgebauten Forstwege zurechtzufinden.

Bereits seit 2008 graben das RGZM und der Arbeitsbereich Vor- und Frühgeschichte des Instituts für Altertumswissenschaften der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz in Zusammenarbeit mit der hessenARCHÄOLOGIE und mit großer Unterstützung der Stadt Hofheim, am 6000 Jahre alten, jungsteinzeitlichen Fundplatz auf dem Kapellenberg bei Hofheim am Taunus, ein „Pompeji der Steinzeit im Rhein-Main-Gebiet“, wie Projektleiter Prof. Dr. Detlef Gronenborn von der untergegangenen Wallanlage  der Michelsberger Kultur (4200-3500 v. Chr.) schwärmt.
Das „Pompeji der Steinzeit“ maß immerhin  gewaltige 45-ha, wovon 26-ha überbaut waren. Neben den weiteren frühzeitlichen Siedlungen  in Schierstein und Glaubberg in der Wetterau dürfte damit das Kapellenberg-Areal zu den größten Anlagen seiner Zeit gehört haben. Genutzt wurde es, so  Gronenborn, als Bestattungsplatz, als Schutzanlage, als Siedlung, als Beobachtungsposten oder als Ort der inneren Einkehr.

Projektleiter Prof. Dr. Detlef Gronenborn referiert an Stele Nr. 3 über die Historische Waldnutzung im Spätmittelalter, nachdem Hofheim 1352 Stadtrechte erhalten hatte und damit das Recht, den Wald auf dem Kapellenberg zu nutzen. © Foto: Diether v. Goddenthow
Projektleiter Prof. Dr. Detlef Gronenborn referiert an Stele Nr. 3 über die Historische Waldnutzung im Spätmittelalter, nachdem Hofheim 1352 Stadtrechte erhalten hatte und damit das Recht, den Wald auf dem Kapellenberg zu nutzen. © Foto: Diether v. Goddenthow

Auch heute nach 6000 Jahren sind die einstigen Wallanlagen im Gelände zu sehen, zumindest für Fachleute, und nun mit Hilfe der Tafeln und Stelen auch für Laien. Die Anlage wurde offensichtlich zunächst um einen Großgrabhügel errichtet, der zum Ende des Mittelneolithikums (um 4500 v. Chr.) oder zu Beginn der Michelsberger Belegung (um 4200/4100 v. Chr.) errichtet wurde, so Gronenborn. Neben den archäologischen Hinterlassenschaften des Jungneolithikums finden sich auf dem Kapellenberg noch zwei weitere Grabhügel aus dem Endneolithikum, ein kreisförmiger Graben unbekannter Zeitstellung und die Reste eines römischen Wachturms. Der Großgrabhügel wurde im Zuge forstwirtschaftlicher Arbeiten bereits um 1880 in einer undokumentierten Grabung versehentlich angegraben. Die Kreisgrabenanlage und die Reste des Wachturms wurden dann 1896 durch C. L. Thomas wissenschaftlich untersucht.

Mitunter geht's fernab von ausgebauten Forstwegen querwaldein und sorgt für einmalige Naturerlebnisse. © Foto: Diether v. Goddenthow
Mitunter geht’s fernab von ausgebauten Forstwegen querwaldein und sorgt für einmalige Naturerlebnisse. © Foto: Diether v. Goddenthow

Der Wall wurde zum ersten Mal durch August von Cohausen beschrieben, der auch die Ähnlichkeit der Keramik mit der vom Michaelsberg bei Bruchsal erkannte, später der namensgebende Fundort der Michelsberger Kultur. Cohausen publizierte zudem zwei vermutlich aus dem Großgrabhügel stammende Beilklingen. Dietwulf Baatz erkannte schließlich die jungneolithischen Grabhügel und vermutete eine Michelsberger Höhensiedlung. 1975 untersuchte Rolf Kubon einen der spätneolithischen Grabhügel. Der Großgrabhügel wurde erst 2012 durch Heinrich Thiemeyer als sicher anthropogene Formation erkannt.

Während der Ausarbeitung des Rundwegs gab es im Rahmen von Grabungs-Praktika jährliche Ausgrabungen auf dem Kapellenberg von Studenten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in einer Zusammenarbeit zwischen dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) und der hessenARCHÄOLOGIE. Die bodenkundlichen Untersuchungen wurden und werden gemeinsam am Geographischen Institut der Goethe-Universität Frankfurt und am Geographischen Institut der Johannes Gutenberg Universität Mainz ausgeführt.

Auf dem jetzt eröffneten 4,2 km langen archäologischen Rundwanderweg helfen drei Info-Tafeln und 15 Stelen mit Text, QR-Codes und Bild den Besuchern die Archäologie, Geologie und Nutzung des Kapellenberges und seiner Bodendenkmäler besser erfahrbar zu machen. Der Weg mit einem Höhenunterschied von gut 300 Metern führt nicht nur über ausgebaute Forstwege, sondern häufig entlang von Trampelpfaden, mitunter fast querwaldein. Das lässt die archäologische Erkundungstour durch 6000 Jahre Siedlungsgeschichte obendrein zu einem einmaligen Naturerlebnis werden. Festes Schuhwerk und eine gute Wanderkarte ist ratsam.

Zurück geht die Nutzung des Kapellenbergs als Naherholungsgebiet auf das Jahr 1895 mit der Errichtung des hölzernen, später eisernen Meisterturms (unterhalb mit Gastronomie), und den Entdecker der Wallanlagen und des Wachturms, Carl August von Cohausen. Der Hofheimer Taunusklub-Verschönerungsverein ehrte ihn 1910 mit dem Cohausen-Tempel.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Weitere Informationen

Archäologischer Rundweg am Kapellenberg

Informationen des RGZM: Anfänge der Urbanisierung im Rhein-Main-Gebiet – der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus vor 6000 Jahren

RGZM Mainz, Hessen-Archäologie und Gemeinde Hofheim präsentieren weitere neue Erkenntnisse über die 6000 Jahre alte Besiedlungsgeschichte am Kappellenberg

Grabungen im Innenraum des Kapellenberg im August 2019, Nähe Meisterturm/ Aussichtsturm Hofheim. Foto: Hans Szédeli/hessenARCHÄOLOGIE
Grabungen im Innenraum des Kapellenberg im August 2019, Nähe Meisterturm/ Aussichtsturm Hofheim. Foto: Hans Szédeli/hessenARCHÄOLOGIE

Hofheim/Mainz. Seit über zehn Jahren erforschenArchäologen das Gebiet des Kapellenbergsbei Hofheim am Taunus und vollziehen anhand ihrer Funde dessen Besiedelungsgeschichte nach.Bereits vor 6000 Jahren lebten hier ca. 900 Menschen. Nun eröffnet sich eine neue Perspektive: Ein erst kürzlich bestimmter Grabhügel undzwei Steinbeile, die dort bereits im 19. Jahrhundert geborgen wurden,fügen der Forschung zur jungsteinzeitlichen Höhensiedlung ein neues Kapitel hinzu. Die Kombination neuesterErkenntnisse mit Daten aus der Fundgeschichte ermöglichtdenArchäologen eine genauere Einordung in die Besiedlungsgeschichte Mitteleuropas. Dabei weisen Verbindungen auch nach Frankreich.  Menschen aus dem heutigen Großraum Paris hatten sich hier im Rhein-Main-Gebiet auf dem Kapellenberg angesiedelt, ist sich Projektleiter und Archäologe Professor Detlef Gronenborn (RGZM). Nach 3.750 vor Chr. verlaufen sich die Spuren, wird angenommen, dass die exzessive  Landwirtschaft betreibende Frühbauern möglicherweise in Richtung des heutigen Schiersteins weitergezogen waren. Man weiß es nicht genau. Erst wieder gegen 3.300 vor Chr.  hätten sich hier Menschen neu angesiedelt, wohl aus Gebieten der heutigen Urkraine , so  Gronenborns weitere These, die  neue Grabungsfunde erhärteten.

Projektleiter Prof. Dr. Detlef Gronenborn (RGZM) erläutert die Dimensionen dieser im Durchmesser 90 Meter betragenden Anlage mit einer erhaltenen Höhe von sechs Metern. © Foto: Diether v. Goddenthow
Projektleiter Prof. Dr. Detlef Gronenborn (RGZM) erläutert die Dimensionen dieser im Durchmesser 90 Meter betragenden Anlage mit einer erhaltenen Höhe von sechs Metern. © Foto: Diether v. Goddenthow

Noch in diesem Jahr soll mit der Eröffnung eines archäologischen Rundwegs das Projekt für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Im Fokus der gegenwärtigen Forschung stehen zwei steinerne Beilklingen, die im 19. Jahrhundert aus einem damals noch nicht erkannten gewaltigen Grabhügel geborgen wurden. Aufgrund der Bestimmung des Monuments, der verwendeten Materialien und der Herstellungstechnik kombiniert der Projektleiter und Archäologe Professor Detlef Gronenborn (RGZM): „Bis kurzem war der Hügel gar nicht erkannt. Mit der Entdeckung, und der Interpretation als Grabmonument, müssen wir folgern, dass die Beile Grabbeigaben für eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sein müssen. Das Grab selbst ist jedoch nicht mehr erhalten, wurde vielleicht im 19. Jahrhundert zerstört.

Steinbeilklinge Typ Greenlaw/Altenstadt, gefertigt aus westalpiner Jade vom Monte Viso. Alter etwa 4200/4100 v. Chr., Fundort Kapellenberg um 1880. Foto: Sabine Steidl/RGZM
Steinbeilklinge Typ Greenlaw/Altenstadt, gefertigt aus westalpiner Jade vom Monte Viso. Alter etwa 4200/4100 v. Chr., Fundort Kapellenberg um 1880. Foto: Sabine Steidl/RGZM

Eine der beiden Klingen ist in hochprofessioneller und mühsamer Handarbeit aus Jade gefertigt worden. Da das Material aus den Westalpen stammt, gehen wir davon aus, dass dieses Objekt über Frankreich bis in das Rhein-Main-Gebiet gebracht worden ist. Solchekostbaren Stücke sind bislang nur in Gräbern hochstehender politischer Persönlichkeiten gefunden worden.“Beide Beile sind mittlerweile im Stadtmuseum Hofheim am Taunus zu sehen.

Bestimmung des Grabhügelsmit Hilfe von 3D-Scans
Erst vor kurzem ist es dem Archäologen und seinem Team gelungen,die gewaltigen Ausmaße des künstlichen Hügels,mit einem Durchmesser von 90 Metern und einer erhaltenen Höhe von etwa sechs Metern,korrekt zu bestimmen. Gronenborn erläutert hierzu: „Erst mit Hilfe eines 3D-Scans der Oberfläche des Höhenrückens konnte die Erhebung in ihren Dimensionen erkannt werden.“Die folgenden Untersuchungen zeigten auch, dass Ende des 19. Jahrhunderts schon einmal jemand im Zentrum des Hügels gegraben hatte, denn dort fanden sich Münzen aus dieser Zeit. Wiederum etwa zehn Jahre nach dieser frühen Grabung ist die Übergabe der beiden Beilklingen an den damaligen Landeskonservator dokumentiert: „Es lag also nahe, diese Erkenntnisse miteinander in Bezug zu setzen“, so Gronenborn. „Obwohl es bislang nicht möglich war, den Hügel direkt zu datieren, lässt die Kombination aus Archivstudien und unseren Ausgrabungen sehr stark vermuten, dass das Monument irgendwann zwischen 4500 und 3750 v. Chr., und damit zeitlich bereits vor der inneren Besiedlung,errichtet wurde.“ Vergleichbare Grabmonumente gibt es aus dieser Zeit heutzutage nur noch in der Bretagne, in der Region um Carnac. Es ist daher möglich, dass die damalige Bevölkerung aus Frankreich eingewandert ist.

Kapellenberg am Taunus:Eine befestigte Höhensiedlung aus der Jungsteinzeit

(vli.): Projektleiter Prof. Dr. Detlef Gronenborn (RGZM), Christian Vogt, Bürgermeister der Stadt Hofheim, und Dr. Dieter Neubauer, Bezirksarchäologe, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, stehen etwa dort, wo einst der Gipfel der Grabanlage emporragte.  © Foto: Diether v. Goddenthow
(vli.): Projektleiter Prof. Dr. Detlef Gronenborn (RGZM), Christian Vogt, Bürgermeister der Stadt Hofheim, und Dr. Dieter Neubauer, Bezirksarchäologe, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, stehen etwa dort, wo einst der Gipfel der Grabanlage emporragte. © Foto: Diether v. Goddenthow

Eines der bemerkenswertesten Forschungsergebnisse zum Projekt Kapellenberg war, dass das gesamte, heute noch gut sichtbare Wallsystem in der Jungsteinzeit errichtet wurde. „Damit ist der Kapellenberg die am besten erhaltene archäologische Fundstätte aus der Zeit vor 6000 Jahren“, erklärt Gronenborn.„Kontinuierliche Ausgrabungen auf dem inneren Plateau ergaben, dass dort zwischen 3750 und 3650 v. Chr. ein Dorf mit etwa 900 Einwohnern existierte.“
Seit 2008 untersucht das Römisch-Germanische Zentralmuseum, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM), und der Arbeitsbereich Vor- und Frühgeschichte des Instituts für Altertumswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz in Zusammenarbeit mit der hessenARCHÄOLOGIE die archäologische Fundstätte aus der Jungsteinzeit. Unterstützt wird das Projekt von der Stadt Hofheim. „Wir freuen uns, dass eine solch bedeutende Fundstätte hier in Hofheim liegt. Die Siedlung der Michelsberger Kultur zeigt, Hofheim ist in Mitten des Rhein-Main-Gebiets eine der ältesten Besiedlungen und zeigt die Bedeutung dieses Orts für Handel und Transport seit dieser Zeit“, sagt Bürgermeister Christian Vogt. „In Zukunft wollen wir die Forschungen deshalb weiter unterstützen und intensiv begleiten.Ziel ist auch, die Ergebnisse für die Menschen erlebbar und sichtbarer zu machen.“ Deshalb istim Sommer 2020 geplant, einen archäologischen Rundweg am Kapellenberg,gefördert von der Stiftung Flughafen, zu eröffnen.Dieser soll in den Regionalpark Rhein-Main integriert werden.

Weiterführende Links:

Aus der Antike für die Zukunft lernen – Kooperation von RGZM, GDKE u. Uni Trier schaffen hierzu neuen Forschungsschwerpunkt Römische Archäologie und Maritime Antike (FoRuM)

(v.l. n. r.:)Generaldirektor Thomas Metz (GDKE), Wissenschafts- und Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf, Prof. Dr. Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier, Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Wissenschafts- und Kulturminister und Generaldirektorin Prof. Dr. Alexandra Busch (RGZM) schmieden mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung eine neue Allianz für Spitzenforschung zur römischen Archäologie und Maritimen Antike in Rheinland-Pfalz. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
(v.l. n. r.:)Generaldirektor Thomas Metz (GDKE), Wissenschafts- und Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf, Prof. Dr. Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier, Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Wissenschafts- und Kulturminister und Generaldirektorin Prof. Dr. Alexandra Busch (RGZM) schmieden mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung eine neue Allianz für Spitzenforschung zur römischen Archäologie und Maritimen Antike in Rheinland-Pfalz. © Foto: Diether v Goddenthow

Die nördlich der Alpen einzigartigen rheinland-pfälzischen antiken Schätze der Römerzeit und der maritimen Antike sollen Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Alters und unterschiedlichen Bildungsstandes durch verstärkte Erforschung der Antike in neu zu schaffenden Erfahrungsräumen als wertvolle Ressource ihrer Gegenwart näher gebracht werden. Aus diesem Grund schmieden das Römisch-Germanische Zentralmuseum Mainz Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM), die Universität Trier und die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) eine neue strategische Allianz. Als einen wesentlichen Schritt hierzu, unterzeichneten am 23.09.219 Prof. Dr. Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier, sowie Generaldirektor Thomas Metz (GDKE) und Generaldirektorin Prof. Dr. Alexandra Busch (RGZM) zwei Kooperationsvereinbarungen. Ziel sei die nachhaltige Etablierung eines international sichtbaren Forschungsschwerpunktes für Römische Archäologie und Maritime Antike (FoRuM) in Rheinland-Pfalz, gaben die drei Einrichtungen heute in Anwesenheit von Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Wissenschafts- und Kulturminister Prof. Dr. Konrad Wolf in Mainz bekannt.

„Rheinland-Pfalz ist reich an antikem Erbe. Unsere Forschungseinrichtungen haben einen exzellenten Ruf auf dem Gebiet der Altertumsforschung. Ich freue mich sehr, dass wir heute durch die intensive Kooperation des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, der Universität Trier und der Generaldirektion Kulturelles Erbe eine neue Allianz schaffen. Damit bündeln wir unsere Expertise und können international noch schlagkräftiger auftreten“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer. „Das ist ein großer Schritt für das Wissenschaftsland Rheinland-Pfalz, da Forschungen zur Antike einen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten und helfen können, die richtigen Fragen im Hinblick auf die Herausforderungen unserer Zeit zu stellen.“

Schwerpunkt Wissenstransfer: Antike Realität mobil erleben" © RGZM
Schwerpunkt Wissenstransfer: Antike Realität mobil erleben“ © RGZM

Staatsminister Prof. Dr. Konrad Wolf, zuständig für die Ressorts Wissenschaft und Kultur in Rheinland-Pfalz, ergänzte: „Mit den neuen Partnerschaften bereichern wir unser Wissenschaftssystem in Rheinland-Pfalz, denn wir bringen die akademische Antiken-Forschung eines außeruniversitären Leibniz-Forschungsinstituts und – museums, der Universität und der Landesverwaltung zusammen. Das ist eine große Chance. Eine enge Verschränkung über einen personellen Austausch garantiert die Nachhaltigkeit.“

So werden im kommenden Jahr zwei neu eingerichtete Professuren in einer gemeinsamen Berufung durch Leibniz-Forschungsinstitut und -museum und Universität Trier besetzt, die neue gemeinsame Forschungsimpulse setzen und die universitäre Lehre bereichern. Darüber hinaus sieht die Kooperationsvereinbarung vor, dass die Universität eine zusätzliche Junior-Professur für provinzialrömische Archäologie einrichtet, um die Erforschung der Römischen Provinzen dauerhaft auszubauen.

„Die Altertumswissenschaften werden an der Universität Trier seit jeher groß geschrieben. In Trier trifft kulturelles Erbe auf moderne Wissenschaft. Das zeigen unter anderem aktuelle Projekte wie die Rekonstruktion eines römischen Handelsschiffes oder das Erlebbarmachen antiker Stätten mittels Augmented Reality. Ich freue mich über die neue Kooperation, die uns auch als interessanter Partner für Dritte auftreten lässt“, führte Prof. Dr. Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier, aus.

Schwerpunkt Forschung: "'Seehandel in einer globalisierten Welt'" © RGZM
Schwerpunkt Forschung: „‚Seehandel in einer globalisierten Welt'“ © RGZM

Schon 2015 hat sich an der Universität Trier das Forschungsinstitut TRANSMARE gegründet, das die bereits vielfach vorhandenen Forschungen zu maritimen Verbindungen über die Flüsse und das Meer sowie zum Transport von Menschen Gütern und Ideen über ebendiese Verkehrswege bündelt. Das Besondere daran ist die Perspektive langer Dauer. Hier werden mit nationalen und internationalen Kooperationen bis hin zu Oxford und dem Massachusetts Institut of Technology (MIT) aus der Antike heraus Forschungsfragen und Ideen für die Gegenwart entwickelt, etwa im Hinblick auf Globalisierungsphänomene. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Universität Trier und die Generaldirektion Kulturelles Erbe den Forschungsverbund VaKT gegründet, der die verstärkte Erforschung der römischen Kaiserresidenz Trier zum Ziel hat.

Die zweite, heute geschlossene Kooperationsvereinbarung baut auf VaKT und TRANSMARE auf und begründet einen gemeinsamen neuen Forschungsschwerpunkt Römische Archäologie und Maritime Antike (FoRuM) zwischen RömischGermanischen Zentralmuseum Mainz, Universität Trier und der Generaldirektion. Hier liegt der Fokus räumlich insbesondere auf den römischen Nordwestprovinzen mit Trier als Zentrum und ihre Verbindungen in die antike Mittelmeerwelt. Inhaltliche Schwerpunkte sollen u.a. die Archäologie und Geschichte Triers und seines Umlands, der Erhalt des kulturellen Erbes, die Erforschung der wirtschaftlichen und kulturellen Verflechtungen und die infrastrukturelle Vernetzung in die gesamte antike Welt unter besonderer Berücksichtigung der antiken Schifffahrt werden. Die Partnerinstitutionen werden eine gemeinsame Forschungsagenda entwickeln, gemeinsam neue Forschungsvorhaben auf den Weg bringen und sich bei der Bearbeitung dieser Forschungsfelder gegenseitig unterstützen. Zudem wird der wissenschaftliche Nachwuchs und die internationale Vernetzung entscheidend gefördert werden. Die Forschungsergebnisse werden in innovativen Formaten an die Öffentlichkeit vermittelt. Damit wird FoRuM einen wichtigen Beitrag zur Profilbildung des Wissenschaftsstandortes Trier und des Wissenschaftslandes Rheinland-Pfalz leisten.

Schwerpunkt Forschung: "'Kaiservillen im Trierer Land" © RGZM
Schwerpunkt Forschung: „‚Kaiservillen im Trierer Land“ © RGZM

Thomas Metz, Generaldirektor Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, wies auf die Bedeutung von Trier als dem Zentrum der Antike in Deutschland, wenn nicht sogar, „als Zentrum nördlich der Alpen“. „Dies ist für uns nicht nur Marke, um Besucher/innen nach Trier zu locken, um sie mit den Römerbauten und den Museen zu konfrontieren, sondern es ist auch eine Marke, die wichtig ist für unsere interne Kommunikation für das Verständnis unserer Arbeit.“, so der Generaldirektor. Die Organisationsstrukturen seien entsprechend auf dieses Zentrum in Rheinland-Pfalz ausgerichtet. Das bedeute beispielsweise, das die GDKE einen sehr engen Verbund zwischen Museum und Archäologie habe und darüber hinaus gehöre entsprechend des gesetzlichen Auftrags des Denkmalschutzgesetzes, das wissenschaftliche Erforschung von Kulturdenkmäler und die öffentliche Zugänglichmachung der Ergebnisse zu den zentralen Aufgaben der GDKE. „Durch die Kooperation wird die gute Zusammenarbeit zwischen RGZM, Universität Trier und der GDKE nachhaltig gefestigt und der gesetzliche Auftrag der GDKE, das kulturelle Erbe zu erforschen, in Trier weiter optimiert“, freute sich Metz.

Zahlreiche Wissenschaftler/innen des RGZM und seiner Außenstellen, der Universität Trier und des GDKE waren bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung und dem anschließenden Ausstellungsrundgang im Museum für Antike Schifffahrt in Mainz am 23.09.2019 anwesend. ©  Foto: Diether  v Goddenthow
Zahlreiche Wissenschaftler/innen des RGZM und seiner Außenstellen, der Universität Trier und des GDKE waren bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung und dem anschließenden Ausstellungsrundgang im Museum für Antike Schifffahrt in Mainz am 23.09.2019 anwesend. © Foto: Diether v Goddenthow

Professorin Dr. Alexandra Busch, Generaldirektorin des Römisch-Germanischen-Zentralmuseums, betonte, dass mit den beiden strategischen Kooperationsvereinbarungen nicht nur dem Leibniz-Forschungs-Credo entsprochen würde, sondern es sei vor allem möglich, „ wichtige Forschungsbereiche unseres Hauses gezielt und zukunftsträchtig in Zusammenarbeit mit starken Partnern, der Universität Trier, der Landesarchäologie und dem Landesmuseum der GDKE gezielt weiterzuentwickeln.“ Trier sei dabei in zweierlei Hinsicht bedeutend: Als antike Kaiserresidenz, gülten für Trier und sein Umland, als einer der bedeutendsten Orte im gesamten römischen Reich, außergewöhnliche Erhaltungsbedingungen. Mit Landesarchäologie, Landesmuseum und Universität seien an diesem Stantort die besten Voraussetzungen geschaffen, „um beispielhaft grundlegende Fragen zur römischen Archäologie zu klären. Denn Qualität und Quantität der Befunde und Funde, wie auch Dokumentation findet so gut wie keine Entsprechung im römischen Reich. Die geplante gemeinsame Berufung unterstützt die strategischen Planung der Universität und des Landesmuseums, da hierdurch nicht nur inhaltliche, sondern auch im Langfristigen infrastrukturelle und strukturelle Verbindungen mit der zweitgrößten Forschungseinrichtung für Archäologie in Deutschland eingegangen wird.“, so Busch.

Schwerpunkt Forschung: "'Ein römisches Industrierevier in der Südeifel" © RGZM
Schwerpunkt Forschung: „‚Ein römisches Industrierevier in der Südeifel“ © RGZM

Die römische Archäologie Deutschland würde der neuen Kooperation in den Bereichen Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung wie auch im Bereich des Wissenstransfers auf ein neues Fundament und auch auf ein neues Level gebracht und die internationale Sichtbarkeit für das Wissenschaftsland Rheinland-Pfalz deutlich verbessert werden.

Ein weiterer nicht weniger bedeutender Punkt sei die die Antike Schifffahrt, so die Generaldirektorin. Denn in Deutschland gebe „es genau zwei Spezialisten für alles, was sich um antike Schifffahrt dreht. Das ist der Kollege Prof. Dr. Christoph Schäfer in Trier und der Kollege Dr. Ronald Bockius“, so Busch. So fördere die Kooperation „die Etablierung eines dauerhaften maritimen Forschungsschwerpunktes vor allem für historische und archäologische Untersuchungen in den älteren historischen Epochen, insbesondere des griechisch-römischen Altertums“, erläuterte die Generaldirektorin. Hiermit baue man zudem gezielt ein Alleinstellungsmerkmal des Landes Rheinland-Pfalz in der deutschen Wissenschaft auf, ist sich Busch sicher.

Die Ergebnisse der Forschungskooperationen würden gemeinsam in die Öffentlichkeit vermittelt. „Und Ziel ist es dabei, Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Alters und unterschiedlichen Bildungsstandes Erfahrungsräume zu bieten, die es ihnen ermöglichen kulturelles Erbe und die daraus abgeleiteten Forschungen nicht als statischen Wissensbestand sehen, sondern als Ressourcen für ihr Leben in der Gegenwart begreifen.“, so die Generaldirektorin des RGZM. Busch ist sich sicher, dass mit der jetzt geschlossenen Kooperation optimale Bedingungen für nationale und internationale Positionierung „unseres Landes und auch für die römische Archäologie und die maritime Antike“ geschaffen würde.

Mobile Begleitausstellung FoRuM

© RGZM
© RGZM

Einen visuellen Überblick wichtiger Bereiche des neuen Forschungsschwerpunkt Römische Archäologie und Maritime Antike (FoRuM) gibt die gleichnamige mobile Ausstellung:

  • Forschung: „Binnenwasserstrassen und maritime Ökonomie“, „Seehandel in einer ‚globalen Welt‘“, „Falschmünzer in Trier“, „Ein römisches Industrierevier in der Südeifel“, „Römische Ziegeltempel aus Trier“, „Kaiservillen im Trierer Land“ und „Rom ist dort, wo der Kaiser ist“.
  • Wissenstransfer: „Antike Realität mobil erleben“
  • Nachwuchs: „Antike Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Trier“.

Univ.-Prof. Dr. Alexandra Busch ist neue Generaldirektorin des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM)

Mit einer Feierstunde, zu der das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur sowie das RGZM gemeinsam eingeladen hatten, wurde am 3. November 2018 im Museum für Antike Schiffahrt  Univ.-Prof. Dr. Alexandra W. Busch offiziell die Leitung des Leibniz-Forschungsinstituts und - museums für Archäologie übertragen. Bild (v.l.n.r.): Univ.-Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf, Univ.-Prof. Dr. Alexandra W. Busch, frisch gekürte Generaldirektorin des RGZM, Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg Universität Mainz sowie Marianne Grosse, Kultur- und Baudezernentin der Landeshauptstadt Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow
Mit einer Feierstunde, zu der das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur sowie das RGZM gemeinsam eingeladen hatten, wurde am 3. November 2018 im Museum für Antike Schiffahrt Univ.-Prof. Dr. Alexandra W. Busch offiziell die Leitung des Leibniz-Forschungsinstituts und – museums für Archäologie übertragen. Bild (v.l.n.r.): Univ.-Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf, Univ.-Prof. Dr. Alexandra W. Busch, frisch gekürte Generaldirektorin des RGZM, Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch, Präsident der Johannes Gutenberg Universität Mainz sowie Marianne Grosse, Kultur- und Baudezernentin der Landeshauptstadt Mainz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Mainz. Im  Anschluss an den bunten Familiennachmittag  im Museum für Antike Schiffahrt  wurde gestern Abend im Rahmen einer Feierstunde Univ.-Prof. Dr. Alexandra W. Busch in Beisein zahlreicher prominenter Gäste und Grußwort-Redner offiziell die Leitung des Leibniz-Forschungsinstituts und – museums für Archäologie übertragen. Schon seit 2014 setzt  sie sich als Forschungsdirektorin am RGZM dafür ein, dass 1852 gegründete Haus mit neuen Formaten in Forschung und Vermittlung voran zu bringen.

Begrüßt hatte die gut 250 Gäste Prof. Dr. Markus Egg, Direktor für Werkstätten und Labore sowie Leiter des Kompetenzbereichs Vorgeschichte.  Bei seinem anschließenden Grußwort zeigte sich Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf hocherfreut, mit Frau Busch eine kompetente Wissenschaftlerin gewonnen zu haben, „die zugleich aus ihrer bisherigen Tätigkeit als Direktorin am RGZM über detaillierte Kenntnisse dieses einzigartigen Forschungsmuseums verfügt. Frau Busch übernimmt mit der Leitung des zweitgrößten archäologischen Forschungsinstituts in Deutschland zugleich die verantwortungsvolle Aufgabe, das Institut auf den Umzug in das neue Hauptgebäude vorzubereiten und damit eine neue Ära in der langen Geschichte des RGZM einzuleiten. Das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur wird das Institut weiterhin mit aller Kraft auf diesem Wege begleiten und unterstützen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.“

Auch Kulturdezernentin Marianne Grosse, Universitätspräsident Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch und Leibniz-Präsident Univ.-Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner freuten sich in anschließenden Grußworten über die gute  Wahl von Univ.-Prof. Dr. Alexandra W. Busch zur neuen Generaldirektorin und sagten ihr weiterhin eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu. Sie wünschten der ersten Frau in der Ahnenreihe der bisherigen Generaldirektoren in der 166-jährigen Geschichte des RGZM die Balance zwischen „Herz und Härte“ und das „Quäntchen Glück, das ein jeder brauche, der so ein verantwortungsvolles, großes Amt“ übernehme.

Impression aus dem Museum für Antike Schiffahrt bei der Feierstunde anlässlich der Amtsübergabe an Univ.-Prof. Dr. Alexandra W. Busch. © Foto: Diether v. Goddenthow
Impression aus dem Museum für Antike Schiffahrt bei der Feierstunde anlässlich der Amtsübergabe an Univ.-Prof. Dr. Alexandra W. Busch.. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die in Neuss gebürtige Wissenschaftlerin,   die, von den schönen Bildern  der Lektüre von „Götter, Gräber und Gelehrte“ von C.W. Ceram inspiriert, bereits als Fünfjährige ihr Faible für die Archäologie entdeckte,  dankte den zahlreichen Grußwort-Rednern für ihre herzlichen Worte , ihren Eltern für ihre jahrelange Geduld und Unterstützung und insbesondere ihren bisherigen Wegbegleitern und Kollegen, ohne die sie es nicht bis hierin geschafft hätte:„Der heutige Tag ist für mich der wichtigste Tag in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn. Ich freue mich darauf, ein für die Archäologie so wichtiges Haus zu übernehmen und gemeinsam mit meinen kompetenten Kolleginnen und Kollegen die uns bevorstehenden vielfältigen Herausforderungen zu meistern“, sagte die neue Generaldirektorin, die sich schon vorher maßgeblich an der strategischen Neuausrichtung des RGZM beteiligt hatte. Eine der größten momentanen Herausforderung sei der Einzug in den Neubau bis 2020, mit Einrichtung der Werkstätten, des Forschungsbereichs und dem Aufbau der neuen Dauerausstellung: „Mit den großzügigen neuen Flächen für Dauer- und Sonderausstellungen sowie Räumlichkeiten für Bildung und Vermittlung bietet der Neubau dem RGZM die einmalige Chance, sein neues Gesamtkonzept einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und sich damit national wie auch international neu zu positionieren.“ Der Neubau bedeute für sie aber nicht nur einen Quantensprung für die museale Präsentation am Mainzer Standort, sondern auch für die Forschung und die Forschungsinfrastruktur: „Wir erhalten dringend nötige Räumlichkeiten für Forschung, Lehre und die Umsetzung von Drittmittelprojekten, Raum für insgesamt 80 Leseplätze in unserer Bibliothek, die als eine der umfangreichsten Spezialbibliotheken für die archäologischen Wissenschaften und ihre Nachbardisziplinen nun auch zum internationalen Studienzentrum weiterentwickelt werden kann. Hinzu kommen Tagungsräume für den wissenschaftlichen Austausch und Veranstaltungen mit der Öffentlichkeit, zeitgemäß ausgestattete Labore und Werkstätten für Restaurierung und Konservierung sowie naturwissenschaftliche Archäologie und nicht zuletzt klimatisierte Magazine für unsere Sammlungen und Archive und deren Studium“, so die neue Generaldirektorin.

(Diether v. Goddenthow /Rhein-Main.Eurokunst)

Zur Person

Univ.-Prof. Dr. Alexandra W. Busch, Generaldirektorin des RGZM. © Foto: Diether v. Goddenthow
Univ.-Prof.
Dr. Alexandra W. Busch, Generaldirektorin des RGZM. © Foto: Diether v. Goddenthow

Alexandra W. Busch studierte Archäologie der römischen Provinzen, Alte Geschichte sowie Ur- und Frühgeschichte an der Goethe-Universität in Frankfurt und der Universität zu Köln, wo sie 2004 promovierte. Bevor sie 2014 ans RGZM kam, leitete sie die Fotothek der größten Auslandsabteilung des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom. Zuvor arbeitete sie zunächst als Volontärin, dann als wissenschaftliche Referentin am LVR Archäologischen Park Xanten an der Konzeption und Realisierung des LVR-Römermuseums. Neben langjährigen Feldforschungen in Italien leitet Busch derzeit ein interdisziplinäres Forschungsprojekt der Leibniz-Förderlinie Kooperative Exzellenz, das Forschungsinstitute aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet miteinander vernetzt und danach fragt, was Menschen widerstandsfähig macht. Sie ist außerdem maßgeblich an einem 2017 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bewilligten Projekt beteiligt, in dessen Rahmen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des RGZM und des i3mainz der Hochschule Mainz mit der 3D-Digitalisierung und automatisierten Analyse einer Objektgattung aus den Sammlungen des RGZM befasst.

(RGZM)

Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz feiert Richtfest für das neue Archäologische Zentrum

Richtfest  für den Neubau  des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie, Neutorstraße 2. © atelier-goddenthow Foto: Heike v. Goddenthow
Richtfest am 17. August 2018 für den Neubau des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie, Neutorstraße 2. Im gesamten rechten Flügel soll auf 3000 qm über drei Etagen die ständige Ausstellung des Archäologischen Zentrums untergebracht werden.   © atelier-goddenthow Foto: Heike v. Goddenthow

Am 17. August 2018 feierten die Mitarbeiter des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) gemeinsam mit den Bauleuten und zahlreichen Gästen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft 15 Monate nach der Grundsteinlegung das Richtfest für den Rohbau des Archäologischen Zentrums in der Neutorstraße.

Der Standort am südlichen Stadteingang liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum RGZM-Museum für Antike Schifffahrt und nahe des Ausgrabungsortes des Römischen Theaters, wo sich auch die gleichnamige Regional- und S-Bahnstation befindet. Rund 51,4 Millionen Euro investieren das Land Rheinland- Pfalz, die Landeshauptstadt Mainz und der Bund in dieses moderne Zentrum für archäologische Spitzenforschung und Öffentlichkeit mit großzügigen Ausstellungsbereichen.

vli.) Die Grußwortredner/innen: Michael Ebling, Mainzer, Oberbürgermeister, Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Vize-Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft, Dr. Alexandra Busch, Direktorin am RGZM, Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, (dahinter), Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetrauung (LBB) und Doris Ahnen, Finanz- und Bauministerin mit Richtkranz. © Foto: Diether v. Goddenthow
vli.) Die Grußwortredner/innen: Michael Ebling, Mainzer, Oberbürgermeister, Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Vize-Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft, Dr. Alexandra Busch, Direktorin am RGZM, Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, (dahinter), Holger Basten, Geschäftsführer des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetrauung (LBB) und Doris Ahnen, Finanz- und Bauministerin mit Richtkranz. © Foto: Diether v. Goddenthow

Bei seiner Begrüßung sagte der Geschäftsführer des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetrauung (LBB) Holger Basten, dass „seit der Grundsteinlegung im Mai 2017 große Herausforderungen, insbesondere bei der Gründung des Gebäudes, der Umverlegung von Leitungen und der archäologischen Begleitung gemeistert“ wurden. Der heute gerichtete Rohbau gäbe „nicht nur einen Eindruck von der Kubatur des Bauwerks, sondern ist auch von hoher konstruktiver Qualität. Daher geht ein besonderes Dankeschön des Landesbetriebs LBB an alle unsere Projektpartner.“

Finanz- und Bauministerin Doris Ahnen betonte in ihrer Rede beim Richtfest die Bedeutung des RGZM: „Das Römisch-Germanische Zentralmuseum genießt hohes Ansehen. Der entstehende Neubau trägt diesem guten Ruf Rechnung und schafft einen repräsentativen Ort für zukünftige Forschungen und Ausstellungen. Das neue RGZM wird für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, für unsere Landeshauptstadt Mainz, für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und für das Land Rheinland-Pfalz eine Bereicherung sein.“

Der in Stahlbeton-Bauweise errichtete viergeschossige Rohbau imponiert mit einer Länge von 95 Metern entlang der Rheinstraße. In dem zur Neutorstraße hin rechtwinklig angesetzten Ausstellungsflügel wird künftig das RGZM auf drei Etagen und 3000 Quadratmetern seine völlig neu konzipierte Dauerausstellung präsentieren.

© Foto: Diether v. Goddenthow
© Foto: Diether v. Goddenthow

Die vorgehängte Ziegelfassade orientiert sich am antiken römischen Mauerbild mit seinen schmalen, aufgrund der Herstellungsweise etwas rauen Ziegeln und den im Verhältnis dazu breiten Fugen. Das ist auch eine Referenz an das Forschungsfeld Wirtschaft und Technik des RGZM.

Der Rotton wird auf die Fassade des benachbarten Museums für Antike Schiffahrt, das ebenfalls zum RGZM gehört, sowie die ehemalige Neutorschule abgestimmt. Sie soll in ihrem ursprünglichen Rotton wieder hergerichtet werden. Beide Gebäude begrenzen den künftigen „Archäologischen Platz“, dessen Gestaltung die Fußwegeverbindungen in die Altstadt, das Neubaugebiet Am Winterhafen und in die Oberstadt berücksichtigt. Unter den mächtigen Platanen vor der Neutorschule wird es einen ruhigeren Bereich geben, der zum Verweilen einlädt.

© Visualisierung RGZM
Lichtdurchflutet und großzügig wird der Empfang im Eingangsbereich des Archäologischen Zentrum werden mit einer zentralen Treppe, über die Besucher unter anderem in den Lesebereich der großen Fach-Bibliothek und  in die Ausstellungsbereiche gelangen können © Visualisierung RGZM

Voraussichtlich in zwei Jahren kann das Römisch-Germanische Zentral-Museum sein bisheriges Domizil im Kurfürstlichen Schloss Mainz sowie einen Ergänzungsbau aus den 1970er-Jahren verlassen und in den Neubaukomplex einziehen, was für sich genommen nochmals eine Herkulesaufgabe bedeutet, da jedes der 220 000 Objekte gereinigt, dokumentiert, verpackt, transportiert und seinem neuem (Archiv-/Ausstellungs-)Ort zugewiesen werden muss. Jedes der 220 000 Objekte in der Sammlung des RGZM müsse einzeln angefasst werden, „von der kleinsten Scherbe bis zum tonnenschweren Artefakt“, was zusätzlicher Mitarbeiter und Mittel bedürfe, sagte Professor Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur. Der Minister betonte, dass die Errichtung des Neubaus nicht nur ein technischer Vorgang sei, „sondern dem Römisch- Germanischen Zentralmuseum als Forschungsinstitut neue Perspektiven“ eröffne. „Genauso wichtig ist jedoch, dass er zu einer neuen Wahrnehmung der Vermittlungsarbeit des Museums in der Öffentlichkeit weit über den Standort Mainz hinaus führen wird. Der Neubau stärkt Rheinland-Pfalz als Forschungsstandort und als Ort der Wissensvermittlung.“, so der Wissenschaftsminister.

Rohbau-Impression  künftiger Restaurierungswerkstätten und Labore im EG. Die Decken werden später mit Kranträgern ausgestattet, um auch schwere Objekte bewegen zu können. Daneben liegen Fotolabore und Vortragsräume. © Foto: Diether v. Goddenthow
Rohbau-Impression künftiger Restaurierungswerkstätten und Labore im EG. Die Decken werden später mit Kranträgern ausgestattet, um auch schwere Objekte bewegen zu können. Daneben liegen Fotolabore und Vortragsräume. © Foto: Diether v. Goddenthow

„Als eines der acht Leibniz-Forschungsmuseen wird das Römisch-Germanische Zentralmuseum nicht nur Schaufenster seiner archäologischen Forschung sein. Es ist vielmehr bestrebt, Menschen unterschiedlicher Herkunft, Bildung und unterschiedlichen Alters zu erreichen und den Dialog mit der Gesellschaft zu suchen“, sagte Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Vize-Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft. „Zu sehen, wie das neue RGZM nun konkrete Formen annimmt und damit den nötigen Raum für exzellente Wissenschaft und Wissensvermittlung schafft, ist wunderbar. Ich bin sehr gespannt auf die Realisierung des zukunftsweisenden Gesamtkonzepts des RGZM, das Forschung und Wissenstransfer verbindet.“

Dr. Alexandra Busch, Direktorin am RGZM und Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur während des Rundgangs durch den Rohbau des Archäologischen Zentrums. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dr. Alexandra Busch, Direktorin am RGZM und Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur während des Rundgangs durch den Rohbau des Archäologischen Zentrums. © Foto: Diether v. Goddenthow

Dr. Alexandra Busch, Direktorin am RGZM, betonte: „Der Neubau bedeutet einen Quantensprung für unser Haus und dies gleich in zweierlei Hinsicht: Einerseits werden mit großzügigen Räumlichkeiten für unsere Forschungsbibliothek, Tagungsräumen sowie zeitgemäß ausgestatteten Laboren und Werkstätten für Restaurierung und Konservierung archäologischer Objekte optimale Bedingungen für die Forschung und die internationale Positionierung des RGZM geschaffen. Gleichzeitig bietet der Neubau völlig neue Möglichkeiten für den musealen Wissenstransfer des RGZM in Mainz. Hier werden wir den Besucherinnen und Besuchern Erfahrungsräume anbieten, die es ihnen ermöglichen, kulturelles Erbe und die daraus abgeleiteten Forschungen als Zugang zur Reflexion gesellschaftlicher Dynamiken und als Ressource für ihr Leben in der Gegenwart zu begreifen“.

Dort, wo jetzt noch der Baukran sein Fundament hat, wird ein neuer Super-Computertomograph für radiologisch-bildgebende Analyse-Verfahren aufgestellt werden. Der 1,2 Mio Euro teure Koloss  wiegt  mit seiner Beton-Bodenplatte 15 Tonnen, und könne nur dorthin, da  anderswo der Boden nachgebe, so Prof. Dr. Markus Egg, Direktor für Werkstätten und Labore. Bild: Blick  aus dem besonders gesicherten Sonderausstellungsbereich auf das Noch-Kranfundament. © Foto: Diether v. Goddenthow
Dort, wo jetzt noch der Baukran sein Fundament hat, wird ein neuer Super-Computertomograph für radiologisch-bildgebende Analyse-Verfahren aufgestellt werden. Der 1,2 Mio Euro teure Koloss wiegt mit seiner Beton-Bodenplatte 15 Tonnen, und könne nur dorthin, da anderswo der Boden nachgebe, so Prof. Dr. Markus Egg, Direktor für Werkstätten und Labore. Bild: Blick aus dem besonders gesicherten Sonderausstellungsbereich auf das Noch-Kranfundament. © Foto: Diether v. Goddenthow

Die gesamte Baugrube erhielt gegen Nachrutschen und als Schutz gegen das hoch anstehende Grundwasser einen Verbau aus dicht gesetzten Bohrpfählen. Im Schutz des Verbaus legten Archäologen der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) 15 Monate lang Festungsmauern aus verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte frei und dokumentierten sie für die Forschung. Zu den besonderen baulichen Herausforderungen gehört es, dass unterhalb des Ausstellungsflügels die Versorgungsleitungen der Altstadt (Wasser, Gas, Strom, Kommunikation) verlaufen. Diese mussten vor dem Ausheben der Baugrube zunächst in zwei Trassen gebündelt werden. Die Bohrpfähle zur Gründung des Ausstellungsflügels wurden dann in unmittelbarer Nähe zu den Leitungstrassen eingebracht.

Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz, Michael Ebling, sagte: „Das Römisch- Germanische-Zentralmuseum leuchtet weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Wir können in Mainz stolz darauf sein, Heimstatt eines solchen Museums zu sein, denn mit dem neuen Haus präsentiert sich Mainz einmal mehr als einer der bedeutendsten Standorte für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Rhein-Main.“

Trotz Baustellen-Atmosphäre schon gut erkennbar ist der neue Archäologische Platz, der links begrenzt wird durch die ehemalige Neutorschule (nicht im Bild). Der von alten Platanen dominierte Platz wird einer der größten seiner Art in Mainz werden und ist orientiert  an den Wegeverbindungen in die Altstadt, das Neubaugebiet Winterhafen und in die Oberstadt. Foto: Heike v. Goddenthow
Trotz Baustellen-Atmosphäre schon gut erkennbar ist der neue Archäologische Platz, der links begrenzt wird durch die ehemalige Neutorschule (nicht im Bild). Der von alten Platanen dominierte Platz wird einer der größten seiner Art in Mainz werden und ist orientiert an den Wegeverbindungen in die Altstadt, das Neubaugebiet Winterhafen und in die Oberstadt. Foto: Heike v. Goddenthow

Bereits am Rohbau klar erkennbar ist der auf den künftigen „Archäologischen Platz“ ausgerichtete Haupteingangsbereich mit dem dahinter liegenden Foyer. Insgesamt steht künftig eine Nutzfläche von fast 10.000 Quadratmetern für moderne Forschungslabore und Restaurierungswerkstätten, die wissenschaftliche Bibliothek, die Sammlungen, die wissenschaftlichen Arbeitsbereiche und den wissenschaftlichen Austausch wie auch für die Publikumsbereiche mit neuer Dauerausstellung auf 3000 Quadratmetern über drei Etagen und Raum für Sonderschauen, mit Bistro und Museumsshop zur Verfügung.

Rohbau-Impression der Ausstellungsfläche in der zweiten Etagen für die Ständige Ausstellung. Foto: Heike v. Goddenthow
Rohbau-Impression der Ausstellungsfläche in der zweiten Etagen für die Ständige Ausstellung. Foto: Heike v. Goddenthow

Der Neubau erhält großzügige Fensterflächen, die Einblicke in die Ausstellung gewähren und die optische Verbindung zwischen Innen- und Außenraum herstellen.